Erziehungsmediation: Ein systemischer Ansatz für das Wohl des Kindes

Erziehungsmediation ist ein systemischer Ansatz, der darauf abzielt, Konflikte zwischen Kindern, Eltern und Schule zu lösen und das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Sie erkennt die komplexe Interaktion zwischen diesen drei Parteien an und versucht, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Beteiligten zusammenarbeiten können, um die bestmöglichen Ergebnisse für das Kind zu erzielen.

Die Notwendigkeit der Erziehungsmediation ergibt sich aus den unterschiedlichen Perspektiven und Prioritäten von Eltern und Lehrern. Eltern konzentrieren sich in erster Linie auf das Wohl ihres Einzelkindes, während Lehrer für die gesamte Klasse und deren intellektuelle und soziale Entwicklung verantwortlich sind. Dies kann zu Konflikten führen, insbesondere wenn ein Kind besondere Bedürfnisse hat, wie z. B. ADHS.

Die Folgen solcher Konflikte können für das Kind verheerend sein. Es kann sich abgelehnt, ausgeschlossen und gemobbt fühlen, was zu Schulverweigerung und psychischen Problemen führen kann. In extremen Fällen, wenn die Konflikte eskalieren und das Kind in der Mitte gefangen ist, kann es sogar zu Kindeswohlgefährdung kommen.

Der systemische Ansatz der Erziehungsmediation geht über die reine Symptombehandlung hinaus und betrachtet das Kind in seinem gesamten sozialen Umfeld. Anstatt das Kind zu isolieren und zu versuchen, es zu „reparieren“, konzentriert sich die Erziehungsmediation darauf, das gesamte System zu verstehen und zu verändern. Dies beinhaltet die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und dem Kind selbst, um Kommunikationswege zu verbessern, Missverständnisse zu klären und gemeinsame Lösungen zu finden.

Die Rolle des Mediators besteht darin, einen neutralen und unterstützenden Raum zu schaffen, in dem alle Parteien ihre Anliegen offen und respektvoll äußern können. Der Mediator hilft den Beteiligten, ihre Perspektiven zu erweitern, die Bedürfnisse des Kindes besser zu verstehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Die Vorteile der Erziehungsmediation liegen auf der Hand: Sie kann dazu beitragen, Konflikte zu entschärfen, die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern zu verbessern, das Wohlbefinden des Kindes zu fördern und den Schulerfolg zu steigern. Darüber hinaus kann sie dazu beitragen, dass Kinder in ihrem natürlichen Umfeld bleiben können und nicht in Sonderschulen oder Internate abgeschoben werden müssen.

Die HOTA ist ein Beispiel für eine Organisation, die Erziehungsmediation anbietet. Sie arbeitet eng mit Familien und Schulen zusammen, um systemische Veränderungen zu bewirken und so das Wohl des Kindes zu sichern.

Die Bedeutung der Prävention wird in den Quellen ebenfalls betont. Frühzeitiges Eingreifen kann dazu beitragen, dass Konflikte gar nicht erst eskalieren und Kinder die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um sich gesund zu entwickeln. Lehrer, Erzieher und Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der frühzeitigen Erkennung von Problemen und der Suche nach professioneller Hilfe.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Erziehungsmediation ein wertvolles Instrument ist, um Konflikte im Bildungssystem zu lösen und das Wohl des Kindes zu schützen. Sie bietet einen systemischen Ansatz, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen Kindern, Eltern und Schule berücksichtigt und darauf abzielt, ein unterstützendes Umfeld für alle Beteiligten zu schaffen.

https://ganglion.ch/pdf/Erziehungsmediation_Kind_Eltern_Schule-lang.pdf

Der Einfluss kindlicher Erfahrungen auf die Identitätsfindung

Die Quellen betonen den tiefgreifenden Einfluss von Kindheitserfahrungen auf die Identitätsfindung. Dr.med. Ursula Davatz unterstreicht, dass eine gesunde Identitätsentwicklung eng mit der kindlichen Erfahrung von Anerkennung und Akzeptanz verknüpft ist. Ein Kind, dem diese fundamentalen Bedürfnisse erfüllt werden, entwickelt ein stabiles Selbstbild und kann sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entfalten.

Umgekehrt führen negative Kindheitserfahrungen, insbesondere ein Mangel an Anerkennung oder übermässige Verwöhnung, zu einer Störung der Identitätsfindung. Kinder, die ständig kritisiert werden oder das Gefühl haben, nie gut genug zu sein, entwickeln ein unsicheres Selbstbild und ein übermässiges Bedürfnis nach Bestätigung. Auf der anderen Seite können überbehütete Kinder nicht lernen, mit Frustrationen umzugehen und entwickeln unrealistische Erwartungen an die Welt.

Diese gestörte Identitätsentwicklung kann sich in einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung manifestieren. Betroffene leiden unter einem fragilen Selbstwertgefühl und versuchen, dieses durch ständige Anerkennung von aussen zu stabilisieren. Sie bleiben in einer kindlichen Anspruchshaltung gefangen und projizieren ihre unerfüllten Bedürfnisse auf ihr Umfeld.

Besonders prägend sind die Erfahrungen in der Familie. Wenn Eltern die individuellen Bedürfnisse und Talente des Kindes nicht respektieren oder unrealistische Erwartungen an es stellen, wird die Identitätsfindung behindert. Ein Beispiel dafür ist die Erwartung, dass das Kind den Beruf der Eltern ergreifen soll, auch wenn es dafür keine Neigung oder Eignung hat.

Die Quellen heben hervor, dass die negativen Folgen einer gestörten Identitätsfindung nicht irreversibel sind. Durch positive Erfahrungen, ein unterstützendes Umfeld und therapeutische Begleitung können Betroffene lernen, ein gesünderes Selbstbild zu entwickeln und ihre Bedürfnisse auf eine konstruktivere Weise zu erfüllen.

https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20Persoenlichkeitsfindung%20Wendepunkt_15.6.2023.pdf

Empfehlungen zur Erziehung von ADHS/ADS-Kindern

Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als Neurotyp, der anders funktioniert als der Normotyp. Sie betont, dass ADHS/ADS-Kinder keinen „falschen“ Weg gehen, sondern einfach anders funktionieren. Dies erfordert einen angepassten Erziehungsstil, der die Bedürfnisse dieser Kinder berücksichtigt und ihre Stärken fördert.

Hier sind die wichtigsten Punkte ihrer Empfehlungen:

  • Wenige, aber klare Regeln: Anstelle von vielen Verboten, die das Kind einengen, sollten wenige, aber dafür konsequente Regeln aufgestellt werden. Dies gibt dem Kind Struktur, ohne es in seiner Bewegungsfreiheit und Kreativität einzuschränken.
  • Etablierte Routine: Ein fester Tagesablauf mit vorhersehbaren Strukturen hilft dem Kind, sich zu orientieren und Sicherheit zu gewinnen. Veränderungen im Tagesablauf sollten gut vorbereitet und erklärt werden, da viele ADHS/ADS-Kinder Schwierigkeiten mit Wechseln haben.
  • Ausreichend Bewegung und Freiraum: ADHS/ADS-Kinder brauchen viel Bewegung und Möglichkeiten, ihren „System Overload“ abzureagieren. Ein zu strenger und einengender Erziehungsstil kann dazu führen, dass die Kinder unterdrückt werden und sich nicht frei entfalten können. Dies erhöht das Risiko für die Entwicklung von psychischen Problemen.
  • Reflektion des eigenen Erziehungsstils: Eltern sollten sich ihres eigenen Erziehungsstils bewusst werden und offen über ihre Unterschiede sprechen. Oft haben Mütter und Väter unterschiedliche Ansätze, was zu Konflikten führen kann. Wichtig ist, dass die Eltern an einem Strang ziehen und dem Kind ein klares und konsistentes Bezugssystem bieten.
  • Konflikte offen ansprechen: Verdeckte Konflikte zwischen den Eltern belasten das Kind und können zu Stress führen. Es ist besser, Konflikte offen anzusprechen und zu klären. Kinder, auch ADHS/ADS-Kinder, spüren Spannungen zwischen den Eltern, auch wenn diese versuchen, sie zu verbergen.
  • Unterschiedliche Erziehungsstile zulassen: Es ist wichtig, sowohl den männlichen als auch den weiblichen Erziehungsstil zuzulassen und zu akzeptieren. Väter und Mütter haben oft unterschiedliche Stärken und Herangehensweisen. Wichtige Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden.
  • Förderung der Sozialkompetenz: ADHS/ADS-Kinder haben oft Schwierigkeiten im sozialen Umgang und geraten leicht in Konflikte. Eltern sollten ihre Kinder im Umgang mit Konflikten unterstützen und ihnen helfen, ihre Sozialkompetenz zu entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz ist überzeugt, dass ADHS/ADS-Kinder, wenn sie richtig erzogen und unterstützt werden, ihre Talente und Stärken voll entfalten können. Eine neurogerechte Erziehung ist der Schlüssel dazu, dass diese Kinder ein erfülltes und glückliches Leben führen können.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Grenzzerfall_29.11.2024.mp4.pdf

 

Die Auswirkungen elterlicher Spannungen auf ADHS/ADS Kinder

Die Quellen betonen die erhöhte Sensibilität von Kindern mit ADHS/ADS gegenüber emotionalen Spannungen innerhalb des Familiensystems. Diese Kinder nehmen die Spannungen, oft nonverbal, verstärkt wahr und reagieren darauf mit Verwirrung, Rückzug oder Überforderung.

Besondere Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit:

ADHS/ADS-Kinder werden als hochsensibel beschrieben und nehmen emotionale Signale stärker wahr als andere Kinder. Sie sind besonders empfänglich für die Spannungen zwischen ihren Eltern, auch wenn diese versuchen, die Konflikte vor dem Kind zu verbergen.

Auswirkungen auf die Entwicklung:

Die ständige Anspannung und der Versuch, die elterlichen Konflikte zu deuten, behindern die Entwicklung des Kindes. Anstatt sich in Ruhe zu entwickeln, ist es ständig damit beschäftigt, die Spannungen zu beobachten und zu versuchen, sich in diesem verwirrenden System zurechtzufinden.

Die Bedeutung eines stabilen und klaren Umfelds:

Für ADHS/ADS-Kinder ist es daher besonders wichtig, in einem stabilen und klaren Umfeld aufzuwachsen. Die Eltern sollten versuchen, ihre Konflikte zu lösen oder zumindest so zu kommunizieren, dass das Kind die Situation verstehen kann.

Konsequenzen elterlicher Konflikte:

  • Verwirrtes Referenzsystem: Die Spannungen zwischen den Eltern führen zu einem verwirrten Referenzsystem für das Kind, das nicht weiss, wem es sich zuwenden soll und wie es sich verhalten soll.
  • System Overload: Die ständige emotionale Belastung kann zu einem „System Overload“ führen, einem Zustand der Überforderung, in dem sich das Kind nur noch abwehren kann und nicht mehr in der Lage ist, die Situation rational zu verarbeiten.
  • Rückzug in die innere Welt: Als Schutzmechanismus ziehen sich ADHS/ADS-Kinder in ihre innere Welt zurück und kommunizieren nur noch mit sich selbst, wenn die Spannungen zu gross werden.

Handlungsempfehlungen für Eltern und Therapeuten:

  • Transparente Kommunikation: Offene und ehrliche Kommunikation zwischen den Eltern, die dem Kind die Situation altersgerecht erklärt, kann die Belastung reduzieren und ihm helfen, die Situation besser zu verstehen.
  • Reduktion von Spannungen: Die Eltern sollten versuchen, die Spannungen im Familiensystem zu reduzieren und ein stabiles und harmonisches Umfeld für das Kind zu schaffen.
  • Stärkung der Vaterrolle: Die Einbeziehung und Stärkung der Vaterrolle kann dem Kind ein zusätzliches, wichtiges männliches Vorbild bieten und die Mutter entlasten.
  • Differenzierung statt Konsens: Anstatt auf eine einheitliche Meinung in allen Erziehungsfragen zu drängen, sollten die Eltern lernen, ihre unterschiedlichen Ansätze zu akzeptieren und zu respektieren.

https://ganglion.ch/pdf/Hochstrittige%20Eltern.m4a.pdf

Einflüsse auf die Erziehung eines Kindes

Die Erziehung eines Kindes wird durch eine Vielzahl von Einflüssen geprägt. Dr. Ursula Davatz beleuchtet in ihrem Vortrag „Die Rolle der Grosseltern in der aufsuchenden Familienarbeit“ die komplexen Dynamiken, die innerhalb eines Familiensystems wirken und die Entwicklung eines Kindes formen.

1. Soziale Vererbung:

  • Dr. Davatz betont die Bedeutung der sozialen Vererbung, die sie als wichtiger erachtet als die genetische Vererbung.
  • Sie beschreibt sie als die Weitergabe von Kultur, Wertvorstellungen, Glaubenssätzen und Verhaltensmustern über Generationen hinweg.
  • Die Wertvorstellungen und Erziehungsstile der Eltern und Grosseltern prägen das Kind massgeblich.
  • Diese Einflüsse können positiv sein, wenn sie Geborgenheit und Sicherheit vermitteln, aber auch negativ, wenn sie zu Konflikten und ungesunden Dynamiken führen.

2. Familiensystem und Ablösung:

  • Jedes Familienmitglied hat einen Einfluss auf die Erziehung des Kindes, insbesondere die Eltern und Grosseltern.
  • Dr. Davatz hebt die Wichtigkeit der Ablösung der Eltern von ihrer eigenen Herkunftsfamilie hervor.
  • Ungelöste Konflikte und Abhängigkeiten können auf das Kind übertragen werden und dessen Entwicklung beeinträchtigen.
  • Die unterschiedlichen Erziehungsstile von Eltern und Grosseltern können zu Konflikten und Verunsicherung beim Kind führen.

3. Einfluss der Grosseltern:

  • Grosseltern spielen eine bedeutende Rolle im Familiensystem und können die Erziehung des Kindes massgeblich beeinflussen.
  • Ihre Wertvorstellungen, Erziehungserfahrungen und Beziehung zu den Eltern prägen das Kind.
  • Sie können eine wertvolle Unterstützung sein, aber auch zu Konflikten führen, wenn ihre Vorstellungen von denen der Eltern abweichen.
  • Dr. Davatz ermutigt dazu, die Grosseltern in die Familienarbeit einzubeziehen, um ihre Perspektive zu verstehen und Konflikte zu lösen.

4. Gesellschaftliche Einflüsse:

  • Neben der Familie prägen auch gesellschaftliche Einflüsse die Erziehung eines Kindes.
  • Dazu gehören kulturelle Normen, Medien, Internet und der Einfluss von Peers.
  • Diese Einflüsse können mit den Wertvorstellungen der Familie kollidieren und zu Konflikten führen.

5. Bedeutung der Kommunikation und des Verstehens:

  • Offene Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist entscheidend, um Konflikte zu lösen und ein positives Umfeld für das Kind zu schaffen.
  • Dr. Davatz plädiert für eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Familienmitgliedern und ihren Erfahrungen.
  • Verständnis für die Familiengeschichte und die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen ist wichtig, um die Dynamik des Familiensystems zu begreifen und angemessene Unterstützung zu bieten.

Zusammenfassung:

Die Erziehung eines Kindes wird von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Einflüsse geprägt. Neben der sozialen Vererbung spielen die Dynamiken innerhalb des Familiensystems, der Einfluss der Grosseltern, gesellschaftliche Normen und die Qualität der Kommunikation eine entscheidende Rolle. Die Berücksichtigung all dieser Faktoren ist wichtig, um ein förderliches Umfeld für die Entwicklung des Kindes zu schaffen.

https://ganglion.ch/pdf/Grosseltern_11.9.2024.m4a.pdf

Die Auswirkungen einer psychotischen Mutter auf ihre Kinder

Die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten Einblicke in die komplexe und herausfordernde Situation von Kindern, die mit einer psychotischen Mutter aufwachsen. Die Auswirkungen einer Psychose auf die Mutter-Kind-Beziehung und die Entwicklung der Kinder sind vielfältig und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Art und Schwere der Psychose, der Verfügbarkeit von Unterstützungssystemen und den individuellen Ressourcen der Mutter und des Kindes.

Gefahren und Herausforderungen:

  • Vernachlässigung und Misshandlung: Eine der größten Sorgen im Zusammenhang mit psychotischen Müttern ist die Gefahr, dass sie ihre Kinder vernachlässigen oder misshandeln könnten. In den Quellen wird ein Fall beschrieben, in dem eine Mutter, die aus der Psychiatrie entlassen wurde, ihre Kinder tötete. Dr. Davatz erklärt, dass solche Mütter ihre Kinder oft nicht aus böser Absicht, sondern aus Verzweiflung und dem Gefühl der Unfähigkeit, sie zu beschützen, töten. Sie wollen ihren Kindern das Leid des Lebens ersparen.
  • Instabile Beziehungen: Psychotische Mütter haben oft Schwierigkeiten, stabile und emotionale Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen. Ihre eigenen emotionalen Probleme und die Symptome der Psychose, wie z.B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen, können die Interaktion mit dem Kind beeinträchtigen und zu Unsicherheit und Angst beim Kind führen.
  • Übertragung der Unruhe: Die Unruhe und emotionale Instabilität der Mutter kann sich auf das Kind übertragen und zu Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensproblemen und psychischen Erkrankungen führen. Kinder von psychotischen Müttern haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychische Erkrankungen zu entwickeln.
  • Stigmatisierung und Isolation: Kinder von psychotischen Müttern können stigmatisiert und isoliert werden. Sie schämen sich möglicherweise für die Krankheit ihrer Mutter und haben Angst, dass sie selbst als „anders“ oder „gestört“ wahrgenommen werden. Dies kann zu sozialen Problemen und Schwierigkeiten in der Schule führen.

Positive Aspekte und Möglichkeiten:

  • Liebevolle Beziehung trotz Psychose: Trotz der Herausforderungen ist es wichtig zu betonen, dass psychotische Mütter ihre Kinder lieben können und oft eine tiefe Bindung zu ihnen haben. Auch während einer psychotischen Episode können Momente der Klarheit und emotionalen Verbundenheit auftreten.
  • Frühzeitige Intervention und Unterstützung: Durch frühzeitige Intervention und Unterstützung kann die Mutter-Kind-Beziehung gestärkt und die negativen Auswirkungen der Psychose auf die Entwicklung des Kindes minimiert werden.
  • Stärkung des Familiensystems: Die Unterstützung des gesamten Familiensystems, einschließlich des Vaters, der Großeltern und anderer Bezugspersonen, ist entscheidend, um die Mutter zu entlasten und dem Kind ein stabiles und sicheres Umfeld zu bieten.
  • Professionelle Hilfe: Psychotherapie, Medikamente und andere Formen der professionellen Hilfe können der Mutter helfen, die Symptome der Psychose zu bewältigen und ihre Rolle als Mutter besser auszufüllen.

Wichtige Punkte für Fachkräfte:

  • Sensibilität und Verständnis: Fachkräfte, die mit psychotischen Müttern und ihren Kindern arbeiten, benötigen ein hohes Maß an Sensibilität und Verständnis für die komplexe Situation. Es ist wichtig, die Mutter nicht zu verurteilen, sondern ihr mit Empathie und Respekt zu begegnen.
  • Fokus auf die Beziehung: Der Fokus der Intervention sollte auf der Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung liegen. Dies kann durch unterstützende Gespräche, praktische Hilfen im Alltag und die Förderung positiver Interaktionen zwischen Mutter und Kind geschehen.
  • Einbezug des Umfelds: Das soziale Umfeld der Mutter, einschließlich des Vaters, der Familie und Freunde, sollte in die Unterstützung einbezogen werden. Die Entlastung der Mutter und die Schaffung eines stabilen und sicheren Umfelds für das Kind sind zentrale Ziele.
  • Frühe Hilfesuche: Es ist wichtig, dass Mütter mit psychischen Problemen frühzeitig professionelle Hilfe suchen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine Genesung und eine positive Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung.

**Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Auswirkungen einer psychotischen Mutter auf ihre Kinder sehr unterschiedlich sein können und von verschiedenen Faktoren abhängen. ** Frühzeitige Intervention, Unterstützung des Familiensystems und professionelle Hilfe sind entscheidend, um die negativen Folgen der Psychose zu minimieren und die Mutter-Kind-Beziehung zu stärken.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Der Einfluss von Erwartungshaltungen auf die Entwicklung von Kindern, die nach langer Zeit oder vielen Versuchen geboren werden

Die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, betonen den starken Einfluss der Erwartungshaltung des Umfelds auf die Entwicklung eines Kindes. Dieser Einfluss ist besonders ausgeprägt, wenn ein Kind nach langer Zeit des Wartens oder nach mehreren erfolglosen Versuchen (z.B. durch künstliche Befruchtung) endlich geboren wird. Solche Kinder werden in den Quellen als „überfokussierte Kinder“ bezeichnet.

Gründe für die Überfokussierung:

  • Lange Wartezeit und emotionale Investition: Die Eltern haben in der Zeit des Wartens und der Versuche viel emotionale Energie investiert und sich ein Idealbild des Kindes aufgebaut.
  • Druck, alle glücklich zu machen: Das Kind spürt den Druck, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen und die Enttäuschung und den Schmerz der Vergangenheit zu kompensieren. Es kann das Gefühl entstehen, dass das Kind die Funktion hat, alle glücklich zu machen.
  • Angst vor erneutem Verlust: Die Eltern könnten unbewusst Angst haben, das Kind wieder zu verlieren, und es deshalb überbehüten und kontrollieren.
  • Perfektionismus und Leistungsdruck: Die Eltern könnten dazu neigen, perfektionistisch zu sein und hohe Erwartungen an die Leistung des Kindes zu stellen.

Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung:

  • Erschwerte emotionale Entwicklung: Der ständige Druck und die hohen Erwartungen können die emotionale Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.
  • Angst und Unsicherheit: Das Kind könnte ängstlich und unsicher werden, weil es die hohen Erwartungen der Eltern nicht erfüllen kann.
  • Entwicklung von Symptomen: In einigen Fällen kann der Druck zu psychosomatischen Symptomen wie z.B. Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder chronischem Husten führen.
  • Probleme in der Pubertät: Die Probleme könnten sich in der Pubertät verstärken, wenn das Kind versucht, sich abzulösen und seine eigene Identität zu entwickeln.
  • Auswirkungen auf die Mutter: Der Druck, eine perfekte Mutter zu sein, kann die Mutter überfordern und zu psychischen Belastungen führen.

Positive Aspekte:

  • Starke Bindung: Die intensive Fokussierung auf das Kind kann auch zu einer starken Bindung zwischen Eltern und Kind führen.
  • Resilienz: Manche Kinder sind resilient genug, um mit dem Druck umzugehen und sich positiv zu entwickeln.

Interventionen:

  • Reflexion der eigenen Erwartungshaltung: Die Eltern sollten sich ihrer eigenen Erwartungshaltung bewusst werden und diese kritisch hinterfragen.
  • Entlastung des Kindes: Die Eltern sollten versuchen, das Kind von dem Druck zu entlasten und ihm genügend Freiraum für seine eigene Entwicklung geben.
  • Stärkung der Mutter: Die Mutter sollte Unterstützung und Entlastung erhalten, um mit dem Druck und den eigenen Ansprüchen umgehen zu können.
  • Einbezug des Vaters: Der Vater sollte aktiv in die Betreuung des Kindes einbezogen werden und die Mutter unterstützen.
  • Professionelle Hilfe: Bei anhaltenden Problemen kann professionelle Hilfe von Familientherapeuten oder Psychologen in Anspruch genommen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erwartungshaltung der Umgebung einen starken Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes hat, das nach langer Zeit oder vielen Versuchen geboren wird. Die Eltern sollten sich ihrer eigenen Erwartungshaltung bewusst sein und versuchen, dem Kind ein möglichst unbeschwertes und liebevolles Umfeld zu bieten.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf

Erziehungsmediation zwischen Kind, Eltern und Schule

«Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein Dorf», so lautet ein Sprichwort aus Afrika. Früher hatten wir Grossfamilien auf dem Land innerhalb derer sich die Kinder relativ frei bewegen konnten. Heute wächst ein Grossteil der Kinder in städtischen Verhältnissen innerhalb von Kleinfamilien mit durchschnittlich ein bis zwei Kindern auf. Zudem gibt es unzählige «professionelle» Sondererziehungsangebote, die alle stark auf die Behebung von Defiziten ausgerichtet sind, sodass die Kinder fast nicht mehr unbeschwert und natürlich aufwachsen und ihre Eignungen und Neigungen ausleben können. HotA bietet eine aufsuchende systemische Familienarbeit an. Sie erfährt mittendirin im Geschehen wo der «Schuh drückt», und Konflikte entstehen, welche die gesunde Entwicklung der Kinder behindern.
Ort: Karusell Baden
Datum: 21.10.2022 Zeit: 19:00

Flyer (PDF)