Wie lässt sich Impulsivität positiv beschreiben?

Basierend auf den Ausführungen von Dr. Ursula Davatz in den Quellen wird Impulsivität, die oft als „schlechte Impulskontrolle“ negativ beschrieben wird, auch mit einem positiven Aspekt benannt: grosse Spontanität.

Positiv formuliert bedeutet Impulsivität, dass ADHS/ADSler oft sofort wissen, was abläuft. Sie sind schnell und haben eine schnelle Reaktivität. Dies kann sich in verschiedenen Bereichen zeigen:

  • Sie spüren sofort, wie jemand eingestellt ist und nehmen den emotionalen Ton stark wahr.
  • In Berufen mit viel Menschenkontakt, wie bei Ärzten oder Pflegenden mit ADHS/ADS, können sie ein gutes Gespür für den Patienten haben.
  • Sie können tendenziell ein Helfertyp sein, der bei einem Problem schnell helfen möchte (obwohl dieser Impuls gelernt werden muss, um nicht überwältigend zu sein).
  • Sie sind eher der spontane, schnelle Entscheidungstyp (dies muss aber oft mit Überlegung ergänzt werden).
  • Die Spontanität kann sich auch im humorvollen Umgang mit Situationen zeigen, wie einem „blöden Spruch“ oder Necken.

Diese Impulsivität ist Teil der Hirnstruktur und nicht etwas Erworbenes. Während sie in manchen Kontexten, wie beim Reinreden in Gesprächen, als störend wahrgenommen werden kann, ist die zugrundeliegende Spontanität und schnelle Reaktionsfähigkeit, wenn sie kanalisiert wird, eine Fähigkeit.

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Prokrastination

Basierend auf den Ausführungen von Dr. Ursula Davatz in den Quellen ist Prokrastination („Aufschieberitis“) eine häufige Herausforderung für erwachsene Personen mit ADHS/ADS. Sie wissen, dass eine Aufgabe erledigt werden muss und es ihr Plan oder ihre Pflicht ist, tun es aber nicht. Dies führt oft dazu, dass sie sich über sich selbst ärgern. Das einfache Notieren auf To-Do-Listen wird dabei als wenig effektiv beschrieben, da die Aufgaben dort oft nur verschoben werden.

Um der Prokrastination entgegenzuwirken, gibt die Rednerin folgende Ratschläge, die sich auf starke Selbststrukturierung und Fokussierung konzentrieren:

  • Präzise Planung der Aufgabe: Es ist notwendig, sich die Aufgabe sehr genau vorzunehmen. Man sollte sich fragen und festlegen: wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit und an welchem Ort will man die Aufgabe erledigen? Diese präzise Fokussierung ist entscheidend. Sie vergleicht dies mit einem Adler, der seine Beute aus der Luft genau fokussiert.
  • Vorbereitung und mentale Einstellung: Man muss sich im Hinterkopf darauf vorbereiten und sich einschränken bzw. fokussieren.
  • Vermeidung vager Formulierungen: Vage Gedanken wie „ich sollte dann noch“ oder „ich sollte das schon lange machen“ sind keine Fokussierung. Wenn man so denkt, passiert es auch nicht.
  • Persönliche Fokussierung und Disziplin: ADHS/ADS-Personen müssen sich selbst stärker persönlich fokussieren. Sie müssen sich „am Riemen reissen“ und klar sagen: „Dann mache ich es“. Es darf dann keine Ausflüchte geben. Dies erfordert eine gewisse Disziplin. Wer dies lernt, kann erfolgreich werden.
  • Begrenzung der To-Do-Liste: Anstelle einer langen Liste empfiehlt sie, nur drei Dinge auf die To-Do-Liste zu setzen: das wichtigste, das wichtige, und das dritte nur, wenn Zeit und Energie bleiben. Erst wenn diese drei abgearbeitet sind, nimmt man sich neue Aufgaben vor.
  • Anlegen von Gewohnheiten und Routinen: Da sich ADHS/ADSler schwer tun, sich selbst zu strukturieren, ist es hilfreich, sich bestimmte Prinzipien und Gewohnheiten anzulegen. Indem man Dinge mehrmals gleich macht, integriert sie das Gehirn als Gewohnheit. Dies erleichtert Entscheidungen und spart Energie. Als Beispiele nennt sie ein klares Morgenritual (z.B. Wecker klingelt, aufstehen) und ein Abendritual zum Herunterfahren (Probleme nicht mit ins Bett nehmen, wie einen Computer herunterfahren).
  • Gezielter Einsatz von Medikamenten: Für besonders ungeliebte Fleissarbeiten, wie sie z.B. in der Selbstständigkeit anfallen (Rechnungen, Buchhaltung), kann der gezielte Einsatz von Medikamenten wie Ritalin in Erwägung gezogen werden. Die Idee ist, das Medikament für diesen spezifischen Zeitpunkt und Ort einzuplan, um die notwendige Fokussierung zu ermöglichen. Es wird betont, dass Ritalin nicht immer, sondern gezielt eingesetzt werden kann. Dabei wird aber auch darauf hingewiesen, dass Medikamente die breite Wahrnehmung, emotionale Wahrnehmung und Kreativität reduzieren können. Die Entscheidung für oder gegen Medikamente in bestimmten Situationen muss individuell getroffen werden.
  • Fehlerkultur: Wenn Fehler passieren, ist es wichtig, diese genau anzuschauen und zu verstehen, was dabei gedacht wurde („Was hast du dir dabei überlegt?“). Aus Fehlern wird gelernt.

Zusammenfassend rät die Rednerin bei Prokrastination zu klarer, detaillierter Planung, starker persönlicher Fokussierung, dem Aufbau hilfreicher Gewohnheiten und gegebenenfalls dem gezielten Einsatz von Unterstützungsmitteln, um die Ausführung der aufgeschobenen Aufgaben zu ermöglichen. Sie betont auch, dass das Lernen dieser Selbststrukturierung bereits im Jugendalter wichtig ist.

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Welche Berufe eignen sich für ADHS/ADSler?

Dr.med. Davatz betont, dass es darauf ankommt, den individuellen Fokus und die persönlichen Stärken zu finden, denn wenn ADHS/ADSler ihren Fokus finden, können sie „abgehen wie eine Rakete“.

Allerdings lassen sich aus den Charakteristika von ADHS/ADS bestimmte Tendenzen und geeignete Umfelder ableiten:

  • Berufe mit Beziehungen und Empathie: ADHS/ADSler haben oft eine hohe Sensibilität und eine gute Empathie. Sie spüren sofort, wie ihr Gegenüber eingestellt ist und nehmen den emotionalen Ton stark wahr. Berufe, die menschliche Beziehungen erfordern und bei denen diese Empathie eine Rolle spielt, sind oft gut geeignet. Beispiele, die genannt werden, sind:
    • Arzt
    • Lehrer
    • Krankenschwester / Pflegeberufe
    • Verkäufer (da sie mit Menschen zu tun haben)
  • Berufe, die Abwechslung und Multitasking bieten: Monotone Arbeiten, wie zum Beispiel Fliessbandarbeit, sind für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit dort sofort weggeht. Tätigkeiten, die Abwechslung bieten oder bei denen rotiert wird, sind besser geeignet. Wenn ihnen die Arbeit Spass macht, sind ADHS/ADSler oft gut im Multitasking, was das Dopamin hochfährt. Zu viel Input kann allerdings auch zu einem System-Overload und Zusammenbruch führen.
  • Berufe, die Kreativität ermöglichen: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer und können besser „Denkgrenzen“ überschreiten. Wenn ein Umfeld genügend Raum für Experimente bietet und nicht zu rigide ist, kann sich die Kreativität entfalten.
  • Wunsch nach Selbstständigkeit: Viele ADHS/ADSler möchten selbstständig werden, da sie keine Vorgesetzten mögen und ihr eigener Chef sein wollen. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass auch in der Selbstständigkeit ungeliebte Fleissarbeiten wie Rechnungen schreiben oder Buchhaltung anfallen können. Für solche Aufgaben kann man extern Hilfe suchen (z.B. Buchhalter) oder, wie Dr. Davatz erwähnt, eventuell in diesem Moment Medikamente einnehmen, um sich besser fokussieren zu können.
  • Erfolgreiche ADHS/ADSler: Beispiele für Bereiche, in denen ADHS/ADSler erfolgreich sein können, wenn sie ihren Fokus gefunden haben, sind:
    • Business-Leute
    • Forscher (das ADS kann hilfreich sein, weil es nicht loslässt und zu Hyperfokus führt)
    • Sportler (z.B. Roger Federer, Michael Phelps werden genannt, und Sport kann das Dopaminsystem aktivieren)
    • Grosse Erfinder (wie Albert Einstein, der als ADS-Typ beschrieben wird)
    • Politiker (in Bemerkung 14 genannt als Beispiel für Spitzenleistung)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Berufe, die zwischenmenschliche Interaktion, Abwechslung, die Nutzung von Empathie und die Möglichkeit, den eigenen Fokus und die Kreativität einzusetzen, bieten, für ADHS/ADS-Personen oft besonders geeignet sind. Eintönige oder sehr starre Arbeitsumgebungen sind eher ungünstig. Wichtig ist es, die individuellen Stärken zu erkennen und diese gezielt einzusetzen. Coaching kann dabei unterstützen, den eigenen Typ und geeignete Wege zu finden.

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Wie können ADHS/ADS-Personen Entscheidungen treffen?

Das Treffen von Entscheidungen kann für Menschen mit ADHS/ADS eine besondere Herausforderung darstellen. Die Schwierigkeiten zeigen sich auf unterschiedliche Weise, je nachdem, ob die Person eher ADHS- oder ADS-Ausprägungen hat.

  1. Impulsivität und schnelle Entscheidungen (eher ADHS):
    • Ein Charakteristikum von ADHS/ADSlern ist die hohe Impulsivität. Dies kann sich positiv als grosse Spontanität äussern.
    • Negativ bedeutet es, dass sie zu schnellen, spontanen Entscheidungen neigen. Sie sehen etwas und sagen sofort: „Ich mache mit“. Dies führt oft dazu, dass sie sich zu viele Aufgaben aufladen und dann überfordert sind oder nicht mehr weiterwissen.
    • Der Rat lautet, diese Personen dazu anzuhalten, innezuhalten, zu warten und ein wenig nachzudenken, bevor sie enthusiastisch zusagen. Man sollte ihnen raten, „noch einmal darüber zu schlafen“.
  2. Unentschlossenheit (eher ADS):
    • ADSler, der denkende Typ mit stärkerer innerer Aktivität, tendieren dazu, gar nicht zu entscheiden.
    • Sie gehen im Kopf so viele Möglichkeiten durch und wägen ständig das Für und Wider ab.
    • Dr. Davatz betont, dass ein guter Entscheid immer mit dem Herzen verbunden sein muss. Rein auf kognitiver Ebene entscheiden zu wollen, funktioniert nicht.
    • Um sein Herz und seine eigentlichen Emotionen zu spüren, die für eine gute Entscheidung nötig sind, muss man ein bisschen innehalten und zuhören.
  3. Strukturierung und Umsetzung von Entscheidungen (Prokrastination):
    • Im Erwachsenenalter ist Prokrastination („Aufschieberitis“) bei ADHS/ADSlern häufig. Sie wissen, dass eine Aufgabe erledigt werden muss, tun es aber nicht und ärgern sich darüber. To-Do-Listen sind oft wenig effektiv, da die Aufgaben darauf verschoben werden.
    • Um dem entgegenzuwirken, ist eine sehr genaue Fokussierung der Aufgabe nötig: Man muss sich vornehmen, wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit und an welchem Ort man die Aufgabe erledigt.
    • Dies erfordert eine starke persönliche Fokussierung und eine gewisse Disziplin, um es dann auch umzusetzen und nicht auszuweichen. Vage Formulierungen wie „ich sollte dann noch“ sind ineffektiv. Dr. Davatz vergleicht dies mit dem Adler, der seine Beute genau fokussiert.
  4. Umgang mit Ambivalenz nach einer Entscheidung:
    • Nachdem eine Entscheidung getroffen wurde, fallen viele ADHS/ADSler in Ambivalenz zurück und fragen sich, ob sie nicht anders hätten entscheiden sollen. Dieser Zustand wird als Katastrophe beschrieben, aus der man schwer herauskommt.
    • Der Rat ist, der Person zu sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt so entschieden hat und das in Ordnung ist. Jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile, und es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Sie sollten bei ihrem Entscheid bleiben.
  5. Umentscheidungen:
    • Manchmal ist es notwendig, eine Entscheidung zu ändern. Wenn dies der Fall ist, muss man dies klar und begründet tun. Man sollte erklären, nach welchen Kriterien man ursprünglich entschieden hat und warum man sich jetzt, basierend auf neuen Überlegungen, klar umentscheidet. Dies ist akzeptabel, solange es nicht ein ständiges Hin und Her ist.
  6. Wichtigkeit von Prinzipien und Gewohnheiten:
    • Da ADHS/ADSler sich schwer tun, sich selbst zu strukturieren, ist es wichtig, dass sie lernen, dies zu tun.
    • Das Anlegen von Prinzipien und Gewohnheiten durch mehrmaliges gleiches Handeln integriert diese Abläufe ins Gehirn, macht Entscheidungen in diesen Bereichen einfacher und spart Energie. Klare Rituale, wie ein Morgenritual oder ein Ritual zum Herunterfahren am Abend, sind hilfreich.
  7. Rolle der Führung und Begleitung:
    • Bei der Führung oder Erziehung von ADHS/ADSlern ist eine autoritative Haltung hilfreich: Man sagt klar, was man will („ich will“), anstatt zu befehlen („du musst“, „du sollst“). Die Energie bleibt bei der Person, die etwas will.
    • Es ist wichtig, die Person zu validieren („Was hast du dir dabei überlegt?“) und ihre Gefühle zu verstehen, bevor man erklärt, wie die Situation gehandhabt werden muss.
    • Coaching wird als essenziell angesehen, um ADHS/ADSlern zu helfen, sich selbst und ihre Muster zu verstehen und zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Ein Coach kann dabei unterstützen, Reflexionsfähigkeit zu entwickeln und den eigenen Typ kennenzulernen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit Entscheidungen bei ADHS/ADSlern stark von ihren individuellen Ausprägungen abhängt. Während Impulsivität gebremst werden muss, braucht Unentschlossenheit eine Verbindung zur emotionalen Ebene. Für die Umsetzung ist präzise Planung wichtig, und das Anlegen von Gewohnheiten kann den Alltag erleichtern. Begleitung und Coaching spielen eine wichtige Rolle, um die nötige Selbstreflexion und die Fähigkeit zur Selbststrukturierung zu entwickeln.

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Umgang mit ADHS/ADS

Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung, einen sogenannten Genotyp oder Neurotyp. Das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“, und dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entwickeln oder negative Folgeerscheinungen auftreten, hängt massgeblich vom Umfeld ab. Der Umgang mit ADHS/ADS sollte daher persönlichkeitsgerecht oder artgerecht sein.

Einfluss des Umfelds und der Erziehung/Führung:

  • Ein zu rigides Umfeld, das versucht, die Person stark an Regeln zu gewöhnen, kann die Kreativität eher abklemmen. Wenn relativ viel Offenheit da ist und experimentieren erlaubt wird, kann sich die Person gesünder entwickeln.
  • Eine unklare Struktur oder eine bestrafende Erziehungsmethode können bei Jungen eher zu Delinquenz führen.
  • Sowohl rein autoritäre als auch anti-autoritäre bzw. Laissez-faire-Erziehung sind nicht gut für ADHS/ADSler. Sie brauchen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die aber nicht zu eng sein dürfen.
  • Eine autoritative Erziehung/Führung wird empfohlen: Man hat Regeln und sagt diese klar, aber man sagt nicht „du musst“ oder „du sollst“. Stattdessen drückt man seinen eigenen Willen aus: „ich will“.
  • Beschämung („warum hast du nicht…?“) ist bei ADHS/ADSlern besonders schädlich und sollte vermieden werden, da darunter generell nicht gelernt wird. Es kann zu Rückzug, Abschotten oder Aggression führen.

Kommunikation als zentrales Werkzeug:

  • Die Energie sollte bei der Person bleiben, die etwas will, und nicht gegen das Kind/die Person gerichtet sein, da dies Abwehr oder Aggression auslöst.
  • Validierung ist entscheidend: Man muss zuerst herausfinden, aus welchem Grund die Person etwas so gemacht hat, indem man fragt: „Was hast du dir dabei überlegt?“. Das geschieht nicht degradierend, sondern wertschätzend. Erst danach sagt man, wie man es gerne möchte.
  • Bei ADHS/ADSlern, die sehr sensibel sind und sofort spüren, wie man auf sie eingestellt ist, ist der emotionale Ton wichtiger als der Inhalt. Um sicherzustellen, dass der Inhalt ankommt, muss die Kommunikation ruhig und ohne verurteilenden Ton sein.
  • Wenn ADHS/ADSler kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Man muss sie „zurückholen in die Beziehung“. Es gibt keine Erziehung/Führung ohne Beziehung.
  • Offene Kommunikation im Team, auch über die eigenen Eigenschaften, ist wichtig für den Lernprozess. Man kann seine Reaktionen erklären, ohne unbedingt die Diagnose zu nennen.

Umgang mit spezifischen ADHS/ADS-Eigenschaften:

  • Breite Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit: Erkennen, dass alles interessiert. Die leichte Ablenkbarkeit liegt an einer weniger guten Filterfunktion im Gehirn. Bei uninteressanten Themen entsteht ein Defizit. Wenn sich die Person für etwas interessiert, kann sie Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen.
  • Impulsivität: Bei spontanen Entscheidungen (z.B. sich für zu viele Aufgaben melden) muss die Person angehalten werden, innezuhalten, zu warten und nachzudenken. Bei Unterbrechungen die Person validieren und dann umlenken.
  • Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter häufig. To-Do-Listen sind oft ineffektiv. Wichtig ist eine genaue Fokussierung der Aufgabe: wann, welcher Tag, welche Zeit, welcher Ort. Es braucht Selbstdisziplin, um dies dann auch umzusetzen. Für langweilige Aufgaben kann die gezielte Einnahme von Medikamenten eine Option sein.
  • Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler tun sich schwer, sich selbst zu strukturieren. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass andere die Strukturierung übernehmen. Das Entwickeln von Prinzipien und Gewohnheiten (durch mehrmaliges gleiches Handeln) integriert diese ins Gehirn und spart Energie. Klare Morgenrituale oder Rituale zum Herunterfahren vor dem Schlafengehen sind hilfreich. Im Arbeitsumfeld oder in der Familie ist bei Überforderung oder Chaos ein frühes, klares, „autoritäres“ Eingreifen zur Strukturierung notwendig, gefolgt von einem Rückzug, sobald die Ordnung hergestellt ist. Dies ist ein Einordnen der Situation, nicht eine Bewertung der Person.
  • Sensibilität und Umgang mit Kritik/Fehlern: Hohe Sensibilität auf Verletzungen und Kränkungen. Fehler passieren häufig. Fehler dürfen nicht bestraft werden. Stattdessen sollte man sie gemeinsam anschauen und nach den Überlegungen fragen. Fehler können viel Kreativität enthalten. Man lernt aus Fehlern. Einmal „ausrutschen“ und daraus lernen ist besser als zwanghaftes Vermeiden von Fehlern, was zu Unnatürlichkeit führt.
  • System Overload: In reizüberfluteten Umgebungen (wie einem Spital) kann es schnell zum Zusammenbruch kommen. Multitasking funktioniert gut, wenn es Spass macht, wird aber zur Überforderung, wenn es zu viel wird. Wie bei fehlender Struktur ist hier ein frühes, klares Eingreifen der Führungsperson wichtig.
  • Rechtfertigung: Wenn jemand sich rechtfertigt, sollte diese Diskussion auf später verschoben werden. Zuerst die Handlung validieren, dann die Rechtfertigung separat besprechen.
  • Helfen (Über-Helfen): Wenn jemand zu sehr versucht, allen gleichzeitig zu helfen, sollte dies anerkannt („du bist ein Helfertyp, das ist gut“) und dann begrenzt werden („du kannst nicht allen gleichzeitig helfen und deine eigene Arbeit machen“).

Stärken erkennen und fördern:

  • ADHS/ADSler haben oft eine primäre Gabe der Empathie und ein gutes Gespür für Menschen. Diese Gabe sollte wahrgenommen und gepflegt werden.
  • Sie sind in der Regel kreativer und können besser Denk-Grenzen überschreiten.
  • Sie können sich für Themen, die sie interessieren, intensiv begeistern und einen Hyperfokus entwickeln.
  • Es ist entscheidend, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen, wo er seine Stärken hat. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“. Reine Kritik an Schwächen ist nicht hilfreich.

Medikamente:

  • Medikamente wie Ritalin wirken auf das Dopaminsystem und sind stimulierend („Uppers“). Sie können helfen, den Fokus bei langweiligen oder mühsamen Aufgaben zu finden.
  • Allerdings können sie auch negative Auswirkungen haben: die breite Wahrnehmung geht verloren, die emotionale Wahrnehmung geht verloren, und man ist nicht mehr so kreativ. Architekturstudenten berichten beispielsweise, dass sie mit Ritalin weniger kreativ sind.
  • Zu viel Dopamin kann Psychosen auslösen. Bei Erwachsenen kann die Einnahme von zu viel Amphetamin-ähnlichen Medikamenten zu psychotischen oder schizophrenen Zuständen führen.
  • Medikamente dürfen nie ohne Begleitung eingenommen werden.
  • Sie müssen nicht immer genommen werden, sondern können gezielt eingesetzt werden. Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn passt. Die Entscheidung über die Gabe von Medikamenten bei Kindern liegt bei den Eltern.

Coaching und Begleitung:

  • Coaching oder eine entsprechende Begleitung ist essenziell und sollte Medikamente immer begleiten. Nur mit Medikamenten korrigieren zu wollen, wird als „Verleugnungstaktik“ oder „Grössenwahn der Mediziner“ gesehen.
  • Es muss ein Coach gefunden werden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Therapeuten, die ADHS/ADS nicht verstehen, versuchen oft, es zu „korrigieren“, was nicht getan werden darf.
  • ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden. Am Ende muss sich der ADHS/ADSler immer selber erziehen, und dabei kann ein Coach helfen.
  • Coaching hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben. Es geht darum zu lernen, mit sich selbst umzugehen.
  • Eine gute Begleitperson versteht etwas von ADHS/ADS, hat Selbstironie und Reflexionsfähigkeit. Sie kann dem Betroffenen helfen, indem sie normalisiert („das passiert mir auch“) und zum Lernen ermutigt („wir müssen es eben lernen“).

Weitere Aspekte des Umgangs:

  • Digitalisierung: Die Digitalisierung birgt die Gefahr, dass durch übermässigen Konsum (Handy) Vernetzungen im Gehirn (insbesondere für soziale Kompetenz und Mimiklesen) weniger stark ausgebildet werden. Sie fördert eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und kann zur Abkapselung beitragen. Eltern sollten menschliche Interaktion fördern. Die Medien sind darauf ausgelegt, über Sensation und Angst Aufmerksamkeit zu erregen.
  • HR-Rolle: HR-Abteilungen sollten Anpassungen nicht missbrauchen. Sie sollten der Person zuhören, validieren, wie sie sich fühlt, und dann erklären, dass es im System Regeln gibt, die eine Anpassung erfordern, wenn man im System bleiben möchte.
  • Sucht: Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht. Suchtmittel bieten eine schnelle, gefährliche Lösung für unangenehme Gefühle. Der Umgang mit Sucht erfordert die Begleitung des Betroffenen, um mit seinen Gefühlen umgehen zu lernen, anstatt nur Abstinenz anzustreben.

Zusammenfassend ist der Umgang mit ADHS/ADS stark vom Umfeld geprägt. Eine unterstützende, verstehende Umgebung mit klaren, aber flexiblen Strukturen und einer validierenden Kommunikation ist entscheidend. Medikamente können unterstützend eingesetzt werden, sind aber kein alleiniges Mittel und sollten immer von einer fachkundigen Begleitung (Coaching) begleitet werden. Das Wichtigste ist, dass der Betroffene lernt, sich selbst zu verstehen, zu reflektieren und mit seinen Eigenschaften umzugehen.

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ADHS/ADS im Arbeitsleben

Gerne diskutiere ich ADHS/ADS im Arbeitsleben anhand der vorliegenden Quellen und unserer Konversation.

Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung („Genotyp“, „Neurotyp“). Das Gehirn von ADHS/ADSlern funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entfalten oder negative Folgeerscheinungen entwickeln, hängt massgeblich vom Umfeld ab.

Im Arbeitsleben zeigt sich dieser Einfluss des Umfelds und der Umgang mit den ADHS/ADS-typischen Eigenschaften besonders deutlich:

  • Fokus und Hyperfokus: ADHS/ADS bedeutet nicht zwingend ein allgemeines Aufmerksamkeitsdefizit. Es ist eher ein Defizit bezogen auf Themen, die einen nicht interessieren, z.B. Frontalunterricht oder monotone Arbeiten. Wenn ADHS/ADSler sich für ein Thema interessieren, können sie hingegen einen Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen. Nichts ist dann mehr von einem Defizit zu spüren. Wenn jemand im Arbeitsleben seinen ganz persönlichen Fokus findet, kann er „abgehen wie eine Rakete“. Berufe mit menschlicher Interaktion, wie Arzt, Lehrer, Krankenschwester oder Verkäufer, eignen sich oft gut, da sie Empathie und gute Wahrnehmung erfordern. Eintönige Fliessbandarbeit ist hingegen nicht geeignet, da die Aufmerksamkeit schnell weg ist. Rotation in Arbeitsaufgaben kann für ADHS/ADSler vorteilhaft sein.
  • Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter kommt bei vielen ADHS/ADSlern die Prokrastination hinzu. Sie wissen, was zu tun ist (Plan, Pflicht), tun es aber einfach nicht und ärgern sich dann über sich selbst. To-Do-Listen sind oft nicht hilfreich, da die Aufgaben darauf nie abgearbeitet werden. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Aufgabe genau zu fokussieren: wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit, an welchem Ort die Arbeit erledigt werden soll. Es braucht ein wenig Selbstdisziplin, um sich dann „am Riemen zu reissen“ und die Aufgabe nicht aufzuschieben. Manche Erwachsene nutzen Medikamente wie Ritalin gezielt für langweilige Aufgaben wie Buchhaltung.
  • Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler benötigen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die jedoch nicht zu eng sein dürfen. Sie tun sich schwer, sich selbst gut zu strukturieren. Dies kann dazu führen, dass sie an der Arbeit sehr strukturiert sind, zu Hause aber ein „Messi Syndrom“ haben. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass Vorgesetzte oder Kollegen die Strukturierung komplett übernehmen. Gewisse Prinzipien und Gewohnheiten zu entwickeln, indem man Dinge mehrmals gleich macht, hilft dabei, da dies im Gehirn integriert wird und Energie spart.
  • Umgang mit Fehlern und Kritik: ADHS/ADSlern passieren oft viele Fehler. Vorgesetzte sollten Fehler nicht bestrafen, da dies dazu führt, dass Mitarbeiter ausweichen, lügen und Dinge vertuschen. Unter Beschämung wird generell nicht gelernt. Statt zu beschämen, sollte man die Fehler gemeinsam anschauen und fragen, was sich der Mitarbeiter dabei gedacht hat („Validierung“). Fehler können viel Kreativität enthalten, die genutzt werden sollte. ADHS/ADSler sind sehr sensibel und spüren sofort, wie man auf sie eingestellt ist. Wenn sie kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Es ist entscheidend, sie „zurückzuholen in die Beziehung“. Der emotionale Ton wird stärker wahrgenommen als der Inhalt. Eine ruhige, nicht verurteilende Kommunikation ist wichtig.
  • Beziehung im Arbeitsumfeld: Eine gute Beziehung zwischen Führungsperson und Mitarbeiter ist essenziell. Es gibt keine Erziehung ohne Beziehung. ADHS/ADSler sind besonders empfänglich für den emotionalen Ton und die Beziehungsqualität. Wenn ADHS/ADSler, die oft eine primäre Gabe der Empathie haben, zu viel kritisiert werden, kann diese Empathie verloren gehen.
  • System Overload und Reizüberflutung: In Arbeitsumfeldern mit vielen Reizen, wie z.B. einem Spital, kann es schnell zum „System Overload“ kommen, bei dem ADHS/ADSler zusammenbrechen. Sie sind zwar gut im Multitasking, wenn es Spass macht, aber wenn es zu viel wird, überfordert es sie. Die Kunst der Führungsperson besteht darin, frühzeitig und klar einzugreifen („autoritär zu sein“), um Struktur zu geben, und sich dann wieder zurückzuziehen. Dies ist einordnen, nicht die Person als falsch bezeichnen. Es geht darum, dem Durcheinander entgegenzuwirken.
  • Umgang mit Rechtfertigung: Wenn ein Mitarbeiter in die Rechtfertigung geht, sollte die Diskussion darüber verschoben und separat geführt werden. Zuerst sollte der Vorgesetzte den Validierungsansatz wählen, indem er fragt, wie der Mitarbeiter vorgegangen ist und was er sich dabei gedacht hat. Wenn sich der Mitarbeiter danach wertgeschätzt fühlt, verbessert sich die Situation.
  • Stärken erkennen und fördern: Es ist wichtig, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“, der weiss, wo jeder am besten aufgehoben ist. Es ist nicht hilfreich, nur die Schwächen zu kritisieren. Ein Mitarbeiter kann aber auch den Wunsch haben, an seiner Schwäche zu arbeiten; dies ist dann eine „hohe Schule“.
  • HR-Rolle: Die Personalabteilung hat eine wichtige Rolle. Sie sollte darauf achten, dass Anpassungen nicht zum Zweck der Anpassung missbraucht werden. HR sollte die Person zunächst anhören und validieren, wie sie sich fühlt. Erst danach sollte das System erklärt werden, dessen Regeln nicht geändert werden können, und dass eine Anpassung nötig ist, um im System zu bleiben [128, 133? check source 126, 128].
  • Coaching und Begleitung: Dr. Davatz betont, dass Medikamente wie Ritalin nie ohne Begleitung eingenommen werden sollten. Sie empfiehlt dringend Coaching. Es muss ein Coach sein, der sich mit ADHS/ADS auskennt, da Therapeuten, die es nicht verstehen, versuchen, es zu „korrigieren“, was nicht geschehen sollte. ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden; der ADHS/ADSler muss sich am Ende selbst erziehen, wobei ein Coach helfen kann. Coaching fördert Selbstreflexion und hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und mit sich selbst umzugehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Arbeitsleben ein unterstützendes, strukturiertes (aber flexibles) und beziehungsorientiertes Umfeld, das Stärken erkennt, Fehler toleriert (ohne Beschämung) und Kommunikation auf Validierung aufbaut, entscheidend ist, damit ADHS/ADSler ihre Potenziale entfalten können. Medikamente können gezielt unterstützend wirken, sollten aber immer mit einer Begleitung, idealerweise einem ADHS/ADS-erfahrenen Coach, kombiniert werden, um den eigenen Umgang mit den Eigenschaften zu lernen.

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Medikamente und Coaching

Gerne erläutere ich Ihnen die Aspekte von Medikamenten und Coaching im Zusammenhang mit ADHS/ADS, basierend auf den Informationen in den vorliegenden Quellen und unserer Konversation.

Dr. med. Ursula Davatz sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung. Das Gehirn funktioniere einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ ist laut ihr nicht krank.

Medikamente (insbesondere Stimulanzien wie Ritalin):

  • Medikamente wie Ritalin, Concerta, Elvanse, Focalin und Medikinet werden bei ADHS/ADS eingesetzt. Diese Medikamente wirken im Dopamin-System. Sie sind amphetaminerg, wirken also stimulierend („Uppers“).
  • Früher hiess es oft, sobald ADHS/ADS diagnostiziert wurde, müsse man Medikamente nehmen. Auch Lehrpersonen sagen manchmal, sie könnten ein Kind ohne Ritalin oder Ähnliches nicht beschulen. Dr. Davatz stimmt dem nicht zu; es sei Sache der Eltern, ob ein Kind Ritalin bekommt.
  • Die Einnahme von Medikamenten, die das Dopaminsystem aktivieren, birgt Risiken. Wenn Erwachsene mit ADHS/ADS Ritalin erhalten, werden sie stimuliert und denken noch mehr. Wenn es nicht wirkt und sie mehr nehmen, kann es wie eine Droge verwendet werden und zu psychotischen oder schizophrenen Zuständen führen. Dies geschieht laut Dr. Davatz immer mehr, wenn ADHS/ADSler zu viel mit Amphetaminen behandelt werden. Zu viel Dopamin kann eine Psychose auslösen.
  • Auf der positiven Seite können Medikamente wie Ritalin helfen, den Fokus zu finden, insbesondere bei langweiligen oder mühsamen Aufgaben wie Buchhaltung. Es hilft, sich besser zu fokussieren.
  • Allerdings beobachtet Dr. Davatz, und Patienten berichten es ihr, dass Ritalin neben dem Fokus auch negative Auswirkungen haben kann. Die breite Wahrnehmung geht verloren, die emotionale Wahrnehmung geht verloren, und man ist nicht mehr so kreativ. Architekturstudenten berichten beispielsweise, dass sie mit Ritalin weniger kreativ sind. Wenn jemand spürt, dass das Medikament ihn extrem verändert und ihm Wichtiges (wie das Zwischenmenschliche oder Kreativität) nimmt, rät Dr. Davatz, es nicht zu nehmen.
  • Medikamente wie Ritalin müssen nicht immer eingenommen werden. Anders als SSRI, die immer genommen werden müssen, kann Ritalin gezielt eingesetzt werden. Manche brauchen es beispielsweise nicht an der Universität, wenn der Stoff interessant ist, aber vielleicht zum Lernen zu Hause. Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn passt.

Coaching und Begleitung:

  • Ein ganz zentraler Punkt für Dr. Davatz ist, dass Medikamente wie Ritalin nie ohne eine Begleitung eingenommen werden sollten. Es sei nicht gut, nur mit Medikamenten korrigieren zu wollen. Alleinige Medikamentengabe sieht sie als „Verleugnungstaktik“ oder „Grössenwahn der Mediziner“, die meinen, den Menschen mit einem Medikament korrigieren zu können.
  • Sie empfiehlt dringend, sich Coaching zu holen. Es muss nicht unbedingt eine Therapie sein, aber Coaching.
  • Wichtig ist, einen Coach zu finden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Viele Leute waren in Therapien, wo die Therapeuten nichts von ADHS/ADS verstanden haben. Wenn ein Therapeut ADHS/ADS nicht versteht, versucht er es zu „korrigieren“, was laut Dr. Davatz nicht getan werden sollte.
  • ADHS/ADS kann nicht mit Verhaltenstherapie korrigiert werden. Auch kann man ADHS/ADS nicht „weg erziehen“. Am Schluss muss sich der ADHS/ADSler immer selber erziehen, und dabei kann ein Coach helfen.
  • Coaching oder eine entsprechende Begleitung ist wichtig, um zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Ein Coach kann helfen, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben.
  • Eine Begleitperson, die ein wenig etwas von ADHS/ADS versteht, Selbstironie hat und Reflexionsfähigkeit besitzt, kann als Coach funktionieren. Sie kann dem Betroffenen helfen, indem sie sagt: „Weisst du, das passiert mir auch, aber wir müssen es eben lernen“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass laut Dr. Davatz bei ADHS/ADS das Umfeld und der Umgang entscheidend sind, und eine rein medikamentöse Behandlung ohne Begleitung nicht zielführend ist. Medikamente können gezielt zur Unterstützung bei bestimmten Aufgaben eingesetzt werden, bergen aber auch Risiken und können die breitgefächerten Fähigkeiten beeinträchtigen. Eine fundierte Begleitung durch einen im ADHS/ADS-Bereich versierten Coach ist essenziell, um Selbstverständnis zu fördern, mit den eigenen Eigenschaften umgehen zu lernen und die genetische Veranlagung positiv zu nutzen.

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Erziehung und Umfeld

Gerne erläutere ich die Aspekte von Erziehung und Umfeld im Zusammenhang mit ADHS/ADS, basierend auf den vorliegenden Quellen und unserer Konversation.

Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung („Genotyp“, „Neurotyp“) für mögliche Folgekrankheiten. Das Gehirn funktioniere bei ADHS/ADSlern einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ bedeutet für sie nicht krank. Entscheidend für die Entwicklung ist laut Dr. Davatz das Umfeld.

Einige zentrale Punkte zu Erziehung und Umfeld:

  • Der Einfluss des Umfelds: Das Umfeld hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie sich ADHS/ADS entwickelt. Es hängt vom Umfeld ab, ob sich aus der genetischen Veranlagung Folgekrankheiten entwickeln oder ob sich die Fähigkeiten gut entfalten können. Die negativen Erscheinungen von ADHS/ADS nehmen laut Dr. Davatz zu, weil das Umfeld nicht geschickt damit umgeht.
  • Persönlichkeitsgerechte Menschenführung und Schulgebung: Dr. Davatz plädiert sehr stark dafür, dass das Umfeld – seien es Eltern, Lehrpersonen oder Führungspersonen – lernt, mit ADHS/ADSlern umzugehen. Sie verwendet dafür den Begriff der „persönlichkeitsgerechten Menschenführung oder Schulgebung“. Jede Person müsse nach ihrer Art behandelt werden, vergleichbar mit der artgerechten Tierhaltung.
  • Regeln und Strukturen, aber nicht zu eng: ADHS/ADSler brauchen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen. Allerdings dürfen diese Strukturen nicht zu eng sein. Eine rein autoritäre oder eine Laissez-faire-Erziehung sind nicht gut. Die sogenannte „authoritative Erziehung“ wird empfohlen, bei der es Regeln gibt, die klar kommuniziert werden, aber ohne ein „du musst“ oder „du sollst“. Stattdessen formuliert man eigene Prinzipien und Wünsche klar, z.B. „Ich will, dass…“.
  • Vermeidung von Beschämung und Bestrafung: Beschämung und Bestrafung von Fehlern sind schädlich. Unter Beschämung wird überhaupt nicht gelernt. Es führt dazu, dass sich das Kind abschottet, aggressiv wird, ausweicht oder lügt. Beschämung sollte nur eingesetzt werden, um Aversionsverhalten bei lebensgefährlichen Situationen auszulösen, wie im Eskimo-Beispiel beschrieben. Vorgesetzte dürfen Fehler nicht bestrafen, sonst weicht man aus.
  • Validierung: Ein wichtiger Ansatz im Umgang, besonders bei ADHS/ADSlern, ist die Validierung. Das bedeutet, herauszufinden, aus welchem Grund die Person etwas so gemacht hat („Was hast du dir überlegt?“). Man muss das Gegenüber zuerst akzeptieren und verstehen, aus welcher Perspektive es handelt, bevor man sagt, wie man es selbst möchte. Das Gehirn von ADHS/ADSlern schaltet ab, wenn sie kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden. Man muss sie „zurückholen in die Beziehung“, dann können sie sich weiterentwickeln.
  • Die Bedeutung von Beziehung: Eine gute Beziehung ist entscheidend, insbesondere im Bildungsumfeld. Es gibt keine Erziehung ohne Beziehung. ADHS/ADSler sind sehr sensibel und spüren sofort, wie jemand auf sie eingestellt ist. Sie nehmen den emotionalen Ton stärker wahr als den Inhalt. Die Empathie, die ADHS/ADSler oft haben, kann verloren gehen, wenn sie zu viel kritisiert werden. Es muss ein Lernklima entstehen, wo man sich selber sein darf und zurückgebunden werden kann, um zu lernen.
  • Fehlerkultur: Eine gute Fehlerkultur ist wichtig. Aus Fehlern lernt man. Man sollte Fehlüberlegungen nachgehen und den Weg des Fehlers genau anschauen, ohne zu beschämen.
  • Förderung von Selbstdisziplin und Struktur: ADHS/ADSler müssen lernen, sich stärker persönlich zu fokussieren. Das erfordert Disziplin. Eltern und Begleitpersonen sollten die Kinder darin unterstützen zu lernen, ihre Dinge selbst zu tun und sich zu strukturieren, anstatt ständig zu erinnern oder die Strukturierung komplett zu übernehmen. Das Anlegen von Gewohnheiten („Gewohnheiten zulegen“) hilft dabei, da Prinzipien, die mehrmals gleich angewendet werden, im Gehirn integriert und zur Routine werden, was Energie spart.
  • Einfluss der Digitalisierung: Die Digitalisierung wird als grosses Problem gesehen. Wenn Kinder nur mit dem Handy interagieren, vernetzen sich weniger Bereiche im Gehirn, und sie verlernen Sozialkompetenz und das Lesen von Gesichtern. Die Online-Welt nutzt psychologische Mechanismen (Sensation, Angstzentrum im Gehirn), um zu verkaufen. Dies fördert eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und eine Tendenz zum Abkapseln. Dr. Davatz betont, dass man dadurch keine ADHS/ADS-Gene erwirbt, aber ungeschickter Umgang mit dem Gehirn durch das Umfeld schlechte Eigenschaften entwickeln kann. Eltern sollten sich für menschliche Interaktion einsetzen.
  • Umgang mit System Overload und Reizüberflutung: Wenn ADHS/ADSler, z.B. im Berufsalltag, von Reizen überschwemmt werden („System Overload“), brechen sie zusammen. Führungspersonen müssen in solchen Momenten eingreifen und ordnen. Die Kunst ist, frühzeitig und klar einzugreifen („autoritär zu sein“), um Struktur zu geben, und sich dann wieder zurückzuziehen.
  • Unterstützung durch Coaching: Medikamente wie Ritalin sollten laut Dr. Davatz nie ohne eine Begleitung eingenommen werden. Coaching wird als wichtige Unterstützung empfohlen. Es muss ein Coach sein, der sich mit ADHS/ADS auskennt. Coaching kann helfen, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Umfeld und die Erziehung einen prägenden Einfluss darauf haben, wie gut ADHS/ADSler ihre genetischen Eigenschaften nutzen und sich gesund entwickeln können. Eine unterstützende, strukturierte (aber nicht rigide), beziehungsorientierte und wertschätzende Umgebung, die Fehler toleriert und Validierung bietet, ist entscheidend, um die Stärken zu fördern und negativen Folgeerscheinungen entgegenzuwirken.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

ADHS/ADS Merkmale

Dr. med. Ursula Davatz befasst sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS. Früher wurde dafür der Begriff POS (frühkindliches POS) verwendet, heute hat sich ADHS/ADS allgemein durchgesetzt. Dr. Davatz selbst verwendet beide Begriffe. Sie sieht ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung für mögliche Folgekrankheiten. Sie spricht von einem Genotyp oder Neurotyp, bei dem das Gehirn „ein bisschen anders“ funktioniert. Anders bedeutet für sie nicht krank.

Einige charakteristische Merkmale und Eigenschaften von ADHS/ADS, wie in der Quelle beschrieben:

  • Breite Aufmerksamkeit: ADHS/ADSler haben eine „breite Aufmerksamkeit“, was bedeutet, dass sie an allem interessiert sind. Sie nehmen sofort alles wahr, wenn sie einen Raum betreten, einschliesslich Stimmungen. Sie sind nicht nur visuell und kognitiv breit interessiert, sondern auch emotional. Diese breite Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass sie ihre Aufmerksamkeit woanders hinlenken, besonders wenn ein Thema (z. B. in der Schule oder bei Frontalunterricht) uninteressant ist. Die leichte Ablenkbarkeit hängt auch mit einer schlechten Filterfunktion des Gehirns zusammen, das weniger gut Reize ausblenden kann. Das Gehirn ist stärker vernetzt, was zur breiten Aufmerksamkeit und leichten Störbarkeit führt.
  • Hyperfokus: Wenn sie sich für ein Thema interessieren, können ADHS/ADSler einen Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen. In solchen Momenten sei nichts mehr von einem Defizit zu merken. Dies wird auch im Zusammenhang mit ADS in der Forschung erwähnt, wo die Person dann nicht loslässt. Albert Einstein, der als ADS-Kind beschrieben wird, wird als Beispiel für Hyperfokus genannt.
  • Sensorische Sensibilität: Sie besitzen eine hohe Sensibilität. Sie sind sehr sensibel auf Verletzungen und Kränkungen.
  • Starkes Gerechtigkeitsempfinden: Mit der hohen Sensibilität geht oft ein starkes Gerechtigkeitsempfinden einher. Sie können Ungerechtigkeiten kaum ertragen und müssen sich dazu äussern, selbst wenn es andere betrifft.
  • Hohe Impulsivität: Ein weiteres Merkmal ist die hohe Impulsivität, oft als „schlechte Impulskontrollen“ bezeichnet. Bei kleinen Kindern zeigt sich dies in unkontrollierten Bewegungen. Bei älteren Kindern oder Erwachsenen kann es bedeuten, dass sie anderen ins Wort fallen oder nicht warten, bis ein Satz beendet ist. Dies kann zu Störungen führen und sie als „Störenfriede“ erscheinen lassen. Positiv formuliert ist es eine grosse Spontanität. Die Impulskontrolle entwickelt sich bei ADHS/ADSlern später.
  • Bewegungsdrang (ADHS) vs. Interne Aktivität (ADS): ADHSler haben einen starken Bewegungsdrang. ADSler hingegen zeigen eher eine starke interne Aktivität, sie denken viel. Diese interne Aktivität kann dazu führen, dass sie sich ständig Geschichten ausdenken oder ein „Kino im Kopf“ haben, besonders wenn es langweilig ist.
  • Spätere Hirnreifung: Neurologisch betrachtet reift das Gehirn von ADHS/ADSlern später. Der Prozess des „Synaptic Pruning“ (Abbau von Synapsen) in der Pubertät, der das Gehirn vereinfacht und das schnelle Lernen und Reagieren ermöglicht, findet bei ihnen verspätet statt. Dies könnte zur anhaltenden breiten Aufmerksamkeit beitragen.
  • Kreativität: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer. Sie können besser Grenzen überschreiten, sowohl gesetzliche als auch Denkgrenzen. Kreativität braucht Platz und kann in sehr rigiden Umfeldern eingeschränkt werden. In einem Umfeld mit Offenheit und Experimentiermöglichkeiten können sich Kinder mit ADHS/ADS gesund entwickeln und zu Forschern werden.
  • Geschlechtsunterschiede: Bei Mädchen wird ADHS/ADS oft später oder gar nicht diagnostiziert. Mädchen sind tendenziell angepasster, fügen sich eher in der Schule ein, wollen gefallen und haben eine starke soziale Kompetenz, wodurch sie weniger auffallen als hyperaktive Knaben. Knaben fallen eher durch Hyperaktivität, Stören oder Herumwerfen von Dingen auf. Früher wurde ein Verhältnis von 5 Knaben zu 1 Mädchen angenommen, heute ist es eher 1.5 Knaben zu 1 Mädchen. Hyperaktivität ist vermehrt bei Knaben zu finden. Mädchen zeigen Hyperaktivität eher nach innen, was dem ADS entspricht. Wenn sie beschämt werden, ziehen sich Mädchen eher zurück, während Knaben eher aggressiv werden.
  • Komorbiditäten/Folgeerscheinungen: ADHS/ADS tritt häufig zusammen mit Legasthenie (LRS) und Dyskalkulie auf. Diese Kombinationen sind unterschiedlich und nicht vorhersehbar. Dr. Davatz spricht lieber von „Folgekrankheiten“ als von „Komorbidität“, da sie ADHS/ADS als genetischen Ursprung dafür sieht. Dazu gehören nicht nur psychische, sondern auch körperliche Erkrankungen. Bei Frauen sind dies häufig Fibromyalgie, Gelenkschmerzen, Allergien. Männer neigen eher zur Delinquenz oder können einen Herzinfarkt erleiden. Prokrastination („Aufschibitis“) ist im Erwachsenenalter verbreitet. Sie wissen, was zu tun ist, aber sie tun es nicht und ärgern sich darüber. Sie schieben auf. Viele ADHS/ADSler haben zu Hause ein Messi-Syndrom, auch wenn sie bei der Arbeit überstrukturiert sein können. Schlafstörungen sind häufig, da unerledigte Dinge mit ins Bett genommen werden. Es gibt einen sehr starken Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht. Suchtmittel können als schnelle (aber gefährliche) Lösung für unangenehme Gefühle dienen und ein Pseudo-Wohlbefinden oder Pseudo-Selbstwertgefühl erzeugen.
  • Umgang mit Feedback und Kritik: ADHS/ADSler reagieren gar nicht gut auf Kritik oder wenn sie „zusammen geschissen werden“; ihr Gehirn schaltet dann ab. Sie spüren sofort, wie jemand auf sie eingestellt ist, und nehmen den emotionalen Ton stärker wahr als den Inhalt. Ihre Empathie kann verloren gehen, wenn sie zu viel kritisiert werden. Beschämung führt dazu, dass sich das Kind abschottet oder aggressiv wird. Bestrafung von Fehlern fördert Ausweichverhalten und Lügen. Validierung (Verständnis zeigen für die Perspektive oder Gedanken der Person) ist ein wichtiger Ansatz im Umgang.
  • Berufswahl: Eintönige Fliessbandarbeit ist für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit schnell abwandert. Berufe mit viel menschlicher Interaktion, die Empathie und gute Wahrnehmung erfordern, sind oft gut geeignet, z.B. Arzt, Lehrer, Krankenschwester, Verkäufer. Viele streben die Selbstständigkeit an, da sie ungern Vorgesetzte haben. Multitasking kann gut gelingen, wenn die Arbeit Spass macht und das Dopamin hochfährt, aber zu viel kann zum Zusammenbruch führen (System Overload).

Dr. Davatz betont, dass der Umgang mit ADHS/ADS-Merkmalen erlernt werden kann, oft durch Selbstdisziplin, klare Strukturen und Regeln (nicht zu eng), das Setzen von Gewohnheiten, und die Suche nach einem persönlichen Fokus. Sie plädiert stark dafür, dass das Umfeld lernt, mit ADHS/ADS umzugehen („persönlichkeitsgerechte Menschenführung“). Coaching wird als wichtige Begleitung, auch neben Medikamenten, empfohlen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

15.4.2026
Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke vielmals für die Einladung.

[00:00:02.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, Familientherapeutin, in Amerika ausgebildet und ich habe mich seit
über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst.

[00:00:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, als ich angefangen habe damit, hat man noch POS gesagt, frühkindliches
POS.

[00:00:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat sich allgemein durchgesetzt, ADHS/ADS.

[00:00:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende die beiden Begriffe.

[00:00:34.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, vor 40 Jahren, haben Kinderpsychiater noch gesagt: nein, das gibt es nicht.

[00:00:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war die ELPOS, die sich am meisten dafür eingesetzt hat.

[00:00:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte haben sie auch schon gesehen.

[00:00:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit ADHS/ADS, als Assistenzärztin
Samedan.

[00:00:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt aus St. Gallen, hat etwas darüber erzählt.

[00:01:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte mir, das klingt ja ein bisschen ähnlich wie Schizophrenie.

[00:01:10.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:01:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann immer Schizophrenie und ADHS/ADS verfolgt.

[00:01:24.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch geschrieben über ADHS und Schizophrenie.

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schreibe ich ein Buch über ADHS/ADS Folgekrankheiten und nehme dann alle
psychiatrische Diagnosen durch.

[00:01:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der offiziellen Medizin und Psychiatrie reden wir von ADHS/ADS und Komorbidität.

[00:01:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: für mich ist das keine Komorbidität.

[00:01:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ADHS/ADS der genetische Ursprung, also die genetische
Voraussetzung für alle möglichen Folgekrankheiten.

[00:02:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur psychische, ich bin Psychiaterin, sondern auch körperliche.

[00:02:05.852] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/2025/04/10/studien-zu-somatischen-folgekrankheiten-bei-adhs-ads/

[00:02:06.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer mehr Daten raus von England, USA wo man langsam aufzeigt, dass
die beiden Krankheitsbilder miteinander auftreten.

[00:02:19.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen damit nicht Angst machen. Im Gegenteil. Es muss gar nicht so sein.

[00:02:27.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hängt vom Umfeld ab, wie sich das ADHS/ADS entwickelt.

[00:02:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gerade gestern aus der New York Times eine Studie gelesen oder mehrere
Studien, wo sie zum Teil Krankheitsgeschichten zitiert haben und gesagt haben, wo die
Betroffene gesagt haben: in der Schule habe ich mich komisch gefühlt. Ich habe je
nachdem Medikamente bekommen, aber wo ich dann meinen Fokus gefunden habe, so
sage ich, wo ich an die Uni gegangen bin und das studiert habe, was mir gefallen hat
und mich interessiert hat, dann war das wie weg.

[00:03:06.828] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/04/13/magazine/adhd-medication-treatment-research.html

[00:03:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:03:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. ADHS/ADS heisst: Aufmerksamkeitsdefizit Hyperkinetisches Syndrom.

[00:03:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aufmerksamkeitsdefizit ist bezogen auf die Schule oder den Frontalunterricht, wie
ich ihn jetzt auch biete.

[00:03:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann zum Defizit, wenn man sich für das Thema nicht interessiert.

[00:03:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich für das Thema interessiert, dann könnte ADHS/ADSler einen
Hyperfokus haben, dann können sie Hyperperformance an den Tag legen, dann ist
nichts mehr von Defizit.

[00:03:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das reguläre Schulsystem ist nicht immer gleich interessant für alle.

[00:03:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt das Defizit nach vorne.

[00:03:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen und Mädchen sind in der Regel angepaster, die können sich eher fügen, so wie
es in der Schule läuft. Die wollen einem gefallen, die wollen es gut machen. Die haben
eine starke soziale Kompetenz.

[00:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Daher wird bei den Mädchen das ADHS/ADS überhaupt nicht diagnostiziert oder ist
lange nicht diagnostiziert worden oder nicht früh diagnostiziert worden.

[00:04:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen die Knaben, die sind hyperaktiv, die gammeln, die lölen umher, die stören den
Nachbar, schauen aus das Fenster raus, werfen Dinge durch die Klasse und so weiter.

[00:04:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen tun das weniger. Darum fallen sie nicht auf.

[00:04:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat man früher gesagt: das Verhältnis zwischen Knaben und Mädchen ist fünf zu
eins.

[00:04:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind es ein Mädchen auf 1.5 Knaben.

[00:04:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem in welchem Land misst man mehr ADHS/ADS.

[00:05:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA sind es jetzt 11%, in Europa sind sie bei 5%.

[00:05:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zahlen, die variieren dauernd.

[00:05:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt natürlich immer darauf an, wie man schaut und wie man es abklärt.

[00:05:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein amerikanischer Psychiater hat gesagt, ADHS/ADS sei wie ein Hirndiabetes. Für
mich stimmt das überhaupt nicht.

[00:05:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Pankreas ist ein ganz anderes Organ als das Gehirn. Kein Organ ist so kompliziert
und so komplex vernetzt.

[00:05:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nie mit einem Pankreas vergleichen und einem Insulindefizit.

[00:05:59.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Elvanse sind alles ADHS/ADS Medikamente.

[00:06:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ein ADHS/ADS diagnostiziert wurde, hiess es: das muss Medikamente haben.

[00:06:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagen die Lehrpersonen: wenn das Kind nicht Ritalin oder irgendwas Ähnliches
nimmt, dann kann ich das nicht mehr beschulen.

[00:06:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage natürlich, das geht nicht.

[00:06:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer noch die Sache von den Eltern, dass sie entscheiden, ob jetzt das Kind
Ritalin bekommt oder nicht.

[00:06:34.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr stark dafür, ich habe viel Ausbildungen gemacht an Schulen, dass das
Umfeld lernt, mit denen umzugehen.

[00:06:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung, sagt man, die artgerechte Tierhaltung, also jedes Tier, muss nach
seiner Art behandelt werden.

[00:06:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
So sage ich, die persönlichkeitsgerechte Menschenführung oder Schulgebung.

[00:07:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind so ein paar allgemeine Gedanken darüber.

[00:07:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist ADHS/ADS wahnsinnig viel in allen Medien.

[00:07:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Modekrankheit, es ist 80% genetisch vererbt.

[00:07:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind viele Gene, vielleicht 20 oder mehr.

[00:07:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Genen interagieren miteinander und bestimmen dann das Gehirn.

[00:07:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastischste, flexibelste Organ.

[00:08:01.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute reden wir auch von Epigenetik.

[00:08:05.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Epigenetik, das heisst über den Einfluss, über die Interaktion mit dem Umfeld,
passiert mit dem Hirn irgendwas, verändert sich das.

[00:08:13.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird in der klassischen Medizin, nicht so gut berücksichtigt.

[00:08:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater haben sich stark der somatischen Medizin angehängt und wollen immer
herausfinden, was ist jetzt das genau?

[00:08:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man klärt es dann ab mit Fragebögen. Man muss den Patienten fragen, man fragt die
Eltern, man fragt die Lehrer, aber auch das gibt kein exaktes Abbild vom Mensch.

[00:08:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Mensch ist einzigartig und man muss bei jedem Mensch herausfinden, wie der
jetzt funktioniert.

[00:08:53.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Individualität geht natürlich gegen die Statistik.

[00:08:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man lauter individuelle Menschen hat, dann kann man sie nicht vergleichen, dann
kann man keine Statistik anlegen und das ist das Problem.

[00:09:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapheutin suche natürlich dann immer die ganze Geschichte.

[00:09:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche bei jedem selber ein bisschen herauszufinden, wo der Weg durchgehen
könnte.

[00:09:19.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Geschichten sind ein bisschen anders und jeder erzählt auch seine Geschichte ein
bisschen anders.

[00:09:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann aus diesen vielen Daten die Muster ein bisschen herausholen.

[00:09:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet schon ähnliche Muster, aber nie die gleichen.

[00:09:41.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es schwierig mit der sogenannten Diagnose.

[00:09:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar Charakteristika, die herausstehen beim ADHS/ADS.

[00:09:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann viel andere aufzählen.

[00:09:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung benenne ich mit breite Aufmerksamkeit.

[00:10:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche zu den Tieren.

[00:10:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, geht er überall rumschmecken und gucken.
Er orientiert sich.

[00:10:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine breite Aufmerksamkeit. Es interessiert sie alles.

[00:10:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen auch: ich merke sofort alles, wenn ich ins Zimmer reinkomme.

[00:10:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken die Stimmungen.

[00:10:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragt man die Mütter: welches Kind merkt am ehesten, wenn es ihnen nicht so gut geht,
ist es immer das ADHS/ADS Kind.

[00:10:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht nur visuell, kognitiv, breit interessiert, sondern auch emotional.

[00:10:51.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, die führt natürlich dann dazu, dass wenn der Lehrer nicht so
interessant ist oder die Lehrerin, dass man dann seine Aufmerksamkeit irgendwo
anders hintut.

[00:11:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sind eigentlich immer auch ein bisschen Unterhalter. Wenn sie das nicht
schaffen, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:11:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist das Sensorische.

[00:11:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe Sensitivität.

[00:11:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel auf Verletzungen, Kränkungen.

[00:11:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dieser hohen Sensibilität geht auch ein starkes Gerechtigkeitsempfinden einher.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Ungerechtigkeiten passieren, nicht nur ihnen gegenüber, auch in der Klasse oder
in der Gesellschaft, dann können sie das fast nicht aushalten.

[00:11:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie den Mund nicht halten, dann müssen sie etwas sagen.

[00:11:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt schon die nächste Eigenschaft: die hohe Impulsivität.

[00:11:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann schlechte Impulskontrollen.

[00:11:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind, das zappelt umher, das kann seine Bewegungen noch gar nicht
kontrollieren.

[00:12:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder ein bisschen grösser werden, dann lernen sie damit, sich zu
kontrollieren.

[00:12:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Süden ist das ein bisschen anders, also Italien, Griechenland, Spanien, ist auch ein
bisschen dazwischen, dort tut man das Kind nicht so stark auf gehorsam oder auf sich
kontrollieren müssen, trimmen.

[00:12:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler haben einen starken Bewegungsdrang.

[00:12:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler haben eher eine starke interne Aktivität, die denken viel.

[00:12:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADSler wohlfühlen, dann können sie einem auch drein reden, warten nicht,
bis der anderen seinen Satz fertig gemacht hat.

[00:12:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt schnell eine Interaktion, die stört.

[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
So werden sie zu Störefrieden in der Klasse. Gewisse spielen den Clown. Das sind
meistens die Jungs, können aber auch Mädchen sein.

[00:13:08.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stehlen sie dem Lehrer die Show. Das mag die Lehrperson nicht und dann gibt es
Konflikte.

[00:13:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlechte Impulskontrolle.

[00:13:23.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Positiv gesagt, ist es eine grosse Spontanität.

[00:13:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss sofort, was abläuft.

[00:13:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ gesagt ist es eine schlechte Impulskontrolle.

[00:13:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulskontrolle läuft über die Pyramidenbahnen, die im Rückenmark runtergehen.
Die werden in der Kindheit, Pubertät ausgebildet.

[00:13:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn der ADHS/ADSler reift später.

[00:13:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man neurologisch schaut, ist das Gehirn der ADHS/ADSler stärker vernetzt mit
dem gesamten Gehirn.

[00:13:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht die breite Aufmerksamkeit, macht aber auch die leichte Ablenkbarkeit und
die leichte Störbarkeit.

[00:14:15.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn reift in der Pubertät.

[00:14:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler reifen eher ein wenig später.

[00:14:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät findet eine Hirnumstrukturierung statt.

[00:14:29.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Synapptic Pruning.

[00:14:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Baby hat ganz viele Synapsen, die ganz viele Möglichkeiten anbieten.

[00:14:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Zum Beispiel auch die Muttersprache.

[00:14:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang hört das Kind alle Laute

[00:14:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Muttersprache gelernt wird, dann schränkt sich das Gehör ein und auch der
Kehlkopf und die Steuerung vom Sprachorgan schränkt sich ein auf die Muttersprache.

[00:15:00.520] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man nur noch eine weitere Sprache akzentfrei lernen, bevor man durch die
Pubertät durch ist.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr begabte Leute, ADHS/ADS Menschen, die auch nach der Pubertät eine
Sprache noch akzentfrei lernen können.

[00:15:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauspieler müssen das können.

[00:15:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertätsphase läuft das Synapptic Pruning ab, das heisst, verschiedene
Schaltstellen im Hirn werden abgestellt, gekappt, es werden grosse Nervennetze
angelegt, so wie Autobahnen. Das Gehirn wird ein bisschen vereinfacht.

[00:15:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss so sein. So kann man schneller lernen, schneller reagieren.

[00:15:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen das verspätet.

[00:16:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bewirkt auch, dass sie weiterhin eine breite Aufmerksamkeit haben.

[00:16:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommen wir noch mal zu einer Eigenschaft, das ist die Kreativität.

[00:16:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer, sie können besser Grenzen überschritten,
nicht nur gesetzliche Grenzen, auch Denkgrenzen.

[00:16:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Methoden, wo man sieht, ob sie/er gut kann, Grenzen
überschreiten kann.

[00:16:31.846] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Worth-Test

[00:16:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Kreativität.

[00:16:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kreativität, die braucht ein bisschen Platz.

[00:16:48.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Kind in einer relativ rigiden Familie aufwächst, das heisst, es wird
schnell an Regeln gewöhnt, dann wird die Kreativität eher abgeklemmt. Dann kann sich
das Kind nicht richtig entwickeln.

[00:17:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn relativ viel Offenheit da ist und das Kind darf experimentieren, dann kann es sich
gesund entwickeln und dann gibt es Forscher daraus.

[00:17:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADS Kind, der denkende Typ, nach innen aktiv.

[00:17:32.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es genügend Raum, können sich die Fähigkeiten von den Kindern entwickeln.

[00:17:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben natürlich ganz unterschiedliche Fähigkeiten.

[00:17:37.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Roger Federer, Michael Phelps sind ADHSler.

[00:17:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ein Autist, ADSler.

[00:18:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autist ist manchmal noch eine Spracherwerbsstörung dabei.

[00:18:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht bei allen ADHS/ADSlern dabei.

[00:18:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt häuft mit einer Legasthenie (LRS), Dyskalkulie vor.

[00:18:27.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Magie_der_ADHS_ADS_Gene.pdf

[00:18:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombinationen kann man nicht voraussagen und das ist unterschiedlich bei den
Mädchen und den Knaben.

[00:18:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist vermehrt bei Knaben.

[00:18:38.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen können sich besser beherrschen.

[00:18:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kommen die Knaben mehr in Konflikt.

[00:18:44.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe acht Jahre auf der Aarburg als Konsiliarärztin gearbeitet und habe mich immer
auch mit der Delinquenz befasst.

[00:18:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es viele ADHS Männer, welche eine unklare Struktur hatten
und auch eher eine bestrafende Erziehungsmethode.

[00:19:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Genügend Platz lassen heisst das nicht, einfach nur alles freilassen und Chaos
entstehen zu lassen.

[00:19:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder nicht gut.

[00:19:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Rahmen von der Summerhill Erziehungsmethode, wo man gesagt hat, anti-autoritäre
Erziehung, einfach alles immer machen lassen, wenn man das mit den ADHS/ADSler
macht, gibt es wieder Stress. Sie können sich nicht so gut strukturieren.

[00:19:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie brauchen einen gewissen Halt.

[00:19:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Regeln, es braucht Strukturen, aber nicht zu enge Strukturen.

[00:19:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man von der autoritären Erziehung geredet, dann von der anti-autoritären
und heute spricht man von autoritativen Erziehung.

[00:20:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man hat Regeln, man sagt die auch, aber man sagt zum ADHS/ADS-Kind
nicht: du musst, du sollst.

[00:20:16.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man sagt, du musst, du sollst, ist das eine Grenzüberschreitung.

[00:20:21.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Beleidigung.

[00:20:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: warum hast du nicht so lange? Ist es eine Beschämung.

[00:20:28.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler ist es ganz wichtig, dass man seine Prinzipien klar sagt.

[00:20:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat nicht von ADHS/ADS gesprochen.

[00:20:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Methoden sind super für Menschen mit ADHS/ADS.

[00:20:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt, man darf nicht dem Kind sagen: du musst, du sollst, sondern: ich will.

[00:20:51.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seinen eigenen Willen kund tun und die Energie bei sich lassen.

[00:20:55.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich: sie müssen sagen was sie wollen, nicht was sie nicht wollen.

[00:20:59.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine mentale Präsenz haben und ihre Präsenz ist da im Kopf, aber nicht
auf das Kind gedrückt.

[00:21:11.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Energie gegen das Kind wirken lässt, dann gibt es eine Abwehr.

[00:21:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder gibt es einen Rückzug, man kommt gar nicht mehr an sie ran oder es gibt
eine Aggression.

[00:21:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehorchen sie nicht, dann werden sie frech und dann am Schluss ist es der
Lehrer oder die Lehrerin, welche darunter leidet.

[00:21:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich einige Beispiele aus der Schule.

[00:21:38.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Schulverweigerer, die dann mit den Elteren zusammen vorbei kommen.

[00:21:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann höre ich die schrecklichsten Geschichten, wie das Kind beschämt wird, wie die
Erziehenden in einen Machtkampf mit dem Kind gehen und das ist nicht gut.

[00:21:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen, man muss sagen, was man will, man muss sagen, was wichtig ist, man
muss Prinzipien durchgeben, aber nicht Befehle.

[00:22:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien durchgegeben, das verlangt eine eigene Autorität, eine eigene
Selbstsicherheit, aber nicht dem anderen das Genick runter blasen oder den anderen
fertig machen.

[00:22:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Beschämung wird überhaupt nicht gelernt.

[00:22:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sind in den Schulen viel Beschämungen verwendet worden.

[00:22:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre es auch jetzt noch, wie beschämt wird.

[00:22:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung darf man eigentlich nur verwenden, wenn man Aversionsverhalten
auslösen will.

[00:22:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel von den Eskimos.

[00:22:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimo-Kinder dürfen im Frühling nicht mehr auf das Eis gehen, wenn das brüchig
wird.

[00:22:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind dann trotzdem auf das Eis geht, dann nimmt man das vor die ganze
Gruppe und beschämt es.

[00:22:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lacht das Kind aus, dass es auf das Eis gegangen ist zu einem Zeitpunkt, wo es
nicht auf das Eis gehen durfte.

[00:22:57.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das hilfreich.

[00:22:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung verhindert, dass das Kind wieder auf das Eis geht zu dieser
Jahreszeit. Das will man.

[00:23:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will, dass das Kind überlebt.

[00:23:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, wenn man will, dass das Kind etwas lernt, darf man nicht beschämen,
dann lernt das Kind eher weniger.

[00:23:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann igelt sich das Kind ab, macht zu, oder das Kind wird aggressiv.

[00:23:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben werden eher aggressiv, die Mädchen ziehen sich eher ti zurück.

[00:23:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mädchen trifft man eher die Hyperaktivität nach innen an. Das ist das ADS.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erwachsene Frauen in Behandlung, die garantiert ein ADS haben, die nie
getestet worden sind.

[00:23:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme nur immer die Anamnese auf und meistens drei Generationen Anamnese.

[00:23:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehe ich die verschiedenen Erscheinungen, die da auftreten im Familiensystem.

[00:23:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Darunter gibt es Frauen, welche sich ständig Geschichten erfinden.

[00:23:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer aktiv und erfindet immer eine Geschichte.

[00:24:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, wird eine Geschichte erfunden. Im Tram, im Bus, immer eine
Geschichte.

[00:24:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie arbeiten, geht das weg und wenn sie wieder alleine sind, geht das wieder
weiter.

[00:24:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ redet man von „Kino im Kopf" oder „das Kopfkino".

[00:24:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen viele Frauen.

[00:24:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man ein Wissenschaftler ist und immer sucht, dann ist man ständig am Suchen.

[00:24:34.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Familie haben wir dann vom zerstreuten Professoren geredet, welcher den
WC-Deckel mitgenommen hat, anstatt seine eigene Mappe, weil er so stark beschäftigt
ist mit seiner Geschichte.

[00:24:46.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind halt dann Forschungsgeschichten.

[00:24:49.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS ist hilfreich in der Forschung, weil es nicht loslässt.

[00:24:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort setzt dann auch der Hyperfokus ein. Wenn man sich für etwas interessiert, dann
kann man hyper fokussieren, dann kann man sie nicht mehr wegbringen von dem, was
sie interessiert.

[00:25:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man auch von Albert Einstein gesagt.

[00:25:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat nicht gegessen, nicht getrunken, nicht geschlafen. Seine Frau musste ihm immer
sagen: jetzt musst du wieder etwas trinken, jetzt musst du wieder etwas essen, jetzt
musst du ins Bett gehen.

[00:25:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man diese Frauen nicht mehr, dann gehen diese Männer eher verloren,
dann müssen sie es selber lernen.

[00:25:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz

ASS, Autismus-Spektrum-Störung, sobald man es nicht mehr so klar eingrenzen kann,
redet man dann von Spektrums-Störung.

[00:25:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben wir nur von Autismus oder Asperger geredet und heute redet man von
Autismus-Spektrums-Störung.

[00:25:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Langsam sprechen sie auch von ADHS Spektrums-Störung.

[00:25:53.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist konsequenter. Dann ist es nicht so genau abgrenzt.

[00:26:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten haben oft noch ein Spracherwerbsproblem.

[00:26:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist zu 80% vererbt und Autismus ist noch ein bisschen mehr vererbt.

[00:26:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprachstörungen die sind vererbt, die sind im Gehirn, da ist das Gehirn ein
bisschen anders, Verbindungen zwischen dem Gehirn sind ein bisschen anders.

[00:26:35.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man immer: die haben keine Empathie, die können keine Mimik
lesen.

[00:26:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Autisten, welche noch eine Agnosie haben, welche die Mimik nicht richtig
erkennen können.

[00:26:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben nicht alle.

[00:26:58.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie die Mimik nicht richtig lesen.

[00:27:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind Autisten eher hyper sensibel, hyper empathisch.

[00:27:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in ein System Overload reinkommen, wenn sie zu viel Reiz haben und den
Reiz nicht mehr prozessieren können, dann macht es zu und dann ist das so wie bei
der Schnecke, wenn man seine Fühler berührt, gehen die einfach rein und dann merkt
es natürlich nichts mehr.

[00:27:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können dann auch die eigenen Gefühle nicht mehr wahrnehmen, die sind dann
völlig blockiert, überreizt.

[00:27:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Zustand Autismus, also das Wort, hat man eigentlich ursprünglich bei den
Schizophrenen verwendet.

[00:27:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war auch in einem Zustand vom System Overload, wo gar nichts mehr geht.

[00:27:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bewusstsein ist noch da, aber die Reaktionsfähigkeit ist völlig weg, keine
Handlungsfähigkeit mehr.

[00:27:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich spreche von Folgekrankheiten und nicht von Komorbidität.

[00:28:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:28:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst würde es keine wahnsinnig erfolgreichen ADHS/ADSler geben.

[00:28:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mannen sind es häufig Business-Leute, Forscher, Sportler etc.

[00:28:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Krankheit, dass sie den Sport so gut machen.

[00:28:29.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben einfach ein bisschen ein anderes Gehirn.

[00:28:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihren Fokus finden, ihren ganz persönlichen Fokus, dann gehen sie ab wie
eine Rakete.

[00:28:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nicht von einer Krankheit sprechen.

[00:28:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der leichten Ablenkbarkeit spricht man noch von der schlechten Filterfunktion.

[00:28:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist so gemacht, dass es sich einstellen kann auf fokussieren und wenn dann
ein anderer Reiz kommt, dass es dann ausblendet.

[00:29:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können das weniger gut. Darum die leichte Ablenkbarkeit.

[00:29:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erwachsenenalter kommt Prokrastination, auf Schweizerdeutsch sagt man auf
Aufschibitis.

[00:29:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen etwas machen, sie wissen es ist der Plan, die Pflicht, aber sie tun es einfach
nicht. Sie ärgern sich dann über sich selber, sie tun es dann auf ihre To-Do-Liste.

[00:29:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin von den To-Do-Listen nicht begeistert.

[00:29:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen es dann nie. Sie schieben auf.

[00:29:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat andere Methoden. Es gibt heute auch viele ADHS/ADS Coaches.

[00:30:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sagt nur drei Dinge auf die To-Do-Liste tun.

[00:30:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erste ist wahnsinnig wichtig, muss unbedingt gemacht werden, das Zweite ist
wichtig, das Dritte wird nur gemacht, wenn noch Zeit und Energie übrig ist.

[00:30:25.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lange Liste kommt danach.

[00:30:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die drei abgearbeitet sind, holt man neue Aufgaben hervor.

[00:30:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Studenten durch ihre Abschlussarbeit begleitet. Zu den Studenten sage
ich: ihr müsst auch vornehmen: wann, an welchem Tag, wollt ihr das Lernen, Studieren.
Zu welcher Zeit? Morgens um 8 Uhr? Nachmittags um 14.00 Uhr? An welchem Ort wollt
ihr lernen?

[00:30:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss genau fokussiert werden.

[00:30:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche es mit dem Adler, der runter sticht aus der Luft und seine Beute findet.

[00:31:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich vorbereiten.

[00:31:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler sagte zu mir: als er Konzerte angenommen hat, hat sich sein
Kopfkino in den Hintergrund verschoben.

[00:31:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich im Hinterkopf vornehmen, dann zu dieser Zeit, an dem Ort, mache ich
das. Man muss sich vorher einschränken, fokussieren.

[00:31:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf keinen Fall sagen: ich sollte dann noch, ich sollte das schon lange machen.

[00:31:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Fokussierung.

[00:31:50.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert es auch nicht.

[00:31:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen sich viel stärker persönlich fokussieren.

[00:31:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich am Riemen reissen und sagen: dann mache ich es. Dann wird nicht
ausgewichen.

[00:32:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort braucht es dann eine gewisse Disziplin.

[00:32:06.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche das lernen, werden erfolgreich.

[00:32:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wie war es als Kind? Hast Du immer selber alles gemacht, oder
hat dich die Mutter immer daran erinnert? Das ist ein Problem.

[00:32:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter immer den Kalender des Kindes im Kopf haben und bei jeder
Gelegenheit sagen: jetzt musst du, hast Du das gemacht? Hast du das nicht
vergessen? Dann lernen sie es nicht.

[00:32:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen 50-Jährigen Professor. Er konnte nicht alleine seine Dinge tun.

[00:32:52.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Kinder fragen, man kann die Kinder daran erinnern, aber wenn man die
Erinnerungsfunktion voll übernimmt, lernt es das Kind nie.

[00:33:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte in der Pubertät damit beginnen, dass die Kinder selber übernehmen können.
Dann wird es in die Persönlichkeit eingebaut. Wenn es die Mutter immer für sie macht,
dann muss man die Mutter überall hin mitnehmen.

[00:33:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht. So findet man auch keine Frau.

[00:33:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ordnung ist auch eine Konsequenz.

[00:33:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Messi-Syndrom. Sehr viele ADHS/ADSler haben zu Hause ein Messi Syndrom.

[00:33:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind sie an der Arbeit sehr strukturiert.

[00:33:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind auch überstrukturiert, überpedantisch und sind dann wahnsinnig gut
strukturiert an der Arbeit und zu Hause bricht alles zusammen.

[00:34:04.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es so schlimm, dass sie es fast nicht mehr aushalten.

[00:34:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Spitex-Schwestern und Ergotherapeuten helfen zu Hause aufzuräumen. Auch ADHS/
ADS Coaches helfen zu Hause aufzuräumen, für teures Geld.

[00:34:11.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Es lohnt sich, dass man im Pubertätsalter lernt, sich zu strukturieren, seine Ordnung zu
halten.

[00:34:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter kann man es dem Kind beibringen.

[00:34:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: tu das und das und das.

[00:34:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine grössere Struktur setzen.

[00:35:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Vortrag gehalten zum Thema: Empathie vs Selbstfürsorge.

[00:35:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=-uT4JDHmkLQ

[00:35:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben die Tendenz, weil sie emotional engagiert sind, weil sie Helfertypen sind,
Krankenschwester sind auch alles Helfertypen, haben die Tendenz über die Empathie,
über die Wahrnehmung von den Problemen, zu helfen und gehen dann selber verloren.

[00:35:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen sie mit 30, 40 Jahren, ich habe immer nur für anderen etwas gemacht
und ich bin selber verloren gegangen.

[00:35:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen Frauen, die über das klagen, sage ich: sie müssen irgendwas
machen, was gar niemandem etwas hilft, was nur für sie ist.

[00:35:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere sie, auf sich zu fokussieren.

[00:35:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, Mütter, die können sich auf die Kinder fokussieren. Dann sind sie auch
wieder beschäftig.

[00:36:07.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder alle ausziehen, kommt das Empty Nest Syndrom.

[00:36:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, welche nie gelernt haben, etwas eigenes zu verfolgen, die sind dann verloren.
Das ist Menopause Depression.

[00:36:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sollen zu den Kindern nicht "Nein" sagen. Nein, das will ich nicht.

[00:36:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Erziehung muss man immer sagen: ich möchte es so.

[00:36:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, du hast das so gedacht.

[00:36:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende das Wort: Validierung.

[00:37:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, aus welchem Grund hat das Kind, die Person das so
gemacht?

[00:37:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist Fehlerkultur.

[00:37:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder denken unterschiedlich, Erwachsene denken unterschiedlich. Was hast du dir
überlegt, als du das so gemacht hast?

[00:37:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht degradierend, sondern: was sind Deine Gedanken gewesen? Ah, ok. Validieren.

[00:37:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt es so, wie man es will.

[00:37:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Gegenüber immer akzeptieren, so wie es ist, wie es geartet ist und dann
sagen wie man es möchte.

[00:37:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Methode für alle Leute.

[00:37:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist es noch wichtiger, dass man diese Methode verwendet.

[00:37:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss man auch beibringen, dass sie keine impulsiven Entscheide
treffen.

[00:38:04.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind spontan, so schnell. Sie sehen irgendetwas. Sie sagen sofort: ich mache mit.
Am Schluss haben sie eine grosse Aufgabenliste, dass sie nicht mehr weiter wissen.

[00:38:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Den ADHS/ADSler muss man sagen: schlafe noch einmal darüber, bevor du
enthusiastisch ja sagst.

[00:38:29.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Antoine de Saint-Exupéry leite ich das ab: on ne vois bein que avec le coeur. Das
Herz hat keine Augen, aber es spürt. Il faut consulter votre coeur. Sie müssen ihr Herz
fragen, was sie eigentlich möchten.

[00:38:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Stapferhaus in Lenzburg gab es eine Ausstellung zum Thema Entscheiden. Dort
konnte man sehen, was für ein Entscheidungstyp man ist.

[00:38:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind eher der spontane, schnelle Entscheidungstyp, reissen alles an und dann
geht es nicht. Sie müssen sagen: ich muss zuerst überlegen.

[00:39:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind die Typen, welche gar nicht entscheiden, weil sie im Kopf so viele
Möglichkeiten durchgehen und immer für und wieder.

[00:39:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man rein auf kognitiver Ebene entscheiden will, funktioniert das nicht.

[00:39:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein guter Entscheid muss immer verbunden sein mit dem Herz.

[00:39:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man sein Herz spürt und was man eigentlich will, also seine Emotionen, muss
man ein bisschen inne halten und ein bisschen hören.

[00:39:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

So muss ich ADHS/ADSler dazu anhalten, dass sie anhalten, warten, ein wenig
überlegen und dann entscheiden.

[00:39:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mal einen Entscheid getroffen haben, dann gehen viele wieder zurück und
sagen: hätte ich nicht so entscheiden sollen? Dann geraten sie in eine Ambivalenz. Das
ist eine Katastrophe. Aus dieser Ambivalenz kommt man nicht mehr heraus.

[00:39:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: sie haben dort so entschieden. Das ist okay. Jeder Entscheid hat seine Vor-
und Nachteile. Es führen viele Wege nach Rom. Bleiben sie bei ihrem Entscheid.

[00:40:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch um entscheiden.

[00:40:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man um entscheiden muss, muss man klar um entscheiden.

[00:40:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt weiss ich mehr, habe mehr darüber nach gedacht. Jetzt entscheide ich um.

[00:40:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Erziehung.

[00:40:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so, wie es Donald Trump jetzt macht. Heute das, morgen das.

[00:40:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz klar, nach diesen Kriterien habe ich damals so entschieden, jetzt bin ich alles
durch gegangen, aus diesem Grund entscheide ich jetzt um.

[00:40:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man als Eltern machen, das darf man als Lehrer machen.

[00:41:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Klare Umentscheide sind absolut in Ordnung.

[00:41:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so hin und her, ambivalent, heute das, morgen das.

[00:41:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die rein autoritäre Erziehung ist nicht gut, die Laissez-faire Erziehung ist nicht gut.

[00:41:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich gewisse Prinzipien zulegen.

[00:41:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es in der Kindheit nicht mitbekommen hat, dann muss man sich das selber
aneignen.

[00:41:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien werden integriert im Gehirn, wenn man es mehrmals gleich macht.

[00:41:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es gleich macht, wird es zur Gewohnheit. Dann muss man nicht mehr frisch
entscheiden.

[00:41:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man sich gewisse Gewohnheiten zulegt.

[00:42:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz

In jedem Beruf, speziell auch im Pflegeberuf, da hat man Regeln, was man machen
muss, also wie man desinfiziert, etc.

[00:42:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Gewohnheiten, solche Regeln, solche Prinzipien soll man sich auch selber in
seinem Privatleben zulegen.

[00:42:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine Routine und dann funktioniert es mit weniger Energie.

[00:42:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert schon in der Pubertät im Gehirn, beim Synaptic Pruning.

[00:42:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
What fires together wires together.

[00:42:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
https://neurosciencenews.com/wire-fire-neurons-19835/

[00:42:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zusammen gemacht wird, wird im Gehirn vernetzt.

[00:42:54.915] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es viel leichter, wenn man sich gewisse Prinzipen zulegt.

[00:43:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Morgen. Wie stehe ich auf?

[00:43:14.370] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler stellen sich den Wecker. Ach nein ich bin noch so müde, ich schlafe noch
10 Minuten länger. Am Schluss sind es zwei Stunden, bis man endlich aufsteht. Nicht
gut.

[00:43:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ich ein klares Morgenritual zulegen.

[00:43:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wecker klingelt, ich stehe auf.

[00:43:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: nicht mehr als drei Mal das Kind erinnern. Dann wird es
ausgeleiert.

[00:43:57.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sollte beim ersten Mal funktionieren.

[00:44:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Aller guten Dinge sind drei.

[00:44:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei sich selber solle man es auch so machen.

[00:44:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich aufraffen und ein gutes Morgenritual haben, ob das Duschen ist, Kaffeetrinken,
Musik hören, Stretching machen, was auch immer. Jeder hat ein anderes Morgenritual.

[00:44:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt am Abend.

[00:44:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler haben Schlafstörungen, weil sie all ihre unerledigten Sachen mit in
das Bett nehmen.

[00:44:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:44:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht ein Ritual zum herunterfahren.

[00:44:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor dem Schlafen gehen, keine grossen Probleme diskutieren, sei das mit dem Partner
oder mit den Kindern. Wie man einen Computer runterfährt. Alle Fenster und Prozesse
schliessen und runterfahren, bis alles ausgeschaltet ist.

[00:44:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer haben keine gute Fehlerkultur. Wir wollen alles richtig machen, alles
exakt machen. Wenn man Fehler macht, gibt man die nach Möglichkeit nicht zu.

[00:44:38.869] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernt man.

[00:44:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Fehlüberlegungen nachgeht, sieht man was man denkt und dann sieht
man auch wie anders gedacht worden ist.

[00:44:55.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste schon in der Schule gemacht werden.

[00:45:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel in der Mathematik. Was für Fehler, Weichenstellungen hast du falsch
gemacht, damit du bewusster weisst, nein, es geht so.

[00:45:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zu Fehlern.

[00:45:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passieren einem ohnehin immer Fehler.

[00:45:21.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Spitäler haben bessere Fehlerkulturen, andere schlechtere Fehlerkulturen.

[00:45:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man keine gute Fehlerkultur hat, wird gelogen, überdeckt, versteckt. Das ist keine
gute Atmosphäre zum Lernen.

[00:45:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorgesetzte dürfen Fehler nicht bestrafen, sonst weicht man aus.

[00:45:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind beginnt zu lügen, es wird alles verdeckt und unter den Teppich gewischt.

[00:45:51.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch wird Ausweichverhalten gefördert.

[00:46:07.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler genau anschauen, was hast du dir dabei überlegt?

[00:46:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du dir dabei nichts gedacht? Nicht beschämen. Nicht brüskieren.

[00:46:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau den Weg des Fehlers anschauen.

[00:46:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden. Er hat die Agarplatte draussen stehen
lassen. Schlampig, das tut man gar nicht. Dann ist das Penicillin darauf gewachsen.
Hätte er den Fehler nicht gemacht, dann wäre das Penicillin nicht gewachsen.

[00:46:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Genetik laufen auch viele Fehler. Fehler sind Neuigkeiten.

[00:47:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das ADHS/ADS Gehirn, welches Fehler macht und über die Grenze hinaus
denken kann und sich nicht immer ganz genau an die Regeln hält.

[00:47:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler machen enthält auch viel Kreativität. Die muss man nutzen.

[00:47:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern passieren viele Fehler.

[00:47:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler können sich weniger gut konzentrieren, wenn es um eine
automatische, langweilige Arbeit geht. Serien zählen etc. Das sieht man auch bei den
psychologischen Tests.

[00:47:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Medikamenten.

[00:47:33.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Focalin, Medikinet, etc.

[00:47:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Medikamente wirken alle im Dopamin System.

[00:48:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort tritt wieder die Schizophrenie auf.

[00:48:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler gibt man Medikamente, welche Dopaminerg sind. Das sind
Amphetamine, Uppers, die stimulieren einem.

[00:48:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schizophrene hat zu viel Dopamin. Dem gibt man Neuroleptika. Den muss man
wieder runter dämpfen.

[00:48:37.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler als Erwachsene Ritalin bekommen, dann werden sie stimuliert,
dann denken sie noch mehr.

[00:48:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wirkt noch nicht, dann will ich noch mehr.

[00:48:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es wie eine Droge verwendet und was passiert dann? Sie werden
psychotisch, schizophren.

[00:48:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht immer mehr, wenn ADHS/ADSler zu viel mit Amphetamin behandelt
werden.

[00:48:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Dopaminsystem kann auch über den Sport aktiviert werden.

[00:49:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler sind sportlich, gehen Joggen.

[00:49:06.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss seinen Sport rausfinden.

[00:49:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch andere Hobbys sein, ein Musikinstrument spielen, also jeden Tag
Klavier spielen, für sich selber nicht um ein Pianist zu werden, einfach zum Freude
haben am Spiel.

[00:49:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Aktivität wird das Dopamin auch ausgeschüttet. Dann kann man sich auch
besser konzentrieren.

[00:49:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Turnstunde passen die Schüler besser auf, weil sie ihr Dopaminsystem
aktiviert haben.

[00:49:42.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuviel Dopamin macht eine Psychose.

[00:49:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie soll man mit ADHS/ADS Patienten oder Mütter von ADHS/ADS Patienten
umgehen?

[00:50:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen haben eine hohe Sensibilität, sie spüren sofort, wie man auf sie
eingestellt ist.

[00:50:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es einem langweilt mit der Patientin und denkt, das ist eine unangenehme
Person, das emotional Interaktive zwischen dem Behandler (Arzt, Krankenschwester,

Physiotherapeut, etc.) und dem Patienten, die merken sofort ob man auf sie bezogen ist
oder nicht.

[00:50:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ADHS/ADSler unter den Ärzten gibt, haben die ein gutes Gespür für den
Patienten.

[00:50:53.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Müssen die etwas tun, wo sie das Gefühl haben, dass es für den Patienten nicht gut ist,
das tut dem weh, das ist nicht richtig, dann haben sie eher Mühe die Behandlung
durchzuführen.

[00:51:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allem das Schmerz erzeugt, hat man dann auch eher Mühe und muss sich auch
mehr überwinden.

[00:51:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Pflegenden gibt es viele ADHSler.

[00:51:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Ärzten gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Lehrern gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles aus dem Grund, weil sie eigentlich das Gespür für den Mensch haben, eine gute
Empathie.

[00:51:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist primär eine Gabe.

[00:51:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt viel Technik dazu, kann es schwierig werden.

[00:51:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihre SchülerInnen betreuen, ist es wichtig, dass sie ihre Gabe wahrnehmen,
diese pflegen und das Andere hinzu tun.

[00:51:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man weniger mit Computern gearbeitet.

[00:51:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute geht man zum Arzt, der sitzt am Bildschirm. Dann fühlen sich die Patienten gar
nicht mehr wahrgenommen.

[00:52:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Technik hat stark Überhand genommen, ist so wichtig, ist wichtiger als die
Beziehung zum Patienten, aber es zahlt sich nicht aus.

[00:52:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man seine Beziehung zum Patienten, Schüler pflegt.

[00:52:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Empathie, welche ADHS/ADSler haben, die geht weg, wenn sie zu viel kritisiert
werden.

[00:52:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen Fehler und werden oft dafür kritisiert.

[00:52:54.630] – Dr.med. Ursula Davatz
ich immer wieder, validieren und erst dann sagen, wie man es will.

[00:53:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADSler zurückholen in die Beziehung, dann können sie sich
weiterentwickeln.

[00:53:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:53:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zu ihrem Lehrling eine Beziehung haben. Es muss wohlmeinend sein. Es
darf nie nur Sachwissen sein.

[00:53:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst funktioniert es nicht beim ADHS/ADS.

[00:53:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind sehr sensibel, sie spüren allen hinten dran.

[00:53:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la musique.

[00:54:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört den emotionalen Ton, der wird wahrgenommen. Der emotionale Ton wird mehr
wahrgenommen als der Inhalt.

[00:54:11.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie, dass der Inhalt ankommt, müssen sie ruhig sein, ohne einen verurteilenden
Ton, ihrem Lehrling etwas sagen.

[00:54:32.430] – Bemerkung 1
Sie sagen ADHS/ADS ist genetisch. Kann man das auch erwerben über die
Digitalisierung?

[00:54:49.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um das Gehirn. Das Gehirn hat viele Möglichkeiten. Wenn man mit dem Gehirn
ungeschickt umgeht, nicht passend zum dem Gehirn, kann es alle möglichen,
schlechten Eigenschaften entwickeln.

[00:54:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht ursprünglich das ADHS/ADS, welches die schlechten Eigenschaften hat,
sondern das ist die Interaktion, also die genetische Umweltinteraktion, die dann das
macht.

[00:55:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Unser Gehirn kann nur die Reaktionen bringen, welche es
hat.

[00:55:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können über verschiedene Methoden in einem Gehirn Dinge ausgelöst werden.

[00:55:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, die schnelle Reaktivität, die Impulsivität, das ist nicht erworben.

[00:55:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Hirnstruktur drinnen.

[00:55:49.350] – Bemerkung 2
Welchen Einfluss sehen sie von der Digitalisierung?

[00:55:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.

[00:56:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat Untersuchungen vom kindlichen Gehirn gemacht, wenn das Kind immer das
Handy angeschaut hat. Dann sind ein paar wenige Vernetzungen im Gehirn geschehen.
Wenn das Kind mit der Mutter oder einer Person interagiert hat, war alles viel mehr
vernetzt.

[00:56:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugend nur mit dem Handy vernetzt ist, verlernen sie die Sozialkompetenz.
Sie verlernen das Gesicht zu lesen.

[00:56:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Emoji lernt man keine Mimik erkennen. Das ist immer gleich.

[00:56:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Gefahr.

[00:56:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles auf dem Internet ist gemacht für den Verkauf.

[00:56:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Verkauf läuft über die Sensation.

[00:56:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensation läuft häufig über die Angst.

[00:56:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Mittelhirn anschaut, das limbische System im Gehirn, die haben die
Amygdala, zwei Zentren, das Zentrum für die Angst und die Sensation ist grösser als
das Zentrum für das Wohlfühlen.

[00:57:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbung versucht immer das Angstzentrum zu aktivieren, damit mehr verkauft wird.

[00:57:31.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbeindustrie ist psychologisch zum Teil weiter als wir in der medizinischen
Psychologie. Das wird voll ausgenutzt.

[00:57:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass Eltern für die menschliche Interaktion einstehen, damit nicht
nur alles am Bildschirm abläuft.

[00:58:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine keinen Kinder mehr. Ich habe nur noch Enkelkinder.

[00:58:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein grosses Problem.

[00:58:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit diese Medien werden auch ein bisschen Autisten erzogen.

[00:58:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht ein bisschen in Richtung abgekapselt sein, nur noch das und eine kurze
Aufmerksamkeitsspannung.

[00:58:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will sich nicht mehr lange einsetzen.

[00:58:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Findet ein Mensch seinen Fokus, dann kann er es schon.

[00:58:22.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei helfen.

[00:58:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Medien spielen eine grosse Rolle.

[00:58:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kriegt deswegen keine ADHS/ADS Gene.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sind nach Amerika ausgewandert.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Europa verlassen, weil ihnen das zu eng war.

[00:58:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA haben sich ADHS/ADS Gene angesammelt.

[00:58:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man auch an der schlechten Handschrift. Die haben eine schlechtere
Handschrift als wir. Sie haben diese auch nicht geübt.

[00:59:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer hat es mehr ADHS/ADS Gene. Das war von Vorteil im Handel.
Gehen sie in Griecheland auf den Markt. Die sind wahnsinnig gut im Multi-Tasking.

[00:59:24.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird etwas verkauft, dort wird etwas geredet. Das sind alles ADHS/ADSler.

[00:59:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen dann vom südländischen Temperament, z.B. im Tessin.

[00:59:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Ländern wird es weniger diagnostiziert. Dort wird es nicht als pathologisch
angeschaut. Das ist einfach das Temperament, das gehört dazu.

[01:00:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es nicht viele Studien.

[01:00:14.990] – Bemerkung 3
Nimmt ADHS/ADS zu?

[01:00:18.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nicht mehr zunehmen als was vorhanden ist. Es ist genetisch vererbt. Es wird
mehr entdeckt. Es wird mehr darauf geschaut.

[01:00:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Entdeckung nimmt auch zu, weil das Umfeld wahrscheinlich zu grossem Teil nicht
so günstig ist.

[01:00:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: es nimmt zu.

[01:00:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da es genetisch vererbt ist, kann es nicht einfach multipliziert werden.

[01:00:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die negativen Erscheinungen vom ADHS/ADS nehmen zu, weil das Umfeld nicht so
geschickt mit ihm umgeht.

[01:01:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang ist nicht persönlichkeitsgerecht, nicht artgerecht.

[01:01:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht artgerecht damit umgeht, gibt es Probleme und dann entstehen ganz
viele unterschiedlichen Folgekrankheiten.

[01:01:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt psychische Folgekrankheiten und es gibt körperliche Folgekrankheiten.

[01:01:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben dann viel Fibromyalgie, Gelenkschmerzen, Allergien, etc.

[01:01:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer gehen eher in die Delinquenz oder machen einen Herzinfarkt, wenn sie an der
Decke anstossen.

[01:01:40.160] – Bemerkung 4
Wie sieht es mit der Ernährung aus? Ich sage immer: nimm vor der Prüfung
Traubenzucker mit. Jemand mit ADHS/ADS sagt: kein Traubenzucker vor der Prüfung,
sonst ist man im Fluchtmodus. Dann kann man sich nicht konzentrieren.

[01:02:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin keine Ernährungsspezialistin.

[01:02:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man es stark mit den Omega Fettsäuren. Kein Zucker. Keine
Konservierungsmittel, etc.

[01:02:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher ist eine gesunde Ernährung gut.

[01:02:45.972] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde eine solide Ernährung wichtig. Protein und braunes Brot, das länger hinhält.

[01:02:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Traubenzucker macht, dass der Zucker hoch geht. Das hilft vielleicht denken, aber
es stösst keinen gesunden Mechanismus an.

[01:03:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen noch einen Ernährungsspezialisten fragen.

[01:03:13.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze prozessierte Essen ist nicht so gut. Es enthält viele Konservierungsmittel. Es
fällt weg, dass man sich selber etwas präpariert, dass der Mensch selber für sich sorgt.

[01:03:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Instant Zeugs aus den USA ist gar nicht gesund.

[01:03:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man braucht dann auch keine Zeit, um sein Essen vorzubereiten. Das ist eine
Erholungsphase, etwas anderes.

[01:04:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, wenn sie ein Hypo haben, aggressiv werden und sich gar nicht gut
konzentrieren können.

[01:04:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Hatte man eine solide Ernährung, dann hat man genügend Speicher, wo man es dann
rausholen kann.

[01:04:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schnellwirksame Zucker, der tut eigentlich den Körper immer ein bisschen falsch
stimulieren.

[01:04:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Fruchtzucker kann eine Leberverfettung machen.

[01:04:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was wir in unsere Metabolismus tun, dass schnell etwas bewirkt, ist nicht so
gesund.

[01:04:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://natuerlich.thieme.de/aktuelles/nachrichten/detail/fruchtsaefte-und-smoothies-warum-ein-zuviel-der-leber-schadet-1705

[01:04:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper balanciert am besten selber aus.

[01:04:57.720] – Bemerkung 5
Wir arbeiten in der Gruppe, dann gibt es einen Gruppenkonflikt. Wie kann man damit
umgehen?

[01:06:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat eine Untersuchung gemacht: was ist das beste Team? Das Resultat war:
equal speaking time. Jeder darf gleich viel reden.

[01:06:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand zuviel Platz einnimmt mit reden, reden, reden, dann muss man
unterbrechen. Man draf unterbrechen.

[01:06:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man unterbricht, ist es hilfreich, wenn man sagt: ich weiss du hast da noch viele
Gedanken dazu, aber jetzt müssen noch andere zu Wort kommen.

[01:06:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche zu viel redet, zuerst validieren und dann umlenken.

[01:06:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz

In meiner Ausbildung wurde mir auch gesagt: ich kann nicht aufhören. Ich wollte meine
Patienten nicht frustrieren, in dem ich sie unterbreche. Ich musste lernen meine
Patienten zu unterbrechen.

[01:07:35.850] – Bemerkung 6
Unsere Arbeit ist stressig. Jemand sagt dann einfach: du gehst mir auf die Nerven. Das
ist die falsche Reaktion.

[01:07:47.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Gruppe leitet, ist es wichtig, das man beide Seiten berücksichtigt und
sagt; wir sind nicht alle gleich.

[01:07:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern.

[01:08:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:08:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt etwas Verallgemeinerndes und sagt dann: okay, jetzt seid ihr wieder dran.

[01:08:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich zum Konflikt gehen, sondern: die ist so und ihr seid so und was willst du
sagen?

[01:08:34.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche frustriert sind aufrufen und sie fragen was sie wollen. Es geht nicht
darum einfach die Gegenpartei zu kritisieren.

[01:08:50.630] – Bemerkung 7
In der Gruppe ist das nicht immer möglich.

[01:09:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir arbeiten im zwischenmenschlichen Bereich.

[01:09:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jahrelang habe ich Weiterbildung gegeben für Spitex-Schwestern.

[01:09:38.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Einstieg war immer: was ist Ihr Stresssyndrom? Mit was reagieren sie, wenn sie
unter Stress kommen?

[01:09:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die einen bekamen Rückenweh, die anderen Kopfweh, die anderen haben viel geredet,
die anderen haben gar nicht mehr geredet, die anderen haben nicht mehr gewusst, was
zu sagen.

[01:09:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sehr viel selbst Selbstbewusstsein erlernen in unserem Beruf.

[01:10:04.780] – Bemerkung 8
Wie kann eine Person mit ADHS/ADS es selber wissen?

[01:10:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann vielleicht, jetzt habe ich reingequatscht, ich habe ADHS/ADS.

[01:10:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht hauptsächlich um die Selbstreflexion, dass man merkt, wie man ist, dass man
seinen Typ kennenlernt.

[01:10:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele Frauen, die ADHS/ADS haben und es früher nicht wussten, haben dann
überkompensiert. Die haben sich zwanghaft kontrolliert. Das ist auch nicht gut. Es ist
besser, man redet einander rein und dann reagiert der andere.

[01:10:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss ein Lernklima entstehen.

[01:10:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle unsere Macken.

[01:11:05.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll eine Atmosphäre entstehen, wo man sich selber sein kann und auch zurück
gebunden werden kann, damit wir lernen.

[01:11:06.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler bringen einem zum lernen.

[01:11:12.470] – Bemerkung 9
Sie bringen einem zur Verzweiflung.

[01:11:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben, üben, üben. Ein blöder Spruch machen geht auch.

[01:11:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Kampf, Flucht, Todstellreflex und Necken/Spotten.

[01:11:38.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken, das machen die Jungtiere in der Pubertät.

[01:11:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen zu denen zurückgehen und humorvoll etwas sagen.

[01:11:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt einem nicht immer.

[01:11:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben.

[01:12:05.010] – Bemerkung 10
Wäre es ein Vorteil, wenn eine Begleitperson etwas von ADHS/ADS versteht?

[01:12:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson mit dem ADHS/ADS umgehen kann und auch ein wenig
Selbstironie hat, dann ist es von Vorteil.

[01:12:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person kann dann sagen: weisst du, das passiert mir auch, aber wir müssen es
eben lernen.

[01:12:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson gar keine Reflexionsfähigkeit hat, geht es gar nicht gut.

[01:12:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Begleitperson muss ein wenig etwas davon verstehen und die Fähigkeit haben,
selber zu reflektieren. Dann kann die Begleitperson als Coach funktionieren.

[01:13:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen das alles bei sich behalten, aber sie haben zwei Jahre Wartefrist
für eine ADHS/ADS Diagnose. Dann ist schon alles vorbei.

[01:13:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich einfach über die sozialen Medien diagnostizieren.

[01:13:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle, wie man es nennt. Man sieht gewisse Charakteristika und sagt
dann: ah, ich bin auch so.

[01:13:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Winkler postet viel.

[01:13:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhsspektrum.com/

[01:13:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist jemand nicht diagnostiziert und er hat das Gefühl, der könnte in die Kategorie gehen,
dann darf man auch sagen: hast du dir jemals die Frage gestellt, ob du ein wenig so
bist?

[01:13:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du ADHS/ADS?

[01:13:53.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele antworten dann: nein nicht, aber es geht ihnen durch den Kopf.

[01:13:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es nicht unbedingt abklären gehen. Ich bin da locker.

[01:14:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Kinder muss man es abklären, damit sie in der Schule einen Nachteilsausgleich
bekommen, auch in er Prüfung.

[01:14:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man mit sich umgehen lernt.

[01:14:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann an die Prüfung gehen und sagen: ich brauch das und das.

[01:14:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Arbeitsplatz kann man sagen: ich reagiere gar nicht gut auf Kritik oder wenn ich
zusammen geschissen werde. Das stellt mein Gehirn ab.

[01:14:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich erklären, ohne dass man es ADHS/ADS nennt.

[01:14:51.540] – Bemerkung 11
Ist es wichtig, dass man es im Team anspricht und offen darüber kommuniziert.

[01:14:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Offenheit ist das Wichtigste. Ungeniert kommunizieren. Dann ist das grösste Lernen
möglich. Wir sind alle am lernen.

[01:14:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Witz.

[01:15:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mediziner weiss alles und kann nichts. Der Chirurg weiss nichts und kann alles, er
ist der Chef. Der Pathologe weiss alles, leider zu spät. Der Psychiater weiss nichts und
kann nichts, aber lernt jeden Tag etwas.

[01:15:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernen wir.

[01:16:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Weiterentwicklung läuft über kleine Fehler, innerhalb von der Genetik.

[01:16:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen ruhig Fehler machen.

[01:16:21.770] – Bemerkung 12
Was empfehlen sie als Begleitung neben der Einnahme von Ritalin?

[01:16:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Antidepressivum, kein Ritalin ohne nicht auch eine Begleitung.

[01:16:37.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur mit Medikamenten zu korrigieren ist nicht gut.

[01:16:47.910] – Bemerkung 13
Das empfinde ich auch, sehe aber oft das Gegenteil. Was auch immer der Grund ist.

[01:16:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verleugnungstaktik. Man hat das Problem und denkt: mit dem Medikament
kann man es korrigieren. Es ist auch ein Grössenwahn der Mediziner, dass sie meinen,
dass sie den Menschen korrigieren können, mit einem Medikament.

[01:17:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich doch Coaching.

[01:17:10.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht eine Therapie sein, es kann auch Coaching sein.

[01:17:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einen Coach finden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Den muss man
suchen gehen.

[01:17:17.127] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/

[01:17:46.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die in X Therapien waren. Deren Therapeuten haben von ADHS/
ADS nichts verstanden.

[01:17:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht versteht, will man es immer korrigieren. Das darf man nicht.

[01:18:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht mit einer Verhaltenstherapie korrigieren.

[01:18:29.110] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapielandschaft wird für die Verhaltenstherapie plädiert, weil man diese
Therapie am besten statistisch kontrollieren kann.

[01:18:34.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht weg erziehen. Am Schluss muss sich der ADHS/ADSler
immer selber erziehen. Dazu kann er einen Coach nehmen.

[01:18:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch ins Internet gehen, das ist anonym. Man findet viel auf dem Internet, wo
man sich gespiegelt fühlt.

[01:19:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer einen Coach hinzunehmen, nie nur Medikamente nehmen.

[01:19:10.860] – Bemerkung 14

Gibt es einen Beruf, der sich besonders für ADHS/ADS eignet? Es können nicht alle
Spitzensportler oder grosse Erfinder oder Politiker werden. Häufig sind das normale
junge Menschen mit durchschnittlichem IQ.

[01:19:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht allgemein sagen. Ich mache viel Coaching und Berufsberatung.

[01:20:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Berufe mit Beziehungen. Darunter sind: Arzt, Lehrer, Krankenschwester.

[01:20:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen Empathie und eine gute Wahrnehmung.

[01:20:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Verkäufer haben auch mit Menschen zu tun.

[01:20:09.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eintönige Arbeit ist nicht gut für ADHS/ADSler. Fliessbandarbeit ist nicht gut für ADHS/
ADSler. Dort geht die Aufmerksamkeit sofort weg.

[01:20:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Industrien wird immer rotiert. Das ist gut für die ADHS/ADSler. Es muss
immer wieder abgewechselt werden.

[01:20:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: ich möchte selbständig werden.

[01:20:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mögen alle keine Vorgesetzten. Sie wollen der eigene Chef sein.

[01:21:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Lernt der Chef zusammen mit dem Schüler, dann geht es.

[01:21:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz herrschen da noch komische Chef Vorstellungen.

[01:21:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz noch ein paar komische Chefvorstellungen.

[01:21:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch Vorgesetzte, welche verrückt wurden und Dinge herumgeworfen haben.

[01:21:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist man in der oberen Etage, z.B. in der Chirurgie, gehört sich das.

[01:21:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bekannter Chirurg in Basal hat keine falsche Bewegung gemacht. Er hat mal seine
OP Schwester angeschrien. Die hat alles schön hingelegt und ist rausgelaufen. Er
fragte: wohin gehen sie? Sie antwortete: auf die Weide Gras fressen.

[01:21:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat sich ihren Platz erobert.

[01:22:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Geistesgegenwart zu haben, ist etwas für sich.

[01:22:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beruf mit Menschen ist für ADHS/ADSler immer gut.

[01:22:26.240] – Bemerkung 15
Im Spital kommt es schnell zum System Overload. Das lässt sich nicht so einfach
reduzieren.

[01:22:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind gut im Multitasking, wenn ihnen die Arbeit Spass macht. Das fährt
das Dopamin hoch.

[01:22:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu viel ist, bricht es zusammen.

[01:23:10.240] – Bemerkung 16
Sie leiden selber drunter. Die Feedbacks kommen schnell. Dann kommt die
Rechtfertigung.

[01:23:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Schüler in die Rechtfertigung kommt, dann muss man sagen: das wird hier
nicht diskutiert, wir diskutieren das separat.

[01:23:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Schüler sagen, wie er vorgegangen ist. Dann kommt die Validierung.

[01:23:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rechtfertigung muss separat diskutiert werden.

[01:23:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Fühlt sich der Schüler danach wertgeschätzt, haben sie danach eine bessere Situation.
Es ist ein üben, ein lernen. Es lernen beide.

[01:24:35.460] – Bemerkung 17
Es kommt zu erhöhten Lehrabschluss Abbrüchen. Wie geht man da vor? Wie soll man
mit dem Frust umgehen?

[01:24:55.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Immer, indem man schaut, wie ist das Mishap zustande gekommen.

[01:25:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut reculer pour mieux sauter.

[01:25:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zurückgehen und schauen, wie es schief gelaufen ist.

[01:25:13.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Beruf unbedingt wollen, muss man schauen, wie man es nochmals
machen kann. Nochmals eine Chance geben.

[01:25:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Tennisspieler hat zwei Anschläge.

[01:25:49.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann vielleicht drei oder vier.

[01:25:49.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: ist es wirklich der richtig Beruf?

[01:25:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche bleiben zwanghaft in einem Beruf: ich muss das hinkriegen. Es ist aber gar
nicht ihr Beruf. Solche habe ich dann auch.

[01:25:56.290] – Bemerkung 18
Wenn merkt auch, wenn sich einer durch gekämpft hat.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist gut wenn man sagt: versuch es durchzuziehen, auch wenn du den Beruf später
nicht ausübst. Du lernst so oder so. Es ist sehr viel menschliches Lernen dabei. Das
kannst du immer gebrauchen.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgeben, ausscheiden hinterlässt Spuren.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch sagen: nein aufhören, umorientieren. Das ist immer ein
schwieriger Entscheid.

[01:26:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muntere dazu auf, nicht aufzugeben. Wenn man das Papier hat, kann man etwas
neues machen.

[01:27:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Ausbildung bringt etwas mit sich, auch wenn der Abschluss nicht so gut ist. Man
hat trotzdem etwas gelernt.

[01:27:26.560] – Bemerkung 19
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Ich kann es noch nicht bei mir platzieren.

[01:27:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein Genotyp. Es wird genetisch vererbt. Es ist ein Neurotyp. Das Gehirn
eines ADHS/ADSler ist bisschen anders, es funktioniert anders.

[01:27:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Anders ist nicht krank. Anders aber nicht krank.

[01:27:41.461] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.kommode-verlag.ch/shop/anders-nicht-falsch/

[01:27:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Andersartigkeit wahrnehmen.

[01:27:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer unterscheiden: hier krank, dort gesund.

[01:27:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus spricht man vom Autismus-Spektrum. Es ist ein Spektrum.

[01:28:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das anpassungsfähigste, veränderbarste Organ. Das kann man nicht in
eine Schublade stecken.

[01:28:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suche nach dieser Genauigkeit, die geht nicht, die funktioniert nicht beim ADHS/
ADS.

[01:28:12.055] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis hier bist du gesund und dort wird es krank.

[01:28:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles eine Definitionssache.

[01:28:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verschiedene Kulturen anschauen: in China wird gerülpst während dem
Essen. Das heisst, das Essen schmeckt gut.

[01:28:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns ist das völlig unanständig.

[01:28:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist die gleiche Reaktion.

[01:28:56.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget spricht vom Dezentrieren.

[01:28:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Dezentrierung

[01:28:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät lernt man seine Moral, seine Ethik, seine Vorlieben erkennen und dann
auch durchsetzen.

[01:29:12.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Religionen aufeinander kommen oder zwei Nationen, also Leute von
verschiedenen Kulturen, dann muss man sagen können: In der Schweiz machen wir es
so, aber in Amerika macht man es so und in Japan so.

[01:29:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss man sich verneigen, bei uns gibt man sich die Hand.

[01:29:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unhöflich, wenn man sich die Hand nicht gibt in der Schweiz.

[01:29:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Coronazeit hat man sich die Hand nicht mehr gegeben. Jetzt weiss man nicht:
soll ich die Hand noch geben oder nicht?

[01:29:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss der Untergebene sich tiefer verneigen, als der höher Gestellte.

[01:29:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss den Unterschied wahrnehmen können.

[01:29:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, du funktionierst so, ich funktioniere so.

[01:30:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch zwei ADHS/ADSler unterschiedlich funktionieren.

[01:30:07.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine andere Funktionswiese vom Gehirn.

[01:30:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem wie man aufgewachsen ist, hat man etwas anderes gelernt.

[01:30:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spielt das ADHS/ADS eine Rolle und auch die Erziehung.

[01:30:41.810] – Bemerkung 20
Prokrastination ist ein Sympton, welches viele ADHS/ADSler haben. In der
Selbständigkeit hat man viel Fleissarbeit, die man nicht so gerne macht. Rechnungen
schreiben, Buchhaltung führen, etc. Begibt man sich hier nicht selber in Gefahr?

[01:30:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Buchhalter anstellen. Wenn man sich das nicht leisten kann, dann
kann man in dem Moment das Medikament nehmen. Das machen viele Erwachsene.
Haben sie eine langweilige Arbeit, die sie nicht gerne tun, dann nehmen sie eine Pille.
Gewisse machen das. Dann geht es. Man kann dann besser fokussieren.

[01:31:53.730] – Bemerkung 21
Bei der Prokrastination setzt man sich gar nicht erst hin.

[01:32:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es im Hinterkopf haben.

[01:32:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem Tag, an dem Ort, zu dieser Zeit mache ich diese Arbeit und ich nehme noch ein
Ritalin. Dann kann ich es.

[01:32:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Gehirn disziplinieren.

[01:32:18.128] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer ein wenig Selbstdisziplin. Man muss seine Pferde zähmen und
sagen: dann gehst du über das Hindernis.

[01:32:48.090] – Bemerkung 22
Man muss das Ritalin nicht immer einnehmen?

[01:32:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, gar nicht. Man denkt immer: das Medikament muss man immer nehmen.

[01:32:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt SSRI, die haben eine langsame Wirkung. Die greifen in den Serotonin Haushalt
ein. Die muss man immer nehmen.

[01:33:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin muss man nicht immer nehmen. Das kann man gezielt einsetzen.

[01:33:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sagen: wenn ich an die Universität gehe, ist es so interessant, dann brauche
ich kein Ritalin.

[01:33:47.010] – Bemerkung 23
Das Zwischenmenschliche ist mir sehr wichtig. Wenn ich das Medikament nehme, dann
spüre ich mich selber nicht mehr. Das Medikament verändert mich extrem. Ich will es
deshalb nicht nehmen. Ich bin dann sehr fokussiert auf die Schule, aber was mir am
Herzen liegt, kann ich nicht machen.

[01:33:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt jetzt immer mehr ans Licht. Das beobachte ich schon lange.

[01:33:56.981] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin gibt einen Fokus und die breite Wahrnehmung geht verloren. Die emotionale
Wahrnehmung geht verloren. Man ist nicht mehr so kreativ.

[01:34:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Architekturstudenten sagen dann: ich bin nicht mehr so kreativ.

[01:34:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: nicht nehmen.

[01:34:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Personen achten mehr auf die inneren Symptome, auf die inneren Gefühle,
andere schneiden das einfach ab.

[01:34:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern sage ich: in den Ferien nicht nehmen. Dort gibt es genügend
Stimulation. Auch am Wochenende nicht nehmen.

[01:35:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause zum Lernen müssen es die Studenten nehmen.

[01:35:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss jeder selber herausfinden.

[01:35:24.660] – Bemerkung 24
Wie gehe ich mit ADHS/ADS Patienten um? Dort hat man nur eine Chance vom
Auftreten her.

[01:35:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sagen mir Patienten: diese Krankenschwester hatte sicher ein ADHS/ADS.

[01:36:10.820] – Bemerkung 25
Gewissen Patienten geht die Aufklärung zu weit.

[01:36:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient reklamiert, würde ich nicht sagen: ja die hat ein ADHS/ADS. Das kann
man nicht zum Patienten sagen.

[01:36:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ja ich weiss, wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:36:30.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Patienten kann man sagen: sie dürfen sagen, dass es ihnen zu viel ist.

[01:36:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es auch um eine offene Kommunikation.

[01:36:54.710] – Bemerkung 26
Wie kann ich dem vorbeugen? Braucht der Mitarbeiter selber ein Coaching?

[01:37:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Vorbeugen ist schwierig. Viele ADHS/ADSler die merken wie sie sind,
wollen immer vorbeugen. Dann nehmen sie sich so stark zurück, dass sie verkrampft

werden. Das ist auch wieder nicht normal. Das sind oft Frauen, welche erst mit 40
Jahren die Diagnose erhalten.

[01:37:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann: ich bin halt so und sie können mir sagen, wenn es nicht gut ist.

[01:37:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu verkrampft gegen sein Naturell vorgeht, ist das nicht so gut.

[01:37:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird zu viel vorgebeugt. Dann wird alles verhindert. Die Spontanität geht dann
weg. Dann kommt bald ins Lügen. Man lügt etwas vor.

[01:37:49.444] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Fernsehsendungen versuche ich immer zu sehen: lügt der jetzt. Lügenverhalten
ist steifes Verhalt, nicht spontan, nicht natürlich. Man spürt den anderen nicht richtig.

[01:38:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber einmal ausrutschen und wieder daraus lernen.

[01:38:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat mit der Fehlerkultur zu tun.

[01:38:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss selber wissen, wie fest er vorbeugen möchte, wie fest er sich zurück halten
möchte. Das hängt mit der eigenen Erziehung zusammen.

[01:38:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so erzogen wurde, dass man gar nichts falsch machen darf, dann wollen die
wahnsinnig vorbeugen, bis zum Punkt, wo sie nicht mehr natürlich sind.

[01:39:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei jedem Individuum anders.

[01:39:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen den eigenen Weg finden, was sie gut finden. Das geben sie weiter. Das ist
nicht bei allen gleich.

[01:39:33.040] – Bemerkung 27
Wie sieht es damit aus, wenn man im HR arbeitet?

[01:39:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das HR muss aufpassen, dass nicht zu Anpassungszwecken missbraucht wird. Man
muss die Person zuerst einmal anhören, validieren und dann sagt: in dieser Situation
geht das nicht.

[01:40:20.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat zu einem Alkoholiker gesagt: mein Job ist mir wichtiger, ich möchte
nicht entlassen werden. Ich muss mich an die Regeln halten. Sie müssen lernen damit
umzugehen.

[01:40:36.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst validieren. Dann sagen sie was die Regeln sind.

[01:40:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr wichtig.

[01:40:36.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fühlt sich die Person verstanden.

[01:40:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hat das HR eine sehr wichtige Rolle.

[01:40:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst zuhören, wie sich die Person fühlt und Verständnis zeigen.

[01:41:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach das System erklären, welches man nicht ändern kann, weil es so laufen muss.
Wenn man im System bleiben möchte, muss man sich an dieser Stelle anpassen.

[01:41:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie bereiten sie sich auf das nächste Gespräch vor?

[01:42:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterverweisen zu einem Coach, nicht zu einem Therapeuten.

[01:42:10.490] – Bemerkung 28
Bei den männlichen Jugendlichen ist aber 15 Jahren die Hyperaktivität sichtbar.
Jemand möchte allen helfen, dabei gehen seine Aufgaben unter. Wie gehe ich damit
um?

[01:42:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst generalisieren und sagen: ich sehe, du bist ein Helfertyp, das ist sehr gut. Du
willst allen helfen. Du musst ein bisschen warten. Nicht gleich, wenn du ein Problem
siehst, gleich helfen wollen. Keinen spontanen Entscheid treffen. Zuerst loben für das
Helfen und dann zeigen, dass es an dieser Stelle nicht geht. Du kannst nicht
gleichzeitig allen helfen und Deine Arbeit machen.

[01:43:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen werden das nie los. Sie werden diese breite Aufmerksamkeit immer
sehen, das ist angeboren.

[01:43:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wirklich aufzeigen.

[01:43:54.290] – Bemerkung 29
Im Studium habe ich gelernt, dass ein ADHS/ADS Teilnehmer kein Hindernis ist für eine
Gruppe, sondern eine unentdeckte Stärke. Ich musste den Umgang mit der Person
lernen. Er hatte in einem Bereich einen Hyperfocus. Es lief super, wir konnten mit ihm
sehr gut umgehen.

[01:44:50.000] – Bemerkung 29
Man muss rausfinden, was die Stärke vom ADHS/ADS Mitarbeiter ist und ihn dort
einsetzen. Wenn der ADHS/ADSler genug reflektiert hat und seine Schwäche erkennt,
kann er sich dort zurück nehmen.

[01:44:50.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut, dass man ihn dort einsetzt, wo er seine Stärke hat. Das ist die Kunst
der Teamleiterin.

[01:44:59.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit einem Zirkusdirektor oder einem Löwenbändiger.

[01:45:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schaut, wer wo ist und wirft im richtigen Moment etwas zu. Das ist die Kunst.

[01:45:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur die Schwäche kritisieren.

[01:46:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass jemand sagt: ich möchte lernen mit meiner Schwäche
umzugehen. Das ist etwas anderes, das ist hohe Schule.

[01:46:16.850] – Bemerkung 30

Ich habe Mitarbeiter mit ADHS/ADS. Es kommt immer wieder zu einer Reizüberflutung.
Es fehlt ihnen immer die Struktur. Wie kann ich das fördern, beibringen? Es
überschwemmt sie immer wieder.

[01:46:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Führung der Menschen ist gut, wenn die alle Eigenverantwortung haben.

[01:47:01.754] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler überboarden, muss man wieder reinkommen. Jetzt machen wir
das so und so. Sie müssen in eine autoritäre Situation gehen und ordnen. Dort muss
man schneller eingreifen. Das heisstn nicht, dass man immer autoritär bleibt.

[01:47:01.986] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kunst ist, einmal sehr autoritär zu sein, alles dirigieren und sich dann wieder zurück
zu ziehen und die ADHS/ADSler sich selber zu überlassen.

[01:47:37.560] – Bemerkung 31
Selber auch dem Durcheinander raus zu kommen ist schwierig für sie.

[01:47:43.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann braucht es eine Krisensitzung. Dafür braucht man Zeit.

[01:47:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Kantonsspital Baden viele Krisensitzungen geleitet. Dort gab es grosse
Krisen.

[01:48:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher früher eingreifen, bevor das Durcheinander auftritt.

[01:48:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn eine Mutter ADHS/ADS Kinder erzieht, muss sie gewieft sein, sie darf nicht hinter
die Bewegung kommen. Wachsam sein und frühzeitig übernehmen. Das heisst nicht,
dass man immer übernimmt.

[01:48:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Kunst zwischen total die Führung übernehmen und alles laufen zu lassen.

[01:48:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind nicht so autoritär veranlagt. Es kommt auf die Geschwisterposition an.
Die Älteste ist eher autoritär, die Jüngste eher nicht.

[01:49:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen wie es läuft. Sie sagen nicht: du bist falsch und du bist richtig. Jetzt wird es
so gemacht. Darüber sind die Leute dann froh. Das entlastet sie.

[01:49:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Kinder.

[01:49:48.182] – Dr.med. Ursula Davatz
Die antiautoritäre Erziehung, wenn das Kind entscheidet, wann es isst, wann es ins Bett
geht, wann es aufsteht, etc., so werden Kinder zu Tyrannen erzogen. Das wollen wir
nicht.

[01:49:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Spass.

[01:49:57.170] – Bemerkung 32
Was machen sie mit den Kindern, wenn Mutter und Vater auch ADHS/ADS sind?

[01:50:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen einen gemeinsamen Nenner finden. Der gemeinsame Nenner ist: ich
möchte, dass mein Schüler, ihre Tochter, ihr Sohn eine möglichst gute Erfahrung macht
und eine gute Ausbildung bekommt. Ich würde vom Kind ausgehen.

[01:51:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern frage ich: was ist ihre grösste Angst? Ich versuche die Leute in ihrem Extrem
abzuholen. Was wollen sie verhindern? Was ist ihre grösste Angst, das bei ihrem Kind
schief laufen könnte? Ich gehe zu den Extremen.

[01:51:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt etwas raus, z.B., dass sie ihre Abschlussprüfung nicht schafft.

[01:51:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht gleich gegen die Eltern vorgehen.

[01:51:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeut ist man immer in Konkurrenz zu den Eltern. Man muss lernen
damit umzugehen.

[01:51:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Schutz vom Kind übernehmen, werden sie zur Konkurrenz.

[01:51:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter meint, dass man es anders machen muss. Die Mütter können einem
belehren wollen. Dann muss man die Mutter validieren. Ich frage nach der Angst.

[01:52:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre grösste Sorge? Was wollen sie verhindern?

[01:52:17.237] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen, wo man sich trifft.

[01:52:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: ja, das verstehe ich.

[01:52:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Mutter können es so anschauen, ich als Lehrperson muss es so anschauen. Sie
müssen auch ihr System verteidigen, welches einfach vorhanden ist.

[01:52:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieder die Unterschiede aufzeigen.

[01:53:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter sieht man es so und als Lehrperson sieht man es in der Berufsausbildung so.

[01:53:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor sie ihren Standpunkt beziehen, immer die Mutter validieren.

[01:53:28.370] – Bemerkung 33
Gibt es einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht?

[01:53:40.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sehr. Das kommt jetzt statistisch heraus. Viele ADHS/ADSler werden süchtig.

[01:53:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler zu eng erzogen werden, stossen sie mit ihren Emotionen überall
an.

[01:53:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Suchtmittel nehmen, sind sie ach so ruhig und ach so glücklich und alles ist
gut.

[01:54:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Definition der WHO für Gesundheit ist: körperliches Wohlbefinden, psychisches
Wohlbefinden und soziales Wohlbefinden.

[01:54:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Heroinsüchtige erfüllt alles. Er hat körperlich keine Schmerzen, er fühlt sich wohl,
es ist euphorisierend, es gibt ein Pseudo-Selbstwertsgefühl und sie brauchen sozial
nichts, ausser das Suchtmittel. Daher sind sie sehr gefährdet.

[01:54:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beruhigungsmittel sind auch Suchtmittel.

[01:54:59.897] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Suchtmittel nimmt, ist das immer ein Selbstbetrug.

[01:55:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle unangenehmen Gefühle, sind Rückmeldungen an das Gehirn, dass etwas nicht
stimmt. Ich bin nicht wohl, ich bin nicht im Gleichgewicht.

[01:55:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich künstlich mit Suchmitteln in das Gleichgewicht bringt, ist das ein
Pseudogleichgewicht und ein Pseudo-Selbstwertgefühl.

[01:55:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen muss man begleiten. Ich habe viele Suchtpatienten begleitet, viele Jahre
lang. Die Abstinenz vom Suchmittel war nie meine Absicht.

[01:55:19.417] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Zuerst muss man lernen die
Gefühle wahrzunehmen. Dann schauen, was das mit einem macht. Dann lernen, wie
die Gefühle entstehen und dann lernen wie man anders reagieren könnte.

[01:55:19.555] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist viel anstrengender als einen reinziehen.

[01:55:19.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS will schnell eine Lösung, da kommt das Suchtmittel genau richtig. Das
ist eine gefährliche Lösung.

[01:55:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die alle runter bremsen. Das ist das gleiche, dass man nicht spontan
entscheidet. Jetzt wird gelernt.

[01:55:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Alkoholsüchtige begleitet, die schlussendlich Freude am Leben bekommen
haben und gesagt haben, jetzt bin ich bei mir, ich bin richtig stolz auf mich.

[01:56:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Suchtprogrammen wird oft auch mit Belohnung und Bestrafung gearbeitet.

[01:56:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist ein lebenlanges Lernen. Ich komme immer wieder zum sokratischen
Lernen. Der Lehrer lernt auch vom Schüler.

[01:56:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide lernen, ist es spannend.

[01:56:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich ihnen zum Abschluss.