Dr.med. Ursula Davatz unterstreicht in ihren Ausführungen immer wieder die Bedeutung authentischer Beziehungen im Umgang mit Jugendlichen, besonders im Kontext von ADHS/ADS. Sie sieht Authentizität als unerlässliche Voraussetzung für eine gelingende Kommunikation und Beziehungsarbeit.

Was bedeutet authentisch sein?

Authentisch sein bedeutet, echt und aufrichtig zu sein, sich nicht zu verstellen und zu seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen. Dr. Davatz betont, dass Jugendliche sehr feinfühlig für Unechtheit sind und es sofort bemerken, wenn man ihnen etwas vormacht. Sie warnt davor, eine Rolle zu spielen oder zu versuchen, den Jugendlichen etwas vorzuspielen, was man nicht ist.

Warum ist Authentizität so wichtig?

  • Vertrauensbasis: Authentizität schafft Vertrauen. Jugendliche, die spüren, dass man ihnen ehrlich und aufrichtig begegnet, öffnen sich eher und sind eher bereit, mitzuarbeiten.
  • Vorbildfunktion: Erwachsene, die authentisch sind, sind für Jugendliche glaubwürdigere Vorbilder. Sie zeigen, dass es in Ordnung ist, auch mal Schwächen zu haben und Fehler zu machen.
  • Offene Kommunikation: Authentizität fördert eine offene Kommunikation. Wenn man seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle klar und deutlich ausdrückt, ermutigt man auch den Jugendlichen, dies zu tun.
  • Respekt und Augenhöhe: Authentizität zeigt Respekt gegenüber dem Jugendlichen. Man begegnet ihm auf Augenhöhe und nimmt ihn ernst.
  • Stärkung der Selbstmotivation: Jugendliche, die sich in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen und akzeptiert fühlen, sind eher in der Lage, ihre eigene Motivation zu entwickeln und ihre Ziele zu verfolgen.

Wie kann man authentisch sein?

  • Ehrlichkeit: Sei ehrlich zu dir selbst und zu dem Jugendlichen. Verstelle dich nicht und versuche nicht, eine Rolle zu spielen.
  • Offenheit: Zeige deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Habe keine Angst, auch mal Schwächen zu zeigen.
  • Akzeptanz: Akzeptiere den Jugendlichen so, wie er ist. Versuche nicht, ihn zu ändern oder in eine bestimmte Richtung zu drängen.
  • Wertschätzung: Zeige dem Jugendlichen, dass du ihn wertschätzt und seine Meinung respektierst.
  • Klarheit: Kommuniziere klar und deutlich, was du willst und was du nicht willst.
  • Grenzen setzen: Setze klare Grenzen, wenn der Jugendliche dein Vertrauen missbraucht oder deine Bedürfnisse nicht respektiert.

Dr.med. Ursula Davatz verwendet das Beispiel von Tieren, um die Bedeutung von Authentizität zu veranschaulichen: Man kann ein Tier nur dann führen oder dressieren, wenn man sein Wesen kennt. Genauso ist es mit Jugendlichen: Um ihnen helfen zu können, muss man sie zuerst verstehen und akzeptieren.

Authentizität im Schulsystem

Dr.med. Ursula Davatz kritisiert, dass im Schulsystem oft die Beziehung zu den Schülern zu kurz kommt. Lehrpersonen sind oft überfordert und haben wenig Zeit, sich individuell auf die Schüler einzulassen. Sie plädiert für ein Umdenken im Schulsystem und fordert mehr Raum für authentische Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass authentische Beziehungen ein Grundpfeiler im Umgang mit Jugendlichen sind. Authentizität schafft Vertrauen, fördert eine offene Kommunikation und stärkt die Selbstmotivation. Es ist wichtig, im Umgang mit Jugendlichen echt und aufrichtig zu sein, sich nicht zu verstellen und zu seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen.