Dr.med. Ursula Davatz bespricht den Einsatz von Medikamenten bei ADHS/ADS-Kindern ausführlich und mit einer differenzierten Haltung.
Arten und Wirkung von Medikamenten bei ADHS/ADS Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse und Medikinet werden zur Behandlung von ADHS/ADS eingesetzt. Dr. Davatz bezeichnet diese als „Stressmedikamente“, die den Stresspegel erhöhen, um eine Fokussierung zu ermöglichen. Diese Wirkung hängt mit der Ausschüttung von Dopamin zusammen, und im Extremfall kann dies auch zu „Sensation Seeking“ führen. Durch den erhöhten Stress steigt die Leistungsfähigkeit vorübergehend an.
Vorteile der Medikation Die Einnahme dieser Medikamente kann zu einer besseren Fokussierung führen. Die Schulleistung kann sich um ein bis zwei Noten verbessern, was „sehr verführerisch“ sein kann, da es dem Kind den Weg zu einer besseren Schule oder Ausbildung ebnet. Ritalin kann beispielsweise auch wie eine Schlafmedikation wirken, indem es fokussiert, ohne zu sedieren.
Nachteile und Bedenken der Medikation Dr. Davatz weist darauf hin, dass diese Medikamente, da es sich um Amphetamine handelt, auch „ausbeuten“ können. Kinder, die diese Medikamente einnehmen, merken manchmal, dass sie „nicht mehr sich selber“ sind und sich nicht mehr „so gut spüren“ [50, 27:56.780]. Für Dr. Davatz ist es jedoch wichtig, dass die Persönlichkeit des Kindes und sein Selbstgefühl entwickelt werden, nicht nur die Leistung in der Schule. Medikamente allein können dazu führen, dass der Fokus nur auf Leistung liegt und das Kind sich selbst nicht mehr spürt.
Dr. Davatz’s Haltung zum Medikamenteneinsatz Obwohl Dr. Davatz selbst Medikamente verschreibt und diese nicht grundsätzlich verweigert, betont sie, dass dies nur geschehen sollte, wenn das Kind und die Eltern dies wünschen. Sie geht dabei immer vorsichtiger vor. Sie plädiert dafür, jeden Fall individuell zu betrachten und immer abzuwägen.
Sie kritisiert, dass oft zu viel Geld in die Psychiatrie investiert wird und zu wenig in die Unterstützung von Schulen und Lehrern. Kinder sollten nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie geschickt und pathologisiert werden, indem sie Medikamente erhalten, was dazu führen kann, dass sie sich schlecht fühlen.
Medikamente müssen nicht dauerhaft eingenommen werden. Sie können auch punktuell eingesetzt werden, beispielsweise nur an Schultagen, für Prüfungen, oder sogar nur zur Erledigung spezifischer Aufgaben wie der Steuererklärung im Erwachsenenalter. Sie empfiehlt, die Medikamente in den Ferien wegzulassen, damit sich das Gehirn erholen kann. Ihr Ziel ist es, Kindern und Erwachsenen beizubringen, wie sie mit ihrem Neurotyp umgehen lernen können, anstatt sich ausschliesslich auf Medikamente zu verlassen.
Melatonin als Beispiel für andere Ansätze Zum Melatonin-Spray, das Kindern bei Einschlafproblemen gegeben wird, erklärt Dr. Davatz, dass Melatonin ein körpereigenes Hormon ist, das den Schlafrhythmus beeinflusst. Sie warnt jedoch davor, es „ewigs zu geben“, da ein Eingriff in das hormonelle Gleichgewicht Gegenreaktionen hervorrufen kann. Stattdessen betont sie die Bedeutung von regelmässigen Ritualen zum Herunterfahren für Kinder und Erwachsene, um die Reize des Tages zu verarbeiten und abzulegen, was das Einschlafen erleichtern kann.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/Schule_Toess_3.7.2025.m4a.pdf
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