Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS als „hochsensibel“ gelten. Diese Sensibilität ist ein zentrales Merkmal ihres „anderen Neurotyps“, der genetisch vererbt ist und nicht „wegerzogen“ werden kann. Diese erhöhte Sensitivität beeinflusst, wie ADHS/ADS-Kinder ihre Umwelt wahrnehmen, auf Interaktionen reagieren und wie sie erzogen werden sollten.
Manifestationen der Sensibilität bei ADHS/ADS-Kindern:
Emotionale Sensibilität:
ADHS/ADS-Kinder werden schnell verletzt.
Jungen reagieren auf Verletzungen tendenziell mit Aggression und Kampf.
Mädchen reagieren auf Verletzungen eher mit Flucht, Rückzug oder übermässiger Anpassung, um Konflikte zu vermeiden. Diese Überanpassung kann später im mittleren Alter zu Erschöpfung, Depressionen und Burnout führen.
Sie sind sehr sozial und möchten, dass es dem Kollektiv gut geht, was dazu führen kann, dass sie sich auf eigene Kosten überanpassen.
Breite Aufmerksamkeit und Reizüberflutung (System Overload):
ADHS/ADS-Kinder haben eine „sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit“ und nehmen sofort alles in einem Raum wahr, einschliesslich der Stimmungen anderer Menschen.
Diese breite Aufmerksamkeit kann in grossen Menschenmengen oder Schulklassen zu einem „System Overload“ führen, bei dem das emotionale System überfordert und überlastet wird und zusammenbricht.
Wenn die Lernumgebung oder der Unterricht nicht spannend genug ist, sind sie schnell abgelenkt und suchen nach interessanteren Reizen.
Sensorische Sensibilität:
Sie können in verschiedenen sensorischen Bereichen sehr empfindlich sein.
Gehör: Manche mögen keinen Lärm und reagieren empfindlich auf Geräusche, andere haben ein absolutes Musikgehör, das durch Nebengeräusche gestört wird.
Tastsinn: Sie können bestimmte Materialien auf der Haut nicht ertragen, wie Kunstfasern oder Wolle, die „beissen“.
Lichtempfindlichkeit: Ein Kind war zum Beispiel so lichtempfindlich, dass es eine spezielle Brille benötigte, um besser lesen zu können.
Essverhalten: Einige sind sehr wählerisch beim Essen und essen nur wenige spezifische Dinge, was aber nicht unbedingt zu Mangelernährung führt.
Gerechtigkeitssinn:
ADHS/ADS-Kinder haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
Ein Mädchen verweigerte zum Beispiel die Schule, weil sie die Ungerechtigkeit der Lehrperson im Umgang mit der Klasse nicht ertragen konnte.
Implikationen der Sensibilität für Erziehung und Umgang:
Kommunikation im „Low Arousal“ Zustand: Es ist entscheidend, Botschaften in einem tiefen Erregungszustand (Low Arousal) zu übermitteln. Im hocherregten Zustand (High Arousal) laufen bei ADHS/ADS-Kindern nur Reflexe (Kampf, Flucht, Totstellen, Necken) ab, und es können keine vernünftigen Verhaltensweisen oder Belehrungen aufgenommen werden. Erziehende müssen zuerst selbst zur Ruhe kommen und dann dem Kind helfen, sich zu beruhigen.
Umgang mit Verletzungen: Wenn ein ADHS/ADS-Kind verletzt wurde, muss die Verletzung immer zuerst validiert werden („was hat dich dort verletzt?“), bevor gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
Vermeidung von Strafen und Beschämung:Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht, da Reflexverhalten nicht durch Strafen verändert werden kann. Beschämung ist besonders schädlich und kann dazu führen, dass ein Kind die Schule verweigert, wenn es sich zum Beispiel wegen Legasthenie öffentlich gedemütigt fühlt. Stattdessen ist Führung und Unterstützung gefragt.
Persönlichkeitsgerechte Erziehung und Differenzierung: Es ist wichtig, eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“ zu praktizieren. Dies bedeutet, das Kind individuell zu beobachten und zu verstehen, anstatt von Schemata auszugehen. Es ist erlaubt und notwendig, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht anzubieten, da nicht alles, was für alle funktioniert, auch für jedes einzelne Kind passt.
Umgang mit Risikobereitschaft: Die Risikofreudigkeit von ADHS/ADS-Kindern, die nach extremen Situationen und Dopaminausschüttung suchen, sollte nicht unterbunden, sondern begleitet werden. Ein Verbot führt oft zu heimlicherem und gefährlicherem Verhalten. Stattdessen sollte man dem Kind helfen, seine eigenen Grenzen zu spüren und verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen.
Rolle der Beziehung: Lernen bei Menschen geschieht an erster Stelle über das emotionale Gehirn und die Beziehung. „Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung“. Lehrer und Eltern sind heute wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz zu vermitteln und die Beziehung zu pflegen, da diese nicht über digitale Medien erlernt werden kann. Auch Konflikte sollten in der Interaktion ausgetragen werden, da dies zum menschlichen Lernen gehört.
Eltern und Lehrer: Es besteht oft eine gegenseitige Angst zwischen Eltern und Lehrern, die die Zusammenarbeit erschwert. Dr. Davatz fordert mehr Unterstützung und Systemberatung für Lehrpersonen, um den Umgang mit schwierigen Kindern zu verbessern und sie nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie zu schicken.
Rituale zum Herunterfahren: Besonders für Kinder, die aufgrund ihrer Gedanken und Reizverarbeitung schwer einschlafen können, sind regelmässige Rituale zum Herunterfahren wichtig. Dies kann ein Bettritual sein oder für ältere Kinder das Aufschreiben von Gedanken, um Erlebnisse zu verarbeiten und abzulegen.
Zusammenfassend ist die Sensibilität ein grundlegendes Merkmal des ADHS/ADS-Neurotyps, das sowohl Herausforderungen als auch Stärken mit sich bringt. Ein angepasster, beziehungsorientierter und individueller Erziehungsansatz, der diese Sensibilität berücksichtigt, ist entscheidend für die gesunde Entwicklung dieser Kinder.
Dr.med. Ursula Davatz bespricht den Einsatz von Medikamenten bei ADHS/ADS-Kindern ausführlich und mit einer differenzierten Haltung.
Arten und Wirkung von Medikamenten bei ADHS/ADS Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse und Medikinet werden zur Behandlung von ADHS/ADS eingesetzt. Dr. Davatz bezeichnet diese als „Stressmedikamente“, die den Stresspegel erhöhen, um eine Fokussierung zu ermöglichen. Diese Wirkung hängt mit der Ausschüttung von Dopamin zusammen, und im Extremfall kann dies auch zu „Sensation Seeking“ führen. Durch den erhöhten Stress steigt die Leistungsfähigkeit vorübergehend an.
Vorteile der Medikation Die Einnahme dieser Medikamente kann zu einer besseren Fokussierung führen. Die Schulleistung kann sich um ein bis zwei Noten verbessern, was „sehr verführerisch“ sein kann, da es dem Kind den Weg zu einer besseren Schule oder Ausbildung ebnet. Ritalin kann beispielsweise auch wie eine Schlafmedikation wirken, indem es fokussiert, ohne zu sedieren.
Nachteile und Bedenken der Medikation Dr. Davatz weist darauf hin, dass diese Medikamente, da es sich um Amphetamine handelt, auch „ausbeuten“ können. Kinder, die diese Medikamente einnehmen, merken manchmal, dass sie „nicht mehr sich selber“ sind und sich nicht mehr „so gut spüren“ [50, 27:56.780]. Für Dr. Davatz ist es jedoch wichtig, dass die Persönlichkeit des Kindes und sein Selbstgefühl entwickelt werden, nicht nur die Leistung in der Schule. Medikamente allein können dazu führen, dass der Fokus nur auf Leistung liegt und das Kind sich selbst nicht mehr spürt.
Dr. Davatz’s Haltung zum Medikamenteneinsatz Obwohl Dr. Davatz selbst Medikamente verschreibt und diese nicht grundsätzlich verweigert, betont sie, dass dies nur geschehen sollte, wenn das Kind und die Eltern dies wünschen. Sie geht dabei immer vorsichtiger vor. Sie plädiert dafür, jeden Fall individuell zu betrachten und immer abzuwägen.
Sie kritisiert, dass oft zu viel Geld in die Psychiatrie investiert wird und zu wenig in die Unterstützung von Schulen und Lehrern. Kinder sollten nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie geschickt und pathologisiert werden, indem sie Medikamente erhalten, was dazu führen kann, dass sie sich schlecht fühlen.
Medikamente müssen nicht dauerhaft eingenommen werden. Sie können auch punktuell eingesetzt werden, beispielsweise nur an Schultagen, für Prüfungen, oder sogar nur zur Erledigung spezifischer Aufgaben wie der Steuererklärung im Erwachsenenalter. Sie empfiehlt, die Medikamente in den Ferien wegzulassen, damit sich das Gehirn erholen kann. Ihr Ziel ist es, Kindern und Erwachsenen beizubringen, wie sie mit ihrem Neurotyp umgehen lernen können, anstatt sich ausschliesslich auf Medikamente zu verlassen.
Melatonin als Beispiel für andere Ansätze Zum Melatonin-Spray, das Kindern bei Einschlafproblemen gegeben wird, erklärt Dr. Davatz, dass Melatonin ein körpereigenes Hormon ist, das den Schlafrhythmus beeinflusst. Sie warnt jedoch davor, es „ewigs zu geben“, da ein Eingriff in das hormonelle Gleichgewicht Gegenreaktionen hervorrufen kann. Stattdessen betont sie die Bedeutung von regelmässigen Ritualen zum Herunterfahren für Kinder und Erwachsene, um die Reize des Tages zu verarbeiten und abzulegen, was das Einschlafen erleichtern kann.
Dr. Ursula Davatz beleuchtet ADHS/ADS nicht als Krankheit im traditionellen Sinne, sondern als einen anderen Neurotyp. Dieser ist genetisch vererbt und kann nicht einfach „wegerzogen“ werden, da das Gehirn von ADHS/ADS-Personen anders gestaltet ist und das Umfeld anders aufnimmt. Es ist ein angeborener Zustand, dessen Diagnosezeitpunkt (z.B. vor oder nach 9 Jahren) für die Vererbbarkeit irrelevant ist, auch wenn die IV willkürliche Grenzen setzt.
Im Folgenden wird ein umfassendes Verständnis von ADHS/ADS basierend auf den Quellen dargelegt:
1. Definition und grundlegende Merkmale:
Das „A“ steht für Aufmerksamkeitsstörung, das „H“ für Hyperaktivität.
Dr. Davatz korrigiert die medizinische Sichtweise der „Aufmerksamkeitsstörung“ und spricht stattdessen von einer „breiten Aufmerksamkeit“. ADHS/ADS-Kinder nehmen sofort alles in einem Raum wahr und können die Emotionen anderer erkennen.
Diese breite Aufmerksamkeit wird zum Problem in langweiligen Situationen, da sich ADHS/ADS-Kinder schnell ablenken lassen und dann zum Beispiel aus dem Fenster schauen oder ihre Nachbarn stören. Sie „scannen“ das Umfeld wie ein Hund, der nach Interessantem schnüffelt.
Wenn zu viele interessante Dinge gleichzeitig passieren (z.B. in einer grossen Schulklasse), kann diese breite Aufmerksamkeit zu einem „System Overload“ führen, bei dem das emotionale System überfordert ist und zusammenbricht.
2. Unterschiede zwischen ADHS und ADS:
ADHS zeigt sich oft in nach aussen gerichteter Hyperaktivität, die manchmal in „Verrücktsein“ resultiert.
ADS ist durch eine nach innen gerichtete Hyperaktivität gekennzeichnet; Betroffene ziehen sich zurück und passen nicht mehr auf. Sie denken sehr viel nach, haben „Kino im Kopf“ und können das Denken oft nicht stoppen, was zu Schlafproblemen führen kann. ADS kann letztendlich im Autismus münden. Dr. Davatz sieht Autismusspektrumsstörung (ASS) als eine extreme Form von ADHS/ADS.
3. Geschlechtsunterschiede in der Manifestation:
Mädchen sind sehr beziehungsorientiert und passen sich oft dem Lehrer oder der Lehrerin zuliebe an, manchmal bis zur Selbstunterdrückung. Sie tendieren dazu, sich mehr anzupassen als Jungen, besonders in Konfliktsituationen. Dies führt dazu, dass eine ADHS/ADS-Diagnose bei Frauen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren gestellt wird, da ihre Symptome weniger auffällig sind. Sie reagieren auf Verletzungen eher mit Flucht, Rückzug oder Anpassung, um Konflikte zu vermeiden. Diese übermässige Anpassung kann später im Leben zu Depressionen und Burnout führen.
Jungen fallen häufiger auf, werden aggressiv, wenn sie falsch angepackt werden, etwas von ihnen verlangt wird, was sie nicht wollen, oder wenn sie bei ihrer eigenen Aktivität gestört werden. Sie reagieren auf Verletzungen mit Aggression und Kampf.
Statistiken zeigen eine Verschiebung: Früher wurde von fünf Jungen auf ein Mädchen mit ADHS/ADS gesprochen, heute ist das Verhältnis 1,5 Jungen auf ein Mädchen.
4. Lernen und Emotionale Intelligenz:
Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde.
Lernen läuft nicht nur kognitiv ab, sondern in erster Linie über das emotionale Gehirn.
Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung; ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.
Wissensvermittlung kann heutzutage leicht über das Internet und KI-Tools wie ChatGPT erworben werden.
Emotionale Beziehungen und emotionales Lernen können jedoch nicht aus dem Internet bezogen werden; emotionale Intelligenz wird nur in zwischenmenschlichen Beziehungen gefördert. Der Lehrer und die Eltern sind wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz beizubringen und Beziehungen zu pflegen.
5. Herausforderungen im Umfeld und erzieherische Ansätze:
ADHS/ADS-Kinder sind für Lehrpersonen eine Herausforderung, da sie bei uninteressantem Stoff schnell abgelenkt sind.
Sie können nicht einfach blind folgen, sondern müssen intrinsisch motiviert sein. Wenn ihr Interesse geweckt wird, können sie einen „Hyperfokus“ entwickeln und hochkonzentriert an einer Sache bleiben, was zu wissenschaftlichen oder handwerklichen Leistungen führen kann.
Bei der Kommunikation mit ADHS/ADS-Kindern (und Erwachsenen) ist es entscheidend, einen „tiefen Erregungszustand“ (low arousal) zu bewahren. Im hocherregten Zustand ist das Gehirn noch erregter, und es laufen nur Reflexe ab (Kampf, Flucht, Totstellreflex, Necken), keine vernünftigen Verhaltensweisen.
Man darf ADHS/ADS-Personen im erregten Zustand nicht belehren oder moralisieren. Zuerst muss man sich selbst und dann das Kind beruhigen lassen. Erst im ruhigen Zustand kann man kognitiv arbeiten und gemeinsam Lösungen erarbeiten.
Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht und können sogar schaden. Reflexverhalten kann nicht durch Strafen verändert werden; es führt höchstens dazu, dass sich das Kind zurückzieht, phobisch oder zwanghaft wird. Beschämung löst Ausweichverhalten aus, keine Lernbereitschaft.
Eltern sollten Regeln aufstellen, anstatt Befehle zu geben, da Befehle oft als Übergriff empfunden werden. Diese Regeln können aufgeschrieben und vom Kind internalisiert werden, was zur intrinsischen Motivation beiträgt.
Im Konfliktfall sollte man nicht endlos argumentieren, da dies zu einem „System Overload“ beim Kind führt und die Eltern als schwach erscheinen lässt. Stattdessen sollten Eltern klar sagen, was sie wollen und, falls nötig, mit ihrer mentalen Kraft durchsetzen, ohne in einen Machtkampf zu geraten, den man als Erziehungsperson oft verliert. Es ist akzeptabel, als Elternteil auch mal zu „verlieren“, um das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken.
Dr. Davatz plädiert für eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“.
6. Weitere Merkmale und systemische Betrachtung:
ADHS/ADS-Personen sind hochsensibel. Diese Sensibilität kann sich in verschiedenen Bereichen zeigen, wie Empfindlichkeit gegenüber Lärm, bestimmten Materialien (z.B. Kunstfasern, Wolle) oder Licht.
Sie sind oft erfinderisch, kreativ und spielerisch. Sie können Grenzen überschreiten und sind Entdecker, Forscher und Eroberer.
Sie haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
Risikobereitschaft ist ein weiteres Merkmal, da sie Extremsituationen suchen, um Dopamin und Adrenalin auszuschütten. Man sollte dies nicht unterbinden, sondern dem Kind helfen, seine Grenzen zu spüren und verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen.
ADHS/ADS-Familien sind konfliktanfälliger und haben eine höhere Scheidungsrate aufgrund ihrer hohen Sensitivität.
Am Arbeitsplatz mögen ADHS/ADS-Personen keine Vorgesetzten, die ihnen intellektuell unterlegen sind, was zu Kündigungen führen kann.
Dr. Davatz sieht ADHS/ADS als Grundursache vieler psychiatrischer Krankheiten, wie Depressionen und Schizophrenie, da die gleichen Genloci betroffen sind und die Sensibilität ein verbindendes Element ist. Dies ist eine Ansicht, die in der Fachwelt diskutiert wird.
Sie kritisiert das derzeitige Schulsystem, das überholt sei und Lehrer überfordere, was zu Burnout führt. Es wird zu viel Geld in die Psychiatrie und zu wenig in die Unterstützung der Schulen investiert. Statt Kinder zu pathologisieren und Medikamente zu verschreiben, sollte das Umfeld lernen, mit diesen Kindern umzugehen.
Lehrer brauchen mehr Unterstützung, nicht in Form von psychiatrischen Diagnosen, sondern durch Systemberatung und Familientherapie.
Die Persönlichkeitsförderung ist in Zeiten der KI wichtiger denn je, und die Schule sollte sich darauf konzentrieren.
Es ist wichtig, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht zu ermöglichen, da nicht alle gleich sind.
7. Medikation:
Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse und Medikinet sind Stressmedikamente, die die Leistungsfähigkeit kurzzeitig erhöhen und zu einer Fokussierung führen.
Sie wirken schnell (innerhalb einer Stunde) und es gibt kurz- und langwirksame Präparate.
Dr. Davatz ist nicht grundsätzlich gegen Medikamente, aber sie verschreibt sie nur, wenn das Kind und die Eltern es wollen. Sie betont, dass Medikamente die Leistungsfähigkeit erhöhen, aber auch „ausbeuten“ können. Man muss immer abwägen.
Medikamente müssen nicht ständig eingenommen werden; Pausen am Wochenende oder in den Ferien sind möglich, und Erwachsene nutzen sie manchmal punktuell für spezifische Aufgaben.
Das Ziel sollte sein, dass Kinder und Erwachsene lernen, mit ihrem Neurotyp umzugehen und sich selbst zu steuern, anstatt sich ausschliesslich auf Medikamente zu verlassen.
8. Schlaf und Rituale:
ADHS/ADS-Personen können oft nicht schlafen, weil ihr Gehirn die Reize des Tages nicht verarbeiten kann.
Regelmässige Rituale zum „Herunterfahren“ vor dem Schlafengehen sind wichtig, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene (z.B. kein Telefon vor dem Schlafengehen, Gespräche über den Tag, Tagebuch schreiben).
Zusammenfassend legt Dr. Davatz den Fokus auf ein ganzheitliches, systemisches und beziehungsorientiertes Verständnis von ADHS/ADS, das die einzigartigen Eigenschaften dieses Neurotyps würdigt und das Umfeld dazu anleitet, sich anzupassen und Unterstützung zu bieten, anstatt Symptome zu pathologisieren oder zu unterdrücken. Sie betont, dass Beziehung und Interaktion der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit ADHS/ADS sind.
3.7.2025
Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?
Audio
[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz herzlich begrüssen zum heutigen Abend.
[00:00:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema: wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?
[00:00:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, ich bin Familientherapeutin, in den USA ausgebildet.
[00:00:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin.
[00:00:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue nicht nur das Individuum an, sondern ich schaue immer die Interaktion an.
[00:00:28.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte meinen Vortrag und dann dürfen sie Fragen stellen und kritische Bemerkungen
machen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
[00:00:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder.
[00:00:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war 40 Jahre lang im Kanton Aargau tätig, als Sozialpsychiaterin.
[00:00:55.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt habe ich nur noch eine Praxis in Zürich.
[00:00:58.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Schulen gearbeitet, ich habe mit Elternvereinigungen gearbeitet.
[00:01:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch mit Lehrern gearbeitet.
[00:01:07.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind auch Lehrpersonen anwesend?
[00:01:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, wie viele anwesend sind.
[00:01:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich natürlich, wenn Lehrer kommen. Ich finde es sehr wichtig, dass Lehrer
und Eltern zusammenarbeiten, auch wenn sie nicht genau die gleiche Rolle haben den
Kindern gegenüber.
[00:01:27.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Unterschied muss man ausarbeiten. Zusammenarbeiten sollten sie trotzdem.
[00:01:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache als erstes eine kleine Einleitung, allgemein, philosophisch.
[00:01:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde, auf dem Planeten.
[00:01:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lernfähigkeit läuft nicht nur über die Kognition ab.
[00:01:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule sind wir sehr intellektualisiert.
[00:01:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt alles lernen läuft nur kognitiv ab.
[00:02:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft auch über die Gefühle ab
[00:02:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über das emotionale Gehirn.
[00:02:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist bei den Säugetieren speziell ausgebildet worden.
[00:02:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung läuft das Lernen ab.
[00:02:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung.
[00:02:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergessen das immer wieder.
[00:02:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken, Lernen kann vom Computer gelernt werden oder aus dem Textbuch.
[00:02:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.
[00:02:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist etwas ganz Wichtiges.
[00:02:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie natürlich ganz speziell.
[00:02:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben immer mit dem Patienten zu tun, mit den Menschen zu tun, wenn das
Gleichgewicht verloren gegangen ist und dann eine psychische Krankheit entsteht.
[00:02:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissensvermittlung kann man heutzutage in einer kurzen Zeit über Google, über das
Internet, ChatGPT erwerben.
[00:03:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle reden heute mit dem ChatGPT und fragen: Was würdest du da sagen? Weisst du
etwas über das und das?
[00:03:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er spuckt viel Gutes raus.
[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende ChatGPT nicht so viel.
[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lerne aus meiner Erfahrung.
[00:03:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein absolut interessantes und sehr effizientes Instrument.
[00:03:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn kann man Wissen aus dem Internet herausholen.
[00:03:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionale Beziehungen und Lernen in der Beziehung, das kann man nicht aus dem
Internet herausholen.
[00:03:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Intelligenz, die wird nicht über die ChatGPT gefördert.
[00:03:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann nur in der zwischenmenschlichen Beziehung erlernt werden.
[00:03:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaue ich die Antworten von ChatGPT an, dann denke ich: so brav, so normal, so
vornehm, so höflich. Nicht lebendig. Es ist tot.
[00:03:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stört mich.
[00:04:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Film, der heisst Anomalia.
[00:04:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Liebesgeschichte ist Puppen, mit Robotern dargestellt worden.
[00:04:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Film ist anderthalb Stunden gegangen. Ich dachte immer: wann kommt endlich ein
Mensch? Wann kommt endlich etwas Lebendiges?
[00:04:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
All das künstlich sehr gut gemachte Zeugs stimmt alles aber es fehlt die Lebendigkeit.
[00:04:47.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist heutzutage wichtiger denn je, die Eltern auch, um den Kindern
emotionale Intelligenz beizubringen, zum selber lernen und um die Beziehung zu
pflegen.
[00:05:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehungspflege ist noch nie so wichtig gewesen, wie heutzutage.
[00:05:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat nicht mehr alles Wissen. Die Kinder wissen vieles schon und haben es
schon nachgeschaut auf dem Internet.
[00:05:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Persönlichkeit können sie nicht auf dem Internet anschauen.
[00:05:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Was dann auf dem Internet passiert, ist, dass so Schematas, so Typen, typische
Geschichten gebracht werden und die sind alle auf das emotionale Gehirn ausgerichtet
im Sinne vom Verkauf.
[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will immer mehr, man will den Käufer abhängig machen.
[00:05:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Abhängigkeitsproblem ist ein riesige Problem, gerade auch bei den ADHS/ADS
Kindern.
[00:05:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sprechen auf das Emotionale an.
[00:05:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht schnell, sie sind alle schnell und ungeduldig.
[00:05:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden gefüttert und verführt.
[00:05:57.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Kauf verführt.
[00:06:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mein Mobiltelefon öffne und eine Benachrichtigung bekomme, denke ich mir
immer: die müssen mir nicht sagen was wichtig ist für mich. Ich weiss es selber.
[00:06:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind, wenn man noch nicht so eine Persönlichkeit hat, dann schaut man alles an.
[00:06:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird dann geprägt durch all die Reklamen.
[00:06:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum plädiere heute Abend für das menschliche Lernen, für die Beziehung, für die
Interaktion, auch für den Konflikt, dass man untereinander lernt.
[00:06:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wichtiger denn je.
[00:06:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir in die Politik, was dort abläuft, dann läuft ein Kindergarten ab.
[00:06:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auf eine Art das Verhalten von Drei- bis Fünfjährigen.
[00:06:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du das machst, mache ich das. Rache und Hin und Her.
[00:06:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das möchte ich ihnen nicht beibringen.
[00:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat denn das mit ADHS/ADS zu tun?
[00:07:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein philosophischer Eingang.
[00:07:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne ein paar wichtige Merkmale vom ADHS/ADS.
[00:07:13.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man viel im Internet, in der Zeitung und so weiter.
[00:07:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mir gerne nachher Fragen stellen, wenn sie dazu noch mehr wissen
möchten.
[00:07:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das A steht für Aufmerksamkeitsstörung.
[00:07:31.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H steht für die Hyperaktivität.
[00:07:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst am Schluss dann immer, die Aufmerksamkeitsstörung, hyperkinetisches
Syndrom.
[00:07:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Syndrom ist eine Krankheit, also ein Krankheitssyndrom.
[00:07:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar, ADHS/ADS ist keine Krankheit.
[00:07:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein bisschen ein anderer Neurotyp.
[00:07:54.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird genetisch vererbt. Man kann es nicht weg erziehen.
[00:07:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein bisschen anders gestaltet, das reagiert anders, das nimmt das
Umfeld anders auf.
[00:08:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht von Grund auf ändern.
[00:08:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von Aufmerksamkeit-Störung spricht, ist das medizinisch.
[00:08:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte sehen immer die Störung und wollen dann die korrigieren.
[00:08:21.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, es ist nicht eine Störung, es ist eine breite Aufmerksamkeit.
[00:08:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder nehmen immer sofort alles wahr.
[00:08:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler sagen: wenn ich in einen Raum reinkomme, nehme ich sofort alles
wahr. Ich weiss, wie es den Leuten geht, wie der ist und so weiter.
[00:08:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit.
[00:08:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit wird zum Problem, wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine
langweilige Stunde gibt.
[00:08:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann: ach, das kann ich vergessen. Ich gucke lieber zum Fenster raus, ich störe
meinen Nachbar, ich mache irgendetwas mit meinem Kollegen.
[00:08:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spiele den Clown. Dann finden mich alle lustig. Dann nimmt man dem Lehrer die
Aufmerksamkeit weg.
[00:08:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS-Kind ist für die Lehrperson eine Herausforderung.
[00:09:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrperson nicht spannend genug ihr Material bringt, dann passiert es
schnell, dass das ADHS/ADS-Kind abgelenkt ist.
Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, schnüffelt er überall umher. Er schaut wo
überall etwas interessantes ist. Dort wo es interessant ist, geht er hin. Wenn er nichts
wichtiges findet, legt er sich wieder hin.
[00:09:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder tun immer so ein bisschen in das Umfeld screenen.
[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, wo sie alles wahrnehmen müssen, wenn sie dann in einer
grossen Menge sind, in einer Schulklasse oder an einem Anlass und dann läuft viel
interessantes Zeugs, dann macht die breite Aufmerksamkeit, die hat zur Folge, dass
das Kind in ein System Overload reinkommt.
[00:10:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das emotionale System wird überfordert, ist überlastet und bricht
zusammen.
[00:10:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse werden dann verrückt. Das ist das ADHS.
[00:10:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS hat die Hyperaktivität nach innen hat, das zieht sich dann zurück, passt nicht
mehr auf.
[00:10:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS landet schlussendlich im Autismus.
[00:10:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird viel Autismusspektrumsstörung gestellt, ASS.
[00:10:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, Autismusspektrumsstörung ist eigentlich das ADHS/ADS in extremer Form.
[00:10:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, das ist noch mal eine andere Krankheit.
[00:10:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Psychiatrie so viele Diagnosen stellt, sage ich immer: wir haben nur
ein Gehirn und das Gehirn funktioniert ganzheitlich und die verschiedenen Funktionen
im Gehirn, die gehen immer ineinander rein und die können auch ändern.
[00:11:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Diagnostik, die man in der somatischen Medizin verwendet, nicht so gut
in der Psychiatrie verwenden.
[00:11:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie führt einem in einen Tunnel rein und ist nicht beweglich genug.
[00:11:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastische Organ. Das heisst, es kann verändert werden durch den
Einfluss vom Umfeld, durch die Interaktion und natürlich durch das eigene Verhalten.
[00:11:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein soziales Organ. Es ändert sich über die Interaktion.
[00:11:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.
[00:11:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder werden leicht abgelenkt.
[00:11:46.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn interessantere Sachen passieren, gehen sie dort hin und bleiben nicht bei
irgendeiner langweiligen Lektion.
[00:11:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann natürlich Schulprobleme.
[00:11:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat es schwer mit den ADHS/ADS Kindern.
[00:11:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin, der Lehrer muss immer den Faden haben. Das kann ein Problem sein mit
24 Kindern. Wenn es mehrere ADHS/ADS Kinder sind, die alle in eine andere Richtung
tendieren, muss die Lehrperson zum Erhalter werden.
[00:12:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst immer: das Kind hat keinen Respekt, kein Gehorsam. Gehorsam heisst: du
hast nicht zugehört.
[00:12:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nicht einfach folgen.
[00:12:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eigentlich immer intrinsisch motiviert sein. Sie müssen selber entscheiden:
jawohl, das interessiert mich und das mache ich.
[00:12:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es fertig bringen sie zu motivieren, aber nicht über gehorsam, sondern das
Interesse locken.
[00:12:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Interesse locken kann, dann sind sie sehr interessiert und dann haben
sie nicht mehr die breite Aufmerksamkeit, dann haben sie auf einmal einen Hyperfokus.
[00:13:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die im Hyperfokus sind, können an ihrer Arbeit bleiben, interessiert.
Das gibt dann die Wissenschaftler, Bastler, etc.
[00:13:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur die breite Aufmerksamkeit.
[00:13:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich ihren eigenen Fokus geben, dann ist die Aufmerksamkeit da.
[00:13:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Folgen können sie nicht so gut.
[00:13:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nur folgen, indem man ihr Interesse weckt und dann machen sie es von sich
aus.
[00:13:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sind dort ein bisschen anders.
[00:13:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind sehr beziehungsorientiert.
[00:13:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das sein.
[00:13:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gebären Kinder, wir ziehen Kinder auf.
[00:14:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben andere Hormone.
[00:14:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind die Mädchen oft sogenannt aufmerksamer.
[00:14:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie passen sich dem Lehrer, der Lehrerin zuliebe an, bis zum Punkt, dass
sie sich sogar selber unterdrücken.
[00:14:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum stellt man bei den Frauen die ADHS/ADS-Diagnose oft erst zwischen 35 bis 45.
[00:14:21.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon Erwachsene gehabt, 40-Jährige.
[00:14:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat gesagt: ich habe gar nichts gemerkt, es ist alles problemlos gegangen.
[00:14:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter, die hat eine Phase von vielen Erkrankungen durchgemacht und ist ganz
klar ein ADHS/ADS-Kind, Persönlichkeit gewesen.
[00:14:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Weibliche ADHS/ADSler haben die Tendenz, sich mehr anzupassen als die Männlichen.
[00:14:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männlichen fallen mehr auf, die werden aggressiv, wenn man sie falsch anpackt,
wenn man etwas von ihnen verlangt, was sie nicht wollen, oder wenn man sie stört bei
ihrer eigenen Aktivität.
[00:15:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn sind früher auch nur die Buben diagnostiziert worden.
[00:15:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann gesagt, fünf Knaben auf ein Mädchen.
[00:15:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man 1,5 Knaben auf ein Mädchen.
[00:15:18.025] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistik ändert.
[00:15:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft oft so: die Kinder werden diagnostiziert. Die Eltern denken: eigentlich habe ich
das auch. Dann klären sie sich auch ab.
[00:15:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist klar. ADHS/ADS ist vererbt.
[00:15:39.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben beide etwas davon. Vater und Mutter.
[00:15:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
They find each other, they bind with each other and they reproduce with each other.
[00:16:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist sich ähnlich. Das ist immer schön vertraut.
[00:16:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist: sie sind hochsensibel.
[00:16:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Sensible zusammen sind und einer ist aggressiv, der andere zieht sich
zurück, dann kann es wieder Konflikte geben.
[00:16:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien haben mehr Scheidungen.
[00:16:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie scheiden mehr. Sie sind viel konfliktanfälliger durch ihre hohe Sensitivität.
[00:16:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide sensibel sind, kann jeder sagen: du hast mich verletzt. Du hast mich
verletzt, nein du hast mich verletzt. Dann wird gestritten.
[00:16:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Ehepaare, die man auseinander dividieren und jeden wieder einen Platz
geben muss.
[00:17:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommen sie zu spät. Es ist dann schon auseinander gegangen.
[00:17:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie finden sich, sie streiten aber auch mehr miteinander und sie scheiden mehr.
[00:17:29.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben mehr Kündigungen oder werden entlassen, weil sie sich gegen
der Chef wehren.
[00:17:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen mögen keine Vorgesetzten, die ihnen nicht überlegen sind
punkto Wissen.
[00:17:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die vorgesetzten Personen weniger gut sind, wenn sie
weniger wissen, dann lässt man sich gar nicht sagen.
[00:17:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Ton verfehlt, geht es auch nicht.
[00:17:54.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein bei Kindern und Erwachsenen mit ADHS/ADS muss man in einem
tiefen Erregungszustand seine Botschaft durchgeben. Low arousal.
[00:18:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man hocherregt ist, geht es daneben. Dann wird das Gehirn noch mehr erregt.
[00:18:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand laufen nur noch Reflexe ab, jedoch keine vernünftigen
Verhaltensweisen.
[00:18:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum darf man ADHS/ADSler nicht im erregten Zustand belehren, moralisieren, sagen
was sie tun sollen.
[00:18:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man sich selber beruhigen, dann das Kind sich beruhigen lassen.
[00:18:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn ein ruhiger Zustand herrscht, kann man wieder an die Kognition appellieren.
[00:18:45.697] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand, geht gar nichts rein.
[00:18:45.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es nur die vier Reflexe:
[00:18:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Kampf, Flucht, Totstellreflex, und Necken.
[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight, Freeze and Tease.
[00:19:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist bekannt bei den Jungtieren. Provozieren.
[00:19:13.157] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich. Blöd tun und schauen, wie der andere reagiert.
[00:19:24.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist auch ein Annäherungsversuch.
[00:19:33.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man oft unter Knaben und Mädchen.
[00:19:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der andere verletzt. Man merkt das Raffinierte nicht bei den Mädchen.
[00:19:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe, welcher aggressiv wird, wird bemerkt. Der wird dann bestraft.
[00:19:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ungeschickter Annäherungsversuch.
[00:20:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben das oft. Sie sind erfinderisch, kreativ, spielerisch.
[00:20:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Neckverhalten tritt ganz viel in er Pubertät auf.
[00:20:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei allen sozialen Wesen so.
[00:20:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Neckverhalten wird in der Tierwelt artübergreifend verwendet.
[00:20:37.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird immer eingesetzt um herauszufinden, wie der andere reagiert.
[00:20:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das etwas Lebendiges oder nicht? Wir mein Gegenüber verrückt oder nicht? Spielt
er mit mir?
[00:20:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Hunde die anderen zum Spielen auffordern, tun sie das auf eine gewisse Art und
Weise und springen aufeinander zu.
[00:20:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft verstehen wir Erwachsenen dann das Necken nicht so gut.
[00:21:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind beleidigt oder werden verrückt.
[00:21:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind wir unter Zeitdruck. Dann können wir das gar nicht gebrauchen.
[00:21:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts Böses.
[00:21:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt mit sich, dass die Knaben wie auch die Mädchen schnell verletzt
werden.
[00:21:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben reagieren auf die Verletzung mit Aggression, Kampf.
[00:21:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen reagieren auf die Verletzung mit Flucht, Rückzug oder sie passen sich an,
damit kein Konflikt mehr auftritt.
[00:21:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es viel Konflikte in der Familie oder der Klasse gibt, dann passen sich die
Mädchen noch mehr an und geben sich grosse Mühe, dass sie nicht noch mehr
Probleme verursachen.
[00:21:59.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man sehr gut. ADHS/ADSler sind sehr sensitiv und die wollen natürlich, dass
es dem Kollektiv gut geht. Die passen sich dann über an, auf ihre Kosten.
[00:22:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt dann im mittleren Alter raus.
[00:22:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort reagieren die Frauen dann mit Depressionen.
[00:22:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sich so lange angepasst, jetzt geht es plötzlich nicht mehr. Sie sind
erschöpft.
[00:22:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt ein Burnout, eine Depression.
[00:22:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen und die Eltern haben oft Mühe mit dem aggressiven Reagieren auf
die Sensitivität und wollen das abklemmen.
[00:22:40.319] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt gleich die Erziehung rein.
[00:22:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo die Aggression läuft, herrst ein erhöter Errgungszustand. High
Arousal. Da kann man gar nichts sagen. Da kann man die Situation nur beruhigen
lassen.
[00:22:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn der Sturm durch ist, kann man zusammen schauen: was hat dich dort
verletzt?
[00:23:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst die Verletzung validieren.
[00:23:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen: im nächsten Fall, wenn du wieder so verletzt wirst, was könntest du anders
machen?
[00:23:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man zusammen erarbeiten: wie kann man anders vorgehen.
[00:23:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man kognitiv vorgehen. Das heisst nicht, dass es dann sofort wieder läuft.
[00:23:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verhalten, die Emotionskontrolle lernt man in der Pubertät.
[00:23:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Impulsivität immer sofort bestraft wird, können sie nichts lernen.
[00:23:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Natur versaut hat, kann man mit Strafen nicht korrigieren. Das sagt Gerhard
Polt.
[00:23:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur, das ist der angeborene Neurotyp, die Gene.
[00:24:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erziehungssystem sehe ich, wie immer noch sehr viele Prinzipien rumschwirren:
man muss bestrafen.
[00:24:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sagen immer: es muss Konsequenzen geben.
[00:24:20.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Reflexverhalten kann man nicht mit Strafen verändern.
[00:24:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es mit Strafen verändert, tut man höchstens den Menschen zurück
dämmen, dass er sich gar nichts mehr getraut.
[00:24:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird der Mensch phobisch, zieht sich zurück, hat Angst davor, etwas falsch zu
machen. Dann gibt es zwanghaftes Verhalten.
[00:24:38.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts.
[00:24:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss warten, bis sich der emotionale Erregungszustand gelegt hat, sonst giesst
man nur Öl ins Feuer und es wird schlimmer und man schadet.
[00:24:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen, welche so sensibel sind, ziehen sich zurück und ihre Leistung liegt dann
unter ihren Fähigkeiten. Die gehen oft verloren in der Klasse.
[00:25:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: wieso bringst du nicht die Leistung?
[00:25:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind beschäftigt mit dem sozialen Ablauf, dass sie nicht mehr für sich schauen
können.
[00:25:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen hat die Schule verweigert. Sehr konstant. Die hat es nicht ertragen, dass
die Lehrerin nicht gerecht umgegangen ist mit den Schülern.
[00:25:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer hat alles beherrscht. Die Lehrperson hat nicht die Führung übernommen.
[00:25:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich musste man mit ihr Homeschooling machen, bis zum heutigen Tag.
[00:25:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine lange Geschichte.
[00:26:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme zur Medikation.
[00:26:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin arbeit mit Medikamenten.
[00:26:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit kann eingeengt werden über Medikamente.
[00:26:24.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Stressmedikamente. Die erhöhen den Stress. Das ergibt die
Fokussierung.
[00:26:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn unser Gehirn gestresst wird, wenn wir unter Stress sind, geht die
Leistungsfähigkeit eine zeitlang hoch. Wenn es zuviel Stress ist, fällt sie komplett
zusammen.
[00:26:44.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder gehen in der Nacht vor der Prüfung alles durch. Das geht sogar.
[00:27:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verursachen sich selber Stress, Dopaminausschüttung, indem sie sich unter Stress
setzen.
[00:27:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Extremfall gibt es noch das Sensation Seeking.
[00:27:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen verrücktes Zeugs und es geht immer um die Stimulierung, um die
Dopaminausschüttung.
[00:27:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress und im Krieg kann man Wunden haben und man spürt den Schmerz nicht
mehr. Das ist diese Wirkung.
[00:27:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen sind wichtig.
[00:27:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man diesen Kindern Ritalin gibt, Concerta, gewisse merken dass, sie sind
sensibel und sagen: ich bin nicht mehr mich selber.
[00:27:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie spüren sich nicht so gut.
[00:28:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nur Leistung wichtig ist in der Schule, muss man sich nicht spüren. Hauptsache
man erbringt die Leistung.
[00:28:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es wichtig, dass die Persönlichkeit entwickelt wird, in der Schule und zu
Hause. Das Gespür gehört dazu.
[00:28:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe auch Medikamente.
[00:28:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keine Medikamente.
[00:28:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe keine Medikamente, wenn das Kind es nicht will, wenn die Eltern es nicht
wollen.
[00:28:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Lehrperson eine Zusatzperson geben, die hilft das Kind zu handhaben,
wenn es ausser Rand und Band geht, als einfach nur Ritalin zu verschreiben.
[00:28:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will kein Dogma predigen.
[00:28:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall muss individuell angeschaut werden.
[00:29:01.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man die Stressmedikamente gibt, es sind Amphetamine, die kann
man auch auf der Gasse kaufen. Die werden auf der Gasse auch gehandelt.
[00:29:02.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente bringen mehr Fokus. Die Schulleistung kann von einer bis zu zwei
Noten hochgehen.
[00:29:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr verführerisch. Da hat man Freude. Das Kind kann in eine bessere Schule,
kann eine bessere Ausbildung machen. Es ist immer auch ein Preis dabei.
[00:29:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.
[00:29:46.670] – Bemerkung 1
Wie kurzfristig oder wie schnell wirkt das Medikament? Wie lange wirkt das
Medikament?
[00:29:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Medikament wirkt sofort, innerhalb von einer Stunde.
[00:29:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die kurzwirksamen, wie das normale Ritalin. Das wirkt sofort. Die Wirkung fällt
dann mit der Zeit wieder ab. Die kann man morgens und nach dem Essen nochmals
einnehmen.
[00:30:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt langwirksame, Concerta, das wir den ganzen Tag.
[00:30:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin kann auch wie eine Schlafmedikation wirken, ohne sedierend zu wirken. Es wirkt
dann nur fokussierend.
[00:30:38.760] – Bemerkung 2
Muss man die Medikamente über eine längre Zeit nehmen?
[00:30:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.
[00:30:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es geht in den Ferien nicht nehmen, damit sich das Gehirn wieder erholt.
[00:30:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse wollen, dass das Kind die Medikamente genau in den Ferien nimmt, damit das
Kind leichter zum handhaben ist. Das muss ich den Eltern überlassen.
[00:31:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse nehmen Medikamente für eine Zeit und setzen sie dann ab.
[00:31:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere nehmen Medikamente bis ins Studium und darüber hinaus. Es wird ganz
individuell gehandhabt.
[00:31:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde immer vorsichtiger.
[00:31:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente erhöhen die Leistungsfähigkeit und beuten aus.
[00:31:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.
[00:31:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Medikament nicht immer nehmen.
[00:31:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Medikament auch über das Wochenende weglassen.
[00:31:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene nehmen das Medikament, wenn sie ihr Steuererklärung ausfüllen müssen,
wenn sie einen Tag studieren gehen.
[00:31:59.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente können sehr punktuell verschrieben werden.
[00:32:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat Medikamente genommen und wollte mit 15 Jahren ohne Medikamente
leben können. Er wollte sich selber steuern können.
[00:32:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsenen und Kindern versuche ich beizubringen, dass sie lernen mit ihrem
Neurotyp umzugehen.
[00:32:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es gewisse Regeln. Diese Regeln kann man lernen.
[00:32:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Coaches, Ratschläge auf dem Internet.
[00:32:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Ratgeber, was man alles tun kann.
[00:32:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber herausfinden, was für einem passt.
[00:32:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von: persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS Kindern.
[00:33:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld kann lernen mit diesen Kindern umzugehen.
[00:33:11.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt auch selber etwas, wenn man lernt mit den ADHS/ADS Kindern umzugehen.
Man kommt dann auch selber weiter.
[00:33:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung spricht man von der artgerechten Tierhaltung.
[00:33:20.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft schneller gesagt als getan. Dort wurde man darauf aufmerksam.
[00:33:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Menschen spreche ich von der persönlichkeitsgerechten Erziehung,
bedarfsgerechter Umgang mit neurodivergenten Kindern.
[00:33:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS-Kind ist ein bisschen anders als das ADS-Kind.
[00:33:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS-Kind muss man bereit sind, sich damit auseinander zusetzen.
[00:33:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS-Kind muss man besser beobachten und nicht so schnell reinschiessen.
[00:33:54.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst verstehen lernen, was abläuft beim Kind.
[00:33:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung muss in einem wenig erregten Zustand stattfinden, sonst geht gar nichts.
[00:34:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Flugzeug muss man zuerst selber die Sauerstoffmaske anziehen und dann dem
Kind.
[00:34:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zuerst selber runterkommen und dann sagen, was sie wollen.
[00:34:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es in ihrem erregten Zustand sagen, haben sie gar keinen Erfolg.
[00:34:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll etwas sagen, wenn das Wasser bei der Brust steht, nicht wenn das Wasser bei
der Nase steht.
[00:34:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber früher etwas sagen, wie man es möchte, als so verrückt zu werden, dass nur
noch Blubber rauskommt.
[00:35:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Befehle.
[00:35:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Befehl ist für ein ADHS/ADS Kind häufig schon ein Übergriff.
[00:35:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst mir nicht, was ich tun soll.
[00:35:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: in meinem Haus, in dem Zustand, in der Minute oder an dem Tag ist
mir wichtig, dass so und so und so und so.
[00:35:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher Regeln aufstellen.
[00:35:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln kann man auch aufschreiben und irgendwo aufhängen.
[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln kann das Kind selber übernehmen. Die Regeln kann das Kind
internalisieren. So wird das Kind intrinsisch motiviert.
[00:35:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Belohnung, Bestrafung, Drohung, das funktionirt gar nicht.
[00:35:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt es zum Kampf und die Eltern wollen etwas durchsetzen, nicht mit Logik und
Überzeugung argumentieren.
[00:35:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich müssen sie sich durchsetzen.
[00:35:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern argumentieren endlos.
[00:36:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind weiss dann gar nicht mehr worum es geht.
[00:36:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber klar sagen, ich möchte das so.
[00:36:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts zu diskutieren. Das ist nicht verhandelbar.
[00:36:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich mit seiner eigenen mentalen Kraft durchsetzen.
[00:36:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre die Eltern zuviel argumentieren.
[00:36:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat am Ende nur einen System Overload und am Schluss weiss es gar nichts
mehr und es empfindet die Eltern eher als schwach.
[00:36:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte, dass sie immer nachgegeben hat. Sie war konsequent inkonsequent.
[00:37:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: wenn sie etwas durchsetzen wollen, dann müssen sie es auch
durchsetzen.
[00:37:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch einsehen, wenn es nicht geht.
[00:37:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Totschlagen möchte man das Kind nicht.
[00:37:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören auf und schauen ein anderes Mal weiter.
[00:37:32.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich auch umentscheiden.
[00:37:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jedes Mal dem Kind zuliebe nachgeben oder weil man zu schwach ist, einfach
nachgeben. Dann lieber gar nicht damit beginnen.
[00:37:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in einen Machtkampf kommt, speziell mit ADHS/ADS Knaben oder
Mädchen, ist man als Erziehungsteil der Verlierer.
[00:37:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt man zu bestrafen, verrückt zu werden. Dann hat man verloren.
[00:38:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas durchsetzen, wenn man auch wirklich dahinter steht und die Kraft hat
dahinter, es zu tun.
[00:38:07.234] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst lieber alles laufen lassen.
[00:38:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Piloten überlassen im Zweifelsfall das Flugzeug sich selber. Das haben mir zwei Piloten
erklärt.
[00:38:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zweifelsfall kann man den ADHS/ADS Kindern die Steuerung selber überlassen.
[00:38:36.745] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind soziale Wesen.
[00:38:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind auch sozial. Die haben auch eine sehr soziale Ader.
[00:38:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstelle von Übersteuern, lieber gar nicht steuern.
[00:38:42.581] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann steuern sich ADHS/ADS Kinder selber.
[00:38:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der AirFrance Absturz, wäre nicht passiert, hätte man nicht übersteuert. Flugzeuge
steuern sich aerodynamisch.
[00:39:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man beim Flugzeug übersteuert, stürzt das Flugzeug ab.
[00:39:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie zum Steuern?
[00:39:13.164] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie nicht, gar nicht damit beginnen. Sonst vertun sie einfach nur ihre
Autorität.
[00:39:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick vom High Arousal kann man nicht an das Grosshirn appellieren.
[00:39:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft alles nur reflexartig ab.
[00:39:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst beruhigen und dann kann man mit seiner Steuerung kommen.
[00:39:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Gene.
[00:39:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Jäger/Sammlerzeit hatte 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene. Heute sind es
noch 5%.
[00:39:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer industrialisierten Produktionsgesellschaft brauchen wir keine Jäger und
Sammler mehr, nur noch in der Wissenschaft, wie Elon Musk.
[00:40:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können wir dann wieder brauchen, um neue Sachen zu entdecken.
[00:40:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle so sind, zerfällt der Kuchen. Dann besteht der Kuchen nur noch aus Rosinen
und der Kuchen hält nicht zusammen.
[00:40:11.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer Symptome therapieren.
[00:40:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man kann die Symptome nicht weg therapieren.
[00:40:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur den Eltern lernen, geschickter mit dem divergenten Neurotyp
umzugehen.
[00:40:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Kindern beibringen, wie sie mit sich umgehen.
[00:40:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Erwachsenen natürlich helfen, dass sie lernen, mit ihrem andersartigen
Neurotyp umzugehen.
[00:40:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin, Familientherapeutin.
[00:41:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn berate ich immer die Eltern, wie sie lernen können, mit dem Kind
umzugehen.
[00:41:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das Kind manchmal einmal um einen Eindruck zu bekommen.
[00:41:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit geschieht mi den Erziehungspersonen.
[00:41:23.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Geduld verliert, das kann jedem passieren, dann soll man in die Luft
schiessen. Nicht auf das Kind schiessen.
[00:41:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
An den islamischen Hochzeiten wird in die Luft geschossen.
[00:41:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind schiessen.
[00:41:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist normal die Geduld zu verlieren. Das kann das Kind auch verstehen.
[00:42:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Schuld auf das Kind schieben.
[00:42:08.083] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit macht man dem Kind Schuldgefühle.
[00:42:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen führen zu nichts.
[00:42:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen als Erziehungsmethode, das bringt nichts.
[00:42:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder führen.
[00:42:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Vortrag hatte ich eine Busse von der Polizei um habe um Straferlass
gebeten. Ich habe ihnen meinen Vortrag gesendet.
[00:43:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Vorschläge sind sehr gut für ADHS/ADS-Kinder.
[00:43:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: das Kind ist nicht gleichwertig, es ist gleichwürdig.
[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind, auch wenn es noch nicht so viel weiss und klein ist, hat eine
Menschenwürde.
[00:44:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen die Menschenwürde nicht verletzen.
[00:44:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wird sehr oft verletzt, speziell wenn man keine Geduld mehr hat, wenn man
überfordert ist, wenn man zuviel zu tun hat.
[00:44:08.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS tritt oft auch die Lernstörung auf, LRS, Lese- und Rechtschreibestörung,
Probleme beim Spracherwerb, Legasthenie, Dyskalkulie oder sogar beides.
[00:44:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr gut im Rechnen.
[00:44:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht gut im Rechnen. Er hat als Physiker die Zusammenhänge
gesehen.
[00:45:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr sprachbegabt, mathematisch jedoch gar nicht.
[00:45:04.844] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sind sie in beidem gut.
[00:45:05.038] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie essen nicht alles.
[00:45:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat nur Nudeln mit Buttern gegessen und ein bisschen Salat mit der Sauce von
der Mutter und vielleicht noch ein Wienerli und alles andere ist nicht gegangen.
[00:45:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt keine Mangelernährung.
[00:45:18.460] – Bemerkung 3
Wächst sich das aus?
[00:45:59.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man kann lernen. Es wird von allem probiert, auch wenn es nur eine Erbse ist.
[00:46:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschmack kann sich an die ungewöhnlichen Dinge anpassen.
[00:46:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass ihr Gehör nicht gerne Lärm hat.
[00:46:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben ein absolutes Musikgehör. Die stört alles, was daneben ist.
[00:46:23.148] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Tastsinn können sie gewisse Materialen nicht mögen.
[00:46:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der Haut ertragen sie vielleicht keine Kunstfasern.
[00:46:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man alles herausfinden.
[00:46:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Wolle oder Schafwolle auf der Haut. Die beisst.
[00:46:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In verschiedenen Bereichen können die Kinder sehr sensibel sein.
[00:47:02.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind ist sehr Licht empfindlich. Er war bei einem Augenarzt. Der Augenarzt hat
herausgefunden, welche Lichtstrahlen er nicht erträgt. Jetzt kriegt er eine spezielle
Brille, damit er besser lesen kann. Er ist sehr empfindlich mit seinen Augen. Das wurde
anfangs gar nicht ernst genommen. Er hat jetzt die Diagnose Autismus bekommen. Es
hat immer geheissen: du spinnst.
[00:47:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von hochsensibel.
[00:47:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind kreativ, sie können Grenzen überschreiten.
[00:47:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können in der Kunst und in der Wissenschaft kreativ sein.
[00:47:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Eroberer, Forscher, Entdecker.
[00:47:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist ein hoher Gerechtigkeitssinn.
[00:48:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Mädchen, welches die Schule verweigert hat, ist nicht mehr in die Schule, weil es
fand, der Lehrer mache es nicht richtig, der ist nicht gerecht mit der Klasse. Die hat so
nicht ertragen, dass sie die Schule verweigert hat.
[00:48:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war nicht wegen ihr, es war wegen der Klasse.
[00:48:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen starken Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
[00:48:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann von den ADHS/ADS Kindern lernen, wenn man ihnen zuhört, wenn man sie
validiert, was hat sie verletzt hat, wie sehen sie es?
[00:48:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben oft einen anderen Blick auf das Leben.
[00:48:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von ADHS/ADS Kindern kann man sehr viel lernen. Man muss sie gut beobachten. Man
muss überlegen. Man kann nicht von Schematas ausgehen.
[00:49:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas für alle funktioniert, funktioniert es für dieses Kind nicht.
[00:49:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder interessant.
[00:49:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn bleibt wach, wir bleiben flexibel, beweglich, wenn wir bereit sind zum
lernen.
[00:49:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: wie betrachtet das Kind die Situation.
[00:49:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe 13 Regeln notiert, wie man mit den ADHS/ADS Kindern umgehen sollte.
[00:49:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einen Machtkampf gerät, dann verliert man meistens.
[00:49:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ok, wenn sie in der Pubertät auch einmal verlieren, oder 50% der Fälle verlieren.
[00:50:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tun etwas für das Selbstwertgefühl vom Kind.
[00:50:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sieht sich das Kind als Sieger über die Eltern, dann gibt das ein besseres
Selbstwertgefühl. Die Eltern müssen auch verlieren können.
[00:50:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Autoritätsfigur immer nur gewinnt, dann wird die Persönlichkeit vom
ADHS/ADS Kind geschwächt und die persönliche Entwicklung vom Kind wird sehr
eingeschränkt. Das ADHS/ADS Kind wird geschwächt.
[00:50:41.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die landen dann bei mir als Erwachsene Patienten.
[00:50:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich publiziere ein Buch zum Thema: ADHS/ADS und die Folgekrankheiten.
[00:51:05.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, sehe ich, wie hinter allen Psychiatrischen
Krankheiten ein ADHS/ADS ist.
[00:51:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater streiten sich untereinander über die Symptome. Was soll ich zuerst
anschauen?
[00:51:17.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist die Grundursache. Das ist genetisch vererbt.
[00:51:17.665] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression wird nicht genetisch vererbt, die ist erworben.
[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Schizophrenie wird nicht genetisch vererbt.
[00:51:42.162] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein ADHS/ADS dahinter.
[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Fachwelt.
[00:51:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie ist auch ein Buch von mir.
[00:52:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat den Begriff Schizophrenie geprägt, 1911.
[00:52:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sagte: Schizophreniepatienten sind viel sensibler, die merken Dinge, welche die
Durchschnittsmenschen gar nicht merken.
[00:52:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite, sensible Aufmerksamkeit.
[00:52:44.731] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat das schon beobachtet.
[00:52:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat nichts daraus gemacht. Damals hat man gar nicht von ADHS/ADS gesprochen.
[00:52:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Zappelphilipp gab es damals schon, vor 200 Jahren. Das war einfach ein
Kinderbuch. Psychiatrisch hat man nichts damit gemacht.
[00:53:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dem Kind helfen, in dem sie lernen mit dem ADHS/ADS Kind umzugehen,
indem sie wachsam sind, indem sie klar sind.
[00:53:14.153] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch umentscheiden.
[00:53:14.457] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie umentscheiden, müssen sie es klar sagen.
[00:53:15.657] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher so gedacht, jetzt denke ich so. Jetzt möchte ich es so.
[00:53:16.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt können sie mir Fragen stellen, widersprechen, etc.
[00:53:56.900] – Bemerkung 4
Knaben werden tendenziell aggressiv, Mädchen unterdrücken ihre Gefühle. Gilt das für
ADHS/ADS?
[00:53:57.770] – Bemerkung 4
Wie zeigt sich das ADS?
[00:54:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler ziehen sich eher zurück, Knaben und Mädchen, die denken ganz viel nach. Die
haben das Kino im Kopf. Die können ein Karussell im Kopf haben. Die können das
Denken nicht mehr stoppen. Die können wegen dem vielen Denken in der Nacht oft
auch nicht schlafen. Es denkt einfach weiter.
[00:54:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag etwas geschehen ist, dass sie verletzt hat, sie gestört hat, sie gekränkt
hat, das sie verrückt gemacht hat, dann denkt das Gehirn einfach weiter.
[00:54:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn, wo das limbische System ist, wo das Mittelhirn ist, welches bei
den Säugetieren stark entwickelt wurde, was für die Beziehung wichtig ist, das
prozessiert alle Reize die von aussen kommen als erstes.
[00:54:59.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Reize nicht verdaut werden können, aufgelöst werden können, dann kann
man nicht schlafen weil man zu erregt ist.
[00:55:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es wichtig, dass man über die Geschehnisse sprechen kann, diese
verarbeiten kann. Dann kann man die Erlebnisse im Grosshirn ablegen, es gibt ein
Wissen daraus und dann kann man das nächste Mal besser reagieren.
[00:55:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vielen Denker werden dann zu Wissenschaftler, Schriftstellern.
[00:55:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sehr fokussiert an etwas arbeiten.
[00:55:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war so.
[00:55:52.685] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat bis er fünf Jahre alt war nicht gesprochen.
[00:55:52.807] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man einen Autisten.
[00:56:09.060] – Bemerkung 5
Was ist häufiger? ADHS oder ADS?
[00:56:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht sagen. ADHS wird mehr und leichter diagnostiziert. Die
Hyperaktivität fällt jedem auf. Das Denken fällt im Umfeld nicht auf. Das muss man
erfragen.
[00:56:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne keine Statistik.
[00:56:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau machen wir eine Studie mit der Genetik in Basel.
[00:56:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Gene werden untersucht. Man nimmt das Blut und schaut die Genetik an,
die Symptomatik und die Erziehungsstile, welche diese Personen hatten.
[00:56:54.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir geht es um die Interaktion zwischen dem Genotyp und dem Umfeld.
[00:57:19.160] – Bemerkung 6
Wenn man bis neun Jahren die neuropsychologische Abklärung macht, macht das
Sinn?
[00:57:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt von der IV. Das ist ganz unterschiedlich.
[00:57:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
POS war früher ein Geburtsgebrechen. Das ist genetisch vererbt. Das besteht seit der
Geburt.
[00:58:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV sagt sie zahlt nur, wenn es vor dem 9. Altersjahr abgeklärt ist.
[00:58:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist angeboren. Es spielt keine Rolle, wenn man es diagnostiziert, mit 6, 9 oder 15
Jahren.
[00:58:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind endlose IV Diskussionen. Das sind willkürliche Grenzen, welche die IV gesetzt
hat. Das heisst gar nichts.
[00:58:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig wir abgeklärt.
[00:58:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Mädchen oder gut erzogenen Knaben sind, im Einzelunterricht sind sie
aufmerksam.
[00:58:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden immer nur im Einzelsetting getestet.
[00:59:01.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern und Lehrer werden auch noch gefragt. Das wird mit eingebaut.
[00:59:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sehr intelligent sind, merkt man gar nichts.
[00:59:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte zeigt das ADHS/ADS.
[00:59:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ganzen Klasse, mit der Familie, kommt das alles raus.
[00:59:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Einzelsetting ist die Fokussierung gut, bei gewissen. Es ist unterschiedlich.
[00:59:22.330] – Bemerkung 7
In welchem Alter soll man die Abklärung machen?
[00:59:45.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich mache keine neuropsychologische Aufklärung.
[00:59:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage einfach immer nach der Geschichte.
[00:59:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose über die Anamnese, also indem ich die Geschichte erfrage.
[00:59:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mir die verschiedenen Faktoren an.
[00:59:58.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das ohne neuropsychologische Abklärung. Ich habe jetzt über 40 Jahre
Erfahrung damit.
[01:00:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer in der Schule eine zusätzliche Hilfskraft möchte, will die Schule immer
eine zusätzliche Abklärung.
[01:00:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sage ich einfach: das ist ein ADHS/ADS Kind.
[01:00:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht bei gewissen Schulen, bei gewissen nicht. Dann geht man abklären.
[01:00:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
In welchem Alter?
[01:00:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf die Situation an, ob es die Lehrer brauchen, ob es die Eltern unbedingt
wollen. Dann hat man etwas in der Hand.
[01:00:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Abklärung im Erwachsenenalter macht, sagen viele: es hat mir geholfen,
endlich verstehe ich mich. Es ist mir ein Licht aufgegangen. Darum bin ich so anders.
[01:01:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Klärt man es schon bei den Kindern ab, wehren sich die Eltern oft dagegen und sagen:
mein Kind ist doch nicht krank.
[01:01:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Krankheit. Es ist ein anderer Neurotyp.
[01:01:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will sich zum Teil nicht abklären lassen, weil es nicht gestört sein möchte. Ich
bin kein Verrückter, ich bin kein Psycho.
[01:01:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sind neugierig. Die sehen dann, wie ihr Gehirn besser funktioniert. Es
weiss dann besser, wie es Aufgaben machen kann, wie es sein Gehirn verwenden
kann.
[01:01:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder gerne in die Abklärung gehen, dann schicke ich sie. Sonst nicht.
[01:01:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass das Umfeld mit den Kindern umgehen kann. Das ist die Hauptsache.
[01:02:03.360] – Bemerkung 8
Sowie die Schule funktioniert, ist das gar nicht möglich, dass die mit dem umgehen
können.
[01:02:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage etwas zur Schule und zur Lehrplan Revision.
[01:02:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ich war im Kanton Aargau an der Lehrplan Revision beteiligt, Gesundheitserziehung.
Das Fazit war: leben und leben lassen.
[01:02:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Kind sich entwickeln lassen.
[01:03:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was man aushandeln kann.
[01:03:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Aargau auf der Oberstufe mit den Lehrpersonen zusammen gearbeitet.
[01:03:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Drei Lehrpersonen kamen immer zu mir, wenn sie ein Problemkind hatten.
[01:03:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren in der Regel ADHS/ADS Kinder.
[01:03:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Lehrpersonen habe ich beraten. Ich habe ihnen Tricks und Tipps gegeben, wie
sie damit umgehen können.
[01:03:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle durch die Schule gebracht.
[01:03:41.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen berate ich nach zwei Studiums wieder.
[01:03:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte zu mir, dass ich der Lehrperson gesagt habe: hören sie auf, das Kind zu
bestrafen. Das ist meine Haltung.
[01:03:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt will er noch besser mit sich umgehen lernen.
[01:03:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler will pro Klasse zwei Lehrpersonen.
[01:04:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr Geld in die Schule investieren und weniger in die Psychiatrie. Das ist
der Anfang.
[01:04:09.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen mehr unterstützt werden.
[01:04:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine Beratung bekommen.
[01:04:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder darf man nicht einfach nur in die Kinderpsychiatrie schicken.
[01:04:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird das Kind pathologisiert, es bekommt ein Medikament, es kommt sich
schlecht vor.
[01:04:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überall läuft es schlecht.
[01:04:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen mehr Unterstützung.
[01:04:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen berate ich, damit sie lernen, wie sie mit schwierigen Kindern
umgehen können.
[01:04:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen sind sehr alleine gelassen.
[01:05:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sollte auch mehr voneinander lernen können.
[01:05:17.260] – Bemerkung 9
Als Lehrperson fühle ich mich nicht wirklich unterstützt.
[01:05:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson muss nicht einfach nur Wissen vermitteln. Sie brauchen Hilfe im
Umgang mit schwierigen Kindern.
[01:05:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie bietet das nicht an.
[01:05:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie berät nur das Kind, therapiert das Kind mit Medikamenten.
[01:05:45.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Workshop hatte ich einen Teilnehmer, der vom Hilfsschüler zum Pädagogik
Professor wurde.
[01:06:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer mehr Privatschulen. Die versuchen es anders zu machen.
[01:06:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können es mit den ADHS/ADS Kindern. Gewisse Privatschulen verstehen
nichts von ADHS/ADS.
[01:07:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wird oft als Sprungbrett für die politische Karriere verwendet. Das heisst
nicht, dass sie sich für die Schule interessieren.
[01:07:04.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Missbrauch der Schule und der Kinder.
[01:07:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute in der Kreisschulbehörde, wo das Herz für die Kinder schlägt.
[01:07:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele wollen eine politische Karriere machen.
[01:07:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Politiker streiten untereinander über die richtige Schule. Das bringt nichts.
[01:07:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Lehrpersonen unterstützen.
[01:07:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit psychiatrischen Diagnosen, sondern mit Systemberatung.
[01:07:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Familientherapeuten können das.
[01:07:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit ist die Familientherapie nicht En Vogue.
[01:07:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Institut für Ehe und Familie in Zürich machen noch solche Dinge.
[01:07:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte bilden sich nicht mehr so aus. Das ist sehr schade.
[01:08:05.723] – Dr.med. Ursula Davatz
Was brauchen sie als Lehrperson für eine Unterstützung?
[01:08:06.560] – Bemerkung 10
Das ist eine gute Frage.
[01:08:09.660] – Bemerkung 10
Ich denke an meinen Auftrag, was ich im Schulzimmer zu tun habe, neben der
Wissensvermittlung.
[01:08:27.400] – Bemerkung 10
Den Menschen fördern, die Beziehung, die Werkzeuge mitgeben, damit später das Kind
arbeiten kann, damit das Kind selber herausfinden kann, wie es arbeiten kann.
[01:08:27.650] – Bemerkung 10
Wenn ich 20 verschiedene Schülerinnen und Schüler habe, ich bin allein. In 45 Minuten
habe ich nicht viel Zeit pro Schülerin und Schüler. Ca. 2 Minuten pro Schülerin und
Schüler.
[01:08:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss jede Situation einzeln anschauen.
[01:09:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nichts Spezielles nennen.
[01:09:11.740] – Bemerkung 11
Es ist das System.
[01:09:11.940] – Bemerkung 11
Es hat alles seine Vorteile und Nachteile.
[01:09:18.840] – Bemerkung 11
Das Bildungssystem, Lehrsystem bietet sich so an mit den Schulen.
[01:09:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen, dass heutzutage das Schulsystem überholt werden muss, revidiert werden
muss.
[01:09:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele Lehrer steigen aus, sind überfordert, haben ein Burnout.
[01:10:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft etwas schief. Es ist eine systemische Problematik.
[01:10:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird viel mit Schulassistenz gearbeitet.
[01:10:11.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich eine gute Sache.
[01:10:11.690] – Bemerkung 12
Der Umgang mit dem ADHS/ADS der Kinder durch die Erwachsenen finde ich sehr
wichtig. Es ist vererbbar. Somit sind die Eltern auch betroffen.
[01:11:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind erwachsen und das Kind ist ein Kind.
[01:11:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erwarte von der Erwachsenen Person mehr, dass die mehr weiss und eine bessere
Emotionskontrolle hat.
[01:11:50.340] – Bemerkung 12
Wenn die erwachsene Person sich ihres ADHS/ADS nicht bewusst ist, hat das viel
Sprengkraft.
[01:12:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.
[01:12:18.460] – Bemerkung 12
Wie gehe ich damit um?
[01:12:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche einen konkreten Fall.
[01:12:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind eher bereit zum lernen.
[01:12:29.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter wehren sich mehr.
[01:12:30.276] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen.
[01:13:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Schule einfach autoritär. Die Kinder haben In der Herde mitgemacht.
Heute ist alles individualisiert.
[01:13:10.940] – Bemerkung 13
Früher wurde die Norm durchgedrückt.
[01:13:14.871] – Bemerkung 13
Heute ist alles individuell, die Autorität wurde reduziert. Das System ist immer noch das
gleiche.
[01:13:14.880] – Bemerkung 13
Es braucht Platz für den Einzelfall.
[01:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall, jede Situation braucht eine andere Lösung.
[01:14:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Evidence-based Medicine geht nicht. Man kann nicht immer das gleiche Medikament
geben.
[01:14:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es ganz wenig.
[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer müssen nach mehr Unterstützung verlangen. Die Eltern brauchen auch mehr
Unterstützung.
[01:14:52.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Streit unter den Politikern über welches Schulmodell das Beste ist, bringt nichts.
[01:15:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen Unterstützung. Ich plädiere dafür.
[01:15:20.850] – Bemerkung 15
Wir Lehrer können auch signalisieren, dass wir das brauchen.
[01:15:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch krank ist, gibt man alles Geld der Welt aus.
[01:15:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr kritisch mit dem Gesundheitssystem.
[01:15:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin für die Prävention.
[01:15:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau werde ich die Regierungsrätin vom BKS, Bildung, Kultur und Sport
treffen, Martina Bircher.
[01:15:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kinderspital in Zürich ist in gutes Beispiel der Geldverschwendung.
[01:16:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen sagen: wir brauchen das.
[01:16:25.490] – Bemerkung 14
Niemand hört zu. Wir arbeiten mit 20-22 Kindern und bekommen fast keine
Unterstützung.
[01:16:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde sich lohnen.
[01:16:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich für die Schule interessieren, nicht nur zum berufliche Karriere zu
machen, sondern um der Schule wegen.
[01:16:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der KI wird die Schule wichtiger im Sinne der Persönlichkeitsförderung.
[01:17:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine individualisierte Gesellschaft und wir sollten die Persönlichkeiten auch
fördern können.
[01:17:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist genügend Stoff vorhanden.
[01:17:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben unser Bestes.
[01:17:20.020] – Bemerkung 16
Es ist schön, wenn man das an so einem Abend sagen darf, wo so viele Eltern das
hören. Ich sehe ein positives Nicken. Wir sind froh und wir hören das auch. Es gibt
definitiv eine Bewegung. Es braucht von unserer Seite her einen grossen
Durchhaltewillen.
[01:18:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich merke oft, wie Eltern und Lehrer vor einander Angst haben.
[01:18:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben Angst: wenn ich etwas sage, geht die Lehrperson auf mein Kind los.
Die Lehrpersonen haben Angst, dass sie von den Eltern angeklagt werden, dass sie ihr
Kind nicht korrekt behandeln.
[01:18:24.024] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind unterschiedliche Rollen.
[01:18:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern dem Lehrer sagen: mein Kind ist ein ADHS/ADS-Kind, reagieren gewisse
Lehrer gut und andere sagen das ist eine Modediagnose.
[01:18:43.739] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.
[01:18:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird gesagt: ich habe 20 Kinder, ich kann nicht auf jeden schauen.
[01:18:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS/ADS gut integriert und mit dem umgehen kann, gibt es mehr
Ruhe in der Klasse.
[01:19:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es müssen nicht alle gleich behandelt werden.
[01:19:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf und muss die Kinder unterschiedlich behandeln.
[01:19:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder reklamieren, kann man sagen: du kannst das, er kann es nicht. Er
muss es noch lernen. Sie muss es noch lernen.
[01:19:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen differenzierter Schulunterricht geben.
[01:19:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute arbeitet man mit Schulinseln, man darf in den anderen Schulraum gehen.
[01:19:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht auch noch systemtherapeutische Unterstützung der Lehrpersonen und der
Eltern.
[01:20:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Psychiatrie investiert, ist alle schief gelaufen.
[01:20:11.790] – Bemerkung 17
Was sagen sie zum Melatonin Spray bei Kindern die viel Denken und nicht einschlafen
können?
[01:20:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein Hormon, das wir in der Nacht ausschütten. Es geht zusammen mit
dem Schlafrhythmus.
[01:20:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird auch Melatonin gegeben.
[01:20:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nicht ewigs geben.
[01:20:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in das hormonelle Gleichgewicht eingreift, gibt es Gegenreaktionen.
[01:20:38.757] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein körpereigenes, schlafanstossendes Hormon, Substanz.
[01:20:39.413] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Erwachsene oder Kinder nicht einschlafen können, braucht es ein regelmässiges
Ritual zum herunter fahren.
[01:20:40.613] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern ist es ein Bettritual.
[01:20:41.813] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen müssen aufhören auf ihr Telefon zu schauen. Nichts mehr
aggressives, keine schwierigen Probleme mehr lösen. Runterfahren.
[01:21:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage alle Leute: was ist ihr Ritual zum runterfahren?
[01:21:32.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Welches Ritual haben sie mit den Kindern?
[01:21:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte immer ähnlich oder gleich sein.
[01:21:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Regelmässigkeit hilft zum beruhigen.
[01:22:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr aktive Kinder wollen noch viel machen vor dem Einschlafen.
[01:22:16.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei sein. Man kann nicht sagen: du musst jetzt. Das funktioniert bei den
kleinen Kindern nicht, wenn man nicht neben an ist.
[01:22:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie beim Hund. Der macht nicht Platz, wenn sie einkaufen gehen.
[01:22:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer reinreden. Dabei sein, helfen, dirigieren.
[01:22:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine grossen Diskussionen. Eine Geschichte vorlesen.
[01:22:54.003] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle dürfen ihr eigenes Ritual haben.
[01:22:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag Dinge passiert sind, die einem sehr aufgeregt haben, muss man die
zuerst ein wenig bearbeiten, damit man sie ablegen kann.
[01:23:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Erwachsenen sagt man Tagebuch schreiben oder noch ein paar Sätze in den
Kalender schreiben.
[01:23:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können vom Tag ein paar Sätze schreiben. Dann wählen sie aus, was für sie
wichtig ist. Das ist auch ein Runterfahrritual und eine Schreibübung. Ein doppelter
Gewinn.
[01:23:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin gibt immer Medikamente. Ich gebe auch Medikamente, aber ich versuche
es immer zuerst anders.
[01:24:22.660] – Bemerkung 18
Wie sieht es mit der Risikobereitschaft aus bei den Kindern mit ADHS/ADS?
[01:24:31.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist so.
[01:24:44.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie suchen Extremsituationen. Das gibt einen Kick. Das schüttet Adrenalin und
Dopamin aus. Das macht das Ritalin auch.
[01:24:44.472] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles extrem.
[01:24:44.479] – Bemerkung 19
Wie kann man dem begegnen?
[01:24:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dreinreden. Nicht unterbinden wollen.
[01:24:56.448] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein risikofreudiges Kind bremsen möchte, macht es eher heimlich Dinge und
schwierigere Dinge.
[01:24:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem risikobereiten Kind kann man sagen: das ist ok. Schau einfach, dass du nicht
über Deine Grenzen gehst.
[01:24:56.638] – Dr.med. Ursula Davatz
Spüre Deine Grenzen. Diese Kinder müssen ihre Grenzen spüren lernen.
[01:25:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie nur versucht zurück zu halten, das geht gar nicht.
[01:25:06.622] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher verantwortungsvoll das Risiko übernehmen.
[01:25:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in den Leistungsstress reinkommen.
[01:25:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind viele am Mt. Everest gestorben.
[01:26:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf psychiatrische Krankheitsbilder hat man genetisch untersucht.
[01:26:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Schizophrenie, Manisch-Depressiv, Bipolarische Störung, schwere Depression,
Autismus und ADHS/ADS.
[01:26:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hatten alle den gleichen Genlocus verändert.
[01:27:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das vererbte ADHS/ADS.
[01:27:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute schaut man noch mehr, was für körperliche Krankheiten entstehen.
[01:27:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben mehr Fibromyalgie.
[01:27:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Kombination von Genen.
[01:27:25.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ganze Bevölkerung anschaut, dann sagt man, 5% haben ADHS/ADS.
[01:27:48.979] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird nur das ADHS/ADS gezählt.
[01:27:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind vielleicht 20 Gene, vielleicht 100 Gene. Es ist immer die
Gen-Kombination, die es ausmacht.
[01:28:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetik wird heute immer mehr erforscht.
[01:28:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht dann von Epigenetik.
[01:28:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik verändert sich in der Interaktion mit dem Umfeld.
[01:28:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene untereinander beinflussen sich gegenseitig.
[01:28:24.435] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist hochkompliziert.
[01:28:24.718] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach das Gen und diese Krankheit.
[01:28:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Genlocus.
[01:28:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sammeln jetzt Studienteilnehmer.
[01:28:38.310] – Bemerkung 21
ADHS/ADS Kinder haben normalere, gesündere Reaktionen.
[01:29:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man sagen. Man sagt auch, ADHS/ADS Kinder sind Indigo Kinder.
[01:29:03.459] – Dr.med. Ursula Davatz
Die helfen uns neue Dinge herauszufinden. Wir brauchen die. Wenn wir die alle flach
machen und normieren, dann haben wir keinen Fortschritt mehr.
[01:29:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer gibt es mehr ADHS/ADS Gene. Es ist eine Selektion passiert.
In dem Handelsraum war die Fähigkeit vom ADHS/ADS von Vorteil. Die haben besser
überlebt.
[01:29:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Jägern und Sammlern war das Genom zu 50% ADHS/ADS. Dort brauchte es
eine breite Aufmerksamkeit. Die Lehrperson gab es dort nicht.
[01:30:06.450] – Bemerkung 22
Das ist ein Bild vom System.
[01:30:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Selektion ab. Unser System selektioniert für gewisse Typen. Unser System
fördert gewisse Typen.
[01:30:54.960] – Bemerkung 23
Dann kann von normal nicht mehr gesprochen werden.
[01:31:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können von der Mehrheit und dem Zeitgeist sprechen.
[01:31:02.570] – Bemerkung 24
Das heisst nicht, dass der Zeitgeist gesund ist.
[01:31:03.770] – Bemerkung 25
ich finde es wichtig zu sagen, dass es ein Spektrum ist. Nicht jeder ist in dem Spektrum.
Nicht jeder leidet darunter. Dort ist die Grenze für mich.
[01:31:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute rettet sich die Psychiatrie.
[01:31:42.505] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von Asperger und Autismus. Heute spricht man von der Autismus-
Spektrum Krankheit.
[01:31:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man vom ADHS/ADS Spektrum.
[01:31:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So retten sich die Mediziner mit ihrer Diagnose.
[01:31:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: das ist ein Spektrum.
[01:32:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles nur Definitionen.
[01:32:05.867] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen dem ist nicht jeder Mensch ein ADHS/ADSler.
[01:32:06.363] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gaußschen Glockenkurve liegt die Norm. Am Rand sind die Dinge die anders
sind. Die Dinge, welche anders sind, tragen zur Entwicklung bei.
[01:32:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein missratenere Affe. Wir wurden in die Savanne getrieben und haben
den aufrechten Gang entwickelt, hatte die Hände frei.
[01:32:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Andersartigkeiten helfen zu einer Weiterentwicklung.
[01:33:10.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum gelingt es nicht, zum Teil gelingt es.
[01:33:12.780] – Bemerkung 26
Verstehe ich sie richtig, es ist die Beziehung, die wichtig ist? Nicht nur zu Hause,
sondern auch in der Schule. Nicht einfach nur den Lehrplan durchboxen.
[01:33:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Nature versus Nurture. So sagt man in der Schizophrenieforschung.
[01:33:51.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nature sind die Gene. Nurture ist das Umfeld. Es ist immer beides.
[01:33:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein anderes Naturell hat, muss das Umfeld lernen mit den Naturell
umzugehen. Man muss nicht die ganze Welt nach dem Naturell ausrichten.
[01:34:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer dazwischen. Wie stark kann man sich den persönlichen Bedürfnisse
anpassen? Was muss das Individuum lernen um in der Welt zu überleben.
[01:34:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Wechselspiel.
[01:34:19.930] – Bemerkung 27
Von den Beziehungen profitieren alle Kinder.
[01:34:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar.
[01:34:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was ich sage, ist auch für die normalen Kinder sehr hilfreich.
[01:34:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem sogenannten Normotyp entstehen nicht so viele Probleme, wie beim ADHS/
ADSler.
[01:34:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Beziehung profitieren alle.
[01:34:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind robuster, dort passiert nichts. Andere sind sehr sensibel und dann geht
alles schief.
[01:35:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es einen Unterschied.
[01:35:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Knabe ging mit seiner Freundin auf das WC. Zwei Mädchen haben gesagt: was
machst du hier. Der Knabe ist so erschrocken, dass er nicht mehr in die Schule ging.
Jetzt muss ich ihn zurückführen.
[01:36:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wer soll mit diesen Mädchen reden? Du hast nichts falsch
gemacht. Du wolltest nur Wasser trinken gehen auf dem WC.
[01:36:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte, dass der Vater mit den Mädchen spricht. Das hat der Vater gemacht. Dann ist
der Knabe lockerer geworden.
[01:36:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Prävention ist richtiges Handeln im kritischen Augenblick.
[01:36:13.333] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles kritische Augenblicke.
[01:36:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann man gut behandeln oder alles falsch machen.
[01:36:38.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule wird oft noch viel Beschämung verwendet.
[01:36:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe hat sich beschämt gefühlt, weil er gefragt wurde: was machst du hier?
[01:36:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wusste gar nicht, was er falsch gemacht hat.
[01:37:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämen geht nur für Aversionsverhalten.
[01:37:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimos dürfen im Frühjahr nicht auf das Eis, weil das einbricht. Die Kinder müssen
das lernen. Wenn ein Kind dennoch auf das Eis geht im Frühling, wenn es einbrechen
könnte, dann wird das Kind vor der ganzen Gruppe beschämt. Wenn es beschämt wird,
geht es nie mehr auf das Eis.
[01:37:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird ein Schulkind in der Schule beschämt wird, geht es nie mehr in die Schule.
[01:37:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Kinder, die enorm beschämt wurden, wegen ihrer Legasthenie. Ihre 40
Fehler wurden öffentlich ausgebreitet vor der ganzen Klasse.
[01:37:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat nie mehr gelernt und ging nie mehr in die Schule.
[01:37:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Er konnte auch keine Berufslehre machen, weil nicht mehr in die Schule ging.
[01:37:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Morgen wurde es ihm immer schlecht weil er so Angst vor der Schule hatte, vor der
Beschämung.
[01:37:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung löst nur Ausweichverhalten.
[01:37:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es löst kein Lernverhalten aus, ausser es ist ein sehr ehrgeiziges Kind.
[01:37:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schlagzeuger, welcher von seinem Lehrer beschämt wurde, hat dann seinen Lehrer
beschämt. Das ist selten.
Dr.med. Ursula Davatz
28.5.2025
Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS
Audio
[00:00:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir das Thema so gegeben: Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS.
[00:00:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS.
[00:00:14.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es frühkindliches POS.
[00:00:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine allgemeine Bemerkung: psychiatrische Krankheiten sind immer
Funktionsdiagnosen.
[00:00:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie etwas Festes wie eine Leberzirrhose oder ein Herzinfarkt oder so etwas.
[00:00:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Gehirn immer funktionell anschauen und das kann sich alles wieder
ändern.
[00:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine klare Abgrenzung von einer Krankheit zur anderen.
[00:01:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt signifikante Symptomen.
[00:01:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Medizinstudium wurde gesagt: der Patient kann Läuse und Flöhe haben.
Das sind unterschiedliche Tiere.
[00:01:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer das gleiche Gehirn.
[00:01:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen eine Vorbemerkung.
[00:01:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn funktioniert immer ganzheitlich und ist auch immer verbunden mit dem Körper.
[00:01:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Gehirn werden auch die Körperorgane dirigiert.
[00:01:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ASS (Autismusspektrumsstörung) ordne ich dem ADHS unter. Ich mache
keine neu Krankheit draus.
[00:02:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch die Hypersensibilität.
[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist lieber hypersensibel, als dass man ein ADHS/ADS hat. Das ist gar nicht
pathologisch.
[00:02:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ein bisschen aufzuzeigen, was für Symptome hervorstechen.
[00:02:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.
[00:02:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.
[00:02:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es nur ein vulnerabler, sensibler Neurotyp, der eher auf Stress anfällig ist
und dann Krankheiten entwickelt.
[00:02:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue zuerst psychiatrische Folgekrankheiten an.
[00:02:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich heraus, dass es auch viele körperliche Krankheiten gibt.
[00:02:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Lebensende schaut: es gibt eine Studie aus England und Amerika, wo
sie sagen: Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher.
[00:03:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS sterben nur sieben Jahre früher.
[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen leiden mehr unter dieser Symptomatik.
[00:03:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einen Grund: Frauen können ihre Symptomatik besser verstecken.
[00:03:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, Frauen können sich besser anpassen.
[00:03:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu reiten als Hengste.
[00:03:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich an. Mädchen strengen sich wahnsinnig an um sich anzupassen.
Dann merkt man gar nichts.
[00:03:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird bei den Mädchen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren
gestellt, oder mit 70 oder 80 Jahren.
[00:03:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über die Abklärungen, die Tageszeitungen, TikTok. Viele merken dann: ich
habe diese Symptome auch.
[00:04:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben dann ein Aha-Erlebnis. Darum bin ich so, darum reagiere ich so. Etc.
[00:04:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen, welche im erwachsenen Altern die ADHS/ADS Diagnose
bekommen, die haben eine oder mehrere zusätzlichen psychiatrischen Diagnosen.
[00:04:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Folgeerkrankungen.
[00:04:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich an erster Stelle mit der Folgekrankheit Schizophrenie. Das ist nur eine
Krankheit.
[00:05:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle ADHS/ADSler werden schizophren.
[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Faktoren dazwischen, damit das geschieht.
[00:05:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist kein Normotyp. Jedes Gehirn funktioniert anders.
[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.
[00:05:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das mit der Hand.
[00:05:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das emotionale Gehirn, die Finger sind das Grosshirn, das Handgelenk
ist das Reptiliengehirn, das primitive Gehirn.
[00:05:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das primitive Gehirn ist schon bei den Reptilien sehr gut ausgebildet.
[00:05:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Reptilienhirn sind vegetative Nervenzentren verankert.
[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Herzrhythmus, unsere Atmung, der Schlaf-Wach-Rhythmus wird gesteuert und
die Motorik.
[00:06:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik, das Kleinhirn, das motorische Kleinhirn, gehört auch zum Reptilienhirn.
[00:06:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler, die haben ein stärkere, reaktives, sensibleres emotionales Gehirn.
[00:06:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System (emotionale Gehirn) überlastet ist, dann sendet es Signale
hoch und runter.
[00:06:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei System Overload gibt es ein Signal in das Grosshirn.
[00:06:44.265] – Dr.med. Ursula Davatz
Das negative Resultat davon ist dann die Schizophrenie. Das Gehirn bricht dann
zusammen.
[00:07:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so gedacht: wenn vom emotionalen Gehirn Signale in das Grosshirn gehen. Dort
werden die Signale auf kognitiver Ebene verarbeitet und als Erinnerung abgelegt, ohne
Emotionen.
[00:07:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nicht möglich, wenn man seine Emotionen im Grosshirn nicht ablegen kann, weil
man nicht darüber sprechen kann, dann gehen die Signale auch an das Stammhirn.
Dann können alle möglichen psychosomatischen Krankheiten auftreten.
[00:07:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell bei den Kindern, die können noch nicht so gut reden, was sie eigentlich
beschäftigt.
[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen, Lehrpersonen, Eltern, sind dazu verpflichtet, das Kind zu
beobachten und herauszufinden, was es beschäftigt.
[00:07:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Probleme haben, haben sie Bauchschmerzen. Sie können nicht sagen,
was es eigentlich ist.
[00:08:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was davor abgelaufen ist, womit sie sich auseinandergesetzt
haben.
[00:08:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule spielt das Lernen und das Aufpassen eine grosse Rolle.
[00:08:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS hat eine breite Aufmerksamkeit.
[00:08:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulbetrieb wird die breite Aufmerksamkeit zu einer Störung, weil man dort
fokussiert aufpassen muss.
[00:08:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man die Gene der Neandertaler, der Jäger und Sammler Kulturen
untersuchen.
[00:08:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort zeigt sich, dass noch 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.
[00:08:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns sagt man, dass noch 5% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.
[00:09:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer mehrere Gene.
[00:09:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Genkombination, ein Genom, ein Set von Genen.
[00:09:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt auf anderthalb Knaben ein Mädchen.
[00:09:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anteil der Frauen nimmt zu. ADHS/ADS wird bei Frauen heute auch diagnostiziert.
[00:09:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Neurodiversität. Das ist ein Zustandsbild, wo noch viel neue Informationen
dazu kommen.
[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist: ADHS/ADSler nehmen sofort alles wahr.
[00:09:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in den Raum reinkommen, gucken sie sofort alles an, nehmen alles wahr,
nehmen Emotionen wahr, etc.
[00:10:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann der Schulunterricht sie nicht interessiert, wo der Lehrer oder die
Lehrerin sie auch nicht packen kann, dann schaut sie aus dem Fenster raus, stören den
Nachbar, schmeissen die Kugeln rum.
[00:10:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Klassenclown.
[00:10:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Konkurrenz zum Lehrer. Das mag der Lehrer nicht.
[00:10:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss die Lehrperson irgendwie eingreifen.
[00:10:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind besser im Multitasking.
[00:10:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hausfrau muss man das können.
[00:10:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Schule vor sich hat, hat man immer ein Multitasking.
[00:10:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur muss immer die ganze Klasse im Blickfeld haben und dann schauen, wie
man auf was reagiert und möglichst nicht überreagiert.
[00:11:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.
[00:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensitivität.
[00:11:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist leichter erregbar und macht eine grössere Welle.
[00:11:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist so konstruiert, dass es funktioniert, ein bisschen wie fluide
Medien.
[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Luft und Wasser, da geht immer eine Bewegung durch.
[00:11:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zur Erde, da wird ganz viel aufgefangen.
[00:11:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Hirn ist so konstruiert.
[00:11:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind gestört wird, Stress ausgesetzt wird, macht es eine grössere
Welle in seinem emotionalen Hirn.
[00:11:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle sehr gross ist, dann gibt es ein System Overload und dann System
Overflow.
[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo der System Overflow passiert, können Denkstörungen auftreten oder
es geht ins Reptilienhirn und das stört, das rennt herum, das schreit.
[00:12:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen alle Primitiv-Reflexe zum Zug.
[00:12:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden alle vom Kleinhirn gesteuert.
[00:12:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex, Teasing ist Spotten, Necken,
Clown spielen, etc.
[00:12:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing-Verhalten tritt immer dann auf, wenn ein Individuum nicht sich sicher ist, wie die
Situation ist.
[00:13:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten.
[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich der Situation an auf eine witzige Art und findet dann heraus, ob der
andere jetzt das nehmen kann oder nicht.
[00:13:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der andere verrückt wird, zieht man sich wieder zurück oder auch nicht, je
nachdem, wie frei man ist.
[00:13:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist soziales Explorationsverhalten.
[00:13:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sieben Jahre im Basel studiert. Ich bin mit einem Basler verheiratet.
[00:13:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Basler haben im Frühling die Fasnacht.
[00:13:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Fasnacht darf jeder jeden intrigieren.
[00:13:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Volk kann auf den Stadtrat zu gehen und den veräppeln.
[00:13:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Necken. Man darf seine Meinung sagen, den anderen ein wenig herausfordern.
[00:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Verhalten wird von ADHS/ADS Menschen mehr verwendet und bleibt
länger erhalten.
[00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing Verhalten wird in der Pubertät auch von den Tieren sehr viel angewendet.
[00:14:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Jungtier in das Erwachsenenalter kommt, dann wird geneckt.
[00:14:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Verschiedene Tierarten necken sich auch gegenseitig.
[00:14:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ganz wichtiges Verhalten.
[00:14:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben wir Erwachsenen kein Verständnis mehr dafür und werden verrückt.
[00:14:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem aus welcher Familie man kommt, wird es untereinander gemacht.
[00:15:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich.
[00:15:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben sind mit ihrem Fahrrad in das Fahrrad des Mädchens gefahren. Ist das nun
bösartig oder ist das ein Annäherungsversuch.
[00:15:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei unterschiedliche Dinge.
[00:15:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann gut sein, dass das Teasing ist.
[00:15:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wollte nicht von dem Annäherungsversuch/Angriff beschützt werden.
[00:15:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir neu interpretieren, wenn solche Dinge geschehen.
[00:15:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale System ist sensitiver, reagiert mehr, nimmt mehr auf, hat dadurch mehr
zu verarbeiten und darum sind die Menschen empfindlicher auf Stress.
[00:16:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist bei ihnen mehr erregbar, es schlägt höhere Wellen. Es schlägt länger
höhere Wellen.
[00:16:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät spricht man von: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.
[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät formatiert sich das Gehirn. Es legt grössere Autobahnen an und kappt
viele Nervenendungen.
[00:16:23.981] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst könnte der Mensch nicht durchs Leben gehen. Sonst wäre alles viel zu
kompliziert.
[00:16:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: oh, wenn ich nur nicht so kompliziert wäre, ich wünsche, ich
wäre nicht so sensitiv, dann hätte ich viele Probleme nicht.
[00:16:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt natürlich auch einen Vorteil in Sachen merken, wahrnehmen und
Neues lernen.
[00:16:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine höhere Erregbarkeit.
[00:17:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die höhere Erregbarkeit, die stärkere Reaktion, die bleibt auch länger vorhanden.
[00:17:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis 25 Jahren ist das Gehirn ausgereift.
[00:17:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler braucht es ein wenig länger. Sie bleiben Kindsköpfe und sie bleiben
kreativ.
[00:17:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positive Seite der ADHS/ADSler ist die Kreativität.
[00:17:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Grenzen überschreiten, das ist nicht immer angenehm.
[00:17:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss sich damit auseinandersetzen und seinen Standpunkt sagen.
[00:17:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Gitter machen.
[00:17:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen mit ADHS/ADS-Eigenschaften zu restriktiv, zu eng, an einer zu kurzen
Leine erzogen werden, dann werden sie krank.
[00:17:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es psychiatrische Krankheiten geben und es kann auch somatische
Krankheiten geben.
[00:18:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit bewirkt, dass nur noch der Automatismus funktioniert, das
Reptilienhirn, wo einfach der Reflex, Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.
[00:18:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn hat dann keine Kontrolle mehr. Das Grosshirn wird dann überrannt.
[00:18:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern wollen ihre Kinder mit Vernunft erziehen.
[00:18:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht man doch nicht, das gehört sich nicht, so kannst du nicht durch dein Leben
gehen.
[00:18:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: er ist noch nicht dort und in dem Zustand hat sowieso keinen Sinn,
etwas zu sagen.
[00:18:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll die ADHS/ADS Kinder nie im High Arousal, im übererregten Zustand erziehen.
[00:18:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.
[00:18:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Suppe zuerst abkühlen lassen.
[00:19:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann dürfen wir sagen, dort ist das und das gewesen.
[00:19:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer danach fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich aufgeregt? Was
hast du falsch gefunden?
[00:19:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort vom Geschehen her zum Normverhalten gehen.
[00:19:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss immer ihre Sensitivität abfragt werden und dann: okay, ich verstehe.
[00:19:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nennt man Validieren.
[00:19:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man validiert sie in ihren überschiessenden Gefühlen, dem System Overload.
[00:19:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Person abgeholt hat, validiert hat, kann man sagen: in einem nächsten
Moment, was könntest du anders machen? Wie könnten wir es anders miteinander
lösen?
[00:19:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater und die Psychologen bringen den Erwachsenen alle möglichen Tricks
bei.
[00:19:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Pfefferschoten in den Mund nehmen. Dann brennt es einem so fest, dass
man nicht mehr fluchen kann. Man kann ein Gummizug am Handgelenk zupfen, dann
lenkt man sich ab.
[00:20:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Tricks.
[00:20:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Skills genügen nicht, wenn man nicht auch den Ursprung der Verletzung
anschaut.
[00:20:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss integriert werden, dass Kind oder die Person muss es verarbeiten können.
[00:20:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur unterdrückt, dann gibt es später wieder Folgekrankheiten.
[00:20:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern bleibt das emotionale System stärker vernetzt mit dem
Grosshirn.
[00:20:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten und das macht sie müde.
[00:20:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS-ler, die alles aufnehmen und nicht mit Aggression reagieren,
sondern nach innen aktiv werden.
[00:21:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst wird mit dem ADHS/ADS, kann man nach aussen aggressiv
werden. Das sind meistens die Jungen.
[00:21:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nach innen beginnen zu überlegen, hirnen, es dreht und macht.
[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nach innen reagieren, verarbeiten alle Situationen sehr sorgfältig.
[00:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen einem auch ihre Geschichten sehr sorgfältig, ohne Punkt und Komma,
sodass man verloren geht.
[00:21:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man abklemmen und sagen: davon kann ich jetzt nicht mehr ertragen, ich
möchte nochmals das fragen.
[00:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich wohl fühlen, können sie sehr viel erzählen.
[00:22:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen Frau und Mann tritt heutzutage auch immer mehr auf.
[00:22:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gendermedizin.
[00:22:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat beim Herzinfarkt andere Symptome als die Frau.
[00:22:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch beim ADHS/ADS.
[00:22:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Untertypen.
[00:22:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können sich besser anpassen. Darum zeigen sie eher Empathie ihrem
Umfeld gegenüber und verlieren dann oder vergessen ihre Selbstfürsorge.
[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS passen sich zuerst dem Mann an, es läuft alles gut, sie passen
sich den Kindern an.
[00:22:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann wissen sie gar nicht, wer sie sind
und haben überhaupt keinen eigenen Fokus.
[00:22:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, was ganz wichtig ist bei den ADHS/ADS Menschen: sie müssen ihren
eigenen Fokus finden.
[00:23:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die zehn Jahre früher sterben, die haben wahrscheinlich nie ihren Fokus
gefunden. Denen hat man auch nie geholfen oder man hat sie nie ihren Fokus finden
lassen.
[00:23:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben doppelt so viele Depressionen im Alter wie die Männer.
[00:23:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Männer, die depressiv werden mit ADHS/ADS.
[00:23:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Diagnose erst mit 30 oder viel später gestellt.
[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer reagieren eher aggressiv. Im Extremfall werden sie delinquent, in der
Schule stören sie, folgen dem Lehrer nicht, rennen umher, bringen die Klasse
durcheinander.
[00:23:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Männer werden leicht zu Konkurrenten der Lehrperson. Sie
übernehmen die Klasse.
[00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man als Lehrperson gar nicht gerne.
[00:24:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher psychosomatische Krankheiten. Das sind häufig
Muskelskelettsystem Sachen.
[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach COVID hatte ich viele Frauen mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom.
[00:24:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich so gut an, dass sie sich ausbeuten und am Schluss nichts mehr
haben.
[00:24:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer entwickeln eher das oppositionelle Verhalten, sie folgen nicht, sie sagen: nein.
[00:24:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es bereits wieder eine Diagnose. Das ist aber nichts weiteres als ein nicht
richtig behandeltes ADHS/ADS.
[00:25:00.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommt die Delinquenz.
[00:25:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Männern. Sie sind nicht diagnostiziert.
[00:25:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer und Frauen können eine bipolare Störung entwickeln.
[00:25:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolar heisst manisch-depressiv. Die grosse Welle. Man ist absolut begeistert von
allem, braucht keinen Schlaf. Das ist die manische Phase.
[00:25:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht falsche Handlungen, gibt Geld aus. Am Schluss hat man kein Geld mehr.
[00:25:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht alle Leute verrückt, weil man alle Grenzen überrennt.
[00:26:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich bricht man in einer Depression zusammen.
[00:26:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das bei Männern und Frauen.
[00:26:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung ist ein extremes ADHS/ADS Verhalten.
[00:26:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hyperaktive, Agressive dann die Depression. Ich kann nicht mehr.
[00:26:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln eher Borderline Störungen. Das sind alles ADHS/ADSlerinnen,
welche zu eng erzogen wurden. Sie passen sich immer an. Mit der Pubertät, mit den
Hormonschüben sprengen sie alle Grenzen.
[00:26:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wild.
[00:26:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht mit ihnen umgehen kann, sind sie allein gelassen, dann fühlen
sie sich im Stich gelassen. Sie machen dann viele Handlungen um Aufmerksamkeit zu
erhalten. Eigentlich wollen sie nur begleitet werden.
[00:27:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die von ihren Müttern im Stich gelassen werden, wenn die sie ablehnen, dann
machen sie weiter mit ihrem pubertären Verhalten.
[00:27:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionell Pubertierende.
[00:27:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treiben die Fachwelt zum Wahnsinn.
[00:27:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht erziehen.
[00:27:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Fachpersonen sage ich: Borderline Patientinnen darf man nicht erziehen.
[00:27:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur sein Position beziehen. Man darf sich mit ihnen auseinandersetzen.
[00:27:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht von ihnen manipulieren lassen.
[00:27:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt: wenn ich der Person entgegenkomme, dann kommt sie nachher auch mir
entgegen. Nein, geht nicht.
[00:28:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nimmt alles und kommt überhaupt nicht entgegen.
[00:28:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernt nur in der Auseinandersetzung.
[00:28:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind lange therapeutische Begleitungen.
[00:28:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige in Therapie. Sie sind immer interessant.
[00:28:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen lernt man die Selbstkontrolle.
[00:28:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt nichts, so auszurasten wie die Borderline Patienten.
[00:28:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schizophrenie können beide entwickeln, Knaben mehr als Mädchen.
[00:28:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden die ADHS/ADS Kinder nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht
erzogen, machen sie Fehlentwicklungen.
[00:29:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Fehl-Erziehungen.
[00:29:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als stabile Bezugsperson erziehe ich sie nicht. Ich sage was ich finde.
[00:29:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun, was ich sage, sie dürfen nur das tun, was für sie stimmt.
[00:29:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen ihre intrinsische Motivation herausfinden und ihren Fokus.
[00:29:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe oft den Fokus zu finden.
[00:29:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass die Erziehungspersonen lernen, mit diesen neurodivergenten
Kindern umzugehen.
[00:30:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von artgerechter Tierhaltung.
[00:30:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu muss auf dem Produkt angegeben werden, falls das Tier bei der Tötung leiden
musste.
[00:30:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mitleid mit den Tieren, welche wir Essen.
[00:30:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nie angeben, wie das Kind gelitten hat unter der Erziehung von seinen
Eltern, von den Nachbarn, den Lehrern.
[00:31:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, die neurodivergenten Kindern besser zu beobachten, spüren was
sein könnten und es heraus finden.
[00:31:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin lerne ich von meinen Patienten.
[00:31:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Meiste lernt man in der Interaktion wo man sieht was geht und was nicht geht.
[00:31:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen kann nicht nur über das Grosshirn laufen, über die Kognition, über den
Intellekt.
[00:31:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang im Schulalltag.
[00:31:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass der Lehrer selber eine klare Haltung hat, dass sie weiss, was sie will.
[00:31:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ambivalent ist, dort gehen sie rein.
[00:31:59.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Teufel, beim Mephisto der Stern, der ein bisschen offenbleibt, dort gehen sie rein.
[00:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas sagen, wenn man selber davon überzeugt ist.
[00:32:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es will.
[00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst, sondern in meinem Klassenzimmer, in meiner Stunde, will ich es
so.
[00:32:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem ADSH/ADS Kind den Befehl geben: du musst, das ist schon ein Übergriff. Die
ertragen das nicht, weil sie so sensibel sind.
[00:32:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat immer gesagt: ich will.
[00:32:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine eigene Position beziehen, die klar vertreten, klar sagen.
[00:32:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen, dass man stärker als das Kind ist.
[00:32:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen warten können.
[00:32:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort und jetzt, sondern ich will.
[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern muss man ein bisschen warten können.
[00:32:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann oft mit Verzögerung.
[00:33:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nur Ja sagen, wenn sie es selber durch ihr Hirn
durchgelassen haben und finden, ja okay, sie hat ja recht.
[00:33:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, machen wir es halt.
[00:33:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort! Das geht nicht.
[00:33:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Geduld haben und ein bisschen warten können.
[00:33:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich: sagen sie nur Ihre Prinzipen, ihre Erziehungsprinzipen, und sie
werden sehen, in ein paar Jahren hat ihr Kind mehr von dem sich angeeignet, als sie
denken.
[00:33:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich einer jüdischen Mutter gesagt.
[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat das fast nicht geglaubt.
[00:33:34.537] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechs Jahre später sagte die Mutter zu mir: sie hatten Recht.
[00:33:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, an sich zu und seine Prinzipien zu glauben.
[00:33:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn etwas schief gelaufen ist, dann hat es eigentlich keinen Sinn, dann
irgendwas zu sagen.
[00:33:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in high arousal, das Kind ist in high arousal.
[00:33:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, wir lassen es jetzt durchgehen, danach sprechen wir wieder darüber.
[00:34:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine Nachbesprechung machen.
[00:34:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gerade an Ort und Stelle die Korrektur anbringen.
[00:34:08.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind die Regel nicht eingehalten hat, welche man möchte, welche man
deklariert hat, muss man zuerst herausfinden, was ist der Grund, dass das Kind die
Regel nicht eingehalten hat?
[00:34:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden oft irgendwelche Lügen erfunden.
[00:34:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind sagte: ich will im Bergsee nicht baden gehen, ich sage, dass ich mein
Badekleid vergessen habe. Das ist keine gute Idee. Das Badekleid mitnehmen und
sagen: ich will jetzt nicht Schwimmen gehen.
[00:34:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen: was hat dich abgehalten? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Wegen
was hast du es nicht können?
[00:34:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich immer emotional, dass das Kind es ein bisschen erklären muss.
[00:35:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man mit seiner Regel und sagt: aus dem Grund möchte ich es so.
[00:35:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht einhalten können muss validiert werden.
[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd kann man nicht fragen: wieso hast du mir nicht gefolgt? Bei den kleinen
Kindern muss man sich auch selber fragen.
[00:35:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie grösser werden, kann man sie schon fragen.
[00:35:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch nichts sagen kann, kann man fragen: ist das oder das? Hattest du
Streit mit einer Freundin? Habe ich zu laut geredet?
[00:35:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein albanischer Junge ist immer aus dem Kindergarten geflüchtet. Wenn man gefragt
hat, war die Antwort: die Lehrerin hat zu laut gesprochen. Die Lehrerin war Deutsch und
hat zackig geredet. Am Schluss wurde er von der Polizei in die Schule gebracht. Das ist
keine gute Sache. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.
[00:36:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln werden bösartig übertreten um auszuprobieren. Wo sind die Grenzen?
[00:36:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel werden die Regeln übertreten, weil man es nicht besser kann.
[00:36:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine Emotionen nicht im Griff, die übersprudeln einfach und dann kommen
eben die vier Stressreflexe.
[00:36:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man emotional überlastet ist, also System Overflow im emotionalen
Hirn, da kann die Vernunft nicht mehr steuern und darum müssen beide runterfahren,
erst dann kann man wieder vernünftig miteinander reden.
[00:36:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Regeln durchsetzen wollen, müssen sie selber immer in einem ruhigeren
Zustand sein.
[00:36:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mindestens ruhiger sein als das Kind.
[00:36:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auch nur Menschen, sie sind keine Roboter, sie dürfen von mir aus auch ein
bisschen Emotionen haben, aber sie sollten ruhiger sein als Kind.
[00:37:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ganz starke Emotionen haben und die nicht beherrschen können, dann sage
ich immer, dass sie an die Decke schiessen dürfen, nicht auf das Kind.
[00:37:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so verrückt. Ich könnte aus der Haut fahren und ich könnte jetzt von mir aus
alles zusammen treten.
[00:37:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind losgehen.
[00:37:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Emotionen zeigen, aber so in die Luft schiessen.
[00:37:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Hochzeit wird auch in die Luft geschossen. Manchmal passiert ein Unglück.
[00:37:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie das Kind zerstören.
[00:37:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung über Bestrafung funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.
[00:39:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Flugzeug muss man auch zuerst die Maske selber anziehen und dann dem Kind die
Mask anziehen.
[00:39:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geiselnahme muss man zuerst sich selber beruhigen, bevor man irgendeinen
Eingriff macht.
[00:39:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden auch viele Fehler gemacht. Dann wird es gefährlich.
[00:39:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
War es früher einfacher?
[00:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde eher ein autoritärer Erziehungsstil praktiziert. Alle mussten sich dem
unterordnen.
[00:40:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Klassen sind schwieriger zur führen als grosse Klassen. Es gibt lauter
individuelle Unterschiede. Die Gruppe hilft nicht, das Kollektiv zusammen zu halten.
[00:40:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wollen wir eher individualisierten Unterricht, dann haben wir kleinere Gruppen
und wir probieren, jedem Kind gerecht zu werden. Das kann sehr schwierig sein.
[00:40:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben einen Burnout und mögen nicht mehr.
[00:40:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird politisch riesig diskutiert: ist der Inklusivunterricht gut? Ist der gescheitert?
[00:40:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Parteien diskutieren zusammen.
[00:40:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Politiker diskutieren miteinander, was gut ist für die Kinder, ohne dass sie eigentlich
etwas von der Sache verstehen.
[00:41:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz ehrlich bin, sage ich: wer geht in die Schulpflege, wer wird Schulpflege
Präsident? Das sind häufig Leute, die eine politische Karriere hoch gehen wollen. Den
meisten geht es nicht um die Kinder.
[00:41:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so schade. Das ist unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir
müssen sorgfältig mit unseren Kindern umgehen.
[00:41:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind eigenwillig.
[00:41:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ADHS/ADS Kinder in der Schulklasse mit seinem Verhalten nicht zum
Einlenken bringt, dann muss man sie eher rausnehmen.
[00:42:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Schulinseln. Eine Abwechslung kann gut tun.
[00:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, das Kind vor der ganzen Klasse in die Knie zu zwingen.
[00:42:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Opfer, wo das gemacht wurde. Die werden in der Zukunft immer die
Schule verweigern. Das ist gar nicht gut. Einer konnte nicht gut lesen.
[00:42:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt mit ADHS/ADS eine Dyslexie, Dyskalkulie. Das wird häufig zusammen
vererbt.
[00:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind vor der Klasse zwingen will, weil man nicht blöd dastehen will von
der Klasse, gewinnt meistens das Kind.
[00:43:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann die anderen Schüler besser hinter sich bringen und dann verliert der
Lehrer oder die Lehrerin ihr das Gesicht.
[00:43:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht geht, lieber aufhören und irgendwas ganz anderes machen.
[00:43:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man zu Beschämungsmethoden über, darf man die nur anwenden wenn es um
Leben und Tod geht. Wenn ein Eskimo Kind im Frühling auf das langsam brüchige Eis
geht, wird es vor der ganzen Gruppe beschämt.
[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Da wollen wir Aversionsverhalten. Man möchte, dass das Kind dies nie
mehr tut.
[00:44:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind für seine Lesestörung beschämt von der Klasse oder für seine
Clown Unterhaltung, dann tut man sein Selbstwertgefühl mindern. Die ganze
Persönlichkeitsentwicklung wird beeinträchtigt.
[00:44:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Probleme unter den Kindern, kann man keines bestrafen und das andere
bekommt keine Strafe. Nicht mit Täter und Opfer Kette vorgehen. Es gibt keinen
Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es immer eine lange Kausalkette.
[00:44:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen: was ist das Problem zwischen den zwei Kindern und wie
können wir das Problem lösen?
[00:45:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn wir das ADHS/ADS Kind mit in die Problemlösung einbeziehen. Dann
kommt wieder die intrinsische Motivation, die Eigenbeteiligung.
[00:45:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern sind von ihrem Wesen her sehr empathisch und hilfsbereit. Sie
wollen helfen. Man kann sie immer in die Problemlösung mit einbeziehen.
[00:45:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können weniger gut Regeln einhalten. Rechtschreiben lernen ist
Regeln lernen. Sie sind schlechter im Regeln lernen. In den Neuropsychologischen
Tests kann man das sehen.
[00:45:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Arbeitsgedächtnis, das Speichergedächtnis spielt eine Rolle.
[00:46:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn es ADHS/ADS Kinder in der Schule hat, dass man vor der ganzen
Klasse seine Regeln am Anfang sagt und nicht erst dann wenn die Regeln übertreten
werden.
[00:46:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Regeln übertreten werden, ist man schon zu spät. Dann ist man hinter der
Bewegung.
[00:46:28.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lohnt es sich, ein wenig autoritär aufzutreten: ich möchte es in meinem Unterricht
so und so.
[00:46:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur fünf Regeln als zwanzig Regeln.
[00:46:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles aufschreibt und an die Wand hängt und erwartet das Kind wird das
alles machen, das geht nicht.
[00:46:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen alle persönlich gesagt werden, persönlich durchgesetzt werden.
[00:46:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen so wie beim Geld, die müssen mit Golddeckung hinterlegt sein,
also mit ihrer emotionalen Haltung hinterlegt sein.
[00:47:05.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Regel selber durchsetzt. Hier kommt wieder das "ich will"
von Jesper Juul.
[00:47:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das in meiner Stunde so.
[00:47:18.773] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regel ganz persönlich vertreten.
[00:47:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem Kind, welches eine Dyskalkulie hat.
[00:47:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt grosse Diskussionen. Wer bezahlt nun? Die IV? Die Schule?
[00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind intelligent, hat aber auf einem Gebiet einen Schwäche, dann wird sein
Selbstwertgefühl laufend beeinträchtigt. Das müsste nicht sein.
[00:48:25.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird und es kommt dann in
Pubertät und dann wird nochmal alles schlimmer.
[00:48:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir viele psychiatrische Fälle.
[00:48:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderpsychiatrie, die Jugendpsychiatrie ist übervoll.
[00:48:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle müssen Abklärungen machen. Man muss zum Teil bis zu zwei Jahren warten.
[00:48:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber schon in der Schule schauen, dass das Kind in dieser Hinsicht Unterstützung
bekommt, damit es kein schlechtes Selbstwertgefühl haben muss.
[00:49:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: das Frühfranzösisch muss man wieder abschaffen. Das ist eine falsche
Idee gewesen.
[00:49:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man es abschaffen muss.
[00:49:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Lehrerin.
[00:49:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele meiner Kinder mit ADHS/ADS haben das Französisch abgewählt.
[00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat viele Regeln. Man kann viele Fehler machen.
[00:49:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben da ganz speziell Probleme damit, auch wenn sie nicht
unbedingt eine Dyslexie haben.
[00:49:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Schulkollegin, die unterrichtet Französisch.
[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch ist eine melodiöse Sprache. Diese Kinder müssen das Französisch über
das Reden lernen, über die Melodie.
[00:50:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in den Fluss reinkommen von der französischen Melodie. Dann haben sie
mehr Freude daran. Zuerst französische Lieder singen.
[00:50:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man: Zweisprachigkeit ist natürlich ein Vorteil für Kinder,
dreisprachig noch besser.
[00:50:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht speziell begabt ist in der Sprache, dann ist es eher ein Nachteil.
[00:50:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es besser, wenn man weniger Fremdsprachen gleichzeitig lernt.
[00:50:40.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, dass für ADHS/ADS Kinder das Lernen von zwei oder mehr
Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch eine
Überforderung sein kann.
[00:51:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle fest, dass die Lehrpersonen ihre Freiräume nicht ausnützen.
[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so stark der Bürokratie folgen, mehr der Situation folgen. Das Resultat zählt. Es
zählt nicht, ob wir jetzt alles brav gemacht haben, wie uns vorgeschrieben worden ist.
[00:51:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dem Papiertiger folgen, sondern der Realität und ein gutes Resultat mit den
Kindern erreichen.
[00:51:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lehrerin wurde kritisiert, dass sie zu viel Wohlfühl Stimmung macht. Sie hatte
auch ein paar Krisen. Alle Eltern waren sehr zufrieden mit ihr. Die schwierigen Schüler
hat sie mir mit besprochen.
[00:52:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind zählt mehr als der Paragraf.
[00:52:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich den Freiraum zu nutzen. Schlussendlich kommt es auf das Kind an
und nicht auf unsere Vorschriften.
[00:52:39.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss für das Kind da sein und nicht das Kind für die Schule.
[00:52:57.640] – Bemerkung 1
Als Lehrperson sind wir im Spagat wie man das machen soll im Schulsetting und wie ist
das später in der Welt?
[00:53:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: das ist anders. Das ist bei uns anders.
[00:53:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Ausländerkinder.
[00:53:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Klassen mit 90% Ausländerkinder und 10% Schweizer Kinder. Die Schweizer
haben ihre Kinder rausgenommen. Die Eltern haben angefangen Albanisch-
Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie haben den Tonfall der Albaner angenommen.
[00:54:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen klar sagen: bei mir im Klassenzimmer wird so umgegangen, wird so geredet.
Auf der Gasse sprichst du vielleicht anders. Hier möchte ich es so.
[00:54:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir es alle richtig machen. Es geht darum, dass wir die
Unterschiede anerkennen.
[00:54:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir läuft es so, bei dir zu Hause läuft es vielleicht ein bisschen anders.
[00:54:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann auch das Umgekehrte, dass Mütter von Akademiker Kindern sagen: da ist
eine brutale Sprache.
[00:54:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ist zum Teil da. Die Sprache ist mehr brutalisiert worden, was nicht heisst, dass
sie als Lehrerin so reden müssen.
[00:54:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht redet man ein bisschen burschikoser.
[00:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Unterschied aufzeigen.
[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl lernen: in der Schule läuft es so und zu Hause läuft es so.
[00:54:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die gleichen Regeln überall hat.
[00:54:52.870] – Bemerkung 2
Bei uns herrscht ein sehr geschützter Rahmen. Wie soll man mit den Kindern reden?
Aber die Welt funktioniert nicht so.
[00:55:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind lernt nicht besser laufen, wenn man es schon mit zwei Monaten auf die
Beine stellt.
[00:55:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf den geschützten Rahmen haben.
[00:55:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind kann man auch sagen: bei uns gibt es einen geschützten Rahmen. Ich kann
dich im geschützten Rahmen nicht vorbereiten auf die böse Welt.
[00:55:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind bei ihnen einen guten, geschützten Rahmen hat, dann nimmt das Kind
mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstsicherheit mit, in der Welt zu bestehen.
[00:55:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht die Mutter.
[00:55:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das Kind überall beschützt, dann ist es nicht tauglich für die Welt.
[00:56:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: ich will einen gepflegten Rahmen, damit du stark wirst.
[00:56:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Darauf kann man Bezug nehmen.
[00:56:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen läuft es nicht immer so einfach.
[00:56:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehre läuft es ein bisschen anders.
[00:56:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum bleiben viele Kinder in der Schule. Dort haben sie immer noch den geschützten
Rahmen.
[00:56:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 20 Jahren gehen sie dann in die böse Welt hinaus.
[00:56:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrperson dürfen ihren gepflegten Rahmen behalten. Sie sollen das auch.
[00:56:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind nicht besser auf die Welt vor, wenn sie schon die Rauheit
verkörpern.
[00:56:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen groben Lateinlehrer, der sehr mit dem Herz dabei war. Die Schüler haben
den Lehrer bewertet. Der Lehrer hat ein Kind mit dem Fuss getreten. Das haben alle
gesehen. Der war sonst so engagiert, die haben den Lehrer sehr gut bewertet.
[00:57:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht auf die einzelne Handlung darauf an.
[00:57:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Grundhaltung, welche man zum Kind hat.
[00:57:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind nicht auf die schreckliche Welt vorbereiten.
[00:57:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind besser vor, wenn sie sozial, menschlich gepflegt, wohlwollend,
zusammenarbeitend vorgehen.
[00:57:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegen sie die sozialen Regeln.
[00:58:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht der intelligenteste hat immer Recht.
[00:58:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr auf das soziale Benehmen an. Das ist wichtiger. Damit kommt man
weiter.
[00:58:11.320] – Bemerkung 3
Erziehung mit Bestrafung funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht. Wie funktioniert
Belohnung bei einem ADHS/ADS Kind?
[00:58:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist eigentlich, wenn sie eine gute Beziehung haben zum Kind und wenn
sie Freude haben.
[00:58:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Franken für eine gute Note finde ich keine gute Idee.
[00:58:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen eigentlich von sich aus gern.
[00:59:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll etwas Natürliches sein. Das muss nicht mit Geld oder mit Süssigkeit berappt
werden.
[00:59:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht für die Smilies Strategie.
[00:59:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn die Lehrerin Freude hat, dass es gut gemacht wurde und sagt: da
hast du dich super verbessert und wir können noch an dem arbeiten.
[00:59:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist die Beziehung.
[00:59:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, sie dürfen es nicht verwenden. Sie sind frei.
[00:59:56.500] – Bemerkung 4
Wie soll man mit der Mathematik umgehen?
[01:00:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Lerntherapeutinnen, Legasthenietherapeutinnen.
[01:00:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Lerntherapeuten für die Mathematik.
[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule in Zürich, ist das offensichtlich noch nicht so bekannt.
[01:00:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wehrt sich gegen die Lerntheraphie.
[01:00:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind zu einem Lerntherapeuten schicken, zu einer Aufgabenhilfe.
[01:00:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau haben wir Aufgabenhilfe, wo man nach der Schule noch lernen kann.
[01:00:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Student nehmen.
[01:00:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich besser, wenn es ein Lerntherapeut ist, weil der besser weiss, wo es
knackt.
[01:00:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen extra Coaches.
[01:00:58.070] – Bemerkung 5
Kann man die auch einfach im 1:1 begleiten? Wir können das auch selber anbieten.
[01:01:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.
[01:01:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn das Kind nicht allzu viele Bezugspersonen hat.
[01:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse das Kind vorführen, das geht nicht.
[01:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei Freddy Knie etwas mit den Pferden nicht geht, dann lässt er es sein und
versucht es ein anderes Mal wieder.
[01:02:06.380] – Bemerkung 6
Ganz individuell.
[01:02:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind mit seinem Nichtkönnen nicht der Klasse vorführen. Das ist eine riesige
Beschämung und dann rechnet man nie mehr.
[01:02:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.
[01:02:28.890] – Bemerkung 7
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie die Beschämung meistens schon erlebt.
[01:02:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man nicht wiederholen.
[01:02:38.130] – Bemerkung 8
Wie kann man den Frust knacken? Wir haben viele, die Mathematik nicht mögen.
[01:02:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind nicht so gut in der Mathe, wird gesagt. Ein Mathelehrer sagte mir, dass
alle gleich sind. Es liegt am Lehrer.
[01:02:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mathe muss man jeden Schritt mitmachen. Wenn man einen Schritt verpasst,
fällt man raus.
[01:03:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache kann man immer wieder reinkommen. Bei der Mathematik nicht.
[01:03:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nicht aufpasst, verpasst es einen Schritt, dann verpasst es
den Anschluss.
[01:03:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einzelbegleitung lohnt sich. Die Schritte einzeln durch gehen lohnt sich.
[01:03:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind etwas nicht gut kann, weicht man aus und lässt das weg.
[01:03:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Demostenes hatte einen Sprachfehler. Er hat Kieselsteine in den Mund genommen.
Damit hat er gegen das Meer geredet.
[01:03:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du etwas lernst, das du nicht so gut kannst, bist du danach doppelt stolz, wenn
du es kannst. Den Ehrgeiz kann man motivieren.
[01:04:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es doch kann, hat man Freude.
[01:04:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden war ein Stotterer. In den Sommerferien hat er geübt fliessend zu reden.
[01:04:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das Kind dazu motiviert, weisst du, es ist an sich eine grössere Leistung,
wenn du das jetzt mit mir zusammen übst, wo du ein bisschen mehr Mühe damit hast.
[01:04:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es kannst, dann hast du doppelte Freude.
[01:04:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Freude am Lernprozess.
[01:05:01.050] – Bemerkung 9
Von welchem Fokus sprechen sie?
[01:05:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe viel mit Erwachsenen um. Der Berufsfokus, was interessiert mich.
[01:05:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern: was interessiert das Kind?
[01:05:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern sagen oft: wenn das Kind nicht gut in der Schule ist, darf es nicht in den Fussball
gehen, wo es gerne geht.
[01:05:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterhin in den Fussball gehen.
[01:05:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind das wegnimmt, was es gerne tut, macht es das andere noch
weniger.
[01:05:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was das Kind gerne macht, sondern das behalten.
[01:05:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivierend: hier können wir noch zusammen üben. Du hast Freude, wenn du es dann
kannst.
[01:06:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ein Hobby haben: Klavier spielen, Geige spielen, Sport, Fussball, die
halten sich dann immer an dem, was sie gerne machen und das ihnen ein gutes
Selbstwertgefühl.
[01:06:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können Profifussballer werden. Nicht alle werden grosse Geigenspieler.
[01:06:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas finden, was das Kind gerne macht.
[01:06:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig machen die Eltern zuviel mit den Kindern.
[01:06:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger tun, dafür das intensiver.
[01:06:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, dass Kinder keine Freizeit mehr haben zum spielen.
[01:06:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder selber nicht mehr beschäftigen können, sind sie nur noch am
Handy.
[01:06:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer die intrinsische Motivation beim Kind finden.
[01:07:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es noch keinen fixen Fokus, sondern die intrinsische Motivation.
[01:07:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander, nicht einfach: wir machen jetzt das.
[01:07:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gruppenunterricht wird das und das gemacht.
[01:07:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Individualunterricht, in der Lerntherapie, du willst oder du solltest besser das lernen.
Wie machen wir das, dass das spassig ist?
[01:07:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Spass hat am Lernen, dann lernt man auch besser.
[01:07:46.440] – Bemerkung 10
Wir haben einige Borderline Mütter. Dort stehen wir an in der Zusammenarbeit mit
ihnen. Man kommt in der Auseinandersetzung nicht weiter. Sie sind wie resistent.
[01:07:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet. Wenn ich eine Borderline-Patientin habe,
dann frage ich immer: wie war ihre Jugend?
[01:08:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mich getrauen, als Fachperson zu fragen: wie haben sie die Schule erlebt
und wie sind sie erzogen worden?
[01:08:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dort alle ein Defizit.
[01:08:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sagen: es geht mich nichts an. Doch es geht einem etwas an. Man will
etwas für das Kind.
[01:08:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter fragen: wie hat ihre Mutter ihnen geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten
in der Schule?
[01:08:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer nach der Beziehung zwischen Mutter und Grossmutter fragen.
[01:08:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung anschauen und sagen: aha, dann verstehe ich.
[01:09:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten sind Menschen, denen alles ein bisschen misslungen ist. Sie
bekommen nicht viel Akzeptanz. Sie machen immer alles falsch.
[01:09:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher wollen sie, dass ihre Kinder es ganz speziell gut machen.
[01:09:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann oft überengagierte Mütter oder vernachlässigende.
[01:09:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wechselt es hin und her. Überengagiert, vernachlässigend, überengagiert.
[01:09:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ein bisschen entlasten von dem Überengagierten und ein bisschen
Verständnis haben, wie sie zu kurz gekommen sind.
[01:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: haben sie jetzt eine Freundin oder eine Tante oder
irgendjemand, der ihnen ein bisschen den Rücken deckt? Man muss ihnen dann ein
bisschen helfen.
[01:09:51.440] – Bemerkung 11
Haben sie erlebt, dass die Veränderungen machen konnten?
[01:09:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!
[01:10:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Frau hat ihre Kinder weg gegeben. Die waren in einer Pflegefamilie. Wir
haben die Kinder zurück geholt. Beide Kinder Kinder haben eine Lehre gemacht.
[01:10:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das merken, wenn sie merken: nicht auf die Mutter los gehen, der Mutter ein
bisschen Unterstützung geben, dann haben sie schon sehr viel gemacht.
[01:10:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.
[01:10:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention der ersten Stunde.
[01:10:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Borderline Mütter sind, versuche ich immer auf die Grossmutter Bezug zu
nehmen und dort ein wenig zu helfen, das ein wenig zu flicken.
[01:10:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die vorgehen, sondern ein Schritt zurück gehen und fragen: wie haben sie
es gehabt.
[01:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde frage ich immer: was sind die Erziehungsmethoden von ihrer
Mutter, von ihrem Vater gewesen?
[01:11:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für Wertvorstellungen haben sie gehabt? Was ist ihnen wichtig gewesen? Auf was
haben sie geschaut?
[01:11:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich schon ein besseres Verständnis.
[01:11:18.490] – Bemerkung 12
Verhalten aufzuzeigen, das bringt nicht sehr viel?
[01:11:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Indirekt, in dem sie über die Grosseltern fragen vom Kind, kommen sie besser an die
Person ran. Dann haben sie eine beruhigende Wirkung dort.
[01:11:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten aufzeigt, was sie schlecht machen, das erinnert mich fast so
ein bisschen an, früher, wenn Hunde reingemacht haben, hat man ihnen die Nase in
ihren Urin gedrückt.
[01:11:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war gang und gäbe. Heute sagt man: ganz falsch.
[01:11:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst etwas falsch! Auf das sind sie sehr allergisch.
[01:12:09.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich habe herausgefunden, dass wenn ich so und so mit dem Kind
umgehe, geht es besser. Haben sie das auch schon beobachtet?
[01:12:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich immer: Ich schaue schon, das ist mein Zimmer.
[01:12:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen die Eltern, wie ich mit dem Kind umgehe.
[01:12:25.270] – Bemerkung 13
Man kann sie so ein bisschen ranholen.
[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal mit dem Kind in einer Stunde drinnen sein? Dann sehen sie, wie es läuft.
[01:13:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern. Nicht sagen: du machst es falsch, du musst es
besser machen. Dann wird man sofort zur Konkurrentin der Mutter. Das ist nicht gut.
[01:13:10.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf alles, wenn es einem hilft.
[01:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt eine grosse Rolle, wie man selber erzogen wurde, wie man dann mit seinen
Kindern umgeht. Das wird weiter gegeben. Das können sie durchbrechen.
[01:13:45.340] – Bemerkung 14
Ab welchem Alter macht das Coaching Sinn und macht es auch Sinn, als Eltern von
einem Kind mit ADHS/ADS das Coaching zu machen?
[01:14:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man die Eltern Coachen. Nur die Eltern Coachen. Die Eltern sind am
meisten um das Kind herum.
[01:14:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer können sich Coaching holen: wie gehe ich mit dem ADHS/ADS Kind um?
[01:14:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird von den Eltern und vom Lehrer erzogen. Die müssen das Coaching
machen. Das Kind braucht keinen extra Coach.
[01:14:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch gar nicht für die Therapie vom Kind.
[01:14:45.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze nur das Umfeld.
[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal bringen die Eltern das Kind mit. Ich sehe die Interaktion.
[01:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Kindertherapeutin.
[01:14:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Kind nie alleine therapieren.
[01:15:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal lasse ich die Eltern das Kind mitbringen, dann frage ich das Kind aus, habe
noch einen besseren Überblick.
[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht das Kind beraten.
[01:15:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen Bezugspersonen soll man beraten, coachen, damit sie lernen, mit
dem neurodivergenten Kind geschickter umzugehen.
[01:15:20.080] – Bemerkung 15
Wie sieht das bei den Teenagern in der Pubertät aus?
[01:15:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch.
[01:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet.
[01:15:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Eltern reingeholt.
[01:15:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in der Teenager-Phase ist es ganz wichtig, dass die Eltern lernen, mit den
Teenagern umzugehen.
[01:15:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten beginnen im Teenageralter.
[01:15:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort läuft es schief.
[01:15:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht das Kind korrigieren. Ich muss das Umfeld korrigieren, damit das
Umfeld mit den neurodivergenten Teenagern umgehen kann.
[01:16:00.730] – Bemerkung 16
Wie ist es mit der Medikation, Methylphenidat? Das ist auch eine Therapieform.
[01:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Methylphenidat und alle die ähnlichen Medikamente sind Stimulanzien. Die bewirken im
Gehirn, dass man mehr gestresst ist. Wenn man mehr gestresst ist, fokussiert man sich
mehr. Das hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren.
[01:16:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson sagt: du musst das Medikament nehmen.
[01:16:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: nein, das will ich nicht.
[01:16:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen bestimmen, ob das Kind Medikamente nehmen muss oder nicht.
[01:16:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch.
[01:16:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe nicht nur als Erstes.
[01:16:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem erwachsenen Pärchen nehmen es beide. Das ist für die wie Tag und Nacht,
die haben Freude. Dem Kind wollen sie es noch nicht geben.
[01:16:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind schon sehr früh Ritalin gibt, dann werden all diese kreativen
Fähigkeiten verdrückt.
[01:17:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind all diese Reaktionen ein Feedback: es läuft etwas nicht ganz richtig.
[01:17:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter von dem Kind, die macht jetzt Homeschooling und geht raus in den Wald.
[01:17:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kontrolle kam nach Hause. Das Kind hat einen Vortrag vorbereitet, er hat das
perfekt gemacht und die waren total beeindruckt. Das Kind war nachher kaputt.
[01:17:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder konzentrieren müssen, kostet sie das mehr Energie als
bei einem Normotyp.
[01:17:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen immer alle ihre Schafe sammeln, damit die an das richtige Ort gehen.
[01:18:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Medikamenten kann es gut sein, dass die Note um einen Punkt hoch geht.
[01:18:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man in der Schule lernt, ist nicht alles.
[01:18:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen ist auch wichtig, das Kreative ist auch wichtig.
[01:18:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Abwägen.
[01:18:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keinen Eltern oder keinem Kind Methylphenidat.
[01:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht als erstes: das ist die Lösung.
[01:18:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer das Umfeld dazu zu bringen, dass es lernt, mit dem Kind
umzugehen.
[01:18:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Noten noch nicht so wichtig sind und wenn es dem Kind egal ist, wenn es nur
einen Vierer hat, ist es okay.
[01:18:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ja durch.
[01:18:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ehrgeizigen Eltern nachrennen.
[01:19:03.090] – Bemerkung 17
Bei uns geht es um den sozialen Stress. Dort hat es einen Erleichterung gegeben.
[01:19:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das soziale Setting?
[01:19:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen, waren die Kinder früher auf der Weide.
[01:19:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Reiche Familien haben sie auch auf Weide getan.
[01:19:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles durchgetaktet. Die Kinder haben weniger Zeit um einfach zu spielen,
nichts zu machen.
[01:19:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die heutigen Kindern sind zu stark eingeengt.
[01:19:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder Waldschule, Erlebnispädagogik, etc. Dort kommt es wieder
rein.
[01:19:57.090] – Bemerkung 18
Unsere Kinder sind eher im Vakuum. Die Eltern haben kein Freizeitverhalten.
[01:20:18.220] – Bemerkung 18
Die Geschichte unserer Kinder hat sich über die Jahr verstärkt.
[01:20:24.390] – Bemerkung 18
Wir haben das Know-How nicht, um die ganzen familientherapeutischen Sachen zu
machen.
[01:20:44.700] – Bemerkung 18
Das ist ein Dilemma.
[01:20:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von wohlhabenden Eltern haben in den Sommerferien unterschiedliche
Aktivitäten.
[01:20:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisieren die Schulen nichts?
[01:21:18.980] – Bemerkung 19
Es geht um die Finanzierung.
[01:21:19.100] – Bemerkung 19
Für gewisse Mädchen ist es schwierig irgendwohin zu gehen.
[01:21:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann eine Auszeit organisieren im Val Müstair. Das ist eine andere Gegend. Eine
Auszeit bei Bauern, eine andere Aufgabe. Das ist ein Sozialprogramm.
[01:22:08.890] – Bemerkung 20
Das ist eine gute Idee.
[01:22:09.080] – Bemerkung 21
Es beginnt im Alltag. Sie kommen Abends nach Hause und versumpfen an ihrem
Smartphone. Das Freizeitsverhalten ist gleich null. Die sozialen Beziehungen fehlen
auch.
[01:22:09.290] – Bemerkung 21
Das mit der intrinsischen Motivation ist ein grosses Thema.
[01:22:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand muss mit den Kindern private Projekte begleiten.
[01:22:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie nicht noch zusätzlich tun. Dazu braucht es noch andere Leute.
[01:22:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab der Pubertät kommt es manchmal ein bisschen.
[01:22:51.320] – Bemerkung 22
Wir sind in einem Schulinternat. Unsere Mädchen haben gar keine Peers. Sie haben die
Herkunftsfamilie im System und sonst kennen die niemanden.
[01:23:10.010] – Bemerkung 22
Es gibt noch Vereinstätigkeiten.
[01:23:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie die Organisation Shelter Schweiz?
[01:23:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Familienorganisation, welche Kinder platziert, die nicht zu Hause bleiben
können. Das ist weil es nicht funktioniert. Vielleicht bieten die auch Ferienplätze an.
[01:23:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Jugendliche wollte ich in den Landdienst und ging auf Grindelwald zu einer
Bergbauernfamilie. Ich war dort für vier Wochen.
[01:24:15.020] – Bemerkung 23
Es gibt einzelne Anbieter. Es immer finanziell eine Geschichte. Die sind immer gut
ausgebucht. Man muss weit im voraus planen. Für das Kind kann man nicht so weit
planen.
[01:24:33.380] – Bemerkung 24
Wir arbeiten auch mit Entlastungsfamilien, wenn es zu Hause viel zu Krisen kommt. Es
ist schwierig diese Plätze und die Finanzierung dafür zu bekommen.
[01:24:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie zu den Entlastungsfamilien?
[01:24:55.820] – Bemerkung 25
Wir haben welche, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Es gibt auch externe
Anbieter. Wer hat Platz und wer nicht?
[01:25:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel haben sie da?
[01:25:10.020] – Bemerkung 26
Zur Zeit ca. drei. Die sind an die Mädchen gebunden und gehen über das KESB, die
Beistandschaften. Wir haben nur den Schulauftrag.
[01:25:31.420] – Bemerkung 26
Weil sie in der Schule aufgefallen sind, kommen sie zu uns.
[01:25:34.300] – Bemerkung 26
Nach der letzten Massnahme kommen die zu uns.
[01:25:53.420] – Bemerkung 27
Die sozialen Interaktionen fallen den Mädchen schwerer.
[01:26:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Mädchen sind da vorsichtiger.
[01:26:11.590] – Bemerkung 28
Was heisst Freundschaften zu pflegen? Die werden einem nicht vorgelebt.
[01:26:13.600] – Bemerkung 28
Die Eltern sind selber nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen.
[01:26:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn sie Zugriff auf Ferienprogramme hätten, die nicht wahnsinnig teuer
sind.
[01:27:07.120] – Bemerkung 29
Ich habe noch eine Frage zur intrinsischen Motivation. Wie kann man diese wecken?
[01:27:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind zuerst gut erfassen, was es für ein Typ ist. Wofür interessiert sich
das Kind? Was macht das Kind nicht gerne? Dann darf man das Kind ein wenig necken.
Das ist bei jedem Kind anders.
[01:27:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken muss auch zu ihnen passen.
[01:27:55.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Thema gerne haben, lustig finden, interessant finden. Es muss auch zu
ihrem Typ passen.
[01:28:01.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder merken sofort, wenn etwas gespielt ist. Sie sind speziell sensibel auf
Unehrlichkeit. Man muss diesen Kindern gar nichts vormachen.
[01:28:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Borderline Personen.
[01:28:52.358] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es lustig haben mit ihnen.
[01:28:53.420] – Bemerkung 30
Geht ADHS/ADS/ASS alles unter einen Hut der Neurodivergenz?
[01:29:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.
[01:29:24.550] – Bemerkung 30
Man klärt dann noch ganz viel ab.
[01:29:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das absolut unnötig.
[01:29:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet viel Geld, ist viel Aufwand und es kommt immer wieder das gleiche raus.
[01:29:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn kann verschiedene Varianten von Dysfunktionen
machen. Es geht immer um das Gehirn.
[01:29:54.070] – Bemerkung 31
Das wollte ich noch einmal hören.
[01:29:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen immer eine Diagnose haben.
[01:29:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Ehrgeiz, wenn man eine seltene Diagnose findet, kann man seinen
Namen dran hängen.
[01:30:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.
[01:30:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im zweiten Weltkrieg versucht die Kinder zu beschützen, damit sie nicht
umgebracht werden.
[01:30:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte, dass die alle ganz wahnsinnig gescheit sind. Er nannte das Asperger.
Asperger ist ASS, Autismus Spektrum-Störung.
[01:30:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute möchte man auch von der ADHS/ADS Spektrum-Störung sprechen.
[01:31:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von ADHS ohne Hyperaktivität.
[01:31:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von ADHS/ADS.
[01:31:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei allen beobachten, interagieren und schauen was geht.
[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Wie schätzen sie das PDA (Pathological Demand Avoidance) ein?
[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Die darf man ja nicht unter Druck setzen. Ich darf nicht direkt etwas fragen.
[01:31:35.030] – Bemerkung 32
Bei uns sind die ganzen Systeme lahm. Alles hat eine lange Geschichte.
[01:31:36.230] – Bemerkung 32
Soll man nach dem PDA Prinzip arbeiten.
[01:32:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, dann fördert man die Pathologie.
[01:32:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre gesunde Sensibilität verwenden.
[01:32:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weichen aus. Jedes Kind weicht aus, wenn es etwas nicht so gut kann.
[01:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zu einem Kind haben, können sie sich alles leisten, wenn sie
selber ihre Sensitivität verwenden.
[01:32:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach einem Programm vorgehen.
[01:32:34.610] – Bemerkung 33
Gewisse Schülerinnen kommen sehr unregelmässig. Das geht in den
Schulabsentismus rein. Da stehen wir an.
[01:33:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind viel fehlt, muss man nach Hause gehen und versuchen herauszufinden
wieso das Kind fehlt.
[01:33:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Ausweichverhalten, weil das Kind etwas nicht kann. Das andere ist
Ausweichverhalten, weil das Kind mit einem Klassenkollegen Probleme hat. Vielleicht
will es die Lehrerin nicht enttäuschen.
[01:33:58.970] – Bemerkung 34
Wie gehe ich mit dem Ausweichverhalten um?
[01:34:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragen: was ist der Grund, wieso du ausweichst? Wem gehst Du aus dem
Weg?
[01:34:19.660] – Bemerkung 34
Ihr fällt die soziale Interaktion in der Gruppe sehr schwer.
[01:34:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Lehrer begleitet in der BEZ.
[01:34:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge ist immer ausgewichen.
[01:34:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten ein Sitzung mit der Klassenlehrperson, den Eltern und der Schulleitung, ohne
Kind.
[01:34:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorgeschlagen, dass immer ein Kind der Klasse den Jungen begleitet. Ein
Tutor, der neben ihm sitzt, ihn beschützt, ihn begleitet und auch ein bisschen kritisieren
darf. Die Mädchen haben begonnen. Die ganze Klasse hat mitgemacht. Er war immer
im Zweierpack mit jedem zusammen.
[01:35:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines Tages ist er wieder geflüchtet. Das war eine Turnstunde. Ein Mädchen hätte ihn
begleiten müssen, durfte aber nicht mitgehen.
[01:36:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir dort in den Sinn gekommen.
[01:36:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gross sind ihre Klassen?
[01:36:17.360] – Bemerkung 35
6 Kinder wobei oft nur 3 kommen.
[01:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kleine Gruppe.
[01:36:37.310] – Bemerkung 36
Die haben zum Teil ein sehr lange Diagnoseliste mit Ängsten, Zwängen und
Depressionen, Suizidalität, Selbstverletzungen. Wir kriegen die viel zu spät. Das
familiäre System ist auch am Anschlag.
[01:37:24.860] – Bemerkung 37
Das Kind hat das System im Griff, 15 Jahre alt.
[01:37:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange muss die noch in die Schule gehen?
[01:37:44.560] – Bemerkung 38
Ein Jahr ist sie noch verfügt bei uns.
[01:37:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Kind für eine Begabung?
[01:37:58.570] – Bemerkung 39
Sprachen.
[01:38:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will das Kind werden?
[01:38:14.160] – Bemerkung 40
Das ist schwierig herauszufinden, den Fokus zu finden. Was will sie, was will der Vater?
Ursprünglich wollte sie Lehrperson werden.
[01:38:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, hier geht es um einen Fokus.
[01:38:33.760] – Bemerkung 41
Wenn man immer nur ausweicht, lernt man nichts.
[01:38:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht Ausweichverhalten.
[01:38:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einer so kleinen Klasse ist, muss man ihr immer Aufgaben für zu Hause
geben. Was der Vater möchte, was die Mutter möchte.
[01:38:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie behalten die Beziehung zu ihr und geben ihr Heimaufgaben. Du machst mit dir
selber Homeschooling.
[01:39:14.900] – Bemerkung 42
Wir sind auf die andere Schiene gegangen, dass sie kommen muss und hier gefördert
wird. Wir stellen auch Veränderungen fest, dass sie ab und zu auch gerne kommt. Das
entlastet auch die Eltern.
[01:39:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand soviel Widerstand macht, macht man die paradoxe Verschreibung in der
Systemtherapie.
[01:39:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die paradoxe Verschreibung in diesem Fall ist: du musst jetzt zu Hause bleiben, ich
geben dir jeden Tag Aufgaben. Du darfst erst in die Schule kommen, wenn du dazu
bereit bist.
[01:39:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Eltern zu entlasten. Es wäre auch gut.
[01:40:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nur machen, wenn es für sie stimmt.
[01:40:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Faden nicht loslassen.
[01:40:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir haben jetzt abgemacht, dass du kommen musst. Du bist auch
gerne gekommen. Es hat dir auch etwas gebracht. Ich sehe, du schaffst es noch nicht
ganz selber. Ok, jetzt ändern wir die Strategie, jetzt bleibst du immer zu Hause, ich
gebe dir immer die Aufgaben und du musst sie mir dann bringen. Dann wird es
diskutiert.
[01:40:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich das vorstellen?
[01:41:00.350] – Bemerkung 43
Ich habe versucht ihr Vorstellungen ernst zu nehmen.d
[01:41:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es keine Auseinandersetzung.
[01:41:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Alter brauchen wir die Auseinandersetzung.
[01:41:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bösartige Auseinandersetzung. Nicht: du bist falsch. Sondern: ich sehe es so.
[01:41:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich eine paradoxe Verschreibung zu machen?
[01:41:23.880] – Bemerkung 44
Das wäre eine Variante. Das nehme ich mit für das Gespräch.
[01:41:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab jetzt bleibst du zu Hause. Es macht dir so viele Schwierigkeiten in die Schule zu
kommen. Ich will dir nicht weh tun. Du sagst, wann du bereit bist.
[01:41:48.900] – Bemerkung 45
Man muss nicht das Kind therapieren, sondern die Eltern.
[01:41:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist bereits 16 Jahre alt.
[01:41:53.980] – Bemerkung 46
Wieviel Sinn macht es, auch mit den Eltern, dem System zu arbeiten?
[01:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht immer Sinn.
[01:42:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Eltern informieren: ich wechsle jetzt, ich mache es jetzt so. Wenn das
Kind bereit ist, darf es kommen. Das wäre dann intrinsisch motiviert.
[01:42:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen es den Eltern. Sie machen das nur mit dem Kind ab.
[01:42:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mal schauen ob die intrinsische Motivation kommt.
[01:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann interessanter in der Schule zu sein, als zu Hause.
[01:42:48.730] – Bemerkung 47
Wie lange gibt man dem Kind Zeit? Wann verliert man den Faden, wenn das Kind zu
Hause bleibt.
[01:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Faden über die Hausaufgaben muss bleiben. Das geht heute, mit all den
technischen Mitteln.
[01:43:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass es für sie interessant ist.
[01:43:46.940] – Bemerkung 48
Die Systeme mögen nicht mehr tragen zu Hause. Das finde ich ein Dilemma.
[01:44:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sagen: gibt es ein Starbucks, wo sie die Aufgaben machen kann?
[01:44:05.280] – Bemerkung 49
Oder in die Bibliothek senden.
[01:44:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, in die Bibliothek. Die Studenten machen das auch so. Du erträgst die Schule
nicht, du gehst in die Bibliothek und machst dort die Aufgaben.
[01:44:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie in Bezug bleiben und etwas verlangen von ihr. Sie dürfen nicht
aufgeben. Sie geben ihr eine neue Idee und sagen: ich bin gespannt, was du aus dem
machst.
[01:44:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gespannt sind, was sie daraus macht, ist eine Neugier vorhanden. Das ist gut
für sie.
[01:44:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal Aufgaben geben, die mehr dem Vater passen und einmal Aufgaben geben die
mehr der Mutter passen. Dann schauen was geschieht.
[01:45:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist die Interaktion. Sonst bleibt man stehen. Sie dürfen alles erfinden. Die
Kreativität ist wichtig.
[01:45:30.470] – Bemerkung 50
ADHS/ADSler darf man nicht zu eng führen. Wir führen die Mädchen sehr streng. Sie
müssen die Regeln einhalten. Das kann psychische Krankheiten auslösen.
[01:46:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch schwierig. Da sind sie an einem blöden Punkt.
[01:46:15.130] – Bemerkung 50
Die Beziehung ist wichtig.
[01:46:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder in die Auseinandersetzung gehen und nicht in Gehorsam.
[01:46:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben strenge Regeln. Keine Regel ohne Ausnahme. Ab und zu macht man eine
Ausnahme, meistens nicht. Da müssen sie schauen.
[01:46:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dich jetzt ganz alleine hätte, dann könnte ich das alles zulassen. Aber wir sind
da diese Institution und da funktionieren wir nicht, wenn wir nicht gewisse Regeln
haben.
[01:46:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sich alle ein bisschen daran halten.
[01:46:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du das lernst.
[01:47:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Kindern, welche nicht ausziehen wollen oder die nichts machen, sage ich: was
denkst du, wie lange du hast, bis du das gelernt hast?
[01:47:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, es ist für dich schwierig, Regeln zu lernen, aber wir müssen alle Regeln
lernen.
[01:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkst du? 20 Jahre? Bis ans Lebensende. Dann langsam runter kommen.
[01:47:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird ein Wetten.
[01:47:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: ich will dass!
[01:47:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu fest diesen Druck, sondern miteinander ein bisschen wetteifern.
[01:47:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf das Mädchen und sie darauf an.
[01:47:39.920] – Bemerkung 51
Ich finde wir sind hoch präsent und es gibt einen Rahmen. Ich finde, das ist ein
Unterschied.
[01:47:50.060] – Bemerkung 51
Bei einem Haufen ADHS/ADSler braucht man diesen Rahmen. Viele kriegen
Unterstützung im sozialen. Sonst läuft es aus dem Ruder.
[01:47:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.
[01:48:17.420] – Bemerkung 52
Das ist mein Schulzimmer, ich will, dass es in meinem Schulzimmer so läuft und
"Regeln".
[01:48:31.900] – Bemerkung 52
Respektvoller Umgang ist eine Regel und auch eine innere Haltung. Das ist fluid.
[01:48:46.400] – Bemerkung 52
Sobald du es erklären kannst, dass es aus einer inneren Haltung kommt, ist es für das
Kind auch objektiv.
[01:48:48.130] – Bemerkung 52
Wenn es einfach heisst: ich will das jetzt so, weil ich das so will, dann ist das etwas
anderes. Weil es so ist.
[01:49:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln muss persönlich vertreten sein. Absolut. Sonst geht es nicht. Sie muss total
persönlich vertreten sein.
[01:49:09.180] – Bemerkung 53
Es ist wichtig für dich, dass du das lernst, weil du das später brauchst.
[01:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, ob der Augenkontakt vorhanden ist oder nicht.
[01:49:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen und dann warten. Merkst du was ich meine? Überleg es dir mal und morgen
sprechen wir wieder darüber.
[01:49:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ewig lange warten, bis sie es haben.
[01:49:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional Geduld haben, dass es rein geht.
[01:50:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte zu mir: ich war konsequent inkonsequent.
[01:50:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert nicht. Nicht drücken.
[01:50:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit lassen, dass es das Kind bei sich selber intrinsisch einbauen kann.
[01:51:26.420] – Bemerkung 54
Unsere Schule sagt, das ist eine Behinderung.
[01:52:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Behinderung ist alles eine Definitionssache.
[01:52:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System oder im regulären Schulsystem sagt man dem: Behinderung.
[01:52:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen es als Neurodiversität, als Unterschied an.
[01:52:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Veranlagung ist einerseits eine Handicap oder ein Plus.
[01:52:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: inwiefern ist es ein Plus?
[01:52:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler wünschen, dass sie es nicht haben, dann würden sie nicht alles
merken, dann würden sie nicht so stark leiden.
[01:52:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil.
[01:52:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das medizinische System bezeichnet es als Behinderung.
[01:52:51.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bezeichnen es als anders, als Neurodiversität.
[01:52:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Evolution wäre nicht vorwärtsgekommen, wenn man nicht so viele
unterschiedlichen Menschen gehabt hätte.
[01:53:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles hat seine Vor-und Nachteile.
[01:53:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur auf die Nachteile fokussieren oder man kann auf die Vorteile fokussieren.
[01:53:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier arbeite ich jetzt mit meinem Nachteil aber ich nütze auch meinen Vorteil.
[01:53:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glas ist halb voll oder halb leer.
[01:53:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch ausgedrückt ist das Glas immer halb leer, pädagogisch ausgedrückt ist es
halb voll.
[01:53:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben weiter.
[01:53:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Weg ist das Ziel. Wir haben es beide interessant.
[01:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass eine interessante Interaktion läuft.
[01:54:14.560] – Bemerkung 55
Die Eltern sagen immer: das ist eine Schule für Behinderte.
[01:54:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein alter Ausdruck. Der moderne Ausdruck ist, das ist eine Schule für
neurodivergente Kinder.
[01:54:30.260] – Bemerkung 56
Das ist ein Hinterfragen von uns.
[01:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin macht immer Symptombekämpfung.
[01:55:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alle negativen Symptomen bekämpfen, hier funktioniert das medizinische
Modell nicht richtig.
[01:55:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von der Neurodiversität. Wir sind eine Schule für neurodivergente Kinder. Wir
wollen denen eine Möglichkeit geben, dass sie sich in diesem Umfeld entwickeln
können.
[01:55:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht die Behinderung wegmachen.
[01:55:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Neurodivergenz umzugehen.
[01:55:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Silicon Valley hat es lauter ADHS/ADSler.
[01:55:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist ein Autist. Er hat sehr viel Geld verdient.
[01:55:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Er hatte wohlhabende Eltern, die
standen immer hinter ihm.
[01:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mozart war ein ADHS/ADSler.
[01:55:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht behindert. Er war begabt. Sein Sohn wurde schizophren.
[01:56:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Schule können wir mit neurodivergenten Kindern besser umgehen. Wir sind
spezialisiert.
[01:56:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg von dem Wort "behindert". Wir sind alle irgendwie behindert. Das ist immer eine
Sache der Betrachtung. Das ist Sprache.
[01:57:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchen Situationen haben sie am meisten Mühe?
[01:57:35.630] – Bemerkung 57
Wenn die Person zu introvertiert ist, vermeidend, verdrängend. Extrovertiert ist
einfacher.
[01:57:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Introvertierten muss man unglaublich geduldig werden.
[01:58:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Patient hat nicht gesprochen. Er hat sich auf die Couch gelegt. Das war eine
friedliche Stimmung. Die Mutter wollte, dass er unbedingt kommt.
[01:58:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat mir das beigebracht. Wenn man mit den Patienten nicht
weiterkommt, nichts mehr bewirken wollen, sondern einfach etwas lernen wollen.
[01:58:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere gut zu beobachten, aber ich will gar nichts bewirken.
[01:59:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu darf man etwas sagen.
[01:59:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Mütter mit schwierigen Teenager sage ich: sie dürfen ihre Position beziehen, aber
sie dürfen nichts bewirken wollen.
[01:59:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind enorm sensibel, wenn man Druck auf sie aufsetzt.
[01:59:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht bei allem mitmachen. Kein Druck aufsetzen, aber dennoch: ich sehe es
so.
[01:59:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen doch etwas zur Verfügung stellen.
[01:59:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man ihnen auch nur Ruhe zur Verfügung stellen.
[01:59:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand fragte mich: muss ich noch weiter zu ihnen in Therapie kommen? Nein, das
müssen sie nicht. Bis jetzt wollte es immer die Mutter. Sie dürfen aus eigener Initiative
kommen.
[02:00:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat immer geredet. Mit der Zeit hat der Sohn auch angefangen zu sprechen.
[02:00:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schule muss man etwas erreichen. Versuchen sie zu meditieren in der Anwesenheit
oder etwas zu machen.
[02:00:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht aufgeben, wenn die nicht mitmachen.
[02:00:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Penelope hat an ihrem Schleier gestrickt, während ihr Mann abwesend war. Wohlwollen
anwesend sein. Weniger ist mehr. Ihre wohlwollende Anwesenheit ist schon sehr
wertvoll.
Basierend auf den vorliegenden Informationen lässt sich festhalten, dass Erziehungsstile einen erheblichen Einfluss auf die Emotionsregulation von Kindern, insbesondere von ADHS/ADS-Kindern, haben und diese Auswirkungen oft bis ins Erwachsenenalter reichen können. Dr. med. Ursula Davatz betont, dass sie in ihrer beruflichen Praxis häufig Erziehungsfehler ausgleichen muss, die über Jahre hinweg entstanden sind.
Hier sind die wichtigsten Punkte bezüglich ADHS/ADS-Kindern und Emotionsregulation laut Quelle:
Spezifische Herausforderungen von ADHS/ADS-Kindern: ADHS/ADS-Kinder haben von Natur aus mehr Probleme mit Impuls- und Emotionskontrolle. Ihre Impulse werden von Emotionen gesteuert. Sie sind sehr sensibel, leicht erregbar und haben eine starke Emotionalität. Neurologisch betrachtet, nehmen ihre emotionalen Hirnareale mehr Impulse auf, bleiben länger vernetzt und geraten schneller in einen System Overload. In diesem Zustand können sie nichts mehr hören, verstehen oder Regeln befolgen. Sie sind oft schneller und laufen eher voraus, als zu folgen. Zudem haben sie einen sehr starken Gerechtigkeitssinn und wehren sich gegen Ungerechtigkeiten, auch gegenüber anderen.
Ineffektivität und Schaden durch bestrafende/emotionale Erziehungsstile:
Bestrafung und Belohnung (Konditionierung), ein weit verbreiteter Stil auch in der Schule, funktioniert bei ADHS/ADS-Kindern überhaupt nicht. Wenn diese Kinder für ihr Wesen oder Temperament, das sie nicht im Griff haben, bestraft werden, schädigt das ihren Selbstwert und ihre Selbstwirksamkeit. Bestrafung für emotionales Ausrasten oder mangelnde Impulskontrolle behindert und dämpft ihre Persönlichkeitsentwicklung. Es kann zu Rückzugsverhalten (eher bei Mädchen/Frauen) oder Delinquenz (eher bei Knaben/Männern) führen.
Angst machen und Beschämung schädigen ebenfalls die Persönlichkeitsentwicklung. Beschämung, besonders vor anderen, bewirkt hauptsächlich Aversions- oder Ausweichverhalten, was in Lernsituationen kontraproduktiv ist. Angst führt ebenfalls zu Ausweichverhalten statt Kompetenzerwerb.
Drohen mit eigener Krankheit/Leiden appelliert an Schuldgefühle und Empathie. Bei Mädchen kann dies zu übermässiger Anpassung und Empathie führen, wodurch sie sich selbst zurückstellen und ihre Persönlichkeitsentwicklung behindern. Sie nehmen ihre Gefühle zurück, was bis zur Gefühlsunterdrückung gehen kann. Diese Anpassung kann dazu führen, dass ADHS/ADS-Diagnosen bei Mädchen oft erst sehr spät gestellt werden. Unterdrückte Emotionen und System Overload können sich im Körper manifestieren und psychosomatische Krankheiten verursachen. Knaben können mit Übersprungverhalten oder Ausweichen reagieren.
Diese emotionalen und strafenden Erziehungsstile bewirken oft eine starke Emotionskontrolle im Sinne von Unterdrückung und Anpassung, insbesondere bei Mädchen.
Bestrafung ohne Verarbeitung verhindert das Erlernen echter Emotionskontrolle.
Umgang mit emotionalen Ausbrüchen von ADHS/ADS-Kindern:
Bei einem emotionalen Ausbruch, der oft aus einem starken Gerechtigkeitssinn heraus entstehen kann, darf der Ausbruch nicht bestraft werden.
Stattdessen muss zuerst herausgefunden werden, was das Kind verletzt oder geärgert hat.
Das Kind darf seine Emotionen äussern.
Erst wenn der emotionale Ausbruch validiert wurde, d.h. das Kind sich verstanden und akzeptiert fühlt, kann man über sozialkompatible Alternativen sprechen und diese einüben.
Wahre Emotionskontrolle wird nur erreicht, indem das Kind in seinem Ausbruch verstanden und validiert wird.
Emotionale Erlebnisse müssen prozessiert und verarbeitet werden, idealerweise in einer ruhigen Situation, um im Grosshirn ohne Emotionen abgelegt zu werden und impulsive Reaktionen zu vermeiden.
Erziehung durch Prinzipien und Regeln: Dieser Stil wird als intellektuell betrachtet.
Es ist sinnvoll, klare, altersgerechte und sichtbare Regeln zu haben.
Regeln sollten nicht starr sein; Ausnahmen müssen diskutiert werden, um Flexibilität zu lehren.
Das Ziel ist die Internalisierung der Regeln, der Erwerb von Sozialkompetenz und Selbstorganisation.
Eltern sollten an die Regeln erinnern, anstatt ständig Befehle zu geben, da dies Gehorsam, aber nicht Selbstständigkeit lehrt.
ADHS/ADS-Kinder folgen nicht gerne; sie müssen intrinsisch motiviert sein. Dies kann erreicht werden, indem man Situationen aufzeigt, Regeln erklärt (aber nicht zu viel, um System Overload zu vermeiden) und sich als Person einbringt („Ich will, dass dies in meinem Haushalt so gemacht wird“, nach Jesper Juul). Es geht darum, sich durchzusetzen, nicht Gehorsam zu verlangen.
Dieser Stil benötigt Klarheit und Geduld.
Laissez-Faire: Lässt die Kinder über das Leben und die Reaktionen des Umfelds lernen. Dies sei nicht schlecht, aber in unserer organisierten Welt weniger praktikabel. Impulskontrolle wird hier wahrscheinlich durch die Reaktionen der Umgebung gelernt, z.B. im Umgang mit Tieren. Kinder nehmen sich weniger zurück als bei angst- oder emotionsbasierter Erziehung.
Rolle und Herausforderungen der Eltern:
Viele Eltern von ADHS/ADS-Kindern haben selbst ADHS/ADS oder dysfunktionale Emotionsregulationsstrategien und sind verunsichert.
Eltern müssen zuerst lernen, sich selbst zu regulieren („low arousal“). Man muss sich selbst zuerst die „Sauerstoffmaske anziehen“.
Eltern müssen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Es ist wichtig, dass Eltern ihren eigenen Erziehungsstil finden und sich von ihrer Herkunftsfamilie abgrenzen. Unterschiedliche Stile zwischen den Eltern müssen klar deklariert oder Zuständigkeiten geregelt werden.
Überbehütung aus Angst schadet dem Kind, macht es unselbstständig und kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Angst führt zu Ausweichverhalten, nicht zu Kompetenz.
Eltern müssen lernen, ihre Kinder sorgfältig zu beobachten, ohne sofort zu handeln oder zu korrigieren. Übererziehung und ständiges Stören behindern die natürliche Entwicklung und Explorationsfreude des Kindes.
Weniger ist oft mehr; Eltern sollten sich auf wenige wichtige Dinge konzentrieren.
Die Stärkung der elterlichen Selbstwahrnehmung, Sicherheit und des Vertrauens in ihre eigenen Beobachtungen ist zentral. Dies gibt ihnen die nötige Position, um auch mit Teenagern zu verhandeln.
Es ist nie zu spät, positive Veränderungen einzuführen. In der Pubertät geht es mehr um Beziehungspflege und Verhandlung als um Erziehung/Gehorsam.
Zusammenfassend erfordern ADHS/ADS-Kinder aufgrund ihrer besonderen emotionalen und impulsiven Natur einen Erziehungsstil, der sich fundamental von traditionellen, strafenden Ansätzen unterscheidet. Statt Bestrafung und emotionalem Druck, der zu Unterdrückung und langfristigen Problemen führen kann, brauchen sie Validierung ihrer Emotionen, das Erlernen von Alternativen nach emotionalen Ausbrüchen, klare Prinzipien statt starrer Regeln, und Eltern, die selbst reguliert, geduldig und aufmerksam beobachten, um ihr Kind in seinem Wesen zu verstehen und persönlichkeitsgerecht mit ihm umzugehen. Die Stärkung der elterlichen Kompetenz und ihres eigenen Wohlbefindens ist dabei unerlässlich.
Dr.med. Davatz betont, dass es darauf ankommt, den individuellen Fokus und die persönlichen Stärken zu finden, denn wenn ADHS/ADSler ihren Fokus finden, können sie „abgehen wie eine Rakete“.
Allerdings lassen sich aus den Charakteristika von ADHS/ADS bestimmte Tendenzen und geeignete Umfelder ableiten:
Berufe mit Beziehungen und Empathie: ADHS/ADSler haben oft eine hohe Sensibilität und eine gute Empathie. Sie spüren sofort, wie ihr Gegenüber eingestellt ist und nehmen den emotionalen Ton stark wahr. Berufe, die menschliche Beziehungen erfordern und bei denen diese Empathie eine Rolle spielt, sind oft gut geeignet. Beispiele, die genannt werden, sind:
Arzt
Lehrer
Krankenschwester / Pflegeberufe
Verkäufer (da sie mit Menschen zu tun haben)
Berufe, die Abwechslung und Multitasking bieten: Monotone Arbeiten, wie zum Beispiel Fliessbandarbeit, sind für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit dort sofort weggeht. Tätigkeiten, die Abwechslung bieten oder bei denen rotiert wird, sind besser geeignet. Wenn ihnen die Arbeit Spass macht, sind ADHS/ADSler oft gut im Multitasking, was das Dopamin hochfährt. Zu viel Input kann allerdings auch zu einem System-Overload und Zusammenbruch führen.
Berufe, die Kreativität ermöglichen: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer und können besser „Denkgrenzen“ überschreiten. Wenn ein Umfeld genügend Raum für Experimente bietet und nicht zu rigide ist, kann sich die Kreativität entfalten.
Wunsch nach Selbstständigkeit: Viele ADHS/ADSler möchten selbstständig werden, da sie keine Vorgesetzten mögen und ihr eigener Chef sein wollen. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass auch in der Selbstständigkeit ungeliebte Fleissarbeiten wie Rechnungen schreiben oder Buchhaltung anfallen können. Für solche Aufgaben kann man extern Hilfe suchen (z.B. Buchhalter) oder, wie Dr. Davatz erwähnt, eventuell in diesem Moment Medikamente einnehmen, um sich besser fokussieren zu können.
Erfolgreiche ADHS/ADSler: Beispiele für Bereiche, in denen ADHS/ADSler erfolgreich sein können, wenn sie ihren Fokus gefunden haben, sind:
Business-Leute
Forscher (das ADS kann hilfreich sein, weil es nicht loslässt und zu Hyperfokus führt)
Sportler (z.B. Roger Federer, Michael Phelps werden genannt, und Sport kann das Dopaminsystem aktivieren)
Grosse Erfinder (wie Albert Einstein, der als ADS-Typ beschrieben wird)
Politiker (in Bemerkung 14 genannt als Beispiel für Spitzenleistung)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Berufe, die zwischenmenschliche Interaktion, Abwechslung, die Nutzung von Empathie und die Möglichkeit, den eigenen Fokus und die Kreativität einzusetzen, bieten, für ADHS/ADS-Personen oft besonders geeignet sind. Eintönige oder sehr starre Arbeitsumgebungen sind eher ungünstig. Wichtig ist es, die individuellen Stärken zu erkennen und diese gezielt einzusetzen. Coaching kann dabei unterstützen, den eigenen Typ und geeignete Wege zu finden.
Das Treffen von Entscheidungen kann für Menschen mit ADHS/ADS eine besondere Herausforderung darstellen. Die Schwierigkeiten zeigen sich auf unterschiedliche Weise, je nachdem, ob die Person eher ADHS- oder ADS-Ausprägungen hat.
Impulsivität und schnelle Entscheidungen (eher ADHS):
Ein Charakteristikum von ADHS/ADSlern ist die hohe Impulsivität. Dies kann sich positiv als grosse Spontanität äussern.
Negativ bedeutet es, dass sie zu schnellen, spontanen Entscheidungen neigen. Sie sehen etwas und sagen sofort: „Ich mache mit“. Dies führt oft dazu, dass sie sich zu viele Aufgaben aufladen und dann überfordert sind oder nicht mehr weiterwissen.
Der Rat lautet, diese Personen dazu anzuhalten, innezuhalten, zu warten und ein wenig nachzudenken, bevor sie enthusiastisch zusagen. Man sollte ihnen raten, „noch einmal darüber zu schlafen“.
Unentschlossenheit (eher ADS):
ADSler, der denkende Typ mit stärkerer innerer Aktivität, tendieren dazu, gar nicht zu entscheiden.
Sie gehen im Kopf so viele Möglichkeiten durch und wägen ständig das Für und Wider ab.
Dr. Davatz betont, dass ein guter Entscheid immer mit dem Herzen verbunden sein muss. Rein auf kognitiver Ebene entscheiden zu wollen, funktioniert nicht.
Um sein Herz und seine eigentlichen Emotionen zu spüren, die für eine gute Entscheidung nötig sind, muss man ein bisschen innehalten und zuhören.
Strukturierung und Umsetzung von Entscheidungen (Prokrastination):
Im Erwachsenenalter ist Prokrastination („Aufschieberitis“) bei ADHS/ADSlern häufig. Sie wissen, dass eine Aufgabe erledigt werden muss, tun es aber nicht und ärgern sich darüber. To-Do-Listen sind oft wenig effektiv, da die Aufgaben darauf verschoben werden.
Um dem entgegenzuwirken, ist eine sehr genaue Fokussierung der Aufgabe nötig: Man muss sich vornehmen, wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit und an welchem Ort man die Aufgabe erledigt.
Dies erfordert eine starke persönliche Fokussierung und eine gewisse Disziplin, um es dann auch umzusetzen und nicht auszuweichen. Vage Formulierungen wie „ich sollte dann noch“ sind ineffektiv. Dr. Davatz vergleicht dies mit dem Adler, der seine Beute genau fokussiert.
Umgang mit Ambivalenz nach einer Entscheidung:
Nachdem eine Entscheidung getroffen wurde, fallen viele ADHS/ADSler in Ambivalenz zurück und fragen sich, ob sie nicht anders hätten entscheiden sollen. Dieser Zustand wird als Katastrophe beschrieben, aus der man schwer herauskommt.
Der Rat ist, der Person zu sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt so entschieden hat und das in Ordnung ist. Jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile, und es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Sie sollten bei ihrem Entscheid bleiben.
Umentscheidungen:
Manchmal ist es notwendig, eine Entscheidung zu ändern. Wenn dies der Fall ist, muss man dies klar und begründet tun. Man sollte erklären, nach welchen Kriterien man ursprünglich entschieden hat und warum man sich jetzt, basierend auf neuen Überlegungen, klar umentscheidet. Dies ist akzeptabel, solange es nicht ein ständiges Hin und Her ist.
Wichtigkeit von Prinzipien und Gewohnheiten:
Da ADHS/ADSler sich schwer tun, sich selbst zu strukturieren, ist es wichtig, dass sie lernen, dies zu tun.
Das Anlegen von Prinzipien und Gewohnheiten durch mehrmaliges gleiches Handeln integriert diese Abläufe ins Gehirn, macht Entscheidungen in diesen Bereichen einfacher und spart Energie. Klare Rituale, wie ein Morgenritual oder ein Ritual zum Herunterfahren am Abend, sind hilfreich.
Rolle der Führung und Begleitung:
Bei der Führung oder Erziehung von ADHS/ADSlern ist eine autoritative Haltung hilfreich: Man sagt klar, was man will („ich will“), anstatt zu befehlen („du musst“, „du sollst“). Die Energie bleibt bei der Person, die etwas will.
Es ist wichtig, die Person zu validieren („Was hast du dir dabei überlegt?“) und ihre Gefühle zu verstehen, bevor man erklärt, wie die Situation gehandhabt werden muss.
Coaching wird als essenziell angesehen, um ADHS/ADSlern zu helfen, sich selbst und ihre Muster zu verstehen und zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Ein Coach kann dabei unterstützen, Reflexionsfähigkeit zu entwickeln und den eigenen Typ kennenzulernen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit Entscheidungen bei ADHS/ADSlern stark von ihren individuellen Ausprägungen abhängt. Während Impulsivität gebremst werden muss, braucht Unentschlossenheit eine Verbindung zur emotionalen Ebene. Für die Umsetzung ist präzise Planung wichtig, und das Anlegen von Gewohnheiten kann den Alltag erleichtern. Begleitung und Coaching spielen eine wichtige Rolle, um die nötige Selbstreflexion und die Fähigkeit zur Selbststrukturierung zu entwickeln.
Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung, einen sogenannten Genotyp oder Neurotyp. Das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“, und dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entwickeln oder negative Folgeerscheinungen auftreten, hängt massgeblich vom Umfeld ab. Der Umgang mit ADHS/ADS sollte daher persönlichkeitsgerecht oder artgerecht sein.
Einfluss des Umfelds und der Erziehung/Führung:
Ein zu rigides Umfeld, das versucht, die Person stark an Regeln zu gewöhnen, kann die Kreativität eher abklemmen. Wenn relativ viel Offenheit da ist und experimentieren erlaubt wird, kann sich die Person gesünder entwickeln.
Eine unklare Struktur oder eine bestrafende Erziehungsmethode können bei Jungen eher zu Delinquenz führen.
Sowohl rein autoritäre als auch anti-autoritäre bzw. Laissez-faire-Erziehung sind nicht gut für ADHS/ADSler. Sie brauchen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die aber nicht zu eng sein dürfen.
Eine autoritative Erziehung/Führung wird empfohlen: Man hat Regeln und sagt diese klar, aber man sagt nicht „du musst“ oder „du sollst“. Stattdessen drückt man seinen eigenen Willen aus: „ich will“.
Beschämung („warum hast du nicht…?“) ist bei ADHS/ADSlern besonders schädlich und sollte vermieden werden, da darunter generell nicht gelernt wird. Es kann zu Rückzug, Abschotten oder Aggression führen.
Kommunikation als zentrales Werkzeug:
Die Energie sollte bei der Person bleiben, die etwas will, und nicht gegen das Kind/die Person gerichtet sein, da dies Abwehr oder Aggression auslöst.
Validierung ist entscheidend: Man muss zuerst herausfinden, aus welchem Grund die Person etwas so gemacht hat, indem man fragt: „Was hast du dir dabei überlegt?“. Das geschieht nicht degradierend, sondern wertschätzend. Erst danach sagt man, wie man es gerne möchte.
Bei ADHS/ADSlern, die sehr sensibel sind und sofort spüren, wie man auf sie eingestellt ist, ist der emotionale Ton wichtiger als der Inhalt. Um sicherzustellen, dass der Inhalt ankommt, muss die Kommunikation ruhig und ohne verurteilenden Ton sein.
Wenn ADHS/ADSler kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Man muss sie „zurückholen in die Beziehung“. Es gibt keine Erziehung/Führung ohne Beziehung.
Offene Kommunikation im Team, auch über die eigenen Eigenschaften, ist wichtig für den Lernprozess. Man kann seine Reaktionen erklären, ohne unbedingt die Diagnose zu nennen.
Umgang mit spezifischen ADHS/ADS-Eigenschaften:
Breite Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit: Erkennen, dass alles interessiert. Die leichte Ablenkbarkeit liegt an einer weniger guten Filterfunktion im Gehirn. Bei uninteressanten Themen entsteht ein Defizit. Wenn sich die Person für etwas interessiert, kann sie Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen.
Impulsivität: Bei spontanen Entscheidungen (z.B. sich für zu viele Aufgaben melden) muss die Person angehalten werden, innezuhalten, zu warten und nachzudenken. Bei Unterbrechungen die Person validieren und dann umlenken.
Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter häufig. To-Do-Listen sind oft ineffektiv. Wichtig ist eine genaue Fokussierung der Aufgabe: wann, welcher Tag, welche Zeit, welcher Ort. Es braucht Selbstdisziplin, um dies dann auch umzusetzen. Für langweilige Aufgaben kann die gezielte Einnahme von Medikamenten eine Option sein.
Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler tun sich schwer, sich selbst zu strukturieren. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass andere die Strukturierung übernehmen. Das Entwickeln von Prinzipien und Gewohnheiten (durch mehrmaliges gleiches Handeln) integriert diese ins Gehirn und spart Energie. Klare Morgenrituale oder Rituale zum Herunterfahren vor dem Schlafengehen sind hilfreich. Im Arbeitsumfeld oder in der Familie ist bei Überforderung oder Chaos ein frühes, klares, „autoritäres“ Eingreifen zur Strukturierung notwendig, gefolgt von einem Rückzug, sobald die Ordnung hergestellt ist. Dies ist ein Einordnen der Situation, nicht eine Bewertung der Person.
Sensibilität und Umgang mit Kritik/Fehlern: Hohe Sensibilität auf Verletzungen und Kränkungen. Fehler passieren häufig. Fehler dürfen nicht bestraft werden. Stattdessen sollte man sie gemeinsam anschauen und nach den Überlegungen fragen. Fehler können viel Kreativität enthalten. Man lernt aus Fehlern. Einmal „ausrutschen“ und daraus lernen ist besser als zwanghaftes Vermeiden von Fehlern, was zu Unnatürlichkeit führt.
System Overload: In reizüberfluteten Umgebungen (wie einem Spital) kann es schnell zum Zusammenbruch kommen. Multitasking funktioniert gut, wenn es Spass macht, wird aber zur Überforderung, wenn es zu viel wird. Wie bei fehlender Struktur ist hier ein frühes, klares Eingreifen der Führungsperson wichtig.
Rechtfertigung: Wenn jemand sich rechtfertigt, sollte diese Diskussion auf später verschoben werden. Zuerst die Handlung validieren, dann die Rechtfertigung separat besprechen.
Helfen (Über-Helfen): Wenn jemand zu sehr versucht, allen gleichzeitig zu helfen, sollte dies anerkannt („du bist ein Helfertyp, das ist gut“) und dann begrenzt werden („du kannst nicht allen gleichzeitig helfen und deine eigene Arbeit machen“).
Stärken erkennen und fördern:
ADHS/ADSler haben oft eine primäre Gabe der Empathie und ein gutes Gespür für Menschen. Diese Gabe sollte wahrgenommen und gepflegt werden.
Sie sind in der Regel kreativer und können besser Denk-Grenzen überschreiten.
Sie können sich für Themen, die sie interessieren, intensiv begeistern und einen Hyperfokus entwickeln.
Es ist entscheidend, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen, wo er seine Stärken hat. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“. Reine Kritik an Schwächen ist nicht hilfreich.
Medikamente:
Medikamente wie Ritalin wirken auf das Dopaminsystem und sind stimulierend („Uppers“). Sie können helfen, den Fokus bei langweiligen oder mühsamen Aufgaben zu finden.
Allerdings können sie auch negative Auswirkungen haben: die breite Wahrnehmung geht verloren, die emotionale Wahrnehmung geht verloren, und man ist nicht mehr so kreativ. Architekturstudenten berichten beispielsweise, dass sie mit Ritalin weniger kreativ sind.
Zu viel Dopamin kann Psychosen auslösen. Bei Erwachsenen kann die Einnahme von zu viel Amphetamin-ähnlichen Medikamenten zu psychotischen oder schizophrenen Zuständen führen.
Medikamente dürfen nie ohne Begleitung eingenommen werden.
Sie müssen nicht immer genommen werden, sondern können gezielt eingesetzt werden. Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn passt. Die Entscheidung über die Gabe von Medikamenten bei Kindern liegt bei den Eltern.
Coaching und Begleitung:
Coaching oder eine entsprechende Begleitung ist essenziell und sollte Medikamente immer begleiten. Nur mit Medikamenten korrigieren zu wollen, wird als „Verleugnungstaktik“ oder „Grössenwahn der Mediziner“ gesehen.
Es muss ein Coach gefunden werden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Therapeuten, die ADHS/ADS nicht verstehen, versuchen oft, es zu „korrigieren“, was nicht getan werden darf.
ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden. Am Ende muss sich der ADHS/ADSler immer selber erziehen, und dabei kann ein Coach helfen.
Coaching hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben. Es geht darum zu lernen, mit sich selbst umzugehen.
Eine gute Begleitperson versteht etwas von ADHS/ADS, hat Selbstironie und Reflexionsfähigkeit. Sie kann dem Betroffenen helfen, indem sie normalisiert („das passiert mir auch“) und zum Lernen ermutigt („wir müssen es eben lernen“).
Weitere Aspekte des Umgangs:
Digitalisierung: Die Digitalisierung birgt die Gefahr, dass durch übermässigen Konsum (Handy) Vernetzungen im Gehirn (insbesondere für soziale Kompetenz und Mimiklesen) weniger stark ausgebildet werden. Sie fördert eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und kann zur Abkapselung beitragen. Eltern sollten menschliche Interaktion fördern. Die Medien sind darauf ausgelegt, über Sensation und Angst Aufmerksamkeit zu erregen.
HR-Rolle: HR-Abteilungen sollten Anpassungen nicht missbrauchen. Sie sollten der Person zuhören, validieren, wie sie sich fühlt, und dann erklären, dass es im System Regeln gibt, die eine Anpassung erfordern, wenn man im System bleiben möchte.
Sucht: Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht. Suchtmittel bieten eine schnelle, gefährliche Lösung für unangenehme Gefühle. Der Umgang mit Sucht erfordert die Begleitung des Betroffenen, um mit seinen Gefühlen umgehen zu lernen, anstatt nur Abstinenz anzustreben.
Zusammenfassend ist der Umgang mit ADHS/ADS stark vom Umfeld geprägt. Eine unterstützende, verstehende Umgebung mit klaren, aber flexiblen Strukturen und einer validierenden Kommunikation ist entscheidend. Medikamente können unterstützend eingesetzt werden, sind aber kein alleiniges Mittel und sollten immer von einer fachkundigen Begleitung (Coaching) begleitet werden. Das Wichtigste ist, dass der Betroffene lernt, sich selbst zu verstehen, zu reflektieren und mit seinen Eigenschaften umzugehen.
Gerne diskutiere ich ADHS/ADS im Arbeitsleben anhand der vorliegenden Quellen und unserer Konversation.
Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung („Genotyp“, „Neurotyp“). Das Gehirn von ADHS/ADSlern funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entfalten oder negative Folgeerscheinungen entwickeln, hängt massgeblich vom Umfeld ab.
Im Arbeitsleben zeigt sich dieser Einfluss des Umfelds und der Umgang mit den ADHS/ADS-typischen Eigenschaften besonders deutlich:
Fokus und Hyperfokus: ADHS/ADS bedeutet nicht zwingend ein allgemeines Aufmerksamkeitsdefizit. Es ist eher ein Defizit bezogen auf Themen, die einen nicht interessieren, z.B. Frontalunterricht oder monotone Arbeiten. Wenn ADHS/ADSler sich für ein Thema interessieren, können sie hingegen einen Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen. Nichts ist dann mehr von einem Defizit zu spüren. Wenn jemand im Arbeitsleben seinen ganz persönlichen Fokus findet, kann er „abgehen wie eine Rakete“. Berufe mit menschlicher Interaktion, wie Arzt, Lehrer, Krankenschwester oder Verkäufer, eignen sich oft gut, da sie Empathie und gute Wahrnehmung erfordern. Eintönige Fliessbandarbeit ist hingegen nicht geeignet, da die Aufmerksamkeit schnell weg ist. Rotation in Arbeitsaufgaben kann für ADHS/ADSler vorteilhaft sein.
Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter kommt bei vielen ADHS/ADSlern die Prokrastination hinzu. Sie wissen, was zu tun ist (Plan, Pflicht), tun es aber einfach nicht und ärgern sich dann über sich selbst. To-Do-Listen sind oft nicht hilfreich, da die Aufgaben darauf nie abgearbeitet werden. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Aufgabe genau zu fokussieren: wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit, an welchem Ort die Arbeit erledigt werden soll. Es braucht ein wenig Selbstdisziplin, um sich dann „am Riemen zu reissen“ und die Aufgabe nicht aufzuschieben. Manche Erwachsene nutzen Medikamente wie Ritalin gezielt für langweilige Aufgaben wie Buchhaltung.
Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler benötigen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die jedoch nicht zu eng sein dürfen. Sie tun sich schwer, sich selbst gut zu strukturieren. Dies kann dazu führen, dass sie an der Arbeit sehr strukturiert sind, zu Hause aber ein „Messi Syndrom“ haben. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass Vorgesetzte oder Kollegen die Strukturierung komplett übernehmen. Gewisse Prinzipien und Gewohnheiten zu entwickeln, indem man Dinge mehrmals gleich macht, hilft dabei, da dies im Gehirn integriert wird und Energie spart.
Umgang mit Fehlern und Kritik: ADHS/ADSlern passieren oft viele Fehler. Vorgesetzte sollten Fehler nicht bestrafen, da dies dazu führt, dass Mitarbeiter ausweichen, lügen und Dinge vertuschen. Unter Beschämung wird generell nicht gelernt. Statt zu beschämen, sollte man die Fehler gemeinsam anschauen und fragen, was sich der Mitarbeiter dabei gedacht hat („Validierung“). Fehler können viel Kreativität enthalten, die genutzt werden sollte. ADHS/ADSler sind sehr sensibel und spüren sofort, wie man auf sie eingestellt ist. Wenn sie kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Es ist entscheidend, sie „zurückzuholen in die Beziehung“. Der emotionale Ton wird stärker wahrgenommen als der Inhalt. Eine ruhige, nicht verurteilende Kommunikation ist wichtig.
Beziehung im Arbeitsumfeld: Eine gute Beziehung zwischen Führungsperson und Mitarbeiter ist essenziell. Es gibt keine Erziehung ohne Beziehung. ADHS/ADSler sind besonders empfänglich für den emotionalen Ton und die Beziehungsqualität. Wenn ADHS/ADSler, die oft eine primäre Gabe der Empathie haben, zu viel kritisiert werden, kann diese Empathie verloren gehen.
System Overload und Reizüberflutung: In Arbeitsumfeldern mit vielen Reizen, wie z.B. einem Spital, kann es schnell zum „System Overload“ kommen, bei dem ADHS/ADSler zusammenbrechen. Sie sind zwar gut im Multitasking, wenn es Spass macht, aber wenn es zu viel wird, überfordert es sie. Die Kunst der Führungsperson besteht darin, frühzeitig und klar einzugreifen („autoritär zu sein“), um Struktur zu geben, und sich dann wieder zurückzuziehen. Dies ist einordnen, nicht die Person als falsch bezeichnen. Es geht darum, dem Durcheinander entgegenzuwirken.
Umgang mit Rechtfertigung: Wenn ein Mitarbeiter in die Rechtfertigung geht, sollte die Diskussion darüber verschoben und separat geführt werden. Zuerst sollte der Vorgesetzte den Validierungsansatz wählen, indem er fragt, wie der Mitarbeiter vorgegangen ist und was er sich dabei gedacht hat. Wenn sich der Mitarbeiter danach wertgeschätzt fühlt, verbessert sich die Situation.
Stärken erkennen und fördern: Es ist wichtig, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“, der weiss, wo jeder am besten aufgehoben ist. Es ist nicht hilfreich, nur die Schwächen zu kritisieren. Ein Mitarbeiter kann aber auch den Wunsch haben, an seiner Schwäche zu arbeiten; dies ist dann eine „hohe Schule“.
HR-Rolle: Die Personalabteilung hat eine wichtige Rolle. Sie sollte darauf achten, dass Anpassungen nicht zum Zweck der Anpassung missbraucht werden. HR sollte die Person zunächst anhören und validieren, wie sie sich fühlt. Erst danach sollte das System erklärt werden, dessen Regeln nicht geändert werden können, und dass eine Anpassung nötig ist, um im System zu bleiben [128, 133? check source 126, 128].
Coaching und Begleitung: Dr. Davatz betont, dass Medikamente wie Ritalin nie ohne Begleitung eingenommen werden sollten. Sie empfiehlt dringend Coaching. Es muss ein Coach sein, der sich mit ADHS/ADS auskennt, da Therapeuten, die es nicht verstehen, versuchen, es zu „korrigieren“, was nicht geschehen sollte. ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden; der ADHS/ADSler muss sich am Ende selbst erziehen, wobei ein Coach helfen kann. Coaching fördert Selbstreflexion und hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und mit sich selbst umzugehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Arbeitsleben ein unterstützendes, strukturiertes (aber flexibles) und beziehungsorientiertes Umfeld, das Stärken erkennt, Fehler toleriert (ohne Beschämung) und Kommunikation auf Validierung aufbaut, entscheidend ist, damit ADHS/ADSler ihre Potenziale entfalten können. Medikamente können gezielt unterstützend wirken, sollten aber immer mit einer Begleitung, idealerweise einem ADHS/ADS-erfahrenen Coach, kombiniert werden, um den eigenen Umgang mit den Eigenschaften zu lernen.
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