Die Quellen betonen die entscheidende Bedeutung der Beziehungsgestaltung in der Behandlung von Suizidalität bei Borderline-Patienten. Dr.med. Ursula Davatz unterstreicht, dass stabile Beziehungen der wichtigste Schutzfaktor gegen einen erfolgreichen Suizid sind.

Beziehungen als zentrales Bedürfnis und gleichzeitig Herausforderung:

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ein starkes Bedürfnis nach Beziehungen, kämpfen aber gleichzeitig mit intensiven Ängsten vor Ablehnung und Verlassenwerden.

  • Dieses Spannungsfeld führt oft zu instabilen Beziehungen und dramatischen Reaktionen auf vermeintliche Zurückweisungen, was wiederum das Suizidrisiko erhöht.
  • Suiziddrohungen und -versuche können als verzweifelte Versuche verstanden werden, Beziehungen aufrechtzuerhalten oder auf die eigene Not aufmerksam zu machen.

Beziehungsorientierte Therapie als tragende Säule:

In der Therapie ist es daher von zentraler Bedeutung, eine stabile und tragfähige Beziehung zum Patienten aufzubauen.

  • Diese Beziehung bietet dem Patienten Halt und Sicherheit und ermöglicht es ihm, seine Ängste und Verletzlichkeiten zu zeigen, ohne befürchten zu müssen, zurückgewiesen zu werden.

Verständnis und Akzeptanz statt Manipulation:

Dr. Davatz warnt davor, Suiziddrohungen als reine Manipulation abzutun. Sie betont, dass hinter diesen Drohungen immer echte Verzweiflung und Leid stecken.

  • Der Therapeut sollte dem Patienten empathisch begegnen und versuchen, seine emotionale Not zu verstehen.

Kontinuität in der Beziehung als wichtiger Faktor:

Beziehungsabbrüche sind für Borderline-Patienten besonders schwer zu verkraften und können das Suizidrisiko deutlich erhöhen.

  • Daher ist es wichtig, dass der Patient, wenn immer möglich, von derselben Bezugsperson betreut wird, sowohl im therapeutischen als auch im beruflichen Umfeld.

Konkrete Empfehlungen für den Umgang mit Suizidalität:

  • Suiziddrohungen ernst nehmen: Niemals bagatellisieren oder als reine Manipulation abtun.
  • Hilferuf erkennen: Suiziddrohungen als Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit verstehen.
  • Beziehung aufrechterhalten: Dem Patienten signalisieren, dass man für ihn da ist und ihn nicht aufgibt.
  • Professionelle Hilfe hinzuziehen: Im Zweifel immer einen Arzt oder Psychotherapeuten kontaktieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beziehungsgestaltung eine zentrale Rolle in der Behandlung von Suizidalität bei Borderline-Patienten spielt. Eine stabile, tragfähige und kontinuierliche Beziehung zu einem Therapeuten oder einer anderen Vertrauensperson kann dem Patienten Halt und Sicherheit geben und das Suizidrisiko deutlich reduzieren.

https://ganglion.ch/pdf/Borderline.pdf