Zusammenarbeit statt Kompetition

Dr.med. Ursula Davatz im Gespräch mit Colette Basler.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Colette Basler

10.12.2025
Zusammenarbeit statt Kompetition
Audio

[00:00:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Liebe Colette Basler, es freut mich sehr, dass du gekommen bist.

[00:00:10.400] – Colette Basler
Merci.

[00:00:10.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist ja als Lehrerin ausgebildet worden, so wie deine Schwester.

[00:00:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe deine Schwester Patti Basler schon früher nicht kennengelernt.

[00:00:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie zu meinem 80. Geburtstag eingeladen, weil ich gefunden habe, die passt
noch zu dem Fest und wir haben es sehr lustig gehabt miteinander.

[00:00:33.499] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/playlist?list=PLx8ORGwBUsmAeZA5lJs95ngsP57Nr3Tcj

[00:00:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat das super gemacht und wir haben am Schluss auch noch miteinander ein
bisschen getrunken und uns ein wenig persönlich ausgetauscht.

[00:00:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Deine Schwester, also Patti Basler, hat auch Lehrerin gelernt, aber sie ist dann ins
Unterhaltungsgeschäft gegangen.

[00:00:56.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrerberuf hat auch immer ein bisschen was vom Unterhaltungsgeschäft. Aber
nicht nur.

[00:01:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die guten Lehrer, welche die Klasse faszinieren können, die haben immer auch einen
Hauch der Unterhaltung.

[00:01:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist jetzt nicht mehr im Lehrerberuf. Du bist ausgestiegen und gehst einen anderen
Weg. Du hast doch wie viel Jahre Erfahrung im Lehrerberuf?

[00:01:25.740] – Colette Basler
Ich habe 20 Jahre die Schule gegeben.

[00:01:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das reicht.

[00:01:30.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne hast du Erfahrung im Lehrerberuf.

[00:01:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt aus einer ein bisschen distanzierterer Sicht: was würdest du Lehrpersonen raten,
dass sie in ihrem Beruf drinnenbleiben können, damit ihnen der Atem reicht.

[00:01:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf was müssen Lehrpersonen allgemein achten, damit sie nicht ausbrennen?

[00:01:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören immer von Kündigungen und von Burnouts der Lehrer.

[00:02:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte nie Lehrerin werden, aber ich habe die Lehrer immer unterstützt und möchte
auch Lehrer weiter unterstützen.

[00:02:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist es eine schwierige Arbeit, eine anspruchsvolle Arbeit.

[00:02:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte jetzt aus deiner Erfahrung fragen: was würdest du den Lehrpersonen raten?

[00:02:24.700] – Colette Basler
Ich bin Lehrerin und Bäuerin.

[00:02:29.140] – Colette Basler
Das sind beides die schönsten Berufe der Welt, weil sie beide unglaublich vielseitig
sind.

[00:02:38.390] – Colette Basler
Bei beiden, insbesondere auch als Lehrperson, ist es wichtig, dass man sich selber
Sorge trägt.

[00:02:46.870] – Colette Basler
Die sogenannte Selbstfürsorge, ich denke, ist mich etwas ganz wichtiges.

[00:02:54.110] – Colette Basler
Sich abgrenzen können. Nicht das Gefühl haben, dass man bis um 22 Uhr für die Eltern
erreichbar sein muss.

[00:02:59.080] – Colette Basler
Manchmal muss man auch die Eltern erziehen. Das funktioniert sehr gut.

[00:02:59.179] – Colette Basler
Wenn die Eltern wissen, dass man bis um 18 Uhr anrufen kann. Das ist ganz wichtig,
dass man Grenzen setzt und auch Zeit für sich selber hat.

[00:02:59.260] – Colette Basler
Man kann nicht einfach 24 Stunden Lehrerin sein. Sonst brennt man aus.

[00:03:25.660] – Colette Basler
Man muss auch nicht auf alles immer gerade eine Antwort haben.

[00:03:31.170] – Colette Basler
Man kann auch bei Schülerinnen und Schülern sagen, dass man es sich nochmals
überlegen muss.

[00:03:37.560] – Colette Basler
Da muss ich jetzt drüber nachdenken. Ich sage es dir morgen.

[00:03:41.960] – Colette Basler
Ich glaube, das ist wirklich extrem wichtig, so ein bisschen auch zu spüren, was man
selber braucht und morgen es nicht zu verlieren.

[00:03:55.000] – Colette Basler
Manchmal muss man auch streng sein.

[00:04:00.590] – Colette Basler
Den Mut haben, das zu sein. Nicht Angst haben, von allem, was von aussen kommen
könnte. Eine klare Linie haben aber gleichzeitig mit viel Liebe, Empathie und Humor.

[00:04:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Ich kann das nur unterstützen.

[00:04:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Empathie versus Selbstfürsorge.

[00:04:26.893] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/2018/03/01/empathie-versus-selbstfursorge/

[00:04:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson muss gut schauen, dass sie auch für sich schaut.

[00:04:27.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Abgrenzung gegen die Eltern ist ein grosses Thema.

[00:04:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch: abgrenzen gegen das, was von oben verlangt wird.

[00:04:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Seminar geleitet für Lehrer und war dann erstaunt, wie stark die sich nach
oben ausrichten.

[00:05:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark sie es richtig machen wollen.

[00:05:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Ende dieser Tagung haben wir einen Abend gehabt und ich hätte gerne mit allen
geplaudert und es ist alles durchorganisiert gewesen.

[00:05:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie würdest du den Lehrern raten, dass sie sich auch abgrenzen gegen die
Bedingungen von oben, gegen die politischen Strukturen?

[00:05:27.540] – Colette Basler

Deutschland kann man nicht mit der Schweiz vergleichen.

[00:05:34.700] – Colette Basler
Das ist bei uns anders.

[00:05:36.880] – Colette Basler
Bei uns ist Schule vor Ort, das gibt es in anderen Ländern viel weniger.

[00:05:47.720] – Colette Basler
Dort ist es viel zentralistischer organisiert und darum sind die Sachen, die von oben
kommen, vielleicht auch die Befehle, die von oben kommen, durchaus nicht in jeder
Schule gleich.

[00:06:03.040] – Colette Basler
Da gibt es natürlich Schulen, wo viel mehr befohlen wird.

[00:06:09.760] – Colette Basler
Es kommt ganz stark auf die Schulkultur drauf an.

[00:06:17.520] – Colette Basler
Es gibt natürlich schon Schulen, wo sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitungen sehr,
sehr viel Freiheit haben.

[00:06:28.280] – Colette Basler
Es funktioniert.

[00:06:29.900] – Colette Basler
Andere werden stärker geführt.

[00:06:30.960] – Colette Basler
Es steht und fällt immer mit den Leuten, die vorne dran stehen.

[00:06:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulbehörde hat es oft politisch orientierte Leute.

[00:06:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht in die Schulbehörde, das ist das erste Sprungbrett für eine politische Karriere.

[00:07:03.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kritisiere ich natürlich.

[00:07:04.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde die Schulbehörde muss dafür da sein, für die Kinder zu schauen, für unsere
Jugend zu schauen und für die das Beste machen und nicht, dass man die Schule
verwendet als Sprungbrett.

[00:07:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulen sind so ein bisschen harmonisiert worden, weil man wollte, dass die Kinder
von einem Kanton in den anderen welchseln können.

[00:07:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ganz drauf an, bei welcher Schule man ist und mit welcher Behörde man zu
tun hat.

[00:07:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wäre sehr dafür, dass man mit seiner Behörde Rücksprache nimmt und individueller
das Ganze gestaltet.

[00:07:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es etwas Hartes und manchmal braucht es auch viel mehr Freiraum.

[00:07:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Da sprichst du mir eigentlich aus dem Herzen.

[00:08:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin vor vielen Jahren in einer Kommission gewesen: Aargauische Lehrplanrevision,
Arbeitsgruppe Gesundheitserziehung.

[00:08:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben lange darüber geredet, was jetzt wichtig ist, was macht man damit die Kinder
sogenannt gesund werden?

[00:08:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss sind wir beim Satz gelandet: leben und leben lassen.

[00:08:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Satz kommt mir immer wieder in den Sinn und ich denke, das ist genau wichtig.

[00:08:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst, die beiden Berufe, Bäuerin und Lehrerin sind eigentlich die schönsten Berufe.

[00:08:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht mit Leben um.

[00:08:36.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Tieren kann man auch schwatzen, aber sie verstehen nicht alle unsere
Sprache.

[00:08:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss emotional mit ihnen umgehen können.

[00:08:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Kinder sind auch sehr lebendig. Man muss mit ihrem Leben und ihrer Lebendigkeit
umgehen können.

[00:08:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder kann man nicht schon zu Computern machen oder KI Maschinen.

[00:09:01.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, da ist es schwierig, wenn man zu eng ist. Man muss wirklich immer mit dem
Leben gehen.

[00:09:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Politisch wird diskutiert, Lehrplan 21. Gewisse sind Feuer und Flamme dafür.

[00:09:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen die Politiker wieder und sagen: nein, das geht gar nicht. Wir müssen
zurück zu den Hilfsschulen und zur Ausgliederung.

[00:09:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wollte eingliedern und jetzt muss man wieder zurück zur Ausgliederung.

[00:09:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist deine Vorstellung oder dein Rezept oder deine Idee?

[00:09:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie muss man mit all diese unterschiedlichen Bedürfnissen, die man in einer Klasse
hat, umgehen?

[00:09:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man am optimalsten damit umgehen? Was für ein Schulkonzept würdest du
bevorzugen?

[00:10:01.020] – Colette Basler
Ein Rezept gibt es ja eben leider nicht. Sonst hätten wir es schon lange umgesetzt.

[00:10:08.860] – Colette Basler
Der Bildungsbericht sagt: am erfolgreichsten wäre die integrativen Schule.

[00:10:21.970] – Colette Basler
Da haben wir grosse Herausforderungen.

[00:10:25.780] – Colette Basler
Das sehen wir jetzt bei uns.

[00:10:27.480] – Colette Basler
Wir haben politische Strömungen, die wieder mehr Separation wollen.

[00:10:35.260] – Colette Basler
Dort einen guten Weg zu finden, das ist wirklich eine Herausforderung.

[00:10:39.820] – Colette Basler
Ich habe an einer Schule unterrichtet, wo die Devise war: wir unterrichten integrativ,
aber keine Integration um jeden Preis.

[00:10:49.700] – Colette Basler
Das sagt auch die UNO Behindertenrechtskonvention.

[00:10:52.800] – Colette Basler
https://www.ebgb.admin.ch/de/uebereinkommen-der-uno-ueber-die-rechte-von-menschen-mit-behinderungen

[00:10:52.800] – Colette Basler

Sie sagen nicht, es müssen alle Kinder integriert sein, sondern sie sagen, man muss
das machen, was das Beste ist für das Kind.

[00:11:06.580] – Colette Basler
Es gibt tatsächlich Kinder, die so schwere Beeinträchtigungen haben, dass eine
Regelschule ihnen nicht gerecht werden kann und sie nicht so fördern kann, wie sie das
haben müssten, damit sie vorwärts kommen.

[00:11:20.740] – Colette Basler
Was sicher richtig ist, wenn sie in einer Sonderschule sind und dort das Fachpersonal
haben, welches sich adäquat um sie kümmern kann.

[00:11:30.000] – Colette Basler
Sonst finde ich, man soll den integrativen Weg wählen, aber dann brauchen wir
Fachpersonen.

[00:11:40.540] – Colette Basler
Dort haben wir eine weitere Herausforderung.

[00:11:43.620] – Colette Basler
Wir haben einfach viel zu wenig Lehrpersonen, die eine heilpädagogische
Zusatzausbildung haben oder die eine pädagogische Ausbildung haben.

[00:11:55.970] – Colette Basler
Unsere Gesellschaft hat sich verändert.

[00:11:59.540] – Colette Basler
Wir sind so divers geworden, aus verschiedenen Gründen natürlich.

[00:12:03.740] – Colette Basler
Schlussendlich ist die Schule immer auch ein Abbild der Gesellschaft.

[00:12:08.680] – Colette Basler
Es ist ein ganzer Blumenstrauss an Gründen, was zu dem führt, dass die Schule so
unterwegs ist, wie sie es im Moment ist und dass wir diese Herausforderungen haben.

[00:12:18.860] – Colette Basler
Der Lehrplan 21 ist eigentlich nicht so schlecht, aber er muss richtig umgesetzt werden.

[00:12:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Von meinem Herz her, bin ich auch für die integrative Schule.

[00:12:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher Ausnahmen und wie du sagst, nicht um jeden Preis.

[00:12:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Schule kommen zu viele Zusatzpersonen.

[00:12:50.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Heilpädagogen, vielleicht Logopäden.

[00:12:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat man auch noch Schulassistentinnen/Assistenten.

[00:13:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Lehrpersonen muss man viel mehr Unterstützung geben im Umgang mit diesen
schwierigen Kindern.

[00:13:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so eine riesige Kunst, mit denen umgehen zu können.

[00:13:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss gewisse Sachen lernen.

[00:13:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde dafür plädieren, dass die Lehrpersonen mehr Unterstützung bekommen.

[00:13:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann könnten sie einige Kindern, ohne dass sie ein Burnout bekommen, in der Schule
behalten.

[00:13:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind aus meiner Sicht die pädagogischen Modelle zu sehr dem medizinischen
Modell angelehnt.

[00:13:45.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird nur die Behinderung angeschaut und nicht die Stärken.

[00:13:52.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Lehrpersonen muss man noch mehr Freiheit geben, die Sache vielleicht ein
bisschen anders zu handhaben, und ganz generell die Lehrpersonen mehr
unterstützen.

[00:14:05.220] – Colette Basler
Das sehe ich absolut genau gleich.

[00:14:07.930] – Colette Basler
Ich war an einem Vortrag an der Kantonalkonferenz zum Thema neurodiverse Kinder.

[00:14:13.200] – Colette Basler
https://kantonalkonferenz.ch/

[00:14:13.200] – Colette Basler
Das wünsche ich mir.

[00:14:19.240] – Colette Basler
Eigentlich müssten alle Lehrpersonen in der Ausbildung diese Themen auch noch
haben.

[00:14:27.380] – Colette Basler
Die Heilpädagogik kann man, glaube ich, freiwillig, wenn ich es richtig im Kopf habe,
noch als Zusatz machen, aber eigentlich müssten es alle haben.

[00:14:41.420] – Colette Basler
Kinder sind, wie sie sind, weil sie eine Geschichte haben.

[00:15:01.120] – Colette Basler
Es gibt immer einen Grund.

[00:15:06.460] – Colette Basler
Sie machen nicht einfach irgendwas anders oder machen nicht mit.

[00:15:13.860] – Colette Basler
Es gibt immer ein Grund, wieso sie so sind.

[00:15:16.340] – Colette Basler
Es trägt jeder seinen Rucksack und der ist bei jedem unterschiedlich gross.

[00:15:16.670] – Colette Basler
Hinten dran gibt es immer noch eine Familiengeschichte.

[00:15:23.360] – Colette Basler
Wenn man sich darum kümmert und das auch wissen will, dann kann man Kinder auch
anders behandeln und adäquat behandeln.

[00:15:37.370] – Colette Basler
Die Kinder vor die Türe zu stellen hilft den Kindern nicht.

[00:15:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafe als Erziehungsmethode, funktioniert nicht.

[00:15:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon gar nicht bei den neurodiversen Kindern.

[00:15:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort funktioniert es gerade noch mal nicht.

[00:16:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die alte Erziehungsmethode und die kommt immer wieder hervor.

[00:16:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafen und Belohnen.

[00:16:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer und die Lehrerin müssen die Kinder führen.

[00:16:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst sehr schön, die haben auch immer eine Familiengeschichte.

[00:16:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin, schaue natürlich die immer an.

[00:16:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche dann auch das System zu unterstützen.

[00:16:27.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich gehe auch auf die Eltern ein.

[00:16:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche dann den Lehrern anzurufen und zu sagen: man muss es so oder so
machen.

[00:16:32.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stosse ich oft auf Widerstand, also dass die Lehrer sich dann nichts sagen lassen
wollen.

[00:16:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du mir da raten, wie ich vorgehen muss, dass mir die Lehrer eher
zuhören?

[00:16:57.160] – Colette Basler
Ich glaube, es hat immer auch mit der eigenen Unsicherheit und mit Angst zu tun, dass
man so reagiert.

[00:17:03.820] – Colette Basler
Auch bei den Erwachsenen gibt es so einen Grund, wieso die so reagieren, wie sie
reagieren.

[00:17:14.040] – Colette Basler
Um das umsetzen zu können wie ich mir das vorstelle, müssten wir viel kleinere
Klassen haben.

[00:17:21.790] – Colette Basler
Ich habe jetzt zwei Leute im Kollegenkreis, die beide 27er-Klassen haben.

[00:17:34.790] – Colette Basler
Das geht nicht.

[00:17:35.880] – Colette Basler
Das ist unmöglich.

[00:17:37.170] – Colette Basler
Man kann sich gar nicht die Zeit nehmen, wie man es soll für die einzelnen Kinder.

[00:17:44.150] – Colette Basler
Ich kann mir gut vorstellen, als Lehrperson, wenn jemand sie so beratet, die Angst hat:
oh, wenn ich das mache, muss ich nachher bei diesen Kindern auch, und das geht gar
nicht.

[00:17:59.060] – Colette Basler
Die haben das Gefühl, die Lawine überrollt sie.

[00:18:05.240] – Colette Basler
Vielleicht auch die Angst: ja, jetzt kommt da jemand und sagt mir alles, was ich nicht
richtig mache, oder führt mir das vor Augen.

[00:18:13.960] – Colette Basler
Die Lehrpersonen können nicht akzeptieren, dass jemand von aussen einen anderen
Blick hat, eine andere Erfahrung, weil sie in dem Thema mehr zuhause ist.

[00:18:28.620] – Colette Basler
Es hat immer mit Ängsten zu tun.

[00:18:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das stimmt. Es ist Unsicherheit und von daher muss ich dann noch ein
bisschen mehr Geduld haben und noch ein bisschen länger warten.

[00:18:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schulleiter hat gesagt: sie kritisieren meinen Lehrer.

[00:18:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht kritisieren. Ich sage einfach: die Beziehung zwischen dem Schüler und
dem Lehrer ist kaputt.

[00:18:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Beziehung kaputt ist, dann kann man nicht mehr lernen.

[00:19:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es sogar gefährlich bei den Jugendlichen.

[00:19:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Schutz vom Lehrer und vom Schüler, muss ich die auseinandernehmen, denn
sonst kann es eskalieren.

[00:19:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht mir nicht um falsch, sondern es funktioniert nicht mehr.

[00:19:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas nicht mehr funktioniert zwischen zwei Personen und der eine ist ein
Jugendlicher und der andere ein erfahrener Lehrer, dann muss ich die
auseinandernehmen.

[00:19:28.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht einfach nicht.

[00:19:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich probiert habe im Aargau, an der PH irgendwas anzubieten, hat es immer
geheissen, wir haben das alles schon.

[00:19:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe dann nicht genügend insistiert.

[00:19:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Lehrerweiterbildung mache wollte, mein Oberarzt hat eine Zeit lang eine
Lehrerweiterbildung gemacht. Die sind sogar ins Tessin gegangen, für einen Workshop.

[00:19:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Lehrerweiterbildung habe ich es nicht geschafft. Vielleicht habe ich nicht lange
genug antichambriert.

[00:20:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe es nicht auf.

[00:20:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Einige Schulen haben mich selber reingeholt.

[00:20:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Schulen wollten eine Lehrerweiterbildung. Das war immer super!

[00:20:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Einzellehrer gehabt, die mich in die Schule geholt haben. Die habe ich
beraten im Umgang mit speziellen Schülern. Zum Teil habe ich die Schüler gar nicht
gesehen. Ich habe nur die Lehrer beraten und wir haben alle durchgebracht.

[00:20:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war an einer Bezirksschule.

[00:20:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einem natürlich grosse Freude gemacht.

[00:20:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein Teil dieser Schüler sind später dann als Erwachsene auch wieder zu mir
gekommen, weil sie gewusst haben, ich habe sie unterstützt während sie in der Schule
waren.

[00:20:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer hat mir dann gesagt, ich habe dem Lehrer gesagt: lass doch den mal einfach sein.

[00:20:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht nicht so viel an dem herum.

[00:20:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat funktioniert.

[00:21:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der studiert jetzt und hat X Abschlüsse gemacht.

[00:21:04.990] – Colette Basler
Das glaube ich sofort. Ich habe so einen Sohn, den man einfach sein lassen muss.
Dann funktioniert es.

[00:21:05.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemikerin, Familientherapeutin.

[00:21:21.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mir den Gruppenprozess an, ich schaue immer die Interaktionen an.

[00:21:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle ein Familiensystem hinten dran.

[00:21:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meistens kaputt, wenn es ganz schief läuft.

[00:21:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer.

[00:21:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die Interaktionen zwischen den Menschen an.

[00:21:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:21:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sowohl in der Medizin, als auch in der Schule geht das vergessen.

[00:21:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer werden beauftragt, nur nach einem Schema zu sozialisieren.

[00:21:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:21:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kinder sind verschieden.

[00:21:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen heutzutage auch Prozesse auf dem Pausenplatz.

[00:22:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Kinder, die sich gemobbt gefühlt haben in der Schule, nicht vom Lehrer,
sondern von anderen Kindern.

[00:22:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich das angehe, erlebe ich auch oft wieder ein Widerstand von den
Lehrpersonen, von den Schulleitern.

[00:22:20.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage mich: was könnte man machen, dass Lehrpersonen ein bisschen erfahrener
werden im Umgang mit einem Gruppenprozess und dass sie den Gruppenprozess mit
einbeziehen ins soziale Lernen?

[00:22:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Schule besteht nicht nur aus Fachwissen, sondern auch aus Sozialisation.

[00:22:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was könnte man da machen, dass die Lehrer da achtsamer sind und auf dem
Pausenplatz nicht nur miteinander schwatzen und den Gruppenprozess verpassen und
auch den Gruppenprozess zum Teil in der Klasse nicht so gut handhaben können?

[00:23:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist da deine Idee?

[00:23:03.600] – Colette Basler
Wir haben ja ganz viele Schulen, die das hervorragend machen und wo das gut
funktioniert.

[00:23:09.410] – Colette Basler
Wir sollten viel mehr von den Best Practice Schulen lernen und die zeigen.

[00:23:25.680] – Colette Basler
Schulleiter und Lehrpersonen sollten Vorträge vor den anderen Lehrpersonen halten.

[00:23:32.740] – Colette Basler
Es wäre so wichtig.

[00:23:36.250] – Colette Basler
Wir haben Schulen, die mit so unglaublich gutem Modell unterwegs sind.

[00:23:41.240] – Colette Basler
Sie individualisieren, haben Lerninseln. Das Kind und die Klasse entlasten, ohne den
Stoff zu verpassen. Das Kind kommt in die Klasse zurück und es geht normals weiter.

[00:23:44.390] – Colette Basler
Das geht ein halber Tag.

[00:23:45.590] – Colette Basler
Wir haben im ganzen Kanton leider noch keine verbindliche Schulsozialarbeit.

[00:23:46.790] – Colette Basler
Wir merken, welche Schulen eine Schulsozialarbeit haben und welche keine
Schulsozialarbeit haben. Das ist wichtig für die Gruppenprozesse.

[00:24:38.070] – Colette Basler
Mit einer Gruppe von Mädchen habe ich das gemerkt. Ich kann damit nicht umgehen
und gleichzeitig mit den anderen weiter arbeiten.

[00:24:41.780] – Colette Basler
Das hat mir die ganze Klasse blockiert.

[00:24:49.800] – Colette Basler
Ich habe die ganze Gruppe der Schulsozialarbeiterin mitgegeben.<

[00:25:04.820] – Colette Basler
Sie hat mit den Mädchen geredet und verhandelt.

[00:25:10.550] – Colette Basler

Wir mussten mit ihnen Verträge machen.

[00:25:10.661] – Colette Basler
Während dieser Zeit konnte ich mit dem Resten der Klasse weiterarbeiten.

[00:25:10.760] – Colette Basler
Es gibt Schulen wo das gut funktioniert, weil die Schule eine gute Kultur hat, weil die
Lehrpersonen zusammenarbeiten.

[00:25:10.880] – Colette Basler
Der Schulleitung und der Schulbehörde ist die Teambildung ein grosses Anliegen. Das
Team in einem Schulhaus ist sehr wichtig.

[00:25:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sollte man die Best Practice Schulen, zum Teil staatliche, zum Teil auch
private, die sollte man alle ein bisschen aufspüren und dass man dann die Modelle den
anderen zeigt.

[00:26:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass alle das Gleiche machen, aber dass man lernt voneinander.

[00:26:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre genau auch meine Vorstellung, dass man nicht von oben runter irgendwas
drüber stülpt sondern die, die gute Erfahrungen machen, und die gut funktionieren als
Team, dass die Vorzeigeobjekt sind.

[00:26:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden Schule mitmachen, wenn man das machen würde?

[00:26:24.880] – Colette Basler
Ja.

[00:26:25.600] – Colette Basler
Ich kenne Schulen, wo es Filme drüber gibt, die einen Preis bekommen haben.

[00:26:25.900] – Colette Basler
Für die Medien ist das nicht spannend. Man berichtet lieber über das, was nicht
funktioniert.

[00:26:26.060] – Colette Basler
Wir haben grossartige Schulen.

[00:26:55.220] – Colette Basler
Ich wehre mich gegen das, was wir jetzt immer hören.

[00:26:59.620] – Colette Basler
Man könnte meinen, unsere Schulen sind alle total am Abgrund. Das stimmt nicht.

[00:27:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das freut mich.

[00:27:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Würdest du das auch der Frau Martina Bircher, der Bildungsdirektorin im Aargau
sagen?

[00:27:21.060] – Colette Basler
Ja.

[00:27:21.400] – Colette Basler
Das habe ich schon mehrmals gemacht.

[00:27:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[00:27:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du schon mit ihr geredet über das?

[00:27:27.720] – Colette Basler
Wir sprechen über die Herausforderungen.

[00:27:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, bring das vor.

[00:27:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich sehr gut.

[00:27:37.360] – Colette Basler
Ich will nicht, dass man so etwas über den ganzen Kanton stülpt und sagt: so muss es
jetzt sein.

[00:27:50.440] – Colette Basler
Die Schulen, die gut arbeiten und gut unterwegs sind, die müssen wir einfach arbeiten
lassen.

[00:27:55.080] – Colette Basler
Den anderen müssen wir helfen.

[00:28:01.600] – Colette Basler
Die Schulen, die Schwierigkeiten haben, die müssen wir unterstützen, denen müssen
wir Fachleute an die Seite stellen, denen müssen wir helfen.

[00:28:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Überbring ihr das ganz persönlich.

[00:28:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit Martina Bircher getroffen und habe dann auch ein bisschen von
meinen Ideen erzählt.

[00:28:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kommst natürlich aus der Schule. Du hast da noch mehr.

[00:28:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wunderbar, wenn man mit dem Best Practice Modell im Aargau funktionieren
würde.

[00:28:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite nicht mehr im Aargau, aber es ist immer noch mein Heimatkanton und dort
ist es mir nicht egal.

[00:28:42.060] – Colette Basler
Ja.

[00:28:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Thema noch, das sind die neurodivergenten Kinder: ADHS/ADS.

[00:28:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt in den Medien ganz viel.

[00:29:00.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nur so weit, dass man die Diagnose stellt und die dann toll findet.

[00:29:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat unter den erfolgreichen Leuten sehr viele ADHS/ADSler, speziell unter den
Unternehmern.

[00:29:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Familien, wo ich sehe, wo die Talente in der Schule abgeklemmt
worden sind, nicht gefördert worden sind.

[00:29:24.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es reichere Familien sind, dann haben die oft eine Chance.

[00:29:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht so viel Talent verloren, in dem man nicht umgehen kann mit denen, weil sie halt
nicht ins Schema passen.

[00:29:37.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du als Lehrerin mit 20 Jahren Erfahrung sagen, was man da den Lehrer
und Lehrerinnen für Unterstützung geben müsste, dass sie besser mit diesen Kindern
umgehen können.

[00:29:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir landen die tragischen Fälle, mit vielen Krankheiten.

[00:29:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch solche, die es geschafft haben.

[00:29:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Was rätst du?

[00:30:07.200] – Colette Basler
Ich glaube es ist wichtig, dass Lehrpersonen wissen, was das mit so einem Kind macht.

[00:30:12.830] – Colette Basler
Die Kantonalkonferenz war voll.

[00:30:16.050] – Colette Basler
Das waren 300 Lehrpersonen.

[00:30:20.400] – Colette Basler
Nur schon der Morgen hat all diesen Lehrpersonen extrem geholfen, weil wir dort gehört
haben, was Kinder mit Autismusspektrumsstörung, ADHS/ADS, was das mit denen
machen kann und was die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben sind.

[00:30:42.620] – Colette Basler
Es sind dann ganz viele Fragen von Lehrerinnen gekommen.

[00:30:46.160] – Colette Basler
Wenn man weiss, dass das Kind etwas nicht absichtlich macht, sondern es funktioniert
einfach vielleicht anders. Es gibt einen Grund dafür.

[00:30:58.180] – Colette Basler
Dann kann man ganz anders damit umgehen.

[00:31:07.980] – Colette Basler
Es ist vielleicht nicht so gut, wenn man so ein Kind an das Fenster setzt.

[00:31:10.460] – Colette Basler
So ein Kind muss an einen Ort, wo es im Schatten ist, weil es ist sonst entweder vom
Licht gestört oder abgelenkt ist.

[00:31:21.330] – Colette Basler
Der Umgang mit dem Lärm oder mit dem Visuellen ist auch ganz wichtig.

[00:31:29.480] – Colette Basler
Wenn man das weiss, kann auch mit ganz vielen Massnahmen im Schulzimmer die
Situation zumindest ein bisschen entschärfen.

[00:31:52.920] – Colette Basler
Es ist das Thema vom Individualisieren. Es geht nicht, dass man alle über die gleiche
Leiste schlägt. Das geht nicht. Ich habe so einen Sohn.

[00:31:54.695] – Colette Basler
Ich habe auch an der Realschule unterrichtet, mit Kinder, die man nicht nach dem
Büchlein unterrichten konnte. Unser Sohn hat ein ADHS/ADS. Wir sind auf dem Hof.
Dort kann er sich genügend abregen. Man muss ihn machen lassen. Ich kann ihm nicht
sagen, dass er nach der Schule die Hausaufgaben machen muss. Er muss die
Hausaufgaben machen, wenn es für ihn stimmt.

[00:33:19.320] – Colette Basler
Mein Sohn hat sich im Alter von 20 Jahren selber abklären lassen.

[00:33:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Oh Wunder. Er hat die Diagnose immer gehabt.

[00:33:26.960] – Colette Basler
Er hat ein starkes ADHS/ADS. Er geht damit selber um. Er will keine Medikamente. Er
hat sich selber seine Strategie zurecht gelegt. Ich finde das grossartig.

[00:33:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut!

[00:33:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin immer noch Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:33:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du als Lehrerin der Fachgruppen von den Psychiatern sagen, wie sie es
machen müssen, dass die Lehrer ein bisschen mehr Unterstützung bekommen, damit
das Wissen ein bisschen mehr verbreitet wird?

[00:34:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen über ADHS/ADS soll nicht nur in den Medien als Reklame verwendet
werden, sondern dass tatsächlich auch eine Sensibilisierung passiert und ein besserer
Umgang.

[00:34:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du unserer Fachrichtung raten, wie wir machen können?

[00:34:29.000] – Colette Basler
Das Thema muss in die Ausbildung der Lehrpersonen. Das ist klar. Um das kommen wir
nicht herum.

[00:34:32.720] – Colette Basler
Wir haben jetzt gerade Budgetdebatten im Aargau und wir wollen ganz viel sparen,
auch in der Bildung.

[00:34:54.140] – Colette Basler
Wir wollten das Jugend-und Kinderhilfegesetz den Bach runter schicken.

[00:35:00.910] – Colette Basler
https://sp-aargau.ch/kampagne/kinder-und-jugendhilfegesetz-retten/

[00:35:00.910] – Colette Basler
Das haben wir gestern gerade noch geschafft, mit viel Arbeit im Hintergrund, damit das
nicht passiert.

[00:35:07.730] – Colette Basler
Die politischen Mehrheiten sind schwierig und verhindern genau solche Dinge.

[00:35:21.360] – Colette Basler

Das Thema in der Politik war der Sexualkunde Unterricht.

[00:35:28.730] – Colette Basler
Das geht für mich in eine ähnliche Richtung.

[00:35:34.780] – Colette Basler
Dort brauchen wir Fachleute.

[00:35:36.460] – Colette Basler
Die Aussage oder die Meinung von gewissen Leuten ist: das kann die Lehrperson
selber machen.

[00:35:45.340] – Colette Basler
Nein, das kann nicht jede Lehrperson selber machen.

[00:35:46.270] – Colette Basler
Das psychologische Wissen, das kann man haben, zu einen gewissen Teil, rudimentär.

[00:35:56.700] – Colette Basler
Man ist nicht ausbildet als Psychologin oder Psychologe.

[00:36:01.740] – Colette Basler
Also muss man für gewisse Sachen Fachleute haben.

[00:36:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Medizinerin schaue ich kritisch zu, wo in der Medizin Geld ausgegeben wird.

[00:36:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin gehen die Prämien immer hoch. Alle Gesundheitskosten gehen immer
hoch.

[00:36:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir in der Schule mehr Lehrer unterstützen würden, mit den ADHS/ADS Kindern
besser umzugehen, würden wir massiv Geld sparen im
Gesundheitsversorgungssystem.

[00:36:42.880] – Colette Basler
Natürlich.

[00:36:43.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt läuft es genau anders.

[00:36:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden rausgedrückt.

[00:36:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer noch etwas dazu.

[00:36:45.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch wird wahnsinnig viel Geld ausgegeben.

[00:36:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusätzlich wird dann die medizinische Versorgung noch ökonomisiert.

[00:36:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verdienen Geld damit und wir verdienen Geld, wenn man möglichst viel behandelt
und nicht, wenn man gesund macht.

[00:37:05.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ADHS/ADS Kinder gesund aufwachsen können, muss man schon in der Krippe,
im Kindergarten, in der Primarschule, also im Schulsystem ansetzen.

[00:37:19.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin hundertprozentig überzeugt, man könnte ganz viel Geld sparen.

[00:37:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber wie bringt man das den Politikern bei?

[00:37:27.580] – Colette Basler
Das sage ich schon immer: Was wir unten nie buttern, haben wir oben nicht und oben
haben wir viel mehr.

[00:37:35.620] – Colette Basler
All die niederschwelligen Beratungen. Darum ist Schulsozialarbeit so wichtig.

[00:37:41.380] – Colette Basler
Alles, das man niederschwellig abfangen kann, hat man nachher nicht.

[00:37:45.360] – Colette Basler
Wenn die Kinder nicht dann eine Beratung bekommen, wenn sie sie eigentlich
bräuchten, dann wird das Problem einfach grösser und nachher braucht man mehr
Beratung.

[00:37:57.000] – Colette Basler
Wir haben jetzt immerhin erreicht, dass man sich einig ist in der Politik, dass die frühe
Förderung wichtig ist.

[00:38:10.230] – Colette Basler
Da sind wir jetzt dran.

[00:38:10.600] – Colette Basler
Auch das Thema: Deutsch vor dem Kindergarten.

[00:38:10.800] – Colette Basler
All die Geschichten, welche dazu führen, dass die Schere weniger gross ist beim Eintritt
in die Schule, in den Kindergarten.

[00:38:17.400] – Colette Basler
Ich hoffe stark, dass diese Massnahmen nicht zusammengestrichen werden.

[00:38:34.010] – Colette Basler
Aufgrund von diesen politischen Vorstössen, muss auch etwas gemacht werden bei der
Ausbildung von den Krippenleiterinnen und Betreuerinnen von Kindern, in den
Kinderkrippen.

[00:38:52.650] – Colette Basler
Die müssen jetzt in der Ausbildung auch andere Sachen lernen. Das ist richtig, aber für
das braucht es auch die Ressourcen.

[00:39:05.000] – Colette Basler
Das ist tatsächlich die Herausforderung.

[00:39:08.170] – Colette Basler
Die Mehrheit muss glauben, dass es wichtig ist.

[00:39:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wieder, das ist die Prävention.

[00:39:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit ich im Aargau gearbeitet habe 1980, war ich immer für Prävention.

[00:39:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine sehr effektive Prävention, nicht schon bei einem Symptom anzufangen.

[00:39:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache mich lustig und sage: viel Wissen zur Krankheit macht nicht gesund. Sonst
wären wir Ärzte alle gesund.

[00:39:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind wir überhaupt nicht. Wir sind eine Risikogruppe.

[00:39:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel früher investieren in die Erziehung, in die Sozialisierung, in die
Unterstützung von fehlgelaufenen oder unterstützungsbedürftigen Familensystemen
und natürlich auch Schulsystemen.

[00:40:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast Du noch eine Frage an mich? Hast Du einen Ratschlag für mich?

[00:40:17.880] – Colette Basler
Der mit den Ratschlägen finde ich immer schwierig.

[00:40:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:40:25.760] – Colette Basler
Genau. Etwa so.

[00:40:27.160] – Colette Basler
Ich finde das wirklich sehr herausfordernd, wo wir gerade drinnen stecken.

[00:40:37.660] – Colette Basler
Mein Unfall hat sicher auch das Seine dazu getan, dass ich die Sachen klarer sehe.

[00:40:46.046] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/kanton-aargau/sp-grossraetin-es-ist-ein-wunder-dass-ich-ueberlebt-habe-colette-basler-spricht-erstmals-seit-ihrem-schweren-unfall-ld.2755251

[00:40:46.190] – Colette Basler
Wir müssen einander wieder mehr Sorge tragen. Für einander schauen.

[00:40:46.277] – Colette Basler
Ja richtig.

[00:40:46.340] – Colette Basler
Wir können es nur zusammen tun.

[00:40:46.430] – Colette Basler
Wir müssen unsere Energie brauchen, um zu schauen, dass wir das, was wir können,
beeinflussen und verändern, dass wir uns da drin reinbegeben und daran glauben, dass
es gut kommt und an das Positive glauben, wirklich.

[00:41:49.040] – Colette Basler
In der ganzen Schulthematik, die Kinder sind unsere Zukunft.

[00:41:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Richtig.

[00:41:58.560] – Colette Basler
Ich bin natürlich sich sehr froh um Leute wie dich, die sich um genau das Klientel, sage
ich jetzt mal, ganz fest kümmern wollen und die auch möchten, dass eure Botschaften
und eure Erkenntnisse in die Schulen rauskommen.

[00:42:20.410] – Colette Basler
Was ich euch mitgeben kann:

[00:42:25.270] – Colette Basler
Ich hatte ein Erlebnis mit dem Kinder-und Jugendhilfegesetz, wo die letzte Woche, zehn
Minuten vor Sitzungsende, der Entwicklungsschwerpunkt herausgeflogen ist auf einen
Antrag, der geheissen hat: mit der Deutschförderung vor dem Kindergarten haben wir
eigentlich alle Themen Kinder-und Jugendhilfe schon erledigt und jetzt kann man den
Entwicklungsschwerpunkt streichen. Das ist obsolet geworden, dann sparen wir
800'000 Franken.

[00:43:02.640] – Colette Basler
Dann hat die politische Mehrheit das durch gewunken.

[00:43:05.900] – Colette Basler
Alle sind auf dem falschen Fuss erwischt worden, weil das ist unankündiget gekommen
ist und niemand konnte sich darauf vorbereiten.

[00:43:14.140] – Colette Basler
Es ging ein Raunen durch alle.

[00:43:14.750] – Colette Basler
Die einen Verbände haben reagiert.

[00:43:28.240] – Colette Basler
Dann haben wir innerhalb von einer Woche eine Gruppierung zusammengebracht aus
Politikerinnen und Politikern und den Verbänden. Alle, die unter dem Dach von Avusa
sind, die 52 Stiftungen, das ist schon richtig viel. Plus Bildung Aargau, plus der
Schulleiterverband.

[00:43:54.600] – Colette Basler
Die haben alle auf ihrem Weg und mit ihren Möglichkeiten geredet mit Politikerinnen
und Politikern. Wir haben es geschafft, gestern ein Rückkommen zu Stande zu bringen.

[00:44:05.450] – Colette Basler

Wir haben eine Petition abgegeben mit über 8'000 Unterschriften.

[00:44:05.450] – Colette Basler
Wir haben sogar nachher, es sind zwei Abstimmungen gewesen, den
Entwicklungsschwerpunkt, also die Streichung wieder rückgängig gemacht.

[00:44:28.780] – Colette Basler
Das hat mir gezeigt, das ist mein Learning, dass wenn man zusammenhält und
zusammenarbeitet und daran glaubt, dass es gelingen kann.

[00:44:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Toll.

[00:44:38.740] – Colette Basler
Das war grossartig.

[00:44:44.790] – Colette Basler
Es ist ganz wichtig, dass all die Menschen, die so viel gut machen, sich kümmern um
die Kinder, denen ihr Weiterkommen, ihr Wohlbefinden, sei es Psychiaterinnen, sei es
Therapeutinnen, sei es was auch immer, die Lehrpersonen, sie müssen politischer
werden.

[00:45:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay.

[00:45:17.620] – Colette Basler
Das hat nichts zu tun mit Parteipolitik, überhaupt nicht.

[00:45:21.220] – Colette Basler
Sondern sich interessieren darum, was die Politik macht.

[00:45:28.400] – Colette Basler
Wenn sie merken, es geht in eine völlig falsche Richtung, reden mit den Leuten und
sagen: hey, aber denkst du daran? Und so.

[00:45:41.600] – Colette Basler
Ich glaube, eben schon, dass es etwas hilft und wir können so viel bewirken, wenn man
zusammensteht, so unglaublich viel.

[00:45:52.900] – Colette Basler
Der Bauernverband kann das und wir sind ganz wenig.

[00:46:08.980] – Colette Basler
Es ist, weil wir zusammenhalten.

[00:46:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Ich denke, das ist ganz toll.

[00:46:17.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es tut mich bekräftigen, wenn du sagst, wir Fachpersonen sollten politischer werden.

[00:46:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Jahren habe ich eine Gesundheitstagung geplant und habe dann Gesundheitspolitik
im Kanton Aargau gemacht.

[00:46:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat der Politiker gesagt: ich habe keine Politik zu betrieben, das macht nur er.

[00:46:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich dann die Tagung umbenannt: Gesundheitsversorgung.

[00:46:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann konnte er nichts mehr sagen.

[00:46:43.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einem späteren Regierungsrat habe ich dann die Tagung durchgeführt.

[00:46:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Stichwort, was du sagst: wir müssen zusammenarbeiten.

[00:46:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Zusammenarbeit, berufsübergreifend zusammenarbeiten.

[00:47:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer, Psychiater, Psychologen, Politiker, in dem wir fachübergreifend
zusammenarbeiten, gibt es noch mal etwas Besseres.

[00:47:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich danke ich dir ganz herzlich, dass du mir das Keyword gegeben hast:
zusammenarbeiten.

[00:47:25.080] – Colette Basler
Sehr gerne.

[00:47:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit bringt mehr als nur die Kompetition.

[00:47:31.160] – Colette Basler
Die Kompetition bringt uns einfach nicht weiter, wie lösen kein einziges Problem damit.

[00:47:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zusammenarbeiten, verschiedene Bereiche, verschiedene Situationen, aus
verschiedenen Erfahrungen heraus.

[00:47:39.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit unter den Schulen, die erfolgreich sind, mit anderen Schulen,
nicht die Kompetition, der ist besser und der ist schlechter, sondern zusammenarbeiten,
lernen voneinander. Das denke ich, ist eine ganz wichtige Aufgabe.

[00:48:01.960] – Colette Basler
Ich bringe das gerne weiter.

[00:48:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke dir, dass du gekommen bist.

[00:48:03.770] – Colette Basler
Ja, sehr gerne.

[00:48:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir beim Thema "Zusammenarbeit" aufhören können.