Auszug aus den neuen Buch: ADHS/ADS Folgekrankheiten.
Elterliche Pseudoeinigkeit
Auszug aus dem neuen Buch von Dr.med. Ursula Davatz. ADHS/ADS Folgekrankheiten.
Vorwort von Dr.med. Karl Studer
Das Vorwort zu meinem neuen Buch von Dr.med. Karl Studer.
Psychiatrie im Offside
Der Ausdruck „Psychiatrie im Offside“ dient als Untertitel des Buches von Dr. med. Ursula Davatz und fasst ihre grundlegende Kritik an der aktuellen Herangehensweise der Psychiatrie im Umgang mit dem ADHS/ADS-Neurotyp zusammen.
Die Hauptthese ist, dass die Psychiatrie im Verständnis und in der Behandlung von ADHS/ADS hinterherhinkt und systemische Aspekte, die für diesen Menschentyp entscheidend sind, vernachlässigt.
Hier sind die zentralen Kritikpunkte, die das „Offside“ der Psychiatrie begründen:
1. Fokussierung auf das Individuum und die Symptome
Die Psychiatrie wird dafür kritisiert, dass sie sich fast ausschließlich auf den Einzelnen (das Individuum) konzentriert und nur die Symptome bekämpft und behandelt.
- Vernachlässigung des Umfelds: Dies ist das größte Problem: Die Psychiatrie geht wenig bis gar nicht mit dem Umfeld um. Wenn psychische Störungen auftreten, werden die Betroffenen zwar an die Psychiatrie weitergegeben, diese kann jedoch nicht sehr gut damit umgehen.
- Systemische Notwendigkeit: Bei ADHS/ADS muss man hingegen immer den ganzen Menschen und das ganze System unterstützen, wenn man etwas erreichen möchte.
2. Mangel an systemischer und präventiver Unterstützung
Dr. Davatz sieht ein großes Manko darin, dass die Psychiatrie noch nicht so weit vorgedrungen ist, das Umfeld zu unterstützen.
- Fehlende Familientherapie: Obwohl die systemische Therapie und Familientherapie zeitweise in Mode war (in den USA in den 1970er und 1980er Jahren und danach in der Schweiz), findet man heute sehr wenige systemisch ausgebildete Ärzte mehr, die mit der Familie umgehen können.
- Prävention als Lösung: Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher, nicht erst, wenn der Patient eine Krankheit hat – dann sei es oft schon zu spät. Das Umfeld müsste bereits in den Entwicklungsjahren (schon im Kindergarten) unterstützt werden, damit sich gar keine Krankheit entwickelt.
3. Fehlinterpretation von Folgeerkrankungen
Die Psychiatrie hält an einem veralteten Verständnis fest, was ADHS/ADS betrifft:
- Kritik an der Komorbidität: Die Psychiatrie spricht immer noch von Komorbidität (dem gleichzeitigen Vorliegen mehrerer Krankheiten, z. B. ADHS/ADS und Schizophrenie).
- Folgekrankheiten: Dr. Davatz hingegen betont, dass psychische Störungen wie Schizophrenie, bipolare Störungen, Delinquenz, Essstörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung immer Folgekrankheiten sind, die entstehen, wenn der sensible Neurotyp stark gestresst oder nicht artgerecht behandelt wird.
4. Ausschließlich medikamentöser Ansatz
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Fixierung auf Medikamente ohne entsprechende begleitende Maßnahmen:
- Medikamenten-Fokus: Medikamente sind zwar in Akutsituationen enorm hilfreich, um die Stimmung zu regulieren. Dr. Davatz kritisiert jedoch die Psychiatrie, wenn sie bei den Medikamenten stehen bleibt.
- Unverändertes Umfeld: Allein durch Medikamente wird das Umfeld nicht verändert, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen. Manche Ärzte fragen den Patienten nur, wie es mit den Medikamenten geht.
5. Fehlendes Engagement und fehlendes Wissen
Die Ärzteschaft und die Psychiatrie hinken hinterher, was das Wissen und die Verbreitung von Informationen über ADHS/ADS angeht. Dies zeigte sich unter anderem darin, dass bei einer Tagung der Schweizerischen Psychiatriegesellschaft kein Referat zum Thema ADHS/ADS gehalten wurde.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
ADHS/ADS Folgeerkrankungen
Die Diskussion der Folgekrankheiten ist zentral für das Verständnis des ADHS/ADS-Neurotyps in den vorliegenden Quellen. Dr. Davatz stellt klar, dass ADHS/ADS selbst keine Krankheit ist, sondern ein spezifischer sensibler Neurotyp [69, 53:49.220]. Folgeerkrankungen entstehen, wenn dieser genetisch determinierte Typ starkem Stress ausgesetzt ist oder nicht artgerecht behandelt wird.
Hier ist eine detaillierte Darstellung der Folgeerkrankungen, deren Mechanismen und der Unterscheidung von gängigen psychiatrischen Konzepten:
1. Definition und Abgrenzung von Komorbidität
Dr. Davatz vertritt die Position, dass die in der Psychiatrie oft verwendete Bezeichnung Komorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer unabhängiger Krankheiten) im Zusammenhang mit ADHS/ADS unzutreffend ist.
- Folgekrankheit vs. Komorbidität: Sie argumentiert, dass andere psychische Störungen, die bei diesem Menschentyp auftreten, immer eine Folgekrankheit sind.
- Hierarchie der Störungen: Der genetisch vererbte ADHS/ADS-Typ ist übergeordnet, während die daraufhin auftretenden Krankheiten als untergeordnet betrachtet werden.
- Auslösender Mechanismus: Wird ein Mensch mit diesem Neurotyp stark gestresst oder wird nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentsgerecht oder artgerecht mit ihm umgegangen, kann er mit der Zeit körperliche und psychische Folgeerkrankungen entwickeln [4, 6, 43:1:1].
Der ADHS/ADS-Mensch ist aufgrund seiner genetischen Disposition und seiner hohen Sensibilität vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.
2. Spezifische psychische und soziale Folgeerkrankungen
Folgekrankheiten können sich in der Blutlinie über Generationen manifestieren, bevor in der jüngeren Generation ADHS/ADS diagnostiziert wird.
A. Schwerwiegende psychische Störungen
Zu den Folgekrankheiten, die aus der Belastung des ADHS/ADS-Typs entstehen können, zählen:
- Schizophrenie (Fälle in der Familie sind ein Risikoindikator).
- Bipolare Störung.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Essstörungen.
B. Suchterkrankungen
Suchterkrankungen sind bei ADHS/ADSlern viel häufiger anzutreffen.
- Alkoholismus taucht oft in den vorherigen Generationen auf, wenn man die drei Generationen umfassende Familiengeschichte analysiert.
- Drogenkonsum (wie Kiffen) sollte vermieden werden, da psychoaktive Substanzen etwas im Gehirn bewirken können.
C. Verhaltensauffälligkeiten und Delinquenz
Ein ungeeigneter Umgang kann zur Zerstörung des Potenzials und zu kriminellen Entwicklungen führen:
- Aggressivität und Delinquenz: Knaben (im Gegensatz zu Mädchen, die sich eher anpassen) wehren sich mehr, werden aggressiv und können delinquent werden.
- Misslungene ADHS/ADSler: In Gefängnissen sind viele „misslungene ADHS/ADSler“ zu finden.
D. Soziale und gesundheitliche Folgen
Der Umgang mit dem ADHS/ADS-Typ führt in Familien häufiger zu Konflikten, Scheidungen und Jobabbrüchen [60, 44:45.560].
Besonders hervorzuheben ist der Unterschied in der Lebenserwartung:
- Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher.
- Männer sterben 7 Jahre früher.
Dies wird dadurch erklärt, dass Frauen die Tendenz haben, sich mit ihrer Sensibilität immer anzupassen und sich ausbeuten zu lassen. Sie geben anderen viel Unterstützung und Empathie, kommen aber selber zu kurz.
3. Prävention von Folgeerkrankungen
Die Entwicklung von Folgekrankheiten kann verhindert werden, indem man den ADHS/ADS-Neurotyp adäquat behandelt.
- Frühzeitige Unterstützung: Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher – nicht erst, wenn der Patient krank ist. Das erzieherische Umfeld (Eltern, Lehrpersonen) muss so früh wie möglich, idealerweise schon im Kindergarten, unterstützt werden, damit sich gar keine Krankheit entwickelt.
- Ganzheitlicher Ansatz: Man muss immer den ganzen Menschen und das ganze System unterstützen, wenn man bei ADHS/ADSlern etwas erreichen möchte.
- Vermeidung von Überlastung: ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und übernehmen oft zu viel emotionale Verantwortung für dysfunktionierende Eltern oder das soziale System. Wenn dies zu viel wird, explodieren sie oder werden krank.
4. Die Rolle von Medikamenten
Obwohl Medikamente in Akutsituationen hilfreich sind, um die Stimmung zu regulieren, führen sie allein nicht zur Verhinderung von Folgekrankheiten. Medikamente verändern das Umfeld nicht, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen, was die Ursache für die Entwicklung von Krankheiten sein kann. Das therapeutische Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
Umgang mit ADHS/ADS
Der Umgang mit ADHS/ADS wird in den Quellen als entscheidender Faktor für die gesunde Entwicklung und das Wohlbefinden dieser Menschen betrachtet, die als spezifischer Neurotyp gelten.
Da das Gehirn ein plastisches Organ ist und durch die Interaktion mit dem Umfeld beeinflusst wird, ist der richtige Umgang essenziell, um die Entwicklung von Folgekrankheiten zu verhindern.
1. Grundprinzipien des Umgangs und der Führung
Der Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen muss hochgradig angepasst sein, da sie einen sensiblen Neurotyp darstellen, der zur schwierigeren Stressverarbeitung neigt [2, 53:49.220].
Persönlichkeits- und Temperamentgerechte Behandlung
Es ist entscheidend, dass mit diesen Kindern artgerecht, persönlichkeitsgerecht und temperamentgerecht umgegangen wird. Geschieht dies nicht, werden sie krank und entwickeln Folgekrankheiten.
Wird das Potential jedoch nicht zerstört, kann der artgerechte Umgang Spitzenleistungen in Bereichen wie Sport oder Wissenschaft hervorbringen.
Führung und Begleitung
ADHS/ADS-Kinder benötigen Führung und Begleitung [58, 41:55.161]. Sie müssen lernen, mit ihrem Temperament umzugehen.
Man muss Geduld haben und ein Vorbild sein. Da sie sehr begeisterungsfähig sind, sich stark verausgaben und dann zusammenbrechen, müssen sie lernen, selbst „Stop“ zu sagen.
Beruhigung vor Erziehung
ADHS/ADS-Kinder sind sehr emotional und sehr impulsiv.
- Im Augenblick, in dem sie hoch erregt sind, kann man sie nicht erziehen.
- Man muss sie immer zuerst beruhigen, bevor man Regeln aufstellen kann.
2. Kritik an gängigen Erziehungsmethoden
Methoden, die in der Pädagogik oft verwendet werden, funktionieren bei diesem Neurotyp nicht und sind schädlich:
- Belohnung und Bestrafung: Erziehungsmethoden wie das Smiley-System funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht. Bestrafung macht sie schlechter und gibt ihnen ein schlechtes Selbstwertgefühl.
- Kein Argumentieren mit dem Reflex: Da ihre Verhaltensweisen oft reflexartig ablaufen, kann man nicht mit dem Reflex argumentieren.
- Langeweile und Potentialzerstörung: Wenn hochintelligente ADHS/ADSler sich langweilen, stören sie und werden dafür bestraft, was zu dem Gefühl führt: „Ich bin nicht in Ordnung“. Man müsste sie stattdessen mit mehr Aufgaben füttern. Dadurch wird großes menschliches Potential zerstört.
3. Unterstützung des Umfelds und der sozialen Entwicklung
Der Fokus im Umgang muss auf dem ganzen System und der Persönlichkeitsentwicklung liegen.
Förderung des Selbst
Es ist wichtig, die Persönlichkeitsentwicklung der ADHS/ADS-Menschen zu fördern [30, 41:44.820]. Der Grundsatz sollte sein: „Das Beste, was ein Kind werden kann, ist sich selbst“.
- Soziale Anpassung: Nur wenn ein Kind sich selber werden darf, kann es sich auch sozial anpassen.
- Kritik: Wenn das Kind immer als falsch kritisiert wird, ist es nicht in der Lage, sich anzupassen.
Rolle des Umfelds und der Prävention
Das erzieherische Umfeld muss so früh wie möglich unterstützt werden, idealerweise bereits im Kindergarten. Wenn das Umfeld nicht frühzeitig beraten wird und Eltern keine Hilfe bekommen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Krankheit.
Die Psychiatrie wird kritisiert, weil sie das Umfeld wenig bis gar nicht in die Behandlung einbezieht und nur das Individuum sowie die Symptome bekämpft.
Umgang mit Autismus (ADS)
Da autistische Kinder oft ADS-Kinder sind, die sich zurückziehen, wenn das Umfeld zu hyperaktiv ist, muss das Umfeld beruhigt und verlangsamt werden. Es muss lernen, besser zu beobachten und nicht „gleich drauf los zu schießen“.
4. Umgang im Berufsleben und bei Entscheidungen
ADHS/ADS-Menschen müssen ihren Fokus und ihr Leben finden.
- Berufswahl: Bei der Berufswahl sollte man nicht nach dem Geld, sondern nach der Stimmigkeit gehen (ob das Klima passt). Wenn das Umfeld nicht stimmt, geht es gar nicht. Es ist besser, keine Stelle anzunehmen als eine falsche.
- Kommunikation: Im Berufsleben können Betroffene kommunizieren, welche Bedingungen sie für gutes Funktionieren brauchen, ohne unbedingt die Diagnose nennen zu müssen: „Wenn sie mit mir so und so umgehen, dann funktioniere ich nicht. Sie wollen, dass ich gut funktioniere“.
- Nachteilsausgleich: An Schulen und Universitäten kann ein Nachteilsausgleich verlangt werden, beispielsweise mehr Zeit für Prüfungen oder ein ruhiger Raum.
- Selbstoffenbarung: Wenn man einen Chef hat, dem man es sagen kann, kann es hilfreich sein, das ADHS/ADS offenzulegen.
5. Therapie und Medikamente
Medikamente und Therapie ergänzen sich.
- Medikamente: Sie sind enorm hilfreich in Akutsituationen und werden zur Stimmungsregulation (dämpfen/runterfahren oder hochfahren/motivieren) eingesetzt.
- Lernprozess: Allerdings lernen die Menschen, die Medikamente nehmen, nicht besser mit ihrem Temperament umzugehen, da das Umfeld unverändert bleibt.
- Therapeutisches Ziel: Das Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren. Die systemische Therapie, welche das Umfeld einbezieht, ist in diesem Kontext sehr wichtig.
Hinweis zur Schule und Ritalin: Obwohl Ritalin für Kinder hilfreich sein kann, um die Handhabung zu erleichtern, dürfen Lehrer nicht verlangen, dass ein Kind Ritalin nehmen muss. Die Entscheidung liegt bei den Eltern.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
Genetische Vererbung von ADHS/ADS
Gerne diskutiere ich das Thema Genetische Vererbung in Bezug auf ADHS/ADS, basierend auf den vorliegenden Quellen.Gerne diskutiere ich das Thema Genetische Vererbung in Bezug auf ADHS/ADS, basierend auf den vorliegenden Quellen.
Die genetische Vererbung spielt eine zentrale und bestimmende Rolle bei der Entstehung des ADHS/ADS-Typs.
1. ADHS/ADS als genetischer Typ (Genotyp)
ADHS/ADS wird als ein Genotyp oder genomischer Typ beschrieben.
- Es handelt sich dabei nicht um ein einzelnes Gen, sondern um viele Gene, die zusammenwirken und die Rolle spielen.
- Diese Gene werden immer vererbt.
- Dr. Davatz befasst sich seit über 40 Jahren mit diesem Menschentyp und behauptet entschieden, dass ADHS/ADS immer genetisch vererbt ist.
2. Auswirkungen der Vererbung und Neurodiversität
Der ADHS/ADS-Typ ist ein spezifischer Neurotyp.
- Dieser Menschentyp ist durch die Vererbung bedingt und neigt zu einer schwierigeren Stressverarbeitung. Sie sind vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.
- Der ADHS/ADS-Typ wird als sensibler Neurotyp beschrieben, der empfindlicher ist.
- Historische Präsenz: Die ADHS/ADS-Gene waren immer schon vorhanden und sind keine Modeerscheinung. Zur Zeit der Jäger und Sammler gab es demnach sogar 50% ADHS/ADS-Gene, während es heute nur noch etwa 5% sind. Diese Gene wurden selektioniert.
- Evolutionärer Vorteil: Im Mittelmeerraum, beispielsweise, haben sich die ADHS/ADS-Gene als Vorteil bestätigt, möglicherweise weil diese Menschen gut im Multitasking sind und eine breite Aufmerksamkeit besitzen, die es ihnen ermöglicht, Gefahren schnell zu sehen.
3. Familiengeschichte und Blutsverwandtschaft
Die genetische Vererbung kann durch die Analyse der Familiengeschichte sichtbar gemacht werden.
- Dr. Davatz schaut in ihrer Praxis immer drei Generationen an.
- Dabei stellt sie fest, dass in diesen Blutlinien oft psychische Störungen wie Alkoholismus, Schizophrenie oder bipolare Störungen auftraten, bevor die Enkelkinder mit ADHS/ADS diagnostiziert werden.
- Man kann in der Blutlinie zurückschauen und sehen, woher diese Veranlagung kommt.
- Kinder der gleichen Eltern haben nicht exakt die gleiche Mischung der Gene, aber eine ähnliche.
4. Genetische Veranlagung vs. Epigenetik und Trauma
Obwohl ADHS/ADS primär genetisch bedingt ist, wird die Rolle der Umwelt und erworbener Faktoren durch die Epigenetik ergänzt.
- Genetik zuerst: ADHS/ADS selbst wird genetisch vererbt und ist keine traumatische, epigenetische Angelegenheit.
- Potenzielle Veranlagungen: In den Genen existieren potentielle Veranlagungen, die eventuell nicht aktiv sind, aber plötzlich auftreten können, wenn ein starkes Drama hinzukommt.
- Epigenetik als Einfluss: Die Epigenetik kommt zur Genetik hinzu. ADHS/ADSler sind aufgrund ihrer hohen Sensibilität sehr viel vulnerabler für epigenetische Vererbung.
- Trauma-Weitergabe: Großeltern können Traumatas an ihre Kinder und diese wiederum an ihre Kinder weitergeben.
Der genetische ADHS/ADS-Typ kann daher als übergeordnet betrachtet werden, während andere psychische Störungen, die sich daraus entwickeln, als Folgekrankheiten oder untergeordnete Krankheiten angesehen werden, wenn ein nicht-artgerechter Umgang oder Stress hinzukommt.
5. Forschung zur Interaktion von Genen und Umfeld
Aktuell läuft eine Studie, an der Dr. Davatz beteiligt ist, um die genetischen Grundlagen und deren Interaktion mit dem Umfeld zu untersuchen.
- Die Studie (mit Prof. Dr. med. Marc Walter und Prof. Dr. med. Sven Cichon) umfasst die Entnahme von Blut oder Speichel für einen Gentest, sowie die Betrachtung der Erziehung und des Umgangs mit den Betroffenen.
- Ziel ist es, die Interaktion zu sehen: Wie wurde mit diesen Kindern umgegangen und was ergibt sich daraus?
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
ADHS/ADS Neurotyp
ADHS/ADS wird in den vorliegenden Quellen nicht primär als Krankheit, sondern als ein spezifischer Neurotyp diskutiert, der besondere genetische Veranlagungen und Eigenschaften aufweist.
Hier ist eine detaillierte Diskussion des ADHS/ADS Neurotyps basierend auf den bereitgestellten Informationen:
1. Genetische und neurobiologische Grundlagen des ADHS/ADS-Typs
Der ADHS/ADS-Typ wird als Genotyp oder genomischer Typ beschrieben. Es handelt sich dabei um einen Menschentyp, dessen Eigenschaften durch viele vererbte Gene bedingt sind, nicht nur durch ein einzelnes Gen. Dr. Davatz beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit diesem Typ (früher als POS bekannt).
Wesentliche Merkmale des Gehirns und Temperaments:
- Neurodiversität: Heute spricht man von Neurodiversität oder Neurodivergenz. Dr. Davatz betont, dass dieser Typ ein sensibler Neurotyp ist und keine Krankheit. Die Gesellschaft braucht diese „anderen Leute“, da eine Population mit unterschiedlichen Genkombinationen besser überlebt als eine homogene.
- Vernetzung des Gehirns: Das emotionale Gehirn der ADHS/ADSler ist stärker mit dem gesamten Gehirn vernetzt, was zu stärkeren Reaktionen führt. Im Gegensatz zur typischen Entwicklung, bei der das sogenannte Synaptic Pruning (Kappen von Schaltstellen) in der Pubertät stattfindet, bleibt diese stärkere Vernetzung bei ADHS/ADSlern länger erhalten. Dies bedeutet, dass sie später reifen, aber auch die Fähigkeit zum grenzüberschreitenden Denken haben.
- Sensibilität und Impulsivität: Charakteristisch ist eine hohe Sensibilität und eine leichte Verletzlichkeit, gepaart mit einer starken Impulsivität. Es wird oft angenommen, dass Aggressivität und Sensibilität sich ausschließen, was hier widerlegt wird: ADHS/ADSler sind sehr sensibel und gleichzeitig sehr impulsiv.
- Reaktionstyp: ADHS/ADSler gelten als ein hyperergischer Reaktionstyp.
2. Herausforderungen und Folgeerkrankungen
Dieser Menschentyp neigt zu einer schwierigeren Stressverarbeitung. Sie sind vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.
Folgekrankheiten versus Komorbidität:
Dr. Davatz argumentiert, dass die in der Psychiatrie oft diskutierte Komorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer Krankheiten) bei ADHS/ADS falsch sei. Sie betrachtet andere psychische Störungen stets als Folgekrankheiten. Wird ein Mensch mit diesem Neurotyp stark gestresst oder wird nicht persönlichkeitsgerecht mit ihm umgegangen, kann er körperliche und psychische Folgeerkrankungen entwickeln.
Beispiele für Folgeerkrankungen, die in ADHS/ADS-Familien auftreten können:
- Schizophrenie und bipolare Störungen.
- Delinquenz (besonders bei Jungen, die aggressiv werden). Viele „misslungene ADHS/ADSler“ sind in Gefängnissen zu finden.
- Essstörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Alkoholismus (oft in früheren Generationen sichtbar).
- Suchterkrankungen treten generell häufiger bei ADHS/ADSlern auf.
Soziale und zeitliche Auswirkungen:
- Dieser Neurotyp führt häufiger zu Konflikten, Scheidungen und Jobabbrüchen in den Familien.
- Es besteht ein signifikanter Unterschied in der Lebenserwartung: Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher, Männer 7 Jahre früher. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Frauen dazu neigen, sich mit ihrer Sensibilität anzupassen und sich ausbeuten zu lassen, was dazu führt, dass sie selbst zu kurz kommen.
- ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und übernehmen oft zu viel emotionale Verantwortung für dysfunktionierende Eltern oder das ganze soziale System; wenn es zu viel wird, explodieren sie oder werden krank.
3. Umgang, Umfeld und Erziehung
Die Art und Weise, wie mit dem ADHS/ADS-Neurotyp umgegangen wird, ist entscheidend, da das Gehirn ein plastisches Organ ist und durch die Interaktion mit dem Umfeld beeinflusst wird.
Notwendigkeit eines „artgerechten“ Umgangs:
- Es ist essenziell, dass diese Kinder artgerecht, persönlichkeitsgerecht und temperamentgerecht geführt und behandelt werden. Geschieht dies, kann der Neurotyp Spitzenleistungen hervorbringen (z. B. im Sport oder in der Wissenschaft). Wird das Potential zerstört, bleibt viel menschliches, geistiges Potential ungenutzt.
- Wichtig ist, dass das erzieherische Umfeld (Eltern, Lehrpersonen) frühzeitig unterstützt wird, idealerweise schon im Kindergarten, um die Entwicklung von Krankheiten zu verhindern.
Kritik an bestehenden Systemen:
- Die Psychiatrie wird kritisiert, weil sie oft nur das Individuum anschaut, Symptome behandelt und wenig bis gar nicht mit dem Umfeld umgeht (Titel: „Psychiatrie im Offside“).
- Das Schulsystem hat generell noch nicht gelernt, mit diesen Kindern umzugehen. Das Wissen an Lehrerseminaren ist karg oder gar nicht vorhanden.
- Bestrafung und Belohnung: Erziehungsmethoden wie das Smiley-System, Belohnung und Bestrafung, funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht und führen zu einem schlechten Selbstwertgefühl und der Entwicklung von Krankheiten. Im Zustand hoher Erregung kann man diese Kinder nicht erziehen; man muss sie immer zuerst beruhigen.
Führung und Unterstützung:
- ADHS/ADS-Kinder benötigen Führung und Begleitung. Sie müssen lernen, mit ihrem Temperament umzugehen.
- Sie müssen darin unterstützt werden, sich selbst zu werden; nur dann können sie sich sozial anpassen. Kritik führt dazu, dass sie nicht in der Lage sind, sich anzupassen.
- Da sie oft unter Langeweile leiden, müssten sie mehr gefüttert werden (mit Aufgaben/Input) [24, 18:06.920].
- Berufsleben und Fokus: Es ist essenziell, dass ADHS/ADS-Menschen ihren Fokus und ihr Leben finden. Bei der Berufswahl sollten sie nicht nach dem Geld, sondern nach der Stimmigkeit gehen und bei einem unstimmigen Umfeld lieber keine Stelle annehmen.
4. Besondere Merkmale in Bezug auf Aufmerksamkeit und Leistung
Der Begriff Aufmerksamkeitsstörung wird hinterfragt. ADHS/ADS-Personen besitzen eher eine breite Aufmerksamkeit und sind gut im Multitasking [56, 40:43.170].
- Langeweile: Wenn der Lehrer langweilig ist, suchen sich diese Kinder andere Reize, um nicht einzuschlafen.
- Leistungsprofil: Sie haben oft ein unausgeglichenes Leistungsprofil. Sie können in gewissen Teilbereichen ganz große Fähigkeiten und Spitzenleistungen aufweisen, in anderen jedoch schlechte Leistungen zeigen.
- Überlastung: ADHS/ADSler sind sehr begeisterungsfähig, verausgaben sich stark und brechen dann zusammen. Sie müssen lernen, selbst „Stop“ zu sagen.
5. Medikamente und Therapie
Medikamente und Therapie ergänzen sich. Medikamente sind in Akutsituationen enorm hilfreich und werden zum Runterfahren/Dämpfen oder Hochfahren/Motivieren eingesetzt, um die Stimmung zu regulieren.
Allerdings wird das Umfeld durch Medikamente nicht verändert, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen. Dr. Davatz kritisiert die Psychiatrie, wenn sie nur bei den Medikamenten stehen bleibt. Das Ziel sollte sein, Medikamente immer weiter zu reduzieren.
Die systemische Therapie/Familientherapie, die das Umfeld mit einbezieht, ist heutzutage selten geworden. Bei ADHS/ADS-Betroffenen muss immer der ganze Mensch und das ganze System unterstützt werden.
Hinweis zu Ritalin: Obwohl Ritalin für Kinder die Schule oder die Handhabung erleichtern kann, dürfen Lehrer von den Eltern nicht verlangen, dass das Kind Ritalin nehmen muss. Die Entscheidung liegt bei den Eltern.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf
Rigi Apoheke und Drogerie Buchvernissage Dr.med. Ursula Davatz
Transkript
Dr.med. Ursula Davatz
2.6.2025
Buchvernissage in der Rigi Apotheke und Drogerie
Audio
[00:00:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie ganz herzlich.
[00:00:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele kenne ich schon, oder ich erinnere mich nicht mehr.
[00:00:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ehemalige Besitzer der Apotheke ist auch hier. Bert Siegfried. Da fühle ich mich
ganz speziell geehrt, dass er auch gekommen ist. Wir sind in Aarau in die gleiche
Kantonsschule gegangen. Wir habe eine gemeinsame Geschichte.
[00:00:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein neues Buch, das ich heute Abend vorstelle, befasst sich mit ADHS/ADS.
[00:00:29.672] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/
[00:00:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche vom Genotyp, genomischer Typ.
[00:00:45.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Menschentyp, der genetische Typ, es ist nicht ein Gen. Es sind viele Gene, welche
eine Rolle spielen. Die werden alle vererbt.
[00:01:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Menschentyp neigt zur schwierigeren Stressverarbeitung.
[00:01:21.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man auch von Neurodiversität, Neurodivergenz.
[00:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat verschiedene Eigenschaften.
[00:01:34.141] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensibilität, eine leichte Verletzlichkeit und eine starke Impulsivität.
[00:01:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein emotionales Gehirn ist mehr vernetzt mit dem ganzen Gehirn und macht stärkere
Reaktionen. Empfindlicher und Impulsiver.
[00:01:55.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft denkt man: Impulsivität geht nicht mit Sensitivität einher. Das ist hier genau gepaart.
[00:02:04.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der aggressiv wird, kann nicht so sensibel sein. Das stimmt nicht.
[00:02:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr sensibel und sehr impulsiv.
[00:02:18.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Menschen sind vulnerabler in Bezug auf Stress.
[00:02:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie reagieren schneller mit Folgeerkrankungen.
[00:02:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird so ein Mensch stark gestresst, kann er mit der Zeit körperliche und psychische
Folgeerkrankungen entwickeln.
[00:02:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher, Männer nur 7 Jahre früher.
[00:02:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine der genetischen Dispositionen, welche bei den Frauen früher zu Problemen
führt.
[00:02:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann fragen warum?
[00:03:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben die Tendenz mit dieser Sensibilität sich immer anzupassen und sich
ausbeuten zu lassen. Sie haben viel Empathie, geben den anderen Menschen ganz viel
Unterstützung und kommen selber zu kurz und wissen gar nicht recht wer sie sind. Sie
sind so engagiert.
[00:03:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen kann man besser im Schulsystem integrieren. Die folgen eher.
[00:04:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten kann man besser Reiten als Hengste. Die Stuten wehren sich nicht.
[00:04:10.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben wehren sich mehr. Die werden aggressiv. Schlussendlich können sie
delinquent werden.
[00:04:22.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es viele misslungene ADHS/ADSler.
[00:04:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit dem Neurotyp nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentsgerecht
umgeht, entwickeln sie Folgekrankheiten.
[00:04:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht artgerecht mit ihnen umgeht, dann werden sie krank.
[00:04:37.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie spricht immer noch über die Komorbidität.
[00:04:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Krankheit ADHS/ADS und man hat die Krankheit Schizophrenie.
[00:04:38.120] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/
[00:04:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Delinquenz, Essstörungen, Borderline Persönlichkeitsstörung, etc.
[00:05:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS. Früher war es POS.
[00:05:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals haben es die Psychiater noch nicht akzeptiert. Heute ist es in aller Munde, es
kommt in jeder Zeitung, jede Woche.
[00:05:08.648] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von Komorbidität. Ich sage nein, es ist immer eine Folgekrankheit.
[00:05:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sich noch gar nicht ausgebreitet. Vielleicht in 40 Jahren wenn ich nicht mehr da
bin, schaut man es auch so an.
[00:05:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Praxis erlebe ich das natürlich täglich.
[00:05:15.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer drei Generationen an.
[00:05:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehe ich: der Vater hatte Alkoholismus, dort gab es eine Schizophrenie. Dort gab
es eine bipolare Störung und die Enkelkinder werden jetzt diagnostiziert mit ADHS/ADS.
[00:05:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald eine psychische Störung auftritt, werden diese Menschen der Psychiatrie
weitergegeben.
[00:05:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie, es sind ja psychiatrische Krankheiten, die kann nicht sehr gut damit
umgehen.
[00:05:49.927] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum schreibe ich als Untertitel auf meinem Buch: Psychiatrie im Offside.
[00:05:50.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie schaut nur das Individuum an, bekämpft die Symptome, behandelt die
Symptome.
[00:05:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie geht wenig bis gar nicht mit dem Umfeld um.
[00:05:56.772] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.
[00:06:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch versuche ich aufzuzeigen, wie man diesen Kindern artgerecht,
persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht umgehen muss.
[00:06:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie verwendet man zwei Methoden: Medikamente. Medikamente sind gut
für die Akkutsituationen. Medikamente werden zum runterfahren verwendet, zum
dämpfen.
[00:06:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente werden auch zum Hochfahren, Motivieren verwendet.
[00:06:53.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Medikamenten wird die Stimmung über das Gehirn reguliert, verändert. Das
Umfeld wird nicht verändert.
[00:06:54.167] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen, welche das Medikament nehmen, lernen auch nicht besser mit ihrem
Temperament umzugehen.
[00:06:54.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen müssen lernen mit ihrem Temperament umzugehen.
[00:07:16.878] – Dr.med. Ursula Davatz
An erster Stelle müssen die Eltern dieser Kinder und Lehrpersonen (Schulen) lernen mit
dem Temperament umzugehen.
[00:07:26.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer wieder Zuweisungen von Eltern mit ihren Kindern, welche die Schule
verweigern.
[00:07:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme Kontakt mit den Lehrpersonen auf. Es gibt sehr gute Ausnahmen.
[00:07:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell hat unser Schulsystem noch nicht gelernt mit diesen Kindern umzugehen.
[00:07:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um Heilpädagogik und Zusatz und so weiter.
[00:07:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssten lernen.
[00:07:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an die Lehrerseminare sich wendet, ist dort das Wissen sehr karg oder gar
nicht vorhanden.
[00:08:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt vielleicht etwas über Diagnosen, nicht aber wie man mit diesen Kinder
umgeht. Das wird den Lehrpersonen in der Ausbildung nicht beigebracht. Sie wissen es
selber nicht.
[00:08:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass das erzieherische Umfeld unterstützt wird, so früh wie möglich.
[00:08:25.983] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt schon im Kindergarten, dass das erzieherische Umfeld unterstützt wird.
[00:08:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr wenige Psychiater und Psychotherapeuten, welche die Eltern beraten
können.
[00:09:11.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind sich alle einig, dass die Jugend heute viel mehr psychiatrische Krankheiten
aufweist.
[00:09:11.398] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.unicef.ch/de/was-wir-tun/national/wohlergehen-von-kindern/psychische-gesundheit
[00:09:17.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher kommt das?
[00:09:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Tagung der Schweizer Psychiatriegesellschaft in Basel gab es kein Referat zum
Thema ADHS/ADS.
[00:09:21.694] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.psy-congress.ch/frontend/index.php
[00:09:21.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war sehr erstaunt.
[00:09:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Presse, bei den Laien, im Internet wird sehr viel publiziert.
[00:09:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, die Ärzteschaft, die Psychiatrie und die Psychiater hinken diesbezüglich hinter
her.
[00:09:53.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Versorgung hinkt hinterher.
[00:10:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht schon im Kindergarten beraten wird und die Eltern früh Hilfe
bekommen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Krankheit.
[00:10:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch glückliche Kinder, welche ein gutes Umfeld haben, wo die Eltern mit diesen
Kinder umgehen können. Wo alles gut läuft.
[00:10:08.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Der artgerechte Umgang bringt Spitzenleistungen in den ADHS/ADSlern hervor. Im
Sport, in der Wissenschaft.
[00:10:20.962] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein, Elon Musk, beides Autisten.
[00:10:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann das Umfeld nicht damit umgehen, wird zuviel menschliches, geistiges Potential
zerstört. Es bleibt ungeachtet und geht zu Grunde.
[00:11:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein plastisches Organ.
[00:11:01.425] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird zu einem gewissen Grad von den Genen her bestimmt.
[00:11:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Laufe des Lebens kann sich das Gehirn verändern.
[00:11:26.475] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Interaktion mit dem Umfeld wird das Gehirn beeinflusst.
[00:11:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann sehr vieles wieder lernen.
[00:11:32.678] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann gute Dinge lernen oder es kann Krankheiten lernen.
[00:11:32.824] – Dr.med. Ursula Davatz
Dummheit ist lernbar. Krankheit ist lernbar.
[00:11:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann sich pathologische Mechanismen aneignen, weil diese vom Umfeld
gefördert werden.
[00:11:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen und das ist in der Medizin ein bisschen verloren
gegangen.
[00:11:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nur der Einzelne behandelt und nur die Symptome.
[00:12:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man noch weiter, behandelt man nur diese Diagnose und das Symptom.
[00:12:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler muss man immer den ganzen Menschen und das ganze System
unterstützen wenn man etwas erreichen möchte.
[00:12:06.522] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist plastisch.
[00:12:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Bereich besteht ein grosse Manko.
[00:12:31.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie ist noch nicht so weit vorgedrungen, dass sie hilft, das Umfeld zu
unterstützen.
[00:12:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine zeitlang war die systemische Therapie, die Familientherapie En Vogue.
[00:12:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA hat sie in den 1970er und 1980er Jahren geblüht.
[00:12:46.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dann in die Schweiz gekommen und war eine zeitlang interessant.
[00:12:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man keine systemisch ausgebildeten Ärzte mehr, welche mit der Familie
umgehen können.
[00:13:10.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Psychologen, die es können, jedoch viel zu wenig.
[00:13:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher, nicht
erst wenn der Patient eine Krankheit hat. Dann ist es schon zu spät.
[00:13:26.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss schon in den Entwicklungsjahren unterstützt werden, damit sich gar
keine Krankheit entwickelt.
[00:13:32.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir wie die heutigen Kinder sozialisiert werden, alle schauen immer auf das
Handy.
[00:13:48.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute erziehen wir lauter Autisten. Jeder in seiner Welt.
[00:13:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist alles online. Es werden viele Videospiele gespielt.
[00:13:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch verlernt mit dem Menschen umzugehen. Der Mensch verlernt mit den
Emotionen umzugehen.
[00:14:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr wichtig, dass wir mehr die Interaktion anschauen und die erziehenden
Personen unterstützen im Umgang mit den neurodiversen Kindern.
[00:14:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodiversen ADHS/ADSler haben zum Teil in gewissen Teilbereichen ganz grosse
Fähigkeiten, also Spitzenleistungen.
[00:14:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
In anderen Teilbereichen haben sie schlechte Leistungen.
[00:14:44.890] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben oft ein sehr unausgeglichenes Leistungsprofill
[00:14:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt aber auch solche, die überall gut sind.
[00:14:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen ADHS/ADSler ist es langweilig. In der Schule merkt man das nicht.
[00:14:53.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste ihn füttern mit mehr.
[00:15:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, er wird bestraft, dass er stört.
[00:15:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt das Kind: ich kann es nie recht machen. Ich bin nicht in Ordnung.
[00:15:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
So zerstört man grosses menschliches Potential.
[00:15:27.815] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Jammerschade.
[00:15:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu meinem Schreck stelle ich immer noch fest, dass die Erziehungsmethoden in der
Schule, welche an der Fachhochschule gelernt werden Belohnung und Bestrafung sind.
[00:15:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Smiley System funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.
[00:15:41.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafung macht sie schlechter, gibt ihnen ein schlechtes Selbstwertgefühl und die
entwickeln dann eher Krankheiten.
[00:15:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird oft gesagt: wenn sich ein Kind fehl verhaltet, muss man es zurechtweisen sonst
gibt das einmal ein Monster.
[00:16:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr emotional, sehr impulsiv. Im Augenblick wo sie hoch erregt
sind, kann man sie nicht erziehen. Man muss immer runter kommen, dann kann man
ein Vorbild sein.
[00:16:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit Belohnung und Bestrafung arbeiten.
[00:16:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diese Verhaltensweisen laufen reflexartig ab. Mit dem Reflex kann man nicht
argumentieren.
[00:16:24.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erzieher sagen: das geht doch nicht, so kannst du dich nicht benehmen. Das hört
man auch auf der Strasse, wenn sie mit den Kinder sprechen.
[00:16:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den ADHS/ADS Menschen immer zuerst beruhigen.
[00:16:52.658] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man seine Regel sagen.
[00:16:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen ihrem Wesen entsprechend geführt und behandelt werden.
[00:17:20.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den hoch sensiblen ADS Kindern wird oft gar nichts mehr verlangt. Das ist auch
nicht gut.
[00:17:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie führen und ein Vorbild sein. Man muss Geduld haben.
[00:17:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat man wenig Geduld. Man will sofort eine Lösung haben auf Knopfdruck und
dann muss das Kind funktionieren.
[00:17:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Katastrophe.
[00:17:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerhard Polt sagt: was die Gene versaut haben, kann nicht nur mit Schlägen korrigiert
werden.
[00:17:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt man bei den ADHS/ADSlern mit Belohnung und Bestrafung, geht es schief. Man
erreicht bei diesen Kindern nur ein schlechtes Selbstwertgefühl.
[00:18:06.839] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochintelligente Kinder kriegen dann das Gefühl: ich bin nie Recht, ich mache nichts.
Das ist schade.
[00:18:06.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind hat die Schule verweigert. Die Mutter war verzweifelt. Das Kind hatte zu wenig
Aufgaben. Die Mutter hat dem Kind zu Hause noch Mathe Aufgaben gegeben. Jetzt
läuft das recht gut.
[00:18:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, was bei diesen Kindern los ist.
[00:18:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder werden heute stark vom Internet und dem Computer erzogen.
[00:18:41.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass die Erziehungsberechtigten darauf achten, dass man die
Persönlichkeitsentwicklung fördert bei den ADHS/ADS Menschen.
[00:19:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Spruch einer Kinderkrippe lautet: das Beste was ein Kind werden kann, ist sich
selbst.
[00:19:05.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn ein Kind sich selber werden darf, kann es sich auch sozial anpassen.
[00:19:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind immer als falsch kritisiert wird, ist es nicht in der Lage sich anzupassen.
Das Kind muss zuerst zu sich selber finden. Dann ist das Kind auch sozial.
[00:19:25.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen, wir haben soziale Gene.
[00:19:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen kooperieren.
[00:19:42.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Delphine, alle sozialen Wesen wollen kooperieren.
[00:19:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Delphine und Schimpansen gehen nicht in die Sonntagsschule. Von Natur her sind wir
sozial. Wir wollen einander helfen. Wir sind sozial.
[00:19:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird das Individuum immer kritisiert, dann gibt das kein gutes Sozialverhalten.
[00:20:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder darin unterstützen, dass sie sich selber werden können.
[00:20:07.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie dazu auffordern, wo immer sie eine solche Situation antreffen, dass sie
helfen, dass diese Kinder sich selber werden dürfen.
[00:20:34.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge wurde von der Mutter in die Schule gebracht. Er wollte sich nicht von der
Mutter trennen. Man hat ihn gewaltsam getrennt. Er wurde im Zimmer eingesperrt,
damit er nicht nach Hause rennen kann. Der hat bis heute ein Trauma, dass er in der
Schule entführt oder eingesperrt wird.
[00:21:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wird täglich vom Grossvater oder Grossmutter begleitet. Er hat Angst vor der Schule.
In der Schule macht er es gut. Mit den anderen Kindern macht er es gut.
[00:21:09.485] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wollte das Kind in ein Heim stecken, weil eine zu nahe Mutter/Kind
Beziehung vorliegt. Eine Katastrophe.
[00:21:09.607] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist konnte erwirken, dass das Kind in der Schule bleibt.
[00:21:09.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Missratene, die Guten sehe ich nicht.
[00:21:44.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder der in einem solchen Moment mithelfen kann, sei es der Nachbar, die
Grossmutter, die Eltern, die Tante, die Apothekerin, kann ich nur unterstützen.
[00:22:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den ADHS/ADS Kindern helfen, damit sie sich gesund entwickeln und zu
sich selber finden können.
[00:22:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen und zum Teil auch bei den Männern muss ich sagen: sie müssen ihren
Focus finden.
[00:22:34.019] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn sie ihren Focus finden, läuf es.
[00:22:34.092] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn von aussen her zuviel rein geredet wird, wenn man etwas anderes aus ihnen
machen möchte, dann können sie ihren Focus nicht finden, dann muss ich als
Therapeutin ihnen helfen ihren Fokus zu finden.
[00:22:47.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kostet viel Arbeit, aber es lohnt sich.
[00:22:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Wunsch lautet: wenn sie mit solchen Menschen zu tun haben in ihrer
Bekanntschaft, dass sie diesen Kindern helfen ihren Fokus und ihr Leben zu finden.
[00:23:36.520] – Bemerkung 1
Ich würde das Thema Medikament und Therapie nicht zu stark gegen einander
ausspielen. Ich nehme bis heute seit 40 Jahren in geringen Mengen ein Neuroleptikum
und ein halbes Milligramm Risperdal pro Tag. Ich war Sicherheitschef vom
Kernkraftwerk Beznau. Ich war auch in Fukushima. Ich war froh, dass ich dort meine
Medikamentendosis erhöhen konnte, in einer Stresssituation. Ich habe ganz viel
Therapie gemacht bei Ihnen. Medikamente und Therapie ergänzen sich. Das Ziel ist
klar, die Medikamente immer mehr zu reduzieren. Bis auf 0 habe ich es noch nicht
geschafft. Ich halte das emotional nicht aus. Ich brauche eine Minimaldosis.
[00:24:49.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin froh um diesen Hinweis und um diese Ergänzung. Ja sie ergänzen sich. In der
Akutphase sind sie enorm hilfreich.
[00:25:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: es braucht noch etwas anderes dazu. Man darf nicht nur Medikamente
abgeben. Ich kritisieren die Psychiatrie, wenn sie bei den Medikamenten stehen bleibt.
Gewisse Ärzte fragen den Patienten nur: wie geht es mit den Medikamenten?
[00:25:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht beides. Ich will es nicht gegeneinander ausspielen. Ich will es ergänzen. Ich
verschreibe auch Medikamente. Ich versuche die Leute zu begleiten, dass sie noch
lernen dazu.
[00:25:54.560] – Bemerkung 2
Ich kann das ein Stück weit bestätigen. Ich nehme Medikamente zum schlafen. Der
Schlaf ist bei mir das grösste Trauma, welches ich nicht überwinden konnte, dass ich
ohne Medikamente schlafen kann. Das geht einfach nicht. Wenn ich dann keine
Medikamente nehme, dann kommen mir alle Gedanken und so viele Dinge kommen auf
mich zu, dann ist fertig. Dann geht es mir sehr schlecht. Ich kann nicht ohne
Medikamente schlafen.
[00:26:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es schläft einfach nicht.
[00:26:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein neues Schlafmittel: QUVIVIQ.
[00:26:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
QUVIVIQ funktioniert anders. Es ist kein Sedativa.
[00:26:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Schlafarchitektur anschaut, haben die Leute welche nicht schlafen einen
verlängerten REM Schlaf. REM-Schlaf steht für "Rapid Eye Movement".
[00:26:54.969] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/REM-Schlaf
[00:27:19.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Im REM Schlaf bewegen die sich. Die fallen zum Teil aus dem Bett. Restless Legs im
Bett ist auch Bewegung.
[00:27:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute die einen längeren REM Schlaf haben, wollen ihre Probleme im Schlaf lösen.
[00:27:23.992] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Probleme ans Tageslicht nehmen. Nimmt man die Probleme ans
Tageslicht, wird der REM Schlaf wieder kürzer.
[00:28:01.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Der REM Schlaf ist dazu da, dass man lehrt, vergisst, damit das Gehirn wieder bereit ist
für neue Erlebnisse.
[00:28:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erlebnisse so traumatisch sind, bleiben die hängen im Gehirn. Dann träumt
man zum Teil auch. Dann arbeite ich mit den Leuten auch mit ihren Träumen. Dann
kann man schauen, was bearbeitet werden muss.
[00:28:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Ausdruck davon, dass der Tag nicht richtig verarbeitet wurde.
[00:28:27.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Dinge an einem Tag.
[00:28:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In der eigenen Geschichte gibt es Traumatas, die nicht verarbeitet wurden.
[00:28:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe ist es, das langsam hervorzuholen und am Tag zu verarbeiten.
[00:28:55.340] – Bemerkung 3
Was sagen sie zur Ernährung und dem Hormonspiegel?
[00:28:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Hormonspiegel ist bei den Frauen ein grosses Thema. Man spricht auch vom
prämenstrualen Syndrom, die Wechseljahre, wo sich die Hormone neu einstellen.
[00:29:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Organismus ist ganzheitlich organisiert.
[00:29:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann von vielen Orten her reinkommen.
[00:29:30.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Gynäkologen verwenden Hormone, ich verwende Psychotherapie und versuche den
Leuten zu helfen, ihr Leben zu verarbeiten.
[00:29:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Essen ist auch eine grosse Mode. Die Medizin hat die Ernährung entdeckt. Vom Darm
werden mehr Signale in das Gehirn zurück gesendet.
[00:29:40.348] – Dr.med. Ursula Davatz
Den gestörten Ratten gibt man Kot der gesunden Ratten und hofft dann, dass es ihnen
besser geht.
[00:30:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gesunde Lebenshaltung hat, psychisch ausgeglichen ist, ernährt man
sich gesund.
[00:30:21.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil wir alle kein Zeit haben, wird viel mit Fast Food gemacht. Dann ernährt man sich
ungesund.
[00:30:21.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Fastfood enthält viele Konservierungsmittel, Stabilisatoren. Man kriegt dann
Ablagerungen in allen möglichen Organen vom Fluor. Das ist nicht so gut.
[00:30:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich gesund ernähren ist eine gute Sache. Daraus wird ein grosses Geschäft gemacht,
mit den Zusatzstoffen.
[00:30:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Möglichst sich normal ernähren.
[00:30:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sagte man: bei Gelbsucht kein Fett essen.
[00:30:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man: sie dürfen essen, was ihnen schmeckt.
[00:30:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist so eingerichtet, dass er gesunde Dinge isst.
[00:31:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Fastfood hat viel Zucker. Die Industrie will mehr verkaufen.
[00:31:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn das Kind fast nur Pasta isst, kann sich das Kind völlig normal entwickeln.
[00:32:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur regelt sich besser als man denkt.
[00:32:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gescheiten Ärzte denken immer es besser zu wissen und funkionieren dann zu sehr
rein.
[00:32:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie muss ich oft sagen: laufen lassen, abwarten.
[00:32:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Interventionismus ist nicht immer hilfreich.
[00:32:42.550] – Bemerkung 4
Ich habe eine Frage zur Schule. Versucht man das systemische Denken in die
Lehrerausbildung zu integrieren? Läuft da etwas.
[00:32:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Kanton Aargau versucht in die Lehrerweiterbildung rein zukommen. Es
hiess immer: wir haben schon ein Programm, wir brauchen nichts. Bei den
Heilpädagogischen Schulen wurde ich aus abgewiesen.
[00:33:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ende Oktober treffe ich die Erziehungsdirektorin im Kanton Aargau.
[00:33:25.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehrerausbildung muss sie etwas machen zum Thema ADHS/ADS.
[00:33:25.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Zürich habe ich keinen Kontakt.
[00:33:25.710] – Bemerkung 5
Es muss in die Grundausbildung.
[00:33:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.
[00:33:36.800] – Bemerkung 6
Vielleicht ist es jetzt ein guter Moment. Das Feld wurde durch die vielen Artikel
vorbereitet.
[00:33:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich selber biete einen kleinen Kurs an für Lehrer und Erzieher von sechs Mal. Das ist
eine kleine Gruppe.
[00:33:53.157] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss in die Lehrerseminare rein.
[00:34:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Leute in Beratung, die dort arbeiten. Die verwerfen die Hände. Die sind selber
ADHS/ADSler. Die sagen selber: man kann gar nicht damit umgehen.
[00:34:11.120] – Bemerkung 7
Viele Schulen wollen, dass die ADHS/ADS Kinder Ritalin nehmen. Das ist gewaltig. Sie
haben keine Ausbildung und das Wort Ritalin wird rein geworfen. Die Lehrer urteilen
dort sehr schnell.
[00:34:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Lehrpersonen verweigern den Unterricht, wenn das Kind kein Ritalin bekommt.
[00:34:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht. Die Eltern entscheiden, ob das Kind Ritalin bekommt. Ich bin nicht
gegen Ritalin.
[00:35:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht, dass die Lehrer verlangen, dass das Kind Ritalin haben muss, damit es
die Lehrperson einfacher hat.
[00:35:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil ist es, dass die Kinder mit Ritalin einfacher zu handhaben sind, dass sie sich
besser fokussieren können, bessere Noten machen, etc.
[00:35:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss auch mit den ADHS/ADS Kindern umgehen können.
[00:35:42.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen mit einem natürlichen Talent, können gut mit ADHS/ADS Kinder
umgehen.
[00:35:43.500] – Bemerkung 8
Mein Neffe hat einen holländischen Lehrer. Der hat für den ADHS Jungen in der Schule
ein Trampolin empfohlen. Zehn Minuten am Morgen bevor er in die Schule geht, zehn
Minuten bevor er am Nachmittag in die Schule geht und Abends nochmals zehn
Minuten.
[00:35:49.780] – Bemerkung 8
In Holland haben viele Familien ein Trampolin vor dem Haus. Die wollen die
hyperaktiven Kinder fordern. Das ist eine einfache Methode.
[00:36:16.410] – Bemerkung 8
Mein Neffe ist heute 21 Jahre alt und macht das heute noch.
[00:36:17.610] – Bemerkung 8
Vor einer Prüfung geht er auf das Trampolin.
[00:36:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.
[00:36:34.290] – Bemerkung 9
Es gibt eine Studie, dass Tramplion dem Gehirn schadet, wenn das Kind jung ist und
viel Tramplion springt.
[00:37:11.840] – Bemerkung 10
Nie länger als 10 Minuten, wenn man es therapeutisch macht. Ich habe das auch in der
Menopause gemacht. Das hilft sehr viel. Wenn man das Gefühl hat, dass man total
müde ist und dann auf das Trampolin geht. Das bringt etwas.
[00:37:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Frauen hilft es in der Menopause in Bezug auf Osteoporose.
[00:37:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stoss macht, dass die Knochen wieder aufgebaut werden.
[00:37:55.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Schüler, das ist gut, dass sie sagen, nur 10 Minuten.
[00:37:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Jahren haben schon Lehrer festgestellt, dass wenn Kinder Turnen gehabt haben
und dann in die Stunde gekommen sind, dass sie dann besser aufpassen konnten.
[00:38:08.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat schon mein Geografielehrer gesagt.
[00:38:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles mit Mass. Nicht übertreiben. Wie beim Essen. Es gibt nichts, das besser wird,
wenn man es immer mehr steigert.
[00:38:33.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft auch mit dem Ritalin so. Ich habe noch keine Wirkung, also noch steigern.
Erwachsene nehmen bis 100 mg. Ich sage möglichst tief behalten, damit man auch
noch etwas anders hat, um auf sich einzuwirken.
[00:38:52.020] – Bemerkung 11
ADHS/ADS ist genetisch vererbt?
[00:38:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, immer.
[00:38:57.380] – Bemerkung 11
Das heisst man kann in der Blutlinie zurückschauen und sehen wo es herkommt?
[00:39:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Ich mache jetzt eine Studie mit Prof. Dr.med. Marc Walter (Königsfelden) und Prof.
Dr. med. Sven Cichon (Basel).
[00:39:01.770] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf
[00:39:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Studie, wo man Blut nimmt oder Speichel und dann einen Gentestet macht und
dann noch alle anderen Sachen und wie sie erzogen worden sind. Ich habe eine kleinen
Fragebogen gemacht.
[00:39:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will die Interaktion sehen. Wie ist man mit diesen Kindern umgegangen? Was ergibt
sich daraus?
[00:39:47.740] – Bemerkung 12
Heute werden die Kinder viel schneller diagnostiziert mit ADHS/ADS. Woran liegt das?
Es ist ja vererbt. Ist es eine moderne Diagnose?
[00:40:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nicht auf einmal mehr ADHS/ADS Gene. Die waren immer schon vorhanden.
[00:40:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum hat es mehr ADHS/ADS Gene.
[00:40:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit der Jäger und Sammler gab es 50% ADHS/ADS Gene. Heute haben wir noch
5%.
[00:40:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird selektioniert.
[00:40:39.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum haben sich die ADHS/ADS Gene als Vorteil bestätigt.
[00:40:43.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler ist gut im Multitasking. Ich spreche von der breiten Aufmerksamkeit.
[00:40:54.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Diagnostischen heisst es Aufmerksamkeitsstörung. Es ist keine Störung, die
Aufmerksamkeit ist einfach breit.
[00:40:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrperson langweilig ist, dann holt sich das Kind andere Reize, sonst schläft
es ein,
[00:41:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum gibt es so viel mehr ADHS/ADSler?
[00:41:06.888] – Dr.med. Ursula Davatz
Man achtet mehr darauf, man nimmt es mehr wahr.
[00:41:07.115] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine etwas andere Schulumgebung. Früher sind die in der Schule einfach
irgendwie unter gegangen oder man hat sich doch angepasst, weil es nichts anderes
gab.
[00:41:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem individualisierten Unterricht braucht es eine viel bessere Führung. Die ist oft
nicht vorhanden.
[00:41:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder kriegen keine Führung mehr. Die Kinder müssen ihren Plan selber machen.
Dann müssen es die Eltern für die Kinder machen. Das ist für ADHS/ADS Kinder nicht
gut.
[00:41:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bestrafen, wenn sie alles vergessen haben, ist auch nicht gut.
[00:41:55.161] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen begleitet werden.
[00:41:55.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft ist Reizüberflutet. Das gibt bei diesen Kindern schneller einen
System Überlauf, emotionale Überflutung.
[00:42:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Störfaktoren, welche das zum Vorschein bringen.
[00:42:20.853] – Dr.med. Ursula Davatz
Gen sind keine Mode, die werden einfach vererbt.
[00:42:21.420] – Bemerkung 13
Ich war bei ihnen. In unserer Familie kommt ADHS/ADS und Schizophrenie vor. Ich
habe mich persönlich damit auseinandergesetzt als Physiotherapeutin. In der Familie
nimmt das Entwicklungstrauma einen grossen Raum ein. Ich komme zum Schluss auf
die Epigenetik. Früher hat man ADHS/ADS gebraucht um den Gefahren hinter jeder
Ecke auszuweichen.
[00:44:03.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben das gebraucht um alles zu sehen.
[00:44:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetisch ist die Sensibilität und starke Reaktivität vorhanden.
[00:44:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch gibt es mehr Konflikte. ADHS/ADS Familien haben mehr Scheidungen,
Jobabbrüche, etc.
[00:44:46.760] – Bemerkung 14
Sie schauen es von der anderen Seite an. Wir treffen uns in der Mitte.
[00:45:00.900] – Bemerkung 15
Ich schaue es übergeordnet an. Es ist ein Trauma, welches über vier Generationen
weiter gegeben wird. Das Projekt "Kein Kinderspiel" zeigt das sehr gut.
[00:45:01.130] – Bemerkung 15
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/kinder-sprechen-ueber-flucht-ich-habe-uebersetzt-ohne-zu-verstehen
[00:45:36.130] – Bemerkung 15
Kann ein Trauma vererbt werden? Die Deutschen wissen das schon lange. Ein Trauma
kommt nicht über die Gene. Die Emotionen ziehen klare Linien, wo beim Menschen die
Dinge nicht abgeschlossen sind.
[00:46:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Epigenetik kommt dazu. Wir haben die Genetik mit den Veranlagungen. Die werden
immer wieder gemischt bei der Fortpflanzung. Jedes Kind hat eine andere Mischung.
Kinder der gleichen Eltern haben nicht die gleiche Mischung aber eine ähnliche.
[00:46:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Genen haben wir potentielle Veranlagungen, die nicht verwendet werden. Wenn
ein starkes Drama hinzukommt, tritt es plötzlich auf.
[00:46:17.390] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist nicht eine traumatische, epigenetische Angelegenheit. Es wird genetisch
vererbt. Die Epigenetik kommt hinzu.
[00:46:18.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Grosseltern können die Traumatas an ihre Kinder weitergeben. Die geben es dann
wieder weiter an ihre Kinder.
[00:46:19.790] – Bemerkung 16
Das ADHS/ADS ist immer übergeordnet, die anderen Krankheiten sind untergeordnet.
[00:47:38.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich behaupten.
[00:47:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr viel vulnerabler auf epigenetische Vererbung, wegen der hohen
Sensibilität.
[00:47:39.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man epigenetische Forschung macht, läuft eine Methylierung.
[00:47:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/DNA-Methylierung
[00:47:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden irgendwelche Dinge abgehängt und es geht eigentlich dann in der Richtung
einfacher, in der Richtung primitiver.
[00:48:13.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon im Uterus können epigenetische Vererbungen laufen.
[00:48:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Gar kein Stress ist nicht gut für das Wachstum von dem Kind und zu viel Stress ist auch
nicht gut.
[00:48:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuviel und zu wenig macht das Problem aus.
[00:48:37.600] – Bemerkung 17
In meinem Umfeld gibt es ein autistisches Kind. Ich wurde gefragt, was ich von der
Stammzelltransplantation halte. Die wollen dafür ins Ausland gehen für X tausend
Franken.
[00:48:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Das kann es nicht sein.
[00:49:09.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS, Autismus-Spektrum-Störung. Bei ADHS spricht man neu auch vom Spektrum.
[00:49:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder sind ADS Kinder. Wenn das Umfeld zu hyperaktiv ist, sei es ein
Geschwister oder eine Mutter oder einen Vater, dann zieht sich das Kind immer mehr
zurück. Autisten haben ein sehr aktives Innenleben. Sie denken alles aus. Je mehr man
sie bedrängt, mit ihnen spricht, umso mehr ziehen sie sich zurück. Das Umfeld der
autitischen Kinder muss beruhigt werden, verlangsamt werden. Das Umfeld muss
lernen besser zu beobachten. Nicht gleich drauf los schiessen.
[00:49:12.614] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Stammzelltransplantation hilft sicher nicht.
[00:50:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute kommen immer mit irgendwelchen verrückten Ideen.
[00:50:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Gebiet noch nicht so gut erforscht ist, kann man alles sagen.
[00:51:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Robert F. Kennedy Jr. sagt ganz viele komischen Dinge.
[00:51:03.412] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Kennedy_Jr.
[00:51:07.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist immer ein Impffehler, sagen gewisse Leute.
[00:51:07.882] – Dr.med. Ursula Davatz
Impfungen können bei gewissen Kindern eine Enzephalitis auslösen.
[00:51:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Enzephalitis
[00:51:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Enzephalitis hat, dann hat man Probleme. Das ist eine spezielle
Reaktion des Kindes.
[00:52:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein hyperergischer Reaktionstyp.
[00:52:03.860] – Dr.med. Ursula Davatz
https://flexikon.doccheck.com/de/Hyperergie
[00:52:11.360] – Bemerkung 18
ADHS/ADSler haben mehr Allergien.
[00:52:11.800] – Bemerkung 19
Mir geht es um die Stigmatisierung. Es wird zu wenig aufgearbeitet und erklärt in der
Gesellschaft. Was ist das überhaupt? Ich kenne Eltern, welche darunter leiden, wenn
sie plötzlich vom Arzt hören, dass ihr Kind ein Autist ist. Das darf ich meiner Nachbarin
gar nicht sagen. Man sollte viel mehr Aufklärungen machen. Die gehören doch alle zu
uns.
[00:52:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage spricht man auch von der Neurodiversität, neurodivergente Kinder.
[00:52:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Mitte ist die Norm und auf der Seite sind die Kinder, welche ein wenig anders
sind. Das ist die gausssche Glockenkurve.
[00:52:57.710] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Normalverteilung
[00:52:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Population, die ganz viel unterschiedliche Genkombinationen hat, die überlebt viel
besser als eine, die homogenetisch ist.
[00:53:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen andere Leute, die gehören zu uns.
[00:53:46.160] – Bemerkung 20
Viele leiden unter ihrem ADHS/ADS. Die Aufklärung ist ungenügend.
[00:53:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Krankheit. Es ist ein sensibler Neurotyp, welcher empfindlicher ist.
[00:53:49.407] – Bemerkung 21
Das ist doch schön!
[00:53:49.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss eine Diagnose stellen, damit die Krankenkasse bezahlt. Das mache ich auch.
[00:54:22.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn der ADHS/ADSler ist mehr vernetzt und bleibt länger vernetzt.
Das kleine Kind hat noch eine grosse Vernetzung.
[00:54:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
n der Pubertät geschieht das Synaptic Pruning.
[00:54:28.747] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Synaptic_pruning
[00:54:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gehirn werden Autobahnen angelegt. Andere Schaltstellen werden gekappt, zerstört.
[00:55:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern bleibt diese Vernetzung länger. Die reifen später und haben
immer eine stärkere Vernetzung. Das gibt ihnen auch die Fähigkeit grenzüberschreitend
denken zu können. Das sind die Forscher, Unternehmer, etc.
[00:56:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht krank, sie sind anders.
[00:56:10.620] – Bemerkung 22
Wie sieht es aus, wenn man ins Berufsleben geht? Die Kinder sind ein Spiegel der
ganzen Familie. Ich arbeite nur mit Frauen. Nicht pflegeleichte Kinder sind schwierig für
den Vater. Der Vater sollte auch seine Geschichte anschauen. Es ist einfacher zu
sagen: diese Kinder sind einfach krank. Man will immer die Verantwortung abgeben.
[00:56:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder sind sehr sensibel und übernehmen ganz viele emotionale
Verantwortung. Sie tragen ganz viel und wenn es zuviel wird, dann explodieren sie,
dann werden sie krank.
[00:56:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht gut funktionieren, dann übernimmt das Kind die ganze soziale
Last. Sozialisierung, Übersetzer, etc. Irgendwann wird es zuviel.
[00:57:30.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss diese Familien möglichst früh unterstützen, damit diese Krankheit sich nicht
so entwickelt.
[00:57:53.240] – Bemerkung 23
Mein Sohn hat ADHS/ADS. Er ist 20 Jahre alt, nimmt Concerta. Was kann er für
Folgekrankheiten entwickeln? Wo muss ich aufpassen? Wo sind die Gefahren?
[00:58:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht beim Concerta.
[00:58:02.118] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss alles rund um das Kind wissen. Was ist es für ein Kind? Was für ein Beruf hat
er gewählt. Bei der Berufswahl muss man aufpassen, dass man als Eltern nicht
bestimmt, was er lernen muss.
[00:58:02.280] – Bemerkung 24
Er hat schon abgeschlossen.
[00:58:17.768] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er seinen Fokus gefunden? Gefällt ihm sein Beruf?
[00:58:17.914] – Bemerkung 24
Da bin ich nicht so sicher. Er selber ist nicht so sicher.
[00:58:17.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man offen sein. ADHS/ADSler können X verschiedene Stellen suchen. Als
erstes muss er formulieren können: was passt mir nicht?
[00:59:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht stimmt, geht es gar nicht.
[00:59:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine neue Stelle suchen sage ich: keine Stelle nehmen, wenn es nicht stimmt.
Lieber keine Stelle, als eine falsche.
[00:59:32.480] – Bemerkung 25
Interessant.
[00:59:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Probezeit machen, eine ganze Woche. Auf den Bauch hören: stimmt das Klima für
mich? Wenn es nicht stimmt, die Stelle nicht nehmen.
[00:59:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach dem Geld gehen sondern nach der Stimmigkeit.
[00:59:53.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele begleitet und auch geschützt, wenn das RAV gesagt hat, dass man die
nächste Stelle nehmen muss.
[01:00:11.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe allen geholfen, dass sie nichts nehmen, das nicht zu ihnen passt.
[01:00:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich nicht. Sie haben sonst einen Job nach dem anderen. Sie müssen genau
schauen, ob es stimmt. Sie sind viel sensibler auf die Stimmigkeit. Wenn man einen
Chef hat, der nicht mit einem umgehen kann, muss man gar nicht beginnen.
[01:00:34.020] – Bemerkung 26
Ja, das stimmt.
[01:00:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz wichtig. Das Geld ist weniger wichtig.
[01:00:40.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf lange Sicht ist die Stimmigkeit ganz wichtig und dass sich der Mensch gesund
entwickeln kann. Das ist 100 Mal wichtiger, als wenn er ein Jahr arbeitslos ist.
[01:00:55.480] – Bemerkung 27
Als Arbeitgeberin, hätte ich gerne, wenn man mir sagt: ich habe ein ADHS/ADS.
[01:00:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, das ist gut.
[01:00:59.400] – Bemerkung 27
Wir arbeiten sehr nahe zusammen. Ich finde es wichtig, dass man weiss wo man steht,
als Arbeitgeberin.
[01:00:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich sehr schön.
[01:00:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer: steigen sie mal ein. Wenn sie einen Chef haben, dem man es sagen
kann, dann sagen.
[01:01:41.700] – Bemerkung 28
Als Arbeitgeberin muss man auch einstehen für diese Leute. Sonst wird es nie stimmig.
[01:01:56.360] – Bemerkung 29
Macht man eine Diagnose? Meine Tochter macht Filmmusik, Musiktheorie. Beide Kinder
sind kreativ. Beide Kinder funktionieren aber andere haben eine höhere Belastbarkeit.
[01:03:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen auch lernen eine Pause zu machen. Sie müssen lernen wieviel
drinnen liegt und wieviel nicht. Sie sind sehr begeisterungsfähig. Sie geben sich stark
aus und brechen dann zusammen. Die müssen dann lernen selber "Stop" zu sagen.
Viele können das nicht. Sie müssen das lernen.
[01:03:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht unbedingt das Wort ADHS/ADS nehmen. Sie können sagen: wenn sie
mit mir so und so umgehen, dann funktioniere ich nicht. Sie wollen, dass ich gut
funktioniere.
[01:03:55.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Am ersten Tag hat der Chef eine Lehrtochter komisch behandelt. Sie wollte gleich
aufhören. Ich habe zur Lehrtochter gesagt: gehen sie zu ihrem Chef und sagen sie: das
und das ertrage ich nicht. Ich brauche das und das. Der Chef wollte dann auch in die
Beratung kommen.
[01:04:35.400] – Bemerkung 30
Man muss eine Kommunikationskultur im Geschäft haben, wo man sagt, wo sind
Talente und wo sind Defizite, ohne Diagnosen.
[01:04:49.820] – Bemerkung 31
Ich habe keine Ahnung von Psychologie. Ich habe viel mit Menschen zu tun. Bewegtes
Schweigen bringt nichts.
[01:05:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Chefin wollen, dass man es ihnen sagt, dann soll man es auch sagen.
[01:05:06.250] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Schule und an der Universität kann man einen Nachteilsausgleich verlangen.
Sie haben dann mehr Zeit für die Prüfungen, sie dürfen einen ruhigen Raum haben. Es
gibt heute mehr Chefs die gerne mehr über ADHS/ADS wissen.
[01:06:05.510] – Bemerkung 32
Unser jüngerer Sohn hat ein ADHS/ADS. Er hat drei Studien abgebrochen und ging fünf
Jahre auf den Flughafen arbeiten. Dann wurde er Primarlehrer. Jetzt ist er seit sechs
Jahren Unterstufe Primarlehrer. Er kann diesen Eltern und Kindern viel geben. Ich bin
froh, dass wir die Nerven hatten, das auszuhalten.
[01:06:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja! Das ist genau richtig.
[01:06:41.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch so einen Fall, der hat alles möglich durchgemacht. Bipolar usw. Ich habe
geholfen, ihn wieder beruflich einzugliedern. Der wurde jetzt auch Primarlehrer. Unter
den Lehrpersonen gibt es viele ADHS/ADSler. Die brauchen eine breite
Aufmerksamkeit. Unter den Ärzten gibt es auch viele, wegen der hohen Sensibilität.
[01:06:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist toll, dass sie das ausgehalten haben. Das ist sehr wichtig. Nicht die Geduld
verlieren.
[01:08:07.770] – Bemerkung 33
Was ist mit den Folgeerkrankungen? Wie haben einige Schizophreniefälle in der
Familie. Kiffen dürfen wir nicht, Drogen nehmen dürfen wir nicht, weil das psychoaktiv
im Gehirn etwas macht. Wird darüber im Buch mehr gesagt? Was für
Steigerungsformen des Problems kann es geben?
[01:08:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Buch habe ich 14 Dos and Don'ts.
[01:08:54.985] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf
[01:08:55.120] – Bemerkung 34
Ab wann ist man mit ADHS/ADS diagnostiziert? Was muss er ausweisen?
[01:09:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Standard heute ist, dass man einen neuropsychologischen Test machen muss. Der
besteht auf Fragen und einem Interview mit den Eltern. Man muss im Kindesalter schon
etwas bemerkt haben.
[01:09:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Aufmerksamkeitstests, wo man langweiliges Zeug machen muss. Dort
machen ADHS/ADSler viel mehr Fehler.
[01:09:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Persönlich nehme ich nur die Anamnese und die Familienanamnese und diagnostiziere
dann.
[01:09:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Frechheit, dass ich sage, ich tue mich schon über 40 Jahre mit dem
befassen. Die ärztliche Diagnose ist eigentlich immer eine Kunst.
[01:10:17.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer darauf an, wer es ist und an was man glaubt.
[01:10:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Kinder gehabt, welche in die psychologischen Tests gegangen sind und die
Psychologin dann gesagt hat: nein, das ist kein ADHS/ADS.
[01:10:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Im einer Setting kann das Kind aufpassen.
[01:10:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule wird es abgelenkt.
[01:10:37.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt die Psychologin: nein, das ist kein ADHS/ADS. Das Kind kann aufpassen, ist
gut in der Schule und so weiter.
[01:10:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss sich sehr anstrengen, dass wenn es viel Ablenkung hat, immer noch bei
der Sache zu bleiben.
[01:10:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden auch falsch negative Tests herausgegeben.
[01:10:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss es dem Arzt und der Psychologin überlassen, was sie sagt.
[01:11:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist egal wie man es nennt. Wichtig ist, dass wir lernen mit diesen Menschen
umzugehen.
[01:11:07.700] – Bemerkung 35
Ich arbeite mit Suchtkranken.
[01:11:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchterkrankungen trifft man viel mehr bei den ADHS/ADSlern.
[01:11:23.820] – Bemerkung 36
Wäre das Vorgehen richtig, wenn es im 1:1 Anzeichen für ADHS/ADS gibt, macht es
Sinn dann einen Test zu machen. Ich finde, dass es hilfreich sein kann.
[01:12:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man es schwarz auf weiss. Im Unispital hat man ein oder zwei Jahre
Wartezeit. Dann nützt das alles nichts. Ich mache eine Stunde und erkenne die ADHS/
ADS Familie sofort. Die Krankenkasse fragt dann oft nach einem neuropsychologischen
Test.
[01:12:45.150] – Bemerkung 37
Wir haben den Autismus Test mit der 21-jährigen Tochter gemacht. Sie hat sich das
gewünscht. Das Gespräch danach fand ich schwierig. Wir mussten für den Test CHF
2'500.- bezahlen. Das zahlt die Krankenkasse nicht. Ihr hat es geholfen, dass man ihr
gesagt hat, dass sie kein Autismus hat, obwohl sie im Spektrum ist. Im Tests sieht man
auch die Stärken.
[01:13:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für die aktive Teilnahme.
Wir sollten von den Patienten lernen
Während vier Jahrzehnten prägte Ursula Davatz die Aargauer Psychiatrie – in ihrem neuesten Buch zeigt sie alternative Wege auf.
Matthias Niederberger
Transkript
Draussen rauschen Autos, surren Trams. Obwohl es nicht regnet, fühlt sich an diesem Mittwoch im September alles nass und kalt an. Die Wände der Häuser an der Winterthurerstrasse in Zürich sind von den Abgasen gezeichnet, denen sie seit Jahrzehnten ausgesetzt sind. Gelangt man in die Praxis von Ursula Davatz, die sich in einem Altbau direkt an dieser Strasse befindet, kommt es einem vor, als betrete man eine andere Welt. Eine Welt aus ledernen Couches, vollen Büchergestellen, bunten Bildern, eleganten Möbeln, frischen Blumen, eigentümlichen Figuren. Vor allem aber ist es ruhig hier drin.
«Willkommen», schallt es aus einem Zimmer. Eine Frau mit kurzen, dunklen Haaren, ein paar Falten und einem Lächeln im Gesicht betritt den Flur. Ihren Schal hat sie locker um den Hals geschwungen. Es ist die Praxisinhaberin.
Mit 83 Jahren gehört Ursula Davatz wohl zu den ältesten praktizierenden Psychiaterinnen in der Schweiz. Seit 2023 führt sie die Praxis in Zürich. Fünf Tage die Woche arbeitet sie. «Weil ich es gerne mache», sagt sie. Den Samstag behält sich Davatz inzwischen frei. Wenn sie gerade nicht mit Patienten spricht, schreibt sie Bücher. Ihr jüngstes trägt den Titel: «ADHS/ADS Folgekrankheiten – Psychiatrie im Offside».
Psychiatrie im Abseits. Was will die Frau, die 40 Jahre im Aargau tätig war und die Psychiatrie geprägt hat, damit sagen? Niemand will
Psychiater werden
Aufgewachsen ist Ursula Davatz in Koblenz. Sie studierte in Basel Medizin, interessierte sich schon früh für Psychiatrie und insbesondere für Schizophrenie. Später arbeitete sie in einer therapeutischen Gemeinschaft in Schottland und liess sich in den Vereinigten Staaten zur Familientherapeutin ausbilden. Dann kehrte sie in den Aargau zurück. 20 Jahre leitete sie den sozial-psychiatrischen Dienst der Klinik Königsfelden, die man heute unter dem Namen Psychiatrische Dienste Aargau (PDAG) kennt. Sie war als einzige Frau Mitglied der Klinikleitung. Später führte sie unter anderem eine Praxis in Baden, die sie 2022 aufgab.
Wenn sie in der Zeitung Negativschlagzeilen über die Aargauer Psychiatrie – oder die Psychiatrie generell – liest, wenn sie von unzufriedenen Patienten oder Angehörigen hört, löst das bei Davatz weder Zustimmung noch Empörung aus. Stattdessen wecke es in ihr den Ehrgeiz, sich stärker für die ambulante Psychiatrie einzusetzen. Sie erkennt zwei grundlegende Probleme in der psychiatrischen Versorgung, die eine einzelne Klinik nicht lösen kann.
Das erste ist Personalmangel. Psychiatrie ist laut Davatz «ein menschlich anspruchsvolles Fachgebiet». Dies schrecke viele Medizinstudentinnen und -studenten ab, sich für diese Disziplin zu entscheiden. «Dadurch fehlt es an Psychiaterinnen und Psychiatern, aber auch an Psychiatriepflegerinnen und -pflegern», sagt sie. Zudem werden Psychiater im Vergleich zu anderen Ärzten schlechter bezahlt. Chirurginnen und Radiologen verdienen mit zunehmender Erfahrung deutlich mehr.
Hinzu kommt, dass junge, unerfahrene Ärztinnen und Ärzte im psychiatrischen Bereich oft Patienten mit schwierigen Krankheiten wie etwa Schizophrenie behandeln müssen, erklärt Davatz. Das führe zu hohem Druck, Überforderung, Hilflosigkeit – und letztlich zu unbefriedigenden Ergebnissen. Sie betont, dass dies allgemein zu verstehen sei und sich ihre Kritik nicht spezifisch an die Aargauer Psychiatrie richtet.
Mit dem systemischen
Ansatz Geld sparen
Das zweite Problem sieht Davatz bei der Ausrichtung der heutigen Psychiatrie. Verhaltenstherapie und Medikamente werden aus ihrer Sicht zu stark gewichtet, stattdessen fehle häufig der Blick auf menschliche Beziehungen. Oder anders gesagt: Statt sich auf die Geschichte und die Familie der Patienten einzulassen, konzentrieren sich viele Psychiater und Psychotherapeutinnen auf die Symptome und deren Korrektur, also etwa Angst, Schlaflosigkeit, Aggressivität, Schmerzen oder Erschöpfung.
Als Familientherapeutin betrachtet Davatz das Umfeld einer Person, das System. Sie kritisiert, dass der Fokus heute zu stark auf Diagnosen liege, um möglichst schnell die passenden Medikamente verschreiben zu können. Ausschlaggebend sei jedoch, dass man die Lebensgeschichte und die Bedingungen verstehe, unter denen eine Krankheit entstanden ist. «Nur so kann man psychisch Kranken nachhaltig helfen», sagt sie.
Diese Vorgehensweise setze die Einbindung von Angehörigen voraus. «Viele Psychiater glauben, dies führe nur zu Konflikten und Mehraufwand. Dabei ist das Gegenteil der Fall.» Dass es wegen des Arztgeheimnisses rechtliche Hürden gibt, ist Davatz bewusst, lässt sie aber nicht von ihrer Meinung abweichen: «Was man juristisch nicht darf, ist aus systemischer Sicht für eine erfolgreiche Familientherapie manchmal ein Muss.»
Gleichzeitig ist Davatz überzeugt, dass Psychiaterinnen und Psychiater jenen, die sie behandeln, auf Augenhöhe begegnen sollten. Sie sagt: «Wir sollten von den Patienten lernen, statt sofort eine Diagnose mit passender Lösung bereitzuhaben.» Dort setzt auch ihr neues Buch über ADS/ADHS an. Ursula Davatz befasst sich seit vielen Jahren mit diesem Thema und gilt als Expertin auf dem Gebiet.
Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse: ADS und ADHS sind weder Krankheiten noch Störungen, sondern von der Norm abweichende, genetisch vererbte Neurotypen. Der Begriff beschreibt eine bestimmte Art, wie das Gehirn Informationen verarbeitet und auf Reize reagiert. Wenn man Menschen mit ADS oder ADHS nicht korrekt behandelt, kann es laut Davatz zu unzähligen Folgekrankheiten wie Ess- oder Persönlichkeitsstörungen, Süchten oder Depressionen kommen.
Umfeld einer Person in die
Behandlung einbeziehen
Damit das nicht passiert, müsse man das Umfeld einer Person unterstützend in die Behandlung einbeziehen. Dieses Konzept «mit nachhaltiger, präventiver Wirkung», glaubt sie, könnte die Psychiatrie für junge Ärztinnen und Ärztinnen wieder attraktiver machen. Trotz langer Wartelisten, knappem Personal und hoher Gesundheitskosten ist Davatz überzeugt, dass der systemische Ansatz zukunftsfähig ist – und damit sogar Zeit und Kosten gespart werden können.
Von Psychiatrien erfährt man derweil andere News. Kürzlich sagte eine Chefärztin der PDAG dieser Zeitung, dass künstliche Intelligenz (KI) eine immer grössere Rolle spielen werde, auch wenn sie den menschlichen Kontakt nicht vollumfänglich ersetzen könne. Derzeit testen die Aargauer Psychiatrie Therapie-Apps, die Patienten begleiten. Bisher werden sie von den Therapierenden gesteuert, in Zukunft könnte künstliche Intelligenz diese Aufgabe übernehmen.
Ursula Davatz steht KI nicht per se ablehnend gegenüber. «Wenn dadurch mehr persönliche Zeit für die Arbeit mit dem Menschen bleibt und weniger Zeit für bürokratische Kontrollmassnahmen aufgewendet werden muss, finde ich das durchaus hilfreich.» Auf die Frage, ob sie daran glaubt, meint Davatz nur, sie sei «eine gottvergessene Optimistin».
Buchvernissage
Am Dienstag, 11. November, 19 Uhr, stellt Ursula Davatz im Kurtheater in Baden ihr neues Buch «ADHS/ADS Folgekrankheiten – Psychiatrie im Offside» vor.
Bildlegende: «Ich bin eine gottvergessene Optimistin»: die Psychiaterin Ursula Davatz in ihrer Praxis in Zürich. Bild: Andrea Zahler
Aargauer Zeitung, Regionalausgabe Aarau, Dienstag, 30. September 2025, Seite 16.

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