Welche Rolle spielen Beziehungen in der kindlichen Entwicklung?

Beziehungen spielen eine fundamentale Rolle in der kindlichen Entwicklung. Dr. med. Ursula Davatz betont in der vorliegenden Audioaufnahme mehrfach die Wichtigkeit von Interaktion und persönlichen Beziehungen für Kinder und Jugendliche.

  • Gehirnentwicklung: In der Pubertät, einer wichtigen Entwicklungszeit des Gehirns, spielt die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle. Während der Pubertät findet eine Neuvernetzung des Gehirns statt, das sogenannte Synaptic Pruning, bei dem funktionale Netzwerke wie Autobahnen angelegt werden. Obwohl sich dieser Prozess primär auf die Pubertät bezieht, impliziert die Bedeutung der Interaktion für die Gehirnentwicklung in dieser Phase auch eine Wichtigkeit in früheren Kindheitsstadien.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen, anzupassen und vor allem zu kooperieren. Beziehungen und Interaktionen im Kindergarten, in der Schule und in der Familie sind entscheidend, um Sozialkompetenz zu erlernen. Schlechte Zusammenarbeit wird oft beobachtet, und es wird betont, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.
  • Emotionale Entwicklung und Regulation: Beziehungen sind zentral für die emotionale Entwicklung. In der Pubertät sollten Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen. Die Kinderstube ist dazu da, um sich auseinanderzusetzen, nicht um brav zu sein. Je mehr Möglichkeiten Kinder zur Auseinandersetzung haben, desto weniger brauchen sie Suchtmittel. Dr. Davatz betont, dass das Beziehungshirn, das limbische System, das ist was die Beziehung schafft und es läuft immer über das Gefühl.
  • Lernen und Wissenserwerb: Beziehungen spielen eine wichtige Rolle beim Lernen. Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer. Die persönliche Beziehung kann durch nichts ersetzt werden. Das gemeinsame Lernen und die Interaktion sind essenziell und werden vernachlässigt, wenn Kinder nur an Computer gesetzt werden. Im Spiel wird mehr gelernt.
  • Konfliktbewältigung: Kinder müssen lernen, mit Konflikten umzugehen. Es ist wichtig, alle Konflikte sorgfältig anzuschauen und auf bilateraler Ebene zu bearbeiten, nicht nur mit einer einfachen Entschuldigung.
  • Vorbild und Werte: Die Erziehung in der Familie dient dazu, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten und Wertvorstellungen weiterzugeben, wobei das Vorbild etwas ganz Wichtiges ist.
  • Auswirkungen von Konflikten in Beziehungen: Wenn die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, ist das kein gutes Klima für Kinder. Wenn Kinder Vermittler sein müssen, nimmt ihnen das viel Energie für ihre eigene Entwicklung weg. Auch stumme Machtkämpfe zwischen Eltern können sich negativ auswirken. In Ehestreits wollen oft beide Recht haben, und es ist wichtig zu lernen, unterschiedliche Perspektiven zu sehen.
  • Rolle von Lehrpersonen: Lehrpersonen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in den Beziehungen der Kinder, indem sie Kontakt zur Gruppe schaffen, idealerweise über emotionale und interessante Inhalte.
  • Wichtigkeit der Beziehungsqualität: Die Qualität der Beziehung ist entscheidend. Wenn man eine gute Beziehung hat, kann man sich vieles leisten. Beziehungen machen gesund und beruhigen. Es braucht mehr Sorgfalt für die Beziehungspflege.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Beziehungen in der kindlichen Entwicklung eine zentrale Rolle für die kognitive, soziale, emotionale und moralische Reifung spielen. Sie beeinflussen die Gehirnentwicklung, ermöglichen soziales Lernen und die Entwicklung von Kooperationsfähigkeit, sind entscheidend für den Umgang mit Emotionen, fördern das Lernen und die Konfliktbewältigung und prägen durch Vorbilder und Werte. Ein Mangel an positiven Beziehungen oder das Vorhandensein von dysfunktionalen Beziehungen können sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken.

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Weshalb ist frühzeitige Hilfe für Kinder wichtig?

Frühzeitige Hilfe für Kinder ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig, wie Dr. med. Ursula Davatz im Gespräch betont.

Die Pubertät ist eine besonders anfällige Phase für die Entwicklung psychiatrischer Krankheiten. Gemäss Dr. Davatz treten 50% der psychiatrischen Krankheiten in der Pubertät auf, und 75% bis zum 25. Lebensjahr. Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung kann verhindern, dass Kinder auf eine Fehlbahn geraten.

Frühzeitige Hilfe kann die Entwicklung von Folgekrankheiten verhindern, insbesondere bei Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz erklärt, dass 80% der ADHS/ADS-Betroffenen zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen haben, welche sie als Folgekrankheiten betrachtet, die durch frühzeitige Intervention vermieden werden könnten.

Eine frühzeitige Begleitung und Unterstützung ist entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern mit ADHS/ADS. Dr. Davatz betont, dass man mit diesen Kindern sorgfältiger umgehen muss. Wenn man früh mit der Erziehung beginnt, kann man verhindern, dass es in der Pubertät zu Problemen kommt. Bei ADSlern kann es sogar noch früher zu Schwierigkeiten kommen, wenn ihr Umfeld sehr hyperaktiv ist. Frühzeitiges, sorgfältiges Zuhören und Verlangsamen sind bei ADSlern wichtig.

Eltern brauchen frühzeitig Unterstützung und Begleitung, um zu lernen, wie sie mit ihren Kindern umgehen können, insbesondere wenn die Kinder spezielle Bedürfnisse haben. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Validierung der Eltern und des gemeinsamen Suchens nach Lösungen. Sie ist der Meinung, dass man Eltern nicht zu schnell sagen sollte, was sie falsch machen, sondern sie validieren muss, damit sie mitmachen.

Auch Lehrpersonen benötigen frühzeitig Unterstützung und Sensibilisierung, um mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen, wie ADHS/ADS, umgehen zu lernen. Dr. Davatz plädiert dafür, dass nicht alle Probleme auf die Psychiatrie geschoben werden, sondern dass Lehrpersonen lernen, damit umzugehen. Sie schlägt vor, dass Lehrpersonen sich nicht scheuen sollten, frühzeitig Hilfe zu holen und Situationen mit jemandem zu diskutieren oder das Vier-Augen-Prinzip anzuwenden.

Ein frühzeitiger systemischer Ansatz ist wichtig, um das Kind in seinem Kontext zu betrachten und nicht nur auf das Individuum zu fokussieren. Dr. Davatz betont, dass man immer das Individuum in seinem Kontext anschauen muss, was in der Medizin oft noch schwierig ist. Sie ist der Meinung, dass man in der Schule nicht gleich das Kind ins Spital tun und der psychiatrischen Klinik überlassen sollte, sondern das Umfeld unterstützen muss.

Frühzeitige Intervention kann dazu beitragen, spätere Schwierigkeiten im sozialen Bereich zu vermeiden, wie zum Beispiel Mobbing. Dr. Davatz betont, dass Sozialverhalten mehr gefördert werden muss und dass man hinschauen muss, wenn jemand Anzeichen zeigt, und sofort handeln muss.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass frühzeitige Hilfe für Kinder entscheidend ist, um ihre gesunde Entwicklung zu fördern, psychische Probleme und deren Folgeerkrankungen zu verhindern, Eltern und Lehrpersonen zu unterstützen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld frühzeitig anzugehen. Dr. Davatz plädiert für eine frühe und umfassende Unterstützung, die das Kind in seinem gesamten System betrachtet.

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Weshalb spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle?

Basierend auf den Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen spielt Interaktion in der Pubertät eine grosse Rolle aus verschiedenen, miteinander verbundenen Gründen:

  • Gehirnentwicklung und -vernetzung: In der Pubertät findet eine massive Neuvernetzung des Gehirns statt, ein Prozess, der als Synaptic Pruning bekannt ist. Während dieser Zeit werden viele angelegte neuronale Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke wie Autobahnen. Dr. Davatz betont, dass deshalb die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle spielt. Diese Phase ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit für das menschliche Gehirn.
  • Soziales Lernen und Kooperation: Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche lernen müssen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Dr. Davatz unterstreicht, dass sie lernen müssen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Interaktion mit Gleichaltrigen und Erwachsenen ist unerlässlich für die Entwicklung dieser sozialen Kompetenzen. Sie betont, dass man immer zusammenarbeiten muss.
  • Entwicklung der Perspektivenübernahme (Dezentrieren): Jean Piaget beschreibt das Dezentrieren als eine Fähigkeit, die man idealerweise in der Pubertät lernt. Das bedeutet, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können und zu erkennen, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Auseinandersetzung und Interaktion mit anderen. Dr. Davatz merkt an, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann.
  • Emotionale Entwicklung und Regulation: Während der Pubertät erleben Jugendliche oft ein intensiveres emotionales Auf und Ab. Interaktion mit ihrem Umfeld, insbesondere mit unterstützenden Erwachsenen, hilft ihnen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu lernen, damit umzugehen. Dr. Davatz betont, dass junge Menschen ein Gegenüber brauchen, mit dem sie sich auseinandersetzen können, um den Umgang mit ihren Emotionen zu lernen.
  • Konfliktbewältigung und soziales Lernen: Konflikte sind in der Pubertät nicht unüblich. Interaktion in Konfliktsituationen, wenn sie konstruktiv begleitet wird, bietet wichtige Lernmöglichkeiten für die Konfliktlösung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, Ungleichheiten, die stören, im Gruppenprozess zu bearbeiten, was ein wichtiger Aspekt des sozialen Lernens ist.
  • Autonomieentwicklung: In der Pubertät streben Jugendliche nach mehr Selbstständigkeit. Interaktion mit Erwachsenen, die ihnen Raum für eigene Meinungen und Entscheidungen geben, während sie gleichzeitig Orientierung bieten, ist entscheidend für die Entwicklung ihrer Autonomie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pubertät eine sensible Phase der Umstrukturierung auf neurologischer, sozialer und emotionaler Ebene ist. Interaktion mit der Umwelt und mit anderen Menschen ist in dieser Zeit unerlässlich, da sie den Reifungsprozess des Gehirns massgeblich beeinflusst, die Entwicklung wichtiger sozialer und emotionaler Fähigkeiten fördert und zur Herausbildung einer eigenständigen Persönlichkeit beiträgt.

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Was versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät?

Dr. med. Ursula Davatz erklärt, dass Jean Piaget das Konzept vom Dezentrieren entwickelt hat. In der Pubertät bedeutet dies, dass man lernen kann, eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Man erkennt, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig gültige ist.

Dr. Davatz führt aus, dass man in der Pubertät lernen kann zu verstehen: „du siehst das so, ja, ich kann das nachvollziehen. Ich sehe es so. Es muss niemand Recht haben. Beide Blickwinkel sind absolut in Ordnung„. Sie vergleicht dies mit dem physikalischen Phänomen, dass Licht sowohl als Welle als auch als Korpuskel gesehen werden kann. Selbst in den harten Wissenschaften können Dinge unterschiedlich betrachtet werden.

Wenn jemand jedoch darauf besteht, Recht haben zu müssen, ist eine unterschiedliche Betrachtung der Dinge nicht möglich. Laut Piaget lernen etwa 60% der Menschen in der Pubertät, sich zu dezentrieren, während die restlichen 40% dies nie lernen.

Dr. Davatz betont, dass jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, auch nicht richtig zusammenarbeiten kann. Im emotionalen Zustand ist Dezentrieren ohnehin nicht möglich. Man muss sich zuerst beruhigen, um wieder das Grosshirn einschalten und die Sache mental betrachten zu können. Dezentrieren bedeutet, sich von der intellektuellen und emotionalen Bindung zu lösen und die Sache mental anzuschauen, den anderen wahrzunehmen und seine Perspektive zu erkennen.

Zusammenfassend versteht Piaget unter Dezentrieren in der Pubertät die Fähigkeit, sich von der eigenen egozentrischen Sichtweise zu lösen und die Perspektive anderer zu erkennen und zu verstehen, ohne dabei auf dem eigenen Recht zu beharren. Dies ist eine wichtige Entwicklung für die soziale Interaktion und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit.

Welche Rolle spielen Emotionen im Lernprozess?

Dr. med. Ursula Davatz betont die zentrale Rolle von Emotionen im Lernprozess an verschiedenen Stellen im Transkript.

Emotionen sind eng mit der Aufmerksamkeit verbunden. Bei ADHS/ADS-Kindern ist das emotionale Gehirn stärker mit dem gesamten Gehirn vernetzt, was zu einer breiteren Aufmerksamkeit führt und die Verarbeitung komplexer macht. Ritalin, ein Amphetamin, wirkt, indem es das Gehirn in einen gestressten Zustand versetzt, was die Fokussierung verbessert, aber gleichzeitig die emotionale Regulation stören kann. Dr. Davatz argumentiert, dass es wichtiger ist, ADHS/ADS-Kindern zu helfen, mit ihren Emotionen umzugehen, anstatt sie chemisch zu unterdrücken. Wenn Emotionen eingeschränkt werden, kann dies zu Angst und anderen Reaktionen führen.

Der Lernprozess wird stark von Beziehungen und emotionalen Erfahrungen beeinflusst. Eine Beziehung entsteht durch Kontakt, und dieser Kontakt ist oft emotional. Kinder lernen mit und auch für den Lehrer, was die Bedeutung der emotionalen Verbindung unterstreicht. Das limbische System, unser Beziehungshirn, schafft Beziehungen und funktioniert über Gefühle. Wird diese emotionale Basis vernachlässigt, kann dies negative Auswirkungen haben.

Entscheidungen sind immer emotional. Damit ein Entscheid Bestand hat, muss er emotional verknüpft sein.

Im Hinblick auf Konfliktbewältigung betont Dr. Davatz, dass es wichtig ist, die Verletzung zu sehen, die der Aggression vorausgeht. Eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen und denen anderer ist entscheidend für das Finden von Lösungen. Das Konzept des Dezentrierens nach Jean Piaget, das in der Pubertät gelernt werden kann, beinhaltet, sich von emotionalen Bindungen zu lösen, um Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Emotionen können diesen Prozess jedoch blockieren.

Soziales Lernen, das heute oft zu kurz kommt, ist stark mit Emotionen verbunden. Kinder müssen lernen, wie man mit Ungleichheiten umgeht, die stören, und das ist ein emotionaler Prozess. Mobbing beispielsweise ist ein Gruppenprozess, bei dem emotionale Dynamiken eine grosse Rolle spielen.

Dr. Davatz betont auch die Bedeutung der emotionalen Intelligenz und der Fähigkeit, andere fein wahrzunehmen, damit sie sich validiert fühlen. Validierung ist besonders wichtig im Umgang mit Jugendlichen und in Konfliktsituationen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Emotionen einen fundamentalen Einfluss auf den Lernprozess haben. Sie beeinflussen die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Motivation, die Entscheidungsfindung, das soziale Verhalten und die Fähigkeit zur Konfliktbewältigung. Ein guter Umgang mit Emotionen und die Förderung der emotionalen Intelligenz sind entscheidend für eine positive Entwicklung und erfolgreiches Lernen. Die Vernachlässigung der emotionalen Aspekte im Lernprozess, beispielsweise durch rein leistungsbezogene Bewertung oder das Unterdrücken von Emotionen durch Medikamente ohne begleitende Auseinandersetzung, kann negative Folgen haben. Stattdessen plädiert Dr. Davatz für eine wachsame Begleitung, die das emotionale Erleben der Lernenden berücksichtigt und ihnen hilft, ihre Emotionen zu verstehen und zu regulieren.

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Zusammenarbeit und Konflikte

Dr. Davatz betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in verschiedenen Kontexten. Sie erachtet es als wichtig, dass der Nachwuchs lernt, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. In einer multikulturellen Gesellschaft wie der Schweiz, in der verschiedene Erziehungsmodi aufeinandertreffen, ist Zusammenarbeit entscheidend; diese Modi können sich entweder ergänzen oder bekämpfen. Dr. Davatz sieht die Zukunft in einer kombinierten Arbeitsweise zwischen Frau und Mann, weder in einem Matriarchat noch in einem Patriarchat, sondern in etwas, wo zusammengearbeitet wird. Auch im Umgang mit globalen Herausforderungen wie CO2 ist Zusammenarbeit notwendig.

Sie unterstreicht, dass Unterschiede klar zum Ausdruck kommen müssen, damit Kinder lernen können, dass verschiedene Perspektiven existieren und je nach Situation unterschiedliche Haltungen besser sein können. Je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt, umso mehr lernt man voneinander. Dr. Davatz spricht sich für eine Zusammenarbeit zwischen Frauen und Männern und einem Lernen voneinander aus. Sie betont, dass man immer zusammenarbeiten muss.

Im schulischen Kontext ist es wichtig, nicht nur individuelle Leistung zu bewerten, sondern auch das Lernen zu kooperieren und zusammenzuarbeiten zu fördern. Dr. Davatz weist darauf hin, dass ein System nur so gut funktioniert wie sein schwächstes Mitglied und dass das krank werden innerhalb eines Familiensystems ein Alarmzeichen für die ganze Familie ist, was eine gemeinsame Betrachtung und Veränderung des Systems erfordert. Sie plädiert für eine bessere Koordination zwischen verschiedenen medizinischen Disziplinen, da der Mensch und das Gehirn ganzheitlich arbeiten.

Dr. Davatz sieht auch die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen. Diese sollen sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen und den Unterschied sehen und akzeptieren. In Bezug auf Mobbing betont sie, dass der Fokus auf dem Gruppenprozess liegen muss und nicht auf einzelnen Tätern oder Opfern, was eine gemeinsame Bearbeitung erfordert. Sie unterstreicht die Verantwortung jedes Einzelnen in der Gesellschaft, auch in der Nachbarschaft, bei der Thematik Mobbing.

Hinsichtlich Konflikte stellt Dr. Davatz fest, dass diese in multikulturellen Gesellschaften durch verschiedene Erziehungsmodi entstehen können, die miteinander kämpfen. Sie beobachtet stumme, unterdrückte Machtkämpfe in Familien und sieht, wie These und Antithese oft in Kämpfen enden, anstatt in einer Synthese. In Ehestreitigkeiten und erzieherischen Machtkämpfen will jeder Recht haben, was dem Kind schadet. Auch verschiedene Wertesysteme unterschiedlicher Kulturen können zu Streitigkeiten führen.

Dr. Davatz betont, dass es wichtig ist, Unterschiede zu sehen, ohne zu kämpfen. Sie kritisiert das moralische Verurteilen und plädiert für ein Optimieren und die Förderung individueller Wertvorstellungen. Bei Konflikten unter Kindern, wie dem Geschlechterkampf zwischen Mädchen und Buben, sieht sie das oft angewandte Entschuldigungsverfahren in der Schule als wenig hilfreich, da seelische Prozesse Zeit brauchen. Sie betont die Notwendigkeit einer sorgfältigeren Konfliktbewältigung, bei der es nicht um Wissen oder gewaltfreie Kommunikation geht, sondern darum, die Verletzung desjenigen zu sehen, der aggressiv geworden ist. Verletzung geht der Aggression immer voraus.

Dr. Davatz beobachtet, dass in Auseinandersetzungen oft ein Kampf um das Recht entsteht. Sie rät Ehepaaren, nicht kämpfen und Recht haben zu wollen, sondern den Unterschied zu sehen. Eltern müssten nicht immer am gleichen Strick ziehen, da dies Kinder „erwürgen“ könne; stattdessen sollen Unterschiede klar zum Ausdruck kommen.

Im Kontext von Mobbing sieht Dr. Davatz dies als eine Dysfunktion, bei der der Fokus auf eine Person gerichtet wird. Sie betont, dass es wichtig ist, den Gruppenprozess zu betrachten und mit allen umzugehen, da es kein reines Täter-Opfer-Verhältnis gibt. Der Umgang mit Ungleichheiten, die stören, ist ein wichtiger Aspekt des sozialen Lernens, das heute nicht genügend gefördert wird.

Dr. Davatz unterstreicht, dass es in Konfliktsituationen wichtig ist, sich einander anzunähern, zu dezentrieren und herauszufinden, wie andere etwas sehen. Bei der Konfliktbewältigung geht es darum, die eigenen Emotionen sorgfältig zu behandeln, die eigenen Bedürfnisse zu äussern und die Bedürfnisse des Anderen besser zu verstehen. Sie betont die Bedeutung von Validierung in Konfliktsituationen, insbesondere mit Jugendlichen und in der Familientherapie.

Zusammenfassend betont Dr. Davatz die essenzielle Rolle von Zusammenarbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und die Notwendigkeit, Konflikte sorgfältig zu analysieren und auf einer tieferen, emotionalen Ebene zu lösen, anstatt auf Konfrontation und dem Beharren auf dem eigenen Recht zu verharren. Der Fokus sollte auf dem Verständnis von Unterschieden, dem sozialen Lernen und der gemeinsamen Lösungsfindung liegen.

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Studien zu somatischen Folgekrankheiten bei ADHS/ADS

1. Schmerzsyndrome bei ADHS/ADS

Studie aus dem Scandinavian Journal of Pain (2024)

Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen ADHS und chronischen Schmerzen und fand bedeutende Verbindungen zwischen diesen beiden Bereichen.

Hauptergebnisse:

  • Menschen mit ADHS leiden häufiger unter chronischen Schmerzen (ChP)
  • 80% der Patienten mit chronischen Schmerzen erfüllten die diagnostischen Kriterien für ADHS, während dies nur bei 40% der Patienten ohne chronische Schmerzen der Fall war
  • Muskuläre Dysregulation spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Schmerzen bei ADHS-Patienten

Spezifische Merkmale der Schmerzen bei ADHS-Patienten:

  1. Muskuläre Dysregulation: Menschen mit ADHS weisen häufig eine erhöhte Muskelspannung auf, die als Hauptursache für ihre Schmerzen gelten könnte. Diese Muskelverspannungen treten oft in den stabilisierenden Muskeln des Körpers auf, wie den Muskeln entlang der Wirbelsäule (axial), im Nacken, Rücken, Brustbereich und in den Hüften.
  2. Früher Beginn und weit verbreitete Schmerzen: Die Schmerzen bei ADHS-Patienten beginnen oft bereits in der Kindheit oder Jugend. Zudem sind die Schmerzen häufig nicht lokal begrenzt, sondern weit verbreitet im Körper.
  3. Dopamindysregulation: ADHS wird oft mit einer Dysregulation des Dopaminsystems in Verbindung gebracht. Dopamin spielt nicht nur eine Rolle bei der Aufmerksamkeitsregulation und Impulskontrolle, sondern auch bei der Regulierung der Muskelaktivität und der Schmerzwahrnehmung. Eine gestörte Dopaminfunktion könnte also sowohl zu den ADHS-Symptomen als auch zu den chronischen Schmerzen beitragen.
  4. Chronische Muskelverspannungen und Schmerzempfindlichkeit: Die chronischen Muskelverspannungen, die viele Menschen mit ADHS erleben, können zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen. Diese langfristige Muskelanspannung könnte das Schmerzempfinden verstärken und so zu chronischen Beschwerden führen.
  5. Mögliche Zusammenhänge mit Ehlers-Danlos-Syndrom und Bindegewebsstörungen: Die Studie deutet auf mögliche Zusammenhänge zwischen ADHS, Autismus, Ehlers-Danlos-Syndrom und Bindegewebsstörungen hin.

Behandlungsansätze:

  1. Physiotherapie und muskuläre Entspannung: Da Muskelverspannungen eine Schlüsselrolle bei den Schmerzen spielen, könnten physiotherapeutische Maßnahmen und gezielte Entspannungsübungen eine effektive Behandlungsoption sein.
  2. Medikamentöse Behandlung: Stimulanzien, die bei ADHS eingesetzt werden, können nicht nur die ADHS-Symptome verbessern, sondern auch die Schmerzempfindlichkeit und Muskelspannung verringern.
  3. Frühe Diagnose und Prävention: Da die Schmerzen bei vielen Patienten schon in der Kindheit oder Jugend begannen, ist es wichtig, frühzeitig zu handeln. Eine frühzeitige Diagnose von ADHS und die Behandlung der muskulären Dysregulation könnte dazu beitragen, das Fortschreiten der Schmerzen zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Fazit:

Die Ergebnisse dieser Studie werfen ein neues Licht auf die Verbindung zwischen ADHS und chronischen Schmerzen. Sie zeigen, dass ADHS-Patienten nicht nur häufiger unter Schmerzen leiden, sondern dass diese Schmerzen oft auf muskuläre Dysregulation zurückzuführen sind. Dies bietet neue Ansätze für die Behandlung von Schmerzen bei ADHS-Patienten, sei es durch physiotherapeutische Maßnahmen, medikamentöse Behandlungen oder gezielte Entspannungstechniken.
Quelle: Studie im Scandinavian Journal of Pain, referenziert auf https://ads-muenster.de/2024/09/20/chronische-schmerzen-und-adhs-eine-oft-uebersehene-verbindung/

2. Gelenkbeschwerden bei ADHS/ADS

Studie aus Frontiers in Psychiatry (2021)

Eine bedeutende Studie, die in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen neurodivergenten Zuständen (ADHS, Autismus-Spektrums-Störung und Tourette-Syndrom) und Hypermobilität der Gelenke.

Hauptergebnisse:

  • Bei 51 Prozent der neurodivergenten Studienteilnehmer mit ADHS, Autismus-Spektrums-Störung oder Tourette-Syndrom lag gleichzeitig eine Hypermobilität vor, aber nur bei 20 Prozent der normalen Bevölkerung
  • Menschen mit ADHS waren deutlich häufiger hypermobil als die Kontrollgruppe
  • Personen mit ADHS hatten öfter Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kreislaufprobleme

Was ist Hypermobilität?

Hypermobilität bedeutet, dass Gelenke über den normalen Radius hinaus bewegt werden können, ohne dass dafür trainiert wurde. Dies entsteht in der Regel durch eine genetische Veranlagung, die das Bindegewebe in den Bändern, die die Gelenke umgeben, elastischer macht als bei anderen Menschen.

Symptome und Begleitsymptome der Hypermobilität:

  • Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • Häufiges Umknicken oder „Verknacksen“ von Gelenken
  • Gefühl der Instabilität in den Gelenken
  • Vermehrte Müdigkeit und Erschöpfung, bis hin zu Fatigue
  • Neigung zu Blutergüssen
  • Verdauungsprobleme
  • Venenprobleme, z.B. Krampfadern
  • Dünne/dehnbare Haut mit Neigung zu Dehnungsstreifen

Zusammenhang mit anderen Bindegewebserkrankungen:

Hypermobilität kommt auch im Rahmen von bestimmten Bindegewebskrankheiten als Symptom vor, wie beim Ehlers-Danlos-Syndrom oder beim Marfan-Syndrom. Der Übergang von einfacher Hypermobilität zum Hypermobilitätssyndrom (mit Schmerzen und Einschränkungen) ist fließend.

Warum tritt Hypermobilität häufiger bei Menschen mit ADHS auf?

Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise darauf, dass sowohl ADHS als auch Hypermobilität auf gemeinsame genetische Faktoren zurückzuführen sein könnten. Zudem könnte das autonome Nervensystem bei beiden Zuständen eine Rolle spielen.

Klinische Bedeutung:

Diese Erkenntnisse sind wichtig für die klinische Praxis, da sie darauf hindeuten, dass bei Patienten mit ADHS auch auf Anzeichen von Hypermobilität und damit verbundene Gelenkbeschwerden geachtet werden sollte. Umgekehrt könnte bei Patienten mit Hypermobilitätssyndrom und Gelenkbeschwerden auch auf ADHS-Symptome geachtet werden.
Quelle: Studie in Frontiers in Psychiatry (2021), referenziert auf https://www.understandingly.de/angststoerung-oder-depression-durch-hypermobilitaet/

3. Polyarthritis und entzündliche Erkrankungen bei ADHS/ADS

Zusammenhang zwischen ADHS und Immunsystem/Entzündungsprozessen

Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass Entzündungsprozesse und Immunfunktionen bei der Entstehung und dem Verlauf von ADHS eine wichtige Rolle spielen könnten.

Haupterkenntnisse:

  • Forscher gehen davon aus, dass das Immunsystem bei ADHS eine wichtige Rolle spielt
  • Menschen mit ADHS leiden häufiger auch unter anderen Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis oder Asthma, die mit Immunreaktionen zusammenhängen
  • Bei genetischer Veranlagung für ADHS können Entzündungsprozesse den Ausbruch der Erkrankung beeinflussen

Mögliche Mechanismen:

  1. Entzündungsprozesse im Gehirn: Chronische Entzündungsprozesse können die Signalübertragung im Gehirn beeinflussen, insbesondere die Funktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin, die bei ADHS eine zentrale Rolle spielen.
  2. Gemeinsame genetische Faktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte genetische Faktoren sowohl die Anfälligkeit für ADHS als auch für Autoimmunerkrankungen erhöhen könnten.
  3. Oxidativer Stress: Bei ADHS-Patienten wurde ein erhöhter oxidativer Stress beobachtet, der auch bei entzündlichen Erkrankungen eine Rolle spielt.

Klinische Relevanz:

Obwohl spezifische Studien zum direkten Zusammenhang zwischen ADHS und Polyarthritis begrenzt sind, legen die vorhandenen Erkenntnisse nahe, dass Menschen mit ADHS möglicherweise ein erhöhtes Risiko für entzündliche Erkrankungen haben könnten, einschließlich solcher, die die Gelenke betreffen.
Die Verbindung zwischen ADHS, Hypermobilität und Gelenkbeschwerden (wie in Abschnitt 2 beschrieben) könnte zudem ein Hinweis darauf sein, dass gemeinsame biologische Mechanismen sowohl ADHS als auch bestimmte Formen von Gelenkerkrankungen beeinflussen.

Therapeutische Implikationen:

  • Omega-3-Fettsäuren, die bei ADHS eingesetzt werden, haben auch entzündungshemmende Eigenschaften
  • Eine ganzheitliche Behandlung von ADHS sollte möglicherweise auch die Kontrolle von Entzündungsprozessen berücksichtigen
  • Bei Patienten mit ADHS und entzündlichen Erkrankungen könnte ein interdisziplinärer Behandlungsansatz besonders wichtig sein

4. Herzinfarkt und kardiovaskuläre Erkrankungen bei ADHS/ADS

Schwedische Studie zum Zusammenhang zwischen ADHS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2022)

Eine umfangreiche schwedische Studie aus dem Jahr 2022 mit etwa 5 Millionen Teilnehmern untersuchte den Zusammenhang zwischen ADHS und kardiovaskulären Erkrankungen.

Hauptergebnisse:

  • Erwachsene mit ADHS leiden doppelt so häufig an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Personen ohne ADHS
  • Das erhöhte Risiko wurde für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert, insbesondere jedoch für Zustände wie Herzstillstand und Arteriosklerose
  • Die Verbindung zwischen ADHS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen
  • Menschen mit ADHS haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt oder hämorrhagischen Schlaganfall

Mögliche Ursachen für den Zusammenhang:

ADHS wurde bereits mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Rauchen, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Die genauen Mechanismen, die zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die Studie vermutet, dass ADHS ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein könnte.

Geschlechtsspezifische Unterschiede:

Im Allgemeinen ist ADHS bei Männern dreimal häufiger als bei Frauen, ebenso wie Herz-Kreislauf-Probleme. Die Studie zeigt jedoch, dass auch die Verbindung zwischen ADHS und Herzgesundheit bei Männern stärker ausgeprägt ist. Dies könnte erklären, warum Männer mit ADHS ein besonders hohes Risiko für Herzinfarkte haben.

Einschränkungen der Studie:

  • Nationale Register, die die Patienten für die Studie bereitstellten, erfassen möglicherweise nicht die leichteren Fälle von ADHS
  • Fehlende Daten zu Lebensstil, körperlicher Betätigung und Ernährung der Patienten

Klinische Bedeutung:

Das Bewusstsein für die eigene ADHS-Diagnose und die damit verbundenen Risikofaktoren ist ein wichtiger Schritt zur Prävention von Herz-Kreislauf-Risiken. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von ADHS könnte dazu beitragen, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu reduzieren.
Quelle: Schwedische Studie (2022), referenziert auf https://gam-medical.de/adhs-und-herzgesundheit-studie/ (2024)

5. Gewaltverbrechen und Kriminalität bei ADHS/ADS

Zusammenhang zwischen ADHS, oppositioneller Trotzstörung und antisozialem Verhalten

Aktuelle Forschungen zeigen einen Zusammenhang zwischen ADHS, insbesondere in Kombination mit oppositioneller Trotzstörung (OTS), und einem erhöhten Risiko für antisoziales Verhalten, einschließlich Gewalt und Kriminalität.

Haupterkenntnisse:

  • Menschen mit ADHS haben ein erhöhtes Risiko für Gewalt und Kriminalität
  • Besonders bei Männern mit ADHS ist das Risiko für antisoziales Verhalten erhöht
  • Die Komorbidität von ADHS mit oppositioneller Trotzstörung (OTS) verstärkt das Risiko für Gewaltverhalten

Was ist oppositionelle Trotzstörung (OTS)?

Die oppositionelle Trotzstörung ist eine Bedingung, die durch eine reizbare Stimmung und ein streitlustiges/provozierendes Verhalten gekennzeichnet ist, das mindestens 6 Monate anhält. Erwachsene mit OTS haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen und ihr Verhalten zu kontrollieren, können leicht reizbar und wütend werden und können auch empfindlich oder nachtragend sein.

Symptome und Verhaltensweisen bei ADHS und OTS, die zu Gewalt führen können:

  • Übermäßige oder unangemessene Wut oder Reizbarkeit
  • Provokatives oder oppositionelles Verhalten
  • Weigerung, Regeln oder Anforderungen anderer zu respektieren
  • Häufige Streitigkeiten mit anderen
  • Tendenz, anderen die Schuld für eigene Fehler zu geben
  • Unfähigkeit, Frustration zu tolerieren
  • Schwierigkeiten, soziale Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten

Auswirkungen auf das Leben:

Die Symptome von ADHS und OTS können erhebliche Auswirkungen auf das Arbeitsleben, persönliche Beziehungen und die psychische Gesundheit haben. Sie können zu Problemen bei der Arbeit, Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und antisozialem Verhalten wie Gewalt oder Kriminalität führen.

Behandlungsansätze:

  • Medikamente, insbesondere Stimulanzien, können bei ADHS helfen und indirekt auch die Symptome der OTS verbessern
  • Psychotherapie und Verhaltenstherapie können helfen, Impulskontrolle zu verbessern und angemessene soziale Fähigkeiten zu entwickeln
  • Frühe Diagnose und Intervention können dazu beitragen, das Risiko für antisoziales Verhalten zu reduzieren

Klinische Bedeutung:

Das Verständnis des Zusammenhangs zwischen ADHS, OTS und antisozialem Verhalten ist wichtig für die Prävention von Gewalt und Kriminalität. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von ADHS und komorbiden Störungen könnte dazu beitragen, das Risiko für antisoziales Verhalten zu reduzieren.

Multikulturelle Gesellschaft Schweiz

Dr.med. Davatz erwähnt explizit, dass die Schweiz eine multikulturelle Gesellschaft ist. Sie führt aus, dass 30% der Bevölkerung Ausländer sind. Weiterhin weist sie auf die Existenz vieler multikultureller Heiraten hin.

In diesem Kontext der Multikulturalität kommen verschiedene Erziehungsmodi zusammen. Dr. Davatz merkt an, dass diese Erziehungsstile sich gegenseitig bekämpfen oder ergänzen können. In ihrer Praxis erlebt sie häufig Familien, in denen die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, was kein förderliches Klima für Kinder darstellt.

Auch die Sprachentwicklung in den Schulen zeigt die Auswirkungen der multikulturellen Gesellschaft. Dr. Davatz beobachtet, dass sich in den Schulen das albanische Schweizerdeutsch stärker durchsetzt als das traditionelle Schweizer Schwyzerdütsch. Sie interpretiert dies als ein Beispiel dafür, dass sich jemand, der sich dominant verhält, auch in der Sprache durchsetzt.

Des Weiteren betont Dr. Davatz, dass die verschiedenen Kulturen auch verschiedene Wertesysteme mit sich bringen. Da die Schweiz stark von der christlichen Kultur geprägt ist, kann es bei Begegnungen mit anderen Kulturen schnell zu Streitigkeiten kommen. Sie erachtet keinen Streit als so schlimm wie den Religionskrieg und betont die Notwendigkeit zu lernen, wie mit Andersdenkenden kollektiv umzugehen ist. Hierbei ist es wichtig, sich einander anzunähern, zu dezentrieren und herauszufinden, wie andere etwas sehen.

Dr. Davatz unterstreicht, dass es wichtig ist, dass wir Schweizer wach sind und für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben. Gleichzeitig plädiert sie dafür, Unterschiede ohne Kampf wahrzunehmen und zu akzeptieren. Heterogene Gemeinschaften mit grosser Diversität überleben besser als homogene. Jeder hat seinen Platz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz die multikulturelle Realität der Schweiz anerkennt und auf die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen in Bezug auf Erziehung, Werte und soziale Interaktion hinweist. Sie betont die Bedeutung des Respekts vor Unterschieden, der Kooperation und der Fähigkeit, sich mit verschiedenen Wertesystemen auseinanderzusetzen.

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Erziehung und Werte

Dr.med. Davatz betont, dass die Erziehung in der Familie dazu dient, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten. Dies beinhaltet auch die Weitergabe von Wertvorstellungen, welche unterschiedlich erfolgen kann, nämlich entweder mit Belohnung oder Bestrafung oder mit Vorbild. Sie hebt hervor, dass das Vorbild etwas ganz Wichtiges in der Erziehung ist.

Bezüglich der Erziehungsstile erwähnt Dr. Davatz die Extreme der demokratischen und autoritären Erziehung, wobei es natürlich auch Mischformen gibt. Unabhängig vom Stil ist es wichtig, dass der Nachwuchs, die Zukunft, erfolgreich erzogen wird. Dies beinhaltet, dass Kinder lernen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Zudem müssen sie sich in die Gesellschaft integrieren können, insbesondere in der heutigen multikulturellen Gesellschaft der Schweiz, in der verschiedene Erziehungsmodi aufeinandertreffen können. Diese können sich entweder gegenseitig bekämpfen oder ergänzen. Dr. Davatz beobachtet, dass sie in ihrer Praxis oft Familien erlebt, in denen die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, was kein gutes Klima für Kinder darstellt. Wenn Kinder gar zu Vermittlern zwischen den Eltern werden müssen, nimmt ihnen das viel Energie für ihre persönliche Entwicklung weg.

Dr. Davatz betont, dass es in der Erziehung nicht darum geht, immer gleicher Meinung zu sein. Vielmehr müssen die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen, damit das Kind lernen kann, dass Mutter und Vater Dinge unterschiedlich sehen und je nach Situation die eine oder andere Haltung besser sein kann. Das Kind optimiert so seinen Lebensentwurf. Sie spricht sich dagegen aus, das Kind moralisch zu erziehen, sondern es nach seinen eigenen Wertvorstellungen zu fördern, die individuell sind. Dr. Davatz unterstreicht, dass Mann und Frau schon nicht gleich sind und wir unterschiedlich sein dürfen. Sie sieht die aktuelle Geschlechterdiskussion um binär und nonbinär als etwas extrem, plädiert für einen individuelleren Ansatz und betont, dass man umso mehr voneinander lernt, je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt.

Im Kontext der Schule beinhaltet diese einerseits das Lernen von Kompetenzen wie Rechnen, Schreiben und sich Ausdrücken. Andererseits ist es wichtig, dass in der Schule nicht nur Wissen und Leistung weitergegeben wird. In der heutigen Leistungsgesellschaft und im Wettbewerb ist es entscheidend, dass die emotionalen Fähigkeiten der Frauen nicht verloren gehen und weitergegeben werden. Dr. Davatz betont, dass es sehr wichtig ist, dass wir Schweizer wach sind und für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben.

Sie beobachtet, dass in Auseinandersetzungen oft ein Kampf um das Recht entsteht, anstatt ein konstruktiver Austausch mit These, Antithese und Synthese. Sie betont die Wichtigkeit, sich anzunähern, zu dezentrieren und herauszufinden, wie andere etwas sehen. Eltern müssen nicht immer am gleichen Strick ziehen, da dies Kinder „erwürgen“ kann. Stattdessen sollen die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen.

Dr. Davatz unterstreicht die Bedeutung der Beziehungsarbeit in der Erziehung. Man soll das Kind begleiten und ihm zeigen, wie man mit Dingen umgeht. Dabei ist es wichtig, für seine eigenen Methoden einzustehen und dem Kind zu zeigen, dass man es beim Erlernen begleitet. Sie spricht sich gegen reine Belohnungs- und Bestrafungssysteme aus und betont, dass die Freude des Kindes am Tun die beste Belohnung ist. Eltern sollen ihre Prinzipien und Regeln kommunizieren, aber nicht mehr vorschreiben, wie etwas gemacht werden muss, besonders in der Pubertät. Es geht darum, dem Kind zu helfen, seine eigenen Wertvorstellungen zu entwickeln und Unterschiede ohne Kampf wahrzunehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz eine Erziehung befürwortet, die auf Vorbild basiert, die individuellen Unterschiede respektiert, die Kooperation fördert und Werte durch authentisches Vorleben und Begleitung vermittelt, anstatt durch reine Wissensvermittlung oder starre Regeln. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven und das Lernen aus Unterschieden spielen dabei eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Kindes in einer vielfältigen Gesellschaft.

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Geschlechter Unterschiede Gehirn

Dr. Davatz erwähnt, dass Frauen ein anderes Gehirn haben als Männer. Sie bezieht sich auf Untersuchungen aus der Literatur und speziell auf die Forschung von Elena Brivio an Rattenhirnen. Diese Forschung hat gezeigt, dass weibliche Ratten mehr Nervenendigungen und mehr Oligodendrozyten aufweisen, was darauf hindeutet, dass Frauen stärker im Gehirn vernetzt sind.

Im Gegensatz dazu sagt Dr. Davatz, dass Männer eher vereinfachen und eher „gegen die Wand fahren“. Sie beobachtet, dass Frauen nicht aufgeben und dass die Zukunft den Frauen gehört. Sie verweist auf das Buch von Frans de Waal, das zeigt, dass weibliches Verhalten anders ist.

Dr. Davatz führt weiter aus, dass Frauen merken, wenn etwas nicht gut läuft und nicht einfach daran vorbeigehen können. Männer hingegen können Probleme am Arbeitsplatz eher ausblenden oder vereinfachen und „in die Wand fahren“. Sie stellt fest, dass Mann und Frau bereits unterschiedlich sind.

Bezüglich emotionaler Intelligenz betont Dr. Davatz, dass Frauen viel emotionale Intelligenz besitzen und diese auch einsetzen müssten. Sie merkt an, dass, wenn Knaben (Männer) verletzt werden, sie aggressiv werden, was sie mit dem männlichen Geschlecht und Testosteron in Verbindung bringt.

Zusammenfassend deutet Dr. Davatz an, dass es strukturelle Unterschiede in der Gehirnorganisation zwischen Männern und Frauen gibt, wobei Frauen möglicherweise stärker vernetzt sind und Männer eher zur Vereinfachung neigen. Sie sieht auch Unterschiede im emotionalen Erleben und im Umgang mit Problemen, wobei Frauen eine höhere emotionale Intelligenz zugeschrieben wird und Männer eher mit Aggression auf Verletzungen reagieren. Es ist wichtig zu beachten, dass sich diese Aussagen auf Beobachtungen und Interpretationen von Dr. Davatz stützen und durch die erwähnte Rattenstudie und das Buch von Frans de Waal ergänzt werden.

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