Jugendliche zwischen Stuhl und Bank beim Berufseinstieg

Tagung Hochschule für Heilpädagogik, Zürich

„Zwischen Stuhl und Bank beim Berufseinstieg“

Ort: Schaffhauserstrasse 239, 8050 Zürich

„Jugend im Spannungsfeld zwischen müssen, können und wollen.

Das PDF zur Tagung: Berufseinstieg: zwischen Stuhl und Bank

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Transkription

Unterlagen zum Workshop

Jugend im Spannungsfeld zwischen
Müssen, Können und Wollen
__________________________________________________________

Dr. med. Ursula Davatz
http://www.ganglion.ch; http://schizo.li/

Hochschule für Heilpädagogik in Zürich
Tagung vom 29.10.2016, 09.00 Uhr – 16.30 Uhr

Berufseinstieg zwischen Stuhl und Bank

Workshop
– Die Berufsfindung ist eine der wichtigsten und weichenstellenden Ent-
scheidungen im Leben, wie auch die Partnerwahl.
– Sie findet während der Phase der Ablösung statt.
– Eltern können dabei hilfreich sein oder auch hinderlich. Dasselbe gilt
für andere erwachsene Bezugspersonen wie Lehrer, Berufsberater,
Sozialarbeiter etc.
– Die Berufswahl kann nach Chancen und Möglichkeiten in der Gesell-
schaft getroffen werden – häufig hört man dies von Berufsberatern.
– Oder sie kann nach eigenen Neigungen und Eignungen nach dem ei-
genen Talent, nach der Berufung erfolgen.
– Hier können Eltern hinderlich wirken, wenn sie ihr Kind nach den eige-
nen Wünschen und Vorstellungen zu beeinflussen versuchen oder
auch nur unbewusst beeinflussen.
– Kinder haben feine Antennen und spüren was die Eltern wollen und
was nicht.
– Sensible Jugendliche spüren es umso mehr. Ist dieser elterliche
Wunsch sehr stark, ist der Jugendliche nicht mehr in der Lage, seine
eigenen Wünsche und Begabungen wahrzunehmen, er kann dann nur
noch verneinen oder sogar psychisch krank werden.

2

– Hier setzt die Kunst des “Aufmerksam-Warten-Können“ ein, ohne die
Jugendlichen zu irgendetwas zu drängen.
– Ein Zwischenjahr, ein Praktikum oder eine Auslanderfahrung können
dann hilfreich sein.

Schlussbemerkung
– Um den hinderlichen Einfluss der Eltern etwas zu lindern oder gar
auszuschalten, sollte man immer nach den nicht verwirklichten elterli-
chen Berufswünschen fragen!
– Die Jugendlichen sollten eher dahin angehalten werden, ihren Ent-
scheid nach ihrer inneren Berufung zu treffen und nicht nach den ge-
rade aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen.

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

29.10.2016
Jugendliche zwischen Stuhl und Bank beim Berufseinstieg
Audio

[00:00:00.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen.

[00:00:03.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es freut mich natürlich, dass der Saal so voll ist.

[00:00:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht zuerst ein paar einführende Gedanken zu meiner Person.

[00:00:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:00:16.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher betrachte ich alles systemisch und immer prozessartig.

[00:00:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht mir nicht um Diagnose, sondern Prozessbegleitung.

[00:00:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche nach Lösungen innerhalb von dem Prozess.

[00:00:29.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit den Extremen befasst in der Psychiatrie, mit der Schizophrenie

[00:00:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich seit 30 Jahren mit dem ADHS/ADS.

[00:00:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ADHS/ADS wird immer bekannter.

[00:00:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Diagnose, es ist ein Neurotyp.

[00:00:54.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ganz spezifischer Neurotyp mit gewissen Veranlagungen, die genetisch
weitergegeben werden, der vulnerabel ist auf äussere Einflüsse.

[00:01:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADS Neurotyp entwickelt in 80% der Fälle eine sekundäre psychiatrische
Krankheit.

[00:01:13.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne habe ich mich mit ADHS/ADS und Schizophrenie befasst und mein
Buch geschrieben: ADHS und Schizophrenie: Wie emotionale Monsterwellen entstehen
und wie sie behandelt werden.

[00:01:13.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Über 17 Jahre habe ich beobachtet, begleitet, meine Theorie gemacht und dann
niedergeschrieben.

[00:01:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme aus der Praxis.

[00:01:30.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine Statistiken, ich habe keine Powerpoint Präsentation.

[00:01:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kann nur reden.

[00:01:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde gerne mit Ihnen interagieren, dass sie mir noch Fragen stellen können.

[00:01:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Verstehen alle Schweizerdeutsch oder muss ich für irgendjemanden wechseln auf
Hochdeutsch?

[00:01:51.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen wir es beim Schweizerdeutsch, so wie uns der Schnabel gewachsen ist, unsere
primäre Sprache.

[00:02:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Titel von meinem Workshop habe ich jetzt gewählt, lautet: Jugend im
Spannungsfeld zwischen 'Müssen', 'Können' und 'Wollen'.

[00:02:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wir sollten ja alle einen Beruf lernen, aber es läuft nicht immer recht.

[00:02:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: Können wir das, was von uns erwartet ist?

[00:02:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen wir das, was von uns erwartet ist?

[00:02:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man die Jugendlichen fragen.

[00:02:28.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Berufseinsteg respektiv die Berufsfindung, man weiss ja oft nicht, was man will.

[00:02:37.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Berufsfindung ist etwas vom schwierigsten im Leben und ist eine absolut
weichenstellende Angelegenheit für einen Mensch.

[00:02:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ähnlich weichenstellend, vielleicht noch mehr weichenstellend als die Partnerwahl.

[00:02:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die erufswahl ist etwas ganz, ganz Wichtiges.

[00:02:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Partnerwahl kann man auch wieder wechseln.

[00:03:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Beruf kann man an sich auch wieder wechseln, aber es ist nicht immer so einfach.

[00:03:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist die Partnerwahl zu Wechseln noch einfacher.

[00:03:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es gibt ja heute viele mit mehrerer Erfahrung.

[00:03:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern, die Lehrer, Bezugspersonen, Onkel, Tante, Grossmutter, können hilfreich
sein bei dieser Berufsfindung oder bei dieser Berufswahl oder sie können aber auch
behindernd sein.

[00:03:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Berufswahl kann nach Möglichkeiten und Chancen in der Gesellschaft gewählt
werden.

[00:03:46.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Berufsberater sagt: Wähl das? Dort hat es freie Lehrstellen.

[00:03:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter oder der Vater sagt: Wähle diesen Beruf, dann hast Du gute
Verdienstmöglichkeiten. Dann kannst Du immer beim Staat angestellt sein.

[00:03:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kriterien der Gesellschaft, nach der Zeit, nach dem Zeitgeist, dass man danach
wählt. Das ist eine Wahlmöglichkeit.

[00:03:59.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre von den Berufsberatern respektive von den Jugendlichen oder den
Erwachsenen, die ich dann später in der Psychiatrie habe, dass sie den Beruf gewählt
haben, weil der Berufsberater das und das gesagt hat.

[00:04:23.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat seine Tücken. Das kann gut gehen, aber es kann auch schlecht gehen.

[00:04:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre die Berufswahl nach gesellschaftlichen Kriterien, nach familiären Kriterien,
nach Erwartungshaltungen.

[00:04:35.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein anderer Weg der Berufswahl ist nach den eigenen Neigungen und Fähigkeiten, die
man manchmal noch gar nicht recht weiss oder kennt.

[00:04:47.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu dem Zeitpunkt der Berufswahl macht man eine Weichenstellung.

[00:04:54.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Charlie Chaplin hat gesagt: An den Scheidewegen des Lebens stehen keine
Wegweiser.

[00:04:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zusätzlich die Entscheidung selber treffen.

[00:05:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können die Jugendlichen beeinflusst werden, gut oder schlecht beeinflusst werden.

[00:05:12.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Berufswahl ist etwas ganz Wichtiges, um später im Leben bestehen zu können um
erfolgreich zu sein, um überleben zu können.

[00:05:21.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn gesellschaftliche Kriterien ins Feld geführt werden, da spielt die Gesellschaft, die
Gruppe, spielt eine Rolle. Das Kollektiv spielt eine Rolle. Das Individuelle spielt nicht so
ein grosse Rolle.

[00:05:35.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen können uns besser verwirklichen, wenn wir unsere verschiedenen
Fähigkeiten zuerst einmal erkennen und dann zum Ausdruck bringen.

[00:05:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Biologie redet man von Einzelselektion und Gruppenselektion.

[00:05:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man "kin selection".

[00:05:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Population überlebt als Ganzes.

[00:06:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen.

[00:06:03.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:06:05.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir überleben besser, wenn wir sozial gut funktionieren.

[00:06:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein biologisches Gesetz besagt: Die Population überlebt besser, wenn sie inhomogen
ist.

[00:06:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Population viel verschiedene Individuen hat mit vielen verschiedenen
Fähigkeiten.

[00:06:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Population überlebt schlechter, wenn sie homogen ist, wenn alle die gleichen
Fähigkeiten haben und alle das gleiche machen.

[00:06:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage, ist eine wahnsinnig starke Normierungstendenz da. Das heisst, man will
alles normieren.

[00:06:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe es in der Medizin, ich sehe es jetzt in der Berufsbildung.

[00:06:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist einerseits interessant und okay.

[00:06:48.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Überleben her geht, überlebt eigentlich die Population besser, wenn es
individualisiert ist.

[00:06:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen immer eine Mischung finden zwischen Norm, Kollektiv und dann
kollektivfähig und individuellen Fähigkeiten.

[00:07:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von den ADHS/ADS Kindern redet, dann sind das natürlich meistens Leute,
die überhaupt nicht in die Normen hinein passen.

[00:07:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist eine Normvariante.

[00:07:18.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit, sondern eine Normvariante.

[00:07:21.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Normvariante muss man Rechnung tragen, damit das trotzdem zu seiner
Ausbildung kommt.

[00:07:31.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Ärztin plädiere natürlich dafür, die Berufswahl zu machen nach Neigungen und
Eignungen, nach individuellem Talent und persönlicher Berufung.

[00:07:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Elteren können dabei sehr hinderlich sein.

[00:07:47.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eltern sind sie hinderlich, wenn sie die Vorstellung haben, ihr Kind muss das
erreichen, was sie nicht erreicht haben oder muss mindestens auf den Stand kommen,
den sie haben.

[00:08:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern schon hoch sind, dann wollen sie ja keinen Abstieg.

[00:08:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern keine Ausbildung machen konnten, weil das Geld nicht vorhanden war,
weil die familiären Umstände nicht geeignet waren, dann wollen sie, dass ihr Kind das
macht.

[00:08:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben also eine Erwartungshaltung an die nächste Generation, die etwas
verwirklicht, was sie noch nicht verwirklicht haben.

[00:08:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Talente vom Kind dieser Erwartungshaltung entsprechen, dann ist das
wunderbar. Dann funktioniert das bestens.

[00:08:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wolfgang Amadeus Mozart wurde von seinem Vater gefördert.

[00:08:31.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide waren musikalisch sehr talentiert.

[00:08:35.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wolfgang Amadeus Mozart hat es weit gebracht, allerdings auch mit Abstrichen,
Krankheiten und so weiter.

[00:08:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Es kann gut laufen, wenn die Vorstellungen, die Wünsche der Eltern den Begabungen
entsprechen.

[00:08:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind den Wünschen und Vorstellungen nicht entspricht, dann gibt grosse
Probleme.

[00:09:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder und ADHS/ADS-Kinder ganz speziell merken, was da die Wünsche sind von
den Eltern, auch wenn die nie ausgebrochen worden sind.

[00:09:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben Antennen, wo sie spüren, ah, der Vater möchte gerne das
und die Mutter möchte das.

[00:09:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn es der Vater oder die Mutter nie gesagt haben, die Kinder nehmen es wahr.

[00:09:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder wollen immer ihren Eltern gefallen.

[00:09:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo das Kind das nicht erfüllen kann, was die Eltern vom Kind erwarten,
was hat das Kind, der/die Jugendliche dann für eine Wahl?

[00:09:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es nur Nein sagen, blockieren.

[00:09:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann dann einfach keinen Beruf wählen und im schlimmsten Fall psychisch
krank werden.

[00:09:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Möglichkeit, dass man in die Psychiatrie abdriftet und dann muss man keine
Berufswahl mehr treffen.

[00:09:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man krank.

[00:09:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle kommen die Mediziner, Psychiater.

[00:09:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mediziner suchen dann nach Symptomen, wir sehen Krankheiten.

[00:10:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen dann von Symptombehandlung.

[00:10:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Symptome behandeln.

[00:10:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind alle in einer Entwicklungsphase und da würde eigentlich die
Berufsfindung dazugehören.

[00:10:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin und Familientherapeutin, habe ich viele Jugendliche begleitet und ich
schaue immer mit ihnen, wo sie eigentlich hinwollen und was wäre da die
Berufsfindung?

[00:10:35.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die Berufsfindung bei den Jugendlichen laufen kann, damit die Jugendlichen
nicht gestört werden durch die enttäuschten Erwartungshaltungen von ihren Eltern oder

vielleicht auch von den Grosseltern, muss ich dann immer bei den Eltern nach ihrem
eigenen Berufswunsch und ihrem unerfüllten Berufswunsch fragen.

[00:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben sich verwirklicht, dann ist das nicht so schwierig.

[00:11:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben sich nicht verwirklicht.

[00:11:00.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo ich nach dem Berufswunsch frage, lege ich das auf den Tisch. Dann
verstehe ich auch besser, warum sich das Kind nicht in diese Richtung entwickeln kann.

[00:11:17.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss auf beiden Seiten fragen.

[00:11:19.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss beim Vater fragen nach seinem Berufswunsch, ich muss bei der Mutter fragen
nach dem Berufswunsch und dann schauen, wo schwebt der der Jugendliche da
zwischen drinnen.

[00:11:34.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt, man hat heute davon geredet, dass in der Wirtschaft die Anforderungen immer
grösser sind, mehr Leistung etc.

[00:11:43.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle keine Zeit mehr, es pressiert immer.

[00:11:47.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher drängen oft die Eltern mit: Er muss jetzt endlich wissen, was er will.

[00:11:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern drängen dann immer: Was willst du, was willst, was willst du?

[00:11:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS wirkt das drängen sehr negativ. Es blockiert sie, sie wissen dann nichts
mehr, sie können keinen eigenen Entscheid treffen, sie bocken einfach.

[00:11:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADS Kind, er hat eine Ausbildung gemacht, die Eltern drängen auf: Mach
endlich etwas.

[00:12:23.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Er beginnt Sachen, um zu merken, dass er es gar nicht möchte. Dann muss er krank
werden, zum zeigen, dass er es nicht möchte.

[00:12:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann nicht selber sagen: Ich will das nicht.

[00:12:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich hat er wieder ein schlechtes Gewissen, dass er jetzt die Eltern nicht
befriedigt hat und er hört Stimmen, die ihn kritisch beurteilen und sagen, er tauge
nichts. Hier sind wir wirklich in einem Teufelskreis.

[00:12:39.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorrednerin hat gesagt, dass ein Zwischenjahr nicht gut ist, man solle möglichst
schnell, direkt von der Schule in den Beruf einsteigen.

[00:12:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Theoretisch stimmt das, statistisch wahrscheinlich auch.

[00:13:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage, wenn die jungen Menschen dann unter Stress stehen, dass sie eine
Entscheidung treffen müssen und sie können es nicht, dann wird ein falscher falscher
Entscheid getroffen und dann läuft es überhaupt nicht.

[00:13:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage sie dürfen ein Zwischenjahr machen. Irgendwas Sinnvolles und das
Zwischenjahr muss begleitet werden.

[00:13:34.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeutin begleite ich das ganze Familiensystem.

[00:13:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite die Eltern.

[00:13:41.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern gut mit mir zusammen arbeiten, dann muss meine Begleitung niemals
einmal pro Woche sein.

[00:13:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist es nur alle drei Monate und Krisenintervention.

[00:13:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Zwischenjahr ja, aber begleitet. Nicht einfach alleine.

[00:13:59.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System darf nicht einfach sich selber überlassen sein, denn sonst passiert eine
Krise und es entgleitet.

[00:14:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Um den hinderlichen Einfluss von den Eltern ein bisschen zu bremsen, frage ich immer
nach denen ihren Berufsvorstellungen, nicht erfüllten Berufswünschen.

[00:14:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Jugendlichen, bei den 20-30 Jährigen, auch ältere, ich habe viele im Beruf
begleitet.

[00:14:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich als Psychiaterin gehe immer nach dem Motto: Eigene Neigung,
Begabung, Begeisterung

[00:14:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ihnen auch, dass sie nichts nehmen sollen, dass ihnen nicht entspricht.

[00:14:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich ihnen auch, wenn sie auf das RAV gehen müssen.

[00:14:56.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch bei 60-Jährigen, wenn sie auf das RAV gehen müssen.

[00:15:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollen nicht einfach nur eine Stelle nehmen, damit sie etwas haben und damit die
RAV Beraterin zufrieden ist.

[00:15:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Ihr müsst nach eurer Begabung wählen.

[00:15:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nach der eigenen Begabung wählt, dann hat man die grösste Chance,
erfolgreich zu sein.

[00:15:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war im Workshop vom ADHS/ADS Coach.

[00:15:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen haben Schwierigkeiten, sich auf etwas zu konzentrieren.

[00:15:43.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist da die leichte Ablenkbarkeit, die Aufmerksamkeitsstörung.

[00:15:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Menschen etwas finden, was sie interessiert, dann können sie sich
hyperfokussieren.

[00:15:55.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche natürlich nach Möglichkeiten, nach dem, was ihnen entspricht.

[00:15:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können ADHS/ADS Menschen auch vorwärts gehen.

[00:16:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit mit der IV, ich komme aus dem Aargau, ich bin nicht begeistert
von der IV im Aargau.

[00:16:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eher Schwierigkeiten gehabt, ich habe bis zum Bundesrat geschrieben, Didier
Burkhalter.

[00:16:14.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Bundesrat läuft immer alles zur besten Zufriedenheit.

[00:16:25.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon mehrmals an die Leiterin/Leiter der IV im Aargau geschrieben, er soll
doch bitte mit uns etwas machen, besser zusammenarbeiten.

[00:16:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort lautet dann immer: Es läuft alles bestens, wir haben alles im Griff.

[00:16:39.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen an meine Ausbildung kommen.

[00:16:40.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Leitspruch für eine erfolgreiche, berufliche Eingliederung von Jugendlichen mit oder
ohne ADHS/ADS, ist es ganz wichtig, dass man eine individuelle Begleitung macht, eine
massgeschneiderte Begleitung macht.

[00:17:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sachen, die angeboten werden, sollen natürlich ausgenutzt werden.

[00:17:06.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache auch berufliche Eingliederung, indem ich den Leuten sage: Okay, wir
nehmen eine IV-Rente, da haben wir Ruhe. Dann können wir die Person wieder in Ruhe
eingliedern. Es gibt keine andere Massnahmen.

[00:17:18.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sagen, was sie machen sollen.

[00:17:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich die Hände frei und sie haben das Geld.

[00:17:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Patientin, die ist nicht mehr adoleszent.

[00:17:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat eine volle Berufsausbildung gehabt, hat dann die Diagnose Borderline
bekommen, Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie hat eine IV-Rente.

[00:17:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gesucht, was ihre Sache wäre.

[00:17:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat die Bäcker-Konditor Lehre gemacht.

[00:17:45.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will sie nicht mehr.

[00:17:46.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie ein eigenes Geschäft, wo sie Babyshooting macht.

[00:17:51.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht super Fotos.

[00:17:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alles gemacht mit der Rente.

[00:17:54.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben miteinander absolut individuell die berufliche Eingliederung gemacht.

[00:18:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Kantonsschülerin, ein schweres ADHS/ADS.

[00:18:04.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat gefehlt, die wäre beinahe rausgeflogen.

[00:18:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe ihr gesagt, dass sie mit dem Vater für zwei Wochen jeden Tag in die Schule
gehen muss. Sie hatte die Schule verweigert und hatte dann Angst wieder in die Schule
zu gehen.

[00:18:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihr gesagt, dass sie wieder nach Hause gehen darf, wenn es ihr nicht passt
oder wenn es ihr zu langweilig ist oder sie es nicht mehr aushält.

[00:18:13.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben die Lehrer natürlich überhaupt nicht verstanden. Das ist absolut
unpädagogisch. Es hat funktioniert, sie hat die Matur gemacht.

[00:18:33.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollte zuerst eine zeichnerische Ausbildung machen.

[00:18:33.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie Mathematik studiert und sie doktoriert.

[00:18:43.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hätte genauso gut voll rausfliegen können und eine psychiatrische Karriere machen
können.

[00:18:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein dritter Fall. Der ist als ADHS/ADS diagnostiziert worden von seiner Kinderärztin, in
der Pubertät kurz vor dem Schulabschluss.

[00:18:58.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann die Familie übernommen. Ich habe den Vater vielleicht zweimal beraten,
die Mutter ungefähr fünfmal, immer Krisenintervention.

[00:19:06.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Er hat sogar eine Lehrstelle gefunden. Ich habe dem Lehrmeister angerufen und
gesagt, dass ich mithelfen werde, falls der Lehrmeister etwas benötigt.

[00:19:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrmeister sagte, dass er ihn gerne nehmen würde, aber etwas sei komisch an
ihm.

[00:19:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: Ja, es ist ein ADHS/ADS Kind. Sie müssen ihn ganz nahe zu sich
hernehmen und sie geben ihm alle Befehle. Sie sind sein Meister. Er muss gut geführt
werden.

[00:19:27.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat der Lehrmeister für eine Jahr gemacht und dann einem anderen übergeben.

[00:19:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat es nicht mehr funktioniert und er ist rausgefallen aus der Lehre.

[00:19:49.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familie hat mich immer wieder reingeholt, wenn eine Krise war.

[00:19:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat eine neue Lehrstelle gefunden und er hat die Lehre abgeschlossen.

[00:19:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Abschlussarbeit hat er mich interviewt zum Themas ADHS/ADS.

[00:19:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind wenige Interventionen gewesen, man musste einfach bereit sein.

[00:20:07.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Die IV sagt, sie hätten nicht den Auftrag von der Prävention.

[00:20:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das schade. Ich finde, die IV sollte auch präventiv aktiv sein.

[00:20:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht müssen sie ein paar Paragrafen ändern oder einen neue Paragrafen
aufmachen.

[00:20:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat abgeschlossen.

[00:20:28.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dort nicht eingegriffen hätte, in ganz kritischen Situationen, ich habe immer
eine Krisenintervention gemacht, zum Teil auch wenn sie in die Ferien gefahren sind
und er davon gerannt ist.

[00:20:41.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat geholfen, dass er seine LAP machen konnte.

[00:21:23.450] – Bemerkung 1
Sie sagen die Berufswahl so lange rausziehen, bis es wirklich klar ist, welche
Neigungen und welche Interessen vorhanden sind.

[00:21:45.440] – Bemerkung 1
Meine Erfahrung ist, dass viele Jugendliche mit ADHS/ADS nicht in einem Vakuum
leben können, wo sie nicht genau wissen, ob es jetzt links oder rechts geht.

[00:21:59.780] – Bemerkung 1
Wenn dann die Entscheidung gefällt worden ist, sie eine Berufsausbildung machen und
diese auch bestehen, dann haben sie danach wieder die Möglichkeit zu wechseln.

[00:22:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lange rauszuziehen, ist eher bei den älteren Patienten, die schon ganz viel
versucht haben, immer nur aus Anpassung an ihr Umfeld.

[00:22:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich sagen: Nein, halt, das machen wir nicht mehr. Jetzt warten wir.

[00:22:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: Sie müssen irgendwas Sinnvolles machen, etwas, was sie interessiert.

[00:22:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Jugendlichen, da sollte man eher schneller finden helfen.

[00:22:34.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer die Eltern zurückbinden, damit die nicht drücken und machen.

[00:22:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind ein bisschen anders.

[00:22:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von denen, die schon eine Psychiatriekarriere hatten und die ich wieder
eingliedern möchte.

[00:22:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gliedere auch solche, die schon eine IV Rente haben wieder ein.

[00:22:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat eine Eingliederung gemacht mit der IV, an irgendeinem Arbeitsplatz, ein
Arbeitsplatz, der ihr überhaupt nicht gepasst hat.

[00:23:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist natürlich misslungen.

[00:23:08.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Person musste ich immer zurück bremsen, warten, langsam, wir schauen.

[00:23:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war X Mal enttäuscht, es geht nicht vorwärts, ich kann das nicht.

[00:23:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie es geschafft.

[00:23:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist auch noch mit einer Beziehung zusammengehangen.

[00:23:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ihre Kinder zurückbekommen, etc.

[00:23:29.340] – Bemerkung 2
Wie kann man Neigungen und Begeisterungen von Jugendlichen rausfinden, die das
nicht selber äussern können. Personen, die eine Primarschule lange auf das Dach
bekommen haben, nie bestehen konnten und immer an ihren Handys sitzen.

[00:23:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Anamnese mache oder mit einem Jugendlichen arbeite oder mit
jemandem, der schon ein bisschen älter ist, dann frage ich immer: In welchen Fächern
sind sie gut gewesen? In welchen schlecht? Was haben sie gar nicht gerne gehabt?

[00:24:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat Sie begeistert?

[00:24:17.710] – Dr.med. Ursula Davatz

Geografie, Naturkunde, Rechnen. Rechnen ist es nicht immer. Manchmal ist es
rechnen.

[00:24:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort suche ich dann weiter: Was interessiert Sie?

[00:24:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe langsam sondieren, wo es hingehen könnte.

[00:24:28.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage auch die Eltern: was stellen sie sich vor, was ihr Kind gut könnte?

[00:24:41.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Was liegt dem Kind?

[00:24:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kennen das Kind ja schon lange.

[00:24:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss auch fragen: Was wollten sie, dass es wird. Das wollen wir dann auf die Seite
tun.

[00:24:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche.

[00:24:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin tue ich dann nicht die Symptome behandeln, die Krankheitssymptome
bekämpfen.

[00:24:59.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere herauszufinden: Wo will der Jugendliche durchgehen?

[00:25:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage nach ihren Hobbies.

[00:25:11.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage was für Filme sie schauen?

[00:25:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage was für Bücher sie lesen.

[00:25:16.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von dem, finde ich ein bisschen heraus, wo das Interesse liegt.

[00:25:21.300] – Bemerkung 3
Wenn sie keine Bücher lesen?

[00:25:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für Computerspiele, das sie spielen.

[00:25:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse mir das zeigen. Es können Kriegsspiele sein, Strategiespiele.

[00:25:27.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere sie von ihrer Persönlichkeit her zu erfassen.

[00:25:37.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, Jugendliche, so zwischen 16 und 25 Jahre, welche ihren Berufsweg nicht
gefunden haben, die haben ihre Persönlichkeit an sich noch nicht entwickelt.

[00:25:49.010] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Moment entsteht ja dann die Persönlichkeitsstörung, alle diese psychiatrischen
Krankheitsbilder.

[00:25:55.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere eigentlich, an ihre gesunde Substanz heran zu kommen und helfen, die
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:26:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer wieder ausweiten.

[00:26:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss meinen Blick immer wieder schweifen lassen. Ich kann nicht so zielgerade
drauf losgehen.

[00:26:14.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage auch, was für Sendungen sie schauen.

[00:26:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sage mir, mit wem du gehst und ich sage dir, wer du bist.

[00:26:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sage mir was du liest oder welchen Film du schaust und dann habe ich ein bisschen
das Verständnis, wer das eigentlich ist.

[00:26:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man diese Persönlichkeiten sehr herauslocken.

[00:26:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen haben eher die Tendenz sich zurückzuziehen und eine Fantasie
im Kopf zu haben.

[00:26:37.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage auch nach den Fantasien, wie sie geträumt haben in der Schule, wovon sie
geträumt haben, wenn sie nicht aufgepasst haben.

[00:26:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche sie wirklich zu erfassen.

[00:26:55.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss nicht ganz so schnell zu einem Ziel kommen.

[00:26:55.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte wollen natürlich auch immer Erfolg haben und möglichst schnell eine Lösung
haben. Man muss oft sehr viel Geduld haben.

[00:27:03.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sorgfältig begleiten, aufmerksam begleiten, damit die Persönlichkeit sich entfalten kann.
Sonst macht man sie einfach kaputt. Man verdrückt sie.

[00:27:25.970] – Bemerkung 4
Wie gehen sie mit Vorstellungen von Personen um, die unrealistisch wirken auf das
Umfeld? Ideen von denen man denkt, das geht gar nicht.

[00:27:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde von der IV oft kritisiert, dass ich zu hohe Ambitionen habe, mit meinen
Patienten, dass ich völlig illusionär bin.

[00:27:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich motiviere meine Patienten immer, etwas herauszufinden. Dann mussten sie zum IV
Berufsberater gehen und der sagte, das sei absolut unmöglich.

[00:27:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Der IV Berater hat meine Patienten demotiviert.

[00:27:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat mich geärgert.

[00:27:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gehe ich praktisch vor?

[00:28:05.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie irgendeine Fantasievorstellung haben, dann frage ich natürlich: Wie wollen
sie vorgehen?

[00:28:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eigernordwand wird nicht mit einem grossen Sprung erklommen, sondern Schritt für
Schritt, Griff für Griff.

[00:28:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage: wie wollen sie vorgehen? Wie wollen wir vorgehen?

[00:28:21.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die verschiedenen Schritte an und der erste, nächste Schritt in diese
Richtung.

[00:28:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann merken sie selber, wenn es nicht geht.

[00:28:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sage: Nein, das können sie überhaupt nicht, dann bin ich die autoritäre
Mutter, die einem demotiviert.

[00:28:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Die IV Mitarbeiter sagen mir oft: Sie sind illusionär und sie setzen diesen Menschen
Flöhe in den Kopf.

[00:28:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe mit diesen Fantasievorstellungen der Menschen.

[00:28:57.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sie sorgfältig begleite, dann kommen sie vielleicht langsam ein bisschen
runter und werden realistischer.

[00:29:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Um irgendein Ziel anzustreben, muss man irgendeine Fantasie haben, sonst beginnt
man gar nicht.

[00:29:08.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler Haschisch rauchen sind sie noch weniger motiviert.

[00:29:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz dumm läuft, werden die ADHS/ADSler noch psychotisch, schizophren.
Das habe ich in meinem Buch behandelt.

[00:29:22.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf ihnen nicht von Anfang die Motivation wegnehmen.

[00:29:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bleibe dran und ich versuche sie langsam auf die Realität runterzubrechen.

[00:29:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine lange Arbeit, eine sorgfältige Arbeit.

[00:29:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn dann etwas gelingt, macht es einem natürlich unheimlich Spass und bereitet
Freude.

[00:29:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht, das habe ich erlebt.

[00:29:49.590] – Bemerkung 5
Ich habe viele junge Leute, die könnten intellektuelle Dinge machen, aber die sozialen
Kompetenzen fehlen ihnen.

[00:29:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht oft von beeinträchtigten Menschen, behinderten Menschen.

[00:30:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin muss natürlich sagen, Behinderung bei den Psychiatrie-Leuten,
also bei den Menschen mit psychiatrischer Diagnose, die haben sehr oft eine
Beziehungsbehinderung.

[00:30:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könnten etwas gut, aber sie brauchen einen absolut guten Chef, der mit ihnen
umgehen kann.

[00:30:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man ein Matching machen zwischen Patient-Klient und dem
Arbeitgeber und den übrigen Mitarbeitern.

[00:30:53.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe beim Möbel Pfister Projekt im Aargau mitgemacht. Der Möbel Pfister hat zwölf
Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt für psychisch Kranke. Die mussten ein Profil von
sich schreiben. Mat hat immer geschaut, welcher Arbeitsplatz passt zu dieser
Persönlichkeit.

[00:30:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sage ich den Eltern oder der Mutter oder dem Vater: Man muss einen
Arbeitsplatz suchen, der zu diesen Persönlichkeitsmerkmalen von ihrem Kind passt.
Wenn es nicht passt, macht es überhaupt keinen Sinn.

[00:31:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann die Fähigkeit noch so gut da sein, sie kommt nicht zum Tragen.

[00:31:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere, die Arbeitgeber zu beraten.

[00:31:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei gewissen Lehrmeistern gelingt mir das, die wollen gerne etwas hören.

[00:31:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere sagen: Fahren sie ab mit ihrem Wissen, das ist doch gar kein ADHS/ADS Kind,
der ist nur verwöhnt und dem zeige ich jetzt, wo es durchgeht.

[00:31:48.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gelingt es zu 100% nicht.

[00:31:48.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz unterschiedlich.

[00:31:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fragen den Jugendlichen oder Erwachsenen: Was können sie sich vorstellen?

[00:32:10.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch schon selber eine Lehrstelle für einen gesucht.

[00:32:13.710] – Dr.med. Ursula Davatz

Der wollte immer Plattenleger werden.

[00:32:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der zweiten Anfrage hatten wir sogar eine Stelle.

[00:32:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben uns dann zusammen getroffen mit dem Arbeitgeber und meinem Patienten.
Er hat dort ein Jahr lang gearbeitet. Das Geschäft hatte dann zu wenig Arbeit und er ist
dann auch wieder rausgeflogen.

[00:32:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere, die Arbeitgeber zu begleiten.

[00:32:35.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch immer, sie können mir anrufen, wenn irgendein Problem ist und dann
analysiere ich natürlich immer, was ist abgelaufen, was haben sie gemacht, was hat er
gemacht. Wie war die Interaktion.

[00:32:44.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich zu coachen.

[00:32:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt.

[00:32:55.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Margrit Stamm ist eine Bildungswissenschaftlerin von der Uni Fribourg.

[00:33:08.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Margrit Stamm sagt, ungefähr 20% von Jugendlichen mit guter Begabung fallen zum
System raus und liegen irgendwo brach oder werden chronisch krank.

[00:33:19.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr tragisch. Das müsste nicht so sein.

[00:33:19.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier spielt die Prävention, Früherfassung und eine gute Zusammenarbeit eine grosse
Rolle.

[00:33:30.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf einem Markt, wo es wenig Angebot gibt, gibt es wenig Konkurrenz.

[00:33:47.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann irgendetwas anbieten und das ist dann sofort toll, weil alle froh sind, dass es
endlich etwas gibt.

[00:33:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr viele inkompetente Jugendinstitutionen, welche mehr an der
Selbstverwirklichung interessiert sind, als was eigentlich die Jugendlichen brauchen.

[00:33:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mag das Wort "Kontrolle" nicht.

[00:34:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Qualität ist dann nicht immer optimal.

[00:34:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die alle auch nicht unter irgendein Gütesiegel stecken.

[00:34:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, von allen Eingliederungsinstitutionen müsste man viel mehr mit uns
Basisarbeitern, mit den Therapeuten zusammenarbeiten, dass wir voneinander lernen.

[00:34:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lerne die Realität von denen kennen und sie lernen vielleicht ein bisschen was von
mir.

[00:34:45.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem bei der IV: Ich will jemanden eingliedern und er ist begabt. Dann muss er
durch irgendeine Werkstatt gehen, mit langweiliger Arbeit.

[00:34:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler macht das nicht gerne.

[00:34:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Lehrer, der musste zur VEBO gehen. Das hat überhaupt nicht
funktioniert.

[00:35:02.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich Schluss, IV-Rente und wir machen die Eingliederung selber.

[00:35:16.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir soweit sind, dann sagen wir, jetzt sind wir soweit und dann können wir die IV-
Rente wieder abstellen.

[00:35:17.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die IV-Rente bis zur Pensionierung behalten muss, aber es
muss jemand da sein, der mit dem Menschen arbeitet.

[00:35:28.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind von der IV, bitte widersprechen sie mir.

[00:35:30.910] – Bemerkung 6

Ich bin auch von der IV. Das Umfeld spielt eine riesige Rolle, sowohl im positiven wie
auch im negativen.

[00:35:40.470] – Bemerkung 6
Ich bin gerade mit einer jungen ADHS/ADS Frau beschäftigt, dort weiss die Mutter
immer besser wie es der Tochter geht.

[00:36:44.020] – Bemerkung 6
Man hat die Auswahl zwischen dumm und blöd. Ich müsste die Tochter aus dem
System nehmen und die Mutter in eine Therapie senden.

[00:37:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat die Psychiatrie früher auch gemacht. Bei der Drogenberatung hat man es
gemacht, bei den Schizophrenen hat man es gemacht. Das Kind rausnehmen und dann
funktioniert alles.

[00:37:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System hat so starke Fangarme, die wirken durch die Wände und durch die
Institutionen durch.

[00:37:34.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin sage natürlich, nicht einfach zum System heraus nehmen,
das funktioniert sowieso nicht, sondern mit dem System zusammenschaffen.

[00:37:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ein solche Situation haben, müssen sie unbedingt der Familie sagen, damit
man die berufliche Eingliederung von dieser jugendlichen Dame machen kann, müssen
sie sich von einem systemischen Therapeut beraten lassen.

[00:38:12.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Fachgesellschaft SYSTEMIS.

[00:38:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann man nachschauen, wer in der Region ist und dann sagen, das wäre die
Adresse.

[00:38:22.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie doch ein einziges Mal dort Auskunft holen. Vielleicht bringt es ihnen etwas.

[00:38:28.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nichts bringt, dann hat es nicht geschadet.

[00:38:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein ärztlicher Therapeut ist oder auch eine Psychologin in delegierter
Therapie, dann bezahlt es sogar die Krankenkasse.

[00:38:39.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden sie das nicht machen?

[00:38:44.310] – Bemerkung 6
Nein, dann bin ich gleich nochmals der Depp.

[00:38:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind wir Deppen?

[00:38:50.420] – Bemerkung 6
Wenn ich mit dieser Mutter zusammen bin und ihr versuche etwas beizubringen, dann
versteht diese Mutter gar nichts.

[00:39:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen dieser Mutter gar nichts beibringen.

[00:39:07.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir Familientherapeuten und Psychiater wissen natürlich dann, wie das denen
beibringen.

[00:39:18.920] – Bemerkung 6
Ich muss der Mutter beibringen, dass sie mal zu ihnen kommt.

[00:39:19.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie der Mutter beibringen. Die geben zu früh auf, das ist schade.

[00:39:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Angehörigengruppe für Eltern von Schizophreniekranken.

[00:39:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Angehörigengruppe für Eltern von ADHS/ADS Kindern.

[00:39:39.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil mischen sie sich einfach.

[00:39:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man einfach mal kommen und zuhören was da passiert.

[00:39:41.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hört man, was die anderen machen.

[00:39:41.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Eltern, welche schon ein bisschen weiter sind: Ja, ja, so habe ich es
auch gemacht. Das ist mir auch passiert. Aber wissen sie, sie müssen es eben so und
so und so machen.

[00:39:55.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Gleichgestellten, von anderen Eltern, nehmen sie dann eher etwas an.

[00:39:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe natürlich sehr, sehr vorsichtig vor.

[00:40:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht gleich am Anfang der Mutter: halten sie jetzt ihr Maul, ich will mit der
Tochter sprechen.

[00:40:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage vielleicht schon: warten sie schnell, ich möchte gerne nochmals die Tochter
fragen.

[00:40:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sehr viel Erfahrung und andere Familientherapeuten haben das auch, mit so
einem sehr überprotektiven, verbal aktiven System umzugehen.

[00:40:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in Schizophrenie-Familien trifft man häufig solche Mütter an.

[00:40:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ärzte und Psychiater haben zum Teil Angst vor solchen Müttern und wollen die weit weg
von sich halten.

[00:40:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter beklagen sich dann, dass sie nicht miteinbezogen werden.

[00:40:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss diese Mütter mit einbeziehen und langsam, langsam kann ich es dann
umsteuern.

[00:40:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich mache jetzt ein Bild aus der asiatischen Kampfkunst. Wenn wir kämpfen, dann
schlagen wir zwei Degen aufeinander und am Schluss sind alle tot.

[00:41:02.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In der asiatischen Kampfkunst, wenn der eine einem die Faust gibt, dann nimmt man
die und macht etwas daraus.

[00:41:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein bisschen unsere Aufgabe, dass wir das entgegennehmen können und dann
etwas umgestalten.

[00:41:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man lernen!

[00:41:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht mit pädagogischen Methoden oder mit Belehren, im Gegenteil.

[00:41:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Je schwieriger das System zum verändern ist, umso weniger muss man das verändern
wollen.

[00:41:30.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ein schwieriges System vor mir habe, muss ich ganz bei mir bleiben.

[00:41:36.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf nicht sagen: Begreifen sie das nicht endlich.

[00:41:38.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss sagen: Ja, ich sehe das und das und das wäre vielleicht eine Möglichkeit und
dann muss ich mich zurücklehnen.

[00:41:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ich zu viel eigene Motivation habe, den anderen zu überzeugen, geht alles
schief.

[00:41:51.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind das hochsensible Systeme.

[00:41:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ein bisschen Druck aufsetzt, machen sie Widerstand.

[00:41:57.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pädagogik setzt man immer ein bisschen Druck auf. Man will ja etwas erreichen.
Das geht überhaupt nicht.

[00:42:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es ja versuchen. Wo wohnt diese Familie?

[00:42:05.260] – Bemerkung 7
Das sage ich nicht.

[00:42:05.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es ja mal ausprobieren.

[00:42:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir als Familientherapeuten mussten lange lernen, müssen immer lernen.

[00:42:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familientherapie beginnt am Telefon, wie motiviert man ein System, dass es zu
einem kommt?

[00:42:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist eine grosse Kunst. Am Anfang macht man viele Fehler und verliert auch viele
Systeme.

[00:42:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit kann man es immer besser.

[00:42:47.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine grosse Kunst.

[00:42:47.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will sie jetzt nicht weiter überzeugen, sonst mache ich den gleichen Fehler.

[00:42:51.250] – Bemerkung 8
Sie haben vorhin die IV angesprochen. Ich arbeite dort. Das individuelle abholen und
begleiten ist einfach das A und O. Das passt leider nicht in das System rein. Ich
versuche auch die individuellen Wege aufzuzeigen.

[00:42:56.750] – Bemerkung 8
Als IV Mitarbeiterin habe ich mir immer gewünscht, dass die Psychiater und
Psychologen systemisch arbeiten. Ich habe sehr viel Abwehr von den Psychologen und
Psychiatern erfahren. Die wollten immer nur für sich arbeiten.

[00:44:02.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Problem auch in der Medizin.

[00:44:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht unheimlich viel Schubladedenken.

[00:44:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Garten und das ist dein Garten.

[00:44:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einmal einer Werkstattleiterin angerufen, das Beispiel steht in meinem Buch.

[00:44:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging um eine ADHS/ADS Person, die schon schizophren, psychotisch war.

[00:44:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort der Werkstattleiterin war: sie spucken nicht in meiner Suppe und ich spucke
nicht in ihre Suppe.

[00:44:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen war ich.

[00:44:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte kommen häufig auch mit dem Berufsgeheimnis und ich darf nichts sagen und
weiss nicht was alles.

[00:44:51.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte verteidigen die Intimsphäre von ihrem Patienten und sich.

[00:44:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemikerin arbeite ich nicht so.

[00:45:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf mit Leuten zusammenarbeiten.

[00:45:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage es natürlich meinen Patienten immer.

[00:45:05.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe nie anrufen, ohne dass ich es nicht sage.

[00:45:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine gute Beziehung zum Patienten habe, dann lässt der mich das machen.

[00:45:23.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang ist Familientherapie, Systemtherapie, gross en vogue gewesen.

[00:45:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
1980 bis 2000.

[00:45:35.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist Familientherapie und Systemtherapie wieder hinten runtergefallen.

[00:45:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft jetzt alles wieder über Medikamente, Diagnosen, Pharmaka, Pharmaka,
Pharmaka.

[00:45:39.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt praktisch keinen psychiatrischen Kongress, wo nicht der Schwerpunkt ist.

[00:45:52.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Der letzte Schweizerische Psychiatrische Kongress von unserer Fachgesellschaft
Psychiatrie, da hat es sogar geheissen: Psychiatrisches Leiden im Drei-Generation-
Prozess.

[00:46:09.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen dort jetzt auch Studien raus, die zeigen, wie über Generationen hinweg
Sachen weitergegeben werden.

[00:46:09.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche hier von sozialer Vererbung.

[00:46:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern wollen, dass ihr Kind den und den Beruf wählt.

[00:46:26.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist soziale Vererbung.

[00:46:29.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht genetische Vererbung, sondern soziale Vererbung.

[00:46:35.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Familie alles Lehrer sind über vier Generationen, dann frage ich: sind das
jetzt Gene?

[00:46:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist natürlich sozial weitergegeben worden.

[00:46:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine Lehrergene.

[00:47:12.780] – Bemerkung 9
Etwas was ich sehr schwierig finde beim begleiten von Jugendlichen ist, wenn Eltern
Sozialhilfeempfänger sind und ihren Kindern das IV Leben vorleben. Das finde ich ganz
schwierig.

[00:47:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. Solche Jugendliche haben natürlich schlechte Vorbilder.

[00:47:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können wir als Therapeuten, die eine längere Beziehung haben, können doch zu
Vorbilder werden, respektiv Bezugspersonen, die andere Sachen rein bringen.

[00:47:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine albanische Familie aus dem Kosovo.

[00:48:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Familienvater hat drei Kinder.

[00:48:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat eine Lehre gemacht als Mechaniker bei der ABB.

[00:48:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist dann aber mit 19 Jahren ausgestiegen, irgendwie war er befordert.

[00:48:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben versucht ihn einzugliedern. Es hat alles nicht funktioniert. Er hat noch eine
Spielsucht entwickelt. Alles hat nicht funktioniert. Sein Vater kam auch in die Beratung.

[00:48:17.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System haben wir immer begleitet.

[00:48:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die drei Kinder haben alle eine Berufsausbildung gemacht und funktionieren.

[00:48:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Oberarzt und ich haben das System über 20 Jahre lang begleitet.

[00:48:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind gut rausgekommen. Die Kinder haben gewusst, da ist jemand hinten
dran, der im Notfall hilft.

[00:48:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie haben die schweizerischen Werte übernommen.

[00:49:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Grossvater war ein sehr guter, ungelernter Arbeiter in der ABB.

[00:49:00.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sohn war ein gut gelernter Arbeiter, ist dann dann aber psychotisch rausgefallen.

[00:49:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat funktioniert.

[00:49:12.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Als der Vater von meinem ursprünglichen Patienten immer wieder mit der Spielsucht
Probleme hatte und alles durcheinander gemacht hat, hat der Sohn mir angerufen und
gesagt: der muss jetzt in einen Entzug gehen. Helfen sie mir.

[00:49:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir gemacht.

[00:49:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System konnte immer auf eine therapeutische Ressource zurückgreifen.

[00:49:30.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu braucht es gar nicht soviel, einfach eine Präsenz.

[00:49:30.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Krankheit muss man nicht vorbeugen.

[00:49:55.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Praevenire heisst vorbeugen.

[00:49:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Präventionsgedanke ist: richtig handeln im kritischen Augenblick.

[00:49:59.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kritischen Augenblicke sind die Krisen.

[00:50:01.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann jemand da ist, der dann das System kompetent beraten kann, dann nimmt
es wieder einen guten Weg.

[00:50:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht die stetige Behandlung.

[00:50:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Beziehung.

[00:50:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe der Familie sogar geholfen, dass der Grossvater in die Schweiz kommen
konnte.

[00:50:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Schweizer geworden.

[00:50:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die drei Kinder sind wirklich eingliedert. Das ist erfreulich und es gibt schon
Grosskinder.

[00:50:27.080] – Bemerkung 10
Ich arbeite in einem zehnten Schuljahr. Die älteren Geschwister von einem Mädchen,
die haben genau solche Muster. Sie wollte ins KV. Sie hat grosse Schritte gemacht und
immer genau bevor sie die Lehrstelle angetreten hat, hat sie Angst bekommen und

erzählt wie schlecht es zu Hause geht. So haben die Lehrmeister Angst bekommen vor
einem Jugendlichen mit Problemen. Sie wollte mit der Zeit aufgeben. Bei den
Geschwistern hat sie gesehen, dass die den normalen Weg gehen und dann hat es
funktioniert.

[00:51:23.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich denke, da muss wirklich jemand da sein, der das System unterstützt.

[00:51:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Türke-Familie gehabt, dort ist auch alles ein bisschen drunter und drüber
gegangen. Dann noch mit Juga und so weiter. Die Kinder wurden aus der Bar entführt.
Der Vater ist bestraft worden. Am Schluss haben die Kinder gesagt, dass sie die Busse
vom Vater bezahlen, weil der Vater wegen den Kindern bestraft wurde.

[00:51:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat der Hausarzt, die Jugendrichterin und ich als Familientherapeutin das ganze
System unterstützt.

[00:51:53.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat die Jüngste doch noch eine Lehre gemacht.

[00:51:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss jemand da sein, der das System unterstützt.

[00:52:03.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es nützt eben nichts, wenn man nur das einzelne Individuum unterstützt.

[00:52:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Apropos Familientherapie, so Kinder, die dann nicht funktionieren, das sind oft
funktionalisierte Kinder. Das heisst, die müssen daheim bleiben, um zum Rechten zu
schauen.

[00:52:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können gar kein Beruf machen, sie müssen für die Familie schauen.

[00:52:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach aussen sieht es vielleicht nicht so aus. Sie schwanken hin und her, zwischen: ich
will das überhaupt nicht, und: ich muss.

[00:52:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es wissen, dann sage ich: ich treffe jetzt an diese Stelle. Ich helfe ihrer Mutter
und du darfst deinen Weg gehen.

[00:52:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss jemand da sein, der für das System schaut, sonst kann der Jugendliche gar
nicht erwachsen werden. Er kann gar nicht austreten.

[00:52:58.080] – Bemerkung 11
Wie bringen sie eine solche Familie dazu, überhaupt eine Therapie zu beginnen? Die
haben nie den Eindruck, dass sie krank sind.

[00:53:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nie von Therpie sprechen. Therapie impliziert: ihr seid krank.

[00:53:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede immer von Beratung, Unterstützung, einmal eine Konsultation machen, ein
Coaching.

[00:53:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Lehrer in den USA, Murray Bowen, der hat von Coaching gesprochen.

[00:53:40.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich frage dann immer: haben sie schon einmal in Erwägung gezogen, sich ein wenig
Hilfe zu holen, bei der und der Person?

[00:53:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen sie schon eine Adresse haben und sagen: Ich weiss hier jemanden,
versuchen sie es doch einmal.

[00:53:51.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie sagen: Es ist unverbindlich.

[00:53:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie es an.

[00:53:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nicht überzeugen wollen, dass die Person in einen Therapie gehen soll,
sonst müssen sie die Person zuerst überzeugen, dass sie krank ist.

[00:54:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer will schon krank sein?

[00:54:15.390] – Bemerkung 12
Ich muss keine Hilfe suchen, wenn ich kein Problem habe.

[00:54:18.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar. Das kennen wir natürlich.

[00:54:22.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es immer positiv formulieren, sich Hilfe holen.

[00:54:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sage ich auch: sie haben das zu Gute, eine Unterstützung, eine Beratung.

[00:54:33.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lässt sich für das Auto beraten, für die Möbel, für die Vorhänge, für alles. Wieso
nicht einmal für die Familienberatung?

[00:54:40.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich keine Schande.

[00:54:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Wertehaltung spielt natürlich auch eine Rolle dabei, dass man es möglichst
neutral rüber bringt, dass es nicht ein Muss ist und auf ewig, sondern probieren sie es
einmal.

[00:54:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Möglichkeit.

[00:54:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe sie konnten profitieren und wünsche ihnen einen schönen Abschluss.