Dr.med. Ursula Davatz erklärt in ihrem Vortrag, dass es für Autisten sehr wichtig ist, klare Rahmenbedingungen zu haben. Dies liegt an ihrer besonderen Wahrnehmungsweise und ihrem erhöhten Sensibilitätsniveau. Autisten nehmen viel mehr Reize auf als Nicht-Autisten und haben Schwierigkeiten, irrelevante Reize auszublenden. Dadurch kann es schnell zu einer Überforderung, einem sogenannten „System Overload“ kommen.

Klare Strukturen und Rahmenbedingungen bieten Autisten:

  • Sicherheit und Orientierung: In einem klar definierten Rahmen wissen Autisten, was von ihnen erwartet wird und können sich besser auf die Situation einstellen. Sie fühlen sich sicherer und können ihre Energie auf die Aufgabe konzentrieren, anstatt sich mit der Interpretation der Situation zu beschäftigen.
  • Reduktion von Unsicherheiten: Offene Situationen und unvorhersehbare Veränderungen können für Autisten sehr verunsichernd sein. Ein klarer Rahmen hilft ihnen, Unsicherheiten zu minimieren und Ängste abzubauen.
  • Verhinderung von Überforderung: Durch die Begrenzung der Reize und die Schaffung von Vorhersehbarkeit trägt ein klarer Rahmen dazu bei, eine Überforderung des Autisten zu vermeiden.
  • Verbesserte Kommunikation: Klare Anweisungen und Erwartungen erleichtern die Kommunikation und reduzieren das Risiko von Missverständnissen.

Konkrete Beispiele für die Bedeutung von Rahmenbedingungen:

  • Im Arbeitsumfeld: Autisten können im Arbeitsumfeld sehr erfolgreich sein, wenn ihre Aufgaben klar definiert sind und der Vorgesetzte ihnen einen strukturierten Rahmen bietet.
  • In der Interaktion: In der Kommunikation mit Autisten ist es wichtig, klare und direkte Sprache zu verwenden, Befehle zu vermeiden und stattdessen Bitten zu formulieren.
  • Im Alltag: Feste Strukturen im Alltag, wie z.B. immer gleiche Essenszeiten oder feste Plätze für Gegenstände, geben Autisten Sicherheit und Orientierung.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass es nicht darum geht, Autisten einzuengen oder ihnen ihre Autonomie zu nehmen. Vielmehr geht es darum, ihnen Hilfestellungen zu bieten, damit sie sich in einer Welt zurechtfinden können, die oft überfordernd und unvorhersehbar ist.

Besonders wichtig ist es, den Autisten in die Gestaltung des Rahmens miteinzubeziehen:

  • Gemeinsame Entscheidungsfindung: Statt Entscheidungen über den Kopf des Autisten hinweg zu treffen, sollten seine Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt werden.
  • Transparenz und Kommunikation: Der Autist sollte jederzeit wissen, warum bestimmte Rahmenbedingungen gelten und welche Erwartungen an ihn gestellt werden.

Indem man Autisten klare Rahmenbedingungen bietet, ermöglicht man ihnen, ihre Stärken zu entfalten und erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf