Die frühe Erkennung von ADHS/ADS ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Frühere Unterstützung und Intervention: Eine frühe Diagnose ermöglicht es, frühzeitig mit geeigneten Massnahmen zu beginnen, um Kinder mit ADHS/ADS in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dies kann sowohl pädagogische als auch therapeutische Interventionen umfassen. Wenn man frühzeitig auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, können Schwierigkeiten im Kindergarten und in der Schule möglicherweise vermieden oder gemildert werden.
  • Vermeidung von Leid und Kosten: Dr. Davatz betont, dass viel Geld und Leid gespart werden könnte, wenn man früher damit beginnt, ADHS/ADS zu verstehen. Das Beispiel des Kindergartenkindes, das aufgrund ungeschickten Umgangs in ein Heim platziert wurde, verdeutlicht auf tragische Weise die negativen Folgen einer späten oder fehlenden Erkennung und Intervention.
  • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung: Eine frühe Auseinandersetzung mit ADHS/ADS kann Betroffenen helfen, sich selbst und ihre Besonderheiten besser zu verstehen und Freundschaft mit ihrem Symptom zu schliessen. Dies kann zu einer positiveren Selbstwahrnehmung beitragen und die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit fördern. Wird ADHS/ADS erst spät erkannt, können negative Erfahrungen in der Zwischenzeit das Selbstbild und die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen.
  • Verhinderung von sekundären Problemen: Unbehandeltes oder spät erkanntes ADHS/ADS kann zu sekundären psychischen Problemen wie Depressionen führen. Das Beispiel des intelligenten Schülers mit Suizidgedanken aufgrund von Unterforderung in der Schule zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig auf die Bedürfnisse von Kindern mit ADHS/ADS einzugehen, um solche Belastungen zu vermeiden. Zudem weisen Studien darauf hin, dass Erwachsene mit ADHS/ADS häufig zusätzliche psychiatrische oder somatische Diagnosen haben, was möglicherweise durch frühe Interventionen beeinflusst werden könnte.
  • Bessere Unterstützung für Familien und Lehrpersonen: Eine frühe Diagnose ermöglicht es, auch Eltern und Lehrpersonen frühzeitig zu informieren und zu schulen, um ein besseres Verständnis für die Besonderheiten von Kindern mit ADHS/ADS zu entwickeln. Dies kann zu einem unterstützenderen Umfeld beitragen und unnötige Konflikte und Überforderungen vermeiden.
  • Frühere Erkennung bei Mädchen: Besonders bei Mädchen wird ADHS/ADS oft viel später erkannt als bei Jungen, da sie sich tendenziell besser anpassen und ihre Symptome unterdrücken. Eine frühere Sensibilisierung könnte dazu beitragen, dass auch Mädchen mit ADHS/ADS früher die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die frühe Erkennung von ADHS/ADS entscheidend ist, um betroffenen Kindern und ihren Familien frühzeitig Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen, negative Erfahrungen zu vermeiden, die persönliche Entwicklung positiv zu beeinflussen und das Risiko von sekundären Problemen zu minimieren. Dr.med. Ursula Davatz betont in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit einer frühzeitigen Aufklärung der Eltern bereits im Kindergartenalter.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_Riedtli_13.3.2025.m4a.pdf