Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

16.3.2024
Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen.
Audio

[00:00:00.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie alle ganz herzlich begrüßen zu dieser Weiterbildung. Es ist eine wichtige
Weiterbildung aus meiner Sicht.

[00:00:09.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heißt: Kritik, Frust, Enttäuschung und Motivationslosigkeit bei Jugendlichen
und jungen Erwachsenen.

[00:00:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte sagen: No Bock, No Future Generation.

[00:00:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr negative Beschreibung von diesen jungen Menschen.

[00:00:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man diese Menschen so negativ beschreiben kann, ist schon ganz viel
schiefgelaufen.

[00:00:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugend, ist eigentlich unsere Zukunft.

[00:00:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugend sollte unsere Welt verbessern, wir wollen ja immer alles verbessern.

[00:00:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Jugend sollte nicht die gleichen Fehler machen, wie wir sie gemacht haben.

[00:00:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unsere Zukunft.

[00:00:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wird gemacht mit den Jugendlichen?

[00:01:00.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe alle die Gescheiterten Jugendlichen.

[00:01:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, dass unser Schulsystem nicht zeitgemäß ist.

[00:01:16.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem kann Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen nicht richtig
abholen.

[00:01:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist eigentlich die Aufgabe vom Schulsystem?

[00:01:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sozialkompetenz, gewisse Grundkompetenzen beibringen, damit sie sich dann gut
durchsetzen und gut leben können in unser Gesellschaft.

[00:01:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem hinkt hinten nach und ist nicht zeitgemäss.

[00:01:41.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer holt dann die Jugendlichen ab? Die Wirtschaft. Mit allen IT Sachen, mit den
Spielen, etc.

[00:02:10.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Jugendlichen kommen dann zu ihnen.

[00:02:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin relativ kritisch dem Schulsystem gegenüber.

[00:02:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige gescheiterte Jugendliche, die bei mir landen.

[00:02:32.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich am Anfang sondern nachdem viele Sachen schief gelaufen sind.

[00:02:37.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kann ich es nicht lassen, unser Schulsystem zu kritisieren.

[00:02:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich saga unser Schulsystem ist veraltet.

[00:02:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem hinkt hinterher. Die Wirtschaft läuft unserem Schulsystem den Rang
ab, mit den Games, mit Tiktok, mit allem was auf dem Internet läuft.

[00:02:44.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen müssen doch noch durch unser Schulsystem durch. Wenn sie dort
nicht durchkommen, dann haben sie nicht so viele Chancen, in der Erwachsenenwelt
erfolgreich zu werden.

[00:03:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen weitere schwierige Situationen.

[00:03:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man viel mehr Kinder pro Familie.

[00:03:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere hatten keine Kinder. Die Geschwister haben sich gegenseitig erzogen, haben
miteinander sich auseinandergesetzt etc.

[00:03:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat man weniger Kinder pro Familie, vielleicht zwei, vielleicht nur eines.

[00:03:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur ein Kind hat, dann geschieht die Abreibung zwischen den Geschwistern
nicht.

[00:03:40.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann sehr viel elterliche Energie auf das Kind fokussiert werden und in dem Sinne
werden sie zum Teil auch verwöhnt und bekommen lauter Sonderbedingungen.

[00:03:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder werden herumchauffiert.

[00:04:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sogenannten Helikoptermütter, die anz viel, alles gut gemeint für ihre Kinder
machen wollen.

[00:04:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne werden die Jugendlichen verwöhnt und verweichlicht.

[00:04:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sollten präpariert werden für die kompetitive Welt.

[00:04:22.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein sehr grosser Gegensatz.

[00:04:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden über das Internet angegangen mit allen möglichen
suchtbildenden Verhaltensweisen.

[00:04:36.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gab es nur die Drogensucht.

[00:04:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es auch die Internetsucht.

[00:04:38.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spiele und die Aktivitäten sind alle so ausgerichtet, dass die Aufmerksamkeit
gepackt wird, ohne dass man etwas tun muss.

[00:04:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne wird man auch faul, man lässt sich füttern.

[00:04:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist alles präpariert.

[00:05:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie Fast Food, kann man sich schnellstens alles reinziehen über das Internet, zu
jeder Zeit.

[00:05:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jungendlichen werden sehr umworben. Es geht immer um den Verkauf. Je mehr
Einschaltquoten, umso mehr wird verdient.

[00:05:18.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier fährt unser Schulsystem oft hinter, es fällt ab.

[00:05:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört zum Teil schon in der Schulklasse, dass der Lehrer einfach seine Sachen
bringt.

[00:05:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche es nicht interessiert, die haben ihren Laptop dabei, gehen auf eine
andere Seite und machen irgendetwas und dem Lehrer ist es relativ egal.

[00:05:37.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer sitzt ja seine Zeit ab.

[00:05:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer probiert seinen Stoff zu bringen.

[00:05:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer erfüllt seinen Lehrplan.

[00:05:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehung zu den Schülen wird in dem Sinne somit nicht so fest gefördert.

[00:05:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.

[00:05:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Überangebot.

[00:05:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist die Schule interessant gewesen.

[00:06:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hatte nicht so viel Medienkommunikation. Überhaupt nicht.

[00:06:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß noch, wie ich als Kind am Mittwochnachmittag die Turnachkinder gehört habe.

[00:06:11.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Riesenereignis.

[00:06:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle so am Radio gehockt. Jeden Mittwoch hat man sich wieder drauf gefreut.

[00:06:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommen X Sachen auf dem Internet. Auf dem Internet kann man von einem
reichen Angebot auswählen.

[00:06:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz viel Ablenkbarkeit vorhanden.

[00:06:37.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von Jugendlichen.

[00:06:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist eine Übergangsphase, wo die jungen Menschen ihre Persönlichkeit
bilden sollten.

[00:06:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Persönlichkeit der Jugend vor allen Dingen gefüttert wird mit Werbung,
sensationelle, tolle Spiele, die einem verführen, die einem süchtig macht, dann werden
die Jugendlichen sehr stark abgelenkt, sie werden abgelenkt von sich selber.

[00:07:09.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen müssen sich in dem Sinne gar nicht mehr so mit sich selber
auseinandersetzen.

[00:07:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer gleich etwas anklicken und dann ist man wieder unterhalten.

[00:07:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind ganz stark fremden Einflüssen ausgesetzt.

[00:07:26.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer, auch die Eltern, haben eine riesige Kompetition, um die Kinder noch packen
zu können und in eine menschliche Interaktion zu bringen.

[00:07:43.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Erziehungssystem ist nicht mehr so persönlichkeitsgerecht.

[00:07:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass man individualisierten Unterricht haben möchte.

[00:07:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben integrativen Unterricht, das ist auf dem Papier alles sehr gut.

[00:08:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Realität ist das sehr schwierig.

[00:08:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Autorität, eine natürliche Autorität, welche die Kinder packen kann, all
die verschiedenen Kinder packen kann.

[00:08:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht auch eine individuelle Aufmerksamkeit für die verschiedenen Kinder und
differenzierte Programme.

[00:08:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Schulsystem an den Anschlag kommt, dann sehe ich wieder und wieder,
dass immer noch alte Erziehungsmethoden verwendet werden, so wie Belohnung und
Bestrafung.

[00:08:39.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schliesst die Jugendliche aus dem Kollektiv aus, man schickt sie vor die Türe oder
man schickt die Jugendlichen in eine Auszeit.

[00:08:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt natürlich nicht, dass die Jugendlichen sich dann besser entwickeln können.

[00:08:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem haben sie Glück und kommen dann an einen guten Ort und es läuft weiter.

[00:08:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder die Jugendlichen haben nicht Glück.

[00:08:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder mit speziellen Bedürfnissen, Kinder mit ADHS/ADS nicht abgeholt werden,
dann laufen sie in eine gescheiterte Pubertät hinein, eine gescheiterte
Entwicklungsphase der Persönlichkeitsbildung, von der Pubertät.

[00:09:29.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es schwierig.

[00:09:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz

In der gescheiterten Pubertät verweigern die ADHS/ADS Kinder alles oder sie gehen
über die Grenzen hinaus und kreieren ihre eigene Welt und sind immer noch abgelenkt
von der Wirtschaft, von all den Verführungen, welche im IT laufen.

[00:09:53.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen alles verweigern, es ist ihnen alles egal, es interessiert sie
nichts mehr, dann haben wir die No bock, No future Generation.

[00:10:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben erst eine kleine Abteilung für Jugendliche.

[00:10:10.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer wieder: Wie läuft es?

[00:10:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das folgende Problem.

[00:10:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo die Kinder aus dem normalen System, dem Schulsystem, dem
Sozialsystem rausfallen, was macht man?

[00:10:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zur Medizin, zur Psychiatrie.

[00:10:30.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man holt sich Hilfe bei der Psychiatrie.

[00:10:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, dass die Psychiatrie eine medizinische Fakultät ist.

[00:10:41.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Medizin ist an erster Stelle defizitorientiert.

[00:10:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will das Defizit wegbringen.

[00:10:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen kommen in die Psychiatrie, in die Jugendpsychiatrie und werden dort
in einer großen Gruppe behandelt.

[00:10:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Einblick in die Jugendpsychiatrie.

[00:11:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stehen mir die Haare zu Berge.

[00:11:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss das leider sagen.

[00:11:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele schwierige Jugendliche auf einem Haufen und dann noch junge
Psychologinnen, die noch keine Lebenserfahrung haben, die vielleicht noch nicht
einmal Kinder haben, sollen dann diese Jugendlichen auf den rechten Weg bringen mit
irgendwelchen Methoden, die normierend sind, welche das einzelne Kind gar nicht
abholt.

[00:11:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was lernen die Jugendlichen dann? Einfach noch mehr Krankheit und krankes
Verhalten.

[00:11:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder zum ADHS/ADS zurückkehre, man spricht vom
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:11:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort Defizit ist enthalten.

[00:11:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der breiten Aufmerksamkeit, nicht Defizit.

[00:11:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder haben eine breite Aufmerksamkeit, die alles anschaut. Wenn
etwas nicht interessant ist, dann gehen sie zum nächsten.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder nicht faszinieren kann, als Lehrer, als Persönlichkeit mit
dem Stoff den man bringt, dann sind sie weg.

[00:12:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann suchen die ADHS/ADS Kinder etwas Interessantes.

[00:12:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann wieder die Wirtschaft rein, welche ihnen sogenannt sensationelle
Sachen anbietet, wo die Reizschwelle dann immer tiefer ist.

[00:12:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet es nur noch interessant, wenn Blut fließt, wenn ganz schreckliche Sachen
passieren.

[00:12:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird abgestumpft in Bezug auf spannende Sachen.

[00:12:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht sehr hilfreich.

[00:12:42.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist nicht nur sensationell, das Leben besteht auch aus zum Teil eintönigen
Sachen.

[00:12:49.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit denen umzugehen und die durchzustehen.

[00:12:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Unterhaltungsindustrie sind die Jugendlichen natürlich abgestumpft in Bezug
auf Sensationen.

[00:12:59.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sensation seeking.

[00:13:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS suchen immer nach etwas Interessanterem.

[00:13:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit findet man bei den Tieren wieder.

[00:13:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund schnüffelt am neuen Ort überall herum, wenn sie sehr interessant sind, dann
geht er auch zu ihnen.

[00:13:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist in der Schule nicht hilfreich.

[00:13:34.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Urwald ist die breite Aufmerksamkeit hilfreich oder auch schon in unserem Wald oder
vielleicht auf einem Marktplatz.

[00:13:40.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ist das Wichtigste, wo kann ich was finden?

[00:13:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Untersuchung von Studenten mit ADHS/ADS und Studenten ohne ADHS/
ADS.

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.theguardian.com/science/2024/feb/21/adhd-may-have-been-an-evolutionary-advantage-research-suggests

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHD may have been an evolutionary advantage, research suggests. Traits associated
with the neurodevelopmental disorder could have helped early humans when foraging
for food.

[00:13:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Probanden mussten Früchte pflücken.

[00:14:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen hatten viel schneller ihren Korb voll mit Früchten, weil sie
geschaut haben, wo es am meisten Früchte gibt. Hatten sie genug von einem Busch
gepflückt, sind sie gleich zum nächsten Busch gegangen usw.

[00:14:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nicht ADHS/ADSler, das waren die braven Schüler, die haben nur einen Busch ganz
abgepflückt.

[00:14:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler evolutionstechnisch, in der freien Wildbahn, haben die natürlich in
kürzerer Zeit mehr Sachen abgepflückt und waren in diesem Sinne erfolgreich.

[00:14:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auf die Wirtschaft übertragen.

[00:14:47.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wirtschaft gibt es auch sehr erfolgreiche ADHS/ADS Menschen, welche überall
die Vorteile finden und dann Geld daraus machen, während die Braven brav an ihrer
Arbeit bleiben und länger brauchen.

[00:15:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Situation, ist eine Eigenschaft wie die breite Aufmerksamkeit sehr hilfreich,
überlebenstechnisch gut.

[00:15:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einer Fleissarbeit ist diese Eigenschaft nicht sehr hilfreich.

[00:15:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diese Eigenschaften das sind nicht immer nur schlecht oder immer nur gut sondern
immer kontextabhängig.

[00:15:29.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS waren auf einem gewissen Gebiet evolutionstechnisch im
Vorteil.

[00:15:42.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Menschen.

[00:15:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Deutschschweizer sprechen wir vom südländischen Temperament.

[00:16:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Schon im Tessin ist es anders.

[00:16:02.812] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/zuerich/im-tessin-wird-ritalin-weniger-oft-verschrieben-als-in-der-deutschschweiz-ld.621181

[00:16:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird in den südlichen Länder weniger diagnostiziert, weil es
dort mehr dazu gehört.

[00:16:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich einen Markt vorstellen, eine Handelssituation, wenn man dort eine breite
Aufmerksamkeit hat, macht man wahrscheinlich schnellere Deals und mehr Deals, als
wenn man immer nur auf etwas fokussiert ist.

[00:16:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um eine wissenschaftliche Angelegenheit geht, dann muss man nur auf etwas
fokussiert sein und dann dort in die Tiefe gehen.

[00:16:36.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann mehr die ADHS/ADS Menschen, die nach innen schauen und Dinge
ganz genau anschauen.

[00:16:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht haben sie Jugendliche oder vielleicht auch schon Erwachsene, die gescheitert
sind in der Pubertät.

[00:16:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gescheiterte Pubertät führt am meisten zu psychischen Krankheiten.

[00:17:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Die meisten psychische Krankheiten beginnen in der Pubertät, 50% von 15 bis 20
Jährigen, 75% bis 25 Jahre, ein hoher Prozentsatz.

[00:17:22.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät ist eine absolut risikoreiche Entwicklung für den Menschen.

[00:17:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum spielt es eine Rolle, wie man mit den Jugendlichen umgeht.

[00:17:29.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sollen sie tun, was wäre hilfreich im Umgang mit ADHS/ADS Jugendlichen?

[00:17:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes müssen sie vergessen, irgendetwas vorantreiben zu wollen, irgendetwas
erreichen wollen, was sie denken wäre gut für den Jugendlichen.

[00:17:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als allererstes müssen sie probieren, den Jugendlichen wahrzunehmen.

[00:18:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen versuchen den ADHS/ADS Jugendlichen in seiner Persönlichkeit
wahrzunehmen, natürlich auch seine Umgebung und Herkunft wahrnehmen.

[00:18:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Versuchen zu verstehen: wie ist der AHDS/ADS Jugendliche geprägt worden?

[00:18:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Probieren zu verstehen wie ist sie/er geprägt worden ist, was ist das Umfeld gewesen,
wie gut hat das Umfeld zu seiner Persönlichkeit gepasst oder wie schlecht?

[00:18:24.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind heutzutage sehr lösungsorientiert, alles muss schnell gehen, Zeit ist Geld.

[00:18:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Tendenz schon im voraus zu verstehen wie der Jugendliche ist und sagt
dann gleich, wo es durch gehen muss.

[00:18:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gefährlich.

[00:18:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss auch den Therapeuten, ich muss den Eltern das auch sagen: nicht so schnell
zur Lösung gehen.

[00:18:48.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst einmal genauer wahrnehmen.

[00:18:53.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sie die jungen Pubertierenden genauer wahrnehmen können, müssen sie ihnen
auf Augenhöhe begegnen und nicht allwissend sein.

[00:19:03.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen überhaupt keinen Druck auf aufsetzen.

[00:19:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen überhaupt nicht ehrgeizig sein.

[00:19:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich genügend Zeit lassen, die jungen Menschen kennenzulernen.

[00:19:17.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Junge Menschen kann man nicht nur kennenlernen in dem man sie ausfragt wer sie
sind und was sie wollen.

[00:19:22.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Menschen kann man auch indirekt kennenlernen in dem man sie fragt, was für
Musik sie hören, was ihre Idole sind, was für Filme sie schauen, was für TikTok Filme
sie schauen, was für Freunde sie haben.

[00:19:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Jugendlichen direkt fragt: Wie geht es dir?

[00:19:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt nichts.

[00:19:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe wieder und wieder, dass ich so Jugendliche, die mit der Psychiatrie in
Kontakt gekommen sind, dass sie das Gefühl haben, man hat sie überhaupt nicht
verstanden, man hat sie überhaupt nicht abgeholt.

[00:20:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Jugendlichen arbeitet gilt immer: You never have a second chance to
make a first impression.

[00:20:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der erste Eindruck, den man bei den Jugendlichen macht, sie sind sehr kritisch, ist
ausschlaggebend.

[00:20:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es bei der ersten Kontaktaufnahme nicht geschafft hat, dann kann man es
vergessen, man wird auf den Abfallhaufen geworfen.

[00:20:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist ganz wichtig, wie man rüberkommt.

[00:20:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht zögerlich sein.

[00:20:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch nicht meinen, gleich alles zu wissen und dem Jugendlichen gleich den
Weg aufzeigen wo es durchgeht.

[00:20:34.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier haben wir Mediziner natürlich einen schweren Stand. Wir Mediziner wissen immer
gleich alles. Wir haben alles gelernt.v

[00:20:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir meinen, es dann zu wissen.

[00:20:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendpsychiatrie ist etwas sehr Schwieriges.

[00:20:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendpsychiatrie ist eine sehr feine Angelegenheit, man darf nicht zu zögerliche
auftreten und auch nicht zu allwissend.

[00:20:56.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch nicht unsicher auftreten. Sobald die Jugendlichen merken, dass man
unsicher ist, ist der Zug auch schon wieder abgefahren.

[00:21:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche wollen ein klares Gegenüber, das offen ist.

[00:21:15.239] – Dr.med. Ursula Davatz

Jugendliche wollen kein Gegenüber, das schon in irgendeine Richtung eingespurt ist.

[00:21:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Um die Jugendlichen kennenzulernen, muss man die Jugendlichen wahrnehmen aber
nicht nur sie wahrnehmen, denn die starke Fokussierung mögen die Jugendlichen auch
nicht.

[00:21:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser wenn man mit den Jugendlichen über irgendein Thema spricht.

[00:21:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man weiß, was die Jugendlichen interessiert, sollte man über das Thema
sprechen wovon man selber auch eine Ahnung hat.

[00:21:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche wollen auch gefragt werden, dass sie einem auch informieren können.

[00:21:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und versuchen sie
kennenzulernen.

[00:21:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe wieder in die Tierwelt.

[00:21:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem Tier kann man auch nicht sagen, du musst jetzt das machen und jetzt das
machen. Damit man ein Tier führen oder dressieren kann, muss man sein Wesen
kennenlernen.

[00:21:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Wesen von einem Tier nicht kennt, dann kann man es auch nicht
dressieren.

[00:22:13.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen versuchen das Wesen des Jugendlichen zu erkennen. Jeder ist wieder
anders.

[00:22:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Wesen erkennen, gehört auch das Umfeld dazu; woher kommen sie und wie war
die Interaktion in ihrer Herkunftsfamilie.

[00:22:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Möglichkeit sollte man nicht mit pathologischen Begriffen operieren.

[00:22:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre oft: meine Tochter hat eine Depression. Der Jugendliche selber sagt schon: ich
glaube ich habe eine Depression.

[00:23:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird mit psychopathologischen Begriffen aus der Psychiatrie operiert, das bringt
überhaupt nichts.

[00:23:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Depression ist immer der Anfang zur Selbstfindung.

[00:23:15.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden aus welchem Grund man in das tiefe Tal gerutscht ist.

[00:23:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kennzeichnung mit dem Begriff Depression, bringt einem Menschen gar nichts.

[00:23:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss besser verstehen, woher die Menschen kommen.

[00:23:33.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen oder die medizinischen Diagnose, werden oft auch als Feigenblatt,
als Schutzschild verwendet.

[00:23:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Depression, darum kann ich das nicht.

[00:23:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch heissen ich habe ein ADHS/ADS, darum kann ich das nicht.

[00:23:50.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man fragen: was hiesst denn das, was verstehst du darunter? Wie erklärst
du dir das?

[00:23:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wieder auf die menschliche Kontaktebene kommen und von dort her dann
weitergehen.

[00:24:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die reellen Probleme anschauen, welche zu diesem Zustand geführt haben.

[00:24:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist auch, wenn man mit Jugendlichen arbeitet, dass man selber authentisch ist.

[00:24:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann gar nichts vormachen, die Jugendlichen merken das sofort.

[00:24:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Jugendlichen etwas vormacht, dann werden die Jugendlichen sofort in
diese Achillesferse hineinstechen.

[00:24:34.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch Probleme haben, man darf auch sagen: das macht mir Schwierigkeiten,
das ertrage ich nicht so gut.

[00:24:41.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht autoritär vorgehen.

[00:24:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen etwas tun, das einem wirklich gegen den Strich geht, darf man
auch sagen: nein, das mag ich nicht, in dieser Situation möchte ich gerne das.

[00:24:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig dass man sagt: Ich will zusammen mit dir diesen Weg gehen.

[00:25:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass wir das zusammen lernen.

[00:25:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer auf Augenhöhe sein.

[00:25:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Augenhöhe kommt jetzt sogar in der Medizin.

[00:25:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Arzt muss man auch mit dem Patienten auf Augenhöhe sprechen, damit der Patient
mitentscheiden kann.

[00:25:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei den Jugendlichen ganz speziell wichtig.

[00:25:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dort einen Fehler macht, ist man ganz schnell abserviert.

[00:25:26.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivation ist etwas Schwieriges.

[00:25:35.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Jugendlichen zu etwas motivieren wollen und sie die Jugendlichen
motivieren, indem sie die Jugendlichen stossen oder ihnen zuviel anbieten, dann lernen
sie eigentlich nur Widerstand machen.

[00:25:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man probiert, irgendetwas herauszufinden, was die Jugendlichen interessieren
könnte, das einem auch ein bisschen interessiert und wo vielleicht der Jugendliche
einem etwas erklären kann, dann läuft man auf einer besseren Schiene.

[00:26:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man in einen besseren Prozess rein.

[00:26:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig in dem Augenblick ist, dass es eine Kooperation ist.

[00:26:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt das. Ich möchte dich bitten, mir zu helfen.

[00:26:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche in die Kooperation reinholen und nicht zur Gehorsamkeit zwingen.

[00:26:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche in der Pubertät sind oppositionell, sie sind rebellierend.

[00:26:34.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man den Jugendlichen befiehlt umso mehr rebellieren sie.

[00:26:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Jugendliche etwas tun, dass man nicht möchte, dann darf man auch sagen: nein,
das will ich nicht.

[00:26:50.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei sich bleiben.

[00:26:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das nicht in diesem Atelier oder in dieser Situation.

[00:26:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: nein, das darfst du nicht machen.

[00:26:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Keinen Befehl geben, sondern eine eigene Meinungsäusserung, eine Standhaftigkeit
tätigen.

[00:27:08.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das geht bei mir nicht.

[00:27:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Energie bei sich behalten.

[00:27:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht die Energie auf den Jugendlichen übertragen, du darfst nicht, du solltest
nicht.

[00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn Probleme auftreten, wenn man nicht vom Fleck kommt, dann nicht gleich zur
Lösung schreiten und sagen: das läuft jetzt falsch, jetzt müssen wir es so machen,
sondern dort sich auch Zeit nehmen, das Problem zu validieren.

[00:27:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben hier jetzt ein Problem zusammen.

[00:27:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen wir hier jetzt aus dem Loch?

[00:27:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Familie mit Jugendlichen haben und die Eltern sind im Clinch mit dem
Jugendlichen, dann schildere ich zuerst das Problem.

[00:27:53.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter will das, der Vater will das, das passt nicht zusammen.

[00:27:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen wir jetzt?

[00:28:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jugendlichen auch um die Lösung fragen.

[00:28:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die fertige Lösung präsentieren, sondern den Jugendlichen mit an der
Problemlösung beteiligen.

[00:28:09.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen.

[00:28:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Oft sagt der Jugendliche: keine Ahnung.

[00:28:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss man Geduld haben, sitzen bleiben und nicht gleich mit den eigenen
Fertiglösungen einfahren.

[00:28:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Stillstand der Entwicklung auch ein wenig aushalten können.

[00:28:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle habe ich oft Probleme mit der IV.

[00:28:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Jugendliche habe, die komplett aus ihrer Rolle gefallen sind, dann kommt die
IV und sagt: jetzt haben wir schon so viel gemacht und es geht immer noch nicht.

[00:28:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich sagen: halt, stopp, der ist noch nicht so weit.

[00:28:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Ärztin wehre mich dann wahnsinnig gegen die IV, dass sie mich nicht drängt.

[00:28:59.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine junge Klientin, seit sie 17 Jahre alt war, heute ist sie 21 Jahre alt.

[00:28:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat zwei oder drei Lehrstellen angefangen.

[00:29:05.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat nie funktioniert, weil das alles nicht zu ihr gepasst hat, einfach nicht gepasst hat.

[00:29:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich wirklich die Zeit nehmen und sagen: ja, wir sind noch nicht so weit.

[00:29:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bauern sagen: das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

[00:29:23.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an den Jugendlichen reisst oder sie stosst, entwickeln sie ihre Persönlichkeit
nicht und sie sind dann auch nicht selbstmotiviert.

[00:29:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Jugendlichen, welche Schwierigkeiten machen, müssen eigentlich selbstmotiviert
sein.

[00:29:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Um seine Selbstmotivation zu finden, braucht es eine gewisse Zeit.

[00:29:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Probleme hat, muss man nach Problemlösungen suchen, den Jugendlichen
mit einbeziehen. Nicht selber schon das Fertigmenü präsentieren. Das macht nur
Widerstand und Rückzug.

[00:30:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Fortschritte geben.

[00:30:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte jemand, die ist immer zu spät gekommen. Die Therapeutin wurde dann immer
ungehalten. Du bist schon wieder zu spät, was ist los mit dir? Das geht nicht. Du musst
trotzdem bezahlen. Ich habe die Person dann übernommen.

[00:30:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Patientin kam dann fünf Minuten vor dem Ende ihrer Sitzung. Meine Reaktion war
dann: schön, dass sie noch kommen.

[00:30:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinsten Fortschritte wahrnehmen und daran Freude haben.

[00:30:43.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort der Patientin war: sie sind die erste, welche mich lobt, dass ich überhaupt
noch komme.

[00:30:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinsten Fortschritte sehen und mit denen gehen, das motiviert. Wenn man immer
kritisiert, dann wird es nur negativ.

[00:30:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas nicht funktioniert, wenn man versagt, wenn Symptome auftreten, dann soll
man nicht wie die Mediziner die Symptome bekämpfen.

[00:30:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner bekämpfen die Symptome mit Medikamenten, die entweder aufheitern
oder runter dämpfen.

[00:31:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Symptome bekämpfen sondern immer wieder auf die Situation eingehen, auf
den Jugendlichen eingehen, auf die menschliche Interaktion eingehen

[00:31:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Störungsmomenten suchen in der Interaktion. Was hat die Interaktion des
Jugendlichen gestört?

[00:31:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wasser.

[00:31:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den körperlichen Krankheiten kann man die Symptome bekämpfen, bei den
psychiatrischen Krankheiten bringt es nichts wenn man die Symptome bekämpft.

[00:31:40.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen und steht immer in der Interaktion mit seinem
Umfeld.

[00:31:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: wo die Interaktionsfehler sind und wie könnte man die beheben?

[00:31:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktionsfehler können bei ihnen liegen, bei einem selber oder bei einem
anderen Mitarbeiter.

[00:31:58.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktionsfehler können auch zu Hause liegen, mit dem Vater oder der Mutter
oder mit anderen Mitarbeitern.

[00:32:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Interaktionsfehler finden.

[00:32:22.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen helfen, wie sie selber den Interaktionsfehler korrigieren
können.

[00:32:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel hat man die Haltung: man will sein Umfeld ändern, damit man selber gleich
bleiben kann.

[00:32:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem
Auge bemerkst du nicht? “ (Matthäus 7,3)

[00:32:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf psychiatrisch sagt man dem: externalisieren.

[00:32:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche haben die Tendenz zu externalisieren.

[00:32:54.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir geht es schlecht, weil der andere sich so komisch benimmt. Der andere soll sich
bitte ändern.

[00:32:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Eltern beraten kann, dann lernen die vielleicht etwas und dann läuft es
auch besser.

[00:33:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man am Umfeld nichts ändern kann, dann muss man mit dem Jungendlichen
schauen, was der anders machen könnte.

[00:33:10.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen unterstützen in diesem anders machen.

[00:33:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft können die Jugendlichen das nicht so gut und man muss die Jugendlichen in
mehreren Dingen unterstützen.

[00:33:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die Jugendlichen merken, dass etwas anderes zurück kommt, wenn sie sich
anders benehmen: Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück.

[00:33:35.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich anders in den Wald rufe, dann kommt etwas anderes zurück.

[00:33:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft steckt hinter dem Fehlverhalten der Jugendlichen eine grosse Scheu.

[00:33:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen trauen es sich nicht zu.

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Systemfehler, den Interaktionsfehler suchen und überlegen wie man den
Jugendlichen den Rücken stärken kann.

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man die Jugendlichen stützen, damit sie leicht anders vorgehen und es auch
ein anderes Resultat gibt?

[00:33:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Jugendlichen helfen standhaft zu bleiben und vielleicht schauen, dass
sie leicht andere Verhaltensweisen lernen.

[00:34:06.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Menschen sind soziale Wesen, die müssen in die Welt hinaus.

[00:34:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben die jungen Menschen sehr Angst vor dieser Welt, sie haben Angst nicht
bestehen zu können und verweigern sich deshalb oder benehmen sich ganz extrem.

[00:34:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meine Gedanken zu den Jugendlichen und jetzt haben wir noch Zeit zum
diskutieren.

[00:35:15.700] – Bemerkung 1
Was sie gesagt haben, erinnert mich an die neue Autorität von Haim Omer. Bei Haim
Omer geht es um die Präsenz. Es geht nicht um die Gehorsamkeit sondern um die
Kooperation. Es geht um die gemeinsame Kooperation auf Augenhöhe.

[00:35:58.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[00:35:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Haim Omer spricht von der gewaltfreien Kommunikation.

[00:36:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe vom psychologischen her einen Schritt weiter und sage: bedürfnisorientierte
Kommunikation.

[00:36:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich für meine Bedürfnisse einstehe, wenn die gehört werden, dann muss ich gar
nicht gewalttätig werden.

[00:36:20.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch wird dann gewalttätig, wenn er sich nicht gehört fühlt.

[00:36:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann gewaltfrei kommunizieren, indem man früher sagt, was man will.

[00:36:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie können die Jugendlichen stützen, indem sie die Jugendlichen fragen: was brauchst
du eigentlich? Was willst du? Was beschäftigt dich? Wo kommst du unter die Räder?

[00:36:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Jugendlichen beibringen: wie kann seine Bedürfnisse sagen?
Jeder hat das Recht seine Bedürfnisse zu sagen.

[00:36:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache das folgende Bild: Sie müssen sprechen, wenn sie das Wasser auf der
Brustebene haben, nicht wenn sie das Wasser auf Nasenhöhe haben.

[00:36:43.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Wasser über dem Maul und über der Nase steht, dann kann man nur noch
schreien und zappeln und machen.

[00:37:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versteht kein Mensch etwas.

[00:37:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter der gewaltfreien Kommunikation steckt die bedürfnisorientierte Kommunikation.

[00:37:21.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kleinkind kann man seine Bedürfnisse nicht sagen, das muss die Mutter merken
und der Vater muss merken, was mit einem ist.

[00:37:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene können es auch nicht, weil Bedürfnisse so schnell überfahren
werden.

[00:37:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beobachten, schauen und herausfinden und dann den Jugendlichen helfen,
dass sie ihre Bedürfnisse auf eine sozialverträgliche Art melden.

[00:37:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann niemand etwas sagen gegen das Bedürfnis, welches der andere sagt.

[00:37:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Bedürfnisse sind nicht: du bist ein blöder Affe und benimm dich ein wenig besser,
sondern Bedürfnisse sind: ich ertrage das nicht.

[00:38:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine junge Frau, welche die KV Lehre angefangen hat. Sie hat sich vom Chef
falsch behandelt gefühlt und wollte nicht mehr zur Arbeit gehen.

[00:38:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sie dann zu mir geschickt und wir haben besprochen, wie sie es dem
Chef sagen kann.

[00:38:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es dann dem Chef gesagt und der Chef hat sich dann bei ihr bedankt und sie
hat ihre Lehre dort fertig gemacht.

[00:38:31.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Hätte ich sie einfach davon laufen lassen, wäre das nicht möglich gewesen.

[00:38:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewaltfreie Kommunikation ist bedürfnisorientierte Kommunikation, dass man lernt
seine Anliegen zu kommunizieren.

[00:38:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Gehirn Ebene kann man sagen: wenn man seine Gefühle in Worte fasst, dann geht
50% vom Stress im Kopf geht weg.

[00:38:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man: If you name it, you tame it.

[00:39:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Probleme benennt, dann zähmt man seine eigenen Emotionen.

[00:39:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen haben noch keine so gute Impulskontrolle, speziell diejenigen, welche
Probleme haben.

[00:39:23.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren, zu benennen, dann
zähmen die Jugendlichen gleichzeitig ihre Bedürfnisse.

[00:39:31.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das emotionale Gehirn die Erlebnisse in Worte fassen und beschreiben kann,
dann kann man das besser ablegen im Großhirn und dann hat man das wieder zur
Verfügung.

[00:39:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsene die schon weiter sind und unsere impulsiven Gefühle besser im Griff
haben, müssen den Jugendlichen helfen. Eine Art wie eine Hebammenleistung.

[00:40:05.770] – Bemerkung 2
Die digitalen Medien sind für die Jugendlichen mit einer breiten Aufmerksamkeit sehr
befriedigend. Es kommt immer wieder ein neuer Reiz und eine neue Belohnung. Wie
kommt man dagegen an?

[00:40:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Frage, welche ich mir auch immer wieder überlegen muss.

[00:41:09.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Die schnellen Reize und die schnelle Belohnung, das bleibt immer an der Oberfläche.

[00:41:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt keine Sozialkompetenz.

[00:41:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt nur schneller die Knöpfe zu drücken, erfolgreicher sein und Punkte sammeln.

[00:41:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) ist es umso wichtiger, dass wir unsere
menschlichen Fähigkeiten trainieren.

[00:41:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der KI kann man heute alles holen, man muss nicht mehr so viel lernen.

[00:41:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Menschen wahrnehmen, die Mimik wahrnehmen, alle Zwischentöne
wahrnehmen, das kann der Computer nicht.

[00:42:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer kann nur das, was man ihm gefüttert hat.

[00:42:01.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Röntgenologin gefragt ob sie auch mit KI arbeitet? Sie hat gesagt: ja.

[00:42:01.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo die KI sehr gut trainiert ist, ist die Diagnose sogar besser. Bei Diagnosen für
Hauterkrankungen ist die KI zum Teil sogar besser.

[00:42:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas ein bisschen anders ist, dann ist das Resultat der KI unbrauchbar.

[00:42:28.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist noch hundertmal besser.

[00:42:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können die Computerprogramme für das verwenden.

[00:42:34.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass sich die Jugendlichen menschlich entwickeln. Das brauchen wir in der
Zukunft.

[00:42:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen einen Fokus auf das rein menschliche legen, was der Computer nicht kann.

[00:42:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht davon, dass der Computer das menschliche Gehirn überholt.

[00:42:49.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, der Computer überholt das menschliche Gehirn nicht.

[00:42:49.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss gegen diesen Glauben reden.

[00:42:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Vertiefung.

[00:42:59.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind alle Reklamen sehr flach, nur zweidimensional, nicht mehrdimensional.

[00:43:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es war noch nie so wichtig, dass der Mensch seine Mehrdimensionalität, seine
Menschlichkeit entwickelt.

[00:43:29.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wichtigste ist die Sozialkompetenz.

[00:43:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sehe, was unsere Politiker und Lehrer an Sozialkompetenz an den Tag legen,
ist das nicht so toll.

[00:43:46.990] – Bemerkung 3
Hinter der Oberflächlichkeit herrscht eben trotzdem noch ein tieferes Bedürfnis.

[00:44:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr differenziert über menschliche Situationen zu sprechen, ist etwas sehr
befriedigendes.

[00:44:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie siehst du das? Wie hast du den interpretiert? Wie war diese Mimik?

[00:44:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Unterhaltung gibt eine menschliche Tiefe.

[00:44:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht mehr nur Dichter und Denker die das machen.

[00:44:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss zu einem kleinen Philosoph werden.

[00:44:30.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die automatisierten Dingen, können immer mehr von Maschinen übernommen werden.

[00:44:31.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es den Jugendlichen glaubhaft rüberbringen und muss selber davon
begeistert sein. Man darf nicht gegen das andere kämpfen. Man muss sagen: ich habe
hier etwas viel besseres.

[00:44:56.600] – Bemerkung 4
Die Jugendlichen müssen erfahren, dass das besser ist, damit sie es abkaufen.

[00:45:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule werden jedem Schüler Techniken beigebracht. Die Gruppendynamik hat
man überhaupt nicht im Griff. Weder auf dem Pausenplatz noch in der Schule.

[00:45:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr ein Auge entwickeln für die Gruppendynamik, für was alles läuft.

[00:45:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier braucht es wieder die breite Aufmerksamkeit.

[00:45:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind wieder die Interaktionen.

[00:45:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der Jugendlichen, die ich in Thearpie habe, sagen: ich wurde dort gemobbt.

[00:45:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre eigentlich Aufgabe der Schule gewesen, das zu verhindern.

[00:45:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, da wird darüber hinweg geschaut.

[00:45:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle Eltern in die Schule gehen und sagen: mein Kind wird gemobbt und jeder tritt
nur für das Einzelne ein, dann hat man die Gruppendynamik wieder nicht im Griff.

[00:45:56.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppendynamik ist etwas hochinteressantes, die muss man studieren.

[00:46:11.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat versucht herauszufinden, welches Team am besten funktioniert.

[00:46:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte denken, wenn man lauter Harvard Absolventen hat, dann funktioniert das
Team am besten. Das wäre ein Kuchen nur aus Rosinen. Das hält überhaupt nicht
zusammen.

[00:46:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat lange untersucht, das Resultat ist eine Banalität.

[00:46:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein bisschen Sozialkompetenz hat, kann man das sofort sagen.

[00:46:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Teams wo alle gleich viel Zeit zum reden hatten und wo die Mitglieder
Empathiefähigkeit hatten, also gemerkt haben, wie es dem anderen geht, diese Teams
haben am besten funktioniert.

[00:47:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen spielen hier eine grosse Rolle, die schauen mehr darauf.

[00:47:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind oft zielgerichteter und Resultat orientiert.

[00:47:11.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Equal speaking time, gleich viel Zeit um sprechen, gleich viel Sozialpräsenz und
merken wie es dem andern geht.

[00:47:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht lauter Beste, lauter Alphatiere.

[00:47:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Pflegen. Wir dürfen uns nicht davontragen lassen von dem Hype, alles
technische ist am besten, wer mathematisch am besten ist, ist der Tollste.

[00:47:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt alles nicht.

[00:47:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen auch die menschliche Kompetenz.

[00:47:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder macht es wieder ein wenig auf eine andere Art und Weise.

[00:48:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen dafür einstehen.

[00:48:00.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde es von der Religion her gesagt, der Pfarrer hat es gesagt.

[00:48:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage müssen wir selber für die Sozialkompetenz einstehen, auch ohne Religion.

[00:48:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann die Religion zu Hilfe nehmen, aber nicht alle sprechen darauf an.

[00:48:24.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wirklich selber sagen.

[00:48:24.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethik und Moral ist etwas absolut persönliches und kann nicht über ein Gesetz
weitergegeben werden.

[00:48:24.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethik und Moral müssen empfunden werden.

[00:48:26.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sprechen hört man die gefühlte Realität. Hier arbeitet man mit seiner ethischen
Empfindung.

[00:48:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn man es so rüberbringt, dann wird es vom Gegenüber auch
entgegengenommen.

[00:48:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nur als Dogma rüber kommt, dann funktioniert es nicht.

[00:49:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden alle Philosophen, Priester, ohne dass sie die Welt missionieren wollen.

[00:49:13.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung sagen sie, was für sie wichtig ist.

[00:49:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht: das macht man nicht, das gehört sich nicht.

[00:49:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist: ich will das nicht.

[00:49:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist: mir ist das wichtig.

[00:50:49.870] – Bemerkung 5
In Basel spricht man von Menschen mit Beeinträchtigungen, sei dies psychisch oder
geistig. Von diesem Menschen sagt man sie seien beeinträchtigt im Denken, Fühlen
und Handeln. Das mussten wir auswendig lernen als Arbeitsagogen.

[00:51:15.310] – Bemerkung 5
Ich will die Menschen immer auf der Herzensebene erwischen, auf der emotionalen
Ebene. Sie haben das sehr gut gesagt.

[00:51:25.390] – Bemerkung 5
Die Herzensebene ist die Form der Kommunikation.

[00:51:30.070] – Bemerkung 5
Wenn wir Jugendliche auf eine spielerische und auf eine klare Art auf der
Herzensebene erfassen, dann kann der Draht entstehen.

[00:52:21.880] – Bemerkung 5
Meinen Weg, den ich gehe, ist der richtige.

[00:52:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Super das freut mich.

[00:52:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere immer Antoine de Saint-Exupéry.

[00:52:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein intelligenter Pilot, Schriftsteller vom Petit Prince.

[00:52:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry sagt: Man sieht nur mit dem Herzen gut.

[00:52:24.687] – Dr.med. Ursula Davatz
On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.

[00:52:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das. Auf Herzensebene angehen.

[00:52:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut consulter votre coeur.

[00:52:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Herz fragen, was das empfindet in der Situation.

[00:52:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man es auf die intellektuelle Ebene, auf die verbale Ebene hinaufholen. Das
Herz muss miteinbezogen sein.

[00:53:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Herz mit einbezogen ist, dann stimmt es, dann ist es ganzheitlich.

[00:53:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nur auf intellektueller Ebene ist, da kann man das Blaue vom Himmel lügen,
es klingt logisch gut, aber es ist falsch.

[00:53:22.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss von der Herzensebene her kommen und das integrieren.

[00:53:30.130] – Bemerkung 6
Wir haben einen sozialen Hintergrund. Wir arbeiten gerne mit Menschen, sonst hätten
wir nicht diesen Beruf. Ich habe oft erlebt, dass man über einen Menschen in der dritten
Person gesprochen hat. Das war am Anfang von meiner Karriere. Ich habe mir gesagt:
genauso will ich nicht werden. Das war ein Spiegel für mich.

[00:53:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:54:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gesagt von der Herzensebene her kommen und auf eine spielerische Art und
Weise.

[00:54:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut.

[00:54:22.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich achte auf die vier Stressverhaltensmuster: Fight, Flight Freeze und Tease.

[00:54:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist spielerisch.

[00:54:38.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche Jungtiere, junge Menschen können spielen und machen das auch.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Spielverhalten, das Spielerische erlaubt lernen.

[00:54:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn wir mit unserem Gegenüber spielerisch in Kontakt sind, dann lernen wir und der
andere lernt.

[00:55:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es bei allen Jungtieren beobachten, wie die miteinander spielen.

[00:55:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere spielen auch artübergreifend.

[00:55:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Katze spielt mit einem Huhn.

[00:55:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Tiere in der Lage sind artübergreifend spielerisch zu sein, sollten wir auch
menschenübergreifend in der Lage sein, spielerisch zu sein.

[00:55:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spielerische macht frei und hilft beiden Seiten zu lernen.

[00:55:47.520] – Bemerkung 7
Sie haben einmal gesagt: Diagnosen sind etwas für Krankenkassen und Menschen,
welche das für den Moment brauchen aber sonst sollte man nicht damit arbeiten.

[00:55:54.450] – Bemerkung 7
Die Krankheit ist sehr defizitorientiert, man wird gestempelt.

[00:56:06.150] – Bemerkung 7
Wir leben alle in der Spannung der IV, es muss vorwärts gehen, es geht um Geld, keine
Zeit.

[00:56:06.330] – Bemerkung 7

Ich erlebe es immer mehr, dass die Zeit der wichtige Schlüssel ist, das Zuhören.

[00:56:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür muss man sich wehren.

[00:56:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht diese Zeit lässt, dann sind alle Interventionen: ausser Spesen
nichts gewesen.

[00:56:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich hier am Anfang mehr zu investieren, anstatt immer etwas neues
anzufangen.

[00:56:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Patienten: ausser Spesen nichts gewesen.

[00:57:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:57:03.470] – Bemerkung 7
Es kostet langfristig nur mehr.

[00:57:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wehre mich wie eine Löwenmutter, dass von der IV nicht gedrängt wird. Das bringt
nichts.

[00:57:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Klientin lernt jetzt selber. Sie kann das Lernen verwenden, damit sie nicht mehr
über alle ihre Probleme nachdenken muss. Davor hatte sie sehr viele Diagnosen. Die
hat alles nichts gebracht.

[00:57:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Defizitorientierte bringt gar nichts, das hilft nicht dabei, die Persönlichkeit weiter zu
entwickeln, das hilft nur sich selber abzulehnen.

[00:57:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sehr viel Geld sparen, wenn wir mehr entwicklungsorientiert mit diesen
jungen Leute arbeiten, anstatt defizitorientiert.

[00:57:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Medizinerin, hier bin ich sehr, sehr kritisch, je länger je mehr.

[00:57:49.920] – Bemerkung 7
Ja das denke ich auch.

[00:57:50.270] – Bemerkung 7
Das war sehr spannend.

Gesellschaft unter Hochdruck

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
15.3.2024
Gesellschaft unter Hochdruck
Audio

[00:00:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema der heutigen Weiterbildung lautet: Wie gehe ich mit Angst und Stress? Um Gesellschaft unter
Hochdruck.

[00:00:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema Gesellschaft unter Hochdruck hätte nicht besser gewählt werden können für die heutige Zeit.

[00:00:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Leute haben Angst davor.

[00:00:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle nicht ängstlich. Sie sind alle hierher gekommen.

[00:00:32.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man heute einen öffentlichen Vortrag haltet, dann kann man nicht daran vorbeikommen, die
heutige Weltsituation anzuschauen.

[00:00:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Weltsituation beschäftigt uns alle.

[00:00:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz
In jeder Stunde höre ich von meinen Patienten, was da läuft. Oh, wie schrecklich!

[00:00:52.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Schreckensszenarien. Es herrscht sehr viel Angst.

[00:00:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte die Gelegenheit dazu verwenden, auf eine andere Schiene zu kommen.

[00:01:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss zuerst ein paar grundlegende Bemerkungen machen.

[00:01:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich beginne bei der Neuropsychologie des Gehirns.

[00:01:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurowissenschaften haben in letzter Zeit großen Aufwind bekommen.

[00:01:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel geforscht, es werden alle Details angeschaut. Ich bringe jetzt eine Forschungsweise.

[00:01:32.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Forschung von Elena Brivio: Sex shapes cell-type-specific transcriptional signatures of stress
exposure in the mouse hypothalamus.

[00:01:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz
[ PhD from Max Planck Institute of Psychiatry | Science communication enthusiast | Researcher in sex
differences in stress with single-cell transcriptomicsRehovot, Zentralbezirk, Israel ]

[00:01:36.952] – Dr.med. Ursula Davatz
[ https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9 ]

[00:01:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme an, eine Italienerin, die in Israel arbeitet, ausgerechnet dort wo jetzt alles drunter und drüber
geht.

[00:01:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Elena Brivio hat männliche und weibliche Gehirnstrukturen untersucht unter Stress.

[00:01:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Untersuchung von Elena Brivio hat ergeben, dass die weibliche Gehirnstruktur unter Stress mit
Vernetzung reagiert.

[00:02:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weibliche Gehirn macht mehr Oligodendrozyten, Nervenauswüchse, vernetzt vermehrt.

[00:02:16.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich das umsetze auf das normale Leben, sage ich: die weiblichen Wesen suchen nach neuen
Lösungen.

[00:02:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männliche Gehirn, das hat sich vereinfacht unter Stress. Es hat eher Vernetzungen abgeschaltet und
eine "Autobahn" gemacht.

[00:02:43.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ formuliert: Das männliche Gehirn fährt bei Stress gegen die Wand, es ist einfacher geworden.

[00:02:43.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Untersuchung wurde nicht am menschlichen Hirn gemacht, das kann man nicht, will man nicht, darf
man nicht, sondern an Rattenhirnen.

[00:03:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratten sind schon Säugetiere.

[00:03:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz viele Untersuchungen in der Pharmakotherapie werden an Ratten durchgeführt.

[00:03:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher kann man dieses Beispiel durchaus auch auf den Menschen übertragen.

[00:03:20.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weibliche Gehirn sucht nach Lösungen, das männliche Gehirn sucht nach Machterhaltung.

[00:03:27.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Glück haben wir einen Mann dabei. Ich will, dass sie als Mann Stellung nehmen zu meiner Theorie.

[00:03:27.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Übersetzt auf die menschliche Verhaltensebene, kann man sagen, Frauen suchen nach Lösungen,
Männer suchen nach Dominanz.

[00:03:58.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dominanzverhalten ist Verteidigung des Territoriums, Verteidigung der Brut, Verteidigung des Weibchens.

[00:04:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf unser System ausgedrückt suchen die Männer nach Machterhaltung, Strukturerhaltung, Sieg.

[00:04:22.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Es wird jetzt immer von Sieg geredet.

[00:04:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Vladimir Putin will siegen, Benjamin Netanjahu will siegen.

[00:04:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt es auf der heutigen Welt nicht mehr.

[00:04:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssten nur noch zusammenarbeiten.

[00:04:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat den Affen verschiedene Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt, die sie nicht gewohnt waren. Zum
Beispiel Getreide in den Sand geworfen. Dann hat ein junges Äffchen, es war ein Weibchen, hat diese
Mischung von Sand und Getreidekörnern ins Wasser geworfen, die Getreidekörner sind auf
geschwommen und der Sand ist abgesunken.

[00:05:08.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann konnte man das essen.

[00:05:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kinder darum herum haben das gelernt. Die Mütter haben es auch gelernt.

[00:05:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Der dominante Affe hat es nie gelernt. Er war zu sehr beschäftigt mit der Machterhaltung.

[00:05:25.328] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.eva.mpg.de/documents/Springer/Allritz_Food_Primates_2013_1760016.pdf

[00:05:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Situationen ist das absolut notwendig und auch richtig.

[00:05:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute geht das nicht mehr. Wir sind eine globale Welt. Die Wirtschaft läuft schon länger global.

[00:05:40.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die macht Systeme, die gehen noch nach altem Stil.

[00:05:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir mit einer systemischen Betrachtung in die Geschichte zurück und schauen, welche Männer
sind da jeweils aufschwungen und haben beigetragen zur Machterhaltung oder eben zur
Machtausweitung?

[00:06:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele dieser Herrscher waren Kinder von alleinerziehenden Müttern.

[00:06:19.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne geht uns die ganze Geschichte etwas an.

[00:06:23.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Julius Cäsar wurde von einer Mutter und einer Tante erzogen.

[00:06:28.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bill Clinton wurde von einer alleinerziehenden Mutter erzogen, Gerhard Schröder wurde von einer
alleinerziehenden Mutter erzogen, Barack Obama ebenfalls, Vladimir Putin auch.

[00:06:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte von Vladimir Putin, weiß man nicht so genau, sie wurde im Economist einmal erzählt.

[00:06:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
[ https://www.economist.com/obituary/2023/06/08/vera-putina-claimed-to-be-vladimir-putins-real-mother ]

[00:06:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Adolf Hitler wurde auch von einer alleinerziehenden Mutter erzogen.

[00:06:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mütter können die Welt beeinflussen, zum Positiven und zum Negativen.

[00:07:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist denn anders, wenn ein Sohn von einer alleinerziehenden Mutter erzogen wird?

[00:07:16.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt die systemische Betrachtung.

[00:07:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Sohn wird eine Mutter nie als männliches Gegenüber anschauen.

[00:07:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter selber haben auch eine andere Funktion als die Väter.

[00:07:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter geben unkonditionale Liebe (unconditional love), die Väter geben konditionale Liebe
(conditional love).

[00:07:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter machen Widerstand.

[00:07:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind aufgezogen wird von einer alleinerziehenden Mutter, die macht keinen Widerstand, weil
Mütter so geartet sind, weil das auch unsere Funktion ist, dann hat dieser Sohn nie ein Gegenüber, mit
dem er sich auseinandersetzen muss.

[00:08:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, er ist schon von klein auf der König, der King.

[00:08:21.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will niemandem zu nahe treten punkto Religion.

[00:08:26.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher kommt der Monotheismus?

[00:08:36.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ein Buch gelesen und es gibt verschiedene Theorien.

[00:08:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat mir gesagt, der Monotheismus kommt aus dem ägyptischen Kulturbereich.

[00:08:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Buch hat es geheißen, er kommt aus dem iranischen, also persischen Kulturreich.

[00:08:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Da sind dann viele Bilder abgebildet.

[00:08:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorstellung, dass es eine Figur gibt, die die ganze Welt unter sich hat, ist aus dieser Theorie heraus
an sich der Größenwahn eines 3-jährigen Kindes.

[00:09:14.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Weltvorstellung, bevor wir die Sprache erwerben.

[00:09:20.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Sprache kommt, wird alles aufgeteilt.

[00:09:24.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange das Kind noch nicht die Fähigkeit der Sprache hat, muss die Mutter alles, was das Kind sich
wünscht und braucht, muss sie merken, hören und erfüllen.

[00:09:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Praxis habe ich Söhne, die von alleinerziehenden Müttern aufgezogen wurden, die diesen
Größenwahn dann wirklich in sich aufgebaut haben und dann zu psychotischem Größenwahn mutieren.

[00:10:00.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wirklich krankhaft größenwahnsinnig.

[00:10:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die alles um sich herum nach ihrem Prinzip interpretieren wollen.

[00:10:11.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Größenwahn Vorstellungen, die kann man heutzutage in der Politik wahrnehmen.

[00:10:19.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute morgen wurden die Wahlen aus Russland am Radio erwähnt.

[00:10:19.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat der Kommentator gesagt: ja, Russland ist eine sehr ausgefeilte Autokratie. Das ist alles inszeniert.
Die ganze Szene ist inszeniert, es muss so tönen wirken, sich anhören, als ob gewählt würde. Dabei ist
es eine absolute Scharade. Die Scharade ist so gut, dass die Menschen darauf reinfallen.

[00:10:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird etwas inszeniert, etwas vorgetäuscht, was überhaupt nicht der Realität entspricht.

[00:11:04.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unser Geist.

[00:11:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Geist kann alles Mögliche inszenieren und das ist sehr verführerisch.

[00:11:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wissenschaft, in der Wissenschaft der Ökonomie hat es Theorien gegeben, die über 100 Jahre
aufrechterhalten wurden, die interessant waren. Sie waren alle falsch.

[00:11:25.198] – Dr.med. Ursula Davatz
[ Die Theorie des Mercantilismus, Die Laissez-faire-Theorie, Die Theorie des ökonomischen Wachstums
von Solow, Die Effizienzmarkthypothese, Die Theorie des rationalen Erwartens ]

[00:11:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft die Verführung des Geistes.

[00:11:38.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es liegt an uns Frauen, dass wir wirklich von der Wirklichkeit ausgehen und uns nicht von diesem Geist
verführen lassen.

[00:11:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle aufgefordert, als Frau in der Welt sich einen Platz zu behaupten.

[00:12:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Größenwahn Verhalten kann mit einer tiefen Kränkung einhergehen.

[00:12:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater von Xi Jinping, Xi Zhongxun wurde stark gekränkt.

[00:12:14.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Xi Jinping gehört auch zu den autokratischen Systemen.

[00:12:18.690] – Dr.med. Ursula Davatz

Man will nie mehr diese Kränkung erfahren.

[00:12:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kränkung wird dann gerächt mit Größenwahn Ideen und mit autoritären Strukturen.

[00:12:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beschämen ist eine Methode, die früher stark in den Schulen verwendet wurde.

[00:12:44.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung wird noch jetzt weiter verwendet.

[00:12:47.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämen setzt unglaublich tiefe Wunden in der Seele, die kaum mehr auszumerzen sind.

[00:12:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zurückschaut, auch in der ganzen Kriminalität, da war immer eine Beschämung vorne dran,
und zwar eine schwere Beschämung.

[00:13:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung passiert, weil die Beschützung durch die Vaterfigur, also das wäre dann die
Beschützung, der Brut, des Sohnes, der Kinder, weil die Beschützung durch die Vaterfigur nicht
funktioniert hat.

[00:13:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt einen kurzen Diskurs durch unsere politischen Organisationssysteme.

[00:13:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaut man die letzten 2000 Jahre durch in Bezug auf politische und gesellschaftliche Systeme, dann
sind diese Systeme nach dem männlichen Gehirn aufgebaut.

[00:13:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht eigentlich um Machterhaltung, Machterweiterung, Strukturierung, also die ganze Juristerei.

[00:14:00.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist weitgehend männlich.

[00:14:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Schauen wir die Führungspositionen an, auch im Business natürlich.

[00:14:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die größte Prozentzahl ist immer männlich.

[00:14:14.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind männliche Führer, im Gegensatz zu hier.

[00:14:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das männliche Geschlecht hat in den Organisations- und Machtsystemen, Machtstrukturen
dominiert.

[00:14:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sich auch bewährt, das hat vieles mit sich gebracht.

[00:14:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die heutige weltpolitische Situation, ist von patriarchalen Machtstrukturen und Machtpositionen
beherrscht.

[00:14:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen großen Machtstrukturen wollen sich noch erweitern.

[00:14:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die christliche Religion, die hat die Machtstruktur über das Geistige ausgebreitet.

[00:15:07.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die waren raffiniert.

[00:15:09.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Römer haben zuerst das Christentum bekämpft und dann haben sie den christlichen Glauben
übernommen.

[00:15:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war natürlich eines der größten Erfolgserlebnisse.

[00:15:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Römer hatten einerseits die militärische Struktur und andererseits haben sie die Menschen mit dem
christlichen Glauben überzeugt.

[00:15:33.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war unglaublich erfolgreich und hat die ganze Welt erobert.

[00:15:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die USA wird als die größte Weltwirtschaftsmacht bezeichnet.

[00:15:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Russland, China, Iran, die träumen heute von einer Großmacht.

[00:15:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird immer noch von einer Großmacht geträumt wie im damaligen Römischen Reich.

[00:16:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Deutschen haben gesagt: das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen.

[00:16:13.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Deutschen haben sich damals unter Adolf Hitler ausgebreitet nach dem Modell der Römer.

[00:16:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die USA ist die größte Wirtschaftsmacht.

[00:16:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die USA ist zur größten Wirtschaftsmacht geworden über die freie Marktwirtschaft.

[00:16:32.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage haben wir den globalisierten Welthandel, eine freie staatliche Marktwirtschaft, ohne dass die
politischen Strukturen überall freigegeben wurden.

[00:16:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In China wurden die politischen Strukturen nicht freigegeben, in Russland wurden die nicht freigegeben,
etc.

[00:16:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Geld wird rund um die Welt verdient.

[00:16:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Da funktioniert das System nicht mehr richtig.

[00:17:00.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Errungenschaften aus der Revolution Liberté, Egalité, Fraternité, diese Meinungsfreiheit wurde
sowohl in Russland als auch in China nicht frei gegeben.

[00:17:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da entsteht eine riesige Spannung.

[00:17:19.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Reiche wurden zwar reich, Russland und Iran wurden über die Ölwirtschaft reich, China über die
Produktion.

[00:17:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Angst vor der Meinungsfreiheit und das ist ein grosses Problem.

[00:17:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Was heute die ganze Welt wieder beschäftigt und auf diesem Gebiet müssten wir zusammenarbeiten, ist
die ganze Klimaerwärmung.

[00:17:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist das verbreitetste Wesen auf der Welt, aber er schadet dieser Welt auch sehr viel.

[00:18:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt eine Bremswirkung herein über die Klimaerwärmung und über die vom Menschen
verursachten Umweltkatastrophen.

[00:18:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne behaupte ich, wir stehen heute an einer ganz wichtigen Wende.

[00:18:22.640] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Wende von den patriarchalen Machtstrukturen, die diese autokratischen Systeme noch erhalten
wollen, hin zu einem Power Sharing, Machtverteilung, Machtausgleich und Lösungen suchen.

[00:18:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Es kann niemand mehr gewinnen.

[00:18:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn von Gewinnern gesprochen wird, dann ist das die falsche Haltung.

[00:18:51.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme zum weiblichen Gehirn zurück.

[00:18:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nach Lösungen suchen und nicht nach Ausweitung der Macht.

[00:19:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wirtschaft, die läuft auch immer noch nach Ausweitung der Macht.

[00:19:05.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wirtschaft hat man die Haltung, der Markt reguliert sich selbst.

[00:19:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Markt reguliert sich nur bis zu einem gewissen Grade selbst.

[00:19:19.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wieder reinkommen und steuern, nicht nach Macht-, sondern eher nach Gesundheits-, nach
Zusammenarbeits-, nach Kompromissprinzipien, usw.

[00:19:31.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht da ganz andere Wege.

[00:19:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welt kann nicht mehr nur ausschließlich patriarchal, also männlich zielgerichtet sein.

[00:19:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männliche Stressverhalten, das man im Gehirn sieht, kann nicht mehr ausschließlich zur Anwendung
kommen.

[00:19:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nach Lösungen und Kooperation suchen.

[00:20:01.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sind wir eigentlich im Zeitalter des weiblichen Gehirns.

[00:20:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen dieses Suchen nach Lösungen viel stärker einflechten.

[00:20:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein langjähriges westliches Prinzip: der Markt reguliert sich selbst.

[00:20:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen wir jetzt auch wieder unter Druck.

[00:20:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der künstlichen Intelligenz, mit den Computersystemen usw.

[00:20:35.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die einen, in der Regel Männer, die sagen, oh toll, die künstliche Intelligenz ersetzt schlussendlich das
menschliche Gehirn, die KI wird gescheiter.

[00:20:45.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen haben panische Angst vor der künstlichen Intelligenz, dass die uns übernimmt und kaputt
macht.

[00:20:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides stimmt nicht.

[00:21:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, des IT Business, wo die Kinder abgefangen werden, schon als
kleine Kinder von der Marktwirtschaft, was sie konsumieren müssen, sollen.

[00:21:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist es so wichtig, dass wir als lebendige Menschen, dass was den Menschen ausmacht, mehr wieder
in den Vordergrund bringen.

[00:21:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die künstliche Intelligenz nicht kann: Sie kann nicht mit Emotionen umgehen, sie kann nicht
modulieren.

[00:21:42.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist unser Gehirn viel weiter, das wird die künstliche Intelligenz auch nie können.

[00:21:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Yuval Harari, A Brief History of Humankind, meinte, dass die künstliche Intelligenz uns bald überholt.

[00:21:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das glaube ich nicht.

[00:22:05.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstliche Intelligenz hat in der Medizin zum Teil große Fortschritte gebracht.

[00:22:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann viel präziser ausrechnen, wo zum Beispiel bestrahlt wird beim Tumor.

[00:22:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Prothesen berechnen usw.

[00:22:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Röntgenbilder gut lesen, man kann Hautdiagnosen machen.

[00:22:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die KI ist überhaupt nicht variabel.

[00:22:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die KI nicht weiss worum es geht, dann spuckt sie irgendeinen Blödsinn heraus.

[00:22:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir Menschen mit unserem Gehirn eine viel bessere Korrekturmöglichkeit, Variabilität.

[00:22:50.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich glaube an den Menschen und sein Gehirn.

[00:22:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine Angst, dass wir von der künstlichen Intelligenz überholt werden.

[00:23:00.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unser Gehirn pflegen.

[00:23:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unser Gehirn in der Variabilität pflegen.

[00:23:06.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich den Kindern, wenn ihr nur immer Computerspiele macht, dann verblödet euer Gehirn.

[00:23:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Untersuchungen von einem Neurobiologen, der sagt unser emotionales Gehirn, der
Hippocampus, unser persönliches Gedächtnis, der schrumpft ein wenig.

[00:23:27.349] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.realclearscience.com/blog/2019/07/11/modern_life_may_be_shrinking_the_hippocampus_heres_how_to_grow_it.html

[00:23:27.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Hippocampus schrumpft, wenn wir uns nicht mehr mit menschlichen Dingen auseinandersetzen, die
viel mehr von unserem Gehirn erfordern als irgendein Computerspiel.

[00:23:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn das Computerspiel noch so gescheit ist, die Emotionen fehlen dann.

[00:23:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lesen von Emotionen ist etwas ganz, ganz Wichtiges.

[00:23:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ausdrücken von Emotionen ist etwas Wichtiges.

[00:23:54.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen wir wieder ins Therapeutische.

[00:23:57.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir unsere verletzten Gefühle oder unseren Stress in Worte fassen können, dann geht 50% des
Stresses zurück.

[00:24:10.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne müssen wir an sich unseren Kindern und der Gesellschaft beibringen, viel differenzierter
Gefühle und Gefühlssituationen, menschliche Situationen, soziale Situationen wahrzunehmen und zu
beschreiben.

[00:24:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können wir noch viel dazu lernen und viel dazu beitragen.

[00:24:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle im therapeutischen Bereich tätig.

[00:24:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier trage ich Wasser in die Aare.

[00:24:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Markt reguliert nicht alles selbst.

[00:24:52.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Prinzip der menschlichen Freiheit, der individuellen Freiheit muss auch immer wieder beschützt
werden.

[00:25:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch dort kann man zu extrem in eine Richtung gehen.

[00:25:05.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert zum Teil im westlichen Kulturbereich.

[00:25:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein absolut übertriebener Individualismus.

[00:25:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man in letzter Zeit so etwas gemerkt anhand der Universitäten.

[00:25:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Political Correctness. Man darf gewisse Wörter nicht mehr brauchen, weil das dann schon rassistisch
sein könnte.

[00:25:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir werden eingeschränkt in unserem Sprachausdruck.

[00:25:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht auch nicht.

[00:25:42.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann der übertriebene Individualismus, der sich da überall breitmacht.

[00:25:50.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist jeder ein König, jeder ein Herrscher, ein gefühlsmäßiger Herrscher. Das geht auch nicht. Da
haben wir zwei Extreme, die da laufen.

[00:26:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden wir dann zu Recht korrigiert und kritisiert von den autoritären Systemen, die sagen, wir sind
degeneriert.

[00:26:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zu sehr in diese individualistische Richtung laufen, dann machen wir unsere Strukturen selbst
kaputt.

[00:26:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Diskussion: was für rechtliche Regeln es geben wird im Bereich der IT?

[00:26:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können da noch so viele Regeln machen, es gibt immer Schlupflöcher, die werden immer wieder
durchbrochen.

[00:26:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der beste Schutz gegen diese Machtausweitung im Bereich der IT ist, dass unsere Kinder, dass wir als
Menschen, als Individuen lernen kritisch zu konsumieren.

[00:27:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht alles essen, das uns gefüttert wird.

[00:27:10.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu müssen wir kritisch denken können.

[00:27:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht über äußere Regeln.

[00:27:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht viel mehr über die innere menschliche Entwicklung.

[00:27:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen von Ethik und Moral.

[00:27:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ethik, die Moral, die verhält nur, wenn die in uns geortet ist.

[00:27:37.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethik und Moral ist nie etwas Äusserliches.

[00:27:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe da noch weiter.

[00:27:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind eine soziale Spezies.

[00:27:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Sozialverhalten.

[00:27:47.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sozialverhalten gibt es gewisse Regeln.

[00:27:50.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben soziale Gene, die sind da, die müssen wir nicht erst erfinden.

[00:27:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man andere soziale Tierarten anschaut, dann haben die sozialen Tiere Sozialverhalten, ohne dass
sie religiös erzogen wurden, ohne dass sie einen Ethikkurs besucht haben.

[00:28:15.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Tierfilm gesehen, wo ein Affe ein Katze, die in eine Grube gefallen ist, gerettet.

[00:28:15.635] – Dr.med. Ursula Davatz
[ https://www.youtube.com/watch?v=fcHVY8NHFlA ]

[00:28:15.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr berührend. Sozialverhalten ist Art überspringend.

[00:28:36.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Sozialverhalten müssen wir in uns wieder wecken und nicht von außen her, männlich, mit Regeln,
Sozialverhalten einimpfen.

[00:28:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In Zürich hat ja ein islamischer Jugendlicher einen einen orthodoxen Juden angegriffen. Es war die
Jugend, die dem orthodoxen Juden zu Hilfe gekommen ist. Eine ganze Schar Jugendliche und die, die
voneinander getrennt haben.

[00:29:16.580] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.tagesanzeiger.ch/messerattacke-in-zuerich-der-mordversuch-an-einem-juden-muss-ein-weckruf-sein-221032750462

[00:29:16.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat überlebt.

[00:29:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was war der Kommentar in der Zeitung? Wir müssen härter durchgreifen.

[00:29:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Blödsinn.

[00:29:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit härterem Durchgreifen haben wir nicht mehr Sozialverhalten.

[00:29:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das härtere Durchgreifen, das ist wieder das männliche bestrafen und strukturieren.

[00:29:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen früher eingreifen und helfen, dass Menschen sich menschenwürdig entwickeln können.

[00:29:47.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen müssen nicht über Bestrafung in die richtige Richtung gebracht werden.

[00:29:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das.

[00:29:53.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit vielen Kindern zu tun, aus dem Schulsystem. Verzweifelte Eltern.

[00:29:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens sind es ADHS/ADS Kinder.

[00:30:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin erstaunt und erschreckt, wie häufig von der Lehrerschaft her mit Bestrafung und Belohnung
reagiert wird.

[00:30:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man immer noch an diese Methode glaubt.

[00:30:15.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Methode geht überhaupt nicht auf das Soziale eines Menschen ein.

[00:30:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnungs-/Bestrafungsmethode denkt, dass der Mensch so dirigiert werden kann, mit Bestrafung
und Belohnung.

[00:30:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Verträge gemacht mit den Kindern und den Eltern.

[00:30:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können alle abfahren damit.

[00:30:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch Therapeuten machen ja zum Teil Verträge. Ich mache nie Verträge.

[00:30:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Was zählt, ist die lebendige Beziehung zur Person, über die dann das Verhalten langsam verändert
werden kann.

[00:30:50.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher nicht über Bestrafung.

[00:30:51.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bestrafungs-/Belohnungsmodell gehört immer noch zum patriarchalen System, wie es im Alten
Testament heißt: die Kinder, die er liebt, die züchtigt er.

[00:31:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind an einer ganz bestimmten Wende.

[00:31:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Als junge Frau wollte ich das Militär abschaffen. Das brauchen wir nicht, dachte ich, als Frau brauche ich
das nicht.

[00:31:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt, da wir unsere Freiheit verteidigen müssen im Westen, sage ich: doch, doch, wir müssen uns
verteidigen, dass wir nicht von den autokratischen Systemen gefressen und überrollt werden.

[00:31:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind an einer riesigen Wende der politischen Zeitgeschichte.

[00:31:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen all unsere Errungenschaften, die wir im Westen uns erkämpft, erarbeitet, über lange Zeit
ausprobiert haben, müssen wir verteidigen.

[00:32:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen auch nicht nur den übertriebenen Individualismus leben, es geht um Kooperation.

[00:32:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus diesem Grunde bin ich jetzt für die Waffen, dass man kämpft, dass wir nicht einfach überrollt werden.

[00:32:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine politische Einführung, eine zeitgeschichtliche Einführung.

[00:32:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich vermehrt zum Psychologischen.

[00:32:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ursachen von Angst und Stress.

[00:32:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Stress ist ein Konzept, das von Hans Hugo Bruno Selye im somatischen Bereich geprägt wurde.

[00:32:36.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Hugo Bruno Selye hat gesagt: ein Organ kommt unter Stress, wenn es sich nicht mehr weiter
anpassen kann.

[00:32:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage verwenden wir das Wort Stress, für das was von außen kommt.

[00:32:57.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich hat Stress aufgezeigt, was im Organ passiert.

[00:33:05.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Organ ist unter Stress, wenn es nicht mehr seine Anpassungsfunktion erfüllen kann.

[00:33:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind die anpassungsfähigste Lebensart auf diesem Planeten, außer den Bakterien und
Viren. Die passen sich schneller an.

[00:33:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir in der letzten in der Corona Pandemie erlebt.

[00:33:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viren und Bakterien können sich viel schneller anpassen, weil die ihr genetisches Material schneller
verändern können.

[00:33:39.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben da viel stabilere Strukturen zum Glück, wir sind ja auch viel komplizierter.

[00:33:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin Psychiaterin, ich komme vom Kopf her.

[00:34:00.369] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die seelische Anpassungsfähigkeit, die geistige Anpassungsfähigkeit, überfordert wird, dann
kommen wir unter Stress.

[00:34:10.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefühle, die ausgelöst werden, wenn unsere Anpassungsfähigkeit erschöpft ist, die sind Angst.

[00:34:21.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Angst wird uns signalisiert: Jetzt hast du es nicht mehr im Griff.

[00:34:26.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontrollverlust macht Angst. Wir wollen immer die Kontrolle über uns haben.

[00:34:35.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie setzen wir uns selbst unter diesen Stress?

[00:34:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir etwas auf unserer Welt verändern wollen, das wir nicht verändern können, dann geraten wir
unter Stress.

[00:34:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir etwas erreichen wollen, zum Beispiel eine Ambition, irgendeinen Beruf erlernen, aber es klappt
nicht.

[00:35:00.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Geist eilt voraus und der will etwas aber man hat die Mittel dazu nicht.

[00:35:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will z.B. Mathematiker werden, aber man hat kein mathematisches Hirn.

[00:35:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will seinem Vater imponieren, weil der mathematisch auch gut ist, und es geht nicht.

[00:35:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man unter Stress.

[00:35:22.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen sich vorgeht, indem man mit dem Hirn, mit dem Geist etwas will, was gar nicht geht,
Dann gerät man unter Stress.

[00:35:34.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen unseren Ehepartner nicht verändern.

[00:35:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind oft sehr damit beschäftigt, unsere Männer zu erziehen.

[00:35:53.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir unseren Ehepartner verändern wollen, geraten wir dauernd unter Stress.

[00:35:55.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können nur an uns selber arbeiten.

[00:36:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgekehrt, wenn wir unser Potenzial nicht ausschöpfen, also wir hätten an sich Fähigkeiten zu
irgendetwas und im tiefsten Ich, in der tiefsten Seele würden wir an sich gerne etwas machen, aber wir
getrauen uns nicht.

[00:36:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir trauen es uns nicht zu.

[00:36:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir warten auf irgendeinen Mäzen oder Lehrer, der uns da fördert und der kommt nicht.

[00:36:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann verrottet unsere seelische Energie, dann kommen wir auch unter Stress.

[00:36:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich schaue, was ich in den Therapien mache, dann muss ich häufig den Menschen dazu verhelfen,
dass sie den Mut haben, zu sich zu stehen, zu ihrem Wesen zu stehen, zu ihren Fähigkeiten zu stehen.

[00:36:58.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor allem bei ADHS/ADS Menschen passiert das häufig, weil die ja etwas aus der Reihe tanzen.

[00:37:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Menschen kein wohlwollendes Umfeld gehabt haben, sondern immer eingeengt
wurden und sich dann immer falsch fühlen, dann muss ich denen helfen zu sagen: Ihr Entscheid ist
richtig. Es gibt keinen falschen Entscheid.

[00:37:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keinen objektiv gesehenen, richtigen oder falschen Entscheid. Es gibt nur ihren Entscheid und zu
diesem Entscheid müssen sie stehen.

[00:37:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht einen halben Salto machen und dann in der Mitte aufhören und denken: Oh, vielleicht
kann ich den Salto doch nicht. Dann fällt man auf den Kopf.

[00:37:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz viel meiner Therapie besteht darin, dass ich dem Menschen helfe, zu sich zu stehen und sich dann
halt entsprechend durchzusetzen.

[00:37:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich wäre das die Aufgabe der Eltern gewesen.

[00:37:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Wesen des Kindes nicht zum Erziehungsmodus der Eltern passt, dann kann es passieren,
dass die Eltern das Kind, behindern, zurückhalten.

[00:38:19.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann helfen, dass dieser Mensch als Erwachsener zu sich steht.

[00:38:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Arzt hat gesagt: Man muss mit seinem Symptom Freundschaft schließen, bevor man es verändern
kann.

[00:38:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz
So muss ich den Menschen, die so erzogen wurden, dass sie nicht zu sich stehen dürfen, muss ich
sagen, sie müssen mit ihrem Wesen Freundschaft schließen, damit sie dann mit diesem auch umgehen
können.

[00:38:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man ständig gegen sich vorgeht, dann ist man ständig unter Stress und dann wird man krank.

[00:38:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich komme da wieder zu ADHS/ADS.

[00:39:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war gestern an einem Vortrag über ADHS/ADS in Zürich.

[00:39:13.370] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben vermehrt somatische Krankheiten, Herzkrankheiten, Atemkrankheiten, Asthma usw.

[00:39:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hier mal eine Weiterbildung gegeben: Wann lässt die Seele den Körper sprechen?

[00:39:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

[00:39:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns geistig, seelisch unter Druck setzen, wenn wir nicht das leben dürfen, was wir eigentlich
sind, dann gerät unser Körper unter Stress.

[00:39:45.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das nicht wahrnehmen, dann muss der Körper für uns sprechen.

[00:39:49.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann all diese Krankheiten.

[00:39:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird nicht mehr getrennt zwischen Psychiatrie und Somatik.

[00:39:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht dann auch in die Somatik rein.

[00:39:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass wenn wir Menschen therapeutisch begleiten, dass wir ihr Wesen versuchen
herauszufinden und dass wir sie unterstützen, zu diesem Wesen zu stehen.

[00:40:14.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht so einfach.

[00:40:17.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Programmierung über die Erziehung, die sitzt so tief in unserer Seele drin, dass wir das Gefühl
haben, wenn wir zu uns stehen, dann werden wir disloyal zu unserem Familiensystem. Davor haben wir
Angst.

[00:40:39.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt dann der Gruppenprozess. Wenn wir unserem Erziehungssystem dysloyal werden, dann
werden wir ausgeschieden. Dann werden wir zum Sündenbock. Dann gehören wir nicht mehr zur Gruppe
und dann können wir gerissen werden.

[00:40:58.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wolf drängt ein Schaf ab von der Herde und dann kann es gerissen werden.

[00:41:03.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir von der Herde abgedrängt werden, weil uns nicht nach den Prinzipien verhalten, dann haben
wir Angst, wir bekommen Todesangst.

[00:41:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Angst vor Bestrafung.

[00:41:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Angst davor, etwas falsch zu machen.

[00:41:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Programm in unserem emotionalen Gedächtnis umzuprogrammieren, ist gar nicht so einfach.

[00:41:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unsere therapeutische Arbeit.

[00:41:38.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir etwas von uns verlangen, was wir gar nicht können, kommen wir unter Stress.

[00:41:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir etwas nicht tun, was eigentlich zu uns passen würde, kommen wir unter Stress.

[00:41:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir tun das nicht aus Höflichkeit, aus guter Erziehung.

[00:41:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen, wir wollen niemanden verletzen.

[00:42:01.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade die hochsensiblen Leute, die verletzten eher sich selbst als das Gegenüber.

[00:42:09.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Menschen muss man helfen, damit das geändert wird.

[00:42:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir gesund durchs Leben kommen wollen, müssen wir lernen, das zu ändern, was wir können, und
das nicht ändern zu wollen, was wir nicht können.

[00:42:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe ein Beispiel aus der Covid Pandemie.

[00:42:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab die medizinische Schulmeinung, was man machen soll.

[00:42:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat auch ständig geändert.

[00:42:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ja zum Ersten Mal, dass wir eine solche Pandemie durch erlebt haben.

[00:42:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab dann Impfgegner und Verschwörungstheorien.

[00:42:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich versucht habe zu schauen, was sind das für Menschen, die diesen Theorien anhängen?

[00:43:01.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Beobachtung heraus würde ich sagen, es waren immer Menschen, die an sich vielleicht mehr
Potenzial gehabt hätten, aber auf der Welt zu kurz gekommen sind.

[00:43:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sich dann an diese Theorien drangehängt und dann hatten sie auf einmal Macht.

[00:43:20.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann waren sie im Gespräch und sie haben sich stark gefühlt, nur mit mit dieser geistigen Theorie.

[00:43:30.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Einzelwesen konnten die sich nicht so gut durchsetzen.

[00:43:35.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder ein Gruppenphänomen.

[00:43:39.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Moral, mit der Ethik läuft die Schuld.

[00:43:51.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Sozialverhalten wird das Wort Schuld verwendet.

[00:43:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, wenn zwei sich streiten und der eine ist aggressiver als der andere, macht sogenannt im
Sozialverhalten etwas falsch, dann sagt man: du musst dich entschuldigen.

[00:44:11.390] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie hat man von der schizophrenogenen Mutter geredet.

[00:44:16.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familientherapie ist zum Teil unter Verruf gekommen, weil man von einer schizophrenogenen Mutter
geredet hat.

[00:44:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Im psychologischen Bereich kenne ich den Begriff Schuld nicht.

[00:44:35.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne nur Interaktion.

[00:44:38.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Schuld ist ein moralischer Begriff.

[00:44:42.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuld ist immer an ein Kollektiv geheftet, das gewisse Regeln hat.

[00:44:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir machen uns schuldig, wenn wir gegen diese Regeln verstoßen.

[00:44:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schuldgefühl ist unser Hirtenhund.

[00:45:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schuldgefühl holt uns zurück zur Gruppe.

[00:45:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir jetzt die Regeln des Systems, in dem wir aufgewachsen sind, übertreten, dann bekommen wir
Schuldgefühle.

[00:45:14.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Schuldgefühle, die müssen überwunden werden, dass wir neue Verhaltensweisen uns einüben
können.

[00:45:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz kompliziert.

[00:45:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen wir uns unsere eigene Ethik erarbeiten.

[00:45:34.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen. Wir müssen nicht Angst haben, dass wir unsozial sind.

[00:45:40.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist dann die eigene Ethik etwas anderes, als was wir von unseren Eltern gelernt haben oder als
was wir an der Uni gelernt haben oder als was unsere Berufsgruppe hält.

[00:45:57.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war gestern an einer ADHS/ADS Weiterbildung.

[00:46:00.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging alles über Medikamente, ich habe gedacht: Ach, ich bin so fremd da!

[00:46:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich konnte einige Dinge doch auch mitnehmen.

[00:46:12.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich abweiche von der generellen Meinung in der Psychiatrie, dann bin ich wie eine Ketzerin.

[00:46:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da könnte ich Schuldgefühle haben, da werde ich zum Teil auch so kritisiert.

[00:46:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich sagen nein, Ich stehe zu meiner eigenen Ethik und zu meiner eigenen Erfahrung.

[00:46:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur die kann ich vertreten.

[00:46:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht nur ein Herdentier sein.

[00:46:47.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen suchen nach Lösungen.

[00:46:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In Konflikten haben wir die Tendenz eher, uns anzupassen, während Männer eben die gerade Linie
suchen und sich durchsetzen, also Dominanzverhalten an den Tag legen.

[00:47:06.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Frau dann in eine schwierige Situation kommt, muss man auch aufpassen, dass man nicht
immer nur die Anpassungsstrategie wählt, sondern auch schaut, was wichtig ist, dass man sich für etwas
einsetzt, das einem wichtig ist.

[00:47:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere Martin Luther.

[00:47:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Martin Luther ging es um die Religion, die Katholiken und die Reformierten.

[00:47:33.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Luther hat gesagt: hier stehe ich und kann nicht anders.

[00:47:37.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist kein intellektuelles Argument.

[00:47:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein absolut empfundenes emotionales Argument. Meine Emotionen sagen mir, ich muss jetzt
dafür einstehen.

[00:47:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Mann, der das gesagt hat.

[00:47:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch den Frauen, dass sie zu sich stehen dürfen und sagen: ich will es so!

[00:47:59.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sagen dann Frauen, der hört mir nicht zu oder der versteht das nicht, oder der oder die akzeptiert das
nicht.

[00:48:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht den anderen zum Verständnis bringen wollen. Das ist rein intellektuell.

[00:48:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen für sich hin stehen.

[00:48:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das man für sich hin steht und nicht verstanden werden will.

[00:48:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so ein Prinzip, das die Frauen oft lernen müssen.

[00:48:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss überhaupt nicht intellektuell unterlegt sein.

[00:48:42.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nur vom eigenen Gefühl, von der eigenen Überzeugung, von der ganzheitlichen Überzeugung ist
es geprägt.

[00:48:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
So habe ich zum Teil wenn ich Theorien von Freud gelesen habe, habe ich gesagt: es ist alles sehr
logisch und sehr gut argumentiert, aber es stimmt irgendwie nicht für mich.

[00:49:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir diesen inneren Instinkt nicht verlieren, sondern immer wieder diesen suchen.

[00:49:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch etwas, was ich immer meinen Klienten beibringen muss, dass sie sich genügend Zeit
nehmen, anhalten, um herauszufinden, wo sind sie eigentlich?

[00:49:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie?

[00:49:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was stimmt für Sie?

[00:49:28.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was stimmt nicht?

[00:49:32.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Moment, wo wir uns in der Anpassung nicht überfordern, nicht runterfahren, also etwas
machen, das uns wichtig ist, dann geht der Stress weg und auch die Angst geht weg.

[00:49:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Konzepte der Eudaimonic Happiness und Hedonic Happiness.

[00:49:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Eudaimonic Happiness ist man glücklich, man ist zufrieden, wenn man Freude hat an dem, was
man macht.

[00:50:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Hedonic Happiness ist, wenn man Freude hat, dass die anderen einen toll finden, z.B. Likes im Internet.

[00:50:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Immunsystem betrachtet, wie das reagiert auf die Eudaimonic Happiness, ist man
gesund, das Immunsystem floriert, man wird alles ab.

[00:50:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Hedonic Happiness macht das Immunsystem gar nichts.

[00:50:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir gut verdrahtet.

[00:50:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, zu sich zu stehen, das zu tun, was uns entspricht, was wir gerne machen. Dann haben wir
auch gerade etwas für unsere körperliche Gesundheit getan.

[00:50:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, immer im Gleichgewicht als soziales Wesen.

[00:50:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir alle überfahren, dann können wir als soziale Wesen schlussendlich auch nicht zufrieden sein.

[00:51:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie Fragen?

[00:51:15.410] – Bemerkung 1
Was für Lösungen suchen die Männer?

[00:51:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer suchen intellektuelle, strukturelle, mechanische, schnelle Lösungen.

[00:51:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das, was man bei den Ärzten erlebt.

[00:51:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine Patientin, wo man nicht recht weiß, um was es geht. Alle diese somatischen Krankheiten,
Schmerzen, dort sucht der ärztliche Mann gleich nach einer Lösung. Dabei übergeht der Arzt den
Menschen.

[00:52:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Er nimmt sich nicht Zeit zum schauen, was eigentlich ist.

[00:52:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lösungen, welche die Männer suchen, sind recht mechanisch, intellektuell, strukturiert.

[00:52:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört zuerst in sich hinein, schaut, überlegt, man holte die Gefühle hinzu und dann sucht man nach
einer Lösung.

[00:52:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Sprache sieht man das heutzutage schon.

[00:52:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagen auch viele Männer: gefühlt nehme ich das so wahr.

[00:52:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühlt wahrgenommen. Nicht mehr einfach intellektuell wahrgenommen, sondern gefühlt.

[00:52:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind immer so schnell, die wollen ganz schnell eine Lösung.

[00:52:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Denen muss ich allen sagen: Halt, Stopp, halten sie ein bisschen inne, verschnaufen sie ein bisschen,
schauen sie in sich hinein.

[00:52:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere Antoine de Saint-Exupéry: On ne voit bien qu'avec le coeur. Consulter votre coeur.

[00:52:55.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich Zeit und spüren, wo sie sind.

[00:53:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man schnell etwas macht, dann überfährt man sich und das ist nicht die richtige Lösung.

[00:53:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand von der Weltbank hat mir auch schon gesagt: die Frauen sind eigentlich besser in der Krise.

[00:53:21.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind objektiver als die Männer in der Krise.

[00:53:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer lassen sich von irgendeiner Theorie verleiten.

[00:53:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer können sehr theoriegläubig sein, dass man den Theorien 150 Jahre hinterdrein läuft, obwohl sie
falsch sind.

[00:53:48.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in dieser schnelllebigen Zeit, wo alles schnell sein muss, Geschwindigkeit ist Geld,
Geschwindigkeit ist Profit.

[00:53:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist der Erste in irgendetwas erfinden.

[00:53:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Zeit wo alles so schnell ist, muss man immer dazu anhalten, inne zu halten, langsam schauen,
dann kommt eine bessere Lösung, eine ganzheitliche Lösung.

[00:54:12.740] – Bemerkung 2
Wenn man im Stress ist, findet man nie die richtige Lösung.

[00:54:13.430] – Bemerkung 2
Männer sind nie im Stress, sie wissen ja, wie es geht, sie machen es einfach einmal.

[00:54:21.590] – Bemerkung 2
Wir sind mit einem narzisstischen Vater aufgewachsen, wo alles immer ganz schnell gehen musste. Das
nimmt man mit in sein Leben und geht dann auch so durch das Leben.

[00:54:30.050] – Bemerkung 2

Lernen innezuhalten und dann abrufen, erst dann findet man sein Potential und hat einen Zugang zu all
den Wegen, die es gibt.

[00:54:49.850] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es.

[00:54:54.080] – Bemerkung 2
Wenn man seine Prägung verstanden hat und daraus Aussteigen kann, erst dann ist man frei und weiß,
wer man ist.

[00:55:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau. Sie sagen das sehr schön.

[00:55:12.500] – Bemerkung 2
Es ist der Weg, den man macht.

[00:55:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Innehalten und zu sich selber finden und von dem aus dann weitergehen.

[00:55:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nicht an irgendetwas anpassen, das nicht zu einem passt.

[00:55:27.260] – Bemerkung 2
Mein Vater ist ein Narzisst, wie er im Buche steht. Meine Schwester ist ADHS/ADS.

[00:55:32.120] – Bemerkung 2
Mein Vater hetzt immer, es muss alles immer ganz schnell gehen, geh weg. Er war der Herrscher.

[00:55:49.370] – Bemerkung 2
Wir Frauen sollten mehr in die Positionen der Macht kommen, aber der Mann will die Macht.

[00:56:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Frauen in Führungspositionen kommen, dann übernehmen sie oft den Stil der Männer, zum Teil
noch schlimmer als die Männer.

[00:56:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe das bei Krankenschwestern erlebt. Die Frauen sind dann männlicher als die Männer, weil sie
denken: nur so komme ich durch.

[00:56:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie würde ich als Frau führen?

[00:56:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist die Qualität der Frauen?

[00:56:30.770] – Bemerkung 3
Wir Frauen müssen den Männern vorleben, dass es anders viel besser geht.

[00:56:38.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen müssen noch ein wenig üben in der heutigen Gesellschaft.

[00:56:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagt der Mann in unserer Runde dazu?

[00:56:56.360] – Bemerkung 4
Die Frauen sind mehr Detailorientiert.

[00:56:58.480] – Bemerkung 4
Die Männer sind gleich bei der Lösung.

[00:57:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Abstrahierend und vorwärts.

[00:57:04.250] – Bemerkung 4
Die Detailorientierung kann auch eher in die Enge führen.

[00:57:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:57:12.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr Detailorientiert und schauen alles an.

[00:57:20.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Vor lauter alles anschauen, kommen sie dann gar nicht zu einer Entscheidung.

[00:57:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob Frauen ganz allgemein mehr Detailorientiert sind.

[00:57:32.150] – Bemerkung 4
Die Frauen denken vernetzter. Detailorientiert ist nicht genau das gleiche.

[00:57:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Da stimmt. Das vernetzte Denken kann Detailorientiert sein. Dann geht es lange für die Entscheidung
oder man kann gar keine Entscheidung treffen.

[00:57:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind eher zielgerichtet orientiert.

Hochstrittige Eltern

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

15.3.2024
Hochstrittige Eltern
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte euch auch ganz herzlich begrüssen zu dieser Weiterbildung.

[00:00:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde angefragt, ob ich noch etwas über ADHS/Autismus sagen möchte und über
hochstrittige Eltern.

[00:00:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte, dass ich es kombinieren würde, ihr sieht ja dann, was ich daraus mache.

[00:00:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Medizinerin. Als Medizinerin muss ich immer wieder feststellen, dass das
medizinische Modell einfach immer nur über das Individuum anschaut.

[00:00:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Probleme immer nur über das Individuum anschaut, dann verpasst man
sehr viel.

[00:00:32.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sind aufsuchende Familienarbeiterinnen und Arbeiter, ihr geht dann direkt in
das Schlachtfeld, in das Kampffeld rein.

[00:00:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, Interaktionen zu beobachten, ihr seid zusätzlich Teil dann auch
noch von dieser Interaktion.

[00:00:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In bin in den USA als Familientherapeutin ausgebildet worden.

[00:01:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin eine passionierte Systemikerin. Ich probiere natürlich immer alles systemisch
anzuschauen und eben die Interaktionen.

[00:01:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit dem Kind, mit dem autistischen Kind anfange.

[00:01:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus hat in der letzten Zeit einen riesigen Boom erfahren.

[00:01:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird überall diagnostiziert, abklärt, etc.

[00:01:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme vom ADHS/ADS her.

[00:01:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage von daher, ADS kann in die Autismus Richtung gehen und ist für mich das
Gleiche.

[00:01:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich gehe von den genetischen Voraussetzungen aus.

[00:01:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss sowohl bei ADHS/ADS, als auch bei Autismus, das sind die psychischen
Krankheitsbilder, die am meisten genetisch vererbt werden.

[00:01:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei den Kindern, welche in die autistische Richtung gehen, die haben zum Teil noch
Wahrnehmungsstörung häufig im Sprachbereich, d.h. sie haben mehr Probleme im
Spracherwerb.

[00:02:14.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, sind es eher Kinder, die dann beobachten, schauen, ganz viel hinten
dran denken, aber nicht so viel sagen, also weil sie Mühe haben, sich auszudrücken.

[00:02:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind hat, das alles beobachtet sehr viel denkt hinten dran, dann weiss
man nicht, was vorgeht.

[00:02:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen, wir erwachsene Menschen, sind natürlich sehr darauf ausgerichtet, dass
man kommunizieren kann, dass man miteinander sprechen kann.

[00:02:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch immer wieder, dass Erwachsene, auch in der Schule erlebe ich das,
dass Erwachsene vom Kind erwartet, es könnte sich schon so ausdrücken wie ein
Erwachsener.

[00:02:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:02:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder können es noch weniger, weil die eben oft Probleme haben im
Spracherwerb.

[00:03:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne, wenn man mit solchen Kindern umgeht, als Eltern, als Lehrer, als
Kindergärtner und sie dann als Familientherapeuten, muss man lernen, wieder zu
beobachten.

[00:03:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie, wenn man gelernt hat, man ist nicht mehr weitergekommen in
einer Sitzung, hat man das Wort abgestellt und hat dann die Sitzung angeguckt ohne
verbale Kommunikation.

[00:03:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die körperliche Kommunikation, der Blick, wie alles läuft, das bleibt natürlich.

[00:03:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beginnt wieder damit sich genauer zu beobachten, wenn man die Sprache nicht
mehr hat.

[00:03:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dermassen gewöhnt über die Sprache zu kommunizieren, dass wir oft alles
andere auslassen.

[00:03:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Methode zum Lernen, wieder zu beobachten, ist natürlich über Tiere.

[00:04:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere können auch nicht sprechen.

[00:04:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommunizieren dennoch miteinander.

[00:04:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit Tieren umgeht, dann muss man auch lernen zu beobachten.

[00:04:12.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Augenblick, wo sie autistische ADHS/ADS Kinder um sich herum haben, müssen sie
lernen zu beobachten.

[00:04:19.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssten auch Lehrer und Eltern tun.

[00:04:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind so geschult im verbalen kommunizieren, dass wir das dann wie verlernt haben.

[00:04:25.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen es wieder ein wenig lernen.

[00:04:25.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Nochmals ganz schnell zu den autistischen Kindern.

[00:04:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den autistischen Kindern sagt man, dass diese keine Empathie haben.

[00:04:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird das noch vererbt damit, dass sie die Gesichtszüge nicht erkennen.

[00:04:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist aber längstens nicht bei allen so.

[00:04:53.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel, sehr leicht reizbar und sehr schnell überreizbar.

[00:05:04.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gehirn, also das System überfordert wird, dann redet man von System
Overload.

[00:05:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie in den System Overload reinkommen, dann können sie sich nur
noch abwehren.

[00:05:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man aufgeregt ist, in einem Zustand von System Overload, dann
schaut man nicht mehr, was draussen ist, dann ist man so beschäftigt mit sich selber,
dann muss man zuerst beruhigen. Erst dann kann man wieder wahrnehmen.

[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden auch viele Fehler gemacht, wenn die Kinder in einen System Overload
reinkommen, dann will man sie sofort wieder erziehen.

[00:05:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man sich doch nicht benehmen, das geht nicht und weiss ich nicht was alles.

[00:05:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts, nichts, nichts.

[00:05:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dasselbe wie wenn man an einen Hund oder an ein Pferd anredet: du darfst dich
nicht so benehmen, das geht nicht, das ist unanständig, das ist aggressiv. Das bringt
alles nichts.

[00:05:47.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man sich wieder verlangsamen können.

[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass diese Kinder alle nicht wahrnehmen können, was im Gegenüber
geschieht, sie gehen einfach ganz schnell in einen innere Welt.

[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Die hohe Sensibilität, die führt dazu, dass sie schnell in ein Systemoverload
reinkommen und dass sie sich dann zurückziehen in eine innere Welt und dass sie
dann nur noch mit sich kommunizieren.

[00:06:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder nehmen wir natürlich nicht wahr. Hier muss man dann studieren, was alles
davor vorgefallen ist.

[00:06:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile heutzutage alles in die vie Stressreflexe ein.

[00:06:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf English reimt sich das schön. Fight (Kampf), Flight (Flucht), Freeze (Todstellreflex),
Tease (Necken).

[00:06:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher habe ich nur drei Reflexe gehabt, heute sage ich, Teasing gehört auch dazu.

[00:06:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist eigentlich Provokationsverhalten, das übergehen kann in Spielverhalten.

[00:07:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spielverhalten, das kann adäquat sein oder das Spielverhalten kann ein bisschen
ungeschickt sein.

[00:07:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich jetzt ADHS/ADS Kinder aus der Schule höre, dann höre ich immer wieder so
Geschichten, wie die sich ungeschickt verhalten im Teasen.

[00:07:27.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder wollen eigentlich einen anstossen zum Spielen. Sie wollen cool
sein, aber sie können es nicht recht und dann tun sie irgendein schwaches Kind blöd

hinstellen, dann wird das Kind verrückt oder alle werden dann verrückt auf das Kind und
nachher sind sie wieder das Opfer.

[00:07:47.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich, zu Hause erzählt das Kind nur von seiner Opferrolle und nicht was es
vorne dran getan hat.

[00:07:50.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule sehen wir, was das Kind davor gemacht hat und wie sich das Kind
unmöglich gemacht hat.

[00:08:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir dann den Konflikt zwischen der Schule und den Eltern.

[00:08:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat dann Mitleid mit ihrem ungeschickten Teasing Kind, die Schule findet es
ein unmögliches Kind, was es alles falsch macht. Hier muss man dann wieder
zusammensetzen und beide haben Recht.

[00:08:30.490] – Bemerkung 1
Der Zustand vom Teasen, ist das nur im Moment vom System-Overload oder kann das
auch sonst auftreten?

[00:08:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das kann auch aktiv eingesetzt werden.

[00:08:40.490] – Bemerkung 1
Sie anderen drei Zustände finden nur im System Overload statt?

[00:08:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da haben sie Recht.

[00:08:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Flight, Fight, Freeze, das ist alles System Overload.

[00:08:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing ist eigentlich in ein Zwischenzustand.

[00:08:58.310] – Bemerkung 2
Das Teasing ist eine Form der Beziehungsaufnahme, oder?

[00:09:01.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut richtig.

[00:09:02.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man oft nicht. Es ist absolut eine Form von Beziehungsaufnahme.

[00:09:08.440] – Bemerkung 3
Ich erzähle von meinem 22 Jährigen. Er wollte bei den Gleichaltrigen cool dastehen und
erzählte, dass er Sprengstoff zu Hause hat. Dann sind die erschrocken, haben in
angezeigt, die Polizei kam in die Wohnung, mit Schutzanzügen und allem möglichen.
Der arme Kerl.

[00:09:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein gutes Beispiel.

[00:09:29.560] – Bemerkung 3
Er wollte einfach cool sein in der Gruppe. Er hat bis heute nicht begriffen, was da genau
abgegangen ist, obwohl er hochintelligent ist, er kann es nicht lassen.

[00:09:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in das Emotionale reingeht, dann können die ADHS/ADS Kinder nicht mehr
abstrahieren und nicht mehr verstehen.

[00:09:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, dass sie das gefragt haben.

[00:09:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, müssen die erwachsenen Bezugspersonen von den Kindern wieder lernen
zu beobachten, lernen zu interpretieren und nicht schon denken: Ich weiss um was es
geht.

[00:10:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule geht es natürlich immer so Regelverhalten.

[00:10:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht in das Regelverhalten reinpasst, dann ist es ein schlechtes Kind,
ein böses Kind, ein komisches Kind und dann muss es möglichst schnell wieder auf die
Linie gebracht werden.

[00:10:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt es nicht, denn das geht nicht bei den Kindern.

[00:10:32.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS/ADS Kinder dann an die Kinderpsychiatrie übergeben werden, dann
kommt dort auch sofort wieder ein Korrekturmechanismus.

[00:10:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin macht man den Korrekturmechanismus dann über das Medikament.

[00:10:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versteht man das Kind natürlich wieder nicht.

[00:10:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Man wird dem andersartigen Kind nicht gerecht.

[00:10:56.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich noch das Problem von der Gesellschaft dazu bringe.

[00:10:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle auf Effizienz ausgerichtet, auf Effektivität, es muss schnell gehen und gut
sein. Das geht bei den Kindern nicht. Man muss sich wirklich verlangsamen und wieder
anfangen zu schauen.

[00:11:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Verlangsamen und lernen. Man muss von dort her eigentlich zum sokratischen Lernen
zurückgehen, dass man immer Lernenderweise an die Situation rangeht und nicht
Wissenderweise.

[00:11:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das fällt uns schwer. Wir wissen ja so viel und meinen, wir wissen es und meinen, dass
wir dann gleich korrigieren können.

[00:11:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die erwachsenen Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, wir als Therapeuten) auf
diese Kinder zugehen, dann müssen wir uns wirklich verlangsamen, wieder
beobachten, nichts wissen, einfach schauen und lernen.

[00:11:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind es sehr gewöhnt uns auf die Sprache zu beziehen. Wir müssen ein bisschen
wegkommen von der Sprache.

[00:11:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer Tierbeispiele, dort muss ich beobachten, dort kann ich nicht mit
ihnen einfach so reden. Man kann auch mit ihnen kommunizieren, über die Stimme läuft
es und so weiter.

[00:12:19.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft vielmehr über das Emotionale.

[00:12:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr lernen das Emotionale zu beobachten.

[00:12:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern mit so einem Kind auskommen müssen, die Eltern kommen je von zwei
verschiedenen Systemen, haben gewisse Sachen gelernt.

[00:12:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie sagte man: Man muss zum gleichen kommen oder die Eltern
müssen am gleichen Strick ziehen.

[00:12:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Schizophrenie-Familien gearbeitet.

[00:12:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dort sagt: die Eltern müssen am gleichen Strick ziehen, das geht einfach
nicht und bringt es auch nicht.

[00:12:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle mir dann immer vor, wenn man am gleichen Strick zieht, erwürgt man das
Kind.

[00:13:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder zieht am gleichen Strick, aber jeder in eine andere Richtung.

[00:13:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird das Kind unter diesen Eltern eigentlich erdrückt.

[00:13:16.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum gehe ich ganz weg von dem.

[00:13:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen am gleichen Strick ziehen.

[00:13:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen herausfinden, woher sie kommen, also was sie für eine Haltung
haben, was sie gelernt haben in ihrer Ursprungsfamilie.

[00:13:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines sind die Wertesysteme und das andere sind die Methoden, wie setze ich es
durch?

[00:13:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei verschiedene Dinge.

[00:13:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da probiere ich dann immer herauszufinden: woher kommt die Mutter, was hat sie für
Wertesysteme gelernt? Wie möchte die Mutter ihre Wertesysteme durchsetzen.

[00:13:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Vater das Gleiche.

[00:13:49.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist von Anfang an schon ein Unterschied.

[00:13:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mutter sagt man: unconditional love, die Liebe wird nicht an eine Bedingung
gebunden. Das ist richtig. So ist man als Mutter-Tier.

[00:14:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater, der setzt eher die Regeln durch und macht Konditionen.

[00:14:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann Eltern miteinander streiten, dann meint der Vater, seine Methoden seien
richtig und die Mutter spürt, das geht einfach nicht für mich.

[00:14:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist es ganz, ganz wichtig, dass man die unterschiedlichen Haltungen von den
Eltern validiert, wertschätzt, wahrnimmt und akzeptiert.

[00:14:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es eigentlich darum, nicht diese auf den gleichen Nenner zu bringen,
sondern möglichst genau auszudividieren.

[00:14:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Mutter, was hat sie für Vorstellungen. Woher hat sie ihre Vorstellungen
gelernt? Wie war ihr Vater? Wie war ihre Mutter?

[00:14:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Gegen was geht sie vor? Was will sie verwirklichen? Das Gleiche auf der Vaters Seite.

[00:14:57.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man seine Wertvorstellungen als Vater und als Mutter durchsetzen will, muss man
einander gegenüberstellen, ohne dass man sagt: das ist besser, das ist schlecht.

[00:14:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Situation, je nach Kind, kommt der eine oder der andere besser durch.

[00:15:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz

Oft hat man in der Familientherapie probiert, schnell zu einer Einigung zu kommen und
da bin ich eben ganz dagegen, weil das ohnehin nicht geht.

[00:15:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Nein, Differenzierung.

[00:15:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied: In welchen Situationen ist die Methode gut und in welchen die
andere?

[00:15:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Familientherapie macht oder in der Paartherapie, erwarten die Pärchen,
dass man natürlich immer auf der Seite von dem einen und vom anderen ist.

[00:15:55.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich aus den USA zurück gekommen bin, wo ich Familientherapie gelernt habe, habe
ich gesagt: ich kann das nicht. Paartherapie, das kann ich nicht, das ist so unmöglich.
Jeder will einem immer auf die andere Seite ziehen.

[00:15:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen denke ich, dass ich es kann.

[00:16:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann in Ruhe schauen: Aha, du siehst es so, ok. Du siehst es so.

[00:16:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in hochstrittige Familien reinkommen, ist es ganz, ganz wichtig, dass sie
überhaupt nicht den Anspruch haben, die zu einem Konsensus zu bringen, sondern
genau das Gegenteil, eine Differenzierung.

[00:16:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, je nach Situation ist die eine Methode effektiver oder die andere.

[00:16:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird überhaupt nicht gewertet.

[00:16:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind keine Juristen.

[00:16:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen auch nicht Recht sprechen.

[00:16:54.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Leben voranbringen.

[00:16:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nicht in diesem Sinne urteilen.

[00:16:57.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Drittes kommt dann natürlich noch ihre Meinung hinzu.

[00:16:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja auch eine Meinung und sie dürfen auch eine Meinung haben.

[00:16:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne muss man weder auf die eine Seite noch auf die andere Seite gehen.

[00:16:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Situation, von meinem Empfinden her, von meiner Erfahrung her, hätte ich es
eher so gemacht.

[00:16:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir drei Meinungen.

[00:16:59.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man schauen, was sich daraus ergibt.

[00:17:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher, als ich noch nicht solange in der Familientherapie war, habe ich mich nicht so
getraut, meine Haltung zu sagen.

[00:17:39.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr ich mit Eltern und kleinen Kindern arbeite, sage ich dann auch klar, das
versteht das Kind nicht. Jetzt ist die Situation.

[00:17:48.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht kann man das jetzt nicht machen und ich würde es eher so machen.

[00:17:53.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bringe ich auch meine Meinung rein.

[00:17:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bleibe nicht einfach neutral.

[00:17:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht eine Analytikerin, die hinten auf dem Sofa sitzt.

[00:18:05.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe meine Meinung rein.

[00:18:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann Mutter oder der Vater sagt: Ja, aber wegen dem und wegen dem geht das
nicht, dann bringen sie neue Informationen rein.

[00:18:15.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ok, wenn man das bedenkt, dann ist das vielleicht noch besser.

[00:18:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erarbeitet zusammen einen gangbaren Weg.

[00:18:24.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie richtig oder falsch.

[00:18:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die streitenden Eltern, die muss man immer wieder auseinanderhalten.

[00:18:36.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann vom einen versucht herauszufinden, wo er steht und was er
verwirklichen will und was ihm wichtig ist und der andere schiesst gerade rein, dann
muss ich sagen: Warten sie, warten sie, ich will mir zuerst ein Bild von dem einen
machen, dann komme ich dann zu ihnen.

[00:18:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind natürlich gewöhnt, immer gerade eine Gegenmeinung zu sagen.

[00:18:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man voll verrissen.

[00:19:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Hunde miteinander streiten, das sollte man sie nicht vorne am Kopf
anpacken, sondern man muss sie an den Beinen rausziehen, damit sie nicht mehr
miteinander streiten können.

[00:19:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So versuche ich hochstrittige Eltern immer auseinander zu nehmen.

[00:19:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: ich habe das Bild noch nicht richtig, sie kommen dann schon noch an die
Reihe, aber nicht gleichzeitig, sonst kann ich nicht mehr zuhören.

[00:19:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die hochstrittigen Eltern immer wieder ein bisschen auseinandernehmen.

[00:19:28.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat natürlich das Gefühl, man sei mehr auf der einen oder auf der anderen Seite.

[00:19:30.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man aushalten.

[00:19:34.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne würde ich sage: Es ist ganz wichtig, wenn man mit hochstrittigen Eltern
zu tun hat, dass man ja nicht als Jurist agiert, ja nicht als Schlichter, sondern als
Versteher.

[00:19:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann auch wiederholen: Aha, meinen sie das so?

[00:20:02.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sage ich das richtig?

[00:20:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja oder nein, das fehlt noch.

[00:20:03.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eigentlich eine Differenzierungsarbeit, dass man herausfindet, wie jeder steht und
was bei jedem wichtig ist.

[00:20:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht zu schnell zu einer Einigung gehen, sondern eher zu einer Differenzierung zum
Auseinanderhalten und das einfach mal so stehen lassen.

[00:20:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hochstrittigen Familien mit ADHS/ADS Genen, die haben mehr Scheidungen, mehr
Abbrüche etc. Die sind sehr impulsiv, die können nicht warten, die wollen immer gleich
auch ihre Sache sagen. Dann hat man einen grossen Salat.

[00:20:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hochstrittigen ADHS/ADS Familien muss man immer wieder beruhigen und sagen:
Ja, sie kommen auch bald an die Reihe, aber jetzt will ich zuerst da hören, sonst
verstehe ich gar nichts.

[00:20:51.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen immer sagen: Sonst komme ich nicht draus, sonst kann ich nicht hilfreich
sein.

[00:20:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die hochstrittigen Familien einem auf ihre Seite ziehen wollen, dann muss man
Widerstand machen können.

[00:20:56.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe zurück zu den autistischen ADS Kindern.

[00:21:03.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind hochsensibel und die nehmen alles Emotionale war, mehr als
andere.

[00:21:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Augenblick, wo dann so eine Spannung zwischen den Eltern herrscht, dann haben
die ein völlig verwirrtes Referenzsystem.

[00:21:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder nehmen dann nur die Spannungen war und können sich dann
gar nicht in Ruhe entwickeln, weil sie immer am schauen sind, wo sie sich hinwenden
müssen.

[00:21:31.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es bei den ADHS/ADS Kindern noch viel wichtiger, dass man dieses System
ein wenig auseinander nimmt, dass man Klarheit schafft und erst danach wieder mit
dem Aufbau weiterfährt.

[00:22:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder können dabei sein oder nicht dabei sein, sie nehmen alles war.

[00:22:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorhin von der Sprache gesprochen.

[00:22:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind es gewohnt nur noch über die Konzepte und über die Sprache zu
kommunizieren.

[00:22:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kinder geht es ganz schnell in die emotionale Wahrnehmung.

[00:22:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen gar nichts mehr wahr, wenn keine ruhige Situation da ist. Die nehmen nur
noch das Emotionale war.

[00:22:26.030] – Dr.med. Ursula Davatz

In diesem Sinne, muss man sehr gut darauf achten, was läuft emotional ab im
Familiensystem.

[00:22:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es wichtig, dass man auf diese Hintergründe eingehen kann.

[00:22:34.540] – Bemerkung 4
Deshalb ist es bei diesen Familien so toll mit der Marte Meo Methode zu arbeiten. Man
wird zum Zuschauen gezwungen, man darf nichts sagen, nur beobachten.

[00:22:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die Marta Meo Methode ist sehr gut, sie verpflichtet einem zu verlangsamen, alles
zu bestätigen, alles zu wiederholen.

[00:23:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist sehr sehr hilfreich.

[00:23:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine zeitlang für den ungarischen Familientherapeuten Ivan Boszormenyi-
Nagy der in den USA gelebt hat, übersetzt.

[00:23:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste immer von Deutsch auf Englisch übersetzen und wieder von Englisch auf
Deutsch. Es wurde alles zwei Mal gesagt. Das hat alles sehr verlangsamt und die
Wahrnehmung geschärft.

[00:23:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Marte Meo zwingt einem dazu, dass man wahrnimmt, wahrnimmt, wahrnimmt. Auch
sehr verlangt und die Wahrnehmung dann geschärft. Ja, ja. Marta Meo zwingt einen
dazu, dass man wahr nimmt, wahr nimmt, wahr nimmt und erst dann benennt. Es wird
immer genauer.

[00:23:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie für hochstrittige Eltern, geben sie mir bitte ein paar Beispiele.

[00:24:28.280] – Bemerkung 5
Wenige.

[00:24:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema wurde aber gewünscht.

[00:24:29.680] – Bemerkung 6
Ich habe eine Familie, die Eltern sind getrennt, geben es nach aussen aber nicht preis.
Es weiss es niemand und wohnen immer zusammen in der Familienwohnung. Sie
streiten miteinander.

[00:24:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Familie reingeht, was macht man, mit wem spricht man?

[00:24:54.920] – Bemerkung 6
Mit der Mutter. Ich hatte aber am Dienstag gerade mit beiden ein Gespräch geführt.

[00:25:00.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist es gelaufen?

[00:25:04.440] – Bemerkung 6
Am Anfang sehr angespannt und dann ist es schon ein bisschen besser geworden.

[00:25:09.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay.

[00:25:10.260] – Bemerkung 6

Wenn ich mir ihre Inputs anhöre, dann hätte ich das Gespräch nochmals ein bisschen
anders geführt.

[00:25:16.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich wirklich, dass man lernend einsteigt und versucht herauszufinden, aus
welcher Richtung kommt die Mutter, Unconditional Love, das kommt ohnehin immer.

[00:25:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das weiss man schon.

[00:25:35.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann noch: Was hat sie erlebt? Wie sind die Positionen gewesen von ihrer Mutter und
dem Vater? Wem hat sie sich untergeordnet?

[00:25:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Frauen, die dann Sachen von ihren Väter übernehmen und dann relativ
dominant reinkommen, als ob sie ein Mann wären und je nachdem auch relativ autoritär
ihre mütterlichen Sachen durch drücken und nicht so gut schauen wollen, woher denn
der Vater kommt.

[00:26:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Mutter?

[00:26:16.240] – Bemerkung 7
Sehr ängstlich, überfürsorglich gegenüber ihrem Sohn. Will aber dass ihr Sohn bereits
in der zweiten Klasse gute Noten nach Hause bringt, selber sich hinsetzt. Der Sohn ist
ADHS.

[00:26:23.720] – Bemerkung 7
Ich spüre einen grossen Druck gegenüber ihrem Sohn. Sie hat auch unheimliche Angst,
dass ihr Sohn in ein Mobbing gerät. Er hat auch eine Hörschwäche, die man nicht
genau einordnen kann, wie stark, dass diese ist.

[00:26:57.020] – Bemerkung 7
Die Mutter hat viele Schuldgefühle.

[00:27:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuld wegen was?

[00:27:04.460] – Bemerkung 7
Das Kind hat seit Geburt viele Operationen gehabt in Bezug auf sein Gehör.

[00:27:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mittelohrentzündung?

[00:27:14.860] – Bemerkung 7
Nein, nein, das ist angeboren.

[00:27:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ängstliche Mutter, ein ADHS/ADS Kind, das sich nicht regulär verhält und die Mutter
möchte mit mütterlichem Engagement das Kind korrigieren und an den richtigen Ort
bringen. Das gibt einen riesigen Druck.

[00:27:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ängstliche Mütter wollen nur das Beste für das Kind.

[00:27:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das hat mir mal ein elfjähriger Junge gesagt.

[00:27:47.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zitiere ich immer wieder.

[00:27:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Kinder brauchen viel Platz um sich intrinsisch zu motivieren, intrinsisch ihre
Sachen machen zu können.

[00:27:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Ängstlichkeit wird da ständig interferiert, man stört und stört und stört.

[00:28:24.140] – Bemerkung 8
Die Mutter macht alles für das Kind.

[00:28:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.

[00:28:25.450] – Bemerkung 8
Ich arbeite mit der Mutter, damit sie dem Kind mehr Freiraum lässt, das Kind mehr
selber bestimmen lässt, auch im Alltag.

[00:28:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter das Kind nicht machen lässt und immer eingreift und hilfreich
eingreifen möchte, aber störend eingreift, dann frage ich meistens nach dem Worst-
Case-Szenario: Vor was haben Sie Angst, dass das passieren könnte?

[00:28:51.150] – Bemerkung 8
Das habe ich auch schon gefragt.

[00:28:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagt die Mutter dann?

[00:28:54.190] – Bemerkung 8
Die Mutter arbeitet nicht und ist 100% zu Hause und hat einen sehr kleinen
Kollegenkreis, sie hat eine Freundin und ist am Abend auch immer zu Hause. Ich habe
vorgeschlagen, dass die Mutter abends mal weggeht oder ins Fitness geht. Das hat sie
eine zeitlang gemacht.

[00:28:54.690] – Bemerkung 8
Die Mutter hat Angst davor, dass es zu Hause eskaliert. Ich habe noch nie in der
Familie gehört, dass es so eskaliert wäre, dass es für Aufsehen gesorgt hat.

[00:29:34.550] – Bemerkung 8
Sie hat immer Angst, dass ihre Nachbarn sie melden.

[00:29:37.560] – Bemerkung 8
Sie will auch immer mit ihrem Sohn in einer guten Stimmung das Haus verlassen, nicht
dass andere merken, dass zu Hause eine gereizte Stimmung herrscht. Die Fassade
nach aussen wird immer gewahrt.

[00:29:52.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch ein Entwicklungs-Verhinderer, wenn man ständig dran ist, etwas
vorzutäuschen oder ja, nicht zu akzeptieren, wie es halt dann ist.

[00:30:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es halt auch Konflikte.

[00:30:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man eigentlich immer so in einem Korsett drinnen, also in eine Rüstung
drinnen.

[00:30:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nimmt das Kind wieder wahr und da kann das Kind sich eigentlich gar nicht richtig
emotional entwickeln.

[00:30:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einer Mutter muss man an erster Stelle die Mutter therapieren oder sie zu
beruhigen versuchen.

[00:30:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man das kann, muss man auch wieder zurückfragen: Woher kommt sie denn?

[00:30:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich dann auch: Was ist den Eltern wichtig gewesen?

[00:30:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt oft heraus: Fassaden, man muss einen guten Eindruck machen, die
Nachbarn dürfen nichts wissen, etc.

[00:30:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das scheint hier sehr stark der Fall zu sein.

[00:30:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde eine Generation hochgehen und fragen wie sie es erlebt hat. Wer ist der am
meisten Angepasste gewesen?

[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat sie es gemacht.

[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, wo ihre ADHS/ADS Gene herkommen, vom Vater oder von der
Mutter.

[00:30:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Mädchen, die passen sich viel mehr an. Die können das auch besser. Wir
Frauen haben andere Gene, andere Hormone aber man unterdrückt sich dann selber.

[00:31:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen, die sich nicht richtig verwirklicht haben, da geht dann alles in das Kind.

[00:31:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch ein Handicap hat, mit dem Hörschaden, dann investiert man noch
mehr in das Kind.

[00:31:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie wenn man das Kind zu fest düngt.

[00:31:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine Pflanze töten mit Dünger.

[00:31:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein bisschen die Situation.

[00:31:50.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht zu viel daran herum zu machen. Das Kind kann sich dann gar nicht richtig
selber entwickeln.

[00:31:51.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mutter könnte man fragen: Was ist für sie das Schlimmste, wenn das Kind was
machen würde?

[00:32:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Extremsituation fragen.

[00:32:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denken sie, was diese Mutter antworten würde?

[00:32:13.880] – Bemerkung 8
Was das Schlimmste ist, was das Kind machen würde?

[00:32:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja. Was will die Mutter verhindern am Kind?

[00:32:23.000] – Bemerkung 8
Sie will nicht, dass er wieder gemobbt wird. Das ist in der Vergangenheit bereits
geschehen.

[00:32:23.420] – Bemerkung 8
Die Mutter will, dass er Freunde hat, dass er gut eingebettet ist sozial und dass er ein
guter Schüler ist und gehorcht in der Schule.

[00:32:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will die Mutter erreichen.

[00:32:36.260] – Bemerkung 8
Sie will einen unabhängigen Mann produzieren, so kommt mir das vor.

[00:32:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, dass sie das so klar sagen.

[00:32:52.080] – Bemerkung 8
Das war eine heftige Mobbing Geschichte, die sich jetzt aber laut Schule und auch laut
dem Sohn verbessert hat oder gar kein Thema mehr ist.

[00:33:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schüler hat es überwunden.

[00:33:08.340] – Bemerkung 8
Ja, und die Klasse auch.

[00:33:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist er noch in der gleichen Klasse?

[00:33:12.530] – Bemerkung 8
Nein, nur gewisse Schüler sind noch in der gleichen Klasse.

[00:33:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter Angst hat, ihr Kind könnte gemobbt werden und dann das Kind
beschützen will vor dem Mobben, dann passiert eigentlich genau das Gegenteil.

[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter lässt nicht zu, dass sich das Kind natürlich entwickelt.

[00:33:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter beschützt ihren Sohn ständig vor irgendetwas, das passieren könnte.

[00:33:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Sohn nicht natürlich ist, dann versucht man auf eine ungeschickte Art und
Weise Kontakt herzustellen. Das Teasing-Verhalten, dann läuft es genau verkehrt.

[00:33:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter nicht will, dass ihr Sohn gemobbt wird, muss sie ihren Sohn viel mehr
selber machen lassen, selber herausfinden lassen.

[00:33:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem die Mutter ihren Sohn ständig schützt, weiss er gar nicht wie er mit der Welt
umgehen muss.

[00:34:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte gestern eine Geschichte, das ist eine erwachsene Frau, die hat gesagt: Ich will
jetzt mal über mein Trauma sprechen, ich wurde in der Schule gemobbt.

[00:34:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein interessantes Beispiel.

[00:34:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frau hatte eine Freundin. Diese Freundin hat sich dann irgendein Mal mit den
anderen Klassenkameraden zusammengetan und dann haben sie sich gegen sie
gerichtet. Sie haben, als sie zur Türe reinkam in die Klasse, den Atem angehalten. Das
ist nichts schlimmes aber diese Frau war sehr traumatisiert.

[00:35:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie daraus abgeleitet hat, ist: Sie dachte die haben den Atem angehalten, weil sie
stinkt.

[00:35:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat sie das interpretiert.

[00:35:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein ganz fieser, feiner Ausschluss.

[00:35:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hatte sie ein anderes Erlebnis, um zu sehen wie die Schule reagiert.

[00:35:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es schneit, dann reiben sich die Schüler gegenseitig den Schnee in das Gesicht.

[00:35:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jungs reiben den Mädchen den Schnee in das Gesicht.

[00:35:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Knaben haben dem Mädchen Schnee in das Gesicht gerieben. Dann hat sie
Atemnot bekommen.

[00:35:42.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat ein anderes Kind gesehen.

[00:35:42.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde der Lehrerin gesagt. Die Lehrerin hat dann von den beiden Knaben verlangt,
dass diese einen Entschuldigungsbrief schreiben müssen, an das Mädchen.

[00:35:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies hatte das Mädchen gar nicht gerne.

[00:35:46.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Über den Entschuldigungsbrief wurde das Mädchen nochmals beschämt.

[00:35:46.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so gedrückt wird, dass man nicht mehr schnaufen kann, das ist
beschämend, man verliert die Kontrolle. Über die Entschuldigungsbriefe fühlte sich das
Mädchen nochmals blöd hingestellt.

[00:36:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee der Lehrer war gut gemeint. Die Lehrer haben in der Erwachsenenwelt
gedacht und nicht in der Kinderwelt.

[00:36:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie gefragt: Was wollte sie denn, das gemacht wird?

[00:36:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Antwort: Gar nichts, oder dass sie hätte sagen können: hier seid ihr zu weit gegangen,
habt ihr nicht gemerkt, dass ich nicht mehr gut schnaufen konnte?

[00:36:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist die Geschichte von George Floyd, wo die Polizei ihn auf den Boden gedrückt
hat, weil er eine Zigarettenschachtel nicht bezahlt hatte und der Barkeeper die Polizeit
geholt hat. Der ist wegen einer Zigarettenschachtel gestorben.

[00:36:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht immer gleich mit der Erwachsenen Moral einfahren und so erwachsen
korrigieren. Man muss sich in die Kinderwelt versetzen und schauen, was ist jetzt für
das Kind gut.

[00:37:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich die erwachsene Moral überstülpen.

[00:37:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat die Mutter ein schlechtes Gewissen, dass ihr Kind einen Hörschaden hat?

[00:37:38.900] – Bemerkung 8
Ich vermute schon, ja, wegen all diesen Operationen.

[00:37:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genetisch oder das ist angeboren.

[00:37:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter haben dennoch ein schlechtes Gewissen, dass sie nicht ein perfektes Kind auf
die Welt gebracht haben.

[00:37:58.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist irgendwie so angeboren.

[00:38:02.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: Nein, das ist Natur, aber mit dem kann man lernen umzugehen.

[00:38:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt schlimmere Handicaps.

[00:38:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter will ständig die Natur korrigieren, mit ihrer Übervorsorglichkeit und fährt
damit eigentlich genau in diesen Baum rein.

[00:38:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der junge für einer? Ist er sehr lebendig?

[00:38:28.070] – Bemerkung 8
Ja, sehr! Er kann sagen was er will. Er spielt gerne den Polizisten zu Hause.

[00:38:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht denn die Mutter?

[00:38:39.600] – Bemerkung 8
Die Mutter nervt sich dann sehr über ihren Sohn.

[00:38:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gesund.

[00:38:43.970] – Bemerkung 8
Dort ist die Mutter gar nicht überfürsorglich.

[00:38:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dort kommt dann die Erziehung und das runterdrücken.

[00:38:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle würde ich fragen: Was hat denn zu Hause für eine Erziehung
geherrscht?

[00:38:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hatte zu Hause das Sagen? Der Vater, die Mutter?

[00:38:57.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie war der Erziehungsstil?

[00:39:02.290] – Bemerkung 8
Das habe ich erst am Rande mitbekommen.

[00:39:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich einmal fragen. Das lohnt sich.

[00:39:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man zwingt natürlich die Leute, zum reflektieren, indem man sie fragt.

[00:39:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versteht es dann auch gleich viel besser.

[00:39:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nicht nur im HIER und JETZT bleiben sondern auch zurückfragen in die
Vergangenheit.

[00:39:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es klingt nach irgendwas Autoritärem hinten dran.

[00:39:30.480] – Bemerkung 8
Ja, das habe ich auch mitbekommen. Sie ist nicht mit ihrem Vater aufgewachsen
sondern mit der Mutter und ihrem Stiefvater.

[00:39:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Stiefvater war wohl autoritär.

[00:39:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie noch Kontakt zum Stiefvater?

[00:39:38.450] – Bemerkung 8
Ja.

[00:39:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müsste sich als erwachsene Frau ihrem Stiefvater gegenüber positionieren. Nicht
mit ihm streiten. Nicht den Vater demütigen.

[00:39:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach sagen: Ich sehe es so.

[00:40:00.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte jetzt sagen: differenzieren.

[00:40:03.290] – Bemerkung 8
Bei ihrer Mutter macht sie das.

[00:40:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat es die Mutter gemacht?

[00:40:08.050] – Bemerkung 8
Das weiss ich nicht so genau, wie die Mutter sie erzogen hat.

[00:40:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Will sie eine bessere Mutter sein, als ihre Mutter?

[00:40:14.620] – Bemerkung 8

Ich denke schon, ja.

[00:40:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hört man ein bisschen heraus.

[00:40:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist sie in einem Wettkampf mit der Mutter und da will sie dann auch keine Kritik von
der Mutter.

[00:40:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder nicht so gesund.

[00:40:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort könnte man auch sagen: sie hat es so gemacht und ich mache es so.

[00:40:38.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss nicht im Wettkampf mit ihrer Mutter sein, sondern darf auch ein bisschen
anders sein.

[00:40:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch eine andere Zeit.

[00:40:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will als Tochter oft der eigenen Mutter beweisen, dass man es besser macht.

[00:40:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht so gesund.

[00:40:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat Grossmutter für eine Beziehung zu dem Knaben?

[00:41:00.420] – Bemerkung 8
Die Grossmutter hat eine liebevolle Beziehung zu ihrem Enkelkind.

[00:41:05.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann es gut mit ihrem Enkelkind.

[00:41:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht der Vater mit dem Kind? Die leben ja im gleichen Haus.

[00:41:30.120] – Bemerkung 8
Der Vater ist sehr präsent am Wochenende. Jedes Wochende teilen sie sich auf. Die
Mutter geht mit der 15 Jährigen Tochter nach Zürich. Das ist immer das Gleiche.

[00:41:32.540] – Bemerkung 8
Der Vater geht mit dem Sohn auf den Pumptrack oder Velo fahren.

[00:41:37.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[00:41:40.900] – Bemerkung 8
Der Vater sieht die Welt nicht so eng und überlässt viel von der Erziehung seiner Frau
und das bringt die Frau in Rage. Dort finden sie sich fast nicht.

[00:41:42.000] – Bemerkung 8
Sie sind kein Liebespaar mehr und leben noch im gleichen Haushalt. Die Reibungen
sind enorm hoch. Sie streiten viel über die Erziehung.

[00:41:54.480] – Bemerkung 8
Sie nervt sich über den Vater, dass er sich keine Zeit für die Hausaufgaben mit dem
Sohn nimmt. Das er sich nicht mit seinem Sohn hinsetzt und Hausaufgaben macht.

[00:42:28.880] – Bemerkung 8
Der Vater arbeitet 100% und kann nicht jeden Tag mit seinem Sohn sich hinsetzen und
Hausaufgaben machen. Sie will, dass der Sohn mehr von der Vaterrolle abbekommt
und eben zu diesem perfekten Mann wird.

[00:42:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Eltern von schizophrenen Kindern gearbeitet.

[00:42:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer dass die Mütter von ihren Partnern, also von den Vätern der Kinder,
dass die noch bessere Mütter sind.

[00:43:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter erwarten, dass die Väter wie die rechte Hand der Mutter sind.

[00:43:11.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat oft eine sehr genaue Vorstellung, wie es der Mann richtig machen muss.

[00:43:20.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es der Mann nicht so macht, dann ist es nicht gut.

[00:43:21.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter beklagen sich dann über den Mann, dass der nie etwas tut. Wenn der Vater
dann aktiv wird, wir sofort gesagt: Aber nicht so.

[00:43:21.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter erheben sich über alles und wollen den Vater im Auftrag von sich selber
reinsetzen.

[00:43:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will kein Mann, dann kommt er sich wie ein Kinderschüler vor.

[00:43:26.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort laufen Frau und Man gegeneinander.

[00:43:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man den Müttern beibringen, dass sie lernen, dass der Vater in eigener Sache
etwas machen kann und dass der Vater nicht einfach die rechte Hand oder die linke
Hand oder ein Angestellter von der Mutter ist.

[00:44:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist oft sehr schwierig.

[00:44:14.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es doch am besten, ich bin Mutter, ich spüre mein Kind, ich weiss es am
besten und der soll es gefälligst so machen, wie ich es finde.

[00:44:26.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft man sehr stark gegen die Mütter an.

[00:44:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wiederholen: Sie sind die Mutter, das ist ok.

[00:44:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater darf in eigener Regie etwas machen.

[00:44:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte sehr viele Mütter, die dem Vater vorschreiben wollen, was sie tun müssen.

[00:44:58.710] – Bemerkung 8
Das trifft zu. Ich weiss nicht ob das Thema Nummer eins ist gerade.

[00:45:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss sich von ganz vielen Dingen lösen.

[00:45:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat die Mutter gelernt? Hat die einen Beruf?

[00:45:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig an diese Mütter ranzukommen.

[00:45:35.770] – Bemerkung 8
Ich bin froh, dass sich die Mutter gegenüber mir geöffnet hat.

[00:45:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist an sich schon gut. Es ist eine Beziehung vorhanden.

[00:45:50.970] – Bemerkung 8
Mal schauen wie das weiter geht. Ich werde bei ihr mehr auf die eigene Erziehung und
auf die elterliche Erziehung schauen. Die Rolle des Vaters, die Rolle der Mutter und
was sie dort gut und nicht so gut gefunden hat.

[00:45:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer: Was wollen sie von Mutter/Vater übernehmen, weil sie es gut gefunden
haben? Was wollen sie gar nicht übernehmen?

[00:46:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer die beiden Extreme anschauen.

[00:46:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man die Mutter fragt, wie sie ihre eigene Erziehung erlebt hat, bringt man sie
dazu ein bisschen zu reflektieren.

[00:46:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur bei der Mutterrolle dem Kind gegenüber bleibt, kommt man nicht weg
davon, dann klebt das sehr.

[00:46:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mir auch mal den Vater alleine vornehmen.

[00:46:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater würde ich dann fragen: Was wollen sie als Vater ihrem Sohn mitgeben? Was
ist für sie als Vater wichtig? Wie sehen sie ihre Vaterrolle?

[00:46:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie von ihrem Vater bekommen, was haben sie von ihrem Vater nicht
bekommen und was wollen sie weitergeben?

[00:46:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lassen oft die Väter aus und die bringen sich auch nicht so schnell ein.

[00:47:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Väter sehr wohl fragen: was wollen sie als Vater ihrem Sohn weitergeben,
was ist ihnen wichtig?

[00:47:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater macht sportliche Sachen mit seinem Sohn. Das ist ok.

[00:47:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will der Vater mental an seinen Sohn weitergeben?

[00:47:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man auch fragen: wie fühlen sie sich gehindert von der Mutter?

[00:47:31.794] – Bemerkung 9
Huch!

[00:47:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Väter zum reden bringen.

[00:48:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo haben sie das Gefühl, dass die Mutter vom Kind ihnen im Weg steht?

[00:48:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Dinge ansprechen, wenn sie ihn alleine sehen.

[00:48:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist der Vater, es ist ein Junge, das gleiche Geschlecht, das spielt eine wichtige Rolle.

[00:48:16.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Trauen sie sich das zu?

[00:48:41.510] – Bemerkung 8
Ja. Er ist ein sehr netter Vater.

[00:48:57.930] – Bemerkung 8
Ich habe Angst davor, dass ich dann auf die Aussage vom Vater falsch reagieren
könnte, dass ich danach das falsche mache damit.

[00:49:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben überhaupt keine Verpflichtung.

[00:49:18.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hindert die Mutter sie in ihrer Vaterrolle, an ihrem Vatersein?

[00:49:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo fühlen sie sich gestört?

[00:49:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann antwortet der Vater irgendetwas.

[00:49:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass sie etwas damit tun müssen.

[00:49:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könne dann fragen: und was machen sie dann, wenn sie sich in ihrer Vaterrole
behindert fühlen? Geben sie einfach nach? Fangen sie einen Streit an?

[00:49:32.440] – Bemerkung 8
Genauer zu verstehen versuchen.

[00:49:41.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, dann versteht man die Interaktion besser.

[00:49:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Vater anleitet ist es wichtig, dass man nicht sagt: das andere ist falsch.

[00:49:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater muss sagen: Ich als Vater möchte es so.

[00:49:52.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Einigkeit, keine Gleichheit, sondern Differenzierung.

[00:50:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater muss für sich hin stehen und sagen was für ihn wichtig ist.

[00:50:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter, die stehen einfach hin und machen einfach. Die Mütter handeln aus ihrem
Mutterinstinkt heraus.

[00:50:16.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter, die sind dann oft nirgends, hätten aber auch eine Meinung.

[00:50:20.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die leben im gleiche Haus, tun so als ob alles wunderbar wäre, dann kann der Vater
auch für sich einstehen.

[00:50:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen den Vater so besser kennen und er fühlt sich ein wenig unterstützt.

[00:50:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn mal alleine sehen, sonst sind wir immer nur auf der Mutter ihrer Seite.

[00:50:51.020] – Bemerkung 9
Warum machen die das, dass sie gegen aussen so tun, als wäre alles in Ordnung?

[00:50:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht über den Konflikt spricht und das Kind nichts weiss, meint man es sei
alles in Ordnung.

[00:51:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verbale Kommunikation steht über allem.

[00:51:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Nonverbal läuft ja das ab, dass es überhaupt nicht stimmt.

[00:51:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Das wäre ein Double Bind, das heisst es funktioniert nicht, man kommuniziert verbal
etwas anderes als das Nonverbale.

[00:51:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die perfekte Atmosphäre für die Entstehung einer Schizophrenie.

[00:51:25.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Schizophrenie-Familien ist genau das herausgekommen, die sogenannte Pseudo-
Mutuality, die Pseudo-Einigkeit, die man immer vortäuscht, man sei zusammen,
emotional gespürt man ständig etwas anderes.

[00:51:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht Angst machen, das ist das schlimmste Klima, welches man einem Kind
zumuten kann.

[00:51:54.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie nicht gleich so weitererzählen. Ich will sie auch nicht verängstigen.

[00:52:01.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: Kennen sie die Untersuchung vom Guy Bodenmann? Das
Schlimmste ist, wenn die Eltern zusammenbleiben und so tun, als ob sie auskommen,
aber nicht zusammen auskommen.

[00:52:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder nehmen das Nonverbale wahr. Wir Erwachsenen haben gelernt, das zu
unterdrücken.

[00:52:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können das Nonverbale nicht unterdrücken.

[00:52:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere auch nicht.

[00:52:38.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es an die Oberfläche holen.

[00:52:45.990] – Bemerkung 8
Die Frau ist sehr pingelig.

Vulnerabilität – Erziehung – Krankheit

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Prof. Dr.med. Luc Ciompi

7.3.2024
Vulnerabilität – Erziehung – Krankheit
Audio

[00:00:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber Luc, ich möchte dich ganz herzlich willkommen heißen zu unserem Gespräch.

[00:00:11.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis jetzt haben wir schon drei Gespräche geführt.

[00:00:13.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer Dir Fragen gestellt und du hast mir geantwortet.

[00:00:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hast du den Vorschlag gehabt, jetzt frage ich dich einmal, du fragst mich einmal.

[00:00:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Vorschlag habe ich sehr schön gefunden und ich habe mich riesig gefreut auf
unsere Sitzung, dass du jetzt mir deine Fragen stellst.

[00:00:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Also ich gebe dir das Wort für die Fragen.

[00:00:39.220] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Okay, Danke, Ursula. Also, es freut mich ja auch nicht. Ich bin jetzt effektiv, glaube ich,
zum vierten Mal hier in deiner Praxis.

[00:00:47.710] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das ist schön, dass ich jetzt einmal die Fragen stellen darf, nicht?

[00:00:52.690] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich finde, wir fangen gerade an, nicht?

[00:00:55.510] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe mir ein paar Fragen so überlegt und meine erste Frage ist: Wieso bist du
Psychiaterin geworden?

[00:01:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, okay.

[00:01:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Eltern waren sehr an Carl Gustav Jung interessiert.

[00:01:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben auch einige Bücher gelesen.

[00:01:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann mit 18, so ungefähr, habe ich auch verschiedene Bücher von Carl
Gustav Jung gelesen.

[00:01:23.860] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Welches? Ich habe nämlich in diesem Alter auch Carl Gustav Jung gelesen.

[00:01:29.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß es nicht mehr, welches es war.

[00:01:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten eine ganze Reihe von Carl Gustav Jung Büchern.

[00:01:38.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde immer von Carl Gustav Jung gesprochen.

[00:01:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte ursprünglich Tiermedizin, dann Tierpsychologie und dann Menschen-
Psychiatrie studieren.

[00:01:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
So bin ich ins Medizinstudium eingestiegen, immer mit der Haltung: Ich will dann mal
Psychiatrie machen.

[00:01:58.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sogar die Tochter von Carl Gustav Jung, die Gret Baumann-Jung
kennengelernt.

[00:02:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat Astrologie gemacht. Also ich habe ein Horoskop von ihr.

[00:02:13.540] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Stimmt es?

[00:02:18.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie das mit den Horoskopen ist. Es hat einige interessante Dinge, die zutreffen und
man beginnt natürlich dann darüber nach zu studieren.

[00:02:27.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich habe es interessant gefunden.

[00:02:29.110] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Hat sie gesagt, dass du eine Psychiaterin und Familientherapeutin, ADHS/ADS
Spezialistin sein wirst?

[00:02:40.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Nein, das hat sie nicht gesagt.

[00:02:40.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich zur Tür reinkam, hat sie gesagt: Ach, es stimmt etwas nicht mit dem Horoskop.

[00:02:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie sie es ausgerechnet hat, wäre ich ein Doppelzwilling gewesen.

[00:02:53.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sie gesagt: Nein, das stimmt nicht. Ich habe nicht das Erscheinungsbild eines
Doppelzwillings. Ich bin Stier im Aszendent.

[00:03:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon etwas anderes.

[00:03:04.660] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Interessant.

[00:03:04.930] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du bist auf die Psychiatrie via Carl Gustav Jung gekommen.

[00:03:12.700] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Zwischen Carl Gustav Jung und der späteren Psychiatrie ist noch allerhand sicher
passiert.

[00:03:19.150] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Hast du diesen Berufsweg nie in Frage gestellt?

[00:03:24.790] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Bist du da geradlinig auf einen bestimmten Fokus zu gegangen, oder wie war das?

[00:03:35.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn nie in Frage gestellt.

[00:03:38.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe, als ich in Lausanne war, als Assistenzärztin, wo ich dich ja kennengelernt
habe, habe ich Sigmund Freud gelesen.

[00:03:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiß auch nicht mehr, welches Buch.

[00:03:52.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich das gelesen, da habe ich gedacht: es ist alles schön logisch, aber das
Leben ist nicht so.

[00:04:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es trifft nicht zu.

[00:04:02.110] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ja.

[00:04:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich in Lausanne ein Jahr gemacht, dann Innere Medizin, und dann bin ich in
die USA.

[00:04:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA habe ich die Ausbildung als Psychiaterin gemacht.

[00:04:13.060] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
In Lausanne, Verzeihung, wenn ich dich unterbreche, in Lausanne, das war auch
Psychiatrie?

[00:04:21.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ja, klar. Klar.

[00:04:23.020] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du hast einfach in Lausanne angefangen und dann in den USA weitergefahren.

[00:04:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in die Psychiatrie eingestiegen bin, wollte ich immer schon mich mit
Schizophrenie befassen.

[00:04:37.120] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wieso?

[00:04:38.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fand es die interessanteste Krankheit.

[00:04:41.020] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ja, das finde ich und offenbar du auch.

[00:04:45.190] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Noch heute. Es ist nicht selbstverständlich.

[00:04:49.690] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die meisten, die in die Psychiatrie gehen, die gehen nicht in die Schizophrenie.

[00:04:54.700] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Könntest du da etwas darüber sagen, was dich da fasziniert hat?

[00:05:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Vater war Ingenieur. Ingenieure lösen gerne Probleme.

[00:05:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer gerne Probleme gelöst.

[00:05:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwie hatte ich die Affinität zu der Schizophrenie Krankheit.

[00:05:17.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte die besser verstehen lernen.

[00:05:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich mich umgeschaut.

[00:05:23.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr.med. Christian Müller, der Nervenarzt galt als Schizophrenie Spezialist.

[00:05:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gedacht okay, dann gehe ich nach Lausanne.

[00:05:31.730] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Deshalb bist du nach Lausanne gegangen.

[00:05:34.370] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wollen wir das vielleicht noch etwas zeitlich fixieren? Wann war denn das?

[00:05:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss gerade studieren.

[00:05:42.020] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre.

[00:05:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz

1971.

[00:05:46.010] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe dort seinerzeit die Enquête de Lausanne geleitet, das ist ein großes
Forschungsprogramm.

[00:05:57.380] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe angefangen, die Sozialpsychiatrie dort aufzubauen.

[00:06:03.320] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Dort haben wir uns kennengelernt.

[00:06:05.750] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Anfangs der 1970er Jahre.

[00:06:08.390] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Eine Frage, um noch etwas tiefer hier zu bohren.

[00:06:18.710] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du gingst nach Lausanne, offenbar wegen Dr.med. Christian Müller.

[00:06:22.460] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass eine Deutschschweizerin nach Lausanne
kam.

[00:06:28.940] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es besteht ein Graben nach meiner Meinung. Wie hast du den überwunden?

[00:06:39.170] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Bist du einfach weg Dr.med. Christian Müller nach Lausane gegangen?

[00:06:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:06:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In Lausanne war Dr. Calanca.

[00:06:46.010] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ja.

[00:06:46.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. Clanca hat mir dann Dingleton Hospital in Melrose angegeben.

[00:06:49.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die therapeutische Gemeinschaft in Melrose, Schottland.

[00:06:55.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich einen Besuch gemacht.

[00:06:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte ich dort drei Monate so einen Stage machen, in Melrose in Schottland.

[00:07:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich dort war, ging ein Arzt weg. Dann habe ich eine Stelle bekommen.

[00:07:16.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich neun Monate am Dingleton Hospital in Melros von Maxwell Jones
gearbeitet.

[00:07:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war nicht mehr dort. Das war sehr interessant.

[00:07:26.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich dann jemanden kennengelernt, der Kontakt hatte mit den USA.

[00:07:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
So habe ich dann nach meinen zwei Jahren Innere Medizin, in Samedan im Engadin,
bin ich dann in ein Staatsspital in die USA gegangen.

[00:07:49.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Maxwell Jones ist natürlich ein großer Name, damals gewesen.

[00:07:56.630] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Heute ist er vielleicht nicht mehr so bekannt.

[00:08:00.170] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das war den Pionier der therapeutischen Gemeinschaft.

[00:08:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Richtig.

[00:08:04.310] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Zum Beispiel im Psychiatriespital Schlösschen, war damals Dr.med. Edgar Heim, später
Co-Direktor in Bern.

[00:08:19.970] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Dr.med. Edgar Heim war dort Chef in den 1960er Jahren und hat Maxwell Jones
mehrfach eingeladen und selber eine therapeutische Gemeinschaft dort aufgebaut.

[00:08:32.150] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das nur nebenbei.

[00:08:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Interessant.

[00:08:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA habe ich zwei Jahre an einem Staatsspital Psychiatrie gemacht.

[00:08:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf einer Abteilung für Jugendliche, Adoleszente, habe ich meinem Lehrer gesagt, ich
will eine Multiple Family Therapie machen.

[00:09:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt Mehr-Familientherapie.

[00:09:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat gesagt okay, mach.

[00:09:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde ist er mit rein gesessen, und nachher hat er mich allein gelassen.

[00:09:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt, jetzt brauche ich Ausbildung.

[00:09:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe rum geschaut, was es gibt. Dann war da das Ackermann Institut von New
York.

[00:09:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben einmal im Monat zwei Tage übers Wochenende eine Ausbildung angeboten.

[00:09:28.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich Murray Bowen kennengelernt.

[00:09:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat auch mal ein Wochenende gemacht.

[00:09:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Theorie, die er gebracht hat, hat mich sehr beeindruckt.

[00:09:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt, zu dem will ich, der ist gut.

[00:09:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich bei Murray Bowen gemeldet und habe dann dort ein Fellowship
Programm bekommen von zwei Jahren.

[00:09:51.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ein Jahr länger geblieben.

[00:09:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kam zurück in die Schweiz, in den Kanton Aargau, meinen Heimat Kanton.

[00:10:00.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte in den USA Kontakt mit Dr. Maxwell Jones.

[00:10:01.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. Maxwell Jones hat mich gefragt: Weisst du nicht irgendein Spital, an dem ich meine
Theorie bringen könnte.

[00:10:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in Königsfelden gefragt.

[00:10:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kam Dr. Maxwell Jones nach Königsfelden.

[00:10:18.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Er konnte kein Deutsch, kein Schweizerdeutsch.

[00:10:23.030] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe ihn auch etwas kennengelernt, hier in der Schweiz.

[00:10:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. Maxwell Jones hat sehr gut beobachtet und geschaut. Die Gruppendynamik
gesehen und konnte dann sagen, wie der Gruppenprozess läuft.

[00:10:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. Maxwell Jones ging dann noch zu Dr.med. Edgar Heim ins Schlössli.

[00:10:41.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort war ich glaube ich sogar auch dabei.

[00:10:49.070] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Fein, das sind genau die Dinge, die ich dich auch fragen wollte.

[00:10:55.940] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du hast von Multiple Family Therapy gesprochen.

[00:11:07.430] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich meine zu wissen was eine eine Familientherapie ist.

[00:11:12.020] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe selber solche gemacht. Multiple Family ist mir nicht klar.

[00:11:16.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wieso hast du dich überhaupt für Familiendynamik und Familientherapie interessiert?

[00:11:26.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich auf dieser adoleszenten Abteilung war, in Detroit, St. Elizabeth's Hospital in
Michigan haben wir mehrere schizophrene Jugendliche gehabt.

[00:11:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Weiterbildung wurde mal Multiple Family Therapy vorgestellt.

[00:12:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat mich das fasziniert.

[00:12:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: ich will so eine Gruppe machen.

[00:12:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten drei Elternpaare und je einen schizophrenen Patienten dabei.

[00:12:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Gruppe habe ich dann geleitet.

[00:12:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Oberarzt war nur einmal dabei und dann hat er mich allein gelassen.

[00:12:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt, jetzt brauche ich unbedingt mehr Ausbildung.

[00:12:33.470] – Dr.med. Ursula Davatz
So habe ich dann mitgemacht am Ackermann Institut.

[00:12:39.520] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Mir ist noch immer nicht klar, was eine multiple Familientherapie ist.

[00:12:44.740] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Eine Familie, das ist gut und recht, schon sehr komplex, aber mehrere Familien?

[00:12:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind drei Elternpaare, also Vater und Mutter, drei Paare und immer das schizophrene
Kind dabei.

[00:13:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat man alle gleichzeitig im Raum.

[00:13:04.330] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Mit derselben diagnostischen Gruppe.

[00:13:07.090] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das war damals sehr inn, als Idee, dass die Familienbeziehungen innerhalb von
Familien, die psychotische schizophrene Kinder haben, gewisse Störungen aufweisen.

[00:13:28.120] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Gewisse gemeinsame Störungen. Kommunikationsstörungen, double bind.

[00:13:38.020] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Dass man dann auf die Idee kommt, solche Familien, drei zum Beispiel zusammen zu
nehmen, das leuchtet mir ein, aber mir war das nicht etwas geläufiges ist.

[00:13:59.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen in Washington D.C. war mein Lehrer.

[00:14:08.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst Ackermann und dann Murray Bowen.

[00:14:13.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat am NIMH Eltern und ihre schizophrenen Kinder über ein Jahr oder
anderthalb Jahre hospitalisiert und beobachtet.

[00:14:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Zudem bin ich dann eben gegangen.

[00:14:33.040] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Willst du vielleicht ganz kurz charakterisieren, was das Konzept von Murray Bowen
war?

[00:14:45.710] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Grundidee.

[00:14:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grundidee ist, dass die Familie mit dem Schizophrenie Kranken zusammen ein
Organismus ist. Die anderen Kinder natürlich auch.

[00:15:01.520] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ein System ist, ein Kommunikationssystem.

[00:15:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein emotionales System, funktionales System.

[00:15:14.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb nicht beim kränksten Mitglied ansetzen, sondern dass man bei den Stärkeren
ansetzt, das wären die Eltern.

[00:15:26.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man bei den Eltern Veränderungen macht, damit sich diese dann auch auf den
Patienten auswirken.

[00:15:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Virginia Satir und andere haben mit beobachtet, wenn diese Familien Sitzungen
stattgefunden haben.

[00:15:42.680] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das war damals sehr Mode, hinter einem Einwegspiegel Therapien zu beobachten,
eine äußere Beobachtergruppe.

[00:15:59.420] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Mara Selvini Palazzoli aus Mailand hat das erfunden.

[00:16:09.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Mara Selvini Palazzoli ist damals auch in die USA gekommen. Ich habe sie auch erlebt.

[00:16:13.070] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Zurück zum Konzept von Murray Bowen.

[00:16:18.170] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du sagst, Murray Bowen setzt bei den Eltern an. Das leuchtet ein, die sind dominanter
als ein Kind.

[00:16:28.010] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Hat Murray Bowen beim Verhalten der Eltern irgendwelche Probleme identifiziert?

[00:16:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Murray Bowen hat die enge symbiotische Beziehung zwischen Mutter und
schizophrenem Kind angeschaut. Haben andere auch schon gemacht.

[00:16:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann hat er die Dreiecksbeziehung angeschaut und gesagt: in diesen Schizophrenie
Familien läuft eine pathologische, eine konflikthafte Beziehung ab zwischen den Eltern
und das wird auf das Kind übertragen.

[00:17:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird trianguliert in der Paarbeziehung, in der dysfunktionalen Paarbeziehung.

[00:17:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat auch gesagt: man kann einen Konflikt nie lösen, wenn man über eine
dritte Person geht. Der Konflikt muss immer in der Zweierbeziehung gelöst werden.

[00:17:31.130] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich finde das sehr interessant.

[00:17:37.040] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Meine Frage ist jetzt: ist da nicht quasi versteckt drin, eine Art von Schuldzuweisung?
Die Eltern sind schuld an der Schizophrenie des Kindes?

[00:18:03.770] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Frieda Fromm-Reichmann, hat von der schizophrenogenen Mutter gesprochen. Das hat
ja nachher vor allem in den USA, Europa sehr viel Widerstand geweckt gegen die
ganzen Familientherapien.

[00:18:22.550] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Eltern wollten natürlich nicht schuld sein. Dann hat man sich von dieser
Schuldzuweisung gelöst.

[00:18:30.770] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wie siehst du das?

[00:18:32.330] – Dr.med. Ursula Davatz
In diese Kritik läuft die Familientherapie immer wieder rein.

[00:18:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Frieda Fromm-Reichmann: I never promised you a rose garden.

[00:18:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Frieda Fromm-Reichmann hat von der schizophrenogenen Mutter geredet.

[00:18:44.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat nicht von einer schizophrenogenen Mutter, sondern einer
dysfunktionalen Beziehung gesprochen.

[00:18:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Konzept der Schuld ist aus meiner Sicht ein religiöses Konzept.

[00:18:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich operiere nie mit Schuld.

[00:19:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Ballistik, wenn ein Pendel das andere anschlägt, ist das schuld?

[00:19:06.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist einfach eine Wirkung, eine Reaktion und vielleicht Gegenreaktion.

[00:19:12.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde mit dem häufig konfrontiert.

[00:19:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste mich dann immer wehren und sagen Nein, es geht nicht um
Schuldzuweisung.

[00:19:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Schuld ist kein therapeutisches Konzept.

[00:19:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um Reaktion, Interaktion, Balance zwischen den Kräften usw.

[00:19:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht es sehr neutral darzustellen, so wie ein Ingenieur.

[00:19:38.660] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das ist ein Kernpunkt, zumindest für die Schizophrenie-Familien Behandlung.

[00:19:51.600] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Diese Probleme zwischen den Eltern, was macht man damit?

[00:20:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe noch ein anderes Konzept von Theodore Litz: Pseudomutuality,
Pseudoeinigkeit.

[00:20:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Gregory Bateson hat von Double Bind geredet.

[00:20:52.260] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Was macht man mit dieser Problematik zwischen den Eltern?

[00:21:00.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz einfach gesagt, muss man die Unterschiede zwischen den Eltern herausarbeiten.

[00:21:09.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben die Tendenz, die Unterschiede zu leugnen.

[00:21:13.050] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi

Das ist die Pseudomutuality.

[00:21:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auf beiden Seiten die Unterschiede herausholen.

[00:21:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will die Mutter, was will der Vater, was sind die Unterschiede? Woher kommen sie?

[00:21:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Konflikt an das Tageslicht holen und dann schauen, wie geht es weiter?

[00:21:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass die zusammenbleiben.

[00:21:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der Eltern, die ich kenne, von Schizophrenen, die haben irgendwann mal
geschieden.

[00:21:49.380] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ist das eine Lösung?

[00:21:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Untersuchung von Prof. Dr. Guy Bodenmann, der Psychologieprofessor,
früher in Freiburg, jetzt in Zürich.

[00:21:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Prof. Dr. Guy Bodenmann hat Untersuchungen an Familien gemacht.

[00:22:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beste ist, wenn die Eltern gut miteinander auskommen, dann geht es den Kindern
am besten.

[00:22:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die Eltern zusammenbleiben und so tun, als ob sie
auskommen, aber nicht zusammen auskommen.

[00:22:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist Scheidung besser.

[00:22:15.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch den Leuten, wenn es soweit ist.

[00:22:19.440] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ein ganz wichtiger Punkt.

[00:22:45.930] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe jetzt noch eine Frage.

[00:22:48.660] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich kenne das Mehrgenerationenkonzept.

[00:22:53.790] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Eltern sind selber schon gefangen, in irgendeiner bestimmten Verhaltensblase,
würde ich einmal sagen.

[00:23:05.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das kann von ihren eigenen Eltern herkommen oder sogar noch über zwei Familien
Generationen hinweg.

[00:23:11.430] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Arbeitest Du auch mit dem?

[00:23:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Unbedingt! Ich nehme immer ein Drei-Generationen-Familienschema auf, ein
Genogramm, Familiendiagramm.

[00:23:26.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer meine Standardfragen: was waren die Wertvorstellungen des Vaters,
der Mutter. Was waren die Erziehungsmethoden? Wie haben die Eltern ihre
Wertvorstellungen durchgesetzt?

[00:23:43.080] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Wertvorstellungen sind natürlich ganz wichtig als Leitlinien.

[00:23:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen ob die Elterngeneration das weiter machen will oder wollen
die es ganz anders machen?

[00:23:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat immer die Situation: entweder macht man es gleich wie die eigenen Eltern oder
man wählt konträr das Gegenteil.

[00:24:09.840] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das Gegenteil ist beinahe dasselbe wie das, was die Eltern gemacht haben, bloß
schwarz weiß.

[00:24:15.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, die andere Seite der Medaille.

[00:24:18.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr aufschlussreich.

[00:24:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich gehe auch in die vierte Generation hoch, wenn die Leute das wissen und das ist
hochinteressant.

[00:24:28.800] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich möchte jetzt zu dieser ganzen Familiendynamik sagen, ich fühle mich quasi
zurückversetzt in die 1970er, 1980er Jahre, wo das wirklich ein sehr aktuelles Thema
war.

[00:24:45.460] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Heute nicht unbedingt in dem Maß.

[00:24:50.890] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Meine Frage ist die folgende: die ganze Familiendynamik, in der heutigen
Psychiatrielandschaft ist das doch ein bisschen eine Randstellung.

[00:25:11.200] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Seit den späten 1980er Jahren ist die Neurobiologie immer dominanter geworden, die
neurobiologische Gehirndynamik.

[00:25:29.410] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Inzwischen hat es zwei, drei Generationen gegeben, die zum Teil überhaupt nichts
mehr Wissen von der Familie.

[00:25:43.570] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Sie wissen nichts mehr von Psychodynamik, nichts mehr von Soziodynamik.

[00:25:47.650] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Ursachen werden einzig in den Genen und in der aktuellen Hirnfunktion gesucht.

[00:25:58.630] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich bin nicht dieser Meinung.

[00:26:02.920] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich hätte gerne deine Meinung zu dieser Entwicklung.

[00:26:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits ist das eine interessante Entwicklung, aber sie ist sehr einseitig.

[00:26:14.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich interessiere mich auch für Genetik und das ADHS/ADS.

[00:26:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein genetisch vererbter Neurotyp, die sogenannte Neurodiversität.

[00:26:28.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kombiniere das genetisch vererbte Material des Gehirns, das Verhalten vom ADHS/
ADS Menschen und die Erziehung.

[00:26:40.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann es gute Passungen geben zwischen dem Temperament des Kindes, zwischen
den Eigenschaften des Kindes, sodass das Kind sich gut entwickeln kann, auch wenn
es in der Schule vielleicht Probleme hat.

[00:26:57.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehungsmethode überhaupt nicht passt, also eine schlechte Passung zum
Kind, dann haben wir Probleme.

[00:27:06.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen ganz viele psychiatrische Krankheitsbilder heraus und auch somatische
Krankheitsbilder.

[00:27:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beobachte ich jetzt immer.

[00:27:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich drei Generationen Familienstammbäume habe, kann ich schauen, dort hat
bipolare Störung gegeben, da Schizophrenie, da Depression, da eine körperliche
Krankheit, Invalidenrente usw.

[00:27:31.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer das ganze Familienschema vor mir.

[00:27:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist hochinteressant.

[00:27:37.330] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Bei der schizophrenen Psychose und anderen Störungen versuchst du ein
Integrationsmodell, wo einerseits gewisse genetische Faktoren da sind, die eine Art von
Umgebung liefern, andererseits ist ein Umfeld da.

[00:28:02.740] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich finde deinen Ausdruck der Passung sehr schön.

[00:28:07.090] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es ist nicht so, dass ein ganz bestimmter Typ einfach der Schlechte ist, schuldig ist.

[00:28:24.850] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es gibt Leute, die sehr sorgfältig, ordentlich sind. Die passen nicht zu jemanden, der
das nicht ist aber sie passen vielleicht grossartig zu einem anderen Kind, das ebenfalls
eine ähnliche Tendenz hat.

[00:28:50.290] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das entlastet und relativiert die ganze Schuldzuweisungsfrage ungemein.

[00:28:57.580] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du versuchst eine Integration des genetischen Terrains mit der Umgebungswirkung, die
Familienwirkung, bestimmt auch die Schule.

[00:29:22.150] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Überhaupt die Gesellschaft, die Umgebung, die Spielgenossen, die Altersgenossen
usw.

[00:29:32.200] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das führt uns jetzt auf die ADHS/ADS Frage.

[00:29:52.420] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du beschäftigst Dich schon sehr lange Zeit mit ADHS/ADS.

[00:30:02.740] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wie kam es zu diesem Link?

[00:30:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in Samedan auf der Inneren Medizin war, kam ein Kinderarzt aus St. Gallen. Er
hat von frühkindlichem POS gesprochen.

[00:30:26.800] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Psycho Organisches Syndrom.

[00:30:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gedacht: was der erzählt, das ist doch sehr nahe bei der Schizophrenie.

[00:30:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich herausgepickt habe, war die hohe Sensitivität.

[00:30:41.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Kinderarzt hat gesagt: diese POS Kinder sind sehr sensibel.

[00:30:45.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: Ja, die Schizophrenen auch.

[00:30:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich dann so im Kopf behalten.

[00:30:53.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in den USA war, hatte ich POS Patienten, die im Gefängnis gelandet sind.

[00:30:53.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich 1980 zurückgekommen bin, nach fünf Jahren USA, hatte ich einen Patienten.
Der hatte die Diagnose eines frühkindlichen POS.

[00:31:16.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Der war aber schizophren.

[00:31:19.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, da ist doch wirklich ein Zusammenhang.

[00:31:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich begonnen, das weiterzuverfolgen.

[00:31:27.160] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich denke, dass der Ausdruck POS, Psycho-Organisches Syndrom, den Leuten von
heute wahrscheinlich kaum mehr etwas sagt.

[00:32:03.730] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Warum ist das POS praktisch identisch dem ADHS/ADS?

[00:32:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist etwas anderes. Die verhalten sich dann psychologisch anders.

[00:32:26.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verhaltensweise wird bestimmt durch die andere Funktionsweise des Gehirns.

[00:32:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat damals viele Namen gehabt, MBD einer war, Minimal Brain Dysfunction. Das
ist kein schlechter Ausdruck.

[00:32:48.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man auf einmal alles reduziert auf Aufmerksamkeitsstörung,
Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperkinetisches Syndrom.

[00:33:01.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage das A, die Aufmerksamkeitsstörung, das ist eine breite Aufmerksamkeit, das ist
eine Störung im Schulsystem, wenn man immer auf den Lehrer fokussiert sein muss.

[00:33:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Natur geht, dann ist das keine Störung. Dann ist es ein Plus.

[00:33:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA hat man Studenten mit ADHS/ADS und Studenten ohne ADHS/ADS Büsche
zur Verfügung gestellt, wo sie Früchte picken mussten.

[00:33:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler haben viel schneller gepflückt, die haben nur so das Oberflächliche
gepflückt, dann sind sie weiter zum Nächsten, zum Nächsten. Die waren viel schneller.

[00:33:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Die, die kein ADHS/ADS hatten, die haben alles schön systematisch bis zum Ende
gepflückt, aber waren langsamer.

[00:33:58.450] – Dr.med. Ursula Davatz
The Guardian, 21.03.2024: ADHD may have been an evolutionary advantage, research
suggests. Traits associated with the neurodevelopmental disorder could have helped
early humans when foraging for food.

[00:33:58.747] – Dr.med. Ursula Davatz
Attention deficits linked with proclivity to explore while foraging. David L. Barack†, Vera
U. Ludwig†, Felipe Parodi, Nuwar Ahmed, Elizabeth M. Brannon, Arjun Ramakrishnan
and Michael L. Platt Published: 21 February 2024 https://doi.org/10.1098/rspb.2022.2584

[00:33:58.990] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Sehr interessant.

[00:34:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Verhaltensweise ist überlebens-technisch hilfreich.

[00:34:11.800] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du hast das Beispiel vom Wald gebracht.

[00:34:17.710] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
In der Schule ist kein Wald. Da ist ein Lehrer, der jetzt genau diese Rechenaufgabe
gelöst haben will und nicht den Vogelsang draußen auf dem Baum.

[00:34:30.130] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Da ist es dann sehr ungünstig.

[00:34:33.100] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es.

[00:34:34.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich breite Aufmerksamkeit.

[00:34:37.840] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wir haben jetzt festgestellt, man kennt das ADHS/ADS Syndrom schon von früher als
POS, als Minimal Brain Syndrom.

[00:34:54.010] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Schon damals war effektiv diese Aufmerksamkeitsstörung nicht nur die Aufmerksamkeit.

[00:34:59.440] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Auch andere kognitive Störungen wurden da registriert.

[00:35:06.910] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren, wurde damals schon durch verschiedene
Studien festgestellt, dass das ein Risikofaktor für den Ausbruch einer Psychose sein
kann.

[00:35:36.510] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es muss nicht sein.

[00:35:38.130] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es gibt unendlich viel mehr ADHS/ADS Syndrome als es Psychosen gibt.

[00:35:45.810] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es ist ein vulnerables Terrain.

[00:35:47.550] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es gibt noch das Vulnerabilitäts-Stress-Konzept der Schizophrenie.

[00:36:01.890] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das ist ein zentrales Konzept, um die Schizophrenie besser zu verstehen.

[00:36:12.390] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Könntest du jetzt noch etwas zum ADHS/ADS sagen und zur Schule übergehen?

[00:36:34.770] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS, das H steht für Hyperkinese/Hyperaktivität.

[00:36:43.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hyperaktiven Kinder, die fallen auf.

[00:36:46.710] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Der Zappelphilipp.

[00:36:47.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Zappelphilipp hat der Frankfurter Nervenarzt Heinrich Hoffmann (1809–1894)
beschrieben.

[00:36:47.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADS Kinder, die sind nicht motorisch hyperaktiv, sondern im Kopf hyperaktiv.

[00:37:04.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die gehen alle nach außen, vielleicht aggressiv, hyperaktiv.

[00:37:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler denken, hirnen, überlegen. Das ist schon bald mal bei der Psychose.

[00:37:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wird auch viel gedacht.

[00:37:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus, nach innen gewendet.

[00:37:28.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passiert, dass die Eltern nicht wissen, was ist.

[00:37:35.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind sehr auf die Sprache ausgerichtet.

[00:37:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind nicht sagen kann, was ihm fehlt, dann fehlt ihm nichts.

[00:37:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch ein Erwachsener, der sagt ja nichts, dann hat er nichts.

[00:37:48.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[00:37:50.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft so viel da innen ab, was eine riesige Auswirkung hat auf das ganze Leben
dieses Menschen.

[00:37:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADS Kinder gehen verloren in der Schule, die bemerkt man gar nicht.

[00:37:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADS Kindern tut man häufig unrecht.

[00:38:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ADHS/ADS umgehen zu lernen ist nicht so einfach.

[00:38:24.720] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Etwas, was du in deinen Büchern und Vorträgen auch immer wieder sagst: ein solches
Syndrom/Störung ist relativ häufig, muss aber nicht in einer Psychose enden.

[00:39:06.510] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es kann dazu kommen in einem bestimmten Prozess.

[00:39:09.270] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Vielen andere psychischen Störungen sind auch noch möglich.

[00:39:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst habe ich nur ADHS/ADS und Schizophrenie beobachtet.

[00:39:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt beobachte ich alles.

[00:39:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mädchen ein ADHS/ADS hat und es wird zu streng erzogen, passt sich an,
kommt in die Pubertät, dann tritt die Borderline Persönlichkeitsstörung auf.

[00:39:44.970] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Oh!

[00:39:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schillernde Borderlinepersönlichkeit mit starkem Temperament, viel Wechsel.

[00:39:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Männer und Frauen kann es die bipolare Störung geben.

[00:39:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Manie ist ein Sprengen der Fesseln, der Fesseln, der strengen Erziehung.

[00:40:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erkenne ich in den Familien wieder.

[00:40:10.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man genauer schaut, die Manie, die ist ja eigentlich ein übertriebenes ADHS/
ADS. Schnelle Gedanken, schnell reden, wenig schlafen, viel Action usw.

[00:40:24.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Delinquenz tritt eher bei den Jungen auf.

[00:40:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die jungen Männer nicht richtig geführt werden, wenn die nicht genügend Platz
haben, um sich zu entwickeln, dann springen sie auf einmal aus dem System raus und
entwickeln dann ihre eigene Moral und ihren eigenen Moralkodex.

[00:40:50.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird grenzüberschreitendes Verhalten wird zur Routine.

[00:40:56.990] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Eine Zwischenfrage.

[00:40:58.700] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Dieses grenzüberschreitende Verhalten, kann das auch Aggressivität sein?

[00:41:04.100] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Kann das auch Abdriften in irgendeinen Extremismus sein?

[00:41:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, absolut!

[00:41:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt allgemein ADHS/ADS Menschen sind kreativer.

[00:41:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind kreativer, weil sie Grenzen überschreiten können.

[00:41:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann dann alle möglichen Arten von Grenzüberschreitungen geben.

[00:41:23.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es 40% ADHS/ADSler.

[00:41:29.660] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du beschreibst das ADHS/ADS als ein gemeinsames Vulnerabilität Terrain, das zu allen
möglichen psychischen Störungen führen kann. Vielleicht auch zu gar keinen.

[00:41:56.330] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ist diese Meinung jetzt eine Schulmeinung in der Psychiatrie?

[00:41:56.420] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ist das ein Minderheitsvotum?

[00:42:13.070] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ist das überhaupt empirisch belegt oder ist das einfach so eine intuitive Idee?

[00:42:21.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur intuitiv, sondern auch beobachtend.

[00:42:25.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte alle meine Familien.

[00:42:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist weit entfernt von einer Schulmeinung.

[00:42:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulmeinung redet von Komorbidität.

[00:42:34.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier das ADHS/ADS und dort die andere Krankheit.

[00:42:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von Folgekrankheiten.

[00:42:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das ADHS/ADS.

[00:42:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit dem ADHS/ADS ungeschickt, nicht adäquat umgeht, dann kommt die,
oder die, oder die Störung raus.

[00:42:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtkrankheiten entstehen auch aus dem ADHS/ADS.

[00:42:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen dann Selbstmedikation, behandeln sich mit Suchtmitteln.

[00:43:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Schulmeinung, noch nicht.

[00:43:08.450] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
In meiner Wahrnehmung, die nicht mehr maßgeblich ist, ich bin nicht mehr genügend
auf der Höhe des aktuellen Forschungsstands, nur noch punktuell.

[00:43:19.280] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
In meiner Wahrnehmung ist es nicht ganz so marginal.

[00:43:26.360] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Es ist sicher nicht Mainstream, nicht zentral.

[00:43:30.380] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich sehe zum Beispiel in Lausanne und auch an verschiedenen anderen Orten, wo ich
noch so gewisse Kontakte habe, ist dieser Gedanke einer Wechselwirkung zwischen
Vulnerabilität und Umgebung, eines gemeinsamen Vulnerabilitäts Terrains vorhanden.

[00:44:02.090] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Vielleicht nicht im absoluten Mainstream.

[00:44:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das freut mich sehr.

[00:44:10.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sogar ein Beispiel geben.

[00:44:12.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war an der letzten Schweizer Psychiatrie Tagung, wo wir uns auch getroffen haben.

[00:44:17.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat ein junger Arzt, Psychiater aus Lausanne/Genf etwas über das Gehirn
präsentiert.

[00:44:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Dr.med. Stéphane Kolly hat am Beispiel der Bipolaren Störung (BPD) gesagt, dass der
Hippocampus, das limbische System, das emotionale Hirn, ist mehr vernetzt mit dem
Großhirn als beim Durchschnittsmensch.

[00:44:49.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte mir: ja klar, das ist wieder das ADHS/ADS, das über die Grenzen hinausgeht.

[00:44:56.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn reift später, macht schneller zu und hat da viel mehr Impulse.

[00:45:03.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr.med. Stéphane Kolly hat das neurologisch gezeigt: Change in Emotional and Theory
of Mind Processing in Borderline Personality Disorder. A Pilot Study.

[00:45:11.360] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Meine Hoffnung, meine Beobachtung ist, dass sich ein integratives Verständnis doch
immer mehr durchsetzen wird, weil es natürlich so ist.

[00:45:24.140] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Der Mensch ist nicht nur Gehirn, sondern auch Familie und Umgebung.

[00:45:32.210] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Man ist nicht nur Familie und Umgebung, sondern auch Gehirn.

[00:45:32.770] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Man hat auch noch einen bestimmten Charakter.

[00:45:33.010] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das alles spielt zusammen.

[00:45:33.140] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi

Zum Abschluss: ADHS/ADS und Schule.

[00:45:50.740] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die Schule hat den Auftrag unsere nächste Generation zu sozialisieren.

[00:45:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schüler müssen die Kompetenzen lernen wie Schreiben, Rechnen usw, damit sie
dann später im Erwachsenenleben erfolgreich sind.

[00:46:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat heutzutage Konkurrenz.

[00:46:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat Konkurrenz übers Internet, das Gamen usw.

[00:46:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze IT Branche ist der Schule davon gelaufen.

[00:46:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird in der Schule langweilig, wenn der Lehrer nicht faszinieren kann.

[00:46:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS Kinder, die müssen immer fasziniert sein, die müssen stimuliert
sein.

[00:46:32.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum gibt man ja Stimulanzien, damit sie besser aufpassen.

[00:46:36.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer zu langweilig ist, dann gehen die Schüler alle an ihr Handy, spielen
Spiele.

[00:46:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder werden über das Handy von der IT Branche abgezogen.

[00:46:47.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das immer mit dem Rattenfänger von Hameln.

[00:46:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Stadt hatte Mühe mit der Jugend, die schwierig war.

[00:47:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kam der Rattenfänger von Hameln und hat gesagt: ich helfe euch.

[00:47:04.510] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Gespielt auf der Flöte.

[00:47:05.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab noch eine Plage von den Ratten.

[00:47:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Rattenfänger hat mit der Flöte verführerisch gespielt.

[00:47:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Ratten sind hinterher gelaufen, die Kinder auch und sie sind im Berg
verschwunden.

[00:47:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht, dass unsere Kinder heutzutage im Berg der IT verschwinden.

[00:47:24.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles auf Geld ausgerichtet.

[00:47:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die AI, die Artificial Intelligence, das sind interessante Erfindungen, aber wir dürfen das
Menschsein nicht verlieren.

[00:47:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulen müssen sich persönlicher einsetzen, dass sie die Kinder nicht verpassen,
dass sie die abholen. Es ist ein hoher Anspruch.

[00:47:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwieriger, heutzutage Lehrer zu sein.

[00:48:00.430] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Was sollen die Lehrer tun mit solchen etwas "schwierigen" ADHS/ADS Kindern?

[00:48:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen die ADHS/ADS Kinder besser erfassen.

[00:48:06.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen die ADHS/ADS einsetzen im sozialen Kontext und nicht vor die Türe
schicken.

[00:48:15.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein biologisches Gesetz.

[00:48:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine heterogene Gruppe, heterogen, verschiedene Gene, überlebt besser als eine
homogene Gruppe.

[00:48:25.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Unser Schulsystem, unsere ganze Gesellschaft, die Politik ist zu sehr auf Homogenität
ausgerichtet.

[00:48:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle gleich, dann kommt ein Windstoß und dann verbläst es alle.

[00:48:37.990] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Einer ist anders und dann wird er ausgegrenzt.

[00:48:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:48:41.170] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Wenn ich dich recht verstanden habe, sollten die Lehrer lernen, etwas abweichende
Kinder darunter ADHS/ADS Kinder als Ressource zu brauchen.

[00:48:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:49:00.940] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Als Ressource der Diversität.

[00:49:02.980] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Die ADHS/ADS Kinder haben ihre Aufmerksamkeit wie im Wald, vielleicht anderswo, wo
auch etwas interessantes ist.

[00:49:10.420] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Das ADHS/ADS hat zum Teil einen schlechten Namen, weil immer wieder gesagt wird:
da steckt die Pharmaindustrie dahinter.

[00:49:47.680] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi

Das ist das Ritalin. Die haben ungeheuerliche Gewinne gemacht weltweit, seit ADHS/
ADS bekannt wurde, propagiert wurde.

[00:50:10.600] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du hast gesagt: weil die ADHS/ADS Kinder hyperaktiv sind, brauchen sie Stimulanzien.

[00:50:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn fokussiert besser, wenn es stimuliert ist.

[00:50:31.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr das Gehirn stimuliert wird, fokussiert es immer besser.

[00:50:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu viel ist, dann fällt es wieder raus.

[00:50:40.490] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können sich über Sport stimulieren, dass dann Dopamin
ausgeschüttet wird.

[00:50:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder man kann es über die Medikamente machen.

[00:50:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer sehr interessant ist, dann sind die Kinder fokussiert über die Art des
Lehrers.

[00:50:59.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer alles so interessant.

[00:51:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Es hilft den ADHS/ADS Kindern, wenn sie ein Stimulanzien haben, wie Ritalin,
Concerta, Elvanse usw., dann können sie viel besser aufpassen im Unterricht.

[00:51:17.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch ihre Aufgaben besser machen.

[00:51:20.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene kann seine Steuererklärung, die langweilig ist, besser ausführen.

[00:51:26.060] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ein Patentrezept, jemand mit ADHS/ADS bekommt Ritalin?

[00:51:28.640] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Bist Du damit einverstanden?

[00:51:32.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein bin ich nicht.

[00:51:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern sagen, ich will nicht, dass mein Kind das nehmen muss.

[00:51:42.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil drängen die Lehrer darauf, und manche Eltern sagen dann: Okay, also gut,
dann machen wir es.

[00:51:49.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind, das sonst vielleicht schlechte Noten hat und dann Ritalin nimmt, dann
besser aufpassen kann, dann kommt es um eine Note oder mehr hoch.

[00:52:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die akademische Ausbildung ist noch nicht alles.

[00:52:04.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler, welche sich kritisch beobachten, die sagen mit Ritalin oder einem
anderen Stimulanzium bin ich weniger kreativ.

[00:52:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fokus wird eingeschränkt.

[00:52:17.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit wird eingeschränkt. Ich bin weniger kreativ und ich spüre
mich nicht so gut.

[00:52:29.390] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du bist zurückhaltend suchst auch nach alternativen therapeutischen Mitteln.

[00:52:39.950] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Du brauchst die medikamentöse Behandlung als Hilfsmittel, je nach Situation?

[00:52:48.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das mache ich.

[00:52:53.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will noch eine kleine Geschichte erzählen, zum Abschluss.

[00:52:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen von Stressreflexen.

[00:53:00.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch ist das: Fight, Flight, Freeze or Tease.

[00:53:01.190] – Dr.med. Ursula Davatz

Kampf, Flucht, Todstellreflex und Necken.

[00:53:01.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Katatonie ist der Totstellreflex.

[00:53:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einer Hundebesitzerin habe ich das Teasen gelernt, zu Deutsch: necken.

[00:53:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing, Necken ist Provokationsverhalten, Kontaktverhalten.

[00:53:35.780] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Der Hund, der mit dir spielen will.

[00:53:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing, Necken, das Spielverhalten kommt bei allen Jungtieren und auch Primaten vor.

[00:53:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sohn, Zeno R.R. Davatz, der sammelt lauter solche Filme und schickt sie dann
auf den Familienchat.

[00:53:56.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sehen wie ein Affe einen Leoparden necken tut, oder wie ein Hund ein
Stachelschwein necken tut.

[00:54:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken geht auch über die Artengrenze hinaus.

[00:54:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder interagieren sehr oft mit Neckspielen. Sie necken gerne ihr Umfeld.

[00:54:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene auch noch.

[00:54:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der ADHS/ADS Personen gehen in die Komik, Clownerie, Schauspielerei usw.

[00:54:26.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die behalten dieses Spielverhalten viel länger.

[00:54:30.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder in der Schule die Lehrer und anderen Schüler necken, dann sind die
Lehrer meistens …, wie soll ich sagen, …

[00:54:40.340] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Nicht so zufrieden.

[00:54:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, die haben nicht so Freude.

[00:54:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die finden das ist respektlos.

[00:54:46.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing, Necken ist Lernverhalten.

[00:54:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten in der Schule all dieses Neben-Durch-Verhalten als Lernverhalten
anschauen.

[00:54:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage dann immer: Der ADHS/ADSler hat Kontakt gesucht auf eine ungeschickte
Weise.

[00:55:01.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sogar viele ADHS/ADSler, die sehen, was die anderen machen, die sind an sich
scheu, ungeschickt, zurückhaltend.

[00:55:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuchen sie mal etwas und dann kommt es etwas ungeschickt heraus und dann
werden sie bestraft.

[00:55:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken, das Teasing müsste man viel mehr im Schulunterricht erlauben, einbauen.

[00:55:22.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, man kann nicht die ganze Zeit rumblödeln.

[00:55:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der ADHS/ADS Kindern sagen: in der ersten Klasse war ich witzig, ich habe den
Clown gespielt. Dann wurde ich bestraft, habe geschwiegen und fertig.

[00:55:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so gut.

[00:55:40.190] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ursula, ich danke dir sehr. Ich fand das sehr, sehr interessant.

[00:55:47.690] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich habe, wie immer, wenn ich mit dir zusammen bin, wieder einiges dazugelernt.

[00:55:53.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Das freut mich.

[00:55:53.570] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ich hoffe die Zuhörer und Zuschauer haben auch etwas gelernt.

[00:56:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich danke dir, Luc Ciompi, dass du mir so interessante Fragen gestellt hast. Wir haben
uns gut unterhalten.

[00:56:08.090] – Prof. Dr.med. Luc Ciompi
Ja.

Kaboom Room mit Fabienne Hadorn zum Thema ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

29.2.2024
Kaboom Room mit Fabienne Hadorn zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:00.000] – Fabienne Hadorn
Sie brauchen das Mikrofon, Frau Dr.med. Ursula Davatz!

[00:00:02.030] – Fabienne Hadorn
Mich interessiert es brennend, haben wir viel Chabis erzählt?

[00:00:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles richtiger Chabis. Ich kann es nur unterstützen, bestätigen. Ich könnte höchstens
ein paar Ergänzungen machen.

[00:00:39.980] – Fabienne Hadorn
Bei welchem Thema sind Sie am meisten ins Schreiben gekommen?

[00:00:42.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht sagen. Ich habe mir eine gewisse Liste gemacht. Wenn mir ein Wort
aufgefallen ist, habe ich es notiert, wie sehe ich es aus meiner Sicht?

[00:00:52.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts falsch gewesen, ich kann nur Ergänzungen machen.

[00:01:05.300] – Fabienne Hadorn
Zu welchem Wort möchten Sie gerne Ergänzungen machen?

[00:01:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erste Wort, das ich notiert habe ist: Tabu-Room.

[00:01:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSlern wenn sie in Fahrt sind, so wie Sie, dann gibt es keinen Tabu-Raum.

[00:01:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann werden alle Tabus gebrochen.

[00:01:20.920] – Fabienne Hadorn
Ist das gut?

[00:01:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Tabus führen nur zu Neurosen und zu Krankheiten.

[00:01:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Tabus muss man immer irgendwann brechen.

[00:01:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das sehr schnell und spontan gemacht.

[00:01:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Therapie mit Leuten an Tabus arbeitet, dann geht es ein bisschen
langsamer.

[00:01:44.020] – Fabienne Hadorn
Das habe ich in der Gruppentherapie auch gemerkt. Ich wurde nur in die
Gruppentherapie geholt, um die anderen ein bisschen …

[00:02:04.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht Sinn.

[00:02:04.180] – Fabienne Hadorn
Was ist Ihnen als nächstes aufgefallen?

[00:02:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe diese Tempel angeschaut.

[00:02:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tempel der Wissenschaft.

[00:02:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Tempeln der Wissenschaft bin ich auch häufig in Konflikt.

[00:02:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, die Medizin, die Psychiatrie, stellen immer Statistiken her und machen dann
einen Mittelwert. Das ist dann die Wahrheit.

[00:02:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man dann Evidence Based Medicine.

[00:02:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Evidence Based Medicine, die trifft natürlich nie auf das ADHS/ADS zu.

[00:02:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes ADHS/ADS ist sehr individuell, ist eine andere Ausgabe.

[00:02:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss jedes neu kennenlernen.

[00:02:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bin ich natürlich frustriert mit diesen Statistiken und tue mich darüber
hinwegsetzen.

[00:02:56.120] – Fabienne Hadorn

Yeah!!

[00:02:59.200] – Fabienne Hadorn
Hat das mit diesen Fakten-Thematiken zu tun?

[00:02:59.360] – Fabienne Hadorn
Tages-Anzeiger vom 29.7.2023: Links, urban, gebildet – und intolerant.

[00:03:12.750] – Fabienne Hadorn
Ich muss leider sagen, dass ich das in meinem Umkreis auch so beobachtet habe. Das
ist was dran.

[00:03:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessant!

[00:03:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, manchmal holen die Statistiken schon etwas raus.

[00:03:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich tue die dann mit meiner persönlichen 40jährigen Erfahrung vergleichen und sage:
Ja, das stimmt, aber dort fehlt noch das und das und jenes.

[00:03:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache es auch so wie sie.

[00:03:36.840] – Fabienne Hadorn
Gut. Wo sind sie sonst noch ins Stutzen gekommen?

[00:03:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging um den ADHS-Motor und den ADHS Flow.

[00:03:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS-Motor kommt in Gang, wenn Menschen mit ADHS ein gutes Umfeld haben,
wenn sie sich wohl fühlen.

[00:04:06.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen, die sich um Stellen bewerben, nehmen sie keine Stelle, die nicht zu
ihnen passt.

[00:04:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie probieren, Probe-Arbeiten.

[00:04:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht passt, darf man die Stelle nicht nehmen.

[00:04:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das steht im Kontrast zum RAV.

[00:04:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das RAV sagt, du musst dich für jede Stelle bewerben und wenn du ein Angebot
bekommst, dann musst du das nehmen.

[00:04:28.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Nein, nein nicht nehmen.

[00:04:31.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in eine Stelle reingehen, die nicht zu ihnen passt, die Umgebung passt nicht,
dann sind sie in ein paar Monaten wieder draussen.

[00:04:32.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nichts.

[00:04:40.660] – Fabienne Hadorn
Unbedingt schnuppern gehen, egal in welchem Alter das man ist.

[00:05:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!

[00:05:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Probe arbeiten sagt man dem.

[00:05:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bezüglich dem Motor.

[00:05:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler darf sich nie fremd motivieren lassen. Er/sie muss seinen eigenen
Motor in Gang bringen.

[00:05:18.010] – Fabienne Hadorn
Mit fremd meinen sie auch was Patrick Karpiczenko gesagt hat?

[00:05:18.142] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das kann man sagen.

[00:05:18.250] – Patrick Karpiczenko
Bitte Applaus vom Publikum, das motiviert.

[00:05:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein anderes motivieren.

[00:05:30.140] – Fabienne Hadorn
Ich wäre nie in eine Mädchenschule gegangen. Das hätte mich null motiviert.

[00:05:36.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Eigenmotivation. Sie sind wegen den Knaben in die Schule gegangen. Das hat
sie motiviert. Nicht weil der Vater oder die Mutter gesagt hat sie müssen.

[00:05:36.610] – Fabienne Hadorn
Alles klar.

[00:05:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen immer intrinsisch, eigenmotiviert sein.

[00:05:56.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler eigenmotiviert sind, dann kann man sie nicht mehr stoppen.

[00:05:59.640] – Fabienne Hadorn
Das ist das doofe am Schulsystem.

[00:06:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schulsystem ist nicht besonders tolerant, den ADHS/ADS Kindern gegenüber.

[00:06:12.120] – Fabienne Hadorn
Mein Bruder ist Lehrer. Es sind ganz viele Lehrer dabei.

[00:06:12.220] – Fabienne Hadorn
Haben sie einen Tipp: Was kann man machen? Was ist der Ratschlag wenn man ein
Kind mit ADHS/ADS hat in der Klasse?

[00:06:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man probieren zu verstehen.

[00:06:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei der Tiererziehung, man kann nie ein Tier dressieren, wenn man nicht das Wesen
vom Tier versteht.

[00:06:41.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem sagt zwar, es wäre ein integriertes Lernen.

[00:06:51.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber man probiert, die Kinder dann trotzdem immer auf die Norm zu drücken.

[00:06:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neurodiversität bleibt aussen vor. Es wird immer versucht anzupassen.

[00:07:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde allen Lehrern sagen, sie müssen sich ein bisschen Erfahrung, Know-how
holen, wie umzugehen mit ADHS/ADS Kindern.

[00:07:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jedem ADHS/ADS Kind muss man wieder schauen, wie ist das und was könnte man
machen.

[00:07:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Lehrer beraten in Bezug auf ADHS/ADS-Kinder.

[00:07:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrer gut mitgemacht haben, dann haben wir die eigentlich alle gut durch die
Schule gebracht.

[00:07:29.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es musste jedes Mal wieder ein neues Prozedere erarbeitet werden.

[00:07:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Lehrer musste mutig sein.

[00:07:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Lehrern immer, sie müssen ihre Freiräume nutzen und sich nicht so stark
an den Lehrplan halten, bei den ADHS/ADS Kindern.

[00:07:47.790] – Fabienne Hadorn
Ich hatte letztes mal Patrick Frey als Gast.

[00:07:52.780] – Fabienne Hadorn
Er hat von seinen Lehrern erzählt. Was für Lehrer hattest Du?

[00:07:58.160] – Patrick Karpiczenko
Ich habe zwei gute Lehrer gehabt, der Rest war nicht zu gebrauchen.

[00:08:01.920] – Fabienne Hadorn
Was haben die guten Lehrer gut gemacht?

[00:08:06.660] – Patrick Karpiczenko
Sie haben nur Geschichten erzählt, haben nur zugehört. Musik und Informatik sind
meine Bereiche.

[00:08:18.560] – Fabienne Hadorn
Bei mir waren es die Lehrer, die aus dem Herzen gearbeitet haben.

[00:08:19.630] – Fabienne Hadorn
Wenn ich das Gefühl hatte, dass der Lehrer mich mag, habe ich alles für die LehrerIn
gemacht. Wenn die LehrerInnen mich mochten, das war die halbe Miete.

[00:08:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Umgebung.

[00:08:35.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer zum ADHS/ADS Kind eine Beziehung herstellen kann, dann frisst es
ihm aus der Hand.

[00:08:43.570] – Patrick Karpiczenko
Das sind viele Tieranalogien.

[00:08:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie.

[00:09:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Mühe habe mit einer Situation, wo ich als Psychiaterin nicht zu Gang komme,
dann gehe ich zu den Tieren.

[00:09:26.980] – Patrick Karpiczenko
Den Schwanz abwerfen, wie eine Eidechse?

[00:09:36.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Analogie kann man verwenden.

[00:09:39.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hohe Ziele hat und man kommt nicht dorthin. Dann bleibt man stecken und
ärgert sich immer wieder.

[00:09:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: werfen sie das doch ab, wie die Eidechse den Schwanz abwirft.

[00:09:50.170] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man klare Entscheide treffen, weiter zu gehen um nicht stecken
zu bleiben.

[00:10:04.260] – Fabienne Hadorn
Möchten sie noch etwas zum Thema Gender sagen?

[00:10:07.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema Gender ist eine grosse Mode heutzutage.

[00:10:13.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin, das wird jetzt kritisiert, dass alle Studien nur immer an den Männern
gemacht werden.

[00:10:27.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt versucht man bei allen Krankheiten zu schauen, was so der Unterschied ist.

[00:10:32.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie zeigt sich das ADHS/ADS bei den Frauen und wie bei den Männern.

[00:10:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Männer, die setzen sich durch, wie der Thomas, die sind zum Teil in
höheren Schichten, zum Teil rücksichtslos, aber erfolgreich.

[00:10:51.260] – Patrick Karpiczenko
Ich habe meine Diagnose mit sieben Jahren erhalten, ich bin in das Klischee "lauter
Junge" gefallen.

[00:10:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kinder erhalten die Jungs früh eine Diagnose.

[00:11:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen bekommen keine Diagnose. Die Mädchen sind anpassungsfähig.

[00:11:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Stute ist einfacher zum reiten als ein Hengst.

[00:11:03.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder der reiten kann, weiss das.

[00:11:35.220] – Fabienne Hadorn
Möchte Sie ein Getränk?

[00:11:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein Danke, es geht gut.

[00:11:43.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gar nicht darauf aus, die Männer zu kastrieren. Gar nicht.

[00:11:55.400] – Patrick Karpiczenko
Das ist eine gute Klarstellung.

[00:12:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kehre zu den Mädchen zurück.

[00:12:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen, wir sind geboren, zum Kind aufziehen, da müssen wir uns den Kindern
anpassen, von klein bis gross und uns ständig ändern.

[00:12:23.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir uns anpassen können.

[00:12:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschheit hätte nicht überlebt, wenn wir das nicht könnten.

[00:12:30.410] – Fabienne Hadorn
Wenn wir uns mit irgendwelchen Typen im Park getroffen hätten und uns vermehrt
hätten, meinen sie das?

[00:12:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier spricht eine sehr emanzipierte Frau.

[00:12:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche jetzt nicht aus der Therapie.

[00:12:46.950] – Fabienne Hadorn
Das ist Dopamin, aber diese Phase ist vorbei.

[00:12:51.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage noch etwas politisches.

[00:12:56.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind gewohnt, uns anzupassen.

[00:12:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Untersuchungen vom männlichen und weiblichen Gehirnen.

[00:13:03.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat untersucht wie die auf Stress reagieren.

[00:13:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat man gesehen?

[00:13:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau hat die Untersuchung geleitet, eine Neurobiologin.

[00:13:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die machen im Gehirn eine stärkere Vernetzung.

[00:13:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Übersetzt auf das Verhalten sage ich, die suchen nach Lösungen.

[00:13:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen die Männer?

[00:13:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer vereinfachen ihr Gehirn.

[00:13:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer fahren voll in die Wand hinein.

[00:13:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber nicht solche mit ADHS/ADS.

[00:13:45.340] – Fabienne Hadorn
Ganz ungewohnt. Du bist eine Ausnahme, Patrick.

[00:13:48.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Untersuchng wurde bei Ratten gemacht.

[00:13:59.100] – Patrick Karpiczenko
Natürlich.

[00:14:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können jetzt sagen, wir sind keine Ratten, wir sind schon noch ein bisschen besser.

[00:14:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe noch ein weiteres Beispiel.

[00:14:13.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab Untersuchungen mit Primaten, Affen.

[00:14:18.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Getreide in den Sand geschmissen.

[00:14:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinen Affen haben herausgefunden, es war ein Weibchen, wenn man das
Gemisch von Getreide und Sand ins Wasser wirft, dann schwimmen die Getreidekörner
oben auf und der Sand sinkt runter.

[00:14:19.600] – Dr.med. Ursula Davatz
So haben es alle Kinder von einander gelernt. Jungtiere sind lernbereit, lernfähig. Die
haben noch ein offenes Gehirn. Die Mütter haben es auch gelernt.

[00:14:39.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der dominate Affe hat es nie gelernt.

[00:14:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind eine Ausnahme.

[00:15:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben weiss Gott genügend dominante Affen, welche zum Teil unsere Gesellschaft
an die Wand fahren, oder nicht?

[00:15:18.510] – Jürg Da Vaz
Bravo!

[00:15:20.800] – Fabienne Hadorn

Haben Sie das Gefühl, wenn Frauen doch so lösungsorientiert sind, sollen die ADHS/
ADSler die Welt retten?

[00:15:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Buch, das über die Indigo Kinder spricht.

[00:15:49.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles nur nach den ADHS/ADSlern geht, dann ist alles nur Unterhaltung.

[00:15:52.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das geht natürlich nicht.

[00:15:55.560] – Fabienne Hadorn
Ich muss gerade an die unendliche Geschichte denken, wo die depressiven
Schlamuffen sich etwas gewünscht haben und in Happy Animals umgewandelt wurden.

[00:16:01.270] – Fabienne Hadorn
Die waren dann ganz frustriert, als die nur noch Fun hatten.

[00:16:01.660] – Fabienne Hadorn
Hat das jemand gelesen?

[00:16:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann kann es auch zu viel werden.

[00:16:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen eine gute Mischung.

[00:16:29.800] – Patrick Karpiczenko
Ab und zu braucht es einen Johannes, der die Zeit angibt.

[00:17:07.870] – Patrick Karpiczenko
Bei den ADHS/ADSler spricht man von Info-Dump. Man spricht einfach schneller. Wenn
man keine Zeit hat, leiert man einfach alles runter.

[00:17:44.850] – Patrick Karpiczenko
Der Elon Musk hat ADHS/ADS, deshalb ist er Milliardär.

[00:17:49.660] – Patrick Karpiczenko
Deshalb ist ADHS/ADS der Weg zum Erfolg.

[00:17:49.760] – Patrick Karpiczenko
Dazu habe ich eine Kolumne geschrieben, als Gegendarstellung, gegen diese
Romantisierung.

[00:17:49.980] – Patrick Karpiczenko
Eigentlich ist es Scheisse und ich hätte lieber kein ADHS/ADS.

[00:17:55.340] – Patrick Karpiczenko
Als Kind habe ich mir sehr viele Sorgen gemacht. Ich konnte als Kind nie schlafen, ich
habe mir immer den Kopf gemacht.

[00:18:11.260] – Patrick Karpiczenko
Der Patrick hat Potential, so ein charmanter Junge, aber nein, das kann er nicht. Er soll
sich doch fokussieren.

[00:18:11.340] – Patrick Karpiczenko
Der Patrick ist immer ein wenig in den Wolken.

[00:18:27.870] – Patrick Karpiczenko
Das hat mich verfolgt, das könnte ich mir tätowieren lassen.

[00:18:31.340] – Patrick Karpiczenko
Meine Diagnose kam mit sieben Jahren, ich habe sie dann wieder vergessen.

[00:18:41.610] – Patrick Karpiczenko
Fazit: Wenn das Umfeld stimmt, wenn die Eltern nett und fördernd sind, wenn der
Wohlstand da ist, kann man auch ohne besondere Umstände durchkommen. Wenn das
Auffangnetz gross genug ist.

[00:18:53.680] – Patrick Karpiczenko
Das ist bei mir der Fall gewesen.

[00:18:58.040] – Patrick Karpiczenko
Ich konnte mich überall rausreden. Ich konnte mich mit Vorträgen und Aufsätzen über
Wasser halten in allen Fächern.

[00:19:21.090] – Patrick Karpiczenko
Man landet bei der Satire.

[00:19:21.660] – Patrick Karpiczenko
Ich komme zum Tabu-Raum, die Satire.

[00:19:30.220] – Patrick Karpiczenko
Tabus werden nicht ausgelassen, Autoritäten findet man blöd und ekelhaft.

[00:19:42.360] – Patrick Karpiczenko
Man hat ein sehr starkes Gerechtigkeitsgefühl.

[00:19:42.820] – Patrick Karpiczenko
Wenn man etwas sieht, das falsch läuft, kann man es nicht einfach fressen, sondern
man muss es sagen.

[00:19:58.660] – Patrick Karpiczenko
Pointengeilheit. Dass man sich von Lachen zu Lachen angelt. Von Dopamin-,
Adrenalinschub zum nächsten Schub, sonst verendet man in einem Haufen Elend.

[00:20:07.730] – Patrick Karpiczenko
Ich überlege mir ein Tier das passt. Ein Faultier oder ein Nacktmaul.

[00:20:30.820] – Patrick Karpiczenko
Medienschaffende und ADHS/ADS, wenn man sich outet, kommen plötzlich alle aus
den Löchern, wie die Fabienne.

[00:20:41.650] – Fabienne Hadorn
Tun Sie auch gerne fremd diagnostizieren?

[00:20:42.050] – Fabienne Hadorn
Wir machen Live Synchronisierung von Trickfilmfiguren. Robin Williams war für mich
eine wichtige Figur, ein klarer AHDS/ADSler. Auch sein Schicksal und sein Suizid. Ich
habe mich mit ihm wahnsinnig verwandt gefühlt.

[00:21:07.730] – Fabienne Hadorn
Machen sie als Ärztin auch fremddiagnose?

[00:21:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte meinen, sie haben die Diagnoseherrschaft unter sich.

[00:21:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kann man so viele ADHS/ADS Beschreibungen im Internet und überall sehen.

[00:21:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, das ist absolut in Ordnung, dass man sich fremddiagnostiziert.

[00:21:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sie auch diagnostizieren.

[00:21:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Sekretärin kann auch diagnostizieren.

[00:21:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mal den Blick dafür hat, dann sieht man sie relativ schnell.

[00:21:42.460] – Fabienne Hadorn
Gerade in unserer Szene.

[00:21:48.230] – Patrick Karpiczenko
Man merkt es offensichtlich.

[00:21:50.510] – Patrick Karpiczenko
Die Diagnose und Therapie mit 37 Jahren wurde durch die Geburt meiner Tochter
ausgelöst.

[00:21:56.740] – Patrick Karpiczenko
Ich konnte mich plötzlich nicht mehr aus Situationen subtrahieren, ein Kleinkind
ermöglicht das nicht.

[00:21:59.360] – Patrick Karpiczenko
Man schläft schlecht, isst schlecht, bewegt sich zu wenig.

[00:22:04.830] – Patrick Karpiczenko
Mit Ritalin muss man sich eingrooven, wie mit allen Drogen.

[00:22:36.310] – Fabienne Hadorn
Du bist zufrieden mit Ritalin? Ich bin noch skeptisch.

[00:22:36.340] – Patrick Karpiczenko
Am Anfang ist es zu viel.

[00:22:46.900] – Fabienne Hadorn
Du nimmst Ritalin punktuell? Um die Steuern auszufüllen? Das ist auch mein Plan.

[00:22:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann lohnt es sich.

[00:23:19.980] – Patrick Karpiczenko
Wenn die Leute sagen: Mach doch, reiss dich zusammen, mach es doch einfach. Das
ist natürlich falsch und funktioniert nicht. Es macht alles nur noch schlimmer.

[00:23:25.790] – Patrick Karpiczenko
Disziplin, To-Do-Listen. Je nachdem wie man es macht.

[00:23:32.180] – Patrick Karpiczenko
Zu den Rezepten.

[00:23:54.010] – Patrick Karpiczenko
Find the Fun. You find the fun and snap the jobs again. Die Überleitung zum Mary-
Poppins-Lied.

[00:24:07.000] – Patrick Karpiczenko
Man muss irgendwo andocken. Man kann sich nicht zwingen.

[00:24:07.320] – Patrick Karpiczenko
Ich lerne dann über Geschichte der Bürokratie im K+K Königreich.

[00:24:24.730] – Patrick Karpiczenko

Das hat mir dann ein bisschen geholfen.

[00:24:26.780] – Fabienne Hadorn
Das ist mein Fokus bei der Steuererklärung, was habe ich wann gekauft, wo bin ich
essen gegangen, wo bin ich gewesen, etc. Das Jahr Revü passieren lassen.

[00:24:44.750] – Patrick Karpiczenko
Das klingt doof, aber das ist essentiell.

[00:24:47.670] – Patrick Karpiczenko
Für mich war unsere Arbeitsmoral eine Offenbarung.

[00:24:50.070] – Patrick Karpiczenko
Dass wir zuerst arbeiten und dann eine Belohnung uns geben.

[00:24:57.090] – Patrick Karpiczenko
Das finde ich falsch, kontraintuitiv.

[00:24:57.280] – Patrick Karpiczenko
Zuerst gibt es das Essen und dann das Dessert.

[00:24:58.800] – Patrick Karpiczenko
Zuerst mache ich den Spass. Ich game zuerst, bevor ich meine Steuererklärung mache.

[00:25:03.180] – Patrick Karpiczenko
Das mache ich sogar, wenn ich keine Zeit habe oder wenn ich zu spät bin.

[00:25:09.540] – Patrick Karpiczenko
Wenn man es nicht macht, dann hat man noch fünf Stunden länger und hat es immer
noch nicht gemacht.

[00:25:24.880] – Fabienne Hadorn
Das ist schwierig zum erklären.

[00:25:28.850] – Patrick Karpiczenko
Gegen aussen sieht es nach viel Stress aus, warum macht der einen Unfug? Das muss
man sich verinnerlichen.

[00:25:40.270] – Fabienne Hadorn
Find the Fun. Ein Mary Poppins Zitat.

[00:25:47.430] – Patrick Karpiczenko
Prokrastination hat einen Bad Rap.

[00:25:54.460] – Patrick Karpiczenko
Für mich ist die Prokrastination auch nützlich, lustigerweise, und darum Teil vom
Prozess.

[00:25:59.930] – Patrick Karpiczenko
Bei mir ist die Prokrastination von heute, der Job von morgen.

[00:26:03.790] – Patrick Karpiczenko
Das ist quasi Research und Development für mein Hirn.

[00:26:07.070] – Patrick Karpiczenko
Mega, mega wichtig.

[00:26:09.760] – Patrick Karpiczenko
Deadlines helfen klar.

[00:26:11.170] – Patrick Karpiczenko
Panik kann auch helfen irgendwann.

[00:26:13.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Panik schüttet Dopamin aus.

[00:26:16.340] – Fabienne Hadorn
Spass oder Panik, nichts dazwischen.

[00:26:17.990] – Patrick Karpiczenko
Das ist meine Pyramide, was mich motiviert.

[00:26:22.950] – Patrick Karpiczenko
Ganz oben Spleens.

[00:26:24.080] – Patrick Karpiczenko
Spleens sind Hyperfixierungen, kurzfristige Leidenschaften, etwas das ich im Moment
mega spannend finde. Das motiviert am meisten.

[00:26:28.180] – Patrick Karpiczenko
Langeweile und der Langeweile ausweichen ist auch ein wichtiger Motivator.

[00:26:43.000] – Patrick Karpiczenko
Die Wut ist auch ein starker Motivator.

[00:26:48.820] – Patrick Karpiczenko
Panik hilft.

[00:26:48.850] – Patrick Karpiczenko
Geld hilft wenig.

[00:26:48.880] – Fabienne Hadorn
We wrap it up.

[00:27:03.990] – Fabienne Hadorn
Was ist ihr Schlusswort, Frau Dr.med. Ursula Davatz?

[00:27:18.090] – Fabienne Hadorn
Wenn wir jetzt ein Paar wären bei ihnen in der Paartherapie, was würden sie uns auf
den Weg geben?

[00:27:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich geben ihnen gar nichts auf den Weg, ich gehe mit ihnen auf den Weg.

[00:27:22.520] – Fabienne Hadorn
Das ist schön.

[00:27:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit Ihnen auf den Weg gehe, dann probiere ich, ihre Weltsicht zuerst mal
herauszuheben, dann seine Weltsicht, und dann schauen: was macht ihr jetzt damit?

[00:27:36.410] – Patrick Karpiczenko
Dann kommen die Tiervergleiche.

[00:27:36.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist möglich.

[00:27:42.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will Ihnen gerne etwas auf den Weg geben für Ihre nächste Show.

[00:27:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre hochinteressant, wenn Sie die Auseinandersetzung von einer ADHS/ADS
Persönlichkeit mit unserem, bürokratischen, staatserhaltenden, strukturerhaltenden
System darstellen würden. Auf eine lustige Art.

[00:28:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Hausaufgabe an Sie.

[00:28:15.010] – Fabienne Hadorn
Okay, Dank vielmal.

[00:28:17.250] – Fabienne Hadorn
Wir leben in einer verrückten Welt, deshalb singen wir noch ein Lied zusammen.

[00:28:18.340] – Fabienne Hadorn
Es ist kein Happy-Happy Lied. Sie dürfen auch Mitsingen Frau Dr.med. Ursula Davatz.

[00:28:45.060] – Gesang zusammen.
All around we are familiar faces, worn out faces, worn out faces. Crying early for the
daily races, going nowhere, going nowhere. Their tears are filling up their glasses, no
expression, no expression. High my head, I want to drown my sorrow. No tomorrow, no
tomorrow. And I find it kind of funny, I find it sad. The dreams in which I'm dying are the
best I ever had. I find it hard to tell you, I find take.

[00:30:51.480] – Fabienne Hadorn
Das war Kaboom Room Nummer vier. Es gibt neun Kaboom Rooms. Jeder Raum ist
neu.

[00:30:51.680] – Fabienne Hadorn
It's a madness Mad World. Wir sind das letzte Mal da.

[00:30:59.660] – Fabienne Hadorn
Ich möchte mich herzlich bedanken. Drei Mal sind wir beim Millers gewesen.

[00:31:01.810] – Fabienne Hadorn

Es ist wahnsinnig schön gewesen.

[00:31:04.050] – Fabienne Hadorn
Sie ist schuld, dass ich mich getraut habe das zu machen, Dolly Parton, sie hat mir die
Kerze gegeben.