Die Quellen betonen, dass die Pubertät eine entscheidende Phase in der Entwicklung von Jugendlichen ist, besonders für diejenigen mit ADHS. In dieser Zeit durchläuft das Gehirn einen Umbauprozess, der es anfälliger für äussere Einflüsse macht. Gleichzeitig stehen Jugendliche vor der Herausforderung, ihre Emotionen zu regulieren, ihre Identität zu finden und sich von ihren Eltern abzulösen.
Gerade für Jugendliche mit ADHS, die durch eine hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet sind, ist die Emotionsregulation in der Pubertät eine besondere Herausforderung. Sie reagieren empfindlicher auf Kritik und Stress und haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren.
Ein nicht unterstützendes Umfeld kann diese Schwierigkeiten verstärken. Wenn Jugendliche mit ADHS in dieser sensiblen Phase ständiger Kritik und Kontrolle ausgesetzt sind, kann dies ihre Fähigkeit zur Emotionsregulation beeinträchtigen und die Entstehung psychischer Probleme begünstigen.
Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass die Unfähigkeit, Emotionen adäquat zu regulieren, oft zu negativen Bewältigungsstrategien führt. Jungen mit ADHS neigen eher zu aggressiven Verhaltensweisen und Delinquenz, während Mädchen sich eher zurückziehen und Essstörungen entwickeln können. Diese Verhaltensweisen sind als Abwehrmechanismen zu verstehen, die den Jugendlichen helfen sollen, mit ihren Emotionen umzugehen.
Eine gesunde Emotionsregulation ist jedoch essentiell für die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls und die Fähigkeit, gesunde Beziehungen aufzubauen. Jugendliche mit ADHS brauchen daher Unterstützung, um ihre Emotionen zu verstehen und konstruktiv damit umzugehen.
Statt auf Kontrolle und Bestrafung sollte die Unterstützung von Jugendlichen mit ADHS in der Pubertät auf Verständnis, Akzeptanz und die Förderung von Selbststeuerung und Selbstverwirklichung ausgerichtet sein. Ein unterstützendes Umfeld kann den Jugendlichen helfen, ihre Emotionen zu regulieren, ihre Identität zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Massnahmen, die die Emotionsregulation fördern können:
- Schaffung eines sicheren und verständnisvollen Umfelds, in dem Jugendliche ihre Emotionen offen zeigen können, ohne Angst vor Kritik oder Ablehnung.
- Vermittlung von Techniken zur Emotionsregulation, wie z.B. Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen oder kognitive Verhaltenstherapie.
- Förderung von Selbstreflexion, um den Jugendlichen zu helfen, ihre eigenen Emotionen besser zu verstehen und die Auslöser für emotionale Reaktionen zu erkennen.
- Stärkung des Selbstwertgefühls durch positive Bestätigung und Wertschätzung.
- Anleitung zur konstruktiven Konfliktlösung.
Indem man Jugendlichen mit ADHS hilft, ihre Emotionen zu regulieren, kann man ihnen ermöglichen, die Herausforderungen der Pubertät erfolgreich zu meistern und ein gesundes und erfülltes Leben zu führen.
https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.