https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/02/Emotionskontrolle_14.1.2026.m4a.pdf
ADHS/ADS Folgekrankheiten – Psychiatrie im Offside
ADHS und ADS werden heutzutage fast täglich in den Medien diskutiert. Ist die Diagnose gestellt, kommt das medizinische Modell zur Anwendung, d.h. das Symptom der „Aufmerksamkeitsstörung“ wird mit Ritalin und die „hohe Sensitivität“ und „reaktive Impulsivität“ mit Tranquilizern behandelt.
Die medizinische Behandlungsstrategie setzt beim neurodivergenten Individuum nur als Korrekturmethode an. Das psychosoziale Umfeld, das für die psychiatrische wie auch für körperliche Krankheitsentwicklungen eine ausschlaggebende Rolle spielt, wird bei der medizinischen Behandlungsmethode ausgelassen.
Dieses Buch soll Fachpersonen und Erziehungspersonen zu einem integrativen systemischen Ansatz in der Behandlung von ADHS und ADS Betroffenen anleiten und sie dazu auffordern, die Gen-Umfeld Interaktion zwischen ADHS/ADS-Kindern und -Jugendlichen und ihrem erzieherischen Umfeld miteinzubeziehen. Dieser systemische Ansatz ist für den integrativen Behandlungsansatz unbedingt wichtig. Auch in Bezug auf die Prävention von Folgekrankheiten wirkt sich diese Vorgehen Kosten sparend aus.
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Forschungsansätze zur Verbesserung der psychiatrischen Behandlung
Dr.med. Ursula Davatz verfolgt konkrete Forschungsansätze, die darauf abzielen, die psychiatrische Behandlung zu verbessern, indem sie sich von dem vorherrschenden medizinischen Modell entfernt und die Erkenntnisse der Soziobiologie und der Systemischen Therapie integriert.
1. Integration soziobiologischer Erkenntnisse:
Davatz plädiert dafür, die psychiatrische Forschung stärker an die Soziobiologie anzubinden. Sie ist der Ansicht, dass die Beobachtung von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum uns helfen kann, menschliches Verhalten objektiver zu betrachten und von kulturellen Vorurteilen zu abstrahieren. Die Erkenntnisse der Soziobiologie, die sich auf die Beobachtung von Tieren stützt, können wertvolle Einsichten in die biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens liefern und so zu einem besseren Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen.
2. Systematische Erfassung von sozialen Daten:
Davatz fordert eine sorgfältige Erfassung von sozialen Daten, die die Interaktion des Individuums mit seinem sozialen Umfeld detailliert festhalten. Sie ist der Meinung, dass das soziale Umfeld einen entscheidenden Einfluss auf die psychische Gesundheit hat und die Entstehung von psychischen Erkrankungen begünstigen oder verhindern kann. Die systematische Erfassung dieser Daten soll dazu beitragen, die Krankheitsgenese besser zu verstehen und effizientere therapeutische Interventionen abzuleiten.
3. Fokus auf die Interaktion mit dem sozialen Umfeld:
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass therapeutische Interventionen immer auf der zwischenmenschlichen Ebene stattfinden und nur in der Beziehung Veränderungen möglich sind. Sie sieht den Menschen als soziales Wesen, dessen Verhalten und psychische Gesundheit massgeblich von seinen Beziehungen zu anderen Menschen geprägt wird. Daher sollten therapeutische Ansätze nicht nur auf das Individuum, sondern auf das gesamte soziale Umfeld des Patienten fokussieren.
4. ADHS-Forschung und Datenbank:
Ein konkretes Beispiel für Dr.med. Ursula Davatz‘ Forschungsansatz ist ihr Vorhaben, eine Datenbank für ADHS-Betroffene zu erstellen. Anhand von Fragebögen, die an die Betroffenen selbst und ihre Eltern geschickt werden sollen, will sie Daten über Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf die Ausprägung von ADHS sammeln und analysieren. Ziel ist es herauszufinden, welche Erziehungsstile für Kinder mit ADHS förderlich und welche eher schädlich sind. Dieses Projekt verdeutlicht Davatz‘ Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren und die Bedeutung des sozialen Umfelds für die psychische Gesundheit.
5. Systemische Therapie:
Davatz sieht die Systemische Therapie als einen vielversprechenden Ansatz, der den sozialen Kontext des Patienten berücksichtigt. Diese Therapieform betrachtet den Patienten als Teil eines Systems, beispielsweise seiner Familie oder seines sozialen Umfelds, und versucht, Veränderungen im gesamten System zu bewirken. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Bekämpfung von Symptomen, sondern auf der Stärkung der Ressourcen und der Verbesserung der Interaktionen innerhalb des Systems.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Davatz‘ Forschungsansätze darauf abzielen, die psychiatrische Behandlung zu verbessern, indem sie die biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren des menschlichen Verhaltens in ihrer Gesamtheit berücksichtigt. Sie plädiert für eine stärkere Integration der Soziobiologie in die Psychiatrie und betont die Bedeutung des sozialen Umfelds für die Entstehung und Behandlung psychischer Erkrankungen.
Die zentrale Rolle von Beziehungen in der Psychiatrie und im Leben
Das Interview zwischen Dr. med. Ursula Davatz und Prof. Dr. med. Luc Ciompi beleuchtet die Bedeutung von Beziehungen in der Psychiatrie und darüber hinaus. Beziehungen werden als das „Dazwischen“ definiert, das unsichtbare Band, das Menschen, Dinge und Konzepte miteinander verbindet.
Beziehungen als Grundlage der psychiatrischen Arbeit:
Sowohl Davatz als auch Ciompi betonen, dass Beziehungen den Kern der psychiatrischen Arbeit bilden. Der therapeutische Prozess basiert auf der Beziehung zwischen Patient und Psychiater, in der Verstehen, Empathie und Heilung entstehen können. Ciompi kritisiert die zunehmende Bürokratisierung und Technisierung des Gesundheitswesens, die diese essentielle Beziehung in den Hintergrund drängt.
Systemtherapie als Ausdruck der Beziehungsorientierung:
Die Systemtherapie, die Davatz und Ciompi ausführlich diskutieren, verdeutlicht die Bedeutung von Beziehungen in der Psychiatrie. Dieser Ansatz betrachtet den Menschen nicht isoliert, sondern eingebettet in ein komplexes Netzwerk von Beziehungen in Familie, Beruf und Gesellschaft. Psychische Probleme werden als Ausdruck von Störungen innerhalb dieser Systeme verstanden, und die Analyse der Beziehungen bildet den Schlüssel zum Verständnis und zur Veränderung.
Beziehungen im Kontext der Psychoanalyse:
Auch in der Psychoanalyse, die Ciompi zwar kritisch betrachtet, spielen Beziehungen eine wichtige Rolle. Die Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit und die Sensibilität für zwischenmenschliche Prozesse, die in der Psychoanalyse trainiert werden, sind auch für die Systemtherapie und andere Therapieformen von grosser Bedeutung. Ciompi selbst hat durch seine psychoanalytischen Erfahrungen gelernt, die Feinheiten von Beziehungen besser zu erkennen und zu verstehen.
Ciompis persönliche Beziehungserfahrungen:
Ciompis eigene Lebensgeschichte, die er im Interview teilt, zeigt die prägende Kraft von Beziehungen. Seine schwierige Beziehung zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater, hat ihn nachhaltig beeinflusst. Im Rückblick wünscht er sich Versöhnung und Verständnis, erkennt aber auch die Verletzungen an, die durch mangelnde Zuwendung und Unterstützung entstanden sind.
Beziehungen als universelles Prinzip:
Ciompi erweitert den Begriff der Beziehungen über den zwischenmenschlichen Bereich hinaus. Er sieht Beziehungen als ein universelles Prinzip, das in der gesamten Welt wirksam ist. Von den mathematischen Beziehungen im Satz des Pythagoras bis hin zu den Beziehungen zwischen Erde und Sonne – Beziehungen sind überall vorhanden und prägen die Realität. Ciompi spricht in diesem Zusammenhang von einem „Weltgeist“, der in den Beziehungen und Verhältnissen der Welt Ausdruck findet.
Beziehungen als Quelle von Lebensfreude und Entwicklung:
Beziehungen sind nicht nur Quelle von Konflikten und Leid, sondern auch von Lebensfreude und Entwicklung. Ciompi erinnert daran, dass Kinder die natürliche Freude an Beziehungen verkörpern, die im Laufe des Lebens oft verschüttet wird. Davatz betont, dass in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Menschen „Menschliches“ passiert. Ciompi’s Erfahrung, als Kind anderthalb Jahre ohne Schule in der Natur zu verbringen, zeigt, dass Beziehungen auch Raum für Autonomie und die Entfaltung individueller Interessen schaffen können.
Fazit:
Das Interview verdeutlicht die zentrale Rolle von Beziehungen in der Psychiatrie und im Leben. Beziehungen prägen unsere Erfahrungen, unser Denken und unser Fühlen. Sie können Quelle von Leid und Konflikten sein, aber auch von Heilung, Entwicklung und Lebensfreude.
Die Psychiatrie im Spannungsfeld von Menschlichkeit und technologischem Wandel: Eine kritische Betrachtung
Das Interview zwischen Dr. med. Ursula Davatz und Prof. Dr. med. Luc Ciompi bietet eine kritische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Zustand der Psychiatrie. Ciompi, ein passionierter Psychiater mit langjähriger Erfahrung, äussert Zweifel, ob er unter den heutigen Bedingungen wieder diesen Berufsweg einschlagen würde. Seine Bedenken basieren auf der zunehmenden Bürokratisierung und Technisierung des Gesundheitswesens, die den Fokus von der menschlichen Beziehung zwischen Patient und Arzt verschiebt.
Die Dominanz der Neurobiologie und die Vernachlässigung des Menschen:
Ciompi kritisiert die starke Fokussierung auf die Neurobiologie in der modernen Psychiatrie. Während er die Bedeutung der Hirnforschung anerkennt, bemängelt er die Vernachlässigung der psychischen und sozialen Dimension des Menschen. Seiner Ansicht nach wird der Mensch in seiner Gesamtheit, mit seinen Emotionen, Beziehungen und individuellen Erfahrungen zu wenig berücksichtigt. Die Psychiatrie drohe, zu einer rein naturwissenschaftlichen Disziplin zu verkommen, die den Menschen auf seine materielle Basis reduziert.
Der Verlust der Beziehung als Kernproblem:
Die Beziehung zwischen Patient und Psychiater ist für Ciompi von zentraler Bedeutung. In dieser Beziehung entsteht der Raum für Verstehen, Empathie und Heilung. Die zunehmende Bürokratisierung und Technisierung des Gesundheitswesens führt jedoch dazu, dass diese Beziehung immer mehr in den Hintergrund tritt. Ärzte verbringen immer mehr Zeit mit Dokumentation und Administration und haben immer weniger Zeit für die Patienten. Dieser Trend beunruhigt Ciompi zutiefst, da er die Grundlagen der psychiatrischen Arbeit gefährdet sieht.
Die Sehnsucht nach einer menschlicheren Psychiatrie:
Sowohl Ciompi als auch Davatz plädieren für eine Rückbesinnung auf die Menschlichkeit in der Psychiatrie. Sie fordern eine stärkere Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Patienten sowie eine Wiederbelebung der therapeutischen Beziehung als Kernstück der psychiatrischen Arbeit. Es geht darum, den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen und ihm mit Empathie und Respekt zu begegnen.
Alternative Therapieansätze jenseits der Psychoanalyse:
Obwohl Ciompi selbst zwei Psychoanalysen absolviert hat, zeigt er sich desillusioniert von deren Wirksamkeit. Er sieht die Psychoanalyse als zeitaufwändige und kostspielige Therapieform mit begrenztem Erfolg. Stattdessen plädiert er für systemische Therapieansätze, die den Menschen in seinem sozialen Kontext betrachten und die Bedeutung der Beziehungen in Familie, Beruf und Gesellschaft hervorheben. Diese Ansätze bieten seiner Meinung nach einen ganzheitlicheren Blick auf den Patienten und ermöglichen effektivere Interventionen.
Die Bedeutung des sozialen Lernens:
Ciompi und Davatz betonen die Wichtigkeit des sozialen Lernens im Umgang mit psychischen Problemen. Im Dialog mit anderen Menschen können Patienten ihre Emotionen reflektieren, neue Verhaltensweisen erlernen und aus ihren Erfahrungen lernen. Das soziale Umfeld bietet Halt und Unterstützung und kann den Betroffenen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und ein erfülltes Leben zu führen.
Fazit:
Das Interview verdeutlicht die aktuellen Herausforderungen der Psychiatrie, die sich im Spannungsfeld zwischen Menschlichkeit und technologischem Wandel befindet. Es zeigt die Gefahr einer zunehmenden Entmenschlichung und plädiert für eine Rückbesinnung auf die therapeutische Beziehung als Kernstück der psychiatrischen Arbeit. Die Zukunft der Psychiatrie liegt in einem ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen in seiner Gesamtheit und in seinem sozialen Kontext betrachtet.
Die Bewertung der Familiendynamik in der heutigen Psychiatrie
Dr.med. Ursula Davatz stellt fest, dass die Familiendynamik in der heutigen Psychiatrie eine eher untergeordnete Rolle spielt. Während die Familientherapie in den 1970er und 1980er Jahren stark im Fokus stand, dominieren heute neurobiologische und genetische Erklärungsmodelle psychischer Erkrankungen. Die Ursachen werden hauptsächlich in den Genen und der Hirnfunktion gesucht, was zu einer Vernachlässigung des familiären und sozialen Umfelds führt.
Dr.med. Ursula Davatz betrachtet diese Entwicklung als einseitig. Obwohl sie die Fortschritte in der Genetik und Neurobiologie anerkennt und selbst in ihrer Arbeit berücksichtigt, plädiert sie für einen integrativen Ansatz, der die Wechselwirkung zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren berücksichtigt.
Kritik an der Dominanz der Neurobiologie:
- Reduktionistisches Krankheitsverständnis: Die Fokussierung auf Gene und Hirnfunktionen greift aus Dr. Davatz‘ Sicht zu kurz und vernachlässigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Individuum und Umwelt.
- Verlust des systemischen Blicks: Die Bedeutung der Familie und des sozialen Umfelds für die Entstehung und den Verlauf psychischer Erkrankungen wird vernachlässigt.
- Einseitige Behandlungsansätze: Die Dominanz der Neurobiologie führt zu einer Fokussierung auf medikamentöse Therapien und einer Vernachlässigung psychotherapeutischer Ansätze, die das familiäre und soziale Umfeld einbeziehen.
Bedeutung der Familiendynamik:
Dr.med. Ursula Davatz unterstreicht die Bedeutung der Familiendynamik anhand des Konzepts der „Passung“, das sie in Bezug auf ADHS/ADS beschreibt. Eine gute Passung zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den Anforderungen der Umwelt, insbesondere der Familie, fördert die Entwicklung des Kindes, während eine schlechte Passung zu Folgeerkrankungen führen kann.
Beispiele für den Einfluss der Familiendynamik:
- ADHS/ADS: Dr. Davatz beobachtet, dass eine strenge Erziehung und fehlende Unterstützung die Entstehung von Folgeerkrankungen wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Bipolare Störung, Delinquenz und Suchterkrankungen bei Kindern mit ADHS/ADS begünstigen können.
- Schizophrenie: Basierend auf Bowens Konzept sieht Dr. Davatz dysfunktionale Beziehungsmuster in Familien mit schizophrenen Mitgliedern als einen wichtigen Faktor für den Krankheitsverlauf an.
Dr. Davatz‘ Plädoyer für einen integrativen Ansatz:
Dr.med. Ursula Davatz plädiert für eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Familie in der Psychiatrie. Sie fordert ein integratives Krankheitsverständnis, das die Erkenntnisse der Neurobiologie und Genetik mit dem systemischen Blick auf die Familiendynamik verbindet. Nur so können die komplexen Ursachen und Verläufe psychischer Erkrankungen umfassend verstanden und adäquate Behandlungsansätze entwickelt werden.
Der Weg zur Psychiatrie
Dr.med. Ursula Davatz‘ Entscheidung für die Psychiatrie lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:
- Faszination für Carl Gustav Jung: Dr. Davatz‘ Eltern waren stark an Carl Gustav Jung interessiert und lasen viele seiner Bücher. Diese Faszination übertrug sich auf Dr. Davatz, die mit 18 Jahren selbst begann, Jungs Werke zu lesen. Diese frühe Auseinandersetzung mit Jungs Ideen weckte ihr Interesse an der menschlichen Psyche und legte den Grundstein für ihren späteren Berufsweg.
- Interesse an der Schizophrenie: Bereits zu Beginn ihres Medizinstudiums stand für Dr. Davatz fest, dass sie Psychiaterin werden wollte, und sie interessierte sich von Anfang an besonders für die Schizophrenie. Sie empfand diese Krankheit als die „interessanteste“ und wollte sie besser verstehen.
- Der Einfluss des Vaters: Dr. Davatz‘ Vater war Ingenieur und löste gerne Probleme. Diese Eigenschaft übernahm sie von ihm, und so sah sie die Schizophrenie als ein komplexes Problem, das es zu lösen galt.
- Die Suche nach einem Spezialisten: Dr. Davatz hörte von Dr. Christian Müller, einem Nervenarzt und Schizophrenie-Spezialisten in Lausanne. Dies motivierte sie, nach Lausanne zu gehen, um dort ihre Ausbildung fortzusetzen.
- Die Begegnung mit der therapeutischen Gemeinschaft: In Lausanne lernte Dr. Davatz Dr. Calanca kennen, der ihr das Dingleton Hospital in Melrose, Schottland, empfahl. Dort arbeitete sie in der von Maxwell Jones gegründeten therapeutischen Gemeinschaft, was ihr Interesse an Gruppenprozessen und Familiendynamik weiter verstärkte.
- Die Ausbildung in den USA: In den USA spezialisierte sich Dr.med. Ursula Davatz auf Familientherapie und lernte dabei Murray Bowen kennen, dessen Theorie sie stark beeindruckte. Bowen betonte die Bedeutung der Familie als System und die Rolle dysfunktionaler Beziehungsmuster bei der Entstehung psychischer Störungen. Diese Erkenntnisse prägten Dr. Davatz‘ weiteres Verständnis von psychischen Erkrankungen und ihre therapeutische Arbeit.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Dr.med. Ursula Davatz‘ Weg zur Psychiatrie war geprägt von einer Kombination aus intellektueller Neugier, dem Wunsch, Menschen zu helfen, und einer ausgeprägten Problemlösungskompetenz. Ihre Faszination für die Schizophrenie, der Einfluss ihres Vaters und die Begegnung mit einflussreichen Persönlichkeiten wie Maxwell Jones und Murray Bowen führten sie schließlich zu ihrer Spezialisierung auf Familientherapie.
https://ganglion.ch/pdf/Vulnerabilitaet_Erziehung_Krankheit.pdf
Kritik an der Psychiatrie
Dr.med. Ursula Davatz übt in ihrem Vortrag, in dem es primär um die Psychosomatik geht, deutliche Kritik an der modernen Psychiatrie. Sie bemängelt vor allem drei Aspekte:
- Fokus auf naturwissenschaftliche Methoden und fixe Diagnosen: Dr. Davatz kritisiert, dass die Psychiatrie zu stark auf naturwissenschaftliche Methoden setzt und sich in mikrobiologischen Details verliert. Sie plädiert stattdessen für einen ganzheitlicheren Ansatz, der die Makrobiologie und das Psychosoziale berücksichtigt. Sie kritisiert die Fixierung auf fixe Diagnosen, die dazu führe, dass der Mensch als Individuum verpasst werde. Anstatt nach vorgefertigten Schemata zu suchen, sollten Psychiater offen und vorurteilsfrei auf den Patienten zugehen und seine individuellen Erfahrungen und Bedürfnisse in den Blick nehmen.
- Übermässiger Einsatz von Psychopharmaka: Dr. Davatz zeigt sich besorgt über den steigenden Einsatz von Psychopharmaka, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Sie argumentiert, dass Medikamente zwar Symptome lindern können, aber die zugrundeliegenden Probleme nicht lösen . Statt die Kinder einfach mit Medikamenten „wieder zum Funktionieren zu bringen“, sollte die Psychiatrie die Ursachen der Probleme im sozialen Umfeld des Kindes suchen und die Familiensysteme verändern, um dem Kind mehr Raum zur Entfaltung zu geben.
- Vernachlässigung der Systemtherapie: Dr. Davatz kritisiert, dass Systemtherapie, insbesondere Familientherapie, in der Psychiatrie zu wenig berücksichtigt wird. Sie führt dies auf den Mangel an Therapeuten zurück, die mit komplexen Familiensystemen umgehen können, und auf die unzureichende Finanzierung durch die Krankenkassen. Dabei sei die Systemtherapie gerade bei psychosomatischen Erkrankungen von entscheidender Bedeutung, um die Verstrickungen und ungelösten Konflikte innerhalb der Familie zu verstehen und zu bearbeiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Davatz die Psychiatrie auffordert:
- weg von einem rein naturwissenschaftlichen und diagnoseorientierten Ansatz
- hin zu einem ganzheitlichen Verständnis des Menschen, das die individuellen Erfahrungen, das soziale Umfeld und die psychische Dynamik einbezieht.
Sie plädiert für einen stärkeren Fokus auf Psychotherapie, insbesondere Systemtherapie, um die Ursachen psychischer und psychosomatischer Probleme zu bearbeiten und den Patienten zu helfen, neue, gesündere Anpassungsmuster zu entwickeln.
https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf
Austausch von Erfahrungswissen aus dem praktischen Alltag
Ein Gespräch zwischen Dr.med. Ursula Davatz, therapeutische Psychiaterin und Dr.med. Joseph Sachs, Forensiker.
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