“Bindung – was die Welt zusammenhält“

Kurztext für 25. August 2017, Universität Zürich, Standort Irchel

Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen hinweg vererben?Erfahrungsbericht aus 40 Jahren klinischer Praxis

Kurztext UniZH 25.08.17 Bindung – was die Welt zusammenhält

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Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen
hinweg vererben‘?
Erfahrungsbericht aus 40 Jahren klinischer Praxis

Dr. med. Ursula Davatz
http://www.ganglion.ch; http://schizo.li/

“Bindung – was die Welt zusammenhält“
Kurztext für 25. August 2017, Universität Zürich, Standort Irchel

Bindungsverhalten kommt bei allen Säugetieren vor, insbe-
sondere bei sozialen Säugetieren und dient dem Überleben
des Jungtieres wie auch dem Überleben des Individuums in-
nerhalb eines Kollektivs. Dieses Bindungsverhalten ist in un-
seren Genen und somit auch in unserem Gehirn, dem limbi-
schen System, verankert.

Verschiedene Individuen können aber auch verschiedene
Bindungsverhaltensmuster an den Tag legen, wie sehr ängst-
liches Klammern als auch lockeres oder gar distanziertes
Bindungsverhalten.

Diese Bindungsmuster können von Generation zu Generation
weitergegeben werden, in der Partnerschaft gut zueinander
passen oder auch nicht, sowie durch äussere soziale oder
politische Situationen auch gestört werden, sodass daraus
ein verändertes Bindungsverhalten entsteht, welches dann zu
psychischen Störungen führen kann.

Dr.med. Ursula Davatz
25.8.2017
Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen hinweg vererben?
Audio

[00:00:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt der Vortrag zum Thema: Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen hinweg
vererben?

[00:00:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Erfahrungsbericht aus 42 Jahren klinischer Praxis.

[00:00:16.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Tagung zum Thema: Bindung, was die Welt zusammenhält.

[00:00:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
25. August 2017.

[00:00:35.270] – Bemerkung 1
Frau Dr.med. Ursula Davatz hat gesagt, dass an unseren Tagungen, die Praxis zu kurz kommt. Deshalb
haben wir sie hier eingeladen aus ihrer 30 jährigen Erfahrung als Psychiaterin und Ausbilderin in der
System- und Familientherapie zu berichten.

[00:00:53.600] – Bemerkung 1
Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder einen offenen, kritischen Austausch mit der Praxis, mit
unterschiedlichen theoretischen Hintergründen.

[00:01:06.650] – Bemerkung 1
Wir sind sehr gespannt auf ihren Vortrag

[00:01:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie alle ganz herzlich begrüßen zu diesem Abschlussvortrag.

[00:01:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Abschlussvortrag halten zu dürfen, hat seine positiven und auch seine negativen Seiten.

[00:01:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist vieles schon gesagt worden und ich repetiere nur oder es ist kalter Kaffee.

[00:01:46.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann ich noch ein paar andere Dinge hinzufügen, die das Bild noch etwas erweitern.

[00:02:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche eine verbindende Zusammenfassung ihnen zu offerieren.

[00:02:06.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss ich Sie enttäuschen.

[00:02:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine Folien, keine Bilder, ich habe keine Statistiken.

[00:02:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mich nicht mit wissenschaftlichen Arbeiten schmücken oder bemühen.

[00:02:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nur aus meiner 42-jährigen klinischen Erfahrung als Familientherapeutin, ihnen meine Erfahrung
mitteilen.

[00:02:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu dieser Erfahrung gehört, dass ich immer Drei-Generationen-Genogramme aufnehme, um zu sehen,
wie sich Bindungsstörungen über Generationen hinweg vererben können?

[00:02:53.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende bewusst das Wort vererben.

[00:02:57.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst spricht man nur von Vererbung bei den Genen.

[00:03:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede von sozialer Vererbung.

[00:03:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja von Professor Lutz Jäncke gehört, wie wichtig der soziale Kontakt ist, das soziale Netz, die
Gruppe etc.

[00:03:12.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lege mein Gewicht auf diesen sozialen Aspekt.

[00:03:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer und die Statistik sind einfach alles in meinem Hirn.

[00:03:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ihnen etwas davon zur Verfügung zu stellen.

[00:03:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes eine etwas kritische Bemerkung Bemerkung zur Medizin.

[00:03:33.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Forschung gleich wie in der Mode so Hypes, so moderne Dinge.

[00:03:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit man das Genom entschlüsseln konnte, ist ein riesiger Hype mit Genetik.

[00:03:47.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden große Kohortenstudien angelegt. Dann verbindet man diese Genloci, die man da entschlüsselt
und zu entdecken glaubt, auch entdeckt, die verbindet man mit psychiatrischen oder auch somatischen
Krankheiten und versucht dann, Sinn daraus zu machen.

[00:04:08.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage aber und das wurde auch schon gebracht, ich kann jetzt auf die Evolutionstheorie zurückgreifen.

[00:04:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir teilen ungefähr 92% der Gene mit den Schimpansen, also mit den Primaten. Wir sind ihnen in einem
gewissen Grade ähnlich, aber wie sie gehört haben, in der Schweiz akzeptiert man das gar nicht
unbedingt. Nur 50 % der Bevölkerung akzeptieren das.

[00:04:41.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind auch in unserer Verhaltensweise in gewissen Dingen ähnlich, aber doch nicht so ähnlich, als
dass man von den Schimpansen sehr viel ableiten könnte auf eine Therapie, auf eine menschliche
Therapie.

[00:05:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage, es sind nicht die Gene, die unser Verhalten bestimmen. Es ist die Bindung, die Interaktion in der
Bindung, in allen Bindungen die wir durchmachen, die unser Verhalten und unsere psychischen
Krankheiten bestimmen.

[00:05:19.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle lauter Hypothesen auf.

[00:05:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann anhand von meinen Hypothesen, diese anhand ihrer eigenen klinischen Erfahrungen
überprüfen.

[00:05:29.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe ihnen also nur ein Skelett und sie können sich dann das Fleisch am Knochen selbst erarbeiten.

[00:05:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine interaktive Weiterbildung.

[00:05:42.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehlgelaufenes Bindungsverhalten, fehlgelaufene Erziehung innerhalb von Familien und in
Familienmuster, die können zu Pathologie führen.

[00:05:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich spezialisiert auf psychiatrische Pathologie.

[00:05:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann durchaus auch somatische Pathologie feststellen.

[00:06:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie Professor David W. Goodman gesagt hat, es ist nicht unikausal, monodirektiv, sondern es kann in
viele verschiedene Erscheinungsarten ausarten.

[00:06:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beginne mit der Liebesbeziehung.

[00:06:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein neues menschliches Leben, beginnt mit einer Liebesbeziehung, mit einer Partnerschaft.

[00:06:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Studien gemacht von Möwen.

[00:06:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war bei Professor Prof. Kai Bischof, dort habe ich die Vorlesung gehört.

[00:06:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat geschaut: wen wählen diese Möwen aus?

[00:06:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben so einen Fleck auf der Seite.

[00:06:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Möwen haben nie genau die gleiche lokale Lokalisation des Flecks gewählt, sondern etwas vorne
dran oder hinten dran. Also nicht ganz gleich aber auch nicht sehr verschieden.

[00:06:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe von den Möwen zum Menschen.

[00:06:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben die Tendenz, einen Partner zu wählen, der entweder das repräsentiert, was wir
gewohnt sind und als gut empfunden haben, oder der korrigiert.

[00:07:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir erwarten von unserem Partner, dass er unsere gestörten Bindungen aus der Kindheitserinnerung,
aus der Ursprungsfamilie, dass er das korrigieren kann.

[00:07:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Liebesbeziehung läuft dann eben diese Erwartungshaltung, dass das Gegenüber entweder das
Gleiche bringt oder etwas korrigiert.

[00:07:38.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ivan Boszormenyi-Nagy, ein Familientherapeut, ursprünglich aus Ungarn und dann in Amerika. Er hat ein
Wort geprägt, und das ist die "Anspruchsberechtigung".

[00:07:53.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind hat den Anspruch auf eine gute Bindung, auf eine stabile Bindung, auf eine schützende
Bindung, sodass es gut aufwachsen kann.

[00:07:59.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jedes Kind bekommt das.

[00:07:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gesehen, 44% der Erwachsenen haben das nicht.

[00:08:13.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ungefähr gleich viele Kinder haben es auch nicht.

[00:08:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit nicht ganz befriedigenden Bindungen aufwachsen, dann übertragen wir diese
Erwartungshaltung an unseren Partner.

[00:08:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber oh weh, der Partner ist natürlich nicht so erfreut.

[00:08:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann diese Erwartungen nicht erfüllen, auch wenn er es noch so meint.

[00:08:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang der Liebesbeziehung meint man immer, man muss sich gegenseitig helfen, man muss alle
Wünsche erfüllen.

[00:08:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann mal merkt man, dass das nicht geht.

[00:08:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man frustriert. Und dann?

[00:08:54.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es gesehen beim kleinen Kind, als die Mutter auf Befehl nicht reagieren durfte auf das Kind,
hat es immer blöder getan. Zuerst verzweifelt nach anderen Lösungen gesucht und schlussendlich
geweint, bis die Mutter sich wieder auf das Kind bezogen hat.

[00:09:11.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so viel anders bei den Erwachsenen.

[00:09:14.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen sagt man dann die werden hysterisch.

[00:09:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen, wir versuchen dann emotional zu motivieren, dass der Partner doch endlich das macht, was
wir von ihm wollen, damit es uns gut geht.

[00:09:25.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer machen es eher etwas anders.

[00:09:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen mit Intellekt. Die sagen das geht doch nicht, so verhält man sich nicht, kannst du nicht
endlich vernünftig werden.

[00:09:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dieser Frau habe ich nichts mehr am Hut. Mit der kann ich nichts mehr anfangen.

[00:09:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verwenden etwas andere Strategien.

[00:09:47.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Frau ist das Oxytocin schuldig, das ist das Beziehungshormon, das Kuschelhormon.

[00:09:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Mann ist es eher das Dopamin. Er ist der Kämpfer und er versucht, die Frau mit Kampfmitteln zum
richtigen Verhalten zu bringen.

[00:10:04.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: mit Intellekt kann man keine Emotionen verändern.

[00:10:08.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Enttäuschte Erwartungshaltungen führen dann meistens zu starken Emotionen oder eben zur
Abwendung.

[00:10:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heißt, man wendet sich da ab, man geht auseinander. Dann verwendet der Partner, der etwas will,
noch etwas mehr Emotionen und hofft, es ginge dann. Aber es geht nicht.

[00:10:33.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Emotionen überlaufen, und jetzt kommt wieder das Gehirn dran, das läuft im limbischen
System ab, im mittleren Hirnteil, in dem Hirn, das für die Beziehung verantwortlich ist und auch für die
Motivation.

[00:10:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Emotionen im mittleren Gehirn, im limbischen System überschiessen, dann kann es zu
psychischen Reaktionen kommen.

[00:10:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede da von der emotionalen Monsterwelle.

[00:11:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehen die Gedanken durcheinander, bis hin zur Psychose, zur Schizophrenie.

[00:11:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder es kann auch ins Somatische gehen.

[00:11:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann das Stammhirn und es kommt zu Krankheiten.

[00:11:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich grämen, man kann sich zu Tode quälen.

[00:11:19.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Temperament des Menschen geht man eher in die aktive Form aggressiv, expressiv. Oder man
zieht sich zurück.

[00:11:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann die Depression. Also man wird introvertiert, zieht sich immer mehr zurück und dann
kämpft man mit der Stummheit.

[00:11:40.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine passive Aggression.

[00:11:44.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in diesem Augenblicke die beiden Individuen in der Paarbeziehung nicht unterstützt werden von
einer therapeutischen Person und die Problematik nicht selbst erkennen, das kann man in der Regel
nicht dann, gehen diese nicht gelösten Konflikte – Anpassungsverhalten ist Konfliktfähigkeit, das gehört
zu unserer Sozialkompetenz – wenn das in der Paarbeziehung nicht möglich ist, dann springen die
Probleme über auf die Kinder.

[00:12:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann die Vererbung.

[00:12:24.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Störung in dieser Paarbeziehung wird weitergegeben an die Kinder.

[00:12:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder übernehmen dann eine funktionalisierte Rolle.

[00:12:38.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder versuchen alles zu tun, um zwischen diesen nicht ganz glücklichen Eltern auszugleichen, zu
ergänzen etc.

[00:12:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben von Natur her eine große Anpassungsfähigkeit und sie müssen sich ja anpassen, damit sie
überleben können.

[00:12:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind sind noch auf die Eltern angewiesen.

[00:13:00.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es den Eltern nicht gut geht oder sie zugrunde gehen, dann gehen sie auch zu Grunde.

[00:13:06.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Art erhaltendes Verhalten.

[00:13:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo das Kind sich mit seiner Persönlichkeit und seiner Emotion, mit seinem Können,
mit seinem Intellekt vermehrt im Dienste der Familie einsetzt, hat es nicht mehr genügend
Entfaltungsenergie, um die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:13:35.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann schon vor der Pubertät Symptome entwickeln.

[00:13:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Spätestens in der Pubertät gibt es dann eine Persönlichkeitsstörung.

[00:13:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden immer von Persönlichkeitsstörung, als ob sie von sich aus gestört werden. Dabei wurden diese
Kinder alle während der Pubertät und auch schon früher in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestört. Im
wahrsten Sinne des Wortes.

[00:14:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb haben sie eine gestörte Persönlichkeit.

[00:14:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe jetzt nochmals zurück zum Paar.

[00:14:12.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gehört von Beziehungen und Erziehung und Bildung.

[00:14:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Worte wurden alle miteinander genannt.

[00:14:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern haben ja nicht nur die Aufgabe, eine Bindung zu entwickeln, sie haben auch die Aufgabe, ihre
Kinder zu erziehen.

[00:14:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehen heißt eigentlich fähig machen, also Sozialisierung für unsere Gesellschaft.

[00:14:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Sozialisieren ist immer kulturgebunden, ortsgebunden und geographisch.

[00:14:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung hängt ab vom grösseren gemeinschaftlichen Umfeld.

[00:14:51.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Eltern kommen mit gewissen Erziehungsmustern von zu Hause, von der Ursprungsfamilie in die
Partnerschaft.

[00:15:01.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Erziehungsmuster sind nicht immer gleich.

[00:15:04.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Mischheiraten, also Mischheiraten aus Kulturen, Mischheiraten aus Religionen, Mischheiraten
aus sozialen Schichten.

[00:15:16.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Je grösser der Unterschied ist zwischen den beiden Herkunftsfamilien, umso mehr kann es dann zu
Konflikten kommen.

[00:15:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird gestritten unter den Eltern um die richtige Erziehung.

[00:15:32.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind erlebt nicht nur die Streitigkeit zwischen den Eltern, es erlebt auch noch den Streit um die
richtige Erziehung.

[00:15:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Fatalerweise sagen dann gewisse Eltern: Sie hätten eigentlich keine Probleme. Sie haben die Probleme
nur wegen des Kindes.

[00:15:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht korrekt.

[00:15:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo unterschiedliche Erziehungsstile vorhanden sind und die Eltern noch streiten um die
richtige Erziehung, kommt es zum Loyalitätskonflikt des Kindes zwischen den beiden Eltern.

[00:16:20.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind weiß nicht, welchem Erziehungsstil es Folge leisten soll und kann verwirrt werden.

[00:16:27.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet dann von Doublebind.

[00:16:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Intelligente Kinder, die finden bald mal raus, denn wir sind ja alles lernende, anpassende Wesen.

[00:16:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Intelligente Kinder, die finden schnell raus: was muss ich den Vater fragen, damit ich durchkommen?

[00:16:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss ich die Mutter fragen, damit ich durchkomme?

[00:16:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ungerechterweise sagt man dann, diese Kinder seien manipulativ.

[00:16:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Fitness, also Anpassung an die Situation, ist Fitness.

[00:17:02.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Anpassungsverhalten.

[00:17:03.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch Lügen ist ein Anpassungsverhalten.

[00:17:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich darf man das Kind nicht dafür bestrafen und oder verurteilen, dass es sich anpasst.

[00:17:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ja nur gescheit. Es ist eine Optimierung.

[00:17:16.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kritik an diesem manipulierenden Kind wird dann übernommen, auch von den Fachleuten.

[00:17:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre das oft: diese Patientin ist sehr manipulativ.

[00:17:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann sagen, ich schaue natürlich zurück auf ihre Familie.

[00:17:32.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat das gelernt. Das war eine Überlebensstrategie, und wir dürfen sie nicht dafür verurteilen.

[00:17:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Überlebensstrategien sind Überlebensstrategien und die sind immer angepasst an das Seelenleben.

[00:17:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne gehe ich weiter.

[00:17:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Guy Bodenmann auch die Korrelation zwischen ADHS und
unkonstanter Beziehung oder Bindung gehört.

[00:18:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich in letzter Zeit sehr für die ADHS Kinder interessiert.

[00:18:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterscheide zwischen ADHS, hyperkinetisch, die impulsivität zeigt sich im Verhalten und in der
Motorik.

[00:18:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt aber auch ADS Kinder

[00:18:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, man müsste sich trennen.

[00:18:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADS Kinder sind zwar auch impulsiv, aber nicht nach außen.

[00:18:32.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken impulsiv. Da geht die ganze Aktivität nach innen.

[00:18:37.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal reden sie auch impulsiv, wenn sie sich gut vertraut fühlen mit den Umfeld.

[00:18:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder sind auch sehr sensitiv.

[00:18:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mischung von starker Impulsivität und hoher Sensibilität, das wird vom Umfeld meistens nicht gut
ertragen.

[00:18:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Eltern: Der benimmt sich so schlecht und so aggressiv und er kann sich an keine Regeln
halten.

[00:19:04.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern ihr ADHS Kind kritisieren, dann ist er oder sie hochsensibel.

[00:19:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS ist das zusammen.

[00:19:12.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne sage ich, ADHS ist ein genetisch vererbter Neurotyp.

[00:19:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist keine Diagnose, es ist nur ein Neurotyp.

[00:19:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können auch einen Phenotyp haben: blonde Haare, schwarze Haare, gekrauste Haare, glatte Haare.

[00:19:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist etwas komplizierter als die Haare.

[00:19:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen noch viele Vernetzungen hinzu, welche den Neurotypen noch verändern.

[00:19:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Genotyp zum Phänotyp ist ein langer Weg.

[00:19:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt von den Genen zum Verhalten, da passieren viele Dinge dazwischen und sie laufen während
des gesamten Lebens, nicht nur in den ersten drei Jahren, sondern sicher bis über die Pubertät hinaus
und noch weiter.

[00:20:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann Studien gemacht und jetzt komme ich zurück zur Genetik.

[00:20:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine grosse Kohortenstudie gemacht und hat dabei Schizophrenie, bipolare Störung, manisch-
depressiv, schwere Depressionen, Autismus, Asperger und ADHS gefunden.

[00:20:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei all diesen fünf Diagnosen hat man den gleichen Genlocus gefunden, der verändert ist.

[00:20:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe letztens mit einem Genetiker telefoniert.

[00:20:51.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist noch die Essstörung hinzugekommen.

[00:20:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kliniker kann man sich das sehr wohl erklären.

[00:20:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS, die sind schwieriger in der Erziehung, in der Bindung, weil sie so sensibel sind. Sie
überfordern ihr Umfeld viel schneller.

[00:21:13.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann ein solches Kind in einer sehr engen, strikten Erziehung aufwächst und es ist ein Junge, dann
kann sich Delinquenz daraus entwickeln.

[00:21:29.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Da passiert dann eine unsichere Bindung, weil der Erzieher bald einmal überfordert ist.

[00:21:37.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Studien von ADHS Familien. Da sagt man, die haben viel mehr Scheidungen, die wechseln
mehr den Arbeitsplatz.

[00:21:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler unterbrechen die Beziehungen schneller und öfter weil sie es einfach nicht aushalten.

[00:21:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist genetisch vererbt. Somit haben die Eltern auch etwas von diesem Typ.

[00:21:52.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Somit kommt es sehr schnell zu Eskalationen zwischen den Erziehern und dem Kind.

[00:22:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich berate viele Eltern von ADHS/ADS Kindern.

[00:22:16.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle über 17 Jahre ADHS/ADS und habe die Schizophrenie Entwicklung verfolgt. Ich habe einen
Zusammehang herstellen können.

[00:22:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mediziner suchen immer nach dem genetische Faktoren.

[00:22:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann die Hypothese aufgestellt, dass ADHS/ADS ein Vulnerabilitätsfaktor ist, welcher
schlussendlich zur Schizophrenie führt.

[00:22:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch, dass ADHS/ADS der Vulnerabilitätsfaktor ist, welcher zur bipolaren Störung, schweren
Depression führen kann.

[00:22:59.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man machht als ADHS/ADS Kind vieles falsch, man wird viel kritisiert.

[00:22:59.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mehr kritisiert als gelobt wird, dann gibt das eine "Arrested Fight Reaction".

[00:23:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression ist eine Verlierer Reaktion.

[00:23:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kommt sich schon als Kind als Verlierer vor.

[00:23:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es fühlt sich nicht akzeptiert, es ist nicht in Ordnung, so wie es ist.

[00:23:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind das viel erlebt, dann entwickelt sich eine Depression daraus.

[00:23:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne vertrete ich die Haltung, dass sich die Eltern an den Genotyp ihres Kindes anpassen.

[00:23:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können nicht einfach einen Erziehungsstil über jedes Kind hinweg stülpen.

[00:23:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Erziehungsstile funktionieren gut beim Kind und beim anderen Kind. funktionieren die überhaupt
nicht.

[00:23:58.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt wieder die Achtsamkeit, die Sensibilität, dass wir unser Kind beobachten, sehen, worauf es
reagiert, dass wir es besser kennenlernen, damit wir dann den entsprechenden Erziehungsstil verwenden
können, der bei diesem Kind funktioniert und der keinen Schaden anrichtet.

[00:24:19.160] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder kann man totschlagen und sie gehorchen immer noch nicht.

[00:24:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit will ich zeigen, man muss ADHS/ADS Kinder anders erziehen. Wir können nicht die gängige
Pädagogik verwenden.

[00:24:36.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt ADHS wächst sich aus mit dem Erwachsenwerden. Heute wird die Diagnose auch
bei Erwachsenen gestellt und man.

[00:24:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat herausgefunden, dass 80% der Erwachsenen mit ADHS eine zusätzliche Diagnose erhalten.
Man spricht dann von Komorbidität.

[00:24:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein, das ist keine Komorbidität, das ist eine Folgekrankheit.

[00:24:50.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Erziehungsstil das ADHS/ADS Kind verformt hat, zu etwas, das es nicht kann, dann gibt es die
Pathologie daraus.

[00:25:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Testen sie das einmal selber bei ihren Familien, bei der eigenen und bei den Therapie Familien.

[00:25:35.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Schluss möchte ich noch zur Bindung kommen als Kollektiv.

[00:25:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde von Professor Lutz Jäncke sehr schön gebracht.

[00:25:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine soziale Spezies. Wir sind eine soziale Art.

[00:25:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sozialverhalten ist ganz wichtig. Wir lernen das.

[00:25:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt in der Biologie, die höher entwickelten Arten, die müssen das Meiste ihres Verhaltens erlernen,
während die primitiveren Arten, die funktionieren automatisch.

[00:26:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mensch gehören diesbezüglich zu den höher entwickelten und wir lernen alles. Das hat Herr
Professor Lutz Jäncke sehr schön gezeigt.

[00:26:19.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Als soziale Spezies wollen wir ab der Pubertät nicht mehr nur zur Familie gehören. Im Gegenteil. In der
Pubertät weisen wir die Familie von uns.

[00:26:33.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber man hat eine Bindung, eine Peer-Group.

[00:26:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wechselt da von der engen Familie zum größeren Kollektiv.

[00:26:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne sind wir alle an ein Kollektiv gebunden.

[00:26:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen eine Zugehörigkeit zu einem Kollektiv haben.

[00:26:56.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Bindung an eine größere Gruppe, an ein Kollektiv.

[00:27:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kollektiv ist geprägt durch gleiche Wertvorstellungen, vielleicht gleiche Religion, die gleiche Sprache,
durch ähnliche Verhaltensweisen, also durch einen Sozialkodex.

[00:27:21.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Bindung an ein Kollektiv und unser Bedürfnis nach einer Bindung an ein Kollektiv. Das ist das
Bindungsverhalten, das von politischen, religiösen und auch Terrorregimen ausgenutzt werden kann.

[00:27:40.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen als Kinder keine sehr gute unterstützende Bindung erlebt haben, dann sind sie anfälliger
auf diese Kollektivbewegung, sei es religiöser oder politischer Art.

[00:27:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo sie dann sich an ein solches Kollektiv bindet, dann passiert etwas, was dem
Thema der Tagung widerspricht.

[00:28:08.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick hält diese Bindung die Welt nicht mehr zusammen, sondern sich spaltet sich.

[00:28:15.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man unterscheidet dann zwischen In-Group und Out-Group.

[00:28:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppe, die dazugehört, zu der man dazugehört, und die Gruppe, die nicht zu einem gehört.

[00:28:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlimmsten Kriege auf dieser Welt waren Religionskriege.

[00:28:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Politik sieht man es auch, aber dort ist nicht ganz so tödlich.

[00:28:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schließt sich zusammen, quasi als Mob gegen alles andere.

[00:28:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wurde das sogar in der Sprache verfestigt.

[00:28:48.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Römer haben gesagt, die, die da im Osten wohnen, das ist alles schlecht.

[00:28:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Also alles was anders ist, ist schlecht.

[00:28:58.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Angst im Kollektiv herrscht, umso rigider werden die Regel, umso grösser wird die Ablehnung
gegen das Aussen. Je ruhiger das Kollektiv ist, je angstfreie das Kollektiv ist, umso toleranter verhält es
sich sowohl innerhalb der Gruppe als auch gegen Fremde.

[00:29:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Therapeuten und natürlich als Systemtherapeuten ist es unsere Aufgabe, das fehlgelaufene
Bindungsverhalten Familiensystem wieder auf einen guten Entwicklungsweg zu bringen, also zu
unterstützen.

[00:29:55.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin unterstütze eher immer die Eltern und vielleicht die Großeltern und einfach
das ganze System.

[00:30:03.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann wieder einen Begriff von Ivan Boszormenyi-Nagy verwenden. Die multi-parteiliche Gerichtetheit
oder die All-Parteilichkeit. Das ist im Gegensatz zum Individual Therapeuten. Wir sind für alle da.

[00:30:16.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können das System aus verschiedenen Optiken betrachten.

[00:30:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir unterstützen das ganze System.

[00:30:25.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir versuchen, eine positive Entwicklung, in der fehlgelaufenen Entwicklung voranzutreiben.

[00:30:31.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies ist aus meiner Sicht effizienter, effektiver und nachhaltiger, als wenn wir nur wie wir Ärzte das leider
Gottes machen, eine Symptombekämpfung, machen über psychotrope Substanzen, sei dies vom freien
Markt gekauft, also Drogen, oder in der Apotheke vom Arzt verschrieben.

[00:30:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Schluss noch ein Witz.

[00:30:59.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Chirurgen können alles und wissen nichts, die Mediziner wissen alles und können nichts und die
Psychiater die wissen nichts und die können nichts.

[00:31:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür sind wir ständig am lernen.

[00:31:21.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen mit dem Patienten immer weiter.

[00:31:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das schöne am Therapeuten Beruf.

[00:32:47.700] – Bemerkung 2
Inwiefern fliessen die Erkenntnisse aus der Epigenetik in ihre Hypothese?

[00:32:48.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapie, Entwicklung, ist immer Epigenetik, also die Entwicklung innerhalb vom Familiensystem.

[00:32:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir dann Therapie machen mit dem Patienten, ist das für mich auch Epigenetik.

[00:33:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Verhalten geändert wird, also man kann mit Medikamenten das Leben verändern.

[00:33:08.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Leben aber auch mit dem Verhalten, der besseren Bindung oder der besseren Interaktion
verändern.

[00:33:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das im täglichen therapeutischen Alltag.