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Dr.med. Ursula Davatz, Dr.med. Karl Studer
28.11.2020
AD(H)S als Hintergrund psychischer und körperlicher Krankheiten, Ideen für Prävention
Audio
[00:00:04.590] – Dr.med. Karl Studer
Ursula, du bist eine Pionierin der modernen Psychiatrie. Du hast jahrelang den Sozialpsychiatrischen
Dienst im Kanton Aargau geleitet und bist eine begnadete Ausbilderin in System- und Familientherapie.
[00:00:20.390] – Dr.med. Karl Studer
Du schreibst Bücher und machst Vorträge um die Situation psychisch kranker Patienten, den Kollegen,
den Angehörigen und einer breiten Bevölkerung nahe zu bringen. Du bist eine kreative Querdenkerin in
der Aargauer und der Zürcher Psychiatrie und blickst auf 40 Jahre Erfahrung zurück mit
Familiensystemen, bei schweren psychischen Krankheitsbildern wie Psychosen, Sucht und Delinquenz.
[00:00:54.760] – Dr.med. Karl Studer
Woher hast du alle diese Kraft und den Mut, dich über Jahrzehnte unermüdlich mit diesen
Krankheitsbildern und ihre Behandlung zu beschäftigen?
[00:01:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ich bin neugierig. Ich löse gerne Probleme. Ich beschäftige mich gerne mit komplizierten
Dingen. Ich bin die Tochter eines Ingenieurs und Ingenieure sind auch Problemlöser.
[00:01:23.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Familientherapie gelernt, Systemtherapie und wenn man als Familientherapeut mit Patienten
arbeitet, hat man viel mehr Möglichkeiten zu intervenieren, viel mehr Ressourcen, viel mehr
Interventionspunkte.
[00:01:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich absolut faszinierend. Ich kann ständig dazulernen, mit jedem neuen System und somit
liebe ich meinen Job.
[00:01:52.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage manchmal auch, ich bin wie der Wein, ich werde besser, je älter ich werde.
[00:01:59.520] – Dr.med. Karl Studer
Du hast mit deinem Buch "ADHS und Schizophrenie" – eine neue Arbeitshypothese aufgestellt, wobei
das ADHS als genetische Vulnerabilität die Ursache für psychische Krankheiten darstellt. Besonders die
Schizophrenie. Wie bist du zu dieser Überzeugung gekommen?
[00:02:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe beobachtet.
[00:02:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich ihn Amerika war zwischen 1975 und 1980, habe ich mit Delinquenten gearbeitet.
[00:02:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang habe ich als Konsiliarärztin im Gefängnis gearbeitet und habe dann da den Link zwischen
ADHS und Delinquenz mal prozessiert.
[00:02:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dann im 1980 nach Königsfelden gekommen.
[00:02:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hatte ich einen Patienten, der hatte Delinquenz, der hatte eine Lernstörung, der war diagnostiziert als
damals noch POS Kind und hatte eine Schizophrenie.
[00:03:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich auf einmal gedacht, das hängt zusammen.
[00:03:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich begonnen in all meinen Behandlungen zu schauen, wie hängt das zusammen.
[00:03:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich habe ich dann eine kleine Studie gemacht, in der ich 75 Personen mit Schizophrenie und
ihren Familien interviewt habe in Bezug auf ihren Erziehungsstil, die Zusammenarbeit unter den Eltern
und dann die Entwicklung der Schizophrenie.
[00:03:39.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte 70 Vergleichsfamilien und da kamen einige Dinge heraus.
[00:03:45.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die waren alle nicht als ADHS diagnostiziert.
[00:03:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Befragung und der Anamnese habe ich sie quasi retrospektiv als ADHS Kinder angeschaut.
[00:04:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sich dann meine Theorie, dass ADHS und Schizophrenie verlinkt ist, gefestigt.
[00:04:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann 17 Jahre lang an meinem Buch geschrieben. Ich habe natürlich immer alle Familien
angeschaut, ich habe immer geschaut, was ist da alles im System.
[00:04:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich da bin und das anschaue, umso mehr sehe ich, dort ist der impulsive, jähzornige Vater.
[00:04:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist die Tochter, die sich dann angepasst hat und dann das Enkelkind bekommt dann die Diagnose
ADHS.
[00:04:41.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage verwendet man ja POS nicht mehr, nur noch ADHS.
[00:04:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich weiter geschaut und gelesen über ADHS.
[00:04:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist für mich die, ich darf jetzt nicht sagen Krankheitsbild, also das Erscheinungsbild in der
Psychiatrie das am stärksten genetisch vererbt wird und als genetisch vererbt angeschaut wird.
[00:05:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Autismus sagt man noch höher, also 80 Prozent, bei ADHS 75 Prozent.
[00:05:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So bin ich dann darauf gekommen, das muss genetisch sein und je nachdem wie dann diese Genetik im
Umfeld behandelt wird, entstehen verschiedene Krankheiten.
[00:05:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe an erster Stelle die Schizophrenie angeschaut, jetzt schaue ich auch alle anderen Krankheiten
an.
[00:05:37.940] – Dr.med. Karl Studer
Du sprichst ja von ADHS als einem Persönlichkeitstyp, nicht von einer Krankheit, hast Du da ein Beispiel
dazu?
[00:05:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele ADHS Kinder angeschaut.
[00:06:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Menschen zeichnen sich aus durch viele verschiedene Eigenschaften, aber eines ist die
Sensibilität, hochsensibel, dann redet man auch von Hochsensibilität.
[00:06:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite ist die Reaktivität oder Impulsivität.
[00:06:19.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verletzt werden, reagieren sie impulsiv.
[00:06:25.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie zum Teil auch eine andere Wahrnehmung.
[00:06:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht dann schon bald in die Lernstörung oder Wahrnehmungsverarbeitung.
[00:06:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Beispiele von Menschen mit ADHS oder ADS, die nie mit der Psychiatrie zu tun hatten.
[00:06:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel Richard Branson ist einer, der ist aus allen Schulen rausgeflogen und die Eltern haben ihn
aber nie im Stich gelassen. Er hat dann zuerst eine CD Firma gegründet, dann Virgin Cola, Virgin Airlines
und so weiter. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann.
[00:07:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum sage ich, es ist keine Krankheit? Es gibt durchaus Menschen mit ADHS, die können problemlos
oder vielleicht mit Problemen, aber die können funktionieren, die können erfolgreich sein.
[00:07:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen die Psychiatrie nicht und es muss auch nicht weg therapiert werden.
[00:07:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist eine Eigenschaft, oder besteht aus vielen Eigenschaften, Charaktereigenschaften,
Persönlichkeitstyp.
[00:07:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Persönlichkeitstyp ist keine Krankheit.
[00:07:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Am ehesten kann man dann noch vergleichen mit den Persönlichkeitstypen.
[00:07:52.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler wäre der extrovertierte Persönlichkeitstyp und der ADSler wäre der introvertierte
Persönlichkeitstyp.
[00:08:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Bill Gates sagt man auch, dass er ein ADHS hat.
[00:08:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein, damals hat man noch POS gesagt, der hat bis zum fünften Altersjahr nicht geredet, es
wäre eigentlich Autismus gewesen und ist dann sehr erfolgreich geworden.
[00:08:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt sehr auf das Umfeld darauf an, dass man mit diesen Kindern umgeht, ob die zu erfolgreichen
oder normalen Personen heranwachsen oder ob sie krank werden.
[00:08:36.040] – Dr.med. Karl Studer
Gibt es auch eine doppelte Vererbung? Oder hast du hier auch Beispiele?
[00:08:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von doppelter Vererbung redet, dann meint man zwei Diagnosen, also Doppeldiagnose.
[00:08:55.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein. Aus meiner Sicht ist die Grundkonstellation immer das ADHS.
[00:09:03.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt natürlich ganz viele verschiedene. Heutzutage sagt man, das ADHS wird bestimmt durch viele
verschiedene Gene bis zu 100 verschiedenen Genen, also Lokus auf den Genen.
[00:09:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht und meiner Erfahrung entstehen die Krankheiten immer aus diesem ADHS/ADS Typ
oder Varianten von diesen.
[00:09:37.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Jahren hatte ich Kontakt mit dem Genetiker Professor Schmid in Zürich.
[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben die immer bei den manisch Depressiven nach den Genen gesucht, die zum manisch-
depressiven führen.
[00:09:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er gesagt, die manisch Depressive Krankheit ist eine Kombination von an sich normalen
Genen. Eine unglückliche Kombination von an sich normalen Genen.
[00:10:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist natürlich auch eine Kombination.
[00:10:13.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis dann die psychische Krankheit entsteht, die entsteht nicht in den Genen. Die entsteht über die
Interaktion, über die Entwicklung des Gehirns, über die Lebenserfahrung etc. Das ist viel komplizierter.
[00:10:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt kein Gen, das zu einer psychischen Krankheit führt.
[00:10:32.380] – Dr.med. Karl Studer
Was spielt dabei das familiäre Umfeld, die Kommunikation und der Interaktionsstil für eine Rolle?
[00:10:40.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine grosse Rolle.
[00:10:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich schaue in den Familien, in denen aus dem ADHS eine Schizophrenie sich entwickelt: diese
Familien und die ADHSler allgemein, kommunizieren in der Regel hoch emotional. Mit starker emotionaler
Belastung.
[00:11:10.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn im Familiensystem dann Konflikte vorhanden sind, so wie dauernder Ehekonflikt, das kam auch
raus.
[00:11:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophreniefamilien haben viel mehr Konflikte.
[00:11:23.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler haben mehr Konflikte, weil sie einerseits so sensibel sind, andererseits impulsiv, und dann
eskaliert es sehr schnell.
[00:11:35.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind in einer ständig überheizten, emotional überlasteten Umgebung aufwächst, dann ist es
ständig überreizt, und dann kann es leicht zu einer emotionalen Systemüberlastung kommen, und da
entgleitet es dann in die Schizophrenie.
[00:12:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, da kann ein Kind ständig bestraft werden, weil es sich nicht an die Regeln hält, weil es sich
nicht so leicht einpassen lässt, also die haben mehr Mühe mit Regeln lernen, die lassen sich mehr von
sich her steuern und nicht so gut fremd steuern, dann werden sie immer kritisiert, dann ziehen sie sich
vielleicht zurück oder sie schlagen zurück.
[00:12:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die ADHSler. Dann läuft natürlich eine schiefe Bahn los.
[00:12:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Carlos/Brian, der da in allen Zeitungen gehandelt wurde, der ist sicher ein ADHS Kind.
[00:12:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde als Kind eingesperrt. Er wurde, glaube ich, sogar auch angebunden.
[00:12:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Also für sein Naturell wurde er viel zu eng eingeengt und schlussendlich ist er über die Grenze
gesprungen, wurde delinquent.
[00:12:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt macht man Sicherheitstrakt und alles mögliche, was genau das Gegenteil von dem ist, was diese
eigentlich brauchen.
[00:13:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder können dann zu Monstern werden.
[00:13:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen auch, ich habe Angst vor meinem Kind, es ist wie ein Monster.
[00:13:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich mit den Eltern immer anschauen, wie sie das Kind anders behandeln müssen.
[00:13:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich immer zurückgehen, was haben sie vorher gemacht, wie haben sie das Kind verletzt und
dann diese Verletzung weglassen.
[00:13:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens schaut man nur, jetzt im Fall der Delinquenz, das Endresultat an, aber nicht vorher die
Verletzung.
[00:13:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn muss ich immer sehr sorgfältige Analysen machen zwischen Patient und Umfeld, Eltern,
Mutter, Vater, Geschwister.
[00:13:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dort eine Veränderung hinbringen kann, dann beruhigt sich das Ganze.
[00:13:57.310] – Dr.med. Karl Studer
Was spielt die Lernstörung hier für eine Rolle?
[00:14:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernstörungen wie Legasthenie, Dyskalkulie, das ist relativ häufig kombiniert mit einem ADHS oder ADS.
[00:14:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn noch eine Lernstörung dazu kommt, dann haben diese Kinder natürlich mehr Mühe in der Schule.
[00:14:33.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Eltern ehrgeizig sind, akademisch ehrgeizig sind, und mit dem Kind stundenlang lernen
und immer wieder emotionale Aufheizung, dann ist die ganze Lernatmosphäre weg, und es lernt nicht,
und es hat nur emotionale Aufheizung.
[00:14:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Kind etwas verlangt, was es noch nicht kann, dann läuft man immer, quasi schon fast
amok, also gegeneinander, und dann wird das Kind in seinem Selbstwert massiv gestört.
[00:15:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADHS Kind, ein Junge, und der hatte auch eine Legasthenie.
[00:15:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde von der Lehrerin in der Klasse bloßgestellt, er hatte 44 Fehler im Diktat gehabt, und wurde vor
die Klasse gestellt und musste da seine Fehler zeigen. Er wurde beschämt von der Lehrerin.
[00:15:29.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Der war handwerklich sehr geschickt und man hat ihn gerne gehabt am Arbeitsplatz. Wir wollten ihn in
eine Lehre bringen. Aber der ist nicht in die Schule gegangen. Jeden Morgen war es dem schlecht. Er hat
erbrochen. Er hat sich gewehrt, er wurde drogensüchtig und wir haben den nie mehr in die Schule
gebracht.
[00:15:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lernstörung wurde ihm zum Stolperstein, weil die Schule schlecht mit ihm umgegangen ist.
[00:16:01.760] – Dr.med. Karl Studer
Wenn wir an die Schizophrenie denken, da passiert ja nach einer gewissen Latenz, du sagst dem ein
Tsunami, die akute Psychose. Was sind denn die Konfliktsituationen, besonders bei Jugendlichen?
Welche Rolle spielt denn die Pubertät dabei?
[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten psychischen Krankheiten entwickeln sich in der Pubertät. Dann ist der erste Ausbruch.
[00:16:33.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist eine ganz wichtige Phase. Es ist die Phase der Persönlichkeitsbildung.
[00:16:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Bild ist wie folgt: Die Eltern halten dann oft noch an ihrem Beschützerinstinkt fest und das Kind hat
den Autonomieinstinkt.
[00:16:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht richtig loslassen können, dann muss sich das Kind wehren gegen die Eltern oder
über alle Maßen, über die Zeit hinaus anpassen an das Bedürfnis der Eltern, kann seine Persönlichkeit
dann nicht richtig entwickeln und dann läuft sie schief.
[00:17:14.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann, und das ist meistens so, kommt dazu, dass die Eltern noch miteinander streiten, wie man mit
dem Kind umgehen sollte, dann ist da noch mehr emotionale Belastung.
[00:17:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann noch eine Liebesgeschichte dazu kommt, die schief läuft, oder wenn in der Schule noch
etwas schief läuft, dann ist auf allen Ebenen Emotionalität vorhanden, die nicht gelöst wird.
[00:17:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind viele verschiedene Bauplätze.
[00:17:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat dieses Kind, dieser pubertierende Mensch nicht die genügende Ruhe, nicht den genügenden
Freiraum, um seine Persönlichkeit zu entwickeln.
[00:17:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Schizophrene, die implodieren dann nach innen. Das ist dann dieser Tsunami, diese emotionale
Monsterwelle, die dann das kognitive System zum Zusammenbruch bringt und die Schizophrenie auslöst.
[00:18:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ursache der Schizophrenie ist nicht kognitiv, die Ursache ist emotional.
[00:18:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat auch Prof. Dr.med. Luc Ciompi in seiner Theorie mit der Affektlogik festgehalten.
[00:18:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ursprung ist emotional. Es ist eine emotionale Überlastung dieses Menschen, eine Überflutung, die
dann die Kognition zum Zusammenbruch bringt.
[00:18:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Messen tun wir dann die Kognition. Wir sehen, dass die Kognition nicht mehr funktioniert.
[00:18:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in Amerika gelernt, wir können feststellen, ob einer schon in einem schizophrenischen Schub
drin ist, wenn man einem intelligenten Menschen ein Sprichwort zur Interpretation zur Verfügung stellt,
zum Beispiel: "Wer in einem Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen". Dann sagt er, das Glashaus
geht kaputt. Er kann es nicht mehr übertragen. Also die höhere Funktion der Kognition funktioniert nicht
mehr. Sie sind deswegen aber nicht dumm. Wenn die wieder runterkommen, die Emotionalität sich
beruhigt hat, ist die Kognition wieder da.
[00:19:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man ja gesagt, Dementia Präcox, also die verblöden, aber die sind von einem schizophrenen
Schub nicht verblödet.
[00:19:33.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie dann lange in Kliniken ohne soziale Interaktion aufbewahrt, dann verblöden sie wirklich mit
der Zeit.
[00:19:45.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nimmt sogar das Gehirnvolumen ab.
[00:19:49.760] – Dr.med. Karl Studer
Was ist nach deiner Meinung wichtig am Anfang der Behandlung von Schizophrenie Patienten?
[00:19:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke es ist wichtig, dass man sofort mit dem Familiensystem Kontakt aufnimmt. Dass man als erstes
die Eltern versucht zu beruhigen.
[00:20:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf den Patienten losgehen, sondern zuerst das ganze System versucht zu beruhigen.
[00:20:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man schon mit der ruhigen Kontaktaufnahme.
[00:20:19.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern merken, da ist jemand kompetent im Umgang mit dieser schwierigen, angstauslösenden
Krankheit, werden die schon ruhiger.
[00:20:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft weichen die Patienten aus, die flüchten, mit der Zeit, wenn es gut läuft, will der Patient dann sogar
selber in die Behandlung kommen.
[00:20:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man das System beruhigt.
[00:20:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird natürlich allgemein nicht gemacht, also man will die Symptombehandlung machen beim
Patienten, die ist auch wichtig, aber wenn man nur Symptombehandlung macht und das System nicht
beruhigt, bringt es gar nichts.
[00:21:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat ja Murray Bowen, also mein Lehrer in Amerika, die haben an der Menninger Klinik, haben die
Schizophrenie Patienten eine Adoleszentenabteilung geführt mit Schizophrenie Patienten.
[00:21:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben die Patienten übers Wochenende nach Hause geschickt. Dann kam die Patientin völlig verstört
wieder zurück auf die Abteilung.
[00:21:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er gemerkt, ah, da läuft etwas. Ich muss anschauen, was da läuft.
[00:21:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist er eigentlich auf die Familientherapie gekommen und hat dann ja sein berühmtes Projekt am NIMH
aufgezogen, wo er Vater, Mutter und Schizophrenie Patienten ein halbes Jahr, ja zum Teil anderthalb
Jahre hospitalisiert hat.
[00:21:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat täglich Familiensitzungen gemacht.
[00:22:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Personal war instruiert, da war Virginia Satir auch darunter, die mussten nur beobachten und ganz
normal beschreiben, was sie sehen. Keine psychiatrische Nomenklatur, keine Diagnose, nichts, nur
saubere Beschreibung.
[00:22:17.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in der Psychiatrie haben wir das Problem, dass wir an unseren Diagnosestellungen festhalten
und die Diagnosen wie feste Einheiten anschauen.
[00:22:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist ein anpassungsfähiges, ein plastisches, ein lernfähiges Organ, das bleibt nie gleich.
[00:22:43.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle psychiatrischen Krankheiten sind eigentlich funktionelle, also dysfunktionelle momentane Zustände,
die mit der Zeit, wenn man sie aufrechterhält, in eine Chronifizierung übergehen können und dann quasi
erstarren.
[00:23:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht das Gehirn. Das Gehirn bleibt an sich lernfähig, wenn wir im Umfeld lernfähig bleiben.
[00:23:12.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, indem ich immer wieder neue Leute sehe, lerne ich ständig dazu, ständig neue Situationen.
[00:23:20.020] – Dr.med. Karl Studer
Welche Bedeutung haben dann die Medikamente und die Hospitalisation für den Verlauf der
Psychosenpatienten?
[00:23:27.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente sind gute Instrumente, um diese emotionale Übererregung, die zur Dysfunktion des
kognitiven Systems, des Hirns führen, runterzufahren.
[00:23:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Medikamente funktionieren auf der Dopamin-Theorie. Sie können direkt gegen die Dopamine wirken,
also antidopaminerg oder indirekt, wie die Neuen das tun.
[00:23:57.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, dass das Dopamin runtergefahren wird.
[00:23:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht also immer darum, dass die hohe Emotionalität reduziert wird.
[00:24:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist manchmal notwendig, denn anders bringt man das System nicht zur Ruhe.
[00:24:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her haben die Medikamente eine wichtige Rolle in der Beruhigung des Patienten.
[00:24:21.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber, wie gesagt, wenn das System sich nicht verändern lässt und lernt weniger Emotionalität, weniger
emotionalen Nachschub zu machen, dann bringt es nichts, dann kann sich alles immer wieder
hochschaukeln.
[00:24:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man auch so Untersuchungen gemacht, wenn man das System verändert hat, dann hat das
nachhaltigere Wirkung gehabt, als wenn man Medikamente gegeben hat.
[00:24:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Medikamente abgesetzt werden, wirken die nicht mehr.
[00:24:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit den Patienten arbeite, sage ich dem, er muss lernen, mit Konflikten besser umzugehen.
[00:25:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen sind sehr leicht erregbar, sehr schnell emotionalisierbar, sie regen sich auf und dann
kommt da der Tsunami und dann geht alles durcheinander.
[00:25:22.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen, was hat sie geärgert, was hat sie aufgeregt, und dann versuche ich ihnen
beizubringen, eine bessere Problemlösungsstrategie anzuwenden, als sich aufzuregen über etwas, das
man nicht ändern kann.
[00:25:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich in jeder Situation anders und mit jedem Menschen anders.
[00:25:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern muss ich beibringen, dass sie weniger emotional auf ihr Kind einwirken.
[00:25:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente können vorübergehend beruhigen, aber ich muss dem Patienten immer auch bessere
Problemlösungsstrategien beibringen.
[00:26:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel, wenn die dann Symptome haben, wie Stimmen hören und solche Dinge, dann versuche ich
das immer zu interpretieren.
[00:26:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich lange gefragt, was ist denn das, dieses Stimmen hören? Was läuft da ab?
[00:26:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist mein Modell, mein Interpretationsmodell, wenn jemand zum Beispiel kritische Stimmen hört, dann
sage ich, das ist ihre eigene Kritik an sich selber.
[00:26:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig geht es zurück, sie wurden früher als Kind viel kritisiert und sie haben das internalisiert und
kritisieren sich selber und projizieren diese Kritik aber wieder hinaus aufs Umfeld.
[00:26:47.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen davon aus, dass jeder sieht, dass sie in der psychiatrischen Klinik waren und dass man sie als
Minderwertigkeit anschaut.
[00:27:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das merken die Leute gar nicht, sie sind gar nicht so wichtig.
[00:27:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wichtig ist, ist ihre Kritik mit sich selbst.
[00:27:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder ein schlechtes Gewissen. Das schlechte Gewissen wird nach außen projiziert und die Selbstkritik
wird nach außen projiziert.
[00:27:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich das wieder zu integrieren und manche Patienten nehmen das sehr gut auf und lernen
dann auch anders mit sich umzugehen.
[00:27:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist auch ein Klinikaufenthalt absolut notwendig.
[00:27:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, die hat sich selbst angewiesen als Schutz vor ihren Eltern.
[00:27:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Und die hat gesagt, ich gehe jetzt in die Klinik, ich halte es nicht mehr aus. Die reden viel zu viel auf mich
ein, die wirken auf mich ein. Ich muss mich schützen gehen in die Klinik.
[00:27:52.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war auch eine Psychotikerin.
[00:27:55.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kann man sie nicht genügend beruhigen. Man muss sie trennen. So wie zwei streitende
Hunde. Die muss man trennen und beide Seiten beruhigen. Dann kann man sie wieder zusammenführen.
Aber nur unter der Bedingung, dass sie einen Coach haben, dass die Eltern lernen.
[00:28:16.370] – Dr.med. Karl Studer
Es ist ja heute üblich, dass solche Patienten direkt in die Klinik eingewiesen werden. Ist denn das erstens
nötig und zweitens, wie muss denn die Hospitalisation organisiert sein, dass sie auch wirksam ist?
[00:28:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hospitalisation kann ein riesiges Trauma sein.
[00:28:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern oder ein Arzt eine Hospitalisierung veranlassen dann sagen die Eltern indirekt zum Kind:
Ich kann dich nicht mehr handhaben, Du bist mir zuviel oder sogar Du schadest mir.
[00:28:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen an sich dann dem Kind Schuldgefühle.
[00:29:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie stellen sich dar als schwach, inkompetent, und eigentlich will das Kind kompetente Eltern haben, ich
kann es nicht, jemand anderes muss es machen.
[00:29:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klinik kommt es darauf an, wie dieser junge Psychotiker aufgenommen wird, ob er oder sie gut,
liebevoll, human oder militärisch aufgenommen werden.
[00:29:35.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können neue Traumata passieren.
[00:29:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die erste Hospitalisation ist meistens ein Trauma. Es ist sehr schwierig, jungen Schizophrenen so zu
begegnen, dass das kein Trauma ist.
[00:29:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, es ist nie möglich.
[00:29:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne solche, die wurden mehrmals hospitalisiert und die haben dann beim letzten Mal gesagt,
diesmal war es okay, sogar gut.
[00:30:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben sich schon an die Klinik Atmosphäre gewöhnt, die kennen das etwas und wehren sich nicht
mehr so dagegen.
[00:30:15.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So junge Teenager, die wehren sich häufig stark dagegen und die betrachten die Klinik als verlängerten
Arm der Eltern und die haben sich vorher schon mit ihrem Autonomieinstinkt gegen die Eltern gewehrt
und wehren sich jetzt halt noch gegen die Klinik.
[00:30:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen manchmal lang, bis die sich beruhigen können.
[00:30:39.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann probiert man Medikamente aus und nichts wirkt und erhöht und so weiter und so weiter und alles
bringt nichts.
[00:30:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn die nachgeben und sagen, okay, ich akzeptiere es jetzt halt, dass ich da bin, dann können die
Medikamente wirklich zu wirken beginnen.
[00:31:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Trauma. In dem Sinne versuche ich immer, wenn es geht, ambulant zu behandeln.
[00:31:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht immer.
[00:31:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade bei der 1. Psychose, ich habe einige durchgezogen, und ich habe eigentlich in letzter Zeit, ich
selber habe nie mehr einen Psychotiker hospitalisieren müssen.
[00:31:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt sind wir dran bei einer, wo es vielleicht notwendig ist.
[00:31:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es eigentlich immer ambulant.
[00:31:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch eine Situation, da habe ich den Eltern das Medikament mitgegeben. Der Vater hat es dem
Sohn dann gegeben. Der hat gesagt, ja, das kann ich. Es hat funktioniert.
[00:31:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Wochen später kam er in die Praxis und war wieder ruhig.
[00:31:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es, wenn es irgendwie geht, ambulant.
[00:31:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen stationär gehen müssen, versuche ich natürlich die Eltern zu unterstützen, sie
dahin zu begleiten, dass sie lernen, mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter umzugehen.
[00:32:10.220] – Dr.med. Karl Studer
Wir haben ja jetzt von der Schizophrenie gesprochen und vom ADHS. Gibt es auch andere psychische
Krankheiten, die vom ADHS ihren Ausgang haben?
[00:32:21.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke ja. Ich sehe immer mehr in diesen GWAS, den Genome Wide Association Cross Disorder
Studies.
[00:32:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man ja den Genschatz von verschiedenen psychiatrischen Krankheiten untersucht.
[00:32:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Schizophrenie, mannisch-depressiv, schwere Depression, Autismus und ADHS.
[00:32:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann festgestellt, dass die einen stark überlappenden Genlokus haben, miteinander verwandt
sind genetisch.
[00:33:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Fachwelt war man sehr erstaunt, wie können so verschiedene Krankheitsbilder einen so stark
überlappenden Genlokus haben?
[00:33:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich war es klar, für mich war es das ADHS, das diesen Genlokus hat und die anderen entstehen
dann raus.
[00:33:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich viele ADHSler, die dann in eine manische Episode reinfallen, wenn sie zu eng erzogen
werden.
[00:33:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die befreien sich dann von der rigiden Erziehung mit einer manischen Episode. So sprengen sie alle
Fesseln und alle Grenzen.
[00:33:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Mädchen, also Frauen, und ich habe Männer.
[00:33:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann redet man von Komorbidität.
[00:33:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, nein, es ist eine Folgekrankheit.
[00:33:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese starke Emotionalität, das ist das ADS/ADHS. Die ist natürlich dann bei manisch Depressiven, bei
der bipolaren Krankheit, die kommt dann immer wieder raus.
[00:34:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die therapeutische Aufgabe wäre dann, diesen Menschen zu helfen, dass sie persönlichkeitsgetreuer,
also ihrer Emotionalität entsprechend leben dürfen, leben können, sich getrauen, so zu leben, sodass sie
nicht mehr manisch ausbrechen müssen.
[00:34:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gelingt nicht immer. Wenn man das hinkriegt, dann braucht es keine kranke Episode mehr.
[00:34:39.080] – Dr.med. Karl Studer
Kommen wir zurück auf unser zentrales Nervensystem, das Gehirn. Das ist ein lernfähiges soziales
Organ. Das ist der Ausgangspunkt für viele psychische Krankheiten. Jetzt kennen wir ja seit einiger Zeit
den Begriff der Epigenetik. 1. Was ist das aus deiner Sicht? 2. Was spielt das für eine Rolle für den
Verlauf von psychischen Krankheiten?
[00:35:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine riesige Rolle. Ich bin gerade dran, ein Buch zu lesen über Epigenetik. Ich mache mich schlauer. Die
Epigenetik ist ein hochkomplexes Feld. Als man die DNA, also die Chromosomen, entschlüsselt hat, hat
man gedacht, jetzt weiß man alles. Wie wir halt geartet sind, haben wir linear gedacht, jetzt kann man
direkt vom Gen auf die Krankheit schliessen.
[00:35:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind so viele Regulationsmechanismen zwischen den Genen und der psychischen Krankheit, die
dann in Funktion treten.
[00:35:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spielt das Umfeld natürlich eine riesige Rolle.
[00:35:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Epigenetik ist erst in ihren Kinderschuhen.
[00:36:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind dran, ganz viele komplexe Regulationsmechanismen kennenzulernen, mit Tests und so weiter.
[00:36:14.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie spielt die Epigenetik sicher die allergrösste Rolle, würde ich jetzt sagen, weil das Hirn
so stark regulierbar ist, lernfähig ist.
[00:36:27.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht alles epigenetisch, manches ist dann auch einfach, wie soll ich sagen, organmäßig.
[00:36:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Dinge, die man epigenetisch erklären kann und andere dann wieder nicht. Man hat
noch längst nicht alle epigenetischen Prozesse erkundet.
[00:36:50.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bekanntes Beispiel ist da der Psychologe, der das macht, der Michael Meany, und der schreibt da,
also die zitieren ihn darin, und er sagt auch, das Umfeld spielt eine riesige Rolle bei der Epigenetik und
dann auch bei Krankheiten.
[00:37:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt diese Studie mit den High Licking Mothers, also die Ratten, die ihre Kinder viel fürsorglich
behandeln, viel schlecken, die werden stärker, resistenter und die sind explorativer und Stress resistenter.
[00:37:31.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man aber die Kinder von diesen Ratten den anderen, den vernachlässigenden Ratten unterschiebt,
dann werden sie auch viel geschleckt und dann werden sie auch resistent.
[00:37:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht in der Genetik, es ist in der Epigenetik, über das Umfeld, über das Verhalten des Umfeldes.
[00:37:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gesagt, das ist so kompliziert und da muss man noch viel erforschen, aber als Systemtherapeutin bin
ich natürlich ständig dran, das Umfeld zu erforschen.
[00:38:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Was dann auf Genebene passiert, weiß ich nicht genau und kann ich auch nicht immer anschauen.
[00:38:13.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher kann ich das Umfeld anschauen und kann schauen, wie das Umfeld sich dann niederschlägt.
[00:38:21.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast mich vorher gefragt, gibt es noch andere Krankheiten?
[00:38:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, manisch-depressiv, Delinquenz, Essstörungen, viele der Essgestörten Patientinnen sind ADHSler,
Borderline Persönlichkeitsstörungen.
[00:38:42.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich ja, diese Kinder wurden gestört während der Pubertät, während der
Persönlichkeitsentwicklung und dann hat man eine gestörte Persönlichkeit.
[00:38:51.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Also die wurden, ich nenne das jetzt konkret, die wurden gestört in ihrer Persönlichkeitsentwicklung in der
Pubertät.
[00:39:00.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es die Weiblichen, die machen Essstörungen und sich selber wehtun, also sich selber
verletzen, ritzen, die verursachen sich Schmerz, um ihre Emotionen, die sie nicht mehr aushalten in den
körperlichen Schmerz hineinzuholen.
[00:39:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die männlichen ADHSler, die werden delinquent, die findet man dann im Gefängnis.
[00:39:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man aber auch findet, sind körperliche Störungen, also Krankheiten.
[00:39:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn und das Gehirn steuert unser Verhalten, es steuert aber auch unsere Organe.
[00:39:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Mittelhirn, den Hypothalamus, die Hypophyse, die Nebennierenrinde, Stressachse, also HHNA
Stressachse, werden die Hormone dann gesteuert und dann gibt es natürlich auch körperliche
Krankheiten.
[00:40:00.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Patientin, ganz klar eine ADHS Patientin, Scheidungsehe ihrer Eltern, die hat sich physisch
so runter gearbeitet, dass sie jetzt ein Erschöpfungssyndrom von der Nebennierenrinde hat.
[00:40:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne einen Bruder einer Patientin, der wurde als Kind als ADHS diagnostiziert. Der hat im Beruf
immer funktioniert, hat aber nie eine lange Beziehung haben können und jetzt ist er ein körperliches
Wrack. Er wird somatisch behandelt mit allem möglichen, Immunsystem kaputt, alles kaputt und der
Ursprung ist sicher die Erziehung.
[00:40:57.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war als ADHS Kind noch ein Schlingel, hat alle möglichen Streiche gemacht aber die Mutter hat ihn
sehr eng, sehr streng erzogen, weil sie sich geschämt hat für ihre Mutter, die Lebefau war.
[00:41:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem seine körperliche Gesundheit ist kaputt, mit jetzt 60. Es gibt auch solche, die schon früher kaputt
sind.
[00:41:22.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS kann sich auch körperlich auswirken, denn das Gehirn steuert auch unsere körperlichen
Organe. Die ganze Medizin ist darin enthalten.
[00:41:35.540] – Dr.med. Karl Studer
Du hast jetzt jahrzehntelang Psychiatrie gemacht. Wohin geht die Reise? Hörst du irgendwann mal auf?
Deine Neugier ist ja sprichwörtlich, sage ich einmal, das wird ja nie enden, sondern mit deinem Leben
wird das enden.
[00:41:51.320] – Dr.med. Karl Studer
Was ist das nächste Gebiet, das du dir ausgesucht hast?
[00:41:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir sehr viel Erfahrung gesammelt im direkten Umgang mit Patienten und Familiensystemen.
[00:42:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer sehr spannend, aber auch sehr anstrengend. Ich will etwas aus dieser direkten
Behandlungsschiene rausgehen und ich will eigentlich mein Wissen mehr verbreiten, an Fachleute
weitergeben, die das Wissen wollen.
[00:42:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war immer schon sehr engagiert in der Prävention. Ich will mehr investieren in die Prävention.
[00:42:31.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe früher auch Vorträge über Prävention gehalten und dann war so ein Leitsatz von mir: Viel
Wissen über Krankheit macht noch nicht gesund, sonst wären wir Ärzte sehr gesund. Sind wir nicht. Wir
sind eine Risikogruppe.
[00:42:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Präveniere, heisst ja zuvorkommen. Bis jetzt läuft die Prävention immer so: ich will der Krankheit
zuvorkommen. Das heißt, ich muss die Krankheit zuerst sehen und dann will ich sie auslöschen. Das
geht nicht.
[00:43:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne müssen wir vom medizinischen Modell weg, vom Krankheitsmodell weg und hin zu einem
Funktionsmodell.
[00:43:27.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann einen Leitsatz geprägt, nicht die Krankheit verhindern, sondern die Prävention ist richtig
handeln im kritischen Augenblick.
[00:43:38.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist ein kritischer Augenblick, die Heirat ist ein kritischer Augenblick, die Geburt eines Kindes,
eines neuen Geschwisters ist ein kritischer Augenblick. Alles belastende Momente im normalen
Lebenszyklus eines Menschen.
[00:43:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Scheidung ist natürlich ein kritischer Augenblick, der Tod eines Geschwisters, eines Elternteils etc.
[00:44:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her will ich Systeme unterstützen in kritischen Augenblicken. Ich will Sozialsysteme
sensibilisieren auf solche kritischen Augenblicke, dass sie sich Hilfe holen.
[00:44:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite jetzt einige Schulkinder, die von der Schule her gezwungen werden mit Strafpädagogik oder
Wegsperrpädagogik, damit sie dann erfolgreich werden sollen im Leben.
[00:44:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich halt, nein, mit dem Kind darf man das nicht machen. Ich versuche dann, individuelle
Programme für diese Kinder zu machen. Ich versuche natürlich, das Umfeld zu stärken, dass sie das
aushalten, denn die kommen dann immer mit Gesetzen, das Kind muss doch in die Schule.
[00:44:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe natürlich, ein Kind einer Kosovarin wurde von der Polizei abgeholt, weil es nicht mehr in die
Schule ging. Wenn man nachgefragt hat, warum ist es nicht in die Schule gegangen, die Lehrerin hat zu
laut geredet.
[00:45:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Angst gehabt vor dieser Lehrerin. Er hat gesagt, ich habe nicht gerne wenn die so laut redet. Er
war sicher auch noch ein Schlingel. Aber er hat es nicht ausgehalten, er ist einfach weggeblieben. Was
hat man gemacht? Mit Polizei abgeholt, KESB natürlich, hat das arrangiert und in ein Internat gesteckt.
[00:45:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Da suche ich nach anderen Lösungen.
[00:45:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mehrmals versucht, an den pädagogischen Hochschulen im Aargau mein Wissen
weiterzugeben, an der Lehrerbildung mein Wissen weiterzugeben.
[00:45:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ja denen nur mein Wissen weitergeben.
[00:45:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat mich immer abgeblockt, wir haben schon alles.
[00:45:59.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich natürlich dann mit Eltern Rede, die verzweifelt zu mir kommen und sagen, meinem Kind geht es
nicht gut in der Schule. Ich muss es in eine Privatschule tun.
[00:46:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche haben kein Geld für die Privatschule. Die, die das Geld haben, die machen dann das.
[00:46:19.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da versuche ich dann Unterstützung zu geben, den Lehrern, den Eltern, der Schulpflege, dem Hausarzt
usw.
[00:46:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche das ganze System zu unterstützen, aber gleichzeitig das Kind dabei zu schützen, dass es
nicht kaputt gemacht wird.
[00:46:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass dieser vulnerable Gentyp, dieser Persönlichkeitstyp, dieses ADHS oder ADS jetzt gerade habe ich
ein schweres ADS Kind, und das ist seit der dritten Klasse nicht mehr richtig in die Schule gegangen.
[00:46:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind jetzt dran, ein individuelles Programm für dieses Kind zu machen, sodass es reifen kann,
wachsen kann und dann alles noch nachlernen kann und nicht vom offiziellen Schulsystem, vom
Rechtssystem kaputt gemacht wird. Sind schwierige Aufgaben, aber es ist interessant.
[00:47:14.070] – Dr.med. Karl Studer
Warum ist Deine Begeisterung nicht so ansteckend wie sie sein sollte?
[00:47:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiß ich nicht.
[00:47:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich, weil ich zu sehr querdenkend bin.
[00:47:26.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von Silvano Arieti, Hirnforscher, gelernt, wir bleiben gerne in dem, was wir gewohnt sind. Wir
werden nicht gerne gestört.
[00:47:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner sind auch so, Psychiater auch. Man hält am Gewohnten fest.
[00:47:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich störe sie natürlich. Ich komme mit einem anderen Bild, ich komme mit einer anderen Erklärung.
[00:47:55.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Menschen haben gerne, gestört zu werden.
[00:48:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keinen Fortschritt, wenn man nicht die Dinge anders anschaut.
[00:48:06.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mal an einer Tagung in Griechenland. Da war auch Grieche, der war ein Businessberater, und
da habe ich den gefragt, wann ist ein Businesssystem, also eine Industrie, am empfänglichsten für eine
Veränderung? Wann lernt es am ehesten? Und dann hat er gesagt, "in a slight unrest", also leichte
Störung.
[00:48:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es sehr gestört ist, will es nichts mehr lernen. Wenn alles gut läuft, hat es überhaupt keinen Grund,
irgendetwas zu lernen. Wenn es leicht gestört ist, dann ist es bereit zu lernen.
[00:48:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat das System dann etwas gestört und dann waren die aufnahmefähig.
[00:48:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, wie man die Haut aufritzt um dann das Transplantat drauf zu tun.
[00:49:03.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht habe ich die Leute manchmal zu fest gestört, dass sie dann so gemacht haben.
[00:49:09.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche lassen sich stören. Die Laien besser als die Fachleute.
[00:49:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat mich gefragt, für wen ist das Buch "ADHS und Schizophrenie"?
[00:49:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt, für alles, für beide.
[00:49:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, geht nicht.
[00:49:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, okay, dann mache ich es für Laien.
[00:49:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Laien sind wahrscheinlich empfänglicher auf neue Dinge als die Fachleute. Die Fachleute wollen
nicht gestört werden.
[00:49:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie von "The Nature", ein renommiertes Magazin im englischen Sprachbereich.
[00:49:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man festgestellt, dass Wissenschaftler mehr voreingenommen sind als die normale
Durchschnittsbevölkerung.
[00:49:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Also "more biased". Wahrscheinlich hält man halt da fest, an seinen Krücken.
[00:50:04.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Genom analysiert wurde, und Craig Venter hat es ja privat gemacht und die Staatsbetriebe haben
auch gemacht, und die haben quasi gleichzeitig dann das entschlüsselt.
[00:50:23.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man gejubelt, jetzt weiß man alles, und heute sagen die, wir genieren uns dafür, wie wir simpel
gedacht haben, wie das Ganze sei. Die Epigenetik mischelt alles auf.
[00:50:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann ich zum Abschluss sagen, die Covid 19 Pandemie hat uns ja alle etwas aufgerüttelt.
[00:50:47.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wurden alle gestört.
[00:50:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann ich darauf hoffen, dass jetzt die Menschen etwas offener für neue Ideen sind.
[00:50:57.520] – Dr.med. Karl Studer
Okay, ich wünsche dir viel Erfolg dabei. Es ist spannend, dir zuzuhören.
[00:51:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke. Mir hat es auch Spaß gemacht.
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