Die zentrale Rolle des Lernens

Dr.med. Ursula Davatz‘ Ansatz zur Suchtbehandlung stellt das Lernen in den Mittelpunkt. Sie ist davon überzeugt, dass Süchtige nicht einfach nur ihren Konsum einstellen müssen, sondern lernen müssen, mit den zugrundeliegenden Problemen umzugehen, die zum Suchtverhalten führen.

Lernen als Alternative zur Bestrafung:

  • Anstelle von Bestrafung und Verboten, die bei reflexartigen Verhaltensweisen wie Sucht oft wirkungslos bleiben, plädiert Dr. Davatz für einen Lernansatz.
  • Rückfälle werden als Chance zum Lernen betrachtet. Anstatt Scham und Schuldgefühle zu verstärken, sollten Arbeitgeber und Therapeuten den Betroffenen dabei unterstützen, die Ursachen des Rückfalls zu analysieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  • Der Fokus liegt darauf, Verständnis für das Suchtverhalten zu entwickeln, anstatt den Süchtigen zu verurteilen.

Soziale Interaktion als Lernprozess:

  • Dr. Davatz betont die Bedeutung des sozialen Lernens. Durch den Austausch mit anderen und gezielte Fragen von Arbeitgebern und Therapeuten lernen Süchtige, ihre Emotionen zu reflektieren und neue Verhaltensweisen zu entwickeln.
  • Der Arbeitsplatz kann zu einem Lernort werden, indem Arbeitgeber eine offene und unterstützende Atmosphäre schaffen, in der über Suchtverhalten und die zugrundeliegenden Probleme gesprochen werden kann.

Intrinsische Motivation als Lernmotor:

  • Anstatt Süchtige zu bevormunden und ihnen vorzuschreiben, was sie tun sollen, setzt Dr. Davatz auf intrinsische Motivation.
  • Arbeitgeber können den Lernprozess unterstützen, indem sie dem Mitarbeiter helfen, eigene Ziele zu formulieren, die ihm nachhaltige Freude bereiten und eine Alternative zum Suchtmittelkonsum darstellen.

Lernen als kontinuierlicher Prozess:

  • Lernen im Kontext der Sucht ist ein kontinuierlicher Prozess, der Zeit, Geduld und Unterstützung erfordert.
  • Sowohl der Süchtige als auch sein Umfeld lernen im Laufe dieses Prozesses dazu und entwickeln neue Strategien, um mit den Herausforderungen des Lebens ohne Suchtmittel umzugehen.

Zusammenfassend: Das Lernen spielt eine entscheidende Rolle in Dr. Davatz‘ Ansatz zur Suchtbehandlung. Durch Reflexion, soziale Interaktion und intrinsische Motivation lernen Süchtige, mit ihren Emotionen umzugehen, die Ursachen ihres Suchtverhaltens zu verstehen und neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Arbeitgeber können diesen Lernprozess am Arbeitsplatz unterstützen, indem sie eine offene und wertschätzende Atmosphäre schaffen und den Mitarbeiter ermutigen, eigenverantwortlich zu handeln.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch.m4a.pdf

Umgang mit Rückfällen im Suchtkontext

Dr. med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag, dass Rückfälle im Suchtkontext keine Misserfolge, sondern wertvolle Lernchancen sind. Anstatt den Betroffenen zu verurteilen, sollten Rückfälle als Teil des Lernprozesses betrachtet und genutzt werden, um die Auslöser des Suchtverhaltens zu identifizieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Rückfälle als Lernchance:

  • Was ist passiert?: Arbeitgeber und Therapeuten sollten den Betroffenen nach dem Rückfall fragen, was im Vorfeld passiert ist. Welche Situation, Gefühle oder Gedanken haben zum Rückfall geführt?
  • Wie wurde das Suchtmittel eingesetzt?: Für was hat der Betroffene das Suchtmittel gebraucht? Wollte er Stress abbauen oder ein positives Gefühl verstärken?
  • Was wurde gelernt?: Was hat der Betroffene aus dem Rückfall gelernt? Welche Erkenntnisse hat er über sein Suchtverhalten und seine Auslöser gewonnen?

Verständnis und Unterstützung:

  • Scham: Süchtige schämen sich oft für Rückfälle. Arbeitgeber und Therapeuten sollten daher sensibel mit dem Thema umgehen und dem Betroffenen signalisieren, dass er mit seinem Problem nicht allein ist.
  • Verantwortungsübernahme: Der Betroffene ist für sein Suchtverhalten verantwortlich. Arbeitgeber und Therapeuten sollten diese Verantwortung nicht übernehmen, sondern den Betroffenen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden.
  • Lernatmosphäre: Schaffen Sie eine Atmosphäre, in der der Betroffene offen über seinen Rückfall sprechen kann, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Zeigen Sie Verständnis und bieten Sie Unterstützung an.
  • Motivieren Sie den Betroffenen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn er alleine nicht mit dem Suchtverhalten zurechtkommt.

Langfristige Begleitung:

  • Kontinuierlicher Prozess: Die Überwindung von Sucht ist ein langfristiger Prozess mit Höhen und Tiefen. Rückfälle gehören dazu und sollten als Lernchance genutzt werden.
  • Geduld: Arbeitgeber und Therapeuten sollten Geduld haben und den Betroffenen auch nach Rückfällen weiterhin unterstützen.

Zusammenfassend: Rückfälle sind Teil des Genesungsprozesses und bieten die Chance, aus Fehlern zu lernen und neue Strategien zu entwickeln. Ein verständnisvoller und unterstützender Umgang mit Rückfällen ist entscheidend, um den Betroffenen zu helfen, seine Sucht langfristig zu überwinden. Arbeitgeber können durch gezielte Fragen, eine offene Kommunikation und die Förderung von Reflexion den Lernprozess positiv beeinflussen. }

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch.m4a.pdf

Problemlösung: Der Weg aus der Sucht

Dr. med. Ursula Davatz‘ Ausführungen im Interview zeigen, dass Suchtmittel oft als schnelle und einfache Problemlöser eingesetzt werden. Sie ermöglichen es dem emotionalen Gehirn, schnell wieder ins Gleichgewicht zu kommen, indem sie negative Emotionen unterdrücken und ein Gefühl der Euphorie erzeugen. Diese Art der Problemlösung ist jedoch kurzsichtig und kontraproduktiv, da sie den Betroffenen daran hindert, sich mit den eigentlichen Ursachen ihrer Probleme auseinanderzusetzen und langfristige Lösungen zu entwickeln.

Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Problemlösung liegt darin, die zugrundeliegenden emotionalen Probleme zu erkennen und zu bearbeiten. Anstatt zu Suchtmitteln zu greifen, sollten Betroffene lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und auf gesunde Weise auszudrücken. Dies erfordert einen aktiven Lernprozess, in dem neue Bewältigungsstrategien entwickelt und erprobt werden.

Dr. med. Ursula Davatz betont die Bedeutung des sozialen Umfelds in diesem Prozess. Durch offene und wertschätzende Kommunikation mit anderen Menschen können Betroffene ihre Erfahrungen und Emotionen reflektieren, Unterstützung erhalten und neue Verhaltensweisen erlernen.

Im Arbeitskontext können Vorgesetzte und Kollegen eine wichtige Rolle spielen, indem sie Betroffene ermutigen, über ihre Probleme zu sprechen und ihnen Hilfestellung anbieten. Anstatt zu moralisieren oder zu verurteilen, sollten sie offene Fragen stellen, die den Mitarbeiter zum Nachdenken anregen und ihm helfen, seine eigenen Lösungen zu finden.

Beispiele für hilfreiche Fragen:

  • „Was hat dich verletzt, dass du das runterschlucken musstest?“
  • „Was hat dich geärgert?“
  • „Wann konsumierst du meistens – wenn du wütend oder traurig bist, oder beides?“
  • „Was musst du mit deinen Suchtmitteln bewirken?“
  • „In welcher Situation konsumierst du?“

Rückfälle sind Teil des Lernprozesses:

Es ist wichtig zu verstehen, dass Rückfälle zum Prozess der Problemlösung und des sozialen Lernens gehören. Sie sollten nicht als Versagen betrachtet werden, sondern als Gelegenheit, aus den gemachten Erfahrungen zu lernen und die eigenen Bewältigungsstrategien zu verbessern.

Langfristiges Ziel: Entwicklung von neuen Verhaltensmustern:

Das langfristige Ziel der Problemlösung im Kontext der Sucht besteht darin, neue Verhaltensmuster zu entwickeln, die es den Betroffenen ermöglichen, ein erfülltes Leben ohne Suchtmittel zu führen. Dies erfordert Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich den eigenen emotionalen Herausforderungen zu stellen und neue Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.

Die Quellen betonen die Wichtigkeit der Eigenverantwortung und des aktiven Lernens im Prozess der Problemlösung. Letztendlich müssen die Betroffenen selbst die Entscheidung treffen, ihr Suchtverhalten zu ändern und die notwendigen Schritte unternehmen, um ihre Probleme auf gesunde Weise zu lösen.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf