Sensibilität bei ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS als „hochsensibel“ gelten. Diese Sensibilität ist ein zentrales Merkmal ihres „anderen Neurotyps“, der genetisch vererbt ist und nicht „wegerzogen“ werden kann. Diese erhöhte Sensitivität beeinflusst, wie ADHS/ADS-Kinder ihre Umwelt wahrnehmen, auf Interaktionen reagieren und wie sie erzogen werden sollten.

Manifestationen der Sensibilität bei ADHS/ADS-Kindern:

  • Emotionale Sensibilität:
    • ADHS/ADS-Kinder werden schnell verletzt.
    • Jungen reagieren auf Verletzungen tendenziell mit Aggression und Kampf.
    • Mädchen reagieren auf Verletzungen eher mit Flucht, Rückzug oder übermässiger Anpassung, um Konflikte zu vermeiden. Diese Überanpassung kann später im mittleren Alter zu Erschöpfung, Depressionen und Burnout führen.
    • Sie sind sehr sozial und möchten, dass es dem Kollektiv gut geht, was dazu führen kann, dass sie sich auf eigene Kosten überanpassen.
  • Breite Aufmerksamkeit und Reizüberflutung (System Overload):
    • ADHS/ADS-Kinder haben eine „sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit“ und nehmen sofort alles in einem Raum wahr, einschliesslich der Stimmungen anderer Menschen.
    • Diese breite Aufmerksamkeit kann in grossen Menschenmengen oder Schulklassen zu einem „System Overload“ führen, bei dem das emotionale System überfordert und überlastet wird und zusammenbricht.
    • Wenn die Lernumgebung oder der Unterricht nicht spannend genug ist, sind sie schnell abgelenkt und suchen nach interessanteren Reizen.
  • Sensorische Sensibilität:
    • Sie können in verschiedenen sensorischen Bereichen sehr empfindlich sein.
    • Gehör: Manche mögen keinen Lärm und reagieren empfindlich auf Geräusche, andere haben ein absolutes Musikgehör, das durch Nebengeräusche gestört wird.
    • Tastsinn: Sie können bestimmte Materialien auf der Haut nicht ertragen, wie Kunstfasern oder Wolle, die „beissen“.
    • Lichtempfindlichkeit: Ein Kind war zum Beispiel so lichtempfindlich, dass es eine spezielle Brille benötigte, um besser lesen zu können.
    • Essverhalten: Einige sind sehr wählerisch beim Essen und essen nur wenige spezifische Dinge, was aber nicht unbedingt zu Mangelernährung führt.
  • Gerechtigkeitssinn:
    • ADHS/ADS-Kinder haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
    • Ein Mädchen verweigerte zum Beispiel die Schule, weil sie die Ungerechtigkeit der Lehrperson im Umgang mit der Klasse nicht ertragen konnte.

Implikationen der Sensibilität für Erziehung und Umgang:

  • Kommunikation im „Low Arousal“ Zustand: Es ist entscheidend, Botschaften in einem tiefen Erregungszustand (Low Arousal) zu übermitteln. Im hocherregten Zustand (High Arousal) laufen bei ADHS/ADS-Kindern nur Reflexe (Kampf, Flucht, Totstellen, Necken) ab, und es können keine vernünftigen Verhaltensweisen oder Belehrungen aufgenommen werden. Erziehende müssen zuerst selbst zur Ruhe kommen und dann dem Kind helfen, sich zu beruhigen.
  • Umgang mit Verletzungen: Wenn ein ADHS/ADS-Kind verletzt wurde, muss die Verletzung immer zuerst validiert werden („was hat dich dort verletzt?“), bevor gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
  • Vermeidung von Strafen und Beschämung: Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht, da Reflexverhalten nicht durch Strafen verändert werden kann. Beschämung ist besonders schädlich und kann dazu führen, dass ein Kind die Schule verweigert, wenn es sich zum Beispiel wegen Legasthenie öffentlich gedemütigt fühlt. Stattdessen ist Führung und Unterstützung gefragt.
  • Persönlichkeitsgerechte Erziehung und Differenzierung: Es ist wichtig, eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“ zu praktizieren. Dies bedeutet, das Kind individuell zu beobachten und zu verstehen, anstatt von Schemata auszugehen. Es ist erlaubt und notwendig, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht anzubieten, da nicht alles, was für alle funktioniert, auch für jedes einzelne Kind passt.
  • Umgang mit Risikobereitschaft: Die Risikofreudigkeit von ADHS/ADS-Kindern, die nach extremen Situationen und Dopaminausschüttung suchen, sollte nicht unterbunden, sondern begleitet werden. Ein Verbot führt oft zu heimlicherem und gefährlicherem Verhalten. Stattdessen sollte man dem Kind helfen, seine eigenen Grenzen zu spüren und verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen.
  • Rolle der Beziehung: Lernen bei Menschen geschieht an erster Stelle über das emotionale Gehirn und die Beziehung. „Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung“. Lehrer und Eltern sind heute wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz zu vermitteln und die Beziehung zu pflegen, da diese nicht über digitale Medien erlernt werden kann. Auch Konflikte sollten in der Interaktion ausgetragen werden, da dies zum menschlichen Lernen gehört.
  • Eltern und Lehrer: Es besteht oft eine gegenseitige Angst zwischen Eltern und Lehrern, die die Zusammenarbeit erschwert. Dr. Davatz fordert mehr Unterstützung und Systemberatung für Lehrpersonen, um den Umgang mit schwierigen Kindern zu verbessern und sie nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie zu schicken.
  • Rituale zum Herunterfahren: Besonders für Kinder, die aufgrund ihrer Gedanken und Reizverarbeitung schwer einschlafen können, sind regelmässige Rituale zum Herunterfahren wichtig. Dies kann ein Bettritual sein oder für ältere Kinder das Aufschreiben von Gedanken, um Erlebnisse zu verarbeiten und abzulegen.

Zusammenfassend ist die Sensibilität ein grundlegendes Merkmal des ADHS/ADS-Neurotyps, das sowohl Herausforderungen als auch Stärken mit sich bringt. Ein angepasster, beziehungsorientierter und individueller Erziehungsansatz, der diese Sensibilität berücksichtigt, ist entscheidend für die gesunde Entwicklung dieser Kinder.

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Medikamenteneinsatz bei ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz bespricht den Einsatz von Medikamenten bei ADHS/ADS-Kindern ausführlich und mit einer differenzierten Haltung.

Arten und Wirkung von Medikamenten bei ADHS/ADS Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse und Medikinet werden zur Behandlung von ADHS/ADS eingesetzt. Dr. Davatz bezeichnet diese als „Stressmedikamente“, die den Stresspegel erhöhen, um eine Fokussierung zu ermöglichen. Diese Wirkung hängt mit der Ausschüttung von Dopamin zusammen, und im Extremfall kann dies auch zu „Sensation Seeking“ führen. Durch den erhöhten Stress steigt die Leistungsfähigkeit vorübergehend an.

Vorteile der Medikation Die Einnahme dieser Medikamente kann zu einer besseren Fokussierung führen. Die Schulleistung kann sich um ein bis zwei Noten verbessern, was „sehr verführerisch“ sein kann, da es dem Kind den Weg zu einer besseren Schule oder Ausbildung ebnet. Ritalin kann beispielsweise auch wie eine Schlafmedikation wirken, indem es fokussiert, ohne zu sedieren.

Nachteile und Bedenken der Medikation Dr. Davatz weist darauf hin, dass diese Medikamente, da es sich um Amphetamine handelt, auch „ausbeuten“ können. Kinder, die diese Medikamente einnehmen, merken manchmal, dass sie „nicht mehr sich selber“ sind und sich nicht mehr „so gut spüren“ [50, 27:56.780]. Für Dr. Davatz ist es jedoch wichtig, dass die Persönlichkeit des Kindes und sein Selbstgefühl entwickelt werden, nicht nur die Leistung in der Schule. Medikamente allein können dazu führen, dass der Fokus nur auf Leistung liegt und das Kind sich selbst nicht mehr spürt.

Dr. Davatz’s Haltung zum Medikamenteneinsatz Obwohl Dr. Davatz selbst Medikamente verschreibt und diese nicht grundsätzlich verweigert, betont sie, dass dies nur geschehen sollte, wenn das Kind und die Eltern dies wünschen. Sie geht dabei immer vorsichtiger vor. Sie plädiert dafür, jeden Fall individuell zu betrachten und immer abzuwägen.

Sie kritisiert, dass oft zu viel Geld in die Psychiatrie investiert wird und zu wenig in die Unterstützung von Schulen und Lehrern. Kinder sollten nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie geschickt und pathologisiert werden, indem sie Medikamente erhalten, was dazu führen kann, dass sie sich schlecht fühlen.

Medikamente müssen nicht dauerhaft eingenommen werden. Sie können auch punktuell eingesetzt werden, beispielsweise nur an Schultagen, für Prüfungen, oder sogar nur zur Erledigung spezifischer Aufgaben wie der Steuererklärung im Erwachsenenalter. Sie empfiehlt, die Medikamente in den Ferien wegzulassen, damit sich das Gehirn erholen kann. Ihr Ziel ist es, Kindern und Erwachsenen beizubringen, wie sie mit ihrem Neurotyp umgehen lernen können, anstatt sich ausschliesslich auf Medikamente zu verlassen.

Melatonin als Beispiel für andere Ansätze Zum Melatonin-Spray, das Kindern bei Einschlafproblemen gegeben wird, erklärt Dr. Davatz, dass Melatonin ein körpereigenes Hormon ist, das den Schlafrhythmus beeinflusst. Sie warnt jedoch davor, es „ewigs zu geben“, da ein Eingriff in das hormonelle Gleichgewicht Gegenreaktionen hervorrufen kann. Stattdessen betont sie die Bedeutung von regelmässigen Ritualen zum Herunterfahren für Kinder und Erwachsene, um die Reize des Tages zu verarbeiten und abzulegen, was das Einschlafen erleichtern kann.

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Erziehungsansätze

Dr.med. Ursula Davatz, als Psychiaterin, Familien- und Systemtherapeutin, betont nachdrücklich die zentrale Bedeutung der Beziehung in der Erziehung, insbesondere im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern. Ihre Erziehungsansätze basieren auf der Erkenntnis, dass Lernen primär über das emotionale Gehirn erfolgt und nicht ausschliesslich kognitiv.

Grundlegende Prinzipien der Erziehung nach Dr. Davatz:

  • Beziehung als Basis des Lernens: Der Mensch ist das lernfähigste Wesen, und Lernen läuft an erster Stelle über das emotionale Gehirn ab. „Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung“. Ein Kind lernt am besten über eine Beziehung. Während reines Wissen heutzutage leicht über das Internet oder KI-Tools wie ChatGPT erworben werden kann, sind emotionale Beziehungen und emotionales Lernen nicht aus dem Internet beziehbar. Emotionale Intelligenz wird ausschliesslich in der zwischenmenschlichen Beziehung gefördert und erlernt.
  • Wachsende Bedeutung der Beziehungspflege: Lehrer und Eltern sind heute wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz zu vermitteln und die Beziehung zu pflegen. Die Beziehungspflege war noch nie so wichtig wie heutzutage.
  • Menschliches Lernen und Konflikt: Echtes menschliches Lernen beinhaltet auch das Austragen von Konflikten in der Interaktion.

Spezifische Erziehungsansätze im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern:

ADHS/ADS wird von Dr. Davatz nicht als Krankheit, sondern als ein anderer Neurotyp betrachtet, der genetisch vererbt ist und nicht „wegerzogen“ werden kann. Das Gehirn dieser Kinder ist anders gestaltet und reagiert anders auf die Umwelt.

  1. „Low Arousal“ (Tiefer Erregungszustand) als Kommunikationsbasis:
    • Es ist entscheidend, Botschaften in einem tiefen Erregungszustand zu übermitteln. Sobald man selbst hocherregt ist (High Arousal), wird das Gehirn des Kindes ebenfalls erregter, und es laufen nur noch Reflexe ab (Kampf, Flucht, Totstellreflex, Necken), keine vernünftigen Verhaltensweisen.
    • Man darf ADHS/ADS-Personen im erregten Zustand nicht belehren oder moralisieren. Der erste Schritt ist immer, sich selbst zu beruhigen und dann das Kind zur Ruhe kommen zu lassen, bevor kognitiv an Lösungen gearbeitet werden kann.
    • Eltern und Lehrpersonen sollten frühzeitig handeln, bevor die Situation eskaliert („Man soll etwas sagen, wenn das Wasser bei der Brust steht, nicht wenn das Wasser bei der Nase steht“).
  2. Umgang mit Verletzungen und Konflikten:
    • ADHS/ADS-Kinder sind hochsensibel und werden schnell verletzt. Jungen reagieren auf Verletzungen eher mit Aggression und Kampf, während Mädchen mit Flucht, Rückzug oder übermässiger Anpassung reagieren, was später zu Depressionen und Burnout führen kann.
    • Im Konfliktfall muss immer zuerst die Verletzung validiert werden („was hat dich dort verletzt?“). Erst danach kann gemeinsam erarbeitet werden, wie man in ähnlichen Situationen anders vorgehen könnte.
  3. Alternative zu Bestrafung und Belohnung:
    • Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht. Reflexverhalten kann nicht durch Strafen verändert werden.
    • Strafen führen zu Hemmung, Phobien, zwanghaftem Verhalten und einem schlechten Selbstwertgefühl. Beschämung, insbesondere öffentlich, ist extrem schädlich und kann zu Schulverweigerung führen.
    • Statt Befehle zu geben, sollten Regeln aufgestellt werden, die das Kind internalisieren kann, um intrinsische Motivation zu fördern. Regeln können auch aufgeschrieben und aufgehängt werden.
    • Es sollte nicht endlos argumentiert werden, da dies zu einem „System Overload“ beim Kind führt und die Eltern als schwach erscheinen lässt. Stattdessen ist es besser, klar zu sagen, was man möchte, und notfalls mit mentaler Kraft durchzusetzen, wenn man auch wirklich dahintersteht.
  4. Anerkennung der kindlichen Autonomie und Persönlichkeitsentwicklung:
    • ADHS/ADS-Kinder können nicht einfach folgen; sie müssen intrinsisch motiviert sein und ihr Interesse muss geweckt werden. Wenn ihr Interesse geweckt ist, können sie einen Hyperfokus entwickeln.
    • Eltern und Erzieher sollten lernen, auch „verlieren“ zu können in Machtkämpfen, besonders in der Pubertät, da dies das Selbstwertgefühl des Kindes stärkt und seine Persönlichkeitsentwicklung fördert. Eine ständige Siegerrolle der Autoritätsperson schwächt die Persönlichkeit des Kindes.
    • Bei Unsicherheit sollte man den ADHS/ADS-Kindern die Steuerung auch einmal selber überlassen, da sie soziale Wesen sind und sich oft selbst steuern können, statt zu „übersteuern“.
  5. „Persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und Differenzierung:
    • Dr. Davatz plädiert für eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“. Dies erfordert, das Kind gut zu beobachten und zu verstehen, anstatt von Schemata auszugehen.
    • Es ist wichtig und erlaubt, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht anzubieten. Was für alle funktioniert, funktioniert nicht unbedingt für jedes Kind.
  6. Umgang mit Risikobereitschaft und Sensorik:
    • Risikofreudigkeit bei ADHS/ADS-Kindern sollte nicht unterbunden, sondern begleitet werden. Man kann dem Kind sagen, dass Risikobereitschaft in Ordnung ist, es aber lernen muss, seine eigenen Grenzen zu spüren. Ein Verbot führt nur zu heimlicherem und gefährlicherem Verhalten.
    • Sensibilitäten in verschiedenen Bereichen (Gehör, Tastsinn, Lichtempfindlichkeit, Essverhalten) müssen erkannt und ernst genommen werden.
  7. Rituale für das Herunterfahren:
    • Gerade für Kinder, die viel nachdenken und nicht einschlafen können, sind regelmässige Rituale zum Herunterfahren wichtig. Dies kann ein Bettritual sein oder für ältere Kinder das Aufschreiben von Gedanken des Tages, um Erlebnisse zu verarbeiten und abzulegen.

Kritik an bestehenden Systemen und Forderungen:

  • Kritik an der Psychiatrie und Medikation: Dr. Davatz kritisiert, dass zu viel Geld in die Psychiatrie und zu wenig in die Unterstützung der Schulen und Lehrer investiert wird. Kinder sollten nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie geschickt und pathologisiert werden. Sie verweigert Medikamente nicht, betont aber, dass diese Stressmedikamente sind, die die Leistungsfähigkeit erhöhen, aber auch ausbeuten und das Gefühl für sich selbst verringern können. Der Fokus sollte auf dem Lernen des Umgangs mit dem Neurotyp und der Persönlichkeitsentwicklung liegen.
  • Unterstützung für Lehrpersonen: Lehrpersonen fühlen sich oft allein gelassen und brauchen Unterstützung in Form von Systemberatung und Familientherapie, nicht nur psychiatrische Diagnosen für die Kinder. Wenn ADHS/ADS-Kinder gut in die Klasse integriert und angemessen behandelt werden, führt dies zu mehr Ruhe im Klassenzimmer.
  • Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern: Oft besteht eine Angst zwischen Eltern und Lehrern, die die Zusammenarbeit erschwert. Es ist wichtig, diese Angst zu überwinden und trotz unterschiedlicher Rollen zusammenzuarbeiten.
  • Systemische Problematik der Schule: Das aktuelle Schulsystem ist oft überholt und trägt zur Überforderung und zum Burnout von Lehrern bei. Das Bildungssystem muss revidiert werden, um Platz für den Einzelfall und eine persönlichkeitsgerechte Förderung zu schaffen.

Dr. Davatz’s Ansatz ist ein Plädoyer für einen humanen, beziehungsorientierten und individuell angepassten Umgang mit allen Kindern, wobei die spezifischen Bedürfnisse und Stärken des ADHS/ADS-Neurotyps im Vordergrund stehen.

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Die Bedeutung der Beziehung

Dr. Ursula Davatz betont nachdrücklich die zentrale Bedeutung von Beziehung für das Verständnis und den Umgang mit ADHS/ADS, sowohl im familiären als auch im schulischen Kontext. Ihre systemische und familientherapeutische Perspektive legt den Fokus nicht nur auf das Individuum, sondern stets auf die Interaktion.

Die Bedeutung der Beziehung lässt sich in mehreren Schlüsselbereichen zusammenfassen:

  1. Lernen und Erziehung sind untrennbar mit Beziehung verbunden:
    • Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde. Doch Lernen läuft laut Dr. Davatz nicht primär kognitiv ab, sondern an erster Stelle über das emotionale Gehirn.
    • Ein zentraler Grundsatz ist: „Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung“. Ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.
    • Während reines Wissen heutzutage leicht über das Internet oder KI-Tools wie ChatGPT erworben werden kann, können emotionale Beziehungen und emotionales Lernen nicht aus dem Internet bezogen werden.
    • Emotionale Intelligenz wird ausschliesslich in der zwischenmenschlichen Beziehung gefördert und erlernt. Dr. Davatz kritisiert, dass KI-Antworten zwar korrekt, aber „nicht lebendig“ und „tot“ sind, weil ihnen die menschliche Beziehung fehlt.
    • Daher sind Lehrer und Eltern heutzutage wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz zu vermitteln und die Beziehung zu pflegen. Die Beziehungspflege war noch nie so wichtig wie heute.
  2. Umgang mit ADHS/ADS-Kindern erfordert Beziehungsfähigkeit:
    • ADHS/ADS-Kinder (und Erwachsene) sind hochsensibel. Ihre Sensibilität führt dazu, dass sie schnell verletzt werden.
    • Mädchen sind von Natur aus sehr beziehungsorientiert. Diese Beziehungsorientierung kann dazu führen, dass sie sich dem Lehrer zuliebe übermässig anpassen, bis hin zur Selbstunterdrückung, was später zu Depressionen und Burnout führen kann. Jungen reagieren auf Verletzungen eher mit Aggression und Kampf.
    • Im Umgang mit ADHS/ADS-Personen ist es entscheidend, einen „tiefen Erregungszustand“ (low arousal) zu bewahren. Im hocherregten Zustand ist das Gehirn noch erregter, und es laufen nur Reflexe ab (Kampf, Flucht, Totstellreflex, Necken), keine vernünftigen Verhaltensweisen.
    • Man darf ADHS/ADS-Personen im erregten Zustand nicht belehren oder moralisieren. Der erste Schritt ist immer, sich selbst zu beruhigen und dann das Kind zur Ruhe kommen zu lassen, bevor kognitiv an Lösungen gearbeitet werden kann.
    • Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht, da Reflexverhalten nicht durch Strafen verändert werden kann und Beschämung zu Rückzug, Phobien oder zwanghaftem Verhalten führt, aber nicht zu Lernbereitschaft.
    • Statt Befehle zu geben, sollten Regeln aufgestellt werden, die vom Kind internalisiert werden können, um intrinsische Motivation zu fördern.
    • Eltern sollten nicht endlos argumentieren, da dies zu einem „System Overload“ beim Kind führt und die Eltern als schwach erscheinen lässt. Stattdessen ist es besser, klar zu sagen, was man möchte, und notfalls mit mentaler Kraft durchzusetzen.
    • Es ist auch wichtig, als Erziehungsperson „verlieren“ zu können, um das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken und seine Persönlichkeitsentwicklung nicht einzuschränken.
    • Dr. Davatz befürwortet eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“.
  3. Systemische Unterstützung und Zusammenarbeit:
    • Das Umfeld, einschliesslich Eltern und Lehrpersonen, muss lernen, mit ADHS/ADS-Kindern umzugehen. Dies ist die Hauptsache.
    • Dr. Davatz, als Systemtherapeutin und Familientherapeutin, berät die Erziehungspersonen (Eltern) im Umgang mit dem Kind. Sie kritisiert, dass zu viel Geld in die Psychiatrie und zu wenig in die Unterstützung der Schulen und Lehrer investiert wird.
    • Lehrpersonen fühlen sich oft allein gelassen und brauchen Unterstützung in Form von Systemberatung und Familientherapie, nicht nur psychiatrische Diagnosen für die Kinder.
    • Es besteht oft eine Angst zwischen Eltern und Lehrern, die die Zusammenarbeit erschwert.
    • Wenn ADHS/ADS-Kinder gut in die Klasse integriert und angemessen behandelt werden, führt dies zu mehr Ruhe im Klassenzimmer.
    • Es ist wichtig und erlaubt, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht anzubieten.

Zusammenfassend ist die Beziehung der Grundpfeiler einer erfolgreichen Erziehung und des Lernens, insbesondere für ADHS/ADS-Kinder. Sie ist der entscheidende Faktor, um die einzigartigen Merkmale dieses Neurotyps zu würdigen, adäquat auf Herausforderungen zu reagieren und die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, anstatt Symptome zu pathologisieren oder zu unterdrücken. Die Qualität der Beziehung und die Fähigkeit der Erwachsenen, sich an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen und in einem ruhigen Zustand zu interagieren, sind hierbei von grösster Bedeutung.

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ADHS/ADS Verständnis

Dr. Ursula Davatz beleuchtet ADHS/ADS nicht als Krankheit im traditionellen Sinne, sondern als einen anderen Neurotyp. Dieser ist genetisch vererbt und kann nicht einfach „wegerzogen“ werden, da das Gehirn von ADHS/ADS-Personen anders gestaltet ist und das Umfeld anders aufnimmt. Es ist ein angeborener Zustand, dessen Diagnosezeitpunkt (z.B. vor oder nach 9 Jahren) für die Vererbbarkeit irrelevant ist, auch wenn die IV willkürliche Grenzen setzt.

Im Folgenden wird ein umfassendes Verständnis von ADHS/ADS basierend auf den Quellen dargelegt:

1. Definition und grundlegende Merkmale:

  • Das „A“ steht für Aufmerksamkeitsstörung, das „H“ für Hyperaktivität.
  • Dr. Davatz korrigiert die medizinische Sichtweise der „Aufmerksamkeitsstörung“ und spricht stattdessen von einer „breiten Aufmerksamkeit“. ADHS/ADS-Kinder nehmen sofort alles in einem Raum wahr und können die Emotionen anderer erkennen.
  • Diese breite Aufmerksamkeit wird zum Problem in langweiligen Situationen, da sich ADHS/ADS-Kinder schnell ablenken lassen und dann zum Beispiel aus dem Fenster schauen oder ihre Nachbarn stören. Sie „scannen“ das Umfeld wie ein Hund, der nach Interessantem schnüffelt.
  • Wenn zu viele interessante Dinge gleichzeitig passieren (z.B. in einer grossen Schulklasse), kann diese breite Aufmerksamkeit zu einem „System Overload“ führen, bei dem das emotionale System überfordert ist und zusammenbricht.

2. Unterschiede zwischen ADHS und ADS:

  • ADHS zeigt sich oft in nach aussen gerichteter Hyperaktivität, die manchmal in „Verrücktsein“ resultiert.
  • ADS ist durch eine nach innen gerichtete Hyperaktivität gekennzeichnet; Betroffene ziehen sich zurück und passen nicht mehr auf. Sie denken sehr viel nach, haben „Kino im Kopf“ und können das Denken oft nicht stoppen, was zu Schlafproblemen führen kann. ADS kann letztendlich im Autismus münden. Dr. Davatz sieht Autismusspektrumsstörung (ASS) als eine extreme Form von ADHS/ADS.

3. Geschlechtsunterschiede in der Manifestation:

  • Mädchen sind sehr beziehungsorientiert und passen sich oft dem Lehrer oder der Lehrerin zuliebe an, manchmal bis zur Selbstunterdrückung. Sie tendieren dazu, sich mehr anzupassen als Jungen, besonders in Konfliktsituationen. Dies führt dazu, dass eine ADHS/ADS-Diagnose bei Frauen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren gestellt wird, da ihre Symptome weniger auffällig sind. Sie reagieren auf Verletzungen eher mit Flucht, Rückzug oder Anpassung, um Konflikte zu vermeiden. Diese übermässige Anpassung kann später im Leben zu Depressionen und Burnout führen.
  • Jungen fallen häufiger auf, werden aggressiv, wenn sie falsch angepackt werden, etwas von ihnen verlangt wird, was sie nicht wollen, oder wenn sie bei ihrer eigenen Aktivität gestört werden. Sie reagieren auf Verletzungen mit Aggression und Kampf.
  • Statistiken zeigen eine Verschiebung: Früher wurde von fünf Jungen auf ein Mädchen mit ADHS/ADS gesprochen, heute ist das Verhältnis 1,5 Jungen auf ein Mädchen.

4. Lernen und Emotionale Intelligenz:

  • Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde.
  • Lernen läuft nicht nur kognitiv ab, sondern in erster Linie über das emotionale Gehirn.
  • Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung; ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.
  • Wissensvermittlung kann heutzutage leicht über das Internet und KI-Tools wie ChatGPT erworben werden.
  • Emotionale Beziehungen und emotionales Lernen können jedoch nicht aus dem Internet bezogen werden; emotionale Intelligenz wird nur in zwischenmenschlichen Beziehungen gefördert. Der Lehrer und die Eltern sind wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz beizubringen und Beziehungen zu pflegen.

5. Herausforderungen im Umfeld und erzieherische Ansätze:

  • ADHS/ADS-Kinder sind für Lehrpersonen eine Herausforderung, da sie bei uninteressantem Stoff schnell abgelenkt sind.
  • Sie können nicht einfach blind folgen, sondern müssen intrinsisch motiviert sein. Wenn ihr Interesse geweckt wird, können sie einen „Hyperfokus“ entwickeln und hochkonzentriert an einer Sache bleiben, was zu wissenschaftlichen oder handwerklichen Leistungen führen kann.
  • Bei der Kommunikation mit ADHS/ADS-Kindern (und Erwachsenen) ist es entscheidend, einen „tiefen Erregungszustand“ (low arousal) zu bewahren. Im hocherregten Zustand ist das Gehirn noch erregter, und es laufen nur Reflexe ab (Kampf, Flucht, Totstellreflex, Necken), keine vernünftigen Verhaltensweisen.
  • Man darf ADHS/ADS-Personen im erregten Zustand nicht belehren oder moralisieren. Zuerst muss man sich selbst und dann das Kind beruhigen lassen. Erst im ruhigen Zustand kann man kognitiv arbeiten und gemeinsam Lösungen erarbeiten.
  • Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht und können sogar schaden. Reflexverhalten kann nicht durch Strafen verändert werden; es führt höchstens dazu, dass sich das Kind zurückzieht, phobisch oder zwanghaft wird. Beschämung löst Ausweichverhalten aus, keine Lernbereitschaft.
  • Eltern sollten Regeln aufstellen, anstatt Befehle zu geben, da Befehle oft als Übergriff empfunden werden. Diese Regeln können aufgeschrieben und vom Kind internalisiert werden, was zur intrinsischen Motivation beiträgt.
  • Im Konfliktfall sollte man nicht endlos argumentieren, da dies zu einem „System Overload“ beim Kind führt und die Eltern als schwach erscheinen lässt. Stattdessen sollten Eltern klar sagen, was sie wollen und, falls nötig, mit ihrer mentalen Kraft durchsetzen, ohne in einen Machtkampf zu geraten, den man als Erziehungsperson oft verliert. Es ist akzeptabel, als Elternteil auch mal zu „verlieren“, um das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken.
  • Dr. Davatz plädiert für eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“.

6. Weitere Merkmale und systemische Betrachtung:

  • ADHS/ADS-Personen sind hochsensibel. Diese Sensibilität kann sich in verschiedenen Bereichen zeigen, wie Empfindlichkeit gegenüber Lärm, bestimmten Materialien (z.B. Kunstfasern, Wolle) oder Licht.
  • Sie sind oft erfinderisch, kreativ und spielerisch. Sie können Grenzen überschreiten und sind Entdecker, Forscher und Eroberer.
  • Sie haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
  • Risikobereitschaft ist ein weiteres Merkmal, da sie Extremsituationen suchen, um Dopamin und Adrenalin auszuschütten. Man sollte dies nicht unterbinden, sondern dem Kind helfen, seine Grenzen zu spüren und verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen.
  • ADHS/ADS-Familien sind konfliktanfälliger und haben eine höhere Scheidungsrate aufgrund ihrer hohen Sensitivität.
  • Am Arbeitsplatz mögen ADHS/ADS-Personen keine Vorgesetzten, die ihnen intellektuell unterlegen sind, was zu Kündigungen führen kann.
  • Dr. Davatz sieht ADHS/ADS als Grundursache vieler psychiatrischer Krankheiten, wie Depressionen und Schizophrenie, da die gleichen Genloci betroffen sind und die Sensibilität ein verbindendes Element ist. Dies ist eine Ansicht, die in der Fachwelt diskutiert wird.
  • Sie kritisiert das derzeitige Schulsystem, das überholt sei und Lehrer überfordere, was zu Burnout führt. Es wird zu viel Geld in die Psychiatrie und zu wenig in die Unterstützung der Schulen investiert. Statt Kinder zu pathologisieren und Medikamente zu verschreiben, sollte das Umfeld lernen, mit diesen Kindern umzugehen.
  • Lehrer brauchen mehr Unterstützung, nicht in Form von psychiatrischen Diagnosen, sondern durch Systemberatung und Familientherapie.
  • Die Persönlichkeitsförderung ist in Zeiten der KI wichtiger denn je, und die Schule sollte sich darauf konzentrieren.
  • Es ist wichtig, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht zu ermöglichen, da nicht alle gleich sind.

7. Medikation:

  • Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse und Medikinet sind Stressmedikamente, die die Leistungsfähigkeit kurzzeitig erhöhen und zu einer Fokussierung führen.
  • Sie wirken schnell (innerhalb einer Stunde) und es gibt kurz- und langwirksame Präparate.
  • Dr. Davatz ist nicht grundsätzlich gegen Medikamente, aber sie verschreibt sie nur, wenn das Kind und die Eltern es wollen. Sie betont, dass Medikamente die Leistungsfähigkeit erhöhen, aber auch „ausbeuten“ können. Man muss immer abwägen.
  • Medikamente müssen nicht ständig eingenommen werden; Pausen am Wochenende oder in den Ferien sind möglich, und Erwachsene nutzen sie manchmal punktuell für spezifische Aufgaben.
  • Das Ziel sollte sein, dass Kinder und Erwachsene lernen, mit ihrem Neurotyp umzugehen und sich selbst zu steuern, anstatt sich ausschliesslich auf Medikamente zu verlassen.

8. Schlaf und Rituale:

  • ADHS/ADS-Personen können oft nicht schlafen, weil ihr Gehirn die Reize des Tages nicht verarbeiten kann.
  • Regelmässige Rituale zum „Herunterfahren“ vor dem Schlafengehen sind wichtig, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene (z.B. kein Telefon vor dem Schlafengehen, Gespräche über den Tag, Tagebuch schreiben).

Zusammenfassend legt Dr. Davatz den Fokus auf ein ganzheitliches, systemisches und beziehungsorientiertes Verständnis von ADHS/ADS, das die einzigartigen Eigenschaften dieses Neurotyps würdigt und das Umfeld dazu anleitet, sich anzupassen und Unterstützung zu bieten, anstatt Symptome zu pathologisieren oder zu unterdrücken. Sie betont, dass Beziehung und Interaktion der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit ADHS/ADS sind.

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Professional Development

Professional development, as gleaned from the sources, highlights a journey of continuous learning, interdisciplinary exploration, and practical application, particularly within the field of social psychiatry. It emphasizes the acquisition of diverse skills and knowledge, often through international exposure and direct mentorship.

Key aspects of professional development discussed include:

  • Interdisciplinary Foundation: Dr. Werner Saameli’s own path exemplifies an interdisciplinary approach to professional development. He initially pursued German and English literature at university, driven by an interest in human nature and biographies, believing that „good writers know something about being human“. This broader academic background, combined with teaching English, prepared him for the risk of studying medicine, despite not being primarily interested or gifted in natural sciences. He later returned to university to study Sociology, English Studies, and Political Science, affirming his initial decision to switch to medicine but also confirming the value of a broad horizon. He believes that „good psychiatrists… have other interests than medicine,“ which enables them to „endure and effect change“.
  • Specialized Training and Mentorship:
    • Dr. Saameli was chosen by Professor Dr. med. F. Gnirss in 1975 to advance social psychiatry in Aargau, indicating a recognition of his potential in this emerging field.
    • He explicitly states he „learned and copied a lot from Professor Ambros Uchtenhagen“ at the University Hospital Burghölzli in Zurich, effectively „plagiarizing“ their social psychiatry model. This demonstrates a key aspect of professional development through direct learning from established pioneers.
    • He also felt well-prepared for his role after his time at the University Hospital in Zurich.
  • International Exposure and Theoretical Integration:
    • Dr. Ursula Davatz brought significant international experience to the team, having trained in family therapy with Murray Bowen in the USA. Dr. Saameli saw this as a crucial addition, aligning well with the concepts of social psychiatry.
    • The influence of Maxwell Jones and his „therapeutic community“ concept from Scotland was also pivotal. Dr. Saameli had studied this principle earlier and was eager to see it in practice, inviting Jones to their night clinic and an international congress. This highlights the importance of global exchange of ideas and practical methods in professional development.
  • Practical Skill Acquisition and Implementation:
    • The development of vocational training courses („Berufsförderungskurs“) for long-term patients in office and computer skills, initially copied from Ambros Uchtenhagen, showcases a practical skill-building aspect of their work. This initiative aimed to integrate patients into the „free economy“ and „service industry,“ moving beyond traditional sheltered workshops.
    • The willingness to take on „difficult, unpleasant patients“ like psychopaths, alcoholics, and displaced foreigners, and to integrate psychiatric emergency services within general hospitals, also indicates a continuous development of practical skills in crisis intervention and acute care.
  • Continuous Self-Reflection: Dr. Saameli’s return to university for further studies after his practice suggests a commitment to lifelong learning and self-assessment, confirming his earlier career choices.

In essence, professional development in this context is presented not as a linear progression but as a dynamic process involving foundational education, specialized training, international collaboration, practical application of learned concepts, and a commitment to interdisciplinary thinking to address complex patient needs effectively.

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Occupational Reintegration

Occupational reintegration, within the context of the sources, refers to the active professional and social re-entry of individuals with mental health conditions into the workforce [22:59:23.040, 35]. This approach is a core component of the patient care philosophy advocated by Dr. Werner Saameli and the social psychiatry movement, aiming to serve those often neglected, such as chronically ill or substance-addicted individuals.

Here’s a breakdown of occupational reintegration as discussed in the sources:

  • Philosophical Underpinnings and Goals:
    • The aim was to move beyond simply treating patients to enabling them to find their place in the labor market and society. Dr. Saameli, who wanted to work „bottom-up“ for the „poorest of the poor and neglected,“ saw this as a necessary and attractive part of his work.
    • A key objective was to prevent unnecessary psychiatric hospitalizations and social exclusion by fostering active professional integration and rehabilitation.
    • The philosophy emphasizes that individuals should not face „too long sick leaves and too early invalidization“. Instead, efforts should be made to support reintegration and part-time positions.
    • It opposes the traditional view that individuals with disabilities should only be employed in sheltered workshops.
  • Methods and Initiatives:
    • Vocational Training Programs: Dr. Saameli implemented a „Berufsförderungskurs“ (vocational training course), copied from Professor Ambros Uchtenhagen, to train long-term patients in office work and computer skills. This was seen as essential for them to enter the modern job market, moving away from traditional workshop employment.
    • Integration into the „Free Economy“ and Service Industry: The vision was to integrate patients into the „service industry“ and the „free economy“ rather than confining them to special workshops.
    • Hospital as a Model Employer: A significant step was the psychiatric service at Thun demonstrating to private businesses how to integrate psychologically impaired individuals by creating training positions and even employing former patients in the hospital administration. This showed that psychiatry could „bring about“ concrete results in employment, not just „streicheleinheiten“ (petting).
    • Möbelpfister Project: This project is highlighted as a „pioneer product“ that enabled a „jump into the free economy“ by creating niche jobs within a market-based company. It was not merely supported by state benefits (IV and BSV) or special workshops, but operated within a competitive enterprise.
  • Challenges and Broader Context:
    • Burnout and Systemic Issues: The discussion touches on burnout as a „huge business“ and a „socially acceptable depression“ that can become an „honorable retreat option“. While recognizing the suffering of individuals with burnout, the philosophy critiques prolonged sick leaves and hospitalizations in specialized clinics.
    • Workplace Intervention: A more effective approach suggested is early intervention at the workplace to address conflicts and stress within the system, rather than just treating the isolated individual with medication or individual techniques. This highlights the need for a systemic approach that considers the interaction between the patient and their social environment, including their job.
    • Risk of Over-Medicalization and Invalidization: There is a concern that excessive sick leaves, especially for young people, can lead to „too early invalidization“. Psychiatry needs to invest more in prevention and early detection to avoid unnecessary hospitalizations and prevent social exclusion.
    • Economization of Healthcare: The overarching challenge of healthcare economization can hinder reintegration efforts if inpatient treatment is prioritized due to higher revenue, rather than focusing on the most necessary and effective care for patients.

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Patient Care Philosophy

The patient care philosophy discussed in the sources emphasizes a community-oriented, holistic, and prevention-focused approach, fundamentally opposing the increasing economization of healthcare.

Key tenets of this philosophy include:

  • Focus on the Neglected and Vulnerable: Dr. Saameli was initially drawn to social psychiatry because of the opportunity to build and expand services for patients who were often „neglected,“ specifically chronically psychotic, substance addicts, and those who are chronically ill. His aim was to work „bottom-up“ to serve the „poorest of the poor and neglected“. This highlights a core philosophy of prioritizing the most challenging and marginalized patient populations.
  • Decentralized and Community-Based Care: A central tenet is that psychiatric care should be decentralized and brought closer to where people live and work, integrating the social environment into treatment. This involved establishing outpatient services (Ambulatorien) and day clinics in various locations across the canton, a vision Dr. Saameli passionately advocated for and a reason he left Königsfelden when it was not initially implemented. The aim is to make care accessible in the patient’s immediate surroundings.
  • Prevention of Hospitalization and Early Intervention: A crucial aspect of this philosophy is to prevent unnecessary psychiatric hospitalizations. This is best achieved through integrated psychiatric emergency services within general hospitals, where psychiatric professionals can quickly intervene at the emergency department. This allows for early clarification and utilization of existing resources to avoid inpatient admission. The goal is to catch patients at an outpatient level rather than sending them to a clinic. There is a strong belief that significant financial savings could be made through earlier intervention in acute cases.
  • Vocational and Social Reintegration: The philosophy strongly advocates for active professional integration (berufliche Eingliederung) and rehabilitation. This includes training long-term patients for office work and computer skills to facilitate their entry into the job market, moving beyond traditional workshop employment to integration into the „service industry“ and the „free economy“. The hospital itself should serve as a model for this, creating training positions and even employing former patients in administration.
  • Systemic Thinking and Workplace Intervention: Patient care should adopt a systemic approach, meaning that the interaction between the patient and their social environment, including the workplace, must be considered, rather than treating the patient in isolation with only medication or individual techniques. For conditions like burnout, early interventions at the workplace to address conflicts and stress are seen as far more effective than prolonged sick leaves or hospitalizations in specialized clinics. The philosophy emphasizes avoiding „too long sick leaves and too early invalidization“ by supporting reintegration and part-time positions.
  • Prioritizing Need Over Profit: A fundamental critique against current trends is the economization of medicine, which has led to institutions needing patients to be profitable, rather than patients solely needing the institution for help and protection. The philosophy vehemently rejects the idea that care should be expanded or focused on generating revenue. Instead, it asserts that resources must be directed towards the „severely ill and disturbed individuals and family systems“ who are most in need, focusing on what is „necessary“ rather than what is „commercially profitable“. The shift to referring to patients as „customers“ is criticized as revealing a „seller“ mentality.
  • Maintaining Connection to Medicine and Broader Perspectives: While acknowledging the value of psychotherapy, Dr. Saameli stresses the importance of psychiatry retaining its connection to medicine and the understanding of disease processes. He also suggests that effective psychiatrists benefit from a „wide horizon“ derived from broader interests beyond medicine, such as literature and humanities, which enables them to „endure and effect change“.
  • Addressing the „Salonfähige Depression“ (Socially Acceptable Depression) of Burnout: While recognizing that burnout reduces the stigma associated with psychological illness, the philosophy cautions against it becoming an „honorable retreat option“. Despite the reduced stigma and the emergence of „luxury clinics“ for burnout, it is crucial to remember that individuals suffering from burnout are „suffering people,“ not merely „consumers,“ and require genuine and effective intervention.

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Healthcare System Challenges

The sources highlight several significant challenges within the healthcare system, particularly concerning the development and current state of social psychiatry in Switzerland. These challenges range from political and institutional resistance to fundamental issues of healthcare economization and shifting societal perceptions of mental illness.

Here are the key healthcare system challenges discussed:

  • Resistance to Social Psychiatry and Decentralization:
    • Political Opposition: Social psychiatry faced political backlash, with the Vice Director of the Königsfelden clinic derisively labeling it „SPD“ (Social Democratic Party of Germany) to associate it with radical political views. There was also resistance due to its association with „antipsychiatry“. The then-Health Director, Rainer Huber, initially insisted that all care remain centralized in Königsfelden due citing its „traditional and cultural importance,“ opposing the decentralization of services.
    • Internal Clinic Resistance: Within the Königsfelden clinic, the success and attractiveness of the social psychiatry department led to envy and jealousy from other colleagues and long-standing nursing staff, who felt the social psychiatry team was working „against the clinic“.
    • Opposition from Private Practitioners: Free-practicing doctors, particularly in Aargau and later in Thun, viewed the state-provided ambulatory psychiatric services as competition. A private psychiatrist in Thun, Alfred Stucki, was a vehement opponent, denouncing the new services as „state medicine“.
    • Fear of Increased Patient Numbers: A concern existed that expanding decentralized psychiatric services would lead to an increase in the number of patients being identified and treated, potentially overwhelming the system.
    • Integration Challenges in General Hospitals: When psychiatric services were introduced in general hospitals (e.g., Thun), hospitals were initially reluctant due to lack of space and general resistance, requiring new construction. Resistance also came from other departments, such as internists who felt they had exclusive claim to psychosomatic care. Overcoming this often required financial pressure from higher authorities.
  • Economization of Healthcare:
    • Profit-Driven Care: A major critique is the economization of psychiatry and medicine in general. Hospitals tend to prioritize inpatient treatment because it generates more revenue than outpatient care due to current health insurance tariffs. This leads to a situation where the institution now needs patients to be profitable, rather than patients solely needing the institution for help and protection.
    • Market Principles Increasing Costs: Dr. Saameli argues that the introduction of market principles into healthcare has increased costs, rather than reducing them through competition. He contends that competition often leads to „market expansion“ and the provision of more services because „the market wants to grow“.
    • Patient as „Customer“: The shift to referring to patients as „customers“ is criticized as revealing a „seller“ mentality.
    • Misdirection of Resources: There’s a concern that resources are directed where the most money can be made, rather than to the „severely ill and disturbed individuals and family systems“ who are most in need. The focus should be on what is necessary, not what is „commercially profitable“.
  • Staffing and Professional Standing:
    • Low Standing of Psychiatry: Psychiatry has historically had a lower standing within medicine compared to technical disciplines, which translates to lower financial compensation. This can contribute to a lack of Swiss psychiatrists, necessitating recruitment from abroad.
    • Burnout Among Staff: Healthcare professionals, including psychiatrists, are increasingly reluctant to work long hours or perform frequent emergency duties (Pikettdienst).
  • Burnout as a Societal and Medical Challenge:
    • „Huge Business“: Burnout has become a „huge business“ with specialized clinics emerging to treat it.
    • „Socially Acceptable Depression“: Burnout is often described as the „only psychological illness that one likes“ or a „salonfähige Depression“ (socially acceptable depression) because it carries less social stigma, allowing individuals to retreat from work without a perceived „blemish“. This normalization, while reducing stigma, can make it an „honorable retreat option“.
    • Ineffective Interventions: The current approach to burnout often involves prolonged sick leaves or hospitalizations in specialized clinics, rather than early intervention at the workplace to address conflicts and stress within the system.
    • Risk of Early Invalidization: There’s a risk of too long sick leaves and too early invalidization instead of efforts towards reintegration and support for part-time positions.
  • Systemic Approach and Prevention:
    • Centralization of Power: Despite the establishment of decentralized ambulatory services, the leadership and power often remain centralized within the main clinic, indicating a „step backward“ from truly community-focused social psychiatry.
    • Need for Integrated Emergency Services: There is a strong advocacy for psychiatric emergency services to be integrated with somatic (general) hospitals. This approach, proven in Thun, can prevent unnecessary psychiatric hospitalizations by allowing early intervention and assessment at the general hospital’s emergency department.
    • Focus on Prevention and Early Detection: Psychiatry needs to invest much more in prevention and early detection to avoid unnecessary hospitalizations and prevent social exclusion.
    • Addressing Systemic Issues: There is a need for a more systemic approach that examines the interaction between the patient and their social environment, including the workplace, rather than just treating the isolated individual.

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