Dr.med. Ursula Davatz im Gespräch mit Camille Lothe und Maria-Rahel Cano
23.9.2024
ADHS/ADS – mehr als eine Modediagnose?
Audio
[00:00:28.310] – Maria-Rahel Cano
Das Schnaufen von einem Büro Kollegen, das Hupen von einem Auto, das vibrieren
von einem Telefon. Schon ist es vorbei mit der Konzentration. Die Regel ist: entweder
ein Chaos auf dem Pult oder ein Chaos im Kopf. Alles wird immer auf den letzten
Drücker erledigt mit dem Schwur: das nächste Mal fange ich den rechtzeitig an. Immer
müde oder immer rastlos. Entweder total motiviert oder irgendwo am Träumen, sodass
man die eigene Zahnpasta im Kühlschrank wiederfindet.
[00:01:01.090] – Maria-Rahel Cano
Camille Lothe und ich, wir kennen so Situationen nur zu gut. Aber warum? Weil wir
beide mit einem Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert sind. Kurz:
ADHS. Heute kommt man um den Begriff ja fast nicht mehr herum. Deswegen ist es
höchste Zeit, dass wir uns dem Zappel-Philipp-Syndrom, wie wir es im Volksmund
nennt, auf den Grund gehen.
[00:01:26.950] – Maria-Rahel Cano
Aus dem Grund haben wir eine Expertin eingeladen, die sich schon seit Jahren mit dem
Thema befasst. Frau Dr.med. Ursula Davatz ist Ärztin, Psychiaterin, Buchautorin und
ADHS/ADS-Expertin. Sie ist Vizepräsidentin von ADHS20+ Schweiz, einer Info-und
Beratungsstelle für Erwachsene mit ADHS/ADS. Präsidiert wird der Verein von der Frau
Sandra Amrein.
[00:01:51.130] – Camille Lothe
Frau Dr. Davatz, es freut uns sehr, dass ie heute bei uns in dieser Folge
Nebelspaltrinnen dabei sind.
[00:01:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen Sie von mir hören?
[00:01:58.160] – Camille Lothe
Ich würde sagen, wir starten doch gerade. Und zwar, ich habe ein Interview von ihnen
gelesen und dort haben Sie gesagt, bei ADHS/ADS handelt es sich nicht um eine
Krankheit. Warum nicht? Was ist denn ADHS/ADS? Was versteht man heute darunter?
[00:02:14.500] – Camille Lothe
Je nachdem, wen sie fragen, wird etwas anderes gesagt, aber ich sage jetzt meine
Meinung. Ich sage, ADHS und ADS ist ein genetisch vererbter Neurotyp.
[00:02:29.090] – Camille Lothe
Das heisst, wird dann zu einem Persönlichkeitstyp und es ist ein vulnerabler
Persönlichkeitstyp.
[00:02:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, die Menschen mit einem ADHS oder einem ADS sind verletzlicher und
können schlussendlich Folge-Erkankungen entwickeln.
[00:02:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie redet dann von Komorbidität und ich sage: Nein, ADHS/ADS ist keine
Morbidität, also keine Krankheit, sondern einfach ein sensibler Neurotyp.
[00:03:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wie das Umfeld mit dem ADHS/ADS umgeht, kann es zu einer Erkrankung
werden, zu Problem werden.
[00:03:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch einige sehr erfolgreiche Menschen mit ADHS und ADS, die registriert man
aber nicht.
[00:03:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, die Bevölkerung schon. Also man sagt, vom Albert Einstein, er ist ADHS/
ADS gewesen, Mozart, Michael Phelps.
[00:03:24.250] – Maria-Rahel Cano
Von der Nebelspalterinnen, sagt man es auch.
[00:03:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehören ja zu denen.
[00:03:30.020] – Maria-Rahel Cano
Sie unterscheiden zwischen ADHS und ADS. Könnt ihr das vielleicht noch kurz ein
bisschen erläutern?
[00:03:38.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS. Das H steht für Hyperkinese, das ist der Zappelphilipp.
[00:03:45.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHSler gestört werden, reagieren sie nach aussen. Sie werden aggressiv oder
zappeln umher.
[00:03:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler reagieren nach innen. Wenn die ADSler gestört werden, oder sie etwas stark
beschäftig, dann hirnen sie, dann denken sie nach und sind ganz viele Schlaufen im
Gehirn beschäftigt.
[00:03:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
An Vorträgen höre ich oft: ich habe gewechselt von ADHS zu ADS oder umgekehrt.
[00:04:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was genau der Unterschied ist in ihrem Hirn, kann ich nicht sagen und in der
Genstruktur auch nicht. Sie haben gemeinsame Eigenschaften.
[00:04:36.470] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr sensibel.
[00:04:38.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche nicht von der Aufmerksamkeitsstörung,.
[00:04:42.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage breite Aufmerksamkeit.
[00:04:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler nehmen alles war, ihnen entgeht nichts.
[00:04:45.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Normotypen, denen entgeht ganz viel.
[00:04:54.350] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler reagieren eher mit nachdenken, überlegen und träumen.
[00:05:03.460] – Camille Lothe
Früher war ADHS/ADS insbesondere ein Thema bei den Kindern.
[00:05:06.960] – Camille Lothe
Man stellte sich die Frage auch bei den eigenen Kindern. Wie kommt es dazu, dass
sich ADHS/ADS nicht auswächst? ADHS/ADS werden nun auch im Erwachsenen Alter
diagnostiziert.
[00:05:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS sind genetisch vererbt. Es ist ein Neurotyp, der bleibt.
[00:05:42.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sagte man, dass es sich auswächst, wenn der Mensch erwachsen wird.
[00:05:43.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weiss man, dass es sich nicht auswächst.
[00:05:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Gene können sich nicht auswachsen, die haben einen Einfluss auf das Gehirn.
[00:05:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Gehirn ist anders, funktioniert anders.
[00:05:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das heute auch mit Tests und mit Bildgebenden Verfahren zeigen
[00:06:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen können lernen, mit ihren speziellen Eigenschaften besser
umzugehen.
[00:06:11.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen es umso besser, je toleranter ihr Umfeld ist, je akzeptabler sie im Umfeld
sind.
[00:06:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen wenn man sie ständig stört, dann stören sie sich an sich selber und dann
kämpfen sie das Leben lang gegen ihr eigenes Naturell. Das ist natürlich nicht gut.
[00:06:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wächst sich nicht aus, aber die sie können lernen, besser damit umzugehen.
[00:06:32.810] – Maria-Rahel Cano
Es ist in aller Munde, es ist in den Medien. Wenn man auf Social Media unterwegs ist,
ist fast jedes zweite Video irgendwie, hat irgendetwas mit ADHS/ADS zu tun.
[00:06:47.200] – Maria-Rahel Cano
Ist es jetzt fast eine kleine Modediagnose geworden und was würden sie diesen Leuten
entgegnen, welche sagen: das ist ein Hype?
[00:06:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine genetische Vererbung kann nie eine Modediagnose werden.
[00:07:02.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist einfach vererbt.
[00:07:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet im Mittelmeerraum wahrscheinlich sogar mehr ADHS/ADSler in allen
südlichen Ländern und das hat einen evolutionsbiologischen Vorteil gehabt.
[00:07:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mittelmeerraum ist ein grosser Handelsraum gewesen oder immer noch.
[00:07:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht nicht mehr ganz so wichtig wie früher.
[00:07:20.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist die Eigenschaft von dieser breiten Aufmerksamkeit, ist absolut hilfreich gewesen,
von Vorteil gewesen.
[00:07:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dem Markt nimmt man alles wahr, man verhandelt und so weiter.
[00:07:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstens mal keine Krankheit, es ist eine vererbte Eigenschaft.
[00:07:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass ADHS/ADS heute modisch als Hype bei allen Medien vorkommt, das ist immer so,
wenn etwas Neues kommt, wenn eine neue Entdeckung kommt, springen alle drauf auf
und alle machen damit Reklame.
[00:07:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist nicht mehr geworden. Es wird mehr wahrgenommen, es wird mehr
behandelt.
[00:08:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch vor 20 Jahren ungefähr hat der Kinderpsychiater in Zürich gesagt: das gibt es
nicht.
[00:08:08.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben es noch geleugnet.
[00:08:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ELPOS, also Elternvereinigung für Frühkindliches POS, so hat man es früher
genannt, die haben sich damit befasst.
[00:08:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderärzte haben sich damit befasst.
[00:08:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater haben noch behauptet, das gibt es nicht.
[00:08:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wissen es alle und es wird abklärt und so weiter.
[00:08:28.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt findet man auch Tests auf dem Internet. Man kann sich eigentlich selber
diagnostizieren.
[00:08:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mal ein Auge dafür hat, erkennt man es auch relativ gut.
[00:08:39.970] – Camille Lothe
Viele Leute sagen auch, es ist ein Auswuchs von unserer Leistungsgesellschaft. Kann
man das so sehen?
[00:08:48.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Leistungsgesellschaft und der Druck, den sie mit sich bringt, der Stress, der
ständige Stress, das ist natürlich für ADHS und ADS Kinder nicht sehr gut.
[00:09:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben neben ihrer Hyperaktivität und der inneren Hyperaktivität eine
andere Prozessierung.
[00:09:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen schneller ein System Overload.
[00:09:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo ADHS/ADSler ein System Overload machen, da kann ihr
emotionales Hirn nicht mehr so viel prozessieren.
[00:09:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler prozessieren mehr als der Durchschnittsmensch.
[00:09:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird der System Overload zu einem Problem.
[00:09:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist das heutige Klima für ADHS/ADSler anstrengend.
[00:09:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, sich immer wieder aus dem Trubel rauszunehmen, denn sie können
sich nicht ganz so gut abschirmen.
[00:09:47.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von mangelnder Filterfunktion. Es gibt schöne Wörter dafür.
[00:09:54.250] – Maria-Rahel Cano
Besteht nicht die Gefahr, dass menschliches Verhalten über psychologisiert wird,
pathologisiert wird, weil man es in jeder Situation sieht?
[00:10:17.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, beides kann passieren, dass man über psychologisiert und sicher, dass man
pathologisiert.
[00:10:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner und somit auch Psychiater, die tun alles diagnostizieren und somit auch
pathologisieren.
[00:10:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: ja, das haben ja alle. Das stimmt auch wieder nicht.
[00:10:39.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das, was beim ADHS/ADSler extremer vorkommt, wird schnell pathologisiert.
[00:10:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wehre mich gegen alle Pathologisierungen und sage: ja, es ist keine Krankheit, es
ist einfach ein spezieller Neurotyp und ein spezieller Persönlichkeitstyp.
[00:10:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gesagt, das Umfeld macht ihnen Probleme.
[00:11:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher habe ich nur ADHS/ADS und Schizophrenie angeschaut. Heute schaue ich alles
an.
[00:11:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche schlussendlich Krankheiten daraus entwickeln und man kann viele
Krankheiten daraus entwickeln, die wachsen in einem Umfeld auf, das für sie nicht sehr
günstig ist, welches sie nicht so sein lässt wie sie sind, welches sie nicht validiert,
welches sie zu schnell umerziehen, verändern möchte. Diese Veränderungsabsicht
pathologisiert eher. Dann muss sich das ADHS/ADS Kind dagegen wehren, oder es hat
das Gefühl es ist nicht richtig, so wie es ist.
[00:11:41.180] – Camille Lothe
Kann es nicht auch, zum Beispiel für Eltern oder eben jetzt auch, wenn man das mit 25
zum Beispiel diagnostiziert bekommt, vielleicht ein bisschen eine Erlösung sein? Dass
man weiss, wieso verhaltet man sich so? Wieso verhalten sich meine Kinder so?
[00:11:56.360] – Camille Lothe
Gleichzeitig aber eben die Gefahr, welche du mal angesprochen hast mit dieser
Pathologisierung, dass es plötzlich die Erklärung ist für jedes negative Verhalt en. Ich
kann mir das vorstellen, vor allem bei Eltern, dass wenn das Kind nicht so fleissig ist,
zum Beispiel, dass es eben so eine Erklärung ist, es hat ja ADHS/ADS, hat man da
auch das Risiko, dass es eine Erklärung ist für alles?
[00:12:18.380] – Maria-Rahel Cano
Oder eine Ausrede?
[00:12:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann verwendet man es als Ausrede, dann muss sich gar nicht anstrengen. Das ist
nicht gut. Man soll es nicht als Ausrede verwenden.
[00:12:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Erwachsene mit 25, mit 45 die Diagnose ADHS/ADS bekommen, sind sie oft
erleichtert.
[00:12:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: jetzt verstehe ich. Jetzt weiss ich, warum ich so bin.
[00:12:47.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen hilft das etwas.
[00:12:49.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bereits bei den Kindern die Abklärung macht, dann höre ich viele
Erwachsene sagen: Meine Eltern haben mich zum Psychiater geschleppt, zur
Psychologin, ich habe eine Diagnose bekommen. Die Kinder ärgert das oft.
[00:12:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Erwachsenen ist es eher ein Aha-Erlebnis und eine Entlastung.
[00:13:09.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal auch schon bei den Teenagern und sicher mit 25, 30 kann es eine
Entlastung sein.
[00:13:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt weiss ich einen Namen dafür.
[00:13:19.940] – Maria-Rahel Cano
Einen Namen dafür?
[00:13:21.340] – Camille Lothe
Für das Verhalten, oder?
[00:13:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt verstehe ich mein Verhalten. Jetzt habe ich eine Bezeichnung dafür.
[00:13:30.090] – Maria-Rahel Cano
Aha!
[00:13:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Person das immer verwendet, wenn irgendwas problemhaft ist am
Arbeitsplatz oder so und sagt: ich habe halt ein ADHS/ADS, dann kann es als Ausrede
verwendet werden und dann macht es die Leute dann auch wieder verrückt. Das ist
natürlich nicht gut.
[00:13:47.180] – Maria-Rahel Cano
Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf ADHS/ADS?
[00:13:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.
[00:13:54.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind bekanntlicherweise anpassungsfähiger als Männer.
[00:14:02.350] – Camille Lothe
Das ist spannend.
[00:14:05.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind anpassungsfähiger als Männer. Ich denke, das ist wegen unserer Funktion.
[00:14:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sogar Untersuchungen gemacht in Israel, an der Uni, an Ratten. Die
männlichen Gehirne haben sich unter Stress vereinfacht. Die weiblichen Gehirne haben
sich unter Stress vernetzt, sind komplizierter geworden.
[00:14:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Alltagssprache übersetzt, sage ich, die Frauen suchen nach Lösungen, die
Männer fahren gegen die Wand.
[00:14:40.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sehen wir heute in der Politik, wie an die Wand gefahren wird.
[00:14:43.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist es sehr wichtig, dass Menschen mit ADHS/ADS und ihr Umfeld
lernen, Probleme auf eine kreative Art und Weise zu lösen.
[00:14:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen nehmen sich zurück und werden dann eher depressiv mit 30 oder 40 Jahren.
Weil sie sich so stark anpassen, unterdrücken sie sich selber.
[00:14:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Männer, wenn die nicht durchkommen, werden sie delinquent.
[00:15:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die beiden Extreme.
[00:15:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide können andere Krankheiten entwickeln. Bipolare Störung, Depressionen können
beide entwickeln.
[00:15:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen gibt man oft die Borderline Persönlichkeitsstörung.
[00:15:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles zu streng erzogene Frauen.
[00:15:44.980] – Camille Lothe
Alles zu streng erzogene Frauen, wo man das dann sieht.
[00:15:47.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer die ganze Entwicklungsgeschichte an, wie sie aufgewachsen sind,
wie erzogen worden sind.
[00:15:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen wurden zu eng erzogen, man hat ihnen zu wenig Raum gegeben. Oder
dann ist im Umfeld irgendeine Schwäche. Es fehlt der Vater oder die Mutter hat viele
Probleme. Dann kommt die Grossmutter rein. Das Familiensystem ist einfach nicht so
stabil, als dass die sich leisten könnten, ihr Temperament natürlich auszuleben.
[00:16:25.540] – Maria-Rahel Cano
Legen wir den Fokus auf die Therapie. Wir haben die medikamentöse Behandlung, auf
der anderen Seite natürlich zum Beispiel auch die Verhaltenstherapie.
[00:16:39.710] – Maria-Rahel Cano
Wie sieht es bei ADHS/ADS aus? Wirkt dort das Medikament auch?
[00:16:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADSlern gibt man eher Elvanse, das ist langwirksam.
[00:16:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin kein Pharmakospezialist.
[00:17:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADSlern wirken die Stimulanzien nicht ganz so gut.
[00:17:17.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHSlern können Stimulanzien ziemlich gut wirken.
[00:17:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hilft zu fokussieren, wenn einem eine klare Aufgabe gestellt ist, so wie z.B. in der
Schule aufzupassen, eine Arbeit fertig machen, eine Steuererklärung ausfüllen, etc.
[00:17:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hilft nicht, seinen eigenen Fokus zu finden.
[00:17:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es wichtig, dass die Menschen ihren eigenen Fokus finden. Dann können
ADHS/ADSler auch hyperfokussiert sein.
[00:17:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Stimulanzien sind nur eine Symptombehandlung in Bezug auf eine spezielle Aufgabe.
[00:17:58.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit wird nicht über Medikamente gefördert.
[00:18:02.500] – Camille Lothe
Es gibt auch Leute, die sagen, sie wollen keine Medikamente nehmen. Es gibt
unterschiedliche Gründe, weshalb.
[00:18:10.110] – Camille Lothe
Wir haben von Personen gelesen, die eben gerade gesagt haben, sie wollen nicht, dass
ihre Persönlichkeit sich verändert.
[00:18:18.120] – Camille Lothe
Ist es halt wirklich so, dass man sagen kann, wenn man die Medikamente nimmt, dass
es die eigene Persönlichkeit verändert, die einem ausmacht?
[00:18:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt.
[00:18:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente helfen zu fokussieren.
[00:18:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit und das Gehirn besteht nicht nur aus intellektuellen Leistungen,
sondern auch aus emotionalen Wahrnehmungen.
[00:18:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
So sagen viele, wenn sie die Medikamenten nehmen, dass sie sich nicht mehr so gut
spüren, dass sie nicht mehr so kreativ sind, dass sie sich nicht so gut wahrnehmen.
[00:18:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher mache ich mit den Leuten ab, wie sie es wollen. Ich sage niemandem, dass er
die Medikamente nehmen muss, um besser zu funktionieren. Es ist immer ein
persönlicher Entscheid.
[00:19:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche bei den Eltern, dass die Eltern entscheiden, ob sie wollen, dass das Kind
Medikamente nimmt oder nicht.
[00:19:06.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen sage ich: sie dürfen es nur für spezielle Dinge nehmen und sie
dürfen es immer wieder ohne Medikamente versuchen.
[00:19:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die Medikamente durchgehend nehmen muss. Das meint man
oft, bei den Medikamenten. Das muss man bei den Antidepressiva machen, nicht aber
bei den Amphetaminen.
[00:19:29.090] – Maria-Rahel Cano
Sie sprechen von Emotionen. In den Beziehungen spielt ADHS/ADS auch eine grosse
Rolle.
[00:19:29.630] – Maria-Rahel Cano
Wie wirkt sich ADHS/ADS auf romantische Beziehung aus?
[00:19:48.490] – Camille Lothe
Macht ADHS/ADS das Leben schwieriger in einer Beziehung oder aufregender?
[00:19:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kann eine Beziehung schwieriger machen.
[00:19:56.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus sagt: they find each other, they bind with each other and they
reproduce with each other.
[00:20:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treffen sich auch oft. Dann hat man zwei vom gleichen oder vom Ähnlichen.
[00:20:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind impulsiv, schnell reizbar. Dann gibt es schnell streit. Man geht
aufeinander los und verwickelt sich in eine Diskussion.
[00:20:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man den ADHS/ADSlern beibringen, wenn es zu einem Streit kommt, dass sie
innehalten können, sagen können: ich kann nicht mehr. Wir greifen das später wieder
auf und lösen es dann.
[00:20:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen wollen oft dran bleiben. Die Männer laufen einfach davon und sagen:
interessiert mich nicht, das emotionale Zeugs.
[00:20:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Männer dazu bringen, dass sie bereit sind, die komplizierten Dinge
wieder anzuschauen. Die Frauen muss man dazu bringen, dass sie aufhören können.
[00:20:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Partnerschaft muss man aufpassen, dass die Männer nicht einfach mit Gewalt
die Interaktion und den Konflikt abbrechen und die Frauen sich wieder anpassen.
[00:21:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen müssen lernen, für sich zu sprechen, ohne dass sie Recht haben müssen.
Sie müssen nur ihren Standpunkt sagen.
[00:21:15.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADSler Paare immer wie zwei streitende Hunde auseinander
nehmen. Das müssen sie lernen. Das ist anstrengender, als Paare, welche diesen
Neurotypen nicht haben.
[00:21:27.190] – Camille Lothe
Konflikte kann es ja auch am Arbeitsplatz geben. Was empfehlen sie Menschen, welche
am Arbeitsplatz ADHS/ADS haben? Soll man offen damit umgehen, soll man das dem
Chef sagen und gleich auf mehr Verständnis setzen? Oder das Gegenteil? Bloss nichts
sagen?
[00:21:50.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Einstellung würde ich es nicht sagen. Am Anfang würde ich es nicht sagen.
[00:21:55.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell würde ich sagen: nicht sagen.
[00:21:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu Schwierigkeiten kommt und man hat ein gewisses Vertrauensverhältnis,
dann kann es je nachdem von Vorteil sein, dass man sagt: weisst du, ich bin ADHS/
ADS.
[00:22:11.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt darauf an: will die Person das ihrem Chef so offen sagen, oder will sie es
nicht.
[00:22:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In jeder Situation muss man schauen.
[00:22:16.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht sagen: ich bin ADHS/ADS. Man kann auch sagen: ich funktioniere nicht
gut, wenn ich zusammen gestaucht werde. Dann habe ich einen Nebel im Kopf, dann
kann ich gar nichts mehr erbringen. Mir muss man die Dinge ruhig, freundlich und
korrekt sagen.
[00:22:46.310] – Maria-Rahel Cano
Sie würden es nicht empfehlen, etwas dem Arbeitgeber zu sagen. Warum nicht?
[00:22:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, wie der Arbeitgeber geartet ist. Der denkt dann: das ist eine faule
Ausrede, das ist eine Modekrankheit, komm mir nicht mit dem.
[00:23:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, wie der der Arbeitgeber darauf reagiert.
[00:23:12.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte gerade jemanden. Die Person hat es dann gesagt und dann erwartet man sehr
viel Verständnis dafür. Die wollen einfach ihre Arbeit gemacht haben. Den Rest
interessiert den Arbeitgeber nicht.
[00:23:33.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer schauen, wen man gegenüber hat.
[00:23:36.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ADHS/ADSler berate, in Bezug auf Arbeitsplätze, frage ich immer:
beschreiben sie mir Ihren Chef? Wie ist der von der Person her?
[00:23:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich herauszufinden, wie man mit dem Chef besser umgehen könnte. Es
ist immer eine Beziehungssache.
[00:23:53.770] – Camille Lothe
Man sieht immer mehr, wie auch Erwachsene Leute auch in den Medien über ihre
Diagnose sprechen. Sie erzählen auch darüber, was es mit ihrer Persönlichkeit macht,
wie sie damit leben, wie sie damit umgehen. Es gab auch viel positive Berichterstattung
in den letzten Jahren.
[00:24:00.020] – Camille Lothe
Als Gesellschaft hat man sich geöffnet, man zeigt mehr Verständnis. Die
Schwierigkeiten, welche damit einhergehen, die gehen unter.
[00:24:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben sie Recht. Das ist eine gewisse Gefahr. Man beschönigt es, dann sieht man
die Probleme wieder nicht.
[00:24:38.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS müssen mehr lernen, mit Problem umzugehen und müssen
lernen, genauer und offener über Problematiken zu reden.
[00:24:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein allgemeiner Trend in der Gesellschaft. Man nimmt nur das gute raus, den
Resten lässt man wieder fallen.
[00:25:00.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Beschönigung, Icing. Das ist ein amerikanischer Stil. Der ist nicht so
hilfreich. Man muss immer wieder die Problematik anschauen, ohne dass man diese zu
sehr pathologisiert.
[00:25:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Über ADHS/ADS Eigenschaften wird das Umfeld und der ADHS/ADSler selber, wird
immer wieder gezwungen etwas zu lernen.
[00:25:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine gute Lernmöglichkeit.
[00:25:28.820] – Maria-Rahel Cano
Es gibt viele Folgeerkrankungen, welche aus ADHS/ADS entstehen.
[00:25:36.050] – Maria-Rahel Cano
ADHS/ADSler haben auch ein höheres Suchtverhalten.
[00:25:50.390] – Maria-Rahel Cano
Wie gehen sie damit um, wenn ich an die medikamentöse Behandlung denken, dass
solche Leute nachher einfach nur die Medikamenten wie TicTacs schlucken.
[00:25:59.770] – Maria-Rahel Cano
Wie kann man denn mit Menschen umgehen, die nachher ein Problem mit Substanzen
haben?
[00:26:05.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Amphetamine, welche man für die ADHS/ADS Behandlung gibt, werden auch auf
der Gasse gehandelt. Das sind Suchtsubstanzen. Das sind Uppers.
[00:26:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man ihnen regulär Amphetaminen verschreibt, werden sie weniger leicht süchtig.
[00:26:22.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird Ritalin auch als Droge verwendet. Da geht man hoch hinaus.
[00:26:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jawohl, es stimmt, ADHS/ADSler neigen mehr zur Sucht. Das kann heute statistisch
aufgezeigt werden.
[00:26:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum werden ADHS/ADSler eher süchtig. Sie sind ungeduldig, regen sich schnell auf.
Die Aufgeregtheit können sie mit Downers, Tranquilizers runterdämpfen. Diese werden
von den Ärzten verschrieben.
[00:26:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler viel Frust und ein schlechtes Selbstwertgefühl haben, weil sie so
viel kritisiert worden sind, nehmen sie eher Kokain, Heroin. Heroin dämpft auch eher,
um sich gut zu fühlen. Um endlich mal wieder ein gutes Gefühl zu haben.
[00:27:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind ADHS/ADSler mehr suchtanfällig.
[00:27:15.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet und habe heute noch Suchtpatienten. Ich
muss denen nicht helfen, nur einfach vom Suchtmittel wegzukommen. Ich muss ihnen
helfen, ihr Leben besser zu gestalten, damit sie zufriedener werden, ihre Persönlichkeit
zu entwickeln, sodass sie die Suchtmittel gar nicht mehr brauchen.
[00:27:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch wird oft als Beruhigung verwendet. Es wird auch zum Schlafen gehen
verwendet.
[00:27:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der viel Haschisch konsumiert hat, macht jetzt noch eine Ausbildung als Lehrer.
Er hat gesagt: ich habe vorher meine Gefühle mit Kiffen unterdrückt, weg gemacht.
[00:28:00.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt muss ich lernen, besser auf meine Gefühle zu hören, diese wahrnehmen, diese
spüren und dann nach diesen Gefühlen auch handeln. Nicht einfach unterdrücken.
[00:28:00.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ungeduld der ADHS/ADSler ist, dass sie das Gefühl möglichst schnell weg haben
möchten.
[00:28:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADSler verlangsamen, damit sie lernen mit ihrer Situation
umzugehen. Das ist auch etwas, was ich auch allen ADHS/ADSlern sage: sie müssen
sich verlangsamen.
[00:28:27.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihre Pferde am Zügel reiten, dann spüren sie sich besser, dann kommen
bessere Lösungen raus.
[00:28:35.170] – Maria-Rahel Cano
In einer schnellen Gesellschaft ist das natürlich schwierig, wenn immer alles schneller
gehen soll, mal ein bisschen langsam runterzufahren.
[00:28:44.540] – Camille Lothe
Wenn man sich die politische Diskussion zur medikamentösen Behandlung anschaut,
merkt man, dass sehr starke Kritik daran geäussert wird. Das Missbrauchspotential,
Kritik am Medikamente selber. Man sagt, das ist eine Droge.
[00:28:57.500] – Camille Lothe
Wie sehen sie die politische Diskussion?
[00:29:01.500] – Camille Lothe
Redet man hier ohne viel Ahnung zu haben? Wird nicht verstanden, wie die Menschen
wirken?
[00:29:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird Sensation gemacht.
[00:29:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Politik ist dazu da, um sich sensationell ein bisschen aufzuspielen.
[00:29:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits ja, das ist eine Droge, das ist schlimm. Wir müssen die Medikamente als
Betäubungsmittel ausstellen.
[00:29:35.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite wird Haschisch legalisiert. Diese Droge wird verharmlost.
[00:29:36.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele, die mit Haschisch psychotisch geworden sind, mit Haschisch einen
schizophrenen Schub hatten.
[00:29:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird banalisiert, auch von den Ärzten.
[00:30:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Situation differenziert anschauen.
[00:30:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das ganze Thema verpolitisieren.
[00:30:19.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Vorträge gehalten über Drogensucht etc.
[00:30:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde immer versucht, die Ärzte in den politischen Trend reinzuziehen.
[00:30:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Parteien, SVP, SP, FDP, alle haben über Drogen etwas wissen wollen. Sie wollten
mich verwenden um öffentlich zu reden.
[00:30:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste immer aufpassen. Ich bin Fachfrau und nicht Politikerin. Ich will den
Politikern nicht helfen, die Politik müssen die Politiker selber machen.
[00:30:56.800] – Maria-Rahel Cano
Haben sie noch etwas für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, was sie ihnen auf den
Weg geben möchten, über das Thema ADHS/ADS?
[00:31:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Vizepräsidentin von ADHS20+.
[00:31:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS20+ ist eine Organisation, nicht eine fachliche Organisation, sondern eine
Laienorganisation, welche Erfahrung hat im Umgang mit ADHS/ADS.
[00:31:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Positive daran ist, dass man das ADHS/ADS nicht pathologisieren muss.
[00:31:52.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen keine Diagnose stellen. Sie müssen es nicht pathologisch angehen.
[00:32:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Kritik an der Psychiatrie ist, dass ADHS/ADS pathologisiert wird und als
Krankheit darstellt und dann sagt: wir Ärzte haben die Oberhoheit, um das zu
diagnostizieren. Dann muss man gleichzeitig ein halbes Jahr bis ein Jahr warten, bis
man zum Test gehen kann. Das kann es nicht sein.
[00:32:04.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte sofort Hilfe bekommen. Die Hilfe sollte nicht in den Medikamenten sein, das
ist wieder das medizinische Modell, sondern in der Beratung im Umgang mit sich selber
und die Beratung der Eltern, Lehrer, im Umgang mit den Schülern.
[00:32:37.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hat unser Schulsystem ein riesiges Defizit/Nachholbedarf, dass sie besser lernen,
mit den ADHS/ADS Kindern umzugehen.
[00:32:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könnte ganz viel Schaden und Fehlentwicklungen verhindern.
[00:32:52.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche täglich, mein Wissen in das Schulsystem reinzubringen.
[00:32:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unumgänglich und äusserst notwendig.
[00:32:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist primäre Prävention.
[00:33:01.700] – Maria-Rahel Cano
Vielen Dank Frau Dr.med. Ursula Davatz für das Gespräch und ihre Expertise.
[00:33:02.210] – Maria-Rahel Cano
Jetzt haben wir noch eine Frage für euch, liebe Community: Was möchtet ihr zu dem
Thema noch wissen? Was denkt ihr über ADHS/ADS und worüber sollen wir nächste
Woche noch reden zu dem Thema? Schreibt uns doch auf
Dr.med. Ursula Davatz
19.9.2024
Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS-Kindern um?
Audio
[00:00:00.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema lautet: Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS-Kindern um?
[00:00:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: ADHS und ADS.
[00:00:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Forschung wird es noch nicht getrennt, aber die Praktiker, die sehen den
Unterschied.
[00:00:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die beiden haben aber viel gemeinsam, jedoch in ihren Reaktionsweisen können sie
recht verschieden sein.
[00:00:28.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS-Kinder, die erkennt man oft schneller.
[00:00:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADS-Kinder, die gehen verloren, die verschwinden und die kommen dann erst mit
40 zur Diagnose.
[00:00:39.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Einleitung möchte ich eine kurze Bemerkung machen.
[00:00:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben heute in einer Zeit der AI, also Artificial Intelligence oder KI, der künstlichen
Intelligenz, und die erfährt einen riesigen Hype.
[00:00:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall wird die bewundert, es ist fast wie ein goldenes Kalb, das angebetet wird.
[00:01:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht so weit, dass man denkt, man braucht den Menschen bald nicht mehr.
[00:01:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann alles geregelt werden mit KI.
[00:01:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich nicht so.
[00:01:16.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, die die KI verkaufen, die wollen natürlich die Konsumenten – das sind die Kinder –
so früh wie möglich abhängig machen, damit sie viele Kunden haben.
[00:01:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Drogenarbeit gearbeitet, mit vielen Süchtigen, und da ging es
dann auch immer um die Reklame für die Droge.
[00:01:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab früher eine Reklame, die hat für Kinder Kaugummi verkauft, wo die Camel
Werbung drauf war.
[00:01:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben versucht, schon die kleinen Kinder auf die Zigaretten einzuspielen.
[00:01:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bildliche Werbung ist sehr stark.
[00:01:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die übrige Werbung, welche im Internet läuft, ist auch sehr stark.
[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben da eine grosse Konkurrenz.
[00:02:08.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrer haben eine grosse Konkurrenz mit dem Internet.
[00:02:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft ja auch schon ein Kampf.
[00:02:15.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das frühe süchtig machen über das Internet, wird natürlich auch von den Kindern
benutzt.
[00:02:28.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer mehr Kinder haben ein Handy.
[00:02:32.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich im Bus hierher gefahren bin, alle mit Handy, alle mit Kopfhörer, alle sind
fasziniert davon.
[00:02:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind besonders anfällig auf Sucht.
[00:02:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt unter den Süchtigen mehr ADHS/ADSler als unter der
Durchschnittsbevölkerung.
[00:03:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind doppelt gefragt, mit ADHS/ADS Kinder so umzugehen, dass sie nicht süchtig
werden müssen.
[00:03:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nur als kleine Einleitung.
[00:03:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind denn die typischen Eigenschaften von ADHS/ADS-Kindern?
[00:03:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das „A" bedeutet „Attention Deficit", also „Aufmerksamkeitsstörung, es wird auf
Englisch gesagt.
[00:03:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung.
[00:03:31.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich nenne diese Eigenschaft, die man Aufmerksamkeitsstörung nennt, mit
breiter Aufmerksamkeit.
[00:03:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder haben einen weiten Radar, sie merken alles was geschieht im Raum,
schneller als der Durschnitt und nehmen das alles auf.
[00:03:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrperson nicht interessant genug berichtet, dann sind sie schnell auf dem
Handy, stören den Nachbarn, schauen zum Fenster raus und die Lehrperson hat ihre
Autorität verloren.
[00:04:07.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrer, Eltern und Erzieher haben sehr viel Konkurrenz.
[00:04:19.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen immer wieder gefordert werden. Ihre Aufmerksamkeit muss
immer wieder von neuem geweckt werden, sonst schweifen sie ab.
[00:04:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Extremfall redet man da von Sensation Seeking.
[00:04:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Reiz der Schule, der Eltern nicht ansprechend genug ist, nicht genug
herausfordernd ist, dann schweifen sie ab, sie lenken ab.
[00:04:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor man einem ADHS/ADS Kind einen Befehl gibt, muss man immer seinen Appell
haben.
[00:04:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe 13 Regeln für Eltern notiert.
[00:05:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst den Appell haben, man muss den Augenkontakt haben.
[00:05:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht vom oberen Stock in den unteren einen Befehl geben, nicht von einer
Ecke im Zimmer zur anderen.
[00:05:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der Appell weg.
[00:05:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie bei einem Hund, wenn man da nicht den Kontakt hat, dann findet er etwas
anderes.
[00:05:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre die Aufmerksamkeitsstörung.
[00:05:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Reizverarbeitung, die läuft über das emotionale Gehirn.
[00:05:46.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Lehraufgaben, so wie wir die Schule verstehen, wie wir das Lernen verstehen,
geht eigentlich alles immer nur über den Intellekt.
[00:05:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Gelernt wird nicht über den Intellekt.
[00:06:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt nur, wenn man eine Beziehung zur lehrenden Person hat und diese
Beziehung muss immer hergestellt werden. Sonst funktioniert es nicht.
[00:06:12.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Erziehungspersonen können das besser und anderen fällt es schwerer.
[00:06:21.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Reizangebot und der Lernreiz, der läuft über unser emotionales Gehirn.
[00:06:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man ja heutzutage auch über die Medien.
[00:06:30.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Je emotionaler irgendjemand etwas erzählt und verbreitet – und es kann falsch sein,
also Fake News –, es wird darauf reagiert.
[00:06:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man reagiert auf das Emotionale und nicht auf das Intellektuelle.
[00:06:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Untersuchungen, wo man irgendetwas erzählt.
[00:06:48.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Menschen ablenken kann auf eine emotionale Schiene, dann glaubt er
das und nicht an das Intellektuelle.
[00:06:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine wichtige Angelegenheit.
[00:07:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Lehrer und Eltern haben sie eine gewisse Unterhaltungsfunktion.
[00:07:11.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Aufmerksamkeit des ADHS/ADS Kindes immer wieder von neuem
holen.
[00:07:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer Beziehung herstellen, bevor sie etwas weitergeben.
[00:07:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sind Unterhalter.
[00:07:35.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Kind an einer Sache interessiert ist, dann können ADHS/ADS-
Kinder hyper fokussiert sein.
[00:07:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bleiben sie bei dieser Sache, man kann sie fast nicht mehr davon wegbringen.
[00:07:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder von etwas abbringen möchte, worauf sie fokussiert sind,
spielen oder lesen, dann kommen sie nicht, dann hören sie nichts. Da bringt man sie
schlecht weg.
[00:08:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst ihr Interesse, das sie für etwas haben, validieren und sagen: ja, ich
weiß, ich verstehe, das ist jetzt ganz wichtig für dich, aber in zehn Minuten müssen wir
gehen und ich will nicht, dass wir zu spät kommen.
[00:08:27.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen eine gewisse Übergangszeit.
[00:08:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht sagen: fertig und jetzt kommst du mit.
[00:08:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen sich innerlich, intrinsisch umstellen können und dann können sie
mitmachen.
[00:08:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu braucht es von uns Erwachsenen etwas Geduld.
[00:08:49.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können nicht sagen: jetzt fertig, jetzt geht es anders weiter.
[00:08:52.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen vorankündigen und dann das durchsetzen.
[00:09:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H, das steht für Hyperkinese. Das heißt Hyperaktivität.
[00:09:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr motorische Kinder, die haben eine Hyperaktivität muskulär, bewegungsmäßig, sie
können nicht still sitzen, Zappelphilipp und so weiter.
[00:09:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat diese Hyperaktivität für eine Bedeutung?
[00:09:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Hyperaktivität hat die Aufgabe, überschüssige Energie loszuwerden.
[00:09:38.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum wird viel Sport betrieben, es wird mit dem Stuhl gewackelt, usw.
[00:09:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich bewegen dürfen, um keinen Stau im Gefühlsapparat, im Gefühlshirn
zu bekommen.
[00:09:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie reagieren ihre Emotionen ab.
[00:09:58.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität hat eine Emotionsregulierende Funktion.
[00:10:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Kinder gestresst, gekränkt werden, können sie sich von diesen
ärgerlichen Emotionen im emotionalen Gehirn, ablenken, indem sie es rauslassen.
[00:10:23.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene gehen joggen, man kann boxen gehen, Fahrrad fahren.
[00:10:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sieht man viele sportlich aktive Leute.
[00:10:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Aktivität kann man die Emotionen wieder etwas runterfahren, sodass man sich
wieder konzentrieren kann.
[00:10:41.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Untersuchungen, dass ADHS/ADS Kinder nach dem Turnunterricht besser
aufpassen können.
[00:10:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aktivität bringt mit sich, dass Dopamin ausgeschüttet wird.
[00:10:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle ADHS/ADS Medikamente machen, dass vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird.
[00:11:03.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit eigener Aktivität kann man seine Aufmerksamkeit wieder raufholen.
[00:11:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht mit der Hyperkinese.
[00:11:15.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Hyperkinese gehört auch noch die Impulsivität.
[00:11:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulsivität ist eine starke Reaktion auf störende Reize.
[00:11:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie falsch anschauen oder irgendetwas falsch machen in ihren Augen, dann
wehren sie sich ab mit impulsiver Abwehr, also mit Aggressivität.
[00:11:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler, der zeigt das sofort, der wird eher aggressiv, schimpft, wird unhöflich.
[00:11:51.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist oft schwierig, sowohl für die Eltern wie auch für die Lehrer. Man sagt dann: du
hast keinen Respekt zu mir.
[00:12:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, da die Impulsivität überschießt, da gibt es keinen Respekt. Das ist
einfach Impulsivität.
[00:12:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann nicht vom Großhirn und vom Intellekt her gesteuert werden. Das läuft einfach
ab.
[00:12:21.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft reflexartig ab, impulsiv ab.
[00:12:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor der Impulsivität ist eine hohe Sensibilität.
[00:12:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind leicht verletzbar.
[00:12:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die aggressiven ADHS/ADS-Kinder, bevor die aggressiv werden, sind die immer
verletzt worden.
[00:12:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsenen sind da eher etwas abgestumpft, wir merken nicht, wie wir die Kinder
verletzen.
[00:12:46.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Regeln, dass man die ADHS/ADS Kinder nicht verletzen darf.
[00:12:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt dann immer, weil sie so aggressiv sein können, müssten sie auch unsere
Belehrungen entgegennehmen können.
[00:13:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler teilen aus.
[00:13:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann: austeilen kannst du, aber einstecken nicht.
[00:13:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist so. Kinder können das noch nicht.
[00:13:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Erwachsene können sie es lernen. Sie lernen es etwas später als der
Durchschnittsmensch, aber fällt ihnen immer schwer, weil sie diese tiefe Reizschwelle
haben, so hypersensibel sind.
[00:13:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hypersensibilität von ADHS/ADS Kindern, die benennt man heute mit hochsensibel.
[00:13:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ärzte haben es an sich, dass sie aus allen Symptomen wieder eine neue Diagnose
machen.
[00:13:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehöre nicht dazu.
[00:13:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, das kann man alles beim ADHS und ADS einreihen.
[00:13:52.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADS Kindern spricht man auch von Autismus oder Asperger.
[00:13:59.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird im Volk schon allgemein Autismus diagnostiziert.
[00:14:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Mann ist autistisch, ich bin etwas autistisch.
[00:14:08.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich sind das alles ADSler.
[00:14:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sensiblen ADSler.
[00:14:18.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, reagieren aggressiv nach außen.
[00:14:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, wenn die verletzt werden, ziehen sich die zurück.
[00:14:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gehirn passiert etwas.
[00:14:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ziehen sich zurück, aber im Gehirn läuft ein Denkapparat ab. Sie denken, sie
hirnen, sie überlegen, manche erfinden sich Geschichten, um auszuweichen. Sie sind
hyperaktiv im Gehirn, in der Gedankenwelt.
[00:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler fallen häufig nicht auf. In der Schule sind die einfach ruhig, sie
verschwinden in ihre eigene Fantasiewelt.
[00:15:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause hören die nicht zu, weil sie versunken sind in ihrer inneren Aktivität.
[00:15:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, aber auch schon Kinder beschreiben das, dass sie da ganz viel denken
müssen.
[00:15:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer neue Gedanken, neue Gedanken, und sie können es nicht
abstellen.
[00:15:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die geistige, die intellektuelle Aktivität ist genauso schwierig zu kontrollieren, wie die
motorische Hyperaktivität.
[00:15:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Gehirnebene haben die ADHS/ADS Kinder eine stärkere Vernetzung vom
emotionalen Gehirn mit dem übrigen Gehirn.
[00:15:52.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, sie können besser Grenzen überschreiten und querdenken und assoziieren.
[00:16:01.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Gehirn ist sehr assoziativ.
[00:16:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Kleinkind ist das ohnehin noch so, aber mit der Pubertät wird das langsam etwas
eingeschränkt.
[00:16:12.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern wird das eher später eingeschränkt.
[00:16:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder bleiben länger Kindsköpfe und sie bleiben auch länger kreativ.
[00:16:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese größere Vernetzung im Gehirn, die macht sie kreativ, die hilft ihnen, Grenzen zu
überschreiten.
[00:16:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter der ADHS/ADS Kindern gibt es Forscher, z.B. Albert Einstein.
[00:16:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen neue Ideen an den Tag.
[00:16:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lassen sich nicht so leicht in eine Schiene bringen, in den Fokus, welchen wir von
ihnen erwarten.
[00:16:50.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene und auch schon Kinder, Jugendliche sagen: wenn ich die Medikamente
nehme, bin ich nicht mehr so kreativ. Ich spüre mich nicht mehr richtig.
[00:17:12.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt, die Hyperfokussierung ist natürlich auch auf eine Art Stress und für ADHS/
ADS Menschen eine Art Tunnelblick.
[00:17:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind natürlich gewohnt, diesen weiten Blick zu haben, diese breite Aufmerksamkeit.
[00:17:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich zu den Medikamenten. Es gibt viele Medikamente.
[00:17:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bekannteste ist das Ritalin.
[00:17:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind alles Amphetamine, verschiedene Formen von Amphetaminen. Auf der Gasse
sagt man „Upper". Es sind Stimulantien.
[00:17:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wirken so, dass Dopamin und Adrenalin, aber vor allen Dingen Dopamin,
ausgeschüttet werden. Es gibt verschiedene Mechanismen.
[00:17:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Dopamin bewirkt dann, dass sie mehr fokussiert sind. Das kann sehr hilfreich sein
in der Schule, speziell wenn die Mühe haben mit dem Aufpassen und der Lehrer
vielleicht nicht ganz so in Beschlag nehmend ist, nicht ganz so attraktiv für sie ist, dann
hilft ihnen das, besser aufzupassen.
[00:18:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt kurzwirksame, es hat Langzeit wirksame, die den ganzen Tag wirken.
[00:18:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Wirkung gibt es häufig einen Rebound.
[00:18:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden runter gezähmt und nachher schießt alles wieder auf und das haben
manche Menschen und manche Kinder auch nicht gerne.
[00:18:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss rausfinden, was am besten geht.
[00:18:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente helfen, die Noten zu verbessern.
[00:18:59.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind Ritalin, Concerta oder was Ähnliches bekommt, dann gehen die Noten
oft um einen Punkt oder mehr rauf.
[00:19:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Noten sind natürlich nicht Alles.
[00:19:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir als Psychiaterin geht es sehr stark um die Persönlichkeitsbildung.
[00:19:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Intelligenz und was man da alles produzieren kann, die kann man heute eben mit KI
auch etwas ersetzen, hingegen die Persönlichkeit nicht.
[00:19:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Patienten, welche die Diagnose dann erst mit 40 bekommen haben. Manche
haben sich selbst behandelt mit Haschisch, also mit Cannabis, mit Kiffen.
[00:19:50.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein 50-jähriger hat mir gesagt: ich habe meine Gefühle ständig runtergedrückt mit
Haschisch. Ich muss jetzt lernen, meine Gefühle wahrzunehmen, zu merken, wenn es
mir zuviel wird. Das ist eine ganz typische Verhaltensweise von ADHS/ADS Menschen.
[00:20:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sehr empathisch sein, sehr engagiert, wenn sie begeistert sind, können sie
die anderen begeistern.
[00:20:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind dann so begeistert, dass sie über ihre Grenzen hinaus gehen.
[00:20:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich da mit Haschisch oder Ritalin zudröhnt, abstellt, dann nimmt man seine
Grenzen nicht mehr wahr.
[00:20:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass Menschen mit ADHS/ADS ihre Grenzen kennenlernen, spüren
lernen und darauf hören, dass sie dann etwas Pause machen.
[00:20:52.940] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS verausgaben sich so stark, das sie zwischen durch wieder Pausen machen
müssen.
[00:21:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau von Albert Einstein hat ihm immer gesagt, wann er Pause machen, schlafen,
essen muss.
[00:21:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sollte man das selber lernen.
[00:21:14.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jeder hat eine Frau oder einen Mann, welcher das für einen tut.
[00:21:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeitsentwicklung, welche durch die intellektuelle Leistung, die mit den
Noten hochgeht in der Schule, die wird eher etwas abgebremst.
[00:21:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit kann man dann noch entwickeln, wenn man aus der Schule raus ist,
das stimmt. Das ist immer Sache vom betreffenden Individuum und von den Eltern, für
was sie eintreten.
[00:21:56.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befehle keinen Eltern, dass sie ihrem Kind Ritalin geben müssen.
[00:22:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere auch kein Ritalin. Ich verschreibe es, wenn es die Eltern, Erwachsenen
wollen.
[00:22:10.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Medikamenten sagt man immer, die muss man immer nehmen, damit es einen
Spiegel gibt.
[00:22:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein muss man nicht, man kann die Medikamente auch nur punktuell nehmen, wenn
man eine spezielle Leistung erbringen muss, wenn man lernen muss.
[00:22:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Steuererklärung ausfüllen muss.
[00:22:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente wie Ritalin, Concerta müssen nicht durch das Band genommen werden.
[00:22:40.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich zu den Lehrpersonen und Eltern.
[00:22:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sollen Lehrpersonen tun, wenn sie Kinder mit ADHS/ADS haben?
[00:22:55.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie können sie diese fördern?
[00:23:03.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes müssen sie die Eigenschaften ihres ADHS/ADS Kindes wahrnehmen. Nicht
alle sind gleich. Man kann sie nicht alle über den gleichen Kamm scheren und
erkennen.
[00:23:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADS Kinder in ihrem Wesen validieren.
[00:23:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn man sie validiert hat, kann man mit seinen Anforderungen kommen.
[00:23:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Erwachsene, die sagen: ich habe nie etwas Recht gemacht.
[00:23:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Mutter war nie zufrieden, mein Vater war nie zufrieden. Die Lehrer haben mich
immer kritisiert. Ich konnte nie etwas recht machen.
[00:23:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch mit dieser Erfahrung aufwächst, dass er nie etwas recht machen
kann, können sie sich vorstellen, sein Selbstwertgefühl ist im Keller.
[00:23:52.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln dann Depressionen.
[00:23:56.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen wird das ADHS/ADS häufig auch erst mit 35, 40 gestellt.
[00:24:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben sich angepasst. Die können das besser als die Buben, aber sie
haben ein extrem schlechtes Selbstwertgefühl.
[00:24:13.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die reagieren dann auf alle Reize, die von außen kommen, nehmen die alle persönlich:
jetzt habe ich schon wieder versagt.
[00:24:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die oder der macht das nur, weil ich es falsch gemacht habe.
[00:24:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung passen sich diese Frauen immer dem Gegenüber an.
[00:24:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche dann von: Empathie versus Selbstfürsorge.
[00:24:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Frauen sind immer bei der Empathie. Die wollen alles Recht machen,
vergessen sich selbst, höhlen sich aus und sind am Schluss am Boden zerstört.
[00:24:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Depression Auftritt, gibt man ihnen Antidepressiva, d.h. Stimulantien,
also auch Medikamente, die stimulieren, oder Medikamente, die stumpf machen.
[00:25:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die modernen Antidepressiva, die SSRI, die machen weniger sensibel.
[00:25:08.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sich nicht so fest aufregen, aber man verwirklicht seine Persönlichkeit
dadurch nicht besser.
[00:25:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Emotionen auftreten, dann muss man an sich auf die hören und lernen, mit sich
umgehen.
[00:25:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich viel mühsamer, als schnell ein Medikament zu verschreiben oder eines
zu nehmen.
[00:25:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt, das ADHS/ADS Kind zuerst in seinem Wesen zu validieren.
[00:25:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu braucht es eine gewisse Zeit.
[00:25:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mit einer Heilpädagogin zu tun.
[00:25:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat die Lehrerin der Heilpädagogin gesagt, sie muss jetzt einfach einen Lehrplan
machen und dem Kind das alles beibringen.
[00:25:54.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort der Heilpädagogin: ich kann dem Kind nichts beibringen, solange ich es
nicht kenne. Ich muss es zuerst kennenlernen.
[00:26:04.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.
[00:26:04.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich den ADHS/ADS Kindern annähert muss man sich ihnen behutsam
annähern. Nicht militärisch, nicht zögerlich, behutsam. Das ist ein Unterschied.
[00:26:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die spüren ob man selbstsicher ist. ADHS/ADSler fühlen sich schnell von unseren
Anforderungen überfahren.
[00:26:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusammen ein gemeinsames Projekt haben.
[00:26:40.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das Problem zusammen: du hast Mühe aufzupassen.
[00:26:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Du störst deine Kollegen und ich habe dann Probleme den Schülern etwas
beizubringen. Wie machen wir das?
[00:26:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Eltern und ADHS/ADS Kinder in der Therapie habe, frage ich immer die
Eltern: was ist das Problem?
[00:26:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann frage ich immer zuerst das Kind: du siehst, wir haben hier das Problem, was ist
dein Vorschlag? Wie können wir das zusammen lösen?
[00:26:56.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gemeinsam zusammen das Problem lösen.
[00:27:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht schon wissen, wie das Problem gelöst werden muss.
[00:27:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir Erwachsene sehr schnell, dass wir dem Kind etwas überstülpen, was das
Kind nicht annehmen kann.
[00:27:17.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist, wie eine Hauttransplantation, welche abgestossen wird.
[00:27:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sorgfältig auf die ADHS/ADS Kinder zugehen und gemeinsam ein Projekt
daraus machen.
[00:27:41.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann irgendetwas sein.
[00:27:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Ruhe in der Schule sein. Etwas zusammen konstruieren.
[00:27:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer haben die ganze Klasse. Die Eltern haben zu Hause noch andere
Geschwister.
[00:28:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Projekt ist dann: wie gehen wir damit um wenn du das willst und dein kleiner
Bruder will das nicht? Wie machen wir das? Wie lösen wir das?
[00:28:13.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass Erwachsene, welche mit ADHS/ADS Kinder umgehen müssen,
Problemlösungen finden.
[00:28:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Statistisch gesehen, sagt man, ADHS/ADS Familien haben mehr Konflikte, mehr Job-
Veränderungen, mehr Scheidungen.
[00:28:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, mit den ADHS/ADS Menschen Konflikte zu lösen.
[00:29:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele verschiedene Problemlösungsstrategien gemeinsam erarbeiten.
[00:29:22.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: das Kind folgt nicht.
[00:29:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind gehorcht nicht. Das Kind hört nicht, was man sagt.
[00:29:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Kind kann nicht folgen, nicht hören, wenn man nicht die Beziehung
hergestellt hat und das Kind gemerkt hat, was man will.
[00:29:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Erwachsener ist man immer stärker. Als Erwachsener muss man die Beziehung
zum ADHS/ADS Kind herstellen.
[00:29:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie eine Beziehung zu den ADHS/ADS Kindern haben, sind diese Kinder
handzahm, dann fressen sie einem aus der Hand.
[00:29:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder verletzt, kann man gar nichts von ihnen haben.
[00:29:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wirklich darauf achten, dass man ADHS/ADS Kinder nicht verletzt.
[00:29:57.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.
[00:30:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich viel mit Tieren, Tierpsychologie und Primatenforschung befasst.
[00:30:13.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle sozialen Wesen haben soziale Gene. Wir Menschen haben auch soziale Gene.
[00:30:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sozialen Gene kommen zur Wirkung nicht erst, wenn wir in die Schule oder in die
Sonntagsschule oder in die Kirche gegangen sind. Die sind in uns eingeboren.
[00:30:33.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Delphin kann einen Menschen retten, der in Not geraten ist.
[00:30:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen auf die sozialen Gene pochen.
[00:30:40.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen das Individuum nicht verletzen. Dann haben wir ausgespielt.
[00:30:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe ein Beispiel aus der Schule.
[00:30:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bratsch – ein Dorf macht Schule.
[00:31:00.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Lehrer haben im Wallis in Bratsch ein altes Schulhaus gemietet, welches nicht
mehr verwendet wurde. Sie haben dort eine neue Form von Schule aufgebaut.
[00:31:13.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat nur aus drei Arbeitsgruppen bestanden.
[00:31:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind konnte sich in eine Arbeitsgruppe einschreiben und die Kinder haben dann
verschiedene Aufgaben gemacht: Spielplatz, Lager, Küche.
[00:31:45.950] – Dr.med. Ursula Davatz
An Hand dieser gemeinsamen Projekte, haben die Kinder rechnen gelernt.
[00:31:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Sitzung mit dem Gemeindepräsidenten führt das Kind die Sitzung.
[00:31:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sagt: ja, Herr Gemeindepräsident, sie dürfen jetzt sagen, was sie stört.
[00:32:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich Sozialkompetenz.
[00:32:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Problemlösungsstrategien mit den Kindern zusammen erarbeiten, ist immer
Sozialkompetenz.
[00:32:26.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage macht man, glaube ich, auch Noten in der Sozialkompetenz.
[00:32:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialkompetenz auf dem Pausenplatz, die wird nicht angeschaut.
[00:32:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dem Pausenplatz sollte die Sozialkompetenz auch geübt werden und natürlich auch
im Schulzimmer.
[00:32:51.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden die Kinder oft alleine gelassen.
[00:32:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch ADHS/ADS Kinder sind soziale Wesen.
[00:32:55.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir ADHS/ADS Kinder abholen können, wenn wir die intrinsische Motivation
antippen können, sind die ADHS/ADS Kinder absolut kooperativ, handzahm, machen
mit und sind sogar sehr begeisterungsfähig.
[00:33:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wechsle wieder auf die Tierwelt.
[00:33:22.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierwelt redet man von tiergerechter Haltung.
[00:33:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, unsere Kinder persönlichkeitsgerecht zu erziehen.
[00:33:37.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen Projekte machen, sie begleiten, sie fördern.
[00:33:37.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben wir Erfolg.
[00:33:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir nicht auf ihr Wesen eingehen, dann arbeiten wir immer gegeneinander.
[00:33:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehorsam kann man nicht verlangen, von ADHS/ADS Kinder.
[00:34:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man motivieren.
[00:34:07.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen intrinsisch motiviert sein.
[00:34:11.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht bis ins Erwachsenen Alter.
[00:34:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Erwachsenen ADHS/ADSler sagen: ich möchte ein eigenes Geschäft
haben. Ich toleriere keine Chef oben an mir.
[00:34:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler einen Chef haben, muss er von der Persönlichkeit her stark sein,
tolerant sein, viel Freiheit lassen, dann arbeiten sie gut mit.
[00:34:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein sagen ist auch nicht sehr hilfreich.
[00:34:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende ein Bild aus der Physik: wenn eine Welle übers Meer geht, die eine kleine
Amplitude hat, aber eine sehr lange Wellenlänge, wenn die ans Land kommt und da ist
eine Mauer, dann gibt es eine Springflut.
[00:35:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird alles zerstört.
[00:35:12.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht Nein sagen.
[00:35:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verstehen, um was es geht beim Kind.
[00:35:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass man alles durchlässt.
[00:35:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss verstehen, was beim Kind abläuft. Das wäre wieder validieren und dann
sagen: ja, ich verstehe es, aber wie lösen wir jetzt das Problem?
[00:35:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei dieser langen Welle keine Wand ist, keine Mauer, dann geht die Welle raus,
rein, raus, rein, raus und irgendwann mal ist sie fertig.
[00:35:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald wir Nein sagen, ist das eine riesige Frustration für die Kinder, denn die ADHS/
ADS Kinder haben eine schlechte Impulskontrolle.
[00:36:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlechte Impulskontrolle, die muss dann gegen dieses Nein anschießen.
[00:36:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die ADHS/ADS Kinder validieren und dann sagen: ich, aus dieser Situation
heraus, will es so und so, dann können die eher mitkommen.
[00:36:16.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass ADHS/ADS Kinder immer gehorchen.
[00:36:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt spreche ich die Lehrpersonen an: wenn Lehrpersonen etwas durchsetzen wollen,
dann müssen sie klar wissen, was ihnen wichtig ist und was sie durchsetzen wollen.
[00:36:43.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht nur auf die Vernunft pochen.
[00:36:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionalität ist stärker.
[00:36:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es dann auch, dass man die Stirn bietet: ich will es in meinem
Unterricht so.
[00:36:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Haushalt will ich das so.
[00:37:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: man darf nicht sagen: du musst! Man darf sagen: ich will!
[00:37:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können Eltern tun und das müssen Lehrer tun.
[00:37:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man setzt die eigene Emotionalität ein und setzt sich durch.
[00:37:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle stärker als das Kind, sie sind älter, sie haben mehr Erfahrung.
[00:37:26.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind spürt: es ist nicht verhandelbar, es ist so, ich will es so. Dann geben die
ADHS/ADS Kinder auf einmal nach.
[00:37:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zuerst in eine Kampfsituation kommen, wenn es um etwas geht, das sie zu Hause
oder in der Klasse einführen wollen. Das löst den aggressiven Stressreflex aus. Auf
Kooperation gehen.
[00:38:04.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um etwas geht, das sie unbedingt durchsetzen müssen – und in der Schule ist
das zum Teil so –, dann müssen sie sagen: ich will, das ist meine Regel und so läuft es
bei mir im Schulzimmer.
[00:38:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADS Kinder konfrontiert, gehen sie auf die innere Flucht. Sie ziehen sich
zurück und machen Oppositionsverhalten, man kann sie nicht mehr erreichen und es
funktioniert gar nichts mehr.
[00:38:35.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort spricht man dann von oppositionellem Verhalten, man macht auch wieder eine
Diagnose daraus.
[00:38:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind wir Ärzte halt.
[00:38:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Durchsetzungskraft der Lehrperson.
[00:38:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit ADHS/ADS Kinder ist keine Kuschelpädagogik.
[00:39:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft gemeint, wenn man nicht gleich bestraft und drastisch rein fährt, man
würde Kuschelpädagogik anwenden.
[00:39:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, es ist keine Kuschelpädagogik. Man arbeitet mit dem Wesen des Kindes, man
geht auf das Wesen ein und man bringt es dann dazu, dass es die Dinge lernt, die man
ihm beibringen will.
[00:39:26.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf es nicht verwechseln mit Kuschelpädagogik.
[00:39:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange mit Juristen zusammen in der nordostschweizerischen
Strafvollzugskommission gearbeitet.
[00:39:41.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten Berichte lesen und dann sagen: wer sechs Stunden Ausgang hat oder
übers Wochenende und so weiter.
[00:39:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dann emotionale oder psychologische Dinge eingebracht habe, dann haben
mich die Juristen häufig abgetan: ja, du willst nur Kuschelpädagogik? Nein, darum geht
es nicht. Ich will erfolgreicher sein mit diesen schwer zu handhabenden Menschen.
[00:40:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen, die passen sich an, wenn sie streng erzogen werden.
[00:40:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jungen, die passen sich vielleicht eine Zeit lang an und dann nicht mehr.
[00:40:25.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo enden die? Die enden dann in der Delinquenz.
[00:40:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen enden in der Depression und die Jungen in der Delinquenz.
[00:40:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Letzte Woche habe ich mit einem Gerichtsmediziner gesprochen, der mit Gefängnissen
zusammenarbeitet.
[00:40:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gefragt: haben sie nicht viele ADHSler in den Gefängnissen?
[00:40:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, über 50%.
[00:40:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die enden dann dort, das wollen wir nicht.
[00:41:00.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, genügend Zeit aufzuwenden und mit diesen widerspenstigen ADHS/ADS
Knaben sorgfältiger umzugehen.
[00:41:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Lehrpersonen und der Durchsetzungskraft: es ist keine Kuschelpädagogik. Als
Lehrperson müssen sie wissen, was ihnen wichtig ist und was nicht.
[00:41:26.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger Regeln, aber die durchsetzen.
[00:41:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter mit einem ADHS/ADS Sohn hat gesagt: ich war konsequent, inkonsequent.
[00:41:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer zuerst irgendetwas gewollt, schlussendlich habe ich nachgegeben. Das
ist natürlich nicht gut, das geht nicht. Da lernt das Kind überhaupt keine Grenzen, keine
Disziplin.
[00:41:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viele Regeln haben. Ein paar wenige und die klar deklarieren.
[00:41:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Schulen im Kanton Aargau zusammen gearbeitet. Dort wurde auf das
Schulreglement zurückgegriffen.
[00:42:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind sagt man: im Schulreglement steht so und darum musst du es so machen.
[00:42:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht gar nicht.
[00:42:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer muss die Regeln selber durchsetzen, mit seiner persönlichen Autorität.
[00:42:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule, die Lehrperson kann nicht einfach auf ein Reglement verweisen.
[00:42:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als deine Lehrerin, ich als dein Lehrer, für mich ist das wichtig, dass das so und so
in meinem Schulzimmer, in meinem Unterricht gemacht wird.
[00:42:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen sich überlegen: was ist ihnen ganz wichtig und das dann
sagen.
[00:42:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder versuchen dagegen vorzugehen.
[00:42:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht vor der Schulklasse blamieren. Das Kind in eine Einzelsitzung nehmen und dann
sagen: schau, ich sehe du hast Mühe dieser Regel zu folgen. Da haben wir ein Problem
miteinander. Ich muss mit der ganzen Klasse arbeiten. Ich kann nicht nur auf deine
Wünsche eingehen.
[00:42:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss die Lehrperson validieren und die Lehrperson muss das Kind
validieren. Dann sagen: wir versuchen es wieder. Wir schauen mal, ob es besser geht.
[00:43:36.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass wenn man klar sagt, was man möchte, dass es alle ADHS/ADS
Kinder dann so umsetzen. Es ist eine Lernphase.
[00:43:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Tennisspieler hat mindestens zwei Anschläge zugute.
[00:43:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS Kind braucht es mehr Versuche.
[00:43:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht sofort funktioniert nicht gleich denken: ich gebe jetzt auf oder ich kommt
jetzt mit der Strafe. Wieder auf Kooperation gehen.
[00:44:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulstunde braucht es so etwas wie Raubtier Dompteure. Im Zirkus Knie sieht
man die nicht mehr.
[00:44:03.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur hat gesehen, welche ausweichen oder nicht richtig aufpassen und hat
immer wieder Kontakt mit ihnen aufgenommen.
[00:44:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Kind braucht, dass man etwas mehr Kontakt mit ihm aufnimmt, immer
wieder seine Aufmerksamkeit abholt.
[00:44:25.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Verwöhnungsstrategie, sondern einfach eine reelle Strategie.
[00:44:41.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man nicht machen darf, wenn man das ADHS/ADS Kind holt und es weiss dann
nicht was es tun soll, sagen: du hast geschlafen, du hast nicht aufgepasst.
[00:44:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf das ADHS/ADS Kind nicht vor der Klasse blamieren.
[00:44:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige ADHS/ADS Kinder, welche mir erzählen, wie sie von der Lehrerin, dem
Lehrer blamiert wurden. Das ist schlimm.
[00:44:51.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Blamieren ist nur an Hand vom Beispiel der Eskimos erlaubt.
[00:45:20.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimos müssen ihren Kindern beibringen, dass die nicht mehr auf das Eis gehen
im Frühling, wenn das einbricht.
[00:45:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind dann trotzdem auf das Eis geht, dann wird es vor der ganzen Gruppe
blamiert.
[00:45:36.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Eskimo Kind wird so blamiert, dass es nie mehr auf das Eis geht zu der Zeit. Das
ist überlebensnotwendig.
[00:45:47.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Blamieren, beschämen fördert die Lernfähigkeit nicht, im Gegenteil, es macht alles zu
und das Kind kann dann weniger lernen.
[00:45:58.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um das Überleben geht wie bei den Eskimos, dann ist das angebracht.
[00:46:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man unterscheiden können.
[00:46:04.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Lehrer müssen sie ihre Autorität klar deklarieren, ihre Wünsche klar deklarieren und
nicht einfach auf ein Schulreglement delegieren, verweisen.
[00:46:30.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch nicht geht – das habe ich von meinen Enkelkindern gehört –, Mütter machen
das oft, dass wenn sie nicht weiterkommen, dann setzen sie ihre Leiden ein.
[00:46:43.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht mir schlecht, wenn du mir nicht gehorchst. Das dürfen wir auch nicht machen.
[00:46:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat eine Lehrerin gesagt: „Ich habe so viel Schreckliches erlebt, selber in der
Schule, und jetzt bringt ihr mich wieder zum Leiden. Also eigenes Leiden einsetzen als
Erziehungsinstrument ist nicht sehr günstig.
[00:47:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber ja, kann passieren.
[00:47:08.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Regel durchbrochen wird, wird wieder angemahnt, aber einzeln.
[00:47:19.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Klare persönliche Regeln in der Schule, im Schulzimmer.
[00:47:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Klare Regeln auch zu Hause, gibt sogenannte psychologische Sicherheit.
[00:47:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, es gibt Struktur.
[00:47:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind weiß, an was es sich halten kann.
[00:47:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Regeln immer wieder verändert werden, nicht vorhersagbar sind, dann wird
das Kind sehr verunsichert.
[00:47:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder, die haben da noch mehr Probleme damit.
[00:47:54.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, klare Regeln zu haben.
[00:47:56.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viele, aber die, die man hat, dass man die durchsetzt, dann gibt das Sicherheit.
[00:48:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder wissen genau, woran sie sind.
[00:48:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen Kinder dann manchmal auch.
[00:48:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sagen: der Lehrer, der ist zwar streng, aber er ist gerecht und ich weiß,
worum es geht.
[00:48:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin, eine andere, da weiß man nicht so recht, ob sie guter Laune ist oder nicht.
Das kann auch beim Lehrer sein. Das gibt Unsicherheit.
[00:48:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir auch zu Hause in der Familie unsere Regeln haben. Das gibt
Struktur und das gibt Sicherheit.
[00:48:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler, Autisten, die machen dann selber ganz strenge, rigide Regeln.
[00:48:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zum Beispiel der Kellner die Tasse bringt und der Löffel ist vorne anstatt hinten,
dann gibt es schon ein grosses Theater.
[00:48:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht am gleichen Platz sitzen kann, im gleichen Bett schlafen kann,
wenn etwas durchbrochen wird, gibt es schon ein grosses Theater.
[00:49:09.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Durchsetzungskraft, die darf auch mit etwas Emotionalität gemacht werden. Nicht:
du bist schlimm, sondern: ich will, es ist wichtig für mich.
[00:49:32.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Energie muss bei der erwachsenen Person bleiben und nicht negativ aufs Kind
übertragen werden.
[00:49:40.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel von Allan Guggenbühl, er ist Jugendpsychologe.
[00:49:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Klasse war nicht mehr führbar. Sämtliche Lehrpersonen hatten ein Burnout, haben
sich krank schreiben lassen.
[00:49:48.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schulleiter hat wieder einen alten Lehrer reingeholt.
[00:50:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der alte Lehrer hat zugesagt und gesagt: ich mache es nach meinem Stil, du kannst mir
nichts vorschreiben, als Schulleiter. Das hat er gemacht.
[00:50:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sass in der Schule, die Kinder haben wilde Dinge gemacht. Er hat eine Zeitung
gelesen. Er hat die Schüler ausagieren lassen.
[00:50:07.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Am zweiten Tag, hat er ein Buch gelesen, die Kinder waren immer noch wild.
[00:50:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Am dritten Tag hat einer der Schüler gesagt: wann beginnen wir endlich mit dem
Unterricht?
[00:50:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man Dinge auch laufen lassen und erst dann mit der Autorität
kommen.
[00:50:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS/ADS Kinder noch nicht bereit sind, hat es keinen Sinn.
[00:50:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Schlussbemerkung: ADHS/ADS-Kinder weichen von der Norm ab und sind eine
größere Herausforderung für die Erziehungsperson, für die Eltern und für die Lehrer.
[00:51:12.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt etwas mit sich.
[00:51:14.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von dieser Herausforderung sind sie alle aufgefordert, zu lernen.
[00:51:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen ist was Schönes, lernen hält uns jung.
[00:51:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich wieder auf neuropsychologischer Ebene sagen: wir wissen heute, dass im
emotionalen Gehirn, die Adulte/Erwachsenen Neurogenese, die läuft bis zum Tod.
[00:51:37.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können neue Nervenzellen machen. Wir sind fähig zu lernen.
[00:51:43.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht nicht mehr so schnell wie ein Teenager, aber wir können lernen.
[00:51:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher landen wir wieder beim sokratischen Lernen.
[00:51:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sokrates hat schon gesagt: nicht ich bringe nur den Kindern etwas bei oder den
Jugendlichen. Ich lerne auch von den Jugendlichen.
[00:52:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können von unseren Kindern lernen.
[00:52:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Familien habe in Therapie – ich bin ja Familientherapeutin –, wenn ich eine
Familie erfolgreich begleiten kann, sodass es dann besser läuft in der Familie, dann
sagen eigentlich alle: es war zwar schwierig, aber über mein Symptomkind habe ich viel
gelernt.
[00:52:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben die Eltern von Drogensüchtigen gesagt und das haben die Eltern von
Schizophrenen gesagt.
[00:52:33.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite auch viele solche. Etwas vom schwierigsten.
[00:52:40.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir als Eltern und dass auch sie als Lehrer die Einstellung haben:
ich kann lernen. Ich kann anhand von diesen schwierigen Kindern lernen.
[00:52:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Lernen nicht wie bei der KI. Die lernt nur, was man ihr eingefüllt hat.
[00:52:55.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist kreatives Lernen, etwas neues Lernen. Menschliches Lernen. Dazu möchte ich
sie alle auffordern.
[00:53:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer und Eltern machen Prävention, indem sie lernen, mit ADHS/ADS Kindern
artgerecht, persönlichkeitsgerecht umzugehen. Damit tragen sie etwas ganz
Wesentliches zur Prävention bei.
[00:53:31.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe ja, wie dann in der Psychiatrie umgegangen wird mit diesen Kindern, wie
hilflos man oft ist und wie an erster Stelle nur auf Medikamente gepocht wird.
[00:53:44.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen ist das Gleiche: es wird viel Geld ausgegeben.
[00:53:49.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Brian Keller (Carlos) ist ein Beispiel dafür.
[00:53:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat eine schwierige Geschichte, aber man könnte so viel Prävention machen, wenn
wir lernen, besser mit diesen speziellen Kindern umzugehen.
[00:54:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die ADHS/ADS Kinder interessant, erfolgreich und sehr unterhaltend.
[00:54:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tragen etwas zur Verhütung von Folgekrankheiten bei, indem sie sinnvoll geschickt
mit ADHS/ADS Kindern umgehen lernen.
[00:54:25.080] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, danke fürs Zuhören und jetzt dürfen Sie mir Fragen stellen.
[00:54:30.070] – Bemerkung 1
Gefühlt, in meinem Umfeld, machen zur Zeit ganz viele ihre ADHS/ADS Abklärung.
Gefühlt hat jeder Dritte diese Diagnose ADHS/ADS. Gibt es dazu eine Studie?
[00:55:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviele ADHS/ADS Menschen gibt es? Früher hat man gesagt 4-5%. 5% Jungs, 4%
Mädchen. Es wechselt dauernd. Je nachdem, wo die Statistik gemacht wird, sieht die
Statistik auch anders auch. In Italien und Griechenland wird die Diagnose weniger
gestellt. Wir sprechen vom südländischen, italienischen Temperament. Schon im Tessin
gibt es weniger Diagnosen. Dort sagt man einfach: das ist das südländische
Temperament.
[00:55:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Deutschschweiz wird es gleich viel diagnostiziert wie in den USA.
[00:56:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen: man hat das Gefühl, jedes zweite ist eines. Diejenigen, welche auffallen, die
nimmt man war. Die Gesunden nimmt man nicht wahr.
[00:56:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ungefähr 25% mit ADHS/ADS haben guten Erfolg. Michael Phelps, der ist
auch Alkoholsüchtig. Er ist ein Schwimmer.
[00:56:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche erfolgreich durchkommen, die zähmen wir nicht, somit können wir
es nicht richtig vergleichen.
[00:56:41.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sehen nur diejenigen, welche auffallen.
[00:56:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist statistisch vererbt. Die Gene haben nicht zugenommen.
[00:56:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Gene. Dort waren die ADHS/ADS Gene
von Vorteil, im Sinne der Selektion. Das war die Handelsstrasse. Dort wurde Handel
getrieben.
[00:56:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf einen italienischen oder griechischen Markt geht, dann sieht man, wie
die Aufmerksamkeit sehr breit ist. So können sie gut Handel treiben. Im Mittelmeerraum
wurden die ADHS/ADS Gene selektioniert.
[00:57:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
In die USA sind viele ADHS/ADSler ausgewandert.
[00:57:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben sie hier nicht toleriert.
[00:57:28.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutigen, die sind ausgewandert.
[00:57:35.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Amerikaner haben nicht so schöne Handschriften. Das ist die motorische
Koordination, welche nicht so gut ist.
[00:57:44.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen holen auf mit der Diagnose, weil man die Diagnose mit 35/40 Jahren
stellt.
[00:58:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sagte man, es wächst sich aus. ADHS/ADS wächst sich nicht aus, man lernt nur
besser damit umzugehen.
[00:58:39.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Glaube nie einer Statistik, welche du nicht selber gefälscht hast.
[00:58:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurden die ADHS/ADS Symptome aufgenommen von den Gefangenen, es wurden
ihnen Fragebogen gegeben. Dann waren es nur 15%.
[00:58:59.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich gesagt: das kann nicht stimmen.
[00:59:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Ausländer, die reagieren anders auf den Fragebogen und dann kommt
einfach nichts raus.
[00:59:10.490] – Bemerkung 2
Ich bin Sozialpädagogin. Man muss das System anschauen. Ich habe gehofft, dass ich
heute alle Lehrpersonen sehen werde.
[00:59:57.400] – Bemerkung 3
Der heutige Abend richtet sich an die Eltern.
[01:00:11.990] – Bemerkung 2
Die Lehrpersonen, Pädagogen sind überfordert, sie lernen nur Didaktik. Die Eltern
müssen sich damit auseinandersetzen. Die Kinder werden abgestempelt und
diagnostiziert.
[01:00:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verstehe sie gut. Ich habe viele Kinder, welche aus der normalen und der privaten
Schule kommen. Ich sage: never teach a teacher.
[01:00:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer lassen sich oft nicht gerne etwas sagen.
[01:01:12.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Kanton Aargau mit einer Bezirksschule sehr gut zusammengearbeitet.
[01:01:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die schwierigsten gut durchgebracht.
[01:01:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch solche, da wurde ich total abgewiesen von den Lehrern.
[01:01:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat mich nicht involviert.
[01:01:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre schon schön, wenn die Lehrer mehr verstehen würden von ADHS/AD Kindern
und besser mit denen umgehen können.
[01:01:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Mühe Lehrer zu finden. Das Burnout der Lehrer.
[01:01:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran ist auch schuld, dass die Lehrer nicht genügend unterstützt werden im Umgang
mit schwierigen Kindern.
[01:01:57.300] – Bemerkung 4
Man hat für das Kind einen Lehrer, einen Ergotherapeuten, Logopädie, IF und noch
Cranio.
[01:02:01.200] – Bemerkung 4
Das Kind ist nicht diagnostiziert.
[01:02:01.380] – Bemerkung 4
Früher gab es nicht so viel Unterstützung für Lehrkräfte wie heute. Man muss für sein
eigenes Kind Bewältigungsstrategien suchen.
[01:02:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau habe ich versucht in die Lehrinstitution reinzukommen und etwas anzubieten.
[01:03:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin abgeblitzt. Ich denke, es wäre wichtig, dass man es näher reinbringt.
[01:03:24.860] – Bemerkung 5
Man spricht immer über die Diversität und den Individualismus. Wenn es nicht passt,
dann kommen die Anschuldigungen von den Eltern, von den Lehrern usw.
[01:03:40.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem des medizinischen Modells ist, dass wir die Heilpädagogin,
Ergotherapeutin, Cranio-Sacral-Therapie usw. zu viel auf das Kind eingewirkt wird.
[01:03:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sollten die Hauptpersonen etwas instruiert werden, dann brauchst es das
andere gar nicht.
[01:04:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind, das hat Schule geschwänzt.
[01:04:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erreicht, dass es wieder in die Schule geht. Am Montag ist das Kind nicht in
die Schule gegangen, weil dort die Heilpädagogin war. Die hat für das Kind blöde
Fragen gestellt.
[01:04:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht von unserer Symptom-Korrektur ausgehen als Ärzte.
[01:04:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen vom Kind ausgehen und schauen was am besten für das Kind ist.
[01:04:28.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht immer so einfach.
[01:04:28.840] – Bemerkung 6
Beide Seiten müssen daraus lernen. Die Eltern und auch die Lehrpersonen. Die
integrative Schule ist umstritten, so wie es zur Zeit läuft.
[01:04:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die integrative Erziehung ist gut von der Idee her, aber es bräuchte
Unterstützungspersonen für die Lehrkraft, dass wenn sie aufläuft, dass sie da
Unterstützung bekommt und vielleicht andere Methoden findet.
[01:05:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Schule im Aargau, da ist ein ADHS/ADS Kind immer abgehauen.
[01:05:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Da musste immer ein anderes Kind dieses Kind eine Woche lang begleiten.
[01:05:27.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Mädchen, dann die Jungen. Der hat sich dann gut integriert und hat
abgeschlossen.
[01:05:36.080] – Bemerkung 7
Sie waren zuerst gegen die Medikamente, um die Persönlichkeitsentwicklung zu
unterstützen. Viele Erwachsene haben durch die Prägung als Kind gelitten. Die Kinder
heute können fast nicht angepasst sein und schadlos eine Persönlichkeit entwickeln in
meiner Perspektive. Die Kinder müssen immer angepasst sein. Wenn sie nicht
angepasst sind, können sie keine Persönlichkeit entwickeln, weil sie vom System
eingedämmt werden.
[01:06:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt auf den Lehrer an. Was ist das nicht schlüssig für sie?
[01:06:37.390] – Bemerkung 7
Ich fand, dass die Persönlichkeitsentwicklung meiner Tochter ohne Medikation
eingedämmt war, weil sie sich geschämt hat, weil sie sich nicht mehr getraut hat, offen
auszusprechen, weil sie nicht mehr aus sich rauskam.
[01:06:49.240] – Bemerkung 7
Durch die Medikation hatte sie wieder mehr Möglichkeiten, ein Teil ihrer Persönlichkeit
zu zeigen.
[01:06:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Abwägen. Ich muss es immer den Eltern überlassen. Ich entscheide es nicht
für die Eltern und auch nicht für das Kind. Es ist ein abwägen.
[01:06:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es in einer Phase besser, wenn es die Medikamente nimmt. Dann ist es
besser integriert in der Klasse, wird besser respektiert vom Lehrer oder von der
Lehrperson. Das tut natürlich gut.
[01:07:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will ich nicht verhindern, sicher nicht.
[01:07:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss mit jeder Familie und mit jedem Lehrer oder Lehrkörper, muss ich da so
rausfinden, was ist jetzt da die beste Entscheidung?
[01:07:37.780] – Bemerkung 7
Es ist ein schmaler Grad.
[01:07:37.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit kann das Kind auch noch später entwickeln.
[01:07:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Miguel Camero, der Beatboxer.
[01:07:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihm war die Schule egal und er hat seinen Weg gefunden.
[01:07:47.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf die Situation an. Im war es egal, dass die Lehrer alles falsch finden.
[01:08:11.380] – Bemerkung 8
Miguel Camero wurde zu Hause wohl validiert und nicht beschämt.
[01:08:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.
[01:08:36.390] – Bemerkung 9
Ich hätte gerne drei Fragen über Ihren fantastischen Vortrag. Wie hat der Lehrer nach
den drei Tagen reagiert.
[01:09:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat mit der Schule begonnen. Er hat einfach gewartet und dann mit der Schule
begonnen.
[01:09:17.370] – Bemerkung 9
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit der ADHS/ADS Übertragung der Genetik? Der
Vater hat es, die Mutter hat es?
[01:09:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist relativ hoch. ADHS/ADS ist nicht ein Gen. Es sind mehrere Gene, 20, 30, 100. Es
ist eine Genmischung. Je nach der Mischung kommt es wieder raus.
[01:10:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS suchen Menschen, welche es auch haben. Die verstehen
sich.
[01:10:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus sagt: they find each other, they bind with each other and they
reproduce with each other.
[01:10:28.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer ist ADHS, der andere ADS, manchmal auch nicht.
[01:10:42.010] – Bemerkung 9
Wann würden sie eine ADHS/ADS Abklärung empfehlen?
[01:10:51.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt ADHS/ADS in allen Medien. Jetzt gehen alle abklären.
[01:10:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Abklärung für die Kinder hat Wartezeiten von sechs Monaten bis zu einem Jahr.
[01:11:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht keine Abklärung. Sie brauchen die Abklärung nur, wenn sie einen
Nachteilsausgleich für ihr Kind wollen. Manche Schule verlangen die offizielle
Abklärung. Um mit dem Kind besser umgehen zu können brauchen sie keine
Abklärung.
[01:11:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sehen selber, wie das Kind reagiert und können selber mit dem Kind umgehen
lernen. Der Umgang wird nicht besser durch die Abklärung.
[01:11:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird abgeklärt, das Kind kriegt einen Stempel, die Ärzte, welche die Abklärung
machen, beraten dann nicht die Lehrer und Eltern im Umgang mit dem Kind.
[01:11:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ganz wenige, welche beraten können.
[01:11:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das medizinische Modell. Man macht die Diagnose, gibt Medikamente
und Adieu.
[01:12:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADHS/ADS Coaches, aber längst nicht genügend.
[01:12:13.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das Gefühl haben, es geht in die Richtung, dann können sie achtsam sein
und versuchen das anzuwenden, was sie jetzt gehört haben.
[01:12:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht nicht zwingend eine Abklärung.
[01:12:27.860] – Bemerkung 10
Die Abklärung kann auch helfen dem Kind zu erklären. Damit das Kind nicht einfach
denkt ich bin falsch.
[01:13:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, die dann die Abklärung machen, die sagen: mir hat es geholfen, jetzt
habe ich auf einmal verstanden.
[01:13:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so lange warten muss, sage ich: macht nichts, wir können dennoch schon
starten, lernen. Wenn sie die Abklärung wollen, müssen sie warten.
[01:13:39.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Erwachsene, welche sagen: ja, ich musste schon als Kind zum Psychologen
gehen und habe dann die Diagnose bekommen und konnte gar nichts damit anfangen
und ich habe mich abgestempelt gefühlt.
[01:13:49.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern habe ich eher die Haltung, dass man sagt: es gibt eine Vielzahl von
Menschen. Wir sind alle unterschiedlich. Manche sind in dem gut und in dem schlecht.
Du bist in dem gut und dort hast du mehr Mühe. Wir dürfen unterschiedlich sein.
[01:14:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Für manche ist es eine Entlastung. Jetzt verstehe ich mich endlich.
[01:14:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Kleinen noch nicht. Für die größeren eher und für die Erwachsenen, die sagen
oft: ich bin erleichtert. Jetzt verstehe ich mich.
[01:14:29.920] – Bemerkung 11
Sie haben gesagt, dass die Kinder beim Sport Energie ablassen können. Wo hilft Ruhe
und Entspannung? Kann man das auch erklären?
[01:14:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder brauchen eher Ruhe, Rückzug, ins Zimmer gehen, dass man sie
nicht zu viel stört. In der Pubertät wird das noch stärker, dass man sie nicht zu viel stört.
Die stört man häufig zu viel. Auch die Erwachsenen ADHS/ADSler sagen, sie müssen
sich immer wieder zurück ziehen, ihre Mitte finden, da darf man sie nicht stören. Man
darf nicht ständig Leistung von ihnen verlangen.
[01:15:33.580] – Bemerkung 11
Und die Bewegungskinder?
[01:15:34.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sollen sich bewegen dürfen.
[01:15:34.950] – Bemerkung 11
Nicht nach Hause einfordern?
[01:15:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, die muss man sich bewegen lassen. Nicht noch zusätzlich stimulieren. Ein Sport
und dort Einsatz.
[01:15:50.440] – Bemerkung 12
Es gibt noch den Mittelweg der progressiven Entspannung, dass man gerade ADHS-
Kinder versucht, mit diesen progressiven Entspannungen zu holen.
[01:16:01.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man eine Körperübung macht, progressive Entspannung, ist möglich.
[01:16:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder finden das oft noch nicht so lustig, aber es gibt solche, die machen mit.
[01:16:13.280] – Bemerkung 12
Zuerst anspannen und dann loslassen. Das stört den Unterricht weniger, als wenn das
Kind zwei Mal um das Schulhaus rennt und die anderen Kinder müssen zuhalten.
[01:16:13.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Flugzeug macht man ja auch isometrische Übungen, weil man da so ruhig sitzen
muss und das tut auch gut. Ja, das stimmt.
[01:16:35.670] – Bemerkung 13
Wie ist es mit dem Schlafverhalten bei ADHS/ADS Kindern?
[01:16:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler haben Schlafprobleme. Man muss ein Runterfahr-Ritual haben.
Das soll immer gleich sein.
[01:16:47.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Abend keine grossen Probleme diskutieren, sondern wirklich herunterfahren. Jede
Mutter, jeder Vater macht das mit seinen Kindern auf seine Art und Weise. Nicht vor
dem Schlafen noch rumtoben.
[01:17:24.380] – Bemerkung 14
Benötigen ADHS/ADS Kinder weniger Schlaf?
[01:17:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auch sein. Manche haben einen unterschiedlichen Schlafrythmus. Die gehen
früh ins Bett und stehen frühmorgens aus und umgekehrt.
[01:17:48.600] – Bemerkung 15
Lerchen und Eulen.
[01:17:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lärchen stehen früh auf und die Eulen sind die ganze Nacht wach. Man muss
seinen Rhythmus etwas finden.
[01:17:54.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man rhythmisiert. Dann gewöhnt sich das Hirn daran und dann macht
es mit. Nicht immer wieder anders.
[01:18:52.890] – Bemerkung 16
Keine Kritik sondern ein grosses Dankeschön an diese Aufforderung, dass das Thema
ADHS/ADS uns Erwachsene etwas angeht, im Umgang mit den Kindern und es nicht
die Kinder sind, welche sich von heute auf Morgen ändern, sondern wir Erwachsene an
uns etwas ändern müssen im Umgang mit den Kindern. Vielen Dank für diesen Aufruf.
Gerhard Polt sagt: was die Gene versaut haben, kann nicht nur mit Schlägen korrigiert
werden.
[01:18:59.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist von der Natur her gegeben. ADHS/ADS ist eine genetische Vererbung und da
kann man nicht einfach draufhauen, dann wird es anders, sondern man muss auf das
eingehen und dann kann man es führen.
[01:19:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es freut mich, wenn sie das so aufgefasst haben.
[01:19:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön.
[01:19:33.900] – Bemerkung 17
Es gibt ja verschiedene Symptome. Eine unleserliche Schrift. Was sind die häufigsten
Symptome?
[01:19:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die häufigsten Symptome: die Impulsivität und die Sensitivität.
[01:20:03.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulsivität, die dann in Hyperaktivität bei den ADHS/ADSler übergeht und bei den
ADSlern in interne Hyperaktivität übergeht.
[01:20:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dem Sinnesbereich: sie haben nicht gerne Wolle. Irgendwas kratzt auf der Haut. Sie
haben zum Teil nicht gerne andere Geschmäcker.
[01:20:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADHS/ADS-Kind, das hat nur Nudeln oder Spaghetti gegessen mit Butter,
keine Sauce, nichts, etwas Salat und die Sauce der Mutter und vielleicht noch Wienerli
oder so was.
[01:20:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Esskultur ist oft sehr eintönig.
[01:20:50.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verzweifeln dann die Mütter.
[01:20:52.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von einem Kinderarzt mal gehört, der hat gesagt, zum Teil haben die Kinder
ganz komische Diäten. Diese Kinder hat man untersucht und die Kinder waren immer
noch gesund.
[01:20:59.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwie ist unsere menschliche Natur nicht so leicht zerstörbar, auch wenn sie ganz
falsch ist.
[01:21:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Bereich ADHS/ADS wurde eine Zeit gesagt: die künstlichen Zusatzstoffe, die
Phosphate und so weiter, die machen das ADHS/ADS schlechter.
[01:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist die Medizin sehr auf Ernährung und gesunde Ernährung und das hat
eine Auswirkung aufs Hirn und so weiter und so weiter.
[01:21:33.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird er auch wieder zu sehr fokussiert.
[01:21:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme aus einer Familie, wo man eher gesunde Ernährung plädiert hat.
[01:21:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher gut, wenn man den Kindern alles anbietet und sie lernen mit der Zeit dann
auch andere Geschmäcker essen.
[01:21:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche sind sehr sensibel mit dem Gehör, haben vielleicht das absolute Musikgehör,
oder auf Reize, andere visuell; Geschmäcker, die haben eine sehr gute Nase.
[01:22:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können in allen Sinnesbereichen auch wieder extrem sein.
[01:22:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können spezielle Begabungen haben.
[01:22:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war physikalisch sehr begabt. Er hat nicht gut gerechnet, dazu hat er
immer jemanden gebraucht.
[01:22:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können in einem Fach sehr gut sein.
[01:22:37.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können im Lesen oder Schreiben sehr gut oder sehr schlecht sein. Das wäre dann
die Legasthenie.
[01:22:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt häufig mit einer Lernstörung.
[01:22:44.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder eine extra Diagnose, aber es ist oft kombiniert.
[01:23:16.020] – Bemerkung 18
Autismus würden sie nicht nochmals separat abgrenzen.
[01:23:16.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich mache das nicht. Ich sage: das ist eine Extremform des ADS.
[01:23:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS.
[01:23:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man verschiedene psychiatrische Diagnosen rausgenommen und die alle
genetisch getestet.
[01:23:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kam raus, dass Schizophrenie, manisch-depressiv, schwere Depression, Autismus
und ADHS/ADS den gleichen Gen-Lokus verändert haben.
[01:23:54.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann war man erstaunt.
[01:23:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann gesagt: für mich ist es klar, das ADHS/ADS ist das vererbte Genom und
dann kann es Schizophrenie machen, es kann manisch-depressiv machen, es kann
Frauen schwer depressiv machen. Der Autismus kam auch vor.
[01:24:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede von Folgekrankheiten.
[01:24:22.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sprechen von Komorbidität, die sagen, es sind zwei verschiedene
Krankheiten und ich sage, es sind Folgekrankheiten.
[01:24:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit Schizophrenie speziell befasst.
[01:24:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang habe ich nur die Beziehung zwischen Schizophrenie und ADHS/ADS
angeschaut. Jetzt schaue ich alle an.
[01:24:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Persönlichkeitsstörung tritt häufig auf bei Frauen, die mit ADHS/ADS zu
streng erzogen wurden.
[01:24:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolare Störung, das ist manisch-depressiv, das ist auch typisch und das kommt jetzt
alles langsam raus.
[01:24:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer werden delinquent.
[01:25:03.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtkrankheiten, das hat man schon. Das verstärkt sich dann.
[01:25:05.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mein Buch mitgebracht über ADHS und Schizophrenie.
[01:25:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau war ich lange in der Drogenarbeit tätig und habe die
Drogenberatungsstellen unter mir gehabt und war in der Drogenkommission.
[01:25:26.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich viel mit Süchtigen zu tun gehabt.
[01:25:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals habe ich ADHS/ADS und Sucht noch nicht miteinander gesehen, aber jetzt
sehe ich es.
[01:25:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es auch Statistiken.
[01:25:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir unsere ADHS/ADS Kinder persönlichkeitsgerecht behandeln, können wir da
sehr viel Prävention machen.
[01:25:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu habe ich sie aufgefordert.
[01:26:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche ihnen einen schönen Abend, ich hoffe sie konnten etwas mitnehmen.
[00:00:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich wieder in dieser Runde zu sein.
[00:00:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist: die Rolle der Grosseltern in der aufsuchenden Familienarbeit.
[00:00:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte zuerst kurz ausholen und das Ganze ein wenig einbetten.
[00:00:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beginne bei der Genetik.
[00:00:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik hat heutzutage einen grossen Aufschwung, seit man das Genom entziffern
kann.
[00:00:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte erwarten von der Genetik sehr viele Antworten.
[00:00:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sucht immer nach den Urwahrheiten.
[00:00:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt, dass in den Genen die Urbausteine sind und dass man dort die
Urwahrheiten finden könnte.
[00:00:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie hat GWAS gemacht.
[00:00:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i /
Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.
[00:00:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Grosse Kohortenstudien. Es wurde genetisch untersucht. Man hat auch psychiatrische
Krankheitsbilder untersucht.
[00:01:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist herausgekommen, dass bei fünf psychiatrischen Erscheinungsbilder, der
gleiche Genlocus verändert ist.
[00:01:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Krankheitsbilder sind: Schizophrenie, manisch-depressiv, schwere Depression,
Autismus und ADHS/ADS.
[00:01:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ein ADHS/ADS Spezialist. Ich sage: ADHS/ADS ist keine Krankheit.
[00:02:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ADHS/ADS können verschieden Krankheiten hervorgehen.
[00:02:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Haltung ist noch nicht allgemein akzeptiert. Ich sehe es täglich in meiner Praxis
auf eine Art bestätigt.
[00:02:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ADHS/ADS können nicht nur die vier anderen Krankheiten entstehen, sondern
auch noch viele andere, u.a. psychosomatische und sogar auch somatische
Krankheiten.
[00:02:27.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird immer mehr mit allen möglichen Krankheitsbildern korreliert.
[00:02:28.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommt es zu diesen Krankheitsbildern?
[00:02:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder zu den Genen zurück gehe, sage ich: 99% von unseren Genen teilen
wir mit den Schimpansen.
[00:02:33.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sehen sehr anders aus, wir verhalten uns auch anders als die Schimpansen.
[00:02:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen den Genen (Genotyp) und der Erscheinungsform (Phänotyp) müssen noch
andere Mechanismen spielen.
[00:02:55.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind kompliziert und nicht so einfach.
[00:03:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man von epigenetischer Bestimmung.
[00:03:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bestimmen nicht direkt das Erscheinungsbild (Phänotyp) und das
Krankheitsbild vom Menschen.
[00:03:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind ganz viele Interaktionen dazwischen.
[00:03:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist dran, das zu erforschen.
[00:03:35.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch gar nicht aufgeklärt.
[00:03:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was erforscht wird ist der Stress.
[00:03:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress geschehen gewisse Mechanismen bei den Genen.
[00:03:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie nicht wissen. Sie müssen nur mit den Menschen umgehen können.
[00:03:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die psychosoziale Prägung an.
[00:03:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktion vom Menschen mit seinem Umfeld spielt eine grosse Rolle, wie er sich
entwickelt. Das kann man von der Psychologie her.
[00:04:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie ist man nicht so weit.
[00:04:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es interessiert mich immer die Erziehung.
[00:04:24.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Familie frage ich immer: welche Wertvorstellungen hat ihre Mutter, ihr Vater,
die Grosseltern?
[00:04:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben sechs verschiedene Einflüsse. Zwei Grosseltern von beiden Seiten, die
Eltern. Der ganze Mix, welcher durch die Verhaltensweisen entsteht, Wertvorstellungen,
Methoden zum erziehen, das mischt sich beim Kind.
[00:04:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das die soziale Vererbung.
[00:05:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung spielt bei uns Menschen einen grössere Rolle, als die genetische
Vererbung.
[00:05:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung wird in einem individuellen medizinischen Modell nicht
angeschaut.
[00:05:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das medizinische Modell schaut immer nur das Individuum an. Was das für Symptome
hat, wie es sich verhält.
[00:05:44.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der individuelle therapeutische Ansatz ist dann immer beim Individuum. Das genügt
nicht. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
[00:05:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein sozial anpassungsfähiges Organ.
[00:05:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen immer das Individuum in seinem Kontext anschauen.
[00:06:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das tun sie. Sie machen eine aufsuchende Familienarbeit.
[00:06:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen nach Hause. Sie schauen wie diese Interaktionen sind. Sie versuchen in
diese Interaktionen einzugreifen.
[00:06:07.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind ein Crispr.
[00:06:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht heute von der Genschere.
[00:06:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Gene auseinanderschneiden und dann wieder neu zusammensetzen und
dann implantieren und dann passiert etwas Neues.
[00:06:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind viele Risikosachen dabei.
[00:06:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auf eine Art eine soziale Genschere.
[00:06:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Genschere hat viel mehr Möglichkeiten beim Menschen als soziales Wesen
einzugreifen, Dinge zu verändern.
[00:06:46.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhaltensmuster zu verändern ist trotzdem nicht so einfach.
[00:06:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben es einfacher als die Genetiker, welche mit der Genschere dahinter gehen.
[00:07:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ein stabiles Wesen, das man über das Verhalten verändern kann.
[00:07:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie in das Familiensystem reingehen, erreichen sie dort eine Veränderung.
[00:07:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der sozialen Vererbung sind wir vertraut. Wir erben die Kultur. Die Kultur ist etwas,
das weitergegeben wird, über Generationen hinweg.
[00:07:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Religionen werden weitergegeben, Glaubenssätze werden weitergegeben.
[00:07:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind in einem westlichen Vererbungsgebiet aufgewachsen.
[00:07:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir teilen mehr oder weniger alle unsere westlichen, demokratischen Werte.
[00:07:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In der multikulturellen Gesellschaft mit der vielen Migration, passieren jetzt viele
Mischungen.
[00:08:06.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn sie zu einer kulturell anderen Familie gehen, dass sie schauen, was
für Muster sind dort inbegriffen, was für Muster gehören zu diesen Familien.
[00:08:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine aktive Integrationspolitik macht, dann probiert man sofort, die die
eigenen Wertvorstellungen diesen Leuten überzustülpen.
[00:08:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die USA machen das mehr als wir.
[00:08:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer denken häufig, wenn man zu uns kommt, dann muss man sich einfach
uns anpassen.
[00:08:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so leicht, die soziale Vererbung zu ändern.
[00:08:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein Opportunist, er versucht immer, die beste Lösung zu finden.
[00:08:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
So kommen Leute aus dem muslimischen Raum zu uns. Die Frauen wollen die
Freiheiten vor Ort, sie sehen sofort ihre Vorteile.
[00:09:03.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer wollen ihre alten Werte behalten, weil sie Macht verlieren.
[00:09:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine grosse Verwerfung in der sozialen Vererbung.
[00:09:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind am Ort wo sie helfen müssen, die Verwerfungen möglichst zu minimieren.
[00:09:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst einmal klar sehen: was ist die soziale Vererbung?
[00:09:24.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich mit sich selber auseinandersetzen. Was habe ich für
Wertvorstellungen?
[00:09:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind meine Glaubensbekenntnisse?
[00:09:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Das ist nicht immer so
einfach.
[00:09:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man mit etwas anderem konfrontiert wird, muss man dann auch überlegen: ja,
was ist denn eigentlich bei mir?
[00:09:54.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die soziale Vererbung immer wieder im Auge hat.
[00:10:02.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll schauen: was hat man selber geerbt? Zu was steht man?
[00:10:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welt entwickelt sich weiter.
[00:10:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Familien bleibt alles in der gleichen Tradition.
[00:10:08.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit der Zeit gehen möchte, muss auch gewisse Muster, welche einem von
der eigenen Familie weitergegeben werden, zum Teil auch über den Haufen werfen.
[00:10:33.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das über den Haufen werfen ist gar nicht so einfach.
[00:10:33.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe, wie Menschen die soziale Vererbung, welche sie von ihren Eltern
mitbekommen haben, übergehen sollen, über den Haufen werfen sollen, dann
bekommen sie Angst.
[00:10:51.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Muster, welche man von seiner Familie geerbt hat, die bilden eine Zugehörigkeit.
Die helfen, dass man zu einem grösseren System gehört. Man fühlt sich eingebettet.
[00:11:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das eingebettet fühlen gibt Sicherheit.
[00:11:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage werden werden Wertvorstellungen, Bilder, Rollenbilder, die soziale
Vererbung wird heute auch auf dem Internet weitergegeben.
[00:11:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sinne von Influencer.
[00:11:33.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder junge Mensch will ein Influencer werden.
[00:11:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Er möchte seine sozialen, künstlerischen Wertvorstellungen möglichst weit verbreiten.
[00:11:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist das mit den Genen geschehen.
[00:11:54.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat genetische Untersuchungen gemacht.
[00:11:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer gewissen Zeit sind dann auf einmal in Europa alles mongolische Gene
aufgetreten.
[00:12:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat wohl mit dem Dschingis Khan zu tun.
[00:12:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es laufen unglaubliche Wertemischungen.
[00:13:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bezüglich den demokratischen Vorstellungen sind sie nicht auf unserem Niveau. In
Bezug auf die Technik sind sie immer mehr auf unserem Niveau.
[00:13:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto Kunst wollen sie sich jetzt auch hervortun.
[00:13:20.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung läuft über unser Wesen, über unser soziales Wesen.
[00:13:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Wesen ist am meisten in unseren limbischen System verortet.
[00:13:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite mit dem "Triune Brain" von Paul D. MacLean. Das dreieinige Gehirn.
[00:13:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat sich in der Zeit der Säugetiere stark entwickelt.
[00:13:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist für die Beziehung verantwortlich.
[00:13:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute muss man nicht nur eine körperliche Beziehung haben. Man kann auch über das
Internet eine Beziehung haben.
[00:13:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch virtuelle Beziehungen.
[00:14:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut uns nicht benehmen wie
Roboter und auch nicht alle die sozialen Vererbungen übernehmen, welche in den
Medien kursieren.
[00:14:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir zurück in die Familie.
[00:14:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Kind treffen die verschiedenen Wertvorstellungen aufeinander.
[00:14:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Wertvorstellungen von Vater und Mutter anschauen und schauen, wie
diese differieren.
[00:14:40.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch immer noch in die nächste Generation hochgehen.
[00:14:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heute sind die Grosseltern.
[00:14:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch fragen: was hatte die Mutter für einen Vater? Was für eine
Mutter? Was für eine Beziehung hatte sie zu beiden?
[00:15:02.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für Wertvorstellungen wollten die weitergeben? Was ist wichtig gewesen? Was
waren die Glaubensbekenntnisse?
[00:15:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat man versucht die Glaubensbekenntnisse durchzusetzen?
[00:15:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Vorbildern durchsetzen.
[00:15:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Belohnung und Bestrafung durchsetzen.
[00:15:36.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Disqualifizierung durchsetzen. Das ist ganz falsch, das ist ganz richtig.
[00:15:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Methoden zum erziehen.
[00:15:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Methode des Erziehens ist wichtig und was die Inhalte sind.
[00:15:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die beiden Eltern. Ich habe bei der Mutter begonnen. Wenn keine richtige
Ablösung geschehen ist bei der Mutter der eigenen Herkunftsfamilie, dann wird der
nicht abgelöste Teil an die Kinder übertragen.
[00:16:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann mit seinen Kindern zu seiner Mutter geht, dann probiert man einen
guten Eindruck zu machen, damit man gut ankommt bei der Mutter und ist dann
vielleicht ein bisschen anders.
[00:16:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man mehr zurück gebunden an seine Eltern, als dass man beim Kind
aufmerksam ist.
[00:16:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ein Kind optimal erzogen werden kann, muss man das Wesen vom Kind optimal
erkennen.
[00:16:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem da die Wertvorstellungen der Eltern im Wege stehen, dann kann man das
Kind gar nicht richtig erkennen. Dann wird das Kind automatisch instrumentalisiert um
den eigenen Eltern Eindruck zu machen, zu gefallen, ihre Wünsche zu erfüllen. Hier
gerät man in einen Clinch.
[00:16:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern mit ihren Kindern Schwierigkeiten haben, muss man schauen, wo die
Eltern noch nicht ganz von der eigenen Familie abgelöst sind. Was für Knöpfe müssen
dort noch gelöst werden, damit sie dann autonomere, eigenständigere Eltern dem Kind
gegenüber sein können.
[00:17:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sie besser auf das Wesen vom Kind eingehen können.
[00:17:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Gut auf das Wesen vom Kind einzugehen braucht immer Zeit, Beobachtungszeit,
Geduld. Wenn man zu stark sofort von einer fixen Vorstellung ausgeht, wie es sein
muss, dann vergewaltigt man das Kind und dann läuft es nicht gut.
[00:17:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Muster der Grosseltern zum Kind passen, kann es reibungslos laufen.
[00:18:04.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind ausschert, wenn es zu den Verhaltensweisen der Eltern/Grosseltern
nicht passt, ADHS/ADS Kinder passen oft nicht gut rein, dann hat man ein Problem.
Dann hat man ein sogenannt schlecht erzogenes Kind.
[00:18:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS/ADS Kind brechen möchte, damit es den eigenen
Wertvorstellungen entspricht, kann man es kaputt machen.
[00:18:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie versuchen die Wertvorstellungen der Kinder herauszufinden,
sich damit vertraut zu machen.
[00:18:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir jetzt den Vater an.
[00:18:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wurde der Vater von seinem Vater akzeptiert? Ist er immer noch daran mit seinem Vater
zu rivalisieren, sich zu behaupten?
[00:18:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Töchter haben bis zur Pubertät nicht sehr viele Probleme, die passen sich einfach an.
Das ist nicht sehr gesund für die Töchter, aber es läuft problemlos.
[00:19:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Söhne rebellieren vielleicht eher.
[00:19:06.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater sich vom eigenen Vater nicht akzeptiert fühlt und immer noch um die
Anerkennung von seinem Vater buhlt, hat er grosse Mühe, wenn sein Kind sich nicht
richtig benimmt.
[00:19:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage die Eltern nach ihren Wertvorstellungen und welche Wertvorstellungen sie
verwirklichen wollen und welche Wertvorstellungen sie nicht verwirklichen wollen.
[00:19:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft geht man an die Erziehung heran, dass man sagt: ich möchte nicht so wie mein
Vater sein, ich möchte nicht so wie meine Mutter sein.
[00:19:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 40 Jahren merkt man, dass man immer mehr in die Richtung der Mutter oder des
Vaters rutscht.
[00:19:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt alles Mögliche hervor, das man eigentlich nicht möchte.
[00:19:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man noch mehr verrückt. Man wird verrückt über sich, man ärgert sich über
das Kind. Am Ende gerät alles durcheinander.
[00:20:06.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommen die Leute zu ihnen.
[00:20:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr hilfreich, wenn sie versuchen bei den Eltern zu schauen, woher kommen die
Eltern?
[00:20:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hatte der Vater vom Vater für eine Vorstellung? Wie erfolgreich war der Vater?
Wenn Eltern nicht so erfolgreich sind, wollen sie immer in der nächsten Generation den
Erfolg erreichen.
[00:20:39.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Menschen herrscht die Tendenz vorwärts zu streben.
[00:20:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man ganz stark in den Reden der US Politiker. Bei uns geht alles.
[00:20:45.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine natürliche Tendenz von den Eltern, dass sie wollen, dass es die Kinder
besser haben oder mindestens gerade so gut.
[00:20:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern schon einen sehr hohen Status haben und das Kind muss gleich gut
sein, dann kann es auch wieder nicht so gut passen.
[00:20:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Kinder können das erreichen, was die Grosseltern erreicht haben.
[00:21:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es wieder schwierig einen eigenen Weg zu finden.
[00:21:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine wichtige Frage: was sind die Wertvorstellungen der Grosseltern? Wie
gut wurden diese verwirklicht? Wie frustriert sind die Grosseltern? Wie stark geben die
Grosseltern die Frustration weiter an ihre Tochter, an ihren Sohn?
[00:21:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark wird das an die Kinder weitergegeben?
[00:21:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur in der momentanen Kernfamilie bleiben sondern auch zurück schauen, was
für Vorstellungen und Erwartungshaltungen von oben runter kommen.
[00:22:01.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sich gegen die Wertvorstellungen wehren wollen, dann legen sie oft
pubertäres Verhalten an den Tag. Das heisst sie haben ihre Pubertät noch nicht richtig
abgeschlossen.
[00:22:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das merkt man wenn sie zusammen mit den Kindern bei den Grosseltern sind.
[00:22:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es immer eine Kompetenzstreitigkeit: wer hat hier jetzt das Sagen? Die
Grossmutter, der Grossvater, die Mutter oder der Vater?
[00:22:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Momente wo man sagt: man übergibt das den Grosseltern.
[00:22:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man als Tochter oder als Sohn sagen: ich weiss, das sind deine Prinzipien,
die hältst du hoch. Ich lebe jetzt in dieser Zeit und ich mache es anders.
[00:23:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich bewusst, klar abgrenzen.
[00:23:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten können das nicht. Oft beginnt es schon bei der Geburt.
[00:23:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Mütter, welche gesagt haben: wenn ich in das Spital gehe und Kinder
bekomme, will ich keinen Besuch von meinen Schwiegereltern. Die Schwiegereltern
sind zu übergriffig.
[00:23:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Jawohl, wenn das so wichtig ist für sie, dann müssen sie das sagen.
[00:23:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die junge Mutter fragt dann: darf ich das? Das kann ich doch nicht machen.
[00:23:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, das dürfen sie.
[00:24:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle beginnt schon der Konflikt.
[00:24:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer individualisierten Gesellschaft.
[00:24:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir unsere Unterschiede wahrnehmen, dass wir sie benennen und
dass wir uns miteinander auseinandersetzen.
[00:24:51.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach sich dem kollektiven Bewusstsein unterordnen um des Friedenswillen.
[00:24:51.860] – Bemerkung 1
Beginnt das nicht schon früher? Wenn die Hochzeit geplant wird, wehren sich die
Kinder bereits dagegen, wie die Hochzeit stattfinden soll.
[00:24:55.210] – Bemerkung 1
Mein Bruder hat in den USA geheiratet. Die Hochzeit hatte nichts mit der Braut zu tun,
sondern nur mit der Mutter von der Braut. Es wurde alles bestimmt, bis zum bedruckten
WC Papier. Die haben sich nicht dagegen gewehrt.
[00:25:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es beginnt bereits bei der Hochzeit.
[00:25:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt bereits bei der Partnerwahl.
[00:25:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Partnerwahl kann man auch fragen: ist deine Mutter einverstanden mit deinem
Partner/Partnerin?
[00:25:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt bei der Hochzeit.
[00:25:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne auch solche Geschichten.
[00:25:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Paar hat eine Hochzeit gemacht. Die Eltern von der Frau sind nicht gekommen,
weil sie mit der Art der Hochzeit nicht einverstanden waren.
[00:25:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzung beginnt schon sehr früh. Sie beginnt bei der Partnerwahl.
[00:26:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man fragen: bist du einverstanden gewesen mit dem Partner?
[00:26:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kann man fragen: bist du einverstanden gewesen mit der Partnerin?
[00:26:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann treten alle die Konflikte auf zwischen der Mutter und der Schwiegermutter.
[00:26:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es ein Spanisches Sprichwort: der Brunnen, in den sie fällt, sei gelobt, aber
trinke nie das Wasser daraus.
[00:26:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schwiegermutter ist per se ein Brunnenvergifter.
[00:26:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In Indien geht die Schwiegertochter zur Schwiegermutter, sie geht in die Familie vom
Mann, vielleicht nicht überall, aber dort, wo ich es erlebt habe.
[00:27:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf für einen Monat nichts mitnehmen.
[00:27:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst nach einem Monat werden die Kleider nach geschickt. Es muss alles neu sein.
[00:27:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schwiegermutter übernimmt sie.
[00:27:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Möglichkeiten.
[00:27:24.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Lösungsmöglichkeiten.
[00:27:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine ist richtig und keine ist falsch.
[00:27:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man sie erkennt und dann schaut, welches Modell, dass man wählen
möchte.
[00:27:43.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze die Kindsmutter wenn das Kind auf die Welt kommt.
[00:27:48.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kindsmutter sagt: ich möchte keinen Besuch, vielleicht auch nicht von der
eigenen Mutter. Ich will alleine mit meinem Mann sein und mit dem Kind und ich sage
dann, wann man kommen darf.
[00:28:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles die Zusammenstösse der Wertvorstellungen.
[00:28:10.180] – Bemerkung 2
Du hast persönliche Erfahrungen und professionelle Erfahrungen. Hat sich da was
verändert in den letzten 50 Jahren?
[00:28:19.720] – Bemerkung 2
Das sind so klassische Konflikte? Gibt es hier eine Veränderung?
[00:28:20.020] – Bemerkung 2
Die junge Generation ist viel durchsetzungsfähiger geworden und viel mehr bei sich.
[00:28:39.970] – Bemerkung 2
Die Schweiz finde ich an dieser Stelle speziell. Man ist immer noch sehr angewiesen
auf die Eltern in der Schweiz. Die Familie ist so gedacht, dass sie dir beisteht, wenn es
schwierig wird.
[00:29:00.100] – Bemerkung 2
Es ist wunderbar wenn alles gut läuft.
[00:29:00.670] – Bemerkung 2
Ich habe viele Familien, wo es nicht gut läuft.
[00:29:00.970] – Bemerkung 2
Wenn etwas mit dem Kind ist und es ist alles so schön geplant, ich entbinde dann, und
dann geschieht das. Wenn das nicht klappt, dann müssen die Grosseltern ran, bitte ad
hoc und sofort und alles stehen lassen.
[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Die Ablösungssache ist das eine, die Erwartungshaltung und die
Verantwortungsübernahme und der Einbezug von Grosseltern.
[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Bei mir hat die Mutter auf den Sohn geschaut. Ich war ganz jung, 24 Jahre alt.
[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Ich brauchte die Mutter auch. Ich habe noch studiert.
[00:29:46.340] – Bemerkung 2
Meine Schwiegermutter wäre auch da gewesen. Die war noch viel dezenter.
[00:29:46.340] – Bemerkung 2
Heute denke ich: ich habe die aussen vor gelassen.
[00:29:50.340] – Bemerkung 2
Ich bin den Fluss entlang geschwommen wo es die Unterstützung gab.
[00:29:53.830] – Bemerkung 2
Es war klar, dass ich es so arrangieren muss, wenn ich fertig studieren möchte. Meine
Mutter war mir viel näher.
[00:29:57.090] – Bemerkung 2
Als das zweite Kind kam, sind meine Eltern für vier Wochen nach Tobago und Trinidad
geflogen und ich stand dann und habe gedacht: jetzt ist es nicht mehr gut. Ich hatte
noch eine Geburtskomplikation.
[00:30:28.480] – Bemerkung 2
Wie ist da deine Erfahrung? Kann man daraus etwas ableiten?
[00:30:35.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Allgemein ist bei den jungen Eltern mehr die Haltung: ich setze mich durch und ich
mache es, wie ich es will. Das stimmt. Wenn dann etwas schief läuft, schlussendlich
muss man doch wieder auf seine Eltern zurückgreifen.
[00:30:54.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geschieht dann der Konflikt.
[00:30:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss man verhandeln.
[00:31:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können als Helfersystem dann auch helfen zu verhandeln.
[00:31:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur: wie mache ich es mit dem Kind?
[00:31:09.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auch das Thema hervor: was ist die Ablösung?
[00:31:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.
[00:31:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich psychotische Mütter hatte, haben wir immer die Grosseltern reingeholt.
[00:31:16.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann mussten wir zusätzlich den Konflikt zwischen der psychotischen Mutter und ihrer
Mutter aushandeln.
[00:31:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man Rollen aushandeln. Wer macht was, wann?
[00:31:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie nicht gleichzeitig am Werk sind. Es muss aufgeteilt werden.
[00:31:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche sage ich bei den Eltern.
[00:31:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind die Männer viel mehr involviert in die Kinderbetreuung.
[00:31:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat eine andere Vorstellung als die Frau.
[00:31:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Frau höre ich dann oft: sie will, dass der Mann ein verlängerter Arm der Frau
ist. Das funktioniert nicht.
[00:32:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich sagen: der Mann macht es anders und sie können vertrauen.
[00:32:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist der Vater. Er wird das Kind nicht einfach umbringen.
[00:32:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht dabei sind, macht er es wahrscheinlich sogar besser.
[00:32:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe viele Frauen, welche dem Mann nicht vertrauen.
[00:32:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen müssen auch lernen, an den Mann abzugeben.
[00:32:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um die Grosseltern geht, müssen sie auch klar abgeben, möglichst nicht
gleichzeitig für das Kind zuständig sein.
[00:32:46.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der jungen Generation ist dann oft die Erwartungshaltung: jetzt brauche ich dich,
jetzt musst du kommen.
[00:32:54.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen dann: wenn sie mich braucht holt sie mich und ist gar nicht dankbar.
[00:33:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man auch wieder helfen zu verhandeln.
[00:33:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch so eine Situation, wo die Mutter dann beleidigt ist und die Tochter
beleidigt ist und beide gehen aufeinander los.
[00:33:16.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide sind zutiefst gekränkt.
[00:33:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann beide unterstützen.
[00:33:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die Grosseltern in ihrer Funktion unterstützen.
[00:33:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosseltern können keine Dankbarkeit erwarten. Sie schauen einfach für das
Enkelkind.
[00:33:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern dürfen keine Dankbarkeit erwarten. Die Tochter, der Sohn muss klar sagen: hier
möchte ich, dass es nach meinem Stil geht und sonst übergibt er es einfach den Eltern.
[00:33:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verhandlung. Die Erwartungen sind vorhanden. Dann ist man nicht richtig
abgelöst.
[00:34:06.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erwartet, dass die Eltern reinkommen, wenn man in Not ist.
[00:34:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine älteste Tochter wollte die Geburt selber regeln. Ein Kind von meinem Sohn ist im
Ausland geboren. Bei der jüngsten Tochter hatte ich eine wichtige Rolle. Ich habe diese
Rolle auch ganz bewusst übernommen, bin hingefahren und habe für das Kind
geschaut. Ich habe eine enge Beziehung zu diesem Kind. Ich trete auch wieder zurück,
wenn die Mutter übernimmt.
[00:34:18.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiges Verhandeln und Rollen definieren. Ich weiss nicht ob wir schon auf
einem guten Level sind. Wir müssen nichts perfektes haben. Jede Familie ist anders.
Man muss immer wieder verhandeln und die Rollen klären, die Rolle der Eltern und der
Grosseltern.
[00:35:24.360] – Bemerkung 3
Es ist abhängig davon, was die Grosseltern übernehmen.
[00:35:24.640] – Bemerkung 3
Wenn die Mutter vom Kind psychisch krank ist, sind die Grosseltern nicht nur
Grosseltern, welche mal kommen, unterstützen und wieder gehen. Die Grosseltern
haben dann eine sehr wichtige Funktion.
[00:35:44.050] – Bemerkung 3
Bei einem Knabe ist es ganz klar. Die Eltern sind die Grosseltern. Sie haben die gleiche
Funktion. Die Mutter ist auch da, konnte aber nie übernehmen.
[00:35:44.430] – Bemerkung 3
Das ist eine spezielle Situation.
[00:36:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.
[00:36:05.540] – Bemerkung 4
Wir sind hier um der Mutter mehr in ihre Erziehungsrolle zu helfen. Das ist extrem
schwierig. Die Töchter sind nicht abgelöst. Wie sollen die sich ablösen können?
[00:36:23.760] – Bemerkung 5
Ich dachte zuerst, dass wir die Grosseltern einbeziehen müssen. Das müssen wir aber
gar nicht. Das Kind ist elf oder zwölf.
[00:37:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Grosseltern trotzdem mit einbeziehen. Ich würde mich nicht nur auf die
Mutter-Kind-Beziehung beschränken, damit das Ganze ein wenig begleitet wird.
[00:37:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Iván Böszörményi-Nagy spricht von der Multi Directed Partiality.
[00:37:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zu allen Kontakt haben und schauen, wie die funktionieren.
[00:37:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wie Gelenkfett, damit es besser läuft.
[00:37:52.410] – Bemerkung 6
Die wollen nicht. Sie haben das Gefühl, dass sie es nicht brauchen. Sie haben eine
grossen Konflikt mit der Beiständin, weil dort etwas war. Sie finden den Support der
Hota gut. Sie finden es gut, dass die Tochter und die Enkel die Hota gut finden. Sie
grüssen Euch. Sie sagen ganz klar nein.
[00:38:25.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch denkend muss man sagen, ja, doch, wir müssen sie einbeziehen.
[00:38:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosseltern meinen, dass man bei ihnen irgendwelche Fehler finden möchte. Das
wollen sie nicht.
[00:38:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Leute nicht wollen, sage ich nur: ich möchte sie nur ein einziges Mal sehen,
damit ich sie kennen lernen kann, damit ich besser verstehe, damit ich der Situation
besser helfen kann.
[00:38:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls die Grosseltern das nicht wollen, dann ist dort schon ein Problem.
[00:39:05.620] – Bemerkung 7
Die Mutter ist seit der Jugend psychotisch auch im Zusammenhang mit Drogen, LSD.
Sie hatte einen Mann, mit dem sie das Kind bekommen hat. Man weiss nicht, wie sie
sich vom Elternhaus abgelöst hat, weil sie seit langem schon krank war.
[00:39:14.670] – Bemerkung 7
Vater und Mutter haben sich getrennt. Der Vater hat sich zur Frau umwandeln lassen
und lebt jetzt mit der ehemaligen besten Freundin von der Mutter zusammen. Der kleine
Junge war schon immer sehr nahe bei den Grosseltern. Im Verhalten mit der Mama
regrediert er stark. Jetzt kommt eine männliche Seite rein, eine gelingende
Beziehungserfahrung auf seinem Niveau. Ausflüge ins Aussen orientieren, damit der
Junge nicht das Gefühl hat, er muss da funktionieren. Die Grosseltern machen das mit
den Hausaufgaben. Die haben das Reglement.
[00:40:28.050] – Bemerkung 7
Es gab schon einen Versuch mit der Hota. Dort hat die Mutter gefunden, dass es ihr
zuviel ist. Es war gut überlegt.
[00:40:28.260] – Bemerkung 7
Die Mutter hat der Therapeutin erzählt, dass sie Träume hatte, wo sie nackt mit dem
Jungen im Bett liegt. Darauf hin gab es eine Gefährdungsmeldung.
[00:40:43.220] – Bemerkung 7
Dann kam die Beiständin auf den Plan, sie ist sehr, sehr, sehr engagiert. Sie will es gut
machen.
[00:41:19.030] – Bemerkung 7
Die Grosseltern sehen euch als verlängerten Arm der Beiständin. Die Beiständin gibt
den Eindruck, dass die Tochter pädophil ist. Das geht gar nicht. Die Mutter war komplett
durch den Wind. Es taucht gar nicht so auf. Man muss das Tabu und das Stigma
auflösen.
[00:41:51.140] – Bemerkung 7
Die Beiständin muss ihren Job machen.
[00:41:51.030] – Bemerkung 7
Wir sind hier und könnten euch Grosseltern auch wieder mit ins Boot nehmen.
[00:42:03.020] – Bemerkung 7
Das Spaltende ist nicht gut. Es ist ein Weg, ein integrativer Prozess. Wie soll die Mama
sich wirklich behaupten können? Wir müssen ihre Erziehungsrolle stärken. Wie soll die
das schaffen, wenn die Grosseltern sagen: ja macht ihr mal.
[00:42:23.860] – Bemerkung 7
Die Mutter kann nicht mehr als so.
[00:42:24.090] – Bemerkung 7
Es herrscht die Angst, wenn die Grosseltern einmal nicht mehr da sind.
[00:42:27.590] – Bemerkung 7
Die Mutter ist gar nicht belastbar. Sie muss auch nicht belastbar sein.
[00:42:42.780] – Bemerkung 7
Es gibt klare Strukturen, wann schläft er wo, wann isst er wo? Das ist alles sehr klar. Sie
hat den ganzen Tag frei. Er kommt erst auf drei oder halb vier Uhr nach Hause.
[00:42:57.890] – Bemerkung 8
Sie geht noch nicht in die Tagesklinik.
[00:43:00.540] – Bemerkung 9
Es ist unser Job herauszufinden: kann sie es oder kann sie es nicht.
[00:43:09.600] – Bemerkung 9
Wenn alles so fix ist und nicht verhandelbar ist, dann können wir auch wieder raus
gehen. Dann braucht der Junge einen nette Therapeuten und fertig.
[00:43:09.820] – Bemerkung 9
Und wenn das alles so fix ist und eben nicht behandelbar ist und alles so gut
funktioniert, dann können wir eigentlich auch wieder rausgehen. Dann braucht der
Junge einen netten Therapeuten und fertig.
[00:43:25.130] – Bemerkung 10
Das Abendessen ist für die Mutter wichtig. Es gibt immer wieder Rückschläge, dann ist
sie wieder sehr verunsichert und kommt nicht.
[00:43:32.960] – Bemerkung 11
Das ist unser Job.
[00:43:34.880] – Bemerkung 12
Es ist Beziehungsfördernd und nicht Erziehungskompetenz Förderung.
[00:43:58.590] – Bemerkung 13
Was der Junge mit dir macht ist in der Therapie alles nicht gelaufen. Ihr geht zusammen
Velo fahren, das Thema Sexualität kommt auf bei der Mutter.
[00:44:19.760] – Bemerkung 13
Irgendwie ist das Thema Grosseltern noch offen. Das habe ich der Grossmutter auch so
gesagt.
[00:44:19.980] – Bemerkung 13
Es ist die Situation mit der Beiständin.
[00:44:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr seit in die Rolle der Beiständin gefallen.
[00:44:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Beiständen kommt das juristische Wertesystem. Man muss verhindern, man
muss strukturieren.
[00:44:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben.
[00:44:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand von ihnen sollte versuchen, wieder mit den Grosseltern Kontakt aufzunehmen
und dann sagen: was haben sie für Vorstellungen? Wovor haben sie Angst? Haben sie
Angst, dass sie schlecht gemacht werden?
[00:45:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosseltern haben ein Schuldgefühl ihrer Tochter gegenüber, dass die nicht richtig
funktioniert. An diese Schuldgefühle muss man ran kommen.
[00:45:34.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt alles auf dieser Welt, der Mensch ist flexibel. Ein Kind ist lernfähig. Das ist nicht
so schlimm. Wir müssen mit euch Kontakt haben.
[00:45:34.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine medizinisch-therapeutisch unterstützende Institution. Wenn sich die
Grosseltern einfach draussen halten, fliesst es nicht richtig. Sie macht eine Cut-Off und
das ist nicht gesund.
[00:46:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
J.D. Vance wurde auch von den Grosseltern erzogen.
[00:46:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat einen Bestseller geschrieben darüber wie das alles toll ist.
[00:46:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand von den Grosseltern erzogen worden ist, je nachdem wie die sind, dann
hat er oft Prinzipien gelernt, welche 50 Jahre zurück liegen und ist nicht so
anpassungsfähig. Es kommt eine gewisse Rigidität hervor. Das muss man wieder
flexibilisieren.
[00:46:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die Grosseltern, die Eltern sind von dem Buben, haben wir die Verpflichtung mit
ihnen Kontakt zu haben. Sie wollen sich nicht in das Fadenkörbchen schauen lassen.
Sie haben Angst. Man muss sie bei der Angst abholen. Wovor scheuen sie sich?
Warum sind sie dagegen?
[00:46:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Gemeinde kontrolliert, ob es dem Kind gut geht, sage ich: nein, keine
Kontrollrolle, Unterstützungsrolle. Wir wollen sie nur unterstützen.
[00:47:25.210] – Bemerkung 14
Ich würde nicht ausschliessen, dass es möglich ist mit den Grosseltern Kontakt
aufzunehmen.
[00:47:44.450] – Bemerkung 14
In der Interaktion erlebe ich die Grosseltern offen. Es entsteht eine Interaktion.
[00:47:44.850] – Bemerkung 14
Wichtig ist, dass man keinen Druck aufbaut. Sanft sich annähern.
[00:48:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Grosseltern muss man auch ihr schlechtes Gewissen besprechen.
[00:48:33.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss fragen: wie war ihre Tochter als Kind? Wo ist sie entgleist? Wo haben sie ein
schlechtes Gewissen?
[00:48:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Was tut ihnen weh? Was ist schlimm für sie? Dass sie auch noch die ganze Geschichte
verarbeiten dürfen.
[00:48:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst wollen sie beim Jungen alles gut machen, was bei der Tochter schlecht gelaufen
ist. Das ist auch nicht gut.
[00:48:58.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit den Grosseltern auch ein wenig Verarbeitung machen, in Bezug auf ihre
Elternschaft. Dort geht man auch eines hoch. Was haben die für Eltern gehabt?
[00:49:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wem wollten sie es recht machen?
[00:49:15.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie übernommen? Was wollten sie anders machen?
[00:49:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht nicht kritisieren. Man möchte nur bei der Verarbeitung helfen.
[00:49:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang mit Eltern von drogensüchtigen Kindern gearbeitet. Die haben alle
Schuldgefühle.
[00:49:19.770] – Dr.med. Ursula Davatz
In Liebe loslassen. Das Kind los lassen, aber nicht fallen lassen.
[00:49:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr müsst jetzt für die Tochter schauen. Eigentlich müsst ihr das ersetzen, was ihnen
nicht gelungen ist. Das ist auch wieder schwierig.
[00:50:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Tochter haben, welche nicht funktioniert, ist eine konstante Belastung.
[00:50:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll versuchen an die Grosseltern ran zu kommen, sehr sanft, sehr langsam.
[00:50:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere immer Antoine de Saint Exupéry: il faut apprivoiser.
[00:50:30.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Beziehung zähmen.
[00:50:30.800] – Bemerkung 15
Sie arbeiten sehr gut zusammen. Das kann man als positives Feedback zurück melden.
[00:50:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt alle möglichen Familiensysteme. Es gibt kein normales System.
[00:51:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit allem arbeiten und möglichst das Beste daraus machen.
[00:51:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach aufgeben und sie nicht einbeziehen. Wohlwollend sie reinholen und dann
auch die Sorgen der Grosseltern abholen, damit nicht die negative soziale Vererbung
der Grosseltern läuft auf das Kind.
[00:51:21.310] – Bemerkung 16
Das sind wir dran am arbeiten.
[00:51:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut.
[00:51:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Tochter fragen: wie war es in der Pubertät? Was mochte sie nicht?
Was hätte sie gerne anders gehabt?
[00:51:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Drogen zu nehmen ist immer einerseits eine Rebellion gegen die Eltern, andererseits
eine chemische Regulation der Gefühle.
[00:52:03.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wurde psychotisch, sie konnte ihre Gefühle nicht regulieren. Es ist alles schief
gelaufen.
[00:52:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand psychotisch wird, hat er seine Gefühle überhaupt nicht im Griff. Die
Gefühle überrollen dann alles. Dann muss man in der Strukturierung der Gefühle
helfen.
[00:52:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre interessant zu fragen: wie ist ihre Pubertät gewesen? Wie ist ihre Kindheit
gewesen?
[00:52:29.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil bringen dann Menschen Dinge von der Schule, aus der ersten Klasse, wo sie
sich alleine gelassen gefühlt haben, nicht verstanden gefühlt haben.
[00:52:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man einiges aufarbeiten.
[00:52:30.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine reguläre Psychotherapie sondern eine Verarbeitung des Lebens.
[00:52:48.000] – Bemerkung 17
Ich habe es mit ihr besprochen, in Bezug auf die Substanzen, welche sie konsumiert
hat. Die Beziehung mit den Eltern haben wir nicht angeschaut. Sie war auch in Heimen.
[00:53:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde zurückgehen zu ihrer Beziehung zu den Eltern. Unbedingt.
[00:53:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Substanzen sind nur ein oberflächliches, äusserliches Symptom.
[00:53:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dahinter ist die Unzufriedenheit nicht abgeholt zu werden. Nicht validiert zu werden von
den Eltern.
[00:53:28.880] – Bemerkung 18
Es kam das Thema vom gemeinsamen Essen auf. Die Mutter hat das zu Hause nie
gehabt.
[00:53:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann man anknüpfen.
[00:53:44.410] – Bemerkung 18
Es ist wie ein Puzzle. Man muss es zusammensetzen.
[00:54:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen hier über die Grosseltern, die soziale Vererbung. Nehmen sie Kontakt auf
mit den Eltern von ihnen, von den Eltern von ihren Kindern (ihre Klienten).
[00:54:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich die Geschichte dort rein.
[00:54:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man über die Familiensysteme weiss, umso besser man sie versteht, desto
weniger trampelt man in ein Fettnäpfchen und desto besser können sie dann
weitergehen.
[00:54:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Haltung her, würde ich sagen: es geht nicht darum irgendwas durchzusetzen,
nicht das Gesetz, nicht das Recht, es geht um Zusammenarbeit und um die
Auseinandersetzung.
[00:55:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie setzen sich mit den Grosseltern, den Eltern auseinander.
[00:55:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Auseinandersetzungen entwickelt sich wieder ein neues Weitergehen.
[00:55:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts wissen. Sie müssen nur Informationen reinholen. Wie sehe ich
das mit meiner Erfahrung und mit meinen Wertvorstellungen?
[00:55:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern fragen kann man sagen: in dieser Situation hätte ich das gemacht,
aber sie müssen es schlussendlich selber wissen.
[00:55:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sind die Eltern sehr, sehr verunsichert.
[00:55:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so viel Literatur, wie man es machen sollte.
[00:56:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geburt sind alle intellektuellen Mütter am meisten verunsichert gewesen.
[00:56:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verlässt sich nicht mehr auf seinen natürlichen Instinkt.
[00:56:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen. Wir haben das in uns. Wir können auf das hören.
[00:56:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Delphin hat Sozialverhalten, der hilft auch einen Menschen retten, ohne dass er ein
Buch gelesen hat, ohne dass er in die Sonntagsschule gegangen ist und religiöse
Werte gelernt hat. Wir sind soziale Wesen. Wir können uns auf unsere sozialen Genen
verlassen.
[00:56:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Mischungen von sozialer Vererbung. Es wichtig, dass sie möglichst gut
herausfinden, was ist dort, was ist da, was ist da und was ist bei ihnen und wie setze ich
mich jetzt mit denen auseinander?
[00:57:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann heute so sein, und morgen vielleicht wieder ein wenig anders.
[00:57:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man entwickelt sich weiter, man hat mehr Einblick ins System.
[00:57:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie wirklich dazu motivieren, holen sie die Grosseltern rein.
[00:57:26.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es über das Fragen machen. Wenn es schwierig ist, ist es sinnvoll, wenn
man sie direkt sieht.
[00:57:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer wichtig, dass man sagt: es geht nicht darum Kritik anzubringen. Es geht
nicht um Beurteilung und Verurteilung. Ich brauche es für mich, damit ich besser helfen
kann.
[00:57:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche die Info, damit ich differenzierter ihrem Enkelkind helfen kann.
[00:57:50.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde nehme ich immer drei Generationen auf. Ich frage nicht immer das
Gleiche, ich frage nicht immer alles. Es ist absolut hilfreich.
[00:57:50.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von einer Grossmutter hört, wie die Mutter vom Kind als Kind gewesen ist,
gibt einem das wieder einen besseren Einblick.
[00:58:07.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird oft verdrängt wenn die Dinge unangenehm sind.
[00:58:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man fragt heisst es: ich weiss nichts mehr. Die Grosseltern wissen es zum Teil
schon noch.
[00:58:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil haben sie auch Angst, man würde nach Problemen suchen. Es geht nicht um
Probleme, es geht nur darum, dass ich ihr System besser verstehe.
[00:58:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte ihnen und ihrem Enkelkind möglichst optimal helfen können.
[00:58:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man immer die Bewertung, das Krankmachen durchbricht.
[00:58:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um das pathologisieren, es geht nur um das Verstehen.
[00:58:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das in einer Zweit, wo alles schnell und effizient sein muss.
[00:59:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst immer: wir haben nicht genügend Ressourcen.
[00:59:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergeuden sehr viele Ressourcen, in dem wir es falsch machen.
[00:59:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, die Dinge genauer anzuschauen und ihre Ressourcen sehr differenziert
und sinnvoll einzubringen.
[00:59:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die Erziehungsstile zwischen den Eltern und auch
Grosseltern nicht übereinstimmen.
[00:59:41.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Fall wo die beiden Grosseltern nicht mehr miteinander gesprochen
haben.
[00:59:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind war magersüchtig.
[00:59:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die in einem kleinen Landspital hospitalisiert, nicht in Aarau. Weil dort ein zu
starkes Konzept war, mit dem ich schlechte Erfahrungen gemacht hatte.
[01:00:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben sich die Grosseltern am Bett vom Kind wieder versöhnt.
[01:00:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Magersucht das Mädchens stand im Zusammenhang mit den zerstrittenen
Familienclans.
[01:00:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nur mit wenig, mit Fragen stellen, die Narrative ergänzen, ohne dass man
merkt, dass sie Therapie machen. Es ist auch keine reguläre Therapie. Es ist nur ein
Versuch, das System wieder zum besseren funktionieren zu bringen.
[01:01:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erlebt, dass der Kinderpsychiater von Zürich gesagt hat: ADHS/ADS gibt es
nicht.
[01:01:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde mit der ELPOS darüber gestritten ob es ADHS/ADS gibt.
[01:01:16.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es ein grosses Thema in allen Medien. Ich werde auch viel angefragt.
[01:01:26.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Der damalige Psychologe Perret hatte X Namen dafür, z.B. MBD (minimal brain
dysfunction). Er hat viele Begriffe dafür aufgezählt.
[01:01:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist egal. Es kommt darauf an, wie sich das Kind benimmt, wie sich die
Eltern benehmen, wie die Interaktion läuft, wo die Interaktion stecken bleibt, das ist
wichtig.
[01:01:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Aufgabe ist nur zu helfen, damit die Interaktion reibungsloser läuft.
[01:02:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man nicht zu schnell auf die Harmonie geht, sondern die
unterschiedlichen Positionen klar differenziert wahrnimmt, dass man sich Zeit lässt und
dann schaut wie die zusammenfinden können.
[01:02:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwere menschliche Konflikte kann man nicht in einem Dreieck lösen. Das ist nur
bilateral möglich. Das ist die Theorie vom Dreieck. Im Dreieck wird das Problem nie
gelöst.
[01:03:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden die Dinge nur weitergegeben.
[01:03:07.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen herausfinden, wo die Hauptkonflikte sind. Dann muss man die zwei
herausgreifen und schauen wie man die lösen kann.
[01:03:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig löst sich ein Konflikt nur, wenn man offen darüber spricht und jedem seinen Platz
gibt.
[01:03:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine Mutter und eine Tochter, die nimmt man zusammen und sagt: ich
möchte gerne wissen, wie sie als Kind gewesen sind. Die Tochter kann immer zuhören.
Man kann auch die Grossmutter fragen.
[01:03:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man das Kind fragen: wie hast du das damals erlebt?
[01:03:48.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ermutige sie dazu, die ältere Generation, also die Grosseltern reinzuholen.
[01:04:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind CRISPRs (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Das
ist die Genschere.
[01:04:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wichtiger als die technische Genschere, weil sie auf der integrierten Ebene
funktionieren.
[01:04:39.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie funktionieren bei der Kommunikation unter den unterschiedlichen Parteien. Sie sind
ein Schmiermittel, ein Klärungsmittel, ein Ferment.
[01:04:54.050] – Bemerkung 19
Wie Enzyme, wie ein Katalysator.
[01:04:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht von Anfang an wissen, wie es gehen muss. Sie müssen Fragen
stellen, dann geschieht etwas.
[01:05:35.650] – Bemerkung 20
Es gibt immer wieder Grosseltern, die sich überhaupt nicht für ihre Enkelkinder
interessieren. Die Grosseltern helfen nur im Notfall.
[01:06:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sich in die Waagschale werfen und sagen: ja, das verstehe ich, sie
haben das Recht. Ich als Fachperson, für mich wäre es hilfreich, wenn ich sie einmal
kennenlerne.
[01:06:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es ein Gespräch.
[01:06:54.150] – Bemerkung 20
Woher kommt es, dass sich die Grosseltern nicht für ihre Enkelkinder interessieren?
Das kommt nicht oft vor.
[01:07:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann es nicht theoretisch voraussagen. Das finden sie raus, wenn sie die
Grosseltern sehen.
[01:07:22.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein negatives Ereignis oder ein Ehrgeiz was man noch selber machen möchte. Man
möchte noch etwas verwirklichen. Dann kommt einem das Enkelkind in die Quere. Zu
viele eigene Projekte, dann ist der Enkel ein vernachlässigbares Projekt.
[01:07:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt mehr, wenn die ihr eigenes Projekt machen, als wenn sie Contre Coeur etwas
mit den Enkeln machen und dann negative Vibes durchgeben.
[01:07:51.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man heraus finden und sich wieder klar positionieren.
[01:07:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Tochter oder der Sohn ärgert, dass die eigene Mutter nichts macht, muss
man sagen: es gibt verschiedene Familien. Vielleicht will die Mutter noch etwas für sich
machen. Es ist besser wenn die Grossmutter das macht. Dann bringt sie den
Enkelkinder mehr, als wenn sie eine vergraulte Grossmutter ist.
[01:08:24.780] – Bemerkung 21
Vielleicht muss man auch einfach etwas aushandeln. Manche Grosseltern sind vielleicht
bereit, etwas an die Kita zu bezahlen. Das wäre dann Verhandlungssache. Manche
Grosseltern sind vielleicht eher bereit an die Kita etwas zu bezahlen, als selber zu
helfen. Vielleicht will die Grossmutter nicht sofort wieder einen Enkel da stehen haben.
In der Schweiz sind die Kitas sehr teuer. Die jungen Familien können sich die
Fremdbetreuung nicht leisten. Das ist ein grosser Druck.
[01:09:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Einsatz kann auch eine finanzielle Unterstützung sein. Die Kita ist dann vielleicht
besser als die Grosseltern.
[01:09:51.140] – Bemerkung 22
Das ist noch oft die Meinung in der Schweiz, dass die Grosseltern besser sind, als die
Kita, weil die Kita völlig fremd ist. An einem Elternabend hat eine Engländerin dies
einmal bemängelt. Die Fremdbetreuung wird immer noch als schlechter angeschaut.
[01:10:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt, das ist die Schweizerische Wertvorstellung. Das Beste ist die Mutter
und die Grosseltern. Erst an letzter Stelle kommt die Kita.
[01:10:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In den nördlichen Ländern ist das gar nicht so. Dort gibt es schon lange die Tradition,
dass die Kinder fremdbetreut werden.
[01:10:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel von Michael Meaney, von den High-Licking mothers und den
Low-Licking mothers.
[01:11:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit ihm gesprochen. Wenn das Kind in die Kita gegeben wird, ist das wie eine
High-Licking mother.
[01:11:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um ADHS/ADS Kinder geht, dann muss man anders vorgehen. Die passen
nicht so gut rein. Das System ist schnell überfordert. Für die muss man extra Sachen
finden.
[01:11:12.260] – Bemerkung 23
Ist das heute noch so?
[01:11:12.910] – Bemerkung 24
Ja sicher! Ich kriege doch keine Kinder, damit ich die immer abgebe. Das ist viel zu
teuer. Das ist nicht gut deswegen, das ist nicht gut deswegen, nein, nein, Grosseltern
sind das Beste.
[01:11:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Schweizerisches Clandenken. Das ist Schweizerisches Feudaldenken, es bleibt
im Familiensystem.
[01:11:54.560] – Bemerkung 25
Ich habe den Baby-Interaktionskurs in Italien gemacht. Dort war eine Norwegerin,
welche den Kurs geleitet hat. Es waren auch Südeuropäer anwesen. Die Mutter-Kind
Interaktion ist eine andere zwischen einer Norwegischen Mutter und einer Italienischen
Mutter. Die Italienische Mutter ist für eine Norwegische Mutter übergriffig. Umgekehrt
finden die Italiener, dass die Norwegischen Mütter völlig autistisch sind. Da muss man
auch aufpassen. In Italien ist es lebensnotwendig, dass sie alle zueinander halten.
[01:12:40.660] – Bemerkung 25
Diese Kulturen haben eine andere Nähe, eine andere Distanz. In Italien ist der Clan
wichtig.
[01:13:04.910] – Bemerkung 25
Ich weiss nicht, wo die Schweiz das steht. Das kann ich noch nicht so gut einordnen.
Die Deutschen sind eher nördlicher.
[01:13:08.340] – Bemerkung 26
Es kommt auf den Stadt/Land Unterschied an. In den Städten ist die Kita kein grosses
Reizwort mehr.
[01:13:18.970] – Bemerkung 27
Nein aber teuer.
[01:13:32.790] – Bemerkung 28
Bei uns wurde gefragt, an welchen Tagen, welche Eltern die Kinder begleiten können.
Es wird davon ausgegangen, dass die Mütter den ganzen Morgen zu Hause sind. Das
ist völlig normal.
[01:14:32.360] – Bemerkung 29
So ist es auf dem Land.
[01:14:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die Stadt/Land Unterschiede sind sehr gross. Das ist wie in einem Dorf.
[01:14:41.420] – Bemerkung 30
Ja, das ist immer noch so. Der Anspruch an die Mutter ist da.
[01:14:56.460] – Bemerkung 30
In der Schweiz sind die Rentner wahnsinnig froh, wenn sie sich um die Enkelkinder
kümmern können.
[01:15:15.290] – Bemerkung 30
Zwei 65 Jährige, welche den ganzen Tag in der Wohnung sitzen und sich nur zwei Mal
pro Woche zum Ritz spielen treffen, für die ist das ein ganz anderer Wert. Die
Grosseltern in der Schweiz wollen eine Wichtigkeit behalten. In der Schweiz sind alle
sehr individualistisch.
[01:15:53.780] – Bemerkung 31
Bei mir hat eine Frau gesagt: ihr könnt nicht erwarten, dass ich regelmässig hüten
komme. Ich habe auch noch meine eigenen Interessen. Diese Haltung herrscht auch
noch.
[01:16:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon unterschiedlich.
[01:16:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennt jemand die Organisation Ja. Ja. Aber das wird wegen den fremden Grosseltern.
Also kennt ihr die Organisation mit mir?
[01:16:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird das eingesetzt? Funktioniert es?
[01:16:33.660] – Bemerkung 32
Ja, es funktioniert.
[01:16:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine überforderte Mutter. Der professionelle Grossvater hat eine sehr wichtige
Rolle gespielt. Die Eltern haben sich getrennt und waren zerstritten. Er ging mit dem
Enkel handwerken ins Wallis. Das ist eine gute Sache.
[01:17:12.610] – Bemerkung 33
Ich war viel mit meiner Grossmutter in Basel.
[01:17:14.660] – Bemerkung 34
Die Bilder, was eine Familie ist, müssen noch mehr aufgebrochen werden. Mutter,
Vater, Grossmutter, Grossvater und das ist die heile Welt. Diese Bilder müssen noch
mehr aufgebrochen werden.
[01:17:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Bilder sind noch stark idealisiert und werden als Norm gebracht. Das traditionelle
Bild der Familie muss aufgebrochen werden.
[01:17:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles mögliche ist möglich. Wichtig ist, dass diejenigen welche zusammen für das Kind
schauen, einigermassen zusammen funktionieren.
[01:17:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb muss man auch nach diesen Vorstellungen fragen.
[01:18:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre Vorstellung, wie müsste es sein. Das muss offen gelegt werden. Heute ist
alles möglich. Wir machen jetzt eine moderne, neue Familie.
[01:18:27.240] – Bemerkung 35
Ich finde die Kauai Studie interessant.
[01:18:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren alles Kinder, welche kranke Eltern hatten.
[01:19:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle eine Bezugsperson gehabt oder auch eine Sache. Das hat sie durch
getragen. Es spielt keine Rolle, wer es ist. Man kann überall jemanden reinholen.
[01:19:27.820] – Bemerkung 36
Das ist genau die klassische Familie, die ist bei uns so besetzt. Was wäre ein guter
Ausdruck für die neue Familie?
[01:19:54.440] – Bemerkung 36
Patchwork ist Patchwork. Kernfamilie, Familiensystem.
[01:19:54.880] – Bemerkung 36
Ich will, dass die anders funktionieren, als die klassische Familie. Es braucht dafür
einen Arbeitstitel.
[01:20:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch würde ich sagen: das Care System.
[01:20:38.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle, welche sich um die Jungen kümmern. Da kann eine Lehrerin dabei sein, da kann
eine Nachbarin dabei sein.
[01:20:55.420] – Bemerkung 36
Beziehungs- und Bezugssystem zum Kind.
[01:20:55.920] – Bemerkung 36
Es wäre super, wenn man die Grosseltern mit rein kriegt.
[01:21:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Bezugssystem.
[01:21:15.770] – Bemerkung 37
Ich habe Mühe mit dem Begriff Erziehung.
[01:21:19.680] – Bemerkung 38
Ich spreche sehr gerne von Erziehung.
[01:21:37.040] – Bemerkung 38
Warum Angst haben vor dem Erziehen?
[01:21:41.820] – Bemerkung 39
In einem Bezugssystem erziehen alle. Dann würde es wieder aufgehen.
[01:21:50.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auf verschieden Arten erziehen.
[01:21:55.830] – Bemerkung 40
Erziehung heisst für mich jemanden in eine Richtung ziehen. Das möchte ich nicht für
das Kind. Ich möchte, dass das Kind begleitet wird und so im Wesen anerkannt wird,
dass man das Kind richtig begleiten kann. Erziehung ist für mich nicht das richtige Wort.
[01:22:10.580] – Bemerkung 41
Führen hat auch mit Erziehung zu tun.
[01:22:12.700] – Bemerkung 42
Führen geht bei uns in Deutschland gar nicht.
[01:22:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.
[01:22:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung kann über Befehle geschehen.
[01:22:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich will.
[01:22:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ansich werden die Kinder zu viel erzogen.
[01:22:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bild der Affenmutter, welche das explorierende Kind einfach wieder vom Baum
runter reisst. Das ist Erziehung. Diese Art von Erziehung wollen wir nicht.
[01:23:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen persönlichkeitsgerecht erziehen.
[01:23:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir gut erziehen können, müssen wir unsere Kinder gut beobachten können,
wahrnehmen und dann vielleicht noch ein bisschen ergänzen.
[01:23:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder wollen nachahmen.
[01:23:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung läuft über Vorbilder.
[01:23:26.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gegen Erziehung von Bestrafen und Belohnen. Gewisse machen das. Für
gewisse funktioniert das auch.
[01:23:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss wissen, welchen Stil, dass er verwenden möchte.
[01:23:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer fragen: welche Erziehungsstil ist in der Familie gelaufen?
[01:23:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Modern wäre eher: das Kind wahrnehmen, das Kind begleiten.
[01:23:44.450] – Bemerkung 43
Manchmal ist es auch mehr.
[01:24:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar. Das ist zum Teil auch gut.
[01:24:06.650] – Bemerkung 44
Irgendwann erzieht auch die Gesellschaft Dein Kind. Was wollen die Eltern auch nicht.
[01:24:06.880] – Bemerkung 44
Wo findest du da den richtigen Weg?
[01:24:11.230] – Bemerkung 44
Da oben ist es gefährlich, jetzt kommst du zum Essen. Den Rahmen setzen. Soziale
Regeln.
[01:25:00.630] – Bemerkung 45
Das Wort "Erziehung" hat für mich auch einen sehr negativen Touch.
[01:25:00.960] – Bemerkung 45
Ich würde von Grenzen setzen sprechen.
[01:25:22.540] – Bemerkung 46
Manche finden Grenzen auch ganz schwierig.
[01:25:33.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von Regeln.
[01:25:34.470] – Bemerkung 47
Gewisse müssen etwas machen. Man kann nicht immer nur schauen: was macht das
Kind? Das ist Erziehungsarbeit.
[01:25:56.960] – Bemerkung 48
Jeder bewertet das Wort "Erziehung" anders. Für gewisse ist es eher negativ für andere
ist es positiv. Der Inhalt unterscheidet sich. Was verstehen die Eltern darunter?
[01:26:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde soziale Regeln beibringen. In meine Haus gelten diese Regeln. Ich möchte
diese Regeln durchsetzen. Lieber Regeln sagen, als Grenzen setzen.
[01:26:40.560] – Bemerkung 49
Marte Meo spricht von positivem Leiten.
[01:26:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut und das ist auch flexibel.
[01:27:18.810] – Bemerkung 51
Das machen wir auch in der Familie.
[01:27:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Anleiten bringt man Know-How von seiner Erfahrung rein.
[01:27:48.140] – Bemerkung 52
Ich kann von einem Dreijährigen nicht erwarten, dass er einmal pro Woche sein Zimmer
komplett alleine aufräumt.
[01:27:54.400] – Bemerkung 53
Doch, das kann er schon. Hast Du eine Ahnung.
[01:28:05.500] – Bemerkung 54
Die jungen Eltern haben keinen blassen Schimmer von Erziehung. Das ist meine Not,
das sind Basics.
[01:28:32.260] – Bemerkung 55
Und wenn er jetzt keine Lust hat?
[01:28:35.130] – Bemerkung 54
Die armen, hilflosen Kinder sind permanent überreizt mit dieser Verantwortung. Die
eskalieren permanent.
[01:28:47.450] – Bemerkung 54
Brauchst Du Hilfe? Dann gibt es ein Geschrei.
[01:29:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal pro Woche aufräumen, das ist eine Regel. Immer am Donnerstag, immer am
Mittwoch wird das Zimmer aufgeräumt. Das kann man schon mit Dreijährigen beginnen,
falls man das möchte.
[01:29:22.230] – Bemerkung 55
Da kann man die Kinder begleiten.
[01:29:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man.
[01:29:51.800] – Bemerkung 56
Die Erwartung ist, dass die Kinder das selber können.
[01:29:57.100] – Bemerkung 57
Ein zentrales Thema ist die Selbstbestimmung. Der Kanton Zürich sagt, dass die
Selbstbestimmung der Kinder wichtig ist.
[01:29:57.420] – Bemerkung 57
Wir haben gemerkt, dass das Thema Selbstbestimmung gar nicht aufgeht.
[01:30:06.980] – Bemerkung 57
Die Kinder im Heim sind fremdbestimmt. Die Mütter sind fremdbestimmt in der Mutter-
Kind Wohngruppe.
[01:30:29.320] – Bemerkung 57
Es beisst sich ein bisschen. Wir können das nicht 1:1 übernehmen.
[01:31:05.630] – Bemerkung 57
Der Kanton spricht von Inklusion und Selbstbestimmung.
[01:31:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Anleiten, Leiten, Begleiten und dann selber machen lassen.
[01:31:09.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe viele Eltern mit ihren kleinen Kindern sehr rational sprechen. Fürchterlich. Als
ob die Kinder schon Erwachsene Personen wären.
[01:31:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird das Kind weder angeleitet noch begleitet.
[01:31:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt gleich: Du machst das falsch.
[01:31:38.280] – Bemerkung 58
Meine Generation von Eltern hat den partizipativen Erziehungsstil gelernt. Das Kind
muss man überall einbeziehen. Das sind dann die pubertierenden BKS Mädchen. Es
muss ausgebadet werden. Die Eltern haben nie gesagt: nein, das geht so nicht, mach
das anders. Es hiess immer: wir können dann schauen. So entgleitet es den Eltern.
Das finde ich schwierig. Es braucht beides.
[01:32:06.300] – Bemerkung 58
Bei rot geht man nicht über die Strasse, das entscheiden die Eltern.
[01:32:06.770] – Bemerkung 58
Ein sechsjähriges Kind geht um 8 Uhr ins Bett. Nicht fragen: und möchtest du noch ein
Büchlein. Das ist oft das Problem in den Familien, welche ich begleite.
[01:32:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird alles an das Kind abdelegiert und man übernimmt als Erzieher keine
Verantwortung mehr.
[01:32:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine Erziehungs-, Begleitungs- und Leitungsverantwortung. Man muss Struktur
setzen. Wenn man gar keine Struktur setzt, dann fühlt sich das Kind verunsichert. Das
ist nicht gesund.
[01:32:52.800] – Bemerkung 59
Verantwortung ist auch ein wichtiges Thema.
[01:32:56.780] – Bemerkung 60
Wenn die Mutter nicht in der Lage ist, die Verantwortung selber zu übernehmen, dann
finde ich es schwierig. Wenn die Mutter ein psychisches Leiden hat.
[01:33:21.430] – Bemerkung 60
Die Mutter steht einfach da und wartet, bis das Kind von selber kommt. Sie war selber
sehr unsicher. Die Mutter weiss gar nicht, was sie selber möchte. Antriebslos.
[01:33:55.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man der Mutter helfen. Was will die Mutter? Die Mutter muss mitteilen, was sie
möchte. Nicht die ganze Führung dem Kind überlassen. Das ist eine grosse Belastung
für das Kind und nicht gesund für das Kind.
[01:34:12.450] – Bemerkung 61
Was ist, wenn die Mutter nicht weiss was sie möchte und nichts tun kann oder will.
[01:34:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich zurückfragen. Ich erlebe viele Frauen, wo die Mütter immer für sie
entschieden haben. Es ist bequem, wenn man nicht entscheiden muss.
[01:34:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade als Frau. Wie war das früher? Durften sie jemals selber entscheiden? Hat
immer jemand anderes für sie entschieden?
[01:34:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nie für sich selber entscheiden durften, können nicht für ihr Kind
entscheiden.
[01:34:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man rausholen. Jetzt darf sie selber entscheiden, das ist wichtig.
[01:34:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft heisst es: ich weiss es nicht, es ist mir egal.
[01:34:56.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Enkel hat ein Theater aufgeführt: mir ist es egal.
[01:35:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so schnell antworten.
[01:35:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so schnell sagen: ich weiss es nicht.
[01:35:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Überlegen sie, bleiben sie bei sich, hinterfragen sie sich sorgfältig. Was möchte ich?
[01:35:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man weiss, was man möchte, muss man sich spüren. Die spüren sich nicht
selber.
[01:36:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen es alle irgendjemandem Recht machen, sich einem Schema anpassen. Nein.
[01:36:04.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keinen falschen Entscheid. Es gibt nur ihren Entscheid. Viele haben Angst,
Fehler zu machen, dann wird gar nicht entschieden. Dann entscheidet jemand anderes
für sie. Das ist gar nicht gesund.
[01:36:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute haben die Kinder viel Einfluss vom Internet. Die Kinder schauen viele Serien.
[01:36:34.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir unsere Werte, unsere Regeln einbringen.
[01:36:34.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach alles der IT Beeinflussung übergeben.
[01:36:36.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe meine Enkel gefragt, welche Filme sie schauen.
[01:36:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Kampf. Wofür wird gekämpft, gegen was wird gekämpft?
[01:36:46.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Themen waren: aus Rache wird gekämpft.
[01:37:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind bei der Mafia. Meine Mutter wurde verletzt. Jetzt muss ich das Rächen.
[01:37:07.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen noch andere Prinzipien eingebracht werden.
[01:37:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Regeln, das ist Moral, das ist Ethik.
[01:37:20.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig in der heutigen Zeit, dass man den Eltern hilft, dass sie ihre Ethik,
ihre Wertvorstellungen einbringen.
[01:37:20.710] – Bemerkung 62
Sie müssen sich selbstwirksam erleben.
[01:37:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.
[01:37:41.880] – Bemerkung 62
Sie erwarten, dass jemand kommt uns sie rettet.
[01:37:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das jemand kommt und ihnen sagt, wo der Weg lang geht.
[01:37:53.020] – Bemerkung 63
Eine Mutter hatte eine dominante Grossmutter. Die wohnen jetzt nicht mehr im gleichen
Haus. Die Mutter will es jetzt so machen, wie sie es möchte. Die Grossmutter hat es
geschafft, die Mutter zu überzeugen, das Kind in die Babyklappe zu tun. Die Mutter
musste sehr dafür kämpfen, das Kind zurück zu erhalten. Die Grossmutter hat immer
noch eine Rolle. Sie wurde von der älteren Tochter erzogen.
[01:38:37.860] – Bemerkung 63
Die Mutter will jetzt ihren eigenen Weg gehen, sie will ihren eigenen Erziehungsstil. Es
stehen viele Dinge zwischen der Mutter und der Grossmutter. Soll man hier trotzdem
die Grossmutter miteinbeziehen?
[01:39:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mit der Kindesmutter sprechen und eine Sitzung zusammen machen.
Grossmutter und Mutter müssen dabei sein.
[01:39:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man beide validieren.
[01:39:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat soviel gemacht. Das ist gut. Sie ist eingesprungen, wo es eine
Lücke gab.
[01:39:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man die Mutter validieren. Es ist verständlich, dass sie jetzt ihre Mutterrolle
voll und ganz leben möchte.
[01:40:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man zu dem: fühlt sie sich manchmal gestört oder verunsichert durch ihre
Mutter, wenn die auch noch eine Idee hat?
[01:40:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man wieder verhandeln.
[01:40:21.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man die Grossmutter punktuell miteinbeziehen. Sonst ist das Kind in einem
komischen Vakuum, wo die eigene Mutter nicht möchte, dass es Kontakt zur
Grossmutter hat.
[01:40:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhandeln, wie man die Grossmutter noch mehr einbeziehen kann, sodass das Kind
die Grossmutter auch kennen lernt.
[01:41:06.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre die Grossmutter bereit zu machen?
[01:41:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre tolerabel für die junge Frau?
[01:41:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Verhandeln.
[01:41:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht verhandelt, dann tut sich die Spaltung im Kind niedersetzen.
[01:41:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schizophreniepatient ging immer zur Grossmutter. Wenn er bei der Grossmutter
war, hatte er Heimweh nach der Mutter. Wenn er bei der Mutter war, hatte er Heimweh
nach der Grossmutter. Grossmutter und Mutter haben diese Sache nicht überbrückt. Er
ist schizophren geworden.
[01:41:26.740] – Bemerkung 64
Was ist wenn die Pflegeeltern noch dabei sind?
[01:41:53.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegeeltern und Eltern sind ja Konkurrenten.
[01:42:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pflegeeltern und die Eltern sollte man zusammen nehmen, beide validieren. Auch
die Mutter in ihrer Schwierigkeit validieren.
[01:42:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man die Pflegeeltern fragen: können sie das nachvollziehen, dass das
schwierig ist?
[01:42:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das was die Pflegeeltern gemacht haben, muss deshalb nicht schlecht sein. Es ist gut,
dass das Kind noch gehen darf.
[01:42:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter darf ihre Pein sagen.
[01:42:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde beide zusammen nehmen. Das ist vielleicht nur eine Sitzung. Das macht man
alles für das Kind.
[01:43:00.200] – Bemerkung 65
Der Kontakt zwischen der Mutter und der Grossmutter braucht viel Vorbereitung für die
Mutter.
[01:43:10.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.
[01:43:22.500] – Bemerkung 65
Der Sohn hat die Grossmutter dazu gedrängt, dass das Kind in die Babyklappe
gegeben wird.
[01:43:25.690] – Bemerkung 65
Das ist der Grund für die Abgrenzung der Mutter von der Tochter.
[01:43:33.180] – Bemerkung 65
Es ist keine therapeutische Fachperson im Boot.
[01:43:33.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spielt keine Rolle.
[01:43:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nichts drängen. Wenn sie bereit sind, das zu machen, können sie es auch auf
eine Art und Weise rüberbringen, sodass die Mutter vertraut.
[01:44:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber sicher sein, doch das möchte ich jetzt, das kann ich jetzt, das erreiche
ich. Dann erreicht man es auch. Sie spürt die Haltung der Fachperson.
[01:44:54.380] – Bemerkung 66
Wie differenziert das die Mutter? Die Mutter ist schnell weg. Die Mutter war noch nicht in
der gynäkologischen Nachkontrolle.
[01:45:08.880] – Bemerkung 67
Man muss schauen, dass noch jemand reinkommt in der therapeutischen Rolle.
[01:45:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es akzeptiert.
[01:45:23.810] – Bemerkung 68
Vielleicht gibt es ein Prozent, was sie von der Grossmutter möchte. Dann kann man in
das Gespräch gehen.
[01:45:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihr soweit seit, die Mutter und die Grossmutter zusammen bringen, verhandeln,
vermitteln. Immer auf allen Seiten validieren, wertschätzen.
[01:46:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen oft zu schnell zu einer Lösung kommen, machen keine Wertschätzung in alle
Richtungen. Es müssen alle wertgeschätzt werden in ihrer Rolle, in ihrem Schmerz, in
ihrer Verzweiflung.
[01:46:17.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man über seine Gefühle sprechen kann, dann geht 50% von Stress weg.
[01:46:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können helfen eine Plattform zu sein, damit man über seine schwierigen Sachen
reden kann.
[01:46:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Familie begleitet, wo es um Adoptivkinder gegangen ist, wo dann ihre
leiblichen Eltern wieder aufgesucht haben.
[01:46:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde alles gekappt. Heute werden die leiblichen Eltern wieder aufgesucht. Das
ist oft ein grosser Spalt zwischen den Adoptiveltern und leiblichen Eltern.
[01:47:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil habe ich es geschafft, zum Teil nicht.
[01:47:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur wenn man jemandem hilft, etwas zu tun, ist eine gewisse Linderung da.
[01:47:03.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Besten Dank, bis zum nächsten Mal. Ein tolles Thema.
[00:00:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie alle ganz herzlich zur Vernissage von Susanne und ihrem Laden:
Second Life, stilvoll gegen Verschwendung.
[00:00:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Laden hat auch eine tiefsinnige Bedeutung.
[00:00:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Aufgabe, ihnen heute ein paar Worte zu sagen, zur Modeschau von heute.
[00:01:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kleidung hat beim Menschen, beim Home Sapiens, eine ganz spezielle Bedeutung.
[00:01:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist weitgehend nackt und hat lange nicht so ein schönes Federkleid wie ein
Strauss, ein Papagei, ein Zebra.
[00:01:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch kann mit seiner natürlichen Bekleidung, die er von der Natur hat, nicht so
hervorstechen; auch nicht so wie ein beschuppter Fisch im Wasser.
[00:01:34.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist eigentlich ein bisschen langweilig ohne Kleidung.
[00:01:51.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kleidung dient nicht nur dem Schutz.
[00:01:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch lebt überall. Er braucht Kleidung, um sich zu schützen.
[00:02:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch braucht Kleidung um sich zu schützen und Wärme zu haben. Er muss die
Kleidung auch abziehen um sich abzukühlen.
[00:02:23.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die extremste Kleidung ist eine kugelsichere Weste im Krieg. Davon sprechen wir heute
nicht.
[00:02:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben eine vielfältigere Art, sich zu kleiden als die Männer.
[00:02:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war früher nicht so. Früher haben sich die Männer auch sehr farbig, ausführlich und
sorgfältig gekleidet im Mittelalter, im 17. und 18. Jahrhundert. Die Männer hatten
spezielle Perücken und ganz viele schöne, farbige Kleider.
[00:03:12.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das natürlich vor allen Dingen in den Fürstentümern und in den Königshäusern.
[00:03:21.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man immer noch anschauen, wenn der König Freund wird.
[00:03:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gewöhnliche Volk und die Mittelschicht macht keinen so grossen Aufwand.
[00:03:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zum Tierreich haben die Frauen aber eine viel diversere Beziehung zur
Kleidungstradition entwickelt als die Männer.
[00:03:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen tragen bunter, interessanter, vielfältiger etc.
[00:03:50.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern hat sich die Kleidung reduziert auf den Anzug und die Krawatte, auf
das Standesbewusstsein.
[00:04:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer bekleiden sich eher mit schönen Worten und zeigen dort ihre Schicht.
[00:04:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können farbige Kleider tragen.
[00:04:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können Kleider tragen, um eine Auswirkung auf ihr Umfeld zu haben.
[00:04:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Frau hat das die Funktion, dass sie anziehend auf den Mann wirken möchte,
verführerisch kann die Frau gekleidet sein.
[00:04:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man heutzutage viel mehr. Hier sind wir viel freier geworden.
[00:04:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau kann auch ihre Kleidung verwenden, um sich gut einzukleiden, um sich wohl
zu fühlen in diesen Kleidern. Um bei sich zu Hause zu sein und ein gutes Gefühl zu
haben.
[00:04:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kleidung kann immer auch Ausdruck von sich selber, von der eigenen Seele, vom
eigenen Zustand sein.
[00:05:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kleidung kann eine Art Selbstdarstellung darstellen, wie sich eine Frau gerade
wahrnimmt in dem Moment, zieht sie ein bisschen andere Kleider an.
[00:05:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau zieht andere Kleider an, in denen sie sich wohl fühlt.
[00:05:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kleid ist wichtig, das gehört wie das Federkleid zum Vogel, gehört unsere Kleidung
zu uns und zu unserer Seele.
[00:05:41.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich schwarz kleidet, es gibt viele Jugendliche, die sich schwarz kleiden.
[00:05:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch viele Männer, welche sich schwarz kleiden. Das sind meistens Architekten
und Designer, die kleiden sich oft schwarz. Damit sagt man: ich möchte keine Farbe
bekennen, ich möchte nicht gesehen werden.
[00:06:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte nicht, dass das Umfeld merkt, wer ich bin, was ich fühle, was für eine
Ausstrahlung ich habe. Ich möchte mich schützen.
[00:06:11.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer schwarzen Kleidung fühlt man sich auch auf eine Art geschützt.
[00:06:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann niemand gut in einem hineinschauen, man bringt nichts zum Ausdruck.
[00:06:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Tradition, uns in schwarz zu kleiden, wenn wir in Trauer sind, wenn wir
einen geliebten Menschen verloren haben, dann kleidet man sich auch in schwarz.
[00:06:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Jugendliche, welche sich schwarz kleiden. Die gotische Bewegung. Die
kleiden sich alle schwarz.
[00:06:47.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie ein Gegensatz, wie eine Rebellion gegen das Farbige und sich zeigen.
[00:06:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahl der Kleidung kann auch ein Selbstausdruck sein, eine Selbstdarstellung.
[00:07:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mich ganz fröhlich fühle, dann kleide ich mich eher in einer auffälligen Farbe,
in einer starken Farbe.
[00:07:14.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eher mild gestimmt bin, wähle ich eher eine feine Farbe um meiner Seele ein
bisschen Ausdruck zu geben.
[00:07:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Kleidung kann man auch seine Stimmung zur Darstellung bringen.
[00:07:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man fühlt sich dann gut eingebettet in seiner Kleidung, wenn man die richtige Kleidung
gewählt hat und dann ist der ganze Tag schon halber gemacht.
[00:07:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal trifft man es nicht so gut und geht hin und her und nein, das passt mir nicht,
man wählt wieder was Neues.
[00:07:48.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es eher ein bisschen schwierig.
[00:07:50.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist man dann auch nicht so zufrieden mit dem, was man gewählt hat.
[00:07:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas gewählt hat, in dem man sich wohlfühlt, dann ist das ein sehr gutes
Gefühl.
[00:07:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gehen langsam dem Herbst zu.
[00:08:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist ein Sommertag.
[00:08:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir am Morgen und am Abend hinausschauen, sind die Farben ein wenig feiner,
sanfter, nicht ganz so grell wie im Hochsommer.
[00:08:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Klima wird im Herbst milder.
[00:08:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Herbst ist ein Altweibersommer.
[00:08:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die alten Weiber ertragen den hitzigen Sommer nicht mehr so gut. Das wird auch oft
gesagt.
[00:08:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Herbst, welcher sanfter ist, weniger heiss ist, den ertragen sie besser. Darum
spricht man vom Altweibersommer.
[00:08:49.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist eher noch ein Hochsommertag. Das wussten wir nicht, als wir die Vernissage
organisiert haben.
[00:08:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Modedesigner wählen im Herbst sogenannte Herbstfarben.
[00:09:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir selber wählen auch Herbstfarben.
[00:09:08.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich denke, was ich im Herbst anziehen möchte, wähle ich eher etwas feines.
Rosa, grün. Kein knalliges Grün und kein knalliges Rot.
[00:09:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lassen uns überraschen, welche Farben Susanne Dezini mit ihren Models gewählt
hat, als Ausdruck zum Beginn des Herbstes.
[00:09:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind nicht einfach nur an die Herbstfarben gebunden.
[00:09:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind heutzutage sehr individuell. Heute darf man ganz individuell tragen, was man
möchte.
[00:10:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe sie hat sehr gute Sachen gewählt, sodass sich die Models in ihren Kleidern
wohl fühlen, Selbstausdruck zur Darstellung bringen können und ihnen hier vorführen
können.
[00:10:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee ist, dass auch sie dazu aufgemuntert werden, sich mutig zu kleiden nach ihrem
eigenen Gefühl und Befinden.
[00:10:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie dazu aufmuntern. Glücklichkeit kann man erzeugen, in dem man etwas
tut, woran man Freude hat. Das hat eine gute Auswirkung auf ihre Gesundheit.
[00:10:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nenne ich Eudaimonic Happiness.
[00:10:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Männer habe ich leider keine Worte.
[00:10:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ein Mann bei Susanne meldet, um bei der Modeschau mitzumachen, dann
werde ich mir gerne auch Worte für die Männer ausdenken.
[00:11:45.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Models sind alles ganz normale Frauen. Das ist sympathisch. Die Frauen sind keine
hyper gestylte Models aus den Zeitungen. Sie macht eine Verbindung zu ihnen allen.
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