Die narzisstische Persönlichkeitsstörung: Ursachen, Merkmale und Umgang

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag „Narzissmus und persönliche Identität“ die narzisstische Persönlichkeitsstörung und ihre Zusammenhänge mit der Identitätsfindung. Sie betont, dass diese Störung oft tief in der Persönlichkeit verwurzelt ist und sich nur schwer therapieren lässt.

Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung hat oft ihre Wurzeln in der Kindheit. Betroffene sind häufig von Geburt an sehr sensible Menschen, die schneller verletzt werden als andere. Gleichzeitig haben sie in ihrer Kindheit nicht die notwendige Anerkennung und Akzeptanz von ihren Eltern und ihrem Umfeld erhalten. Diese gestörte Persönlichkeitsentwicklung führt dazu, dass sie auch im Erwachsenenalter ständig nach Anerkennung und Bestätigung suchen.

Dr. Davatz beschreibt zwei extreme Muster, die zur Entstehung der Störung beitragen können:

  • Mangelnde Anerkennung: Kinder werden ständig kritisiert und nichts, was sie tun, ist gut genug. Sie wachsen mit dem Gefühl auf, wenig wert zu sein.
  • Überbehütung und Verwöhnung: Kinder bekommen alles, was sie sich wünschen und werden ständig gelobt, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Dadurch lernen sie nicht, mit Frustrationen umzugehen und entwickeln eine unrealistische Erwartungshaltung an die Welt.

Merkmale der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeigen typische Verhaltensmuster:

  • Starke Selbstbezogenheit: Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Mittelpunkt und haben wenig Empathie für andere.
  • Schnelle Verletzbarkeit: Sie reagieren extrem empfindlich auf Kritik und fühlen sich schnell angegriffen.
  • Niedrige Frustrationstoleranz: Sie haben Schwierigkeiten, mit Ablehnung oder Kritik umzugehen, und reagieren dann mit Aggression, Rückzug oder Beziehungsabbrüchen.
  • Übermässiges Bedürfnis nach Anerkennung: Sie haben ein starkes Verlangen nach Bewunderung und Bestätigung.
  • Anspruchshaltung („Entitlement“): Sie haben oft das Gefühl, dass ihnen etwas zusteht, was sie in der Kindheit nicht erhalten haben und erwarten von anderen, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Diese Verhaltensweisen sind oft sehr anstrengend für das Umfeld der Betroffenen. Partner, Freunde und Familienmitglieder fühlen sich ausgesaugt und energielos, weil sie ständig die Bedürfnisse der narzisstischen Person befriedigen müssen.

Umgang mit narzisstischen Personen

Der Umgang mit narzisstischen Personen kann herausfordernd sein, aber Dr. Davatz gibt einige Tipps:

  • Sorgfältige Kommunikation: Achten Sie auf einen respektvollen und wertschätzenden Ton, um unnötige Verletzungen zu vermeiden.
  • Wahrnehmen und Validieren von Verletzungen: Nehmen Sie die Verletzungen der Person ernst und zeigen Sie Verständnis, ohne sie zu verhätscheln.
  • Konfliktlösung: Helfen Sie der Person, ihre Gefühle in Worte zu fassen und konstruktive Lösungen für Konflikte zu finden.
  • Fehlerkultur: Schaffen Sie ein Umfeld, in dem Fehler als Lernchance gesehen und offen darüber gesprochen werden kann.

Überwindung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Dr. Davatz ist überzeugt, dass auch Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sich verändern können. Voraussetzung dafür sind positive Erfahrungen, in denen sie wertschätzend behandelt und in ihrer Entwicklung unterstützt werden.

Anstatt den Narzissmus zu bekämpfen, sollte man die Identitätsfindung der betroffenen Person fördern. Wenn es gelingt, die Identitätsentwicklung positiv zu beeinflussen, kann der Narzissmus allmählich zurückgehen.

ADHS/ADS und Narzissmus

Dr. Davatz sieht einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und der Entwicklung von Narzissmus. Menschen mit ADHS/ADS sind oft sehr sensibel und reagieren entweder mit Aggression oder Rückzug auf Kränkungen. Diese Eigenschaften begünstigen die Entstehung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Allerdings betont Dr.med. Ursula Davatz, dass nicht alle Menschen mit ADHS/ADS narzisstisch werden. Sie geht davon aus, dass ADHS/ADS die Grundkonstellation darstellt, während die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch die Interaktion mit einem ungünstigen Umfeld entsteht.

https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf

Identitätsfindung: Ein lebenslanger Prozess

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt die Identitätsfindung als einen lebenslangen Prozess, der in der Pubertät beginnt und sich kontinuierlich fortsetzt. Sie betont, dass die Identitätsfindung nie aufhört und Menschen sich ständig weiterentwickeln.

Freude an sich selbst als Basis

Ein zentrales Element der Identitätsfindung ist die Freude an sich selbst. Dr. Davatz vergleicht dies mit dem ursprünglichen, positiven Verständnis von Narzissmus, der Freude an der Selbsterkenntnis. Um eine solide Identität zu entwickeln, ist es wichtig, sich selbst zu mögen und wertzuschätzen.

Störungen der Identitätsfindung

Verschiedene Faktoren können die Identitätsfindung stören:

  • Mangelnde Anerkennung und Akzeptanz in der Kindheit: Kinder brauchen Anerkennung und Akzeptanz von ihren Eltern und ihrem Umfeld, um sich gesund zu entwickeln. Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, kann dies zu einem Mangelgefühl und einem ständigen Suchen nach Anerkennung im späteren Leben führen.
  • Überbehütung und Verwöhnung: Auch übermässiges Lob und die Abwesenheit von Herausforderungen können die Identitätsfindung beeinträchtigen. Kinder, die nicht lernen, mit Frustrationen umzugehen, werden später im Leben schnell gekränkt und reagieren unangemessen.
  • Unerfüllte Erwartungen der Eltern: Wenn Eltern unrealistische Erwartungen an ihre Kinder stellen, die nicht mit deren Talenten und Interessen übereinstimmen, kann dies die Identitätsentwicklung behindern. Kinder fühlen sich unter Druck gesetzt und können ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht frei entfalten.

Die Bedeutung der Berufsfindung

Dr. Davatz betont die enge Verbindung zwischen Identitätsfindung und Berufsfindung. Der Beruf spielt in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle und trägt massgeblich zur Identitätsstiftung bei. Sie argumentiert, dass ohne Beruf in unserer Gesellschaft keine Identitätsfindung möglich ist.

  • Junge Menschen in der Berufsfindung zu unterstützen, ist deshalb von grosser Bedeutung.
  • Die Entdeckung ihrer Talente und Interessen und die Wahl eines passenden Berufs hilft ihnen, ihre Identität zu festigen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Identitätskrisen im Erwachsenenalter

Identitätskrisen können auch im Erwachsenenalter auftreten, zum Beispiel durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Dies kann besonders schwierig sein, wenn sich die Person stark mit ihrem Beruf identifiziert hat.

  • In solchen Situationen ist es wichtig, die Gründe für den Jobverlust zu analysieren und die damit verbundene Kränkung zu verarbeiten.
  • Anschliessend kann man die Situation als Chance für eine Neuorientierung betrachten und neue Möglichkeiten entdecken.

Der Umgang mit narzisstischen Personen

Dr. Davatz geht auch auf den Umgang mit narzisstischen Personen ein. Sie betont die Wichtigkeit einer sorgfältigen Kommunikation und des Wahrnehmens und Validierens von Verletzungen. Gleichzeitig warnt sie davor, narzisstische Personen zu verhätscheln. Fehler sollten als Lernchance gesehen und offen besprochen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Identitätsfindung ein komplexer und individueller Prozess ist, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Eine gesunde Identitätsentwicklung ist die Basis für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben.

https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf

Der Zusammenhang zwischen Narzissmus und Identität

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag den engen Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Entwicklung der persönlichen Identität. Sie argumentiert, dass narzisstische Persönlichkeitsstörungen oft das Resultat von Störungen in der Identitätsfindung sind.

Narzissmus als Folge von gestörter Identitätsfindung

Dr. Davatz betont, dass die Identitätsfindung ein lebenslanger Prozess ist, der in der Pubertät beginnt und sich stetig fortsetzt. Eine gesunde Identitätsentwicklung erfordert Freude an sich selbst, was auch mit dem ursprünglichen, positiven Verständnis von Narzissmus verbunden ist.

Probleme entstehen, wenn die Identitätsfindung gestört wird. Dies kann durch verschiedene Faktoren geschehen, wie z.B.:

  • Mangelnde Anerkennung und Akzeptanz in der Kindheit: Wenn Kinder nicht die notwendige Unterstützung und Bestätigung von ihren Eltern und ihrem Umfeld erhalten, kann dies zu einem Mangelgefühl führen. Diese Menschen suchen dann im späteren Leben oft übermässig nach Anerkennung, um dieses Defizit zu kompensieren.
  • Überbehütung und Verwöhnung: Auch ein Übermass an Lob und Anerkennung kann die Identitätsfindung stören. Wenn Kinder nicht lernen, mit Frustrationen und Herausforderungen umzugehen, werden sie später im Leben schnell gekränkt und reagieren unangemessen.
  • Unerfüllte Erwartungen der Eltern: Wenn Eltern unrealistische Erwartungen an ihre Kinder stellen, die nicht mit deren Talenten und Interessen übereinstimmen, kann dies die Identitätsentwicklung behindern. Die Kinder fühlen sich unter Druck gesetzt und können ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht frei entfalten.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung und ihre Auswirkungen

Die gestörte Identitätsfindung kann zur Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung führen. Menschen mit dieser Störung zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

  • Selbstbezogenheit: Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Mittelpunkt und haben wenig Empathie für andere.
  • Kränkbarkeit: Sie sind äusserst sensibel und fühlen sich schnell verletzt, was zu aggressiven Reaktionen oder Rückzug führen kann.
  • Kritikunfähigkeit: Sie können Kritik nur schwer ertragen und reagieren oft mit Abwehr oder Verleugnung.
  • Bedürfnis nach Anerkennung: Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung und Bestätigung, was für ihr Umfeld anstrengend sein kann.
  • Anspruchshaltung: Sie haben oft das Gefühl, dass ihnen etwas zusteht, was sie in der Kindheit nicht erhalten haben, und erwarten von anderen, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Umgang mit narzisstischen Personen

Der Umgang mit narzisstischen Personen kann herausfordernd sein. Dr. Davatz gibt folgende Ratschläge:

  • Sorgfältige Kommunikation: Achten Sie auf einen respektvollen und wertschätzenden Umgang, um unnötige Verletzungen zu vermeiden.
  • Wahrnehmen und Validieren von Verletzungen: Nehmen Sie die Verletzungen des Gegenübers ernst und zeigen Sie Verständnis, ohne ihn zu verhätscheln.
  • Konfliktlösung: Helfen Sie der Person, ihre Gefühle in Worte zu fassen und konstruktive Lösungen für Konflikte zu finden.
  • Fehlerkultur: Schaffen Sie ein Umfeld, in dem Fehler als Lernchance gesehen werden und offen darüber gesprochen werden kann.

Die Bedeutung der Identitätsfindung

Dr. Davatz betont, dass die Identitätsfindung ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung ist. Sie ist eng mit der Berufsfindung verbunden, da der Beruf in unserer Gesellschaft einen zentralen Stellenwert einnimmt und massgeblich zur Identitätsstiftung beiträgt.

Die Unterstützung junger Menschen bei der Berufsfindung ist daher von grosser Bedeutung. Durch die Entdeckung ihrer Talente und Interessen und die Wahl eines passenden Berufs können sie ihre Identität festigen und ein selbstbestimmtes Leben führen.

Narzissmus überwinden

Dr. Davatz ist überzeugt, dass Menschen auch von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung loskommen können. Dies erfordert jedoch Geduld, Unterstützung und die Bereitschaft zur Veränderung.

Zentrale Elemente für die Überwindung des Narzissmus sind:

  • Positive Erfahrungen: Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen müssen positive Erfahrungen machen, in denen sie wertschätzt und anerkannt werden.
  • Lernen und Entwicklung: Es ist wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
  • Begleitung: Ein unterstützendes Umfeld mit geduldigen und verständnisvollen Menschen ist essenziell.

Anstatt den Narzissmus zu bekämpfen, sollte man die Identitätsfindung der betroffenen Person fördern. Wenn die Identitätsentwicklung positiv verläuft, kann der Narzissmus allmählich zurückgehen.

ADHS/ADS und Narzissmus

Dr.med. Ursula Davatz sieht einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und der Entwicklung von Narzissmus. Menschen mit ADHS/ADS sind oft sehr sensibel und reagieren entweder mit Aggression oder Rückzug auf Kränkungen. Diese Eigenschaften können die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung begünstigen.

Dr.med. Ursula Davatz vertritt die Ansicht, dass ADHS/ADS die Grundkonstellation darstellt und die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch die Interaktion mit einem ungünstigen Umfeld entsteht.

https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf