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Dr.med. Ursula Davatz

4.6.2026
Zentrum menschlicher Gefühle Teil 2
Audio

[00:00:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist die Rolle der Lehrperson heutzutage?

[00:00:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist die Schule von den Kirchen beherrscht worden.

[00:00:12.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ersten Schulen sind Klosterschulen gewesen.

[00:00:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen ist von diesen Leuten weiter gegeben worden.

[00:00:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die religiösen Leute, die konnten schreiben und lesen und der Martin Luther hat sich
dann gewehrt gegen den Katholizismus und ich zitiere Martin Luther, wenn ich in einer
schwierigen Situation bin und sage, die Leute dürfen sagen: Hier stehe ich und kann
nicht anders.

[00:00:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir schon einen Lehrplan haben und dass der Lehrplan erfüllt werden soll, dann
sage ich: Nein, sie haben eine menschliche Erfüllung, also einen Auftrag und sie dürfen
sagen, das, was wir vorher auch schon gehabt haben: Ich schmeisse den Lehrplan über
den Haufen. Das Kind zählt mehr und die Entwicklung vom Kind zählt mehr.

[00:01:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nur machen, wenn man selber dahinter steht und sich getraut, Aufmüpfig
gegenüber vom Lehrplan zu sein.

[00:01:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe immer das Beispiel von Allan Guggenbühl.

[00:01:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Klasse gehabt, die überhaupt nicht mehr führbar war.

[00:01:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man einen alten pensionierten Lehrer gefragt, ob der die Klasse übernehmen
würde.

[00:01:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist so verzweifelt gewesen.

[00:01:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er gesagt: Ja, ich übernehme sie, wenn ihr mir überhaupt nicht dreinredet.

[00:01:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf machen, was ich für richtig finde.

[00:02:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist in die Schule gegangen.

[00:02:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Am ersten Tag hat er eine Zeitung genommen und hat einfach Zeitung gelesen.

[00:02:12.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder haben alles aus dem Fenster rausgeschmissen, Riesenkrach, ein grosses
Durcheinander.

[00:02:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Er hat nichts gemacht.

[00:02:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Am zweiten Tag ist er wieder gegangen und hat ein Buch gelesen.

[00:02:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat sich selber in Anwesenheit von den Kindern mit etwas beschäftigt.

[00:02:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben die Kinder wieder ganz viel Unsinn gemacht.

[00:02:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Am dritten Tag, als er gekommen ist, hat einer von den Schülern gesagt: Wann
beginnen wir mit dem Unterricht?

[00:02:40.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt genau das Gegenteil von: sie schlagen den Gong und jetzt rede nur noch
ich.

[00:02:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie überlassen den Sauhaufen sich selber, sie machen gar nichts, sind aber anwesend
und halten die Ohnmacht aus, dass sie nichts tun können.

[00:02:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt von aussen her Strukturierung.

[00:03:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich viel mit Soziobiologie beschäftigt.

[00:03:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe geschaut, wie man das Sozialverhalten bei den Tieren erforscht.

[00:03:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer von meinen Lieblingsautoren ist der Frans De Waal.

[00:03:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

[00:03:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein holländischer Affenforscher gewesen, also Primatenforscher, ist später in die
USA gereist an die Princeton Universität und hat dort an psychologischen Fakultät
unterrichtet.

[00:03:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein erstes Buch heisst: die wilden Diplomaten.

[00:03:39.305] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3446160035

[00:03:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das letzte Buch: „Bonobo oder der Atheist".

[00:03:53.375] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1032424001

[00:03:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen gehören zu den sozialen Spezies.

[00:03:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, wir haben soziale Gene. Das ist nicht ein Gen. Wir sind selektioniert. Wir
überleben nicht als Einzelwesen wie der Bär und mit seinen Kindern alleine umher
zieht.

[00:04:11.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen.

[00:04:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine soziale Veranlagung.

[00:04:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nicht in die Sonntagsschule gehen, in einen religiösen Unterricht, um
Sozialverhalten zu lernen.

[00:04:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen uns natürlicherweise sozial Verhalten.

[00:04:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Sozialverhalten kann ein bisschen zerstört werden, wenn lauter so einzelne
Figuren sich hochstilisieren.

[00:04:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum habe ich vorhin gesagt, zu Ihnen auch, Sie haben den Auftrag, nicht nur das
Individuum zu fördern, Sie haben auch der Auftrag, sozial zu fördern.

[00:04:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat das die Kirche gemacht.

[00:04:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat den Sozialkontakt und Sozialverhalten; das Sozial-Anpassungsverhalten hat zur
Religion gehören.

[00:05:01.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute haben wir nicht mehr so viele Kirchengänger.

[00:05:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin noch reformiert erzogen, aber ich gehe nicht in die Kirche.

[00:05:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat heute mehr den Auftrag, das Sozialverhalten zu vermitteln, ohne
religiösen Touch, sondern einfach Sozialverhalten.

[00:05:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlimmsten Kämpfe sind unter den Religionen.

[00:05:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Religion meint, sie hätten das richtige Verhalten und alle, die sich anders
verhalten, das sind Heiden; die muss man zerstören.

[00:05:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Dschihadismus geht es so weit, dass man die zerstören muss.

[00:05:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die getötet hat, dann ist man erfolgreich.

[00:05:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich das Clanverhalten.

[00:05:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will seinen eigenen Clan vermehren.

[00:05:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In Deutschland gab es eine Regel: lex prima noctis.

[00:06:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, der Fürst von der Region durfte Jungfrauen befruchten.

[00:06:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind alle mit im verwandt gewesen und man hat gedacht, wenn man dann
verwandt ist, dann können die nicht gegen einem vorgehen.

[00:06:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eigentlich sein Heer gezüchtet, seine Herde gezüchtet.

[00:06:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Osama Bin Laden war auch einer von vielen Kindern.

[00:06:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Clanverhalten wollen wir nicht mehr.

[00:06:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen das Sozialverhalten, welches in den sozialen Genen im Menschen
drinsteckt, dass müssen wir fördern.

[00:06:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man jetzt auch in der Politik.

[00:06:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jeder nur seine eigene Region oder sein eigenes Land züchten will, haben wir
Streit und geben unglaublich viel Geld aus, um miteinander zu streiten.

[00:06:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie als Lehrer, sie müssen nicht mehr religiös sein, sie dürfen, aber in der Schule geht
es nicht darum, dass sie eine Religion verbreiten, sondern dass sie das Sozialverhalten
fördern.

[00:07:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das ist etwas sehr Wichtiges und es geht zur Zeit ein bisschen verloren.

[00:07:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in unserer Gesellschaft, wo es so individualistisch ist, geht das Sozialverhalten
ein bisschen verloren.

[00:07:17.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man der Politik.

[00:07:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, sie sind Zukunftsschmiede, indem sie Kinder aufziehen, die Sozialverhalten
mit unterschiedlichen Meinungen zulassen und dennoch sozial miteinander auf den
sozialen Nenner kommen.

[00:07:35.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie ganz viel getan für unsere Zukunft, für die Jugend der Zukunft.

[00:07:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Kredo.

[00:07:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS-Kinder, die spüren sofort ob man eine natürliche Autorität hat oder ob die
aufgesetzt ist.

[00:07:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt drauf an, wie man halt aufgewachsen ist.

[00:08:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einem autoritären System aufgewachsen ist, noch mit Patriarchat, wenn
man ein Sohn ist, dann hat man dann vielleicht eine natürliche patriarchale Autorität.

[00:08:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Frau im patriarchalen Familiensystem aufgewachsen ist, dann muss man
sich ein bisschen gegen die durchsetzen.

[00:08:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen für sich einzustehen.

[00:08:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht, indem man gegen das Patriarchat kämpft, sondern indem man für sich einsteht.

[00:09:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben hier alles Frauen. Sie müssen ihre Schüler sozialisieren.

[00:09:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen natürlich auch die Männer sozialisieren können.

[00:09:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau haben ein bisschen unterschiedliche Rollen.

[00:09:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich bei Elterngruppen Weiterbildung gemacht habe und die haben erzählt von
ihren Knaben, die aggressiv waren.

[00:09:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann musste ich oft sagen: Er ist ein Knabe. Sie dürfen aus Ihrem Knaben nicht ein
Mädchen machen wollen.

[00:09:45.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt mache ich einen Witz über mich selber.

[00:09:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin unter vier Mädchen aufgewachsen. Ich bin die Dritte.

[00:09:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin zum Teil von einer Grossmutter sozialisiert worden.

[00:10:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ich natürlich mehr gewohnt war, mit Mädchen umzugehen, habe ich dann an
meinem 25. Hochzeitsjubiläum gesagt: ich habe 25 Jahre lang probiert, aus meinem
Mann eine Frau zu machen.

[00:10:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, dass er ach so verständnisvoll ist, auch so gefühlsvoll, weiss ich nicht was.

[00:10:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erwartet, er müsste doch auf das reagieren.

[00:10:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jetzt aber gemerkt, das ist eine dumme Idee.

[00:10:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss ihn Mann sein lassen und ich bin Frau.

[00:10:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss mich nicht immer verstehen.

[00:10:34.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss für mich hinstehen.

[00:10:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich allen, das sage ich allen erwachsenen Menschen, Mann oder Frau, die
mit ihren Eltern irgendwie krachen und die sich nicht verstanden fühlen von den Eltern.

[00:10:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht verstanden werden von ihren Eltern.

[00:10:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind muss verstanden werden von seinen Eltern.

[00:10:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man erwachsen ist, kann man nicht mehr verstanden werden. Dann muss man
für sich hinstehen.

[00:11:02.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie in der Ehe, in der Schule und das müssen sie in der Politik tun.

[00:11:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Für sich und seine Werte hinstehen.

[00:11:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben so viele Ausländer.

[00:11:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der neuen Abstimmung läuft wieder: man muss die alle draussen behalten. Ich
stimme: Nein, aber wir müssen die Ausländer besser integrieren.

[00:11:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe fünf Jahre in den USA gelebt.

[00:11:48.017] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es nur Immigranten. Das und das sind die Regeln und so wollen wir es.

[00:11:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Lehrpersonen kann ich sagen, sie dürfen, sie müssen auch unsere
demokratischen, Schweizerische Wert vor Albaner-Kindern deklarieren.

[00:12:12.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass dann ihre Eltern das gerade auch so machen.

[00:12:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt man halt in diese Situation rein, dass man dem Kind von einer Albanischen
Kultur sagt: Da, bei uns in der Schweiz läuft es so, bei mir in meinem Klassenzimmer
läuft es so und ich will das so.

[00:12:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Was du daheim machst, ist deine Sache oder deinem Vater seine Sache.

[00:12:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen diese Schweizerische, demokratische, individualistische Kultur, müssen sie
vertreten und nicht einfach nur annehmen: das weiss man doch einfach. Da folgt man
einfach.

[00:12:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Davon machen wir zu wenig.

[00:12:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits Multikulti als etwas Tolles und Interessantes, aber man tut zu wenig klar,
heraus bilden, klar benennen, klar aufzeichnen.

[00:13:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst nicht, dass man immer der gleichen Meinung ist, aber sie als Lehrer, als
Lehrperson, haben die Autorität.

[00:13:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Kinder und was wir alle lernen müssen, ist, Unterschiede wahrnehmen, für den
eigenen Unterschied einstehen, also für die eigene Haltung einstehen und die andere
Haltung auch erkennen.

[00:13:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die andere Wertvorstellung auch respektieren.

[00:13:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verwende ich das Konzept von Jean Piaget.

[00:13:43.780] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

[00:13:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Der sagt: In der Pubertät lernt man dezentrieren.

[00:13:49.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dezentrieren heisst, als Kind ist man absolut egoistisch. Man schaut die ganze Welt
egoistisch an.

[00:14:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, wenn man seine Persönlichkeit entwickelt, bildet man seine eigene
Meinung und man beginnt zu sehen, was der andere denkt.

[00:14:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: Ich kann deine Überlegung nachvollziehen. Ich bin zwar nicht
einverstanden. Ich lebe für mich eine andere Moral, aber ich kann es nachvollziehen.

[00:14:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Den anderen und seine Gedankenwelt nachvollziehen, ist dezentrieren.

[00:14:37.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre natürlich dann auch für die eine der Religion zur anderen dezentrieren.

[00:14:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele integrierte jüdische Familie. Ich habe mit sehr vielen jüdischen Familien
Therapien gemacht.

[00:14:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe nicht alles akzeptieren müssen, aber ich kann mit denen arbeiten.

[00:14:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe denen ihre Moralvorstellungen absolut respektiert. Ich denke, man ist viel zu
fest auf dieser Haltung, der andere muss es gleich sehen.

[00:15:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte aus meinem Mann eine Frau machen.

[00:15:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wirklich zu seiner Meinung stehen und darum sage ich, man muss selber
überzeugt sein, man muss nicht den anderen überzeugen.

[00:15:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Missionieren.

[00:15:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern, wo sie die Autoritätsperson sind, da sagen sie: Ich will es in dem
Raum so. Das ist absolut in Ordnung.

[00:15:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu Hause anders läuft, ist es anders.

[00:15:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Familie erlebt, türkische Familie.

[00:15:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat der Vater die Tochter geschlagen.

[00:15:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wollte eine Lehrerin dem Kind helfen, hat das Kind ins Schlupfhaus nach Zürich
geschickt und der türkische Vater, der hat natürlich eine riesige Wut gehabt und ich
habe ihn dann in einer Sitzung gehabt und der hätte am liebsten die Lehrerin
umgebracht.

[00:16:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist gegen seine Autorität vorgegangen, gegen seine Überzeugung.

[00:16:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In Winterthur ist der Lehrer umgebracht worden, weil man nicht Rücksicht genommen
hat auf die verschiedenen Richtungen.

[00:16:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in einem Land mit so vielen unterschiedlichen Kulturen, muss man die ein
bisschen kennen; man darf auch für seine einstehen, aber nicht missionieren.

[00:16:31.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Klassenzimmer schon, nicht ausserhalb.

[00:16:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere darf nicht als falsch angeschaut werden.

[00:16:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass man Menschen anzieht, Menschen erzieht zu einer gewissen
Toleranz, aber dennoch in einem Fokus, eine eigene Ausrichtung, eine eigene
moralische Ausrichtung eine eigene ethische Ausrichtung, geschmackliche und so
weiter.

[00:17:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen beides.

[00:17:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie natürlich am Anfang, weil sie bei der Erziehung ganz, ganz wichtig sind und
da können sie ganz einen wichtigsten Grundstein setzen.

[00:17:24.220] – Bemerkung 1
Was ist wenn Eltern verweigern, dass die Kinder zu mir kommen? Wenn Eltern als
Autorität das bestimmen wollen?

[00:17:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da suche ich dann die nächste, höchste Autoritätsperson im Schulsystem.

[00:17:50.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre jetzt wahrscheinlich der Schulleiter.

[00:17:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich dem Schulleiter sagen: ich habe so einen Fall mal gehabt, wo Kinder
nicht mit durften auf die Schulreise.

[00:18:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich den Hausarzt verwendet als Autorität und der hat das gemacht und der hat
das der Familie gesagt und da haben die Kinder mitgehen dürfen.

[00:18:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müsste der Schulleiter als Autorität eingreifen, müsste die Eltern einladen, er müsste
das Gespräch führen, er müsste sagen: Ihr habt da eure Vorstellung und ich sehe, ihr
habt Angst, dass da irgendwas falsches passiert, ihr seit aber in die Schweiz
gekommen, um Euren Kindern eine grössere Chance zu geben. Wir haben da
Möglichkeiten, ihr Kind zu fördern und da bei uns und unter meiner Führung, will ich
das.

[00:18:43.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss sich durchsetzen bei den Eltern, als Autorität.

[00:18:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst kann ich ihr Kind nicht adäquat beschulen.

[00:19:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht gegen meine Ethik.

[00:19:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss seine Ethik in die Waagschale werfen und Augenkontakt haben und schauen
und sagen: können sie das nachvollziehen?

[00:19:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein türkischer Psychiater in Basel sagt: man muss den kleinsten gemeinsamen Nenner
finden.

[00:19:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: Sie wollen doch das Beste für ihre Kinder. Ich will auch das Beste
für ihre Kinder. Da müssen wir uns einigen, damit ihre Kinder das Beste haben in der
Schweiz, in der Schule, braucht es diese Unterstützung.

[00:19:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben den Luxus, dass wir diese Unterstützung haben.

[00:19:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht das Kind von ihnen abtrünnig machen oder eine andere Religion
vermitteln.

[00:19:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen das Kind nur in die beste Chance bringen.

[00:19:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Schulleiter Autorität hat, dann denke ich, gibt der Vater nach.

[00:20:07.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss es machen. HInschauen, Augenkontakt.

[00:20:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben Sie einen Schulleiter, der das machen würde?

[00:20:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden Sie so etwas machen?

[00:20:23.740] – Bemerkung 2
Klar.

[00:20:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben, ist gut.

[00:20:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben die Erfahrung aus der Wirtschaft.

[00:20:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind Sie mit vielen Wassern gewaschen, um es dem Vater zu sagen.

[00:20:37.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer nach der Kultur gehen.

[00:20:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau kann es nicht dem Mann sagen, aber ein Mann kann es sagen.

[00:20:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in einer albanischen Familie als Ärztin meine Autorität verwenden können.
Man hat es viel leichter, wenn man ein Mann ist.

[00:20:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles soziale Kompetenzen.

[00:21:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin und Psychiatrie auch, die machen nur am Kind herum und nehmen das
System überhaupt nicht wahr.

[00:21:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet worden von einem der berühmten
Familientherapeuten in der Anfangsphase der Familientherapie, Murray Bowen.

[00:21:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

[00:21:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da schaut man immer die Situation an, das ganze System, und schafft mit dem System,
schafft mit dem, was wichtig ist.

[00:22:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Unser Schulsystem, ich bin jahrelang Mitglied gewesen von der Nord-
Ostschweizerischen Strafvollzugskommission.

[00:22:13.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war damals noch in der Zeit der Drogenpolitik, der öffentlichen Drogenpolitik.

[00:22:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich natürlich immer auch mit dem Strafsystem befasst.

[00:22:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Strafsystem schafft als Erziehungsmethode mit Bestrafung und Belohnung.

[00:22:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe zu viele Schulsysteme, die noch mit Bestrafung und Belohnung arbeiten.

[00:22:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS-Kinder geht das überhaupt nicht.

[00:22:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Als extremer Satz sage ich: Man kann sie Tod schlagen und sie folgen immer noch
nicht.

[00:22:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem will ich sagen: Strafen bringt nichts.

[00:22:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt man in den Machtkampf rein.

[00:22:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie führen.

[00:22:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man sie führen kann, muss man eine Beziehung herstellen und dann sagen: ich
will es so.

[00:23:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bücher von Jesper Juul eignen sich ideal für die Erziehung von ADHS Kindern.

[00:23:10.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt, wir dürfen dem Kind nicht sagen: Du musst, du sollst, mach endlich,
sondern ich will.

[00:23:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich, als deine Mutter, deine Lehrerin, will, dass du das lernst und nicht: Mach jetzt
endlich.

[00:23:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Persönlichkeit einsetzen und sagen: Ich will.

[00:23:48.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert auch bei den ADHS-Kinder gut.

[00:23:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es funktioniert bei allen Kindern gut, aber bei den ADHS Kindern funktioniert nur das.

[00:23:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sage, sie müssen intrinsisch motiviert sein. Sie können nicht gehorchen. Sie
können einem nur nach folgen.

[00:24:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sie einem anerkennen als Autorität und man sagt: Ich will, dass Du das lernen,
das ist wichtig aus diesem Grund.

[00:24:17.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht allzu viele Gründe sagen, das verwirrt wieder.

[00:24:21.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Beziehung hat, dann geht das.

[00:24:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt der Gehorsam erst so zwei Minuten später.

[00:24:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen kleinen Zappelphilipp.

[00:24:33.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im Wartezimmer etwas genommen.

[00:24:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat gesagt: Tu das wieder zurück und dann immer noch mal wiederholt und
wiederholt und das bringt natürlich nichts.

[00:24:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann gesagt: Tu das wieder zurück ins Wartezimmer und habe nichts
gemacht.

[00:24:48.756] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat es zurück gelegt.

[00:24:48.886] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ihnen nicht das Genick runter blasen.

[00:24:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss an seine eigene Autorität glauben, überzeugt sein, dass man sich
durchsetzen kann.

[00:25:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es natürlich nur dann, wenn man denkt: Ich kann das und wenn man auch an
sich glaubt.

[00:25:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine mentale Vorbereitung machen innerlich.

[00:25:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich setze mich jetzt da durch.

[00:25:21.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist genau gleich wie beim Tier.

[00:25:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Pferd Angst hat, in einen Wagen zu gehen, oder über eine Brücke zu gehen
wegen einem Stück Papier, muss man absteigen und dann führen.

[00:25:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Wagen führen muss der, welcher die beste Beziehung zu dem Pferd hat und
überzeugt ist, dass er es kann.

[00:25:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche zögern, bringen es nicht hin.

[00:25:41.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat da auch Untersuchungen gemacht, man hat Leitfiguren auf eine Weide gestellt
und die natürlichen Autoritäten, denen haben die Pferde gefolgt.

[00:25:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, die nur eine aufgesetzte Autorität hatten, denen haben die Pferde nicht gefolgt.

[00:26:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich den ADHS Kindern gegenüber eine natürliche Autorität erarbeiten.

[00:26:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könne alle.

[00:26:13.400] – Bemerkung 3
Für mich ist auch noch eine Option, dass ich sagen kann, du kannst das oder das
machen, aber mit der Bestimmtheit, ich möchte, dass es eins von denen ist. So kann
ich das Kind noch mehr abholen.

[00:26:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sehr gut.

[00:26:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie dem ADHS Kind die Wahl lassen, du kannst das oder das machen, aber eins
von beiden musst du wählen.

[00:26:38.089] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann das Kind selber bestimmen.

[00:26:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen intrinsisch motiviert sein und wenn sie dann bestimmen können, dann
haben sie bestimmt.

[00:26:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann funktioniert es besser.

[00:26:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut eine gute Regel.

[00:26:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Bestrafung, jemand hat 40 Fehler gemacht im Aufsatz und wurde vor der Klasse
beschämt. Der ist nie mehr in einen Schulunterricht gegangen.

[00:27:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung dürfen wir nur verwenden, wenn es um Leben und Tod geht.

[00:27:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimo-Kinder müssen lernen, im Frühling, wenn das Eis brüchig wird, nicht mehr
auf das Eis zu gehen.

[00:27:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann das Kind auf das Eis geht, dann wird es von der ganzen Gruppe hin gestellt
und beschämt.

[00:27:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung löst Aversionsverhalten aus, also Ausweichverhalten.

[00:27:46.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir als Erziehungsfigur mit Beschämung arbeiten, tun wir die Möglichkeiten vom
Kind nur einschränken, also verminderen, daher keine gute Idee.

[00:27:58.517] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird trotzdem noch gemacht.

[00:27:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bestrafung bei den ADHS Kindern führt dazu, sie können es noch nicht so gut,
wenn dann Schüler sagen: Ja, aber warum diese Ausnahmen?

[00:28:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich die Haltung: Du kannst es schon, der kann es noch nicht. Der muss das
noch lernen.

[00:28:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht in Ordnung, jemanden zu bestrafen, der es einfach noch nicht kann.

[00:28:27.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hört von vielen Erwachsenen ADHS Kindern, ich bin mir immer schlecht
vorgekommen, dumm, konnte es nicht, ich bin ausgeschlossen gewesen.

[00:28:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das tut dann das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit von diesen Kindern total
zerstören.

[00:28:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will ich natürlich nicht.

[00:28:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin für die Prävention.

[00:28:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss für diese Kinder einstehen, das heisst nicht, dass die ganze Kasse immer
darunter leiden muss.

[00:29:09.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit von der KI, wo alles Intellektuelle runtergeladen und angeschaut
werden kann, ist die Persönlichkeitsförderung und die Gestaltung vom Kollektiv, also die
Zusammenarbeit, ist das Allerwichtigste.

[00:29:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie wichtiger als die KI, auch wenn die KI so hochgejubelt wird.

[00:29:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sollten sie auch einen höheren Lohnen bekommen, aber es lohnt sich eben nicht
den auszuzahlen.

[00:29:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeitsentwicklung ist etwas vom wichtigsten von ihren Aufgaben.

[00:29:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch etwas zu der Pubertät.

[00:29:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten psychiatrischen Krankheiten treten auf in der Pubertät von 12. bis 25.
Lebensjahr.

[00:29:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert etwas mit dem Gehirn.

[00:30:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Synaptic Pruning.

[00:30:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich habe vorhin schon mal gesagt, das Hirn hat ganz viele Schaltstellen und
wir sind mit ganz vielen Möglichkeiten bestückt.

[00:30:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät werden einige Schaltstellen gekappt.

[00:30:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, es werden Verbindungswege gekappt und dafür Autobahnen angelegt, d.h.
grössere Bahnen, die dann schneller laufen, automatisch laufen.

[00:30:37.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Pubertät das Kind nicht seine Persönlichkeit entwickeln lässt, dann
weiss es nicht, wer es ist, dann ist es immer am Suchen und hat nie seinen Fokus.

[00:30:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler haben eine breite Aufmerksamkeit und finden nie ihren persönlichen Fokus,
wenn man sie nicht machen lässt.

[00:30:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das äusserst sich darin, dass sie früher dement werden. Sie werden früher dement,
wenn sie ihren Fokus nicht finden.

[00:31:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sterben tun Frauen zehn Jahre früher und Männer sieben Jahre früher.

[00:31:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS-Menschen, die halt sensibler sind, mehr stressempfindlich sind, dann
immer ständig unter Stress sind, wirkt sich das aus auf ihre Gesundheit.

[00:31:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sind die Frauen gefährdeter, anders als beim Herzinfarkt, wo die Männer früher
sterben, an solchen Krankheiten.

[00:31:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind ohnehin multitasking, als Mutter von Kindern und Haushalt und so weiter.

[00:32:05.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die nicht ihren Fokus haben, dann denke ich, stressen sie sich so viel, dass sie
den Körper überbelasten und dann auch früher sterben.

[00:32:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss aber nicht sein.

[00:32:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum ist es so wichtig, dass man als Frau halt auch seinen Fokus findet.

[00:32:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen etwas, sondern für sich.

[00:32:29.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Für sie hinstehen und nicht gegen etwas kämpfen.

[00:32:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganzen Frauenbewegungen sind oft so ein bisschen gegen etwas kämpfen oder
sich als Opfer darstellen.

[00:32:41.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dafür, dass man sich für sich einsetzt.

[00:32:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Fokus.

[00:32:52.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist gegenseitige Toleranz.

[00:32:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich sind die ADHS-Menschen empathisch, weil sie so sensibel sind und das Leiden
von den anderen sofort merken.

[00:33:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sehe Frauen, Töchter, die in einem gestörten Familiensystem aufwachsen, die
geben alle Energie für ihr System und wenn sie erwachsen sind, wissen sie nicht, wer
sie sind.

[00:33:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Kinder aufziehen können, dann haben sie noch mal eine weibliche
Funktion und wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann haben sie dann das
Empty-Nest-Syndrom, aber nicht nur das Nest. Sie selber wissen nicht, wer sie sind.
Sie haben ihren Fokus nicht.

[00:33:39.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist wichtig, dass ihnen da hilft.

[00:33:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme noch mal zur Prävention.

[00:33:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider stehe ich auf Kriegsfuss mit dem Schulsystem.

[00:33:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte nie Lehrerin werden.

[00:34:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dann doch in das reingekommen, dass ich immer mehr instruiere.

[00:34:09.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe natürlich meine Erfahrung weiter und ich schaffe gerne mit Schulen
zusammen, darum bin ich auch gerne hier hin gekommen und war auch schon mal hier.

[00:34:18.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schulsystem ist zu sehr neurotypisch gerecht und zu wenig auf die Varianz
ausgerichtet.

[00:34:30.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage wieder, mit der KI können wir eigentlich alles holen.

[00:34:35.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die menschliche Entwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung, die können wir dort
nicht holen.

[00:34:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein erstes Buch ist gewesen: ADHS und Schizophrenie.

[00:34:46.138] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:34:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das über 14 Jahre geschrieben und immer verfolgt.

[00:34:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite Buch ist jetzt: ADHS, ADHS Folgekrankheiten.

[00:34:57.329] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

[00:34:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich das alles anschaue, auch aus der Forschung kommen immer mehr
Statistiken raus, dass es alle möglichen Folgeerkrankungen gibt.

[00:35:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da komme ich jetzt wieder mit der Prävention.

[00:35:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Folgechrankungen sind die Suchkrankheiten.

[00:35:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler neigen eher zu Suchtkrankheiten, zu Drogensucht, Spielsucht, Internetsucht
natürlich.

[00:35:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Aufmerksamkeit wird über das eingesaugt.

[00:35:33.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Drogensucht ist eher, um ihre Emotionalität oben runterzubremsen.

[00:35:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Selbstregulation über Drogen.

[00:35:42.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider macht die Psychiatrie nichts anders als auch das.

[00:35:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe, dass wir jetzt schon Kinder einerseits für das ADHS eine Stimulanz geben,
damit sie sich besser konzentrieren können und andererseits ein Medikament, das man
eigentlich gegen Schizophrenie gibt, ein Sedativum, also etwas das einem beruhigt.

[00:36:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich haarsträubend.

[00:36:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin hat die Chemie eine grosse Bedeutung und so viel Geld, dass das stark
unterstützt wird.

[00:36:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind keine Vertreter der Chemie.

[00:36:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher könne sie für das Kind eintreten.

[00:36:19.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeitsstörungen, bei den Knaben gibt es eher eine Delinquenz. Man kann
sie totschlagen, sie folgen trotzdem nicht.

[00:36:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie führen.

[00:36:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht geführt werden, dann können sie in eine alternative Gerechtigkeit
hineingehen.

[00:36:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Strafvollzugskommission habe ich immer Gutachten gelesen, es waren alles
POS Kinder.

[00:36:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen haben sicher 80% ADHS.

[00:36:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sie nicht diagnostiziert.

[00:37:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Brian, Carlos, er ist ein Schulbeispiel, wie man es falsch machen kann.

[00:37:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Er ist als Kind, hatte eine schwarze Mutter gehabt, einen Schweizer Vater. Der
Schweizer Vater ist in die Schweiz zurückgegangen. Die Mutter ist in Paris geblieben.
Sie musste putzen gehen, sie hat ihn eingesperrt. Eine Katastrophe für ein ADHSler.
Alles ist schief gelaufen.

[00:37:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Fälle wollen wir nicht.

[00:37:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kosten viel Geld und führen zu nichts.

[00:37:36.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist tragisch.

[00:37:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Borderline Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

[00:37:50.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Borderlinerinnen sage ich, das sind professionell Pubertierende.

[00:37:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eigentlich erwachsen aber sie sind doch nicht erwachsen.

[00:38:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie benehmen sich wie Pubertierende.

[00:38:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie pochen auf alle möglichen Rechte, aber halten sich selber an keine Regeln, weil sie
immer verletzt sind. Das ist typisch am ADHS.

[00:38:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Solange man die Verletzung nicht wahrgenommen hat und die auch honoriert hat, man
sagt im psychischen Sprachgebrauch „Validiert", solange man die Verletzung nicht
validiert hat, können sie nicht mitmachen.

[00:38:32.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man sie validiert hat, dann kann man von ihnen dann eine gewisse
Sozialisierung verlangen.

[00:38:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige borderline-Patientinnen gehabt und habe mich fest mit denen
auseinandergesetzt und sie haben dann auch eine gute Entwicklung gemacht.

[00:38:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline-Persönlichkeiten sind Schreckdiagnosen für das therapeutische Personal,
weil sie professionell Pubertierende sind.

[00:38:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenen, da sage ich, das sind bösartig Pubertierende.

[00:39:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Maligne, sagen wir in der medizinischen Sprache.

[00:39:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben den Verstand verloren, im Augenblick der akuten Phase.

[00:39:16.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Depressionen, Frauen mit ADHS, die haben dann häufig Depressionen im mittleren
Alter, weil sie ja immer alles ausgegeben haben für die anderen und gar nicht wissen,
wer sie sind.

[00:39:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Die bipolaren Störungen, manisch-depressiv, wenn man genau hinschaut, haben die
eigentlich genau ADHS-Verhalten.

[00:39:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe bei allen hinten drinnen das ADHS.

[00:39:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meistens ADHS-Personen, die zu eng, zu rigide erzogen worden sind.

[00:39:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie konnten ihre Ellbogen nicht zeigen, konnten ihre Persönlichkeit nicht bilden.

[00:39:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann brechen sie aus mit einer Manie, wo sie alle Grenzen überschreiten.

[00:40:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann machen sie viele Fehler, geben viel Geld aus und so weiter.

[00:40:09.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nachher sehen sie, was sie alles gemacht haben. Dann bereuen sie alles und dann
werden sie depressiv.

[00:40:16.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die Frauen.

[00:40:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwangskrankheiten, das sind Krankheiten, wo die ADHSler merken, dass sie mehr
Fehler machen.

[00:40:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geben sie sich Mühe, dass sie möglichst keinen Fehler zu machen.

[00:40:32.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie korrigieren ihre Fehlerhaftigkeit mit Zwangsverhalten und das ist eigentlich ein
Kompensationsverhalten, ist auch wieder eine Krankheit

[00:40:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es steckt aus meiner Sicht immer ein ADHS hinten dran.

[00:40:47.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie akzeptiert das noch nicht.

[00:40:50.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die reden dann von Komorbidität.

[00:40:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat einen ADHS und man hat eine Zwangskrankheit.

[00:40:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was behandeln wir jetzt zuerst?

[00:41:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird geschritten, was ist wichtiger?

[00:41:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS dahinter besser versteht, kann man es besser behandeln.

[00:41:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, und da wäre wieder das Credo: Die Prävention beginnt in der Schule, im
Kindergarten.

[00:41:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie lernen, mit ADHS Kinder umzugehen und denen eine Chance geben, dann
haben sie viel für die Prävention getan.

[00:41:32.240] – Bemerkung 4
Es ist für uns wichtig zu wissen, wenn es diagnostiziert ist. Mache ich es dann grösser,
als es vielleicht ist und das Kind ist einfach nur anders und ich kann auch so mit dem
Kind arbeiten? Muss man das immer so definieren?

[00:42:00.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben absolut recht.

[00:42:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Pascal Rudin sagt im SRF Interview, dass die Diagnose zu oft gestellt wird:

[00:42:05.522] – Dr.med. Ursula Davatz
https://medien.srf.ch/-/%C2%ABclub%C2%BB-adhs-superkraft-oder-chaos-im-kopf-

[00:42:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sagen, jeder stellt sich selber die Diagnose.

[00:42:16.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist völlig Wurst, ob man sich selber die Diagnose stellt.

[00:42:20.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen es nicht verlangen.

[00:42:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sie ein bisschen dieses Wissen haben, dann sehen Sie das und das und das.

[00:42:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gleich, wie man es benennt.

[00:42:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht einfach das und das.

[00:42:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ganz pragmatisch vorgehen und einfach all die Schritte machen, ohne dass
sie es auf dem Papier haben.

[00:42:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schulsystem, weil es ein Staatssystem ist, es ist kantonal, die wollen dann eine fixe
Diagnose.

[00:42:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose innerhalb von einer Stunde.

[00:42:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in eine offizielle Abklärung geht, dann geht man für einen Nachmittag, oder
mehrmals.

[00:43:00.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil muss man warten bis zu einem Jahr, bis zu zwei Jahren oder drei.

[00:43:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird unglaublich viel Geld verdient damit.

[00:43:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie damit umgehen damit, das sagt einem niemanden.

[00:43:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Und jetzt was mache ich?

[00:43:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spotte ich dann und sage, Goethe und Faust: Was du schwarz auf weiss besitzt,
kannst du getrost nach Hause tragen.

[00:43:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da die schöne Diagnose hat, dann meint man, man weiss wie damit
umgehen.

[00:43:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man weiss es nicht.

[00:43:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Medizin macht, die gibt einfach Medikament, also Stimulantien und dann sogar
noch Sedativa.

[00:43:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sofort, wenn sie das Gefühl haben, es geht ein bisschen um das und sie
müssen es nicht benennen.

[00:43:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen einfach sagen: Da braucht es jetzt das.

[00:43:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Hinterkopf dürfen sie es wissen.

[00:43:55.620] – Bemerkung 5
Ja, für mich wäre es jetzt wie eine Erleichterung zu wissen: Das Kind hat ADHS. Ich
kann das gar nicht von dem Kind verlangen.

[00:44:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das würde es für sie leichter machen.

[00:44:09.910] – Bemerkung 5
So weiss ich, hat er einfach keine Lust oder hat er ADHS?

[00:44:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Stellen sie die Diagnose einfach selber.

[00:44:17.580] – Bemerkung 5
Dann gehe ich ein bisschen nach meinem Bauchgefühl.

[00:44:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so viel Wissen vorhanden.

[00:44:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sagen die Mütter: Ich denke mein Kind hat ADHS, ich habe es auch.

[00:44:32.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man nicht sagen: Aber ich will es abgeklärt haben.

[00:44:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so viel Wissen vorhanden und die Mütter, die schauen es jetzt alle selber an und
dann wird das Kind auch abgeklärt, dann tun sie es bei sich noch abklären, dann kommt
es auch raus.

[00:44:48.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit haben sie auch ein bisschen selber einen Blick dafür, handeln sie dann
einfach pragmatisch.

[00:44:55.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird noch mit Fragebogen abgeklärt.

[00:44:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine Studie im Kanton Aargau.

[00:45:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die PDAG zusammen mit der Genetik in Basel.

[00:45:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
In Rheinfelden werden die Leute auf ADHS abgeklärt.

[00:45:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir nehmen Blut oder Speichel und machen dann eine genetische Datenbank und
schauen, was man da sehen.

[00:45:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe Fragen über das Umfeld rein.

[00:45:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das Kind erzogen worden und so weiter.

[00:45:33.333] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf

[00:45:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da möchte ich sehen, kann man eine Korrelation sehen zwischen dem Erziehungsstil
und welche Krankheit kommt dann raus.

[00:45:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann das ist das, was ich natürlich sehe.

[00:45:45.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auch auf die Mutter an.

[00:45:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau gebe ich immer die Frau Sara Marti an, in Baden.

[00:45:50.994] – Dr.med. Ursula Davatz
https://marti-psychotherapie.ch/

[00:45:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat früher in Königsfelden mit mir gearbeitet, sie macht gute Abklärungen, die man
auch brauchen kann.

[00:46:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die offiziellen Abklärungen sind alle überlaufen, bis zu drei Jahren.

[00:46:03.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis dann ist alles schon vorbei.

[00:46:04.890] – Bemerkung 6
Eine Schülerin wartet seit 2.5 Jahre darauf.

[00:46:30.980] – Bemerkung 7
Gibt es einfache To-Dos, die man in den Unterrichtsalltag integrieren kann, die dem
neurodivergenten Kind zu Gute kommt und wo auch die anderen Kinder davon
profitieren können, die Neurotypischen.

[00:46:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich mir jetzt noch nicht so durch den Kopf gehen lassen.

[00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe To-Do Listen für die Mütter. Die kann man auch in der Schule verwenden. Da
ist das Kollektiv nicht dabei.

[00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen als Lehrerin selber eine To-Do-Liste erarbeiten.

[00:46:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf individuell sein, wenn der Rest von der Klasse gut arbeitet.

[00:47:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein grosses Durcheinander gibt, muss man autoritär werden.

[00:47:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre jetzt eine von den Regeln.

[00:47:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gleichzeitig alles tun.

[00:47:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist autoritär sein so ein bisschen verpönt, aber das ist falsch. Da wird es
gebraucht.

[00:47:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde jetzt noch sagen, immer auch die Klasse mit integrieren.

[00:47:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hast du für eine Idee?

[00:47:43.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel die ganze Familie in Therapie habe, dann lasse ich mir zuerst
das Problem vom Kind schildern, dann von den Eltern. Dann gehe ich zurück zum Kind
und sage: was schlägst du für eine Lösung vor?

[00:47:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Eltern: ich will das und das und das und das Kind macht es nie.

[00:47:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich das Kind miteinbeziehe in die Lösung, dann ist das Kind eher bereit
mitzumachen.

[00:48:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
So denke ich könnten sie in der Klasse noch mehr verschiedene Schüler mit
einbeziehen für die Problemlösung.

[00:48:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht eigentlich um Problemlösungen und Konfliktlösungen.

[00:48:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wählen schlussendlich, aber sie könnten Ideen mit einbeziehen von der Gruppe.

[00:48:37.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe neun Monate in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet, in England, in
Schottland.

[00:48:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn immer es Probleme gab, gab es CC: Community Council.

[00:48:49.231] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kamen alle zusammen, die Patienten, das Personal und man musste die Probleme
immer in der Gruppe lösen.

[00:48:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich gelernt, Gruppenkonflikte zu beobachten und dann nach Lösungen zu
suchen.

[00:49:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie die Klasse zum Teil ein bisschen mehr einbeziehen.

[00:49:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht, dass die Klasse dann immer alles zu sagen hat, sie sagen dann auch, jetzt ziehe
ich die Zügel wieder an. Jetzt bestimme ich.

[00:49:26.400] – Bemerkung 8
Wie erreiche ich, dass das Kind sein Bedürfnis formulieren kann?

[00:49:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da überfordert man die Kinder oft und sagt: was ist es gewesen? Gewisse Mädchen
können schon sehr gut formulieren, von klein auf.

[00:49:47.564] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere sagen einfach: ich weiss es nicht.

[00:49:47.677] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man fragen: ist es das und das gewesen? Oder das?

[00:49:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beobachten.

[00:49:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beobachtung kann man dann fragen: Kann es sein, dass dich das so verrückt
macht hat?

[00:50:06.240] – Bemerkung 9
Als Vorstufe zum Unterricht, wenn das Kind sagt: ich habe kein Bock. Was brauchst Du
im Moment?

[00:50:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort "brauchen" würde ich wahrscheinlich nicht verwenden. Das ist schon eine
sehr emotionale Bedürfnissprache, also psychologisch.

[00:50:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde im Schulsystem sagen: was interessiert dich denn?

[00:50:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht "brauchen", das Wort ist emotional. Was brauchst du für Deine Emotionen,
sondern: wo ist Deine Neugier?

[00:50:30.390] – Bemerkung 9
Beim Rasen mähen.

[00:50:46.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, genau.

[00:50:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Brauchen ist schon so ein bisschen weiblich, emotional bedürfnisorientiert.

[00:50:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht nur bedürftiges, sondern Interesse.

[00:51:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Interessen fragen.

[00:51:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul bringt das Beispiel einer Familie, die ist mit den drei Kindern in ein
Restaurant gegangen und die Mutter hat bestimmt, was die Kleinste essen soll. Eine
PIzza. Die hat nichts gegessen. Nächster Tag: Spaghetti. Nichts gegessen. Am dritten

Tag, gab es einen sehr aufmerksamen Kellner. Er hat ihr den Stuhl hingestellt und hat
gesagt: na kleine Lady, was möchten sie Essen? Dann hat sie gesagt: Ich kann noch
nicht lesen, können sie mir bitte die Speisekarte vorlesen? Sie hat gesagt, was sie
braucht. Er hat vorgelesen, sie hat gewählt, bestellt und gegessen.

[00:51:13.921] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf die intrinsische, willensbildende Motivation vom Kind eingehen. Nicht überfahren.
Die Mutter hat das Kind einfach überfahren. Wir wissen ja alles. Wir sind ja ach so
gescheit. Warten, schauen.

[00:52:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Konflikt herrscht, wir gehen dann immer nur auf Bestrafung. Du bist der Böse,
du hast dem eins gehauen, getreten, du wirst bestraft, du musst dich entschuldigen
gehen.

[00:52:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
So löst man keine Konflikte.

[00:52:34.500] – Bemerkung 10
Es geht darum: was hat er bei dir verletzt?

[00:52:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:52:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Konflikten, immer fragen: Was hat dich verletzt? Was hat dich verrückt gemacht,
dass du dann dann zugeschlagen hast.

[00:53:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha. Validieren.

[00:53:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann kommt: das nächste Mal, wenn du so verletzt wirst, gibt es eine andere Methode,
wie du es zeigen könntest.

[00:53:17.079] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann das soziale Lernen.

[00:53:17.233] – Dr.med. Ursula Davatz
Je kleiner sie sind, desto weniger gut können sie es.

[00:53:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse können es nicht so gut, andere können es sehr gut. Knaben können es nicht
so gut, weil sie sich nicht so gut verbalisieren können. Es geht gleich zur Handlung.

[00:53:23.147] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit ihnen anschauen: wie könntest du es das nächste Mal machen?

[00:53:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Angestellter mit ADHS, der verrückt war über seinen Vorgesetzen, habe ich gesagt:
das nächste Mal wenn sie in das hineinlaufen, laufen sie davon bevor sie jemanden
anfluchen oder zuschlagen.

[00:53:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chef fand das nicht toll. Der fand, dass man nicht einfach davon läuft.

[00:53:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musst ihn schützen vor seinem Temperament.

[00:54:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer die Ursache finden und nicht nur beim oberflächlichen Scharmützel
oder Gekämpfe.

[00:54:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer beide Seiten anschauen.

[00:54:21.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht juristisch: Du bist der Täter und das ist das Opfer, ganz weg von Täter und Opfer,
hin zur Problemlösung.

[00:54:32.680] – Bemerkung 10
Das ist gewaltfreie Kommunikation.

[00:54:42.480] – Bemerkung 11
Zur Diagnose. Jemand in meinem Umfeld beginnt mit 28 langsam zu verstehen, aha,
ich bin gar nicht dumm gewesen, ich konnte gar nicht zuhören. Ist das nicht ein Chance
wenn wir das jetzt erkennen bei den Kindern?

[00:55:20.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich so weit gehen, dass ich ihnen zutraue, sie erkennen es.

[00:55:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da könnte sie der Mutter oder dem Vater sagen: mir kommt das in den Sinn. Die
können antworten: sie sind keine Ärztin. Das ist egal. Sie können sagen: haben sie
schon Mal an das gedacht? Haben sie schon überlegt, es abzuklären. Wenn sie es
merken, können sie etwas sagen und darauf aufmerksam machen.

[00:55:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht immer offiziell abgeklärt werden, speziell wenn es drei Jahre geht.

[00:56:02.380] – Bemerkung 12
Dass die Eltern sensibilisiert drauf sind und das dann auch später dem Kind erzählen:
Hey, übrigens in der dritten Klasse hat die Lehrerin damals das erzählt. Das geht oft
unter.

[00:56:21.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr heikel. Ich kann nichts fixes sagen.

[00:56:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir hat auch jemand gesagt vor Kurzem, dass es ihre geholfen hätten, wenn sie es
gewusst hätte.

[00:56:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile nicht gerne Diagnosen aus.

[00:56:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will mit dem Menschen arbeiten.

[00:56:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann auch nicht genau sagen: wann, wie was.

[00:56:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihr Gefühl und sagen sie es den Eltern.

[00:57:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe Frau Sara marti an.

[00:57:10.300] – Bemerkung 13
Klärt Frau Marti auch Erwachsene ab?

[00:57:12.907] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:57:13.060] – Bemerkung 14
Im SRF Club gab es die beiden ADHSler. Als sie es gewusst haben mit der Diagnose
und Medikamente bekommen haben, hatten sie kein Durcheinander mehr im Kopf. Ich

empfehle den Eltern eine Abklärung, weil wir wissen, dass es drei Jahre geht, einfach
für die Schulzeit. Vielleicht kann das Kind sich dann auch mal ausruhen. Die
Überflutung ist gross. Wenn der Termin kommt, kann man immer noch entscheiden, ob
man will oder nicht.

[00:58:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ansprechen auf jeden Fall.

[00:58:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist ADHS ja in aller Munde.

[00:58:32.102] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen dann entscheiden ob sie es tun wollen oder nicht.

[00:58:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat das Kind gesagt: ich bin doch nicht blöd.

[00:59:02.520] – Bemerkung 15
In gewissen Kulturkreisen ist das anders. Ein Südamerikaner hat mir gesagt: mein Kind
ist nicht loco loco.

[00:59:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen Sie sagen, ADHS ist keine Krankheit.

[00:59:17.300] – Bemerkung 15
Ja, das ist schwierig gewesen.

[00:59:18.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich weiss.

[00:59:21.150] – Bemerkung 15

Je nach Kulturkreis, je nachdem.

[00:59:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich muss es wieder ihnen überlassen und ihrem Gefühl. Ich vertraue ihnen auch,
dass sie es recht machen. Es kann ein Ah-Erlebnis geben und dadurch auch eine
Lockerung.

[00:59:50.600] – Bemerkung 16
Es ist eine extreme Erleichterung wenn man die Diagnose hat. Man versteht die letzten
38 Jahre von seinem Leben. Was man damit macht ist etwas anderes. Die Mutter wird
dann nicht abgestempelt als: du hast deine Kinder nicht im Griff.

[01:00:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie im Unterricht zusätzlich Unterstützung wünschen, benötigen sie die
zusätzliche Diagnose, sonst kriegen sie kein Geld. Das sind die bürokratischen Regeln.

[01:00:33.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich überlasse das Ihnen.

[01:01:05.280] – Bemerkung 17
Wir kriegen auch mit Diagnose nicht mehr Möglichkeiten. Wir müssen alles beantragen.

[01:01:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Da denke ich dann immer, wie viel Geld wird später ausgegeben? Es ist fürchterlich im
Gesundheitswesen und man könnte so viel sparen.

[01:01:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Martina Bircher gesagt, sie soll Geld vom Gesundheitswesen, von Jean-Pierre
Gallati holen, beide sind in der SVP und verwenden für die Schule. Bis jetzt ist noch
nicht geschehen.

[01:01:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Prävention beginnt im Schulsystem.

[01:01:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das menschliche Gehirn entwickelt sich mit der Auseinandersetzung.

[01:02:05.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In Australien hat sich ein Teil abgesondert. Das ist eine Insel gewesen.

[01:02:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt alles in der Evolutionsbiologie.

[01:02:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind immer wieder zurückgegangen und haben Dinge verloren.

[01:02:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort, wo neue Einflüsse gekommen sind, lernt der Mensch weiter.

[01:02:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn, wenn es sich auseinandersetzen muss mit anderen Situationen, dann lernt
es.

[01:02:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler zwingen uns zum lernen.

[01:02:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen, dann lernen
wir.

[01:02:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz und Amerika, mit all diese verschiedenen Einflüssen, da lernt man.

[01:02:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist zwar eine Herausforderung, Sie dürfen auch die Autorität verwenden, aber
denken Sie immer daran, wir lernen. Wir lernen an der Auseinandersetzung.

[01:03:04.860] – Bemerkung 18
Wenn die Eltern sich über ein anderes Kind beklagen, dann sage ich immer: wir
müssen voneinander lernen.

[01:03:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen miteinander lernen. Das ist die Zukunft, dass wir mehr lernen, nicht einfach
nur alles von der KI runterholen, sondern sozial lernen. Das ist nicht in der KI enthalten.

[01:04:01.400] – Bemerkung 19
Wenn man selber eine positive Einstellung hat und man das immer und immer wieder
selber so rüberbringt, dann gehen die Kinder mit einer anderen Emotion in den Tag.
Gefühle sind ansteckend.

[01:04:27.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut, die positive Haltung ist wichtig, damit wir lernen.

[01:04:47.200] – Bemerkung 20
Gibt es auch Studien über ADHS und Migränen als Folgeerkrankung?

[01:04:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit Migräne befasst und habe gesagt, Menschen, die Migräne haben, die
versuchen zwei oder mehr Probleme, die emotional beladen sind, zu lösen, zu
bearbeiten.

[01:05:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Migräne hat, macht man eine Dilatation, also eine Erwaltung der
Blutgefässe. Man schickt Blut dorthin wo man denkt.

[01:05:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere verschiedenen Hirnzentren sind zuständig für verschiedene Funktionen.

[01:05:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Multitasking.

[01:05:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zur gleichen Zeit zu viel machen möchte, dann gibt das dann die Migräne.

[01:05:38.995] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher haben ADSler mehr Migräne, weil sie einen Heuhaufen im Kopf haben.

[01:05:39.715] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie disziplinieren, dass sie einschränken.

[01:06:14.680] – Bemerkung 20
Die Umkehrvariante funktioniert nicht, oder?

[01:06:16.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch Migräne haben ohne ADHS.

[01:06:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mehrere Baupläne im Kopf hat, oh ich muss nach Hause, oh ich muss noch
fertig machen, in einer Sekunde habe ich Migräne. Ich will gehen, sollte aber noch
bleiben. Zwei unterschiedliche Bedürfnisse.

[01:07:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste dann klar sagen: Nein, jetzt lasse alles liegen oder nein, jetzt bleibe ich noch
hier und nehmen in Kauf, dass mein Mann dann sauer ist.

[01:07:24.350] – Bemerkung 20

Was mache ich mit den Kindern, welche den Kreis nicht spannend finden und dann den
Clown machen und einfach stören oder komplett abschweifen?

[01:07:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich Ouvertüren machen.

[01:08:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor der Oper hat man das Thema in einer Ouvertüre.

[01:08:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie sagen: Heute machen wir das, ich weiss, es finden es nicht alle gleich
interessant, manchmal muss man auch etwas lernen, das man nicht so interessant
findet. Ich will, dass auch ihr mitmacht.

[01:08:08.302] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sie die Kinder gleichzeitig anschauen.

[01:08:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Persönlich reinholen.

[01:08:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie gibt es Taktiken, wie man der Familie etwas schwieriges sagen
möchte.

[01:08:32.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will Ihnen jetzt etwas schwieriges sagen und wahrscheinlich werden sie alles
ablehnen, aber es ist doch ganz wichtig. Es ist eine Medizin.

[01:08:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt voraus, schon was sie machen. Dann können sie es nicht mehr so gut
machen. Sie nehmen es ihnen weg.

[01:09:05.000] – Bemerkung 21
Was ist, wenn sie dann trotzdem abschweifen?

[01:09:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie sagen: Jetzt ist es dir nicht gelungen. Jetzt bist du abgeschweift,
kommt wieder.

[01:09:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur mit den Löwen, der hat immer geschaut, wer nicht recht dabei ist. Der
kriegt etwas zu essen.

[01:09:25.648] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Namen sagen: Du bist jetzt abgeschweift, komm bitte wieder zurück. Kein
Strafe. Einfach zeigen, dass sie es bemerkt haben.

[01:09:25.875] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Aufmerksamkeitsmocken senden.

[01:09:25.900] – Bemerkung 22
Im Kindergarten und in der Primarschule setzt man sich sehr stark mit diesen Themen
auseinander. Beim Übergabegespräch von der 6. Klasse in die Oberstufe, hat die
Lehrperson der Oberstufe gesagt: das kann ich schon.

[01:10:55.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich dann sagen: verlangsamen. Da haben sie das Recht zu sagen: nein, ich
denke, das braucht ein bisschen mehr Sorgfalt.

[01:10:56.070] – Bemerkung 23
Die Lehrpersonen und der Schulleiter der Oberstufe, haben sich beschwert über die
Vorbereitungsgespräche und die vielen lebhaften Kinder.

[01:11:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Da würde ich mit dem Thema von dem Synaptic Pruning kommen.

[01:11:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist in der Oberstufe, in der Pubertät, speziell sensibel und es muss geformt
werden.

[01:11:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wenn man sagt: Ah, das mach ich dann schon…

[01:11:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine sorgfältige Formung. Ich denke, da dürfen sie so ein allgemeines
Statement abgeben wo sie sagen: ich finde, dass es wichtig ist, dass man sorgfältig mit
den Kindern umgeht, es geht um die Zukunft und die Persönlichkeitsentwicklung vom
Kind. Menschen sind in dieser Phase speziell sensibel. Man kann grosse Störungen
hinterlassen.

[01:11:56.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten psychiatrische Krankheiten entstehen in der Zeit von der Pubertät.

[01:12:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Fundament kann schon früher gelegt werden.

[01:12:41.871] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind noch sensibler auf Störungen.

[01:12:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen für das Gesundheitswesen gute Entwicklungen erreichen, sodass wir nicht
alle krank machen.

[01:12:57.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine sensible Phase.

[01:13:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich mich getrauen, das dem Oberstufenlehrer zu sagen. Sie sind nicht dazu
da, die Oberstufenlehrperson zu beschützen, sie sind dafür da, um für das Kind das
Beste zu erreichen.

[01:13:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum können sie auf die Sorgfalt Gewicht legen. Das ist die Sorgfaltspflicht.

[01:13:34.280] – Bemerkung 24
Die Kinder, die entweder den Clown machen oder abwesend sind, fallen für die anderen
Kinder nicht gross auf, oder werden trotzdem akzeptiert.

[01:13:37.483] – Bemerkung 24
Ein Kind kann schlecht mit dem Frust umgehen oder hat keine Lust das zu tun, was ich
tun möchte. Es ist soweit, dass die ganze Gruppe das Kind nicht möchte und nicht mit
dem Kind spielen möchte. Das Kind schafft es nicht, in eine positive Situation zu
kommen.

[01:14:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, du kannst jetzt nicht, und du willst jetzt nicht, dann kann man das Kind
separieren und nochmals persönlich angehen.

[01:14:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht immer im Gruppen-Setting.

[01:14:52.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man die Klassenassistenzen reinholen.

[01:14:57.910] – Bemerkung 24
Keine Ressourcen vorhanden.

[01:15:05.140] – Bemerkung 25

Der Kanton hat die letzten Jahre kontinuierlich seine Zahlen runter korrigiert. Wir haben
In zwei Jahren 50 Lektionen weniger bekommen.

[01:15:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahnsinn! Das ist am falschen Ort gespart. Falscher geht es nicht.

[01:15:24.540] – Bemerkung 26
Ich kann das Kind nicht zwei Minuten aus den Augen lassen.

[01:15:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können einen der Besten, führenden, ruhigsten nehmen und sagen: Kannst du mit
dem jetzt etwas anderes machen?

[01:15:38.100] – Bemerkung 26
Das will ja niemand.

[01:15:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mit dem vorher darüber reden. Der, der am besten funktioniert, mit dem
müssen sie mal alleine reden und sagen: Hörzu, wir haben das Problem, wir haben alle
Mühe, wärst du bereit, mit dem separat etwas zu machen?

[01:16:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind kooperativ.

[01:16:16.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat in der BEZ auch geklappt. Die haben alle mit dem gearbeitet.

[01:16:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie holen die Klassenassistenz aus der Klasse. Der wird dann ein Verbündeter von
ihnen. Nächstes Mal wenn ich Mühe habe mit ihm, dann frage ich dich, ob du mit ihm
vor die Türe gehen kannst und dort etwas anderes machst.

[01:16:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das eine Möglichkeit?

[01:16:45.040] – Bemerkung 27
Es ist halt wirklich auf Kindergartenstufe.

[01:16:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dennoch. Können sie ein extra Programm machen?

[01:17:27.000] – Bemerkung 27
Er hat dann immer sein Extraprogramm.

[01:17:27.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Er bekommt dann extra Aufmerksamkeit.

[01:17:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir zu stark schon homogenisierend.

[01:17:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie reden natürlich mit dem und sagen: Jetzt darfst du das.

[01:17:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Und dann?

[01:17:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie jetzt einzeln mit dem machen. Ich will, dass du das lernst. Wie können
wir das machen?

[01:17:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie mit ihm das Bündnis machen.

[01:17:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Da dürfen sie sagen: Ich weiss, du kannst dich nicht gut kontrollieren, aber wenn das
immer so läuft, dann hast du lauter Feinde.

[01:17:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du auch Freunde hast.

[01:17:59.971] – Dr.med. Ursula Davatz
Da machen sie mit ihm einen Kooperationsvertrag. Wie können wir etwas zusammen
abmachen, damit es nicht schief läuft.

[01:18:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von der Familie, wenn sich die Kinder gegen die Eltern wehren wollen, sollen
sie Tafeln machen und dann das aufzeigen.

[01:18:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie vereinbaren einen Geheimcode, um ihm zu vermitteln, wann er ruhiger werden
muss.

[01:18:26.790] – Dr.med. Ursula Davatz
So macht man es mit den Tieren, man schnalzt mit der Zunge oder ähnlich.

[01:18:27.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich einen Geheimcode vorstellen?

[01:18:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist er schon eine Vertrauter von ihnen. So binden sie ihn mehr an und dann will er
es ihnen Recht machen.

[01:19:02.680] – Bemerkung 28
Im Allgemeinen ist es okay, wenn wir das in der Klasse auch thematisieren?

[01:19:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja und immer auch im Sinn, ihr könnt das alle schon. Er kann es noch nicht. Er muss es
noch lernen.

[01:19:14.280] – Bemerkung 28
Aber das fühlt er dann auch.

[01:19:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist eine Tatsache. Das ist eine Realität.

[01:19:19.020] – Bemerkung 29
Wenn man mit den Kindern nicht darüber spricht, wird er immer mehr abgelehnt, weil er
ein Sonderprogramm hat, weil sie das Sonderprogramm nicht verstehen.

[01:19:29.100] – Bemerkung 29
Ein Kind wurde sehr gut geführt in er Unterstufe und war dann viel einfacher
handhabbar in der Oberstufe. Das Kind hat bei jeder Klasse eine neue Chance
bekommen.

[01:19:29.350] – Bemerkung 29
Aber es geht 10 bis 15 Jahre.

[01:20:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Spannend.

[01:20:06.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wieder neue Lösungen ausprobieren und die persönliche Beziehung behalten.

[01:20:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die persönliche Beziehung ist wichtig. Die persönliche Abmachung ist wichtig.

[01:24:19.030] – Bemerkung 30
Danke für Ihre Erfahrung.