Weshalb ist die Persönlichkeitsentwicklung wichtig?

Dr. med. Ursula Davatz betont im vorliegenden Material mehrfach die Wichtigkeit der Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere im Kontext von Kindern und Jugendlichen, mit oder ohne ADHS/ADS.

  • Sie argumentiert, dass die Persönlichkeitsentwicklung heutzutage enorm wichtig und am wichtigsten ist. Sowohl die Schule als auch die Eltern sollten dem speziellen Individuum helfen, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
  • Dr. Davatz warnt davor, dass die Persönlichkeit durch „Konservendenken, Konservenbilder, Konserveninformation“ kaputt gemacht werden kann. Sie möchte Eltern Mut machen, ihren Kindern bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu helfen.
  • Im Gegensatz zu reinem Wissen, welches heutzutage leicht vom Internet abgerufen werden kann, ist die Persönlichkeitsentwicklung etwas, das man nicht vom Internet holen kann.
  • Bezüglich der Medikamentengabe bei ADHS/ADS kritisiert Dr. Davatz, dass Ritalin überhaupt nicht hilft, die Persönlichkeit zu fördern. Sie hält es für entscheidend, dass in einer individualisierten Gesellschaft die verschiedenen Persönlichkeiten gefördert werden und ihre Talente ausleben können.
  • Dr. Davatz stellt klar, dass das Ziel nicht ist, dass der Mensch einfach funktioniert wie eine Maschine, sondern dass er seine Persönlichkeit entwickeln und entfalten kann, um zu einem reifen, verantwortungsbewussten Menschen zu werden, der seine Rolle in der Gesellschaft spielen und seine Aufgaben wahrnehmen kann. Dies erfordert Geduld und Liebe.

Zusammenfassend ist die Persönlichkeitsentwicklung laut Dr.med. Ursula Davatz essenziell, weil sie einen fundamentalen Aspekt der individuellen Entfaltung darstellt, der durch moderne Informationsquellen nicht ersetzt werden kann und durch bestimmte pädagogische oder medizinische Ansätze sogar gefährdet sein kann. Sie sieht die Förderung der Persönlichkeit als ein übergeordnetes Ziel der Erziehung und Bildung, das wichtiger ist als reine Wissensvermittlung oder die blosse Symptombekämpfung bei ADHS/ADS.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_Riedtli_13.3.2025.m4a.pdf

Der Einfluss der Geschwisterposition auf die Persönlichkeitsentwicklung

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, heben hervor, wie die Position in der Geschwisterreihe die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen prägt.

Die Geschwisterposition als prägender Faktor:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Geschwisterposition, neben den Genen und der sozialen Vererbung, einen wichtigen Einfluss auf die Persönlichkeit hat. Sie erklärt, dass die Ältesten oft die Rolle des Vorbilds einnehmen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dies kann zu einem starken Pflichtbewusstsein führen, birgt aber auch die Gefahr der Überforderung und des Burnouts, da sie dazu neigen, auch Verantwortung für andere zu übernehmen, die ihnen nicht zusteht.

Jüngere Geschwister hingegen lernen, emotionale Verantwortung zu übernehmen und auf das Wohlbefinden der Familie zu achten. Dies kann dazu führen, dass sie sich für das Glück anderer verantwortlich fühlen und Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Dr. Davatz nennt das Beispiel eines jüngsten Kindes, das versucht, eine unglückliche Mutter glücklich zu machen, und dabei möglicherweise in einen unlösbaren Auftrag gerät.

Mittlere Kinder sind oft flexibel und anpassungsfähig, da sie zwischen den Bedürfnissen der Älteren und Jüngeren vermitteln müssen. Dies fördert ihre sozialen Kompetenzen, kann aber auch zu einem Gefühl des „Eingeschlossenseins“ führen, wenn sie zwischen den anderen Geschwistern um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen müssen.

Beziehungen und Geschwisterdynamik:

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt einen Forscher, der acht verschiedene Geschwisterpositionen untersucht hat, und veranschaulicht, wie sich diese Prägungen in Beziehungen widerspiegeln können. So könnten beispielsweise zwei Älteste in einer Partnerschaft vermehrt um die Führung streiten, während zwei Jüngste Schwierigkeiten haben könnten, Entscheidungen zu treffen.

Weitere Einflussfaktoren innerhalb der Familie:

Neben der Geschwisterposition spielen natürlich auch andere Faktoren innerhalb der Familie eine Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung. Dr.med. Ursula Davatz nennt hier die Beispiele von „Schattenkindern“, die neben einem behinderten Geschwister aufwachsen und lernen, zurückzustecken, sowie den Einfluss von kranken Elternteilen auf die Entwicklung der Kinder.

Fazit:

Die Geschwisterposition ist ein wichtiger Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung, der unsere Verhaltensweisen, unseren Umgang mit Verantwortung und unsere Art, Beziehungen zu gestalten, prägt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies nur einer von vielen Faktoren ist und die individuelle Entwicklung von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft.

https://ganglion.ch/pdf/Herkunftsfamilie_Praegung.pdf

Persönlichkeitsentwicklung bei ADHS und ADS

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, heben die Bedeutung der Persönlichkeitsentwicklung für Menschen mit ADHS und ADS hervor. Anstatt ADHS und ADS als Krankheiten zu betrachten, sieht Dr.med. Ursula Davatz sie als genetisch bedingte Neurotypen, die eine Vielfalt an Persönlichkeitsausprägungen ermöglichen. Sie betont, dass 25% der Menschen mit ADHS eine normale Entwicklung durchlaufen und zu gesunden, teilweise aussergewöhnlichen Persönlichkeiten heranwachsen können.

Einflussfaktoren auf die Persönlichkeitsentwicklung

Die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen mit ADHS und ADS wird massgeblich von genetischen Faktoren und Umweltfaktoren beeinflusst. Während die genetische Veranlagung bestimmte Neigungen und Temperamentsmerkmale mit sich bringt, spielt das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle dabei, ob diese zu positiven oder negativen Entwicklungsverläufen führen.

Genetische Faktoren:

  • Breite Aufmerksamkeit: Menschen mit ADHS und ADS nehmen eine Vielzahl von Reizen wahr, was zu Kreativität, einem breiten Interessensspektrum und einem ausgeprägten „Suchinstinkt“ führen kann.
  • Hohe Sensitivität: Die erhöhte Sensibilität gegenüber Reizen kann zu Empathie, einer differenzierten Wahrnehmung und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse anderer führen.
  • Emotionale Reaktivität: Die starke emotionale Reaktivität kann sich in Leidenschaft, Intensität und einer grossen Bandbreite an Emotionen äussern.
  • Impulsivität: Die Impulsivität kann zu Spontaneität, Entschlossenheit und einem „Hands-on“-Mentalität führen.

Umweltfaktoren:

  • Erziehungsstil: Ein verständnisvoller, flexibler und unterstützender Erziehungsstil ermöglicht es Menschen mit ADHS und ADS, ihre Stärken zu entfalten und ihre Herausforderungen zu bewältigen.
  • Soziale Beziehungen: Positive soziale Beziehungen, in denen Vertrauen, Akzeptanz und Unterstützung erfahren werden, tragen massgeblich zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung bei.
  • Bildung und Beruf: Bildungs- und Berufsumgebungen, die die individuellen Bedürfnisse von ADHS und ADS-Betroffenen berücksichtigen, ermöglichen ihnen, ihre Talente zu nutzen und erfolgreich zu sein.

Herausforderungen in der Persönlichkeitsentwicklung

Menschen mit ADHS und ADS stehen oft vor besonderen Herausforderungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Diese können zu Verletzungen, Frustration und negativen Selbstbildern führen, was das Risiko für die Entwicklung von Folgekrankheiten erhöht.

Beispiele für Herausforderungen:

  • Stigmatisierung und Unverständnis: ADHS und ADS werden oft fälschlicherweise als „Modediagnosen“ oder „Erziehungsfehler“ abgetan. Dies kann zu Schamgefühlen, Selbststigmatisierung und sozialer Isolation führen.
  • Schwierigkeiten in der Schule und am Arbeitsplatz: Die Anforderungen des traditionellen Bildungssystems und der Arbeitswelt sind oft nicht auf die Bedürfnisse von ADHS und ADS-Betroffenen ausgelegt, was zu Misserfolgen, Frustration und Motivationsverlust führen kann.
  • Emotionale Dysregulation: Die starke emotionale Reaktivität kann zu Schwierigkeiten in der Emotionsregulation führen. Betroffene reagieren oft impulsiv und haben Mühe, ihre Gefühle zu kontrollieren. Dies kann zu Konflikten in zwischenmenschlichen Beziehungen führen.
  • Negative Selbstbilder: Wiederholte Misserfolge und negative Erfahrungen können zu negativen Selbstbildern, geringem Selbstwertgefühl und Selbstzweifeln führen.

Förderung einer positiven Persönlichkeitsentwicklung

Die Quellen betonen, dass Menschen mit ADHS und ADS ihr volles Potential entfalten können, wenn ihnen ein angemessenes Umfeld und die richtige Unterstützung geboten werden.

Wichtige Massnahmen zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung:

  • Schaffung eines verständnisvollen Umfelds: Es ist wichtig, dass Eltern, Lehrer, Arbeitgeber und andere Bezugspersonen die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit ADHS und ADS verstehen und respektieren.
  • Förderung der Selbstregulation: Betroffene benötigen Unterstützung, um ihre Emotionen, Impulse und Aufmerksamkeit zu regulieren. Coaching, Psychotherapie und Entspannungstechniken können dabei hilfreich sein.
  • Entwicklung individueller Stärken: Jeder Mensch mit ADHS und ADS hat einzigartige Talente und Fähigkeiten. Es ist wichtig, diese zu identifizieren und zu fördern.
  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Betroffene müssen lernen, sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Positive Erfahrungen, Erfolge und Anerkennung tragen dazu bei, das Selbstwertgefühl zu stärken.
  • Aufbau von positiven Bewältigungsstrategien: Betroffene brauchen Strategien, um mit den Herausforderungen von ADHS und ADS umzugehen. Dazu gehören Zeitmanagement-Techniken, Organisationshilfen, Stressbewältigungsstrategien und Kommunikationstrainings.

Ziel der Persönlichkeitsentwicklung bei ADHS und ADS ist es, den Betroffenen zu ermöglichen, ein selbstbestimmtes, erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen.

Schlussfolgerung

Die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen mit ADHS und ADS ist ein komplexer und individueller Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Ein verständnisvolles Umfeld, die richtige Unterstützung und die Entwicklung individueller Bewältigungsstrategien spielen eine entscheidende Rolle dabei, ob ADHS und ADS zu einer Bereicherung oder zu einer Belastung im Leben der Betroffenen werden.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Jugendliche_Erwachsene.pdf

Persönlichkeitsentwicklung im Spannungsfeld von Medien und Erwartungsdruck

Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen in der heutigen Zeit. Sie verdeutlichen, dass die Persönlichkeitsentwicklung nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern im Kontext der gesellschaftlichen und medialen Einflüsse steht.

Medien als prägender Faktor:

Die heutige Jugend ist von klein auf einer Vielzahl von Medien ausgesetzt, die ihre Entwicklung massgeblich beeinflussen. Die ständige Vernetzung und der permanente Zugang zu Online-Inhalten prägen die Wahrnehmung und das Verhalten der Jugendlichen. Dr.med. Ursula Davatz sieht darin eine Gefahr, da die Medien, insbesondere durch ihre Gestaltung, darauf abzielen, Jugendliche zu fesseln und zu konsumieren. Dies kann dazu führen, dass die Jugendlichen in einer Welt der Oberflächlichkeit gefangen sind und es ihnen schwerfällt, sich mit ihrer eigenen Identität auseinanderzusetzen.

Persönlichkeitsgerechte Erziehung:

Dr.med. Ursula Davatz plädiert für eine persönlichkeitsgerechte Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente jedes Jugendlichen berücksichtigt. Sie vergleicht dies mit der artgerechten Tierhaltung, bei der das Wesen des Tieres verstanden werden muss, um es erfolgreich zu trainieren. Genauso müssen Erzieher und Eltern die Persönlichkeit des Jugendlichen verstehen, um ihn in seiner Entwicklung optimal zu unterstützen.

Herausforderungen im Bildungssystem:

Das Schweizer Bildungssystem, so Dr.med. Ursula Davatz, ist den Anforderungen der digitalen Welt nicht gewachsen und hinkt der Entwicklung hinterher. Der Fokus auf standardisierte Lehrpläne lässt wenig Raum für Individualisierung und die Förderung unterschiedlicher Begabungen. Dies führt dazu, dass viele Jugendliche die Motivation verlieren und im schlimmsten Fall aus dem System fallen. Es braucht ein Umdenken im Bildungssystem, um den Bedürfnissen der heutigen Jugend gerecht zu werden und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Die Bedeutung von Beziehungen:

Die Persönlichkeitsentwicklung findet nicht im Vakuum statt, sondern ist abhängig von den Beziehungen, die der Jugendliche zu seinen Eltern, Lehrern und Gleichaltrigen pflegt. Dr.med. Ursula Davatz betont die Wichtigkeit von menschlicher Interaktion als Gegenpol zur oberflächlichen Welt der digitalen Medien. Jugendliche brauchen authentische Beziehungen, in denen sie sich verstanden und akzeptiert fühlen. Nur so können sie ihre Persönlichkeit frei entfalten.

Die Rolle von Erfolg und Misserfolg:

Erfolgserlebnisse stärken das Selbstbewusstsein und fördern die Persönlichkeitsentwicklung. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Jugendliche lernen, mit Misserfolgen umzugehen. Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Fehler zum Lernprozess dazugehören und dass man aus ihnen wichtige Erkenntnisse gewinnen kann. Jugendliche sollten nicht für ihre Fehler beschämt, sondern ermutigt werden, aus ihnen zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die Suche nach dem eigenen Weg:

Die Persönlichkeitsentwicklung ist ein lebenslanger Prozess, der sich über verschiedene Phasen erstreckt. Gerade in der Jugend ist es wichtig, dass Jugendliche die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren und ihren eigenen Weg zu finden. Eltern und Erzieher sollten den Jugendlichen dabei unterstützen, ihre Talente zu entdecken und ihre Interessen zu verfolgen.

Zusammenfassung:

Die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen ist in der heutigen Zeit von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Die ständige Präsenz von Medien, der hohe Erwartungsdruck und die Defizite im Bildungssystem erschweren es den Jugendlichen, ihre eigene Identität zu finden und ihre Persönlichkeit zu entfalten. Es braucht ein Umdenken in der Erziehung und im Bildungssystem, um den Jugendlichen die bestmögliche Unterstützung auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten und erfüllten Leben zu geben.

https://ganglion.ch/pdf/Frust_Enttaeuschung.pdf

Die Rolle des Schuldgefühls in der Persönlichkeitsentwicklung

Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag das Thema Schuldgefühl im Kontext des Sozialverhaltens an. Sie definiert Schuld als einen moralischen Begriff, der an ein Kollektiv mit bestimmten Regeln gebunden ist. Schuldgefühle entstehen, wenn wir gegen diese Regeln verstossen.

Schuldgefühl als „Hirtenhund“ der Gruppe:

Dr. Davatz vergleicht das Schuldgefühl mit einem Hirtenhund, der uns zurück zur Gruppe führt, wenn wir von den Normen abweichen. Sie erklärt, dass Schuldgefühle uns helfen, uns in ein soziales System einzufügen und die Regeln der Gruppe zu befolgen. Dieses System kann die Familie, die Schule, der Beruf oder die Gesellschaft im Allgemeinen sein.

Überwindung von Schuldgefühlen für Verhaltensänderungen:

Gleichzeitig betont Dr. Davatz, dass es notwendig sein kann, Schuldgefühle zu überwinden, um neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Sie erläutert, dass wir manchmal die Regeln des Systems, in dem wir aufgewachsen sind, übertreten müssen, um zu wachsen und uns zu verändern. Dies kann dazu führen, dass wir uns schuldig fühlen, weil wir den Erwartungen unserer Umgebung nicht entsprechen.

Entwicklung einer eigenen Ethik:

Die Überwindung dieser Schuldgefühle ist Teil der Entwicklung einer eigenen Ethik. Dr. Davatz argumentiert, dass wir als soziale Wesen eine eigene Moral entwickeln müssen, die nicht nur auf den Regeln unserer Erziehung oder unserer Berufsgruppe basiert. Diese eigene Ethik kann sich von dem unterscheiden, was wir von unseren Eltern oder an der Universität gelernt haben.

Beispiel aus Dr.med. Ursula Davatz‘ eigener Erfahrung:

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt ihre eigenen Erfahrungen mit Schuldgefühlen, wenn sie von der allgemeinen Meinung in der Psychiatrie abweicht. Sie wird dann als „Ketzerin“ kritisiert und könnte Schuldgefühle haben. Sie entscheidet sich jedoch bewusst dafür, zu ihrer eigenen Ethik und Erfahrung zu stehen, auch wenn dies bedeutet, dass sie nicht immer der Meinung der Mehrheit entspricht.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Schuldgefühle spielen eine wichtige Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung, indem sie uns helfen, uns in ein soziales System einzufügen. Gleichzeitig ist es wichtig, Schuldgefühle zu überwinden, um neue Verhaltensweisen zu entwickeln und eine eigene Ethik zu finden. Die Entwicklung einer eigenen Moral ist ein wichtiger Schritt zur persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit.

https://ganglion.ch/pdf/Gesellschaft%20unter%20Hochdruck.m4a.pdf

Der Erfolg autokratischer Herrscher: Eine Erklärung aus systemischer Sicht

Dr.med. Ursula Davatz erklärt den Erfolg autokratischer Herrscher im Zusammenhang mit ihrer These über die Erziehung durch alleinerziehende Mütter und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Söhne. Sie argumentiert, dass diese Erziehung zu einem Machtbedürfnis und einem Hang zur Dominanz führen kann, Eigenschaften, die in autokratischen Systemen von Vorteil sind.

Das Fehlen der Vaterfigur:

Laut Dr.med. Ursula Davatz erleben Söhne, die ohne Vater aufwachsen, weniger Widerstand und Konfrontation in ihrer Entwicklung. Die bedingungslose Liebe der Mutter, die den fehlenden Vater nicht ersetzen kann, führt zu einer „König-Position“ des Sohnes innerhalb der Familie. Dieser Mangel an männlichem Gegenüber kann dazu führen, dass der Sohn nicht lernt, sich mit Grenzen auseinanderzusetzen und seinen Willen durchzusetzen versucht.

Verbindung zu Grössenwahn und autoritären Strukturen:

Dr.med. Ursula Davatz stellt eine Verbindung her zwischen diesem Erziehungsstil und dem Grössenwahn, den sie in der Allmachtsfantasie des Kindes vor dem Spracherwerb verankert sieht. Das Kind, dessen Bedürfnisse von der Mutter stets erfüllt werden, ohne diese artikulieren zu müssen, entwickelt eine verzerrte Wahrnehmung der eigenen Macht. In Kombination mit dem Fehlen einer konfrontierenden Vaterfigur kann dies zu einem narzisstischen Grössenwahn führen, der sich im Erwachsenenalter in einem Streben nach Macht und Kontrolle äussert.

Beispiele aus der Geschichte:

Dr.med. Ursula Davatz führt historische Beispiele an, um ihre These zu untermauern. Sie erwähnt Julius Cäsar, Adolf Hitler und Vladimir Putin, die alle von alleinerziehenden Müttern erzogen wurden und später zu mächtigen, autokratischen Herrschern wurden. Diese Beispiele dienen ihr als Beleg für die These, dass das Aufwachsen ohne Vaterfigur die Entwicklung von Machtstrukturen und autoritärem Verhalten begünstigen kann.

Der Einfluss von Kränkung und Beschämung:

Zusätzlich zum Fehlen der Vaterfigur betont Dr.med. Ursula Davatz die Rolle von Kränkung und Beschämung in der Entwicklung von autoritärem Verhalten. Sie argumentiert, dass Menschen, die tief gekränkt wurden, oft mit Grössenideen und autoritären Strukturen reagieren, um zukünftige Kränkungen zu vermeiden.

Erfolg durch Inszenierung und Manipulation:

Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass autokratische Systeme oft auf Inszenierung und Manipulation beruhen, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Sie nennt das Beispiel der Wahlen in Russland, die sie als „absolute Scharade“ bezeichnet, die so gut inszeniert ist, dass die Menschen darauf hereinfallen.

Zusammenfassend erklärt Dr. Davatz den Erfolg autokratischer Herrscher durch eine Kombination von Faktoren:

  • Fehlen der Vaterfigur und bedingungsloser Liebe der Mutter: Dies führt zu einem Ungleichgewicht in der Persönlichkeitsentwicklung und einem verstärkten Machtbedürfnis.
  • Entwicklung von Grössenwahn: Aus der Allmachtsfantasie des Kindes und dem Fehlen von Widerstand entsteht ein narzisstischer Grössenwahn.
  • Kränkung und Beschämung: Der Wunsch, zukünftige Kränkungen zu vermeiden, führt zu autoritärem Verhalten.
  • Inszenierung und Manipulation: Autokraten nutzen diese Mittel, um die Bevölkerung zu kontrollieren und ihre Macht zu sichern.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Dr.med. Ursula Davatz‘ Erklärung nicht als absolute Wahrheit zu verstehen ist. Neben der Erziehung spielen viele weitere Faktoren eine Rolle beim Erfolg autokratischer Herrscher.

Dennoch bietet Dr.med. Ursula Davatz‘ Analyse einen interessanten Denkanstoss und regt dazu an, die komplexen Zusammenhänge zwischen Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung und Machtstrukturen zu reflektieren.

Einfluss von ADHS/ADS-Symptomen auf die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät

Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für die Persönlichkeitsentwicklung, in der das Gehirn grundlegend umstrukturiert wird. Dieser Prozess, Synaptic Pruning genannt, verläuft bei Jugendlichen mit ADHS/ADS-Symptomen oft anders als bei neurotypischen Jugendlichen, was die Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit erschweren und zu psychischen Problemen führen kann.

Besonders die hohe Sensitivität und Reaktivität, die für Menschen mit ADHS/ADS charakteristisch sind, spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle. .

  • Störungen und Stress: Die erhöhte Störbarkeit von ADHS/ADS-Betroffenen, die durch die enge Verknüpfung des emotionalen und kognitiven Gehirns entsteht, kann den Synaptic Pruning negativ beeinflussen. In der Pubertät sind Jugendliche ohnehin vielen neuen Reizen und Herausforderungen ausgesetzt. Für ADHS/ADS-Betroffene kann dies schnell zu Überforderung und Stress führen.
  • Fokusfindung: In der Pubertät beginnt die Suche nach der eigenen Identität und dem Platz in der Welt. ADHS/ADS-Betroffenen fällt es oft schwer, ihren eigenen Fokus zu finden. Sie brauchen Unterstützung und Freiräume, um ihre Interessen und Stärken zu entdecken und zu entwickeln.
  • Reaktionsmuster: Die typischen Reaktionsmuster von ADHS/ADS-Betroffenen, wie Impulsivität, Aggression (ADHS-Typ) oder Rückzug (ADS-Typ), können die Interaktion mit dem sozialen Umfeld erschweren und zu Konflikten führen. Dies kann die Persönlichkeitsentwicklung zusätzlich belasten.
  • Emotionale Unterernährung: Dr. Davatz sieht einen Zusammenhang zwischen der emotionalen Unterernährung in unserer Gesellschaft und der Zunahme psychischer Probleme bei Jugendlichen. . Der Fokus auf Leistung und die ständige Verfügbarkeit von „verbalem Junkfood“ über digitale Medien erschweren es, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Gerade für ADHS/ADS-Betroffene, die ohnehin sensibler auf Reize reagieren, ist dies eine zusätzliche Belastung.
  • Schulsystem: Das Schulsystem ist laut Dr. Davatz oft zu stark auf die kognitive Leistung ausgerichtet und vernachlässigt die emotionale Entwicklung. ADHS/ADS-Kinder brauchen aber intrinsische Motivation und persönlichkeitsgerechten Umgang , um ihren Platz zu finden. Strafen und Druck führen eher zu Widerstand und Abwehr.

Fazit:

Die ADHS/ADS-Symptome können die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät massgeblich beeinflussen. Die erhöhte Sensibilität und Reaktivität, Schwierigkeiten bei der Fokusfindung und ungünstige Umweltfaktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung psychischer Probleme. Eine unterstützende Umgebung, die die individuellen Bedürfnisse von ADHS/ADS-Betroffenen berücksichtigt, ist daher besonders in dieser Phase wichtig.

https://ganglion.ch/pdf/selo%20Tagung%2030.10.2024.m4a.pdf

Wichtige Punkte im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern für eine positive Persönlichkeitsentwicklung

Dr.med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag die Wichtigkeit eines achtsamen und wertschätzenden Umgangs mit ADHS/ADS-Kindern, um ihre positive Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Sowohl Eltern als auch Lehrpersonen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Hier sind die wichtigsten Punkte, die laut Dr.med. Ursula Davatz beachtet werden sollten:

1. Validierung des Kindes:

  • Wahrnehmung und Anerkennung der individuellen Eigenschaften des Kindes: ADHS/ADS-Kinder sind nicht alle gleich, sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Es ist wichtig, diese Individualität zu erkennen und das Kind in seinem Wesen zu bestätigen (validieren).
  • Vermeidung von Kritik und Abwertung: Kinder, die ständig kritisiert und abgewertet werden, entwickeln ein negatives Selbstbild und verlieren das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Das gilt besonders für ADHS/ADS-Kinder, die ohnehin oft mit negativen Erfahrungen konfrontiert sind.
  • Fokus auf positive Eigenschaften: Jedes Kind hat Talente und Stärken. Indem man diese in den Vordergrund stellt und das Kind für seine Erfolge lobt, stärkt man sein Selbstwertgefühl.

2. Klare Strukturen und Regeln:

  • Schaffung von Sicherheit und Orientierung: ADHS/ADS-Kinder brauchen klare Strukturen und Regeln, um sich in ihrem Alltag zurechtzufinden und ihre Impulsivität zu kontrollieren. Klare Erwartungen und Grenzen geben ihnen Sicherheit und helfen ihnen, sich angemessen zu verhalten.
  • Konsequente Durchsetzung der Regeln: Es ist wichtig, die aufgestellten Regeln konsequent durchzusetzen, um dem Kind die Ernsthaftigkeit der Regeln zu vermitteln. Inkonsequentes Verhalten verunsichert das Kind und führt zu Konflikten.
  • Weniger ist mehr: Statt vieler kleiner Regeln ist es sinnvoller, wenige, aber wichtige Regeln aufzustellen und diese klar zu kommunizieren.

3. Förderung der Eigenverantwortung:

  • Einbeziehung des Kindes in Problemlösungsprozesse: Anstatt dem Kind Lösungen vorzuschreiben, sollte man es in die Suche nach Lösungen aktiv einbeziehen. Dies fördert seine Eigenverantwortung und sein Selbstvertrauen.
  • „Wir“-Gefühl stärken: Eltern und Lehrpersonen sollten gemeinsam mit dem Kind an Lösungen arbeiten und ein „Wir“-Gefühl erzeugen. Das Kind soll spüren, dass es nicht allein mit seinen Problemen ist.

4. Förderung der Sozialkompetenz:

  • Gelegenheiten für soziale Interaktion schaffen: ADHS/ADS-Kinder brauchen Gelegenheiten, ihre Sozialkompetenz zu trainieren. Eltern und Lehrpersonen können dies fördern, indem sie gemeinsame Aktivitäten organisieren, bei denen das Kind lernen kann, mit anderen Kindern zu kooperieren und Konflikte zu lösen.
  • Begleitung und Unterstützung: ADHS/ADS-Kinder brauchen oft Unterstützung im Umgang mit anderen Kindern. Eltern und Lehrpersonen sollten aufmerksam beobachten, wie das Kind mit anderen Kindern interagiert, und ihm bei Bedarf helfen, Konflikte zu lösen oder sich in Gruppen zu integrieren.

5. Individuelle Förderung:

  • Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse: Jedes Kind hat seinen eigenen Lernstil und seine eigenen Interessen. Es ist wichtig, diese zu berücksichtigen und das Kind individuell zu fördern.
  • Stärkung der intrinsischen Motivation: ADHS/ADS-Kinder lernen am besten, wenn sie intrinsisch motiviert sind. Eltern und Lehrpersonen sollten versuchen, die Interessen des Kindes zu wecken und ihm Aufgaben zu geben, die es spannend findet.

6. Vermeidung von Blamagen und Strafen:

  • Respektvoller Umgang: ADHS/ADS-Kinder sind besonders sensibel und verletzlich. Strafen und Blamagen sind deshalb kontraproduktiv und können das Selbstwertgefühl des Kindes nachhaltig schädigen.
  • Einzelgespräche statt öffentliche Kritik: Wenn ein Kind die Regeln bricht, sollte man es nicht vor der Klasse bloßstellen, sondern ein Einzelgespräch suchen. In diesem Gespräch kann man dem Kind in Ruhe erklären, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war, und gemeinsam nach Lösungen suchen.

7. Geduld und Ausdauer:

  • Verständnis für die Schwierigkeiten des Kindes: ADHS/ADS-Kinder haben es im Alltag oft schwerer als andere Kinder. Sie brauchen deshalb Verständnis und Geduld von ihren Eltern und Lehrpersonen.
  • Positive Verstärkung: Statt sich auf die negativen Verhaltensweisen zu fokussieren, sollte man das Kind für seine positiven Verhaltensweisen loben und belohnen. Dies motiviert es, sich weiterhin anzustrengen.

8. Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen:

  • Austausch über die Bedürfnisse des Kindes: Um das Kind optimal zu fördern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen unerlässlich. Sie sollten sich regelmäßig über die Entwicklung des Kindes austauschen und gemeinsam an Lösungen für Probleme arbeiten.

9. Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse:

  • Stressmanagement: Der Umgang mit ADHS/ADS-Kindern kann für Eltern und Lehrpersonen sehr anstrengend sein. Es ist deshalb wichtig, dass sie auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und sich regelmäßig Pausen gönnen.
  • Reflexion des eigenen Verhaltens: Eltern und Lehrpersonen sollten ihr eigenes Verhalten regelmäßig reflektieren und überlegen, wie sie den Umgang mit dem Kind noch verbessern können.

Indem Eltern und Lehrpersonen diese Punkte beachten, können sie ADHS/ADS-Kinder dabei unterstützen, ihre Stärken zu entwickeln, ihre Schwächen zu kompensieren und zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf