Umgang mit ADHS/ADS Kindern

Weiterbildung für Logopäden/Innen in der Stadt Zürich.

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Dr.med. Ursula Davatz

24.11.2023

Umgang mit ADHS/ADS Kindern
Audio

[00:00:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich mit dem ADHS schon über 40 Jahre.

[00:00:13.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat sich nur die Elpos damit befasst. Man hat dort noch POS-Kind gesagt, also frühkindliches
POS.

[00:00:22.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit POS meint man eine gewisse Hirnstörung.

[00:00:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt nennt man es auch Aufmerksamkeitsdefizit, hyperkinetisches Syndrom.

[00:00:33.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Aufmerksamkeitsdefizite, ADS-Syndrom und ADHS-Syndrom.

[00:00:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man die auseinander nimmt, das kann ich dann ein bisschen beschreiben.

[00:00:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob sie genetisch unterschiedlich sind, weiss ich nicht recht. Das sind wir erst am herausfinden.

[00:00:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Zeit erlebt, wo der Hans-Christoph Steinhausen in Zürich gesagt hat, das gibt es gar nicht
und die Elpos hat das ja, die haben das gesehen.

[00:01:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte haben das zuerst so ein bisschen wahrgenommen und beschrieben.

[00:01:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo man dann aber Bildgebende Verfahren machen konnte, dann hat man gesehen, dass das Hirn ein
bisschen anders ist.

[00:01:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Körperlich konnte man es dann darstellen.

[00:01:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe für mich so die Frage gestellt, was ist eigentlich ADHS und ADS?

[00:01:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin sage ich ganz klar: es ist keine Krankheit.

[00:01:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nur ein Neurotyp.

[00:01:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, es ist ein Genotyp, es wird vererbt über 30 bis 100 Genen.

[00:01:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind es noch mehr.

[00:01:48.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfach eine Kombination von Genen, die dann natürlich in der Familie weitergegeben werden.

[00:01:54.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familie wird immer der ganze Gensatz weitergegeben und dann werden verschiedene Mischungen
weitergegeben, vom Vater und von der Mutter.

[00:02:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus ist eine Kinder-Psychologin.

[00:02:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagt: they find each other, they bind with each other and they reproduce with each other.

[00:02:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler finden sich oft, weil sie auf der gleichen Wellenlänge sind.

[00:02:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn beide ADHS sind, dann gibt es Kampf und dann wird mehr geschieden, mehr Stellen werden
gekündigt und so weiter.

[00:02:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein ADS und ADHS ist, dann tun sie sich eher ein bisschen ergänzen und funktionieren oft
länger miteinander.

[00:02:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ganz allgemein: ADHS, also Menschen mit dem Gensatz haben die Tendenz mehr zu scheiden
und mehr Stellen zu künden, also sie brechen ab.

[00:02:58.630] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird das ADHS immer noch als Krankheit gehandelt

[00:03:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neuropsychologen stellen die Diagnose, meistens nicht die Psychiater und dann werden sie zum Arzt
geschickt und dann werden Medikamente verschrieben.

[00:03:18.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein ganz kleiner Teil aus meiner Sicht.

[00:03:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müsste das Umfeld lernen mit diesen Kinder besser umzugehen.

[00:03:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum machen wir auch die Ausbildung hier.

[00:03:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ADHS und ADS in die zwei Persönlichkeitstypen einteilt.

[00:03:37.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS wäre der extrovertierte Persönlichkeitstyp.

[00:03:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Persönlichkeitstypen, die unterscheidet man schon lange, mehr Psychologen als Psychiater, denn
Psychiater stellen immer gerade eine Krankheitsdiagnose.

[00:03:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Persönlichkeitstyp ist keine Krankheitsdiagnose.

[00:03:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst ADHSler, die zeichnen sich aus durch Hyperaktivität, also das H ist die Hyperaktivität. Sie
gehen auf alles zu. Die Kinder, wenn sie ins Büro hinein kommen, dann nehmen sie gleich alles
auseinander, ziehen die Schubladen auf, machen gerade etwas.

[00:04:15.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS Kinder kennen sich in meinem Büro sofort aus, die machen alles.

[00:04:24.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie stört in ihrer Aktivität, wenn man sie behindert, werden sie verrückt.

[00:04:31.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Nein zu ihnen sagt, werden sie verrückt.

[00:04:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ihnen nie Nein sagen.

[00:04:37.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sagen: Bei mir läuft es so, ich will es so.

[00:04:43.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das "Nein" sagen, das kommt oft automatisch bei allen Erziehungspersonen und dann haben sie ständig
Krach mit denen.

[00:04:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Der extrovertierte Typ, der aggressiv wird, wenn man ihn behindert in seiner Aktivität, der verrückt wird,
wenn man nein sagt, der alles gerade übernimmt, der hat hinten dran eine hohe Sensibilität.

[00:05:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel.

[00:05:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit erwachsenen ADHS-Menschen redet, dann sagen die, ich nehme Sachen wahr, wo
andere nicht wahrnehmen.

[00:05:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:05:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das A ist eigentlich die Aufmerksamkeitsstörung.

[00:05:31.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Schule geht und nicht aufpasst, dann hat man eine Störung.

[00:05:35.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind in die Natur raus schickt, dann ist es nicht eine Störung, sondern dann ist es eine
breite Aufmerksamkeit.

[00:05:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine sehr breite Aufmerksamkeit.

[00:05:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tun nicht unterscheiden, was ist wichtig und was ist nicht wichtig.

[00:05:56.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen auf alle Reize ein und je nachdem der Reiz, der am wichtigsten ist, dem gehen sie nach.

[00:06:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in Tierwelt gehe, dann kann ich sagen, sie haben einen guten Sucherinstinkt.

[00:06:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen überall rum und sie sehen dann wichtiges Zeug.

[00:06:15.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kann ich in die Populationen gehen.

[00:06:18.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, im Mittelmeerraum hat sich das ADHS mehr verbreitet.

[00:06:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt da Untersuchungen, ich kann sie jetzt nicht zitieren, ich merke mir das einfach. Dort ist sehr von
Vorteil gewesen.

[00:06:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Händler, die rund um das Mittelmeer herum gewesen sind, die haben eine breite Aufmerksamkeit
gebraucht. Die haben gerade schauen müssen, wo ist der nächste Deal.

[00:06:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zum Beispiel in Griechenland auf den Markt gehen, sieht man, wie sie alle dort alles gleichzeitig
machen. Dort wird Geld ausgegeben, da wird aussortiert, alles gleichzeitig. Also Multitasking.

[00:06:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite Aufmerksamkeit.

[00:06:56.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn, weil das zum mittelmeerländischen Temperament gehört, sagen wir dann, wenn jemand so
ist, das ist einfach das südländische Temperament.

[00:07:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In Italien, auch Griechenland, Frankreich, im Tessin wird es schon viel weniger diagnostiziert, weil das
einfach gang und gäbe ist.

[00:07:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland auch, die schreien sich an und dann ist es wieder vorbei.

[00:07:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht die Auseinandersetzung laut von statten.

[00:07:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Deutschschweiz ist das nicht so vornehm.

[00:07:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stosst man an mit dem. Dann haben die Lehrer mit diesen Problemen, die folgen nicht, das
funktioniert alles nicht.

[00:07:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht lernt mit diesen Kinder umzugehen, sie abzuholen, dann ist man ständig im Krieg.

[00:07:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe eine Angehörigengruppe von Eltern von ADHSler. Man kann sie zu Tode schlagen und sie folgen
immer noch nicht.

[00:08:00.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit der grössten Strafe drohen, es bringt gar nichts.

[00:08:06.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Breite Aufmerksamkeit, da das A, die Hyperaktivität, die hohe Sensibilität, die ist eigentlich nicht drin
in den Buchstaben.

[00:08:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie noch eine starke Impulsivität.

[00:08:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich in der Aggressivität drin.

[00:08:32.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gestört werden, werden sie schnell impulsiv.

[00:08:37.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulsivität, ein kleines Kind, das zappelt noch, das macht viele Bewegungen, das kann seine
Bewegung noch nicht stören.

[00:08:47.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es älter wird, lernt es dann. Es lernt laufen, es lernt Feinmotorik und so weiter.

[00:08:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler haben weniger gute Kontrolle über ihre Impulsivität.

[00:08:59.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulsivität, die wird von unserem emotionalen Hirn gesteuert, vom limbischen System.

[00:09:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer so ein Bild mit der Hand. Das wäre jetzt unser Hirn, die ganze Hand mit dem
Daumen in der Faust. Das obere wäre unser Grosshirn. Der Daumen wäre unser Mittelhirn, das limbische
System.

[00:09:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das da unten ist unser vegetatives Nervensystem. Man sagt dem auch Reptilienhirn.

[00:09:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die werden schnell erregt im limbischen System, also im emotionalen System.

[00:09:34.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es hier eine Übererregung gibt, dann muss Impulsabfuhr passieren und das kann dann die
Überbewegung sein.

[00:09:42.350] – Dr.med. Ursula Davatz
All die Sachen, die nur vom limbischen System gesteuert werden, also die Reaktionen, die werden nicht
kontrolliert vom Grosshirn.

[00:09:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler können weniger früh ihren Impuls kontrollieren.

[00:10:01.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS Erwachsenen können ihren Impuls besser kontrollieren.

[00:10:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ADHS kann man es nie so gut.

[00:10:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ja die vier Stressreflexe, ich nenne sie auf English: Fight (Kampf), Flight (Flucht), Freeze
(Totstellreflex) und Tease ist (Spielreflex).

[00:10:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wenn sie junge Tiere sehen, wie die miteinander umgehen, dann tun die einander necken, bei
den Hunden kann man es gut beobachten, die gehen aufeinander los, tun einander anmachen und
wollen eine Reaktion.

[00:10:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind viel mehr unterwegs mit Teasing, um herauszufinden, wie der andere reagiert.

[00:10:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer gut erzogenen Familie oder gut erzogenen Schule hat man dann die Haltung, der ist frech, der
benimmt sich nicht recht, der müsste doch das lernen.

[00:11:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo die Impulsivität losgeht, kann der das nicht stören und da kann man sie nicht
bestrafen.

[00:11:16.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bringt das überhaupt nichts.

[00:11:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Da giesst man nur Öl aufs Feuer. Das wird häufig von den Erziehern überhaupt nicht verstanden.

[00:11:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meinen, das Kind müsste doch jetzt das können und vom Alter her sagt man auch, ihr Hirn reift ein
bisschen später. Sie werden später erwachsen.

[00:11:37.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben sie diesen Spielreflex, also das Teasing, den haben sie das ganze Leben lang. Das
zeichnet sie auch aus.

[00:11:56.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Erwachsenen gehen immer noch schneller in den Spielreflex.

[00:12:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits die breite Aufmerksamkeit und andererseits der Spielreflex, also das Teasing.

[00:12:14.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sagen ja auch, was sich liebt, das neckt sich.

[00:12:17.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich annähert an eine Person, die man eigentlich nett findet, Männer machen es ein bisschen
mehr als Frauen, dann macht man so ein bisschen auf lustig, zum herausfinden, ob der wirklich etwas
von einem will oder nicht.

[00:12:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Werbeverhalten hat man das Teasing auch noch drin.

[00:12:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Satz: Was sich liebt, das neckt sich, dort ist es drin.

[00:12:42.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spielverhalten geht dann zusammen mit dem Explorationsverhalten, also mit der Hyperaktivität.

[00:12:50.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist das ja ein Lernverhalten.

[00:12:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Kinder dann unterbricht in ihrem Teasing, ihrem Lernverhalten, in ihrem explorativen
Verhalten, dann macht man ihr Spiel-und Lerntrieb kaputt.

[00:13:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mittlere Hirn, das limbische System ist zuständig für Lernverhalten.

[00:13:12.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Lehrer nicht umgehen können mit dem Teasing, mit dem Lernverhalten, mit dem
Explorationsverhalten, dann tun sie diese Kinder, wie soll ich sagen, einengen und ihre Potenziale
zerstören.

[00:13:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf der anderen Seite ist, also ich sage, es ist keine Krankheit, aber viele werden dann krank,
weil man nicht geschickt mit ihnen umgeht.

[00:13:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung redet man von tiergerechte oder artgerechte Tierhaltung.

[00:13:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann, man müsste eine artgerechte Menschen Erziehung oder Erziehung in der Schule haben.

[00:13:55.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig. Es geht nicht recht durch. Sie werden schnell abgestempelt als krank und dann
weggeschickt und dann kommen sie ins medizinische System und dort ist es dann oft sehr schwierig.

[00:14:08.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird in der Regel nur mit Medikamenten funktioniert.

[00:14:12.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen natürlich an Kinder ran, die gewisse Störungen haben und können in dem Sinn auch als
Weichensteller funktionieren und das ist natürlich mein Anliegen.

[00:14:22.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin schaue ich was für Krankheiten aus dem ADHS entstehen.

[00:14:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch geschrieben über ADHS und Schizophrene.

[00:14:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir am meisten aufgefallen.

[00:14:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen sehe ich, wie ganz viele Krankheiten entstehen können aus dem ADHS.

[00:14:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In Bezug auf ADHS und Schizophrenie, in dem Buch habe ich das Zitat vom Eugen Bleuler. Ich habe
vorhin gesagt, dass ADHSler eine breitere Aufmerksamkeit haben, die sehen alles mögliche.

[00:14:54.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler selber hat gesagt, die Schizophrene sehen Sachen, nehmen Sachen wahr – er ist ein
Schizophrenie Spezialist gewesen – welche wir normalen Bürger nicht wahrnehmen.

[00:15:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite Wahrnehmung und die hohe Sensitivität.

[00:15:16.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensitivität, die ist beim ADHS und beim ADS, die bewirkt natürlich dann, dass die Kinder
schneller und stärker verletzt werden.

[00:15:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir finden das ist doch Peanuts, das solltest du doch nicht so darauf reagieren.

[00:15:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die reagieren verletzt schon bei vielen kleinen Störungen oder schwierigen Sachen.

[00:15:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Ärztin, die ist immer eine gute Schülerin gewesen. In der Schule hat sie eher geträumt.

[00:15:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Schule träumt und dann ruft einem der Lehrer auf und dann hat sie nicht gewusst, wo
man ist.

[00:15:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sie gedacht, ich bin dumm, ich kann nichts.

[00:15:59.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat das auch so gesagt, zu Hause.

[00:16:01.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie selber gelernt hat, dann hat das alles bestens funktioniert.

[00:16:06.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist halt nicht immer so interessant gewesen und dann hat sie geträumt in der Schule.

[00:16:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeitsstörung, die hängt davon ab, wie der Schulunterricht gestaltet
ist.

[00:16:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Schulunterricht spannend ist, wenn das Thema interessiert, dann können die Kinder sogar eine
Hyperfokussierung haben.

[00:16:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie ganz gut fokussiert.

[00:16:31.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie an etwas spielen, was sie interessiert, kann man sie nicht wegbringen davon. Das ist ganz
schwierig.

[00:16:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn aber der Lehrer eher langweilig ist und eine langweilige Stimme hat, dann weichen sie ab, schauen
zum Fenster raus, stören den Nachbar.

[00:16:48.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktiven stören dann den Nachbar, machen blödes Zeugs und werden dann vor die Türe
geschickt.

[00:16:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz
All die Disziplinarmassnahmen, die funktionieren nicht gut.

[00:17:03.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensitivität, die leichte Verletzlichkeit, die mangelnde Impulskontrolle haben mehr die ADHSler.

[00:17:27.990] – Dr.med. Ursula Davatz
ADsler, die werden nicht aggressiv, die flüchten eher nach innen. Die gehen in eine mentale
Hyperaktivität hinein.

[00:17:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können ausweichen, wenn es nicht interessant ist, hängen dann ihren Gedanken nach.

[00:17:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann es dann Schriftsteller daraus gehen. Sie erfinden Geschichten.

[00:17:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Klientin, die ist sicherer ADS und die erfindet sich ständig Geschichten.

[00:18:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie im Tram ist, überall erfindet sie Geschichten. Das beruhigt sie.

[00:18:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wenn man sich Geschichten erfindet, wenn man dem Lehrer zuhören sollte, dann ist es natürlich
nicht so gut, dann hat man Probleme.

[00:18:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Geschichten negativ sind, also wenn die Menschen, wenn die ADSler schon viele negative
Erfahrungen gemacht haben, dann gehen sie negativen Geschichten nach.

[00:18:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das passiert, dort ist das passiert, ich kann es sicher wieder nicht. Die werden mich wieder
ablehnen, die werden mich blöd finden, weiss ich nicht was.

[00:18:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen sich dann eigentlich ihre eigenen Misserfolge.

[00:18:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dreht dann im Hirn. Das ist das Hamsterrad im Kopf.

[00:18:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen sie fast nicht heraus.

[00:19:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die denken ja, das ist das und ich antworte das und Schluss.

[00:19:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, die müssen viel mehr durchdenken, alles abchecken, ist es das oder das oder das? Nein,
nicht und hin und her und darum brauchen sie länger.

[00:19:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fragt man dann oft in der Schule, Nachteilsausgleich.

[00:19:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen länger, sie tun an allem länger rumstudieren.

[00:19:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen auch eher Zeit um sich zu orientieren.

[00:19:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn solche Kinder dann zum Kindertherapeut zu den Türen reinkommen, dann gehen die nicht hinein.

[00:19:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen zuerst schauen, was ist da, ist es nicht gefährlich?

[00:19:53.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen alles abchecken, wie ein Hund, der geht riechen.

[00:19:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler schauen mit den Augen.

[00:19:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zwingt zum Guten Tag sagen oder die Hand geben, nein, das geht nicht. Das geht gar
nicht.

[00:20:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen sich zuerst sich orientieren und schauen und erst wenn sie sich ein Mindmap gemacht
haben, erst dann können sie darauf zugehen.

[00:20:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle werden die ADSler häufig überfahren.

[00:20:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Da findet man, also jetzt hast du es ja gesehen, jetzt gehen wir hinein und dann kann man denen auch
wieder Schaden zufügen.

[00:20:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Extremfall von ADSler ist dann der Autismus und da machen die Psychiater auch wieder eine extra
Diagnose.

[00:20:39.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man Asperger gesagt und heute sagt man Autismus Spektrum Krankheit.

[00:20:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache einen Bezug zum ADS.

[00:20:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, die wo dann autistisch diagnostiziert werden, die haben oft noch gewisse Lernstörungen, also
Wahrnehmungsstörungen.

[00:21:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Grunde genommen sind es aus meiner Sicht ADSler.

[00:21:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler flüchten eher nach innen, Flucht nach innen und wenn sie schon viele negative Erfahrungen
gemacht haben, dann hirnen sie, aber sagen nichts mehr davon.

[00:21:27.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Wort Autismus hat man eigentlich in der Psychiatrie bei den Schizophrenen verwendet. Das heisst,
das ist jemand, der sich stark zurückzieht, absolut wach ist, alles wahrnimmt, aber nicht mehr
kommuniziert.

[00:21:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht mehr kommunizieren ist natürlich schwierig für das Umfeld. Da wird man überfordert. Wir sind
gewohnt, dass ein Mensch reagiert. Wir sind ein soziales Wesen und da müssen wir immer ein bisschen
hören, was der andere denkt und wo er ist.

[00:21:59.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nicht kommuniziert wird, da hat es auch einen Film gegeben, der sogar in Königsfelden gedreht
worden ist, zum Teil, dass dann das Gegenüber, also Pfleger sind sadistisch geworden mit diesen nicht
kommunizierenden Menschen.

[00:22:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist der ADHSler eher akzeptiert, der macht gerade etwas, das ist der Unternehmer.

[00:22:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Unternehmern findet man viele ADHSler, bei den Ärzten findet man, bei Wissenschaftler.

[00:22:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt zum Beispiel vom Albert Einstein, dass er ein ADHSler gewesen ist. Der Elon Musk ist sicher
ein ADS.

[00:22:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind durch alle Schulen durch kommt, dann kann man dann auch Hochleistungen
erbringen, wenn man die Begabung hat.

[00:22:59.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Michael Phelps ist eher der ADHSler, wo dann sportlich sehr gut gewesen ist, also der Schwimmer.

[00:23:06.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Roger Federer, da sagt man auch, dass er ein ADHSler ist.

[00:23:10.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist hyperaktiv gewesen auf dem Tennisplatz, hat alle möglichen Dummheiten gemacht, seine Eltern
konnte mit ihm umgehen.

[00:23:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Richard Branson hat Virgin Airline und Virgin Cola gemacht. Jetzt fliegt er in das Weltall raus, ist auch
ein ADHSler.

[00:23:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist aus jeder Schule rausgeflogen, aber seine Eltern haben ihm nie die Unterstützung entzogen.

[00:23:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Erziehung funktioniert leider immer noch häufig wie folgt: wenn du das machst, wie ich es will,
wirst du belohnt, wenn du es nicht so machst, wirst du bestraft.

[00:23:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Schulen ich habe gedacht, die sind wahnsinnig gut, darum bin ich aus Amerika
zurückgekommen.

[00:23:54.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Schulen funktionieren nur mit Belohnung und Bestrafung und das funktioniert bei den
ADHSler nicht.

[00:24:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie intrinsisch motivieren können. Man muss sie zur Kooperation bringen und nicht zum
Gehorsam.

[00:24:13.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim intrinsisch motivieren, will man etwas von einem Kind, man kann ja nicht alles immer durchgehen
lassen, muss man eigentlich immer mit ihnen zusammen einen Vertrag machen.

[00:24:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander eine Problemlösung suchen und nicht die Problemlösung dem ADHS-Kind schon servieren.

[00:24:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es nicht beteiligt, dann ist es nicht intrinsisch motiviert und dann funktioniert es nicht.

[00:24:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS und ADS kann kombiniert sein mit Lernstörungen. Früher hat man gesagt Legasthenie, heute
sagt man glaube ich Lese- und Rechtschreibestörung, stimmt das? LRS und Dyskalkulie, also dass sie in
der Verarbeitung Probleme haben.

[00:25:16.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr Gehirn verarbeitet zum Teil ein bisschen anders und zum Teil nicht so schnell.

[00:25:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann auch in der Verarbeitungsgeschwindigkeit verlangsamt sein, aber häufig, weil sie
innerlich so viel durchdenken.

[00:25:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht ja nicht in das Gehirn und weiss nicht alle Abgänge, die es im Gehirn hat.

[00:25:38.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Verarbeitungsgeschwindigkeit können sie reduziert sein.

[00:25:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleineren Kinder haben oft nicht so ein gutes serielles Gedächtnis, darum darf man ihnen nicht
mehrere Aufgaben gleichzeitig geben.

[00:25:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt machst du das und dann das und dann das und das und das. Dann ist schon alles wieder
hinausgeschoben. Dann wissen sie nichts mehr.

[00:25:59.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wissen sie vielleicht noch das letzte, aber weil sie denken, ich sollte eigentlich zuerst das erste
machen, dann geht gar nichts.

[00:26:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben oft ein schlechtes serielles Gedächtnis.

[00:26:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben auch ein sehr gutes. Es gibt ganz unterschiedliche Kombinationen.

[00:26:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine andere Verarbeitung. Die ADSler haben eine kompliziertere Verarbeitung, weil sie alles
abchecken müssen.

[00:26:26.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler haben eher die ungenaue Verarbeitung, ich sehe etwas, dann ist es das.

[00:26:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nehmen sofort den kurzen Weg.

[00:26:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir auch bis zu einem gewissen Grad, aber die haben es dann ein bisschen extremer.

[00:26:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn funktioniert so, dass wenn wir schon mal etwas erlebt haben und dann tritt etwas auf, was
ähnlich ist, dann tun wir sofort denken, das ist wahrscheinlich das.

[00:26:49.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Optimierung vom Gehirn.

[00:26:51.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch das kann es dann schneller schalten.

[00:26:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch hypersensibel sein, in Bezug auf den Tastsinn. Sie ertragen keine Wolle, weil die beisst.

[00:27:00.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In Bezug auf den Geschmack können sie sagen: Nein, das esse ich nicht.

[00:27:15.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen ADHS Jungen, der hat nur Teigwaren gegessen, ein bisschen Salat mit der Sauce von der
Mutter. Auf den Teigwaren durfte nur Butter sein und sonst nichts mehr.

[00:27:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine sehr einseitige Ernährung. Da haben die Mütter natürlich Angst, das Kind kann ja nicht
gesund sein so.

[00:27:37.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Untersuchung zur einseitigen Ernährung von Kindern, z.B. nur Pasta und sie haben alle
keine Defizite gehabt.

[00:27:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sie es gemacht haben, weiss ich nicht, aber es hat mich auf jeden Fall ein bisschen beruhigt.

[00:27:55.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Auditiv können sie eine Diskriminierungsschwierigkeit haben, dass sie nicht Reize unterdrücken können.
Wenn der Lehrer etwas erzählt und draussen pfeift etwas auf der Gasse, dann hören sie alles, dann
werden sie abgelenkt.

[00:28:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die Reizoffenheit, sagt man dem auch.

[00:28:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das sind so Gedanken zum ADHS. Jetzt können sie mir Fragen stellen.

[00:28:33.750] – Bemerkung 1
Das Kontinuum, was sie erwähnt haben, verstehe ich das richtig: frühkindlicher Autismus, Asperger, ADS,
ADHS?

[00:28:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das sind zwei Richtungen.

[00:28:52.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kontinuum wäre, ich sage das ADS, das ist genetisch vererbt 70% bis 80%, sogar 95%. Nur 5% von
den Erwachsenen, bei denen ADHS diagnostiziert wird, haben nicht noch eine andere Störung.

[00:29:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kontinuum ist ADS und das kann Richtung Autismus gehen. Das ist dann extrem.

[00:29:20.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen treten mehr Depressionen auf, weil die Frauen sich immer anpassen.

[00:29:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Serialität läuft nicht von Krankheit zu Krankheit.

[00:29:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werden eher depressiv. Männer, die ADHS haben, landen im Gefängnis.

[00:29:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden eher delinquent. Der Brian Keller, welcher überall rumgeschmiert worden ist in den
Zeitungen, der ist ganz sicher ein ADHS.

[00:29:55.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS, Autismus, Asperger, das tun ich in einen Korb.

[00:30:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS mit dem H in eine andere Richtung.

[00:30:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Krankheiten daraus macht und ich sage das sind Folgekrankheiten.

[00:30:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie sagt Komorbidität, die reden dann immer von Komorbidität.

[00:30:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein, es ist der Neurotyp, der zu dem und zu dem führen kann.

[00:30:30.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Genome Wide Association Studies (GWAS). Da haben sie fünf Psychiatrische Diagnose
genetisch untersucht. Sie haben bei allen fünf den gleichen Gen-Lokus gefunden, der verändert ist. Nicht
hundertprozentig überlappend, aber sehr stark gleich.

[00:31:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind die Krankheiten gewesen?

[00:31:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
1. Die Schizophrenie, mein Kerngebiet

[00:31:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
2. Manisch-depressiv, das eigentlich früher bei der Psychose, also bei der Schizophrenie eingeordnet
wurde.

[00:31:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
3. Es ist die schwere Depression gewesen. Das sind Frauen, die das machen. Männer können es auch
machen.

[00:31:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHSler immer Contre-Coeur an ihr Umfeld anpassen, wie man das von ihnen verlangt, Mann
oder Frau – Frauen machen es öfters – dann werden sie im mittleren Alter depressiv, weil sie sich selber
total ausbeuten.

[00:31:39.510] – Dr.med. Ursula Davatz
4. Der Autismus ist dort auch dabei gewesen.

[00:31:44.010] – Dr.med. Ursula Davatz
5. Schlussendlich auch noch ADHS.

[00:31:46.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann gesagt ja klar, es ist das ADHS, welches die Grundstruktur liefert, also die genetische
Grundstruktur.

[00:31:54.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen Krankheiten entwickeln sich daraus.

[00:31:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte jetzt noch Essstörungen dazutun.

[00:32:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen mit ADHS machen eher Essstörungen.

[00:32:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer, also Knaben und Mädchen, beide gehen in die Drogen, das ist unterdessen auch bekannt.

[00:32:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat viel, die sich selbst medikalisieren mit Drogen, sie behandeln sich mit Drogen.

[00:32:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt mit Haschisch, womit sie sich beruhigen. Sie brauchen das am Abend als Schlafmittel und
damit ihnen alles ein bisschen egal ist.

[00:32:26.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind eigentlich alles Folgekrankheiten.

[00:32:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte es natürlich.

[00:32:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Hans Asperger, das Wort Asperger wird heute nicht mehr verwendet.

[00:32:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verwendet bei den Fachleuten eher Autismus-Spektrum-Krankheit. Dann sagt man dann partieller
Autismus und weiss ich nicht was alles.

[00:32:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Kinder, die eher scheu sind, hochsensibel und mit Rückzug reagieren.

[00:33:19.160] – Bemerkung 2
Gibt es auch eine Art Mischform von ADHS und ADS?

[00:33:20.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Vizepräsidentin bei ADHS20+.

[00:33:27.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Am 2.12.2023 haben wir wieder einen Anlass im Zentrum Karl der Grosse.

[00:33:27.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es viele Erwachsene mit ADHS.

[00:33:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewissen sagen dann auch: als Kind bin ich ADHS gewesen und als Erwachsene bin ich dann ins
andere rüber gerutscht oder umgekehrt.

[00:33:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ADS gewesen, ich habe mich nicht getraut, schüchtern, nichts und jetzt auf einmal reden sie wie
ein Wasserfall ohne Punkt und ohne Komma.

[00:34:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen die Leute dann jeweils selber: ich habe gewechselt.

[00:34:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt nicht nur von den Genen und dem Menschen ab, sondern von seinem Umfeld.

[00:34:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann einen ADHSler, wenn man den ständig kritisiert, stört, weiss ich nicht was, dann kann er
schlussendlich in den Autismus hinein gehen.

[00:34:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Schizophrenie ist das so, wenn sie autistisch werden.

[00:34:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann wechseln.

[00:34:29.840] – Bemerkung 2
Es ist ausschliesslich die Umwelt, die das beeinflusst?

[00:34:32.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Umwelt spielt eine sehr grosse Rolle.

[00:34:42.770] – Bemerkung 2
Es ist kein bewusster Akt vom Betroffenen selber?

[00:34:45.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, es passiert.

[00:34:48.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADSler unterstützt wird um mehr aus sich herauszukommen, Rückenstütze erhält, dann kann
es schon sein, dass er lernt anders mit sich umzugehen.

[00:35:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens ist es mit Unterstützung.

[00:35:09.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Woody Allen, es gibt einen Film von ihm. Der ist an sich schüchtern gewesen. Er konnte aber Teasing
machen, Witze machen.

[00:35:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat dann seine Familie gemerkt und in dem Film wird gezeigt, wie er quasi durch die Familie auf
Bühne gestossen wird.

[00:35:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Den hat man dann gestossen um sich vermarkten.

[00:35:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat er gemacht. Er hat dann auch seine Neurose oder was auch immer vermarket.

[00:35:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
So könnte es auch passieren. Ich habe mal von einem Jazzmusiker oder Sänger, habe ich eine Sendung
gehört am Radio und der ist auch sehr schüchtern gewesen.

[00:36:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat der eines Tages, das hat er sich selber auferlegt, ist der nackt auf die Bühne gegangen, mit 20
Jahren. Er musste das Publikum und sich so schockieren um seine Schüchternheit zu überwinden.

[00:36:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat das gemacht und dann ist er ein Sänger geworden.

[00:36:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Charly Chaplin sagt man es auch. Der hatte arme Eltern, die hatten so eine Schaubude, sind
umhergezogen. Das hat nicht mehr recht funktioniert. Der Vater oder die Mutter konnten die Shows nicht
mehr so gut.

[00:36:33.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er als Kind seinen Eltern geholfen und gesagt, ok ich mache das. Aus der Not hat er sich
gewagt und dann hat er das überwunden.

[00:36:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Film Limelight, glaub ich, da macht er ja auch irgendwelche lustigen Tricks und am Schluss fällt er in
seine eigene Trommel rein und kommt nicht mehr raus. Das Volk lacht, weil es meint, der macht nur
Theater dabei ist er gefangen.

[00:37:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob er noch den Rücken verletzt hat oder was. Ich habe den Film vor vielen Jahren
gesehen. Da hat er eigentlich seine Situation gespielt auf der Bühne.

[00:37:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass er eigentlich viel schüchterner ist, als er sich darstellt. In der Komik gibt es solche.

[00:37:47.630] – Bemerkung 3

Sie haben vorhin manisch-depressiv angesprochen. Wäre das nicht ein ständiger Wechsel zwischen ADS
und ADHS?

[00:37:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten psychischen Krankheiten treten zum ersten Mal in der Pubertät auf.

[00:38:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
50% in der Pubertät, 75% so bis 24 Jahre. Alles im jungen Alter.

[00:38:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler, Männer und Frauen, aber häufig auch Frauen, aber ja, beides, ich habe nicht von allem eine
Statistik, sind oft Menschen, die zu strikt, zu eng erzogen worden sind, die sich immer zurückbinden
mussten, damit sie der Situation entsprechen, damit sie ihre Eltern befriedigen.

[00:38:46.170] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät mit den Hormon-Schüben machen sie sich dann auf einmal Platz und sprengen alle
Fesseln und werden dann manisch.

[00:38:57.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der manischen Phase sind sie dann unvorsichtig, kaufen viel ein, benehmen sich blöd.

[00:39:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine gehabt, die hat dann auf den Tischen getanzt.

[00:39:05.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland kann man das, aber bei uns nicht.

[00:39:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlafen dann auch nicht mehr, die beuten sich dann selber aus, schlafen dann weniger als vier
Stunden und am Schluss brechen sie zusammen und dann sehen sie alles, was sie schlecht gemacht
haben.

[00:39:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann werden sie depressiv und dann hat man die Bipolare Störung.

[00:39:29.580] – Bemerkung 3
Das Depressive ist dann mehr gegen innen, das ADS.

[00:39:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut richtig. Ja, das stimmt.

[00:39:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In der depressiven Phase werden sie dann ADS gehen nur noch nach innen, tun nur noch studieren.

[00:39:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der manischen Phase sind sie ADHS.

[00:39:54.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben recht. Ja, das stimmt.

[00:39:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist das gleiche Gehirn.

[00:40:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird alles, was über die Grenzen hinausgeht, runtergedämpft.

[00:40:09.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie manisch sind, gibt man ihnen dämpfende Neuroleptika.

[00:40:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie depressiv sind, gibt man wieder Antidepressiva.

[00:40:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man korrigiert die Emotionen chemisch.

[00:40:25.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben weiterer gedacht.

[00:40:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Genstudie sind sie zusammen vorgekommen.

[00:40:37.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten der ADHSler und das Verhalten der manischen vergleicht, dann ist der ADHSler
so wie eine leichte Manie. Noch nicht so übertrieben. Man kann sehr wohl vergleichen.

[00:41:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue dann in der Familie. Ich frage, wie ist der Grossvater gewesen, wie ist der Vater gewesen, ich
schaue nach Temperament. Der ADHSler, den finde ich immer als jähzornig oder impulsiv.

[00:41:17.950] – Bemerkung 3
Die Eltern vom ADHSler?

[00:41:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage dann, wie ist der Typ, wie ist ihr Grossvater gewesen? Was ist ihr Vater für ein emotionaler Typ
gewesen? Dann sagen sie jähzorning, er wurde wütend. Er hat nichts ausgehalten. So sieht man die
Eigenschaften.

[00:41:44.370] – Bemerkung 4
Ich bin jetzt doch ein bisschen irritiert, weil das so ein bisschen nicht dem entspricht, was ich eigentlich zu
Autismus im Kopf habe, dass sich Autismus durch ADHS kann entwickeln. Ich dachte immer es sei etwas,
das angeboren ist, und nicht irgendwie durch ein Umfeld oder Erziehung kommen kann. Das wäre dann
irgendwie auch so eine Schuldzuweisung an das Umfeld.

[00:42:09.710] – Bemerkung 4
Die Hinweise für Autismus treten ja bereits bei Babys und Kleinkindern auf.

[00:42:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
80%, 90% ein hoher Prozentsatz ist genetisch.

[00:42:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schizophrenieforschung hat man immer gekämpft: Nature vs Nurture.

[00:42:45.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist es die Natur, ist es genetisch oder ist das Umfeld?

[00:42:53.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss sagen, es ist beides, es ist immer beides.

[00:42:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die genetische Veranlagung, also die Kinder sind zum Teil schwieriger.

[00:43:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind häufig Schreikinder.

[00:43:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind auch ganz einfache Kinder.

[00:43:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können Schreikinder sein, das ist, wenn man irgendwie nicht recht mit ihnen eingestiegen ist. Sie
haben da so eine feine Reizempfindlichkeit.

[00:43:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eigentlich immer beides. Ich will keine Schuldzuweisung machen.

[00:43:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfach die Interaktion. Das Kind ist schwieriger. Es brauchen auch die Eltern Unterstützung, dass
sie lernen mit dem Kind umzugehen.

[00:43:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Mütter, die das sofort erlickt haben, wie es geht. Andere, die sich sofort schuldig fühlen, dass es
jetzt nicht gut läuft mit dem Kind.

[00:43:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochsensible Mütter und ein hochsensibles Kind, die steigern sich dann hoch.

[00:43:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange Mütterberaterinnen supervidiert. Die haben dann das Kind in das Spital hospitalisiert, nur
aus sozialen Gründen, nicht weil das Kind krank ist, damit sich die Mutter erholen konnte und damit das
Kind ein bisschen rhythmisiert werden konnte und dann hat man es wieder zurückgegeben.

[00:44:16.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ja Familientherapeutin und in der Schizophrenie hat man dann gesagt, es ist die
schizophrenogene Mutter. Das stimmt natürlich nicht. Es ist immer auch etwas beim Kind.

[00:44:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Interaktion schlecht ist, dann kommt es schlecht raus für beide.

[00:44:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich artgerecht, persönlichkeitsgerecht.

[00:44:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Beispiel in einer Familie, wo sicher ADHS-Gene laufen, ist ein Sohn extrovertiert und macht
alles mögliche und der andere ist introvertiert und wird schizophren.

[00:44:57.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht die Mutter sein, es kann auch ein Geschwister sein, welches den Introvertierten zu viel
stört.

[00:45:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern das nicht merken, dann können sie den Ausgleich nicht schaffen. Es können viele
Erziehungsfehler passieren.

[00:45:15.600] – Bemerkung 5
Was mir immer sehr schwer fällt bei Kinder mit Lese-Rechtschreibe-Störung (LRS), so ein bisschen die
Abgrenzung zum ADHS.

[00:45:31.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt häufig kombiniert vor. Man hat ein ADHS plus die Rechtschreibestörung.

[00:45:40.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHSler, der Richard Branson hat eine schwere Legasthenie gehabt.

[00:45:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der redet in der Öffentlichkeit nur von seiner Legasthenie.

[00:45:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist sicher ein ADHS Kind.

[00:45:50.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist kombiniert, es kommt sehr häufig kombiniert vor. Sie müssen es gar nicht abgrenzen.

[00:45:59.620] – Bemerkung 5
Ich habe jetzt zwei mal Kinder gehabt, welche medikamentös behandelt wurden und die haben nachher
so gut geschrieben und ich habe gedacht oh, das ist gar kein LRS vorhanden. Auch von der Grobmotorik
her, war ich ein paar Mal unsicher, ob ich das Kind abklären soll oder nicht.

[00:46:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Die emotionale Kondition vom Kind und die Rechtschreibestörung, die emotionale Kondition vom
hyperaktiven ADHS-Kind, das hat dann nicht Geduld, das zu lernen.

[00:46:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind dann die Fokussierung gibt mit dem Medikament, dann hat es auf einmal die
Geduld, dann kann es sich konzentrieren und dann kann es lernen oder vielleicht konnte es schon.

[00:46:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler schludern dann einfach drauf los. Ist mir egal. Ich schreibe gerade wie es mir in den Sinn
kommt.

[00:46:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man ja noch genau gelernt Schreiben. Ich weiss nicht wie es in Zürich ist.

[00:47:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt lässt man die Kinder einfach Lautschrift schreiben und irgendwann wechselt man auf die
Rechtschrift.

[00:47:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich nicht so gut, weil man sich dann das Bild nicht merkt.

[00:47:17.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob diese Schüler, welche dann Ritalin bekommen haben, ob die in der ersten Klasse
einfach schreiben durften.

[00:47:28.500] – Bemerkung 6
Aber dann muss man es trotzdem ein bisschen abgrenzen. Also im Sinne von, dass wenn ein Kind jetzt
bei uns als Logopädin nicht wegen ADHS, sondern wegen LRS vorbeikommt. Wenn ein Kind angemeldet
wird wegen der LRS Problematik und wir wissen aber es hat auch noch eine ADHS Diagnose, dann
müssten wir auf eine Art schon eigentlich warten mit der LRS Diagnose. Hat er Mühe mit Lese- und
Reschtschreibung, weil er gehemmt wird durch das ADHS? Oder ist es eine LRS die mit der ADHS
Komorbidität auftritt?

[00:48:24.730] – Bemerkung 7
Es muss nicht sein. Ein Monat später hat er geschrieben und ich dachte, es kann keine LRS sein.

[00:48:30.050] – Bemerkung 6

Wenn diese beiden Sachen sind, dann müssen wir zuerst schauen kann man das ADHS sozusagen, ein
bisschen behandeln und dann erst Logopädisch noch mal schauen ist überhaupt eine LRS da oder ist es
diese fehlende Behandlung gewesen vom ADHS?

[00:48:50.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig zu sagen. Das Hirn ist ja so interaktiv und wenn man auf der einen Seite etwas macht,
dann geschieht auf der anderen Seite auch etwas.

[00:49:00.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann schon sein, es ist ein ADHS Kind, das eine leichte LRS hat.

[00:49:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt was das Kind?

[00:49:08.270] – Bemerkung 7
Das Kind war in der sechsten Klasse.

[00:49:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
LRS kann sich auswachsen. Durch das, dass der Bub sich dann besser konzentrieren konnte, sich
besser kontrollieren hat er es auf einmal gekonnt.

[00:49:43.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wusste es eigentlich, hat sich aber die Mühe nicht genommen.

[00:49:49.320] – Bemerkung 8
Ich habe das gleiche bei einem 6. Klässler auch erlebt. Ich finde, wenn sie sehr schwach sind, dann
brauchen sie trotzdem die Unterstützung.

[00:50:01.070] – Bemerkung 8
Zum Teil weigern sich die Eltern das ADHS oder ADS anzuschauen, dann finde ich es dann schwierig. Ich
kann dann auch nicht ewig eine Verdachtsdiagnose behalten. Gibt es dazu Literatur oder so?

[00:50:17.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wüsste ich nicht. Nein, sie bringen das mehr zum ersten Mal. Ich finde es sehr interessant natürlich.

[00:50:22.960] – Bemerkung 9
Ich habe ganz wenige Kinder wo ich das Gefühl habe, die haben nur LRS, wo nicht die Lehrperson einen
Verdacht auf ADS oder ADHS äussert.

[00:50:35.840] – Bemerkung 10
Die können es dann oft auch kompensieren mit vielen anderen Fähigkeiten.

[00:50:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist überlappend. Es gibt sicher schwere LRS, welche mit Ritalin dann nicht weggehen.

[00:50:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Hirn da irgendwie falsch schaltet, dann macht es das einfach nicht. Wenn es nur eine leichte
Schwäche ist und wenn er sich halt nicht konzentriert, dann kann er die Schwäche nicht korrigieren.

[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er dann Ritalin bekommt, auf einmal kann er es.

[00:51:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, die Ritalin bekommen, die sagen auf einmal habe ich alles genau gesehen und mich viel
besser konzentrieren können.

[00:51:19.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Wunder wirken, das stimmt schon.

[00:51:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hält dann nicht immer genau gleich hin. Das ist sehr interessant.

[00:51:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das Kind hatte nur eine leichte LRS. Er hat nicht geübt.

[00:51:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Schreiben lernen, muss man üben, üben, üben.

[00:51:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss üben. Der hat die Geduld nicht gehabt. Mit dem Ritalin hat er dann die Geduld. Irgendwo hat
er das Programm doch schon drinnen gehabt.

[00:51:44.690] – Bemerkung 11
Als Konsequenz wäre ja dann eigentlich so, dass wir als Logopädinnen, wenn die ADHS Problematik
nicht angenommen wird, dass wir als Therapeutinnen gar nicht so viel ausrichten können.

[00:51:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Logopädinnen müssen dann sagen, dass man hinter dem LRS auch noch nach einem ADHS, ADS
suchen muss, also abklären lassen.

[00:52:05.950] – Bemerkung 11
Viele Eltern sagen, dass sie sich weigern das zu tun.

[00:52:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern weigern sich, weil sie denken, dass ADHS eine Krankheit ist.

[00:52:12.440] – Bemerkung 11
Wir können die Eltern eigentlich nicht zwingen, weil die müssten ja dann das bei Psychologen oder
Psychiater abklären lassen. Wir sind aber in der Schule. Wir sind sozusagen ein Service der Schule. Die
Eltern setzen dann voraus, dass das Kind in die Logopädie kann.

[00:52:33.660] – Bemerkung 11
Wir müssen dann sagen, ja wir können ein bisschen arbeiten, aber wenn die ADHS, ADS Problematik
nicht angeschaut wird, dann machen wir eine Pause. Dann nehmen wir ein anderes Kind, weil mehr als
das können wir gar nicht machen.

[00:52:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde sagen, funktioniert als Link, die Mütter sind oft schon auch noch interessiert.

[00:53:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fall ist super. Ich habe das schon erlebt und ich würde vorschlagen, dass sie mal noch das Kind auf
ADHS abklären lassen.

[00:53:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagst Du: es ist keine Krankheit, es ist einfach ein gewisser Hirntyp und wenn wir den noch ein
bisschen unterstützen, dann kann das vielleicht helfen.

[00:53:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beispiel ist super. Das Beispiel würde ich verwenden.

[00:53:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst sind sie da auf steinigem Boden sie kämpfen sich ab und ja es geht nicht weiter.

[00:53:42.930] – Bemerkung 12
Sehr viele Eltern wollen in der Abklärung nicht weitergehen, weil eine medikamentöse Behandlung
absolut nicht in Frage kommt. Das muss man respektieren. Könnte man für die Eltern ein Coaching
anbieten? Nicht nur ein einmaliges Auswertungsgespräch. Könnten die Eltern und Lehrer dann beraten
werden, wie man mit ADHS und ADS umgehen muss?

[00:54:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider gibt es nicht so viele Berater für Eltern von Kindern. Man greift immer gleich zu den
Medikamenten.

[00:54:19.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, man könnte den Eltern sagen, ich würde das mal abklären lassen, denn ich habe schon den Fall
gehabt, also den Fall kann man verwenden

[00:54:31.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kommt man dann ein bisschen weiter.

[00:54:34.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können die Eltern zu einem ADHS Coach gehen. Man muss ein bisschen suchen gehen.

[00:54:41.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe selber eine Angehörigen Gruppe, eine Weiterbildungsgruppe für Eltern von ADHS Kinder.

[00:54:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen ich natürlich schnell, was die alles für Fehler machen und sagen Nein, das nicht, das nicht,
das nicht.

[00:54:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Eltern jetzt in der Beratung, die ADHS Kinder haben, die keine Medikamente haben.

[00:55:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben sie zum Teil bekommen von einem Kinder-Psychiater.

[00:55:06.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Eltern kommunizieren, dass es keine Krankheit ist.

[00:55:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfach ein Neurotyp, der gewisse Schwierigkeiten hat unter gewissen Umständen.

[00:55:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man es besser weiss, kann man vielleicht besser damit umgehen.

[00:55:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, also früher hat man gesagt, ADHS wächst sich aus mit 20, 24 Jahren.

[00:55:31.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man ADHS im Erwachsenenalter.

[00:55:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Letztens habe ich eine Frau gehabt mit 80 Jahren, die sich dann diagnostiziert hat anhand von meinem
Vortrag.

[00:55:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute tun sich auch viele selber diagnostizieren.

[00:55:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat jetzt ein paar Fragen erarbeitet um sich selber zu diagnostizieren.

[00:55:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS20+ die haben auch so ein bisschen einen Fragebogen.

[00:55:55.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind diagnostiziert wird, dann gehen sie dann auch untersuchen.

[00:56:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah ja klar ich habe es auch und denken schon vorher, dass sie es haben.

[00:56:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Also man muss es ein bisschen destigmatisieren.

[00:56:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für sie?

[00:56:15.330] – Bemerkung 13

Ich hatte das gleiche Problem, aber dort wollten die Eltern unbedingt die Diagnose ADHS. Es war dann
ein ADS.

[00:56:15.470] – Bemerkung 13
Ich war sehr erstaunt, dass plötzlich alles so gut läuft und dann sagen mir die Eltern: Ja mein Kind nimmt
jetzt Ritalin. Dort ist dann auch die Lese-Rechtschreibe-Störung verschwunden.

[00:56:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist aber interessant.

[00:56:50.970] – Bemerkung 13
ich frage mich trotzdem: dann finde ich, ist das grösste Problem, dass Coaching für Kinder oder auch
Gruppen und für die Eltern, das das fehlt.

[00:57:11.710] – Bemerkung 13
Das ist ein grosses Problem.

[00:57:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viel zu wenig Anlaufstellen zum Thema ADHS, ADS.

[00:57:15.220] – Bemerkung 13
Wie soll ich den Eltern empfehlen, sie sollen eine Abklärung machen zu ADHS/ADS, wenn dann das
einzige ist, was sie eigentlich machen können, um dem Kind zum Lernen zu helfen, Medikamente sind.

[00:57:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist das Problem.

[00:57:30.840] – Bemerkung 13
Sie haben vorher von uns als Weichenstellerinnen gesprochen.

[00:57:41.140] – Bemerkung 13
Das ist eigentlich meine Hauptfrage, auch mit jüngeren Kinder, also Kindergarten Kindern. Heute hatte
ich wieder ein Kind, das war "all over the place".

[00:58:04.800] – Bemerkung 13
Ich habe einfach gedacht okay, beide Kindergärtnerinnen sagen nichts.

[00:58:10.310] – Bemerkung 13
Die Psychomotoriktherapeutin, die sagt überhaupt nichts.

[00:58:17.300] – Bemerkung 13
Ich habe das Gefühl, ich mach mir langsam Sorgen um den Jungen. Ich muss in jetzt langsam abklären
lassen.

[00:58:20.990] – Bemerkung 13
Wenn die einzige Lösung ist, dass man nur Medikamente gegen ADHS/ADS geben kann, dann denke
ich…?

[00:58:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem ein Kind abgeklärt wird, werden ja verschiedene Hirnleistungen angeschaut: Gedächtnis,
Arbeitsspeicher und so weiter. In dem gut, in dem nicht so gut, also man lernt das Hirn ein bisschen
kennen.

[00:58:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann auch den Eltern sagen, da ist er gut, das kann er nicht so gut.

[00:58:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen dann nicht etwas verlangen von dem Kind, was er gar nicht gut kann.

[00:58:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hilft schon auch etwas, auch wenn man keine Medikamente gibt.

[00:59:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt, Beratung gibt es nicht so viele.

[00:59:07.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern lernen dann auch selber halt mit dem Kind umgehen.

[00:59:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jetzt eine, die ist jetzt auch zu mir in die Beratung kommt, die musste das Kind aus der Schule
rausnehmen und jetzt macht sie Home-Schooling und jetzt läuft alles wunderbar.

[00:59:24.420] – Bemerkung 14
Ich hatte jemanden im Waldkindergarten, das war super.

[00:59:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das "All-Over-The-Place" Kind, das muss in eine Waldschule.

[00:59:36.970] – Bemerkung 14
Er ist jetzt in der Montessori Privatschule und geht nächstes Jahr in die erste Klasse.

[00:59:40.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehen Sie es ein bisschen schwarz?

[00:59:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand von ihnen den Film "Bratsch – ein Dorf macht Schule" geschaut, mit Damian Gsponer? Es ist
super, wie der mit diesen Kindern arbeitet. Mit den aktiven Kindern muss man etwas aktives machen.

[00:59:46.650] – Bemerkung 15
Das ist eine Erfahrung, welche ich auch mache, dass man in den Schulen nicht weiss wie man mit dem
ADHS/ADS umgehen soll. Man weiss nicht, was man mit diesen Kindern machen soll. Nicht nur die
Eltern, auch die Lehrer und Lehrerinnen.

[01:00:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben absolut recht

[01:00:18.030] – Bemerkung 15
Deshalb bin ich hierher gekommen, um zu hören, welche Tipps es gibt und wie sollen wir mit den ADHS/
ADS Kindern umgehen oder wie dürfen wir nicht mit diesen Kindern umgehen.

[01:00:26.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könnten dann die Lehrpersonen ein bisschen instruieren.

[01:00:34.310] – Bemerkung 15
Es braucht auch Weiterbildungen für die Eltern und Lehrpersonen.

[01:00:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich schon angeboten im Aargau als Weiterbildung für Lehrer.

[01:00:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mich offiziell angeboten habe, bin ich immer abgewimmelt worden.

[01:00:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben das nicht gebraucht.

[01:00:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich gefragt worden bin, dann ist es gegangen.

[01:01:02.580] – Bemerkung 15
Was sind die konkreten Tipps im Umgang mit ADHS/ADS?

[01:01:23.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man die ADHS-Kinder zu den Logopädinnen geschickt.

[01:01:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schickt man die LRS zu Logopädinnen.

[01:01:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Logopädinnen haben die Sprachformulierung gelernt, sind in der Kommunikation geschult aber nur in
dem wie das Kind kommunizieren muss oder sagen wir lernen muss.

[01:02:13.350] – Bemerkung 16
Es gibt die verschiedenen Bereiche: die Aussprache, es ist das Linguistische auf allen Ebenen, Syntax,
Grammatik. Wenn man etwas nicht versteht, wie fragt man nach. Die Sprachverwendung ist auch ein
Thema.

[01:02:39.010] – Bemerkung 16
Etwas haben sie ja schon gesagt: Anstatt zu sagen Nein, besser sagen was man will.

[01:02:43.252] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[01:02:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nie nein sagen.

[01:03:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nicht sagen Nein, das darfst du nicht so.

[01:03:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss das ADHS Kind sogar wertschätzen in dem, wie es die Sache macht, indem wie das ADHS
Kind es falsch macht und dann sagen: Aha, du hast das so gemacht.

[01:03:13.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre auch bei der Logik, bei der Handlung bei allem, zuerst wertschätzen, indem wie das ADHS
Kind es macht. Das ADHS Kind macht es immer anders.

[01:03:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann: Aha, du hast das so gemacht wegen dem und dem.

[01:03:26.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Schreiben wäre das auch.

[01:03:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil wir dorthin kommen wollen, will ich, dass Du es so machst.

[01:03:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es sehr konfliktreich ist, dann muss man sagen ich wollte aber das, wie können wir dorthin
kommen?

[01:03:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich letztens einen Fall gehabt, ein Kind musste einen Fragebogen ausfüllen. Das Kind hat dann
eine Frage gesehen, wo die Frage falsch formuliert war, es hat einen Fehler gesehen. Nach diesem
Fehler konnte es nicht mehr weitergehen.

[01:04:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat seine Lerntherapeutin, Schulbegleiterin, Schulassistentin hat gesagt, du kannst es selber
reinschreiben und dann kannst du weitermachen.

[01:04:21.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat nicht funktioniert, es hat nicht funktioniert.

[01:04:22.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulbegleiterin wollte das Kind zwingen weiterzumachen, am Schluss ist er verrückt geworden und
hat alles zerrissen.

[01:04:31.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Was man da hätte machen müssen: Aha, es stört dich, dass die Frage falsch formuliert wurde. Du gehst
von der Erwartung aus, dass die Lehrer keinen Fehler machen.

[01:04:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es sollte eigentlich so sein. Aber ab und zu gibt es Ausnahmen, keine Regeln ohne Ausnahmen.

[01:04:55.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie wollen wir jetzt weitermachen?

[01:04:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat nicht über die falschgeschriebene Frage hinweggehen können.

[01:05:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man sagen können, okay, dann mach es bis da und den Rest schneiden wir ab und das ist
dann fertig.

[01:05:09.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann immer kreative Lösungen finden.

[01:05:13.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wäre es ihm wieder gerecht gewesen.

[01:05:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, das man von den Autisten sagt, sie wollen es genau gleich, immer gleich.

[01:05:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache, da muss man ja ein bisschen zwanghaft sein, damit man überhaupt Rechtschreibung
lernt.

[01:05:30.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten, die sind dann noch genauer, die wollen alles immer gleich.

[01:05:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Persönlichkeitszüge, die man bei den Autisten findet.

[01:05:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht nein sagen, sondern das ADHS Kind Validieren, in dem wie es das Kind gemacht haben, also die
Fehler validieren und dann sagen wir wollen dorthin, wie kommen wir jetzt dorthin?

[01:06:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann eher gemeinsam, sodass das Kind dann umschalten kann.

[01:06:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler und ADSler, die haben oft auch Mühe mit Wechsel, also Schulwechsel, Raumwechsel,
Zeitwechsel, Lehrerwechsel.

[01:06:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wechsel sind schwierig

[01:06:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler, der ist einfach hinein gestürmt, aber der ADSler hat Mühe mit Wechsel.

[01:06:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen wir dann nicht zu viel Wechsel nacheinander haben.

[01:06:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHSlern muss man schauen, dass man eher wieder ein bisschen wechselt.

[01:06:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer, wie soll ich sagen, es muss immer die gleiche Aufgabe sein, eine Zeit lang.

[01:06:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf ihnen nicht langweilig werden und dort muss man dann wieder wechseln.

[01:06:52.490] – Bemerkung 17
Abwechslungsreich, aber dann am gleichen Thema.

[01:06:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, genau. Ein bisschen so.

[01:06:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler, ich komme immer wieder von der Tiersprache, man muss immer zuerst den Appell haben.

[01:07:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann keinen Befehl so durchs Zimmer rufen oder so anreden und das Kind ist dort hinten.

[01:07:29.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihre Aufmerksamkeit haben.

[01:07:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Hunde dressieren muss man den Appell vom Hund haben und dann gibt man die Botschaft oder
den Befehl.

[01:07:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss vom ADHS/ADS Kind die Aufmerksamkeit haben

[01:07:44.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sehen, ist das Kind da?

[01:07:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Appell, da muss man wirklich Kontakt aufnehmen.

[01:07:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht an den Augen, ob das Kind da ist oder ob es am träumen ist oder etwas ganz anderes studiert.

[01:07:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in der Therapie mit jemandem bin und ich sage irgendetwas und dann sehe ich, irgendwo
schweift der ab, dann frage ich: was denken Sie jetzt?

[01:08:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das Kind auch fragen Was denkst du jetzt?

[01:08:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Fragen: was denkst du jetzt?

[01:08:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler und ADSler sagen: jetzt bin ich gerade abgeschweift. Die Erwachsenen sagen einem das.

[01:08:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie nicht sicher sind, ob sie den Appell vom Kind haben, können sie fragen: Was geht dir durch den
Kopf? Was denkst du?

[01:08:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Autist ist, dann sagt er nichts, aber es stimmt nicht.

[01:08:50.660] – Bemerkung 18
Ich habe es auch schon erlebt, dass ich das gefragt habe und meine Frage ist gar nicht angekommen.

[01:08:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat die Frage nicht einmal gehört.

[01:08:57.000] – Bemerkung 18
Und dann?

[01:08:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schimpansen, Gorillas berühren einander mit einer Armlänge Abstand.

[01:09:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder haben nicht gerne Berührung. Dann geht es auch wieder nicht. Dann muss man vielleicht
ein bisschen warten.

[01:09:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man vielleicht irgendein Objekt dazwischen tun, welches das Kind dann nimmt und dann hat
man wieder eine Verbindung.

[01:09:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hand auf die Schulter ist eine Gestik, die man bei den Affen auch sehen kann.

[01:09:38.540] – Bemerkung 19
Ich habe dann einfach alleine begonnen zu spielen.

[01:09:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist eine sehr gute Idee. Das ist super. Genau. Genau das ist genau richtig. Dann macht man selber etwas
und dann kommt das Kind mit.

[01:09:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Das haben sie super gemacht. Genau richtig.

[01:09:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf dann nicht erstarren und man darf auch nicht an ihnen rummachen, dann machen sie immer
mehr zu.

[01:10:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist genau richtig.

[01:10:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Also in dem Sinn, man muss einen Appell haben und das nächste ist dann, man muss sie zur
Kooperation auffordern und nicht zum Gehorsam.

[01:10:22.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben sie gemacht. Handlungsmässig haben sie das Kind zur Kooperation aufgefordert.

[01:10:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben etwas gemacht und das Kind ist neugierig gewesen und hat auch etwas gemacht.

[01:10:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder schon älter sind, wenn man ein Problem hat mit einem Kind, dann das Problem
schildern. Wir haben jetzt das Problem, wie wollen wir das lösen?

[01:10:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich bei mir eine Familie habe mit Kinder, ich dann mehr Teenagern und manchmal auch kleinere,
dann sage ich: wir das Problem, wie wollen wir ran gehen?

[01:10:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie in Kooperation bringen.

[01:11:00.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Film "Bratsch – ein Dorf macht Schule", da gibt er den Kindern Aufgaben und sie müssen sie
miteinander lösen.

[01:11:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Untersuchungen, man hat den Kindern ein Spielzeug gegeben und gesagt so und so
funktioniert es. Dann hat es vielleicht 10 Minuten gespielt.

[01:11:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man das Spiel nur bis in die Hälfte erklärt und dann hat es 20 Minuten gespielt.

[01:11:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man gesagt, du kannst selber herausfinden, wie es geht, dann hat es eine halbe Stunde
gespielt.

[01:11:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben natürlicherweise einen Explorationstrieb und indem sie angefangen haben zu spielen, ist es
hinein gekommen.

[01:11:40.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas gesagt haben, hat es Angst gehabt und ist weit weggegangen.

[01:11:47.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre zur Kooperation bringen und nicht zum Gehorsamen.

[01:11:55.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert nicht.

[01:11:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Lernen, wenn man etwas von einem Kind will und man bläst es dem Kind den Hals runte, du musst
jetzt das machen, dann machen ADHS Kinder einfach nur Widerstand.

[01:12:14.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS Kinder bekommen vielleicht Angst, es blockiert alles.

[01:12:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist die Methode, dass man sagt, was man will, was wichtig ist und dann warten kann, also ein
bisschen zurückgehen.

[01:12:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Mütter habe, die etwas beim Kind durchbringen wollen, sage ich sie dürfen sagen, was sie
wollen.

[01:12:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen alle Kraft bei sich behalten und nicht aufs Kind Druck aufsetzen, denn dann macht es nur
mehr Widerstand.

[01:12:51.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sogar ein bisschen weggehen. Man darf nicht aus dem Haus gehen.

[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Hund macht keinen Platz mehr, wenn sie aus dem Haus gehen.

[01:13:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie üben einen Meter, zwei, drei, fünf Meter. Wenn sie den Hund gut erzogen haben, dann
kann er es auch auf Distanz. Aber sie dürfen nicht gerade daneben stehen.

[01:13:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie neben dem Kind stehen, wenn sie das Kind weiter gestossen hätte, damit das Kind etwas
macht, wäre gar nichts gegangen.

[01:13:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einfach etwas gemacht und es ist gekommen.

[01:13:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ein bisschen Distanz nehmen, man kann räumlich Distanz nehmen, man kann auch mental
Distanz nehmen, ein bisschen, aber nicht vergessen.

[01:13:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man daran glaubt, dass man es erreicht, dass man innerlich überzeugt ist.

[01:13:52.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir eine Mutter sagt, ja, das geht sowieso nicht, aber ich kann es ja mal probieren, dann sage ich,
dann probieren sie es besser gar nicht.

[01:14:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es einen misslungenen Versuch und das frustriert beide.

[01:14:00.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es frustriert den Therapeut und frustriert das Kind.

[01:14:14.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn etwas gar nicht geht, aber das haben sie wahrscheinlich alle besser gelernt als ich, ja vielleicht von
einer anderen Seite her versuchen das Kind zu erreichen.

[01:14:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dem Kind etwas beibringen wollen und auf diese Art und Weise geht es gar nicht, dann könnte
man von einer anderen Seite her kommen.

[01:14:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Logopädinnen. Ich habe eine Klassenkollegin gehabt, die war Französischlehrerin.

[01:14:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat ja so ein bisschen eine Melodie und die hat gesagt, sie tut mit ihren Kinder zuerst Musik
oder einfach die Melodie vom Französisch hören.

[01:14:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache haben wir ja zwei Sprach Hirne.

[01:15:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das eine ist das Hirn, welches hilft zu Formulieren vom Kehlkopf her also ja Sprachzentrum, das Broca-
Areal.

[01:15:09.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist wo das Konzept konzipiert wird, das Wernicke-Zentrum.

[01:15:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann vom Konzept her kommen bei der Sprache und man kann von der Melodie her kommen.

[01:15:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man ja vielleicht auf die andere Seite wechseln.

[01:15:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja Kinder, die stottern, die haben ja eine Störung in der Sprachformulierung. Singen können die
besser und dann sagt man auch sie sollen singen und dort können sie flüssig singen.

[01:15:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sich festfahren auf etwas, sondern kreativ sein und probieren von einer anderen Seite her
anzukommen.

[01:16:08.000] – Bemerkung 20
Es gibt viele Kinder, die sehr motiviert sind und das eigentlich schon machen wollen und trotzdem
schweifen sie halt die ganze Zeit ab.

[01:16:16.090] – Bemerkung 20
Diese Kinder kann man dann ermahnen aber es klappt irgendwie nicht. Haben sie hier einen Tipp?

[01:16:31.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hat man auch in der Schule jetzt Methoden, dass man mit Rhythmen dann etwas sagt.

[01:16:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder können nur aufpassen, wenn sie irgendetwas mit den Händen fummeln oder etwas
zeichnen.

[01:16:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss irgendetwas von dem, was sie machen, mit einbauen.

[01:16:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss dann auch regelmässig sein.

[01:16:58.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jonglieren kann man auch. Wenn man jongliert muss man links und rechts verwenden. Das bringt einem
wieder zur Konzentration, Mitteln, Fokussieren.

[01:17:13.900] – Dr.med. Ursula Davatz
All die Sprachprogramme, die sie auf dem Computer lernen, da balanciert man auch links/rechts besser
aus.

[01:17:27.880] – Bemerkung 20
Gewisse Sachen sind dann verbal und dann erzählt man von der Grossmutter und dann ist es der
Gummi. Das nächste ist dann irgendwie etwas zu trinken.

[01:17:35.780] – Bemerkung 20
Es sind ja dann so ganz verschiedene Sachen und ich will einfach, dass das Kind einmal sitzen bleibt, in
Ruhe. Ich übernehme dann den Stress von den Kindern.

[01:17:50.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Es darf dann nicht alles sein. Sie müssen es validieren. Ah ja, du musst dich stimulieren mit all dem
machen. Die stimulieren sich ja mit dieser Hyperaktivität.

[01:18:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert so, aber jetzt nehmen wir nur zwei Sachen.

[01:18:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie es dann einschränken auf zwei Sachen.

[01:18:13.040] – Bemerkung 20
Können Kinder das erfahrungsgemäß gut selber wählen, was sie wirklich brauchen als Stimulation?

[01:18:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll das verwenden, was die Kinder schon verwenden. Nicht zehn, nur zwei Dinge. Wenn sie dann
reduzieren können auf nur eine Sache ist auch gut. Vielleicht zwei, für jede Hand etwas.

[01:18:32.190] – Bemerkung 20
Irgendetwas was vielleicht gerade so in der Nähe ist. Ja, man muss erfinderisch werden.

[01:18:40.400] – Bemerkung 21
Da gibt es doch auch solche Gegenstände, mit denen man in der Hand spielen kann, also so ein Ring
zum Beispiel, der die Finger so massiert, den man so auf und abschieben kann oder dieser Easy-Ball.

[01:18:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Knetball oder irgendetwas, das man kann rumschieben kann.

[01:19:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt doch so Kraftübungen, also so eine Schere. Wenn man jeden Tag diese Übung macht, vermindert
es die Demenz.

[01:19:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik hilft beim Lernen.

[01:19:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind ja zum Teil so hypermotorisch und die müssen sich motorisch stimulieren um besser
lernen zu können.

[01:19:32.430] – Bemerkung 22
Bei uns in der Schule haben sie so schwere Dackelhunde. Die Kinder haben dann diese Dackelhunde auf
dem Schoss. Wenn die Kinder etwas machen müssen, dann dürfen sie die streicheln. Die haben dann
Namen und so.

[01:19:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit dem Schweren kann ich nur vom Leintuch oder Deckbett. Gewisse Leute brauchen das, um sich
sicher zu fühlen um Schlafen zu können.

[01:20:02.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe hochsensible ADHS Personen, die mit so einer Decke schlafen, dass man es auf den
Oberschenkel legt, das habe ich nicht gewusst, dass man so ein bisschen angebunden ist.

[01:20:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie irgendwo ein bisschen anbinden, damit sie dann das andere lernen können.

[01:20:37.960] – Bemerkung 23
Rechtschreibung zum Beispiel, oder Wanderdiktat oder solche Sachen. Wenn sie zum Beispiel zwischen
durch einen Purzelbaum machen.

[01:20:51.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Motorisch sich beschäftigen.

[01:20:53.600] – Bemerkung 23
Viel Bewegung einbauen.

[01:20:59.520] – Bemerkung 23
Bei einem Kind mit ADHS/ADS, hat das Kind gesagt er stoppt jetzt die Zeit bei einer Aufgabe die er
macht. Das hat ihn nicht nervös gemacht, das hat ihm geholfen. Ich fand das super, dass der Junge das
wollte. In dem er wie einen Stress gehabt hat, hat es geklappt. Für diese Zeit konnte er sich
konzentrieren. Drei Minuten und dann nochmals drei Minuten. Er wusste, dass ihm das hilft.

[01:21:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht wieder in die Richtung, dass man das Kind fragt, was willst Du machen, damit es dir hilft.

[01:21:54.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre mit einbeziehen in die Problemlösung.

[01:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man das ADHS Kind miteinbezieht in Problemlösung, sind sie intrinsisch motiviert und man lernt
sie auch besser kennen.

[01:22:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein anderes Kind, würde das überhaupt nicht ertragen aber für ihn ist das gut gewesen.

[01:22:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist bei jedem Kind wieder ein bisschen anders.

[01:22:20.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Kinder validieren.

[01:22:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind blockiert, nicht stossen wollen. Das ertragen sie überhaupt nicht.

[01:22:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man zuerst sich selber beruhigen und dann auf eine neue Idee kommen.

[01:22:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nie stossen wollen.

[01:22:54.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Bereich, das geht schon ein bisschen in das therapeutische rein, man darf sagen, was
man will, aber ohne Druck aufzusetzen.

[01:23:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie sagen, darf gar nicht in das emotionale Hirn hinein gehen. Das generiert sofort Abwehr.

[01:23:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es mitmacht, wenn es selber emotional ist, dann kann man mitmachen. ADHS Kinder können
andere auch gut begeistern und motivieren.

[01:23:26.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen guten Draht haben, je nach dem geht das auch.

[01:23:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Druck aufsetzen ist in der Regel nicht gut.

[01:23:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es selber sagt, dann ist das gut.

[01:23:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sanduhr.

[01:23:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für schwierige Lernsituationen haben sie noch?

[01:23:45.280] – Bemerkung 24
Wenn Kinder Verträge nicht einhalten mögen.

[01:23:49.330] – Bemerkung 24
Wenn ich das Gefühl habe ich habe einen guten Draht, es geht gut und wir auch abmachen können,
intrinsisch, was das Kind will.

[01:23:55.370] – Bemerkung 24
Ich strukturiere die Stunde gerne mit Symbolen. Das Kind auch auswählen lassen.

[01:24:11.160] – Bemerkung 24
Wenn dann zum Beispiel am Schluss der Stunde ein Durcheinander ist und ich darf dann aufräumen. Wie
gehe ich mit dem um? Soll es gar keine Konsequenzen geben? Wie mache ich das, wenn das Kind sich
mehrmals weigert aufzuräumen? Ich finde das für mich nicht mehr fair.

[01:24:38.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie werden ja auch viele Verträge gemacht. Bei ADHS Kinder funktionieren Verträge nicht.

[01:24:49.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen im Moment ja, ja, mache ich, aber es kommt dann ganz anders. Sie können es nicht einhalten,
sie werden dann von der Impulsivität gesteuert. Nein jetzt will ich einfach raus. Eigentlich kann man es
dann nur so machen, dass sie so und so lange spielen, dass noch so viel Zeit bleibt zum Aufräumen.

[01:25:12.290] – Bemerkung 24
Die können dann trotzdem rauslaufen. Ich kann die Kinder dann nicht zwingen aufzuräumen. Die Kinder
suchen den Kontakt sehr und spüren, dass für mich das Aufräumen nicht lustig ist. Das finde ich nicht
einfach. Am Schluss haben wir nicht viel gelernt und aufräumen darf ich auch noch selber.

[01:25:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie in einem Machtkampf dann.

[01:25:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon bei Erwachsenen so reagiert, als die Väter davon laufen wollten, habe ich gesagt, nein,
sie dürfen jetzt nicht weglaufen. Wir müssen das noch bearbeiten.

[01:26:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele habe ich dazu bringen können, dass sie geblieben sind. Einer ist mir auch mal davongelaufen,
mindestens habe ich signalisiert: "Nein, ich will das nicht".

[01:26:17.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Zeit so strukturieren, dass sie dann genügend Zeit zum Streiten haben.

[01:26:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vertrag hilft ihnen hier gar nicht. Sie müssen insistieren, dass sie zusammen aufräumen.

[01:26:55.900] – Bemerkung 24
Ich habe es dann so versucht: Wenn Du nicht aufräumst, brauchen wir nächstes Mal mehr Zeit zum
aufräumen und wir können weniger zusammen anschauen. So hat es nicht funktioniert.

[01:26:58.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das funktioniert gar nicht, das ist intellektuelles Vorgehen, das geht gar nicht.

[01:27:02.250] – Bemerkung 24
Wenn ich es anders betone, also wenn ich eine andere Stimme gehabt habe, wenn ich gesagt habe, uns
gelingt es quasi nicht, wir müssen es anders machen, wir müssen ein bisschen früher aufhören mit
Spielen. Dann hat es geklappt.

[01:27:20.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das meine ich. Sie müssen das nicht einmal sagen. Sie dürfen es auch sagen. Okay, nein, es klappt
nicht. Ich glaube, dann müssen wir es anders machen. Das ist absolut in Ordnung. Dann tun wir das
nächste Mal ein bisschen früher aufhören und dann sagen sie okay, jetzt haben wir gespielt und jetzt
müssen wir noch miteinander aufräumen.

[01:27:48.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz klar, dass das so ist.

[01:27:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann probiert er vielleicht davon zu rennen. Nein, jetzt wird aufgeräumt.

[01:27:59.780] – Bemerkung 24
Und sonst müssen wir halt schon vom Anfang der Stunde an mit dem Aufräumen beginnen.

[01:28:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, genau.

[01:28:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie ihn ja mal überraschen. Sie können alles durcheinander machen und sagen: „Heute tun
wir nur üben aufzuräumen".

[01:28:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen ein riesiges Durcheinander.

[01:28:17.680] – Bemerkung 24
Das macht dann auch Spass.

[01:28:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute läuft es ein bisschen anders ab. Heute tun wir einfach aufräumen miteinander. Ich habe dir hier ein
schönes Durcheinander gemacht.

[01:28:25.600] – Bemerkung 24
Das Kind tut mir leid. Es kann es einfach nicht.

[01:28:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen einen anderen Weg finden.

[01:28:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen seine Resistenz überwinden.

[01:28:38.010] – Bemerkung 25
Ist das ein Votum, dass Regeln bei diesen Kindern gar nicht funktionieren? Man soll gar nicht erst
versuchen Regeln einzuführen?

[01:28:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Regelmässigkeit, dass man immer zur gleichen Zeit da ist, dass man gewisse Sachen gleich macht.

[01:28:59.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder, die können viel leichter Regeln durchstossen. Darum sind sie auch erfinderisch, darum
können sie andere Sachen machen.

[01:29:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man ein bisschen mitmachen, dass man auch Regeln überschreiten kann.

[01:29:18.440] – Bemerkung 25
Gewisse Regeln und Struktur brauchen diese Kinder genau gleich wie alle anderen Kinder auch.

[01:29:24.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen Regelmässigkeit.

[01:29:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder geweckt werden.

[01:29:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles immer gleich ist, passiert der Numming-Effekt, also der Langweiligkeit-Effekt. Dann geht
nichts mehr. Dann muss man wieder ändern können.

[01:29:45.440] – Bemerkung 26
Wenn man jetzt an die Schule denkt. Jede Schule hat ihre Regeln, welche die Kinder befolgen müssen.

[01:29:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Lehrer begleitet, die zum Teil ganz schwierige ADHS Kinder gehabt haben. Da haben wir immer
geschaut, wie können wir jetzt den Widerstand wieder durchbrechen? Da muss man dann erfinderisch
sein. Da kann man nicht sagen, ich beharre einfach auf der Regel.

[01:30:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, man kann das ADHS Kind totschlagen, es geht immer noch nicht.

[01:30:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Komiker, Gerhard Polt, der sagt, was die Natur oder die Gene versaut haben, kann nicht mit
Strafe korrigiert werden.

[01:30:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verrennen sich dann so, so wie festgefahren.

[01:30:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man noch mehr stosst, tun sie sich noch mehr festfahren.

[01:30:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sie überraschen mit einer Veränderung.

[01:30:48.650] – Bemerkung 27
Die Lehrperson soll also kommen und mit dem Schüler zusammen eine Lösung erarbeiten, damit die
Regeln eingehalten werden können?

[01:30:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[01:31:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf das Wissen vom Kind eingeht und merkt, da könnte ich jetzt das probieren oder das
probieren.

[01:31:12.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es ja spontan richtig gemacht, sie hat dann einfach selber anfangen zu spielen und dann ist das
Kind gekommen.

[01:31:18.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es selber rausfinden und bei jedem Kind ist es wieder ein bisschen anders.

[01:31:21.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man die Beziehung, dann hat man das Kind auch akzeptiert und dann kann das Kind nachher
vielleicht besser Regeln einhalten.

[01:31:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben alle ein bisschen mehr Mühe im Regeln einhalten. Es wird ihnen schnell langweilig und darum
muss man variieren können und darum muss man das Teasing eher wieder verwenden.

[01:31:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das nächste Mal wenn das Kind kommt, ein Haufen Durcheinander im Zimmer haben, dann
wird er staunen.

[01:31:53.110] – Bemerkung 27
Das werde ich machen.

[01:31:53.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie das und schauen sie was passieren wird.

[01:32:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt bei allem. Dann können sie ja dann den Widerstand machen und einfach am Boden sitzen und
irgendwas anderes machen.

[01:32:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es das Beispiel, von Allan Guggenbühl. Es war eine Schulklasse, die man überhaupt nicht mehr
im Griff gehabt hat und es sind alle Lehrer verzweifelt. Dann hat die Schulpflege einen alten Lehrer
reingeholt. Der hat gesagt, er mache das aber ich mache was ich will. Ihr könnt mir gar nichts
vorschreiben.

[01:32:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist er in der Schulstunde gesessen und hat einfach Zeitung gelesen. Die Kinder haben dann
Tohuwabohu gemacht. Er hat nichts gemacht. Der zweite Tag, wieder in der Schule, er hat ein Buch
gelesen. Tohuwabohu.

[01:32:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In der dritten Stunde hat dann ein Schüler gesagt, wann fangen wir an mit dem Unterricht? Also man
muss mehr Geduld haben als das Kind, was einem reizen, provozieren will. Sie haben ja schon Freude
am provozieren. Nein, mach ich nicht.

[01:33:05.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, probieren sie es mal und freuen sich darauf, dass es ein bisschen eine andere Dynamik gibt.

[01:33:17.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das Kind am Schluss fragen willst Du das nächste Mal wieder zusammen aufräumen oder
willst Du lieber etwas anderes machen?

[01:33:29.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wirklich das Kind mit einbeziehen. Sie fordern das Kind heraus, indem sie eine grosse Unordnung haben.

[01:33:42.820] – Bemerkung 28

Ich hätte noch eine Frage zu den Regeln, weil ich mich gefragt habe, also dann als Lehrperson, gehe ich
darauf ein, dass das Kind die Regeln nicht einhalten kann und suche eine andere Lösung. Wie soll die
Lehrperson der restlichen Klasse vermitteln, dass es okay ist, wenn dieses Kind die Regeln nicht befolgt?
Erklärt die Lehrperson dann der Klasse, das Gehirn, funktioniert anders, deswegen können das die
anderen nicht übernehmen?

[01:34:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt.

[01:34:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen immer, alle Kinder müssen gleich behandelt werden. Die Lehrer finden, alle müssen
gleich behandelt werden.

[01:34:16.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder sagen Ja, der muss nicht und ich muss, dann muss man sagen der kann das noch
nicht. Sind du froh, dass du es kannst, der muss das noch lernen.

[01:34:29.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Lernen muss man verschiedene Wege gehen. Es führen verschiedene Wege nach Rom.

[01:34:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es erklären.

[01:34:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbstsichere Autoritäten können das. Die getrauen sich für jedes Kind das zu machen, was für es gut
geht.

[01:34:50.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerechtigkeit liegt darin, indem man alle Kinder gleich behandelt, sondern Gerechtigkeit liegt in dem,
dass man Kinder und da sage ich jetzt Persönlichkeitsgerecht behandelt.

[01:35:03.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind keine Schrauben es sind nicht alle gleich.

[01:35:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat das Recht als Autoritätsfigur jedes nach seinem Bedürfnis zu behandeln, das muss der Lehrer
sagen.

[01:35:32.980] – Bemerkung 29
Wie wecke ich die intrinsische Motivation beim Kind? Ein Junge, der hat wirklich einfach keine Motivation,
der sagt mir auch immer wieder ich verstehe nicht, wieso ich das muss lernen. Die Eltern sind mega mit
im Boot, die Lehrperson ist mega toll, trotzdem habe ich das Gefühl, es ist für uns alle so schwierig, ihm
zu zeigen, wieso es so wichtig ist.

[01:36:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein schwieriges Problem.

[01:36:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einem Kind nicht vorwärts kommt, muss man wieder ein bisschen herausfinden, an was
bremst es. Der sagt auch Nein, ich finde das nicht wichtig.

[01:36:31.360] – Bemerkung 29
Der Junge sagt: Du verstehst doch was ich schreibe. Meistens stimmt das auch aber es ist halt trotzdem
wichtig. Ich habe ihm auch schon wirklich Beispiele zusammenkopiert, wo man nicht verstanden hat, was
er meint, damit er es sieht.

[01:36:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er eine schlechte Rechtschreibung hat, heute ist das nicht mehr ganz so schlimm, wenn du so
etwas ablieferst, je nachdem, wenn du dich um eine Stelle bewirbst oder wo…

[01:37:04.010] – Bemerkung 29
Er ist erst in der dritten Klasse.

[01:37:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das so geschrieben sieht und du bist ein Drittklässler, dann könnte man denken du siehst
dumm. Findest du, dass Du dumm bist?

[01:37:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich will kein Kind dumm sein. Früher hat man sie einfach als dumm abgestempelt und dann haben
sie nichts mehr machen können.

[01:37:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man zeigt dem Jungen, wenn er das nicht lernt, dann wird er eingestuft.

[01:37:40.600] – Bemerkung 29
Ich will nicht, dass er das Gefühl kriegt, dass ich das denke.

[01:37:43.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können schon sagen: ich weiss, dass du ein Gescheiter bist, aber jemand, der dich nicht kennt, findet
dass Du dumm bist. Willst du das? Oder willst du, dass man dich anders sieht?

[01:37:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht da in eine Interaktion und es wird schon so reagiert. Ja, der kann ja nicht einmal recht
schreiben.

[01:38:05.280] – Bemerkung 29
Ich finde es schwierig, weil ich finde, dass seine Chancen – er wird sicher noch seine Fortschritte machen
können – aber es wird ja auch das Thema bleiben und vom Selbstwert her, fällt es mir schwer, einem Kind
das so zu sagen.

[01:38:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage mal die anderen, was haben sie für Ideen dazu?

[01:38:25.300] – Bemerkung 30
Wie läuft es beim Lesen?

[01:38:33.190] – Bemerkung 29
Beim Lesen ist es ein bisschen besser, weil es läuft zum einen besser und zum anderen hat er schon so
Interessen, wo er interessiert ist. Beim Schreiben ist es noch schwierig.

[01:38:48.270] – Bemerkung 31
Ich habe eine Rückfrage. Ist es nicht auch für die Kinder schwierig, sich Konsequenzen vorzustellen, weil
dann würde ja auch dieses Ganze: Du musst das machen, dann passiert das und das und das, ja
sowieso nicht fruchten. Dann würde ja eine Erklärung auch in der Zukunft wie vom Gehirn gar nicht so
aufgegriffen.

[01:39:17.840] – Bemerkung 32
Positive Vorstellungen könnten glaub ich schon motivieren. Also ich weiss jetzt nicht, ob das mit ADHS
direkt zu tun hat.

[01:39:30.440] – Bemerkung 32
Ich hatte gerade auch vor kurzem bei einem Mädchen, die zwar immer kommt, sie will keine Aufgaben,
sie macht die Aufgaben dann in der Stunde.

[01:39:37.140] – Bemerkung 32
Am Anfang hat sie gesagt, ach macht doch nichts LRS, das liegt in der Familie.

[01:39:50.710] – Bemerkung 32
Sie ist ganz süss. Dann sagt sie auch, aber wieso muss ich das überhaupt machen? Sie macht zum
Glück mit und kommt vorwärts.

[01:39:59.830] – Bemerkung 32
Dort habe ich dann auch gesagt, ja ich habe auch gedacht, das ist doch nicht so wichtig mit der
Rechtschreibung.

[01:40:08.870] – Bemerkung 32
Ich habe gerade vor kurzem wieder mal einen Text gelesen und es ist so mühsam zum Lesen, zum
Verstehen, was die andere Person meint und sie hat gute Ideen oder und schreibt eigentlich auch gerne.

[01:40:22.100] – Bemerkung 32
Ich habe gesagt, ja wenn du anderen beschreiben willst, eben auch schriftlich, einen Brief schreiben, eine
Nachricht schreiben und man kann es fast nicht lesen, dann lenkt das so ab von dem was du eigentlich
sagen willst.

[01:40:39.210] – Bemerkung 32
Darum ist es wichtig so grundlegende Sachen zu lernen. Gut, die ist schon in der Mittelstufe.

[01:40:43.500] – Bemerkung 30
Vielleicht muss ich es doch einmal ausprobieren.

[01:40:48.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine positive Motivation. Ja auf jeden Fall. Wie alt ist das Mädchen.

[01:40:58.760] – Bemerkung 32
10 Jahre alt.

[01:41:01.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Und ihre?

[01:41:05.210] – Bemerkung 30
9 Jahre alt.

[01:41:11.980] – Bemerkung 32
Der eine, der sehr wenig schreibt und dann Fussball interessiert ist und einfach Sachen anschreiben
möchte oder so. Ich meine, wenn dann irgendwo im Stadion steht, hier kannst du lesen oder hier kannst
du esen oder so, dann kommen die Leute nicht in das Stadion.

[01:41:36.860] – Bemerkung 32
Einfach so zum motivieren, was man machen kann, wenn man schreiben kann.

[01:41:43.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte das Beispiel von einem alten Griechen, der einen Sprachfehler gehabt hat, nehmen, der
Demostenes.

[01:41:52.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat dann Kieselsteine in den Mund genommen und gegen das Meer geredet. Am Schluss ist er
Redner geworden.

[01:41:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden hatte eine schwere Sprachstörung.

[01:42:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Sommerferien hat er sich vorgenommen, er will jetzt das abtrainieren und es ist recht gut
gegangen.

[01:42:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sagen, weisst du wenn du das jetzt als Kind lernst, da ist dein Gehirn noch viel flexibler, da
kann es schneller lernen.

[01:42:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Willst Du es mit 20 oder 50 noch lernen? Dann ist Dein Gehirn viel langsamer, dass man so motiviert.

[01:42:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man einen Sprachfehler oder eine Schwierigkeit überwindet, ist das doppelt so wertvoll, wenn man
es dann kann.

[01:42:37.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre positiv motiviert und ist wahrscheinlich besser als das andere.

[01:42:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Macht das Sinn für Sie?

[01:42:46.760] – Bemerkung 30
Ja, es macht Sinn und es sind sicher auch neue Ideen.

[01:42:49.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das zum Kind sagen, dürfen sie selber gar nicht frustriert sein.

[01:42:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht verrückt sein, dann lieber nichts sagen.

[01:43:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich so richtig in das rein motivieren.

[01:43:04.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Weisst du, das ist doch toll.

[01:43:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so viel mehr wert.

[01:43:09.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die ganz gut sind in der Schule und dann überhaupt nie etwas machen müssen, dann kommen
sie an die Uni und dann müssen sie auf einmal etwas machen. Die versagen dann.

[01:43:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, welche gelernt haben, etwas schwieriges zu überwinden, weisst du wie die stark sind? So toll.

[01:43:28.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie dem Kind die Idee geben von der Schwäche zur Überwindung.

[01:43:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte dann auch fragen, schämst du dich dafür?

[01:43:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft, wenn ADHS Kinder irgendetwas nicht können, weichen sie aus und machen nichts.

[01:43:46.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist eigentlich immer die Scham.

[01:43:48.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind fragt, schämst Du du dich dafür, dass du es nicht so gut kannst wie dein Kollege, der
es gut kann?

[01:43:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt er es nicht zu, vielleicht ja schon ein bisschen.

[01:43:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich könnte mir vorstellen, dass du dich schämst. Aber weisst du, wenn du das überwindest, weisst du wie
toll, weisst du wie stolz du dann bist?

[01:44:10.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Überwinden der Schwierigkeit zum Ziel machen und nicht das können.

[01:44:22.440] – Bemerkung 30
Ja, das werde ich probieren. Das mit der Scham, ich denke, dass er das immer mehr ein bisschen merkt,
dass es nicht klappt bei ihm.

[01:44:28.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen selber positiv motiviert sein.

[01:44:35.780] – Bemerkung 30
Das schaffe ich.

[01:44:37.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie den Frust irgendwo anders raus.

[01:44:47.190] – Bemerkung 33
Vielleicht kann man mit dem schatzsuchenden Haus arbeiten, wo er sich selber einen Hinweis geben
kann.

[01:45:00.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist mehr etwas Emotionales. Toll, wenn man etwas überwinden kann, dann ist man ein Held.
Es wollen ja alle gerne Helden sein.

[01:45:15.760] – Bemerkung 30
Danke.

[01:45:22.390] – Bemerkung 34
Nochmals zur Reife und ADHS/ADS und Kindergarten. Wenn ich das Gefühl habe und vergleiche mit all
denen, die ich schon gesehen habe, da könnte etwas sein, soll ich dann die Eltern auf das ADHS, ADS
ansprechen?

[01:45:52.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.

[01:45:57.440] – Bemerkung 34
Sie haben am Anfang einmal gesagt, dass die Psychologen die Diagnose schreiben?

[01:46:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Neuropsychologen. Man muss eine gewisse Ausbildung haben, dann macht man gewisse Tests.

[01:46:10.530] – Bemerkung 34
Machen das nicht eher die Psychiater?

[01:46:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja es gibt Psychiater, die auch testen können aber in der Regel haben wir das nicht gelernt. Man gibt es
dann an Neuropsychologen ab und die machen dann die ganze Batterie von Tests und es gibt
verschiedene Tests.

[01:46:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es ausführlicher oder weniger ausführlich testen.

[01:46:30.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört immer noch die Anamnese dazu, dass man fragt, wie ist das Kind gewesen, ist es ein
Schreikind gewesen, hat es gut gegessen, wie hat es die Schule erlebt und so weiter.

[01:46:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört auch das Interview von den Eltern dazu.

[01:46:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das Gefühl haben, es könnte so etwas dahinterstecken, ich würde auf jeden Fall den Eltern
sagen, es ist keine Krankheit aus meiner Sicht, es ist ein Neurotyp.

[01:46:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit dem Kind dann lernt, dem Kind entsprechend umzugehen, hat es viele Vorteile.

[01:47:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen dann auch, man muss ein Medikament geben, damit es eine gute Schullerfahrung hat.

[01:47:15.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt natürlich besser noch in einem gewissen Alter, Lerngeschwindigkeit, die geht später eher ein
bisschen zurück.

[01:47:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es auch noch später lernen, aber es verpasst halt die Schulzeit, wenn es so nicht konzentriert
ist.

[01:47:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ehrgeizig ist und will, dass das Kind vorwärts kommt, dann lohnt sich das zu sagen, schauen
sie es doch mal an.

[01:47:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie immer überlegen, ob sie dann ein Medikament geben wollen oder nicht.

[01:47:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das Gefühl haben und sie haben ja viel praktische Erfahrung, dürfen sie das immer sagen.

[01:47:53.700] – Bemerkung 34
Mit der IV gilt es immer noch als Geburtsgebrechen.

[01:47:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV ist jetzt ein bisschen am wechseln. Früher hat sie alles bezahlt, aber jetzt findet sie nein, sie
müsse nicht bezahlen. Es ist von IV zu IV unterschiedlich.

[01:48:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis zum 9. Altersjahr, aber ich denke, das ist nicht mehr so wichtig. Zum Teil sagen sie auch, Nein,
bezahlen wir nicht mehr.

[01:48:25.220] – Bemerkung 34

Würde zum Beispiel im Jugendalter auch noch ein Training finanziert werden?

[01:48:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier ist man noch am streiten, ob das geht oder nicht.

[01:48:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst wenn die IV das als Geburtsgebrechen anerkennen würde, dass es dann trotzdem nicht bezahlt
wird?

[01:48:49.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jetzt zum Beispiel einen ADHSler, der ist 9 Jahre alt, wir haben die Abklärung gemacht, eine
Psychologin hat es gemacht und ich habe klinisch festgestellt und die IV wehrt sich dagegen,
irgendetwas zu zahlen an die Privatschule, weil sie sagt, man würde das nicht machen und das nicht und
keine Therapie.

[01:49:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte haben zum Teil dann immer einen Krieg mit der IV.

[01:49:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die probieren natürlich, die tun uns legalistisch, juristisch abwimmeln und sagen das haben wir nicht
recht gemacht und so weiter. Die Krankenkassen machen das dann auch bei der Medizin.

[01:49:35.960] – Bemerkung 34
Daher ist es sehr gut, wenn man früh die Diagnose holt und dann auch sagen, wir haben das und das
schon gemacht.

[01:49:44.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben recht, aus dieser Sicht wäre es an sich hilfreich, wenn man es macht. Dann kann man es
verwenden.

[01:49:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV und die Ärzte wandeln sich auch ein bisschen, dann könnte man es verwenden zum Beispiel in der
Jugend, dass sie dann ein Coaching erhalten.

[01:50:05.390] – Bemerkung 34
In der Lernpraxis im Seefeld, dort habe ich schon gute Erfahrungen machen können mit einer Familie.

[01:50:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie irgendetwas merken, würde ich die Eltern darauf aufmerksam machen.

[01:50:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich steig dann meistens ein, ich sage, ist es ihnen schon einmal durch den Kopf gegangen, dass es mit
AHDS/ADS zu tun haben könnte?

[01:50:33.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern haben es auch schon gedacht.

[01:50:37.820] – Bemerkung 34
Ja, mich hat ein Vater gefragt.

[01:50:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben.

[01:50:41.260] – Bemerkung 34
Ich habe immer nur die Mutter gesehen und ich habe das Wort ADHS nicht in den Mund genommen, bis
jetzt nicht.

[01:50:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Nehmen sie es locker in den Mund und sagen sie, haben sie schon mal an das gedacht? Dann dürfen sie
ihre Meinung sagen und sagen, ich würde empfehlen, dass hier mal eine Abklärung tätigen.

[01:51:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr grosse Wartezeiten, bei den Erwachsenen bis zu einem Jahr.

[01:51:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch ein bisschen einfachere Abklärungen.

[01:51:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus welchem Grund haben sie den Begriff ADHS/ADS gar nicht in den Mund genommen?

[01:51:51.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht abschrecken lassen, dass man sagt ADHS ist eine Modediagnose.

[01:51:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie dürfen eine klare Haltung einnehmen, sie kennen sich aus, sie sind Berufsfrau, ich würde das mal
ansehen lassen und nicht Angst haben, dass sie diesen Eltern dann quasi ein Stigma aufsetzen.

[01:52:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern die Hände verwerfen, dann dürfen sie sagen, das ist etwas Neurologisches, Vererbtes.

[01:52:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man weiss, wie es ist, dann kann man lernen besser damit umgehen und das lohnt sich aus meiner
Sicht.

[01:52:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch nicht sauer werden.

[01:52:26.320] – Bemerkung 34
Wir sind es uns gewohnt, alle kommen zu uns, es steht dann auch in der Zeitung.

[01:52:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man verwendet Logopäden/Innen ein bisschen für alles.

[01:52:39.510] – Bemerkung 34
Den Eltern wird im Schulisches Standortgespräch (SSG) sehr schnell gesagt: Ihr Kind kann das nicht, es
kann das nicht, jetzt braucht ihr Kind Logopädie, Psychomotoriktherapie (PMT). Wir sind es uns gewohnt,
dass den Logopäden einfach alles abgeschoben wird.

[01:53:01.120] – Bemerkung 34
Darum macht es auch nichts, wenn man denen allen die ADHS/ADS Diagnose gibt.

[01:53:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch etwas neurologisches. In einer Forschung hat man herausgefunden, das war ein junger Forscher
aus Genf, dass unser limbische System, das emotionale System bei den Patienten mit Bipolarer Störung,
also Menschen mit ADHS/ADS, ihr Gehirn, das emotionale Gehirn ist viel komplexer vernetzt.

[01:53:39.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das komplexe vernetzt sein, das bringt natürlich mit sich, dass sie ganz viel abchecken müssen und dass
sie dann schnell ein System Overload haben, wo dann gar nichts mehr geht, dass man es wirklich auch
neurologisch sehen kann.

[01:53:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann lernen damit umzugehen.

[01:53:58.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch noch passiert bei den Abklärungen, zum Teil in der eins zu eins Abklärung, können intelligente
Kinder, speziell auch Mädchen, können ganz brav alles mitmachen und dann sagt man: Nein, das hat
kein ADHS.

[01:54:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse sind dann so viele Störfaktoren und da kommt es wieder heraus.

[01:54:16.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden dann falsche Nicht-Diagnose gestellt. Also auch das gibt es.

[01:54:22.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht sagen, es ist einfach immer so.

[01:54:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte haben dann immer die Probleme, ist es jetzt mehr das oder mehr das?

[01:54:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann immer, wir haben nur ein Gehirn und das reagiert auf all diese Sachen und interagiert
innerhalb vom Gehirn noch und je nach dem kommt dann noch etwas anderes raus.

[01:54:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, jetzt habe ich genug auf sie eingeredet, ich hoffe, sie können davon profitieren und bringen sie das
nächste Mal möglichst viele Fälle mit, denn an Hand der Fälle können wir noch besser lernen. Ist das
gut?

Substanzmissbrauch und Handling im Arbeitskontext

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

21.11.2023

Substanzmissbrauch und Handling im Arbeitskontext
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen zu dem Thema: Substanzmissbrauch und Handling im
Arbeitskontext.

[00:00:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin 1980 auf Königsfelden gekommen und habe dann das Suchtambulatorium übernehmen müssen.

[00:00:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe davor nicht so viel mit Sucht zu tun gehabt, aber ich habe über 40 Jahre, jetzt 43 Jahre mich mit
Suchtkrankheiten befasst.

[00:00:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch ein Buch darüber geschrieben, bin in der Drogenkommission gewesen und habe mit vielen
über Sucht diskutiert.

[00:00:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe den Aargauischen Verein Sucht, jetzt heisst er AGS, also Aargauische Gesellschaft Sucht
(Suchtberatung ags), der hat früher Aargauische Alkoholführersorgeverein geheissen.

[00:00:49.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann Alkohol-Sucht und Drogensucht zusammengelegt in eine Behandlungsinstitution.

[00:00:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn habe ich mich sehr viel mit Sucht befasst. Ich habe ein Buch darüber geschrieben: "Wie
bewahren wir unsere Kinder vor der Drogensucht?"

[00:01:08.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere am Anfang ein paar grundlegende Prinzipien zur Sucht und Sucht Substanzen ihnen zu
sagen.

[00:01:18.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Sämtliche Sucht Substanzen ob ob legal oder illegal, der Alkohol ist legal. Die Drogen von den Gasse
sind illegal und Medikamente, die von den Ärzten verschrieben werden, sind legal. Also die bekommt
man von der Krankenkasse bezahlt.

[00:01:37.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Substanzen, die suchtbildend sind, haben die Aufgabe, Emotionen zu regulieren.

[00:01:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind schnelle Emotionsregulierer, schnelle Emotionsregler.

[00:01:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind wird die Emotion noch von der Mutter geregelt und von den Vätern, also von den
Bezugspersonen.

[00:02:02.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät und man lernen, seine Emotionen selber zu regeln.

[00:02:07.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht immer so einfach. Das ist relativ schwierig.

[00:02:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit einer starken Impulsivität, die haben noch mehr Mühe.

[00:02:15.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären dann wieder die ADHSler, die mehr Mühe haben mit Emotionsregulation.

[00:02:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn weiss man auch, da gibt es Statistiken darüber, dass ADHSler- mehr
Abhängigkeitskrankheiten haben.

[00:02:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt mehr Drogensüchtige Suchtmissbraucher unter den ADHSlern.

[00:02:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionsregler, die helfen einem die Emotionen wieder in das Gleichgewicht hineinzubringen.

[00:02:47.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Es läuft so, dass wenn wir von aussen her Impulse auf uns bekommen, wenn wir Auseinandersetzungen
mit Menschen, wenn etwas verlangt wird von uns, was wir nicht können, dann geraten unsere Emotionen
aus dem Gleichgewicht.

[00:03:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unangenehm.

[00:03:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind etwas vom unangenehmsten, was man kann haben.

[00:03:10.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Aggression kann unangenehm sein, wenn man sich gut benehmen will.

[00:03:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unangenehm, wenn wir starke Emotionen haben.

[00:03:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können wir nicht ganz so schnell wieder ins Gleichgewicht bringen. Mit den Sucht-Substanzen kann
man die Emotionen sehr schnell wieder ins Gleichgewicht bringen.

[00:03:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir prozessieren alle Einflüsse von aussen über unser emotionales Hirn, das Limbische System.

[00:03:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo wir stark unter Stress geraten, haben wir vier Reflex, vier automatische Reflex und das
ist: Kampf, Flucht, Totstell-Reflex und der letzte bringe ich jetzt auch immer dazu: Teasing, also Spiel-oder
Neckreflex, also Störreflex.

[00:04:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Über diesen Reflex passiert Lernverhalten und bei Jungtieren, also bei jungen Menschen, sieht man das
sehr stark.

[00:04:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät tritt viel von dem Verhalten auf, dass die jungen Menschen, also die Pubertierenden, tun
uns Erwachsene provozieren mit dem Spiel, mit dem Teasing.

[00:04:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nimmt man es zu ernst oder findet, die tun uns jetzt schlecht behandeln.

[00:04:38.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann tut man sie sofort runter disziplinieren, aber sie müssen lernen mit ihren Emotionen umzugehen.

[00:04:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen uns auch herausfordern, damit sie sehen, wie man reagiert.

[00:04:51.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört auch wieder zur Emotionsregulation.

[00:04:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Reflexe nicht mehr funktionieren, also wenn man den Stress nicht mehr abbauen kann, mit
Kämpfen, davonrennen, sich totstellen oder in ein Spielverhalten hinein kommen, wenn das nicht mehr
funktioniert, dann kommen wir wahnsinnig unter Stress. Das ist sehr unangenehm und dann müssen
andere Methoden verwendet werden.

[00:05:21.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment, wo es so unangenehm ist, da kann man natürlich dann chemische Substanzen
verwenden um sich wieder ins Gleichgewicht bringen.

[00:05:32.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Sucht auslösende Substanzen, also Suchtmittel sind ein guter Ausweg aus dem unangenehmen
Gefühl.

[00:05:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Sucht bildende Substanzen sind euphorisierend, also geben einem ein gutes Gefühl, sind
schmerzbekämpfend, also nehmen den Schmerz weg, das wären dann die Opiate, die nehmen den
Schmerz weg und geben einem auf eine Art ein Pseudosicherheitsgefühl.

[00:06:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie organisieren einem ein Wohlgefühl und dann wirkt es, als ob man wieder im Gleichgewicht sei.

[00:06:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal einen Drogensüchtigen gehabt, der ist Opiumsüchtig gewesen oder sogar
Schmerztablettersüchtig und hat gesagt, ich muss Schmerztabletten nehmen, damit ich unter die Leute
gehen kann.

[00:06:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Er ist sehr scheu gewesen und wollte nur mit diesen Schmerztabletten zu seinen Kameraden gehen.

[00:06:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hergestellte Gleichgewicht über diese Suchtsubstanzen, das täuscht etwas vor, das täuscht eine
Selbstsicherheit vor, das täuscht eine Zufriedenheit vor.

[00:06:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle mache ich mich immer lustig über die Definition der Gesundheit von der WHO. Die
sagen, ein Mensch ist gesund, wenn er sich körperlich wohlfühlt, wenn er sich psychisch wohlfühlt und
wenn er sich sozial wohlfühlt.

[00:07:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer, der Heroin zu sich genommen hat, fühlt sich körperlich wohl, hat keine Schmerzen, fühlt sich
seelisch, psychisch wohl und sozial braucht er nichts.

[00:07:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist auf niemanden mehr angewiesen.

[00:07:16.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Gesundheit definiert über die Gefühle, ist man eigentlich verloren.

[00:07:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die jungen Menschen beginnen in der Pubertät am meisten mit Suchtverhalten.

[00:07:36.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn man ein unangenehmes Gefühl hat, dann einfach eine Droge konsumiert, dann
kann man das unangenehme Gefühl gerade wieder wegbringen. Und was passiert dann? Man lernt nicht.

[00:07:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müssten wir, wenn man ein unangenehmes Gefühl hat, schauen woher kommt das?

[00:07:57.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum bin ich jetzt so traurig?

[00:07:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum bin ich verrückt?

[00:08:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum fühle ich mich verletzt? Man müsste eigentlich zurückgehen und die Ursache finden.

[00:08:06.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man eine Tablette schlucken kann, muss man das nicht mehr.

[00:08:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann lernt man nichts.

[00:08:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade heute Morgen habe ich mit einem geredet, der regelmässig Alkohol konsumiert, seine Frau
regelmässig haschisch. Da habe ich gesagt, es ist in dem Sinne nicht gefährlich, man stirbt nicht davon,
aber man lernt nichts mehr.

[00:08:25.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann ein bisschen extrem, man verblödet schon früher.

[00:08:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird nicht herausgefordert zum Lernen.

[00:08:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier komme ich wieder zu der Hirnstruktur zurück.

[00:08:42.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir tun alles prozessieren als erstes über unser emotionales Hirn.

[00:08:48.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das tut auch ständig neue Zellen generieren.

[00:08:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet da von adulter Neurogenese.

[00:08:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das Hirn kann ständig neue Zellen produzieren.

[00:09:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Hirn zu überladen ist mit Stress, dann wird es Müde und dann verkümmert es.

[00:09:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das Buch "Das erschöpfte Gehirn" oder man sagt das müde Gehirn.

[00:09:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns ständig mit Stress beladen und dann Suchtmittel konsumieren, dann lernen wir nichts.

[00:09:22.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir nicht so anpassungsfähig.

[00:09:25.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir ständig neue Sachen rein nehmen, indem wir uns Zeit nehmen zum Prozessieren in unserem
Grosshirn, also schauen, was hat mich eigentlich gekränkt, was hat mich gestört, was hat mich verrückt
gemacht?

[00:09:41.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können wir das bearbeiten, dann kann man es im Grosshirn ablegen als Erfahrung und dann ist
das emotionale Hirn wieder frei für neue Erfahrungen.

[00:09:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es ablegt, wird unser wunderbares Grosshirn, wird ständig komplexer und
anpassungsfähiger.

[00:10:06.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Je komplexer es wird, umso besser kann es mit schwierigen Situationen umgehen.

[00:10:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat untersucht, wie männliche Gehirne auf Stress reagieren und wie weibliche Gehirne auf Stress
reagieren. Da hat man herausgefunden, dass die weiblichen Gehirne, dass die eher komplexer werden,
also dass die verschiedene Verschaltungen machen im Gehirn, das heisst, sie lernen, sie wollen lernen.

[00:10:34.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Also offensichtlich wollen die Weiblichen gerne lernen. Mit den Ratten hat man es untersucht.

[00:10:40.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind noch nicht bei den Menschen.

[00:10:43.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Medikamente werden an Ratten ausprobiert.

[00:10:48.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das männliche Gehirn unter Stress anschaut, dann was macht das? Es verliert an
Komplexität. Es macht nur noch Einbahnstrasse und fährt in die Wand.

[00:11:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt meine Interpretation.

[00:11:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man in der modernen Politik und in der Kriegsführung. Da wird nur noch geradeaus gefahren
und möglichst einfach den anderen zerstören.

[00:11:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können wir uns nicht mehr leisten.

[00:11:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sollten wir eher komplexere Gehirne machen, lernen, vernetzen und dann auch raffiniertere
Lösungen finden.

[00:11:28.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Probleme kommen aus Beziehungsproblemen.

[00:11:40.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kommt nicht in den Gang mit seinem Vorgesetzten, man kommt nicht in den Gang mit seinem
Kollegen, mit seinen Eltern, weiss ich nicht was.

[00:11:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Beziehungsprobleme machen uns den grössten Stress.

[00:11:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizin schaut nur immer, was sonst stressig ist.

[00:11:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Chemie, Luftverschmutzung ist alles auch schlimm.

[00:12:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Luftverschmutzung, die wird nicht so angeschaut.

[00:12:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin sage ich das natürlich und als Familientherapeutin, wir müssen viel mehr schauen, was
macht uns eigentlich Stress?

[00:12:13.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in die Behandlung geht. Suchtverhalten ist in dem Sinn Zwangsverhalten.

[00:12:22.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald der Stress kommt, greift man zum Suchtmittel, zwanghaft.

[00:12:29.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Zwangsverhalten ist nicht mehr der bewussten Kontrolle vom Grosshirn unterworfen.

[00:12:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man rein Symptom bekämpfend mit den Menschen arbeitet, dann sagt man einfach, du musst
aufhören zu trinken, du musst aufhören Drogen zu konsumieren.

[00:12:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht erzieherisch vor.

[00:12:47.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man tut die Leute stationär behandeln, wenn sie sich brav benehmen, dann haben sie alle möglichen
Freiheiten, wenn sie wieder konsumieren, wenn sie rückfällig werden, werden sie bestraft.

[00:13:00.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein reflexartiges Verhalten kann eigentlich nicht vom Grosshirn her gesteuert werden und darum reicht es
überhaupt nicht, wenn man als Therapeut versucht, Suchtverhalten zu verbieten, zu unterbrechen.

[00:13:19.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im ambulanten Sektor, da wissen die ambulanten Therapeuten, ja, ich kann nicht sagen, jetzt kannst du
nicht mehr zu mir kommen, weil du jetzt wieder rückfällig geworden bist, dann bricht die ganze Therapie
zusammen.

[00:13:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Im stationären Bereich kann man sagen, du musst raus. Du bist ein fauler Apfel, du steckst alle an und
dann kann er wieder vorne anfangen.

[00:13:41.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat da schwierige Konzepte, die eigentlich gar nicht funktionieren.

[00:13:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemtherapeutin probiere ich bei jedem Süchtigen herauszufinden, wo ist eigentlich der Störfaktor?

[00:13:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verletzt dich? Was kränkt dich? Was hat dich früher kränkt?

[00:14:05.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Also dass man all die Muster anschaut, wo sie verletzt hat.

[00:14:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es darum, dass man sie begleitet in ihrem Suchtverhalten.

[00:14:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn ein Rückfall ist, fragt man, was ist vorne dran gewesen? Wie hast du Suchtmittel eingesetzt?
Für was hast du es gebraucht?

[00:14:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ohje, jetzt hast du wieder einen Rückfall gemacht.

[00:14:28.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang die vom AGS supervidiert.

[00:14:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann immer gesagt, es macht nichts wenn man einen Rückfall hat.

[00:14:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand vom Rückfall kann der Patient lernen und ich kann lernen, indem ich immer wieder frage: Was ist
vorne dran passiert?

[00:14:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier gibt es auch so ein bisschen zwei Methoden.

[00:14:50.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig wird das Suchtmittel eingesetzt als Stressbewältigung.

[00:14:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird auch eingesetzt als Enhancement, wie man so sagt, zum Erhöhen vom schönen Gefühl.

[00:15:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wenn ich eine Prüfung bestanden habe, dann kann ich mich besaufen oder wenn irgendwas
gut gelaufen ist, am Abend muss ich mich belohnen.

[00:15:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann solche, die sich jeden Abend belohnen müssen.

[00:15:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es reicht ihnen nicht, dass sie etwas gut gemacht haben. Das ist nicht genügend Belohnung.

[00:15:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Manager, der trinkt seinen Whisky und der Jugendliche raucht seine Haschisch Zigarette.

[00:15:29.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird als Belohnung eingesetzt und als Stressbewältigung eingesetzt.

[00:15:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides sobald es zur Gewohnheit wird, schadet es natürlich und man lernt nichts. Man lernt nicht.

[00:15:45.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn muss man immer bei jedem Süchtigen nach der Ursache fragen, also nach der Ursache vom
Missgefühl und nicht einfach nur Befehlen: Du musst aufhören.

[00:16:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her geht für mich Verhaltenstherapie überhaupt nicht.

[00:16:03.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passt er sich an und es gibt viele, die in der Suchtklinik sind, zum Beispiel Klinik Hasel, die sind
zwei Tage draussen und rückfällig.

[00:16:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, es ist nichts passiert. Man hat nur etwas verhindert.

[00:16:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nur Jugendliche sind, probieren die Eltern oft zu verhindern, die Mütter.

[00:16:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann immer sagen, bringt nichts, das sind dann Co-Süchtige.

[00:16:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss an den Ursprung der psychosozialen Ursachen gehen.

[00:16:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehört dann dazu, ich kann mich nicht durchsetzen, ich werde nicht gehört, mit mir wird schlecht
umgegangen etc.

[00:16:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt muss ich zu Ihnen kommen, denn sie sind ja Arbeitgeber und nicht Therapeuten.

[00:16:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will sie auch nicht zu Therapeuten machen.

[00:16:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dennoch ihren Angestellten fragen, es heisst ja auch Handhabung im Arbeitskontext; wenn
sie Sucht bemerken, wenn sie merken, dass einer eine Fahne hat oder dass er gläserige Augen hat oder
rote Augen, wie beim Haschisch, wenn sie merken, dass eine/r Sucht Symptome zeigt, dann dürfen sie
etwas sagen dazu.

[00:17:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts Bestrafendes, sondern etwas Exploratives.

[00:17:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sagen: Ich sehe, du hast rote Augen oder ich sehe, du hast Stecknadel Pupillen, das wäre bei
den Opiat, Opioid.

[00:17:49.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: Was ist gewesen in deinem Leben oder jetzt gerade vorne dran, dass du Suchtmittel
konsumieren musstest.

[00:17:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst mir den Eindruck, als ob du konsumiert hast.

[00:18:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, nein, ich habe nichts genommen.

[00:18:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist gleich. Ich muss nichts herausfinden. Ich muss auch nicht beweisen. Ich muss auch kein Urin haben
aber ich habe den Eindruck

[00:18:12.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein bisschen Erfahrung hat, dann sieht man es. Sie sind ja so ein bisschen komisch dann.

[00:18:18.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man fragen, was hat dich verletzt, dass du das gebraucht hast, um dich wieder gut zu fühlen?
Was hat dich geärgert, dass du das gebraucht hast, um dich wieder gut zu fühlen? Vor was hast du
Angst?

[00:18:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann Angst haben vor ihnen, dass sie verrückt werden mit ihm und mit schimpfen.

[00:18:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Inwiefern fühlst du dich besser, wenn du Suchtmittel genommen hast?

[00:18:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Problem weg machen mit Suchtmittel.

[00:18:50.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Suchtmittel für dich sozial für eine Bedeutung?

[00:18:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Inwiefern bist du ein besserer Kumpan, ein Super Typ, wenn du ein bisschen angeheiterter bist oder eben
Suchtmittel genommen hast?

[00:19:05.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nach Ursachen fragen.

[00:19:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit zeigen sie, sie denken über den Suchtmittelkonsum aus und gehen nicht nur auf den Konsum ein.

[00:19:16.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er am Arbeitsplatz natürlich völlig zu ist und sie arbeiten mit Maschinen, dann müssen sie sagen:
So ist es ein Risiko am Arbeitsplatz. Ich muss dich nach Hause senden.

[00:19:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Du darfst gerne wieder kommen, wenn du ein bisschen nüchterner bist.

[00:19:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nie absolut sagen, wenn du total nüchtern bist. Vielleicht bringt er das nicht hin. Ein bisschen
besser ist schon gut.

[00:19:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bestimmen und sagen: Jawohl, jetzt kannst du kommen.

[00:19:43.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht verantwortlich für sein Suchtverhalten.

[00:19:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Er oder sie ist verantwortlich.

[00:19:49.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern, aber auch Fachleuten übernehmen oft die Verantwortung für die Abstinenz, Verantwortung für das
Suchtverhalten.

[00:19:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht. Das muss es immer der Süchtige selber machen.

[00:20:03.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen, in dem Zustand kann ich dich nicht haben. Du störst oder du bist eine Gefahr, also
Verletzungsgefahr.

[00:20:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn dürfen sie ihn heimschicken.

[00:20:17.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber sagen, wenn du dich besser fühlst, dann darfst du gerne wieder kommen.

[00:20:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihren Fragen veranlassen sie ihren Angestellen, ihren Süchtigen, ihre Süchtigen Angestellen zu
reflektieren und er muss die Arbeit leisten, nicht sie für ihn.

[00:20:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nichts für ihn erreichen. Das kann er von mir aus mit seinem Therapeut besprechen. Sie
sagen nur in dem Zustand kann ich dich da nicht beschäftigen.

[00:20:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen reflektieren. Sie können dann auch wieder fragen: Was ist dir durch den Kopf gegangen? Hast
du etwas gelernt daraus? Sucht-substanzen verhindern Lernen.

[00:21:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie fragen, hast du etwas gelernt? Zeigen sie, sie glauben an den Menschen, dass der lernen kann
und dass etwas besser werden kann.

[00:21:10.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen ist etwas ganz, ganz, ganz Wichtiges.

[00:21:13.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand Rückfall hat, lerne ich als Therapeutin etwas wie es gegangen ist und er lernt etwas.

[00:21:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie steigen in eine Lernatmosphäre ein und das ist wichtig.

[00:21:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das soziale Lernen kann er dann reflektieren, dann kann er seine emotionalen Verletzungen
verarbeiten.

[00:21:38.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer er, es gibt mehr süchtige Männer, aber es gibt auch Frauen.

[00:21:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Über das Reflektieren kann er dann sein emotionales Hirn wieder freimachen und weiter lernen.

[00:21:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann verarbeiten und kann mit ihnen zusammen verarbeiten.

[00:21:55.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kann es hilfreich sein, dass sie als Arbeitgeber fragen: Ja, jetzt hast du drei Tage gefehlt, was ist
dir durch den Kopf gegangen?

[00:22:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du etwas gelernt dabei? Hast du etwas herausgefunden?

[00:22:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss nichts abliefern, aber sie zeigen ihm, sie wollen, dass er reflektiert.

[00:22:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
So haben sie eine therapeutische Wirkung.

[00:22:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal eine Weiterbildung gemacht für eine Firma zum Thema Suchtverhalten.

[00:22:23.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat meistens das so gehandhabt, dass sie gesagt haben, wenn du noch einmal betrunken an die
Arbeit kommst, dann verlierst du deine Stelle.

[00:22:34.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist negativ konditionieren und sicher hat der Süchtige dann immer die Stelle verloren.

[00:22:40.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn es ist ja ein reflexartiges Verhalten, das er gar nicht steuern kann.

[00:22:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann es nur lernen zu steuern, wenn er lernt, wenn er seine Probleme verarbeitet.

[00:22:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann gesagt nein, man muss es umkehren.

[00:22:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit du bei uns weiter arbeiten kannst, wollen wir, dass du daran arbeitest.

[00:22:58.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wieder das Lernen. Also man motiviert das Lernen und man arbeitet nicht mit Bestrafung.

[00:23:06.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Suchtbereich mit Bestrafung zu arbeiten, kann man vergessen. Aber es wird gemacht, wird immer
noch gemacht, es wird im stationären Bereich gemacht.

[00:23:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Im ambulanten geht es nicht.

[00:23:16.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber der stationäre Suchtbereich ist für sich und es wird immer noch mit Bestrafung gearbeitet.

[00:23:25.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, ich will nicht gegen den stationären Bereich negativ reden.

[00:23:38.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Im stationären Bereich, wenn ein fauler ein Apfel darunter ist, steckt er alle anderen an.

[00:23:46.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum muss man halt sagen: Wenn du da ständig Suchtmittel hinein bringst, dann steckst die Anderen
an, dann können wir unsere Arbeit nicht machen und darum muss ich dich rausnehmen.

[00:23:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit der Haltung, ich tu dich jetzt raus und dann lernst du dann nicht mehr zu konsumieren.

[00:24:03.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert überhaupt nicht.

[00:24:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist jahrelang gemacht worden.

[00:24:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte jetzt schon länger nicht mehr mit dem stationären Bereich zu tun.

[00:24:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich solche dann ambulant habe, dann höre ich es wieder.

[00:24:16.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint immer mit Bestrafung und Belohnung können wir Sucht wegbringen.

[00:24:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht stimmt das.

[00:24:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nur wegbringen mit Lernen.

[00:24:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären so ein bisschen meine theoretischen Ausführungen und jetzt möchte ich sie gerne dazu
auffordern, dass sie mehr Fragen stellen, mir widersprechen oder was auch immer.

[00:24:39.330] – Bemerkung 1
Ich hätte gerne ein Beispiel, das geblieben ist, damit man etwas lernen kann. Damit wir einen Ansatz
haben, wie man etwas lernen kann.

[00:25:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Drogensüchtigen gehabt, der ist im Methadon Programm gewesen.

[00:26:06.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Offiziell hat es geheissen, wenn der Süchtige zusätzlich zum Methadon Programm konsumiert, dann
muss ich ihn rausschmeissen.

[00:26:16.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafen mit rausschmeissen aus dem Programm.

[00:26:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er ab und zu dazu konsumiert und dann hat er mich immer ganz schüchtern gefragt:
Schmeissen sie mich jetzt raus?

[00:26:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gesagt: Nein, ich schmeisse sie nicht raus, denn ich sehe, sie machen kleine Fortschritte.

[00:26:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit musste ich seine Geschichte ein bisschen aufarbeiten.

[00:26:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist ein Adoptiv-Kind gewesen. Die Mutter hat sehr negativ geredet von diesen Kindern.

[00:26:45.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn dazu gebracht, dass er mehr von seinen Gefühlen sprechen konnte, was ihn verletzt, was
ihn stört.

[00:26:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Also dass er über sich und seine Gefühle sprechen konnte.

[00:26:57.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach zwölf Jahren sozialem Lernen, es hat lange gedauert, konnte er dann das Methadon absetzen,
konnte seine Schmerzmittel absetzen, er hat an Gewicht verloren, er hat Schlafmittel abgesetzt und als er
die Suchtmittel abgesetzt hatte, hat er gesagt: Jetzt erlebe er die Welt viel besser als vorher, also
intensiver als wenn er Suchtmittel konsumiert.

[00:27:33.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat sein normales Gehirn wieder gehabt und die Welt ist wie neu für ihn wieder aufgegangen.

[00:27:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen anderen gehabt, das ist ein Erwachsener gewesen, Alkoholiker, und dem habe ich immer
sagen müssen, was hat sie verletzt, wo sind sie gekränkt worden?

[00:27:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat mit der Zeit Kontakt zu seinen Gefühlen bekommen und hat dann auch reden können, hat das
sagen können in der Beziehung zu seiner Frau und hat dann mit Freude schlussendlich sagen können:
Ja, ich fühle mich jetzt richtig gut.

[00:28:07.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor der Zeit hat er sich nur immer schuldig gefühlt und schlecht gefühlt.

[00:28:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich eine sorgfältige therapeutische Begleitung gewesen.

[00:28:14.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht zwölf Jahre gegangen und es hat ein paar Abstürze dazwischen gegeben.

[00:28:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich ist das Lernen gelaufen über das, dass ich immer nach seinem Zustand gefragt habe.

[00:28:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist hinten dran? Was hat sie bedrückt? Was hat sie aus dem Gleichgewicht gebracht?

[00:28:42.720] – Bemerkung 1
Das ist ein guter Ansatz, Danke.

[00:28:51.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissen sie, in dem sie ihn fragen, ja, was hast du jetzt gelernt? Was hast du dir überlegt? Sie müssen
nicht ewig mit ihm reden. Sie geben ihm nur den Anstoss und da passiert schon viel.

[00:29:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben dann wieder Kontakt mit ihm in der Arbeit und dann vielleicht fällt das und jenes Wort.

[00:29:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft dann das Soziale Lernen weiter.

[00:29:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind mehr mit dem Patient, also mit dem Mensch dann zusammen, wo man kann merken, ob er sich
mehr für sich selber einsetzt.

[00:29:29.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur indem sie die paar Fragen fragen, die ich gesagt habe und dann fragen, was hast du gelernt von
deinem letzten Absturz, motivieren sie ihn zum Lernen.

[00:29:44.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehen sie zur Arbeit.

[00:29:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss keine langen Litanei bringen.

[00:29:49.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie geben einen Reiz, indem sie fragen.

[00:29:53.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem zeigen sie auch, er ist ihnen nicht gleich. Sie sind interessiert.

[00:30:03.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Denken Sie, das geht neben der Arbeit her?

[00:30:07.630] – Bemerkung 2
Ich habe jemanden der versagt hat gefragt: Und was machst Du jetzt mit dem?

[00:30:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[00:30:19.920] – Bemerkung 2
Ich habe gemerkt, er hat sich Gedanken dazu gemacht. Er hat begonnen sich damit
auseinanderzusetzen.

[00:30:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das Beispiel.

[00:30:36.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, er hat sich Gedanken gemacht und Gedanken machen, Reflektieren ist lernen.

[00:30:43.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man den Inhalt ins Grosshirn tun und dort ablegen und dann braucht es viel weniger Platz, als
wenn es ständig im emotionalen Hirn umher schwirrt.

[00:30:57.730] – Bemerkung 2
Danke.

[00:31:12.420] – Bemerkung 3
Jemand versucht den ganzen Tag nur seine Beziehung zu klären und ist dann den ganzen Tag damit
beschäftigt, weil seine Beziehung ungeklärt ist. Wie kann man ihm mit seiner Beziehung helfen?

[00:32:10.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser emotionales Hirn ist zuständig für die Beziehung.

[00:32:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in dieser Beziehung etwas nicht gut ist, dann geht es ihm nicht gut.

[00:32:21.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen er braucht viel Zeit um seine Beziehung zu klären. Da würde ich sagen, sie sind nicht
verantwortlich für die gute Beziehung.

[00:32:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie die Beziehung nicht abbrechen, dass sie aber auch nicht verantwortlich sind, dass er
klar damit kommt.

[00:32:48.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen in dieser Beziehung, die sie haben mit dem Mitarbeiter, dürfen sie ihre Position beziehen,
sagen, wie sie es sehen.

[00:32:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihn fragen, wie er es sieht. Wenn er es nicht sagen kann, dann können sie sagen OK, ich
lasse dir Zeit, du kannst darüber nachdenken, aber jetzt beginnen wir mit der Arbeit.

[00:33:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ganzen Tag die Beziehung klären.

[00:33:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man sonst das Problem.

[00:33:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychoanalyse, da geht man viermal in der Woche und tut nur immer an der Beziehung arbeiten.
Der Therapeut sagt nicht viel und der Patient ist frustriert. Sie sind nicht verantwortlich für sein
Wohlbefinden.

[00:33:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nur verantwortlich für ihren Teil in der Beziehung.

[00:33:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie irgendetwas gemacht haben, wo sie ihn verletzt haben und sie haben eine Idee, das hätte ihn
verletzen können, dann können sie sagen: Habe ich dich verletzt mit dem und dem?

[00:33:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Habe ich dich verärgert? Habe ich dich beschämt?

[00:33:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das alles fragen nach diesen Gefühlen.

[00:33:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sagt er etwas, vielleicht nicht.

[00:33:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben doch gefragt.

[00:34:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient nichts sagen kann, dann kann man sagen Okay, ich habe jetzt mal gefragt, du darfst
überlegen und jetzt wird gearbeitet.

[00:34:10.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen dann nicht an der Beziehung hängenbleiben.

[00:34:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es genügt, wenn sie sich öffnen, dass sie über das reden können, dass sie nicht Angst haben dafür.

[00:34:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nicht Verantwortung übernehmen für sein Wohlbefinden.

[00:34:25.380] – Bemerkung 3
Es blockiert ihn fast den ganzen Tag. Ich bin immer dran mit ihm die Beziehung zu klären.

[00:34:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht stundenlang mit ihm dran sein, um seine Beziehung klären.

[00:34:44.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie schon ein Co-Süchtiger.

[00:34:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie schon eingestiegen ins Suchtverhalten.

[00:35:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er die Beziehung nicht klären kann, kann er nicht weiter arbeiten?

[00:35:14.490] – Bemerkung 3
Ja.

[00:35:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht ihr Auftrag, dass sie dann immer weiter Beziehung klären.

[00:35:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen sie dann sagen, ich habe jetzt gesagt, was ich kann. Wenn das nicht genügt, dann springe
dreimal ums Haus herum oder mach irgendwas anderes Motorisches.

[00:35:34.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle kann man nicht mit Intellekt in den Griff bekommen.

[00:35:40.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur sein Verhalten in den Griff bekommen im Sozialkontext.

[00:35:45.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle kann man nie mit so rum studieren in den Griff bekommen.

[00:35:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich abbrechen und sagen, ich glaube jetzt bringt es nichts mehr, jetzt drehen wir uns im
Kreis.

[00:35:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt geh, weiss ich nicht was, Kniebeugen machen oder ums Haus springen. Einfach etwas ganz
anderes. Geh in die Handlung.

[00:36:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie häufig meinen Menschen, sie können ihre Gefühle steuern über ihren Intellekt.

[00:36:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, geht nicht.

[00:36:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Das meint man.

[00:36:16.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man mehr darüber redet, dann hat man es besser im Griff. Nein, nicht.

[00:36:19.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur über das Geschehen reden.

[00:36:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle kann man nicht im Griff haben.

[00:36:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, die kommen und gehen.

[00:36:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle kann man verscheuchen, indem man in eine Handlung geht.

[00:36:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihm sagen, jetzt wird nicht mehr darüber nachgedacht, jetzt gehen wir in die Handlung.

[00:36:41.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie der Chef. Macht das Sinn? Was denken Sie?

[00:36:52.430] – Bemerkung 3
Ja, das habe ich verstanden. Ich würde ihm gernen einen Tipp mitgeben.

[00:37:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, aufhören. Da wollen Sie schon helfen. Geht nicht.

[00:37:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Tipp ist: jetzt reden wir über die Handlung, jetzt reden wir nicht mehr über die Gefühle.

[00:37:21.260] – Bemerkung 3
Ok.

[00:37:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein Tipp. Das ist ein Befehl sogar, denn sie sind ja der Arbeitgeber.

[00:37:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt sage ich, jetzt gehen wir in die Handlung.

[00:37:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: was könnte er machen? Denn dann sind sie der Therapeut. Das müssen sie nicht. Sie können ihm
befehlen: jetzt gehen wir in die Handlung.

[00:37:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er das nicht kann, dann sagen sie dann: renn um das Haus rum, also irgendetwas Motorisches,
denn er geht gedanklich immer wieder in das gleiche Zeug hinein.

[00:37:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man noch machen könnte, wenn es jemand ist, der schreiben kann, okay, hier du hast ein Blatt
Papier, jetzt schreibst du auf, was der Verlauf ist.

[00:38:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber sie machen dann etwas anderes. Sie dürfen sich nicht hineinziehen lassen in das Karussell. Macht
das Sinn?

[00:38:15.480] – Bemerkung 3
Ja, auch.

[00:38:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Tipp ist der Befehl, dass man in die Hand geht.

[00:38:23.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sage ich, sie dürfen nicht helfen.

[00:38:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nur ihre Position beziehen.

[00:38:30.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Position ist, ich bin dein Vorgesetzter und jetzt gehen wir in die Handlung.

[00:38:34.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Jetzt haben wir genügend geschwatzt. Kann ich es da stehen lassen?

[00:38:47.720] – Bemerkung 3
Ja, das ist gut?

[00:38:50.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatherapie, wenn man ein Trauma hat, da kommen einem immer wieder die negativen Gedanken.
Da macht man etwas ganz einfaches, da macht man das EMDR, die motorische Bewegung, die ich auch
schon gezeigt habe, dass man die Finger hin und her bewegt, mit den Augen nachgeht und den Kopf
ruhig halten muss. Drei koordinatorische Bewegungen.

[00:39:16.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo ich die Koordination mache, kann ich nicht denken.

[00:39:19.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwatzen kann ich, denken nicht.

[00:39:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
So einer, der den ganzen Tag die Beziehung klären will, der will alle Probleme mit dem Denken lösen,
funktioniert nicht.

[00:39:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es ja den Spruch, probieren geht über Studieren.

[00:39:34.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in die Handlung gehen. Das lenkt einem dann wieder ab von dem Hamsterrad, von dem
gedanklichen Hamsterrad.

[00:39:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das noch etwas?

[00:39:48.970] – Bemerkung 3
Ja, das ist für alle wichtig.

[00:39:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat noch Fragen?

[00:40:02.010] – Bemerkung 4
Wir haben eine Person bei uns, die sich nicht korrekt abmeldet wenn sie nicht kommt. Ich habe schon viel
probiert, SMS schreiben, Strafen, mit Beziehung. Irgendwie geschieht nichts. Wir sind seit Jahren am
gleichen Ort. Haben Sie einen Ratschlag?

[00:40:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist er süchtig?

[00:41:06.960] – Bemerkung 4
Er ist nicht voll süchtig. Es ist schon auch ein Thema.

[00:41:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich einer nicht abmeldet, der ein Suchtproblem hat, dann hat er ja vielleicht ein Reissen, jetzt
muss ich unbedingt Suchtmittel konsumieren gehen, sonst halte ich es nicht aus. Er kann ihnen nicht
sagen: Ich muss jetzt gehen, ich muss jetzt Suchmittel konsumieren. Da würde er sich schämen.

[00:41:30.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn mal fragen: meldest Du Dich nicht ab, weil Du das reissen hast und weil du nicht zu dem
stehen kannst?

[00:41:56.420] – Bemerkung 4
Am Wochenende ist er im Ausgang. Er postet das in seinem Status, wir sehen das. Dann kommt er am
Montag nicht.

[00:42:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, man kann es trotzdem verwenden. Wenn er am Sonntag einen Absturz hat und er kommt am
Montag nicht oder irgendetwas ganz anderes.

[00:42:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann sich nicht abmelden, denn wenn er sich abmeldet, dann heisst das, er funktioniert nicht recht.

[00:42:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen gegenübertreten und sagen ich habe einen Hangover oder ich habe das oder das oder jenes. Da
muss er zugeben, dass er ein Problem hat.

[00:42:41.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir wieder bei der Sucht.

[00:42:45.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sucht ist eine Schande. Man hat sich nicht im Griff. Es ist ein Kontrollverlust.

[00:42:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihn einmal fragen: genierst du dich, dich abzumelden, weil du es eigentlich ja richtig
machen willst und weil du Angst hast, du bekommst von mir einen Zusammenschiss. Oder gibst du dir
einen Zusammenschiss, dass du es wieder nicht geschafft hast?

[00:43:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kann man dann sagen, wir wollen ja zusammen lernen.

[00:43:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte sagen das erste ist, dass man Freundschaft schliessen muss mit seinem Symptom.

[00:43:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn wenn man nicht Freundschaft schliesst mit seinem Symptom, dann schafft man immer dagegen.

[00:43:24.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade bei solchen Sachen, die nicht so akzeptiert sind, dann will man das immer loswerden und dann
kann man nicht damit umgehen.

[00:43:32.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihm dann sagen: Mir macht es nichts, aber es wäre hilfreich wenn du zu deinem Tief oder
deinem Absturz oder was es auch immer gewesen ist, stehen.

[00:43:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihn fragen, ist es ein Schande für dich, wenn du es nicht kannst?

[00:43:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es einem geniert, dass man sagen muss: Ich kann dann nicht kommen, dann fühlt man sich
schlecht, man schämt sich und dann macht man gar nichts. Das ist ein Ausweichverhalten.

[00:44:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Süchtler sind natürlich Ausweicher.

[00:44:04.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht gegen sie. Er weicht vor seinem eigenen schlechten Gewissen aus. Er will nicht damit
konfrontiert werden.

[00:44:15.880] – Bemerkung 4
Ja doch, das macht Sinn. Das ist gut.

[00:44:20.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn dürfen sie ihn fragen, kannst du nicht anrufen, weil du dich genierst?

[00:44:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Schüler Absentismus zeigen und wenn sie eine Woche oder zwei nicht mehr in die Schule
gegangen sind, dann können sie nicht mehr gehen, weil sie sich genieren, wieder in die Schule zu gehen.
Wie könnten die anderen darauf reagieren? Darum schicke ich immer den Vater mit als Autoritätsfigur,
der ihnen den Rücken deckt, dass sie sich nicht so genieren müssen.

[00:44:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Scham ist etwas ganz Wichtiges bei der Sucht.

[00:44:59.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtkrankheit ist natürlich nicht eine arrivierte Erkrankung.

[00:45:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krebs Erkrankung ist eine Heldensache. Da schämt man sich nicht dafür. Vielleicht gewisse auch.

[00:45:08.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suchtkrankheit ist moralisch verwerflich, denn man sollte ja eigentlich alles unter Kontrolle haben,
aber man hat es nicht. Das ist ein Reflex.

[00:45:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Griff zum Suchtmittel ist ein Reflex.

[00:45:25.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt ihnen das ein bisschen eine Handhabung?

[00:45:31.820] – Bemerkung 4
Das ist ein guter Input.

[00:45:32.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Unhöflichkeit, sondern ein Genieren vor sich selber, dass man sich nicht besser benimmt.

[00:45:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Scham ist etwas von Schlimmsten.

[00:45:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man gar nicht gerne, ein unangenehmes Gefühl.

[00:45:53.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Prima. Weitere Fragen?

[00:45:56.770] – Bemerkung 5
Ich vermute, dass jemand ein Problem hat. Ich will aber die gute, langjährige Zusammenarbeit nicht auf
das Spiel setzen. Wir haben einen Verdacht. Wie soll ich das angehen?

[00:46:29.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer das Problem vom sogenannten fälschlicherweise verdächtigen.

[00:46:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist in einer Interaktion und ich sage allen, sie müssen nicht Angst haben, dass sie fälschlicherweise
verdächtigen.

[00:46:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nur von sich aus ausgehen.

[00:46:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sagen: Hör zu, ich habe das Gefühl, ich habe den Eindruck, einfach von ihrer Wahrnehmung
her, dass da irgendetwas nicht stimmt.

[00:47:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Gefühl, da ist irgendeine Suchtsubstanz im Spiel.

[00:47:09.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht sagen: Ich meine, du bist süchtig oder du hast das und das konsumiert. Sie dürfen es
sagen.

[00:47:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann wird es natürlich vom Süchtigen geleugnet. Er geniert sich ja. Nein, nein, nein, gar nicht. Du tust
mich fälschlicherweise verdächtigen.

[00:47:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sagen, ich gehe nur nach meinem Gefühl. Ich habe etwas vorgenommen, ich habe
etwas geschmeckt oder so ähnlich.

[00:47:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dir das sagen müssen.

[00:47:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das nicht einfach so im Raum stehen lassen wollen.

[00:47:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, wir lassen es stehen.

[00:47:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zeigen, dass sie mit dem umgehen können und sie gehen von ihrem Gefühl aus, dann gibt ihm
das schon ein bisschen die Chance, dass er vielleicht später mal etwas sagen kann.

[00:47:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie wieder das Gefühl haben und wenn sie halt wieder irgendwas merken, dann sagen sie es
wieder.

[00:47:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nicht jeden Tag sagen. Sie müssen es ihm auch nicht beweisen aber sie dürfen nach ihrer
Wahrnehmung gehen.

[00:48:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Wahrnehmung ist ihre Wahrnehmung. Punkt.

[00:48:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mindestens hat er dann gemerkt, sie nehmen etwas war.

[00:48:16.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er merkt, sie nehmen etwas wahr, gibt das ein bisschen den Anstoss um etwas zu machen
dagegen.

[00:48:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind kein Detektiv, sie sind keine Richter, sie müssen nicht richten.

[00:48:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe es schon gehabt mit einem sexuellen Missbrauch, wo ich dann gesagt habe, Mutter, du darfst
sagen, ich habe den Eindruck, da läuft irgendetwas.

[00:48:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man nur schon sagt, ich spüre irgendetwas, ja, da hört man auf seine Sinne, man tut seine
Wahrnehmung nicht einfach runter drücken und der Betroffene kann damit machen, was er will.

[00:48:58.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er sagt, du tust mich fälschlicherweise verdächtigen, dürfen sie sagen, nein, mache ich nicht. Ich
höre auf mein Gefühl. Sie haben das Recht auf ihr Gefühl. Er kann ihnen nicht sagen, du darfst das nicht
haben.

[00:49:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn?

[00:49:13.480] – Bemerkung 5
Ja, sicher. Das ist eine gute Idee.

[00:49:15.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind fast zu vorsichtig. Sie wollen ihn nicht verletzen. Aber sie tun dafür ihre Gefühle runter drücken
und das ist nicht gut.

[00:49:26.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen authentisch sein.

[00:49:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann ihnen niemand vorwerfen, dass sie das Gefühl haben. Das haben sie jetzt auch. Vielleicht ist
man auch falsch gelegen.

[00:49:38.950] – Bemerkung 5
Danke, super!

[00:49:43.060] – Bemerkung 6

Ich habe eine ähnliche Situation. Ich habe einen Teilnehmer, der meldet sich auch nicht ab, der kommt
dann einfach nicht. Wenn er wieder kommt, dann kommt er zu mir und sagt: Es ist nicht gut gelaufen.
Wenn ich ihm anrufe, dann erreiche ich ihn nicht. Ich will, dass er mich einfach anruft und sagt, dass er
krank ist. Dann höre ich wenigstens etwas.

[00:50:52.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Den würde ich, wenn er dann wieder kommt und sagt, es ist scheisse gewesen und es tut mir leid, aber
ich will nicht drüber reden.

[00:51:11.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn fragen: hast du Dich geniert und darum nicht angerufen. Hier kommt wieder die Frage der
Scham.

[00:51:18.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, das verstehe ich. Ich hätte es aber trotzdem gerne, denn ich akzeptiere es.

[00:51:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht sagen, du kannst irgendetwas sagen, ich bin krank gewesen. Ich wäre da genauer.

[00:51:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde sagen, auch wenn du nicht darüber reden willst, was es gewesen ist, es ist nicht mein Auftrag,
ich bin nicht ein Therapeut.

[00:51:46.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage trotzdem, was ist gewesen? Was hat dich in die Scheisse hinein gedrückt? Kannst du das mal
für dich anschauen?

[00:51:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Also ich würde trotzdem diese Fragen stellen.

[00:51:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht darüber hinweg wischen und sagen ja, ja, du kannst mir einfach anrufen. Sie wollen beides. Sie
wollen, dass er anruft. Sie müssen zuerst fragen warum er nicht anruft? Weil er sich geniert.

[00:52:13.515] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie stauchen ihn nicht zusammen.

[00:52:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Er kann sagen: ich kann nicht, ich bin im Loch oder ich habe einen Rückfall gehabt.

[00:52:19.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen auch noch, dass er darüber nachdenkt.

[00:52:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dürfen sie. Macht das Sinn?

[00:52:25.760] – Bemerkung 6
Ja, ich hoffe es. Er erzählt mir immer sofort, weshalb er nicht gekommen ist.

[00:52:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat es ihnen schon erzählt. Dann sagen sie ihm, dass er noch darüber nachdenken soll, was ihn in die
Sache reingeritten hat.

[00:52:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Und sie sagen natürlich: Ich will, dass Du mir schneller anrufst, damit ich informiert bin. Dann kann man
noch nachfragen: Was ist der Grund, dass du das nicht kannst? Was hindert Dich dort?

[00:52:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gehen immer genauer auf die Situation ein.

[00:53:16.640] – Bemerkung 7
Ich habe zum Beispiel einen begleitet, der hat zwei Tage durchgeschlafen, weil er Drogen konsumiert hat.
Wie findet man ein Lösung, dass er überhaupt fähig ist, zum Telefon zu greifen?

[00:53:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er so zu ist, dann ist er nicht fähig. Nein, dann ist es gefährlich.

[00:53:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich einen gehabt, der hatte dann eine Nervenlähmung am Fuss, weil er so lange geschlafen hat,
da hat er den Nerv abgedrückt.

[00:53:49.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, da können sie nicht so viel machen. Da kann man höchstens fragen, wer ist um dich herum? Gibt
es jemanden, der das wahrnimmt? Da kann man sagen, dann darf der anrufen.

[00:53:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht mehr in ihrem Bereich, das ist dann medizinisch.

[00:54:09.220] – Bemerkung 8
Ich habe einen Teilnehmer, da ist bekannt, dass er eine Suchtproblematik hat und man weiss, wenn er
Geld in die Finger bekommt, dann braucht er das, um seine Sucht zu befriedigen.

[00:54:21.430] – Bemerkung 8
Er arbeitet in einem Arbeitsbereich, wo es dann ab und zu wenig Geld gibt, wo er dann auch mitbekommt,
dass die Finanzen streng geregelt sind. Er ist noch zusätzlich in einem betreuten Wohnen.

[00:54:35.420] – Bemerkung 8
Da finde ich manchmal die Handhabung schwierig. Alle anderen bekommen Trinkgeld.

[00:54:40.790] – Bemerkung 8
Was macht der Arbeitsbereich? Soll man ihn bevormunden und ihm keine Trinkgeld geben?

[00:54:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, würde ich nicht. Also ich würde nie das Geld zurückhalten, damit er nicht Sucht-Substanzen kaufen
kann.

[00:55:04.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ihm das Geld gebe, würde ich sagen, wenn man ihm das Trinkgeld gebe, würde ich fragen, für
was willst du es brauchen? Was hast du im Sinn damit zu machen?

[00:55:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen, gib es nicht aus für Sucht-Substanzen, sondern intrinsische Motivation: für was willst du es
brauchen?

[00:55:26.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich vor kurzem ein Beispiel gehabt, das ist eine geistig Behinderte gewesen und die
Sozialpädagogin wollte, dass sie lernt zu Sparen.

[00:55:35.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat sie nicht gesagt, gib es nicht aus, sondern sie hat gesagt, sie haben miteinander abgemacht, dass
sie spart, um ihre Mutter einzuladen zu einem Kaffee.

[00:55:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist ein positives Ziel gewesen und nicht ein negatives. Negative Ziele funktionieren in der Regel nicht.

[00:55:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patientin hat dann das hin gebracht, sie hat sparen können und sie hat die Mutter eingeladen. Sonst
hat sie immer alles einfach ausgegeben.

[00:56:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn können sie ihn fragen, für was willst du es ausgeben? Für das oder für das?

[00:56:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er dann ausweicht oder einfach nicht darüber reden möchte, weil er weiss, er will es wieder für
Sucht-Substanzen verwenden, dann können sie ihn fragen, für was anderes könntest du ihn ausgeben,
das dir eine nachhaltigere Befriedigung gibt?

[00:56:28.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist gerade das Wort des Jahres gekommen: Nachhaltigkeit.

[00:56:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch so eines.

[00:56:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn können sie ihn fragen, was würdest du noch gerne machen?

[00:56:39.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Langfristig und mit ihm schauen, was ihm Spass machen würde.

[00:56:45.650] – Bemerkung 9
Ich hatte schon die Idee, ihn intrinsisch zu motivieren. Spar auf das, dann kannst Du Deiner Tochter
etwas zu Weihnachten schenken. Ich habe einfach die Befürchtung, dass wenn man dann darauf
eingehen will und er das dann nicht schafft und dann zusätzlich in eine negative Spirale reinkommt, weil
er es nicht geschafft hat. Das Versagen wird dann grösser.

[00:57:15.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ihm das schon vorgeschlagen, das ist dann schon nicht mehr ganz intrinsisch.

[00:57:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde noch eine Stufe zurückgehen und fragen: Was würde dir nachhaltig Freude machen, wenn du
was mit dem Geld machen könntest?

[00:57:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass er selber überlegen muss, was er will.

[00:57:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann auch für sich etwas kaufen, oder der Frau.

[00:57:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss überlegen: Was will ich damit machen. Wir denken immer viel für unsere Klienten. Dann tun wir
sie mit dem bevormunden und dann gehen sie dagegen.

[00:57:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht mehr ganz intrinsisch.

[00:57:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee ist richtig gewesen, aber sie verstehen, was ich meine.

[00:57:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich weiss es nicht. Nein, wird nicht akzeptiert. Er muss überlegen, was er tolles machen könnte. Dann
kann er sich das zum Ziel setzen.

[00:58:00.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann positiv motivieren, aber selber.

[00:58:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke fürs Mitmachen und ich hoffe, sie können ein paar von diesen Sachen nutzen, ausprobieren und
verwenden am Arbeitsplatz.

[00:58:24.940] – Bemerkung 10
Super, danke vielmals Frau Dr.med. Davatz für Ihre Zeit und für den interessanten Austausch. Es war
wirklich spannend.

Temperament gerechter Umgang

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

14.11.2023

Temperament gerechter Umgang
Audio

[00:00:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Temperamentgerechter Umgang.

[00:00:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir ein paar Gedanken als erstes gemacht, und zwar eine Banalität, ein paar allgemeine
Gedanken.

[00:00:12.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, der Mensch ist ein soziales Wesen und das muss man berücksichtigen.

[00:00:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine gesunde Erziehung, eine gesunde Entwicklung eines Kindes hängt von einer gelungenen sozialen
Beziehung mit seinem Umfeld ab.

[00:00:31.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, die Erziehungsverantwortlichen müssen eine Beziehung zum Kind herstellen können.

[00:00:39.670] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung wird häufig von der Haltung ausgegangen, wir müssen die Kinder in eine gewisse
Richtung lenken. Das heißt, wir ziehen sie irgendwo hin.

[00:00:52.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder nach unseren Vorstellungen erziehen, damit sie dann sich gut bewähren können
im erwachsenen sozialen Umfeld.

[00:01:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt oft nicht.

[00:01:07.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind, wenn es nicht klappt mit der Erziehung, zum Beispiel in der Schule, im Kindergarten und so
weiter, wenn es da nicht klappt, dann wird das Kind häufig uns Psychiatern übergeben und wir sollen
dann das Kind so richten, dass es sich in unserem gängigen System bewegen kann, anpassen kann und
so weiterentwickeln kann.

[00:01:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald Psychiater reinkommen, dann kommt ein medizinisches Modell zur Sprache. Das heißt, man
versucht an diesem einzelnen Kind rum zu machen, dass es dann reinpasst.

[00:01:54.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin sage natürlich, wir Erwachsene müssen uns auch dem Kind anpassen, damit
da irgendetwas funktioniert.

[00:02:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:02:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Erziehung ist nie nur eine Einbahnstrasse, als von mir zum Kind, ich erziehe, sondern das Kind
erzieht auch mich.

[00:02:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen an den Kindern verschiedene Lebenssituationen kennen, verschiedene Temperamente etc.

[00:02:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen immer auch von den Kindern lernen.

[00:02:36.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist an sich ein altes Prinzip. Sokrates hat schon gesagt, man lernt von seinen Schülern.

[00:02:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn gilt die Regel keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:02:50.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum Titel: Was ist Temperament gerecht?

[00:02:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich natürlich viel mit ADHS-Kindern befasst.

[00:03:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Um ADHS-Kinder erfolgreich erziehen zu können, müssen wir zuerst verstehen, wie ihr Temperament ist,
wie ihr Wesen ist, wie sie die Welt wahrnehmen und wie sie auf die Welt reagieren.

[00:03:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können nicht einfach unsere Erziehungsvorstellung dem Kind auf doktrinieren.

[00:03:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich jeder Dompteur im Zirkus, der muss sich der Wesensart des Tieres bewusst werden, damit
er das Tier möglichst erfolgreich dressieren kann.

[00:03:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern sagt man das nicht. In dem Sinn sage ich ADHS Kinder brauchen eine
temperamentgerechte, eine persönlichkeitsgerechte Erziehung und Behandlung und Umgang mit ihnen.

[00:04:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist ADHS in aller Munde und es wird viel darüber diskutiert.

[00:04:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird auch gesagt, es ist nur eine Mode Krankheit, gibt es gar nicht, stimmt natürlich nicht. Es ist
ein genetisch angeborener Neurotyp, also Persönlichkeitstyp.

[00:04:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht alle Dinge erwähnen, aber ich hole drei Eigenschaften dieser Art von Kindes heraus.

[00:04:30.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist die sehr hohe Sensitivität. Das zweite ist eine starke impulsive Reaktivität.

[00:04:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wenn diese Kinder verletzt werden, sie werden leichter und schneller verletzt. Wenn sie
verletzt werden, dann reagieren sie entweder mit impulsiver, aggressiver Abwehr, sind dann sogenannte
böse Kinder, oder sie ziehen sich zurück und entziehen sich der Beziehung und dann kann man auch
nicht mehr erziehen.

[00:05:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dritte Eigenschaft des ADHS Kindes ist eine leichte Ablenkbarkeit. Man nennt dann das
Aufmerksamkeitsstörung. Aber ich sage, es ist eine breite Aufmerksamkeit. Das heißt, das Kind nimmt
viel mehr Reize im Umfeld wahr als ein Durchschnittskind.

[00:05:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn hinten ein Papier raschelt und vorne redet die Lehrerin oder die Kindergärtnerin, dann hört es auf
das Papier und nicht mehr auf den Lehrer oder die Lehrerin.

[00:05:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lassen sich sehr, sehr schnell ablenken.

[00:05:49.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her braucht es eine gewisse Fähigkeit, um die Aufmerksamkeit immer wieder reinzuholen von
diesen Kindern.

[00:06:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Typen sind schnell verletzt, das ADHS-Kind, wenn es verletzt ist, wird es aggressiv. Das ADS-Kind,
wenn es verletzt wird, zieht es sich eher zurück in seine Fantasiewelt.

[00:06:15.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das aggressive Kind erreicht man nicht mehr. Das Kind, das in die Fantasiewelt entschlüpft ist, erreicht
man auch nicht mehr.

[00:06:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her sage ich, wenn ein ADHS Kind, alles was ich sage, könnte man natürlich auf alle Kinder
anwenden.

[00:06:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS Kindern ist es noch wichtiger.

[00:06:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS Kind aggressiv, impulsiv reagiert, darf man es nicht für diese Aggressivität, für die
aggressive Abwehr bestrafen.

[00:06:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Moment der aggressiven Reaktion darf man es nicht bestrafen, nicht erziehen.

[00:07:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst nach der Verletzung suchen und sagen: Was hat dich jetzt so geärgert, dass du
so aggressiv geworden bist?

[00:07:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganz kleinen Kinder können das noch nicht sagen. Die größeren können es etwas.

[00:07:20.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den kleinen muss man beobachten: Was hätte es sein können? Und dann kann man fragen War es
das oder war es das?

[00:07:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man helfen. Man darf nie die Aggressivität sofort erzieherisch unterdrücken, sonst hat man den
Kontakt zu dem Kind verloren.

[00:07:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss also rausfinden, was hat dieses Kind verletzt? Wenn man etwas ein Bild hat, was das Kind
verletzt hat, dann muss man mit dem Kind zusammen gemeinsam erarbeiten, wenn dir das wieder
passiert, was könntest du anderes machen oder was wäre sozial verträglicher?

[00:08:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Also man muss die Konfliktlösung mit dem Kind zusammen erarbeiten.

[00:08:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald das Kind mitarbeitet an der Konfliktlösung und am Verhalten, dann steht es auch hinter diesem
Verhalten. Dann ist es nicht einfach aufgepfropft, aufgesetzt, sondern dann kann es das besser
übernehmen.

[00:08:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS-Kindern, die müssen intrinsisch motiviert werden, also von sich aus und nicht extrinsisch, also
nicht von außen.

[00:08:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie zur Kooperation bringen und nicht zum Gehorsam. Denn der Gehorsam, der funktioniert
nicht. Die haben sehr viel Widerstand. Die haben einen Dickkopf, im Kampf mit diesem Dickkopf macht
man meistens zweiten, also verliert man.

[00:09:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiter noch zur Aufmerksamkeit.

[00:09:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hunden sagt man, man muss zuerst den Appell des Hundes haben und erst dann darf der Befehl
durchgegeben werden.

[00:09:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht, ob ein Kind aufmerksam ist an den Augen.

[00:09:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Befehl quer durchs Zimmer gibt und in den Rücken des Kindes, dann kann es sehr wohl
sein, dass es diesen einfach ignoriert.

[00:09:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es etwas wichtiges ist, dann muss man zum Kind hingehen, Augenkontakt schaffen, je nachdem,
und das kommt auf das Kind drauf an, darf man auch noch Schulterkontakt, also die Hand auf die
Schulter legen.

[00:10:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es da diesbezüglich sehr empfindlich ist und nicht gern Berührung hat, dann geht das nicht.

[00:10:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Über den Augenkontakt, wenn man das Gefühl hat, man hat den Augenkontakt, dann kann man seinen
Wunsch, seinen Befehl sagen.

[00:10:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass dieser Befehl oder dieser Wunsch, dass der relativ kurz ist, klar ist und nicht 100'000
Erklärungen noch hinterher schieben.

[00:10:34.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verwirrt man das Kind und am Schluss weiß es nicht mehr, was man eigentlich wollte.

[00:10:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zum Teil auch mit einer, ich sage jetzt auditiven Diskriminierungsfähigkeit verbunden.

[00:10:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder können oft nicht lange Sätze sich merken.

[00:10:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das serielle Gedächtnis ist noch nicht so gut.

[00:10:58.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann viel zu viel aufs Kind einredet, geht der Anfang verloren und das Kind weiß nicht mehr,
was man von ihm wollte.

[00:11:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zuschaue, wie Eltern auf ihre Kinder einreden, auch auf die kleinen, dann denke ich Oh, redet
doch nicht zu viel, ist viel zu viel.

[00:11:18.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Kurze Sätze und dann schauen, ob es beim Kind angekommen ist.

[00:11:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das Appell.

[00:11:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADS Kindern, die haben eine Hyperaktivität im Kopf, die prüfen alles zuerst sehr sorgfältig durch in
ihrem Inneren, im Gehirn und erst dann entscheiden sie.

[00:11:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen unter einer Gruppe in einer Klasse oft leicht verloren.

[00:11:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, sie schweifen dann ab in Träumereien und bekommen gar nicht mehr mit, was läuft.

[00:11:59.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Träumer Kinder, die werden in einer Gruppe leicht zum Fokus von Mobbing.

[00:12:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig sind es eben scheue Kinder und wenn man die aggressiv angeht, dann wehren sich die nicht oder
können das nicht.

[00:12:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her muss man als Erziehungsperson die etwas im Auge haben und wenn da eine Mobbing
Situation in der Gruppe entsteht; man muss die Kinder in die Gruppe reinholen, bevor sie ganz
abgeglitten sind, ganz weg sind. Man muss sie aktiv reinholen.

[00:12:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Was früher von den Lehrern oft gemacht wurde, wenn die Kinder sich nicht richtig ausgedrückt haben
oder nicht gemeldet haben, dann bekamen sie schlechte Noten oder der Lehrer hat jemand aufgerufen
und das Kind weiß dann nicht was sagen und dann wird es vor der ganzen Klasse blamiert.

[00:13:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man natürlich nicht.

[00:13:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie reinholt, darf man sie nicht bloßstellen, sondern man muss sie begleiten.

[00:13:17.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder brauchen mehr Zeit. Man muss Geduld haben. Die sind nicht so schnell wie die ADHS
Kinder, die alles überrennen.

[00:13:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man den ganzen Prozess etwas verlangsamen.

[00:13:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gehe ich noch schnell auf das Wort ein: innovative Begleitung.

[00:13:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war bei Ihnen nicht dabei, aber ich nehme es jetzt trotzdem.

[00:13:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Innovativ ist alles, wenn wir mit den Kindern zusammen eine Lösung suchen.

[00:13:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ein Problem, z.B. mit einem einzelnen Kind. Ich will, dass das Kind jetzt seine Schuhe anzieht
und alle warten schon.

[00:14:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: zieh doch schnell deine Schuhe an und dann macht es das Kind einfach nicht. Dann kann
man sagen: Oh, jetzt habe ich ein Problem.

[00:14:15.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen warten schon, die laufen uns davon. Du wirst die Schuhe nicht anziehen. Was mache ich
jetzt?

[00:14:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Also, dass man das Problem schildert und dann schaut, ob das Kind mit irgendeiner Lösung kommt.
Wenn man die Kinder mit einbezieht in die Problemlösung, dann machen die eher mit.

[00:14:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das intrinsische Lernen und das selbst motivierte Mitmachen.

[00:14:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel Familien habe mit Kindern und die Eltern haben Probleme mit einem Kind, dann
schauen wir das Problem an.

[00:14:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich benenne das Problem und dann sage ich: Jetzt haben wir das Problem. Was schlägst du vor?

[00:15:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Natürlich, Dreijährige können das vielleicht noch nicht so gut, aber vielleicht können sie es sogar. Ich
frage das Kind: Was schlägst du vor und ich bin als erstaunt, was die Kinder für gute Vorschläge haben.

[00:15:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken immer wir Erwachsenen, die schon so viel Wissen vom Leben, die müssen dem Kind zeigen,
wie es geht.

[00:15:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kreativ, innovativ wäre das Kind mit Einbeziehen in die Lösung, in die Problemlösung, in die
Konfliktlösung.

[00:15:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe letztens einen Film angeschaut, das ist die Schule von Bratsch. Hat ihn irgendjemand gesehen?
Nein, ist in Wallis.

[00:15:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist ein junger Lehrer und der hat gesagt, er hat schlechte Schulerfahrung gemacht. Er will eine ganz
andere Schule machen. Die haben dann ein leeres Schulhaus, das nicht mehr verwendet wurde, haben
die gefragt, ob sie das verwenden können und haben dann dort eine Schule gemacht.

[00:16:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstaunlich. Ich kann nicht mehr alles sagen.

[00:16:10.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Damian Gsponer und Natascha Würsten sind die Lehrer. Damian Gsponer hat den Kindern drei Projekte
gegeben, also drei Bereiche, wo sie sich betätigen können. Eines war der Garten, das andere war, sie
mussten ein Lager vorbereiten und als drittes durften sie den Spielplatz gestalten.

[00:16:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich nicht alles gesehen, aber es war unglaublich, wie die Kinder mitgemacht haben.

[00:16:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben echte Problemlösungen miteinander erarbeitet und eines war eine Sitzung, da war ein
Gemeindepräsident dabei, aber die Kinder haben die Sitzung geführt und die haben dem
Gemeindepräsident gesagt, wenn sie da Einwände haben gegen unsere Schule, dann müssen sie jetzt
das bringen.

[00:17:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben sehr erwachsen geredet miteinander. Erstaunlich.

[00:17:09.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bringe ich jetzt noch mal ein Wort rein, der Stress.

[00:17:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress gibt es vier verschiedene automatisierte Stressverhalten bei Tieren und bei Menschen.

[00:17:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erste ist Fight, also Kampf.

[00:17:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder, wenn die verletzt werden, kämpfen die, Fight.

[00:17:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Flight, das ist die Flucht. Wenn ADS Kinder verletzt werden, flüchten die.

[00:17:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen flüchten auch eher, Männer neigen eher zu Kampf, Frauen eher zu Flucht nach innen.

[00:17:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dritte ist Freeze, auf Englisch reimt sich das sehr gut. Auf Deutsch heisst das: Totstellreflex.

[00:17:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Totstellreflex zum Beispiel muss man anwenden, wenn ein Silberback, also ein Gorilla einem im
Urwald als Feind sieht, dann muss man so tun, als ob man ein Fels sei, also dass er sich nicht gestört
oder angegriffen fühlt. Man darf nicht davon rennen, sonst geht er einem nach.

[00:18:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Freeze, so wie der Igel, der sich einigelt, wenn ein Feind kommt, so ist er geschützt.

[00:18:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können das auch, Freeze, dass wir gar nichts mehr sagen.

[00:18:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS Kinder machen eher Freeze, die ziehen sich zurück. Das Hirn läuft zwar noch, aber nach außen
sieht man gar nichts. Also die sogenannte Totenstarre.

[00:18:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir erschreckt werden von einem Einbrecher, dann können wir auch in die Totenstarre verfallen.

[00:18:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vierte Muster ist Teasing. Teasing, auch wieder Englisch, heißt eigentlich provokatives
Spielverhalten.

[00:19:03.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie jungen Hunden, auch jungen Geissen zuschauen, die Hunde, die kann man eher beobachten,
wenn sie denen zuschauen, die teasen sich gegenseitig, die springen sich an, die zwicken sich, die
machen alle möglichen Dinge und schauen dann, wie der andere reagiert.

[00:19:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder machen das auch. Die testen einen und wollen schauen, wie man reagiert.

[00:19:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man das Teasing nicht bestrafen, sondern wahrnehmen: aha, du willst mich in ein Spiel
reinholen? Je nachdem kann man sogar in ein Spiel reingehen und dann wird der Konflikt entschärft.

[00:19:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Teasing, also Teasing ist Spielverhalten, provokatives Spielverhalten, es ist aber auch
Lernverhalten und über Teasing entstehen kreative Problemlösungen.

[00:20:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man schaut in der Wissenschaft, wer hat, also in welchem Alter wurden neue Dinge erfunden, dann
ist das häufig viel mehr bei jungen Menschen, weil die noch besser teasen können. Also die sind noch
nicht so eingespurt.

[00:20:28.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler von denen sagt man auch, die akzeptieren die Grenzen nicht. Die gehen immer über die
Grenzen raus und wollen schauen, wie reagiert wird.

[00:20:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann natürlich wissenschaftlich über die Grenzen rausgeht, dann erfindet man neue Dinge
und das ist dann kreativ.

[00:20:46.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADHS Kind, Steve Jobs war ein ADHS Kind, der Elon Musk ist sicher eines, der
von Microsoft Bill Gates und so weiter. Von Mozart sagt man es auch.

[00:21:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS Kinder können besser Grenzen überschreiten, also sie halten sich eben nicht so gut an die
Regeln. Das ist in der Schule vielleicht oder im Kindergarten nicht so angenehm.

[00:21:16.430] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Fähigkeit stecken immer auch innovative Kräfte.

[00:21:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn lande ich wieder beim Lernen. Wir müssen auch von den Kindern lernen, nicht nur die Kinder
von uns.

[00:21:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit gelernt wird und damit erzogen wird, braucht es eine ernsthafte Beziehung und eine ernsthafte
Auseinandersetzung mit dem Kind.

[00:21:48.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe häufig, dass Leute zu schnell wollen, dass das Kind schon gut erzogen ist und von dort her
dann, wie soll ich sagen einfach brav alles macht wie ein Erwachsener.

[00:22:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Titel war noch das Wort Balance, stärken der psychischen Balance

[00:22:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychische Balance.

[00:22:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe am Anfang gesagt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und er ist ständig am Balancieren
zwischen Anpassung und sich selber durchsetzen.

[00:22:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen neigen eher zur Anpassung, Jungs neigen eher zum sich durchsetzen, also
Dominanzverhalten. Das hängt mit den Hormonen zusammen und mit unseren Genen.

[00:22:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir als Mädchen, als Frauen uns zu viel anpassen, dann verlieren wir unser eigenes Ich und dann
bekommen wir eine Depression und funktionieren nicht mehr gut.

[00:23:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns zu viel durchsetzen, sind wir vielleicht unbeliebt, aber wir können uns doch besser
verwirklichen.

[00:23:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können das besser. Bei den Männern ist mehr bekannt, dass die sich halt durchsetzen und
bei den Männern, bei den Buben akzeptiert man es auch.

[00:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinne muss ein Mensch immer in der Balance sein zwischen wie viel passe ich mich an, damit ich
in der Gruppe akzeptiert werde? Wie viel setze ich mich durch, damit ich mich selber sein darf?

[00:23:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, wenn ich mich durchsetze als Führerfigur, als Alphatier, dann habe ich dann viele Followers, was
aber auch nicht das Mass aller Dinge ist.

[00:24:07.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn ist es ganz wichtig, dass man da immer wieder seine Balance findet.

[00:24:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Moment findet man, ich muss mich jetzt anpassen, in einem anderen findet man, man muss sich
mehr für sich selber einsetzen und durchsetzen.

[00:24:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist es wichtig, dass man den verschieden gearteten Kindern, also eben die ADHSler, die setzen sich
mehr durch. Wegen der hohen Sensibilität verlieren sie auch eher das Gleichgewicht.

[00:24:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich nicht durchsetzen können, sind sie verletzt und dann geht gar nichts mehr.

[00:24:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS Kinder verlieren wahrscheinlich schneller ihre Balance.

[00:24:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, da ist es unsere Aufgabe als Erzieher, dass wenn man sieht, jemand hat die Balance verloren,
dass man wieder schaut, wie kommt er zu seiner Balance?

[00:25:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem Anpassen und sich durchsetzen, also dominieren, da gibt es auch wieder eine Begrifflichkeit von
Jean Piaget.

[00:25:21.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Der redet von Adaptation, das wäre anpassen und Assimilation. Assimilation ist eigentlich, man nimmt
andere Dinge und integriert die in sich und setzt sich dann mit diesen neuen Dingen durch.

[00:25:40.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wenn ich mit Lehrern zu tun habe und wenn ich mit der Schule zu tun habe, dann denkt man
oft zu viel nur an die Skills, also die Kompetenzen zu erwerben, so wie Lernen, also Lesen, Schreiben,
Rechnen und so weiter.

[00:26:01.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Social Skills, also die Sozialkompetenz in der Gruppe, die kann sehr leicht schief laufen.

[00:26:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heißt es, das ist auf dem Pausenplatz, das geht uns nichts an, aber der Pausenplatz gehört zur
Schule. Von dort her ist es sehr wichtig heutzutage, dass wir den Kindern viel Sozialkompetenz
beibringen mit unterschiedlichen Kindern, unterschiedlichen Gebräuchlichkeiten, unterschiedlichen
Religionen und so weiter.

[00:26:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und wir müssen mit ganz vielen verschiedenen Kulturen
umgehen lernen und keine ist besser und keine ist schlechter. Jede hat ihre Vorteile, jeder hat ihre
Nachteile und wir müssen lernen, mit Unterschieden umzugehen.

[00:26:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Menschen zu kommunizieren, die eine andere Meinung haben, eine andere Haltung haben, ist
absolut notwendig, um die Kinder auf das moderne Leben vorzubereiten.

[00:27:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sehen, was jetzt da alles läuft an Krieg, dann sieht man, wie der Mensch noch nicht so weit ist,
mit unterschiedlichen Einstellungen umzugehen.

[00:27:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will recht haben und jeder will das bessere System haben.

[00:27:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer globalisierten Welt mit globalisiertem Handel, müssen wir mit allem umgehen können.

[00:27:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Wichtiges, wenn nicht das Wichtigste in der Erziehung ist die Sozialkompetenz.

[00:27:43.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären so meine Ausführungen und jetzt will ich Fragen von Ihnen.

[00:28:16.100] – Bemerkung 1
Also meine Tochter ist dreieinhalb. Die Tageskinder sind zwischen acht Monaten und zehn Jahren alt.

[00:28:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben sie eine große Varianz, ganz kleine Kinder und ein großes Kind. Das sind schon sehr viele
Unterschiede und da ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Stufen miteinander lernen umzugehen. Da
ist natürlich das große Kind, das mit dem kleinen lernen muss umzugehen.

[00:29:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Können Sie irgendwelche Probleme schildern? Anhand von den Problemen können wir Sachen lösen.

[00:29:27.150] – Bemerkung 2

Ich mache aktuell ein Praktikum an einer Privatschule, Kinder gemischten Alters miteinander lernen. Das
sind zehn Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren und da kommt es oft vor, dass die älteren Jungen,
die sind im Alter zwischen zehn bis zwölf, immer auf einem Mädchen rumhacken, was sieben ist.

[00:29:52.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, jetzt haben wir ein gutes Problem. Wie hacken die rum auf dem Mädchen? Was machen die?

[00:29:59.880] – Bemerkung 2
Sie sagen Beleidigung oder Tuscheln über sie.

[00:30:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht dann die Lehrerin?

[00:30:10.400] – Bemerkung 2
Sie sagt den Jungs, dass es nicht in Ordnung ist.

[00:30:13.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt schon die Erzieherin.

[00:30:20.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt bringe ich das Konzept des Teasing rein. Sie kennen wahrscheinlich auch den Spruch: Was ich lieb,
das neckt sich.

[00:30:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Werbeverhalten bei uns erwachsenen Menschen ist auch Teasing drin.

[00:30:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstatt dass wir sagen Ich interessiere mich für dich, mache ich einen blöden Witz. Da könnte ich, ich
kenne die Jungen nicht, aber da könnte ich jetzt sagen: vielleicht wollen die ja irgendwie Kontakt mit dem
anderen Geschlecht, mit diesem Mädchen.

[00:30:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist es für ein Mädchen? Ist sie scheu? Ist sie laut?

[00:31:07.510] – Bemerkung 2
Weder scheu, noch extrovertiert, also weder noch. Sie ist sehr kontaktfreudig, kommt eigentlich mit jedem
gut klar.

[00:31:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontaktfreudig? Was kann sie gut?

[00:31:25.640] – Bemerkung 2
Sachen erklären. Sie erklärt ganz viel, auch den Älteren.

[00:31:29.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, die ist gescheit. Kann sie es besser als die Jungen? Können die weniger?

[00:31:39.250] – Bemerkung 2
Ja

[00:31:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, okay, da ist eine Rivalität. Die kann etwas besser, ist kleiner und ist ein Mädchen.

[00:31:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ja klar, der Mann weiß immer alles besser als die Frauen, also das ist so etwas Tradition. Wenn
man die Heiraten ansieht, dann heiraten Akademiker, heiraten eine nicht Akademikerin. Das ist eine
traditionelle Beziehung zwischen Mann und Frau.

[00:32:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann alles gut erklären. Das ist schwierig für die Jungs. Dann tuscheln die blöd.

[00:32:15.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich jetzt reingehen und sagen und ich würde zuerst einen nehmen, nicht sagen, dass das nicht
okay ist, also nicht einfach verbieten, sondern ich würde den Frechsten nehmen und ich würde jetzt
wahrscheinlich fragen: Was findest du gut an ihr? Was findest du, dass die gut kann?

[00:32:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ja sofort gesagt, sie kann gut erklären.

[00:32:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er das nicht sagt, können sie sagen: Ich finde, sie kann gut erklären. Was meinst du dazu?

[00:32:48.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir jetzt einen Wettkampf. Hier können wir sagen: Kann sie besser erklären als du, obwohl sie
jünger ist? Stört dich das?

[00:32:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man die Spannung, die sich da aufbaut zwischen diesen, dass man die etwas rausholt.

[00:33:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal auch, als ich eine Weiterbildung gemacht habe, da war ein Junge, der hat immer
irgendjemand angestoßen. Dann habe ich gesagt, der versucht Kontakt aufzunehmen auf ungeschickte
Weise.

[00:33:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen die, die tun blöd, die nehmen auf ungeschickte Weise mit ihr Kontakt auf.

[00:33:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haben die sogar Angst, dass sie ihnen über den Mund fährt oder die Dinge besser weiß als sie. Ja,
dass man das alles anschaut und dann schaut, wie können die anders miteinander kommunizieren,
spielerisch.

[00:33:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf etwas erklären und der Junge darf irgendetwas vorzeigen, was er ganz speziell toll kann, zum
Beispiel was sportliches oder irgendetwas.

[00:33:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sofort sagen können, die kann gut erklären.

[00:34:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wirkt dann altklug auf die und ja, das stört das Männer-Frauen-Bild.

[00:34:13.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war mal an einem Ärztinnen Workshop. Da hat die, die uns den Workshop gegeben hat, hat gesagt,
als Frau darf man schön sein, aber man muss dumm sein. Wenn man gescheit ist, muss man mindestens
hässlich sein. Aber attraktiv und gescheit, sehr gefährlich. Wenn ich mit Frauen geredet habe, die
intellektuell waren und auch noch attraktiv, die hatten Mühe Männer zu finden, weil da die Hierarchie nicht
stimmt und es beginnt schon da in der Schule. Macht das Sinn für sie?

[00:35:06.120] – Bemerkung 2
Ja, durchaus.

[00:35:08.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Reden Sie mit der Lehrerin und empfehlen sie nicht zuerst zu kritisieren und zu sagen: "Das gehört sich
nicht. Das ist einfach eine Anstandsregel". Das funktioniert überhaupt nicht.

[00:35:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Vermitteln zwischen diesen beiden Lagern.

[00:35:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich das, Ihrer Chefin zu sagen?

[00:35:34.560] – Bemerkung 2
Ja, doch.

[00:35:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Super. Dann müssen Sie rückmelden, wie es gegangen ist.

[00:35:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehen Sie, das ist Teasing. Provokationsverhalten.

[00:35:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich ist das immer Lernverhalten. Man könnte auch mal in eine Tierfarm schauen gehen, also wo
Hunde gezüchtet werden.

[00:36:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz
In Allschwil in Basel-Land, da züchten die Blindenhunde.

[00:36:06.160] – Bemerkung 3
Da war ich zufälligerweise auch schon einmal.

[00:36:10.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sieht man, wie die spielen miteinander. Wir reden ja dann auch von Welpenschutz. Wenn der
Junghund die Erwachsenen beißt oder zwickt oder was, dann reagieren die Erwachsenen nicht mit Nein,
das geht nicht, sondern die haben den Welpenschutz.

[00:36:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unseren Kindern auch den Welpenschutz gewähren, aber dann beibringen, wie könnte man
es anders machen?

[00:36:41.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben diese jungen Hunde auch gesehen, wie die gespielt haben. Super. Ja. Toll.

[00:37:02.110] – Bemerkung 4
Ein Junge wurde vier Jahre alt im September. Dann habe ich noch meine dreieinhalbjährige Tochter zu
Hause und ein anderer Junge, der auch vier Jahre alt ist.

[00:37:28.080] – Bemerkung 4
Häufig geht es dann so ein bisschen um den einen Jungen und meine Tochter und den Bub, dass sich so
ein bisschen Grüppchen bildet.

[00:37:35.610] – Bemerkung 4
Er fühlt sich ausgeschlossen, wenn es um das Teilen von Bauklötzen geht. Er sagt dann ganz viel mal, ja,
ihr seit jetzt nicht mehr meine Freunde, du darfst jetzt nicht zu mir nach Hause kommen, mein Papa tut
dich ins Gefängnis. Der Vater arbeitet im Gefängnis.

[00:38:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, das sagt der Junge, der vier Jahre alt ist.

[00:38:10.580] – Bemerkung 4
Der Junge hat zwei ältere Schwester und ich habe wie das Gefühl, dass er das von diesen Schwestern
aufgeschnappt hat.

[00:38:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man jetzt den Bub interpretiert, also wenn man sagt: Okay, ich sehe, du bist nicht zufrieden, wie es
läuft. Darum hast du jetzt deinen Vater hervor geholt und die anderen eingesperrt.

[00:38:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schauen wir noch nach einer anderen Lösung. Bist du nicht zufrieden, dass du nicht so gut
mitspielen kannst mit denen?

[00:38:48.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich fragen: Bei was würdest du gerne mitspielen? Dann würde ich die anderen Kinder fragen
und sagen: Wie seht ihr das? Was schlägt ihr vor, dass ihr miteinander spielen könnt, dass er auch
mitspielen kann.

[00:39:04.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Die großen Kinder sagen ja dann immer, ja er macht mir alles kaputt und darum will man ihn nicht haben.
Dann tut man ihn ausschliessen.

[00:39:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man ihn ausschließt umso mehr macht er kaputt. Darum muss man mit den Großen dann reden
und fragen, was denkt ihr, was könntet ihr mit ihm zusammenspielen? Dass er mitspielen kann, dass er
mit beteiligt ist, weißt du, er will auch dabei sein, er will dort nicht in der Ecke sitzen.

[00:39:36.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen, was man spielen kann.

[00:39:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie beschrieben zuerst du bist unzufrieden, weil du nicht mitspielen kannst. Jetzt hast du Papa hinein
geholt aber es gibt noch andere Wege und wir tun jetzt das besprechen.

[00:39:56.000] – Bemerkung 4
Dann würden sie gar nicht gross auf seinen Vater eingehen?

[00:40:00.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.

[00:40:01.840] – Bemerkung 4
Der andere Bub hat dann gesagt, ich habe gar keine Angst vor deinem Papa. Dann hat der andere Junge
erwidert: ja du kennst ihn ja gar nicht.

[00:40:08.900] – Bemerkung 4
Ich habe dann gefragt: Willst du ein bisschen mehr erzählen von deinem Vater, was Dein Vater genau
macht im Gefängnis?

[00:40:16.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das will. Er hat ihn nur rein geholt um eigentlich spielen zu können.

[00:40:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde eher wieder auf das Spielen gehen, aber vielleicht danach sagen, okay, willst du ein bisschen
wissen von meinem Papa, dann soll er von seinem Vater erzählen.

[00:40:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist natürlich dann eine Horizont-Erweiterung, wenn man darüber spricht, was man im Gefängnis
macht, was für Leute dort sind.

[00:40:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ja dann alles Leute, die in der Gesellschaft nicht bestanden haben und darum dort eingesperrt
worden sind. Ursprünglich verwendet der Sohn das um ihnen Angst zu machen.

[00:41:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann hinterher sagen okay, willst Du ein bisschen wissen und dann darf er erzählen und das ist dann
die Horizonterweiterung.

[00:41:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben verstanden, wie es geht. Es ist auch ziemlich offensichtlich.

[00:41:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist typisch in der Psychologie in der Fachsprache sagt man triangulieren. Er ist nicht stark genug
gewesen und hat dann einen anderen hinein geholt, seinen Papa, die Kraft von seinem Papa.

[00:42:05.200] – Bemerkung 5
Ich hatte letzte Woche eine Situation auch mit einem Jungen aus der Lerngruppe. Wir waren dabei ein
Arbeitsblatt zu lösen. Es hatte auf diesem Arbeitsblatt einen Fehler. Das Arbeitsblatt hatte einen Fehler in
der Fragestellung. Dann hat ihn das so getriggert, dass er nicht mehr weitermachen konnte. Ich habe ihm
dann gesagt, er soll halt den Fehler in der Fragestellung berichtigen, wenn ihm das hilft. Die Wortglieder
waren falsch aneinandergereiht.

[00:42:41.680] – Bemerkung 5
Dann war die Aufgabe, man soll diese Satzglieder in der richtigen Reihenfolge wieder aneinanderreihen
und das so aufschreiben. Dann hat in der Aufgabenstellung ein Wort gefehlt und unter dieses Wort hat
der Satz keinen Sinn gemacht, egal wie man ihn angeordnet hat. Ich habe ihm gesagt, er soll das Wort,
was fehlt, in die Aufgabenstellung dazu schreiben.

[00:43:04.410] – Bemerkung 5
Er hat den Satz dann genau aufgeschrieben und hat die Satzglieder wieder aneinandergereiht, bis es zu
diesem Punkt kam, wo dieses Verbindungswort gefehlt hat.

[00:43:15.350] – Bemerkung 5
Dann konnte er nicht mehr weiter schreiben. Ich habe gemerkt, vorher ist es gut gelaufen. Er konnte
jeden Satz sehr schnell aufschreiben. Dann hat er mit wirklich mit jedem Wort gekämpft und dann
aufgehört, als dieses Wort hat dann das Aufgabenblatt direkt weggerissen und weggepackt.

[00:43:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ihm gleich die Lösung gesagt.

[00:43:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt ein Kind und es gibt solche Kinder und das sind eher autistische Kinder. Wenn etwas falsch
läuft, dann können die nicht mehr weitermachen.

[00:43:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein ganzes Buch gelesen über Autisten, die selber über sich geschrieben haben.

[00:43:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat einer zum Beispiel gesagt, wenn der Kellner mir den Kaffee serviert mit dem Löffel vorne, dann
kann ich den nicht trinken, denn es ist falsch.

[00:44:09.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer alles gleich und richtig sein.

[00:44:13.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Croissant nicht am richtigen Ort liegt, dann geht die Welt unter.

[00:44:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem solchen Jungen müsste man dann zuerst ihn validieren in seinem Schreck, in seiner Störung,
was ihn gerade stört.

[00:44:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, für dich ist es ganz schlimm, wenn da ein Blatt kommt mit einem Fehler drin.

[00:44:35.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Du erwartest, dass ein Blatt, ein Aufgabenblatt, das dir gegeben wird vom Lehrer, dass das 100 Prozentig
korrekt ist, oder? Ja.

[00:44:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihn validieren in seiner Wahrnehmung. Ja, okay, verstehe ich. Sollte eigentlich so sein.

[00:44:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss etwas verharren bei dem, dass ihn das stört, dass da ein Fehler ist.

[00:45:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen: Weißt du, selbst Menschen, selbst Lehrer machen Fehler. Es gibt ja dann den lateinischen
Spruch: Errare humanum est, also irren ist menschlich.

[00:45:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann als wenn man einen maschinengemachten Gegenstand mit einem handgemachten
Gegenstand vergleicht, dann ist der handgemachte Gegenstand lebendiger, also weicher und der
Maschinen gemachte hart.

[00:45:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist das zu viel bei diesem Kind, aber ich gehe da jetzt einfach etwas weiter.

[00:45:41.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sagen Okay, wie lösen wir jetzt das? Muss ich es der Lehrerin zurückgeben? Muss die
das neu drucken und dir dann fehlerfrei geben? Oder denkst du, du kannst korrigieren?

[00:45:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind fast zu schnell zur Lösung gegangen.

[00:46:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehen Sie den Unterschied?

[00:46:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er fühlt sich nicht validiert, sagt man dem. Er fühlt sich nicht wertgeschätzt, nicht validiert, in dem, dass
ihn das stört.

[00:46:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns kann ein Haar stören bei der Frisur.

[00:46:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja auch ein Haar in der Suppe.

[00:46:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesem Jungen ist jetzt der Fehler ein Haar in der Suppe. Er kann die Suppe nicht mehr weiter essen.

[00:46:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man ihn da validiert und dann sagt Was machen wir? Müssen wir es zurückgeben? Oder Du
machst einfach nur bis da. Da validieren wir ihn in seiner Fehlerablehnung.

[00:46:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder denkst du, du kannst mit Tusche reinschreiben oder mit Füllfeder oder wie?

[00:46:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist er mit einbezogen in die Fehlerkorrektur.

[00:46:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ihn zu schnell überrannt. Mach es doch einfach so!

[00:47:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fühlt er sich nicht verstanden. Aber mich regt das auf.

[00:47:09.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die sagen, es muss alles am richtigen Ort sein. Und das ist auch typisch bei den ADHSlern.
Es muss alles am richtigen Ort sein und sonst geht die Welt unter.

[00:47:24.520] – Bemerkung 5
Danke!

[00:47:26.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Gern geschehen. So sind wir verschiedene Typen.

[00:47:32.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich noch mal etwas.

[00:47:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten brauchen Regelmäßigkeiten, immer zur gleichen Zeit das Gleiche, immer am gleichen Ort das
Gleiche.

[00:47:46.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe letztens einen Vortrag gehalten, dort habe ich gesagt: Elefanten sind auch so.

[00:47:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Man sagt ja Elefantengedächtnis und es gibt Geschichten von Elefanten, dass ein Elefant, der von
seinem Wärter nicht immer zur gleichen Zeit gefüttert wurde, der wurde vom Elefant an die Wand
gedrückt.

[00:48:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Elefant ist offensichtlich, punkto Zeiteinteilung, sehr genau.

[00:48:17.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht richtig macht, dann denkt der, der wollte mich klagen und dann wird der bestraft.

[00:48:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist autistisches Verhalten.

[00:48:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer sind ja punkto der Zeit sehr genau.

[00:48:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorhin alles ganz falsch gemacht, weil ich mich nicht einloggen konnte.

[00:48:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind exakt. Andere Kulturen sind nicht so exakt punkto Zeit.

[00:48:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zum Beispiel jemanden im Wartezimmer warten lasse, weil ich noch einen Notfall oder was
habe, manche fühlen sich total gekränkt, narzisstisch gekränkt. Ich habe die extra warten lassen. Da
muss ich sagen: Oh nein, tut mir leid, und dann geht es wieder. Annderen, denen ist das gleich.

[00:49:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Junge fühlte sich vom Lehrer gekränkt, dass da ein Fehler drin ist.

[00:49:15.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Er würde es wahrscheinlich nicht so benennen, aber es hat ihn gestört.

[00:49:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist es ein exakter Junge?

[00:49:29.370] – Bemerkung 5

Ja, doch schon.

[00:49:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er zu Hause bei seinen Schulsachen ganz gut Ordnung? Fragen sie ihn mal, wie er es zu Hause hat.
Sie können ihn auch fragen, ist seine Mutter sehr ordentlich, macht die nie Fehler. Sein Vater macht der
nie Fehler?

[00:49:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater Fehler macht, was macht er dann?

[00:49:55.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang mit Fehlern. Das ist auch wieder ein wichtiges soziales Thema. Die Fehlerkultur.

[00:50:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz haben wir an sich keine so gute Fehlerkultur.

[00:50:09.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Multikulturellen gehört auch gute Fehlerkultur. An Fehlern kann man lernen.

[00:50:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe wieder in die Wissenschaft.

[00:50:21.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden, weil er seine Agarplatte draußen stehen lassen hat.

[00:50:28.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der Pilz drauf gewachsen und so ist das Penicillin entstanden.

[00:50:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern kommen auch neue Dinge.

[00:50:36.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wären wir schon fast wieder beim Teasing.

[00:50:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler bringen ja andere Dinge in Umlauf und unsere ganze biologische, also genetische Entwicklung, da
wird auch mit Fehlern gearbeitet.

[00:50:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler sind Veränderungen.

[00:50:59.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Junge hat auch nicht gern Veränderungen.

[00:51:06.450] – Bemerkung 5
Das habe ich noch nicht beobachten können.

[00:51:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen Sie mal.

[00:51:09.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie könnten ihn fragen. Vielleicht merkt er das gar nicht. Vielleicht macht seine Mutter immer alles richtig
oder gleich.

[00:51:17.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte dann sagen, welche Veränderung kannst du am ehesten akzeptieren? Fünf Minuten zu spät,
anderes Essen oder so? Damit er mit seiner Fehleraversion etwas konfrontiert wird.

[00:51:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal einen Psychologen gekannt, der hat extra einen Bewerbungsbrief geschrieben mit ganz
vielen Fehlern drin. Der wollte provozieren.

[00:51:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang waren viele Reklamen mit Fehlern drin, mit L und R verwechselt, weil die Japaner kein R
sagen können.

[00:52:07.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler fallen natürlich auch auf.

[00:52:09.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie unsere Mode an. Früher hat man die Hosen schnell zum Reparieren gebracht. Heute kauft
man sie für teures Geld mit Löchern und Fetzen und weiß ich nicht.

[00:52:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Fehler sind in der Kleidung sogar Mode.

[00:52:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein interessantes Thema. Sie haben viele interessante Kinder in dieser Schule.

[00:52:46.440] – Bemerkung 6
Mich beschäftigt zur Zeit das Thema Trennung und Abschied von meiner Tochter sehr. Sie im Sommer in
die Spielgruppe gekommen. Am Anfang ist es recht gut gegangen. Also so am dritten Tag habe ich dann
wirklich nach einer Viertelstunde gehen können.

[00:53:12.050] – Bemerkung 6
Das hat eigentlich geklappt und dann sind drei Wochen Herbstferien dazwischen gewesen und seitdem
ist es wirklich schwierig.

[00:53:20.280] – Bemerkung 6
Sie klammert sich an mir fest, sie schreit sie will nicht, ich darf nicht gehen. Ich habe dann am Anfang ihr
probiert zu erklären, ich bleibe noch bis zum Kreis und nach dem Kreis geben ich dir einen grossen Kuss
und dann gehe ich.

[00:53:32.400] – Bemerkung 6
Ich habe ihr Plüschtiere mitgegeben und Sachen auf die Hand gemalt und so probiert. Ja ist gut, wenn
dann der Kreis gekommen ist, ist es dann trotzdem schwierig für sie gewesen. Da habe ich gemerkt, ich
glaube, sie kann das zeitlich gar nicht verarbeiten. Das ist der falsche Weg.

[00:53:54.610] – Bemerkung 6
Einmal bin ich gegangen, wo sie sich wirklich so festgehalten hat und das hat sich für mich richtig falsch
angefühlt. Ich bin dann zurück zu der Spielgruppenleiterin und habe gesagt, das fühlt sich für mich falsch
an.

[00:54:06.490] – Bemerkung 6
Die Spielgruppenleiterin hat dann im ersten Moment gefunden, ja, beim nächsten Mal mal muss ich
schneller gehen. Es bringt nichts, wenn ich so lange bleibe.

[00:54:12.970] – Bemerkung 6
Mein Gefühl hat eher gesagt, sie braucht noch mehr Begleitung. Ich möchte noch länger für sie da sein
und ihr wie die Möglichkeit für das Vertrauen gegeben und für mich stimmt das so nicht.

[00:54:25.640] – Bemerkung 6

Ich habe dann mit der Spielgruppenleiterin ein Gespräch gesucht. Sie hat das verstanden und ist auf
mich eingegangen.

[00:54:32.490] – Bemerkung 6
Jetzt seit etwa drei Mal, begleite ich sie immer bis zum Schluss. Ich ziehe mich einfach zurück. Ich bin
auch noch draussen und warte auf sie.

[00:54:40.450] – Bemerkung 6
Das geht gut. Ich habe gemerkt, es ist wirklich einfach der Moment vom Tschüss sagen. Es ist auch zu
Hause im Moment das grosse Thema.

[00:54:48.050] – Bemerkung 6
Danach fühlt sie sich wohl dort. Sie hat das Vertrauen und es gefällt ihr. Ich frage mich jetzt einfach: wie
lange kann ich das noch so machen?

[00:54:56.550] – Bemerkung 6
Macht es Sinn oder ist sie einfach wirklich im Moment noch nicht bereit, also noch nicht reif dafür?

[00:55:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar nach den Ferien ist es wieder ungewohnt gewesen und sie hat wieder neu angewöhnt werden
müssen. Das ist normal.

[00:55:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es richtig, dass sie bis mit hinein gegangen sind. Unterwegs einen Unterbruch zu machen, das
geht nicht. Das ist zu intellektuell.

[00:55:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, es ist richtig, dass sie mit rein gegangen sind.

[00:55:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Betreuerinnen sagen meistens, die Mutter soll schneller weggehen, sonst gibt es das Theater.

[00:55:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist ja dann immer, wie soll ich sagen, in einer Konkurrenz. Da ist die Mutter und dort ist die andere
Autoritätsperson.

[00:55:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hätte jetzt fast noch gesagt, doch, ja, halt noch eine Weile bleiben, also mit ihr bis hin gehen, bis sie
das Gefühl hat, jetzt kann sie es.

[00:55:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich dann immer, man muss dann miteinander planen.

[00:56:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen als Mutter ein bisschen herausfinden, was liegt drin, was nicht und dann sagen und jetzt
kommt wieder Zusammenarbeit. Du bist jetzt langsam ein großes Mädchen. Was denkst du, wann du das
kannst?

[00:56:16.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann einen Zeitpunkt wählen, eben nach den Ferien oder nach Weihnachten oder am nächsten Montag.

[00:56:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen normalen Rhythmus wählen, wo man es dann ändert.

[00:56:29.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Nikolaus Tag oder irgend so etwas.

[00:56:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben jetzt auf das hin und sie kann sich darauf einstellen und dann machen wir es dann.

[00:56:46.440] – Bemerkung 6
Wenn wir einen Tag vereinbaren, dann habe ich das Gefühl ich muss ja fast gehen, weil man hat es ja
dann abgemacht.

[00:56:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da müssen sie ein bisschen auf ihr Gefühl hören, ob sie es können.

[00:57:01.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wenn sie es abgemacht haben und sie sind klar und nicht ambivalent, dann machen sie es dann nach
dem Nikolaus Tag und dann gehen sie auch.

[00:57:11.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie schreit und dann muss halt dann die Spielgruppeleiterin übernehmen.

[00:57:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen innerlich klar sein. Sobald sie innerlich ambivalent sind, merkt es das Kind und dann geht es
nicht.

[00:57:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst müssen sie einschätzen, wann könnte ich es hinbringen. Dann besprechen sie das mit ihrer
Tochter, dann machen sie etwas ab und dann ist schon richtig, wenn sie bei dem bleiben und nicht
zurückgehen.

[00:57:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss sie es aushalten, dass sie dann ein bisschen weint.

[00:57:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss es aushalten und das Kind muss es aushalten.

[00:57:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Einschätzen und man kann nicht sagen so machen oder so machen.

[00:57:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss einschätzen, wie sie ihr Kind sieht und sich selber einschätzen, was sie hinbringt.

[00:58:03.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, wenn man abmacht, dann kann man es nicht durchziehen. Das ist natürlich nicht
so gut.

[00:58:08.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat mir mal eine Mutter von einem ADHS Jungen gesagt: Ich bin konsequent inkonsequent gewesen.
Das bringt es nicht.

[00:58:21.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man immer sich fragen: Was denke ich, was geht? Was spüre ich mit dem Kind zusammen
natürlich.

[00:58:31.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann okay, also gut, ich mach's. Dann dem Kind auch sagen dann machen wir es und das können wir.
Wir zwei können das.

[00:58:43.330] – Bemerkung 6

Ich versuche ihr das wie zu zutrauen. Es hat ja auch schon geklappt.

[00:58:53.190] – Bemerkung 6
Ich habe ihr auch schon gesagt, wenn du bereit bist und mir sagst, gut Mami, du darfst gehen, dann gehe
ich und ich komme dich wieder holen.

[00:58:59.280] – Bemerkung 6
Ich weiß halt nicht, ob der Moment wirklich kommen wird, wo sie sagt, dass ich jetzt gehen darf.

[00:59:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das kann sein, dass der nie kommt, denn es ist bequemer, wenn die Mutter hier bleibt.

[00:59:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum müssen sie da auch eine gewisse Führung übernehmen, einschätzen und auf dann machen wir
es und dann ziehen sie es durch.

[00:59:22.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es ein bisschen Tränen, aber das macht dann nichts. Sie dürfen dann nicht zerschmelzen an
einem schlechten Gewissen.

[00:59:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Haltung haben. Wir können das, du kannst das, auch wenn es ein bisschen weh tut, aber
du kannst das. Ich traue dir das zu.

[00:59:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihr eine Sicherheit vermitteln.

[00:59:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer das Beispiel von Pferde in einen Transportwagen hineinführen.

[00:59:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Pferde in einen Transportwagen hineinführen ist eine große Kunst.

[00:59:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Pferde sind Fluchttiere und die gehen nicht gerne dort hinein und wenn sie es nicht kennen nochmals
nicht. Dann muss es einer machen, der absolut sicher ist und das Vertrauen ausstrahlt und dann geht es
auch.

[01:00:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So müssen sie sie in Spielgruppe führen und Vertrauen haben. Doch, das geht, auch wenn es ein
bisschen Tränen gibt, es geht.

[01:00:19.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie noch nicht sicher sind, dann noch nicht machen. Sie müssen in sich in Sicherheit spüren.

[01:02:22.230] – Bemerkung 7
Ich habe ein Kind, das immer laut rechnet. So stört es die anderen Kinder. Es zählt immer laut, wenn es
etwas ausrechnet.

[01:02:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja er muss laut reden.

[01:02:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Satz von Franca Parianen, einer deutsche Neurowissenschaftlerin, die sagt: Woher soll ich
wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?

[01:02:42.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das trifft zu für unser Gehirn.

[01:02:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche müssen die Dinge laut aussprechen, damit sie wissen, was sie denken.

[01:02:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann noch nicht das für sich behalten.

[01:03:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinen Kinder dürfen ja auch noch mit den Fingern zählen.

[01:03:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie groß sind, dann dürfen sie nicht mehr. Viele machen es dann noch unter dem Tisch.

[01:03:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Jean Piage ist das das konkrete Lernen. Da würde ich jetzt sagen, der kann das nicht anders. Der
müsste in ein einzelnes Zimmer gehen dürfen.

[01:03:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann das noch nicht. Nein.

[01:03:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von dem verlangt, dass er das nicht machen darf (laut rechnen), kann er nicht so gut lernen.
Der braucht das noch.

[01:03:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Erwachsenen Leuten und vielen ADHS Leuten, die immer das Gefühl gehabt haben, sie
waren falsch, die haben sich immer angepasst an ihr Umfeld und dann haben sie den Kritiker in sich
integriert und kritisieren sich dauernd oder sie studieren im Kreis herum, es dreht sich immer im Kreis.

[01:04:16.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, man darf auch Selbstgespräche führen.

[01:04:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann den Erwachsenen, sie sollen Selbstgespräche mit sich führen.

[01:04:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ganz schwierige Situationen hat, dann ist das hilfreich, wenn man ein Selbstgespräch führt.

[01:04:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist noch nicht in der Lage, nicht ein Selbstgespräch zu führen.

[01:04:38.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde wirklich schauen, dass er in ein anderes Zimmer gehen darf.

[01:04:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat diese Impulskontrolle noch nicht. Nein, der hat die noch nicht.

[01:04:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich noch weiter gehe. In der Psychiatrie haben wir ja Patienten, also die Schizophrenie Patienten,
die führen Selbstgespräche und die haben sogar Stimmen im Kopf.

[01:05:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen die Selbstgespräche innerlich im Hirn ab.

[01:05:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei denen immer ein Prozess, dass die gestaute Energie haben und nicht wissen, was mit der
machen und im normalen Umfeld das nicht üben können.

[01:05:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ein Mensch geht zurück auf diese Methode, wenn er nicht richtig zu Gange kommt.

[01:05:53.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das diesen Jungen wegnehmen, dann lernt er nicht so gut mit sich umgehen.

[01:05:59.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir ihm diesen Impuls zu früh abwürgen, dann empfindet er sich nur als falsch und dann, dann
stoppen wir seine Lernmöglichkeit.

[01:06:13.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das irgendwie Sinn?

[01:06:16.160] – Bemerkung 7
Ja, macht es.

[01:06:16.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir Schizophrenie Patienten erzählen, sie sehen Gespenster und weiß ich nicht was, oder hören
böse Stimmen, dann frage ich immer nach: haben sie ein schlechtes Gewissen, dass sie das und das
nicht gut gemacht haben?

[01:06:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ganze Zeit.

[01:06:35.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwandle dann die Stimmen, die laut gewordenen Selbstgespräche, die sie dann auf jemand anders
projizieren, verwandle ich dann in ihr Gewissen.

[01:06:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es zu interpretieren.

[01:06:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich dann rückwärts gehen.

[01:06:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Jungen, den müssen wir noch lassen.

[01:06:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sogar eine Theorie, da sagt man, jede Psychose ist quasi wieder ein Entwicklungsschub.

[01:07:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man sogar eine Therapie entwickelt, dass man die Selbstgespräche führt.

[01:07:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Voice Dialoge sagen die dann.

[01:07:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, den muss man noch lassen, sonst stören wir seine Hirnentwicklung.

[01:07:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann es noch nicht besser.

[01:07:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.

[01:07:47.730] – Bemerkung 8
Egal ob wir jetzt rausgehen und etwas Freudevolles machen oder ob wir jetzt aus der Mittagspause
zurückkommen oder ob wir in die Pause gehen wollen, er sagt immer aus Prinzip, sagt immer direkt nein,
also komplette Gegenwehr.

[01:08:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder typisch. Das trifft man auch sehr viel an bei ADHS-Kindern.

[01:08:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es um den Wechsel. Sie machen etwas und dann kommt was Neues.

[01:08:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann nicht so schnell wechseln.

[01:08:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei ADHS-Kindern sagt man auch in zehn Minuten müssen wir dann weggehen. Du musst langsam
runterfahren oder aufhören mit deinem Spiel.

[01:08:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Arzt oder Zahnarzt gehen muss, da muss man überlegen, wie bereitet man vor? Es geht
immer Wechsel und er hat gar nicht gerne Wechsel.

[01:08:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Er merkt das wahrscheinlich nicht selbst, dass er gar nicht gerne Wechsel hat. Wie alt ist er?

[01:09:05.630] – Bemerkung 8
10 Jahre alt.

[01:09:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie sich angewöhnen: sie waren beim Spielen. Sie gehen auf den Heimweg. Sie schätzen
ungefähr ein. In zehn Minuten sind wir daheim und dann machen wir dann das.

[01:09:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie ihn vorbereiten auf den Wechsel.

[01:09:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er irgendetwas am machen ist, gehen sie vorbei und sagen in fünf Minuten oder was auch immer,
machen wir dann das, kannst du langsam runterfahren?

[01:09:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat nicht gerne Wechsel.

[01:09:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder unsere Gesellschaft anschaue, wir leben in einer Gegend der Jahreswechsel, also
Jahreszeitenwechsel, und wir haben lauter Rituale zu Jahreszeitenwechsel.

[01:10:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich glaube in Afrika, wenn da ein Machtwechsel ist, dann wird Ausgangsverbot verhängt. Man darf dann
nicht ausgehen, denn Wechsel sind immer Gefahren behaftet, Risiko behaftet.

[01:10:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann das noch nicht recht, diese Wechsel.

[01:10:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, man muss ihn immer darauf vorbereiten.

[01:10:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mal mit ihm reden und sagen, ich habe den Eindruck, du hast nicht gerne Wechsel. Ich
verstehe das. Das geht noch vielen Menschen so.

[01:10:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wechseln auch nicht gerne, wenn wir von den Ferien nach Hause kommen müssen, würden wir auch
so gerne noch etwas bleiben oder was auch immer.

[01:11:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wechsel sind für uns alle speziell.

[01:11:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber für diesen Jungen ist es ganz speziell schwierig.

[01:11:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie das mit ihm generell anschauen und dann sagen von jetzt an sage ich dir es immer, damit du
dich innerlich darauf vorbereiten kannst.

[01:11:22.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Nein ist einfach: ich habe nicht gerne Wechsel.

[01:11:27.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es auch Kinder, die wechseln ihre Kleider nicht gerne. Die wollen immer die gleichen Kleider
anhaben.

[01:11:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss die Mutter zwei Paar Hosen kaufen vom gleichen und dann nachts schnell wechseln.

[01:11:46.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es alle Formen von Wechselvermeidung.

[01:11:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mit ihm noch andere Wechsel anschauen.

[01:11:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zum Essen geht, sagt er da auch Nein?

[01:12:08.410] – Bemerkung 8
Da nicht.

[01:12:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, wenn es zur Futterkriese geht.

[01:12:13.980] – Bemerkung 8
Wenn es darum geht, vom Essen wegzukommen, um nachher wieder in den Unterricht zu starten, das ist
ganz schwierig.

[01:12:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da kann man ihn auch ja darauf aufmerksam machen. Man kann sogar eine Sanduhr nehmen, die
zehn Minuten oder sieben Minuten oder was auch immer braucht.

[01:12:37.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle jetzt da die Sanduhr hin und wenn alles unten ist, dann kommt das Neue.

[01:12:45.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir einfach den Wechsel sorgfältiger gestalten.

[01:12:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wechsel ist so wie eine zeitliche Lötstelle. Da kann alles auseinanderbrechen.

[01:12:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt das paar Ideen?

[01:13:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihn auch mal fragen, ob er gerne Kleider wechselt, ob er gern neue anzieht oder nicht.

[01:13:20.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es dem Patienten ganz schlecht geht, dann gehen die mit den Kleidern ins Bett, dann können die
nicht wechseln von Tagkleidung auf Pyjama.

[01:13:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Das hat er wahrscheinlich nicht. Er wechselt nicht gerne.

[01:13:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden sie Wechsel-Expertin, indem sie ihn vorbereiten. Wir lernen das jetzt.

[01:13:50.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist für alle Menschen schwierig, für manche halt noch schwieriger. Wechsel, Veränderungen.

[01:13:59.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht der gleiche, der den Fehler nicht akzeptieren konnte. Das ist ein anderer. Da kann man
sagen, der eine hat nicht gerne Fehler, der andere hat nicht gerne Wechsel. Wir sind alle verschieden.
Wir haben alle irgendwo anders, eine gewisse Schwierigkeit.

[01:14:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Spannend. Haben sie noch ein Mädchen mit Schwierigkeiten?

[01:14:29.600] – Bemerkung 9
Ja, ein Mädchen kommt einfach immer komplett demotiviert zur Schule. Sie hat immer die Null-Bock-
Einstellung.

[01:14:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist die?

[01:14:44.970] – Bemerkung 9
12 Jahre alt.

[01:14:47.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Beginnender Teenager?

[01:15:02.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist sie gekleidet?

[01:15:08.330] – Bemerkung 9
Modern.

[01:15:09.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Die würde ich mal fragen, du scheinst den totalen Ablöscher zu haben. Wo wärst du lieber jetzt anstelle in
der Schule zu sein? Wo wärst du lieber?

[01:15:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man nach einer Alternativwelt fragt und dann Aha und dann dem Unterschied anschaut.

[01:15:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, was ist da toll? Ich kenne natürlich Erwachsene, die gesagt haben, ich bin keinen einzigen Tag gerne
in die Schule gegangen.

[01:15:46.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde fragen: Wo wärst du lieber? Was ist dort toll?

[01:15:54.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann vergleicht man.

[01:15:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dann hier an der Schule nicht so gut?

[01:15:59.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann könnte man natürlich schauen, was könnte man von dem, was am anderen Ort gut ist, könnte man
in der Schule auch etwas kreieren?

[01:16:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte sie sich die Schule etwas spannender gestalten?

[01:16:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt die Kreativität. Was könnte sie machen? Es kann alles interessant sein, wenn man etwas
damit macht.

[01:16:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist jetzt jegliche Fantasie möglich.

[01:16:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie sich mal den Film von der Schule Bratsch an: Ein Dorf macht Schule.

[01:16:47.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Lehrer heißt Damian Gsponer.

[01:16:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es st sehr interessant, wie die Kinder da miteinander umgehen.

[01:17:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich das Idealumfeld, in dem sie lieber sein würden, würde ich vergleichen mit dem Schulumfeld
und schauen, was beim anderen besser ist und schauen, was man in die Schule holen könnte.

[01:17:22.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir haben, wir haben Schulpflicht in der Schweiz und wenn ein Kind nicht in die Schule geht, dann
wird das bestraft. Oder Kinder werden sogar mit der Polizei dann in die Schule abgeführt. Will man
natürlich alles nicht.

[01:17:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit ihnen kooperiert, dann kann das wieder interessant werden.

[01:17:45.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann sich an sich für jeden Tag etwas ausdenken, was sie Kreatives machen kann in der Schule.

[01:17:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt macht sie auf Widerstand.

[01:18:00.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihre Kreativität etwas stimulieren, etwas reizen, dass sie sich für jeden Tag etwas Lustiges
ausdenkt.

[01:18:12.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann irgendetwas sein.

[01:18:15.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sie am Morgen begrüßen, dann fragen sie: Was hast du dir für heute ausgedacht? Weißt du
schon was?

[01:18:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Teasing.

[01:18:29.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fordern sie sie heraus.

[01:18:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist eben Schule dann wieder nicht einfach die Lehrer sagen dem Kind, was es machen muss, sondern
das Kind kann auch etwas aus der Schule machen.

[01:18:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann sie irgendein Projekt vorschlagen.

[01:18:57.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In was ist sie gut?

[01:19:09.190] – Bemerkung 10
Im Kreativen.

[01:19:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Also, gut.

[01:19:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann würde ich dir reinholen über kreative Ideen.

[01:19:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist auch wieder das ADHS Kind.

[01:19:30.368] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen die Eltern?

[01:19:30.890] – Bemerkung 10
Die familiäre Situation ist schwierig. Die Eltern sind getrennt.

[01:19:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Arbeiter, Akademiker, Mittelschicht?

[01:19:43.000] – Bemerkung 10
Mittelschicht. Keine Akademiker.

[01:19:46.230] – Bemerkung 10
Es kann sein, dass die Eltern hintendran erwarten, dass das Kind mehr leistet und dass es auch
Widerstand macht gegen die Erwartungshaltung der Eltern.

[01:19:59.000] – Bemerkung 10
Dieser Widerstand, der trifft natürlich dann auch die Schule.

[01:20:03.850] – Bemerkung 10
Holen sie sie im Kreativen ab.

[01:20:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sie jedes Mal, wenn sie in die Schule kommt, fragen: Was hast du dir ausgedacht?

[01:20:13.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihr sogar den Auftrag geben. Denk dir was Interessantes aus für den nächsten Schultag.

[01:20:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen auch etwas davon haben. Sie wollen auch davon profitieren.

[01:20:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, sie dürfen nicht den ganzen Schulunterricht stören, aber so kleine Projekte kann man sicher
machen.

[01:20:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann in allen Gebieten sein.

[01:20:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Isst man da auch in der Schule?

[01:20:57.630] – Bemerkung 10
Ja, die essen miteinander, die kochen sogar miteinander.

[01:21:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, die Kinder kochen miteinander. Ja. Wer hat die Führung beim Kochen?

[01:21:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Nachbarin. Ah, okay. Cool.

[01:21:17.030] – Bemerkung 10
Es gehen immer zwei verschiedene Kinder zusammen zur Nachbarin und kochen mit ihr.

[01:21:19.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Also drei kochen dann miteinander.

[01:21:24.120] – Bemerkung 10
Ja.

[01:21:24.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann kreative Ideen haben in allen Bereichen. Auch beim Essen.

[01:21:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es noch ein anderes Kind, das wir dann nehmen können? Oder haben Sie noch etwas?

[01:21:52.590] – Bemerkung 11
Ein Tagesbub. Ich noch eine Katze zu Hause. Eigentlich immer am Morgen, wenn er kommt, hat er recht
Angst vor ihr, wirklich panische Angst. Bei der Eingewöhnung hat es sich recht schwierig gestaltet, weil er
so Angst vor der Katze gehabt hat. Es ist nie was vorgefallen. Am Nachmittag, wenn er dann da ist, dann
beginnt der die Katze zu plagen. Dann provoziert er die Katze.

[01:22:27.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist der Junge?

[01:22:45.090] – Bemerkung 11
Vier Jahre alt. Er ist ein sehr offener Junge, ich sage jetzt mal so ein Wildfang, ein lauter, hier bin ich, ein
Rowdy. Am Anfang ist er meistens zurückhaltend.

[01:23:03.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, der hat Angst vor der Katze gehabt, weil er nicht weiß, wie sie ist.

[01:23:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat nicht voraus sagen können, wie sich die Katze benimmt. Man sagt ja bei Katzen, die sind
eigenwillig und machen ihre eigene Sache.

[01:23:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich weiß noch, unser Enkelkind, da habe ich so ein Spielzeug gehabt, wo man unten drücken konnte und
dann ist der Kopf runtergefallen.

[01:23:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat den Zusammenhang noch nicht sehen können, dass wenn ich drücke, dass der Kopf runterfällt.
Er hat das nicht voraussagen können.

[01:23:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist so, es will eigentlich alles voraussagen können und bei der Katze kann man es nicht
voraussagen.

[01:23:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist ja am Anfang ruhig, er schaut also immer noch ein bisschen schüchtern und dann wird er wild.

[01:24:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mal mit ihm über die Katze sprechen und sagen, er hat am Anfang Angst gehabt vor dieser
Katze, vor was hat er dann eigentlich Angst gehabt?

[01:24:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde echt mal mit dem Reden darüber.

[01:24:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich schauen ob meine Theorie aufgeht und sagen: Nicht wahr, Katzen kann man nicht
bestimmen, die sind eigenwillig.

[01:24:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du die Fantasie gehabt, dass die Katze dir etwas macht?

[01:24:38.890] – Bemerkung 11
Ja, ich habe schon mit ihm so ein bisschen drüber geredet.

[01:24:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat er dann gesagt?

[01:24:46.290] – Bemerkung 11
Ja, er will einfach nicht, dass die Katze zu ihm kommt.

[01:24:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben, er kann sie nicht bestimmen.

[01:24:51.370] – Bemerkung 11
Ich habe noch die Wieso-Weshalb-Warum-Bücher von einer Katze zu Hause und habe wirklich mit den
Kinder mal geschaut, was machen Katzen, wie sind sie, was haben sie gerne und was haben sie nicht
gerne.

[01:25:05.140] – Bemerkung 11
Allgemein bei Tieren, hat er eigentlich eher Angst. Mich wundert es einfach, wieso er am Nachmittag
dann so auf sie zugeht und sie sogar hänselt.

[01:25:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Da will er sie eigentlich testen, das wäre wieder Teasing. Da will er herausfinden wie sie reagiert.

[01:25:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich sagen, wir tun jetzt miteinander schauen und ich zeig dir wie wir umgehen mit der Katze.

[01:25:31.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Du die Katze hänselst, wenn sie Angst bekommt oder verrückt wird, dann kratzt sie dich, dann
macht sie dir weh. Das willst Du nicht.

[01:25:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kannst einen Ball rumwerfen, dann kann die Katze mit dem spielen, oder mit einer Nuss, wie mit einer
Maus.

[01:25:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihm beibringen, wie man mit der Katze interagiert.

[01:25:55.720] – Bemerkung 11
Ja, das haben wir auch schon. Wir haben auch schon miteinander der Katze Leckerli gegeben. Ein
zeitlang hat es dann wie aufgehört, aber es hat jetzt wieder angefangen, dass er am Morgen wenn er
kommt, dann einfach so reagiert.

[01:26:09.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie streichelt er sie? Getraut er sich nicht, sie zu streicheln?

[01:26:14.030] – Bemerkung 11

Ab und zu getraut er sich aber dann wirklich mit viel Abstand und auch nur einmal so und dann ist er aber
auch sehr stolz.

[01:26:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, der hat Angst vor ihr, weil sie nicht berechenbar ist.

[01:26:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man einüben. Dann sagt man, wo streicheln? Hier am Hals, den Rücken runter. Er denkt, sie
kann ihn jederzeit angreifen.

[01:26:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will eigentlich lernen mit ihr umzugehen, aber auf eine ungeschickte Art.

[01:26:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Spielen müsste er mit der Katze, indem er ein Bällchen wirft oder so etwas.

[01:26:51.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sohn schickt uns immer so Tierfilme. Unterschiedliche Rassen können auch miteinander spielen.
Das sind alles kleine Tiere und die können das noch.

[01:27:25.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihm sagen, du verwendest eine falsche Taktik um mit dieser Katze zu spielen.

[01:27:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss lernen mit dieser Katze zu spielen.

[01:27:35.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das braucht ein bisschen Zeit. Er muss üben.

[01:27:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Da können sie ihm zeigen, da können sie mit der Katz spielen und es geht. Dann fragen: was habe ich
jetzt gemacht? Dann muss er sie beobachten, wie sie es gemacht haben.

[01:27:50.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Also jetzt machst du es. Dann beobachten sie ihn und sagen: du hast jetzt so und so gemacht und das
geht nicht.

[01:27:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie eine Katze-Spiel-Lernstunde. Er kann sie beobachten und sie beobachten ihn.

[01:28:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig lernen wir beide besser zu beobachten. Wir müssen ohnehin heute lernen, besser zu
beobachten.

[01:28:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist im Gegensatz zu der ganzen IT Welt, die künstliche Intelligenz, da muss man nicht mehr
beobachten, da wird nur noch gerechnet und alles ist flach.

[01:28:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze weiche Intelligenz geht verloren.

[01:28:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort ist das ein interessantes Spiel. Sie spielen mit der Katze und er muss sie beobachten und dann
erzählen, was sie gemacht haben.

[01:29:00.830] – Bemerkung 12
Es gibt zwei Mädchen, die Jüngsten. Die eine ist sechs und die andere ist jetzt gerade sieben geworden.
Die sind sehr gut miteinander befreundet und haben sich sehr gerne, die umarmen sich auch oft.

[01:29:13.920] – Bemerkung 12
In der letzten Mittagspause ist mir aufgefallen, wie das siebenjährige Mädchen das sechsjährige
Mädchen immer wieder so stichelt mit dem Finger und das siebenjährige Mädchen sagt "Nein". Es dreht
dann so den Rücken zu, aber geht nicht weg und bleibt halt so.

[01:29:30.730] – Bemerkung 12
Das andere Mädchen, das findet das lustig, aber das ist dann wahrscheinlich auch Teasing.

[01:29:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch Teasing. Da kann man, wenn man sieht, dass sie das macht, kann man sagen: Ist dir
langweilig geworden mit dem anderen Mädchen? Aha.

[01:29:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber weißt du, sie da so sticheln, die sagt, da wird es nicht interessanter. Was gäbe es noch anderes um
wieder was Interessantes reinzubringen?

[01:29:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ja, das ist Teasing. Der ist langweilig geworden. Die findet die auf einmal langweilig, aber sie weiß
nicht, was anderes zu machen.

[01:30:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man die aus diesem rausholen. Was könnte man jetzt machen, was spannend ist?

[01:30:16.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ja so, wenn Ehepaare scheiden, dann wird immer gesagt: Ja, mit der Zeit lebt sich die Beziehung
etwas aus und es wird langweilig. Müsste überhaupt nicht so sein. Man muss halt immer wieder was
Neues finden.

[01:30:33.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind so eng, die haben es gut miteinander.

[01:30:36.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu viel Enge macht es manchmal etwas langweilig.

[01:30:41.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt die zu teasen, hänseln, sticheln.

[01:30:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gäbe es da eine interessantere Form als nur so stupfen.

[01:30:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich einen Tierfilm gesehen, da hat ein Hund, ein riesen dickes Schwein, der wollte immer mit
dem spielen und der ist auf dem rumgehüpft und hat immer wieder das Schwein aktiviert zum Spielen.

[01:31:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber das hat einfach nichts gemacht.

[01:31:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss ist so eine Riesensau aufgestanden, ist sie davongelaufen und dann ist der Hund davon
gesprungen.

[01:31:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war unglaublich, wie dieser Hund dieses Schwein aktivieren wollte um mit ihm zu spielen.

[01:31:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Behaviour, wenn sie das mal so im Kopf haben, können sie es überall sehen. Es ist so
lustig, was da alles gemacht wird.

[01:31:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, dann darf ich sie hier verlassen. Danke, dass sie so Nachsicht mit mir hatten, weil ich das nicht
konnte, ich war nicht in der Lage, das zu aktivieren, aber wir haben es jetzt doch noch geschafft.

[01:31:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß beim rausfinden von neuen Lösungen.