Dr.med. Ursula Davatz beschreibt Autisten als sehr empfindlich gegenüber Fremdbeeinflussung. Wenn man sie zu stark anstösst oder unter Druck setzt, reagieren sie mit verschiedenen Verhaltensweisen, die als Schutzmechanismen dienen:
1. Rückzug:
Autisten ziehen sich zurück, um sich vor weiteren Reizen abzuschirmen und die Situation zu kontrollieren.
Dies ist eine häufige Reaktion auf Überforderung oder Bedrängnis.
2. Verweigerung:
Autisten können sich aktiv widersetzen, indem sie Anweisungen nicht befolgen oder die Teilnahme an Aktivitäten verweigern.
Dies ist ein Ausdruck ihres Bedürfnisses nach Autonomie und Selbstbestimmung.
3. Aggression:
In extremen Fällen, wenn der Druck zu gross wird, kann ein Autist aggressiv reagieren.
Dies ist eine Form der Selbstverteidigung gegen die als bedrohlich empfundene Situation.
4. Totstellreflex:
Dr.med Ursula Davatz vergleicht das autistische Verhalten in solchen Situationen mit dem Totstellreflex.
In diesem Zustand nimmt der Autist zwar alles wahr, ist aber handlungs- und kommunikationsunfähig.
Wichtig:
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass diese Reaktionen nicht als bewusste Entscheidungen des Autisten zu verstehen sind, sondern automatische Schutzmechanismen darstellen.
Einfühlungsvermögen, Geduld und eine ruhige Kommunikation sind im Umgang mit Autisten essenziell, um solche Situationen zu vermeiden.
Anstatt zu befehlen, sollten Bitten formuliert und der Autist in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.
Zusätzliche Punkte, die zu beachten sind:
Autisten leiden oft unter „System Overload“, wenn sie mit zu vielen Reizen konfrontiert werden.
Sie haben möglicherweise Schwierigkeiten beim Lesen von Mimik, was die Kommunikation erschwert.
Klare Strukturen und Routinen geben Autisten Sicherheit.
Sie reagieren sensibel auf emotionale Zustände ihres Gegenübers.
Durch ein verständnisvolles und respektvolles Vorgehen kann man dazu beitragen, dass sich Autisten sicher fühlen und ihr volles Potential entfalten können.
Dr.med. Ursula Davatz erklärt in ihrem Vortrag, dass es für Autisten sehr wichtig ist, klare Rahmenbedingungen zu haben. Dies liegt an ihrer besonderen Wahrnehmungsweise und ihrem erhöhten Sensibilitätsniveau. Autisten nehmen viel mehr Reize auf als Nicht-Autisten und haben Schwierigkeiten, irrelevante Reize auszublenden. Dadurch kann es schnell zu einer Überforderung, einem sogenannten „System Overload“ kommen.
Klare Strukturen und Rahmenbedingungen bieten Autisten:
Sicherheit und Orientierung: In einem klar definierten Rahmen wissen Autisten, was von ihnen erwartet wird und können sich besser auf die Situation einstellen. Sie fühlen sich sicherer und können ihre Energie auf die Aufgabe konzentrieren, anstatt sich mit der Interpretation der Situation zu beschäftigen.
Reduktion von Unsicherheiten: Offene Situationen und unvorhersehbare Veränderungen können für Autisten sehr verunsichernd sein. Ein klarer Rahmen hilft ihnen, Unsicherheiten zu minimieren und Ängste abzubauen.
Verhinderung von Überforderung: Durch die Begrenzung der Reize und die Schaffung von Vorhersehbarkeit trägt ein klarer Rahmen dazu bei, eine Überforderung des Autisten zu vermeiden.
Verbesserte Kommunikation: Klare Anweisungen und Erwartungen erleichtern die Kommunikation und reduzieren das Risiko von Missverständnissen.
Konkrete Beispiele für die Bedeutung von Rahmenbedingungen:
Im Arbeitsumfeld: Autisten können im Arbeitsumfeld sehr erfolgreich sein, wenn ihre Aufgaben klar definiert sind und der Vorgesetzte ihnen einen strukturierten Rahmen bietet.
In der Interaktion: In der Kommunikation mit Autisten ist es wichtig, klare und direkte Sprache zu verwenden, Befehle zu vermeiden und stattdessen Bitten zu formulieren.
Im Alltag: Feste Strukturen im Alltag, wie z.B. immer gleiche Essenszeiten oder feste Plätze für Gegenstände, geben Autisten Sicherheit und Orientierung.
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass es nicht darum geht, Autisten einzuengen oder ihnen ihre Autonomie zu nehmen. Vielmehr geht es darum, ihnen Hilfestellungen zu bieten, damit sie sich in einer Welt zurechtfinden können, die oft überfordernd und unvorhersehbar ist.
Besonders wichtig ist es, den Autisten in die Gestaltung des Rahmens miteinzubeziehen:
Gemeinsame Entscheidungsfindung: Statt Entscheidungen über den Kopf des Autisten hinweg zu treffen, sollten seine Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt werden.
Transparenz und Kommunikation: Der Autist sollte jederzeit wissen, warum bestimmte Rahmenbedingungen gelten und welche Erwartungen an ihn gestellt werden.
Indem man Autisten klare Rahmenbedingungen bietet, ermöglicht man ihnen, ihre Stärken zu entfalten und erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
Dr.med. Ursula Davatz beschreibt Autisten als hochsensibel gegenüber Fremdbeeinflussung. Sie reagieren darauf mit verschiedenen Verhaltensweisen:
Rückzug: Ein Autist kann sich zurückziehen, wenn er sich durch Fremdbeeinflussung überfordert oder bedrängt fühlt. Dies ist eine Möglichkeit, sich vor weiteren Reizen abzuschirmen und die Situation zu kontrollieren.
Verweigerung: Autisten können auch aktiv Widerstand leisten, indem sie sich weigern, Anweisungen zu befolgen oder an Aktivitäten teilzunehmen. Dies ist ein Ausdruck ihrer Autonomie und ihres Bedürfnisses, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Aggression: In extremen Fällen, wenn die Fremdbeeinflussung als zu stark empfunden wird, kann ein Autist auch aggressiv reagieren. Dies ist eine Form der Selbstverteidigung, um sich gegen die als bedrohlich empfundene Einflussnahme zu wehren.
„Totstellreflex“: Dr.med. Ursula Davatz vergleicht das autistische Verhalten unter starker Fremdbeeinflussung mit dem Totstellreflex. In diesem Zustand nimmt der Autist zwar alles wahr, ist aber handlungs- und kommunikationsunfähig.
Dr. Davatz betont, dass diese Reaktionen auf Fremdbeeinflussung nicht als bewusste Entscheidungen des Autisten zu verstehen sind, sondern als automatische Schutzmechanismen, die durch seine besondere Wahrnehmungsweise und sein erhöhtes Sensibilitätsniveau ausgelöst werden.
Zusätzlich erwähnt Dr.med. Ursula Davatz, dass Autisten:
einen „System Overload“ erleiden können, wenn sie mit zu vielen Reizen konfrontiert werden.
Schwierigkeiten beim Lesen von Mimik und nonverbalen Signalen haben können, was die Kommunikation zusätzlich erschwert.
klare Strukturen und Routinen bevorzugen, da sie ihnen Sicherheit und Orientierung bieten.
Diese zusätzlichen Punkte unterstreichen die Bedeutung eines sensiblen und respektvollen Umgangs mit Autisten, insbesondere in Situationen, in denen sie sich durch Fremdbeeinflussung bedroht fühlen.
Dr.med. Ursula Davatz beleuchtet in ihrem Vortrag verschiedene Faktoren, die die Kommunikation mit Autisten erschweren können. Sie beschreibt Autisten als Menschen mit einem „offenen Wahrnehmungsfeld“ und einer schwachen „Filterfunktion“, was bedeutet, dass sie alle Reize und Eindrücke gleichzeitig wahrnehmen und Schwierigkeiten haben, irrelevante Reize auszublenden.
Die folgenden Punkte führen laut Dr.med. Ursula Davatz zu Schwierigkeiten in der Kommunikation:
Systemüberlastung („System Overload“): Die Flut an Reizen kann zu einer schnellen Überforderung des limbischen Systems führen, welches für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. In diesem Zustand der Systemüberlastung sind Autisten oft weder handlungs- noch kommunikationsfähig, obwohl sie innerlich alles genauestens wahrnehmen.
Verzögerte Sprachverarbeitung: Autisten haben häufig eine leichte Störung im Sprachzentrum, wodurch sie Sprache nicht so leicht erwerben und Probleme mit der Kommunikation haben. Die Verzögerung in der Sprachverarbeitung kann zu Unsicherheit und Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung führen.
Schwierigkeiten beim Lesen von Mimik: Manche Autisten haben eine Agnosie, was bedeutet, dass sie Schwierigkeiten haben, Mimik und andere nonverbale Signale zu interpretieren. Dies kann die Kommunikation zusätzlich erschweren.
Bedürfnis nach klaren Strukturen: Autisten bevorzugen klare Strukturen und fixe Routinen, da sie ihnen Sicherheit und Orientierung bieten. Spontane Veränderungen oder unvorhersehbare Situationen können zu Verunsicherung, Wutausbrüchen oder Verweigerung führen.
Sensibilität gegenüber emotionalen Zuständen: Autisten sind sehr feinfühlig und nehmen die emotionalen Zustände ihres Gegenübers deutlich wahr. Ein aggressiver Tonfall oder eine erregte Stimmung können die Kommunikation blockieren oder zu aggressivem Verhalten führen.
Unterschiedliche Wahrnehmung von Männern und Frauen: Dr.med. Ursula Davatz verweist auf Studien, die zeigen, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Stress reagieren. Während Frauen unter Stress eher still werden oder weinen, neigen Männer dazu, aggressiv zu werden oder sich zurückzuziehen. Dies kann die Kommunikation zwischen den Geschlechtern, besonders im Kontext von Autismus, beeinflussen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kommunikation mit Autisten aufgrund ihrer besonderen Wahrnehmungsweise und ihres erhöhten Sensibilitätsniveaus eine Herausforderung darstellen kann. Geduld, Einfühlungsvermögen, klare Kommunikation und ein respektvoller Umgang sind essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und eine erfolgreiche Interaktion zu ermöglichen.
Dr.med. Ursula Davatz äussert sich zurückhaltend gegenüber dem Einsatz von Medikamenten bei Autismus. Sie räumt zwar ein, dass in der Psychiatrie Medikamente häufig verwendet werden, sieht aber keinen grossen Nutzen in ihrer Anwendung bei Autisten.
Spezifisch zu SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer):
Möglicher Effekt: SSRI könnten Autisten helfen, indem sie eine „dickere Haut“ erzeugen und die Reizempfindlichkeit reduzieren.
Subjektive Erfahrungen: Einige Autisten berichten, dass SSRI ihnen helfen, während andere negative Effekte wie ein Gefühl der Abgestumpftheit beschreiben.
Keine Veränderung des Gehirns: Dr.med. Ursula Davatz betont, dass SSRI das hochsensible Gehirn von Autisten nicht grundlegend verändern.
Verordnung bei Wunsch: Wenn Autisten Medikamente wünschen, um die Reizwahrnehmung zu reduzieren, lehnt Dr.med. Ursula Davatz dies nicht ab.
Grundsätzliche Haltung:
Dr.med. Ursula Davatz setzt generell mehr auf Lernen als auf medikamentöse Behandlung. Sie ist der Meinung, dass Medikamente zwar die Reizempfindlichkeit reduzieren können, aber nicht die zugrundeliegenden Herausforderungen des Autismus angehen.
Fokus auf alternative Ansätze:
Statt auf Medikamente zu setzen, plädiert Dr.med. Ursula Davatz für alternative Ansätze wie die „Marte Meo Methode“, die auf Verständnis, Kommunikation und Anpassung des Umfelds basieren. Sie betont die Bedeutung von emotionaler Neutralität, klaren Strukturen und Geduld im Umgang mit Autisten, um ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz den Einsatz von Medikamenten bei Autisten nur in Einzelfällen und auf Wunsch des Betroffenen befürwortet. Sie setzt stattdessen auf ein ganzheitliches Verständnis von Autismus und die Förderung individueller Stärken durch geeignete Lern- und Kommunikationsstrategien.
Dr.med. Ursula Davatz vermittelt in ihrem Vortrag eine differenzierte Sichtweise auf die Diagnose „Autismus“. Sie betont, dass Diagnosen primär der Kommunikation unter Fachleuten dienen und im Umgang mit Betroffenen zu einer Stigmatisierung und Einengung führen können. Statt sich auf die Diagnose zu fokussieren, plädiert sie für ein funktionelles Verständnis von Autismus, das die individuellen Stärken und Herausforderungen des Einzelnen berücksichtigt.
Zentrale Botschaften von Dr.med. Ursula Davatz:
Diagnose als Kommunikationsinstrument: Die Diagnose „Autismus“ ist wichtig für den Austausch unter Fachleuten, birgt im Umgang mit den Betroffenen aber die Gefahr der Stigmatisierung.
Funktionelles Verständnis: Anstatt sich auf die Diagnose zu versteifen, sollte man Autismus aus einer funktionellen Perspektive betrachten und die individuellen Fähigkeiten und Schwierigkeiten jedes Einzelnen verstehen.
Verhaltensbasierte Definition: Autismus-Spektrum-Störung wird nicht über Intelligenz, sondern über Verhalten definiert. Dieses Verhalten kann bei Menschen mit unterschiedlichen Intelligenzniveaus auftreten.
Genetische Verbindung zu ADHS/ADS: Studien zeigen, dass Autismus und ADHS/ADS den gleichen veränderten Genlocus aufweisen, was auf eine enge Verwandtschaft der beiden Störungen hindeutet.
„System Overload“: Autisten nehmen aufgrund ihres breiten Wahrnehmungsfeldes und der fehlenden Reizabschirmung viele Reize gleichzeitig auf, was zu einer schnellen Überforderung führen kann („System Overload“).
Bedeutung des Umfelds: Das Umfeld spielt eine grosse Rolle für Autisten. Ein überaktives oder unsensibles Umfeld kann autistisches Verhalten verstärken.
Kommunikation und Interaktion: Die Kommunikation mit Autisten erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen und eine teilnehmende Beobachtung, um ihre Bedürfnisse zu verstehen.
„Marte Meo Methode“: Diese Methode, die auf genauem Hinschauen und Validierung basiert, kann die Kommunikation mit Autisten erleichtern.
Authentizität und emotionale Neutralität: Autisten sind sehr sensibel für Zwischentöne und Unaufrichtigkeit. Im Umgang mit ihnen ist es daher wichtig, authentisch und emotional neutral zu sein.
Klare Strukturen und Rahmenbedingungen: Autisten fühlen sich in klaren Strukturen und Rahmenbedingungen sicherer. Offene Situationen und ständige Veränderungen können sie überfordern.
Mut zum Fehler machen: Autisten haben oft Angst vor Fehlern. Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Fehler zum Lernprozess gehören und neue Möglichkeiten eröffnen können.
Dr.med. Davatz‘ Botschaft ist klar: Die Diagnose „Autismus“ sollte nicht als Etikett dienen, das den Menschen auf ein bestimmtes Verhalten reduziert. Vielmehr gilt es, die individuellen Bedürfnisse und Stärken von Autisten zu erkennen und ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten, in dem sie sich entfalten können.
Laut Dr.med. Ursula Davatz können verschiedene Faktoren zu einem „System Overload“, also einer Systemüberlastung, bei Autisten führen. Sie beschreibt Autisten als Personen mit einem offenen Wahrnehmungsfeld, die alle Reize und Eindrücke gleichzeitig wahrnehmen, ohne eine ausreichende Filterfunktion zu besitzen.
Breites Wahrnehmungsfeld: Im Vergleich zu Nicht-Autisten haben Autisten ein breiteres Wahrnehmungsfeld und nehmen dadurch viel mehr Reize auf.
Fehlende Reizabschirmung: Autisten mangelt es an einer guten Reizabschirmung, was bedeutet, dass sie schwierigkeiten haben, irrelevante Reize auszublenden.
Schnelle Überforderung: Die Kombination aus breiter Wahrnehmung und fehlender Reizabschirmung führt dazu, dass Autisten schnell überfordert sind.
Überlastung des limbischen Systems: Wenn das limbische System, das für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist, mit zu vielen Eindrücken überladen wird, kommt es zum „System Overload“.
Konsequenzen des „System Overload“:
Im Zustand der Systemüberlastung nehmen Autisten gar nichts mehr wahr und sind weder handlungsfähig noch kommunikationsfähig, obwohl sie sich nicht in einem Koma befinden und innerlich alles genauestens wahrnehmen.
Vergleich mit Pferden:
Dr.med. Ursula Davatz vergleicht Autisten mit Pferden, die ebenfalls sensible Wesen und Fluchttiere sind. Um Pferde vor Überforderung durch zu viele Reize zu schützen, werden ihnen Scheuklappen angelegt. Autisten hingegen „haben keine guten Scheuklappen“ und nehmen alles wahr, was schnell zu einem „System Overload“ führen kann.
Dr.med. Ursula Davatz stellt in ihrem Vortrag fest, dass die Diagnose „Autismus-Spektrum-Krankheit“ (ASS) heute viel häufiger gestellt wird als früher. Sie führt diese Entwicklung auf verschiedene Faktoren zurück.
Verändertes gesellschaftliches Umfeld:
Effizienz und Geschwindigkeit: Die moderne Gesellschaft ist stark auf Effizienz und Schnelligkeit ausgerichtet. Menschen, die langsamer denken und handeln, werden oft überfordert und fallen aus dem Raster. Autisten, die häufig mehr Zeit für die Verarbeitung von Informationen benötigen, sind in diesem Umfeld besonders benachteiligt.
Kompetition und Stress: Der zunehmende Leistungsdruck und die ständige Kompetition in der heutigen Zeit erzeugen Stress, der sich negativ auf das Wohlbefinden von Autisten auswirken kann.
Mobbing: Scheue und introvertierte Kinder, zu denen auch viele Autisten gehören, werden in der Schule oft Opfer von Mobbing.
Verändertes Diagnoseverhalten:
Früher: Autismus wurde in der Vergangenheit seltener diagnostiziert, möglicherweise weil das Bewusstsein für die Störung geringer war und die Diagnosekriterien weniger klar definiert waren.
Heute: Durch die zunehmende Sensibilisierung für Autismus und die Erweiterung der Diagnosekriterien werden heute mehr Menschen im Autismus-Spektrum erkannt.
„Laiendiagnosen“: Dr.med. Ursula Davatz beobachtet, dass heute auch „Laien“ – also Menschen ohne medizinische Ausbildung – häufig Autismus-Diagnosen stellen. Sie beschreibt, wie Frauen das Verhalten ihrer Männer als „autistisch“ bezeichnen, wenn diese sich stark auf ihre Arbeit fokussieren und wenig auf die Bedürfnisse ihrer Partnerinnen eingehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zunahme der Autismus-Diagnosen sowohl auf ein verändertes gesellschaftliches Umfeld als auch auf ein verändertes Diagnoseverhalten zurückzuführen ist. Die erhöhte Sensibilisierung für Autismus ist grundsätzlich positiv zu bewerten, da sie zu einem besseren Verständnis und einer adäquateren Unterstützung von Menschen im Autismus-Spektrum führen kann.
[00:00:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Großmutter hat immer gesagt, wenn was wichtig geworden ist, dann muss ich Hochdeutsch reden.
[00:00:41.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Referat heißt ADHS, ADS, das wäre Hypersensibilität und ASS, also Autismus-Spektrum-Störung.
[00:00:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher haben sie gehört, wie man unterscheidet.
[00:00:56.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt wieder alles durcheinander, werfe alles in den gleichen Korb und ich verwirre sie etwas,
damit sie dann nachher selbst wieder entscheiden können.
[00:01:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin, also ich bin Medizinerin, ist die korrekte Diagnosestellung sehr wichtig, eminent wichtig für
eine korrekte Behandlung.
[00:01:20.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin.
[00:01:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jetzt ganz anders ist es in der Psychiatrie.
[00:01:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Überzeugung als Psychiaterin.
[00:01:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beschäftigen uns ja mit dem Organ Gehirn.
[00:01:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein lernfähiges Organ, ein klassisches Organ, das sich verändern kann.
ä
[00:01:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Gehirn ist unser Interaktionsorgan mit dem Umfeld und das Umfeld kann sich ändern.
[00:01:54.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Interaktion kann sich ändern und somit kann sich auch das Hirn verändern und natürlich seine
Funktionszüchtigkeit.
[00:02:02.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne dann auch die Diagnose.
[00:02:08.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist lernfähig.
[00:02:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn kann sich die Diagnose auch wandeln.
[00:03:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe ein Beispiel.
[00:03:17.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Teenager gibt man dem Teenager die Diagnose, die Adoleszentenkrise.
[00:03:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 22 Jahre dann vielleicht Depression oder auch schon Psychose.
[00:03:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 30 Jahren dann Postpartum Psychosis.
[00:03:35.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt eine psychotische Episode, eine schizophrene Episode nach der Geburt.
[00:03:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann noch vieles andere dazu kommen.
[00:03:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte machen immer Diagnosen.
[00:03:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heißt doch Differentialdiagnose und so weiter.
[00:03:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss hat man so eine Litanei von Diagnosen.
[00:03:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patienten sagen dann: Was habe ich jetzt ein? Ich komme nicht mehr draus.
[00:03:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, wir haben nur ein Gehirn und das Gehirn funktioniert immer ganzheitlich.
[00:04:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn interagiert miteinander.
[00:04:10.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn interagiert mit dem Umfeld und auch mit dem Körper.
[00:04:16.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde von Genen gesprochen.
[00:04:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene machen das Hard Wiring, die bestimmen den Neurotyp, wie der funktioniert.
[00:04:28.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist natürlich bis zu einem gewissen Grad festgelegt.
[00:04:33.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Neurotyp kann wieder stark beeinflusst werden durch die Interaktion mit dem Umfeld.
[00:04:44.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktion mit dem Umfeld ist aus meiner Sicht bestimmender als die Gene.
[00:04:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Interaktion mit dem Umfeld können dann ganz verschiedene Krankheitsbilder sich entwickeln.
[00:05:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hard Wiring, das nenne ich Neurotyp und ich beschäftige mich da an erster Stelle mit dem
Hardwiring von ADHS und ADS.
[00:05:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob die genetisch stark verschieden sind, weiß ich nicht.
[00:05:18.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich noch nicht angeschaut.
[00:05:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen ADHS und ADS ist, das ADHS, das reagiert nach außen schnell, aggressiv,
motorisch, also hyperaktiv nach außen.
[00:05:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS, das reagiert hyperaktiv nach innen, also gedanklich.
[00:05:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS denkt viel nach. Das geht alle möglichen Bifurkationen im Denkweg durch, muss alle möglichen
Dinge abarbeiten, bis es dann eine Entscheidung trifft.
[00:05:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt eine kritische Bemerkung über uns Ärzte.
[00:06:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte profilieren uns sehr gerne über die Bezeichnung der Diagnose.
[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele diagnostische Bezeichnungen, die nach Personen benannt sind.
[00:06:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Medizinstudium habe ich mich jeweils darüber aufgeregt, weil ich einen Namen auswendig lernen
musste.
[00:06:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Namesgedächtnis ist nicht ganz so gut.
[00:06:27.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hätte lieber die Funktion gewusst als den Namen.
[00:06:30.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel dafür, das ist nur ein Beispiel, ist der Hans Asperger.
[00:06:34.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Asperger-Syndrom.
[00:06:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt, der am Anfang des letzten Jahrhunderts oder dann im zweiten
Weltkrieg sich beschäftigt hat mit diesen speziellen Kindern.
[00:06:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat sich hauptsächlich mit Autismus beschäftigt.
[00:06:54.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte die mit seiner speziellen Diagnose retten vor dem vernichtet werden.
[00:07:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vererbte Hard Wiring beim Neurotyp ADHS und ADS.
[00:07:12.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde vorher auch von Hypersensibilität gesprochen.
[00:07:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behaupte, ADHSler und ADSler sind eigentlich beide hochsensibel.
[00:07:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, sie sind empfindlicher.
[00:07:29.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind aber auch reaktiver.
[00:07:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch das wurde gesagt, also die Impulsivität oder die Reaktibilität.
[00:07:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch ihre hohe Sensitivität haben sie eine leichte Verletzlichkeit, dass heisst eine leichte Kränkbarkeit.
[00:07:49.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde vorher von Schematherapie geredet. Da hat man davon gesprochen, wie Kinder durch ihre
Eltern verletzt worden sind, indem die gesagt haben, aus Dir wird nie etwas, etc.
[00:08:03.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke ADHSler und ADSler sind sensibler auf solche Bemerkungen und es hinterlässt bei ihnen
stärkere, tiefere Kerben.
[00:08:17.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die andere Eigenschaft ist die starke Impulsivität.
[00:08:22.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre die Reaktivität.
[00:08:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS-Wert, der reagiert nach außen, aggressiv, geht auf einen los, wird verrückt und so weiter.
[00:08:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS reagiert nach innen, indem es hirnt.
[00:08:39.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind hat noch schlechte Kontrolle seines Verhaltens.
[00:08:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler und ADSler, die haben auch dann als Erwachsene nicht eine so gute Impulskontrolle wie der
Durchschnittsmensch.
[00:09:03.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich nicht so gut benehmen.
[00:09:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden deshalb dann immer kritisiert oder zurechtgewiesen.
[00:09:09.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben sie das Gefühl, sie seien falsch.
[00:09:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS, also Autismus-Spektrum-Störung und das wurde auch gebracht vom ersten Redner. Ich denke, bei
diesen hat es immer noch eine stärkere Beteiligung in gewissen Gebieten des Gehirns.
[00:09:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig ist es im Bereich des Spracherwerbs, es kann auch beim Ausdruck sein.
[00:09:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche können gut lesen und nicht gut reden. Manche können gut reden und verstehen nicht so gut die
schriftliche Sprache.
[00:09:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, beim Autismus sind häufig noch die beiden Sprachzentren mit beteiligt, die es schwieriger
machen für diese Kinder.
[00:09:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Begriff Autismus wurde ursprünglich eigentlich bei der Schizophrenie, also innerhalb der
Schizophrenie Krankheit geprägt.
[00:10:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versteht unter autistisch, es wird nicht mehr geredet, die Kommunikation ist unterbrochen, man ist
zurückgezogen etc.
[00:10:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat diesen Begriff verwendet für ganz schwer Schizophrene, also in einem ganz schlechten Zustand.
[00:10:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne wird über den schwierigen Spracherwerb und die Sprache ist bei uns natürlich sehr
wichtig, geschrieben und gesprochen, über diese Schwierigkeit im Spracherwerb, im sprachlichen
Ausdruck etc. wird die Kommunikation erschwert.
[00:10:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind kommunikative Wesen.
[00:10:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Kommunikation ist am kompliziertesten von allen Primaten.
[00:10:55.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schimpansen oder die Gorillas haben vielleicht 50 Begriffe oder Körpersprachen.
[00:11:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Jörg Hess hat die gelernt.
[00:11:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben natürlich viel mehr Möglichkeiten.
[00:11:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist die Chance groß, dass zwischen autistischen Menschen und ihrem übrigen Umfeld
Missverständnisse entstehen können.
[00:11:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Missverständnisse führen dann zu Stress auf beiden Seiten, bei den gesunden Leuten und auch
bei autistischen Menschen.
[00:11:30.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Was kann das Umfeld tun für diese Menschen, die so sensibel sind und so reaktiv?
[00:11:39.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt eigentlich für alle, für das ADHS, für ADS und Autismus-Spektrum-Störung und die
Hypersensibilität.
[00:11:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ADHS Menschen, ich würde denen die Diagnose ADS geben.
[00:11:54.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hören natürlich lieber, ich bin hyper-sensibel.
[00:11:58.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hyper-sensibel ist keine so pathologisierende Diagnose wie ADHS.
[00:12:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum wählt man dann die Diagnose, die einem mehr passt.
[00:12:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können wir im Umfeld diesen Menschen entgegenbringen?
[00:12:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie können wir ihnen helfen?
[00:12:17.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, wir müssen wieder lernen zu beobachten und nicht gleich alles schon wissen wollen.
[00:12:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, zu zuhören, beobachten und nicht für diese Menschen reden wollen.
[00:12:38.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zum Beispiel ein ADS Kind, ich kann ja auch sagen ein autistisches Kind mit der Mutter zusammen
in die Sprechstunde kommt, dann stellt man eine Frage an das Kind und die Mutter antwortet.
[00:12:49.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen wir Fachleute dann auch.
[00:12:52.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir versuchen natürlich, uns schnell zu orientieren.
[00:12:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann machen wir Theorien und denken für die und reden für die.
[00:13:01.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fühlen sich schlecht vertreten, nicht verstanden und reden noch weniger.
[00:13:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde sagen: Ja, wir müssen lernen, beobachten, zuhören und nicht für sie schon alles wissen.
[00:13:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Des Weiteren müssen wir Geduld üben.
[00:13:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen warten können, ohne die Beziehung abzubrechen.
[00:13:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Zeit ist ja sehr hyperaktiv, immer effizient und es muss alles schnell gehen.
[00:13:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat keine Zeit mehr, um Geduld zu üben.
[00:13:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Interaktion, da diese Menschen ja so sensibel sind, ist ganz wichtig, dass wir sorgfältig
interagieren, behutsam und nicht überfordernd.
[00:13:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen sie nicht überfahren.
[00:13:54.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert noch so viel.
[00:13:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch im professionellen Setting. Auch in den Kliniken und auch von den Therapeuten.
[00:14:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Interaktion müssen wir uns verlangsamen, kleine Schritte machen und zufrieden sein mit keinen
Schritten.
[00:14:14.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen keinen allzu großen professionellen Ehrgeiz an den Tag legen, denn damit überfahren wir
unser Gegenüber.
[00:14:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist manchmal schwierig.
[00:14:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das ist etwas ganz Wichtiges.
[00:14:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht im Leben ja immer um Problemlösungen.
[00:14:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ungelöste Probleme stressen das Gehirn.
[00:14:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können wir da nicht abschließen. Wir können nicht schlafen. Wir können uns nicht etwas anderem
zuwenden.
[00:14:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler, ADSler und ich sage jetzt auch Autisten, wir können, wir dürfen die Probleme nicht für sie lösen.
[00:14:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sie mit einbeziehen in die Problemlösung.
[00:15:03.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Problem beschreiben und dann fragen, wir haben das Problem. Was könnte man jetzt tun?
[00:15:11.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht – Pre-Processed oder Instant Food – schon verarbeitete Problemlösung anbieten.
[00:15:21.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Psychiatrie und Psychologie natürlich viele fixen Problemlösungen, die wurden vorher auch
genannt, so Skills-Training und solche Sachen.
[00:15:32.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mehrere ADS Patientinnen gehabt, die hat man dort hingeschickt und die haben gefunden, weiß
ich alles schon, aber es hat mir gar nichts gebracht.
[00:15:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wir müssen sie mit einbeziehen und nicht One Size Fits All machen. Kein Einheitsbrei.
[00:15:47.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lösung funktioniert nicht bei allen.
[00:15:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres ist, wir müssen kreativ sein und wir müssen auch unser Gegenüber kreativ sein lassen.
[00:16:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen zum Teil dann neue Lösungen raus, auf die wir gar nicht gekommen sind.
[00:16:07.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss über die Grenzen hinausgehen.
[00:16:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt von ADHSlern, auch ADSlern, dass sie besser Grenzen überschreiten können.
[00:16:18.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Welt, da wir so stark auf Normierung ausgerichtet sind und heutzutage noch mit der
künstlichen Intelligenz, mit der KI oder Artificial Intelligenz, da wird ja alles normiert.
[00:16:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer kann nur normierte Dinge verarbeiten und da ist die Tendenz groß zu normieren.
[00:16:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe wieder in die andere Richtung.
[00:16:40.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mit jedem zusammen ein maßgeschneidertes Programm, Therapieprogramm entwickeln in
Zusammenarbeit.
[00:16:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwammigkeit oder Unklarheit in der Kommunikation ist auch nicht hilfreich, denn die haben schon
genügend Durcheinander im Kopf, genügend Nebel.
[00:17:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hilft es dann, wenn wir als Therapeuten oder auch Eltern oder Lehrer als Gegenüber eine klare
Haltung einnehmen.
[00:17:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein klare Haltung heißt nicht gleichzeitig belehren.
[00:17:22.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf seine Meinung sagen, wie man es sieht.
[00:17:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf aber nicht diese Meinung dem anderen den Hals runter stopfen.
[00:17:33.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man das macht, sie sind ja sehr sensibel und sie gehen dann nur auf Abwehr.
[00:17:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann, wenn ich jetzt das bildlich darstelle, das ist meine Meinung, ich sage die auf einfache Art,
ich lege sie auf den Tisch und das Gegenüber kann die nehmen, bearbeiten oder auch nicht.
[00:17:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ich das aufdrängen will, dann bringt es nichts mehr.
[00:17:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann löst man nur Abwehr aus.
[00:18:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional ausgedrückt kann man da sagen, man darf Gefühle oder Gefühlsausdrücke oder auch Ideen
sagen, aber ohne Emotion.
[00:18:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter der Emotion steckt ein Wille.
[00:18:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will dem anderen etwas reinstopfen, man will Missionieren.
[00:18:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert natürlich uns Müttern leicht, auch den Vätern, den Kindern gegenüber.
[00:18:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann arbeiten wir nicht mit den Ressourcen des Kindes oder unseres Partners, dann bevormunden wir
unser Gegenüber.
[00:18:43.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tendenz ist sehr groß.
[00:18:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde auch noch gesagt: ASS, also Autismus-Spektrums-Störungs Menschen, die haben gerne
Regelmäßigkeit.
[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Regelmäßigkeit durcheinander fällt, dann rasten die aus.
[00:19:01.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hatte ich letztens ein Beispiel: Ein Kind musste Fragen beantworten und dann war im Fragebogen ein
Fehler drin.
[00:19:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat das Kind gesagt: Das ist ein Fehler. Ich kann nicht weitermachen.
[00:19:14.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat seine Therapeutin gesagt: Ja, korrigiere einfach und dann machst Du weiter.
[00:19:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, kann ich nicht, mache ich nicht.
[00:19:20.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich hat es geendet, dass das Kind das Blatt zerrissen hat und gar nichts gemacht hat.
[00:19:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hätte man sagen können Okay, mach bis dort, wo der Fehler ist, den Rest lassen wir weg.
[00:19:32.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ihm sofort die Lösung gegeben.
[00:19:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert bei diesen hypersensiblen Menschen nicht, die müssen mit einbezogen werden.
[00:19:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein letztes noch.
[00:19:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz ist ein Land von Erziehern.
[00:19:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten den Pestalozzi.
[00:19:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin aus Amerika zurückgekommen und habe gedacht, wir haben hier so gute Schulen und ich will,
dass meine Kinder in der Schweiz in die Schule gehen.
[00:20:03.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste dann aber merken, dass wir sehr viel Erzieher unter uns haben.
[00:20:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Erziehen wollen, also nicht nur bei den Kindern, auch bei den Erwachsenen, ist eigentlich immer
eine Bevormundung.
[00:20:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es dann nicht geht mit der Erziehung, wie macht man dann weiter?
[00:20:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird die Strafe eingesetzt.
[00:20:28.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat Studien gegeben vor kurzem, die kamen in der Zeitung, im Tagesanzeiger.
[00:20:34.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben zwei Drittel der Schweizer Familien gesagt, ich verwende psychische Gewalt oder körperliche
Gewalt oder beides.
[00:20:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind noch sehr stark auf der Linie, dass man mit Bestrafung erziehen will.
[00:20:54.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt, das funktioniert bei diesen hypersensiblen Kindern gar nicht.
[00:20:59.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mit Strafe erziehen.
[00:21:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Strafe oder auch mit Drohungen erzieht, löst man an sich nur Ausweichverhalten aus.
[00:21:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es ein Beispiel.
[00:21:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimos, die müssen ihren Kindern beibringen, dass sie im Frühling nicht mehr aufs Eis gehen.
[00:21:22.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn wenn man im Frühling aufs Eis geht, ertrinkt man, dann verlieren die ihre Kinder.
[00:21:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verwenden dann eine Methode, eine Aversionsmethode, also eine Erziehung, etwas nicht zu tun,
indem sie das Kind vor der ganzen Gruppe beschämen.
[00:21:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung wurde auch genannt. Beschämung ist etwas vom Unangenehmsten, ist ein sehr
unangenehmes Gefühl.
[00:21:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ums das Eis geht, und um das Einbrechen, ist das hilfreich.
[00:21:55.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will ja, dass dieses Kind nie mehr aufs Eis geht zu dieser Jahreszeit.
[00:22:00.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen, wenn man ein Kind bestraft in der Schule, wo es ja lernen sollte, dann nimmt man ihm an sich
die Lernfreudigkeit weg.
[00:22:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das, was Aufmerksamkeitsstörung genannt wird, das benenne ich mit breiter Aufmerksamkeit.
[00:22:21.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schauen alles an, neugierig und wenn der Lehrer langweilig ist, passen sie halt nicht auf.
[00:22:29.030] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich ist diese breite Aufmerksamkeit nicht so schlimm, aber diese Kinder sind halt darauf angewiesen,
dass der Stoff interessant dargeboten wird.
[00:22:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Bestrafung bewirkt man nur ein Aversionsverhalten, also Verhinderungsverhalten.
[00:22:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt ihnen auf eine Art, die Lernfreude.
[00:22:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ja nicht das, was wir wollen.
[00:22:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Was kann ich Betroffenen raten?
[00:22:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht hat es unter uns ein Paar.
[00:23:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell den Frauen sage ich das.
[00:23:08.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchen eie Ihre intrinsische Motivation, also die von innen rauskommt.
[00:23:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich die intrinsische Motivation nicht von Ihrem Umfeld stören oder zerstören.
[00:23:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchen sie ihren eigenen Fokus.
[00:23:24.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn sobald ein Mensch seinen Fokus hat, dann kann er hyperfokussiert sein.
[00:23:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist aber nicht fokussiert auf den Lernstoff, den die Schule ihm bringt.
[00:23:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule ist nicht das Leben.
[00:23:37.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommen Menschen mit ADHS und ADS besser durchs Leben, können sich besser
verwirklichen, wenn sie intrinsisch motiviert sind.
[00:23:47.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das etwas ganz Wichtiges.
[00:23:49.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Stehen sie zu sich und lassen sie sich nicht ablenken von fremder Motivation denn die hält nie hin.
[00:24:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussfolgerung: Nicht die Diagnose ist wichtig, sondern: Wie gehe ich mit diesen Menschen um? Da
rede ich zu den Therapeuten.
[00:24:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Betroffenen sage ich: Wie gehe ich mit meinen Eigenheiten um?
[00:24:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man ja gesagt, das ADHS und ADS wächst sich aus.
[00:24:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man Nein, es ist ja genetisch bestimmt, es wächst sich überhaupt nicht aus aber man kann
lernen, besser damit umzugehen.
[00:24:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur der Betroffene kann lernen, wie damit umzugehen.
[00:24:37.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es von außen her kommt, wie er es machen muss, muss er es zuerst in sich rein nehmen.
[00:24:43.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss schlussendlich immer intrinsisch sein.
[00:24:48.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich, wir müssen offen bleiben. Das heißt, wir Therapeuten müssen von unseren Klienten
lernen und die Klienten dürfen von uns lernen.
[00:24:58.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir fortlaufend weiter lernen, damit die Beziehung aufrechterhalten bleiben kann. So bleibt eine
Beziehung lebendig.
[00:25:41.180] – Bemerkung 1
Wenn ich sie richtig verstanden haben, kann man im Umgang oder in der Behandlung seinen
Schwerpunkt darauf richten, zu schauen, wo der Leidensdruck ist?
[00:26:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor ich etwas korrigiere, muss ich immer schauen: wo ist der Leidensdruck?
[00:26:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ist es schiefgelaufen?
[00:26:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche natürlich immer nach diesen schiefgelaufenen Dingen.
[00:26:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeutin suche ich es auch in der Familie.
[00:26:23.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss quasi das Leiden, den Leidensdruck validieren.
[00:26:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn ich den validiert habe, erst dann ist das Gegenüber bereit, etwas zu verändern.
[00:26:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Tendenz schnell zu verändern.
[00:26:41.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen ja nicht, dass die leiden.
[00:26:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht, wenn man sie nicht wahrgenommen hat im Leiden.
[00:27:00.720] – Bemerkung 2
Sie haben heute die Hypersensibilität immer in Zusammenhang mit ADS, ADHS und der ASS-Diagnose
gebracht. Muss es in den Zusammenhang stellen oder kann es auch eine isolierte Diagnose sein?
[00:27:15.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich mache das nicht.
[00:27:17.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer mehr Diagnosen rein
[00:27:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Als die Amerikaner das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) erstellt haben,
haben sie es vereinfacht alles rausgeworfen und nur noch einfache Diagnosen reingenommen.
[00:27:45.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sensibilität ist keine Diagnose.
[00:27:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sensibilität ist einfach eine Fähigkeitsbeschreibung.
[00:27:53.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler können auf der Haut sensibel sein, im Geschmack sensibel sein, mit dem Gehör sensibel sein,
im Umgang mit der Ungerechtigkeit sind sie sensibel.
[00:28:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her packe ich es eher in das ADS rein.
[00:28:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, wenn die sensibel gekränkt werden, die zeigen es gerade mit verrückt werden, mit
Aggressivität.
[00:28:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, die ziehen sich zurück und werden autistisch.
[00:28:23.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer den Ablauf im Gehirn und den Ablauf in der Beziehung an.
[00:28:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch besser leben kann mit der Diagnose Hypersensibilität, dann lasse ich ihm das, dann
muss nicht sagen, nein, es ist ein ADS.
[00:28:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mein Ordnungsbedürfnis tue ich die ASS eher unter die ADSler.
[00:28:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ASS ist dann noch eine andere kognitive Verarbeitungsstörung drinnen.
[00:29:05.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur Hypersensibilität ist für mich eigentlich keine Diagnose.
[00:29:11.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es in 10 Jahren einen Eigennamen dafür.
[00:29:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sich ein Mediziner wieder profiliert.
[00:29:24.620] – Bemerkung 3
Wieso wird ADHS und ADS so auseinandergenommen? Ich habe viele Quellen gelesen, wo es heisst, es
sei das gleiche. Die Hyperaktivität ist entweder im Inneren oder sie ist zum Teil im Äusseren. Bei den
Frauen, wo es auch sehr viel so ist, dass sie zwar hyperaktiv sind, aber sehr gut lernen, dass die
Hyperaktivität eigentlich nicht gesehen wird und es eher im Inneren machen.
[00:29:54.360] – Bemerkung 3
Die krasse Auseinandersetzung in die zwei Typen, wo man sagt, ADHSler oder ADSler, ist für mich nicht
so klar.
[00:30:02.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß es auch nicht, ob es genetisch wirklich unterschiedlich ist.
[00:30:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auch in diesem Raum schon Leute gehabt, die gesagt haben, als Kind bin ich ADS gewesen
und jetzt bin ich ADHS oder umgekehrt.
[00:30:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wechselt zum Teil auch.
[00:30:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, die hyperaktiv werden, die haben vielleicht noch ein paar andere Genen mit der Aktivität, also
der Hyperaktivität. Die sind gerne motorisch.
[00:30:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sportler, der Michael Phelbs ist natürlich ein klares ADHS und der hat das ausgenützt in seinem Sport,
also beim Schwimmen.
[00:30:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nur das sagen, der Reaktionstyp ist beim ADS nach innen und beim anderen nach außen.
[00:30:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich sehe in einer Familie habe ich dann zum Teil ein ADHSler, der Sport macht und immer gerade
etwas sagt und der andere Bruder ist ein ADSler.
[00:31:01.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tun sich dann auch so steigern.
[00:31:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr der eine aktiv ist, umso mehr wird der andere inaktiv.
[00:31:09.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Richtung, ich kann es nicht absolut genau auseinander trennen.
[00:31:21.990] – Bemerkung 3
So wie ich es verstanden habe, sind alle ADHS. Die Hyperaktivität ist immer da, sie zeigt sich einfach
anders.
[00:31:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz generell spricht man eher von ADHS und manchmal macht man eine Klammer um das H.
[00:31:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im ICD heißt es ADHS ohne Hyperaktivität.
[00:31:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose läuft auf ADHS.
[00:31:59.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erscheinungsbild sind sie unterschiedlich und zwar sehr!
[00:32:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Benutzung von der Diagnostik macht man zum Teil gar keinen Unterschied.
[00:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
François Gremaud schreibt das H immer in der Klammer. So wird es häufig gemacht.
[00:32:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versucht es zu trennen.
[00:32:40.970] – Bemerkung 4
Als Betroffener Hyperaktiver kenne ich die ADS Paralyse sehr gut. Wenn jemand fünf Vorschläge bringt,
was willst du machen, dass ich mich zurückziehe, dass mein Hirn beginnt zu rotieren, ich gehe dann zwei
Stunden nicht vom Bett weg und es rattert und rattert und ich kann mich nicht zu in einer Entscheidung
durchringen. Was ist das?
[00:33:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein ADS. Die Hyperaktivität nach innen, Hirnen denken, überlegen, alle möglichen Lösungen
durchdenken und nie zum Schluss kommen.
[00:33:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nenne ich ADS.
[00:33:47.540] – Bemerkung 5
Ich habe eine Frage zum Leidensdruck. Heute werden ja immer die Symptome behandelt. Der
Leidensdruck, der ist ja immer vorhanden, egal welches Krankheitsbild. Wie kann man es ganzheitlich
anschauen?
[00:34:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Leidensdruck vom ADHSler hängt auch vom Umfeld ab. Wenn man ein ADHS Kind hat, es macht
schlechte Noten, erhält Strafaufgaben und fehlt etc. und den Eltern ist das egal, die finden das nicht
schlimm und die sagen, Du schaffst das schon, Miguel Camero ist so einer.
[00:34:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Miguel Camero, der Beatboxer, der hat gesagt, er hat alles falsch gemacht.v
[00:35:13.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich hat er sich das Beatboxen angeeignet und ist ein Spezialist auf dem Gebiet.
[00:35:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hängt davon ab, wie es die Eltern nehmen und natürlich auch von den Lehrern.
[00:35:26.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern spielen eine wichtigere Rolle als die Lehrer.
[00:35:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es die Eltern ganz schlimm finden, du solltest doch und warum hast Du schon wieder, etc. dann
gibt es einen grossen Leidensdruck.
[00:35:32.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer sind nicht zufrieden, die Eltern sind nicht zufrieden und das Kind hat das Gefühl, ich bin
schlecht, ich bringe es zu nichts, ich werde es nie zu etwas bringen, ich kann mich gleich in den Rhein
stürzen.
[00:35:54.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suizide bei den Jugendlichen gehen hoch. ADHSlser sind sensibler und die reagieren stark auf
diesen Druck von aussen.
[00:36:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Druck wird oft auch immer größer. Ihr müsst noch das lernen und noch das und es ist wichtig. Es
hängt sehr stark vom Umfeld ab.
[00:36:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das primäre Umfeld, die Eltern immer noch den Rücken des Kindes stärken und nicht ihre
Unterstützung entziehen, dann können die Kinder viel aushalten.
[00:36:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch dort gibt es wieder solche, die robuster sind, sogenannte Resilienz und andere, die einfach so
sensibel sind, dass sie es nicht ertragen.
[00:36:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Schule schwänzen, Schulverweigerung.
[00:36:53.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich Kinder schon gehabt, die ich ein ganzes Jahr zu Hause gehabt habe und immer das Kind
gedeckt, damit nicht die KESB das Kind abgeholt hat.
[00:37:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat ein bisschen gelernt und schlussendlich hat das Kind selber eine Online Schule gewählt.
[00:37:11.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hatte einen Bruder gehabt und der Bruder ist regelmäßig in die Schule gegangen, er hat jeweils
gesagt, wenn die nicht geht, dann gehe ich auch nicht, aber die Eltern haben es erreicht.
[00:37:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich hat sie mit der Online Schule jeden Tag damit anfangen zu lernen, wenn der Bruder in die
Schule gegangen ist.
[00:37:26.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir habe es erreicht aber ich musste der Familie den Rücken stärken.
[00:37:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zusammen mit den Eltern Lösungen finden und es müssen kreative Lösungen sein.
[00:37:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
One size fits all funktioniert überhaupt nicht.
[00:37:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe immer den Professor Luc Ciompi, das ist ein Schizophrenie Spezialist, ich habe auch schon
ein Interview mit ihm gemacht.
[00:37:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Mutter hatte eine Schizophrenie.
[00:37:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist im letzten Weltkrieg anderthalb Jahre mit seiner Schwester einfach im Wald rum gestrolcht.
[00:38:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat ihm sicher viel gebracht.
[00:38:07.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule ist nicht alles, aber das darf ich natürlich nicht sagen.
[00:38:10.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule sollte man noch ein bisschen ändern.
[00:38:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich empfehle allen, das Schulprojekt von Bratsch – Ein Dorf macht Schule – von Damian Gsponer und
Natascha Würsten anzuschauen.
[00:38:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort, was macht der, der sagt ich mache keine Noten, ich mache keine Bestrafung etc.
[00:38:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Er gibt den Schülern nur drei Aufgabenbereiche.
[00:38:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Aufgabenbereichen dürfen die Schüler selber miteinander ihr Projekt gestalten.
[00:38:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, es sind zwei Lehrer gewesen, sie werden unterstützt.
[00:38:49.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so eindrücklich, wie dann ein Mädchen sagt, wir haben jetzt eine Sitzung, ich tue die Sitzung leiten,
meine Freundin, sie hat den Namen gesagt, die tut protokollieren und jetzt Herr Gemeindepräsident,
dürfen Sie sagen, wenn ihnen etwas nicht passt.
[00:39:08.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden sehr kompetent und man hat dann geschaut, was sie alles können und sie haben Rechnen
und Schreiben gleich gut gekonnt wie andere.
[00:39:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch viele Modelle von ein bisschen Kinder gerechteren oder ADHS-Kinder gerechteren Schulen.
[00:39:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir noch weit weg davon.
[00:39:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Lehrer hier? Habe sie das gehört?
[00:39:37.900] – Bemerkung 6
Wir sind uns dessen sehr bewusst.
[00:39:40.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe, sie haben etwas mitnehmen können heute Abend und ich wollte Ihnen Mut machen. Üben sie,
lernen sie, verzweifeln sie nicht und bleiben sie intrinsisch motiviert. Dankeschön.
Autismus und Psychiatrie: Was wenn nichts mehr geht?
Audio
[00:00:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes möchte ich Ihnen beiden ganz herzlich danken für die ausgezeichneten Referate. Sie waren
sehr gut verständlich. Ich konnte bei allem ja sagen und ich gebe jetzt auf ein paar Fragen eine Antwort
oder bring noch etwas von meiner Seite her.
[00:00:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als passionierte Familientherapeutin, ich sage natürlich nicht stationär behandeln, immer die Familien
zu Hause unterstützen, beraten, ihnen helfen im Umgang mit diesen Kindern.
[00:00:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tu das auch selbst. Also ich habe zum Teil dann kleine Kinder, aber auch große. Ich bin ja spezialisiert
auf Schizophrenie und da berate ich die Eltern und ich mache die größten Fortschritte mit den Eltern,
indem die Eltern lernen.
[00:00:54.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, das stimmt, das kommt aus der Schizophrenie Bezeichnung und eigentlich beschreibt das die
Zurückgezogenheit, den Kommunikationsabbruch.
[00:01:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem hat man dann eine Diagnose gemacht. Man kann das bei Schizophrene beobachten und das ist
quasi die schlimmste Situation.
[00:01:18.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die extremste Form wäre dann die Katatonie, wo das Hirn überhaupt nicht mehr funktioniert.
[00:01:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Diagnose her, viele wissen, dass ich auf ADS und ADHS spezialisiert bin. Ich sage ADS und
Autismus geht für mich ineinander.
[00:01:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eine Basisstörung. Das stimmt. Man hat auch bei der Schizophrenie Basisstörungsbilder
untersucht und die Schizophrenen und die Autisten haben die gleiche Basisstörung.
[00:01:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich das im Hirn anschaue und es wurde von Ihnen das Hirn gezeigt.
[00:02:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vor kurzem bei der psychiatrischen Weiterbildung in Bern, habe ich gehört von einem jungen
Researcher und der hat also im emotionalen Gehirn hat es einen Teil, der heißt Hippocampus.
[00:02:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist verbunden mit allem. Die haben das untersucht in Bezug auf Manie.
[00:02:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Hippocampus ist bei dieser Basis Störung mit viel mehr im Hirn vernetzt.
[00:02:33.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Pubertät spricht, in der Pubertät passiert das Synaptic Pruning.
[00:02:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, der Mensch wird angelegt mit ganz vielen Nervenzellen und Verbindungen.
[00:02:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden von den vielen Verbindungen, werden Autobahnen gemacht, also kürzere, optimalere,
funktionellere Wege.
[00:02:57.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Menschen, die zu Autisten werden, wenn die so viele Verbindungen haben, dann brauchen
die länger, um das alles durchzugehen und dann ihre eigenen Autobahnen zu machen, damit sie dann
funktionieren können.
[00:03:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn werden sie auch erst mit 25 erwachsen.
[00:03:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie stören beim Erwachsen werden, bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung, dann wird alles
gestört.
[00:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kam ja x mal. Man darf sie nicht zu fest stören. Man muss seine Erwartungen runtersetzen. Man
muss wieder lernen zu beobachten.
[00:03:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell der Medizin, One Size Fits All, also eine Methode geht auf alles. Das geht beim Gehirn
sowieso nicht und bei den Autisten noch viel weniger.
[00:03:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst rausfinden: Wer ist dieser Mensch? Wie tickt er? Wie funktioniert der?
[00:03:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man ihn etwas glaubt erkannt zu haben, dann kann man mit ihm arbeiten.
[00:04:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehe ich sogar zurück auf das Sokratische Lernen. Sokrates hat gesagt, ich lerne immer von meinem
Schüler und wir müssen von den Autisten lernen und darum Fehler machen.
[00:04:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir machen Fehler und wir müssen von dem lernen.
[00:04:20.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist es ein ständiges Lernen miteinander. Dann sage ich noch schnell etwas.
[00:04:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten, die, weil die so viel vernetzt sind und so viel durchdenken müssen, bevor sie zum eigenen
Entscheid kommen, ertragen die gar keine Unregelmäßigkeit von außen.
[00:04:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Essen 20 Minuten später kam, hat ihn das aufgeregt.
[00:04:44.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich jetzt vom autistischen Elefanten reden. Also die Elefanten haben ein Elefantengedächtnis.
Als ein Werter das Fressen immer zu spät gebracht hat, hat er ihn an die Wand gedrückt oder
umgehauen.
[00:05:02.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen Dinge im Gehirn, die auch schon bei den Tieren vorhanden sind.
[00:05:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir einfach berücksichtigen.
[00:05:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ein paar Gedanken. Aber jetzt möchte ich dem Publikum die Möglichkeit geben, Fragen zu
stellen. Sie dürfen Schweizdeutsch sprechen.
[00:05:27.530] – Bemerkung 1
Werden auf der Akutstation Autisten anders behandelt? Steht das im Blutgruppenheftchen, damit das
bekannt wird?
[00:05:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.
[00:05:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autismus Diagnose ist heutzutage sogar sehr in Mode. Sie wird viel mehr gestellt als früher. Früher
hat man sie gar nicht so beachtet.
[00:06:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt, der das Bild beobachtet hat.
[00:06:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man Autismus Spektrum Störung.
[00:06:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das steht nicht auf der Stirne.
[00:06:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Fachleute sind gezwungen, das wahrzunehmen.
[00:06:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrnehmung ist heutzutage viel stärker, viel besser. Es wird mehr wahrgenommen, es wird auch
mehr die Diagnose gestellt.
[00:06:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose stellen heißt noch lange nicht, dass man damit umgehen kann.
[00:06:37.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es verlangt von den Therapeuten, von den Fachleuten eine riesige Geduld, eine hohe Sensibilität und ein
darauf eingehen können.
[00:06:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in Amerika Familientherapie gelernt habe, hat man gesagt: Wenn du nicht weiterkommst mit
deinem Patienten, hör auf, ihn zu ändern oder ihm helfen zu wollen. Lerne.
[00:07:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich auch bei den Autisten sagen.
[00:07:08.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen von denen lernen und nicht denen sagen, wie sie sein sollen. Das geht nicht.
[00:07:14.020] – Bemerkung 2
Die Diagnose wir nicht vor Ort gestellt, die ist schon gestellt worden.
[00:07:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterschiedlich. Sie wird zum Teil ambulant gestellt. Die wird dann in der Klinik gestellt. Ganz
unterschiedlich.
[00:07:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensibilität ist heutzutage höher.
[00:07:32.120] – Bemerkung 3
Steht das im Patientenausweis?
[00:07:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, die haben gar keinen Ausweis. Das steht in der Krankengeschichte.
[00:07:40.780] – Bemerkung 3
Die ist ja nicht zugänglich.
[00:07:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unsere Sache als Fachleute, dass wir das merken.
[00:07:47.420] – Bemerkung 4
Ganz konkret zur Diagnosestellung. Wie stellt man denn eigentlich eine Diagnose, wenn sie so
unterschiedlich sind und wenn gerade weibliche Autisten auch so mega gut angepasst sind? Oder der
Jugendliche vielleicht tatsächlich sagt: Nein, ich bin nicht anders und wirklich auch in der Therapeuten
Beziehung alles dafür tut, um nicht aufzufallen.
[00:08:13.670] – Bemerkung 4
Das ist ja alles sehr kontraproduktiv dafür, dass man dann auch wirklich weiß, was dahinter steckt.
[00:08:20.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin jetzt schon über 40 Jahre in der Psychiatrie.
[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich drin bin, umso weniger wichtig ist die Diagnose für mich.
[00:08:31.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, für mich ist wichtig, dass ich sehe, wie dieser Mensch funktioniert, auf welcher Entwicklungs-Ebene
das er ist und dass ich mit ihm kommunizieren kann.
[00:08:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt sonst, Psychiater stellen die Diagnose in drei Minuten.
[00:08:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Erfahrung hat, weiß man gar nicht, was man alles macht, aber man nimmt vieles wahr und
sagt dann so.
[00:08:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und ADS wird heute auch sehr viel mehr gestellt. Früher hat man gesagt, das gibt es gar nicht.
Das kann man auch relativ schnell stellen. Ich mache keinen Neurotest, ich nehme die Anamnese, ich
schaue die Familiengeschichte an, ich höre die Biografie und dann sage ich, jawoll, das ist eine ADHS-
Familie.
[00:09:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Autismus sind vererbt.
[00:09:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind vererbte Hirn-typische Situationen.
[00:09:30.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Cross-Disorder-Studien, da wurde Schizophrenie, manisch-depressiv, ADHS, schwere
Depression und Autismus, die hatten alle die gleichen Gene, also das gleiche Genset.
[00:09:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Locus innerhalb der Gene war verändert und da haben die überlappt.
[00:09:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich, die Bezeichnung Autismus ist die Basis, die stimmt.
[00:10:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sagen ADHS oder ADS ist die Basis. Dann streiten sich die Ärzte und sagen Komorbidität und
dann soll man zuerst behandeln und das nachher.
[00:10:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar: der Autismus oder das ADS, das ist die Grundlage, das ist die neurologische
Grundlage, da muss man mit diesen Leuten lernen umzugehen, wahrzunehmen und dann schauen, was
geht und was nicht.
[00:10:28.380] – Bemerkung 5
Das kann man ja nicht behandeln. Das habe ich ja schon richtig verstanden?
[00:10:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit ihm interagieren und man kann mit diesem interagieren, ohne dass man ihn stört, sondern
fördert.
[00:10:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Also es geht nicht um Behandlung, dass man den behandelt.
[00:10:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm kommunizieren. Man muss mit ihm interagieren.
[00:10:49.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch gesagt. Verbal geht oft nicht.
[00:10:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne eine Musiktherapeutin, die hat einen Jungen, der ist unglaublich wild. Die Mutter konnte sich
nicht konzentrieren, also nicht beruhigen.
[00:11:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt, sie müssen ruhig bleiben.
[00:11:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sie gesagt, das kann ich nicht.
[00:11:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, Ja wie beruhigen sie sich sonst? Sie hört irgendeinen Podcast.
[00:11:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, dann stecken sie den Podcast in die Ohren und hören und sind ruhig neben dem
Kind.
[00:11:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit diesen umzugehen, nicht sie behandeln und verändern wollen.
[00:11:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da zitiere ich immer zwei Piloten, die gesagt haben, im Zweifelsfall überlässt man das Flugzeug sich
selber.
[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aerodynamisch, es steuert sich selber.
[00:11:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir versuchen viel zu viel die autistisch veranlagten Menschen zu steuern und wir übersteuern.
[00:11:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleich wie wenn wir mit dem Auto auf dem Eis sind, dann übersteuern wir, dann dreht es im Kreis und
alles geht schief.
[00:12:01.090] – Bemerkung 6
Ich bin 35 Jahre, ich wurde sehr spät diagnostiziert. Was sie gesagt haben, wie finden wir es denn
heraus? Wichtig ist vor allem, dass wir Vertrauen haben zum Psychiater und zu dem, der uns therapiert.
Mit der Zeit erzählen wir dann immer mehr und mit der Zeit kommt dann das Bild. Da ist auch wichtig, wir
erzählen am Anfang nicht so viel, wir sind ziemlich zugeknöpft, zumindest ich bin so gewesen, aber dann
mit der Zeit, wenn wir immer mehr Vertrauen haben und immer mehr und mehr gehen wir auf. Das ist
richtig, was sie gesagt haben, nicht verändern wollen. Gebt uns das Gefühl, dass wir normal sind. Das ist
das Wichtigste. Dann bekommen wir Vertrauen haben und dann erzählen wir ihm mehr und dann mit der
zeit kommt das Bild, Vertrauen und Normalität.
[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Wort, was sie gebraucht hat, validieren. Man muss das Gegenüber validieren in dem, wie
es ist und was es wahrnimmt.
[00:13:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Person validiert hat, dann hat man sie akzeptiert. Erst dann kann man schauen, was
man allenfalls ein bisschen verändern könnte, aber nicht als erstes verändern wollen.
[00:13:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch bei den ADHS Kinder, die müssen viel mehr sich selber steuern dürfen.
[00:13:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht noch so, man wollte vielleicht irgendetwas, aber das ADHS Kind muss das selber übernehmen
in seinen Computer und dann machen, wenn man drängt und stößt, dann geht alles falsch.
[00:13:41.050] – Bemerkung 7
Das ist sehr interessant, wie die ADHS Problematik zeigt, wie man überhaupt mit Menschen umgehen
sollte.
[00:13:48.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, klar.
[00:14:01.320] – Bemerkung 1
Das wäre die ideale Methode, wie man mit Menschen umgeht.
[00:14:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man mit Autisten umgehen soll, die Art und Weise wie man erziehen soll, respektive sie begleiten,
wäre für alle Leute gut.
[00:14:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den anderen hat es nicht so viele Konsequenzen. Bei denen schlägt es riesig aus. Das ist das
Problem.
[00:14:33.200] – Bemerkung 8
Sie haben gesagt, dass die Struktur vom Gehirn bei Autismus und Schizophrenie gleich ist?
[00:14:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn hat ein Intake und ein Output.
[00:15:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch mehrmals gesagt von den Autisten. Sie haben eine sehr differenzierte Wahrnehmung,
eine genaue, man könnte sogar sagen eine pedantische Wahrnehmung.
[00:15:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pedantische, differenzierte Wahrnehmung, die braucht sehr viel Prozessierung.
[00:15:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Während sie da wahrnehmen und wir kommen hinein und stören sie, dann gibt es ein System Overload.
[00:15:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der System Overload geschieht im emotionalen Hirn.
[00:15:36.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es im emotionalen Hirn ein System Overload gibt, dann sendet das Hirn viel zu viele Impulse raus.
[00:15:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese vielen Impulse in das Großhirn gesendet werden, macht es dort einen Zusammenbruch und
dann haben wir die Schizophrene.
[00:15:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ins somatische, also in den Körper hinein gesendet wird, dann gibt es alle möglichen,
körperliche Zustände, also eine Angstattacke, ein Zusammenbruch und weiß ich nicht was alles.
[00:16:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es lange läuft, gibt es psychosomatische Erkrankungen.
[00:16:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn reagiert ein bisschen anders. Ob es jetzt da das Großhirn überlastet oder ob es ein Raptus hat,
also ja, das hängt dann von der Situation und auch wieder von der Person ab.
[00:16:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ja nicht nur ADHS oder Autisten Gene, wir haben ja noch viele andere und das bestimmt alles.
[00:16:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, wenn in einer Familie ein Kind sehr hyperaktiv ist und beide haben wahrscheinlich so ein
bisschen autistische ADS-ADHS-Gene, dann zieht sich das autistische eher zurück.
[00:16:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist eigentlich ein Rückzugsverhalten, a Flight.
[00:16:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde vorher gesagt, Fight, das ist Kampf, ADHSler, die kämpfen nach außen.
[00:16:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen Flucht nach innen und das sind oft ADSler.
[00:17:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight und Freeze, das wäre dann Totstellerreflex.
[00:17:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenen ist dann das Katatonie, wo sie sich gar nicht mehr bewegen können, aber voll bei
Bewusstsein sind. Das wäre Freeze.
[00:17:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tue jetzt immer noch eine vierte Kategorie dazu und das ist Teasing.
[00:17:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten, mokieren, Spaß machen und alle Jungtiere arbeiten mit Teasing.
[00:17:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie schauen, wie Hündchen miteinander spielen, sie tun einander necken und je nachdem tut so
ein ADS Autisten Kind einen anderen vielleicht ein bisschen stören.
[00:17:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich immer eine Aufforderung für Interaktion.
[00:17:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssten viel mehr lernen, wieder mit dem Teasing zu arbeiten.
[00:17:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie arbeiten wir mit dem und man nennt es dann paradoxe Intervention.
[00:18:05.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verschreiben ein Symptom. Wir sagen, das ist wunderbar, dass du das hast, das musst du noch ganz
lange behalten.
[00:18:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt dann das Kind, Nein, das will ich nicht mehr.
[00:18:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: hör auf mit dem, benimm dich nicht so blöd, dann mach es weiter.
[00:18:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade jetzt in der Psychiatrie sollten wir viel mehr wieder das Teasing lernen, wie man mit ihnen
umgehen kann.
[00:18:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch aufpassen. Man darf nicht sarkastisch sein. Das vertragen sie gar nicht. Das Vertragen
sie gar nicht.
[00:18:37.720] – Bemerkung 9
Schizophrenie und Autismus sind in dem Fall nicht das Gleiche?
[00:18:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, das Hirn nicht zu erklären. Unser Hirn wird bestimmt von ganz vielen Genen und es hat
ganz viele Fähigkeiten, die nie verwendet werden.
[00:18:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Stress kommt, dann reagiert es auf das und entweder werden dann die Fähigkeiten abgedrosselt
oder es kommt irgendwas anderes heraus.
[00:19:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist eben anders.
[00:19:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kritisiere immer wieder, dass die Psychiater zu sehr sich an die somatische Medizin anhängen und
eine fixe Diagnose wollen. Dabei ändert sich das Hirn im Laufe der Zeit, die ganze Zeit. Es ändert sich
mit der Therapie, es ändert sich mit den Interaktionen, es ändert sich auch mit dem Medikament.
[00:19:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will natürlich am liebsten der Person helfen, dass sie ihr Hirn selber steuern kann.
[00:19:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie umgehen kann mit dem Umfeld und lernt, langsam lernt.
[00:19:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute mit Autismus, die brauchen ein bisschen länger und die brauchen ein bisschen ein sorgfältigere
Umgebung, sonst macht man sie kaputt.
[00:19:55.460] – Bemerkung 10
Sie plädieren für eine anpasste Versorgung, also eine Alternative. Haben sie gute Beispiele in der
Schweiz oder in einem anderen Land?
[00:20:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß nicht, was in der Schweiz alles existiert. Ich weiß nur, ich bin sehr für nach Hause gehen und
den Leuten zu Hause helfen also einfach halt den Eltern helfen damit umzugehen.
[00:20:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite sehr viel auch mit Schulen, aber manchmal habe ich Riesenprobleme denen zu zeigen, dass
man mit diesen Kinder anders umgehen muss.
[00:20:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss erfahrene Fachleute haben, welche die Systeme beraten, sei es die Schule, sei es Familie, sei
es der Kindergarten und so weiter.
[00:20:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht etwas Fixes sagen und bei jedem Kind muss man etwas anders suchen.
[00:20:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Kinder, ich ein ganzes Jahr zu Hause behalten habe, einfach zum Druck wegnehmen.
[00:20:58.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schweiz Schulpflicht und zum Teil werden die Kinder dann mit der Polizei abgeholt,
wenn sie nicht in die Schule gehen, was ich gar nicht gut finde.
[00:21:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müsste man den Kindern dann einen Schutz geben, dass sie ein bisschen reifen können, man muss
das System beruhigen, damit sie sich dann entwickeln können.
[00:21:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk haben sie ja gesehen, er ist ganz klar ein Autist gewesen. Ein Albert Einstein ist auch ein
Autist gewesen.
[00:21:29.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle haben dann die Chance, dass sie so viel Durchsetzungskraft haben und dass irgendwie das
Umfeld doch noch einigermaßen ihnen die Freiheit lässt.
[00:21:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt irgendein Sänger und Gitarrenspieler, der hat auch geschrieben, er ist mal in einer Sendung
gekommen und der hat die ganze Nacht irgendwelche Sendungen gehört und er hat ein wildes Leben
gehabt und irgendwann hat er dann eine Frau geheiratet. Dann ist er runtergekommen und hat sich
beruhigt und berühmt geworden.
[00:21:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden nicht alle berühmt.
[00:22:00.570] – Bemerkung 11
Wie kommt man zu einer guten Fachperson?
[00:22:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss ich nicht, ich kann nicht alle nehmen. Ausprobieren.
[00:22:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Fachperson wählen, müssen sie die Haltung haben, sind sie bereit, mit mir zusammen zu
lernen?
[00:22:26.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer den Witz: Man sagt Mediziner wissen alles und können aber nichts machen. Die
Chirurgen können alles und wissen nichts und die Psychiater wissen nichts und können nichts, aber
lernen viel.
[00:22:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Pathologen, die sezieren sie, die wissen alles, aber zu spät. Die Psychiater wissen und können nichts
aber darum müssen sie jeden Tag mit jedem Patient neu lernen.
[00:22:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie jemanden wählen, der nichts versteht oder nicht genug, probieren sie ihr Gegenüber dazu zu
bringen, dass der oder die mit ihnen zusammen lernt, bereit ist, flexibel ist und nicht meint er wisse schon
alles.
[00:23:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz wichtig.
[00:23:16.050] – Bemerkung 12
Wäre es nicht hilfreich, wenn man eigentlich schon von Anfang an mit Aufklärung helfen würde. Das Kind
kommt auf die Welt, dass irgendwie der Hausarzt Bescheid weiß? Dann gäbe es auch eine Beruhigung
für die Betroffenen.
[00:23:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, doch, das wäre ideal.
[00:23:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht nur mit dem medizinischen System beginnen.
[00:23:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde bei den Kindergärtnern und dann bei der Schule, bei der Kita, bei all diesen
Erziehungsberufen.
[00:23:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man müsste mehr aufklären.
[00:23:56.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis man mit diesen Kinder umgehen kann, muss man ein bisschen lernen.
[00:24:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle lernfähig.
[00:24:09.970] – Bemerkung 13
Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber müsste man auch mit einbeziehen.
[00:24:13.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Arbeitgeber müssten auch informiert werden.
[00:24:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Patienten begleite, dann frage ich natürlich immer, wo sie arbeiten, dann lasse ich mir
beschreiben, wie die sind und so weiter.
[00:24:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient das zulässt, frage ich auch, darf ich mit dem Arbeitgeber reden?
[00:24:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitgeber ist natürlich auch Umfeld und das Umfeld muss man auch beraten.
[00:24:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiatrie, Gehirn, es geht immer Interaktion.
[00:24:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Interaktion spielt auf beiden Seiten eine Rolle. Da muss man helfen, ein bisschen interpretieren, das ist ja
auch gesagt worden.
[00:24:55.360] – Bemerkung 14
Man soll die Leute stärken.
[00:25:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Arbeitnehmer fühlt sich nicht richtig behandelt vom Arbeitgeber. Dann passiert oft, dass man dann
über den Flucht und schimpft und weiß ich nicht was weiß ich was alles.
[00:25:18.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nichts. Man darf sagen, ich funktioniere so und so, wenn sie so und so mit mir umgehen, dann
fällt bei mir alles zusammen und dann mache ich einen Meltdown, dann funktioniere ich überhaupt nicht
mehr. Dann haben sie nichts davon und ich natürlich auch nicht.
[00:25:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche das und das.
[00:25:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch den jungen Leuten, sie müssen ihren Eltern die Gebrauchsanweisung geben, wie sie
funktionieren, damit es besser geht.
[00:25:51.450] – Bemerkung 15
Was macht jemand, der in den Notfall reinkommt?
[00:26:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Notfallsituation, da muss man es halt so laufen lassen, wie der Notfall läuft.
[00:26:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt dann immer davon ab, wer gerade Notfalldienst hat.
[00:26:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nichts drüber machen.
[00:26:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hintendran, kann man hingehen, wer immer man dann ist und schauen, wie könnte es allenfalls gesteuert
werden.
[00:26:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin laufte jetzt so ein bisschen eine Bewegung.
[00:26:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Hausärzte alle Notfall bearbeitet. Heutzutage macht das niemand mehr, wir haben auch
keine Hausärzte mehr. Es geht alles in Klinik.
[00:26:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt fangen sie wieder an, multidisziplinäre ambulante Praxen zu machen, wo es dann auch
verschiedene Leute hat, wo sie auch je nach dem Notfälle bedienen können.
[00:26:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eigentlich besser als eine riesige Klinik.
[00:26:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesundheitswesen ist absolut noch verbesserungsfähig.
[00:27:12.760] – Bemerkung 16
Gerade der Notfall ist so eine Situation, sie haben gesagt, man soll Verständnis zeigen, von ihnen lernen.
Die Gesellschaft ist aber nicht bereit dazu. Der Schaffner, der Lehrer, der Hausarzt versteht es je nach
dem nicht.
[00:27:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einem Autisten arbeitet, dann tut man ihn zuerst validieren, ist klar und dann wenn er
schon so weit ist, kann man sagen: Ja, du funktionierst so, aber wenn du da draußen bist, was kannst du
dann machen?
[00:27:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Leuten schon auch Sachen beibringen. Es ist nicht so, dass sie gar nichts lernen.
Sie reifen ein bisschen später und sie sind diffiziler und sensibler.
[00:28:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein junger Hund, der kann noch nicht Zug fahren, der wird ganz nervös.
[00:28:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man mit dem Zug fahren und beruhigt ihn, mit der Zeit kann er es dann.
[00:28:15.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für einen autistischen Menschen.
[00:28:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihn zu schnell in die Norm hinein drücken will, dann geht alles kaputt.
[00:28:23.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht die Welt verändern. Ich verändere nur dort, wo ich kann und ich begleite die, damit sie
langsam angewendet werden an das Leben.
[00:28:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Kurzem sagte mir jemand: sie haltet das alles gar nicht aus.
[00:28:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir daran gearbeitet, dass man so ein bisschen innere Scheuklappen macht und nicht denkt,
oh je, die schreckliche Menge, sondern dass man so in sich hinein geht und jetzt kann sie es schon ein
bisschen besser.
[00:28:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist auch schon 40 oder 50 Jahre alt.
[00:28:54.180] – Bemerkung 17
Sie sagen man muss sie fördern. Ich bin schulische Heilpädagogin. Für eine Förderung brauche ich eine
Diagnose. Im Frühling hat es geheissen ein Jahr Wartefrist.
[00:29:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose in einer Stunde.
[00:29:13.600] – Bemerkung 17
Wo finde ich sie denn?
[00:29:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nicht alle nehmen.
[00:29:18.060] – Bemerkung 17
Ja, das ist das andere. Das ist so frustrierend.
[00:29:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hinkt unser bürokratisches System absolut der Entwicklung hinten drein.
[00:29:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht können sie Kinderärzte finden. Sie müssen auf die Suche gehen. Kinderärzte finden,
Kinderpsychiater.
[00:29:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die offiziellen Stellen, die haben zum Teil ein halbes Jahr oder acht Monate Wartefrist, weil sie so überfüllt
sind.
[00:29:49.210] – Bemerkung 18
Ich muss jetzt handeln können.
[00:29:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sie probieren, ihr Schulsystem ein bisschen zu erreichen und sagen: ich will jetzt mit dem
arbeiten, das ist notwendig, sie haben es dann einfacher in der Schule, da sparen wir alle Geld und
Nerven. Die Diagnose liefern wir hinten dran.
[00:30:13.790] – Bemerkung 19
Ja, das ist dann aber eine Ressourcen Frage, die ganz schwierig ist.
[00:30:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Problem habe ich auch.
[00:30:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem kleinen Örtchen, wo wir halt sind, das Beste machen.
[00:30:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den bürokratischen Regeln die Kurven schneiden so gut es geht. Das sage ich jeweils den Personen.
[00:30:37.720] – Bemerkung 20
Gibt es vielleicht auch versteckte Formen von Autismus, die natürlich sehr schwer auch zu erkennen sind,
vor allem für nicht Fachpersonen?
[00:30:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sowieso, die passen sich besser an, die opfern sich auf. Die haben dann dafür eine
Depression mit 40.
[00:31:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich meine, wenn ich den Menschen als Ganzes wahrnehme und wenn ich so etwas in die weiteren
Bereiche gehe und ich schaue natürlich immer noch, wer in der Familie ist.
[00:31:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man das schon rausfinden. Das ist der Kliniker.
[00:31:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte, wir haben keine exakte Kunst. Es ist eine Kunst. Es ist kein wissenschaftliches Wissen.
[00:31:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir holen das dazu. Aber schlussendlich liegt die ärztliche Kunst in der Beziehung und im Wahrnehmen
und dann stellt man die Diagnose.
[00:31:49.960] – Bemerkung 21
Die Hochbegabten, die sind doch auch autistisch?
[00:31:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben viel zu viel das medizinische Modal im Kopf.
[00:32:02.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn macht alles und das Hirn kann hochbegabt sein in gewissen Bereichen und in anderen
Bereichen eine Störung haben.
[00:32:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann hochbegabt sein mathematisch, man kann eine Legasthenie haben und dann ist das so ein
sehr breites, ungleiches Leistungsprofil.
[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Hochbegabte, ich sage jetzt Autisten, ADS, ADHS oder was auch immer.
[00:32:30.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft gehen ganz spezielle Leistungen einher mit all diesen Eigenschaften.
[00:32:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, ich sage dem die breite Wahrnehmung, die breite Wahrnehmung bringt natürlich
auch mit, dass man ganz viele Daten prozessiert.
[00:32:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man viele Daten prozessiert, dann lernt man auch viel, dann weiß man auch viel.
[00:32:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann alles zusammen gehen. Man kann es dann so nennen oder so, das ist mir eigentlich egal.
[00:32:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einfach mit dieser Person lernen umzugehen und auf ihre Eigenschaften eingehen und
möglichst diese fördern.
[00:33:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn so Menschen, die so hochsensibel sind, wenn die zu fest hinein gedrückt worden sind in ein
Schema zu rigide erzogen wurden, dann sind das wie zerdrückte Ofenküchlein.
[00:33:13.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ihre Fähigkeit gar nicht entwickeln können.
[00:33:22.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann mit 50 noch helfen sich zu entfalten und wissen, wer sie sind.
[00:33:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wissen dann gar nicht, wer sie sind.
[00:33:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzieht, also ich sage dann auch, Erziehungsgeschädigte.
[00:33:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel erzogen hat, dann sind sie verzogen, aber nicht so im üblichen Sinn, verdrückt.
[00:33:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen viel mehr an Mensch und seine Fähigkeiten glauben.
[00:33:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht natürlich eine gewisse Toleranz.
[00:33:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ängstlicher die Gesellschaft ist, umso weniger ist sie tolerant.
[00:33:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen diese unterschiedlichen Leute, die sind sehr hilfreich.
[00:34:00.240] – Bemerkung 22
Sie sprechen über Hochsensibilität. Das ist ja jetzt auch so eine Wunder-Diagnose. Sind das die gleichen
Symptome wie beim Asperger?
[00:34:07.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.
[00:34:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger, ASS, die sind alle hochsensibel.
[00:34:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen ihrer hohen Sensibilität, nehmen sie so viele Inputs rein. Dann gibt es einen System Overload und
dann ziehen sie sich zurück.
[00:34:29.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja gesehen, die Frau, die gesagt hat: Das ist mir alles zu viel, ist mir zu viel laut.
[00:34:32.790] – Bemerkung 22
Das ist keine Basisdiagnose?
[00:34:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich nicht, nein.
[00:34:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Eigenschaft. Hochsensibilität ist nicht eine Diagnose, das ist eine Eigenschaft.
[00:34:42.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können Lernstörungen haben, die können Hochbegabungen haben.
[00:34:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, da ist auch gesagt worden, sie haben nicht gern fremde Kleider.
[00:34:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Essen sind sie oft auch sehr sensibel und wenn etwas krazt auf der Haut, schrecklich. Wolle geht
gar nicht.
[00:35:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil Kunstfaser geht nicht.
[00:35:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hochsensibilität ist auch auf der Haut und im Geschmack, in den Ohren, in der Nase, sie haben nicht
gerne Lärm.
[00:35:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensibel kann man auf ganz verschiedene Gebieten sein.
[00:35:19.510] – Bemerkung 23
Wenn man auf den Notfall kommt, was soll man dann machen? Es gibt einen Ausweis von Autismus
Schweiz. Die Autisten können den auf der Notfallstation zeigen, in Italien, Griechenland, zum anstehen im
Museum, etc.
[00:36:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, habe ich nicht gewusst.
[00:36:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist das wie allergisch auf Penicillin.
[00:36:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Abschluss möchte ich noch ganz etwas kurz sagen zu uns Medizinern.
[00:36:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mediziner und alle, die im Helferberuf sind, wir holen uns die Genugtuung, indem wir helfen können.
[00:36:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist macht es uns nicht so leicht zum helfen.
[00:37:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir hilflose Helfer werden, dann werden wir verzweifelt und manchmal auch böse oder ignorant.
[00:37:13.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Helfern: lernt aus euren Fehlern.
[00:37:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Spruch: errare humanum est. Irren ist menschlich.
[00:37:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie auch gesagt worden ist, wir können aus euren Fehlern lernen.
[00:37:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem der Helfer ist, dass sie es eigentlich recht machen wollen, dass sie helfen wollen und wenn
sie nicht helfen können, dann werden sie verzweifelt und manchmal sogar sadistisch.
[00:37:37.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe auf viele lernfreudige Helfer.
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