Transkript
Dr.med Ursula Davatz
25.10.2023
Autismus und Psychiatrie: Was wenn nichts mehr geht?
Audio
[00:00:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes möchte ich Ihnen beiden ganz herzlich danken für die ausgezeichneten Referate. Sie waren
sehr gut verständlich. Ich konnte bei allem ja sagen und ich gebe jetzt auf ein paar Fragen eine Antwort
oder bring noch etwas von meiner Seite her.
[00:00:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als passionierte Familientherapeutin, ich sage natürlich nicht stationär behandeln, immer die Familien
zu Hause unterstützen, beraten, ihnen helfen im Umgang mit diesen Kindern.
[00:00:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tu das auch selbst. Also ich habe zum Teil dann kleine Kinder, aber auch große. Ich bin ja spezialisiert
auf Schizophrenie und da berate ich die Eltern und ich mache die größten Fortschritte mit den Eltern,
indem die Eltern lernen.
[00:00:54.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, das stimmt, das kommt aus der Schizophrenie Bezeichnung und eigentlich beschreibt das die
Zurückgezogenheit, den Kommunikationsabbruch.
[00:01:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem hat man dann eine Diagnose gemacht. Man kann das bei Schizophrene beobachten und das ist
quasi die schlimmste Situation.
[00:01:18.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die extremste Form wäre dann die Katatonie, wo das Hirn überhaupt nicht mehr funktioniert.
[00:01:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Diagnose her, viele wissen, dass ich auf ADS und ADHS spezialisiert bin. Ich sage ADS und
Autismus geht für mich ineinander.
[00:01:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eine Basisstörung. Das stimmt. Man hat auch bei der Schizophrenie Basisstörungsbilder
untersucht und die Schizophrenen und die Autisten haben die gleiche Basisstörung.
[00:01:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich das im Hirn anschaue und es wurde von Ihnen das Hirn gezeigt.
[00:02:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vor kurzem bei der psychiatrischen Weiterbildung in Bern, habe ich gehört von einem jungen
Researcher und der hat also im emotionalen Gehirn hat es einen Teil, der heißt Hippocampus.
[00:02:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist verbunden mit allem. Die haben das untersucht in Bezug auf Manie.
[00:02:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Hippocampus ist bei dieser Basis Störung mit viel mehr im Hirn vernetzt.
[00:02:33.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Pubertät spricht, in der Pubertät passiert das Synaptic Pruning.
[00:02:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, der Mensch wird angelegt mit ganz vielen Nervenzellen und Verbindungen.
[00:02:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden von den vielen Verbindungen, werden Autobahnen gemacht, also kürzere, optimalere,
funktionellere Wege.
[00:02:57.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Menschen, die zu Autisten werden, wenn die so viele Verbindungen haben, dann brauchen
die länger, um das alles durchzugehen und dann ihre eigenen Autobahnen zu machen, damit sie dann
funktionieren können.
[00:03:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn werden sie auch erst mit 25 erwachsen.
[00:03:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie stören beim Erwachsen werden, bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung, dann wird alles
gestört.
[00:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kam ja x mal. Man darf sie nicht zu fest stören. Man muss seine Erwartungen runtersetzen. Man
muss wieder lernen zu beobachten.
[00:03:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell der Medizin, One Size Fits All, also eine Methode geht auf alles. Das geht beim Gehirn
sowieso nicht und bei den Autisten noch viel weniger.
[00:03:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst rausfinden: Wer ist dieser Mensch? Wie tickt er? Wie funktioniert der?
[00:03:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man ihn etwas glaubt erkannt zu haben, dann kann man mit ihm arbeiten.
[00:04:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehe ich sogar zurück auf das Sokratische Lernen. Sokrates hat gesagt, ich lerne immer von meinem
Schüler und wir müssen von den Autisten lernen und darum Fehler machen.
[00:04:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir machen Fehler und wir müssen von dem lernen.
[00:04:20.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist es ein ständiges Lernen miteinander. Dann sage ich noch schnell etwas.
[00:04:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten, die, weil die so viel vernetzt sind und so viel durchdenken müssen, bevor sie zum eigenen
Entscheid kommen, ertragen die gar keine Unregelmäßigkeit von außen.
[00:04:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Essen 20 Minuten später kam, hat ihn das aufgeregt.
[00:04:44.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich jetzt vom autistischen Elefanten reden. Also die Elefanten haben ein Elefantengedächtnis.
Als ein Werter das Fressen immer zu spät gebracht hat, hat er ihn an die Wand gedrückt oder
umgehauen.
[00:05:02.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen Dinge im Gehirn, die auch schon bei den Tieren vorhanden sind.
[00:05:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir einfach berücksichtigen.
[00:05:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ein paar Gedanken. Aber jetzt möchte ich dem Publikum die Möglichkeit geben, Fragen zu
stellen. Sie dürfen Schweizdeutsch sprechen.
[00:05:27.530] – Bemerkung 1
Werden auf der Akutstation Autisten anders behandelt? Steht das im Blutgruppenheftchen, damit das
bekannt wird?
[00:05:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.
[00:05:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autismus Diagnose ist heutzutage sogar sehr in Mode. Sie wird viel mehr gestellt als früher. Früher
hat man sie gar nicht so beachtet.
[00:06:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt, der das Bild beobachtet hat.
[00:06:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man Autismus Spektrum Störung.
[00:06:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das steht nicht auf der Stirne.
[00:06:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Fachleute sind gezwungen, das wahrzunehmen.
[00:06:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrnehmung ist heutzutage viel stärker, viel besser. Es wird mehr wahrgenommen, es wird auch
mehr die Diagnose gestellt.
[00:06:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose stellen heißt noch lange nicht, dass man damit umgehen kann.
[00:06:37.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es verlangt von den Therapeuten, von den Fachleuten eine riesige Geduld, eine hohe Sensibilität und ein
darauf eingehen können.
[00:06:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in Amerika Familientherapie gelernt habe, hat man gesagt: Wenn du nicht weiterkommst mit
deinem Patienten, hör auf, ihn zu ändern oder ihm helfen zu wollen. Lerne.
[00:07:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich auch bei den Autisten sagen.
[00:07:08.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen von denen lernen und nicht denen sagen, wie sie sein sollen. Das geht nicht.
[00:07:14.020] – Bemerkung 2
Die Diagnose wir nicht vor Ort gestellt, die ist schon gestellt worden.
[00:07:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterschiedlich. Sie wird zum Teil ambulant gestellt. Die wird dann in der Klinik gestellt. Ganz
unterschiedlich.
[00:07:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensibilität ist heutzutage höher.
[00:07:32.120] – Bemerkung 3
Steht das im Patientenausweis?
[00:07:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, die haben gar keinen Ausweis. Das steht in der Krankengeschichte.
[00:07:40.780] – Bemerkung 3
Die ist ja nicht zugänglich.
[00:07:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unsere Sache als Fachleute, dass wir das merken.
[00:07:47.420] – Bemerkung 4
Ganz konkret zur Diagnosestellung. Wie stellt man denn eigentlich eine Diagnose, wenn sie so
unterschiedlich sind und wenn gerade weibliche Autisten auch so mega gut angepasst sind? Oder der
Jugendliche vielleicht tatsächlich sagt: Nein, ich bin nicht anders und wirklich auch in der Therapeuten
Beziehung alles dafür tut, um nicht aufzufallen.
[00:08:13.670] – Bemerkung 4
Das ist ja alles sehr kontraproduktiv dafür, dass man dann auch wirklich weiß, was dahinter steckt.
[00:08:20.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin jetzt schon über 40 Jahre in der Psychiatrie.
[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich drin bin, umso weniger wichtig ist die Diagnose für mich.
[00:08:31.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, für mich ist wichtig, dass ich sehe, wie dieser Mensch funktioniert, auf welcher Entwicklungs-Ebene
das er ist und dass ich mit ihm kommunizieren kann.
[00:08:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt sonst, Psychiater stellen die Diagnose in drei Minuten.
[00:08:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Erfahrung hat, weiß man gar nicht, was man alles macht, aber man nimmt vieles wahr und
sagt dann so.
[00:08:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und ADS wird heute auch sehr viel mehr gestellt. Früher hat man gesagt, das gibt es gar nicht.
Das kann man auch relativ schnell stellen. Ich mache keinen Neurotest, ich nehme die Anamnese, ich
schaue die Familiengeschichte an, ich höre die Biografie und dann sage ich, jawoll, das ist eine ADHS-
Familie.
[00:09:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Autismus sind vererbt.
[00:09:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind vererbte Hirn-typische Situationen.
[00:09:30.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Cross-Disorder-Studien, da wurde Schizophrenie, manisch-depressiv, ADHS, schwere
Depression und Autismus, die hatten alle die gleichen Gene, also das gleiche Genset.
[00:09:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Locus innerhalb der Gene war verändert und da haben die überlappt.
[00:09:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich, die Bezeichnung Autismus ist die Basis, die stimmt.
[00:10:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sagen ADHS oder ADS ist die Basis. Dann streiten sich die Ärzte und sagen Komorbidität und
dann soll man zuerst behandeln und das nachher.
[00:10:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar: der Autismus oder das ADS, das ist die Grundlage, das ist die neurologische
Grundlage, da muss man mit diesen Leuten lernen umzugehen, wahrzunehmen und dann schauen, was
geht und was nicht.
[00:10:28.380] – Bemerkung 5
Das kann man ja nicht behandeln. Das habe ich ja schon richtig verstanden?
[00:10:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit ihm interagieren und man kann mit diesem interagieren, ohne dass man ihn stört, sondern
fördert.
[00:10:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Also es geht nicht um Behandlung, dass man den behandelt.
[00:10:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm kommunizieren. Man muss mit ihm interagieren.
[00:10:49.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch gesagt. Verbal geht oft nicht.
[00:10:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne eine Musiktherapeutin, die hat einen Jungen, der ist unglaublich wild. Die Mutter konnte sich
nicht konzentrieren, also nicht beruhigen.
[00:11:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt, sie müssen ruhig bleiben.
[00:11:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sie gesagt, das kann ich nicht.
[00:11:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, Ja wie beruhigen sie sich sonst? Sie hört irgendeinen Podcast.
[00:11:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, dann stecken sie den Podcast in die Ohren und hören und sind ruhig neben dem
Kind.
[00:11:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit diesen umzugehen, nicht sie behandeln und verändern wollen.
[00:11:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da zitiere ich immer zwei Piloten, die gesagt haben, im Zweifelsfall überlässt man das Flugzeug sich
selber.
[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aerodynamisch, es steuert sich selber.
[00:11:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir versuchen viel zu viel die autistisch veranlagten Menschen zu steuern und wir übersteuern.
[00:11:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleich wie wenn wir mit dem Auto auf dem Eis sind, dann übersteuern wir, dann dreht es im Kreis und
alles geht schief.
[00:11:52.410] – Bemerkung 6
Ich bin Asperger.
[00:11:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, schön. Gratuliere.
[00:12:01.090] – Bemerkung 6
Ich bin 35 Jahre, ich wurde sehr spät diagnostiziert. Was sie gesagt haben, wie finden wir es denn
heraus? Wichtig ist vor allem, dass wir Vertrauen haben zum Psychiater und zu dem, der uns therapiert.
Mit der Zeit erzählen wir dann immer mehr und mit der Zeit kommt dann das Bild. Da ist auch wichtig, wir
erzählen am Anfang nicht so viel, wir sind ziemlich zugeknöpft, zumindest ich bin so gewesen, aber dann
mit der Zeit, wenn wir immer mehr Vertrauen haben und immer mehr und mehr gehen wir auf. Das ist
richtig, was sie gesagt haben, nicht verändern wollen. Gebt uns das Gefühl, dass wir normal sind. Das ist
das Wichtigste. Dann bekommen wir Vertrauen haben und dann erzählen wir ihm mehr und dann mit der
zeit kommt das Bild, Vertrauen und Normalität.
[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Wort, was sie gebraucht hat, validieren. Man muss das Gegenüber validieren in dem, wie
es ist und was es wahrnimmt.
[00:13:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Person validiert hat, dann hat man sie akzeptiert. Erst dann kann man schauen, was
man allenfalls ein bisschen verändern könnte, aber nicht als erstes verändern wollen.
[00:13:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch bei den ADHS Kinder, die müssen viel mehr sich selber steuern dürfen.
[00:13:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht noch so, man wollte vielleicht irgendetwas, aber das ADHS Kind muss das selber übernehmen
in seinen Computer und dann machen, wenn man drängt und stößt, dann geht alles falsch.
[00:13:41.050] – Bemerkung 7
Das ist sehr interessant, wie die ADHS Problematik zeigt, wie man überhaupt mit Menschen umgehen
sollte.
[00:13:48.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, klar.
[00:14:01.320] – Bemerkung 1
Das wäre die ideale Methode, wie man mit Menschen umgeht.
[00:14:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man mit Autisten umgehen soll, die Art und Weise wie man erziehen soll, respektive sie begleiten,
wäre für alle Leute gut.
[00:14:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den anderen hat es nicht so viele Konsequenzen. Bei denen schlägt es riesig aus. Das ist das
Problem.
[00:14:33.200] – Bemerkung 8
Sie haben gesagt, dass die Struktur vom Gehirn bei Autismus und Schizophrenie gleich ist?
[00:14:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn hat ein Intake und ein Output.
[00:15:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch mehrmals gesagt von den Autisten. Sie haben eine sehr differenzierte Wahrnehmung,
eine genaue, man könnte sogar sagen eine pedantische Wahrnehmung.
[00:15:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pedantische, differenzierte Wahrnehmung, die braucht sehr viel Prozessierung.
[00:15:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Während sie da wahrnehmen und wir kommen hinein und stören sie, dann gibt es ein System Overload.
[00:15:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der System Overload geschieht im emotionalen Hirn.
[00:15:36.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es im emotionalen Hirn ein System Overload gibt, dann sendet das Hirn viel zu viele Impulse raus.
[00:15:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese vielen Impulse in das Großhirn gesendet werden, macht es dort einen Zusammenbruch und
dann haben wir die Schizophrene.
[00:15:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ins somatische, also in den Körper hinein gesendet wird, dann gibt es alle möglichen,
körperliche Zustände, also eine Angstattacke, ein Zusammenbruch und weiß ich nicht was alles.
[00:16:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es lange läuft, gibt es psychosomatische Erkrankungen.
[00:16:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn reagiert ein bisschen anders. Ob es jetzt da das Großhirn überlastet oder ob es ein Raptus hat,
also ja, das hängt dann von der Situation und auch wieder von der Person ab.
[00:16:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ja nicht nur ADHS oder Autisten Gene, wir haben ja noch viele andere und das bestimmt alles.
[00:16:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, wenn in einer Familie ein Kind sehr hyperaktiv ist und beide haben wahrscheinlich so ein
bisschen autistische ADS-ADHS-Gene, dann zieht sich das autistische eher zurück.
[00:16:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eigentlich ein Rückzugsverhalten, a Flight.
[00:16:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde vorher gesagt, Fight, das ist Kampf, ADHSler, die kämpfen nach außen.
[00:16:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen Flucht nach innen und das sind oft ADSler.
[00:17:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight und Freeze, das wäre dann Totstellerreflex.
[00:17:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenen ist dann das Katatonie, wo sie sich gar nicht mehr bewegen können, aber voll bei
Bewusstsein sind. Das wäre Freeze.
[00:17:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tue jetzt immer noch eine vierte Kategorie dazu und das ist Teasing.
[00:17:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten, mokieren, Spaß machen und alle Jungtiere arbeiten mit Teasing.
[00:17:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie schauen, wie Hündchen miteinander spielen, sie tun einander necken und je nachdem tut so
ein ADS Autisten Kind einen anderen vielleicht ein bisschen stören.
[00:17:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich immer eine Aufforderung für Interaktion.
[00:17:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssten viel mehr lernen, wieder mit dem Teasing zu arbeiten.
[00:17:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie arbeiten wir mit dem und man nennt es dann paradoxe Intervention.
[00:18:05.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verschreiben ein Symptom. Wir sagen, das ist wunderbar, dass du das hast, das musst du noch ganz
lange behalten.
[00:18:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt dann das Kind, Nein, das will ich nicht mehr.
[00:18:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: hör auf mit dem, benimm dich nicht so blöd, dann mach es weiter.
[00:18:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade jetzt in der Psychiatrie sollten wir viel mehr wieder das Teasing lernen, wie man mit ihnen
umgehen kann.
[00:18:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch aufpassen. Man darf nicht sarkastisch sein. Das vertragen sie gar nicht. Das Vertragen
sie gar nicht.
[00:18:37.720] – Bemerkung 9
Schizophrenie und Autismus sind in dem Fall nicht das Gleiche?
[00:18:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, das Hirn nicht zu erklären. Unser Hirn wird bestimmt von ganz vielen Genen und es hat
ganz viele Fähigkeiten, die nie verwendet werden.
[00:18:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Stress kommt, dann reagiert es auf das und entweder werden dann die Fähigkeiten abgedrosselt
oder es kommt irgendwas anderes heraus.
[00:19:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist eben anders.
[00:19:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kritisiere immer wieder, dass die Psychiater zu sehr sich an die somatische Medizin anhängen und
eine fixe Diagnose wollen. Dabei ändert sich das Hirn im Laufe der Zeit, die ganze Zeit. Es ändert sich
mit der Therapie, es ändert sich mit den Interaktionen, es ändert sich auch mit dem Medikament.
[00:19:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will natürlich am liebsten der Person helfen, dass sie ihr Hirn selber steuern kann.
[00:19:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie umgehen kann mit dem Umfeld und lernt, langsam lernt.
[00:19:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute mit Autismus, die brauchen ein bisschen länger und die brauchen ein bisschen ein sorgfältigere
Umgebung, sonst macht man sie kaputt.
[00:19:55.460] – Bemerkung 10
Sie plädieren für eine anpasste Versorgung, also eine Alternative. Haben sie gute Beispiele in der
Schweiz oder in einem anderen Land?
[00:20:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß nicht, was in der Schweiz alles existiert. Ich weiß nur, ich bin sehr für nach Hause gehen und
den Leuten zu Hause helfen also einfach halt den Eltern helfen damit umzugehen.
[00:20:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite sehr viel auch mit Schulen, aber manchmal habe ich Riesenprobleme denen zu zeigen, dass
man mit diesen Kinder anders umgehen muss.
[00:20:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss erfahrene Fachleute haben, welche die Systeme beraten, sei es die Schule, sei es Familie, sei
es der Kindergarten und so weiter.
[00:20:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht etwas Fixes sagen und bei jedem Kind muss man etwas anders suchen.
[00:20:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Kinder, ich ein ganzes Jahr zu Hause behalten habe, einfach zum Druck wegnehmen.
[00:20:58.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schweiz Schulpflicht und zum Teil werden die Kinder dann mit der Polizei abgeholt,
wenn sie nicht in die Schule gehen, was ich gar nicht gut finde.
[00:21:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müsste man den Kindern dann einen Schutz geben, dass sie ein bisschen reifen können, man muss
das System beruhigen, damit sie sich dann entwickeln können.
[00:21:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk haben sie ja gesehen, er ist ganz klar ein Autist gewesen. Ein Albert Einstein ist auch ein
Autist gewesen.
[00:21:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle haben dann die Chance, dass sie so viel Durchsetzungskraft haben und dass irgendwie das
Umfeld doch noch einigermaßen ihnen die Freiheit lässt.
[00:21:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt irgendein Sänger und Gitarrenspieler, der hat auch geschrieben, er ist mal in einer Sendung
gekommen und der hat die ganze Nacht irgendwelche Sendungen gehört und er hat ein wildes Leben
gehabt und irgendwann hat er dann eine Frau geheiratet. Dann ist er runtergekommen und hat sich
beruhigt und berühmt geworden.
[00:21:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden nicht alle berühmt.
[00:22:00.570] – Bemerkung 11
Wie kommt man zu einer guten Fachperson?
[00:22:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss ich nicht, ich kann nicht alle nehmen. Ausprobieren.
[00:22:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Fachperson wählen, müssen sie die Haltung haben, sind sie bereit, mit mir zusammen zu
lernen?
[00:22:26.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer den Witz: Man sagt Mediziner wissen alles und können aber nichts machen. Die
Chirurgen können alles und wissen nichts und die Psychiater wissen nichts und können nichts, aber
lernen viel.
[00:22:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Pathologen, die sezieren sie, die wissen alles, aber zu spät. Die Psychiater wissen und können nichts
aber darum müssen sie jeden Tag mit jedem Patient neu lernen.
[00:22:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie jemanden wählen, der nichts versteht oder nicht genug, probieren sie ihr Gegenüber dazu zu
bringen, dass der oder die mit ihnen zusammen lernt, bereit ist, flexibel ist und nicht meint er wisse schon
alles.
[00:23:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz wichtig.
[00:23:16.050] – Bemerkung 12
Wäre es nicht hilfreich, wenn man eigentlich schon von Anfang an mit Aufklärung helfen würde. Das Kind
kommt auf die Welt, dass irgendwie der Hausarzt Bescheid weiß? Dann gäbe es auch eine Beruhigung
für die Betroffenen.
[00:23:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, doch, das wäre ideal.
[00:23:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht nur mit dem medizinischen System beginnen.
[00:23:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde bei den Kindergärtnern und dann bei der Schule, bei der Kita, bei all diesen
Erziehungsberufen.
[00:23:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man müsste mehr aufklären.
[00:23:56.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis man mit diesen Kinder umgehen kann, muss man ein bisschen lernen.
[00:24:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle lernfähig.
[00:24:09.970] – Bemerkung 13
Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber müsste man auch mit einbeziehen.
[00:24:13.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Arbeitgeber müssten auch informiert werden.
[00:24:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Patienten begleite, dann frage ich natürlich immer, wo sie arbeiten, dann lasse ich mir
beschreiben, wie die sind und so weiter.
[00:24:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient das zulässt, frage ich auch, darf ich mit dem Arbeitgeber reden?
[00:24:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitgeber ist natürlich auch Umfeld und das Umfeld muss man auch beraten.
[00:24:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiatrie, Gehirn, es geht immer Interaktion.
[00:24:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Interaktion spielt auf beiden Seiten eine Rolle. Da muss man helfen, ein bisschen interpretieren, das ist ja
auch gesagt worden.
[00:24:55.360] – Bemerkung 14
Man soll die Leute stärken.
[00:25:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitnehmer fühlt sich nicht richtig behandelt vom Arbeitgeber. Dann passiert oft, dass man dann
über den Flucht und schimpft und weiß ich nicht was weiß ich was alles.
[00:25:18.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nichts. Man darf sagen, ich funktioniere so und so, wenn sie so und so mit mir umgehen, dann
fällt bei mir alles zusammen und dann mache ich einen Meltdown, dann funktioniere ich überhaupt nicht
mehr. Dann haben sie nichts davon und ich natürlich auch nicht.
[00:25:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche das und das.
[00:25:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch den jungen Leuten, sie müssen ihren Eltern die Gebrauchsanweisung geben, wie sie
funktionieren, damit es besser geht.
[00:25:51.450] – Bemerkung 15
Was macht jemand, der in den Notfall reinkommt?
[00:26:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Notfallsituation, da muss man es halt so laufen lassen, wie der Notfall läuft.
[00:26:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt dann immer davon ab, wer gerade Notfalldienst hat.
[00:26:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nichts drüber machen.
[00:26:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hintendran, kann man hingehen, wer immer man dann ist und schauen, wie könnte es allenfalls gesteuert
werden.
[00:26:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin laufte jetzt so ein bisschen eine Bewegung.
[00:26:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Hausärzte alle Notfall bearbeitet. Heutzutage macht das niemand mehr, wir haben auch
keine Hausärzte mehr. Es geht alles in Klinik.
[00:26:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt fangen sie wieder an, multidisziplinäre ambulante Praxen zu machen, wo es dann auch
verschiedene Leute hat, wo sie auch je nach dem Notfälle bedienen können.
[00:26:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eigentlich besser als eine riesige Klinik.
[00:26:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesundheitswesen ist absolut noch verbesserungsfähig.
[00:27:12.760] – Bemerkung 16
Gerade der Notfall ist so eine Situation, sie haben gesagt, man soll Verständnis zeigen, von ihnen lernen.
Die Gesellschaft ist aber nicht bereit dazu. Der Schaffner, der Lehrer, der Hausarzt versteht es je nach
dem nicht.
[00:27:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einem Autisten arbeitet, dann tut man ihn zuerst validieren, ist klar und dann wenn er
schon so weit ist, kann man sagen: Ja, du funktionierst so, aber wenn du da draußen bist, was kannst du
dann machen?
[00:27:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Leuten schon auch Sachen beibringen. Es ist nicht so, dass sie gar nichts lernen.
Sie reifen ein bisschen später und sie sind diffiziler und sensibler.
[00:28:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein junger Hund, der kann noch nicht Zug fahren, der wird ganz nervös.
[00:28:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man mit dem Zug fahren und beruhigt ihn, mit der Zeit kann er es dann.
[00:28:15.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für einen autistischen Menschen.
[00:28:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihn zu schnell in die Norm hinein drücken will, dann geht alles kaputt.
[00:28:23.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht die Welt verändern. Ich verändere nur dort, wo ich kann und ich begleite die, damit sie
langsam angewendet werden an das Leben.
[00:28:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Kurzem sagte mir jemand: sie haltet das alles gar nicht aus.
[00:28:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir daran gearbeitet, dass man so ein bisschen innere Scheuklappen macht und nicht denkt,
oh je, die schreckliche Menge, sondern dass man so in sich hinein geht und jetzt kann sie es schon ein
bisschen besser.
[00:28:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist auch schon 40 oder 50 Jahre alt.
[00:28:54.180] – Bemerkung 17
Sie sagen man muss sie fördern. Ich bin schulische Heilpädagogin. Für eine Förderung brauche ich eine
Diagnose. Im Frühling hat es geheissen ein Jahr Wartefrist.
[00:29:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose in einer Stunde.
[00:29:13.600] – Bemerkung 17
Wo finde ich sie denn?
[00:29:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht alle nehmen.
[00:29:18.060] – Bemerkung 17
Ja, das ist das andere. Das ist so frustrierend.
[00:29:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hinkt unser bürokratisches System absolut der Entwicklung hinten drein.
[00:29:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht können sie Kinderärzte finden. Sie müssen auf die Suche gehen. Kinderärzte finden,
Kinderpsychiater.
[00:29:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die offiziellen Stellen, die haben zum Teil ein halbes Jahr oder acht Monate Wartefrist, weil sie so überfüllt
sind.
[00:29:49.210] – Bemerkung 18
Ich muss jetzt handeln können.
[00:29:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sie probieren, ihr Schulsystem ein bisschen zu erreichen und sagen: ich will jetzt mit dem
arbeiten, das ist notwendig, sie haben es dann einfacher in der Schule, da sparen wir alle Geld und
Nerven. Die Diagnose liefern wir hinten dran.
[00:30:13.790] – Bemerkung 19
Ja, das ist dann aber eine Ressourcen Frage, die ganz schwierig ist.
[00:30:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Problem habe ich auch.
[00:30:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem kleinen Örtchen, wo wir halt sind, das Beste machen.
[00:30:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den bürokratischen Regeln die Kurven schneiden so gut es geht. Das sage ich jeweils den Personen.
[00:30:37.720] – Bemerkung 20
Gibt es vielleicht auch versteckte Formen von Autismus, die natürlich sehr schwer auch zu erkennen sind,
vor allem für nicht Fachpersonen?
[00:30:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sowieso, die passen sich besser an, die opfern sich auf. Die haben dann dafür eine
Depression mit 40.
[00:31:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich meine, wenn ich den Menschen als Ganzes wahrnehme und wenn ich so etwas in die weiteren
Bereiche gehe und ich schaue natürlich immer noch, wer in der Familie ist.
[00:31:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man das schon rausfinden. Das ist der Kliniker.
[00:31:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte, wir haben keine exakte Kunst. Es ist eine Kunst. Es ist kein wissenschaftliches Wissen.
[00:31:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir holen das dazu. Aber schlussendlich liegt die ärztliche Kunst in der Beziehung und im Wahrnehmen
und dann stellt man die Diagnose.
[00:31:49.960] – Bemerkung 21
Die Hochbegabten, die sind doch auch autistisch?
[00:31:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben viel zu viel das medizinische Modal im Kopf.
[00:32:02.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn macht alles und das Hirn kann hochbegabt sein in gewissen Bereichen und in anderen
Bereichen eine Störung haben.
[00:32:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann hochbegabt sein mathematisch, man kann eine Legasthenie haben und dann ist das so ein
sehr breites, ungleiches Leistungsprofil.
[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Hochbegabte, ich sage jetzt Autisten, ADS, ADHS oder was auch immer.
[00:32:30.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft gehen ganz spezielle Leistungen einher mit all diesen Eigenschaften.
[00:32:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, ich sage dem die breite Wahrnehmung, die breite Wahrnehmung bringt natürlich
auch mit, dass man ganz viele Daten prozessiert.
[00:32:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man viele Daten prozessiert, dann lernt man auch viel, dann weiß man auch viel.
[00:32:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann alles zusammen gehen. Man kann es dann so nennen oder so, das ist mir eigentlich egal.
[00:32:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einfach mit dieser Person lernen umzugehen und auf ihre Eigenschaften eingehen und
möglichst diese fördern.
[00:33:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn so Menschen, die so hochsensibel sind, wenn die zu fest hinein gedrückt worden sind in ein
Schema zu rigide erzogen wurden, dann sind das wie zerdrückte Ofenküchlein.
[00:33:13.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ihre Fähigkeit gar nicht entwickeln können.
[00:33:22.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann mit 50 noch helfen sich zu entfalten und wissen, wer sie sind.
[00:33:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wissen dann gar nicht, wer sie sind.
[00:33:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzieht, also ich sage dann auch, Erziehungsgeschädigte.
[00:33:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzogen hat, dann sind sie verzogen, aber nicht so im üblichen Sinn, verdrückt.
[00:33:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen viel mehr an Mensch und seine Fähigkeiten glauben.
[00:33:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht natürlich eine gewisse Toleranz.
[00:33:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ängstlicher die Gesellschaft ist, umso weniger ist sie tolerant.
[00:33:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen diese unterschiedlichen Leute, die sind sehr hilfreich.
[00:34:00.240] – Bemerkung 22
Sie sprechen über Hochsensibilität. Das ist ja jetzt auch so eine Wunder-Diagnose. Sind das die gleichen
Symptome wie beim Asperger?
[00:34:07.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.
[00:34:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger, ASS, die sind alle hochsensibel.
[00:34:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen ihrer hohen Sensibilität, nehmen sie so viele Inputs rein. Dann gibt es einen System Overload und
dann ziehen sie sich zurück.
[00:34:29.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja gesehen, die Frau, die gesagt hat: Das ist mir alles zu viel, ist mir zu viel laut.
[00:34:32.790] – Bemerkung 22
Das ist keine Basisdiagnose?
[00:34:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich nicht, nein.
[00:34:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Eigenschaft. Hochsensibilität ist nicht eine Diagnose, das ist eine Eigenschaft.
[00:34:42.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können Lernstörungen haben, die können Hochbegabungen haben.
[00:34:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, da ist auch gesagt worden, sie haben nicht gern fremde Kleider.
[00:34:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Essen sind sie oft auch sehr sensibel und wenn etwas krazt auf der Haut, schrecklich. Wolle geht
gar nicht.
[00:35:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil Kunstfaser geht nicht.
[00:35:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hochsensibilität ist auch auf der Haut und im Geschmack, in den Ohren, in der Nase, sie haben nicht
gerne Lärm.
[00:35:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensibel kann man auf ganz verschiedene Gebieten sein.
[00:35:19.510] – Bemerkung 23
Wenn man auf den Notfall kommt, was soll man dann machen? Es gibt einen Ausweis von Autismus
Schweiz. Die Autisten können den auf der Notfallstation zeigen, in Italien, Griechenland, zum anstehen im
Museum, etc.
[00:36:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, habe ich nicht gewusst.
[00:36:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist das wie allergisch auf Penicillin.
[00:36:21.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ausweis vorzeigen. Super!
[00:36:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Abschluss möchte ich noch ganz etwas kurz sagen zu uns Medizinern.
[00:36:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mediziner und alle, die im Helferberuf sind, wir holen uns die Genugtuung, indem wir helfen können.
[00:36:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist macht es uns nicht so leicht zum helfen.
[00:37:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir hilflose Helfer werden, dann werden wir verzweifelt und manchmal auch böse oder ignorant.
[00:37:13.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Helfern: lernt aus euren Fehlern.
[00:37:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Spruch: errare humanum est. Irren ist menschlich.
[00:37:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie auch gesagt worden ist, wir können aus euren Fehlern lernen.
[00:37:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem der Helfer ist, dass sie es eigentlich recht machen wollen, dass sie helfen wollen und wenn
sie nicht helfen können, dann werden sie verzweifelt und manchmal sogar sadistisch.
[00:37:37.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe auf viele lernfreudige Helfer.
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