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Dr.med. Ursula Davatz
28.5.2025
Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir das Thema so gegeben: Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS.

[00:00:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS.

[00:00:14.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es frühkindliches POS.

[00:00:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine allgemeine Bemerkung: psychiatrische Krankheiten sind immer
Funktionsdiagnosen.

[00:00:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie etwas Festes wie eine Leberzirrhose oder ein Herzinfarkt oder so etwas.

[00:00:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Gehirn immer funktionell anschauen und das kann sich alles wieder
ändern.

[00:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine klare Abgrenzung von einer Krankheit zur anderen.

[00:01:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt signifikante Symptomen.

[00:01:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

In meinem Medizinstudium wurde gesagt: der Patient kann Läuse und Flöhe haben.
Das sind unterschiedliche Tiere.

[00:01:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer das gleiche Gehirn.

[00:01:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen eine Vorbemerkung.

[00:01:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn funktioniert immer ganzheitlich und ist auch immer verbunden mit dem Körper.

[00:01:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Gehirn werden auch die Körperorgane dirigiert.

[00:01:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ASS (Autismusspektrumsstörung) ordne ich dem ADHS unter. Ich mache
keine neu Krankheit draus.

[00:02:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch die Hypersensibilität.

[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist lieber hypersensibel, als dass man ein ADHS/ADS hat. Das ist gar nicht
pathologisch.

[00:02:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ein bisschen aufzuzeigen, was für Symptome hervorstechen.

[00:02:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:02:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.

[00:02:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es nur ein vulnerabler, sensibler Neurotyp, der eher auf Stress anfällig ist
und dann Krankheiten entwickelt.

[00:02:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue zuerst psychiatrische Folgekrankheiten an.

[00:02:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich heraus, dass es auch viele körperliche Krankheiten gibt.

[00:02:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Lebensende schaut: es gibt eine Studie aus England und Amerika, wo
sie sagen: Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher.

[00:03:05.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/01/23/health/adhd-life-expectancy.html

[00:03:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS sterben nur sieben Jahre früher.

[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen leiden mehr unter dieser Symptomatik.

[00:03:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einen Grund: Frauen können ihre Symptomatik besser verstecken.

[00:03:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, Frauen können sich besser anpassen.

[00:03:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu reiten als Hengste.

[00:03:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich an. Mädchen strengen sich wahnsinnig an um sich anzupassen.
Dann merkt man gar nichts.

[00:03:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird bei den Mädchen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren
gestellt, oder mit 70 oder 80 Jahren.

[00:03:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über die Abklärungen, die Tageszeitungen, TikTok. Viele merken dann: ich
habe diese Symptome auch.

[00:04:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben dann ein Aha-Erlebnis. Darum bin ich so, darum reagiere ich so. Etc.

[00:04:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen, welche im erwachsenen Altern die ADHS/ADS Diagnose
bekommen, die haben eine oder mehrere zusätzlichen psychiatrischen Diagnosen.

[00:04:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Folgeerkrankungen.

[00:04:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich an erster Stelle mit der Folgekrankheit Schizophrenie. Das ist nur eine
Krankheit.

[00:05:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle ADHS/ADSler werden schizophren.

[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Faktoren dazwischen, damit das geschieht.

[00:05:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist kein Normotyp. Jedes Gehirn funktioniert anders.

[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Triune_Brain

[00:05:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das mit der Hand.

[00:05:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das emotionale Gehirn, die Finger sind das Grosshirn, das Handgelenk
ist das Reptiliengehirn, das primitive Gehirn.

[00:05:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das primitive Gehirn ist schon bei den Reptilien sehr gut ausgebildet.

[00:05:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Reptilienhirn sind vegetative Nervenzentren verankert.

[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Herzrhythmus, unsere Atmung, der Schlaf-Wach-Rhythmus wird gesteuert und
die Motorik.

[00:06:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik, das Kleinhirn, das motorische Kleinhirn, gehört auch zum Reptilienhirn.

[00:06:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler, die haben ein stärkere, reaktives, sensibleres emotionales Gehirn.

[00:06:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System (emotionale Gehirn) überlastet ist, dann sendet es Signale
hoch und runter.

[00:06:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei System Overload gibt es ein Signal in das Grosshirn.

[00:06:44.265] – Dr.med. Ursula Davatz
Das negative Resultat davon ist dann die Schizophrenie. Das Gehirn bricht dann
zusammen.

[00:07:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so gedacht: wenn vom emotionalen Gehirn Signale in das Grosshirn gehen. Dort
werden die Signale auf kognitiver Ebene verarbeitet und als Erinnerung abgelegt, ohne
Emotionen.

[00:07:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nicht möglich, wenn man seine Emotionen im Grosshirn nicht ablegen kann, weil
man nicht darüber sprechen kann, dann gehen die Signale auch an das Stammhirn.
Dann können alle möglichen psychosomatischen Krankheiten auftreten.

[00:07:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell bei den Kindern, die können noch nicht so gut reden, was sie eigentlich
beschäftigt.

[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen, Lehrpersonen, Eltern, sind dazu verpflichtet, das Kind zu
beobachten und herauszufinden, was es beschäftigt.

[00:07:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Probleme haben, haben sie Bauchschmerzen. Sie können nicht sagen,
was es eigentlich ist.

[00:08:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was davor abgelaufen ist, womit sie sich auseinandergesetzt
haben.

[00:08:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule spielt das Lernen und das Aufpassen eine grosse Rolle.

[00:08:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS hat eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulbetrieb wird die breite Aufmerksamkeit zu einer Störung, weil man dort
fokussiert aufpassen muss.

[00:08:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man die Gene der Neandertaler, der Jäger und Sammler Kulturen
untersuchen.

[00:08:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort zeigt sich, dass noch 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:08:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns sagt man, dass noch 5% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:09:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer mehrere Gene.

[00:09:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Genkombination, ein Genom, ein Set von Genen.

[00:09:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt auf anderthalb Knaben ein Mädchen.

[00:09:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anteil der Frauen nimmt zu. ADHS/ADS wird bei Frauen heute auch diagnostiziert.

[00:09:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Neurodiversität. Das ist ein Zustandsbild, wo noch viel neue Informationen
dazu kommen.

[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist: ADHS/ADSler nehmen sofort alles wahr.

[00:09:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in den Raum reinkommen, gucken sie sofort alles an, nehmen alles wahr,
nehmen Emotionen wahr, etc.

[00:10:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann der Schulunterricht sie nicht interessiert, wo der Lehrer oder die
Lehrerin sie auch nicht packen kann, dann schaut sie aus dem Fenster raus, stören den
Nachbar, schmeissen die Kugeln rum.

[00:10:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Klassenclown.

[00:10:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Konkurrenz zum Lehrer. Das mag der Lehrer nicht.

[00:10:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss die Lehrperson irgendwie eingreifen.

[00:10:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind besser im Multitasking.

[00:10:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hausfrau muss man das können.

[00:10:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Schule vor sich hat, hat man immer ein Multitasking.

[00:10:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur muss immer die ganze Klasse im Blickfeld haben und dann schauen, wie
man auf was reagiert und möglichst nicht überreagiert.

[00:11:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensitivität.

[00:11:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist leichter erregbar und macht eine grössere Welle.

[00:11:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist so konstruiert, dass es funktioniert, ein bisschen wie fluide
Medien.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Luft und Wasser, da geht immer eine Bewegung durch.

[00:11:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zur Erde, da wird ganz viel aufgefangen.

[00:11:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Hirn ist so konstruiert.

[00:11:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind gestört wird, Stress ausgesetzt wird, macht es eine grössere
Welle in seinem emotionalen Hirn.

[00:11:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle sehr gross ist, dann gibt es ein System Overload und dann System
Overflow.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo der System Overflow passiert, können Denkstörungen auftreten oder
es geht ins Reptilienhirn und das stört, das rennt herum, das schreit.

[00:12:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen alle Primitiv-Reflexe zum Zug.

[00:12:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden alle vom Kleinhirn gesteuert.

[00:12:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex, Teasing ist Spotten, Necken,
Clown spielen, etc.

[00:12:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing-Verhalten tritt immer dann auf, wenn ein Individuum nicht sich sicher ist, wie die
Situation ist.

[00:13:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten.

[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich der Situation an auf eine witzige Art und findet dann heraus, ob der
andere jetzt das nehmen kann oder nicht.

[00:13:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der andere verrückt wird, zieht man sich wieder zurück oder auch nicht, je
nachdem, wie frei man ist.

[00:13:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist soziales Explorationsverhalten.

[00:13:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sieben Jahre im Basel studiert. Ich bin mit einem Basler verheiratet.

[00:13:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Basler haben im Frühling die Fasnacht.

[00:13:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Fasnacht darf jeder jeden intrigieren.

[00:13:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Volk kann auf den Stadtrat zu gehen und den veräppeln.

[00:13:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Necken. Man darf seine Meinung sagen, den anderen ein wenig herausfordern.

[00:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Verhalten wird von ADHS/ADS Menschen mehr verwendet und bleibt
länger erhalten.

[00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing Verhalten wird in der Pubertät auch von den Tieren sehr viel angewendet.

[00:14:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Jungtier in das Erwachsenenalter kommt, dann wird geneckt.

[00:14:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Verschiedene Tierarten necken sich auch gegenseitig.

[00:14:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ganz wichtiges Verhalten.

[00:14:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben wir Erwachsenen kein Verständnis mehr dafür und werden verrückt.

[00:14:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem aus welcher Familie man kommt, wird es untereinander gemacht.

[00:15:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich.

[00:15:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mit ihrem Fahrrad in das Fahrrad des Mädchens gefahren. Ist das nun
bösartig oder ist das ein Annäherungsversuch.

[00:15:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

[00:15:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann gut sein, dass das Teasing ist.

[00:15:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wollte nicht von dem Annäherungsversuch/Angriff beschützt werden.

[00:15:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir neu interpretieren, wenn solche Dinge geschehen.

[00:15:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale System ist sensitiver, reagiert mehr, nimmt mehr auf, hat dadurch mehr
zu verarbeiten und darum sind die Menschen empfindlicher auf Stress.

[00:16:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist bei ihnen mehr erregbar, es schlägt höhere Wellen. Es schlägt länger
höhere Wellen.

[00:16:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät spricht man von: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät formatiert sich das Gehirn. Es legt grössere Autobahnen an und kappt
viele Nervenendungen.

[00:16:23.981] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst könnte der Mensch nicht durchs Leben gehen. Sonst wäre alles viel zu
kompliziert.

[00:16:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: oh, wenn ich nur nicht so kompliziert wäre, ich wünsche, ich
wäre nicht so sensitiv, dann hätte ich viele Probleme nicht.

[00:16:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt natürlich auch einen Vorteil in Sachen merken, wahrnehmen und
Neues lernen.

[00:16:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine höhere Erregbarkeit.

[00:17:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die höhere Erregbarkeit, die stärkere Reaktion, die bleibt auch länger vorhanden.

[00:17:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis 25 Jahren ist das Gehirn ausgereift.

[00:17:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler braucht es ein wenig länger. Sie bleiben Kindsköpfe und sie bleiben
kreativ.

[00:17:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positive Seite der ADHS/ADSler ist die Kreativität.

[00:17:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Grenzen überschreiten, das ist nicht immer angenehm.

[00:17:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Nein, man muss sich damit auseinandersetzen und seinen Standpunkt sagen.

[00:17:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Gitter machen.

[00:17:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen mit ADHS/ADS-Eigenschaften zu restriktiv, zu eng, an einer zu kurzen
Leine erzogen werden, dann werden sie krank.

[00:17:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es psychiatrische Krankheiten geben und es kann auch somatische
Krankheiten geben.

[00:18:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit bewirkt, dass nur noch der Automatismus funktioniert, das
Reptilienhirn, wo einfach der Reflex, Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[00:18:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn hat dann keine Kontrolle mehr. Das Grosshirn wird dann überrannt.

[00:18:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern wollen ihre Kinder mit Vernunft erziehen.

[00:18:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht man doch nicht, das gehört sich nicht, so kannst du nicht durch dein Leben
gehen.

[00:18:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: er ist noch nicht dort und in dem Zustand hat sowieso keinen Sinn,
etwas zu sagen.

[00:18:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll die ADHS/ADS Kinder nie im High Arousal, im übererregten Zustand erziehen.

[00:18:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

[00:18:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Suppe zuerst abkühlen lassen.

[00:19:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann dürfen wir sagen, dort ist das und das gewesen.

[00:19:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer danach fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich aufgeregt? Was
hast du falsch gefunden?

[00:19:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort vom Geschehen her zum Normverhalten gehen.

[00:19:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss immer ihre Sensitivität abfragt werden und dann: okay, ich verstehe.

[00:19:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nennt man Validieren.

[00:19:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man validiert sie in ihren überschiessenden Gefühlen, dem System Overload.

[00:19:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Person abgeholt hat, validiert hat, kann man sagen: in einem nächsten
Moment, was könntest du anders machen? Wie könnten wir es anders miteinander
lösen?

[00:19:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater und die Psychologen bringen den Erwachsenen alle möglichen Tricks
bei.

[00:19:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Pfefferschoten in den Mund nehmen. Dann brennt es einem so fest, dass
man nicht mehr fluchen kann. Man kann ein Gummizug am Handgelenk zupfen, dann
lenkt man sich ab.

[00:20:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Tricks.

[00:20:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Skills genügen nicht, wenn man nicht auch den Ursprung der Verletzung
anschaut.

[00:20:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss integriert werden, dass Kind oder die Person muss es verarbeiten können.

[00:20:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur unterdrückt, dann gibt es später wieder Folgekrankheiten.

[00:20:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern bleibt das emotionale System stärker vernetzt mit dem
Grosshirn.

[00:20:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten und das macht sie müde.

[00:20:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS-ler, die alles aufnehmen und nicht mit Aggression reagieren,
sondern nach innen aktiv werden.

[00:21:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst wird mit dem ADHS/ADS, kann man nach aussen aggressiv
werden. Das sind meistens die Jungen.

[00:21:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nach innen beginnen zu überlegen, hirnen, es dreht und macht.

[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nach innen reagieren, verarbeiten alle Situationen sehr sorgfältig.

[00:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen einem auch ihre Geschichten sehr sorgfältig, ohne Punkt und Komma,
sodass man verloren geht.

[00:21:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man abklemmen und sagen: davon kann ich jetzt nicht mehr ertragen, ich
möchte nochmals das fragen.

[00:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich wohl fühlen, können sie sehr viel erzählen.

[00:22:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen Frau und Mann tritt heutzutage auch immer mehr auf.

[00:22:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gendermedizin.

[00:22:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat beim Herzinfarkt andere Symptome als die Frau.

[00:22:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch beim ADHS/ADS.

[00:22:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Untertypen.

[00:22:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können sich besser anpassen. Darum zeigen sie eher Empathie ihrem
Umfeld gegenüber und verlieren dann oder vergessen ihre Selbstfürsorge.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS passen sich zuerst dem Mann an, es läuft alles gut, sie passen
sich den Kindern an.

[00:22:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann wissen sie gar nicht, wer sie sind
und haben überhaupt keinen eigenen Fokus.

[00:22:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, was ganz wichtig ist bei den ADHS/ADS Menschen: sie müssen ihren
eigenen Fokus finden.

[00:23:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die zehn Jahre früher sterben, die haben wahrscheinlich nie ihren Fokus
gefunden. Denen hat man auch nie geholfen oder man hat sie nie ihren Fokus finden
lassen.

[00:23:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben doppelt so viele Depressionen im Alter wie die Männer.

[00:23:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Männer, die depressiv werden mit ADHS/ADS.

[00:23:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Diagnose erst mit 30 oder viel später gestellt.

[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer reagieren eher aggressiv. Im Extremfall werden sie delinquent, in der
Schule stören sie, folgen dem Lehrer nicht, rennen umher, bringen die Klasse
durcheinander.

[00:23:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Männer werden leicht zu Konkurrenten der Lehrperson. Sie
übernehmen die Klasse.

[00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man als Lehrperson gar nicht gerne.

[00:24:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher psychosomatische Krankheiten. Das sind häufig
Muskelskelettsystem Sachen.

[00:24:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Rückenschmerzen, überall verspannt, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen,
Erschöpfung, Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach COVID hatte ich viele Frauen mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich so gut an, dass sie sich ausbeuten und am Schluss nichts mehr
haben.

[00:24:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer entwickeln eher das oppositionelle Verhalten, sie folgen nicht, sie sagen: nein.

[00:24:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es bereits wieder eine Diagnose. Das ist aber nichts weiteres als ein nicht
richtig behandeltes ADHS/ADS.

[00:25:00.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommt die Delinquenz.

[00:25:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Männern. Sie sind nicht diagnostiziert.

[00:25:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer und Frauen können eine bipolare Störung entwickeln.

[00:25:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolar heisst manisch-depressiv. Die grosse Welle. Man ist absolut begeistert von
allem, braucht keinen Schlaf. Das ist die manische Phase.

[00:25:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht falsche Handlungen, gibt Geld aus. Am Schluss hat man kein Geld mehr.

[00:25:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht alle Leute verrückt, weil man alle Grenzen überrennt.

[00:26:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich bricht man in einer Depression zusammen.

[00:26:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das bei Männern und Frauen.

[00:26:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung ist ein extremes ADHS/ADS Verhalten.

[00:26:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hyperaktive, Agressive dann die Depression. Ich kann nicht mehr.

[00:26:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln eher Borderline Störungen. Das sind alles ADHS/ADSlerinnen,
welche zu eng erzogen wurden. Sie passen sich immer an. Mit der Pubertät, mit den
Hormonschüben sprengen sie alle Grenzen.

[00:26:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wild.

[00:26:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht mit ihnen umgehen kann, sind sie allein gelassen, dann fühlen
sie sich im Stich gelassen. Sie machen dann viele Handlungen um Aufmerksamkeit zu
erhalten. Eigentlich wollen sie nur begleitet werden.

[00:27:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die von ihren Müttern im Stich gelassen werden, wenn die sie ablehnen, dann
machen sie weiter mit ihrem pubertären Verhalten.

[00:27:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionell Pubertierende.

[00:27:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treiben die Fachwelt zum Wahnsinn.

[00:27:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht erziehen.

[00:27:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Fachpersonen sage ich: Borderline Patientinnen darf man nicht erziehen.

[00:27:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur sein Position beziehen. Man darf sich mit ihnen auseinandersetzen.

[00:27:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht von ihnen manipulieren lassen.

[00:27:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt: wenn ich der Person entgegenkomme, dann kommt sie nachher auch mir
entgegen. Nein, geht nicht.

[00:28:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nimmt alles und kommt überhaupt nicht entgegen.

[00:28:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernt nur in der Auseinandersetzung.

[00:28:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind lange therapeutische Begleitungen.

[00:28:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige in Therapie. Sie sind immer interessant.

[00:28:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen lernt man die Selbstkontrolle.

[00:28:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt nichts, so auszurasten wie die Borderline Patienten.

[00:28:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schizophrenie können beide entwickeln, Knaben mehr als Mädchen.

[00:28:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden die ADHS/ADS Kinder nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht
erzogen, machen sie Fehlentwicklungen.

[00:29:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Fehl-Erziehungen.

[00:29:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als stabile Bezugsperson erziehe ich sie nicht. Ich sage was ich finde.

[00:29:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun, was ich sage, sie dürfen nur das tun, was für sie stimmt.

[00:29:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen ihre intrinsische Motivation herausfinden und ihren Fokus.

[00:29:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe oft den Fokus zu finden.

[00:29:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist wichtig, dass die Erziehungspersonen lernen, mit diesen neurodivergenten
Kindern umzugehen.

[00:30:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von artgerechter Tierhaltung.

[00:30:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu muss auf dem Produkt angegeben werden, falls das Tier bei der Tötung leiden
musste.

[00:30:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mitleid mit den Tieren, welche wir Essen.

[00:30:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nie angeben, wie das Kind gelitten hat unter der Erziehung von seinen
Eltern, von den Nachbarn, den Lehrern.

[00:31:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, die neurodivergenten Kindern besser zu beobachten, spüren was
sein könnten und es heraus finden.

[00:31:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin lerne ich von meinen Patienten.

[00:31:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Meiste lernt man in der Interaktion wo man sieht was geht und was nicht geht.

[00:31:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen kann nicht nur über das Grosshirn laufen, über die Kognition, über den
Intellekt.

[00:31:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang im Schulalltag.

[00:31:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass der Lehrer selber eine klare Haltung hat, dass sie weiss, was sie will.

[00:31:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ambivalent ist, dort gehen sie rein.

[00:31:59.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Teufel, beim Mephisto der Stern, der ein bisschen offenbleibt, dort gehen sie rein.

[00:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas sagen, wenn man selber davon überzeugt ist.

[00:32:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es will.

[00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst, sondern in meinem Klassenzimmer, in meiner Stunde, will ich es
so.

[00:32:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem ADSH/ADS Kind den Befehl geben: du musst, das ist schon ein Übergriff. Die
ertragen das nicht, weil sie so sensibel sind.

[00:32:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat immer gesagt: ich will.

[00:32:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine eigene Position beziehen, die klar vertreten, klar sagen.

[00:32:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen, dass man stärker als das Kind ist.

[00:32:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen warten können.

[00:32:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort und jetzt, sondern ich will.

[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern muss man ein bisschen warten können.

[00:32:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann oft mit Verzögerung.

[00:33:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nur Ja sagen, wenn sie es selber durch ihr Hirn
durchgelassen haben und finden, ja okay, sie hat ja recht.

[00:33:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, machen wir es halt.

[00:33:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort! Das geht nicht.

[00:33:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Geduld haben und ein bisschen warten können.

[00:33:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Müttern sage ich: sagen sie nur Ihre Prinzipen, ihre Erziehungsprinzipen, und sie
werden sehen, in ein paar Jahren hat ihr Kind mehr von dem sich angeeignet, als sie
denken.

[00:33:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich einer jüdischen Mutter gesagt.

[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat das fast nicht geglaubt.

[00:33:34.537] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechs Jahre später sagte die Mutter zu mir: sie hatten Recht.

[00:33:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, an sich zu und seine Prinzipien zu glauben.

[00:33:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn etwas schief gelaufen ist, dann hat es eigentlich keinen Sinn, dann
irgendwas zu sagen.

[00:33:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in high arousal, das Kind ist in high arousal.

[00:33:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, wir lassen es jetzt durchgehen, danach sprechen wir wieder darüber.

[00:34:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine Nachbesprechung machen.

[00:34:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gerade an Ort und Stelle die Korrektur anbringen.

[00:34:08.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind die Regel nicht eingehalten hat, welche man möchte, welche man
deklariert hat, muss man zuerst herausfinden, was ist der Grund, dass das Kind die
Regel nicht eingehalten hat?

[00:34:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden oft irgendwelche Lügen erfunden.

[00:34:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind sagte: ich will im Bergsee nicht baden gehen, ich sage, dass ich mein
Badekleid vergessen habe. Das ist keine gute Idee. Das Badekleid mitnehmen und
sagen: ich will jetzt nicht Schwimmen gehen.

[00:34:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen: was hat dich abgehalten? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Wegen
was hast du es nicht können?

[00:34:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich immer emotional, dass das Kind es ein bisschen erklären muss.

[00:35:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man mit seiner Regel und sagt: aus dem Grund möchte ich es so.

[00:35:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht einhalten können muss validiert werden.

[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd kann man nicht fragen: wieso hast du mir nicht gefolgt? Bei den kleinen
Kindern muss man sich auch selber fragen.

[00:35:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie grösser werden, kann man sie schon fragen.

[00:35:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch nichts sagen kann, kann man fragen: ist das oder das? Hattest du
Streit mit einer Freundin? Habe ich zu laut geredet?

[00:35:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein albanischer Junge ist immer aus dem Kindergarten geflüchtet. Wenn man gefragt
hat, war die Antwort: die Lehrerin hat zu laut gesprochen. Die Lehrerin war Deutsch und
hat zackig geredet. Am Schluss wurde er von der Polizei in die Schule gebracht. Das ist
keine gute Sache. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.

[00:36:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln werden bösartig übertreten um auszuprobieren. Wo sind die Grenzen?

[00:36:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel werden die Regeln übertreten, weil man es nicht besser kann.

[00:36:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine Emotionen nicht im Griff, die übersprudeln einfach und dann kommen
eben die vier Stressreflexe.

[00:36:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man emotional überlastet ist, also System Overflow im emotionalen
Hirn, da kann die Vernunft nicht mehr steuern und darum müssen beide runterfahren,
erst dann kann man wieder vernünftig miteinander reden.

[00:36:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Regeln durchsetzen wollen, müssen sie selber immer in einem ruhigeren
Zustand sein.

[00:36:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mindestens ruhiger sein als das Kind.

[00:36:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auch nur Menschen, sie sind keine Roboter, sie dürfen von mir aus auch ein
bisschen Emotionen haben, aber sie sollten ruhiger sein als Kind.

[00:37:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ganz starke Emotionen haben und die nicht beherrschen können, dann sage
ich immer, dass sie an die Decke schiessen dürfen, nicht auf das Kind.

[00:37:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so verrückt. Ich könnte aus der Haut fahren und ich könnte jetzt von mir aus
alles zusammen treten.

[00:37:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind losgehen.

[00:37:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Emotionen zeigen, aber so in die Luft schiessen.

[00:37:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Hochzeit wird auch in die Luft geschossen. Manchmal passiert ein Unglück.

[00:37:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie das Kind zerstören.

[00:37:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung über Bestrafung funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:39:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Flugzeug muss man auch zuerst die Maske selber anziehen und dann dem Kind die
Mask anziehen.

[00:39:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geiselnahme muss man zuerst sich selber beruhigen, bevor man irgendeinen
Eingriff macht.

[00:39:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden auch viele Fehler gemacht. Dann wird es gefährlich.

[00:39:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
War es früher einfacher?

[00:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde eher ein autoritärer Erziehungsstil praktiziert. Alle mussten sich dem
unterordnen.

[00:40:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Klassen sind schwieriger zur führen als grosse Klassen. Es gibt lauter
individuelle Unterschiede. Die Gruppe hilft nicht, das Kollektiv zusammen zu halten.

[00:40:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wollen wir eher individualisierten Unterricht, dann haben wir kleinere Gruppen
und wir probieren, jedem Kind gerecht zu werden. Das kann sehr schwierig sein.

[00:40:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben einen Burnout und mögen nicht mehr.

[00:40:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird politisch riesig diskutiert: ist der Inklusivunterricht gut? Ist der gescheitert?

[00:40:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Parteien diskutieren zusammen.

[00:40:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Politiker diskutieren miteinander, was gut ist für die Kinder, ohne dass sie eigentlich
etwas von der Sache verstehen.

[00:41:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz ehrlich bin, sage ich: wer geht in die Schulpflege, wer wird Schulpflege
Präsident? Das sind häufig Leute, die eine politische Karriere hoch gehen wollen. Den
meisten geht es nicht um die Kinder.

[00:41:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so schade. Das ist unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir
müssen sorgfältig mit unseren Kindern umgehen.

[00:41:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind eigenwillig.

[00:41:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ADHS/ADS Kinder in der Schulklasse mit seinem Verhalten nicht zum
Einlenken bringt, dann muss man sie eher rausnehmen.

[00:42:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Schulinseln. Eine Abwechslung kann gut tun.

[00:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, das Kind vor der ganzen Klasse in die Knie zu zwingen.

[00:42:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe einige Opfer, wo das gemacht wurde. Die werden in der Zukunft immer die
Schule verweigern. Das ist gar nicht gut. Einer konnte nicht gut lesen.

[00:42:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt mit ADHS/ADS eine Dyslexie, Dyskalkulie. Das wird häufig zusammen
vererbt.

[00:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind vor der Klasse zwingen will, weil man nicht blöd dastehen will von
der Klasse, gewinnt meistens das Kind.

[00:43:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann die anderen Schüler besser hinter sich bringen und dann verliert der
Lehrer oder die Lehrerin ihr das Gesicht.

[00:43:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht geht, lieber aufhören und irgendwas ganz anderes machen.

[00:43:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man zu Beschämungsmethoden über, darf man die nur anwenden wenn es um
Leben und Tod geht. Wenn ein Eskimo Kind im Frühling auf das langsam brüchige Eis
geht, wird es vor der ganzen Gruppe beschämt.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Da wollen wir Aversionsverhalten. Man möchte, dass das Kind dies nie
mehr tut.

[00:44:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind für seine Lesestörung beschämt von der Klasse oder für seine
Clown Unterhaltung, dann tut man sein Selbstwertgefühl mindern. Die ganze
Persönlichkeitsentwicklung wird beeinträchtigt.

[00:44:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Probleme unter den Kindern, kann man keines bestrafen und das andere
bekommt keine Strafe. Nicht mit Täter und Opfer Kette vorgehen. Es gibt keinen
Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es immer eine lange Kausalkette.

[00:44:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen: was ist das Problem zwischen den zwei Kindern und wie
können wir das Problem lösen?

[00:45:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn wir das ADHS/ADS Kind mit in die Problemlösung einbeziehen. Dann
kommt wieder die intrinsische Motivation, die Eigenbeteiligung.

[00:45:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern sind von ihrem Wesen her sehr empathisch und hilfsbereit. Sie
wollen helfen. Man kann sie immer in die Problemlösung mit einbeziehen.

[00:45:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können weniger gut Regeln einhalten. Rechtschreiben lernen ist
Regeln lernen. Sie sind schlechter im Regeln lernen. In den Neuropsychologischen
Tests kann man das sehen.

[00:45:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Arbeitsgedächtnis, das Speichergedächtnis spielt eine Rolle.

[00:46:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn es ADHS/ADS Kinder in der Schule hat, dass man vor der ganzen
Klasse seine Regeln am Anfang sagt und nicht erst dann wenn die Regeln übertreten
werden.

[00:46:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald die Regeln übertreten werden, ist man schon zu spät. Dann ist man hinter der
Bewegung.

[00:46:28.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lohnt es sich, ein wenig autoritär aufzutreten: ich möchte es in meinem Unterricht
so und so.

[00:46:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur fünf Regeln als zwanzig Regeln.

[00:46:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles aufschreibt und an die Wand hängt und erwartet das Kind wird das
alles machen, das geht nicht.

[00:46:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen alle persönlich gesagt werden, persönlich durchgesetzt werden.

[00:46:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen so wie beim Geld, die müssen mit Golddeckung hinterlegt sein,
also mit ihrer emotionalen Haltung hinterlegt sein.

[00:47:05.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Regel selber durchsetzt. Hier kommt wieder das "ich will"
von Jesper Juul.

[00:47:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das in meiner Stunde so.

[00:47:18.773] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regel ganz persönlich vertreten.

[00:47:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem Kind, welches eine Dyskalkulie hat.

[00:47:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt grosse Diskussionen. Wer bezahlt nun? Die IV? Die Schule?

[00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind intelligent, hat aber auf einem Gebiet einen Schwäche, dann wird sein
Selbstwertgefühl laufend beeinträchtigt. Das müsste nicht sein.

[00:48:25.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird und es kommt dann in
Pubertät und dann wird nochmal alles schlimmer.

[00:48:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir viele psychiatrische Fälle.

[00:48:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderpsychiatrie, die Jugendpsychiatrie ist übervoll.

[00:48:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle müssen Abklärungen machen. Man muss zum Teil bis zu zwei Jahren warten.

[00:48:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber schon in der Schule schauen, dass das Kind in dieser Hinsicht Unterstützung
bekommt, damit es kein schlechtes Selbstwertgefühl haben muss.

[00:49:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: das Frühfranzösisch muss man wieder abschaffen. Das ist eine falsche
Idee gewesen.

[00:49:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man es abschaffen muss.

[00:49:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Lehrerin.

[00:49:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele meiner Kinder mit ADHS/ADS haben das Französisch abgewählt.

[00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat viele Regeln. Man kann viele Fehler machen.

[00:49:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben da ganz speziell Probleme damit, auch wenn sie nicht
unbedingt eine Dyslexie haben.

[00:49:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Schulkollegin, die unterrichtet Französisch.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch ist eine melodiöse Sprache. Diese Kinder müssen das Französisch über
das Reden lernen, über die Melodie.

[00:50:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in den Fluss reinkommen von der französischen Melodie. Dann haben sie
mehr Freude daran. Zuerst französische Lieder singen.

[00:50:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man: Zweisprachigkeit ist natürlich ein Vorteil für Kinder,
dreisprachig noch besser.

[00:50:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht speziell begabt ist in der Sprache, dann ist es eher ein Nachteil.

[00:50:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es besser, wenn man weniger Fremdsprachen gleichzeitig lernt.

[00:50:40.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, dass für ADHS/ADS Kinder das Lernen von zwei oder mehr
Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch eine
Überforderung sein kann.

[00:51:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen dürfen mehr Freiheit walten lassen.

[00:51:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle fest, dass die Lehrpersonen ihre Freiräume nicht ausnützen.

[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so stark der Bürokratie folgen, mehr der Situation folgen. Das Resultat zählt. Es
zählt nicht, ob wir jetzt alles brav gemacht haben, wie uns vorgeschrieben worden ist.

[00:51:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dem Papiertiger folgen, sondern der Realität und ein gutes Resultat mit den
Kindern erreichen.

[00:51:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lehrerin wurde kritisiert, dass sie zu viel Wohlfühl Stimmung macht. Sie hatte
auch ein paar Krisen. Alle Eltern waren sehr zufrieden mit ihr. Die schwierigen Schüler
hat sie mir mit besprochen.

[00:52:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind zählt mehr als der Paragraf.

[00:52:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich den Freiraum zu nutzen. Schlussendlich kommt es auf das Kind an
und nicht auf unsere Vorschriften.

[00:52:39.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss für das Kind da sein und nicht das Kind für die Schule.

[00:52:57.640] – Bemerkung 1
Als Lehrperson sind wir im Spagat wie man das machen soll im Schulsetting und wie ist
das später in der Welt?

[00:53:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: das ist anders. Das ist bei uns anders.

[00:53:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Ausländerkinder.

[00:53:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Klassen mit 90% Ausländerkinder und 10% Schweizer Kinder. Die Schweizer
haben ihre Kinder rausgenommen. Die Eltern haben angefangen Albanisch-
Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie haben den Tonfall der Albaner angenommen.

[00:54:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen klar sagen: bei mir im Klassenzimmer wird so umgegangen, wird so geredet.
Auf der Gasse sprichst du vielleicht anders. Hier möchte ich es so.

[00:54:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir es alle richtig machen. Es geht darum, dass wir die
Unterschiede anerkennen.

[00:54:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir läuft es so, bei dir zu Hause läuft es vielleicht ein bisschen anders.

[00:54:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann auch das Umgekehrte, dass Mütter von Akademiker Kindern sagen: da ist
eine brutale Sprache.

[00:54:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ist zum Teil da. Die Sprache ist mehr brutalisiert worden, was nicht heisst, dass
sie als Lehrerin so reden müssen.

[00:54:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht redet man ein bisschen burschikoser.

[00:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Unterschied aufzeigen.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl lernen: in der Schule läuft es so und zu Hause läuft es so.

[00:54:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die gleichen Regeln überall hat.

[00:54:52.870] – Bemerkung 2
Bei uns herrscht ein sehr geschützter Rahmen. Wie soll man mit den Kindern reden?
Aber die Welt funktioniert nicht so.

[00:55:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind lernt nicht besser laufen, wenn man es schon mit zwei Monaten auf die
Beine stellt.

[00:55:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf den geschützten Rahmen haben.

[00:55:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind kann man auch sagen: bei uns gibt es einen geschützten Rahmen. Ich kann
dich im geschützten Rahmen nicht vorbereiten auf die böse Welt.

[00:55:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind bei ihnen einen guten, geschützten Rahmen hat, dann nimmt das Kind
mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstsicherheit mit, in der Welt zu bestehen.

[00:55:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht die Mutter.

[00:55:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das Kind überall beschützt, dann ist es nicht tauglich für die Welt.

[00:56:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: ich will einen gepflegten Rahmen, damit du stark wirst.

[00:56:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Darauf kann man Bezug nehmen.

[00:56:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen läuft es nicht immer so einfach.

[00:56:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehre läuft es ein bisschen anders.

[00:56:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum bleiben viele Kinder in der Schule. Dort haben sie immer noch den geschützten
Rahmen.

[00:56:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 20 Jahren gehen sie dann in die böse Welt hinaus.

[00:56:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrperson dürfen ihren gepflegten Rahmen behalten. Sie sollen das auch.

[00:56:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind nicht besser auf die Welt vor, wenn sie schon die Rauheit
verkörpern.

[00:56:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen groben Lateinlehrer, der sehr mit dem Herz dabei war. Die Schüler haben
den Lehrer bewertet. Der Lehrer hat ein Kind mit dem Fuss getreten. Das haben alle
gesehen. Der war sonst so engagiert, die haben den Lehrer sehr gut bewertet.

[00:57:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht auf die einzelne Handlung darauf an.

[00:57:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Grundhaltung, welche man zum Kind hat.

[00:57:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind nicht auf die schreckliche Welt vorbereiten.

[00:57:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind besser vor, wenn sie sozial, menschlich gepflegt, wohlwollend,
zusammenarbeitend vorgehen.

[00:57:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegen sie die sozialen Regeln.

[00:58:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht der intelligenteste hat immer Recht.

[00:58:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr auf das soziale Benehmen an. Das ist wichtiger. Damit kommt man
weiter.

[00:58:11.320] – Bemerkung 3
Erziehung mit Bestrafung funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht. Wie funktioniert
Belohnung bei einem ADHS/ADS Kind?

[00:58:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell sage ich, weder Belohnung noch Bestrafung.

[00:58:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist eigentlich, wenn sie eine gute Beziehung haben zum Kind und wenn
sie Freude haben.

[00:58:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Franken für eine gute Note finde ich keine gute Idee.

[00:58:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen eigentlich von sich aus gern.

[00:59:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll etwas Natürliches sein. Das muss nicht mit Geld oder mit Süssigkeit berappt
werden.

[00:59:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht für die Smilies Strategie.

[00:59:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn die Lehrerin Freude hat, dass es gut gemacht wurde und sagt: da
hast du dich super verbessert und wir können noch an dem arbeiten.

[00:59:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist die Beziehung.

[00:59:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, sie dürfen es nicht verwenden. Sie sind frei.

[00:59:56.500] – Bemerkung 4
Wie soll man mit der Mathematik umgehen?

[01:00:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Lerntherapeutinnen, Legasthenietherapeutinnen.

[01:00:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Lerntherapeuten für die Mathematik.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule in Zürich, ist das offensichtlich noch nicht so bekannt.

[01:00:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wehrt sich gegen die Lerntheraphie.

[01:00:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind zu einem Lerntherapeuten schicken, zu einer Aufgabenhilfe.

[01:00:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau haben wir Aufgabenhilfe, wo man nach der Schule noch lernen kann.

[01:00:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Student nehmen.

[01:00:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich besser, wenn es ein Lerntherapeut ist, weil der besser weiss, wo es
knackt.

[01:00:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen extra Coaches.

[01:00:58.070] – Bemerkung 5
Kann man die auch einfach im 1:1 begleiten? Wir können das auch selber anbieten.

[01:01:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[01:01:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn das Kind nicht allzu viele Bezugspersonen hat.

[01:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse das Kind vorführen, das geht nicht.

[01:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei Freddy Knie etwas mit den Pferden nicht geht, dann lässt er es sein und
versucht es ein anderes Mal wieder.

[01:02:06.380] – Bemerkung 6
Ganz individuell.

[01:02:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind mit seinem Nichtkönnen nicht der Klasse vorführen. Das ist eine riesige
Beschämung und dann rechnet man nie mehr.

[01:02:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.

[01:02:28.890] – Bemerkung 7
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie die Beschämung meistens schon erlebt.

[01:02:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man nicht wiederholen.

[01:02:38.130] – Bemerkung 8
Wie kann man den Frust knacken? Wir haben viele, die Mathematik nicht mögen.

[01:02:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind nicht so gut in der Mathe, wird gesagt. Ein Mathelehrer sagte mir, dass
alle gleich sind. Es liegt am Lehrer.

[01:02:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mathe muss man jeden Schritt mitmachen. Wenn man einen Schritt verpasst,
fällt man raus.

[01:03:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache kann man immer wieder reinkommen. Bei der Mathematik nicht.

[01:03:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nicht aufpasst, verpasst es einen Schritt, dann verpasst es
den Anschluss.

[01:03:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einzelbegleitung lohnt sich. Die Schritte einzeln durch gehen lohnt sich.

[01:03:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind etwas nicht gut kann, weicht man aus und lässt das weg.

[01:03:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Demostenes hatte einen Sprachfehler. Er hat Kieselsteine in den Mund genommen.
Damit hat er gegen das Meer geredet.

[01:03:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du etwas lernst, das du nicht so gut kannst, bist du danach doppelt stolz, wenn
du es kannst. Den Ehrgeiz kann man motivieren.

[01:04:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es doch kann, hat man Freude.

[01:04:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden war ein Stotterer. In den Sommerferien hat er geübt fliessend zu reden.

[01:04:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das Kind dazu motiviert, weisst du, es ist an sich eine grössere Leistung,
wenn du das jetzt mit mir zusammen übst, wo du ein bisschen mehr Mühe damit hast.

[01:04:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es kannst, dann hast du doppelte Freude.

[01:04:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Freude am Lernprozess.

[01:05:01.050] – Bemerkung 9
Von welchem Fokus sprechen sie?

[01:05:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe viel mit Erwachsenen um. Der Berufsfokus, was interessiert mich.

[01:05:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern: was interessiert das Kind?

[01:05:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern sagen oft: wenn das Kind nicht gut in der Schule ist, darf es nicht in den Fussball
gehen, wo es gerne geht.

[01:05:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterhin in den Fussball gehen.

[01:05:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind das wegnimmt, was es gerne tut, macht es das andere noch
weniger.

[01:05:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was das Kind gerne macht, sondern das behalten.

[01:05:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivierend: hier können wir noch zusammen üben. Du hast Freude, wenn du es dann
kannst.

[01:06:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ein Hobby haben: Klavier spielen, Geige spielen, Sport, Fussball, die
halten sich dann immer an dem, was sie gerne machen und das ihnen ein gutes
Selbstwertgefühl.

[01:06:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können Profifussballer werden. Nicht alle werden grosse Geigenspieler.

[01:06:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas finden, was das Kind gerne macht.

[01:06:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig machen die Eltern zuviel mit den Kindern.

[01:06:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger tun, dafür das intensiver.

[01:06:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, dass Kinder keine Freizeit mehr haben zum spielen.

[01:06:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder selber nicht mehr beschäftigen können, sind sie nur noch am
Handy.

[01:06:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer die intrinsische Motivation beim Kind finden.

[01:07:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es noch keinen fixen Fokus, sondern die intrinsische Motivation.

[01:07:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander, nicht einfach: wir machen jetzt das.

[01:07:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gruppenunterricht wird das und das gemacht.

[01:07:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Individualunterricht, in der Lerntherapie, du willst oder du solltest besser das lernen.
Wie machen wir das, dass das spassig ist?

[01:07:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Spass hat am Lernen, dann lernt man auch besser.

[01:07:46.440] – Bemerkung 10
Wir haben einige Borderline Mütter. Dort stehen wir an in der Zusammenarbeit mit
ihnen. Man kommt in der Auseinandersetzung nicht weiter. Sie sind wie resistent.

[01:07:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet. Wenn ich eine Borderline-Patientin habe,
dann frage ich immer: wie war ihre Jugend?

[01:08:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mich getrauen, als Fachperson zu fragen: wie haben sie die Schule erlebt
und wie sind sie erzogen worden?

[01:08:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dort alle ein Defizit.

[01:08:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sagen: es geht mich nichts an. Doch es geht einem etwas an. Man will
etwas für das Kind.

[01:08:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter fragen: wie hat ihre Mutter ihnen geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten
in der Schule?

[01:08:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer nach der Beziehung zwischen Mutter und Grossmutter fragen.

[01:08:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung anschauen und sagen: aha, dann verstehe ich.

[01:09:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten sind Menschen, denen alles ein bisschen misslungen ist. Sie
bekommen nicht viel Akzeptanz. Sie machen immer alles falsch.

[01:09:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher wollen sie, dass ihre Kinder es ganz speziell gut machen.

[01:09:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann oft überengagierte Mütter oder vernachlässigende.

[01:09:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wechselt es hin und her. Überengagiert, vernachlässigend, überengagiert.

[01:09:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ein bisschen entlasten von dem Überengagierten und ein bisschen
Verständnis haben, wie sie zu kurz gekommen sind.

[01:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: haben sie jetzt eine Freundin oder eine Tante oder
irgendjemand, der ihnen ein bisschen den Rücken deckt? Man muss ihnen dann ein
bisschen helfen.

[01:09:51.440] – Bemerkung 11
Haben sie erlebt, dass die Veränderungen machen konnten?

[01:09:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!

[01:10:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Frau hat ihre Kinder weg gegeben. Die waren in einer Pflegefamilie. Wir
haben die Kinder zurück geholt. Beide Kinder Kinder haben eine Lehre gemacht.

[01:10:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das merken, wenn sie merken: nicht auf die Mutter los gehen, der Mutter ein
bisschen Unterstützung geben, dann haben sie schon sehr viel gemacht.

[01:10:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.

[01:10:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention der ersten Stunde.

[01:10:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Borderline Mütter sind, versuche ich immer auf die Grossmutter Bezug zu
nehmen und dort ein wenig zu helfen, das ein wenig zu flicken.

[01:10:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die vorgehen, sondern ein Schritt zurück gehen und fragen: wie haben sie
es gehabt.

[01:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde frage ich immer: was sind die Erziehungsmethoden von ihrer
Mutter, von ihrem Vater gewesen?

[01:11:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Was für Wertvorstellungen haben sie gehabt? Was ist ihnen wichtig gewesen? Auf was
haben sie geschaut?

[01:11:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich schon ein besseres Verständnis.

[01:11:18.490] – Bemerkung 12
Verhalten aufzuzeigen, das bringt nicht sehr viel?

[01:11:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Indirekt, in dem sie über die Grosseltern fragen vom Kind, kommen sie besser an die
Person ran. Dann haben sie eine beruhigende Wirkung dort.

[01:11:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten aufzeigt, was sie schlecht machen, das erinnert mich fast so
ein bisschen an, früher, wenn Hunde reingemacht haben, hat man ihnen die Nase in
ihren Urin gedrückt.

[01:11:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war gang und gäbe. Heute sagt man: ganz falsch.

[01:11:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst etwas falsch! Auf das sind sie sehr allergisch.

[01:12:09.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich habe herausgefunden, dass wenn ich so und so mit dem Kind
umgehe, geht es besser. Haben sie das auch schon beobachtet?

[01:12:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich immer: Ich schaue schon, das ist mein Zimmer.

[01:12:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen die Eltern, wie ich mit dem Kind umgehe.

[01:12:25.270] – Bemerkung 13
Man kann sie so ein bisschen ranholen.

[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal mit dem Kind in einer Stunde drinnen sein? Dann sehen sie, wie es läuft.

[01:13:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern. Nicht sagen: du machst es falsch, du musst es
besser machen. Dann wird man sofort zur Konkurrentin der Mutter. Das ist nicht gut.

[01:13:10.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf alles, wenn es einem hilft.

[01:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt eine grosse Rolle, wie man selber erzogen wurde, wie man dann mit seinen
Kindern umgeht. Das wird weiter gegeben. Das können sie durchbrechen.

[01:13:45.340] – Bemerkung 14
Ab welchem Alter macht das Coaching Sinn und macht es auch Sinn, als Eltern von
einem Kind mit ADHS/ADS das Coaching zu machen?

[01:14:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man die Eltern Coachen. Nur die Eltern Coachen. Die Eltern sind am
meisten um das Kind herum.

[01:14:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer können sich Coaching holen: wie gehe ich mit dem ADHS/ADS Kind um?

[01:14:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird von den Eltern und vom Lehrer erzogen. Die müssen das Coaching
machen. Das Kind braucht keinen extra Coach.

[01:14:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch gar nicht für die Therapie vom Kind.

[01:14:45.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze nur das Umfeld.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal bringen die Eltern das Kind mit. Ich sehe die Interaktion.

[01:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Kindertherapeutin.

[01:14:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Kind nie alleine therapieren.

[01:15:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal lasse ich die Eltern das Kind mitbringen, dann frage ich das Kind aus, habe
noch einen besseren Überblick.

[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht das Kind beraten.

[01:15:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen Bezugspersonen soll man beraten, coachen, damit sie lernen, mit
dem neurodivergenten Kind geschickter umzugehen.

[01:15:20.080] – Bemerkung 15

Wie sieht das bei den Teenagern in der Pubertät aus?

[01:15:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch.

[01:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet.

[01:15:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Eltern reingeholt.

[01:15:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in der Teenager-Phase ist es ganz wichtig, dass die Eltern lernen, mit den
Teenagern umzugehen.

[01:15:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten beginnen im Teenageralter.

[01:15:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort läuft es schief.

[01:15:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht das Kind korrigieren. Ich muss das Umfeld korrigieren, damit das
Umfeld mit den neurodivergenten Teenagern umgehen kann.

[01:16:00.730] – Bemerkung 16
Wie ist es mit der Medikation, Methylphenidat? Das ist auch eine Therapieform.

[01:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Methylphenidat und alle die ähnlichen Medikamente sind Stimulanzien. Die bewirken im
Gehirn, dass man mehr gestresst ist. Wenn man mehr gestresst ist, fokussiert man sich
mehr. Das hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren.

[01:16:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson sagt: du musst das Medikament nehmen.

[01:16:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: nein, das will ich nicht.

[01:16:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen bestimmen, ob das Kind Medikamente nehmen muss oder nicht.

[01:16:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch.

[01:16:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe nicht nur als Erstes.

[01:16:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem erwachsenen Pärchen nehmen es beide. Das ist für die wie Tag und Nacht,
die haben Freude. Dem Kind wollen sie es noch nicht geben.

[01:16:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind schon sehr früh Ritalin gibt, dann werden all diese kreativen
Fähigkeiten verdrückt.

[01:17:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind all diese Reaktionen ein Feedback: es läuft etwas nicht ganz richtig.

[01:17:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter von dem Kind, die macht jetzt Homeschooling und geht raus in den Wald.

[01:17:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kontrolle kam nach Hause. Das Kind hat einen Vortrag vorbereitet, er hat das
perfekt gemacht und die waren total beeindruckt. Das Kind war nachher kaputt.

[01:17:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder konzentrieren müssen, kostet sie das mehr Energie als
bei einem Normotyp.

[01:17:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen immer alle ihre Schafe sammeln, damit die an das richtige Ort gehen.

[01:18:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Medikamenten kann es gut sein, dass die Note um einen Punkt hoch geht.

[01:18:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man in der Schule lernt, ist nicht alles.

[01:18:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen ist auch wichtig, das Kreative ist auch wichtig.

[01:18:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Abwägen.

[01:18:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keinen Eltern oder keinem Kind Methylphenidat.

[01:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht als erstes: das ist die Lösung.

[01:18:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer das Umfeld dazu zu bringen, dass es lernt, mit dem Kind
umzugehen.

[01:18:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Noten noch nicht so wichtig sind und wenn es dem Kind egal ist, wenn es nur
einen Vierer hat, ist es okay.

[01:18:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ja durch.

[01:18:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ehrgeizigen Eltern nachrennen.

[01:19:03.090] – Bemerkung 17
Bei uns geht es um den sozialen Stress. Dort hat es einen Erleichterung gegeben.

[01:19:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das soziale Setting?

[01:19:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen, waren die Kinder früher auf der Weide.

[01:19:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Reiche Familien haben sie auch auf Weide getan.

[01:19:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles durchgetaktet. Die Kinder haben weniger Zeit um einfach zu spielen,
nichts zu machen.

[01:19:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Die heutigen Kindern sind zu stark eingeengt.

[01:19:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder Waldschule, Erlebnispädagogik, etc. Dort kommt es wieder
rein.

[01:19:57.090] – Bemerkung 18
Unsere Kinder sind eher im Vakuum. Die Eltern haben kein Freizeitverhalten.

[01:20:18.220] – Bemerkung 18
Die Geschichte unserer Kinder hat sich über die Jahr verstärkt.

[01:20:24.390] – Bemerkung 18
Wir haben das Know-How nicht, um die ganzen familientherapeutischen Sachen zu
machen.

[01:20:44.700] – Bemerkung 18
Das ist ein Dilemma.

[01:20:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von wohlhabenden Eltern haben in den Sommerferien unterschiedliche
Aktivitäten.

[01:20:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisieren die Schulen nichts?

[01:21:18.980] – Bemerkung 19
Es geht um die Finanzierung.

[01:21:19.100] – Bemerkung 19
Für gewisse Mädchen ist es schwierig irgendwohin zu gehen.

[01:21:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann eine Auszeit organisieren im Val Müstair. Das ist eine andere Gegend. Eine
Auszeit bei Bauern, eine andere Aufgabe. Das ist ein Sozialprogramm.

[01:22:08.890] – Bemerkung 20
Das ist eine gute Idee.

[01:22:09.080] – Bemerkung 21
Es beginnt im Alltag. Sie kommen Abends nach Hause und versumpfen an ihrem
Smartphone. Das Freizeitsverhalten ist gleich null. Die sozialen Beziehungen fehlen
auch.

[01:22:09.290] – Bemerkung 21
Das mit der intrinsischen Motivation ist ein grosses Thema.

[01:22:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand muss mit den Kindern private Projekte begleiten.

[01:22:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie nicht noch zusätzlich tun. Dazu braucht es noch andere Leute.

[01:22:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab der Pubertät kommt es manchmal ein bisschen.

[01:22:51.320] – Bemerkung 22
Wir sind in einem Schulinternat. Unsere Mädchen haben gar keine Peers. Sie haben die
Herkunftsfamilie im System und sonst kennen die niemanden.

[01:23:10.010] – Bemerkung 22
Es gibt noch Vereinstätigkeiten.

[01:23:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie die Organisation Shelter Schweiz?

[01:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.shelterschweiz.ch/

[01:23:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Familienorganisation, welche Kinder platziert, die nicht zu Hause bleiben
können. Das ist weil es nicht funktioniert. Vielleicht bieten die auch Ferienplätze an.

[01:23:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Jugendliche wollte ich in den Landdienst und ging auf Grindelwald zu einer
Bergbauernfamilie. Ich war dort für vier Wochen.

[01:24:15.020] – Bemerkung 23
Es gibt einzelne Anbieter. Es immer finanziell eine Geschichte. Die sind immer gut
ausgebucht. Man muss weit im voraus planen. Für das Kind kann man nicht so weit
planen.

[01:24:33.380] – Bemerkung 24
Wir arbeiten auch mit Entlastungsfamilien, wenn es zu Hause viel zu Krisen kommt. Es
ist schwierig diese Plätze und die Finanzierung dafür zu bekommen.

[01:24:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie zu den Entlastungsfamilien?

[01:24:55.820] – Bemerkung 25
Wir haben welche, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Es gibt auch externe
Anbieter. Wer hat Platz und wer nicht?

[01:25:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel haben sie da?

[01:25:10.020] – Bemerkung 26
Zur Zeit ca. drei. Die sind an die Mädchen gebunden und gehen über das KESB, die
Beistandschaften. Wir haben nur den Schulauftrag.

[01:25:31.420] – Bemerkung 26
Weil sie in der Schule aufgefallen sind, kommen sie zu uns.

[01:25:34.300] – Bemerkung 26
Nach der letzten Massnahme kommen die zu uns.

[01:25:53.420] – Bemerkung 27
Die sozialen Interaktionen fallen den Mädchen schwerer.

[01:26:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Mädchen sind da vorsichtiger.

[01:26:11.590] – Bemerkung 28
Was heisst Freundschaften zu pflegen? Die werden einem nicht vorgelebt.

[01:26:13.600] – Bemerkung 28
Die Eltern sind selber nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen.

[01:26:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn sie Zugriff auf Ferienprogramme hätten, die nicht wahnsinnig teuer
sind.

[01:27:07.120] – Bemerkung 29
Ich habe noch eine Frage zur intrinsischen Motivation. Wie kann man diese wecken?

[01:27:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind zuerst gut erfassen, was es für ein Typ ist. Wofür interessiert sich
das Kind? Was macht das Kind nicht gerne? Dann darf man das Kind ein wenig necken.
Das ist bei jedem Kind anders.

[01:27:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken muss auch zu ihnen passen.

[01:27:55.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Thema gerne haben, lustig finden, interessant finden. Es muss auch zu
ihrem Typ passen.

[01:28:01.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder merken sofort, wenn etwas gespielt ist. Sie sind speziell sensibel auf
Unehrlichkeit. Man muss diesen Kindern gar nichts vormachen.

[01:28:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Borderline Personen.

[01:28:52.358] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es lustig haben mit ihnen.

[01:28:53.420] – Bemerkung 30
Geht ADHS/ADS/ASS alles unter einen Hut der Neurodivergenz?

[01:29:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:29:24.550] – Bemerkung 30
Man klärt dann noch ganz viel ab.

[01:29:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das absolut unnötig.

[01:29:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet viel Geld, ist viel Aufwand und es kommt immer wieder das gleiche raus.

[01:29:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn kann verschiedene Varianten von Dysfunktionen
machen. Es geht immer um das Gehirn.

[01:29:54.070] – Bemerkung 31
Das wollte ich noch einmal hören.

[01:29:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen immer eine Diagnose haben.

[01:29:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Ehrgeiz, wenn man eine seltene Diagnose findet, kann man seinen
Namen dran hängen.

[01:30:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.

[01:30:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[01:30:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im zweiten Weltkrieg versucht die Kinder zu beschützen, damit sie nicht
umgebracht werden.

[01:30:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte, dass die alle ganz wahnsinnig gescheit sind. Er nannte das Asperger.
Asperger ist ASS, Autismus Spektrum-Störung.

[01:30:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute möchte man auch von der ADHS/ADS Spektrum-Störung sprechen.

[01:31:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von ADHS ohne Hyperaktivität.

[01:31:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von ADHS/ADS.

[01:31:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei allen beobachten, interagieren und schauen was geht.

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Wie schätzen sie das PDA (Pathological Demand Avoidance) ein?

[01:31:34.668] – Bemerkung 32
https://en.wikipedia.org/wiki/Pathological_demand_avoidance

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Die darf man ja nicht unter Druck setzen. Ich darf nicht direkt etwas fragen.

[01:31:35.030] – Bemerkung 32
Bei uns sind die ganzen Systeme lahm. Alles hat eine lange Geschichte.

[01:31:36.230] – Bemerkung 32
Soll man nach dem PDA Prinzip arbeiten.

[01:32:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, dann fördert man die Pathologie.

[01:32:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre gesunde Sensibilität verwenden.

[01:32:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weichen aus. Jedes Kind weicht aus, wenn es etwas nicht so gut kann.

[01:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zu einem Kind haben, können sie sich alles leisten, wenn sie
selber ihre Sensitivität verwenden.

[01:32:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach einem Programm vorgehen.

[01:32:34.610] – Bemerkung 33
Gewisse Schülerinnen kommen sehr unregelmässig. Das geht in den
Schulabsentismus rein. Da stehen wir an.

[01:33:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind viel fehlt, muss man nach Hause gehen und versuchen herauszufinden
wieso das Kind fehlt.

[01:33:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Ausweichverhalten, weil das Kind etwas nicht kann. Das andere ist
Ausweichverhalten, weil das Kind mit einem Klassenkollegen Probleme hat. Vielleicht
will es die Lehrerin nicht enttäuschen.

[01:33:58.970] – Bemerkung 34
Wie gehe ich mit dem Ausweichverhalten um?

[01:34:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragen: was ist der Grund, wieso du ausweichst? Wem gehst Du aus dem
Weg?

[01:34:19.660] – Bemerkung 34
Ihr fällt die soziale Interaktion in der Gruppe sehr schwer.

[01:34:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Lehrer begleitet in der BEZ.

[01:34:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge ist immer ausgewichen.

[01:34:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten ein Sitzung mit der Klassenlehrperson, den Eltern und der Schulleitung, ohne
Kind.

[01:34:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorgeschlagen, dass immer ein Kind der Klasse den Jungen begleitet. Ein
Tutor, der neben ihm sitzt, ihn beschützt, ihn begleitet und auch ein bisschen kritisieren
darf. Die Mädchen haben begonnen. Die ganze Klasse hat mitgemacht. Er war immer
im Zweierpack mit jedem zusammen.

[01:35:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines Tages ist er wieder geflüchtet. Das war eine Turnstunde. Ein Mädchen hätte ihn
begleiten müssen, durfte aber nicht mitgehen.

[01:36:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir dort in den Sinn gekommen.

[01:36:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gross sind ihre Klassen?

[01:36:17.360] – Bemerkung 35
6 Kinder wobei oft nur 3 kommen.

[01:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kleine Gruppe.

[01:36:37.310] – Bemerkung 36
Die haben zum Teil ein sehr lange Diagnoseliste mit Ängsten, Zwängen und
Depressionen, Suizidalität, Selbstverletzungen. Wir kriegen die viel zu spät. Das
familiäre System ist auch am Anschlag.

[01:37:24.860] – Bemerkung 37
Das Kind hat das System im Griff, 15 Jahre alt.

[01:37:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange muss die noch in die Schule gehen?

[01:37:44.560] – Bemerkung 38
Ein Jahr ist sie noch verfügt bei uns.

[01:37:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Kind für eine Begabung?

[01:37:58.570] – Bemerkung 39
Sprachen.

[01:38:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will das Kind werden?

[01:38:14.160] – Bemerkung 40
Das ist schwierig herauszufinden, den Fokus zu finden. Was will sie, was will der Vater?
Ursprünglich wollte sie Lehrperson werden.

[01:38:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, hier geht es um einen Fokus.

[01:38:33.760] – Bemerkung 41
Wenn man immer nur ausweicht, lernt man nichts.

[01:38:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht Ausweichverhalten.

[01:38:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einer so kleinen Klasse ist, muss man ihr immer Aufgaben für zu Hause
geben. Was der Vater möchte, was die Mutter möchte.

[01:38:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie behalten die Beziehung zu ihr und geben ihr Heimaufgaben. Du machst mit dir
selber Homeschooling.

[01:39:14.900] – Bemerkung 42
Wir sind auf die andere Schiene gegangen, dass sie kommen muss und hier gefördert
wird. Wir stellen auch Veränderungen fest, dass sie ab und zu auch gerne kommt. Das
entlastet auch die Eltern.

[01:39:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand soviel Widerstand macht, macht man die paradoxe Verschreibung in der
Systemtherapie.

[01:39:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die paradoxe Verschreibung in diesem Fall ist: du musst jetzt zu Hause bleiben, ich
geben dir jeden Tag Aufgaben. Du darfst erst in die Schule kommen, wenn du dazu
bereit bist.

[01:39:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Eltern zu entlasten. Es wäre auch gut.

[01:40:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nur machen, wenn es für sie stimmt.

[01:40:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Faden nicht loslassen.

[01:40:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir haben jetzt abgemacht, dass du kommen musst. Du bist auch
gerne gekommen. Es hat dir auch etwas gebracht. Ich sehe, du schaffst es noch nicht
ganz selber. Ok, jetzt ändern wir die Strategie, jetzt bleibst du immer zu Hause, ich
gebe dir immer die Aufgaben und du musst sie mir dann bringen. Dann wird es
diskutiert.

[01:40:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich das vorstellen?

[01:41:00.350] – Bemerkung 43
Ich habe versucht ihr Vorstellungen ernst zu nehmen.d

[01:41:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es keine Auseinandersetzung.

[01:41:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Alter brauchen wir die Auseinandersetzung.

[01:41:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bösartige Auseinandersetzung. Nicht: du bist falsch. Sondern: ich sehe es so.

[01:41:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich eine paradoxe Verschreibung zu machen?

[01:41:23.880] – Bemerkung 44
Das wäre eine Variante. Das nehme ich mit für das Gespräch.

[01:41:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab jetzt bleibst du zu Hause. Es macht dir so viele Schwierigkeiten in die Schule zu
kommen. Ich will dir nicht weh tun. Du sagst, wann du bereit bist.

[01:41:48.900] – Bemerkung 45
Man muss nicht das Kind therapieren, sondern die Eltern.

[01:41:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist bereits 16 Jahre alt.

[01:41:53.980] – Bemerkung 46
Wieviel Sinn macht es, auch mit den Eltern, dem System zu arbeiten?

[01:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht immer Sinn.

[01:42:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Eltern informieren: ich wechsle jetzt, ich mache es jetzt so. Wenn das
Kind bereit ist, darf es kommen. Das wäre dann intrinsisch motiviert.

[01:42:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen es den Eltern. Sie machen das nur mit dem Kind ab.

[01:42:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mal schauen ob die intrinsische Motivation kommt.

[01:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann interessanter in der Schule zu sein, als zu Hause.

[01:42:48.730] – Bemerkung 47
Wie lange gibt man dem Kind Zeit? Wann verliert man den Faden, wenn das Kind zu
Hause bleibt.

[01:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Faden über die Hausaufgaben muss bleiben. Das geht heute, mit all den
technischen Mitteln.

[01:43:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass es für sie interessant ist.

[01:43:46.940] – Bemerkung 48
Die Systeme mögen nicht mehr tragen zu Hause. Das finde ich ein Dilemma.

[01:44:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sagen: gibt es ein Starbucks, wo sie die Aufgaben machen kann?

[01:44:05.280] – Bemerkung 49
Oder in die Bibliothek senden.

[01:44:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja klar, in die Bibliothek. Die Studenten machen das auch so. Du erträgst die Schule
nicht, du gehst in die Bibliothek und machst dort die Aufgaben.

[01:44:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie in Bezug bleiben und etwas verlangen von ihr. Sie dürfen nicht
aufgeben. Sie geben ihr eine neue Idee und sagen: ich bin gespannt, was du aus dem
machst.

[01:44:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran glauben.

[01:44:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gespannt sind, was sie daraus macht, ist eine Neugier vorhanden. Das ist gut
für sie.

[01:44:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal Aufgaben geben, die mehr dem Vater passen und einmal Aufgaben geben die
mehr der Mutter passen. Dann schauen was geschieht.

[01:45:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist die Interaktion. Sonst bleibt man stehen. Sie dürfen alles erfinden. Die
Kreativität ist wichtig.

[01:45:30.470] – Bemerkung 50
ADHS/ADSler darf man nicht zu eng führen. Wir führen die Mädchen sehr streng. Sie
müssen die Regeln einhalten. Das kann psychische Krankheiten auslösen.

[01:46:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch schwierig. Da sind sie an einem blöden Punkt.

[01:46:15.130] – Bemerkung 50
Die Beziehung ist wichtig.

[01:46:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder in die Auseinandersetzung gehen und nicht in Gehorsam.

[01:46:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben strenge Regeln. Keine Regel ohne Ausnahme. Ab und zu macht man eine
Ausnahme, meistens nicht. Da müssen sie schauen.

[01:46:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dich jetzt ganz alleine hätte, dann könnte ich das alles zulassen. Aber wir sind
da diese Institution und da funktionieren wir nicht, wenn wir nicht gewisse Regeln
haben.

[01:46:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sich alle ein bisschen daran halten.

[01:46:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du das lernst.

[01:47:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Kindern, welche nicht ausziehen wollen oder die nichts machen, sage ich: was
denkst du, wie lange du hast, bis du das gelernt hast?

[01:47:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, es ist für dich schwierig, Regeln zu lernen, aber wir müssen alle Regeln
lernen.

[01:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkst du? 20 Jahre? Bis ans Lebensende. Dann langsam runter kommen.

[01:47:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Es wird ein Wetten.

[01:47:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: ich will dass!

[01:47:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu fest diesen Druck, sondern miteinander ein bisschen wetteifern.

[01:47:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf das Mädchen und sie darauf an.

[01:47:39.920] – Bemerkung 51
Ich finde wir sind hoch präsent und es gibt einen Rahmen. Ich finde, das ist ein
Unterschied.

[01:47:50.060] – Bemerkung 51
Bei einem Haufen ADHS/ADSler braucht man diesen Rahmen. Viele kriegen
Unterstützung im sozialen. Sonst läuft es aus dem Ruder.

[01:47:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[01:48:17.420] – Bemerkung 52
Das ist mein Schulzimmer, ich will, dass es in meinem Schulzimmer so läuft und
"Regeln".

[01:48:31.900] – Bemerkung 52
Respektvoller Umgang ist eine Regel und auch eine innere Haltung. Das ist fluid.

[01:48:46.400] – Bemerkung 52

Sobald du es erklären kannst, dass es aus einer inneren Haltung kommt, ist es für das
Kind auch objektiv.

[01:48:48.130] – Bemerkung 52
Wenn es einfach heisst: ich will das jetzt so, weil ich das so will, dann ist das etwas
anderes. Weil es so ist.

[01:49:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln muss persönlich vertreten sein. Absolut. Sonst geht es nicht. Sie muss total
persönlich vertreten sein.

[01:49:09.180] – Bemerkung 53
Es ist wichtig für dich, dass du das lernst, weil du das später brauchst.

[01:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, ob der Augenkontakt vorhanden ist oder nicht.

[01:49:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen und dann warten. Merkst du was ich meine? Überleg es dir mal und morgen
sprechen wir wieder darüber.

[01:49:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ewig lange warten, bis sie es haben.

[01:49:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional Geduld haben, dass es rein geht.

[01:50:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte zu mir: ich war konsequent inkonsequent.

[01:50:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das funktioniert nicht. Nicht drücken.

[01:50:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit lassen, dass es das Kind bei sich selber intrinsisch einbauen kann.

[01:51:26.420] – Bemerkung 54
Unsere Schule sagt, das ist eine Behinderung.

[01:52:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Behinderung ist alles eine Definitionssache.

[01:52:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System oder im regulären Schulsystem sagt man dem: Behinderung.

[01:52:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen es als Neurodiversität, als Unterschied an.

[01:52:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Veranlagung ist einerseits eine Handicap oder ein Plus.

[01:52:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: inwiefern ist es ein Plus?

[01:52:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler wünschen, dass sie es nicht haben, dann würden sie nicht alles
merken, dann würden sie nicht so stark leiden.

[01:52:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil.

[01:52:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Das medizinische System bezeichnet es als Behinderung.

[01:52:51.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bezeichnen es als anders, als Neurodiversität.

[01:52:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Evolution wäre nicht vorwärtsgekommen, wenn man nicht so viele
unterschiedlichen Menschen gehabt hätte.

[01:53:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles hat seine Vor-und Nachteile.

[01:53:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur auf die Nachteile fokussieren oder man kann auf die Vorteile fokussieren.

[01:53:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier arbeite ich jetzt mit meinem Nachteil aber ich nütze auch meinen Vorteil.

[01:53:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glas ist halb voll oder halb leer.

[01:53:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch ausgedrückt ist das Glas immer halb leer, pädagogisch ausgedrückt ist es
halb voll.

[01:53:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben weiter.

[01:53:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Weg ist das Ziel. Wir haben es beide interessant.

[01:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass eine interessante Interaktion läuft.

[01:54:14.560] – Bemerkung 55
Die Eltern sagen immer: das ist eine Schule für Behinderte.

[01:54:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein alter Ausdruck. Der moderne Ausdruck ist, das ist eine Schule für
neurodivergente Kinder.

[01:54:30.260] – Bemerkung 56
Das ist ein Hinterfragen von uns.

[01:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin macht immer Symptombekämpfung.

[01:55:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alle negativen Symptomen bekämpfen, hier funktioniert das medizinische
Modell nicht richtig.

[01:55:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von der Neurodiversität. Wir sind eine Schule für neurodivergente Kinder. Wir
wollen denen eine Möglichkeit geben, dass sie sich in diesem Umfeld entwickeln
können.

[01:55:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht die Behinderung wegmachen.

[01:55:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Neurodivergenz umzugehen.

[01:55:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Silicon Valley hat es lauter ADHS/ADSler.

[01:55:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist ein Autist. Er hat sehr viel Geld verdient.

[01:55:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Er hatte wohlhabende Eltern, die
standen immer hinter ihm.

[01:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mozart war ein ADHS/ADSler.

[01:55:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht behindert. Er war begabt. Sein Sohn wurde schizophren.

[01:56:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Schule können wir mit neurodivergenten Kindern besser umgehen. Wir sind
spezialisiert.

[01:56:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg von dem Wort "behindert". Wir sind alle irgendwie behindert. Das ist immer eine
Sache der Betrachtung. Das ist Sprache.

[01:57:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchen Situationen haben sie am meisten Mühe?

[01:57:35.630] – Bemerkung 57
Wenn die Person zu introvertiert ist, vermeidend, verdrängend. Extrovertiert ist
einfacher.

[01:57:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Introvertierten muss man unglaublich geduldig werden.

[01:58:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Patient hat nicht gesprochen. Er hat sich auf die Couch gelegt. Das war eine
friedliche Stimmung. Die Mutter wollte, dass er unbedingt kommt.

[01:58:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat mir das beigebracht. Wenn man mit den Patienten nicht
weiterkommt, nichts mehr bewirken wollen, sondern einfach etwas lernen wollen.

[01:58:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere gut zu beobachten, aber ich will gar nichts bewirken.

[01:59:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu darf man etwas sagen.

[01:59:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Mütter mit schwierigen Teenager sage ich: sie dürfen ihre Position beziehen, aber
sie dürfen nichts bewirken wollen.

[01:59:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind enorm sensibel, wenn man Druck auf sie aufsetzt.

[01:59:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht bei allem mitmachen. Kein Druck aufsetzen, aber dennoch: ich sehe es
so.

[01:59:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen doch etwas zur Verfügung stellen.

[01:59:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man ihnen auch nur Ruhe zur Verfügung stellen.

[01:59:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand fragte mich: muss ich noch weiter zu ihnen in Therapie kommen? Nein, das
müssen sie nicht. Bis jetzt wollte es immer die Mutter. Sie dürfen aus eigener Initiative
kommen.

[02:00:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat immer geredet. Mit der Zeit hat der Sohn auch angefangen zu sprechen.

[02:00:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schule muss man etwas erreichen. Versuchen sie zu meditieren in der Anwesenheit
oder etwas zu machen.

[02:00:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht aufgeben, wenn die nicht mitmachen.

[02:00:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Penelope hat an ihrem Schleier gestrickt, während ihr Mann abwesend war. Wohlwollen
anwesend sein. Weniger ist mehr. Ihre wohlwollende Anwesenheit ist schon sehr
wertvoll.

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Penelope_(Mythologie)

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ehrgeiz zurückfahren. Nicht rumlaufen; sein.

[02:01:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz

In Königsfelden gab es Möglichkeiten zur Beschäftigung. Die konnten einfach ins Kaffee
kommen und zuschauen.

[02:02:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zuviel etwas wollen, setzen wir Druck auf und bewirken genau das Gegenteil.

[02:03:09.230] – Bemerkung 58
Herzlichen Dank!