Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag das Thema ADHS und Autismus im Kontext der Berufsfindung an, insbesondere anhand eines konkreten Fallbeispiels eines 16-jährigen Jugendlichen. Es wird deutlich, dass diese beiden Diagnosen eine besondere Herausforderung in der Berufsfindung darstellen und spezifische Herangehensweisen erfordern.

ADHS und Autismus: Gegensätzliche Ausprägungen mit gemeinsamen Herausforderungen:

  • ADHS: Menschen mit ADHS zeichnen sich oft durch eine hohe Sensibilität, Impulsivität und eine geringe Aufmerksamkeitsspanne aus. Sie sind extrovertiert, gesprächig und können aggressiv reagieren, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.
  • Autismus: Autistische Menschen hingegen neigen zum Rückzug und zur inneren Flucht. Sie haben Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und bevorzugen oft die Beschäftigung mit vorhersehbaren Systemen, wie z.B. Computern.

Obwohl ADHS und Autismus gegensätzliche Ausprägungen haben, stehen beide Diagnosen im Zusammenhang mit Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und der Anpassung an neue, unvorhersehbare Situationen. Dies kann die Berufsfindung und die Integration in die Arbeitswelt erschweren.

Herausforderungen im Fallbeispiel:

Im Fallbeispiel des 16-Jährigen zeigt sich die Problematik deutlich: Der Jugendliche ist zwar sehr begabt im IT-Bereich, zeigt aber gleichzeitig autistische Züge und ist stark von seinem Handy abhängig. Die Herausforderung besteht darin, ihn einerseits in seinen Stärken zu fördern, andererseits aber auch seine soziale Kompetenz und seine „Lebenstauglichkeit“ zu stärken.

Die Rolle des „Lebenscoachs“ in der Berufsfindung:

Dr. Davatz betont, dass in solchen Fällen die Berufsbegleitung auch eine starke Lebensberatungskomponente beinhaltet. Es geht darum, den Jugendlichen auf die Herausforderungen im Berufsleben vorzubereiten und ihm Strategien im Umgang mit sozialen Situationen und Stress zu vermitteln.

Konkrete Ansätze:

  • Desensibilisierung: Durch gezielte Konfrontation mit sozialen Situationen und Konflikten kann die Angst und der Rückzugsimpuls reduziert werden.
  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Die Jugendlichen müssen in ihren Stärken und Fähigkeiten bestärkt werden, um Selbstvertrauen zu entwickeln und sich den Herausforderungen im Berufsleben stellen zu können.
  • Förderung der sozialen Kompetenz: Durch Rollenspiele, Gruppenaktivitäten und andere Methoden kann die soziale Interaktion und die Kommunikation mit anderen Menschen trainiert werden.
  • Integration in ein unterstützendes Umfeld: Ein wertschätzendes und unterstützendes Arbeitsumfeld ist für Menschen mit ADHS und Autismus besonders wichtig.

Fazit:

Die Berufsfindung von Menschen mit ADHS und Autismus stellt eine komplexe Herausforderung dar, die einfühlsames Vorgehen und individuelle Unterstützung erfordert. Neben der fachlichen Qualifikation spielen die Förderung der sozialen Kompetenz und die Stärkung des Selbstwertgefühls eine entscheidende Rolle.

https://ganglion.ch/pdf/Selbstwert_Selbstvertrauen_im_Kontext_der_Berufsfindung.pdf