Höhere Arbeitslosigkeit führt zu mehr Depressionen und Selbstmorden.
Bei Arbeitslosigkeit stelle sich bei vielen Menschen ein Sinnverlust ein, bestätigt die Aargauer Psychiaterin Ursula Davatz: «Sie werden depressiv und verzweifelt.»
Höhere Arbeitslosigkeit führt zu mehr Depressionen und Selbstmorden.
Pierre Heumann
Transkript
Forschung
Versteckte Kosten
Kurz vor Ostern hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) düstere Konjunkturszenarien publiziert, bei denen die Folgen des Shutdown berücksichtigt werden. Die Arbeitslosigkeit könnte bis 2021 von 2, 3 Prozent auf 3, 7 Prozent steigen, falls die Wirtschaft bis Ende Mai von den ihr auferlegten Fesseln befreit wird. Sollte der Shutdown aber erst im Juni und bloss vorsichtig aufgehoben werden, rechnet das Seco für 2021 mit einer Arbeitslosennanzielle Schock für die Entlassenen durch die Arbeits losenversicherung teilweise abgefedert. Aber die Erwerbs losigkeit bringe «beträchtliche psychische Kosten mit sich», weiss der Zürcher Ökonom und Glücksforscher Bruno S. Frey. Sie reduziere das Wohlbefinden der Arbeitslosen «stärker als jede andere Ursache, einschliesslich Scheidung und Trennung». Bei Arbeitslosigkeit stelle sich bei vielen Menschen ein Sinnverlust ein, bestätigt die Aar gauer Psychiaterin Ursula Davatz: «Sie werden depressiv und verzweifelt.»
Während die tödliche Ausbreitung des Coronavirus durch den Shutdown verlangsamt werden soll, haben die gesundheitspolitisch motivierten Massnahmen makabre Nebenwirkungen. Jobverlust kann zu mehr Suiziden führen; das zeigen zahlreiche Studien aus den USA, die auch Europa berücksichtigen. Es sei jetzt damit zu rechnen, dass es in den USA und in Europa während der nächsten 24 Monate «zu 20 000 zusätzlichen Selbstmorden» kommen werde, befürchtet Aaron Reeves von der Oxford University.
Jobverluste wirkten sich zudem negativ auf den Lebensstil aus, weist eine Studie der University of California, Los Angeles, nach, was oft dazu führe, dass Menschen früher sterben würden. Die Forscher schätzen die Verkürzung der Lebensdauer durch Arbeitslosigkeit auf durchschnittlich anderthalb Jahre und führen das auf einen Domino-Effekt zurück: Das reduzierte Einkommen löse einen zusätzlichen Stress aus und verleite zu einem ungesunden Lebensstil.
Bildlegende: Neue Gefahren: Wissenschaftler Frey.
Die Weltwoche, Nr. 16.20, 16. April 2020, Seite 23.
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