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Dr.med. Ursula Davatz
14.6.2023
Narzissmus und persönliche Identität
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[00:00:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie auch alle ganz herzlich begrüßen zu dem heutigen Thema: "Narzissmus und persönliche
Identität". Ich finde, der Titel ist sehr gut gewählt und ich will das im Laufe vom Vortrag dann noch
erklären. Das Wort Narzissmus wird hergeleitet aus der Geschichte, und zwar der Geschichte vom
Narziss. Und der hat einen Wasserspiegel hineingeschaut und ist dann erfreut darüber, dass er sich
gesehen hat. Und Psychiater, Psychologen haben das als Selbstverliebtheit erklärt. Also von dort her
versteht man unter Narzissmus Selbstverliebtheit, also Freude an sich selber. Jetzt die Selbstverliebtheit
ist natürlich schon negativ beurteilt und wie ich es immer probiere zu machen, ich probiere immer zuerst
alle Erscheinungsbilder auch von der positiven Seite anzuschauen. In Spiegel schauen und sich
betrachten, das ist eine späte Entwicklung von unserem Hirn. Hunde können es schon ein bisschen, dass
sie sich erkennen. Affen können sich erkennen und das ist eine höchste Hirnfunktion, also dass man sich
selber erkennen kann. Jetzt aus dem sich selber erkennen und im Wort ist schon drinnen, kann ja auch
dann Selbsterkentnis kommen. Und das wäre wieder eine positive Angelegenheit. Das ist nichts
Negatives, das ist nicht selbstverliebt, das ist neutral formuliert. Man muss sich bis zu einem gewissen
Grad selber erkennen. Das kleine Kind, das lebt sich einfach, das muss sich noch nicht selber erkennen.
Es lernt auch erst, ich weiß nicht genau in welchem Alter, von "Ich" sagen und dass es unterscheiden
kann zwischen Ich und Du. In der Therapie reden wir von Spiegelung. Also der Therapeut spiegelt den
Patient. Denn die Patienten haben oft ein bisschen verzerrte Selbstbilder. Entweder schlecht, also zu
negativ oder zu positiv. Das wäre dann der Größenwahn. Und zu schlecht wäre Unsicherheit etc. Also
Spiegel ist an sich eine Funktion, die wichtig ist. In jedem Vorstellungsgespräch oder Quali-Gespräch
oder Arbeit muss man ja sich selbst evaluieren und man wird auch fremd evaluiert. Und dort wird im
Quali-Gespräch, also im Mitarbeitergespräch, wird auch verlangt, dass man sich kritisch anschaut und
man wird natürlich auch mit kritischem Kommentar je nach dem konfrontiert. Die Idee davon ist, dass
man sich realistisch einschätzt, dass man die Situation realistisch einschätzt und die Fremdbestimmung
und Selbstbestimmung deckt sich dann auch nicht immer, also deckt sich nicht immer, stimmt nicht immer
überein. Und da gibt es dann auch so Grafiken, wo man dann schaut, wo stimmt es überein, wo nicht und
warum stimmt es nicht überein. Also in so einem Gespräch probiert man das Fehlbild von sich selber oder
vom Mitarbeiter zu korrigieren.

[00:03:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Mitarbeitergespräch ist in dem Sinn eine Realitätseinschätzung von zwei Leuten. Also das heißt,
man probiert eine möglichst objektive Persönlichkeits- und Interaktionsbeurteilung anzubringen. Doch
jetzt wie kommt es zur psychiatrischen Verwendung von Narzissmus? Und heutzutage wird das Wort:
"Das ist ein Narzisst, der hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung" sehr viel verwendet unter den
Laien. Häufig sagen Frauen von ihren Männern: mein Mann ist Narzisst oder je nachdem sagen sie auch
noch er ist ein Autist. Narzissmus hat eine negative Färbung und ich glaube das haben sie auch so ein
bisschen im Kopf. Wieso wird der Begriff negativ verwendet? Denn prinzipiell ist die Selbsterkenntnis ja
nicht negativ, sondern ja eine Reflexion, wo eben nur der Mensch kann. Die Affen können sich zwar

selber erkennen, aber so selbst reflektieren können sie natürlich noch nicht wie der Mensch. In der
psychiatrischen Diagnostik sagt man dann: "Narzisstische Persönlichkeitsstörung". Also der Narzissmus
gehört zur Persönlichkeitsstörung. Und alle Persönlichkeitsstörungen sind psychiatrische
Krankheitsbilder, die man nicht so leicht verändern kann. Also man sagt ja: die Persönlichkeit ist gestört.
Das heißt, dass das Krankheitsbild ist in der Persönlichkeit verankert und das ist nur schwer veränderbar.
Also sämtliche Persönlichkeitsstörungen, da hat man die Haltung, das kann man nicht gut verändern,
nicht gut mit Therapie verändern.

[00:05:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann oft mit Verhaltenstherapie, probiert man es zu korrigieren. Also man probiert die Menschen
dann auf ein anderes Verhalten zu trainieren. Jetzt wenn man schaut, wer entwickelt eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung, also wenn man in die Herkunftsfamilie von diesen Menschen geht, dann… Ich
sage zuerst, was versteht man denn unter dem Krankheitsbild? Also das Störungsbild, wenn man es
charakterisieren will, ist, dass die Personen eben narzisstisch sind. Das heißt, sie sind stark auf sich
selber bezogen, sogenannt selbstverliebt. Sie sind sehr leicht verletzlich. Also wenn man ihnen nur ein
bisschen Gegenwind entgegenbringt, dann ist da eine große Verletzung da. Von dort her steckt hinten
dran häufig eine hohe Sensibilität. Aber nicht nur das. Sie sind leicht kränkbar. Sie vertragen gar keine
Kritik, also eine schlechte Kritik Toleranz. Und so ein Nein sagen kann sie kränken. Also sie sind sehr,
sehr leicht störbar. Sie tragen einem auch nach, wenn man sie schlecht behandelt hat. Und wenn sie
manchmal schlecht behandelt worden sind, dann kann das zu starken Gegenreaktionen führen. Das
kommt dann reaktive Aggression sein, zum Teil auch böse Sachen. Ich weiß nicht, Sie haben vielleicht
mitbekommen, dass Breivik, der 60 Leute getötet hat, den nordischen Straftäter. Da bin ich überzeugt,
hintendran, vorne dran ist eine starke narzisstische Kränkung gelegen, und zwar über Jahre hinweg und
über viele Situationen. Ich kenne seine Geschichte nicht recht, aber all die, die ich kenne, die sogenannt
narzisstisch gestört sind, haben in ihrer Geschichte eine Kränkung gehabt. Sie lechzen auch nach
Anerkennung und Akzeptanz. Und wie sie sich aber eben benennen, passiert dann meistens genau das
Gegenteil. Sie werden abgelehnt, weil sie zu sehr auf sich bezogen sind und nur sich kennen. Und das ist
dann der Narzissmus, also das Negative. Jetzt, wenn man ihrer Herkunftsgeschichte genauer nachgeht,
dann sieht man wirklich, dass sie in der Kindheit und zum Teil schon in der frühen Kindheit nicht richtig
wahrgenommen worden sind, nicht anerkannt worden sind, dass man ihre Bedürfnisse auf die nicht
eingegangen ist. Und entweder hat man sie zu hart für ihr Temperament erzogen oder das Umfeld selber
ist so bedürftig gewesen, dass es gar nicht gereicht hat für sie noch Zuwendung zu geben und auf ihre
Bedürfnisse eingehen. Und in dem Sinn sind die Kinder über längere Zeit zu kurz gekommen. Das kann
von der frühen Kindheit her anfangen in der Pubertät dann. Aber sicher sind es immer Leute, die zu kurz
gekommen sind.

[00:09:06.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Und da könnte man sagen, jedes normale Kind, jeder normale Mensch hat narzisstische Komponente,
also hat eigentlich das Anrecht auf Wahrgenommen zu werden, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen
werden und dass die Bedürfnisse auch gestillt werden. Es gibt auch das andere Extrem, dass die
Menschen als Kinder zu sehr verwöhnt worden sind, dass sie gar nicht gelernt haben mit widrigen
Umständen umzugehen, dass sie überhaupt keine Frustrationstoleranz haben, weil man sie, weil man
immer alles befriedigt hat. Aber eigentlich ist das narzisstische Bedürfnis, also dass man wahrgenommen

werden will, ernst genommen werden will, akzeptiert werden will, ist ein natürlich menschliches soziales
Bedürfnis. Aber wenn das nicht gestillt worden ist zu der Zeit, wo man es eigentlich gebraucht hat als
Kind, dann ist man ständig noch auf der Suche nach dem. Und da gibt es den Begriff, ich habe den
vielleicht auch schon verwendet, von Ivan Boszormenyi-Nagy, die Anspruchsberechtigung. Also jemand,
der zu kurz gekommen ist in seiner Kindheit, hat den Anspruch darauf, dass er das noch bekommen darf.
Oder jemand, der immer nur verwöhnt geworden ist, der hat auch den Anspruch, dann weiterhin verwöhnt
zu werden. Denn er kennt ja nichts anderes, hat nichts anderes gelernt. Und in dem Sinn ist eigentlich
immer das Umfeld, hat die Menschen zu solchen Dysfunktionale, also zu Persönlichkeitsstörungen
geführt. Man wird nicht einfach mit einer narzisstischen Störung geboren.

[00:10:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind hat von Natur her das Anrecht auf Akzeptanz, Geborgenheit, Respekt dem kindlichen
Bedürfnis gegenüber. Und wenn das Kind das nicht bekommen hat, dann geht die Person als
erwachsene Person auf die Suche und will überall die Unterstützung nachholen. Und wenn sie es nicht
bekommt, dann wird sie verrückt, also aggressiv bis zu extrem aggressiv oder zieht sich je nach dem
auch zurück. Ich rede von Anspruchsberechtigung, welche Ivan Boszormenyi-Nagy verwendet. Auf
Englisch sagt man "Entitlement". Also ich habe eigentlich das Recht auf das, was ich nicht überkommen
habe. Und das ist eine menschliche Eigenschaft, dass man das probiert nachzuholen, als erwachsene
Personen. Und das wollen wir dann natürlich im Arbeitsfeld nachholen, das wollen wir in der
Partnerschaft nachholen und das wird auch bei den Kinder nachgeholt. Also es gibt durchaus Eltern, die
dann ihre narzisstische Kränkung oder ihre Bedürftigkeit bei den Kinder stillen. Und Kinder, die werden
dann wieder narzisstisch kränkt. Das heißt, die kommen dann wieder nicht auf ihr Anrecht, auf
Beschützung, Geborgenheit und so weiter. Und so geht es dann weiter. Und man redet dort auch, Mütter
können ihre Kinder narzisstisch missbrauchen. Also das Kind muss alles machen, damit die Mutter
zufrieden ist. Auch der Vater kann das, also der Sohn oder Tochter muss das leisten, was er nicht hat
dürfen oder nicht hat können.

[00:12:40.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Kind erfüllt man dann seine Bedürfnisse. Wenn die Eigenschaft im Bereich von dem Kind liegt,
dann ist das je nach dem nicht mal so schlimm. Aber wenn das Kind überhaupt nicht die gleichen Talente
hat wie die Eltern, dann ist das nicht so gut. Und in dem Sinn ist das eigentlich von den Eltern ein
narzisstischer Missbrauch von ihren Kinder. Gestern ist in der NZZ ein Artikel über die Auswirkung von
Erziehungsmethoden ("Psychisch gesunde Kinder aufziehen – die Forschung weiss heute, wie das geht.
Doch bei vielen Eltern ist das Wissen noch nicht angekommen"). Und man kann körperlichen Missbrauch
machen und man kann seelischen Missbrauch machen oder man kann Kinder bestrafen, wenn sie nicht
so sich verhalten, wie man das von ihnen erwartet und möchte. Und dann haben mehr als 3/4 haben
quasi gesagt, sie würden Bestrafung verwenden, welche dem Kind schadet. Und zu dieser Bestrafung
gehört Anschreien, Zusammenschießen, Liebesentzug, Kommunikationsentzug etc. Und man hat jetzt
gesehen, dass wenn Kinder so erzogen werden, dass die dann anfälliger sind auf psychiatrische
Krankheiten. Und ist eigentlich einleuchtend. Aber man könnte sagen, es ist eine Binsenwahrheit, dass
das etwas ausmacht. Aber, und das wird dann auch gesagt in dem Artikel, man hat das Wissen, was man
da jetzt eigentlich weiß, also von der Erziehungswissenschaften her, hat große Mühe, in die Gesellschaft
hinein getragen zu werden.

[00:14:34.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn Erziehung ist Privatsache, das geht den Staat nicht an. Aber wenn dann die alle krank sind, dann
geht es auf einmal den Staat etwas an. Und das ist natürlich ein bisschen komisch. Eigentlich müssten
wir von vornherein in das Erziehungswesen eingreifen und den Eltern und auch Lehrer. Also ich habe
natürlich einige Menschen, die auch in der Schule misshandelt worden sind. Blosstellen ist auch eine
Methode, wie man das Kind kann negativ erziehen. Das gehört übrigens auch noch dazu. Und da sagen
sie dann auch, alle technischen Errungenschaften, die kommen gerade unter das Volk. Aber
erzieherisches Wissen, wo man dann eigentlich die ältere Generation müsste, wie soll ich sagen, ja, an
die Kasse nehmen. Das dringt nur schlecht unter das Volk. Und an sich haben wir ja in der Schweiz
berühmte Erzieher, also der Pestalozzi, Herz, Kopf und Hand. Von dort müsste man eigentlich die ersten
sein, die auf dem Gebiet etwas anderes hineinbringen und unsere Jugend schützen. Aber so weit sind wir
noch nicht. Dass das mit der Erzieher nicht so gut läuft, ich denke, Erziehung ist heutzutage noch
schwieriger als das früher gewesen ist mit diesen vielen Angeboten, mit diesen vielen Ablenkungen. Man
ist immer in der Kompetition mit allen digitalen Medien und man muss sich in dem Sinn mehr anstrengen,
um das Kind zu fesseln.

[00:16:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber deshalb einfach nichts machen und laufen lassen ist natürlich auch nicht gut. Und man sieht ja,
dass die Schulen ein Riesenproblem haben, ihren Stellen zu füllen. Und da läuft etwas punkto Erziehung
nicht so gut. Jetzt gehen wir wieder zu Ihnen, denn sie haben ja dann schon die fehlgelaufenen
Individuen. Wenn das Kind nicht die rechte Unterstützung gehabt hat, dann holt es das natürlich nach,
dann will es es immer holen. Und in dem Sinn hat ein Narzisst seine Persönlichkeit und da sind wir beim
Thema Identität, persönliche Identität. Ein Mensch, wo eine narzisstische Persönlichkeitsstörung
angehängt bekommt, der hat seine natürliche Persönlichkeit noch gar nicht dürfen finden. Das heißt, die
müssen noch auf der Suche sein, ihre Persönlichkeit zu finden. Und das erleben sie dann. Wenn sie
solche Menschen im Arbeitsfeld bei sich haben, dann erwartet die von ihnen, dass sie Anerkennung
bekommen, Akzeptanz, Nachsicht etc. Und wenn sie das nicht so fest geben, dann wird sofort extrem
reagiert. Und darum, also sie gehen gerade auf Abwehr, wenn man sie nicht einfach das machen lässt,
was sie wollen oder meinen müssen zu machen. Und in dem Sinn sage ich Ihnen, die mit solchen
Menschen arbeiten. Das erste ist, dass sie sich ganz sorgfältig in der Kommunikation mit diesen
Menschen auseinandersetzen. Das heißt, dass sie darauf achten, dass sie denen keine Verletzung
zufügen. Das heißt aber nicht, dass sie nichts sagen dürfen, wenn irgendetwas nicht gut läuft. Aber wenn
etwas im Arbeitsprozess nicht richtig läuft, ist es wichtig, dass sie Kritik neutral geben. Da kommt jetzt
wieder der Begriff Emotionen, nein umgekehrt, Gefühle ohne Emotionen. Also wenn sie zum Beispiel
verletzt sind, dürfen sie ihre Gefühle sagen, aber sie dürfen nicht emotionalen Nachdruck geben und
ihrem Angestellten das Gefühl geben, er sei ein schlechter Mensch oder er hat alles falsch gemacht. Also
es verlangt sehr eine sorgfältige Kommunikation, damit nicht gerade wieder eine Verletzung passiert und
damit sie ihre Mitarbeiter nicht kränken. Jetzt einfach nicht kommunizieren bringt es natürlich nicht und
man kommt wahrscheinlich nicht drum herum, dass eine Kränkung passiert. Und sobald eine Kränkung
passiert, sobald eine Verletzung passiert und dann ihre Mitarbeiter aggressiv darauf reagiert, also
impulsiv, aggressiv, denn so reagiert ein Mensch auf Verletzungen, so reagiert auch das Tier auf
Verletzungen. Das ist ein Verteidigungsreflex, ein Stressreflex, dass sie dann den Stressreflex, also die

aggressive Rückmeldung, dass sie die nicht persönlich nehmen, im Sinne von sie sind ein schlechter
Mensch, auch wenn er das sagt, sondern dass sie dann sofort schauen, wie ist es passiert und was hat
ihn verletzt. Und das ist das, was ich als Therapeutin mit den Narzissten immer muss machen. Ich muss
immer herausfinden, was hat verletzt. Und die wissen das auch nicht so gut, denn sie landen gerade bei
der Aggression. Aber man kann ein bisschen nachhelfen, indem man den Sachverhalt genauer schildern
lässt, was ist gewesen, was hat er gesagt, was habe ich gesagt, was hast du gemacht? Also dass man
den Sachverhalt genauer anschaut, so wie bei einer juristischen Untersuchung. Und wenn man den
Sachverhalt genauer erarbeitet hat, dass man dann ihrem Gegenüber, also dem Mitarbeiter, seine
Kränkung validiert. Also dass man nicht gerade sagt: Ja, aber du hast das gemacht und darum habe ich
das machen müssen. Also nicht gerade wieder auf Gegenagression gehen oder auf Rechtfertigung oder
Erklärung, sondern dass man wirklich den Sachverhalt und die Kränkung, die bei ihm passiert ist, die
emotionale Kränkung. Und wenn es noch so banal ist, also wenn sie nie gekränkt werden bei so etwas,
aber der ist halt oder die ist gekränkt geworden, dass man die Verletzung validiert. Und erst wenn man
die Verletzung validiert hat und dann eine kleine Pause einsetzt, erst dann kann man sagen, also kann
man sagen Ja, ich kann das nachvollziehen, ja, ich verstand, dass es bei dir abgelaufen ist. Und dann
nicht "aber" sagen, sondern dann sagen: "Darf ich jetzt meine Seite schildern, wo ich gewesen bin"? Und
wenn er parat ist, dann ist gut, dann schildern sie das und dort wieder ohne emotionalen Druck, absolut
sachlich, absolut ruhig. Wenn er sagt Nein, ich wollte es nicht hören, okay, dann kannst du es jetzt noch
nicht hören. Aber dann tun wir es morgen an. Dann hast du Zeit gehabt zum darüber nachdenken und
dann darf ich meine Seite schildern. Denn es geht ja um eine menschliche Auseinandersetzung mit dem
narzisstisch gekränkten Mensch, wo er lernen muss, sich auseinanderzusetzen auf einer erwachsenen
Ebene, dass nicht alles gerade zu einer riesigen Katastrophe führt, zu einem Zusammenbruch, zu einem,
weiß ich nicht was, Suizidversuch oder was auch immer. Also die haben ja nicht lernen können, sich mit
ihren Eltern in der Pubertät auseinandersetzen und von dort haben sie gar keine Erwachsene
Auseinandersetzungsmöglichkeit. Und es ist wichtig, dass sie das lernen und so indem sie sich so mit
diesen Klienten auseinandersetzen und das heißt nicht, dass sie therapieren müssen. Es geht wirklich
nur um eine menschliche Auseinandersetzung. Du hast es so erlebt. Ja, kann ich verstehen. Kann ich
nachvollziehen. Ich habe es so erlebt. Wie machen wir es das nächste Mal? Und da kann man
miteinander eine neue Auseinandersetzungsart erarbeiten.

[00:23:16.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Also es muss immer die Ursache von der Verletzung eruiert werden. Man muss den ganzen Prozess
verlangsamen und erst dann natürlich auch seine, die eigene Seite zeigen. Denn wenn man nur ihre
Verletzung anschaut, dann ist er einfach nur Patient und er muss sich überhaupt nicht mit der Realität
auseinandersetzen. Wir wollen ja, dass er sich mit der Realität auseinandersetzen muss. Und in dem
Sinn ist dann die Interaktion in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Angestellten, erlaubt einen
Lernprozess. Sie müssen dann wieder in Beziehung einsteigen. Sie dürfen nicht beleidigt sein. Sie dürfen
nicht das persönlich nehmen, wenn er Sie angreift, wenn er verletzt ist, sondern sie müssen es immer auf
einer objektiven Ebene analysieren. Wenn ich zum Beispiel, wo gefährliche narzisstische Verletzungen
passieren, ist, wenn zum Beispiel eine Frau sich von einem Mann scheiden lassen will, der leicht
narzisstisch gekränkt ist, dort passieren dann Morde. Dort tun dann die narzisstisch gekränkten Männer,
in der männlichen Ehre gekränkten Männer, gehen die Frau umbringen, je nachdem noch Kinder. Und
wenn es einen Liebhaber dabei hat, wird er auch noch umgebracht. Und wenn ich in so eine Situation
hinein geholt worden bin, habe ich mich immer um den narzisstisch gekränkten Mann kümmern müssen,

um die Frau zu schützen. Nicht die Frau schützen vor dem schrecklichen Mann, dann ist er ja
ausgegrenzt. Also ich habe die Unterstützung von der narzisstisch gekränkten Persönlichkeit
übernehmen müssen, zum Sicherheit für diese Frau erarbeiten. Und wenn Frauen sich scheiden wollen
und viele tun sich nicht scheiden, weil sie Angst haben vor dieser narzisstischen Kränkung, dass sie dann
eben und Männer sagen zum Teil auch wenn du weggegangen bist, bring ich dich um. Da muss ich dann
die Frauen, die sich trennen wollen, wenn ich die berate, muss ich sagen, sie dürfen nicht sagen, weil du
so schrecklich bist, darum muss ich mich jetzt von dir scheiden. Sie dürfen gar nichts Negatives über ihre
Partner sagen, sondern sie müssen sagen, weil ich das nicht kann handhaben, darum muss ich
weggehen. Ich kann es nicht handhaben. Also sie müssen Problematik eigentlich auf sich nehmen und
das ist noch schwierig. Also viele geben alle möglichen Widerhaken, die sie wieder narzisstisch kränken.
Und man kann mit kleinen Beiwörtchen, mit dem Ton etc. kann man sein Gegenüber narzisstisch kränken
und dann wird es gefährlich. Und von dort her ist es wichtig, dass man darauf achtet, dass man gut bei
sich bleibt und nicht kränkt. Und jetzt sage ich vielleicht das noch dazu. Menschen mit ADHS oder ADS,
die sind von Natur her sensibler, also empfindlicher und von dort kann man sie leichter narzisstisch
kränken. Speziell Männer, wenn die narzisstisch gekränkt werden, dann können sie eben delinquent, also
aggressiv werden. Und in dem Sinn hat es auch 30% und ich würde behaupten wahrscheinlich noch
mehr Männer in den Gefängnissen,welche die Diagnose ADHS haben. Also wenn um ein ADHS geht,
dann kann man nicht sagen, du musst dich einfach beherrschen, sondern da muss man aufpassen, dass
man noch weniger narzisstisch krankt. Aber das ist eine Art Gratwanderung und es verlangt vor einem,
sehr viel Selbstkontrolle. Also man darf ja nicht sich einfach fahren lassen, gehen lassen und einfach so
drauf los. Ja der andere macht es ja auch. Nein, genau nicht. Weil es der andere macht, heißt das nicht,
man auch berechtigt ist, das gleiche zu tun. Wir sind die Professionellen oder die sogenannten
Gesunden. Für die eigene Sicherheit muss man im Umgang mit denen sich gut im Griff haben können.
Der Leimbacher, welcher in Zug 17 Leute erschossen hat, der ist auch an jeder Amtsstelle, ist der wieder
narzisstisch gekränkt geworden. Der Günter Tachanun, der in Zürich, das ist jetzt auch schon lange her,
der ist Architekt gewesen im Baudepartement, der ist auch mehrmals narzisstisch gekränkt worden und
hat schlussendlich dann am Arbeitsplatz mehrere Leute verschossen.

[00:27:59.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Also der Selbstschutz gegen die aggressive Reaktion von narzisstisch gekränkten Personen ist, indem
man sorgfältig mit ihnen umgeht und sie nicht kränkt, aber dennoch Interaktion hat. Und das ist eine
Gratwanderung, das verlangt sehr viel Selbstdisziplin, sehr viel Fingerspitzengefühl. Aber wenn man das
kann, fühlt man sich auch selber stärker. Und dann kann man mit diesen Situationen umgehen. Ja, das
wären so ein bisschen meine Gedanken. Und jetzt dürfen sie mir Fragen stellen. Und vielleicht sage ich
noch das dazu. Es heißt ja persönliche Identität. Indem sie mit diesen Leuten dann sorgfältig umgehen,
ihre Aggressionen nicht persönlich auf sich beziehen, sich nicht verteidigen, sondern ihnen Platz geben,
aber sie immer wieder zur Situation zurückführen, helfen sie diesen Menschen langsam nachzureifen und
ihre persönliche Identität, wo sie nicht haben dürfen entwickeln ihrer Kindheit und Jugend, dass sie die
noch können finden. Und da gibt es ein Beispiel von einem, das ist auch in der Öffentlichkeit gekommen,
einer, der einen Postraub gemacht hat. Es gibt sogar einen Film von ihm, der hat fünf Kinder gehabt, er
hat geschieden, er hat seiner Frau viel Geld zahlen müssen und hat aber die Kinder nicht sehen dürfen.
Dann ist es so verrückt gewesen, dass er so viel zahlen muss und seine Kinder nicht sehen darf, das ist
natürlich eine narzisstische Kränkung gewesen, dass er einen Poststab geplant hat, ist aber geschnappt
worden, ist ins Gefängnis gekommen und dort zu einer Therapeutin gegangen. Und da hat er zu der

Therapeutin gesagt, irgendwann ist er verrückt gewesen und hat gesagt, also sie wissen genau, er ist im
Kasten. Wenn ich wollte, könnte ich Mausetod schlagen oder zusammenschlagen. Und dann, das ist eine
Psychologin gewesen, hat sie ihm die Stirn geboten. Sie hat nicht zurückgeschlagen, aber sie konnte die
Stirne bieten. Ich weiß nicht mehr genau, was sie gesagt hat. Auf jeden Fall wollte er dann Wut entbrannt
davonlaufen und dann hat sie gesagt und jetzt laufen sie noch davon. Also sie hat ihn ein bisschen
forciert, aber ist auf die Beziehung eingegangen und sie laufen noch davon. Und er ist dann halt doch
davongelaufen und nachher hat ihn der Pfarrer im Gefängnis wieder dazu überredet, er soll wieder in
Therapie gehen. Er ist lang nicht gegangen, schlussendlich ist er wieder gegangen und dann hat er
gesagt, dann hat er anfangen an sich zu arbeiten. Und da hat er dann an seiner leicht kränkbaren
Persönlichkeit arbeiten können und schlussendlich ist er entlassen worden. Und ich habe an einer
Tagung gesehen, wie diese Frau, die von ihm runter gedrückt worden ist und er, sie sind konfrontiert
worden, also man hat eine Gegenüberstellung gemacht und beiden hat das sehr viel geholfen. Und er
arbeitet jetzt in der Jugendarbeit und hilft schwierigen Jugendlichen, sich beruflich zu integrieren. Also
eine grosse Entwicklung und das zeigt, man kann sich entwickeln, auch wenn man im Gefängnis
gewesen ist. Und das ist natürlich ein wunderschönes Beispiel. Ich weiß nicht, kennt es irgendjemand?
Nicht? Es ist als Film ist es auch gekommen. Szabo heißt er. Ja. Okay. Jetzt gebe ich Ihnen die
Möglichkeit zum Fragen stellen oder ein Einwurf machen oder was auch immer. Kommentar. Wer
möchte?

[00:32:01.080] – Bemerkung 1
Ich habe schon gehört, dass es eigentlich wie ein Spektrum gibt. Also es gibt wie eben gewisse, die
haben einfach ein bisschen narzisstische Züge, wo sonst gesund ist, man kann sich durchsetzen. Man ist
nicht so im Minderwert die ganze Zeit, es ist ja dann gesund. Dann gibt es solche, da merkt man viel
schon in der Gruppe, die müssen sich immer ein bisschen aufplustern und da merkt man schon, sag
nichts Falsches, sonst sind sie dann gekränkt und spürt ja das dann auch so ein bisschen. Dann gibt man
ihnen vielleicht einen Job, wo sie sich groß fühlen und dann gibt es aber, das tut sich aber immer
vertiefen. Also es gibt dann wirklich solche, die extrem krankhaft in dem Narzissmus sind und dann wird
es wirklich gefährlich auch oder nicht?

[00:32:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich denke, die Gefährlichkeit hängt von der Impulsivität ab. ADHSler sind ja impulsiver. Und wenn
man und das hat man auch, also ich bin ja in einer Kommission gewesen, wo man Straftäter beurteilen
hat müssen und da hat man immer gesehen: Wenn eine starke Impulsivität da ist und wenn man dann
kränkt wird es gefährlich. Wenn nicht so viel Impulsivität da ist, nur die leichte Verletzlichkeit, dann ist es
ein bisschen weniger gefährlich. Aber der Person schadet es natürlich trotzdem, wenn man sie kränkt.
Die Abstufung ist eigentlich, also das ist eine lebendige Abstufung und ich denke, die hängt davon ab, wie
die aufgewachsen sind, wie manchmal sie gekränkt worden sind, wie schwer sie gekränkt worden sind
und so weiter. Aber in der Wissenschaft und wir Mediziner, wollen immer alles messen und quantifizieren
und da bin ich eher ein Gegner davon. Also es ist immer so eine gefühlsmässige Einschätzung. Was ist
jetzt das für eine Person? Wie gefährlich ist die? Und das können sie einschätzen von ihrem Gefühl her.
Und ja, wenn viel Impulsivität dahinter ist und wenn man merkt, bei den kleinsten Sachen ist er kränkbar,
dann muss man noch vorsichtiger sein. Jetzt, wenn sie sagen, man gibt dem Jobs, dann lädt man ja
eigentlich, man gibt ihm schon etwas und er ist dann auch zufrieden. Aber man macht es nicht

persönlicher, also man setzt sich nicht persönlich mit dem auseinander. Und damit diese Leute wachsen
können, müsste man sich persönlich auseinandersetzen mit denen. Das ist natürlich nicht ihre Aufgabe.
Also bis zu einem gewissen Grad können sie das auch, aber sie dürfen immer sagen, da müssen wir jetzt
aufhören und jetzt gehen wir wieder an die Arbeit. Aber sie können sich ja auch an der Arbeit persönlich
auseinandersetzen. Wenn man nur kleine Jobs gibt, das spürt er wieder und dann kommt er wieder. Also
die persönliche Auseinandersetzung ist bei denen nicht gut gelaufen mit ihren Eltern oder Lehrer. Und ja,
ich denke, wenn man sich getraut und wenn man die Kraft hat dazu, wäre das wichtig. Nicht einfach nur
hier ein Job und dort ein Job. Ja, dann lässt man ihn in Ruhe und er lässt einem in Ruhe. Also damit sie
wirklich wachsen können, müssen sie sich so persönlich auseinandersetzen wie der im Gefängnis mit der
Psychologie. Aber sie müssen natürlich nicht alles die Arbeit machen, das ist klar. Ist das ein bisschen die
Beantwortung? Und das persönliche Identität und Narzissmus, dass das einfach zusammengehört, macht
es mehr Sinn jetzt so?

[00:35:43.160] – Bemerkung 1
Ähm ja. Okay. Ja.

[00:35:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Normalität zur Pathologie und zurück. Ja. Andere Fragen?

[00:36:13.870] – Bemerkung 2
Die Schwierigkeit im Alltag ist wo sind narzisstischen Anteile, die jeder hat und wo ist der Übergang ins
Pathologische? Ich finde den Übergang sehr schwierig.

[00:36:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Übergang von sogenannt normal zu pathologisch. Da würde ich darauf sagen Ja, das wollen wir
immer wissen, man will eine genaue Diagnose und das hängt von dem ab, wie viel sie vertragen. Wenn
sie als sogenannte normale Vorgesetzte gewisse Verletzlichkeiten vertragen und mit denen umgehen
können, dann ist es nicht pathologisch. Wenn sie es nicht vertragen, dann hat man die Tendenz, das
pathologisch anzuschauen. Ich kann keine feste Grenze sagen, denn je nachdem mit wem die Leute
zusammen sind, kommt es hervor oder auch nicht. Und ja, das liegt in der menschlichen Seele und im
Lebendigen, dass man keine klare Grenze setzen kann. Und wir Menschen wollen natürlich gerne
messen, wir wollen immer klare Grenzen setzen. Und ich sage, die gibt es nicht, das ist fließend. Und ich
sage wirklich, es hängt davon ab, wie viel sie vertragen, mit was sie umgehen können, wie sorgfältig sie
mit dem umgehen können. Und wenn es ihnen zu viel wird, dann dürfen sie das auch sagen. Aber dann
sagen Du bist pathologisch und darum kann ich nicht mit dir arbeiten. Das ist natürlich wieder eine
Kränkung. Und ich habe unter Berufsleuten auch erlebt, wenn die an Grenzen kommen, also Psychiater
und Psychologen, dann tun sie dem Anderen eine Diagnose anhängen. Aber das ist eigentlich falsch.
Man darf nicht im Konflikt dem anderen eine Diagnose anhängen, nur weil man nicht mehr weiter weiß.
Also man müsste eigentlich zu sich stehen und sagen, das ist mir jetzt zu viel, das kann ich nicht
handhaben. Und sobald man sagt, jetzt ist er pathologisch, dann geht es einem nichts mehr an und man
hat so genannt kein Problem. Aber das gilt für mich nicht. Versteht man das?

[00:38:27.630] – Bemerkung 2
Ja. Die Schwierigkeit finde ich, wir haben nur einen ganz kleinen therapeutischen Auftrag, ist der Umgang
mit den anderen Teilnehmern. Sobald die Person da ist, hat man immer so einen Stress gehabt, innerhalb
von der Gruppe. Die Schwierigkeit war, diese Person zu integrieren, aber irgendeinmal hat das nicht
mehr geklappt. Die Person ist dann selber gegangen. Wir hatten aber ein gutes Gespräch und haben gut
abgeschlossen. Aber eben, diese Schwierigkeit mit der Gruppe. Was würden Sie empfehlen?

[00:39:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, jetzt sprechen sie etwas an, was natürlich sehr wichtig ist. Also wenn man ein narzisstisches Element,
eine Narzisstische Person in der Gruppe hat, dann können sie vielleicht mit der umgehen, aber die
Gruppe kann es nicht. Und dann hat man natürlich eine Gruppendynamik. Ich habe ein halbes Jahr lang
in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet und da hat man dann immer wenn es so Konflikte
gegeben hat, hat man sich müssen miteinander auseinandersetzen und das alles angeschaut. Also sie
sind dann auf eine Art in einer Situation wie eine Lehrerin und dann müssen sie schauen, kann ich das
noch handhaben oder geht das nicht mit dieser Gruppe? Denn sie können natürlich nicht die ganze
Gruppe nur auf das Individuum ausrichten und sie müssen je nachdem dann die Person zum Teil
rausnehmen und dann im Zweiergespräch probieren, validieren, was jetzt da verletzt hat und natürlich
dann auch sagen, wenn du dich so benimmst, dann passiert das und das in der Gruppe und das ist nicht
handhabbar. Was könnten wir das nächste Mal machen? Aber vielleicht kann die Person nicht schnell
genug lernen, sich anders zu benehmen und dann müssen sie je nachdem auseinander nehmen. Man
kann natürlich auch eine Gruppentherapiesitzung machen oder einfach eine kurze Teamsitzung und dann
kann die narzisstische Person sagen, was sie gekränkt hat. Die anderen können das alles hören. Dann
kann man miteinander erarbeiten, wie könnte man umgehen, damit so etwas nicht passiert? Aber das ist
dann schon Gruppentherapie. Und sie haben natürlich nicht Gruppentherapie gelernt. Je nachdem, ein
Chef macht das natürlich, aber es kann es zuweit gehen. Und wenn sie sagen, sie haben sich gut
getrennt voneinander, haben sie es eigentlich gut gemacht. Also es hängt immer davon ab, wie viel sie
ertragen, wie gut sie die Gruppen handhaben können. Und wann ist es einfach zu viel ist. Und das
können dann nur sie entscheiden. Jetzt wird es zu viel, jetzt müssen wir trennen, jetzt müssen wir uns
trennen. Und das hängt natürlich ganz fest auch von den anderen Gruppenmitgliedern ab, wie die geartet
sind und wie heftig die reagieren. Ich weiß nicht, ob ich beantwortet habe, was sie haben wollen.

[00:42:08.710] – Bemerkung 2
Danke!

[00:42:11.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das okay?

[00:42:14.280] – Bemerkung 2
Mein Ziel war, dass wir versuchen zu integrieren und uns nicht einfach so schnell trennen. Und
andererseits ist eben die Gruppendynamik, also Gruppendynamik, die darunter gelitten hat.
Schlussenendlich ist die Entscheidung gefallen und hat die Situationen erbittet.

[00:42:39.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Gruppenchefin dürfen entscheiden, da gibt es nicht etwas Fixes. Jetzt geht es nicht mehr. Jetzt
müssen wir trennen. Also wenn ich Patienten auf der Abteilung gehabt habe und das Team hat nicht mehr
mögen, habe ich nicht können sagen, sie müssen trotzdem, wenn sie es nicht können mit diesem mit
dem Patient oder der Patientin, dann hat es keinen Sinn, dann wird es nur destruktiv. Und zugeben, dass
man die Person jetzt nicht mehr handhaben kann, ist auch eine gewisse Größe und die Realität. Also ja
nicht etwas durchziehen wollen, nur damit es durchgedrückt ist. Aber eigentlich kann man gar nicht mehr.
Das ist nicht gut. Und das spüren die narzisstisch gekränkten Leute sehr gut. Die machen das nur, weil
sie müssen, aber nicht weil sie wollen. Und solche Differenzen, da muss man ehrlich mit sich selber sein.
Kann man es noch oder kann man es nicht?

[00:43:40.130] – Bemerkung 2
Dankeschön!

[00:43:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auseinandernehmen. Auf jeden Fall. Manchmal muss es so sein.

[00:44:01.130] – Bemerkung 3
Ich habe eben einfach Sachen gehört über eben das Thema Narzissmus und das nimmt mich einfach
auch wunder. Jetzt bei uns, ich habe gehört, sie können auch manipulativ sein. Das heißt mit
Lovebombing am Anfang, bis sie dich haben und dann nutzen sie dich zu ihren Zwecken. Kann man das
so sagen? Ist das eine Gefahr für uns in unserer Arbeit?

[00:44:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wir Menschen können alle manipulieren. Und wenn wir die Sachen nicht direkt bekommen,
dann machen wir es so. Und die haben vielleicht als Kinder, als junge Erwachsene gelernt zu
manipulieren, dass wenn sie das und das machen, dann bekommen sie das und das. Und von dort her
dann sagt man dann immer. Also oft wird auch gesagt, Du musst aufpassen, dass du dich nicht von dem
instrumentalisieren lässt, dass du dich nicht manipulieren lässt oder dass der mehrere Mitarbeiter
gegeneinander ausspielt. Und ich sage es ist immer an uns, sich nicht manipulieren zu lassen und nicht,
dass der das nicht machen darf. Der macht das einfach und wir müssen ein Stückchen schlauer sein.
Und ich muss ihm gar nichts Negatives anhängen. Ich muss einfach schlauer sein. Und wenn man so
etwas hat in einem Team, ist es wichtig, dass das Team sich gut austauscht und gut miteinander
zusammenarbeitet. Wenn es schon Konflikte hat im Team, dann kann so einer das Team natürlich
spalten. Aber er kann es nie oder sie kann es nie, wenn das Team eine gute Beziehung hat. Und in dem
Sinn decken die natürlich dann auch Probleme im Team auf. Also von dort her fordert es einem heraus.
Und indem man ihnen einfach Diagnose anhängt, sie sind manipulativ, muss man eigentlich immer
sagen, ich habe nicht aufgepasst, ich bin nicht wach genug gewesen. Darum sage ich sorgfältig mit ihnen
umgehen. Sorgfältig heißt natürlich nicht nur auf sie bezogen, auch dass sie einem nicht hineinziehen.
Und das verlangt Skills, wie man so schön sagt, im Umgang. Psychologische Skills, also dass man merkt,

man muss wach sein. Und in dem Sinn bringen sie einem auch etwas bei. Ist das verständlich? Ja, wir
können schnell sagen, der ist manipulativ, er ist dann negativ, da muss ich nichts mehr machen. Ich darf
mich nicht manipulieren lassen. Ich muss so schlau sein. Ja, oder wenn es mir passiert ist, kann ich
wieder auf das zurückkommen. Und dann könnte man sogar sagen, du hast das und das gemacht und
ich bin so naiv gewesen, ich kann mich manipulieren lassen. Also man könnte das sogar beschreiben,
aber man muss Verantwortung bei sich lassen. Man darf die Verantwortung nicht dem anderen geben.
Das geht nicht, denn sie sind ja nicht stark genug. Sie sind ja so leicht narzisstisch kränkbar. Andere
Fragen. Wir brauchen noch.

[00:47:25.530] – Bemerkung 4
Wir sind jetzt stark darauf eingegangen, dass eigentlich der Beziehungsaufbau und Auseinandersetzung
mit der Person dazu führt, dass die Person genesen kann, die Identität finden kann. Was ist mit der
Biographiearbeit, zurückschauen, die Kränkungen hervorholen?

[00:47:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr hilfreich auch wenn sie kein Therapeut sein müssen, man redet von Narrativen, also das ist
natürlich sehr gut, wenn sie fragen können, wie ist es passiert? Von wem bist du am meisten gekränkt
worden? Mutter, Vater, älteres Geschwister, jüngeres Geschwister. Und wenn dann die Person ihnen das
dann erzählen darf, ist das ein riesen Entlastung.

[00:48:27.370] – Bemerkung 4
Vielleicht muss man es ja nicht einmal direkt fragen. Ich kann mir auch vorstellen, wenn jemand eine
Dossierarbeit macht mit jemandem und den Lebenslauf bearbeitet, kann schon etwas hervorkommen.

[00:48:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, auf jeden Fall.

[00:48:38.600] – Bemerkung 4
Wenn man ein Gespräch macht, und auf den Lebenslauf zu sprechen, kommt, kann etwas
hervorkommen.

[00:48:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut, absolut. Und wenn sie das dann ernst nehmen oder vielleicht sogar noch ein bisschen etwas
dazu fragen, ist das schlimm für dich oder sie, dann haben sie schon wieder etwas getan. Nein, nein,
Biografiearbeit ist natürlich sehr, sehr wichtig. Also ich meine, das ist das, was ich den ganzen Tag
mache. Und im Gegensatz zur Routinenpsychiatrie, wo man eigentlich nur Diagnose stellt und Diagnose
bekämpft, mit Medikamenten aufbauend, also aufputschend oder absenkend. Also das trägt nichts zur
Persönlichkeitsentwicklung bei. Und da können sie mit wenig sehr viel zur Entwicklung beitragen. Also
nur wenn der Mensch das mal darf sagen, ihnen gegenüber gibt das eine riesen Entlastung. Und
emotionale Kränkungen, die werden als Verletzungsbilder im Hirn nicht gespeichert. Und wenn man die

ein bisschen genauer anschaut, ein bisschen differenzierter auseinander nimmt und Worte dafür findet,
dann sagt man 50% von dem Stress geht weg. Und sonst wird der Stress immer wieder ausagiert.
Biografiearbeit ist sehr, sehr hilfreich. Und manchmal bringen sie einem dann Geschichten, wo sie noch
niemandem erzählt haben. Und auch wenn das 30 Jahre später ist, kann das absolut entlastend sein. Da
kann ich sie nur dazu aufmuntern. Und man muss gar nicht so viel machen. Man muss zuhören, eine
Frage stellen, zuhören und das ist schon sehr, sehr viel. Ich bin froh, dass sie das fragen. Andere Fragen
oder Ergänzungen?

[00:50:56.240] – Bemerkung 5
Ich habe mal einen Teilnehmer gehabt, der hat eine Narzisstische Störung gehabt. Eine zeitlang ist
gegangen, aber dann hat es angefangen zu knallen mit den anderen Teilnehmer. Dann hat es nicht mehr
geklappt. Auch die Beispiele, er hat immer Geschenke gemacht, bei allen Vorgesetzten, versucht ein
bisschen zu manipulieren, die Aufmerksamkeit zu nehmen. Irgendwann haben wir wirklich gemerkt jetzt
geht es nicht mehr und es ist extrem schwierig gewesen, jetzt das auseinander zu nehmen und ihm zu
sagen du es geht nicht. Das habe ich so ein bisschen den Knackpunkt gefunden, jetzt einfach zu sagen
du wir künden jetzt von uns her. Das war eine Herausforderung. Am Anfang gingen die Drogen dann stark
hoch. Warum kündigt er jetzt mir und nicht dem anderen? Der andere ist Schuld, dass es mir so schlecht
geht.

[00:51:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind es zwei Männer gewesen? Können Sie noch genauer beschreiben, wie sich die aufgeschaukelt
haben, damit sich es ein bisschen besser kann erfassen?

[00:52:00.800] – Bemerkung 5
Sie haben sich aufgeschaukelt. Der eine ist sehr bequem gewesen im Pool und der Narzisst ist, der hatte
dann ein starkes ADHS und hat dann immer Sachen gesehen, die die anderen falsch machen und hat
das zu mir gesagt. Und hat es auch dem anderen gesagt und der andere hat absolut keine Kritik ertragen
und ist emotional geworden und dann hat es sofort geknallt.

[00:52:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wer ist dann geschickt worden? Der Narzisst?

[00:52:29.840] – Bemerkung 5
Der Narzisst?

[00:52:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay. Wenn wir das jetzt nochmals machen können, ich probiere es mal zu inszenieren, dann müssen wir
mit dem Narzisst reden und sagen: also sie haben gesagt, er hat alles Problem gewesen. Ich sage ja von
den ADHSler, die haben eine breite Aufmerksamkeit. Also sie sehen alle Fehler, eine genaue
Aufmerksamkeit. Dann müssen wir zuerst sagen, das positiv benennen. Du siehst zwar, was da falsch

läuft. Du, und jetzt wieder von der Impulsivität her vom ADHSler, du kannst es nicht zurückhalten, denn
du bist ja eigentlich nicht verantwortlich für das. Ich wäre, also sie wären verantwortlich, dass das richtig
läuft. Und wenn du das dann immer sagst, dann kränkt das den Anderen und dann explodiert es. Und
dann könnten wir natürlich fragen, man validiert seine Eigenschaft, dass er alles sieht, aber könnte er
lernen, nichts zu sagen. Und ich sage allen ADHSler, sagt ja dann immer, man muss sich abgrenzen und
ich sage, das können sie nicht, die sehen das, die nehmen das wahr, aber sie müssen lernen,
wahrnehmen, Pausen machen und dann nicht gerade agieren, also nicht impulsiv helfen wollen. Man
hätte fragen können, denkst du, du kannst das lernen, wenn du etwas siehst, kannst du immer nur zu mir
kommen, aber sonst zu niemandem. Ich kann es abfangen. Meinst du, du kannst das? Wenn er das
gelernt hätte, dann hätte man weitermachen können. Aber vielleicht hätte er es nicht lernen können. Und
dann kann man ihm natürlich sagen, ich sehe, das ist zwar eine gute Eigenschaft, aber man könnte nicht
innerhalb einer nützlichen Frist hinbringen, dass du das lernst. Und ich bin für das Ganze verantwortlich.
Und darum habe ich jetzt entschieden, dich herauszunehmen. Es hat dann vielleicht noch einen Grund
gehabt, warum er daran behalten hat. Ja, das weiß ich nicht so genau. Aber dass sie ihm ganz genau
erklären, warum sie als Verantwortlicher für die Gruppe das haben machen müssen.

[00:54:52.820] – Bemerkung 5
Eine gewisse Kränkung hat er mitgenommen, obwohl er sich nachher wieder gemeldet hat.

[00:55:02.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie diesen Prozess noch genauer hätten anschauen können und ihn bei dem Wertschätzen. Also
ja, ist eine gute Eigenschaft, dass du Fehler siehst. Aber in dem Kontext wird das ein Problem.

[00:55:19.740] – Bemerkung 5
Ja, er ist wie zum Polizist geworden, er hat alle angeschwärzt, zum selber punkten, und ich wollte ehrlich
gesagt nicht alles sehen. Bei unseren Leute kann man nicht alles sehen.

[00:55:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, das hätte man auch sagen können: du hast eine ganz genaue Wahrnehmung. Aber weißt du, das
geht gar nicht. So genau kann ich nicht schauen und wollte ich auch nicht. Die müssen alle irgendwie
integriert bleiben. Die Wahrnehmung, ja die ist einfach, dass das Hirn das so ist, aber du darfst nichts
mehr sagen. Aber es wäre ihm wahrscheinlich schwer gefallen. Aber das hätte man noch können
machen. Macht das Sinn? Ja das macht Sinn. Dass man den Prozess noch genauer anschaut und das
benennt und dann hat er etwas daraus gelernt und sie haben etwas daraus gelernt und dann kann man
besser auseinander gehen. Wenn er sich wieder meldet, könnten sie es jetzt noch machen. Oder meldet
er sich jetzt nicht mehr?

[00:56:21.080] – Bemerkung 5
Ja, nachträglich sind die Emotionen nicht so hoch.

[00:56:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Und sie könnten sagen, ich habe mir noch mal Gedanken gemacht. Ich habe mir nochmals überlegt, ich
habe mich noch ein bisschen erkundigt. Und was meinst du zu dem? Und da könnten sie das. Meinst du,
du hättest auf das Maul sitzen können? Vermutlich nicht, aber nein, das sagen sie natürlich nicht. Und
dann ist es noch mal eine Verarbeitung.

[00:56:44.640] – Bemerkung 5
Ja, das ist interessant! Das ist ein guter Ansatz!

[00:56:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Schön!

[00:56:46.186] – Bemerkung 1
Punktlandung. Danke allen TeilnehmerInnen!

[00:57:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke viel mal fürs Mitmachen.