ADHS-Kinder verstehen: Ein Einblick in ihre Welt

Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einsichten in die besondere Welt von Kindern mit ADHS und betonen die Wichtigkeit eines verständnisvollen und bedürfnisorientierten Umgangs mit ihnen.

Besondere Eigenschaften von ADHS-Kindern:

  • Hochsensibilität: ADHS-Kinder nehmen ihre Umgebung sehr intensiv wahr und reagieren oft empfindlicher auf Reize als andere Kinder. Sie „merken alles gerade“ und spüren emotionale Spannungen besonders deutlich.
  • Hochreaktivität und Impulsivität: ADHS-Kinder neigen zu schnellen, ungesteuerten Reaktionen und haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren. Sie können aggressiv werden, weglaufen, schreien oder Dinge zerstören, wenn sie mit Anforderungen konfrontiert werden, die sie nicht erfüllen wollen.
  • Schwierigkeiten mit Anpassung an die Norm: Es ist schwierig, ADHS-Kinder in vorgegebene Normen zu pressen. Ihre Individualität erfordert einen flexiblen Erziehungsstil, der auf ihre Bedürfnisse eingeht.

Herausforderungen im Umgang mit ADHS-Kindern:

  • Stress und Scham bei Eltern: Eltern von ADHS-Kindern stehen oft unter grossem Druck, da sie das Verhalten ihres Kindes nicht immer verstehen oder steuern können. Das kann zu Schamgefühlen führen, die sie davon abhalten, sich Hilfe zu suchen.
  • Konflikte zwischen Eltern und Schule: Unterschiedliche Erwartungen und Erziehungsstile können zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrpersonen führen. ADHS-Kinder leiden unter diesen Spannungen und fühlen sich oft verantwortlich für das Wohlbefinden der Erwachsenen.
  • Mangelndes Verständnis im System: Das Gesundheitssystem und das Bildungssystem sind oft nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von ADHS-Kindern ausgerichtet. Ein individueller, beziehungsorientierter Ansatz ist jedoch essenziell, um diese Kinder zu unterstützen.

Beziehungsorientierte Ansätze für ADHS-Kinder:

  • Führung statt Erziehung: Anstatt zu versuchen, ADHS-Kinder zu „erziehen“ und in die Norm zu zwingen, ist es wichtig, ihnen eine positive Orientierung und Führung zu bieten. Das bedeutet, ein Vorbild zu sein, klare Erwartungen zu kommunizieren und gleichzeitig Freiräume für Selbstentfaltung zu schaffen.
  • Intrinsische Motivation fördern: Druck und Zwang führen bei ADHS-Kindern oft zu Widerstand. Stattdessen sollte man versuchen, ihr Interesse zu wecken und ihre Stärken zu fördern, um sie intrinsisch zu motivieren.
  • Zeit und Geduld: ADHS-Kinder brauchen Zeit, um Entscheidungen zu treffen und sich auf neue Situationen einzustellen. Geduld und Verständnis sind wichtige Voraussetzungen für eine positive Beziehungsgestaltung.
  • Positive Verstärkung: Loben Sie die Fortschritte und Erfolge des Kindes, anstatt sich auf seine Schwächen zu konzentrieren. Positive Verstärkung stärkt sein Selbstvertrauen und seine Motivation.
  • Klare Strukturen und Rituale: Ein strukturierter Alltag mit klaren Regeln und Ritualen gibt ADHS-Kindern Sicherheit und Orientierung.

Vorteile eines verständnisvollen Umgangs:

  • Entfaltung von Potenzialen: ADHS-Kinder haben oft besondere Talente und Fähigkeiten, wie zum Beispiel Kreativität, Spontaneität und „Out-of-the-Box“-Denken. Ein unterstützendes Umfeld hilft ihnen, diese Potenziale zu entfalten.
  • Positive Entwicklung: Wenn die Bedürfnisse von ADHS-Kindern erkannt und respektiert werden, können sie sich zu sozial kompetenten und erfolgreichen Erwachsenen entwickeln.
  • Lernchance für Erwachsene: Der Umgang mit ADHS-Kindern kann auch für Eltern und Lehrpersonen eine wertvolle Lernerfahrung sein. Es fördert Empathie, Geduld und die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen.

Die HOTA als Unterstützung:

Die HOTA kann Eltern, Lehrpersonen und Kindern mit ADHS wertvolle Unterstützung bieten:

  • Erziehungsmediation: Sie hilft bei der Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Schule und fördert eine konstruktive Zusammenarbeit.
  • Familientherapie: Sie unterstützt Familien bei der Bewältigung der Herausforderungen, die mit ADHS einhergehen, und stärkt die Beziehungsqualität innerhalb der Familie.
  • Beratung und Information: Sie bietet Eltern und Lehrpersonen Informationen über ADHS und vermittelt ihnen hilfreiche Strategien für den Umgang mit betroffenen Kindern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: ADHS-Kinder sind keine „schwierigen“ Kinder, sondern Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Ein verständnisvoller, beziehungsorientierter Ansatz, der ihre Stärken fördert und ihnen Sicherheit und Orientierung bietet, ist der Schlüssel zu einer positiven Entwicklung und erfolgreichen Zukunft.

https://ganglion.ch/pdf/HotA_Erziehungsmediation_Kind_Eltern_Schule-kurz.pdf

Das System Kind-Eltern-Schule: Ein komplexes Zusammenspiel

Die Quellen betonen die enge Verflechtung zwischen Kind, Eltern und Schule. Sie zeigen, dass eine erfolgreiche Erziehung und Entwicklung des Kindes ein harmonisches Zusammenspiel aller drei Akteure erfordert. Besondere Herausforderungen ergeben sich, wenn ein Kind spezielle Bedürfnisse hat, wie zum Beispiel bei ADHS.

Die Bedeutung der Eltern:

  • Experten für ihr Kind: Eltern kennen ihr Kind am besten und sind die wichtigsten Bezugspersonen. Sie haben ein tiefes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen ihres Kindes.
  • Verantwortung für die Erziehung: Eltern tragen die Hauptverantwortung für die Erziehung ihres Kindes. Sie prägen seine Werte, Normen und sein Sozialverhalten.
  • Zusammenarbeit mit der Schule: Ein konstruktiver Austausch zwischen Eltern und Schule ist entscheidend für den Lernerfolg und das Wohlbefinden des Kindes.

Die Rolle der Schule:

  • Bildung und Wissensvermittlung: Die Schule hat den Auftrag, Kindern Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die sie für ihre Zukunft benötigen.
  • Förderung der individuellen Entwicklung: Die Schule sollte die individuellen Talente und Fähigkeiten jedes Kindes fördern und ihm helfen, sein volles Potenzial zu entfalten.
  • Soziales Lernen: Die Schule ist ein wichtiger Ort für soziales Lernen. Kinder lernen, mit anderen Menschen umzugehen, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu übernehmen.
  • Zusammenarbeit mit den Eltern: Lehrpersonen sollten mit den Eltern zusammenarbeiten, um das Kind bestmöglich zu unterstützen und Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Das Kind im Mittelpunkt:

  • Individuelle Bedürfnisse: Jedes Kind ist einzigartig und hat individuelle Bedürfnisse. Diese sollten von Eltern und Schule erkannt und respektiert werden.
  • Aktive Rolle in der Erziehung: Kinder sollten in Entscheidungen, die sie betreffen, einbezogen werden und die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äussern.
  • Rechte und Bedürfnisse: Kinder haben Rechte, die von Eltern und Schule geachtet werden müssen. Dazu gehören das Recht auf Bildung, auf Schutz vor Gewalt und auf freie Meinungsäusserung. [Dieser Punkt wird in den Quellen nicht explizit erwähnt, ist aber ein grundlegendes Prinzip der Kinderrechte.]

Herausforderungen im System Kind-Eltern-Schule:

  • Unterschiedliche Erwartungen: Eltern, Lehrpersonen und Kinder können unterschiedliche Erwartungen an die Schule und die Erziehung haben.
  • Kommunikationsprobleme: Oftmals mangelt es an einer offenen und wertschätzenden Kommunikation zwischen den Beteiligten. Missverständnisse und Konflikte können die Folge sein.
  • Mangelndes Verständnis für die Bedürfnisse von Kindern mit ADHS: ADHS-Kinder werden im Schulsystem oft nicht ausreichend verstanden und unterstützt. Ihre besonderen Bedürfnisse erfordern einen angepassten Erziehungsstil und eine enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule.

Lösungsansätze:

  • Verbesserte Kommunikation: Eine offene und transparente Kommunikation zwischen Eltern, Lehrpersonen und Kind ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
  • Erziehungsmediation: Professionelle Mediation kann helfen, Konflikte zu lösen und gemeinsame Lösungen im Sinne des Kindeswohls zu finden.
  • Fortbildungen für Lehrpersonen: Lehrpersonen sollten regelmässig Fortbildungen besuchen, um ihre Kompetenzen im Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen zu erweitern.
  • Unterstützung für Eltern: Eltern von Kindern mit ADHS benötigen Unterstützung und Beratung, um mit den Herausforderungen der Erziehung umgehen zu können.

Die HOTA als Unterstützung:

  • Erziehungsmediation und Familientherapie: Die HOTA bietet professionelle Unterstützung für Familien und Schulen an, die mit Konflikten oder Herausforderungen konfrontiert sind.
  • Kulturvermittlung: In multikulturellen Familien kann die HOTA als Kulturvermittler fungieren und helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das System Kind-Eltern-Schule ist ein komplexes Gefüge, in dem alle Beteiligten eine wichtige Rolle spielen. Eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule, die auf Vertrauen, Respekt und offener Kommunikation basiert, ist entscheidend für die positive Entwicklung des Kindes.

https://ganglion.ch/pdf/HotA_Erziehungsmediation_Kind_Eltern_Schule-kurz.pdf

ADHS-Kinder: Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Quellen beleuchten die besonderen Herausforderungen, die sich im Umgang mit ADHS-Kindern im System Kind-Eltern-Schule ergeben. ADHS-Kinder haben spezielle Bedürfnisse, die oft zu Konflikten im schulischen Umfeld führen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen erfordern.

Besondere Bedürfnisse von ADHS-Kindern:

  • Hypersensibilität: ADHS-Kinder sind oft überempfindlich gegenüber Reizen, sowohl auf sensorischer als auch auf emotionaler Ebene. Sie nehmen Missstimmungen und Konflikte im Umfeld verstärkt wahr.
  • Impulsives Verhalten: ADHS-Kinder reagieren häufig impulsiv auf Reize und neigen zu aggressivem oder auch zurückziehendem Verhalten.
  • Spezielle Bedürfnisse im Unterricht: ADHS-Kinder benötigen im Unterricht spezielle Unterstützung und angepasste Lernmethoden, um erfolgreich zu sein.

Konflikte im Schulsystem:

  • Ablehnung durch Lehrpersonen: Die Quellen berichten von Fällen, in denen Lehrpersonen ADHS-Kinder ablehnen, weil sie sich von deren Verhalten überfordert fühlen.
  • Unverständnis und fehlende Unterstützung: Eltern von ADHS-Kindern berichten oft, dass sie sich von Lehrpersonen nicht ernst genommen fühlen und ihre Anliegen nicht gehört werden.
  • Schulverweigerung: ADHS-Kinder, die sich im schulischen Umfeld nicht wohlfühlen und keine Unterstützung erfahren, können Schulverweigerung entwickeln.

Die Rolle der Eltern:

  • Eltern als Experten: Eltern von ADHS-Kindern haben oft ein grosses Wissen über die Bedürfnisse ihres Kindes und können wertvolle Informationen an Lehrpersonen weitergeben.
  • Konflikte mit Lehrpersonen: Leider stossen Eltern mit ihrem Wissen und ihren Anliegen oft auf Widerstand bei Lehrpersonen, die sich in einer Konkurrenzsituation sehen.
  • Überforderung und Hilflosigkeit: Die Erziehung eines ADHS-Kindes kann für Eltern sehr belastend sein. Sie fühlen sich oft hilflos und überfordert.

Lösungsansätze:

  • Verbesserte Kommunikation: Eine offene und wertschätzende Kommunikation zwischen Eltern und Lehrpersonen ist entscheidend, um ADHS-Kinder optimal zu unterstützen.
  • Erziehungsmediation: Erziehungsmediation kann helfen, Konflikte zwischen Eltern und Schule zu lösen und gemeinsame Lösungen zu finden.
  • Fort- und Weiterbildung für Lehrpersonen: Lehrpersonen sollten Fort- und Weiterbildungen besuchen, um ihre Kompetenzen im Umgang mit ADHS-Kindern zu erweitern.
  • Unterstützung für Eltern: Eltern von ADHS-Kindern benötigen Unterstützung und Beratung, um mit den Herausforderungen der Erziehung umgehen zu können.
  • Frühzeitige Intervention: Je früher Probleme im Zusammenhang mit ADHS erkannt und behandelt werden, desto besser sind die Chancen auf eine positive Entwicklung des Kindes.

Die HOTA als Unterstützung:

  • Die Quellen nennen die HOTA als ein Beispiel für eine Organisation, die Erziehungsmediation und systemische Unterstützung für Familien und Schulen anbietet.
  • Die HOTA kann helfen, die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrpersonen zu verbessern und gemeinsame Lösungen im Sinne des Kindeswohls zu finden.

Fazit:

ADHS-Kinder stellen das System Kind-Eltern-Schule vor besondere Herausforderungen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen, die auf Verständnis, Wertschätzung und offener Kommunikation basiert, ist unerlässlich, um diesen Kindern die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Erziehungsmediation und frühzeitige Intervention sind wichtige Instrumente, um Konflikte zu lösen und eine positive Entwicklung des Kindes zu fördern.

https://ganglion.ch/pdf/Erziehungsmediation_Kind_Eltern_Schule-lang.pdf

Das komplexe Zusammenspiel: Kind, Eltern und Schule

Die Quellen betonen die Wichtigkeit des sozialen Umfelds für die gesunde Entwicklung eines Kindes und beleuchten das komplexe Zusammenspiel zwischen Kind, Eltern und Schule. Dabei wird deutlich, dass alle drei Akteure zwar das Wohl des Kindes anstreben, ihre Perspektiven und Prioritäten jedoch oft zu Konflikten führen.

  • Die Schule sieht sich primär für die intellektuelle und soziale Entwicklung des Kindes zuständig. Das emotionale Wohlbefinden spielt zwar auch eine Rolle, steht aber nicht im Vordergrund.
  • Die Eltern sind in erster Linie an der sozialen und emotionalen Gesundheit ihres Kindes interessiert. Oftmals sind sie sehr ehrgeizig und setzen das Kind unter Druck, gute Schulleistungen zu erzielen.
  • Das Kind befindet sich in diesem Spannungsfeld und kann unter den Konflikten zwischen Eltern und Schule leiden.

Besonders problematisch wird die Situation, wenn ein Kind spezielle Bedürfnisse hat, wie z.B. ADHS. In solchen Fällen ist die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern besonders wichtig, um das Kind optimal zu fördern und zu unterstützen. Leider zeigt die Erfahrung, dass diese Zusammenarbeit oft nicht reibungslos funktioniert.

  • Eltern fühlen sich von Lehrern nicht ernst genommen und haben den Eindruck, dass ihre Anliegen nicht gehört werden.
  • Lehrer hingegen fühlen sich von Eltern oft unter Druck gesetzt und kritisiert. Sie sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, die Bedürfnisse des Einzelkindes mit den Anforderungen der gesamten Klasse in Einklang zu bringen.

Die Quellen zeigen deutlich, dass Konflikte zwischen Eltern und Schule negative Auswirkungen auf das Kind haben. Es kann sich abgelehnt, ausgeschlossen und gemobbt fühlen, was zu Schulverweigerung, psychischen Problemen und im schlimmsten Fall sogar zu Kindeswohlgefährdung führen kann.

Erziehungsmediation wird als ein vielversprechender Ansatz vorgestellt, um diese Konflikte zu lösen und ein positives Umfeld für das Kind zu schaffen. Dabei handelt es sich um einen systemischen Ansatz, der das Kind in seinem gesamten sozialen Umfeld betrachtet und alle Beteiligten in die Lösungssuche einbezieht. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Eltern und Schule zu verbessern, Missverständnisse zu klären und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.

Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung der Prävention. Frühzeitiges Eingreifen kann dazu beitragen, dass Konflikte gar nicht erst eskalieren und Kinder die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um sich gesund zu entwickeln. Hierbei kommt Lehrern, Erziehern und Eltern eine wichtige Rolle zu: Sie sollten in der Lage sein, Probleme frühzeitig zu erkennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die HOTA wird in den Quellen als ein Beispiel für eine Organisation genannt, die Erziehungsmediation anbietet. Sie arbeitet eng mit Familien und Schulen zusammen, um systemische Veränderungen zu bewirken und so das Wohl des Kindes zu sichern.

https://ganglion.ch/pdf/Erziehungsmediation_Kind_Eltern_Schule-lang.pdf

Autismus und ADHS

Weiterbildung der Hota zum Thema Autismus und ADHS

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

 

Kompetition und Kooperation unter den Helfersystemen

Kompetition und Kooperation unter den Helfersystemen

Referat an der Fachtagung HotA

Dienstag, 21. Mai 2019, 13.30 – 17.00 Uhr Kultur- und Kongresshaus Aarau

«Viele Köche verderben den Brei» «Viele Helfer verderben den Patienten»

Der Sozialstaat Schweiz und somit auch der Kanton Aargau hat unzählige Helfersys- teme, die immer dann eingesetzt werden, wenn das natürliche Familiensystem ver- sagt hat und ein oder mehrere Individuen im System Schaden erleiden.

Helfersysteme können miteinander kooperieren, einander ergänzen und somit entwicklungsförderlich für das dysfunktionale Familiensystem sein. Sie können aber auch miteinander wettkämpfen um eine Vormachtstellung, das heisst darum streiten, wer den besseren Lösungsansatz hat für das jeweilige Familienproblem.

Die verschiedenen Helfersysteme

Alle Helfersysteme haben ihre Glaubensbekenntnisse, ihre Wertsysteme, nach wel- chen sie denken und auch handeln. Diese unterschiedlichen Wertsysteme gilt es als erstes zu erkennen und auch zu respektieren bei einer allfälligen Zusammenarbeit.

1. Das medizinische System ist hierarchisch behandelt aber individuell

  • –  Untersuchungen durchführen durch den Arzt.
  • –  Diagnose stellen beim einzelnen Individuum durch den Arzt.
  • –  Nach Anordnung des Arztes Intervention durchführen: Medikamente, Operation, therapeutische Massnahmen stationär oder ambulant.

2. Das juristische System wie KESB, Juga, Strafgericht ist ebenfalls hierarchisch behandelt aber möglichst alle gleich

  • –  Sachverhalt analysieren einer Einzelperson oder eines Familiensystems.
  • –  Urteil fällen anhand des Sachverhalts und der bestehenden Gesetzgebung.
  • –  Entscheide durchsetzen anhand der Rechtslage, keine individuellen Ausnahme möglich.

3. Sozialversicherungssysteme wie IV, Taggeldversicherung, Sozialdienste

Juristisch geregelte Systeme, die auf Gesetzesgrundlagen entscheiden, ob je- mand recht auf materielle Unterstützung hat, allenfalls holen sie über Experten- berichte wie Gutachten Informationen ein, welche ihnen beim Entscheid behilflich sein sollen.

  1. Psychosoziale, ambulante Helfermodelle staatlich oder privatIndividuelle Unterstützung im Alltag durch staatliche oder private Spitex,begleitetes Wohnen, Wendepunkt
  2. Das pädagogische und sozialpädagogische Helfermodell«Erziehung zur Gesundheit» oder zum sozialen Wohlverhalten über Erziehungs- heime, Spezialschulen.
  3. Das Angebot der HotA basiert auf einem systemisch familientherapeutisch orientierten Helfermodell, das aufsuchende Familienarbeit anbietet, was bedeutet, dass nicht nur ein Individuum sondern das Familiensystem als Ganzes angegangen und unterstützt wird.
  • –  Das Familiensystem wird analysiert auf dysfunktionale Beziehungen
  • –  Destruktive Beziehungen und Erziehungsmuster werden zu korrigieren versucht.
  • –  Bestehende Ressourcen im Familiensystem wie Grosseltern, Onkel, Tante etc.werden wahrgenommen, miteinbezogen und im therapeutischen Prozess genutzt.
  • –  Bereits involvierte professionelle Helfersysteme werden kontaktiert und nachMöglichkeit eine Kooperation mit Ihnen angestrebt.Kompetition unter den HelfersystemenDie Schweiz ist stark geprägt vom Gedanken der Feudalsysteme und somit will auch jedes Helfersystem seine Alleinherrschaft über den Patienten oder das Familiensys- tem möglichst behaupten und beibehalten. Es entsteht ein Feudalkrieg zwischen den Helfersystemen, das heisst zwischen Medizinern, Juristen, Sozialhelfern, Päda- gogen etc. und zwischen ambulant Tätigen und stationären Systemen. Alle meinen nur das Beste für den Patienten, das Kind und die Familie, aber es entfaltet sich ein Machtkampf unter den Helferpersonen und Helfersystemen ohne Ende, was sehr viel Geld kostet, viele Ressourcen vernichtet und dem Familiensystem und dem In- dex-Patienten zusätzlich noch schadet.Der Patient oder die Familie passt sich häufig den verschiedenen Systemen an, um nicht in Konflikt zu geraten, oder um das Maximum herauszuholen.
    Die Helfersysteme geben dann meist den Patienten die Schuld für das schlechte Funktionieren der geplanten Hilfeleistung und werfen diesen Manipulation vor.
    Doch es sind die Helfersysteme, die nicht optimal zusammenarbeiten und sich aus- spielen lassen. Aus Sicht der Hilfesuchenden ist ihre Verhaltensweise nur eine Opti- mierung.Voraussetzungen für eine nutzbringende, effiziente Kooperation unter den Helfersystemen
  • –  Als erstes Akzeptanz und Respekt gegenüber den anderen Helfern üben.
  • –  Die unterschiedlichen Denkmodelle erkennen und als solche respektieren und akzeptieren.
  • –  Die Situation immer wieder neu evaluieren und falls notwendig entsprechend an- passen, das eingeschlagenen Prozedere nicht stur durchsetzen.
  • –  Die eigene Einschätzung der Situation aus der eigenen fachlichen Perspektive den anderen Helfern und den Hilfesuchenden möglichst klar kundtun, d.h.
    eine eigenen Position beziehen, auch wenn diese Position unterschiedlich ist, ja sogar gegenläufig zu anderen Positionen.
  • –  Bereitschaft nachzugeben, wenn ein anderes Helfersystem «näher am Ball» ist oder bessere Lösungsangebote hat.
  • –  Nicht nur am selben Strick ziehen wollen und den Patienten oder die Familie da- bei «erwürgen» bzw. mit der Übermacht der Helfersysteme überfahren.
  • –  Nicht unbedingt auf Einigkeit ausgerichtet sein, diese zu erzwingen würde häufig eine unehrliche, gespielte Anpassung von manchen Playern verlangen, was nicht dienlich ist und von den Hilfesuchenden stets bemerkt wird.
  • –  Den Hilfesuchenden also keine harmonische Helferwelt, bzw. «Helfermacht» vorspielen, sie merken dies sofort, wenn wir nicht authentisch sind, denn sie be- obachten uns ganz genau.Was uns alle weiterbringt, ist eine faire Auseinandersetzung unter den Helfern und Helfersystemen. Sowohl wir Helfer als auch die Hilfe suchenden Familien können nur lernen voneinander.Ressourcen Stärken und Bündeln«what fires together wires together», d.h. wenn wir miteinander gemeinsam an einer Problemlösung arbeiten, bilden wir auch ein immer besser funktionierendes Helfernetzwerk, das effektiv und effizient ist.
    Der Mensch, sein Gehirn und auch die Familie sind ein funktionierendes Ganzes, das nicht aufgeteilt werden kann in voneinander klar abgegrenzte Bereiche und somit kann auch nicht mit klar voneinander abgetrennten «Helferfeudalsyste- men» gearbeitet werden.

Dr. med. Ursula Davatz

20. Mai 2019