Dr.med. Ursula Davatz betrachtet Schulverweigerung bei Kindern nicht als isoliertes Symptom, sondern als ein Zeichen dafür, dass etwas im System des Kindes, meist im Familiensystem, nicht stimmt. Sie betont, dass es wichtig ist, die zugrundeliegenden Ursachen zu verstehen, anstatt das Kind für sein Verhalten zu bestrafen.
Mögliche Ursachen für Schulverweigerung:
- Überforderung im Familiensystem: Oft übernehmen Kinder von psychisch kranken oder überforderten Eltern Verantwortungen und Funktionen, die sie überfordern.
- Angst um die Eltern: Kinder, deren Eltern psychisch krank sind, machen sich oft Sorgen um deren Wohlergehen und bleiben deshalb zuhause, um für sie zu sorgen.
- Mangelnde Unterstützung: Kinder, die in ihrem familiären Umfeld nicht genügend Unterstützung und Stabilität erfahren, können sich in der Schule unsicher und überfordert fühlen und deshalb die Schule verweigern.
- Eigene psychische Belastung: Schulverweigerung kann auch ein Zeichen für eine eigene psychische Belastung des Kindes sein, beispielsweise Angststörungen, Depressionen oder ADHS.
- Probleme im Schulsystem: Manchmal liegen die Ursachen für Schulverweigerung auch im Schulsystem selbst, beispielsweise Mobbing, Überforderung oder Konflikte mit Lehrpersonen.
Umgang mit Schulverweigerung:
- Systemische Betrachtung: Dr. Davatz plädiert für eine systemische Betrachtungsweise. Das bedeutet, dass nicht nur das Kind, sondern auch das Familiensystem, das soziale Umfeld und das Schulsystem in den Blick genommen werden müssen.
- Ursachenforschung: Anstatt das Kind für sein Verhalten zu bestrafen, sollten die zugrundeliegenden Ursachen erforscht werden.
- Unterstützung des Systems: Dr. Davatz betont, dass es in erster Linie darum geht, das System des Kindes zu unterstützen und zu verändern, um die Bedingungen zu schaffen, die es dem Kind ermöglichen, wieder zur Schule zu gehen.
- Verständnis und Validierung: Es ist wichtig, dem Kind Verständnis und Validierung entgegenzubringen. Das bedeutet, seine Gefühle und Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihm zu vermitteln, dass man es versteht, warum es die Schule verweigert.
- Zusammenarbeit mit der Schule: Eine enge Zusammenarbeit mit der Schule ist unerlässlich. Es geht darum, gemeinsam mit den Lehrpersonen Lösungen zu finden, die dem Kind helfen, wieder in den Schulalltag zurückzufinden.
- Eventuell Herausnahme aus dem System: In manchen Fällen kann es notwendig sein, das Kind vorübergehend aus dem System zu nehmen, beispielsweise durch eine Platzierung in einer Pflegefamilie oder einer therapeutischen Einrichtung. Dies sollte jedoch nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Massnahmen ausgeschöpft sind.
Konkrete Beispiele aus den Quellen:
- Dr.med. Ursula Davatz beschreibt den Fall eines Kindes, das die Schule verweigert, weil es sich ständig Sorgen um seine depressive Mutter macht und deshalb zuhause bleiben möchte.
- Sie erzählt auch von einem Kind, das aus einem dysfunktionalen Familiensystem herausgenommen und in einer neuen Schule platziert wurde, wo es gut zurechtkam.
- Dr.med. Ursula Davatz betont jedoch auch, dass es wichtig ist, die Bedürfnisse des Kindes zu respektieren und es nicht zu einer Trennung von seinen Eltern zu zwingen, wenn es dies nicht möchte.
Zusammenfassung:
Dr.med. Ursula Davatz sieht Schulverweigerung als ein Symptom für ein tieferliegendes Problem im System des Kindes. Sie empfiehlt einen systemischen Ansatz, der die Ursachenforschung, die Unterstützung des Familiensystems und die Zusammenarbeit mit der Schule in den Vordergrund stellt. Das Kind soll verstanden und validiert werden, ohne dass sein Verhalten bagatellisiert wird. Eine Herausnahme aus dem System sollte nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.