Negative Auswirkungen des Umfelds auf das emotionale System von Mädchen in der Pubertät

Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz, liefert einige Beispiele für negative Auswirkungen, die ein Umfeld auf das emotionale System einer jungen Frau in der Pubertät haben kann.

1. Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks:

  • Wenn ein Mädchen in der Pubertät nicht lernen darf, mit ihren Emotionen umzugehen und diese auszudrücken, kann dies zu schwerwiegenden Folgen führen.
  • Ein Umfeld, das emotionale Ausbrüche nicht toleriert oder sogar bestraft, kann dazu führen, dass das Mädchen lernt, ihre Gefühle zu unterdrücken.
  • Dr.med. Ursula Davatz nennt verschiedene Beispiele für solche restriktiven Umfelder:
    • Ein kranker oder strenger Vater, der dem Mädchen vorschreibt, sich „im Griff“ zu haben
    • Eine kranke oder repressive Mutter, die dem Mädchen nicht erlaubt, ihre Emotionen auszuleben
    • Ein Familienleben, das durch ein krankes oder behindertes Kind stark belastet ist, sodass die Bedürfnisse der pubertierenden Tochter in den Hintergrund treten
    • Belastende Ereignisse wie der Tod eines Elternteils oder eine Scheidung, die dem Mädchen den Raum für die eigene emotionale Entwicklung nehmen
  • Wenn das Umfeld dem Mädchen keinen Raum für emotionales Experimentieren und Ausleben bietet, kann dies zu Problemen in der Persönlichkeitsentwicklung führen.

2. Fehlende positive Vorbilder:

  • Mädchen in der Pubertät brauchen positive Vorbilder, die ihnen zeigen, wie man mit Emotionen auf eine gesunde Art und Weise umgehen kann.
  • Fehlen solche Vorbilder, kann es für das Mädchen schwierig sein, ihre eigene emotionale Entwicklung zu steuern.
  • Dies gilt insbesondere dann, wenn das Mädchen in einem Umfeld aufwächst, in dem Emotionen als Schwäche oder Unangemessenheit betrachtet werden.

3. Überhöhte Erwartungen und Druck:

  • Überhöhte Erwartungen der Eltern oder des sozialen Umfelds können das emotionale System eines Mädchens in der Pubertät stark belasten.
  • Wenn ein Mädchen das Gefühl hat, den Erwartungen anderer nicht gerecht werden zu können, kann dies zu Angstzuständen, Depressionen und einem negativen Selbstbild führen.
  • Dr. Davatz nennt als Beispiele:
    • Den Druck, ein bestimmtes Geschlecht zu haben, um die Erwartungen der Familie zu erfüllen.
    • Den Druck, in der Schule oder im Beruf erfolgreich zu sein.
    • Den Druck, bestimmten sozialen Normen zu entsprechen, z. B. hinsichtlich Aussehen, Verhalten oder Beziehungen.

4. Fehlende Unterstützung und Stabilität:

  • Gerade in der Pubertät brauchen Mädchen ein stabiles und unterstützendes Umfeld, das ihnen Sicherheit und Halt gibt.
  • Fehlt diese Unterstützung, z. B. aufgrund von familiären Konflikten, Krankheit oder dem Fehlen von vertrauten Bezugspersonen, kann dies zu emotionaler Instabilität und Unsicherheit führen.
  • Das Mädchen kann Schwierigkeiten haben, mit den Herausforderungen der Pubertät umzugehen, und es kann zu selbstverletzendem Verhalten, Drogenkonsum oder anderen ungesunden Bewältigungsmechanismen kommen.

5. Kulturelle Konflikte:

  • Besonders für Mädchen aus Familien mit Migrationshintergrund können kulturelle Konflikte eine zusätzliche Belastung darstellen.
  • Wenn die Erwartungen und Normen der Herkunftskultur mit denen der Aufnahmegesellschaft kollidieren, kann dies zu Identitätskonflikten und emotionalen Spannungen führen.
  • Das Mädchen kann sich zwischen den verschiedenen Kulturen hin- und hergerissen fühlen und es schwer haben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

 

Faktoren, die in der Pubertät zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung führen können

Die Ausführungen von Dr. Ursula Davatz, beschreiben verschiedene Faktoren, die bei einer Frau in der Pubertät zur Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beitragen können.

Genetische Veranlagung:

  • Starkes emotionales System: Borderline-Frauen haben von Natur aus ein starkes, emotionales System. Sie sind sehr sensibel, impulsiv und erleben ihre Emotionen oft sehr intensiv.

Einfluss des Umfelds:

  • Unterdrückung von Emotionen: Wenn das Umfeld, insbesondere die Familie, einer jungen Frau nicht erlaubt, ihre Emotionen frei auszuleben, kann dies zur Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung führen.
  • Gründe für die Unterdrückung: Die Gründe für die Unterdrückung von Emotionen können vielfältig sein:
    • Ein krankes Elternteil
    • Ein zu strenges Elternteil
    • Eine repressive Mutter
    • Eine belastende Familiensituation, z.B. ein krankes Geschwisterkind
    • Der Tod eines Elternteils
    • Eine Scheidung der Eltern
  • Fehlendes Experimentierfeld: Die Pubertät ist eine wichtige Phase, in der junge Menschen lernen, mit ihren Emotionen umzugehen. Wenn diese Phase durch externe Faktoren eingeschränkt wird, kann sich die Persönlichkeit nicht gesund entwickeln.

Folgen der Emotionsunterdrückung:

  • Kontrollverlust: Die junge Frau versucht, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten, was zu innerer Anspannung und Unruhe führt.
  • Selbstverletzendes Verhalten: Eine Methode, um die Emotionen zu regulieren, ist selbstverletzendes Verhalten, wie z.B. Ritzen. Der körperliche Schmerz hilft, den emotionalen Schmerz zu betäuben.

Zusätzliche Belastungsfaktoren:

  • Sexueller Missbrauch: Sexueller Missbrauch in der Kindheit kann ebenfalls zur Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beitragen. Die traumatischen Erlebnisse führen zu emotionaler Instabilität und können die Fähigkeit beeinträchtigen, gesunde Beziehungen aufzubauen.
  • Kulturelle Einflüsse: Kulturelle Normen und Erwartungen, die die freie Entfaltung der Persönlichkeit einschränken, können die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung begünstigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und ungünstigen Umweltfaktoren in der Pubertät das Risiko für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erhöhen kann. Die Unterdrückung von Emotionen und der Mangel an Möglichkeiten, die eigene Persönlichkeit frei zu entfalten, spielen dabei eine zentrale Rolle.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Die psychologische Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung in der Pubertät

Die Mutter-Kind-Beziehung spielt eine entscheidende Rolle in der psychologischen Entwicklung eines Kindes, insbesondere während der Pubertät. In dieser Phase der Ablösung von den Eltern und der Entwicklung einer eigenen Identität können bestehende Muster und Dynamiken in der Mutter-Kind-Beziehung verstärkt zutage treten und die Herausforderungen der Pubertät beeinflussen.

Dr.med. Ursula Davatz hebt folgende wichtige Punkte hervor:

  • Ablösungskonflikte: Die Pubertät ist eine Zeit des Umbruchs, in der Jugendliche sich von ihren Eltern ablösen und ihre eigene Identität entwickeln wollen. Dies kann zu Konflikten mit der Mutter führen, besonders wenn die Beziehung sehr eng war oder die Mutter Schwierigkeiten mit dem Loslassen hat.
  • Emotionale Instabilität: Jugendliche erleben in der Pubertät starke emotionale Schwankungen. Wenn die Mutter selbst emotional instabil ist, z.B. aufgrund einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, kann dies die Situation zusätzlich komplizieren. Die Mutter könnte ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten auf das Kind projizieren und ihm so die Freiheit und den Raum nehmen, die es für die Entwicklung seiner Persönlichkeit benötigt.
  • Überforderung der Mutter: Manche Mütter fühlen sich durch die Pubertät ihres Kindes überfordert und reagieren mit übertriebener Kontrolle oder Rückzug. Dies kann dazu führen, dass sich der Jugendliche unverstanden fühlt und sich von der Mutter abwendet.
  • Rolle der eigenen Mutter: Die Beziehung der Mutter zu ihrer eigenen Mutter kann sich auf die Art und Weise auswirken, wie sie mit ihrem pubertierenden Kind umgeht. Ungelöste Konflikte oder negative Beziehungsmuster können sich wiederholen.
  • Geschlechtsspezifische Unterschiede: Die Quellen erwähnen, dass Mädchen in der Pubertät eher emotionale Probleme entwickeln, während Jungen zu Delinquenz oder Drogenkonsum neigen. Diese Unterschiede könnten mit gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbildern zusammenhängen, die den Ausdruck von Emotionen bei Jungen einschränken.

Konsequenzen einer problematischen Mutter-Kind-Beziehung in der Pubertät:

  • Psychische Probleme: Eine problematische Mutter-Kind-Beziehung kann das Risiko für psychische Probleme beim Jugendlichen erhöhen, wie z.B. Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen.
  • Selbstverletzendes Verhalten: Jugendliche, die sich von ihrer Mutter nicht verstanden oder unterstützt fühlen, könnten zu selbstschädigendem Verhalten greifen, wie z.B. Ritzen oder Drogenkonsum.
  • Schwierigkeiten bei der Ablösung: Wenn die Mutter Schwierigkeiten mit dem Loslassen hat oder die Beziehung zu eng ist, kann dies die Ablösung des Jugendlichen erschweren.
  • Beziehungsprobleme: Die Erfahrungen in der Mutter-Kind-Beziehung können sich auf spätere Beziehungen auswirken. Jugendliche, die keine sichere Bindung zur Mutter erfahren haben, könnten Schwierigkeiten haben, stabile und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen.

Hilfestellungen für Mütter und Kinder:

  • Offene Kommunikation: Es ist wichtig, dass Mütter und Kinder offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse sprechen.
  • Verständnis und Respekt: Mütter sollten versuchen, die Herausforderungen der Pubertät zu verstehen und ihren Kindern mit Respekt und Empathie zu begegnen.
  • Grenzen setzen: Es ist wichtig, dass Mütter klare Grenzen setzen, aber gleichzeitig ihren Kindern genügend Freiraum für ihre Entwicklung lassen.
  • Professionelle Hilfe: Bei anhaltenden Problemen in der Mutter-Kind-Beziehung kann professionelle Hilfe von Familientherapeuten oder Psychologen sinnvoll sein.

Zusätzliche Punkte aus den Quellen:

  • Bedeutung des familiären Umfelds: Das gesamte familiäre Umfeld, einschliesslich des Vaters, der Geschwister und der Grosseltern, spielt eine Rolle in der Entwicklung des Jugendlichen.
  • Einfluss von kulturellen Normen: Kulturelle Normen und Erwartungen können die Mutter-Kind-Beziehung und den Umgang mit der Pubertät beeinflussen.
  • Individuelle Unterschiede: Jede Mutter-Kind-Beziehung ist einzigartig und es gibt keine allgemeingültigen Lösungen für Probleme. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und die jeweilige Situation zu berücksichtigen.

Die Quellen bieten zahlreiche Einblicke in die Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung für die Pubertät. Sie heben hervor, wie wichtig eine stabile und unterstützende Beziehung in dieser Phase des Umbruchs ist, und zeigen auf, welche Herausforderungen auftreten können.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Die wichtige Rolle der Peers in der Pubertät

Die Quellen, insbesondere die Aussagen von Dr. Davatz, heben die entscheidende Rolle der Peers, also der Gleichaltrigen, in der Pubertät hervor. Sie vergleicht die Bedeutung der Peer-Group mit der Rolle der Altersgruppen bei den Massai in Kenia, wo Jugendliche in der Pubertät hauptsächlich mit Gleichaltrigen und nicht mehr mit den Eltern leben.

Warum sind Peers in der Pubertät so wichtig?

  • Entwicklung der sozialen Identität: In der Pubertät lösen sich Jugendliche zunehmend von ihren Eltern und suchen nach ihrer eigenen Identität. Die Peer-Group bietet ihnen einen Raum, um sich auszuprobieren, verschiedene Rollen zu testen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen: Der Umgang mit Gleichaltrigen fördert wichtige soziale Kompetenzen wie Kommunikation, Kooperation, Konfliktlösung und Empathie.
  • Emotionale Unterstützung: Jugendliche erleben in der Pubertät viele Veränderungen und Herausforderungen. Die Peer-Group bietet ihnen emotionale Unterstützung und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
  • Abgrenzung von der Erwachsenenwelt: Die Peer-Group grenzt sich bewusst von der Erwachsenenwelt ab und schafft so einen eigenen Raum mit eigenen Regeln und Werten.

Herausforderungen im Umgang mit Peers:

Der Einfluss der Peer-Group kann auch negative Seiten haben. Jugendliche können unter Gruppenzwang geraten und riskante Verhaltensweisen annehmen. Es ist wichtig, dass Eltern und Erzieher den Jugendlichen Orientierung und Unterstützung bieten, ohne die Peer-Group zu verurteilen oder zu verbieten.

Beispiel aus den Quellen:

Dr. Davatz beschreibt den Fall eines 15-jährigen Jungen, der in einer Pflegefamilie lebt und Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat. Er zieht sich zurück, stiehlt Gegenstände von anderen Kindern und verhält sich auffällig. Dr. Davatz interpretiert dieses Verhalten als Ausdruck der Suche nach Anschluss und Zugehörigkeit. Sie empfiehlt den Pflegeeltern, dem Jungen zu ermöglichen, Freunde einzuladen und so eine Peer-Group in seinem neuen Zuhause zu etablieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Peer-Group in der Pubertät eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der sozialen Identität, sozialer Kompetenzen und der emotionalen Stabilität spielt. Eltern und Erzieher sollten den Einfluss der Peer-Group anerkennen und den Jugendlichen Unterstützung und Orientierung bieten.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf

Pflegekinder in der Pubertät

Datum: 19.11.2019 um 18.30 Uhr

Titel: „Pflegekinder in der Pubertät“

Ort: Regionalstelle Pflegefamilien, Guyer-Zeller-Strasse 6 in 8620 Wetzikon

Dr. med. Ursula Davatz

Die Pubertät ist stets eine besonders sensible Entwicklungsphase. Die Jugendlichen setzen sich in dieser Zeit kritisch auseinander mit den Regeln und Wertvorstellungen ihrer Bezugspersonen, um ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Wachsen sie aber nicht bei den Eltern auf, sondern vielmehr in  „Stellvertreter-Familien“, beziehen sie sich häufig dennoch auf ihre leiblichen Eltern und ihre verwandtschaftliche Herkunft und weisen die Pflegeeltern als nicht zuständig für sie zurück. Dies kann zu Konflikten führen und die leiblichen Eltern müssen von den Pflegeeltern gedanklich mit einbezogen werden, selbst wenn diese zuvor kaum eine Rolle gespielt oder nur einen negativen Einfluss gehabt haben.

In diesem Vortrag soll der sorgfältige Umgang mit den daraus resultierenden Konflikten besprochen werden.

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