Postpartale Psychose, Depression, Borderline Störung, Sucht, psychische kranke Eltern und die Auswirkung auf die Kinder – Mütterberaterinnen, Teil 2

Vortrag 2 inkl. Fragen:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

Weiterbildung für Mütterberaterinnen Teil 2
6.5.2014
Audio

[00:00:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind wir vollzählig?

[00:00:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht pünktlich zu erscheinen. Es hat geklappt.

[00:00:04.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der Hintergrund für psychische Krankheiten?

[00:00:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychische Krankheiten entstehen häufig in der Ablösungsphase, in der
Pubertätsphase, wo es um die Persönlichkeitsbildung geht.

[00:00:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat gesagt, dass die ganzen psychischen Krankheiten in den ersten
drei Jahren entstehen.

[00:00:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

[00:00:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das nicht so.

[00:00:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, die psychischen Krankheiten entstehen eher in der Ablösungsphase, in der
Pubertät.

[00:00:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher gibt es viele Einflüsse schon davor.

[00:00:59.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Zeit läuft ein Einflussnahme.

[00:01:05.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind ein heftiges Temperament hat und die Eltern mit dem Temperament nicht
umgehen können, dann ist da dauernd eine nicht so gute Interaktion zwischen Gen und
Umfeld.

[00:01:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sich daraus dann wirklich eine psychische Krankheit entwickelt, das passiert eher
erst in der Ablösungsphase.

[00:01:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Drei-Generationen-Schemas anschaut, kann man sagen: die psychische
Krankheit entsteht dann, wenn die Eltern selber nicht ganz abgelöst sind von ihren
eigenen Eltern.

[00:01:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die zweite Generation korrigiert bei der dritten Generation und projiziert seine Probleme
auf die eigenen Kinder und die tragen das dann weiter.

[00:01:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Buch von Sandra Konrad heisst: Es bliebt in der Familie.

[00:01:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1032684789

[00:01:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann wird alles weitergegeben.

[00:02:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Familien sind so geartet, dass sie diese Probleme lösen wollen.

[00:02:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Probleme nicht gelöst sind, werden sie weiter gegeben.

[00:02:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Bibel heisst es: wenn die Eltern Fehler machen, hat das Auswirkungen in die
vierte oder fünfte Generation.

[00:02:14.778] – Dr.med. Ursula Davatz
[ 2. Buch Mose (Exodus) 20:5 im Zusammenhang mit den Geboten Gottes. ]

[00:02:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist familientherapeutisch.

[00:02:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In den zehn Geboten heisst es: ehre Vater und Mutter.

[00:02:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Bibel kein Gebot: ehre deine Kinder.

[00:02:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Khalil Gibran sagt: deine Kinder sind nur Leihgabe und du darfst nicht deine Probleme
an diesen Kindern ausagieren.

[00:02:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Khalil_Gibran

[00:02:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Khalil Gibran sagt deutlich, dass die Kinder nicht einfach Ware oder unser Besitz sind
und wir alles mit ihnen machen können.

[00:02:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die Ablösungsproblematik.

[00:03:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Eltern mit problemhaften Kindern haben, wenn die Eltern schon psychische
Probleme haben, psychische Krankheiten haben, können sie eigentlich immer noch
einmal auf die Ablösung zurückgehen und schauen, wie ist denn die?

[00:03:30.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht Therapeuten sein.

[00:03:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur indem sie Fragen stellen, indem sie vielleicht etwas dazu sagen, fördern sie
ein bisschen diese Ablösung.

[00:03:41.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht besteht die psychiatrische Arbeit, therapeutische Arbeit, besteht
immer darin, dass man den Patienten hilft, sich noch weiterzuentwickeln.

[00:03:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeutische Arbeit ist Entwicklungsarbeit.

[00:03:56.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Entwicklungsarbeit gehört Ablösungsarbeit.

[00:04:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ein Cut Off machen.

[00:04:01.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur sich abschneiden von der Ursprungsfamilie.

[00:04:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme nicht einmal an deine Beerdigung.

[00:04:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich längstens hinter mir.

[00:04:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt immer nach gewaltsamer Ablösung, gewaltsamer Abtrennung.

[00:04:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gewaltsame Abtrennung macht, dann trägt man alle Probleme mit sich.
Die Gefahr ist noch grösser, dass man sie auf das Kind projiziert.

[00:04:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen, wenn man darauf angesprochen wird, muss man damit umgehen.

[00:04:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert vielleicht ein Schritt weiter Ablösung.

[00:04:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Instrument, das sie sich immer vor Augen halten können.

[00:04:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen dazu Fragen stellen, ohne dass sie den Patienten unter die Nase reiben: ich
glaube, sie sind noch nicht ganz abgelöst von ihrem Mutter.

[00:04:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Das geht natürlich nicht.

[00:04:51.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten machen das manchmal, das dürfen sie nicht.

[00:04:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können Fragen stellen: wie haben sie es gehabt, wie war ihre Mutter, wie war ihr
Vater.

[00:05:00.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können einfach Fragen dazu stellen. Das bewirkt schon wieder eine Entwicklung.

[00:05:09.280] – Bemerkung 1
Wie sehe ich, dass eine gute Ablösung stattfindet?

[00:05:13.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA habe ich versucht einen Fragebogen aufzustellen.

[00:05:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich eine zeitlang stark mit Fragebogen befasst.

[00:05:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Punkte sind: nicht jeden Tag ein Telefon.

[00:05:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche jeden Tag mit ihrer Mutter telefonieren, sind sicher nicht abgelöst.

[00:05:27.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche sich gewaltsam abgetrennt haben, wollen gar nichts mehr mit der
Mutter zu tun haben.

[00:05:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jeden Tag ein Telefon.

[00:05:42.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Problem gibt, springt man als erstes zur Mutter oder zum Vater.

[00:05:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sind die einzigen Ratgeber. Das ist auch nicht abgelöst.

[00:05:56.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit denen ich im Umgang mit der Ablösung arbeite sind 50 Jahre alt oder
älter.

[00:05:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu stark der Pflicht nachgehen: ich muss doch meine Mutter besuchen. Ich muss
das für sie machen, sonst wird sie verrückt, sonst habe ich Schuldgefühle.

[00:06:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur die Mutter oder den Vater besuchen, wenn man das möchte, wenn man Lust hat,
wenn es passt. Nicht einfach nur aus dem Pflichtgefühl heraus.

[00:06:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Eltern nicht besucht, aber die anderen Geschwister tun das, dann muss
man keine Schuldgefühle haben.

[00:06:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit solchen Leuten arbeite, frage ich, haben sie es fertig gebracht auf sich zu
hören?

[00:06:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie nicht einfach nur die Eltern befriedigt?

[00:06:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie Schuldgefühle dabei gehabt? Ja?

[00:06:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man noch nicht soweit.

[00:06:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange man etwas den Eltern zuliebe nicht macht, einfach um es nicht zu tun und
dann trotzdem Schuldgefühle hat, ist man immer noch nicht abgelöst.

[00:06:43.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man streitet mit den Eltern und will sie von sich und der eigenen Meinung überzeugen
oder die Eltern wollen einem von der eigenen Meinung überzeugen.

[00:07:10.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schlage den Leuten vor, dass sie in ihre Ursprungsfamilie zurückgehen sollen und
sich über ein schwieriges Thema unterhalten sollen.

[00:07:17.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre dann oft: die Mutter hört sowieso nicht zu, ich kann die nicht ändern.

[00:07:32.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass sie die Mutter ändern.

[00:07:32.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht auch nicht darum, dass sie die Mutter oder den Vater verstehen.

[00:07:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht darum, dass sie in der Anwesenheit ihrer Eltern, Vater einzeln, Mutter einzeln,
ihre Meinung sagen können, ohne den Elternteil überzeugen zu wollen und sich
unterzuordnen.

[00:08:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einander zusammen sein, verschiedene Meinungen vertreten, jeder darf die andere
Meinung haben.

[00:08:08.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Kunst.

[00:08:08.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind speziell schwierig dort.

[00:08:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen wollen immer ein bisschen harmonisieren.

[00:08:16.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie das Kuschelhormon Oxytocin.

[00:08:19.189] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Oxytocin

[00:08:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten alle die gleiche Meinung haben.

[00:08:22.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht notwendig.

[00:08:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gegenüber darf eine andere Meinung haben, der Vater und die Mutter dürfen eine
andere Meinung haben. Selber darf man eine andere Meinung haben. Man muss sich
nicht gegenseitig überzeugen und auch nicht überzeugen lassen.

[00:08:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so einfach.

[00:08:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute Morgen hat mir eine Patientin aus einem Büchlein von Hermann Hesse
vorgelesen.

[00:08:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort stand genau das drinnen.

[00:08:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat den Auftrag, sein eigenes Individuum, das nennt man Individualisierung oder
Individuation, sagen die Psychologen.

[00:08:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat den Auftrag, seine eigenen individuellen Fähigkeiten zu verwirklichen.

[00:09:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer ein bisschen den Weg zu finden, zwischen wie viel passe ich mich an; dem Clan,
der Gesellschaft?

[00:09:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viel ordne ich mich unter?

[00:09:13.412] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viel rebelliere ich und mache etwas eigenes?

[00:09:13.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann kann nur so viel rebellieren, wie man selber erträgt, denn das System reagiert
darauf.

[00:09:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man standhaft bleibt, beruhigt sich das System wieder.

[00:09:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Herman Hesse hat ein Buch geschrieben: Eigensinn macht Spass!

[00:09:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1000543771

[00:09:41.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Worte von Hermann Hesse könnten aus dem Munde einer Therapeutin stammen.

[00:09:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das als Haltung haben.

[00:10:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Diagnose weder wissen noch diese stellen können.

[00:10:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Diagnose zu stellen oder zu wissen ist medizinisches Denken. Das möchte ich
ihnen nicht beibringen.

[00:10:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen Prozessdenken beibringen.

[00:10:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie findet die Interaktion statt?

[00:10:28.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man die Interaktion verändern, damit es eine gesündere Auswirkung auf
das Kind hat?

[00:10:36.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Supervision der Mütterberaterinnen des Kanton Aargau, haben wir ab und zu
auch psychotische Mütter/Grossmütter mit dem Kind gehabt.

[00:10:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Mütterberaterinnen dazu angeleitet, dass sie die psychotische Kindsmutter
und Grossmutter zusammennimmt und auch mit den Grossmüttern arbeitet.

[00:11:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine junge Mutter psychotisch wird, besteht meistens keine ganz vollzogene
Ablösung.

[00:11:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Grossmütter als Ersatzmütter reingeholt werden, dann gibt es einen
Konflikt zwischen Grossmutter und Kindsmutter.

[00:11:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Konflikt zwischen Grossmutter und Kindsmutter hat die Mütterberaterin
gehandhabt.

[00:11:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So konnten wir Kinder von psychotischen Müttern zu Hause behalten.

[00:11:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychotischen Mütter mussten nicht hospitalisiert werden, die Mütter auch nicht.

[00:11:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geburt des kleinen Kindes bringt mit sich, dass das System etwas aufgelöst ist,
etwas aufgeweicht ist.

[00:11:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System ist dann eher bereit an irgendeinem Konflikt zu arbeiten.

[00:11:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Für das Kind tut man alles, auch die Grossmutter.

[00:11:56.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Möglichkeiten, die nur sie wahrnehmen können.

[00:12:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Slogan lautet: Mütterberaterinnen als Sparschwein.

[00:12:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Idee ist: wir geben so viel Geld für Reparaturkosten aus.

[00:12:31.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sozialbereich, der Sozialdienst, der Sozialgelder zahlen muss.

[00:12:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gesundheitsbereich natürlich.

[00:12:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesundheitssystem, das für die kranken Mütter und Kinder bezahlt werden muss.

[00:12:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Juristischen Bereich die Bestrafungen.

[00:12:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder delinquent werden, meistens die Jungs, dann muss der Staat wieder
bezahlen.

[00:12:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unheimlich aufwendig und kostet sehr viel.

[00:13:01.240] – Dr.med. Ursula Davatz
CHF 1 .- Investiert in die Mütterberatung spart CHF 5'000.- in diesen drei Bereichen.

[00:13:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
So langfristig denken diese Systeme nicht.

[00:13:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es denkt nur jeder für sich.

[00:13:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe es nicht fertig, die Mütterberaterin auf diesen Ebene zu heben.

[00:13:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütterberaterinnen sind Präventionsarbeiterinnen der ersten Stunde.

[00:13:35.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankenkassen müssen einen gewissen Betrag auf die Zeit legen für die
Prävention.

[00:13:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau und auch in anderen Kantonen gibt es Präventionsarbeiter.

[00:13:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Präventionsarbeiter kommen aus der Suchtarbeit.

[00:13:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prävention besteht nicht nur aus Suchtarbeit.

[00:13:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch habe ich ein kleines Kapitel über Mütterberaterinnen.

[00:13:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1034584660

[00:13:50.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Prävention kann man auch auf vielen anderen Gebieten machen.

[00:14:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Prävention für alles.

[00:14:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie aus den USA.

[00:14:05.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde untersucht, ob Kinder aus Risikofamilien ein schlechtere Schulbildung haben.

[00:14:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17274547/

[00:14:11.630] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.jstor.org/stable/1602387

[00:14:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt durchaus auch Kinder aus armen Familien, die eine gute Schulbildung haben.

[00:14:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man der Risikofamilie zur ersten Stunde Unterstützung angeboten hat, dann
wurden die Kinder weniger delinquent.

[00:15:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor der Delinquenz haben alle Angst. Das ist gefährlich in der Gesellschaft.

[00:15:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind sie die besten Präventionsarbeiter.

[00:15:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es viel von den Mädchen gehabt.

[00:15:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung trifft man mehr bei den Mädchen an.

[00:15:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dissoziale, antisoziale Persönlichkeitsstörung trifft man viel mehr bei den Knaben
an. Die Jungs gehen in die die Delinquenz, die sind dann im Gefängnis, die kosten viel
Geld.

[00:15:30.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen auch Erziehungsberatung, das ist jetzt erlaubt. Die erweiterte
Mütterberatung, mindestens bis zum Kindergarten.

[00:15:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Mütter von ADHS/ADS Kindern haben, ist es ganz wichtig, dass sie die Mütter
dahingehend instruieren, damit die Hyperaktivität nicht als bösartig angeschaut wird.

[00:15:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein böser Junge, weil er aggressiv ist.

[00:16:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Junge ist nur aggressiv, weil er einerseits sehr sensibel ist und sich dann auf eine
männlich Art und Weise verteidigt.

[00:16:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor jeder Aggression ist eine Verletzung.

[00:16:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter merken nicht, wie sie ihre Kinder verletzen.

[00:16:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schon beim kleinen Kind darauf achten, dass die Mütter die hyperaktiven
Kinder nicht verletzen.

[00:16:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder dürfen nicht zu starkt eingeengt werden.

[00:16:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen zur Kooperation gebracht werden, nicht zum gehorsam.

[00:17:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man totschlagen, sie gehorchen immer noch nicht.

[00:17:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder darf man nicht zum folgen bringen. Man muss sie zur Kooperation
bringen.

[00:17:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine andere Methode.

[00:17:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder habe wenig Angst, sie sind impulsiv.

[00:17:09.884] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder überspiele die Angst mit ihrer Impulsivität.

[00:17:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder zum gehorsam zwingt, wenn man ihnen droht, das
interessiert die überhaupt nicht.

[00:17:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben keine Angst, sie gehen dagegen.

[00:17:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man zu Kooperation bringen.

[00:17:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss genügend Geduld haben.

[00:17:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bereits im Kindergarten kann es passieren, dass ADHS/ADS Kinder zu bösen Kindern
gemacht werden. Dort sagt man, es sind aggressive Kinder.

[00:17:36.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint, dass man das Temperament von ADHS/ADS Kindern erziehen muss. Das
kann man nicht.

[00:18:02.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Temperament der ADHS/ADS Kinder führen können, nicht zerdrücken.

[00:18:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Haben sie zum Teil anfragen bezüglich Beratung im Umgang mit ADHS/ADS Kindern?

[00:18:11.570] – Bemerkung 2
Ja, wir kriegen anfragen wie wir mit sehr aktiven Kindern umgehen sollen.

[00:18:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose ist in aller Munde.

[00:18:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter stellen die ADHS/ADS Diagnose selber. Dann haben die Mütter schon Angst.

[00:18:35.210] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man die Mütter beruhigen, damit sie den Kindern mehr Spielraum
lassen, klare Regeln. Keine rigide Regeln.

[00:18:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Unterschied.

[00:18:54.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Mütter verwechseln "klar" mit "rigid".

[00:19:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind zur Verhandlungsmöglichkeit bringen möchte, muss man dem Kind
einen Spielraum lassen.

[00:19:26.970] – Bemerkung 3
Kann man eine ADHS/ADS erst ab fünf oder sechs Jahren erkennen?

[00:19:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, würde ich nicht sagen.

[00:19:38.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich seit über 30 Jahre mit dem ADHS/ADS.

[00:19:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sagten die Kinderpsychiater, dass es ADHS/ADS gar nicht gibt. Sie meinten, das
sei nur ein Problem der Familie. Es war immer eine grosse Diskussion. Wenige
Kinderärzte befassen sich schon lange damit.

[00:19:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
1971 habe ich einen Kinderarzt gehört, Dr.med. Christian Müller, der Nervenarzt galt als
Schizophrenie Spezialist.

[00:20:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_M%C3%BCller_(Mediziner,_1921)

[00:20:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ärzte stellen immer eine Diagnose. Wie stelle ich eine Diagnose?

[00:20:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:20:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist eine genetische Konstellation, welche sich aus verschiedenen Faktoren
zusammensetzt und nicht immer gleich ist.

[00:20:26.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Syndrom spricht man, wenn mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

[00:20:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS hat mit der Formation des Gehirns zu tun.

[00:20:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist entwicklungsfähig, plastisch und kann sich ganz verschieden verändern.

[00:20:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Situation besteht schon seit der Geburt.

[00:20:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter spüren oft schon, dass das ADHS/ADS Kind etwas anders sind.

[00:21:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man schon früher feststellen.

[00:21:10.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will keine Diagnose stelle, ich will nicht sagen, dass das Kind krank ist.

[00:21:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will der Mutter nicht das Gefühl geben, dass sie ein krankes Kind hat.

[00:21:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von Temperament, nicht von Krankheit.

[00:21:33.020] – Bemerkung 4
Gibt es solche Dispositionen in der Familie?

[00:21:47.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist etwas genetisches.

[00:21:55.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch Hirnstörungen geben, welche perinatal erworben werden.

[00:22:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ADHS/ADS wird in der Familie vererbt.

[00:22:08.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Temperament, die Sensibilität, die Hyperaktivität.

[00:22:22.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem ADHS/ADS kommt eine schlechte Impulskontrolle.

[00:22:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombination von sehr sensibel und schlechter Impulskontrolle ist oft schwierig für
das Umfeld.

[00:22:27.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld sagt: er ist so eine Mimose. Selber erträgt er überhaupt keine Kritik aber er
kann austeilen wie ein Weltmeister.

[00:22:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint, das passe nicht zusammen.

[00:22:50.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau das ist das ADHS/ADS.

[00:22:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Kind verteidigt seine seine Sensibilität mit einer Aggression.

[00:23:02.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aggressivität ist immer eine Verteidigung.

[00:23:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr zum Ausdruck, je nachdem, wie die Familie mit dem ADHS/ADS
umgeht.

[00:23:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie sehr rigide und eng ist, strenge Regeln hat, stösst das ADHS/ADS
Kind immer an.

[00:23:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie eine klare Leitlinie hat, aber nicht so rigid ist, man kann verhandeln,
ein bisschen liberaler, dann gibt es gar kein Problem daraus.

[00:23:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt oft mit einer Dyslexie, Dyskalkulie. Sie haben ein unausgeglichenes
Leistungsprofil.

[00:23:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat nicht gesprochen bis er fünf Jahre alt war. Er hatte im Sprachbereich
ein Defizit, eine Leistungsverminderung.

[00:24:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wollte Albert Einstein aus der Schule werfen, weil er in den Sprachen nicht so gut
war.

[00:24:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat Albert Einstein behalten, er ging an die Kantonsschule in Aarau. Jetzt
heisst die Schule Einsteinhaus.

[00:24:10.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist man stolz. Das ist klar.

[00:24:19.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: wie geht die Familie mit dem ADHS/ADS um?

[00:24:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADHS/ADSler die überhaupt nicht diagnostiziert werden, weil die Familie sehr
gut damit umgeht. Es gibt kein Problem, die können Rücksicht nehmen, die können mit
dem umgehen.

[00:24:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Familien die überhaupt nicht mit ADHS/ADS umgehen können.

[00:24:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie nicht mit ADHS/ADS umgehen kann, erscheint es als Problem und es
wird diagnostiziert.

[00:24:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Von mir aus müsste man es nicht diagnostizieren.

[00:24:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste den Eltern nur die Anleitungen und die Unterstützung geben, wie sie mit
dem ADHS/ADS umgehen können.

[00:24:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage werden viele Diagnosen gestellt.

[00:24:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nicht viele Personen, welche die Eltern im Umgang mit ADHS/ADS anleiten
können.

[00:24:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel wird dem Kind einfach nur Ritalin gegeben. Dann soll es in Ordnung sein.

[00:24:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist schon so weit, dass der Lehrer sagt: ich nehme das Kind nicht mehr in die
Schule, wenn es kein Ritalin bekommt.

[00:25:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:25:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern sagen: ich will kein Ritalin geben, ich will es so versuchen.

[00:25:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: das sei okay. Ich dränge ihnen das Ritalin überhaupt nicht auf.

[00:25:19.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche die Eltern anzuleiten.

[00:25:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen die Gesundheitsbehörden, die Lehrer und die Schulbehörden. Die Eltern
sind nicht gehorsam. Sie machen nicht das, was man sagt, und die Eltern müssen
Ritalin geben.

[00:25:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden dann alle zu Experten und verschrieben, was man machen muss.

[00:25:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurofeedback kann ich empfehlen.

[00:25:36.807] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Neurofeedback

[00:25:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler haben eine sehr schnelle Aufschaukelungstendenz ihres limbischen
Systems.

[00:26:02.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Impulsivität.

[00:26:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken schnell, sie reden schnell, sie handeln schnell, sie schlagen schnell zu.

[00:26:09.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen die Impulskontrolle lernen.

[00:26:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte man in der Pubertät lernen.

[00:26:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es schon früher lernen.

[00:26:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler haben auch eine schlechte Frustrationstoleranz.

[00:26:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum ADHS/ADS Kind sagt: du bist ein schreckliches Kind, du musst jetzt
warten können, dann stürmt das Kind und am Schluss gibt man trotzdem nach, dann
hat man es nicht so gut gemacht.

[00:26:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, wie stark man ein ADHS/ADS Kind frustrieren kann. Wie bald
muss ich nachgeben?

[00:26:34.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Es macht keinen Sinn, zuerst zu sagen: nein, ich komme jetzt nicht. Das Kind macht ein
grosses Theater und dann kommt man trotzdem. Dann hat man genau das gemacht,
was man eigentlich nicht möchte.

[00:26:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich immer überlegen: was kann ich durchziehen?

[00:27:02.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback macht man ein minimales EEG. Sie bekommen Filme zum schauen.
Wenn ihr Gehirn abweicht, wenn es langweilig wird, aber sie müssen beim langweiligen
bleiben, dann gibt es einen Impuls, sie werden daran erinnert: schau wieder.

[00:27:30.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen sich mehr zu fokussieren.

[00:27:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fokussierung geschieht im präfrontalen Kortex.

[00:27:46.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin wirkt wie ein Antidepressivum, es ist ein Upper, ein Stimulantium.

[00:28:13.496] – Dr.med. Ursula Davatz
[ Mistral AI sagt: Ritalin stimuliert die Bahnen im präfrontalen Kortex, indem es die
Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin erhöht. Diese Neurotransmitter sind an
der Signalübertragung in den Nervenbahnen beteiligt. Durch die Blockierung der
Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in die präsynaptischen Neuronen erhöht
Ritalin ihre Konzentration im synaptischen Spalt, was die Signalübertragung verbessert.
]

[00:28:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Impulskontrolle, man geht gleich in die Handlung, man schlägt drein.

[00:28:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback lernen die ADHS/ADSler das Schnelle herunterzuholen.

[00:28:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer sagt nicht: du bist ein böses Kind. Der Computer sagt nur: bist du wieder
abgelenkt gewesen? Bist du wieder reingeschossen?

[00:28:53.550] – Bemerkung 5
Was ist der Unterschied zwischen hyperaktiv und hypoaktiv?

[00:28:55.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hyperaktiven (ADHS) geht es schnell in das Motorische.

[00:28:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind oft gute Fussballer, gut Sportler, gute Skifahrer, wie z.B. Roger Federer.

[00:28:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hyopaktiven geht kein Impuls in das Motorische. Die sind nur im Denken aktiv,
die sitzen in der Schule, sind ganz ruhig und denken irgendetwas anderes. Sie passen
überhaupt nicht auf. Sie schauen aus dem Fenster raus. Das sind die Träumer.

[00:29:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist beleidigt und sagt: jetzt hast du wieder nicht aufgepasst. Das Gehirn kann
nicht anders.

[00:29:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können sich sehr gut interessieren, wenn sie sich für etwas interessieren.

[00:29:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wieder das Interesse der ADHS/ADSler finden.

[00:29:58.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Lehrer langweilig ist, dann sind sie weg.

[00:30:05.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse ADHS/ADS Kinder zeichnen, wenn der Lehrer vorn redet.

[00:30:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt der Lehrer: ihr passt nicht auf.

[00:30:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können zum Teil über das Zeichen besser aufpassen.

[00:30:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Lehrer rate ich dann: sie müssen den Schüler zeichnen lassen, das hilft dem
Schüler.

[00:30:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil hat der Schüler Comics gezeichnet und den Lehrer blöde dargestellt.

[00:30:35.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran hatte der Lehrer keine Freude.

[00:30:47.340] – Bemerkung 6
Ich war vor Kurzem in Hamburg. Dort haben viele Eltern in der Kindergartenklasse das
Gefühl, dass ihr Kind hochbegabt ist. Das scheint ein Trend in Hamburg zu sein.

[00:31:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den ADHS/ADS Kinder gibt es einige, die hochbegabt sind, wie z.B. Albert
Einstein. Er war sehr gut in der Physik. Jemand anderes hat für ihn gerechnet. Das
weiss ich von jemanden, dessen Onkel den Einstein noch gekannt hat.

[00:31:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den ADHS/ADSler gibt es viele Leute, die eine sehr unausgleichliches
Leistungsprofil haben.

[00:31:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Gebieten sind sie sehr begabt und in anderen Gebieten sind sie nicht so
begabt.

[00:31:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz wird der Durchschnitt gefördert. Die meisten werden am schlechten
gemessen.

[00:31:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat eine Legasthenie, er ist schlecht im Deutsch, aber hochbegabt in der
Mathematik, dann wird es gemittelt.

[00:31:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Hochbegabung in der Mathematik kommt nicht zu Zuge.

[00:31:56.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgekehrt, ein Mädchen ist begabt in der Sprache, nicht gut in der Mathematik, dann
steht das Mädchen auch wieder schlecht da.

[00:32:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige Hochbegabte ADHS/ADSler.

[00:32:14.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch einige hochbegabte motorische ADHS/ADSler.

[00:32:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Sportlern gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:32:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fussballer muss man hyperkinetisch sein. Man muss eine schnelle
Auffassungsgabe haben, sofort sehen was läuft, am rechten Ort und auch präzise sein.

[00:32:48.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab es eine Sendung über Hamburg.

[00:32:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In Hamburg würde man jetzt Sprachanalyse machen.

[00:32:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Sprachanalyse kann man ADHS/ADSler diagnostizieren.

[00:33:00.060] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.welt.de/wissenschaft/article138138577/Diese-Stimmanalyse-entlarvt-all-unsere-Geheimnisse.html

[00:33:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt, ADHS/ADSler haben einen anderen Duktus.

[00:33:06.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Motorik gibt es einen anderen Duktus.

[00:33:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nicht ADHS/ADSler liest sehr monoton.

[00:33:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler setzt Akzente. Dann passt man auf.

[00:33:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Computerprogramm kann da besser auswerten.

[00:33:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nichts krankhaftes daraus macht, ist es lustig.

[00:34:09.760] – Bemerkung 7
Von ADHS/ADS sagt man, dass es sich auswächst. Stimmt das?

[00:34:09.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht. Das sagt man früher.

[00:34:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher dachte man, dass ADHS/ADS perinatal ist, dass rund um die Geburt eine
Schädigung geschehen ist.

[00:34:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man dachte, dass die Myelinscheiden der Nerven nicht ganz reif sind. Die reifen später.

[00:34:26.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht nur die Myelinscheiden der Nerven.

[00:34:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zentren sind etwas anders.

[00:34:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz
An gewissen Orten sind die Zentren sehr aktiv und an anderen Orten unteraktiv.

[00:34:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Erwachsen werden, wächst sich ADHS/ADS nicht aus.

[00:34:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Leute lerne besser damit umzugehen.

[00:34:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenige, welche eine gute ADHS/ADS Erziehung genossen haben, können gut damit
umgehen.

[00:34:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen wo die ADHS/ADS Erziehung immer gegen alles war, entwickelt
man eine sekundäre Krankheit.

[00:35:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Untersuchungen bei den Erwachsenen ADHS/ADSler haben ergeben, dass 75% eine
zusätzliche psychische Krankheit haben.

[00:35:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung tritt häufig bei ADHS/ADS Frauen auf.

[00:35:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtpatienten, Schizophrene, Delinquente.

[00:35:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher nannte man ADHS/ADS POS.

[00:35:56.490] – Dr.med. Ursula Davatz
In den juristischen Gutachten heisst es oft: POS Kind.

[00:36:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine grosse Kohortenstudie in Bezug auf die Gene.

[00:36:19.668] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nature.com/articles/s41588-018-0269-7

[00:36:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Starke Depression, bipolare Störugn, Schizophrenie, Autismus/Asperger und ADHS/
ADS.

[00:36:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann es sein, dass alle diese verschiedenen Diagnosen die gleiche
Genkonstellation haben?

[00:36:58.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich klar.

[00:37:04.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS liegt all dem zugrunde.

[00:37:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Psychiatrie noch nicht durchgesickert.

[00:37:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte ADHS/ADSler schon seit Jahren.

[00:37:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte Schizophrenie Familien seit Jahren.

[00:37:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier ADHS/ADS dort ADHS/ADS, ah das ist alles klar.

[00:37:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen für mit den ADHS/ADSlern in Kontakt. Deshalb sage ich ihnen das auch.

[00:37:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen ihren Mütter nicht sagen: ADHS/ADS ist gefährlich, das Kind kann
schizophren, delinquent werden. Vielleicht hilft es ihnen. Ich hoffe, es macht ihnen nicht
Angst.

[00:37:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist beeindruckend, dass 75% der erwachsenen ADHS/ADSler eine sekundäre
Störung haben.

[00:37:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst: in so vielen Fällen wird mit den ADHS/ADSlern falsch umgegangen.

[00:38:08.510] – Bemerkung 8
75% oder 25%?

[00:38:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
75%.

[00:38:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist hoch.

[00:38:15.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese 75% werden nicht mit Ritalin ausgeschaltet.

[00:38:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin verbessert nur das Lernverhalten.

[00:38:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Interaktion, welche zwischen ADHS/ADS und dem Umfeld läuft, die wird sich
nicht verbessert.

[00:38:39.980] – Bemerkung 8

Ich höre oft Mütter sagen, sie müssen ihr Kind nonstop füttern, beschäftigen,
unternehmen, keine Ruhe.

[00:38:55.900] – Bemerkung 8
Der ganze Tag ist ein Programm am anderen, die ganze Woche ein Programm nach
dem anderen. Ist dort weniger nicht mehr?

[00:39:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr hungrig, "sensation seeking".

[00:39:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder suchen immer wieder etwas Neues.

[00:39:22.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen Abenteuer. Sie müssen Dinge machen.

[00:39:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit sind die Unterhaltungen der Kinder langweilig.

[00:39:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Konsum, Konsum, Konsum.

[00:39:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Computerspiel, das macht auch leicht süchtig.

[00:39:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit den Kindern etwas herausfinden, wo sie länger dranbleiben können, wo
sie immer wieder etwas rausfinden.

[00:39:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss intelligente Dinge mit den ADHS/ADS Kindern tun.

[00:39:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte ADHS/ADS Kinder nicht einfach unterhalten.

[00:39:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gingen die Kinder in den Wald entdeckten. Es kam immer wieder etwas neues.

[00:40:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Anregungen heutzutage für Kinder ist etwas schwieriger.

[00:40:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Pausenplätze der Schulhäuser anschaut, alles ist planiert, alles ist schön
geordnet.

[00:40:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder gehen lieber auf die Baustelle.

[00:40:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft etwas, da sieht man etwas.

[00:40:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder brauchen viel Anregung.

[00:40:31.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht einfach nur ruhig sitzen.

[00:40:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter muss man schauen, was eine sinnvolle Anregung ist.

[00:40:40.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man eine Interaktion findet, welche die ADHS/ADS Kinder interessiert, welche
das ADHS/ADS Kind begeistert, dann bleiben sie auch fokussiert.

[00:40:51.880] – Bemerkung 10
Die ADHS/ADS Kinder lassen sich dann auch nicht so schnell abbringen.

[00:40:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann bleiben sie stundenlang dabei.

[00:40:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind hyperfokussiert, wenn sie etwas finden, das sie interessiert.

[00:40:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas von den ADHS/ADS Kindern möchte, dass sie nicht gerne haben,
dann schmeissen sie es gleich wieder weg.

[00:41:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter müssen herausfinden, was das ADHS/ADS Kind für eine Begabung/
Neigung/Eignung hat. Dort muss man das Kind füttern.

[00:41:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können die ADHS/ADS Kinder dranbleiben.

[00:41:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie vom NIMH, National Institute of Mental Health.

[00:41:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben den Kindern Spielzeuge gegeben. Gewissen Kindern wurde erklärt, wie das
Spielzeug funktioniert. Das Kind hat damit gespielt und dann das Spielzeug
weggeschmissen.

[00:41:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den anderen Kindern wurde nur wenig erklärt. Den Rest mussten die Kinder selber
rausfinden.

[00:41:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der letzten Gruppe hat man gar nicht erklärt. Schau hier ist etwas, versuch etwas damit
zu tun.

[00:41:59.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, welchen man gar nichts erklärt hat, haben am längsten damit gespielt.

[00:42:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, denen man alles erklärt hat, haben am kürzesten damit gespielt.

[00:42:31.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen für die ADHS/ADS Kinder Dinge finden, wo die Kinder neugierig sein
können.

[00:42:38.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine natürliche Neugier haben ADHS/ADS Kinder sehr. Man muss ihre Neugier wecken.
Es muss etwas sein, das weitergeht. Wenn es repetitiv ist, dann geht es nicht so gut.

[00:42:43.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können den Autopilot nicht so gut einschalten.

[00:43:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind eine Legasthenie hat, kann es nicht so gut lernen, wie das
Schriftbild aussieht.

[00:43:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz

In einer ADHS/ADS Familie gab es eine Legasthenie. Sie war Ärztin. Ihre Schwester
war auch Ärztin. Ich Schwester konnte auf der gleichen Seite X Mal verschieden Fehler
machen. Einmal hat sie es so geschrieben und einmal so. Serialisieren klappt nicht so
gut. Das serielle Gedächtnis ist nicht so gut.

[00:43:39.230] – Bemerkung 11
Es gibt eine Software für ADHS/ADS Kinder. Kennen sie die?

[00:43:58.240] – Bemerkung 11
https://www.heise.de/hintergrund/PC-fuer-den-Zappelphilipp-280157.html

[00:43:58.260] – Bemerkung 11
https://www.cogmed.com/

[00:44:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Computerprogramme, die man kaufen kann, die man nach Hause nimmt. Damit
kann man üben.

[00:44:12.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind lateralisiert.

[00:44:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rechtshänder haben links das Sprachhirn.

[00:44:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern läuft das rechts/links nicht richtig.

[00:44:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Leonardo Da Vinci war doppelhändig.

[00:44:31.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Mit den Computerprogrammen wird das rechts und links genauer auseinander
genommen.

[00:44:39.740] – Bemerkung 12
Hilft es wenn man Klavier spielt?

[00:44:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler musikalisch begabt sind.

[00:44:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was sie regelmässig machen können.

[00:44:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler hat super Orgel gespielt. Der durfte schon mit 12 Jahren in der Kirche
spielen.

[00:44:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Klavier spielen ist doppelhändig. Links Rechts, die ganze Fingerfertigkeit, üben, üben,
üben. Es ist etwas, das zu einem gehört.

[00:45:06.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich aufregt, dann kann man Klavier spielen gehen.

[00:45:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beruhigt man sich wieder.

[00:45:22.350] – Bemerkung 13
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Knaben beim
ADHS/ADS?

[00:45:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mehr hyperaktiv, mehr aggressiv, das kommt mit dem Testosteron. Die
haben andere Verhaltensmuster.

[00:45:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau haben unterschiedliche Gehirne.

[00:45:43.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind besser im räumlichen einordnen, besseres räumliches sehen.

[00:45:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind verbal besser.

[00:45:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Dichter sind auch wieder die Männer. Physiker sind auch Männer.

[00:46:01.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind nicht so gefördert worden.

[00:46:01.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das Buch: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz
natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen. Die ganze Wahrheit über
Frauen und Männer

[00:46:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/M%C3%A4nner-zuh%C3%B6ren-Frauen-schlecht-einparken/dp/3548377092

[00:46:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Bücher darüber wie das Gehirn von Mann und Frau unterschiedlich ist.

[00:46:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gehirn von Mann und Frau ist unterschiedlich. Die Hormone spielen auch eine
Rolle und die Gene natürlich auch.

[00:46:26.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer werde eher delinquent und die Frauen machen eher Essstörungen,
Borderline Persönlichkeitsstörung. So geht es auseinander.

[00:46:58.960] – Bemerkung 14
Ich habe mir noch überlegt wieviel Eltern von ADHS/ADS Kindern selber ADHS/ADS
sind?

[00:47:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr viele. Das ist so.

[00:47:06.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Verein ADHS20+

[00:47:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs20plus.ch/

[00:47:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Verein Fachgesellschaft ADHS/ADS.

[00:47:14.510] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/de/

[00:47:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen einmal pro Jahr eine Tagung. Auf diese Vereine können sie interessierte
Mütter, Betroffene etc hinweisen.

[00:48:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt auch noch ELPOS.

[00:48:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
https://elpos.ch/

[00:48:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ELPOS – Elternvereinigung von POS Kindern.

[00:48:08.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sammeln schon seit langem Informationen zum Thema ADHS/ADS.

[00:48:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Anlaufstelle. Das ist eine Elternvereinigung. Die kann man gut fragen.

[00:48:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das eine Fachgesellschaft.

[00:48:08.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind die auch vernetzt.

[00:48:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange haben nur die Eltern das ADHS/ADS repräsentiert.

[00:48:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fachleute haben gesagt: ADHS/ADS gibt es gar nicht.

[00:48:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Als die bildgebende Verfahrensweise kam, wo man das Geirn darstellen kann und sieht,
dass das Gehirn anders aussieht, sprangen die Fachleute auf. Dann hat man die
Fachgesellschaft gegründet.

[00:48:47.480] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist vererbt. Es ist mindestens einer. Manchmal ist es auch ein Grossvater
oder eine Grossmutter.

[00:48:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist dann: wie gut können die erwachsenen Eltern mit ihrem ADHS/ADS
umgehen?

[00:49:05.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen den schlechten Impulskontrolle ist die Gefahr bei ADHS/ADS Familien, dass die
Konflikte schnell eskalieren.

[00:49:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien scheiden mehr.

[00:49:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wechseln den Job mehr.

[00:49:30.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles die Erwachsenen.

[00:49:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sir Richard Branson ist auch ein ADHS/ADSler. Er ist zu allen Schulen rausgeflogen,
hat ein Studenten Magazin, eine CD Firma, Virgin Cola, Virgin Atlantic, Virgin Galatic,
Virgin Voyages, etc gegründet. In der Schweiz geht er Skifahren.

[00:50:16.020] – Bemerkung 15
Das hat es auch schon früher gegeben. Hat es auch mit unserer Schnelllebigkeit zu
tun? Hat es auch mit den Videospielen zu tun?

[00:50:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS gab es schon immer. Früher war vielleicht das Umfeld ruhiger.

[00:50:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule ging es einfach autoritär zu und her. Die mussten sich einfach
unterordnen.

[00:50:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sie eingeschüchtert.

[00:50:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sind nach Amerika oder Australien ausgewandert.

[00:50:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es auch an den Handschriften.

[00:50:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Handschriften sind oft nicht rund. Die Motorik ist nicht so gut.

[00:51:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA gibt es sicherlich mehr ADHS/ADSler. Das ist eine Selektion.

[00:51:07.810] – Bemerkung 16
Wieso sind die ausgewandert? Weil es ihnen in Europa zu strukturiert war?

[00:51:10.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS gab es schon immer.

[00:51:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Lehrer, der nicht so autoritär ist, der nicht einfach alle einschüchtert, dann klappt es
besser im Umgang mit den ADHS/ADSler.

[00:51:10.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Stimulation und viel Unruhe.

[00:51:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen eine klare Struktur. Nicht eine rigide Struktur, eine klare
Struktur.

[00:51:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen Regelmässigkeiten.

[00:51:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Rituale sind ein kollektivierter Zwang.

[00:51:48.310] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen etwas davon.

[00:51:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen Rituale, Regelmässigkeiten, Struktur.

[00:51:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist immer alles möglich.

[00:51:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fällt es schneller aus dem Rahmen.

[00:51:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man mit ADHS/ADS Menschen nicht autoritär umgehen muss, muss man selber
eine natürliche Autorität haben. Wenn man das nicht hat, dann ist man aufgeschmissen.

[00:51:59.790] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler merken sofort wenn man selber nicht richtig dahinter steht oder
irgendetwas aufsetzt.

[00:52:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter frage, welches Kind hat am schnellsten gemerkt, wenn es ihr
nicht gut geht, ist es immer das ADHS/ADS Kind.

[00:52:57.380] – Bemerkung 17
Sagen sie noch etwas über das Trauma?

[00:53:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma beim Kind ist etwas anderes als das Trauma bei den Eltern.

[00:53:49.880] – Bemerkung 18
Mich interessiert das Thema: Teenager Mütter.

[00:54:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablösungsproblematik.

[00:54:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass an die Ablösung zu Ende führt.

[00:55:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die Teenage r Mütter werden, sind meistens Mütter, die noch nicht abgelöst
sind.

[00:55:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager Mütter sind Mütter, welche über die sexuelle Aktivität und über das Mutter
werden, sich über das Kind von ihrer Mutter ablösen wollen.

[00:55:18.933] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin jetzt auch Mutter und Du hast mir nichts mehr zu sagen.

[00:55:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die Teenager Mütter immer noch sehr unreif sind, geschieht meistens genau das
Gegenteil.

[00:55:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter des Kindes kommt wieder rein und versucht sich als Fachfrau
aufzuspielen.

[00:55:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht der Konflikt wieder los.

[00:55:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gib es einen Kampf um das kleine Kind. Das ist gar nicht gut.

[00:55:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie mit den Teenager Müttern ihre Beziehungen zu den Müttern an.

[00:55:46.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Beziehen sie die Grossmütter in die Beratung mit ein.

[00:56:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht hinter dem Rücken der Mutter vorgehen.

[00:56:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht denkt die Mutter: nein die Grossmutter will ich nicht dabei haben, das geht
überhaupt nicht, von der will ich frei sein.

[00:56:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann müssen sie als Therapeutin nicht in die Rolle der Grossmutter fallen und Konflikte
mit der Teenager Mutter haben.

[00:56:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zuerst die Teenager Mutter ein bisschen kennen lernen, die Beziehung zu
ihr herstellen.

[00:56:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer die Teenager Mutter fragen: wie ist deine Beziehung zur Mutter?

[00:56:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frage würde ich nie weglassen.

[00:56:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Fühlen sie sich unterstützt durch ihre Mutter? Sind sie froh um ihre Mutter? Fühlen sie
sich eher kritisiert?

[00:56:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich sagt die Teenager Mutter: beides.

[00:56:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits bin ich froh, andererseits macht sie mir Druck!

[00:56:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man fragen: fühlen sie sich durch die Grossmutter verunsichert? Haben sie
das Gefühl, die Grossmutter macht es besser als sie?

[00:56:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde auch fragen: was wollen sie anders machen, als wie es ihre Mutter mit ihnen
gemacht hat?

[00:57:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo differieren die erzieherischen Regeln?

[00:57:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich das mit der Teenger Mutter anschauen.

[00:57:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Moment wo man sagen kann: ich würde gerne einmal ihre Mutter kennen
lernen. Falls sie wollen, können sie gerne dabei sein. Wenn sie es nicht wollen, müssen
sie nicht. Ich erzähle ihnen dann alles, was gelaufen ist, worüber wir geredet haben.

[00:57:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man die Teenager Mutter ja nicht vergelstert, nicht
zerdrückt.

[00:57:56.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um den Ablösungskonflikt zwischen der Teenager Mutter und der Grossmutter.
Den soll man noch ein wenig anschauen und ein wenig Ordnung rein bringen.

[00:58:15.770] – Bemerkung 19
Wenn man ein 15-, 16-jähriges Mädchen nimmt, das ist noch voll eingebettet zu Hause.
Da kann gar kein Ablösungsprozess stattfinden.

[00:58:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Ablösungsprozess muss auch nicht gleich stattfinden. Wir müssen das Kind aus
diesem Konflikt rausnehmen.

[00:58:39.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss trotzdem über diese beiden Persönlichkeiten, die Unterschiede zwischen
Mutter und Grossmutter sprechen.

[00:58:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Inwiefern die Teenager Mutter mit der Grossmutter nicht zufrieden gewesen ist.

[00:58:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wo das Kind da ist, kann die Grossmutter nichts mehr sagen.

[00:59:02.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann muss den Konflikt zwischen Grossmutter und Mutter nochmals anschauen. Der
Konflikt wird jetzt nur über das Kind gelöst.

[00:59:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:59:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bereiten die Ablösung erst vor, wir machen sie noch nicht.

[00:59:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Teenager Mütter wollen noch in den Ausgang gehen.

[00:59:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter findet das keine gute Idee.

[00:59:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man die Rolle klar klären.

[00:59:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann ist die Grossmutter Babysitterin und die Teenager Mutter darf noch Teenager
sein?

[00:59:30.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht, dass die Teenager Mutter später zum Kind sagt: wegen dir haben ich
meine Jugend verpasst.

[00:59:50.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will die Grossmutter auch nicht.

[01:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Übereinkunft: wann ist die Mutter Teenager und wann ist die Mutter
Mutter.

[01:00:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf keine verurteilende Haltung von der Grossmutter kommen.

[01:00:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich, dass die Teenager Mutter noch in den Ausgang gehen möchte, mit
Verhütung.

[01:00:15.680] – Bemerkung 20
Wenn der Vater auch da ist? Auf die eigenen Beine stellen?

[01:00:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, auf die eigenen Beine stellen, nicht zusammen wohnen, wenn es finanziell möglich
ist.

[01:00:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Interaktion zwischen der Grossmutter und dem jungen Paar ein bisschen
regeln, Mediation machen.

[01:01:06.750] – Bemerkung 21
Wie ist das rechtlich?

[01:01:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie dürfen zusammen wohnen. Die Grosseltern können Einspruch erheben und das
Paar mit der Polizei trennen, aber das wollen wir nicht.

[01:01:33.820] – Bemerkung 21
Ohne Klage geschieht nicht?

[01:01:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Sie dürfen eine Wohnung zusammennehmen.

[01:01:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Der 18-jährige ist unterschriftsberechtigt.

[01:03:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern der 15 Jährigen können den 18 Jährigen anklagen.

[01:03:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch umgekehrt.

[01:03:12.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mann 15 Jahre alt ist und die Frau 18 Jahre alt ist, dann können die Eltern
der Frau den Mann einklagen.

[01:03:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Staatsanwalt kann auch anklagen.

[01:04:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter früh ein Kind hatte, dass ihre Tochter dann auch wieder früh aktiv ist
und auch wieder früh ein Kind hat. Das läuft oft so weiter.

[01:04:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Häufig will das Familiensystem eine Teenager Mutter verhindern. Mit dem Verhindern
geschieht genau das Gegenteil, dass sie es wieder macht.

[01:05:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sexuell aktive Mädchen im Teenageralter zu stark unterdrückt, kontrollieren
möchte, holen sie ihre Freiheit, indem sie heimlich aktiv werden, ohne
Eigenverantwortung, einfach darauf los.

[01:05:45.000] – Bemerkung 22
Wer hat die Entscheidung gegenüber dem Kind? Die Grossmutter übernimmt dann
häufig. Wer ist die Beraterin?

[01:06:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kindsmutter.

[01:06:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nach dem biologischen gehen.

[01:06:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter ist Mutter. Ob jetzt die 15 Jahre alt ist, 13 Jahre alt, sie ist die Mutter.

[01:06:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft auch etwas biologisches ab.

[01:06:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mütterberaterin müssen sie die Mutter ernst nehmen. Das ist ihre Kundin.

[01:06:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass sie mit dieser ernsthaften Haltung der Kindsmutter gegenüber
zwischen Kindsmutter und Grossmutter vermitteln.

[01:06:37.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter meint dann, ich bin hier Chefin, ich kann das besser, die kann ja das
nicht.

[01:06:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nimmt sie das Kind der Kindsmutter weg.

[01:06:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist dann von Anfang an eingespannt in eine Dreiecksbeziehung und hat
Loyalitätsprobleme zwischen eigener Mutter und Grossmutter.

[01:06:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[01:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Loyalitätsprobleme sind schizophrenogen.

[01:07:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schadet einem Kind, wenn es in einen Loyalitätskonflikt eingespannt ist.

[01:07:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sei es zwischen Mutter und Grossmutter, sei es natürlich auch zwischen Vater und
Mutter.

[01:07:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind weggegeben wird, zwischen Pflegemutter und Kindsmutter.

[01:07:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Beratungsrolle geht absolut über die biologische Mutter.

[01:07:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist unser erster Auftrag, auch wenn sie noch so unfähig ist.

[01:07:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst gehen wir gegen die Natur vor.

[01:07:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spürt das Kind, das spürt die Mutter.

[01:07:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine biologische Bindung, die man nicht leugnen kann.

[01:07:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen wir ernst nehmen.

[01:07:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit aller Unterstützung.

[01:08:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Kindsmutter natürlich schon Unterstützung geben.

[01:08:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sie ernst nehmen.

[01:08:07.226] – Bemerkung 23
Kriegt das Kind nicht auch einen Beistand?

[01:08:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wenn das Paar nicht verheiratet ist. Die Beistände haben in der Regel sehr wenig
Zeit, sind sehr formell, haben noch viele andere Mündel und machen nicht so viel.

[01:08:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Beistand kann man auch immer als Rechtsvertreter des Kindes verwenden.

[01:08:37.170] – Bemerkung 24
Die Mutter kann auch entscheiden, dass nicht die Grossmutter sondern jemand anderes
gesetzliche Vertreterin ist.

[01:09:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Mutter wird normalerweise nicht zum Beistand gemacht. Die machen
manchmal den Antrag. Aus psychologischer Sicht wollen wir das nicht. Dann ist die
Ablösung nicht so gut.

[01:09:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem neuen Kinder- und Erwachsenenschutzrecht, wird jemand offiziell zum
Beistand erklärt.

[01:09:14.548] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/gesellschaft/gesetzgebung/kesr.html

[01:09:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Beistand besucht dann, er ist der Rechtsvertreter dieses Kindes.

[01:09:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Beistand müssen sie als Mütterberaterinnen dann auch zusammenarbeiten.

[01:09:20.600] – Bemerkung 25
Bei mir was das Problem zwischen Schwiegermutter und der Mutter. Es war ein
Mädchen.

[01:10:30.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Mädchen ist, kommen vielleicht die Mütter mehr.

[01:10:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Junge ist, kommt vielleicht der Schwiegervater, der hat dann endlich einen
Nachkommen, mit seinem Namen.

[01:10:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Geschlecht spielt auch eine Rolle.

[01:10:58.700] – Bemerkung 25
Der Vater war 19 Jahre alt. Die Schwiegermutter hat geholfen die Wohnung
einzurichten, Dinge suchen für das Kind.

[01:11:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat die Kindsmutter darauf reagiert?

[01:11:32.510] – Bemerkung 25
Am Anfang hat es gut geklappt. Die Mutter hat die Hebamme abgeklemmt, weil die
Hebamme die Mutter zu stark bemuttert hat.

[01:11:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Hebamme heisst auf Norwegisch Jordmor. Das heisst Mutter Erde. Die Hebamme hat
sich offenbar als Mutter des Kindes gesehen.

[01:11:55.000] – Bemerkung 25
Ja, in der Tat. Das hat sie nicht ertragen. Mir wurde das erst in der dritten Sitzung
gesagt.

[01:12:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich gefragt: kommt jetzt nochmals so eine.

[01:12:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen Sie immer wissen.

[01:12:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager Mütter denken immer: jetzt kommt nochmals so eine, die will mich sicher
bemuttern. Die Teenager Mütter gehen dann auf Abwehr.

[01:12:13.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit der Mutter ein Joining machen können, eine Beziehung herstellen, über
irgendetwas, über das Kind, über die Wohnung, über Musik, über etwas, das die Mutter
gerne hat.

[01:12:13.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen aufpassen, dass sie nicht als Obermutter auftreten.

[01:12:42.710] – Bemerkung 25
Das Paar hat es sehr gut gemacht. Das ist sehr gut gelaufen. Mit der Zeit hat sich dann
herausgestellt, dass die Schwiegermutter sehr viel kontrollieren möchte. Es gab ein hin
und her. Wir sind angewiesen auf die Schwiegermutter. Der Vater wollte mehr in den
Ausgang gehen als die Mutter. Wenn die Mutter zu ihrer Mutter gehen konnte, hat sie
sich immer wohl gefühlt. Die Mutter wollte eine Lehre beginnen. Das Paar war dann
sehr abhängig von der Schwiegermutter. Die Mutter hat ein Jahr gewartet, bis sie die
Lehre beginnen kann.

[01:12:43.010] – Bemerkung 25
Es gab Gespräche zwischen der Mutter und der Schwiegermutter. Die Mutter hatte zu
100% eine Lehrstelle. Das Kind wurde zwei Tage pro Woche in die Krippe gegeben.

[01:13:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gut ist die Mutter von ihrer eigenen Mutter abgelöst? Was hat sie für eine
Beziehung zum Vater? Die Eltern der Mutter haben sich sehr früh getrennt. Sie ist
alleine mit der Mutter aufgewachsen.

[01:16:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Kennt die Mutter ihren Vater?

[01:16:25.840] – Bemerkung 25
Sie hat keinen Kontakt zu ihrem Vater.

[01:17:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine weitere Thematik bezüglich Ablösung.

[01:17:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychologie sagt man: ein Kind kann sich besser von seinen Eltern ablösen,
wenn der Vater auch da ist.

[01:17:14.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Väter spielen eine wichtige Rolle beim erwachsen werden.

[01:17:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder welche keine gute Beziehung zum Vater haben, können sich auch nicht so gut
ablösen.

[01:17:30.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man holt auch immer die Väter rein.

[01:17:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat jetzt ein Grosskind.

[01:17:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es fördern, dass die Mutter noch versucht den Vater kennen zulernen, zu
sehen, wer er eigentlich ist, wie die ganze Geschichte ist. Das gehört auch zur
Aufarbeitung der ganzen Geschichte.

[01:17:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Mutter und Tochter waren eine enge Einheit, symbiotisch und gut.

[01:17:58.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter konnte sich aber nicht so eigenständig entwickeln.

[01:18:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat dann schon wieder eine Mutter reingeholt.

[01:18:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht die Rolle der Väter nicht.

[01:18:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wo die Tochter eine Lehre macht, muss man den Vater noch aufsuchen. Der Vater
sollte auch einen Platz bekommen. Sonst ist der Vater wie eine böse Fee.

[01:18:38.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird alles von Frauen regiert. Es ist eine Frauenherrschaft.

[01:18:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Mädchen ist das nicht so schlimm.

[01:18:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Später gibt das nicht so viel Freiheit.

[01:18:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Beruf finde ich sehr gut.

[01:19:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei meiner Teenager Mutter, welche ihr Kind behalten konnte, dort setzte ich sehr
darauf, dass sie noch etwas lernt. Sie ist sehr intelligent. Ich versuche den Müttern zu
ermöglichen, dass sie noch etwas lernen. Dann werden sie besser eigenständig, schon

rein finanziell. Sonst werden sie von der Gemeinde abhängig, von den Eltern und
Schwiegereltern. Dann können sie auch nicht so gut Mutter sein.

[01:20:23.280] – Bemerkung 25
Es ist interessant, wie die jungen Eltern ganz andere Interessen haben. Das war immer
wieder ein Thema. In die Disco gehen mit 16 Jahren. Das war wirklich auch wichtig für
sie.

[01:20:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es verlangt auch von ihnen viel Flexibilität, dass man sie nicht verurteilt, dass sie in den
Ausgang gehen will. Sie ist einerseits ein Teenager und andererseits eine Mutter. Sie
wechselt dann zwischen zwei Welten hin und her.

[01:21:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man moderieren helfen.

[01:21:15.840] – Bemerkung 25
Als die Mutter ihre Lehre angefangen hat, kam oft die Schwiegermutter mit dem Kind in
die Beratung.

[01:21:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut.

[01:21:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die beiden Grossmütter, die man durchaus mit einbezieht. Einfach den Vater
nicht auslassen.

[01:21:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie heissen heutzutage auch: Mütter- und Väterberatung.

[01:21:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater ist hier einfach draussen, das ist ein Matriarchat, eine Frauenherrschaft.

[01:21:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Sohn wäre es noch schwieriger. Bei einem Mädchen ist es nicht ganz so
schwierig.

[01:21:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn man den Vater reinholt.

[01:21:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden sie sich das getrauen zu machen, als Mütterberaterin?

[01:21:52.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit reinholen meine ich: sie zu motivieren, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

[01:21:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: hat sie ihrem Vater eine Geburtsanzeige von ihrem Kind geschickt? Oder
geniert sie sich? Wo ist der Vater?

[01:21:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Vater reinholen meine ich geistig den Vater reinholen.

[01:22:19.520] – Bemerkung 26
Es kommt sicher auch noch auf die Beziehung zwischen der Grossmutter und deren
Exmann an.

[01:22:29.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, sicher.

[01:22:29.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat nicht das Recht, ihren Konflikt mit ihrem Ex-Mann auf ihre Tochter
und ihre Enkelin zu übertragen.

[01:22:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man bei allen Ehescheidungen. Dann agieren beide Parteien ihren Konflikt
über das Kind aus. Hier wird der Konflikt über das Enkelkind ausagiert.

[01:22:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Scheidungskindern: sie müssen sich ein Bild machen, warum ihre Eltern
geschieden haben.

[01:23:03.710] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich kann man sich nur ein Bild machen, wenn man beide fragt.

[01:23:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst erhält die Mutter vom Grossvater nur das Bild über die Grossmutter.

[01:23:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater wird dann eher diffamiert.

[01:24:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so Schulbeziehungen, Teenagerfreundschaften ohne Kinder.

[01:24:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heiraten sie später.

[01:24:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man, sie bleiben wie ein bisschen stecken in ihrer Teenagerbeziehung und
verhindern sich gegenseitig zu entwickeln.

[01:25:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht man mit Teenager Schwangerschaften, welche ein Paar sind?

[01:25:03.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig für jedes Paar, dass die Frau eigene Interessen hat und der Mann eigene
Interessen hat.

[01:25:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Frau den Mann zu stark einbinden möchte, dann geht der Mann eher weg.

[01:25:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig zu wissen, weshalb sie auseinander gegangen sind.

[01:25:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Mutter und Tochter haben sicher eine sehr symbiotische Beziehung.

[01:25:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich sicher über ein Kind haben positioniert, ohne dass sie erwachsen
gewesen ist.

[01:25:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat sich abgelöst und getrennt von ihrer Mutter über das Kind.

[01:25:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wohnt nicht in der Nähe der Mutter sondern in der Nähe von hier. Sie hätte in die
Nähe der Mutter ziehen können. Das hat sie nicht gemacht.

[01:25:56.260] – Bemerkung 25
Die Grossmutter war voll berufstätig.

[01:26:38.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat den Grossvater schnell in die Wüste geschickt.

[01:26:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind musste vielleicht schon früh entbehren.

[01:26:55.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist sie selber früh Mutter geworden und kann dem Kind auch wieder nicht das
geben was sie möchte.

[01:26:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Dynamik nochmals genauer anschauen.

[01:27:01.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört auch dazu: weshalb haben sich die geschieden. Sie soll auch ihren Vater
noch kennen lernen.

[01:27:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Grossvater kann auch mal das Enkelkind hüten. Wer weiss. Grossväter hüten
heutzutage auch die Kinder. Dann ist nicht nur das weibliche im Bild.

[01:27:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sauber schauen: wann macht wer was. Es sollte nicht alles so überlappend sein.

[01:28:01.800] – Bemerkung 27
Ein verrückte Rolle, welche die Mutter übernehmen muss.

[01:28:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Mütter sagen: wenn du ein Kind bekommst, musst du ja nicht meinen, dass ich
für das Kind schauen werde. Eine Abschreckung, dass man kein Kind bekommen soll.
Wenn das Kind da ist, können sie doch nicht anders.

[01:28:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll auch die Grossmütter in ihrer Funktion unterstützen. Wenn das Kind bei der
Mutter ist, dann macht es die Mutter.

[01:28:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fachfrau sind sie weniger eine Bedrohung für die Teenager Mutter. Sie kann sich
von ihnen auch besser ablösen. Nicht zu stark an sich binden.

[01:29:31.230] – Bemerkung 28
Haben sie einen guten Buchvorschlag über ADHS/ADS?

[01:29:35.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lese nicht so viel. Ich hole mir mehr aus der eigenen Erfahrung.

[01:29:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt jetzt wahnsinnig viele ADHS/ADS Bücher, ich habe sie alle nicht gelesen.

[01:29:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde an erster Stelle die ELPOS fragen.

[01:29:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
https://elpos.ch/

[01:29:54.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sprechen aus eigener Erfahrung.

[01:29:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alle Mütter von ADHS/ADS Kindern. Die sind näher dran.

[01:30:00.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Fachleute fragen.

[01:30:26.900] – Bemerkung 29
Würden sie grundsätzlich Neurofeedback als Therapie empfehlen?

[01:30:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein wenig aufwendig, weil man irgendwo hin gehen muss.

[01:30:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch nicht so viele Neurofeedback Therapeutinnen.

[01:30:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sagen, sie wollen nicht Medikamente verwenden, dann empfehle ich
Neurofeedback.

[01:30:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Computerprogramm ist sicher auch eine Möglichkeit, wo Kinder damit üben
können.

[01:31:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vorteil des Neurofeedback gegenüber dem Computerprogramms ist, dass die
Kinder darauf aufmerksam gemacht werden, auf ihre Ablenkung oder Fehler, ohne dass
es emotionalisiert ist.

[01:31:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler schaukeln sich ohnehin schnell auf.

[01:31:12.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern auch ADHS/ADSler sind, dann schaukelt es sich miteinander auf. Es
gibt Konflikte. Es ist dann so emotionalisiert, dass es nicht mehr gut läuft.

[01:31:30.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Lernkurve.

[01:31:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenig Stress erhöht die Leistungsfähigkeit.

[01:31:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab einem gewissen Pegel fällt die Leistungsfähigkeit runter.

[01:31:53.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler funktionieren oft unter ihre Leistungsfähigkeit. Das ist schade. Das sind
vergeudete Ressourcen.

[01:31:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler ihre Lehrabschlussprüfung haben, mache ich für sie eine
Zeitverlängerung oder eine Erleichterung.

[01:32:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Koch muss dann nur zwölfmal Zeit machen anstatt 15.

[01:32:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist möglich, das kann man heutzutage.

[01:32:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem ärztlichen Zeugnis nehmen dann die Prüfer Rücksicht auf das ADHS/ADS
Kind.

[01:32:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht in Ordnung, wenn das ADHS/ADS Kind schlechtere Chancen hat.

[01:32:33.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Schulen befreit man das ADHS/ADS Kind von den Noten. Wenn sie eine
Legasthenie haben, werden sie gar nicht benotet in den Rechtschreibefehlern. Im Inhalt
sind sie oft gut, viel Fantasie. Die Syntax und Rechtschreibung ist nicht gut.

[01:32:39.540] – Bemerkung 30

Grundsätzlich Lernzeit bereit ist nicht sinnvoll.

[01:33:05.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, nicht grundsätzlich, aber in diesem Fach.

[01:33:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Im handicapierten Fach.

[01:33:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind, das Polio hatte, muss auch nicht Hochsprung üben.

[01:33:15.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Körperlichen sieht man es eben.

[01:33:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Mentalen, wo man nicht in das Gehirn sieht, meint man, man könne es doch.

[01:33:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst werden die ADHS/ADS Kinder immer an ihrem nicht können negativ gemessen.
Sie sollten an ihrem Können gemessen werden. Das demotiviert. Das gibt ein
schlechtes Selbstwertgefühl. Zum Teil werden ADHS/ADS Kinder auch zwanghaft. Sie
korrigieren ihre Fehler mit übergenau sein.

[01:34:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt wieder das Zwangsverhalten rein.

[01:34:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte noch etwas sagen zu Kinder von psychisch Kranken und zu Traumas.

[01:34:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie Kinder wo die Eltern klar psychisch krank sind?

[01:34:45.000] – Bemerkung 31
Ich betreue Mütter, welche eine schwere Depression haben. Ich überlege mir, was dies
für Auswirkungen auf die Kinder hat?

[01:34:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie wollen sie als Mütterberaterin die Kinder schützen davor?

[01:34:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie psychisch kranke Eltern haben, stehen sie wie unter einem Druck. Wenn ich
ihnen hier noch einen Präventionsauftrag geben, dann setze ich einen riesigen Druck
auf.

[01:34:51.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie selber für Überlegungen, wie sie das Kind schützen wollen?

[01:35:10.130] – Bemerkung 31
Ich mache keine Überlegungen, ich beobachte nur, so wie ich es bei anderen auch tue.
Wie ist die Mutter-Kind Bindung? Wie habe ich das Gefühl reagiert sie auf das Kind?
Reagiert sie klar? Wo hat sie ihre Stärken? Wo braucht sie Unterstützung? So schaue
ich das an. Kein anderer Focus als sonst.

[01:35:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beschäftigt sie trotzdem.

[01:35:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie damit? Sie sind daran interessiert, zu wissen, was hier passiert.

[01:35:49.980] – Bemerkung 31
Weiss man etwas darüber wie sich diese Kinder entwickeln? Kann es sein, dass diese
Kinder auch für psychische Krankheiten anfälliger sind? Kann sich das weiterziehen?

[01:36:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter depressiv ist, stellt sie nicht so gut die Bindung zum Kind her.

[01:36:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, was das Kind für ein Temperament hat, stellt es von selber die Bindung
her.

[01:36:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht so extravertiert ist, nicht so gut auf die Mutter zugehen kann, dann
zieht sich das Kind eher auch zurück, dann nimmt das Kind mehr Schaden.

[01:36:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von psychisch kranken Eltern übernehmen oft die Verantwortung und denken sie
seien Schuld an der Depression der Eltern.

[01:37:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder entwicklen dann Gedanken wie: immer wenn es der Mutter schlecht geht,
was habe ich falsch gemacht? Wie könnte ich die Mutter jetzt wieder aufhellen?

[01:37:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zu funktionalisierten Kindern.

[01:37:32.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man, was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

[01:37:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
So ein Kind, das immer zuerst schaut, ob es seine Schuld ist, was habe ich jetzt wieder
gemacht, was könnte ich machen, dass es der Mutter besser geht.

[01:37:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können entweder depressiv durchs Leben gehen oder einen Beruf daraus machen.

[01:37:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann seine Funktionalisierung, die man im eigenen Familiensystem hatte, die kann
man professionalisieren.

[01:38:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie professionalisiert, dann wird man vielleicht zu einem guten Therapeuten.

[01:38:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann merkt man bei seinen Patienten, bei seinen Klienten sehr schnell, wie es ihnen
geht und kann dann mit dem umgehen.

[01:38:17.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, die Professionalisierung der eigenen Rolle, die wir im eigenen
Familiensystem hatten, ist keine schlechte Variante.

[01:38:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können bei sich auch schauen, warum sie Krankenschwester wurden.

[01:38:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher kam die Motivation?

[01:38:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft hat es mit der Position in der Familie oder mit der eigenen Geschichte zu tun,
warum man genau diesen Beruf wählte.

[01:38:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine schlechte Sache.

[01:38:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann viel üben, um das gut zu machen. Man hat das Feeling dafür.

[01:38:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Rolle nicht professionalisieren kann, ist man auch eher depressiv oder
man hat eine riesige Abneigung gegen depressive Menschen.

[01:39:17.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen, die einen Mann heiratet.

[01:39:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dieser Mann nur Anzeichen von Traurigkeit hat, weist das Mädchen das von sich.

[01:39:32.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgekehrt, es ist ein Bub der Mutter.

[01:39:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Bub eine Frau heiratet, die etwas traurig ist, weist er das weit weg.

[01:39:40.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bekommt eine Aversion gegen solche Emotionen.

[01:39:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt sich meistens in der Partnerschaft.

[01:39:49.880] – Bemerkung 31
Wie kann man das Kind unterstützen, dass es gut kommt? Haben wir dazu
Möglichkeiten?

[01:39:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, dass möglichst viele andere Personen reinkommen.

[01:39:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Defizite müssen abgedeckt werden durch Nachbarn, Schwägerinnen, Lehrer,
Kindergärtner etc.

[01:40:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder an einem anderen Ort Ressourcen holen können, können sie
relativ ungeschädigt durchs Leben gehen.

[01:40:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gar keine Ressourcen haben, dann ist es schwierig.

[01:40:39.170] – Bemerkung 32
Wenn eine Mutter sehr depressiv ist, dann weiss das weitere Umfeld darum herum das
gar nicht.

[01:40:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Mütterbraterin haben mehrere Mütter gleichzeitig in der Beratung, die kleine
Kinder haben.

[01:40:52.750] – Dr.med. Ursula Davatz
So einer Mutter rate ich, dass sie sich mit anderen Müttern, anderen Kindern
zusammen tut, damit das Kind bei anderen etwas abholen kann. Das würde ich aktiv
fördern.

[01:40:52.204] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter sagt nein, ich möchte nicht, Mütter vergleichen, haben Angst, dass sie
schlecht wegkommen.

[01:40:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich versuchen zu überwinden und zu sagen, dass es für das Kind gut ist.

[01:41:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel der Schimpansen Mutter, die ihr Kind malträtiert hat.

[01:41:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit anderen Müttern zusammen war, konnte sie es.

[01:41:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so hilfreich, wenn andere Mütter da sind und andere Kinder, dass man so ein
bisschen voneinander lernen kann, ohne dass man es merkt.

[01:41:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können bei anderen Müttern etwas holen, das die eigene Mutter nicht geben
kann.

[01:41:56.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich sehr fördern.

[01:42:01.700] – Bemerkung 33
Ich habe einmal jemanden so betreut. Der hatte dann ein sehr gutes Netz drum herum.
Die Mutter hatte Entlastung und das Kind hat in der Entwicklung sehr guten Fortschritt
gemacht, weil es das bekommen hat, was es brauchte.

[01:42:24.980] – Bemerkung 33
Die Mutter hatte plötzlich ein sehr schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber und
sagte: ich bin mir nicht ganz sicher ob das Kind weiss, wer seine Mutter ist.

[01:42:36.170] – Bemerkung 33
Das Kind hat immer alle angelacht, ausser die Mutter.

[01:42:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft bei solchen Kindern so läuft, dass sie es an einem anderen Ort holen können.

[01:42:54.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein extrovertiertes Kind kann das, ein introvertiertes Kind kann das nicht so gut.

[01:43:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

[01:43:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das zulässt, dass das Kind sich das überall holen kann, dann sind sie
eine gute Mutter.

[01:43:17.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Salomonische Urteil.

[01:43:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter, welche auf das Kind verzichten konnte und gesagt hat, dass die Gesundheit
des Kindes wichtiger ist, als dass ich das Kind besitze.

[01:43:27.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtiger ist, dass das Kind überlebt. Das ist eine gute Mutter.

[01:43:31.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern, welche ihre Kinder weggeben müssen, in eine Pflegefamilie oder in ein
Heim: sie bleiben immer die Mutter.

[01:43:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine gute Mutter, wenn sie das Gefühl haben: ich kann das nicht und bereit
sind, das Kind wegzugeben.

[01:43:50.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verzichten auf ihre Mutterfunktion, auf die Macht und sie geben dem Kind das
bestmögliche Umfeld.

[01:44:00.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde versuchen sie so zu beruhigen.

[01:44:02.590] – Bemerkung 34
Das war temporär. Die Mutter hat die Chance ergriffen, ihre Geschichte aufzuarbeiten.

[01:44:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut!

[01:44:15.100] – Bemerkung 34
Dadurch hat die Mutter mehr Freirum gewonnen und plötzlich hat es geklappt.

[01:44:23.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das, was ich sage.

[01:44:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter müssen zuerst ihre eigene Geschichte, ihre Ablösung machen.

[01:44:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter ihre Geschichte aufgearbeitet haben, dann können sie bessere Mütter
sein, als wenn sie ihre Geschichte anhand des Kindes krampfhaft verarbeiten wollen.

[01:44:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht und ist nicht gesund für das Kind.

[01:44:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört irgendwo anders hin.

[01:44:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Solchen Müttern sage ich auch: sie leisten riesige Arbeit und können nichts dafür, dass
sie in dieses System geboren wurden.

[01:44:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, das sauber zu machen und nachher ist sie viel freier für das Kind als die
Mutter.

[00:00:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein wunderschönes Beispiel.

[00:00:01.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter leistet etwas, wenn sie dem Kind die Freiheit lässt.

[00:00:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder suchen dann und finden auch immer irgendwelche Eltern.

[00:00:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dn introvertiertes Kind hat mehr Probleme.

[00:00:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem muss man es etwas zuführen.

[00:00:37.420] – Bemerkung 35
Die Mutter ist 42 Jahre alt. Sie lebt mit dem Vater des Kindes in einer Partnerschaft. Der
Vater ist 45 Jahre alt. Das Kind, ein Mädchen wird Ende November 13 Jahre alt. Die
Grossmutter hat einen Einfluss. Die Grossmutter ist 83 Jahre alt. Sie lebt mit der
Familie. Es gibt eine ältere Schwester sie ist verheiratet und einen jüngeren Bruder. Er
ist nicht verheiratet. Sie ist IV Bezügerin. Der Vater ist Hilfskoch. Er ist aus Nepal und
hat in Nepal eine Familie mit zwei Kindern, mit einer anderen Frau. Mit der Frau in
Nepal ist er noch verheiratet. Die Kinder in Nepal sind 13 und 17 Jahre alt.

[00:00:39.280] – Bemerkung 35
Das Paar lebt seit knapp zwei Jahren zusammen.

[00:03:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo hat sie ihn kennengelernt?

[00:03:09.920] – Bemerkung 35
Auf dem Berg, wo er arbeitet.

[00:03:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange ist er schon in der Schweiz?

[00:03:28.420] – Bemerkung 35
Er ist seit drei Jahren in der Schweiz.

[00:03:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieso ist er in die Schweiz gekommen?

[00:03:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus wirtschaftlichen Gründen, zum Geld verdienen. Er hat die
Niederlassungsbewilligung B.

[00:04:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Beziehung zwischen Kindsmutter und der Grossmutter?

[00:04:11.750] – Bemerkung 35
Eine Hassliebe.

[00:04:26.500] – Bemerkung 35
Die Mutter hat schwere Depressionen.

[00:04:38.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat sie wegen den Depressionen?

[00:04:40.420] – Bemerkung 35
Ja.

[00:04:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts anderes? Normalerweise kriegt man für Depressionen keine IV.

[00:04:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann wurde sie krank?

[00:04:52.720] – Bemerkung 35
Das weiss ich nicht. Sie wird medikamentös behandelt.

[00:05:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist sie bei einem Psychiater?

[00:05:00.810] – Bemerkung 35
Genau. Sie hat auch die ambulante Psychiatrische Spitex, welche sie besucht.

[00:05:33.020] – Bemerkung 35
Die Frau der ambulanten Spitex begleitet sie bereits seit fünf Jahren. Die Spitex Frau
geht zur ihr nach Hause und spricht mit ihr.

[00:05:49.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ja schon lange somatische Spitex.

[00:05:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu müssen alle Spitex Vereine zusätzlich eine Psychiatrieabklärungen machen
können und psychiatrische Schwestern anstellen.

[00:06:10.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch private psychiatrische Spitex Schwestern, die selber abrechnen.

[00:06:24.240] – Bemerkung 35
Sie kommt vom regionalen Spital Burgdorf.

[00:06:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Pflichtleistung heutzutage in der Spitex.

[00:06:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie es auch Onko Spitex gibt. Das ist jetzt eine Spezialisierung.

[00:06:37.490] – Bemerkung 35
Sie nimmt Medikamente.

[00:06:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben Sie eine Frage diesbezüglich?

[00:07:05.820] – Bemerkung 35
Ich nehme sie als sehr offen wahr.

[00:07:14.370] – Bemerkung 35
Wenn ich sie frage, was ihr Anliegen ist, kann sie das sehr klar formulieren.

[00:07:20.850] – Bemerkung 35
Sie hat das Gefühl, dass sie eine schlechte Mutter ist.

[00:07:24.550] – Bemerkung 35
Ich schaue dann mit ihr an, woher das Gefühl kommt.

[00:07:30.380] – Bemerkung 35
Ich konnte ihr sagen, dass sie das Bedürfnis ihres Kindes sehr gut wahrnimmt, so wie
ich das beurteilen kann.

[00:07:41.160] – Bemerkung 35
Ihr Partner steht nun in der Nacht auf für das Kind. Das klappt in der Zwischenzeit sehr
gut.

[00:07:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Nepalese.

[00:07:55.520] – Bemerkung 35
Er ist sehr in die Kinderbetreuung eingebunden. Den ganzen Winter über hatte er
keinen Job, weil das Restaurant geschlossen ist. Er trägt das Kind auch. Er massiert
das Kind gemäss seiner Tradition.

[00:08:26.160] – Bemerkung 35
Die Partnerschaft ist auch noch etwas belastet. Einerseits durch die Mutter. Sie sagt,
dass es zu Hause zwei Herrscher gibt.

[00:08:30.920] – Bemerkung 35
Der Kindsvater hat immer einen vorwurfsvollen Ton.

[00:09:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kindsmutter reagiert mit Rückzug. Sie sagt nichts mehr.

[00:09:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in die Runde: was würden sie mit diesem System machen?

[00:09:23.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich ein heikles System und läuft nicht optimal.

[00:09:28.660] – Bemerkung 36

Ich möchte noch wissen, ob das klare Verhältnisse sind? Weiss die Frau von Nepal,
dass ihr Mann in der Schweiz eine andere Frau hat.

[00:09:38.200] – Bemerkung 35
Es ist klar, dass er eine neue Familie hat.

[00:09:49.520] – Bemerkung 36
Unterstützt er die Familie in Nepal noch?

[00:09:52.650] – Bemerkung 35
Ja.

[00:10:02.150] – Bemerkung 35
Die Kindsmutter hat IV. Wenn er nicht arbeiten kann, dann hat er nichts. Wenn er
arbeitet, dann zahlt er für sich selber und schickt auch ein Teil von seinem Geld nach
Nepal.

[00:10:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Mutter fragen: will der einmal zurück nach Nepal gehen?Denkt sie er
bleibt hier? Was hat sie für eine Vorstellung? Die Mutter ist ein Teil von einem Harem.
Wie sieht sie das?

[00:11:04.580] – Bemerkung 35
Für sie ist das kein Problem, weil seine andere Familie sehr weit weg ist. Das ist nicht
präsent.

[00:11:07.980] – Bemerkung 35
Ich hatte ein Erstgespräch zusammen mit der Hebamme.

[00:11:21.630] – Bemerkung 35

Die Grossmutter hat gegenüber der Mutter ausgerufen: Heute macht man ein
Affentheater um jedes Kind. Das Kind kann man doch schreien lassen. Die Antwort der
Mutter zur Grossmutter war: du, vielleicht bin ich auch deswegen so krank.

[00:12:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würden sie mit diesem Gespann machen?

[00:12:10.770] – Bemerkung 37
Ich würde die Mutter ausquartieren. Die Kindermutter von der bösen Grossmutter
befreien. Dann ist sie vielleicht auch eine bessere Mutter.

[00:12:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie befreien? Die wohnen zusammen.

[00:12:26.760] – Bemerkung 37
Es sind ja noch Geschwister da. Die Verantwortung kann auch abgegeben werden.

[00:12:43.020] – Bemerkung 35
Die Grossmutter kümmert sich um das Kind, wenn die Mutter beschäftigt ist.

[00:13:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wohnen alle zusammen.

[00:13:16.040] – Bemerkung 35
Sie teilen sich die Miete des Hauses. Die Mutter hat ihren Geschwistern gesprochen,
dass man vielleicht die Mutter ausquartieren muss.

[00:14:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, okay.

[00:14:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Wohin? Muss die Grossmutter schon ins Altersheim gehen? Könnte die noch irgendwo
anders wohnen?

[00:14:13.400] – Bemerkung 35
Die Grossmutter ist sehr selbständig. Die macht einen guten Eindruck.

[00:14:17.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die braucht kein Altersheim?

[00:14:19.200] – Bemerkung 35
Nein, die braucht definitiv kein Altersheim.

[00:14:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde dann zusätzliche Kosten geben, wenn man die Grossmutter ausquartiert.

[00:14:30.620] – Bemerkung 38
Was ist in Nepal die Tradition im Umgang mit den Eltern? Werden dort die Eltern sehr
verehrt?

[00:14:32.700] – Bemerkung 35
Dort schaut man zu allen.

[00:14:51.750] – Bemerkung 38
Wie ist der Umgang?

[00:14:55.980] – Bemerkung 35
Er merkt, dass sie sehr bemuttert wird von ihrer Mutter. Er merkt, dass das auch die
Schwierigkeit im Zusammenhang mit ihrer Krankheit auslöst.

[00:15:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Ausquartieren ist wahrscheinlich nicht gleich möglich. Es kostet mehr. Dann scheitert es
an dem. Die Mutter hat nur eine IV Rente. Zur Zeit werden die Kosten gut geteilt.

[00:15:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mit ihr daran arbeiten, wie sie sich sauberer abgrenzen kann, gegen die
Mutter.

[00:15:40.000] – Bemerkung 35
Genau, das habe ich mit ihr angeschaut.

[00:15:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen eine Liste. Einmal ist die dran, einmal der und dann jemand anderes.

[00:15:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn die berufstätig sind, können sie trotzdem die Mutter zum Doktor fahren, oder
was es dann immer braucht.

[00:16:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auflisten, was die Mutter alles braucht. Welche Aufgaben übernommen
werden müssen. Dann wird es unter den drei verteilt.

[00:16:09.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zuerst einmal innerlich.

[00:16:10.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann, wie sage ich es ihr?

[00:16:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss das auch ihnen sagen.

[00:16:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Ausquartieren wird nicht zustande kommen.

[00:16:23.260] – Bemerkung 35
Das habe ich auch nicht das Gefühl.

[00:16:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann mit den Geschwistern zusammensitzen, wer bereit ist, was zu übernehmen.
Das ist wichtig.

[00:16:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach müssen sie sie coachen: wie sage ich es der Mutter?

[00:16:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen Geschwister werden es der Mutter nicht sagen.

[00:16:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Als dritten Schritt nehmen sie die beiden zusammen machen eine Einführung im Sinne
von: es ist nett, das Dreigenerationensystem, aber es gibt auch immer Probleme.

[00:16:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Probleme sind, dass die Aufgaben nicht klar verteilt sind.

[00:17:00.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Tochter fühlt sie sich verantwortlich für die Mutter, fährt sie zum Doktor. Die
Grossmutter hütet dafür das Kind. Es ist nicht klar.

[00:17:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Ressentiments.

[00:17:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum wollen wir es klären.

[00:17:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geben sie ihr das Wort, dass sie der Mutter sagen darf, dass sie die Aufgaben auf
die Geschwister verteilen möchte.

[00:17:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte nicht mehr alles übernehmen.

[00:17:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fangen ab, wenn die Grossmutter etwas beleidigt ist.

[00:17:35.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagt, das gehe nicht, das sei einfacher, sie habe einen Beruf und sie nicht,
dann muss man sagen, dass sie auch einen Beruf hat. Sie ist die Mutter dieses kleinen
Kind. Wir wollen es verteilen.

[00:17:51.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Mutter in dieser Abgrenzung unterstützen.

[00:17:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen natürlich weitere Dinge.

[00:17:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo spricht sie drein?

[00:17:59.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gesagt, ich habe zwei Befehlshaber, ihn und die Mutter.

[00:18:03.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo spricht sie ihr direkt rein?

[00:18:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen, dass sie sagen darf, was sie will und was nicht.

[00:18:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss einen Standpunkt beziehen, ohne dass sie die Mutter überzeugt, sondern
einfach für sich hin steht.

[00:18:21.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wichtig.

[00:18:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Drittes noch.

[00:18:24.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die beiden haben Krach miteinander. Sie steht dazwischen. Das ist sie wieder in einem
Loyalitätskonflikt.

[00:18:32.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Grossmutter fragen: worüber streitest du mit deinem Schwiegersohn?
Was kritisiert sie an dem?

[00:18:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter sagt dann vielleicht: der hat noch eine Frau in Nepal und hier Kinder.
Der sendet immer Geld nach Hause, das ist ungerecht.

[00:18:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das für die Mutter auch ein Problem oder hat sie das akzeptiert? Sie ist das
eingegangen.

[00:18:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter und Grossmutter werden gegenüber dem Kindsvater eine andere Haltung
haben.

[00:18:53.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Alleine würde ich die Mutter auch fragen: was findet sie am Kindsvater attraktiv? Was
passt ihr, wie ist sie die Beziehung eingegangen? Sie soll sich das bewusster werden.

[00:19:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hauptaufgabe ist die Abgrenzung.

[00:19:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für eine Rolle hatte sie unter den drei Geschwistern?

[00:19:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
War sie schon immer ein Problemkind?

[00:19:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
War das sensibelste Kind?

[00:19:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kam sie in diese Rolle?

[00:19:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktionalisierte Kinder können sich weniger ablösen.

[00:19:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist 42 Jahre alt, hat erst jetzt ein Kind mit einem Ausländer.

[00:19:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht recht ablösen kann, kann man ein Kind bekommen, um sich
abzulösen.

[00:20:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geschieht genau das Gegenteil.

[00:20:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch etwas ganz anderes heiraten.

[00:20:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas fremdländisches, eine andere Religion, eine andere Hautfarbe, etc.

[00:20:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kindsvater müsste helfen, dass sie sich ablösen kann.

[00:20:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter und Grossmutter müssen sich mit einander auseinandersetzen.

[00:20:21.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste sie dann auch ihrem Mann oder ihrem Partner sagen: ich muss diesen
Kampf ausfechten.

[00:20:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie diese beiden zusammen haben, würde ich auch schauen, was sie an der
Mutter stört?

[00:20:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Und was stört die Grossmutter an der Tochter?

[00:20:44.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man auseinanderfädeln.

[00:20:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Für das Kind ist es am wichtigsten, dass die Tochter sich von der Mutter ablösen kann.

[00:20:59.560] – Bemerkung 35
Ja, das macht Sinn.

[00:21:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich?

[00:21:02.380] – Bemerkung 35
Nein.

[00:21:02.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht?

[00:21:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen wir jetzt. Darum habe ich sie vorhin gefragt, warum sie es wissen wollen.
Getrauen sie sich nicht?

[00:21:15.000] – Bemerkung 35
Eine Psychiaterin ist involviert, einmal pro Woche. Dann kommt einmal pro Woche die
ambulante psychiatrische Spitex. Ich frage ich mich: welche Rolle haben denn die?

[00:21:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen die beiden einmal, ob sie systemisch ausgebildet sind.

[00:21:34.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bilde sie systemisch aus. Dafür kann ich nichts.

[00:21:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir fragen mal die anderen. Würden Sie sich trauen, das ein wenig anzugehen?

[00:21:48.130] – Bemerkung 39
Ja. Sie hat eine 100% IV wegen Depression. Da kommt ständig jemand rein und fragt
nach. Es kann nicht das Ziel sein, dass die junge Frau mit 42 noch 100% IV kriegt.
Wenn die Psychiaterin seit x Jahren drinnen ist und seit x Jahren die selbe Spitexfrau,
was verändert sich denn da an ihrem Zustand? Eigentlich sollte es doch wieder bergauf
gehen. Sie soll wieder auf dem Berg hochkommen.

[00:22:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie würden sich getrauen.

[00:22:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen ins System hinein.

[00:22:43.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist jetzt ein Kind da, das ist anders.

[00:22:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiaterin befasst sich offensichtlich nicht damit. Wenn sie eine individuelle
psychiatrische Ausrichtung hat, befasst sie sich nicht damit.

[00:22:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange Zeit waren Kinder von psychisch kranken Eltern kein Thema.

[00:23:02.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gibt es in Königsfelden eine Anlaufstelle für Kinder von psychisch kranken Eltern.

[00:23:10.136] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.pdag.ch/fuer-patientinnen-patienten-und-angehoerige/alle-angebote/angebote-der-fachstelle-fuer-angehoerige#:~:text=Beratungsangebot%20ist%20kostenlos.-,Ort,sowie%20Spiel%2D
%20und%20Kreativmaterial%20bereit.

[00:23:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Kind kann noch nicht in die Beratung gehen auf Königsfelden, folglich müssen
sie es tun.

[00:23:25.000] – Bemerkung 40
Mit externen Psychiatern an einen Tisch sitzen und fragen: wie weit seit ihr? Worauf
zielt ihr? Es gibt Konflikte, ich bin hier drinnen, wie geht ihr damit um?

[00:23:39.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie würden mit der Psychiaterin und der Spitex Schwester zusammensitzen und sagen:
he, was macht ihr eigentlich?

[00:23:42.300] – Bemerkung 40
Wir geht ihr mit dem Konflikt um? Was spielt eine Rolle? Das sollten eigentlich zwei
professionelle Fachleute sein.

[00:23:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann keine Lohnaufbesserung verschieben. Ich bekomme auch keine
Lohnaufbesserung, weil ich schon so viele Jahre arbeite. Es ist immer derselbe Lohn.

[00:24:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denken sie, was die dann sagen werden?

[00:24:30.100] – Bemerkung 35
Die ambulante psychiatrische Spitex sagt zu ihr: es kann nicht sein, dass sie ihr Kind in
der Nacht nicht weinen hören kann/will.

[00:24:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Psychopharmaka hat.

[00:24:50.220] – Bemerkung 35

Die weiss das ja.

[00:24:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar, die hatte keine Neuropsychologie.

[00:24:56.460] – Bemerkung 35
Ich habe sie gefragt, was sie sich in Zukunft vorstellen könne.

[00:25:02.160] – Bemerkung 35
Das war für sie ein grosses Thema.

[00:25:04.710] – Bemerkung 35
Sie hat schon überlegt, mit der Psychiaterin zu schauen, ob man nicht mal jemanden
anderen schicken könne.

[00:25:12.840] – Bemerkung 35
Ich fand das eine gute Idee, denn sie sind in einem ganz anderen Kontext als Familie.

[00:25:18.360] – Bemerkung 35
Es ist etwas Neues dazugekommen.

[00:25:19.820] – Bemerkung 35
Es wäre vielleicht ein Moment, jemand Neues reinzubringen.

[00:25:24.140] – Bemerkung 35
Ich weiss nicht, ob das schon geklappt hat.

[00:25:24.280] – Bemerkung 41
Wir haben die Chance, dass wir einen gesunden Helfer reinbringen, mit einem neuen
Blickwinkel. Das gibt wieder eine Chance zu sagen, ich bin Mütter- und Väterberaterin.

Ich schaue es aus einer anderen Sicht an. Vielleicht finden wir einen anderen Zugang.
Wir sind hier mindestens so professionell wie die Psychiaterin.

[00:25:42.230] – Bemerkung 39
Deshalb habe ich vorhin gefragt: was macht denn die seit fünf Jahren? Oder ist das so
eine Alibiübung? Wir machen das, weil es Pflicht ist, weil sie 100% IV bezieht, muss
man das machen? Da fragt gar keiner mehr nach, das ist einfach so. Das muss man
aufdröseln.

[00:26:20.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:26:34.830] – Bemerkung 39
Wenn die IV Revisionsstelle kommt heisst es: uns geht es so schlecht, ach.

[00:26:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen gerne mit ihnen zusammensitzen.

[00:26:47.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind natürlich nicht ihre Vorgesetzten. Sie können nicht sagen, macht bitte das und
das.

[00:26:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher fachlich kompetent, wenn sie mal Kontakt aufnehmen mit der Psychiaterin.

[00:26:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sicher gut, dass sie die mal kontaktieren und fragen, was ihr Vorgehen ist, was
sie im Sinn mit dieser Frau haben?

[00:27:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sagen einfach: ich bin drinnen als Mütterberaterin. Ich würde die um Erlaubnis
fragen gehen: darf ich das machen? Dann erhalten sie sicher ein "nein". Das will ich
nicht.

[00:27:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorstellung, dass sie die Psychiaterin und die Spitexmitarbeiterin dazu bringen,
dass die es besser machen, ist unrealistisch.

[00:27:47.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es auch realistisch.

[00:27:49.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: haben sie an dieser Beziehung gearbeitet? Wie sehen sie das?

[00:27:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem bei den Psychiatrieleuten ist: die gehen nur auf die Krankheit ein. Sie hat
ihre Antidepressiva, sie ist chronifiziert.

[00:28:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man chronifiziert zusammen mit dem Patienten. Es ist eine Routineangelegenheit. Der
kommt immer, man fragt, wie es geht, es ist immer das Gleiche, und er geht wieder.

[00:28:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sie sagt, sie muss.

[00:28:17.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen wegen dem Kind rein.

[00:28:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können natürlich fragen: wann ist sie depressiv geworden?

[00:28:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
War sie doch einmal psychotisch?

[00:28:26.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könnte sehr wohl sein.

[00:28:29.160] – Bemerkung 35
Kurz vor der Geburt war die Frau in einem sehr schlechten Zustand. Sie hatte sehr
grosse Ängste, ein zwanghaftes Verhalten, mit Waschen, alles Putzen.

[00:28:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze Zwangsverhalten ist ein Verhalten um die Angst zu binden. Man will sich an
etwas festhalten, damit man nicht komplett dekompensiert. Es kann sehr wohl sein,
dass diese Frau einmal psychotisch war. Nur für eine Depression bekommt man keine
IV. Dann heisst es, das muss mit Medikamenten behandelt werden.

[00:29:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde fragen: wann ist sie zum ersten Mal krank gewesen? Was für eine Rolle hatte
sie darin?

[00:29:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiaterin und die ambulante Spitexfrau haben einen ambulanten Hospitalismus
gemacht. Sie sind sich aneinander gewohnt.

[00:29:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind gibt uns einen neue Impuls. Das Kind gibt uns die Pflicht, dass wir andere
Fragen stellen. Das muss man nutzen.

[00:29:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können die anderen nicht ändern, aber wir können etwas anders machen.

[00:29:53.670] – Bemerkung 35

Wir können andere Impulse reinbringen.

[00:29:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Fragen stellen, Neugier reinbringen. Sie können nichts falsch machen. Die
anderen beiden arbeiten nicht systemisch. Ich versuche ihnen das beizubringen.

[00:30:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer würde sich getrauen?

[00:30:38.500] – Bemerkung 42
Ohne persönlichen Anspruch, dass ich alles ändern muss.

[00:30:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Einsteigen, eine Frage stellen, ohne Verpflichtung, dass sie das ganze System ändern
müssen. Absolut ohne Verpflichtung.

[00:30:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gute Fragen stellen, wenn sie sich die Dinge überlegen, dann ändert sich das
System von selbst. Sie müssen es gar nicht so stark machen.

[00:30:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gute Fragen stellen, mit der richtigen, ruhigen neutralen Haltung, ohne sie
bevormunden zu wollen. Das bewirkt etwas.

[00:31:02.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Systeme antippt an einem Ort auf eine ganz kleine, feine Art, kann sich
wahnsinnig viel bewegen.

[00:31:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Chaostheorie spricht man vom Schmettleringseffekt. Der Schmetterlingsflügel auf
der einen Seiten der Welt, kann auf der anderen Seite der Welt einen Hurrikan
auslösen. Ein kleine Frage kann hier alles ein bisschen verändern.

[00:31:39.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen rein wegen dem Kind. Wir wollen für das Kind etwas tun.

[00:31:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir im im System interessierte Fragen stellen, neutrale, interessierte Fragen,
verändert sich vielleicht etwas, sodass wir etwas für das Kind getan haben.

[00:31:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man fragen: wirst du deiner Tochter einmal deine anderen Kinder
vorstellen? Das sind ja Halbgeschwister. Gedenkt er mal, nach Nepal zu reisen? Wie
macht er das?

[00:32:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Bauernfamilien übernimmt der Älteste den Hof, alle anderen werden
Knechte oder müssen ausziehen. Im Bernbiet übernimmt der Jüngste.

[00:32:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Eltern schon alt genug, die können ins Stöckli gehen. Alle anderen
müssen etwas anderes machen.

[00:32:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In Nepal gibt es Situationen wo fünf Söhne eine Frau heiraten, damit das Land nicht
aufgeteilt werden muss.

[00:32:33.680] – Bemerkung 35
Das geht?

[00:32:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, offensichtlich, das ist ökologisch. Da muss man keine Teilung machen. Alle haben
dieselbe Frau. Das gibt nicht so viele Kinder, wie wenn jede eine Frau hätte. Dann

könnte jeder fünf Kinder haben. Die Frau ist beschränkt mit ihrer Kinderzahl. Sie sind
alle verwandt, der Hof bleibt zusammen und sie überleben.

[00:33:13.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Modelle. Nicht nur die Ein-Ehe.

[00:33:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat eine Schweizer Frau und eine nepalesische Frau.

[00:33:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Frau hilft mit ihrer IV-Rente.

[00:33:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen: Geno-Öko-Gramm. Das ist jetzt Ökologie.

[00:33:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man so benennen und so anschauen. Wie sie auch nach Nepal reisen und
ihre Stiefkinder kennenlernen?

[00:33:51.560] – Bemerkung 35
ich habe schon das Gefühl, wenn ich mir das überlege, das ganze System ist geprägt
von der Krankheit der Kindesmutter.

[00:34:00.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Inwiefern?

[00:34:02.630] – Bemerkung 35
Die 83 jährige Mutter ist sicherlich keine Böse.

[00:34:05.670] – Bemerkung 35
Ich habe das Gefühl die will immer die Mutter spielen.

[00:34:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir ändern.

[00:34:16.530] – Bemerkung 35
Der Vater hat auch das Gefühl: meine Frau ist beeinträchtigt, ich muss auch eine
andere Rolle übernehmen, als nur die vom Partner.

[00:34:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir ändern.

[00:34:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Er profitiert gleichzeitig davon.

[00:34:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein gegenseitiges voneinander profitieren, ohne dass sie Anerkennung dafür
bekommt.

[00:34:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Funktionalisierung in diesem System bekommt überhaupt keine Anerkennung.

[00:34:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen ihr ein wenig Anerkennung geben.

[00:34:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür müssen sie die Rolle unter den Geschwistern herauschälen.

[00:34:51.420] – Bemerkung 35
Ich habe versucht, ihr Selbstvertrauen zu stärken, damit sie auch stark genug ist, gegen
ihre Mutter.

[00:35:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sehen sie als schwach. Sie sagen, sie sei eine starke Mutter.

[00:35:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwach und stark sind Symptome.

[00:35:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine starke Mutter.

[00:35:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es nützt nichts im System, wenn man nicht die ganzen Funktionen erkennt.

[00:35:36.000] – Bemerkung 35
Das schwächt sie wieder zusätzlich.

[00:35:37.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder es gibt einen Kampf. Sie sagen sie ist stark. Die anderen sagen sie ist schwach.
Was ist sie jetzt?

[00:35:41.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, wie es zur schwachen Rolle gekommen ist. Dann muss sie von
dieser schwachen Rolle befreit werden, indem man neue Wege aufzeigt.

[00:35:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Symptom, Depression. Stark, schwach ist immer nur der Fokus auf Symptome und kein
Focus auf die ganze Interaktion.

[00:36:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, das ganze Umfeld als Ressourcen anzuschauen.

[00:36:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum stelle ich auch Fragen. Will sie einmal mit ihm nach Nepal gehen?

[00:36:16.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat Halbgeschwister. Wieso nicht?

[00:36:17.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es alle möglichen Sorten von Patchwork Familien.

[00:36:17.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Simonetta Sommaruga will neue Familien Formen juristisch regeln, mit lesbischen
Paaren, homosexuellen Paaren, Patchworkfamilien, damit die normale Familie nicht
mehr den Vorzug hat.

[00:36:17.460] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-53483.html

[00:36:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen wir unseren Horizont erweitern.

[00:36:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie sehen, was sie für eine Rolle hatte in ihrem alten System.

[00:36:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hatte sie für eine Beziehung zum Vater? Wann ist der Vater gestorben.

[00:37:14.650] – Bemerkung 43
Die Kindsmutter löste sich von ihrer Mutter und heiratete einen Ausländer. Wäre das mit
einem Schweizer anders gewesen?

[00:37:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie hat sich nicht gelöst. Indem man einen Ausländer heiratet und noch einen, der
sogar noch verheiratet ist, macht man alles falsch. Indem man alles falsch macht,
müsste die Mutter einem loslassen.

[00:37:40.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geschieht genau das Gegenteil. Es wird für sie noch mehr geschaut.

[00:37:40.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Methoden, um sich von der Mutter zu lösen, aber sie lässt nicht nach, im
Gegenteil, sie hält noch mehr fest.

[00:37:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, wie sie in diese Rolle rein gekommen ist. Alles ohne zu verurteilen.
Ein erweiterter Jeremias Gotthelf Roman.

[00:38:02.858] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremias_Gotthelf

[00:38:13.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich so? Sie haben ein paar Leute, die gesagt haben, dass sie es tun
würden.

[00:38:21.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie eine Gruppensupervision? Dann können sie es wieder zusammen
anschauen.

[00:38:26.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts erreichen.

[00:38:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Druck auf sich aufsetzen. Das ist ganz wichtig.

[00:38:32.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lesen eine Jeremias Gotthelf Roman und stellen Fragen.

[00:39:12.480] – Bemerkung 44
Sie arbeiten systemisch. Die anderen arbeiten individuell, nur auf die Symptome
bezogen.

[00:39:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen schauen die Krankheit wie einen Prozess an, welcher im Patienten drinnen
abläuft, den man mit Medikamenten behandelt, vielleicht auch mit Gesprächen. Sie
schauen nie die Beziehungen darum herum an, oder nur sehr rudimentär.

[00:39:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat die Beziehungen auch ein wenig angeschaut: die Geschichte des
kleinen Hans.

[00:39:41.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie, wenn man keine familientherapeutische Ausbildung hat, wird einfach
nur das Symptom angeschaut.

[00:39:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sind ohnehin auf das Symptom ausgerichtet.

[00:40:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
An diesem Symptom wird herumgemacht.

[00:40:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, die Ressourcen des Systems anzuschauen und zu schauen, was ich tun
kann, sodass sich das Symptom verändert.

[00:40:09.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe ja bei der Depression gesagt, dass die Depression eine Verliererkrankheit ist.

[00:40:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verliert gegen wichtige Bezugspersonen im Machtkampf.

[00:40:20.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verliert ständig gegen ihre Mutter und jetzt auch noch gegen den Kindsvater.

[00:40:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man sagt: sie sind eine starke Frau, ist sie deswegen noch nicht stärker.

[00:40:40.200] – Bemerkung 35
Sie ist eine gute Mutter. Ich will sie wertschätzen in dem was sie macht.

[00:40:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auf jeden Fall gut.

[00:41:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann noch ein wenig schauen, wie sie in die schwache Rolle gekommen ist, wenn
man das besser sieht und sie das besser sieht, kann sie auch besser wieder
rauskommen.

[00:41:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Idee.

[00:41:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihre Geschichte besser versteht, versteht sie es besser und kann auch eher
etwas machen.

[00:41:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst machen wir nur eine Symptombekämpfung. Sonst bearbeiten wir nur das Gefühl
und bleibt stecken.

[00:41:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt sprechen wir noch über die Traumatisierung, das Trauma beim Kind.

[00:41:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind sexuell traumatisiert wird, muss man sehr aufpassen, dass wir
Erwachsene dem Kind nicht noch ein grösseres Trauma setzen, als das, was das für
das Kind ist.

[00:42:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt darauf an, wie wir Erwachsene über das Kind nachdenken und was wir alles
hineinprojizieren.

[00:42:29.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe solche Geschichten erlebt, wo es für das Kind nicht ganz so schlimm war. Es
war etwas Unangenehmes.

[00:42:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma war das, was die Eltern daraus gemacht haben. Das ist etwas sehr
wichtiges!

[00:42:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Situation müssen sie abschätzen, auch von ihrem Gespür her, nicht von ihrer
Moral her.

[00:42:54.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat das Kind auf das reagiert? Wie gehen wir damit um?

[00:42:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die erwachsene Moral auf das Kind projizieren und danach handeln.

[00:43:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe oft Mühe mit den Opferstellen, wo ein grosses Theater daraus gemacht wird
und dabei das Opfer noch mehr traumatisiert wird.

[00:43:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind will man helfen, etwas zu verarbeiten.

[00:43:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer ein kindergerechte Geschichte finden.

[00:43:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind aus einem Kinderheim in Marokko wurde von Schweizer Eltern adoptiert. Das
ist ein Trauma, dass das Kind im Kinderheim abgegeben worden ist, dass es keine
Mutter hatte. Man kann Mitleid mit diesem Kind haben. Man kann diese Geschichte
immer wieder hochspielen, gross und breit schlagen.

[00:43:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kindergerechte Geschichte wäre: deine Mutter hat offensichtlich gesehen, dass sie
ist nicht in der Lage war, für dich zu schauen, darum hat sie dich im Kinderheim
abgegeben, in der Hoffnung, dass du eine Mutter findest, die das besser für sie machen
kann. Hier kommt das salomonische Urteil.

[00:44:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Salomo

[00:44:35.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch nicht ständig davon sprechen.

[00:44:38.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder ihre Mütter früh verlieren, sei es durch den Tod oder durch die Adoption,
kann man nicht ständig mit dem Kind trauern um die Mutter.

[00:44:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Italienerin, die ihre Mutter verloren hat, als sie einjährig war.

[00:45:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Als sie mir das erzählt hat, hat sie angefangen zu weinen.

[00:45:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war von den Eltern gemacht. Die hätte nicht weinen müssen. Man hat ihr immer
wieder gesagt, wie schlimm das sei, war für eine arme sie ist.

[00:45:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dürfen wir nicht tun.

[00:45:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht immer unsere eigene Moral, unsere eigene seelische Verarbeitung
immer wieder auf das Kind abladen.

[00:45:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kindergerechte Geschichte, aber nicht mehr daraus machen, als es ist.

[00:45:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr wach schauen, wie das Kind das verarbeitet.

[00:45:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind so widerstandsfähig. Sie können so vieles besser verarbeiten als wir.

[00:45:48.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie vergeben auch mehr als wir.

[00:45:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sollen nicht unsere Rancune oder unsere Rachsüchtigkeit dem Kind anlasten.

[00:46:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas zum sexuellen Missbrauch.

[00:46:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute die viel mit sexuellem Missbrauch arbeiten, hat jemand von ihnen schon den
Professor Bert Hellinger gehört diesbezüglich?

[00:46:03.119] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger

[00:46:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss dem Vater sagen: für dich habe ich es gern getan.

[00:46:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt komisch. Aber es stimmt.

[00:46:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein sexueller Missbrauch innerhalb eines Familiensystems passiert, derjenige,
der sexuell missbraucht, ist ein hochbedürftiger Mensch.

[00:46:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind spürt Bedürftigkeit, emotionale Bedürftigkeit.

[00:46:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens entsteht zuerst die Nähe und dann kommt die Bedürftigkeit rüber.

[00:46:52.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind lehnt den Menschen nicht ab. Es ist ja auch noch abhängig von dem.

[00:46:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem das Kind sagen darf: für dich habe ich es gerne getan, werden die Gefühle vom
Kind validiert.

[00:47:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Therapeuten das funktionalisierte Kind, das sexuell missbraucht wurde, indem
wir das validieren und sagen, dass es eine grosse Leistung für das System erbracht
hat, geben wir ihm den richtigen Platz.

[00:47:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sagen, das sei schlimm, es sei ein Armes und ein Böses ist, wird die Leistung
des sexuell missbrauchten Kindes gar nicht wertgeschätzt.

[00:47:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Prof. Bert Hellinger verlangt quasi, dass das wertgeschätzt wird.

[00:47:39.240] – Bemerkung 45
Das hört sich komisch an.

[00:47:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hört sich komisch an aber es stimmt.

[00:47:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Patienten, der sexuell missbraucht wurde vom Bruder der Mutter,
seinem Onkel. Eine Kollegin hat ihn zu mir in die Therapie gesendet.

[00:47:55.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Beziehung zwischen dem Onkel und der Mutter angeschaut.

[00:47:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Es stellte sich heraus, dass sich diese Mutter immer um den Onkel gesorgt hat, dass es
ihm gut geht, er kann nicht recht für sich schauen, etc.

[00:48:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Patienten habe ich gesagt: sie haben eine Leistung für ihre Mutter unterstützt.

[00:48:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich gesorgt um die Mutter und er hat sich zur Verfügung gestellt und
auch gesorgt für den Onkel.

[00:48:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, als ich sagte, dass er eine Leistung für das System erbracht hat, er hat
seine Mutter und ihre Sorge gegenüber dem Onkel unterstützt, sagte er wow: das fühlt
sich ganz anders an.

[00:48:43.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in wertgeschätzt. Ich habe ihn validiert.

[00:48:43.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur moralisch dahinter geht und sagt schrecklich, arm und böse, dann wird
gar nicht validiert.

[00:48:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In Familien kommt sexueller Missbrauch vor, wenn Bedürftigkeit vorhanden ist und
wenn das System diese Bedürftigkeit nicht ausserhalb holen kann.

[00:49:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können keine Hilfe von aussen annehmen. Es wird alles innerhalb des Systems
befriedigt.

[00:49:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen die Kinder etwas leisten.

[00:49:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Bauern müssen sie auf dem Feld helfen zu arbeiten.

[00:49:27.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine materielle Bedürftigkeit.

[00:49:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein emotionales Defizit vorhanden ist, dann treten die Kinder ein für das
emotionale Defizit.

[00:49:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im obigen Fall ist die Tochter schon früh eingetreten für ein gewisses Defizit.

[00:49:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter ist dann defizitär und krank.

[00:49:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer wieder die funktionalisierten Kinder, die dann sogenannt krank werden.
Man kümmert sich dann um das funktionalisierte Kind und nützt es gleichzeitig auch
auch.

[00:50:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil ist es auch die IV Rente. Sie müssen die IV Rente behalten, damit der Hof
läuft.

[00:50:37.860] – Bemerkung 46
Muss man mehr auf die Mutter schauen? Das Kind hilft mir, meine Bedürftigkeit
auszuhalten.

[00:50:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind, welches sexuell missbraucht wurde, macht eine Leistung für die Mutter. Die
Mutter hält den sexuell aktiven Mann von sich, sie hat vielleicht schon zehn Kinder oder
auch nicht. Sie hält es aus bei dem Mann, weil die Tochter die Bedürftigkeit vom Mann
befriedigt.

[00:50:57.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer: das sind Mitwisser. Die Mutter weiss es, aber sie verdrängt es. Sie
muss es verdrängen um das Ganze zusammen halten zu können.

[00:51:26.390] – Bemerkung 46
Dass sich die Mutter mehr outen muss, das ist eigentlich gar nicht so gut.

[00:52:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dagegen, dass es über die Juristen und die Polizei gelöst wird.

[00:52:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: es muss therapeutisch gelöst werden

[00:52:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald es über die Juristerei geht, herrscht die Täter-Opfer Mentalität. Dann wird man
dem Opfer nicht gerecht.

[00:52:15.860] – Bemerkung 47
Wie soll man es dann merken?

[00:52:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Anlaufstellen, wo sich das Opfer therapeutische Hilfe holen kann.

[00:52:16.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht über die Moral gehen von Täter und straftätig, sondern über die Hilfe.

[00:52:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es über die Juristen und die Polizei läuft, muss man immer Therapeuten
reinholen.

[00:52:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Cloe Madanes ist die Frau von Jay Haley.

[00:52:36.581] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Clo%C3%A9_Madanes

[00:52:36.589] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jay_Haley

[00:52:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides sind Familientherapeuten.

[00:52:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat an einem Gericht gearbeitet, wo alle in die Therapie geschickt wurden.

[00:52:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hatte die Methode: man macht eine grosse Sitzung, Täter und Opfer kommen
zusammen. Alle Leute, die etwas davon hätten wissen können, Fachleute, Verwandte
usw, werden auch dazu genommen.

[00:53:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es ein ganzes Ritual.

[00:53:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Resultat ist am Schluss, dass der Täter vor dem Opfer herunter knien muss.

[00:53:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Das katholisch und er muss sich quasi entschuldigen.

[00:53:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache es nicht so, ich mache es umgekehrt.

[00:53:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stärke das Opfer.

[00:53:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schicke das Opfer, wenn es irgendwie geht, zum Täter.

[00:53:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Opfer darf den Täter konfrontieren.

[00:53:28.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich empowere das Opfer so stark, dass sie das können.

[00:53:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Täter nicht mehr lebt, müssen sie einen Brief schreiben.

[00:53:41.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, dass sie sich stark machen.

[00:53:41.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind dann nicht mehr in dieser abhängigen Rolle. Wenn ich sie behandle, sind sie
erwachsene Leute.

[00:53:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache sie wieder ganz, indem sie für sich selber eintreten dürfen.

[00:53:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald jemand anderes für sie kämpft, werden sie wieder infantilisiert, werden sie
bevormundet.

[00:54:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Leute begleitet, welche ihre Väter konfrontiert haben. Das hat eine enorme
Befreiung und Kraft gegeben.

[00:54:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Teenager, welche ihre Täter konfrontiert haben. Die machen es natürlich auf
Teenager Art. Wasser ins Gesicht werden oder ähnlich. Auch das gibt eine Befreiung.

[00:54:24.080] – Bemerkung 48
Wie ist die Reaktion der Täter?

[00:54:32.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige Täter, die sagen: nur der liebe Gott kann mich richten. Die geben nichts
zu.

[00:54:40.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige, die sich nicht mehr daran erinnern. Wenn ich das gemacht habe, dann
tut es mir leid.

[00:54:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kommt dann heraus, dass Geschwister auch missbraucht wurden.

[00:54:58.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tauschen sich dann miteinander aus. Dann ist man in einer grösseren Gesellschaft.

[00:54:58.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Täter muss es nicht zugeben. Es geht nur darum, dass man für sich hinsteht.

[00:54:58.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe bei der ganzen Formulierung.

[00:55:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, auch wenn ich nur ein kleines Kind war, ich habe die Erinnerung und meine
Seele weiss, was war.

[00:55:25.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern denken natürlich, das war minderjährig, das kann gar nichts mehr erinnern,
das weiss nichts, weil es nicht davon sprechen kann.

[00:55:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat das Gespür und ich weiss es und ich sage es, ich weiss es und so ist es und
ich sage es dir. Ich stehe zu meiner Wahrheit.

[00:55:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter sagen dann, jetzt hast du mir so etwas Schreckliches angetan.

[00:55:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen dann auch Geschwister, es gibt dann auch eine Schockwelle durch die
Familie.

[00:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschwister, die wenden sich dann gegen das Opfer eine Zeit lang.

[00:55:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man das sehr stützen und mit der Zeit ändert sich dann alles.

[00:56:00.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bekommen sie eine bessere Position.

[00:56:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden oft angeklagt, dass man ein Übeltäter sei.

[00:56:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Opfer wird dann quasi an den Pranger gestellt.

[00:56:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sie stützen. Darum getrauen sie sich auch oft nicht.

[00:56:18.660] – Bemerkung 49
Es wirft eine Schande über die Familie.

[00:56:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:56:20.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir opfern lieber die Gesundheit des Kindes, als den Ruf der Familie zu schädigen.

[00:56:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein individueller Entscheid.

[00:56:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Tabu brechen und den Ruf schädigen. Es wird nicht herum erzählt, man
macht es nur innerhalb der Familie.

[00:56:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welches es herumerzählen, schlagen Kapital daraus, aber es wird nicht
gelöst.

[00:56:39.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Diejenigen, welche von Therapeut zu Therapeut gehen und überall Mitleid suchen, das
bringt es gar nicht.

[00:56:39.750] – Bemerkung 50
Haben sie auch Fälle erlebt wo eine solche Konfrontation nicht sinnvoll ist?

[00:56:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Opfer sagt: ich habe das für mich abgemacht und nein ich will das nicht und
ich brauche das nicht, dann würde ich sie nie dazu zwingen. Dann würde ich sagen: ok,
ist akzeptiert. Ich darf auch hier keine Ideale haben, keine Moral haben, so muss es
immer gemacht werden. Das Opfer selber darf beschliessen, wie es vorgehen möchte.

[00:57:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine zeitlang war es grosse Mode, Traumata aufzuspüren.

[00:57:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle sind sexuell missbraucht worden, jede/r Magersüchtige hat einen sexuellen
Missbrauch erlebt. Das hat nicht gestimmt. Therapeuten haben da mehr gesehen, als
das wirklich ist.

[00:57:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt schon einige solcher Geschichten hinter psychisch Kranken.

[00:58:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kann man keine Wahrheitsfindung machen, muss auch nicht. Schon nur
damit umzugehen ist hilfreich.

[00:58:13.120] – Bemerkung 51
Ich hatte eine Asylantin, welche auf der Flucht das Kind verloren hat. Sie hat jetzt ein
zweites Kind von einem anderen Mann. Das Kind ist jetzt sehr überbehütet.

[00:58:25.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist die Geschichte vom: ich verliere ein Kind und habe dann ein Ersatzkind.

[00:58:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kinder, die nach verlorenen Kindern kommen, wie z.B. Unfall, Kriegsgeschehen,
etc. sind auch wieder überfokussierte Kinder, also funktionalisierte Kinder. Kinder,
welcher über die Trauer hinweghelfen müssen.

[00:58:47.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Um das neue Kind zu schützen, müsste man mit dieser Mutter die Trauerarbeit machen
in Bezug auf die verlorenen Kinder.

[00:59:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was oft passiert, dass die toten Kinder dann oft auf dem Regal herumstehen, in Form
von Bildern.

[00:59:04.160] – Bemerkung 51
Sie weiss nicht ob die Kinder noch leben. Sie sind in verschiedenen Booten gekommen.

[00:59:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müsste eine offizielle Stelle helfen. Das kann sie nicht alleine tun. Ich würde sie an
dieser Stelle unterstützen, dass jemand ein bisschen für sie arbeitet.

[01:00:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke fürs Mitmachen.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen Fragen stellen, aber nur soviel wie sie sich getrauen. Ja nicht, weil ich es
gesagt habe.

[01:00:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss wirklich von ihnen von innen heraus kommen. Sie müssen wirklich mit sich
selber arbeiten und mit ihrem Wesen und was zu ihnen passt.

[01:00:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mussten Assessment Arbeiten machen.

[01:00:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man etwas in einem Auftrag macht, macht man es nicht ganz
natürlich.

[01:00:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollten es möglichst natürlich machen, dann machen sie es recht. Dann machen sie
keine Fehler. Wenn sie neugierig sind, sind sie neugierig. Wenn sie zögerlich sind,
dürfen sie auch das sein.

[01:01:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz generell unterstützen darin. Sie kommen in einem sehr wichtigen
Moment in das Familiensystem hinein, wo es viele Chancen gibt, dass sich das
Familiensystem verändern kann.

[01:01:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Moment, diese Potenz, dieser potentielle Moment, dieser Veränderungsmoment
sollte man nutzen.

[01:01:34.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie es, wie Sie es können, nicht unter Druck, sondern eben natürlich.

[01:01:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche ihnen viel Glück bei ihrer Arbeit.

Postpartale Psychose, Depression, Borderline Störung, Sucht, psychische kranke Eltern und die Auswirkung auf die Kinder – Mütterberaterinnen, Teil 1

Vortrag 1 inkl. Fragen:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

5.5.2014
Postpartale Psychose, Depression, Borderline Störung, Sucht,
psychisch kranke Eltern und die Auswirkungen auf ihre Kinder –
erster Teil.
Audio

[00:00:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt der Vortrag für die MütterberaterInnen am Careum in Aarau vom 5.5.2014.

[00:00:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Thema: postpartale Psychose, Depression, Borderline Störung, Sucht, psychisch
kranke Eltern und die Auswirkungen auf ihre Kinder etc.

[00:00:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind sie wieder bereit zum Weiterfahren?

[00:00:50.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir wurde gesagt, dass sie Fallsupervision hatten und nur ein System angeschaut
hätten. Das sei unbefriedigend.

[00:01:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich haben alle das Soziogenogramm/Ökogenogramm gelernt.

[00:01:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her sind sie weit voran, dass sie diese Dinge anschauen.

[00:01:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sie nur dazu aufmuntern, dass sie es wirklich auch machen.

[00:01:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Symptome nur im Individuum anschaut, versteht man sie nicht so gut.
Man hat auch nicht so viele Einflussmöglichkeiten.

[00:01:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen. Jedes Symptom hat seine Geschichte. Man
wird nicht einfach nur damit geboren.

[00:01:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn steht in der Interaktion mit dem Umfeld. Das Gehirn speichert
Erinnerungen. Die Erinnerungen beeinflussen immer wieder ihre Aktionen.

[00:01:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird laufend weiter programmiert.

[00:01:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf das keine Rücksicht nimmt, verpasst man sehr viel.

[00:01:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ich renne hier bei ihnen offene Türen ein.

[00:01:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: seien sie mutig.

[00:02:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie die Geschichte an. Fragen sie. Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen.

[00:02:05.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch hat immer Erinnerungen, er trägt das weiter. Es gibt zum Beispiel
Enkelkinder von Holocaust/Konzentrationslager Grosseltern. Die Grosseltern wurden an
einem bestimmten Tag umgebracht. Die Enkelkinder haben dann an diesem Tag
Symptome, ohne dass sie es je gewusst haben. Ohne, dass die Eltern je davon

gesprochen haben. Das ist das Komische. Wir meinen wir speichern und erinnern uns
nur an verbale Dinge, nur was uns wörtlich gesagt wird.

[00:02:05.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir meinen auch ein Kind, das noch nicht sprechen kann, kann sich an nichts erinnern.
Das stimmt nicht.

[00:03:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mensch speichert Erinnerungen, schon während der Schwangerschaft, also im
Uterus, auch nach der Geburt bis zur verbalen Phase und natürlich darüber hinaus und
zwar emotional.

[00:03:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Eindrücke, die reinkommen, gehen über das limbische System.

[00:03:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat auch etwas mit dem Gedächtnis zu tun.

[00:03:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird dann vernetzt mit körperlichen Empfindungen. Wenn eine körperliche
Empfindung passiert, ein Geruch, dann kommen die ganzen Erinnerungen.

[00:03:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben uns oft dem falschen Glauben hin, dass ein Kind, wenn es noch nichts
ausdrücken kann, es wisse dann nichts mehr.

[00:03:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft es auch mit sexuellem Missbrauch in der Kleinkindphase.

[00:03:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird trotzdem gespeichert, auf einer bildlichen, sensorischen Phase und noch nicht
auf der intellektuellen Ebene.

[00:04:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, die Geschichte anzuschauen.

[00:04:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie die Geschichte erfragen, helfen sie den Menschen zu ordnen.

[00:04:22.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ordnet sich, wenn man die Sachen, die im emotionalen Gehirn sind, auch
zum Teil im körperlichen Gedächtnis, im emotionalen Gedächtnis, indem man die Leute
dazu bringt, dass sie darüber reden dürfen, dann ordnet es sich besser.

[00:04:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Arbeit, die wir Psychiater machen, dass wir emotional ungelöste Sachen auf
eine verbale Ebene heraufholen, wo es die Leute erzählen dürfen, und dann hat es eine
ordnende Wirkung.

[00:05:00.240] – Bemerkung 1
Traumatische Erlebnisse, wo sich der Mensch nicht mehr daran erinnern kann, warum
verschwinden die?

[00:05:09.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Selbstschutz.

[00:05:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatische Erlebnisse können entweder ganz stark in der Erinnerung sein oder
verdrängt sein.

[00:05:17.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was nicht wahr sein darf, nicht wahr sein kann.

[00:05:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das System unter einem gewissem Tabu läuft, dann verdrängt man das.

[00:05:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig sind dramatische Sachen im Tabubereich, und dann werden sie verdrängt.

[00:05:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann in der Therapie mit diesen Leuten arbeitet und so nahe dran
herankommt und man ihnen ein Gegenüber ist oder ein Umfeld bietet, wo man darf, wo
es dieses Tabu nicht gibt, dann kommen diese Dinge raus und dann wird erlaubt, dass
man sich daran erinnern darf.

[00:05:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor ist es verdrängt.

[00:06:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Verdrängungsmechanismus ist ein natürlicher Mechanismus zum Selbstschutz.

[00:06:04.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ständig über dramatische Dinge nachdenkt, ist die Funktionstüchtigkeit vom
Gehirn besetzt.

[00:06:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt solche, die immer nur darüber nachdenken und andere, die einfach verdrängen.

[00:06:23.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die besser verdrängen können und andere weniger gut.

[00:06:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden sie sich getrauen, ihre Mütter zu fragen, was hatten eigentlich sie für eine
Beziehung mit ihrer Mutter?

[00:06:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Finden sie das übergriffig?

[00:06:55.410] – Bemerkung 2
Vielleicht nicht gleich im Erstkontakt. Erst nach dem ein Beziehungsaufbau
stattgefunden hat. Erst nach dem das Vertrauen erarbeitet ist. Dann kann ich es mir
vorstellen.

[00:07:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich in Ordnung.

[00:07:17.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin, da kommen sie natürlich schon zum Psychiater und der fragt alles
Mögliche. Da kann ich manchmal schon im ersten Kontakt fragen.

[00:07:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen sie so, wie es für sie stimmt. Sie eine andere Person, sie gehen nach
Hause gehen.

[00:07:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sehen das Andere?

[00:07:38.590] – Bemerkung 3
Es kommt langsam zusammen mit dem Familienassessment. Ich sehe wie gut es geht,
wenn man fragt.

[00:07:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man ist dann ganz erstaunt.

[00:07:51.910] – Bemerkung 3

Sonst habe ich das Gefühl, das ist sehr privat. Ich habe Frauen, wo ich es gerne
ansprechen möchte, dort wo ich merke, dass sie psychisch instabil sind. Ich werde es in
einer nächsten Sitzung ansprechen, wenn ich merke, dass die Mutter nicht reingeholt
wird.

[00:08:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie spüren, dass da etwas ist, wenn sie sich nicht getrauen, dann steigen sie ein
ins Tabuisieren. Das ist nicht so gut. Dann werden sie Komplize vom Tabuisieren. Dann
ist es oft schwierig ein Tabu wieder zu brechen.

[00:08:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstaunlich, wie gut man fragen kann, wenn man so, ich sage jetzt mir nichts dir
nichts, ganz normal einfach halt fragt.

[00:08:54.500] – Bemerkung 3
Ich finde es noch schwierig, wenn man schon weiss, dass diese Person beim
Psychiater ist oder war. Das ist dann sein Teil. Das macht es noch schwieriger.

[00:09:07.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dort tabuisieren sie. Da setzen sie den Psychiater über sich und sagen, das ist jetzt
dem sein Bereich und wollen dem nicht ins Handwerk pfuschen.

[00:09:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht findet das der Psychiater auch so. Das ist schon möglich.

[00:09:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht da, um es dem Psychiater recht zu machen, sondern sie sind dazu da,
um es der Patientin recht zu machen, sich und in ihrer Beziehung.

[00:09:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf sich und nehmen sie ein bisschen weniger Rücksicht.

[00:09:41.530] – Bemerkung 3
Es geht um gegenseitige Wertschätzung. Es interessiert mich wie es ihr umfassend
geht. Es ist ein echtes Interesse an mir vorhanden, dass es mir wieder ein bisschen
besser geht. So hätte ich es auch gerne.

[00:10:19.890] – Bemerkung 3
Es ist ein Zeichen der Wertschätzung.

[00:10:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht fragen, wie ihre Beziehung zur Mutter war.

[00:10:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: können sie einmal ihre Mutter beschreiben.

[00:10:35.620] – Bemerkung 4
Ist das nicht wunderfitzig?

[00:10:35.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist wunderfitzig. Man muss dazu stehen und sagen: ich interessiere mich dafür.
Wir sind alle von unseren Mütter geprägt. Wenn man uns sagt: hier gleichst du deiner
Mutter.

[00:10:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gute Beziehung zur Mutter hatte sagt man: toll!

[00:10:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nicht, dann ist es das Schrecklichste.

[00:11:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Du wirst immer mehr wie deine Mutter.

[00:11:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Du wirst immer mehr wie dein Vater.

[00:11:14.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist normal, dass wir Sachen von unseren Eltern übernehmen.

[00:11:20.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand sagt: du wirst immer mehr wie deine Mutter, dann denkt man, das sei das
grösste Schimpfwort.

[00:11:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich komisch.

[00:11:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, dass wir uns ablösen wollen von unseren Eltern, dass wir eigenständig sein
wollen, dass wir eine eigene Person sein wollen. Das dürfen wir auch. Es zeigt auch,
dass häufig da noch Konflikte sind.

[00:11:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage die Leute oft: können sie mir kurz die Persönlichkeit ihrer Mutter beschreiben?
Können sie mir kurz den Vater beschreiben?

[00:11:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ich ein besseres Verständnis habe.

[00:12:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ein Geno-Ökogramm aufnehmen, dann haben sie das gelernt und dann
interessiert es einem.

[00:12:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich frage auch: was wollen sie gleich machen wie ihre Mutter? Was wollen sie anders
machen? Man hat immer Absichten, was man ganz anders machen möchte und solche
die man gut findet und dann auch wieder macht.

[00:12:02.810] – Dr.med. Ursula Davatz
So kommt man der Sache näher.

[00:12:24.840] – Bemerkung 5
Ich frage: wie werden sie in der Kinderbetreuung unterstützt? Wer hilft ihnen dabei?
Wenn die Mutter regelmässig kommt, weiss man bereits etwas. Dann kann man fragen:
wie ist denn das?

[00:12:45.420] – Bemerkung 5
Wenn sie sagt: meiner Mutter gebe ich das Kind sicher nicht. Dann kann man
nachfragen. Ich mache es meistens über die Kinder.

[00:12:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr gute Methode, in dem man fragt: wo haben sie Unterstützung? Aus
dem System, Nachbarn, Freunde?

[00:12:57.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es heisst: der Mutter gebe ich es sicher nicht, dann hat man schon eine Aussage.
Sie fragen die Beziehungen ab, das Unterstützungssystem.

[00:12:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Mutter mit einem kleinen Kind braucht zusätzliche Unterstützung, wie im
afrikanischen Dorf. Was ist ihr afrikanisches Dorf? Wer kommt dort rein? Wenn die
Mutter ausgespart wird, dann ist alles klar.

[00:13:29.110] – Bemerkung 6
Ich finde das Genö-Ökogram ein sehr gutes Instrument. Es erleichtert einem die Frage
wirklich.

[00:13:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir sind moderne Mütterberaterinnen, wir haben gelernt ein Geno-
Ökogramm aufzunehmen. Ich habe gemerkt, dass es ein gutes Instrument ist. Das
mache ich jetzt mit Ihnen.

[00:13:45.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allen Familien, die zu mir kommen, sage ich, wie ich es mache.

[00:13:51.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme zuerst ein Genogramm auf.

[00:13:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nur Genogramm.

[00:13:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehen wir auf das Problem ein.

[00:13:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das ganz offiziell gelernt haben, kann man es immer verallgemeinern. Ich
habe das gelernt, ich finde es eine tolle Methode, ich möchte das bei Ihnen auch
anwenden.

[00:14:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist, wie wenn man das modernste technische Instrument anwendet.

[00:14:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie nichts dagegen. Dann denken sie nicht: die fragt mich nur aus, weil ich
eine komische Frau bin.

[00:14:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Ärzte suchen immer nach der Pathologie. Wir suchen nach einem Symptom. Das ist
natürlich krank. Wer will psychisch krank sein? Niemand.

[00:14:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einfach nur kennen lernen wollen und das System fragen, das Geno-
Ökogramm, das ist unverfänglich.

[00:14:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da vermutet man nichts Böses.

[00:14:43.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist einfach interessiert.

[00:15:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hatte eine psychotische Mutter?

[00:15:13.890] – Bemerkung 7
Eine eigene?

[00:15:32.960] – Bemerkung 8
Ich habe eine Mutter. Sie kam zu mir um ein Schlafprotokoll zu besprechen. Sie hat mir
dann ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie hat seit zwei Jahren keinen heissen Kaffee
mehr getrunken, weil sie immer das Kind neben sich sieht und das gut machen möchte,
keinen Fehler machen möchte. Während dem putzen kann sie das Kind am morgen in
das Quartier geben. Mittagspause hat sie keine, weil das Kind unregelmässig schläft.
Sie ist ständig am nachdenken. Sie hat sieben Jahre auf ein Kind gewartet. Sie hat fünf
mal den Versuch einer künstlichen Befruchtung gemacht. In dieser Zeit hat sie sich ein
Idealbild und ein Traumbild suggeriert. Als der Junge auf die Welt kam, sagte sie, früher
hatte ich schönere Jahre als jetzt. Eigentlich darf ich das nicht denken oder sagen. Sie
konnte sich ein Haus bauen. Seit das Kind das ist, ist die Traumwelt zerplatzt. Das
wollten wir doch.

[00:17:41.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahnsinnig. Schauen wir den Fall kurz an.

[00:17:44.950] – Bemerkung 8
Sie studiert sehr viel. Sie hinterfragt sehr viel.

[00:18:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist noch nicht ganz psychotisch. Sie könnte werden. Gewisse bleiben auch stehen
auf dem Gebiet.

[00:18:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Depressionen, hier ist der Akku runtergefahren.

[00:18:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor eine Psychose ausbricht, wenn der Akku runtergefallen ist, es läuft nicht recht,
man hält sich noch. Dann geht es oft um Zwangsverhalten.

[00:18:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das emotionale System überfordert und überreizt ist, hat man die Tendenz, dem
Kleinhirn und dem Stammhirn Aufträge zu erteilen.

[00:18:58.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Zwangsverhalten ist ein Versuch, Angst zu binden.

[00:19:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Naturvölker, im Augenblick von Übergängen, von schwierigen Situationen, haben
Rituale.

[00:19:13.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Rituale sind nichts anderes als kollektives Zwangsverhalten.

[00:19:31.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwangsverhalten ist natürlich auch Rhythmus, Reiten. Das gibt Stabilität.

[00:19:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Traditionen geben Stabilität. Der Mensch kämpft immer zwischen, wie viel Stabilität er
braucht, wenn er Traditionen aufrechterhält, und wie viele Erneuerungsfaktoren er
einbringen will.

[00:20:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel möchte mich weiterentwickeln?

[00:20:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ständig immer nur alles verändere, ist null Stabilität da.

[00:20:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich immer alles gleich behalte, ist kein Lernen da.

[00:20:08.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiges Wechselspiel: wieviel Stabilität und Neues brauche ich.

[00:20:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die mehr Neues ertragen und nicht so viel Stabilität brauchen.

[00:20:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sich immer wieder stabilisieren im Gehirn durch die vielen Muster, die sie
gelernt haben.

[00:20:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Leute brauchen mehr Stabilität.

[00:20:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich drücke es extrem aus.

[00:20:38.390] – Bemerkung 9
Man kann das auch zusammenschweissen.

[00:20:43.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritual gibt Kontinuität und Halt.

[00:20:45.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das auch: soziale Vererbung.

[00:20:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht die genetische Vererbung, sondern die soziale Vererbung.

[00:20:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von Familien gibt es Traditionen, an denen man festhält.

[00:21:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gesellschaft gibt es Traditionen, innerhalb der Religion gibt es Traditionen.

[00:21:10.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Tradition ist Weihnachten, Ostern, alle Feiertage.

[00:21:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man diese Dinge macht, gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Stabilität.

[00:21:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand sehr verunsichert ist, kann er zwanghaft nachdenken, wie er das in den
Griff bekommen kann.

[00:21:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Er kann zwanghaft auch Rituale machen.

[00:21:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das zwanghafte Verhalten nicht mehr verhält, dann geht zu viel in das Grosshirn
hinauf und dann bricht das Grosshirn zusammen und dann haben wir die Psychose.

[00:21:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor dem Ausbruch der Psychose trifft man oft Zwangsverhalten an.

[00:22:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es falsch diagnostiziert.

[00:22:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Angst tritt auf, dann muss alles geordnet werden, alles ganz rigide zusammengehalten
werden.

[00:22:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frau hat kein Kind bekommen und hat zwangsmässig sieben Jahre lang
versucht. Zwangsmässig und künstlich probiert.

[00:22:24.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: die Natur findet, dass ich kein Kind haben kann. Irgendwie ist das
Nest nicht gut dafür und ich akzeptiere das.

[00:22:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder man sagt: nein, ich überliste jetzt das und ich hole die Medizin herein und erhalte
mein Kind.

[00:22:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Frage: oh, ich hatte es aber vorher besser.

[00:22:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist noch keine Psychose, kann aber in eine übergehen.

[00:23:11.860] – Bemerkung 26
Ich habe sie nur einmal gesehen.

[00:23:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist 37 Jahre alt. Das Kind ist ein Junge. Seit zehn Jahren verheiratet. Das Kind ist
zwei Jahre alt. Sie arbeitet im Büro, KV. Der Vater ist Jurist. Dort kommt ein gewisses
Zwangsverhalten rein, ich bin gescheiter. Mit jedem Beruf kommt ein Berufsbild. Er ist
selbständig als Rechtsanwalt. Aktiv. Sie hat eine jüngere Schwester. Die jüngere
Schwester hat zwei Kinder, sie ist unbeschwert, ihr gelingt alles, ist unkompliziert,
unstrukturiert.

[00:24:45.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gegenteil von Zwangsverhalten.

[00:25:07.600] – Bemerkung 26
Sie bewundert es auch. Wie würde gerne sich weniger sorgen.

[00:25:18.300] – Bemerkung 26
Die Grossmutter kommt zum hüten. Der Sohn wird der Grossmutter zum übernachten
übergeben. Tagsüber ist der Sohn dann bei der Grossmutter. Er ist gerne dort. Die
Mutter geht tagsüber arbeiten.

[00:25:37.900] – Bemerkung 26
Vom Vater weiss ich nichts.

[00:25:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie gesagt, warum sie so lange keine Kinder hatte?

[00:25:54.440] – Bemerkung 26

Auf dem normalen Weg hat es nicht geklappt. Sie kamen in das Programm In-Vitro
Programm rein. In-Vitro-Fertilisation. Sie hat es sieben Mal gemacht, bis es geklappt
hat.

[00:26:33.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisch hat man nichts gefunden. Die Spermien waren gut.

[00:26:37.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht klappt, wird die Schuldfrage gestellt.

[00:26:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Allgemein sagt man, bei den Männern geht die Anzahl der Spermien runter.

[00:26:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hängt wohl auch mit Stress zusammen. Unter Stress ist man nicht ganz so
reproduktiv.

[00:26:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn es keine Kinder gibt, wenn es nicht klappt, wie man es gerne hätte, dann
ist die Frage immer: wer trägt die Schuld.

[00:27:05.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man natürlich nicht so sagen.

[00:27:06.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer fühlt sich verantwortlich dafür, dass es nicht klappt?

[00:27:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkt man, an was es liegt? Diese Bilder spielen wieder eine Rolle.

[00:27:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Bilder welche man sieht in diesem Moment sagen etwas darüber aus, wie man sich
selber sieht oder wie man den anderen sieht. Häufig hat man die Tendenz die Schuld
dem anderen zuzuschieben. Oder man hat die Tendenz sich für alles schuldig zu
machen.

[00:27:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Frage Möglichkeit.

[00:27:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind nach so langer Zeit auf die Welt kommt, ist das ein überfokussiertes
Kind.

[00:27:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind das erste Enkelkind ist, wenn ein Kind nach so langer Zeit kommt, wenn
ein Kind nach viele Versuchen und Aborten auf die Welt kommt, wenn ein Kind nach
dem Tod eines älteren Geschwisters auf die Welt kommt, sind das alles fokussierte
Kinder.

[00:28:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System ist dann in Trauer und das Kind muss dann die Funktion übernehmen und
muss alle aufheitern.

[00:28:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist das ein überfokussiertes Kind.

[00:28:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Beziehung, liegt relativ viel Druck. Es liegt auch der Druck: das Kind muss es
jetzt gut machen.

[00:28:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Druck man hat, oder macht auf das Kind, das spürt das Kind alles, umso
weniger gut geht es.

[00:29:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Abhängig vom Temperament des Kindes, kann das Kind das ausgleichen, es kann die
Mutter aufheitern und es läuft alles gut. Oder es erdrückt das Kind.

[00:29:21.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie reagiert das Kind, auf die perfekte Mutter?

[00:29:22.720] – Bemerkung 26
Es ist ein einfaches, pflegeleichtes Kind.

[00:29:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt es häufig erst in der Pubertät. Dann sind sie nicht mehr dabei.

[00:29:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was empfinden sie, wenn sie in dieses System reinkommen?

[00:29:47.460] – Bemerkung 26
Bedrückend, belastend.

[00:29:57.330] – Bemerkung 26
Die Gefühle, die Ängste. Sie zweifelt an sich.

[00:30:21.090] – Bemerkung 26
Sie hätte gerne jemanden, der in die Familie kommt, wie ein Coach. Jemand der ihr hilft
im Tagesablauf, der ihr hilft in der Ablösung. Ein Familiencoach

[00:31:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig sagt die Mutter: früher ging es mir besser.

[00:31:18.560] – Bemerkung 11

Irgendwo ist das auch natürlich, weil sie sich so unter einen Druck setzt. Das gibt eine
Anspannung von morgens bis abends.

[00:31:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man setzt meist viel Druck auf sich auf, wenn man eine Art Erwartungshaltung hat.

[00:31:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die enttäuschte Erwartungshaltung und dann kommt wieder Druck.

[00:31:46.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde sich lohnen, die Frau zum "Projekt Kind" zu befragen.

[00:31:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat sie alles erwartet, als sie sieben Mal versucht hat ein Kind zu bekommen? Was
hat sie sich vorgestellt, was dann alles geschieht?

[00:31:55.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir handeln aber wir haben im Kopf alle möglichen Schematas. Man muss an diese
Schematas im Kopf herankommen.

[00:32:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie die Mutter dazu befragen?

[00:32:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schwester macht das alles unbeschwert. Ist sie eifersüchtig auf die Schwester?

[00:32:36.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bewundert die Schwester. Ist sie andererseits auch eifersüchtig?

[00:32:40.080] – Bemerkung 26
Sie sieht, dass es auch anders gehen kann.

[00:32:40.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können wir ihre Geschwistern Positionen anschauen.

[00:32:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Theorien über Geschwister-Positionen.

[00:32:44.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ältesten Geschwister müssen immer Verantwortung übernehmen.

[00:32:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sie fragen: musste sie viel Verantwortung für ihre jungen Schwestern
übernehmen?

[00:33:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die jüngeren können im Windschatten des Älteren dahin segeln und müssen nicht so
viel Verantwortung übernehmen.

[00:33:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie übernehmen es dann etwas natürlicher.

[00:33:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das scheint ihr gelungen zu sein.

[00:33:19.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sie fragen: sie eine ist, die allgemein viel Verantwortung übernimmt im
Büro.

[00:33:25.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen spüren alles, was im Büro ist, Männer laufen daran vorbei.

[00:33:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie Sekretärin fühlt sich für das ganze System verantwortlich.

[00:33:34.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie fragen: ist sie eine, die viel Verantwortung übernimmt?

[00:33:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müsste schon dem Kind Verantwortung abgeben. Das schafft sie nicht.

[00:33:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss sich selber kennenlernen und vielleicht ihre Muster ein wenig hinterfragen und
ein bisschen ändern.

[00:34:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie will dass jemand in das System kommt, zur Unterstützung.

[00:34:11.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Affen, die erstgebährende Mütter waren im Einzelkäfig aufgezogen. Die
konnten ihre Kinder nicht richtig behandeln. Sie haben ihre Kinder malträtiert, schlecht
behandelt.

[00:34:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man die dann hat man die erstgeborenen Mütter mit anderen Äffinnen und
Kindern zusammengetan. Auf einmal konnten sie es.

[00:34:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser heutige Wohnform ist Isolierkäfigbehandlung.

[00:34:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihr andere Mütter reinholen, dass sie zusammen mit anderen Müttern
schauen kann. Vielleicht am Anfang sogar Hometreatment.

[00:34:32.948] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.hota.ch/

[00:34:42.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand geht zur ihr nach Hause und beruhigt sie ein bisschen. Sie ist ängstlich.

[00:34:59.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem Ängstlichen heraus kann sie nur so ängstlich Mutter sein.

[00:35:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand weiteres da ist, merkt man, man kann es auch anders.

[00:35:03.800] – Bemerkung 11
Es ist im Kanton Bern.

[00:35:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie einmal nach. Es gibt die sozialpädagogische Familienbegleitung:

[00:35:35.858] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.spfplus.ch/

[00:35:36.020] – Bemerkung 12
Ich würde mit ihr die konkreten Situationen anschauen, wo sie mit dem Kind überfordert
ist und sie versuchen dort zu unterstützen.

[00:35:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr gut Idee.

[00:35:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären alle die Vorstellungen, welche sie nicht erfüllen kann, wie es sein muss.

[00:35:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre enttäuschte Erwartungshaltung.

[00:35:51.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man mit ihr eine Reprogrammierung des Gehirns macht.

[00:35:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut richtig.

[00:36:06.420] – Bemerkung 13
Welche Rolle spielt der Vater?

[00:36:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mal mit ihnen zusammensitzen und fragen: wie sieht es der Vater? Wie
ängstlich ist er? Wie sieht er das? Wie gut traut er die Mutterrolle seiner Frau zu? Wie
gut deckt er ihr den Rücken und unterstützt sie?

[00:36:24.580] – Bemerkung 13
Es ist ein Junge. Welche Erfahrungen hatte sie mit ihrem Vater? Welche Erfahrungen
hatte sie mit ihrem Mann?

[00:36:54.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gut kann sie ihn als Ressource verwenden?

[00:36:54.340] – Bemerkung 13
Der Vater findet eher, lass das Kind eher mal in Ruhe. Wenn das Kind bei der
Tagesmutter ist und sie putzen kann, findet er nicht jede Mutter kann in Ruhe putzen.

[00:37:22.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kritisiert sie.

[00:37:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer, Juristen haben die Tendenz zu schnellen Problemlösungen, rationalen
Problemlösungen.

[00:37:35.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein rationales Problem.

[00:37:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist emotional blockiert, emotional ängstlich.

[00:37:54.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das so macht, kritisiert er sie. Dann fühlt sie sich noch schlechter.

[00:38:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist sie noch schlechter.

[00:38:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihn reinholen und in seiner Anwesenheit, die Schematas ein wenig
hinterfragen.

[00:38:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Vater aufzeigen, dass es Geduld braucht.

[00:38:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss man zuerst abholen bei: ich habe Angst, ich kann das nicht richtig. Ich
erwarte das und das von mir.

[00:38:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann besänftigen, bevor man gute Ratschläge gibt.

[00:38:31.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:38:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Er gibt ihr gleich Schläge. Das macht sie nicht besser.

[00:38:39.870] – Bemerkung 14
Sie hat das Programm sieben Mal durchgemacht hat. Das war sicher sehr belastend.

[00:38:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es.

[00:38:50.710] – Bemerkung 14
Die Schwester hat zwei Chancen. Es kann bei einem Kind nicht so gut laufen und beim
zweiten kann es besser laufen.

[00:39:00.510] – Bemerkung 14
Sie hat nur ein Kind.

[00:39:05.980] – Bemerkung 14
Früher, als wir zehn Kinder hatten, gab es ein schwaches Kind. Das hatten wir auch
gerne.

[00:39:12.170] – Bemerkung 14
Wenn beide intellektuell sehr gescheit sind, die Erwartungshaltung.

[00:39:18.780] – Bemerkung 14
Es ist unglaublich wie die Umgebung zuschaut.

[00:39:51.430] – Bemerkung 14

Wir sind aus Brasilien zurückgekommen und sind durch das Dorf gelaufen. Alle wussten
schon den Namen, auch auf dem Spielplatz wurde immer geschaut. Der Druck von
aussen ist gross. Was mache die jetzt? Die Leute sind sehr neugierig.

[00:39:51.860] – Bemerkung 14
Wird von ihr erwartet, die glückliche Mutter zu sein? Sie sagt es explizit, dass sie nicht
immer so glücklich ist.

[00:40:48.480] – Bemerkung 14
Bei uns hat man auch jahrelang auf die Kinder gewartet. Dann musste man auch
überglücklich sein, wenn das Kind gekommen ist.

[00:40:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Schematas im Kopf.

[00:40:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Zwang zum glücklich sein.

[00:40:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkt man, was die anderen über einem denken?

[00:41:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark ist das hier der Fall, was die anderen denken?

[00:41:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht ausblenden. Man hat Vorstellungen, was die anderen Denken und
man spürt auch, was die anderen Denken.

[00:41:33.480] – Bemerkung 15
Wie sind sie erzogen worden?

[00:41:33.680] – Bemerkung 15
Mein Eltern haben zur mir immer gesagt: du musst nicht studieren, du wirst viele Kinder
haben. Das war der Lebensplan. Bist du noch nicht schwanger? Jahrelanger Druck. Bei
uns war der Mann unfruchtbar. Man will den Mann nicht so hinstellen. Immer auf den
Bauch schauen. Das ist nicht so einfach.

[00:41:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
So eine Frage können sie auch einflechten.

[00:42:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark fühlt sie sich von aussen beobachtet?

[00:42:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage: für wenn setzen sie den Druck auf sich auf? Für die Mutter? Für den Vater?
Für aussen, für sich? Woher kommt der Druck? Vom Umfeld kann ein grosser Druck
kommen. Man macht sich den zum Teil selber auch.

[00:42:40.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört alles zu den Schematas im Kopf.

[00:42:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie das versuchen?

[00:42:50.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Mutter. Sie ist in einem kommunistischen Land als Kind aufgewachsen.
Sie wollte immer Kinder und hatte mehrere Aborte.

[00:43:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kam dann mit dem Kind zur mir in die Beratung und wusste nicht wie sie das Kind
anfassen soll. Sie hatte eine Angststörung. Sie dachte, wenn sie das Kind rausnimmt,
dann zerbricht es.

[00:43:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich durfte das Kind auf den Schoß nehmen. Sie merkte: das Kind zerbricht nicht, ich
darf etwas machen. Ich habe sie immer begleitet. Die Kinder sind jetzt im Teenager
Alter. Sie hatte Vertrauen in mich. So hat sie sich gelockert.

[00:44:12.200] – Bemerkung 16
Das Kind übernachtet bei der Grossmutter. Das geht gut. Wie funktioniert das denn da?
Klappt es dort viel besser? Schläft er dort besser? Wenn er regelmässig bei der
Grossmutter ist, ist das sehr spannend.

[00:44:39.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Frage. Man kann die Mutter fragen: wie ist es für sie als Mutter, wenn
es dem Kind bei der Grossmutter sehr gut gefällt? Ist sie froh darum, dass es dort gut
läuft oder kommt sie sich insuffizient vor?

[00:44:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wohl beides. Das muss man fragen. Vielleicht ist das eine stille Konkurrenz
zwischen der Mutter und der Grossmutter. Die Mutter ist dann ambivalent.

[00:45:12.300] – Bemerkung 17
Aus diesem Grund muss man die Mutter stützen, dass sie nichts falsch macht. Sie
macht eigentlich alles richtig, sonst ginge es bei der Grossmutter auch nicht.

[00:45:25.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter in so einem Karussell sind, dann erreicht man sie auf verbaler Ebene
nicht mehr.

[00:45:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schon sagen, sie macht nichts falsch es ist gut.

[00:45:43.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Oben im Gehirn denkt es trotzdem weiter.

[00:45:43.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann hilfreich sein, wenn jemand dabei ist, die nicht die Mutter ist, jemand der
keinen Anspruch auf das Kind hat. Kein Besitzesanspruch, keine Grossmutter, jemand
der nur zusammen mit ihr das macht.

[00:45:43.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bekommt sie ein Gefühl von Sicherheit und kann es dann besser machen.

[00:46:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So hatte man früher Ammen.

[00:46:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder sonst sich mit anderen Müttern zusammentun.

[00:46:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es ist sehr hilfreich, wenn man als junge Mutter mit anderen Müttern
zusammen ist, die auch kleine Kinder haben. Es wird dann alles relativiert.

[00:46:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Würde sie dort mitmachen?

[00:46:40.500] – Bemerkung 18
Ja. Es kann aber sein, dass es noch mehr Stress gibt, weil die es kann. Die nimmt es
locker.

[00:47:06.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auch passieren. Sie hat das auch schon mit ihrer Schwester. Die Schwester
kann es und sie kann es nicht.

[00:47:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Unter den Schwestern herrscht mehr Rivalität. Die jüngere Schwester kann es und sie
als ältere Schwester kann es nicht. Dann kann man ihr auch erklären. Die Jüngeren
sind unbeschwerter. Bei der älteren Schwester kann man schauen, wieviel
Verantwortung sie tragen musste.

[00:47:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher kann eine fremde Mutter einfacher sein als die eigene Schwester, die eigene
Mutter.

[00:47:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Angst hat, sie fühle sich noch schlechter. Nicht dem aussetzen. Das ist nicht
so gut. Schon aussetzen aber dann danach fragen.

[00:47:50.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann wieder in das gleiche Muster reinfallen, alle anderen können es und ich kann
es nicht. Das ist die Depression. Man denkt negativ, fühlt negativ, etc.

[00:47:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kannm man wieder mit Antidepressiva kommen.

[00:48:41.320] – Bemerkung 19
Wenn ich Frauen untereinander beobachte, dann klappt es zum Teil gut.

[00:48:41.500] – Bemerkung 19
Bei anderen Frauen, welche in der genau gleichen Situation waren, haben dann gar
kein Verständnis mehr.

[00:48:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können sehr hart miteinander sein.

[00:48:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Müttern kann eine riesige Konkurrenz laufen.

[00:48:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat kein Verständnis für die anderen. Man ist selber die Beste oder die Ärmste.
Man will sich immer absetzen.

[00:49:03.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mütter sind Autokraten, Alleinherrscher.

[00:49:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alles am besten können und die einzigen sein, die es können.

[00:49:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Mutter sein immer wieder relativieren.

[00:49:21.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erfindung dieser ganz exklusiven Mutterrolle wurde erst im 18. Jahrhundert
gemacht. Davor sind die Kinder einfach so aufgewachsen, zu Ammen gegeben worden,
etc.

[00:49:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die spezifische die Mutter/Kind Beziehung hat ihre Vorteile und ihre Nachteile.

[00:49:59.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Was möchten sie am liebsten machen mit dieser Mutter? Was wäre der nächste Schritt?
Was haben sie die Mutter gefragt?

[00:50:18.720] – Bemerkung 20
Der Junge hat einen starken Husten. Er ist in der Abklärung wegen einem chronischen
Husten, seit X Monaten. Er wacht in der Nacht immer wieder auf und findet dann die
Kurve nicht mehr. Er hat einen Allergietest gemacht, hat Kortison bekommen. Er ist
diesbezüglich in Behandlung. Ich hoffe sie gibt mir dazu eine Rückmeldung.

[00:50:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man von Asthma aus? In allen Stress Situationen gibt man Kortison.

[00:51:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte ihr auch Antidepressiva geben, damit sie nicht mehr so hypersensibel ist
und alles ein wenig gelassener nehmen kann.

[00:51:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es könnte vielleicht hilfreich sein, wenn sie hier Fragen stellen. Wem gegenüber muss
man etwas spezielles Leisten, zeigen, dass man es gut kann. Wo drückt der Schuhe

[00:51:55.420] – Bemerkung 20
Im Alltag frage ich: gibt es Situationen, die ganz schlimm sind für sie?

[00:51:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater sprechen vom Worst Case Szenario. Was stellen sie sich vor, dass das
Schlimmste wäre, dass sie eine katastrophale Mutter sind.

[00:52:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort beim Extremen ansetzen und ihr zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist.

[00:52:07.300] – Bemerkung 20
Strategien aufzeigen.

[00:52:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Das ist ein Umdenken. Dort wird das Gehirn ein wenig geändert. Das haben wir
zusammen angeschaut. Dann kann sie auf einmal anders handeln.

[00:52:35.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind sie so ein wenig gewappnet?

[00:52:35.389] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Beziehung zur Mutter muss man noch ein Fragezeichen machen.

[00:53:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir zur Borderline Persönlichkeitsstörung.

[00:53:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört zur Persönlichkeitsstörung.

[00:53:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man diagnostiziert es meistens nur bei Frauen.

[00:53:35.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung hat die Diagnose Hysterie bei den Frauen
abgelöst.

[00:53:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hysterische Verhalten der Frauen ist ein typisches von einem Mann gemachte
weibliche Diagnose.

[00:53:43.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Hysteros ist der Uterus.

[00:53:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Frau hysterisch ist, hat sie eine Uterus Krankheit.

[00:53:54.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sieht man das Vorurteil der Männer.

[00:54:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie finden, die Frauen seien nicht ganz geputzt.

[00:54:04.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind so emotional. Das können wir nicht brauchen. Das macht so viel
durcheinander.

[00:54:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von einer hysterischen Frau.

[00:54:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Begriff Hysterie verwendet man heute nicht mehr. Man spricht von einer Borderline
Persönlichkeitsstörung.

[00:54:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline-Persönlichkeits-Störungs-Frauen haben immer ein starkes, emotionales
System. Das ist genetisch.

[00:54:38.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind sehr emotional, häufig impulsiv, himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[00:54:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sollte man eigentlich seine Persönlichkeit entwickeln.

[00:54:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wichtigste in der Pubertät ist, dass man lernt, mit seinen Emotionen umzugehen.

[00:55:02.960] – Bemerkung 21
Haben Borderline Persönlichkeiten immer Selbstverletzungstendenzen oder nicht?

[00:55:03.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Nehmen wir eine junge Frau in der Pubertät. In der Pubertät geht alles durcheinander.
Die Emotionen laufen hoch.

[00:55:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein starkes, schwingungsfähiges System hat, dann schwingt das mit.

[00:55:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine so temperamentvolle Frau in der Pubertät ein Umfeld um sich herum hat,
das ihr nicht erlaubt, ihre Emotionen auszuleben, sei es, weil der Vater krank ist, sei es,
weil der Vater zu streng ist, und das gehört sich nicht, man muss sich im Griff haben.

[00:55:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sei es, weil die Mutter krank ist oder sei es, weil die Mutter sehr repressiv ist.

[00:55:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das System nicht genügend Emotionalität erlaubt.

[00:55:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass das System belastet ist mit einem anderen kranken oder
händikapierten Kind.

[00:56:03.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Faktoren, die das Experimentierfeld der Pubertät eines Menschen einengen,
erlauben dem Menschen, der Frau, nicht zu experimentieren, es auszuleben.

[00:56:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern schon emotional instabil sind, dürfen sie es sich auch nicht erlauben.
Wenn ein Vater in dieser Zeit gerade stirbt, wenn ein Ehe auseinander geht in dieser
Zeit.

[00:56:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Alles Belastungsfaktoren im Umfeld, welche der jungen Frau nicht erlauben, dass sie
ihre Emotionen aus agieren darf.

[00:56:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die junge Frau hat dann die Tendenz, ihre Emotionen unter Kontrolle zu nehmen.

[00:56:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, um die Emotionen runterzuholen, ist zu schneiden.

[00:56:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sich die jungen Frauen einen Schmerz zufügen, kommen die Emotionen runter.

[00:56:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der körperliche Schmerz reduziert Emotionen.

[00:57:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Bücher von Borderline Frauen, die sie selbst geschrieben haben, wo sie zitiert
werden.

[00:57:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein berühmter Satz ist: erst, wenn das Blut fliesst, werde ich wieder ruhig.

[00:57:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man setzt sich in einen körperlichen Schmerz, dass man nicht so ausagiert.Man darf ja
nicht. Das Umfeld kann einen nicht ertragen.

[00:57:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Frauen schickt man dann in Institutionen. Königsfelden will jetzt auch
eine Borderline Abteilung machen.

[00:57:38.120] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.pdag.ch/

[00:57:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was dann leider passiert, dann will man die Menschen dazu erziehen, dass sie ihre
Emotionen nicht so ausleben.

[00:57:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine der Methoden ist, dass man ihnen Tabasco Sauce, Chili Pfeffer, gibt.

[00:57:57.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Explosion haben, eine emotionale Explosion, dann sollen sie sich nicht
schneiden, sondern einen körperlichen Reiz setzen, indem sie Chili Sauce oder
Meerrettich, irgendetwas, das brennt, essen.

[00:58:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Brennen im Maul, ersetzt das Brennen vom Schneiden und ist natürlich etwas
weniger gefährlich.

[00:58:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können irgendein Gummiband haben. Wenn sie verrückt sind können sie am
Gummiband ziehen und sich mit dem Gummiband einen Reiz setzen.

[00:58:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch einen Boxsack nehmen. Wenn man eine grosse Wut hat, darf man auf
den Boxsack einprügeln.

[00:58:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was Emotionen ausdrückt.

[00:58:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche Leistungssport machen, gehen dann rennen oder den Sport
betreiben.

[00:58:49.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen welche tanzen, können dort ihre Emotionen ausagieren.

[00:58:58.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie kein Hobby haben, wo sie das können, sind sie aufgeschmissen. Dann sind
sie wie in einem Käfig drinnen und dann schneidet man sich.

[00:58:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schneiden hat die Funktion, um den Schmerz zu ersetzen.

[00:59:13.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schmerz wird körperlich empfunden. Er wird hier verarbeitet.

[00:59:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der seelische Schmerz wird auf die körperliche Ebene heruntergeholt.

[00:59:25.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Idee.

[00:59:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Leitsatz sage ich: Borderline Persönlichkeitsstörung, das sind professionell
pubertierende Menschen.

[00:59:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie haben alle Mittel des Pubertierenden, übernehmen aber nicht die
Verantwortung.

[00:59:53.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden nie erwachsen, weil das Umfeld sie immer erziehen möchte.

[00:59:55.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld erlaubt ihnen nicht, sich selber zu sein.

[01:00:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der therapeutischen Seite her sage ich: man darf sie nicht erziehen.

[01:00:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich an diesen Grundsatz halten.

[01:00:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur mit ihnen interagieren. Man darf sich selbst sein, man kann sich mit ihnen
auseinandersetzen. Man darf sie nicht erziehen.

[01:00:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn man das Gegenüber erzieht, dann sagt man: du bist so unmöglich,
ich ertrage dich nicht. Du musst dich anders verhalten, damit ich dich aushalte.

[01:00:33.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System ist die Tendenz gross, dass man schnell erzieht.

[01:00:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt immer wieder der gleiche Teufelskreis.

[01:00:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Erwachsen werden, zur Ablösung gehört, dass man sich auseinandersetzt mit
seinen Eltern. Dazu gehört auch Blödsinn machen, wie das ein Teenager macht.

[01:01:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen das aushalten können.

[01:01:03.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Jedes Kind hat anrecht auf starke Eltern. Auf einen starken Vater, auf eine starke
Mutter.

[01:01:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so.

[01:01:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld ist leicht defizitär.

[01:01:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus gewissen Gründen darf das Kind nicht so pubertieren, wie es seinen Emotionen
entsprechen würde.

[01:01:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es seine Persönlichkeit nicht entwickeln.

[01:01:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt jetzt die Diskussion, ab wann man die Borderline Persönlichkeitsstörung
diagnostizieren darf.

[01:01:35.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben sie gesagt ab 16 Jahren.

[01:01:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde sagen, höchstens ab 25 Jahren.

[01:01:54.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte diese Diagnose im Pubertätsalter gar nicht stellen. In dieser Zeit entwickelt
sich noch die Persönlichkeit.

[01:01:54.895] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kann nicht sagen: diese Person hat schon eine gestörte Persönlichkeit, bevor die
Person überhaupt eine Persönlichkeit entwickelt hat.

[01:01:54.936] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit dieser Frauen ist stark geprägt von ihrer Impulsivität, von ihren
gefühlsmässigen Wallungen, von ihrem Temperament.

[01:02:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt ein Temperament sei eine Störung, dann ist das nicht korrekt.

[01:02:23.670] – Bemerkung 22
Diese Verletzungen fügen sie sich bereits schon im Pubertätsalter zu.

[01:02:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das machen sie, weil das Umfeld ihnen nicht genügend Platz lässt.

[01:02:47.430] – Bemerkung 23
Was brauchen denn diese Menschen?

[01:02:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Stabilität, Standfestigkeit.

[01:02:47.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen kann man nicht erziehen. Emotionen kann man nur beruhigen.

[01:02:47.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nie im limbischen System sagen: du darfst dich jetzt nicht so aufregen.

[01:03:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Schlag ins Wasser.

[01:03:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel vom Tsunami.

[01:03:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami

[01:03:18.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Welle mit einer langen Wellenlänge und kleinen Amplitude über das Meer
läuft und die läuft gegen eine Mauer, gibt es eine Springflut.

[01:03:18.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehung eine Wand ist, ein hartes Käfig, dann gibt es eine Springflut. Wenn
keine Wand da ist, geht es rein und raus, dann ebbt es irgendwann einmal wieder ab.

[01:03:25.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre dann oft: ich kann das doch nicht erlauben, sonst erwartet man, dass man das
immer tun darf.

[01:03:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen kann man prinzipiell nicht erziehen. Emotionen kann man nur beruhigen.

[01:03:54.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesen Borderline Persönlichkeiten, wenn sie so emotional sind, ist es wichtig, dass
man selber ruhiger ist als sie.

[01:04:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man die Beziehung zu ihnen behält, beruhigt sich das langsam.

[01:04:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man selber auch unruhig ist und sagt, das geht nicht, das darfst du nicht und
sofort verbietet, gibt es eine Springflut oder sie schneiden sich.

[01:04:20.380] – Bemerkung 24
Was bedeutet das für eine Mutter mit einer Borderline Störung?

[01:04:25.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter habe mit einer Borderline Störung, dann schaue ich meistens eine
Generation nach oben.

[01:04:32.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens engen die Mütter ihre temperamentvollen Töchter so ein, weil sie der eigenen
Mutter gefallen wollen. Weil sie keine schlechte Falle vor der eigenen Mutter machen
wollen, vor dem Umfeld.

[01:04:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die Mutter von einer Borderline Persönlichkeitsstörung möglichst stützen. Das
Ganze ausagieren, ein bisschen relativieren.

[01:04:56.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur in dem ich ruhiger bin als die Mutter der Person mit der Broderline Störung,
beruhige ich das ganze System. Dann kann die eher ihre Sachen ausagieren und muss
es nicht mehr selbstschädigend machen.

[01:05:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung Personen agieren den Adoleszentenkonflikt, den
Ablösungskonflikt, selbstzerstörerisch aus.

[01:05:31.640] – Bemerkung 25
Soll man auf das selbstzerstörerische eingehen oder nicht? Schenke ich dem
Beachtung? Oder muss ich das übesehen?

[01:05:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Augenblick, wo sich das Kind extrem benimmt und man es erziehen will, eine der
schlechten Methoden ist Liebesentzug.

[01:05:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du dich so benimmst, will ich nichts mit dir zu tun haben. Geh in dein Zimmer, geh
weg.

[01:06:00.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei Borderline Persönlichkeitsstörungen ganz gefährlich.

[01:06:04.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf keinen Liebesentzug machen.

[01:06:07.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf aber die Wunden auch nicht dramatisieren.

[01:06:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz sachlich sagen, aha du hast dich geschnitten, also verbinden wir es.

[01:06:14.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man fragen: was hat dich belastet, was hat dich aufgeregt, wovor hattest du
Angst?

[01:06:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In was du dich hineingesteigert?

[01:06:29.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo die Wunde auftritt, sachlich damit umgehen.

[01:06:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: nicht schon wieder, oh je, warum, etc.

[01:06:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten, die gehen in die Richtung, dass sie sagen: nicht beachten, ignorieren.

[01:06:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht gut.

[01:06:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht übertreiben, nicht ignorieren, ganz neutral.

[01:06:44.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder eine Regel.

[01:06:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Borderline Persönlichkeitsstörungen, die sind sehr sensibel auf: geht man zurück?

[01:06:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Haltet man sie aus oder nicht?

[01:06:54.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeglicher Liebesentzug, jegliche Rückzug verschlimmert es.

[01:06:56.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sich noch mehr schneiden. Dann muss man reinkommen, dann kann
man nicht einfach nichts sagen, wenn das Blut fliesst. Dann muss man etwas tun. Dann
ist man verrückt, dass sie einem reingeholt haben.

[01:07:08.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mit ihnen in den Kampf treten um das Symptom.

[01:07:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Man darf auch gar nicht das Symptom unterbinden wollen.

[01:07:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer dahinter schauen, was sie so aufgewühlt hat, und dann das
anschauen mit ihnen.

[01:07:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee der Therapie ist, dass man mit ihnen arbeitet, damit sie das Ritzen nicht mehr
brauchen.

[01:07:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eingie Borderline Persönlichkeitsstörungen. Ich habe immer das System
gestützt.

[01:07:39.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht ihnen gegenüber ein ruhiges Gegenüber zu sein.

[01:07:39.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Gar nichts verändern in naher Distanz.

[01:07:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben sich nicht so schlecht entwickelt.

[01:07:53.370] – Bemerkung 26
Was ist wenn die Frau mit Borderline Persönlichkeitsstörung (BPD) ein Kind bekommt,
Mutter wird?

[01:07:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ein Kind bekommt, dann geschieht, dass sie ihre Unruhe auf das Kind
überträgt, du bist mein Alles und dann wieder abstösst und sagt: fahr ab ich kann dich
nicht gebrauchen!

[01:08:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will man natürlich nicht. Das gibt dann die inkonstante, instabile Beziehung. Das
will man vermeiden.

[01:08:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, dass es wichtig ist, dass man die Mutter der BPD Person stützt, stützt, stützt.
Damit die Person besser mit ihren Emotionen umgehen lernt.

[01:08:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie als Mütterberaterinnen nicht alles liefern. Hier muss man gute
Therapeuten finden.

[01:08:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es auch wieder ambulant machen, nicht stationär.

[01:08:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können nicht alle mit der Borderline Persönlichkeitsstörung umgehen.

[01:08:58.580] – Bemerkung 27
Es ist schwierig, wenn man eine Mutter betreut, die ein Borderline hat. Es ist nicht
fassbar. Ich konnte die Frau nicht fassen. Die Frau ist von einer Beratung zur anderen
gerannt.

[01:09:03.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle sind nichts stabiles. Gefühle sind ein fluides System.

[01:09:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat die Funktion, dass es sich aufschaukeln kann.

[01:09:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ein negativer Einfluss und dann bricht alles zusammen.

[01:09:27.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wie eine Wetterfront.

[01:09:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht wunderschönes Wetter. Dann kommt eine Wetterfront. Dann bricht alles
zusammen.

[01:09:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie stabil sind.

[01:09:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit denen in Kontakt ist, ist es schon hilfreich wenn man selber nicht
mitagiert.

[01:09:44.600] – Bemerkung 28
Es ging gut, bis das Kind ca. ein Jahr alt war.

[01:10:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter ist 37 Jahre alt, der Vater ist leicht jünger, 33 Jahre alt. Die Tochter ist gerade
auf die Welt gekommen. Sie hat aus einer ersten Ehe zwei Kinder mit ihrem Ex-Mann,
einen 12 jährigen Jungen und eine 14-jährige Tochter. Die leben beim Vater. Der Vater
hat wieder geheiratet. Sie musste die Kinder dem Vater abgeben. Sie hatte einen
Misserfolg als Mutter und hat mit der zweiten Ehe die zweite Chance. Sie kommen alles
aus der Türkei, dem Mittelmeerraum. Sie ist in der Schweiz aufgewachsen, hat 100% IV
wegen Borderline. Sie war früher Alterspflegerin. Ihren neuen Mann hat sie in der Türkei
kennengelernt. Der zweite Mann kam erst in die Schweiz, als die Tochter schon auf der
Welt war. Sie hatte sich von ihm in der Türkei getrennt. Beide sind sehr gewalttätig
einander gegenüber sind. Das ist mittelmeerländisches Temperament.

[01:10:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Türkei darf der Mann sagen, was die Frau machen muss.

[01:13:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen hier in die Schweiz.

[01:13:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer haben die Vorstellung, dass es genau gleich weiter geht in der Schweiz.
Die Frauen sehen, dass sie in der Schweiz viel mehr Rechte haben. Diese Rechten
nehmen sich die Frauen auch. Dann gibt es einen grossen Knall. Das ist sehr schwierig.

[01:13:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer wollen ihre Macht behalten, Besitzstandswahrung. Ich bin der Patriarch. Ich
sage wo es durch geht. Die Frau will die Emanzipation.

[01:13:36.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau emanzipiert sich dann heftig und das geht nicht.

[01:13:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld ist je nachdem, auf der einen oder anderen Seite. Das Umfeld des Mannes
ist auf der Seites des Mannes.

[01:14:04.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Sozialarbeiterin ist auf Seite der Frau.

[01:14:16.020] – Bemerkung 29
Ich war immer für beide. Der Mann hatte auch Qualitäten.

[01:14:34.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verraten sich schon.

[01:14:49.670] – Bemerkung 29

Er ist Hilfsarbeiter. Er war bist 16 Jahre in Deutschland. Er kann gut Hochdeutsch. Er ist
danach wieder in die Türkei zurück. Die Eltern leben in der Türkei.

[01:15:08.400] – Bemerkung 29
Seine Frau hat einen jüngere Schwester. Die jüngere Schwester hat auch ein Kind und
ist alleinerziehend.

[01:15:12.980] – Bemerkung 29
Zu ihren grösseren Kindern hat sie keine gute Beziehung. Sie hat momentan keine
Energie mit ihrer pubertierenden Tochter zu streiten.

[01:15:54.420] – Bemerkung 29
Sie wird vom Sozialdienst unterstützt. Ich habe sie begleitet bis das Kind knapp 3 Jahre
alt war. Es ist ein Fall, der einem bleibt. Es wurde schwierig mit dem Kind. Das Kind war
immer im Bett, als ich gekommen bin, abends, morgens, mittags, etc.

[01:16:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gitterbett?

[01:16:47.200] – Bemerkung 29
Ja. Die Polizei hat eine Gefährdungsmeldung gemacht. Die Nachbarn haben der Polizei
angerufen. Die Polizei ist gekommen. Man hat geschaut wo die Ressourcen der Mutter
und des Vaters sind. Danach wurde das Kind fremd platziert.

[01:17:31.630] – Bemerkung 29
Die Eltern haben sich getrennt. Der Vater besucht seine Tochter alle zwei Wochen im
Kinderheim. Eine Pflegefamilie wollten sie nicht. Sie haben das Kinderheim bevorzugt.

[01:18:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist anonym, dann ist es keine Konkurrenz oder weniger Konkurrenz.

[01:18:05.320] – Bemerkung 29

Vor drei Jahren hat er das Kind in einer Nacht- und Nebelaktion zu seinen Eltern in die
Türkei gebracht. Heute lebt es dort.

[01:18:43.160] – Bemerkung 29
Ich weiss nicht was die Mutter macht.

[01:18:53.460] – Bemerkung 29
Ich habe das Bauchgefühl, dass es dem Kind nicht gut geht.

[01:19:01.100] – Bemerkung 29
Ich hatte nichts handfestes.

[01:19:12.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das ganze nochmals machen könnten, was für Hilfe möchten sie?

[01:19:13.000] – Bemerkung 29
Früher wissen, was die Frau für eine Krankheit hat? Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass
etwas nicht stimmt. Dann habe ich sie darauf angesprochen. Dann hat es gesprudelt.
Dann hat die Frau gesagt: ich habe eine Borderline Persönlichkeitsstörung. Es gingt
lange, bis ich sie gefragt hat. Sie hatte einen Vormund. Bevor sie das Kind hatte, hat sie
ihre Vormundschaft aufgelöst. Danach wurde keine neue errichtet.

[01:19:52.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in die Runde: wenn sie an einen solchen Fall rankommen, was würden sie
tun? Was wäre ihr Vorgehen?

[01:19:52.280] – Bemerkung 30
Eine Überblick verschaffen. Wer ist alles schon in den Fall involviert?

[01:20:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Idee. Welche Personen waren alle involviert, was haben die alles
gemacht und was hat es gebracht? Das ist typisch für Borderline

Persönlichkeitsstörungen, da sind X Leute involviert, ein Durcheinander, Chaos. Man
sagt immer: sie manipuliert. Sie ist natürlich verzweifelt. Die Dienste gehen sogar noch
aufeinander los. Man verwirft die Hände.

[01:20:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Psychiatrie an einem Rapport gesagt wurde: das sei eine Borderline
Persönlichkeitsstörung, war die Antwort gleich: um Gottes Willen! Also, hoffnungslos!

[01:21:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Haltung. Hoffnungslos!

[01:21:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht. Es sind steckengebliebene Teenager. Man müsste etwas Ordnung
machen.

[01:21:12.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Ordnung machen durch Erziehung, sondern durch eine stabile Bezugsperson
sein.

[01:21:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sieht sie für Vorteile für die Frauen in der Schweiz?

[01:21:38.170] – Bemerkung 30
Sie ist in der Schweiz aufgewachsen und hat ihn in der Türkei kennengelernt, in den
Ferien, hat ihn geheiratet und wurde schwanger.

[01:21:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der Vorteil der Frau, wenn sie in der Türkei aufwächst? Man muss das
herausholen. Wenn sie einen Mann aus der Türkei nimmt, wie der erste Mann, dann
passt das einfach nicht zusammen.

[01:22:15.790] – Bemerkung 30

Wenn sie mit ihrem Ex-Mann telefoniert hat, wegen den zwei Kindern, hat er sehr
speziell reagiert.

[01:22:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht alles nicht.

[01:22:26.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das mal in der Lebenshaltung konkretisiert, anschaut, mit ihr.

[01:22:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch fragen: was wäre der Vorteil gewesen, wenn sie einen Schweizer
geheiratet hätte? Hätte ihre Familie das akzeptiert? Vielleicht nicht.

[01:22:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war offensichtlich nicht stark genug zu sagen: ich bin in der Schweiz aufgewachsen,
ich will einen Schweizer Mann. Der entspricht mir, für das was ich möchte.

[01:22:53.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte auch fragen: wie ist man mit ihnen umgegangen, als sie in der Pubertät
war. Wie stark hat man sie zurück gebunden. In der Schweiz können die Mädchen mit
17 Jahren in die Disco gehen. Als türkisches Mädchen ist das verboten. Die anderen
Mädchen durften das machen, sie durfte es nicht tun.

[01:23:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein türkisches Mädchen, wo der Vater den Onkel organisiert hat, damit das
Mädchen abgefangen wurde in der Disco, Freiheitsberaubung. Der Vater hatte dann
eine Anklage von unserem Gesetz her, wegen Freiheitsberaubung. Der Vater musste
dann eine Busse bezahlen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Als türkischer
Vater hat er seine Pflichten erfüllt, im Schweizer Gesetz war er gesetzesbrüchig. Da
haben wir ein grosses Durcheinander, das man aufdröseln muss.

[01:23:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss auch fragen: was ist das das Schlimmste für sie, wenn der türkische Mann
ihr etwas befehlt. Der türkische Mann hat auch Gutes an sich.

[01:24:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau wird nochmals einen neuen Mann suchen und versuchen nochmals ein Kind
zu machen, um endlich das erreichen zu können.

[01:24:13.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Frau, die hatte sechs Kinder. Alle Kinder wurden ihr immer weggenommen.
Jetzt sind wir beim sechsten Kind. Ich stütze diese Frau jetzt. Sie wurde auch als
Borderline diagnostiziert. Sie hat eine grosse Entwicklung gemacht. Sie kann jetzt
ruhiger sein als alle anderen. Ich coache sie nur. Sie fühlt sich unterstützt durch mich,
darum kann sie ruhiger sein.

[01:24:48.840] – Bemerkung 31
Ich weiss jetzt, was ein Borderline genau ist. Sie hat immer Gegendruck gemacht. Ich
habe ihr nicht gesagt, was sie machen muss. Ich habe mit ihr die Situationen
angeschaut. Ich habe versucht zu vermitteln, was ein Kind braucht. Von ihr kam immer
der Gegendruck.

[01:24:55.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teenager.

[01:24:55.670] – Bemerkung 31
Sie hat mich sehr viel gebraucht. Sie hat mich oft angerufen und mir gesagt, dass sie
mich braucht, dass sie ein Problem hat. Das gleiche ist auch mit ihrem Mann passiert.
Sie hat sich dann selber verletzt.

[01:25:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem will sie zeigen: ich leide, ich bin verzweifelt. Wenn man dann nur bei den
Wunden bleibt und gleich bei der Erziehung auf sie einwirkt, dann ist sie gleich
verzweifelt. Man muss rückgreifen.

[01:26:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss fragen: wie stark sind sie integriert und wie stark sind sie noch Türkisch?

[01:26:31.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung geht nicht in einer Generation weg.

[01:26:33.940] – Bemerkung 31
Das hat sie bestätigt. Sie hat früh geheiratet. Sie hat das gemacht, damit sie von zu
Hause wegkommt mit 21, 22 Jahren.

[01:26:35.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird Mutter um von Hause weg zu kommen. Dann wird man durch die Kinder
eingeschränkt, hat einen Mann und kann nicht auf eine ganzes Familiensystem
zurückgreifen, weil die alle arbeiten.

[01:27:06.940] – Bemerkung 31
Die Schwester hat sie mit dem dritten Kind sehr unterstützt.

[01:27:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat nicht gehalten, man hat das Kind wegplatziert.

[01:27:12.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste sie besser verstehen im ganzen Wirrwarr. Sie muss eine Möglichkeit
finden, wie sie ihre starken Emotionen kreativ und produktiv ausdrücken kann.

[01:27:36.010] – Bemerkung 31
Braucht jemand mit einer Borderline Störung keine Therapeutin, die sie begleitet?

[01:27:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, aber eine therapeutische Person, welche nicht erzieht.

[01:27:54.890] – Bemerkung 31
Eine Psychotherapie oder ein Psychiater wäre schon angebracht.

[01:28:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss jemand sein, der weiss wie man mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung
umgehen muss. Wenn die Person zu eng, zu rigide ist, zu stark erziehen möchte, dann
bricht es, dann brechen sie ab.

[01:28:12.840] – Bemerkung 32
Lieber im ambulanten Bereich als stationär? Ist die stationäre Behandlung eher
kontraproduktiv, weil die dann auch auf andere dummen Ideen kommen?

[01:28:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im stationären Bereich hat es X Leute, die einem erziehen möchten. Die Pfleger, die
Ärzte, der Oberarzt. Alle wollen einem in ein Schema reindrücken.

[01:28:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im stationären Bereich steck man in einem engeren Käfig fest.

[01:28:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sie mit ihrem Kind gemacht.

[01:28:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ambulant kann man sie laufen lassen, das ist eine längere Leine. Die Beziehung,
welche man ihr als Therapeut anbietet, ist flexibler.

[01:28:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ging mit einer Borderline Frau ins Seebad, bin mit ihr Rollschuh gefahren.
Ursprünglich wollte sie, dass ich sie halte. Dort steht, dass man die Borderline Person
mit nacktem Oberkörper festhalten muss. Das habe ich nicht gemacht. Man kann sich
fragen: warum soll man das so machen?

[01:28:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich die halten musste, habe ich gemerkt: wenn ich mit ihr in Körperkontakt bin, kann
ich nicht lügen.

[01:29:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich unruhig bin, spürt die das sofort.

[01:29:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich gegenüber sitze, kann ich schön daher sprechen und mich zurücknehmen,
dann spürt sie es nicht unbedingt.

[01:29:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man falsch ist, nicht authentisch, das spüren sie schon.

[01:29:40.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel mehr bei sich sein.

[01:29:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Oxytocin ausschütten, damit man ruhig ist.

[01:29:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne war es wie eine Meditation.

[01:29:43.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste ganz ruhig sein, sie durfte alles erzählen. Ich durfte mich über nichts
aufregen. Einfach da sein, eine Meinung haben.

[01:30:01.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht erziehen wollen.

[01:30:06.500] – Bemerkung 32
Ich habe dann gemerkt: ich muss einfach bei mir bleiben. Ja nicht selber rumagieren.

[01:30:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht agieren, nicht in das agieren kommen, nur ruhig blieben. Das ist die beste
Medizin.

[01:30:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit, in der man schnell eine Lösung haben will, beginnt man
mitzuagieren. Man wird zu allen möglichen Aktionen gebracht. Dann ist man verloren.

[01:30:29.110] – Bemerkung 32
So eine Familie mit so einem kleinen Kind, braucht eine engmaschige ambulante
Betreuung. Wie läuft denn das ab? Wie oft muss man da vorbeigehen?

[01:30:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe die Leute einmal pro Monat oder weniger?

[01:30:50.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Persönlichkeit, welche ihre fünf Kinder schon platziert hat sehe ich alle
zwei Wochen. In der akuten Phase sieht man die vielleicht jede Woche, damit es eine
gewisse Stabilität gibt. Sie dürfen telefonieren im Krisenfall.

[01:31:18.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mobil Telefonnummer gebe ich nicht an. Das will ich nicht.

[01:31:23.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen anrufen und ich rufe dann zurück an.

[01:31:23.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist erstaunlich wie sich meine Patientin beruhigt hat, wie die vernünftig geworden ist.

[01:31:38.450] – Bemerkung 33
Kann eine Frau mit einer Borderline Störung zu einem Kind schauen?

[01:31:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann sie lernen, ja.

[01:31:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine andere Frau mit einer Borderlinestörung. Sie hat ihre beiden Kinder fremd
platziert, bei einer Pflegefamilie. Sie wollte die Kinder zu sich zurück nehmen. Ich habe
ihr geholfen, ihre Kinder zurück zu nehmen. Diese Frau ist immer noch sehr emotional.
Sie kommt noch jede Woche. Sie will jede Woche kommen. Dann stütze ich sie immer
wieder.

[01:31:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe ist, sie immer wieder zu beruhigen, zu stabilisieren.

[01:32:27.380] – Bemerkung 33
Wissen sie, wie es diesen Kindern geht?

[01:32:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen noch zu einer Psychologin. Dort frage ich nach. Dann höre ich es. Meine
Hauptaufgabe ist es die Mutter dort zurück zu nehmen, damit sie nicht so starkt auf ihre
Kinder einagiert und so verzweifelt ist, wenn die nicht gut Noten nach Hause bringen.
Der Ältere ist jetzt in der Pubertät. Ich muss die dann immer wieder stabilisieren.

[01:32:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können es schon lernen, aber sie brauchen Begleitung.

[01:33:03.010] – Bemerkung 33
Sie brauchen eine konstante Begleitung.

[01:33:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das würde ich sagen.

[01:33:06.020] – Bemerkung 34
Eine Familie die ich bereut habe, ist in den Jura gezogen. Sie konnte extern in einer
Wohnung wohnen mit dem Kind zusammen und ist tagsüber auf einen Bauernhof. Dort
war es ihr sehr wohl.

[01:33:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ein Umfeld gefunden, wo man sie akzeptiert hat, wo sie genügend Auslauf hatte.
Dadurch wurde sie auch eine ruhigere Mutter. Dann hat es funktioniert. Wenn das
Umfeld zu eng ist, dann ist es nicht gut.

[01:34:03.040] – Bemerkung 34
Es war gut, dass sie extern wohnen konnte.

[01:34:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Institutionen, in denen Mütter mit ihren Kindern zusammen gehen können.
Die Mutter kann arbeiten und jemand anderes schaut für die Kinder.

[01:34:12.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer schauen, dass man die nicht erzieht.

[01:34:13.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Auseinandersetzung nachholen.

[01:34:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Auseinandersetzung nicht geschieht, habe sie die stabile Persönlichkeit nicht.

[01:34:36.060] – Bemerkung 35

Wenn man nicht richtig spürt was ein Kind in der Pubertät möchte, braucht. Solche Fälle
sind immer Fälle von nicht ausgelebter Pubertät.

[01:35:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Störung vorne dran. Ein impulsives Temperament und ein sensibles
Sensorium ist vorhanden, das schnell verletzt ist, das dann mit Impulsivität reagiert.

[01:35:07.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen machen eher Borderline Störungen.

[01:35:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer machen Delinquenz. Die gehen einbrechen, Autos knacken und landen dann in
einem Erziehungsheim.

[01:35:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Pendant zur weiblichen Borderlinestörung ist die Delinquenz bei den Männern.

[01:35:45.140] – Bemerkung 36
Es gibt immer mehr junge Erwachsene, die auch Selbstverletzung machen.

[01:35:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer konsumieren eher Drogen, werden delinquent.

[01:35:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Männer Pfarrerskinder sind und das Umfeld die Impulsivität nicht erlaubt.

[01:36:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Tätowieren fügt man sich auch einen enormen Schmerz zu. Während dem
Tätowieren lernt man den Schmerz auszuhalten. Das hat eine ähnliche Funktion.

[01:36:38.160] – Bemerkung 37

In der Familie ist das Kind sexuell missbraucht worden.

[01:36:38.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ein starkes Traum erlebt in der Kindheit. Nicht alle Borderline
Persönlichkeiten sind sexuell missbraucht worden, aber es gibt es wahrscheinlich schon
häufig. Das war immer hier drinnen. Das wurde nie verarbeitet. Das drückt immer, das
macht immer Unruhe. Man tut ihnen unrecht, wenn man sagt: reiss dich endlich mal
zusammen.

[01:36:50.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind müsste sagen: du verstehst gar nichts von mir, von dir lasse ich mir gar nichts
sagen. Das ist tragisch. Das ist wieder das Tabu.

[01:37:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf es nicht sagen, sonst kommt Schande auf die Familie.

[01:37:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein unterdrücktes, emotionales Tabu kann viel Schaden anrichten.

[01:37:32.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann tut man den Kindern so Unrecht, weil man die Situation nicht erkennt.

[01:37:41.280] – Bemerkung 38
Wenn die ganze Dramatik auf dem Tisch ist, erlebe ich die Leute wie sie 100 Mal wieder
dort reingehen und das ausdrücken. Gibt es irgendwo eine Grenze?

[01:37:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Stimmt.

[01:38:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so dramatische Dinge erlebt hat, gibt es Leute, die sich darin baden und
immer wieder in das zurückkehren.

[01:38:17.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Leute hausieren damit. Das bringt es natürlich nicht.

[01:38:23.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Leuten muss man über die Schwelle hinweg helfen und sagen: ja, das ist so und
jetzt müssen wir weiter gehen.

[01:38:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage diesen Leuten: man kann einen Brief schreiben, an die Person, welche einem
geschädigt hat.

[01:38:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst kommt die Wut. Dann kommt die Trauer über alles was man verpasst hat und
dann kommt das loslassen. Man darf nicht in der Wut verharren.

[01:38:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut, dann kommt man nicht vorwärts. Dann ist man blockiert.

[01:38:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Wut verharrt, will man den immer noch bestrafen.

[01:38:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich einen sexuellen Missbrauch habe, frage ich: was wollen sie Böses dem
sagen?

[01:39:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es geht, mache ich sogar einen Gegenüberstellung, wenn es intern in der Familie
geschehen ist, wenn der Vater/Grossvater noch lebt. Dann dürfen sie etwas sagen.

[01:39:08.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Wichtig ist, dass man als betroffenes Individuum nicht zum Richter, Bestrafer wird. Man
ist immer ein Betroffene/r. Man muss bei dieser Rolle bleiben.

[01:39:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf eine Wut haben. Man kann nicht sagen: du kommst in die Hölle. Dann wird
man zum Richter und das geht nicht.

[01:39:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist bei den Fachleute, welche Mitleid mit dieser Person haben. Die sehen
diese Person immer als Opfer und ich muss es verteidigen.

[01:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht überhaupt nicht.

[01:39:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sie nicht mehr als Opfer sehen.

[01:39:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihnen helfen, sich zu emanzipieren.

[01:40:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen für sich hinstehen können. Dann werden sie eher frei.

[01:40:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Opfer bleiben, wird immer wieder nur die Geschichte ausgebadet.

[01:40:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Baden, immer wieder baden in der Geschichte.

[01:40:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist die Borderline Persönlichkeitsstörung heilbar?

[01:40:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt: Persönlichkeitsstörungen kann man nicht therapieren.

[01:40:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat das bei der Borderlinestörung gesagt.

[01:40:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat das gesagt bei der dyssozialen oder asozialen Persönlichkeitsstörungen. Das
wäre die Delinquenz.

[01:40:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: es ist alles therapierbar.

[01:40:48.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer darauf an, was man als Therapeut kann und wie gut das Matching
passt, zwischen Patient und Therapeut.

[01:41:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten können natürlich sagen, wenn wir nicht erfolgreich sind: das ist nicht
behandelbar.

[01:41:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht sagen: ich habe versagt, ich kann es nicht.

[01:41:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine zeitlang als Konsiliarärztin auf der Aarburg gearbeitet.

[01:41:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in einem Gremium gearbeitet, wo ich delinquente Persönlichkeiten
angeschaut habe, nur theoretisch, auf dem Papier.

[01:41:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, welche die Borderline Persönlichkeitsstörungen haben, sind therapierbar, sind
heilbar.

[01:41:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt heute Statistiken, die sagen, ein Drittel oder so, heilt einfach aus.

[01:41:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt immer davon ab, was die antreffen und wie Therapeuten mit ihnen umgehen.

[01:42:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man bei der Borderline Persönlichkeitsstörung die Hände verworfen, wie
schrecklich, das kann man nicht therapieren.

[01:42:12.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute machen sie therapeutische Stationen.

[01:42:21.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: man muss sie ambulant behandeln, weil man viel mehr Flexibilität hat, viel
mehr Möglichkeiten hat.

[01:42:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte natürlich ihr System behandeln, damit das System tragfähiger wird, sodass
es die starken Emotionen dieser Frauen besser aushält.

[01:42:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Therapeutin selber muss man das auch aushalten können. Man darf nicht selber
mitagieren. So wie sie das ganz natürlich gemacht haben.

[01:42:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist das A und O.

[01:42:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst Borderline Persönlichkeitsstörung weil die Störung zwischen einer
neurotischen Störung, die man behandeln kann, und einer psychotischen Störung, die
man dann mit Medikamenten, also Neuroleptika, behandeln kann, liegt.

[01:43:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Persönlichkeitsstörungs Patienten sind zu gesund, als dass sie die
Schonhaltung der Schizophrenen/Psychotiker bekommen. Sie sind zu krank, als dass
sie so gut funktionieren wie die Neurotiker.

[01:43:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline nennt man, weil dazwischen sind.

[01:43:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind sie in der Pubertät hängen geblieben und wollen immer noch pubertieren
dürfen. Man muss sich ihnen gegenüberstellen, sodass sie das können, dass sie ein
gewisses sicheres Umfeld haben, damit die Entwicklung weitergeht.

[01:44:09.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Persönlichkeitsstörung kann man schlecht mit Medikamenten behandeln.

[01:44:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Borderline Persönlichkeitsstörungen sehr sensibel sind und schnell
überreagieren, kann man man es mit den Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-
Inhibitoren (SSRI) versuchen.

[01:44:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich versuche es immer therapeutisch.

[01:44:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann auch beides machen.

[01:44:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht sollte man nie nur Medikamente geben, sondern immer auch Therapie
dazu und wenn es möglich ist immer auch das System mit einbeziehen.

[01:44:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch solche, wo ich das System nicht mit einbeziehen konnte. Dann musste ich
einfach mit der Person selber arbeiten.

[01:44:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person musste dann an mir üben.

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Borderline Patientin, die wollte mir alle Krankenakten runterwerfen. Dort
habe ich mich verteidigt und ihr eine Ohrfeige gehauen. Das war nicht sehr
professionell.

[00:00:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging um mein Territorium. Ich wollte das schützen.

[00:00:08.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lebt jetzt alleine in einer Wohnung. Sie ist nicht Dauerpatientin.

[00:00:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine sehr schwierige Situation.

[00:00:19.150] – Bemerkung 39
Meine Tochter geht mit einem Jungen in die Schule. Er war eine zeitlang weg von der
Klasse. Davor hat er nicht sehr viel geredet. Er kam zurück in die Kantonsschule und
hat viel mehr gesprochen. Vor den Frühlingsferien mussten sie alle zusammensitzen. Er

hat erzählt, dass er lieber eine Frau wäre. Meine Tochter war dann entsetzt. Warum
musste er das allen erzählen? Vielleicht hat man das ihm empfohlen in seiner Therapie.

[00:00:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit diesen Gender Orientierungen, da sagt man das könne an den Genen liegen.
Das kann alles eine Rolle spielen.

[00:01:27.382] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran kann ich nichts ändern, an diesen Hormonen.

[00:01:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue am meisten das Umfeld an.

[00:01:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue wie das Umfeld ist.

[00:01:55.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir von der Sozialisierung her schauen. Mädchen dürfen eher emotional sein,
auch wenn sie dann zurück gebunden werden.

[00:02:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht sehr männlich, wenn man sehr emotional ist.

[00:02:12.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt durchaus Knaben, welche eine sehr eine starke Emotionalität haben.

[00:02:16.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die nicht aggressiv ausüben wollen, sondern eher sensibel, dann müssen sie
Dichter werden oder einfach Künstler.

[00:02:26.940] – Bemerkung 39

Meine Tochter ist im künstlerischen Gestalten. Dort ist er gut.

[00:02:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das künstlerische Gestalten, wenn man dann einmal berühmt ist, ist das wieder in
Ordnung. Es wirkt im Teenager Alter nicht sehr männlich.

[00:02:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will männlich sein, man will sich behaupten.

[00:02:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Männerwelt zieht das einfach nicht so.

[00:02:50.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen ist das eher akzeptabel.

[00:03:03.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er sagt: ich will lieber eine Frau sein.

[00:03:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man ihn fragen: was haben denn die Frauen aus deiner Sicht für Vorteile in
der Gesellschaft?

[00:03:14.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen emotionaler sein. Sie dürfen romantischer sein, sie dürfen mehr weinen.

[00:03:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein richtiger Knabe weint doch nicht und all das Klischee Zeugs.

[00:03:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Für so sensible Knaben ist das schwierig. Die haben keine Vorbilder.

[00:03:28.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat nicht jeder gerade einen Künstler Vater oder einen Künstler Lehrer um sich
herum. Dann kommt er sich komisch vor.

[00:03:35.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch so und so viele Mädchen, die lieber ein Mann wären, weil man dann so ein
bisschen mehr mitmachen kann bei all diesen Kompetitionen.

[00:03:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Mädchen aggressiv sind, sagt man schnell: das ist keine rechte Frau.

[00:03:53.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da funktionieren immer noch die Klischees.

[00:03:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie muss ein Mann sein? Wie muss eine Frau sein?

[00:03:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hätte wahrscheinlich die Haltung: du darfst ein Mann sein und du darfst auch ein
sensibler Mann sein.

[00:04:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich akzeptiert.

[00:04:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viele Frauen haben gerne Homosexuelle?

[00:04:12.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind dann oft sehr sensibel.

[00:04:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Gewisse Männer richten sich nach den Männern aus und leben dann dort ihre sensible
Art aus. Einer ist der Mann und der andere spielt eher die Frauenrolle.

[00:04:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man 17 Jahre alt ist, ist es noch nicht fixiert.

[00:04:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn nicht operieren.

[00:04:47.950] – Bemerkung 39
Er hat ein halbes Jahr gefehlt und hat sich davor auch geschnitten. Nachdem er
zurückgekommen ist, hat er mehr darüber gesprochen. Er wäre lieber eine Frau.

[00:04:52.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Mann. Der war drogensüchtig und war ein Strichjunge. Er wollte eine Frau
werden. Er hat sich als Frau ausgegeben. Als er von den Drogen weggekommen ist,
wollte er wieder ein Mann werden.

[00:05:41.070] – Dr.med. Ursula Davatz
So geht das hin und her, operativ. Das wird heutzutage gemacht.

[00:06:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin würde ich nie mein OK geben. Es gibt immer solche, die es geben.
Denen werden Brüste implantiert.

[00:06:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch kennt hier keine Grenzen.

[00:06:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sind die schlimmsten. Die denken, alles was machbar ist, wird gemacht.

[00:06:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mehr Respekt vor der Natur und in das wo man rein geboren ist.

[00:06:42.210] – Bemerkung 40
Es geht um ein Mädchen, das nie in den Kindergarten gehen wollte. Das Mädchen ging
zu einer Kollegin und hat gesagt: ich möchte gerne, dass mir ein Penis wächst. Es war
gut, dass sie das gesagt hat. Sie darf ein Mädchen sein und sie darf sich auch anfassen
beim Duschen.

[00:07:43.830] – Bemerkung 40
Ich wollte noch die Hintergründe erfahren. In der Schwangerschaft hat die Mutter
gedacht, dass sie ein Junge werden würde.

[00:08:03.470] – Bemerkung 40
Sie hatten schon einen Knaben Namen bereit.

[00:08:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spielt eine Rolle. Die Kinder nehmen das Umfeld schon in der Schwangerschaft
war. Die Kinder nehmen solche Wünsche aus dem Umfeld war, wie auch immer,
emotional.

[00:08:19.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie gemeint hat, es gibt einen Jungen, dann sind schon alle darauf
eingestellt.

[00:08:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind spürt das. Das Kind nimmt das auf und drückt es aus in dem es das sagt.

[00:08:30.970] – Bemerkung 40
Die Schwester, welche in den Kindergarten kommt, ist eine Prinzessin. Es kommt
immer mit einem rosaroten Kleid und ist sehr auf die Mutter fixiert.

[00:09:02.000] – Bemerkung 40
Die Schwester hat kurze Haare, ein Knaben T-shirt, sie klettert auf die Bäume, etc.

[00:09:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesem Mädchen kann man sagen: du darfst burschikose Sachen tun. Du darfst auf die
Bäume klettern, du darfst Fussball spielen, du darfst wettrennen. Du darfst alles, was
die Knaben machen auch ohne, dass Du einen Penis hast.

[00:09:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es viel mehr Ausgleich. Beide Geschlechte dürfen alles machen.

[00:09:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen dürfen auch Hosen tragen.

[00:09:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich in die Schule gegangen bin, gab es eine Lehrerkonferenz ob wir Mädchen mit
Hosen in die Schule gehen dürfen.

[00:09:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man sich nicht vorstellen heute. So war es.

[00:10:06.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat geheissen: im Winter dürfen wir das, sonst nicht.

[00:10:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man fest unterstützen. Du darfst alles machen, was Knaben machen, auch
wenn du keinen Penis hast. Das ist heute so.

[00:10:19.330] – Bemerkung 41
Ich bin das dritte Mädchen. Meine Mutter war sehr überzeugt, dass ich ein Knabe
werde. Das hat sie mir bis zum Tod nicht verziehen, dass ich kein Knabe bin. Sie hat mir

immer kurze Haare geschnitten und gesagt, dass ich einen Männerberuf erlernen soll.
Meine Mutter wollte einen Mann aus mir machen. Meine Mutter konnte es von mir nicht
annehmen als ich gesagt habe: ich merke du bist enttäuscht, dass ich kein Knabe bin.
Sie konnte das nicht akzeptieren.

[00:11:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder das Konzept von der Erwartungshaltung.

[00:11:28.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Überfokussierte Kinder, die nach vielen nicht erfolgreichen Schwangerschaften auf die
Welt kommen oder wenn jemand stirbt.

[00:11:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das falsche Geschlecht ist auch eine kritische Erwartungshaltung.

[00:11:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern können eine starke Erwartungshaltung haben, was für ein Geschlecht jetzt
das sein muss.

[00:11:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt immer eine Rolle, was sonst noch im System ist. Muss ein Geschäft in der
Familie übernommen werden?

[00:12:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwartungshaltung und dann kommt ein Mädchen auf die Welt.

[00:12:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spürt man.

[00:12:04.490] – Bemerkung 42
Die einzige Chance war, dass die Verwandschaft noch einen männlichen Nachwuchs
produziert.

[00:12:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage kann man das anders machen.

[00:12:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosser Druck.

[00:12:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern, welche diese Erwartungshaltung haben, welche dann nicht erfüllt wird, die
enttäuschte Erwartungshaltung, die nehmen dem Kind das ein Leben lang übel.

[00:12:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern nehmen es sich auch selber übel, dass sie von dieser Vorstellung nicht
wegkommen. Darum konnte ihre Mutter nicht so gut darüber sprechen.

[00:12:44.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Als selber Betroffene ist es natürlich schwierig.

[00:12:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hätte jemand mit ihr sprechen müssen. Vielleicht hätte sie dies auch einfach nicht
zugelassen.

[00:12:59.840] – Bemerkung 42
Ich wollte mit meiner Mutter darüber sprechen. Sie dachte immer, dass ich sie angreifen
würde. Ich fühle mich als Frau und meine Mutter hat mich immer wie einen Mann
behandelt.

[00:13:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat sich ihre Mutter sofort schuldig gefühlt ihnen gegenüber, weil sie Mühe hatte,
das Geschlecht zu akzeptieren.

[00:13:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche ist, wenn ein Kind unerwartet oder unehelich kommt.

[00:13:44.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele uneheliche Kinder tragen die Scham vom ganzen Familiensystem.

[00:13:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter mit diesen unehelichen Kindern haben das sogar noch so gesagt: wegen dir
musste ich, du bist schuld, dass ich das nicht machen konnte. Das ist wahnsinnig. Das
Kind hat nicht selber beschlossen, dass es auf die Welt kommt. Das gibt traumatische
Verhältnisse. Das muss man bearbeiten.

[00:14:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit einer Frau Jahre lang gearbeitet, bis dann ihre Mutter offener über den
Vater reden konnte.

[00:14:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Erwartungshaltungen, welche Projektionen machen auf das Kind, welche
das Kind mit sich trägt.

[00:14:46.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann an dem Kind etwas ändern möchte, dann versteht man die Sache
nicht richtig.

[00:14:52.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Geschichte ein wenig anschaut.

[00:14:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schon sehr gut, dass sie das wissen. Sie haben ganz bewusst gesagt: ich will
jetzt lange Haare haben, ich stehe zu dem.

[00:15:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss sie unterstützen. Nach Möglichkeit, die Kinder nicht rausnehmen. Manchmal
geht es nicht anders.

[00:15:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter mit fünf Kindern macht es mit dem letzten Kind gut. Sie hat ein schwieriges
Kind.

[00:15:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich staune, wie sich die Mutter entwickelt hat innerhalb von einem Jahr.

[00:15:56.790] – Bemerkung 43
Es ist verrückt, dass diese Mutter fünf Kinder haben musste.

[00:15:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Geschichten, wo die Mutter zehn Kinder hatte. Die Kinder wurden ihr immer
weggenommen. Sie hat immer noch ein Kind produziert, damit sie endlich einmal Mutter
sein durfte.

[00:16:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Geschichten, wo die Mutter die ersten vier Kinder weggeben musste, weil
sie so schlechte Umstände hatte. Dann haben sie einen Mann gefunden, der bei ihnen
geblieben ist. Die hatten dann nochmals Kinder.

[00:16:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erste Kind vom zweiten Set hat dann den Auftrag das ganze System zusammen zu
halten.

[00:16:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die macht jetzt ein Familientreffen, wo sie alle ihre Geschwister einlädt.

[00:16:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Die hat von Anfang an den Auftrag gehabt, dass sie dieser Mutter helfen musste,
Zugang zu haben zu ihren älteren Halbgeschwistern.

[00:16:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat gespürt: die Mutter leidet darunter, dass sie so viele Kinder weggeben
musste.

[00:17:01.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat das nicht unbedingt gesagt. Das hat sie mitbekommen, das hat sie
gespürt, bis zum heutigen Tag. Dieses Kind konnte nicht nur ihr eigenes Leben leben,
sondern hatte immer diesen zusätzlichen Auftrag: ich muss die Familie
zusammenhalten. Das ist schwierig.

[00:17:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gearbeitet und alles. Jetzt kann sie nicht mehr arbeiten, sie hat dekompensiert.
Die Versicherung will, dass sie wieder arbeiten geht.

[00:17:36.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat schon eine grosse Arbeit geleistet mit ihren Geschwistern.

[00:17:40.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen jetzt ihre Geschichte verarbeiten. Dort passt das produktive Arbeiten in der
Industrie nicht dazu. Man kann nicht beides zusammen tun.

[00:17:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor war die ganze Geschichte einfach ein wenig verdrängt.

[00:17:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das versteht natürlich keine Versicherung.

[00:18:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kämpfe dann für diese Patienten wie eine Löwenmutter, damit sie nicht mehr unter
die Räder geraten.

[00:18:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand eine psychotische Mutter?

[00:18:14.720] – Bemerkung 44
Wie verhält es sich mit schizophrenen Müttern?

[00:18:41.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychose und Schizophrenie ist für mich das gleiche.

[00:18:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die akute Psychose, wenn es länger geht, dann sagt man das ist eine Schizophrenie.

[00:18:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann genauso gut sagen: akute erste schizophrene Episode. Das nenne ich die
Psychose.

[00:18:58.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Überbegriff der Psychose ist: manisch-depressiv und Schizophrenie. Ich mache
alles unter die Psychose. Ich mache da keinen grossen Unterschied.

[00:19:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand eine schizophrene Mutter?

[00:19:13.470] – Bemerkung 45
lch habe als Stillberaterin eine psychotische Frau mit schizophrenen Episoden
behandelt. Das war so akut, dass sie nicht mit dem Kind zusammen sein konnte. Der
Auslöser, dass sie in die Klinik musste war: im Winter hat die Nachbarin ein 3-4 Wochen
altes Kind in einem Holzkorb vor der Türe gefunden. Sie wollte putzen und das Holz ist
ihr im Weg gewesen. Sie hat das Kind nicht mehr als Kind erkannt. Das Kind war für sie

ein Stück Holz. Somit war das Kind gefährdet. Es ging dann um das abstillen. Sie
musste zwei Mal pro Tag pumpen wegen dem Prolaktinspiegel. Das hat sie längere Zeit
in der Klinik gemacht. Sie kam dadurch viel schneller auf die Beine.

[00:20:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessant.

[00:20:59.780] – Bemerkung 45
Wenn sie das Kind nicht mehr richtig erkennt, dachte ich, dann wird sie beim abpumpen
der Milch nicht richtig mitarbeiten. Das hat sie aber gut gemacht. Es war kein Thema.

[00:21:15.510] – Bemerkung 45
In der Klink waren sie sehr beeindruckt. Dort wollten sie einfach hormonell abstillen. Ich
wollte das nicht. Das hätte ihr den Boden unter den Füssen weggezogen.

[00:21:15.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Stillen ist der Prolaktinspiegel oben geblieben.

[00:21:34.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Schizophrenen gibt man Neuroleptika.

[00:21:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Neuroleptika machen einen Milcheinschuss, erhöhen das Prolaktin.

[00:21:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie das genau geht im Gehirn, in der Hypophyse weiss ich auch nicht recht.

[00:21:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das interagiert miteinander. Das ist sehr interessant.

[00:21:59.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Wissen sie etwas von ihrer Geschichte?

[00:22:00.010] – Bemerkung 45
Sie war eine Brasilianerin und hatte einen viel älteren Mann. Der Mann war Schweizer.
Der Mann war die Chance für ein besseres Leben. Sie kam aus einer Favela. Er war
der reicher Schweizer, der viel, viel älter war. Er hat sie in die Schweiz geholt. Er hat sie
in Brasilien in den Ferien kennengelernt. Er war ein Handwerker. Er war 60 Jahre alt.
Sie war 30 Jahre alt. Das Kind war ein Knabe. Sie hatte Geschwister. Sie wollte ein
besseres Leben haben.

[00:24:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht nach Brasilien, man trifft eine rassige Frau an, die ist toll als Frau und macht
alles, was man will. Sie kommt mit in die Schweiz.

[00:24:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In Brasilien ist sie in einem Kollektiv aufgewachsen. In der Schweiz sind sie oft einsam.
Sie vereinsamen. Es fehlt der Kontakt, das soziale Netzwerk fehlt. Den Schwarzen, den
Türken geht es auch so.

[00:24:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt ein Kind auf die Welt. Sie haben keine Hilfe, keine zusätzliche
Unterstützung. Sie ist dann psychotische geworden.

[00:24:34.080] – Bemerkung 45
Sie war vor der Schwangerschaft bereits drei Mal in Königsfelden, stationär, wegen
einem schizophrenen Schub.

[00:24:49.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissen sie etwas über den Stress, bevor sie schizophren geworden ist?

[00:24:54.190] – Bemerkung 45

Der Mann war besorgt. Es war keine Liebesheirat. Für sie ging es darum: es geht mir
besser in der Schweiz. Er war stolz auf die rassige Frau. Selber war er kein attraktiver
Mann. Er sah alt aus. Es war in einem kleinen schweizer Dorf. Sie war gar nicht
integriert. Ich habe mit ihr brasilianisch gesprochen. Ich habe selber brasilianische
Kinder adoptiert. Mit dem Kind hätte es in der Favela besser geklappt.

[00:25:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war isoliert. Sie hatte mehr Geld und ein schönes WC. Sozial war sie völlig isoliert
und einsam. Das gibt wieder Stress.

[00:26:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab Untersuchungen wo man Menschen in einen schalldichten Raum eingesperrt
hat. Alle sind am Schluss psychotisch geworden. Sie haben angefangen Stimmen zu
hören. Kein menschlicher Reiz, nur sich selber ausgeliefert zu sein, kann zum
Wahnsinn führen.

[00:26:31.230] – Bemerkung 45
Die Nachbarin hat gut reagiert. Das war die einzige Person, welche gegrüsst hat. Im
Dorf hat es wohl geheissen: der alte Mann hat eine junge Brasilianerin nach Hause
gebracht. In der Favela dort lebt es, es gibt viele Leute. Acht Leute leben in einem
Raum. Plötzlich einfach die Isolation. Das war schwierig für sie. Sie wollte nicht
aufhören zu reden. Man merkte, dass sie es wirklich vermisst.

[00:27:08.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie in Königsfelden ein bisschen Favela Situation gehabt?

[00:27:39.330] – Bemerkung 45
Ich bin kein Fan von Königsfelden. Auf der Abteilung wo sie war, das war nicht gut,
nicht herzlich. Ich habe sie nicht suizidal eingeschätzt. Sie hatte eine Kubus Körper, wo
sie darauf schlafen konnte. Keine persönlichen Gegenstände.

[00:27:39.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Vor lauter Angst, dass sie sich etwas antun könnte.

[00:28:23.780] – Bemerkung 45
Sie musste in einem anderen Zimmer pumpen gehen. Das finde ich schlimm. In solchen
Zimmer kann man nicht gesund werden.

[00:28:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hätten sie lieber wieder mit nach Hause genommen. Dann hätte man ihr ein
Rooming-In machen müssen. Dann hätte jemand bei ihr wohnen müssen.

[00:28:58.040] – Bemerkung 45
Sie hat diese Situationen schon gekannt.

[00:29:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine gute Idee, dass sie die Milch selber weiterhin abgepumpt hat. Somit hatte
sie imaginär eine Beziehung zum Kind.

[00:29:17.570] – Bemerkung 45
Die Milch musste man verwerfen, weil sie zu viele Medikamente eingenommen hat. Es
ging mir nur darum, dass der Prolaktinspiegel oben bleibt. Das hat viel gebracht. Das
wirkt auf die Psyche. Das ist ein Mutterschaftshormon. Das gibt Stabilität. Wenn man
den Prolaktinspiegel nur hormonell senkt, kann es eine Psychose auslösen.

[00:29:40.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann also eine Psychose geben, wenn man nur den Prolaktinspiegel zu schnell
senkt.

[00:30:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Prolaktin wirkt offensichtlich stabilisierend, wie die SSRI.

[00:30:21.480] – Bemerkung 45

Ich habe sie soweit begleitet, dass sie das Kind unter meiner Aufsicht oder unter der
Aufsicht des Mannes pflegen konnte. Danach wurde ich ausgeklinkt. Sie konnte das
Kind mehr betreuen und den Kontakt wieder aufnehmen. Der Mann hing an der Familie.
Der Mann wollte sich dann sogar früh pensionieren lassen, damit er dann dem Kind
schauen kann.

[00:30:22.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Brasilien konnte man niemanden Einfliegen lassen? Das wird oft gemacht, dass
eine Schwester oder eine Tante kommt.

[00:31:21.250] – Bemerkung 45
Der Mann hätte das nicht bezahlen können.

[00:31:29.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie Geld nach Hause geschickt?

[00:31:45.530] – Bemerkung 45
Das kann gut sein.

[00:31:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich die Schizophrenie illustriere: die Schizophrenie tritt immer auf, wenn hier
emotional sehr viel Hyperaktivität läuft. Das bringt das Gehirn zum dekompensieren. Sie
hat ihr Kind wie ein Stück Holz gesehen. Sie konnte nicht mehr adäquat reagieren. Das
zeigt, dass das Gehirn nicht mehr funktioniert.

[00:31:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben mit ihrer Massnahme über den Prolaktinspiegel eine Stabilisierung erreicht.
Das ist toll! Das war eine absolut richtige Idee.

[00:32:32.750] – Bemerkung 45
Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Man muss nicht zwei Stunden pumpen.
Der Prolaktinspiegel darf einfach nicht absinken.

[00:33:08.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben über den natürlichen Mechanismus des Körpers, der auftritt wenn man ein
Kind hat, der einem beruhigt, so wie das Oxytocin, das einem beruhigt, haben sie die
Frau stabilisiert. Wenn man einen natürlichen Mechanismus des Körpers verwenden
kann.

[00:33:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor was Ärzte Angst haben, wenn sie eine psychotische, schizophrene Mutter haben, ist
dass die Mütter ihr Kind umbringen, vernachlässigen.

[00:34:03.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Mutter, die psychotisch war. Sie war in Königsfelden, man hat sie nach
Hause geschickt. Dann musste man schauen, ob es dem Kind gut geht. Die
Sozialarbeiterin hat alles für gut befunden. Eines Tags hat sie die Kinder umgebracht.
Die hatte einen Mann, der Alkoholiker war. Sie hatte das Gefühl, dass sie nicht in der
Lage ist, den Kindern zu schauen. Solche Mütter bringen ihre Kinder nicht um, weil sie
den Kindern Böses antun wollen. Sie wollen ihre Kinder eigentlich schützen vor dem
Leben, vor der Mühe des Lebens. Die Frau hat das auch so formuliert. Sie könne die
Kinder nicht betreuen. Deshalb müsse sie die Kinder umbringen um sie vor dem Leid zu
schützen.

[00:34:35.750] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie wir Menschen einen alten Hund einschläfern lassen, wenn wir denken, er muss
zu stark leiden.

[00:35:15.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dachte, ihre Kinder müssten zu stark leiden, sie könne es nicht alleine tun. Ihr Mann
hat ihr nicht geholfen, weil er Alkoholiker war. Sie war so verzweifelt.

[00:35:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gegen aussen hat sie noch alles schön brav gemacht.

[00:35:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie emotional wahrgenommen hätte, hätte man gemerkt, die ist abwesend.

[00:35:36.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychose, die Schizophrenie sieht man immer an den Augen an.

[00:35:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Augen sind oft ängstliche, weit aufgerissene Augen, leer.

[00:35:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erreicht sie nicht recht mit den Augen.

[00:35:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie das schon erlebt?

[00:35:55.250] – Bemerkung 46
Das ist unheimlich.

[00:35:55.660] – Bemerkung 47
Der Fall von Horgen hat auch gezeigt, dass die Mutter ihre Kinder eigentlich beschützen
wollte, vor den männlichen Mitgliedern der Familie.

[00:36:00.270] – Bemerkung 47
https://www.nzz.ch/zuerich/horgen-mord-an-zwillingen-eine-unfassbare-tat-ld.887957

[00:36:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter ihre Kinder umbringt, ist immer die Vorstellung, ich muss die schützen.
Ich muss denen das Leid wegnehmen. Die Mutter glaubt nicht mehr daran, dass die Gut
können aufwachsen können.

[00:36:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil sie es nicht mehr kann, kann es sonst niemand. Im Milieu wo sie herkommt,
getraut sie sich nicht Hilfe zu holen, weisst alles ab und erledigt es dann selbst.

[00:36:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Alleinherrschaft der Mutter, die meint sie müsse alles selber können. Sie darf
keine Hilfe holen, sie macht es lieber selbst und erledigt es auch selbst.

[00:37:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor hat man immer Angst bei den psychotischen Müttern.

[00:37:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt manchmal auch das Gegenteil.

[00:37:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychotische Mütter verwenden manchmal die Kinder auch um sich selber zu
beruhigen.

[00:37:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die laufen dann mit dem Kind Tag und Nacht an der Brust herum.

[00:37:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die stillen ihr Kind Tag und Nacht.

[00:37:33.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein kleiner Mucks geschieht, wird das Kind gleich wieder an die Brust
genommen. Das geht auch nicht. Dann ist die Mutter völlig überfordert.

[00:37:57.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diganose sehen sie an den Augen. Sie merken, man kann die Frau nicht recht
erreichen.

[00:38:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens ist sie auch in ihrer Haltung, in ihren Abläufen ein bisschen steif und ein
bisschen mechanisch.

[00:38:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht je nachdem noch alles mit dem Kind, aber es ist nicht so emotional.

[00:38:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychose und in der Schizophrenie ist man so über erregt, dass man
schlussendlich Gefühle abspaltet. Das ist typisch für die Schizophrenie. Gefühle werden
vom Intellekt und der Handlung abgespalten. Das ist auch wieder ein
Schutzmechanismus.

[00:38:39.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verdrängen ist auch ein Schutzmechanismus. Das Abspalten der Gefühlen ist ein
Schutzmechanismus.

[00:38:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass wenn man mit diesen Personen spricht, dann passen die Gefühle und
die Worte nicht recht zusammen.

[00:38:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen etwas Trauriges, etwas Belastendes völlig kühl.

[00:38:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet über etwas, wo man denkt, das sei eigentlich gar nicht schlimm und sie
brechen dann in Tränen aus, weil in ihrem Kopf ständig etwas abläuft.

[00:39:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher einen blöden Witz gemacht und gesagt: haben sie es nicht gemerkt?

[00:39:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken es schon, sie spüren es. Es ist der leere Blick.

[00:39:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verzweiflung und die totale Verleugnung, es ist alles gut.

[00:39:16.890] – Bemerkung 48
Sie sind auch misstrauisch.

[00:39:33.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben auch immer Angst, dass man ihnen das Kind wegnimmt.

[00:39:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum versuchen sie, so normal wie möglich zu erscheinen.

[00:39:53.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen möglichst keine Probleme haben.

[00:39:55.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie merken, dass man kontrollieren kommt, dann wehren sie noch mehr ab.

[00:39:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Mütterberaterinnen: je nach dem kommt eine Gefährdungsmeldung vom
KESB. Sie bekommen einen Auftrag, dass sie zum Rechten schauen müssen.

[00:39:55.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: erfüllen sie ja nicht den Auftrag der Behörden.

[00:40:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen merken: jetzt kommt die kontrollieren und schaut ob es in Ordnung ist.
Wenn es nicht in Ordnung ist, nimmt man mir das Kind weg.

[00:40:20.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor haben sie Angst.

[00:40:27.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum wollen die Frauen ihnen einen guten Eindruck machen und ihnen zeigen, dass
sie es gut im Griff haben. Dann lassen sie sich gar nicht erst an sie ran.

[00:40:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr erster Auftrag ist immer: die Mutter unterstützen. Nicht den Auftrag vom KESB
erfüllen.

[00:40:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Rapporte verlangt werden, wo sie kontrolliert werden, sagen ich immer: der
Rapport ist nicht wichtig. Wichtig ist ihre Beziehung zur Mutter.

[00:41:00.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen entscheiden, ob sie es noch verantworten können oder nicht.

[00:41:18.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein plötzlicher Entscheid.

[00:41:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine Checkliste, wo sie sagen können: wenn die und die Punkte erfüllt sind,
dann muss ich es melden, wenn nicht, muss ich es nicht melden.

[00:41:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nicht messen. Sie müssen ihr eigenes Gewissen fragen.

[00:41:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ihr eigenes Gewissen sagt: ja, ich habe Vertrauen, wir machen Fortschritte, es
geht, dann erstatten sie den Bericht so, dass es so stimmt.

[00:41:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Angst bekommen und denken, dass es gefährlich wird, wenn sie es selber
nicht mehr ertragen können, wenn sie unruhig werden, dann kommt die andere
Entscheidung. Dann muss es schnell gehen. Wenn die Mutter merkt: jetzt will man mir
das Kind wegnehmen, das ist der Moment, wo die Mutter das Kind umbringen kann.

[00:41:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mütterberaterinnen im Kanton Aargau habe ich oft erlebt, wenn die Mütter
merken, jetzt schaut man kritisch, jetzt überlegt man soll man ihr die Kinder
wegnehmen, wenn sie merken, jetzt wird es gefährlich, dann ziehen sie in einen neuen
Bezirk um.

[00:42:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verschleppen die Brut.

[00:42:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Katzenmütter, wenn man die zu viel stört bei ihrem Muttersein, dann ziehen sie um.

[00:42:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat das jemand schon erlebt?

[00:42:34.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen auch die Menschen Mütter.

[00:42:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann merkt man, jetzt hat sie gemekrt, ich bin kritisch geworden, ich hatte Gedanken,
vielleicht muss ich sie melden.

[00:42:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Wechsel von: ich vertraue ihr, ich gebe ihr alle Unterstützung, hinzu ich muss ihr
das Kind wegnehmen, der muss schnell gehen.

[00:43:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ambivalent hin und her geht, dann merkt das die Mutter und dann verschleppt
sie die Brut.

[00:43:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand von ihnen eine Mutter gehabt, welche die Brut verschleppt hat?

[00:43:48.880] – Bemerkung 49
Mein Mann dachte, die Katze liegt nicht gut und hat die Katze und ihre Kinder gezügelt.
Die Katze ging dann mit ihren Jungen zurück.

[00:43:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann dachte, er weiss es besser, aber die Katzenmutter wusste es besser.

[00:44:08.560] – Bemerkung 50
Die Frau ist 40 Jahre alt. Das Kind ist zweieinhalb Jahre alt, ein Mädchen, verheiratet
mit einem Mann, damit er in der Schweiz bleiben kann. Der Mann ist schwer psychisch
krank und arbeitslos. Der Mann ist aus Deutschland. Sie hat keine gute Beziehung zum
Mann. Es war keine Liebesheirat. Sie hat ein Borderline. Die Frau war drogenabhängig,
hat aber während der Schwangerschaft keine Drogen konsumiert. Sie hat eine sehr
schöne und ehrliche Beziehung mit ihrem Kind. Die Frau hat Mühe mit mir eine
Vertrauensbasis aufzubauen. Sie kommt sich zu mir zeigen, weil sie muss, sie will es
aber nicht tun. Es ist ganz schwierig für mich mit ihr einen Kontakt aufzubauen. Zur
Psychiaterin geht sie regelmässig.

[00:45:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Zweckorganisation. Das Kind muss beiden helfen. Das Kind hat ihr
geholfen von den Drogen weg zu kommen. Ein Kind hat viele Funktionen.

[00:46:53.250] – Bemerkung 50
Eigentlich wäre sie bei einer anderen Psychiaterin gewesen. Sie ging mit ihrem Mann
dorthin. Die Psychiaterin macht auch Vergangenheitsaufarbeitung. Der Mann hat
gesagt: sie sind die einzige Person mit der ich bereit bin meine Vergangenheit
aufzuarbeiten. Die Psychiaterin hat dann gesagt, dass sie nicht auch noch die Frau
behandeln könne und hat ihr eine andere Psychiaterin gesucht. Es hat eine Zeit
gedauert, bis sie zur neue Psychiaterin geht.

[00:46:53.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Haltung der Individualtherapeuten.

[00:47:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche Individualtherapie machen, sehen sich als Advokat von nur einer
Person.

[00:47:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir als Familientherapeuten, Systemtherapeuten, bei uns geht das. Beide können zum
gleichen gehen.

[00:47:44.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Ehetherapie machen sie das auch.

[00:47:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist der Auftrag vom Systemtherapeut, dass er multidirektiv neutral sein kann.

[00:47:45.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um das ganze System.

[00:47:55.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum nur der Advokat für eine Person zu sein.

[00:48:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus meiner Sicht ist das falsch. Man kann dann nicht das System als ganzes
anschauen.

[00:48:23.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das System als Ganzes anschaut, dann dann sollte man an beiden
Geschichten arbeiten können.

[00:48:36.570] – Bemerkung 50
Sie ging auch in die offene Beratung. Sie wollte nur noch in die offene Beratung gehen
um andere Frauen kennen zulernen. Sie fühlt sich nicht wohl im Warteraum mit den
anderen Frauen. Sie sagt schnell: ja es ist alles gut. Sie will sich einfach zeigen
kommen.

[00:48:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissen sie etwas über ihre Suchtkarriere?

[00:49:15.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sucht und Borderline sind häufig zusammen.

[00:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Frauen, welche sogenannt Borderline und Suchtprobleme haben.

[00:49:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange mit Suchtpatienten gearbeitet.

[00:49:52.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sucht war eine zeitlang immer auf den Frontseiten der Zeitungen. Es war ein
Politikum. Viele Sozialarbeiter haben an erster Stelle gekämpft für die armen Süchtigen.
Man wollte auch das Haschisch legalisieren, damit sie nicht kriminalisiert werden.

[00:49:52.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Nach wie vor ist Sucht, Alkoholsucht, Drogensucht, Ess-/Brechsucht eine nicht
akzeptierte Krankheit in der Gesellschaft. Man geniert sich dafür.

[00:50:04.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gut steht sie zu ihrer Suchtproblematik? Steht sie dazu? Geniert sie sich dafür?
Geniert sie sich in der Öffentlichkeit dafür?

[00:50:54.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage das, weil sie nicht mit den anderen zusammen kommen möchte.

[00:50:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand, der eine Suchtkarriere gehabt hat, hat Angst: ich werde stigmatisiert, ich werde
ausgeschlossen von der Gesellschaft.

[00:51:03.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sieht man etwas? Ist sie tätowiert?

[00:51:03.980] – Bemerkung 50
Man sieht es ihr äusserlich an, dass sie eine Suchtkarriere hatte. Sie wohnt im Dorf
auch separat am Hang.

[00:51:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor hat sie Angst, dass alle sie als Drogensüchtige einstufen. Darum will sie mit den
anderen nichts zu tun haben.

[00:51:31.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre ein Thema, welches man mir ihr anschauen muss.

[00:51:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist es zur Sucht gekommen? Wie steht sie jetzt zu ihrer Sucht? Wie stark geniert
sie sich für ihre Sucht in der Vergangenheit?

[00:51:37.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich von der Persönlichkeitsentwicklung schaue, so wie ich bei der Bordline
Persönlichkeit das geschaut habe.

[00:51:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sucht entwickelt sich meistens auch in der Pubertät.

[00:51:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Patienten entwickeln eine Suchtkrankheit auch im Sinne des Ablösungskonflikts.

[00:52:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen einen selbstzerstörerischen Ablösungskonflikt durch.

[00:52:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderliner schneiden sich. Suchtpatienten nehmen Stoff zu sich, um sich abzugrenzen
vom Umfeld.

[00:52:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft hat man ein überengagiertes Umfeld, das zu viel auf den Teenager einredet oder
zuviel von diesem Teenager verlangt.

[00:52:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suchtpatienten sagen einem: ich habe Suchtmittel konsumiert, die/der Mutter/Vater
haben ein böses Gesicht gemacht und dann bin ich gleich wieder gegangen und habe
weiter konsumiert.

[00:52:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sucht erhält ich aufrecht. Sucht wird negativ angeschaut. Die Eltern versuchen es
immer zu kontrollieren, versuchen zu erziehen und das geht nicht.

[00:53:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie gut geht sie mit ihrer ehemaligen Suchtkarriere um? Wie stehen die Eltern dazu?
Wie gut hat sie aufgeräumt oder eben nicht.

[00:53:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
An ihrem Verhalten sieht man es. Sie wohnt am Rande des Dorfes, sie will nicht mit den
anderen Leuten zusammen sein. Sie hat lange, bis sie zu einer neuen Therapeutin
Vertrauen hat. Sie geniert sich sozial.

[00:53:14.120] – Bemerkung 50
Sie sagt: sie hat soviel erlebt in ihrem Leben, sie könne nicht so schnell wieder
Vertrauen herstellen.

[00:53:36.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bleibt bei ihnen?

[00:53:50.850] – Bemerkung 50
Sie kommt einmal zu mir und einmal geht sie in die offene Beratung zur Kollegin.

[00:53:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihr ein Lob geben und sagen: das ist gut, dass sie sich öffentlich zeigen. Das
ist mutig.

[00:54:06.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich der Situation aussetzen zum lernen. Wenn man sich zurückzieht, dann
lernt man nichts. Das ist positiv.

[00:54:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann kann sie es wieder nicht und wovor geniert sie sich?

[00:54:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie geniert sich vor der gesellschaftlichen Verurteilung, vor den blöden Blicken.

[00:54:50.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sie darauf ansprechen.

[00:54:50.910] – Bemerkung 50
Den Kontakt zu ihr suchen?

[00:54:51.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst lobend. Es ist toll, dass sie gekommen ist, obwohl das schwierig ist für sie. Es
geht noch weiter: ist es manchmal auch ein Problem für sie?

[00:54:51.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkt sie, was die anderen denken über sie? Ist Scham mit im Spiel? Geniert sie
sich?

[00:55:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht noch weiter: haben ihre Eltern die Geschichte verarbeitet oder nicht? Wird sie
immer noch verurteilt von ihrer Familie? Hat sie Geschwister?

[00:55:07.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ist tätowiert?

[00:55:07.590] – Bemerkung 50
Sie hat eine Narbe vom Ritzen am Unterarm.

[00:55:18.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei pathologischen Symptomen vergleiche ich mit anderen Ritualen.

[00:55:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Rituale sind kollektivierte Zwänge.

[00:55:47.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt Afrikanische Kulturen, die überall verschnitten sind.

[00:55:51.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Studentenverbindungen muss man Schnitte haben, dann ist man ein Held.
Wenn man im Krieg ist, muss man Kriegswunden haben.

[00:55:52.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann das als lebendiges Kriegswunden anschauen.

[00:56:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihr Symptom allgemeiner anschauen, einordnen in Verhaltensmuster, die
nicht mehr so negativ angeschaut werden.

[00:56:09.770] – Bemerkung 50
Ich war im Januar an einem Punkt, wo ich es am liebsten bei den Behörden gemeldet
hätte, einfach um es von mir wegzuhaben. Ich habe mit der Psychiaterin nochmals
geredet. Die Mutter-Kind Beziehung ist schön.

[00:56:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen selber lernen, eine neutrale, amoralische (nicht unmoralisch), eine nicht
verurteilende Haltung diesen Symptomen gegenüber zu haben.

[00:56:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es mit einem Kult in Afrika vergleicht, ist es nicht mehr so schlimm. Dann ist
es kulturell.

[00:56:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wenn jemand tätowiert war, war es entweder ein Drogensüchtiger oder ein
Matrose. Zu denen hat es gehört.

[00:56:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind so viele tätowiert. Man kann nicht mehr mit diesem Klischee arbeiten.

[00:57:03.330] – Bemerkung 51
Geht es nicht auch um die Verantwortung? Wenn man zu stark kontrolliert, dann ziehen
sie einfach in einen neuen Bezirk um, sie verschleppen ihre Brut. Als Mütterberaterin
trägt man auch viel Verantwortung. Wie können wir uns selber schützen, wenn wir
keinen Auftrag haben? Ich hatte eine Frau, die im Frauenhaus war. Jetzt kommt sie
nicht mehr.

[00:57:27.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr sehr schwierig.

[00:58:25.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipiell sage ich: sie haben nur die Verantwortung für sich, für die Beziehung zu
dieser Frau.

[00:58:32.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Spüren her: ist es gefährlich oder nicht, dazu müssen sie auf ihren Bauch hören,
auf ihre Intuition.

[00:58:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Frau, welche ihre Kinder umgebracht hat, können sie zusätzlich fragen: wie gut
ist sie vernetzt?

[00:58:50.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie Bezugspersonen, wo sie sich akzeptiert fühlt?

[00:58:54.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gar nichts hat, dann wird es gefährlicher.

[00:58:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sie reinholen, wenn sie ganz alleine ist. Dann wird es gefährlicher,
dass sie den Kindern etwas schlimmes antut.

[00:59:06.410] – Bemerkung 52
Bis die Gefährdungsmeldung kommt und man einen Auftrag hat, in der Zeit kann viel
passieren. Wie können wir uns schützen?

[00:59:11.590] – Bemerkung 52
Sich austauschen im Team. Ich habe das beobachtet, empfindest du das auch so?
Nicht das Gefühl haben, dass man es alleine entscheiden muss, tragen muss.

[00:59:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man unsicher wird, ein ungutes Bauchgefühl hat, sollte man sich zuerst mit einer
Kollegin austauschen.

[00:59:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Psychiaterin dran ist, ist sinnvoll, dass man die Psychiater fragt.

[00:59:52.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Tragen der Verantwortung verteilen.

[00:59:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören, was die anderen sagen. Dann muss man wieder in sich selber hören und sich
fragen: wie spüre ich es?

[00:59:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine Checkliste dafür.

[01:00:02.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist bei jedem anders.

[01:00:11.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns ging es um Suizid.

[01:00:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Lässt man ihn zu Hause, weist man ihn ein? Was macht man mit der Verantwortung.

[01:00:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Krankenschwester gefragt: hast du Angst, dass er etwas tut?

[01:00:23.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Krankenschwester gesagt hat: ja ich habe Angst! Dann habe ich das sehr
ernst genommen.

[01:00:28.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Antwort war: nein, ich habe nicht Angst, dann war sie emotional noch dran.
Dann habe ich das auch ernst genommen.

[01:00:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin jemand der relativ viel Risiko eingeht. Ich habe Vertrauen in den Menschen.
Natürlich versuche ist dann auch das Netz so aufzubauen.

[01:00:31.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist bei jedem anders.

[01:00:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer fragen: was ist ihr Gefühl?

[01:00:57.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre Intuition?

[01:00:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind ohnehin nicht verantwortlich für was passiert.

[01:01:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz prinzipiell: sie sind nur für die Beziehung zu dieser Mutter verantwortlich.

[01:01:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ihnen persönlich zu unwohl wird, dann können sie auch keine gute
Bezugsperson mehr sein. Dann müssen sie es melden.

[01:01:07.570] – Bemerkung 53
Vielleicht übernehmen wir zu viel Verantwortung. Wie haben das Gefühl, dass wir dort
helfen müssen.

[01:01:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollte die Verantwortung abgeben, weil sie nicht an sie rangekommen ist. Ich würde
versuchen mehr an die Mutter ranzukommen.

[01:01:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ihnen Techniken beizubringen, damit sie sich getrauen eine Frage zu
stellen.

[01:01:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie sie zuerst loben und sagen: es ist toll, dass sie gekommen sind, das ist nicht
so einfach. Gibt es Momente, wo sie sich nicht getrauen? Was ist dann ihr
Schamgefühl, die Angst vor dem verurteil werden?

[01:01:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch sagen: ja ich verstehe es. Man sieht ihnen auch etwa an. Man muss
nicht lügen und sagen: nein, nein, es ist alles normal.

[01:02:22.380] – Bemerkung 54
Vor so einer Person kann man nicht lügen. Sie durchschaut einem sofort.

[01:02:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Das funktioniert ohnehin nicht.

[01:02:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch sagen: das verstehe ich.

[01:02:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute, welche sie sehen, denken sofort in irgendeinem Klischee.

[01:02:32.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss gegen das Klischee ankämpfen.

[01:02:32.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat eine sehr tolle Beziehung zu ihrem Kind. Sie ist durchaus beziehungsfähig.
Arbeiten wir an dem weiter.

[01:02:45.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann sie Selbstwertgefühle entwickeln und den kritischen Blicken standhalten.

[01:02:45.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war nicht sicher, wo sie von ihnen eingeteilt wird. Darum ist sie auf Distanz
gegangen. Sie hatte Angst, sie könnten sie verurteilen.

[01:02:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das merkt, kann man das auch gleich ansprechen: denken sie, dass ich sie
verurteile, weil man ihnen ansieht, dass sie einmal eine Drogenkarriere hatten? Aha.
Habe ich zuerst in bisschen komisch geschaut?

[01:03:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patienten, die merken das alles.

[01:03:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Waren sie erstaunt, als sie sie gesehen haben?

[01:03:31.750] – Bemerkung 50
Nicht unbedingt. Sie hat mir einen klaren Eindruck gemacht. Ich habe sie auch gelobt
für ihre Beziehung zu ihrem Kind. Die war sehr spontan, nicht gespielt. Ihr Kind
entwickelt sich sehr schön.

[01:03:59.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat auf sie projiziert/gemeint, dass sie damit nicht umgehen können. Deshalb war
sie zurückhaltend.

[01:04:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das spüren, merken, lohnt es sich, das anzusprechen.

[01:04:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich ohnehin immer, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Das sagt einem viel. Das
war auch in der Ausstellung in Lenzburg: zwischen Gefühl und Kalkül.

[01:04:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehe ich auf mein Gefühl oder auf mein/e Intellekt/Berechnung?

[01:04:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Leute denken primär immer: ich werde verurteilt.

[01:04:35.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht sofort durchbricht, laufen sie weiter auf der Schiene: ich bin nicht
so sicher wie die mich anschaut, auch wenn es gar nicht stimmt. Primär sind sie einmal
ablehnend.

[01:04:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie noch mehr Anhaltspunkte?

[01:04:52.820] – Bemerkung 50
Sehr sanft und vorsichtig. Ich muss zuerst wieder den Kontakt herstellen.

[01:05:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gesagt: ich brauche lange bis ich wieder Vertrauen fasse.

[01:05:43.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie fragen: was braucht es für sie, dass sie Vertrauen fassen kann?

[01:05:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das wieder zum Thema machen. Das nicht forcieren, einfach ein wenig zum
Thema machen.

[01:06:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass sie ihr Würmer aus der Nase ziehen möchten. Sie wollen sie
möglichst optimal unterstützen.

[01:06:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr Auftrag ist ihr und dem Kind zu helfen.

[01:06:11.430] – Bemerkung 55
Liege ich falsch, wenn ich die Interaktion zwischen Mutter und Kind anschaue, es
funktioniert alles gut, das Kind entwickelt sich super schön. Das beruhigt mich. Das ist
mir das Wichtigste am Ganzen. Kippt das immer in der Psychose/Depression?

[01:07:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Depressive Mütter können nicht so gut eine Beziehung aufnehmen. Psychotische
Mütter auch nicht gleich gut. Dann muss man etwas tun.

[01:07:49.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Die sehr gute Beziehung kann natürlich auch schlechter werden, wenn das Kind
eigenwilliger ist oder wird und wenn es in die Pubertät kommt.

[01:08:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung kann auch mal sehr gut gewesen sein, sehr eng.

[01:08:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Kind in die Pubertät gekommen ist, ist es nicht mehr die Schmusekatze
gewesen, das gut gewesen ist. Dann hat das die Mutter nicht ausgehalten.

[01:08:27.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen der Frau nicht Angst machen, aber das wäre etwas zum Bedenken.

[01:08:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
War die Beziehung der Mutter auch sehr gut, als sie klein war und wann ist die
Beziehung weniger gut geworden? Wovon war es abhängig?

[01:08:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Einige Mütter sagen: ich hatte eine so gute Beziehung zu meinem Kind. Manchmal eine
fast zu enge Beziehung. Wenn man eine zu enge Beziehung hat, dann hat man Mühe
mit dem Loslassen.

[01:08:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind für einem etwas erfüllt, das man sonst nicht hat, wie zum Beispiel, die
Vertraute, weil der nicht richtig zuhört, oder weil irgendetwas anderes ist, oder weil man
mit seinem Vater Problem oder der eigenen Mutter Probleme hat, dann muss das Kind
zu viel tragen.

[01:09:10.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo das Kind soviel tragen muss für einem, wenn es dann in die Pubertät
kommt und sich eigentlich ablösen und erwachsen werden sollte, dann darf es das
nicht.

[01:09:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es Schwierigkeiten. Dann wird festgehalten. Dann kann sich das Kind nicht
genügend entwickeln.

[01:09:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob hier so etwas stattgefunden hat oder nicht. Es kann sein.

[01:09:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf solche Dinge ist man dann ein wenig hellhörig.

[01:09:47.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können schon als Mutterberaterin, wenn da so eine enge, gute Beziehung ist,
können sie auch immer darauf schauen und auch Fragen: was hat sie für sich? Was
macht sie für sich? Hat sie ein Hobby?

[01:10:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jeweils diesen Frauen, die depressiv sind und sogenannt eigentlich nichts für
sich haben, sage ich: was machen sie nur für sich, das überhaupt keinen Nutzen hat für
irgendjemanden? Etwas nutzloses, aber einem bringt es etwas.

[01:10:18.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft ist unglaublich nützlich und leistungsorientiert.

[01:10:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss ihnen wie die Erlaubnis geben, dass sie etwas machen dürfen, das nur ihnen
etwas bringt und sonst gar niemandem.

[01:10:28.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man schon hier tun, wenn sie das kleine Kind hat.

[01:10:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
So spuren sie schon ein bisschen die Ablösung in der Pubertät vor.

[01:10:29.038] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat noch das Problem mit dem schwer kranken Mann? Wie läuft diese Beziehung?

[01:10:29.110] – Bemerkung 50
Ihr würde es besser gehen alleine mit dem Kind ohne den Mann dabei zu haben.

[01:10:55.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist eine Übermutter. Sie hat ihren Mann und ihre Tochter. Sie muss beide bemuttern.

[01:10:55.320] – Bemerkung 50
Er hat jetzt psychiatrische Hilfe angenommen.

[01:11:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon mal eine Entlastung für die Mutter.

[01:11:23.900] – Bemerkung 50
Darum hat sie sich eine neue Therapeutin gesucht.

[01:11:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ihre Therapeutin für den Mann geopfert. Das ist nicht so gesund. Sie ist ihm
gegenüber mütterlich gewesen.

[01:11:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sieht sie ihre Rolle ihrem Mann gegenüber? Hier muss man aufpassen, dass man
nicht sagt, dass sie sich von ihm trennen muss.

[01:11:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus was heraus hat sie eine Beziehung mit ihrem Mann angefangen? Was für eine
Rolle hat sie ihm gegenüber? Eine mütterliche? Was für eine Rolle hat er ihr
gegenüber?

[01:11:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht wurde sie von ihren Eltern verurteilt, weil sie eine Drogenkarriere hinter sich
hat. Vielleicht hatte sie als Teenagerin eine sehr verantwortungsvolle Rolle, die dann
schief gelaufen ist.

[01:12:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie ihrem Mann aus der Patsche hilft, ist sie wieder besser.

[01:13:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine heikle Aufgaben.

[01:13:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Später kann man fragen, wie lange sie die Rolle noch aufrecht erhalten möchte. Ist das
nicht auch eine Belastung für sie?

[01:13:14.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was tut sie nur für sich?

[01:13:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine gute Tat für ihn.

[01:13:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Kind muss sie etwas machen, das ist klar.

[01:13:46.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie regeneriert sie selber?

[01:13:46.240] – Bemerkung 56
Sie hat 100% IV.

[01:13:46.350] – Bemerkung 50
Sie hat noch Tiere. Das ist ihre Welt. Die lässt sie sich nicht nehmen. Er meint, das sei
zu teuer, der Unterhalt der Tiere. Sie betreut das Pferd.

[01:14:26.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Leute gehen gerne mit Tieren um und können es auch gut. Vom sensiblen her
spüren sie die Tiere gut. Das Tier kann einem nicht erziehen. Es hat keine Theorie im
Kopf. Es hat keine Ethik. Es sagt nicht du sein musst.

[01:14:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Tier falsch behandelt und man einen Fehler macht, dann gibt einem das
Tier schon eine Rückmeldung. Es wirft einem ab, es beisst einem.

[01:14:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine direkte Rückmeldung.

[01:14:53.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: wie viele Erwartungen waren ihr gegenüber vorhanden? Erwartungen,
welche sie nicht erfüllen konnte. Das Pferd hat keine Erwartung an sie. Das freut sich
wenn sie kommt.

[01:15:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat nicht sofort die Beziehung zu ihnen hergestellt. Sie hat vielleicht auf sie
projiziert: die hat Erwartungen an mich, welche ich nicht erfüllen kann.

[01:15:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer hinauf fragen: hatte ihr Vater, hatte ihre Mutter versteckte
Erwartungshaltungen an sie gehabt, welche sie nicht erfüllen konnte? Wie ist das für sie
gewesen?

[01:15:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die enttäusche Erwartungshaltung der Erzieher, das haben sie erlebt, weil sie kein Bub
gewesen sind, das ist ein Kreuz.

[01:15:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz schwierig.

[01:15:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat sich aufgewertet, in dem sie jemanden mit einer schwierigen Kindheit
aufgenommen hat wie ein Patient/Bettler.

[01:16:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie zwei Abhängige.

[01:16:06.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie Leute hat, die von ihr abhängig sind, hat sie ihr Abhängigkeitsproblem von
den Drogen im Griff.

[01:16:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie entsteht die Drogensucht?

[01:16:40.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Drogensucht entsteht meistens in der Pubertät.

[01:16:40.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat einmal zu mir gesagt: wissen sie, der Alkohol ist meine Mutter.

[01:16:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Pubertierenden, welche in die Drogen hineingehen, haben die Vorstellung: die
Hassen ihre Abhängigkeit der Eltern und tauschen dann die Abhängigkeit von ihren
Bezugspersonen gegen die Abhängigkeit von einer Substanz ein.

[01:17:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haltung ist: die Substanz habe ich immer im Griff, das kann ich steuern.

[01:17:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Eltern kann ich nicht steuern.

[01:17:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht. Schlussendlich hat einem die Substanz im Griff, auf eine blöde Art
und Weise. Es ist dann ein selbstzerstörerischer Ablösungskonflikt. Gesünder wäre es,
sich mit den Eltern auseinanderzusetzen.

[01:17:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man mutet sich das nicht zu, entweder weil die Eltern zu stark sind oder mit zu
schrecklichen Mitteln kämpfen, so dass man es einfach nicht aushält.

[01:17:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen man ein Geno-Ökogramm aufzeichnet sieht man immer wo die Lücken sind und
wo etwas fehlt. Sie hatte sicher eine konflikthafte Beziehung.

[01:17:36.210] – Bemerkung 57
Bei mir geht es um das Methadon Programm. Früher hat sie Drogen gespritzt. Sie hat
jetzt das zweite Kind. Beim ersten Kind ist sie in der Schwangerschaft auf das
Methadon Programm umgestiegen. Sie hat nach dem ersten Kind versucht komplett
von den Drogen wegzukommen und hat es nicht geschafft. Es ist eine junge Mutter, die
ganz süss mit dem Kind umgeht. Sie reagiert auch adäquat. Sie ist sehr gepflegt. An
ihren Händen sieht man ihre Vergangenheit. Es gibt Momente in der Beratung wo sie
zusammenbricht. Sie hat eine schwierige Beziehung zu den Eltern. Die Mutter

akzeptiert nicht, dass sie nicht von den Drogen wegkommt. Der Vater sagt nichts zu
dem Thema. Der ist verstummt.

[01:19:53.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater hat wohl einen Beziehungsabbruch gemacht. Die Mütter leiden noch und die
Väter wollen gar nichts mehr damit zu tun haben.

[01:20:29.370] – Bemerkung 57
Sie leidet darunter, dass ihre ältere Schwester sie nicht akzeptiert. Sie suchen einander
immer wieder. Der Konflikt ist vorhanden wegen den Drogen. Sie hat eine starke
Beziehung zu den Eltern von ihrem Partner. Die Eltern vom Partner hüten auch ab und
zu die Kinder. Dort wird sie vor allem getragen. Der Partner von ihr hat es nicht so gut
mit seinen Eltern. Sie sucht immer den Kontakt zu den Eltern von ihrem Partner. Das
wird akzeptiert. Er arbeitet bei einem Beerdigungsinstitut. Er ist Bestatter. Die Eltern von
ihr sind pensioniert.

[01:22:16.180] – Bemerkung 57
Die Beziehung zu den Kindern ist wunderschön im Moment. Sie ist IV abhängig. Sie
kriegt wegen den Kindern Sozialgeld. Dem Vater wurde Druck gemacht, dass er die
Kinder anerkennen muss. Er muss bezahlen für die Kinder. Sie sind nicht verheiratet.
Sie bekommt mehr Geld, wenn sie nicht verheiratet sind und wenn er die Kinder nicht
anerkennt. Es sind zwei Knaben.

[01:22:16.460] – Bemerkung 57
Ab dem 1.6. 2014 gibt es ein neues Gesetz.

[01:23:25.480] – Bemerkung 57
Deshalb sind die beiden aneinander geraten.

[01:24:12.050] – Bemerkung 57

Ich bin froh, dass die Sozialarbeiterin dabei ist. Der Hausarzt gibt ihr Methadon. Er ist
voll tätowiert. Ich begleite beide, nehme ihre Anliegen an. Muss ich dort noch etwas
mehr unternehmen?

[01:24:12.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun. Sie machen das gut.

[01:24:51.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können noch Fragen stellen oder Dinge sagen.

[01:24:56.520] – Bemerkung 58
Nimmt er auch Drogen?

[01:25:02.500] – Bemerkung 57
Nein. Er ist davon gekommen.

[01:25:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sind beides Kinder, welche dem Teufel von der Karre gefallen sind.

[01:25:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern vom Vater akzeptieren die Mutter, weil es dort Kinder gibt. Die Enkelkinder
sind nochmals eine Chance um tolle Jungs aufzuziehen.

[01:25:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie will von ihrer älteren Schwester akzeptiert werden.

[01:26:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das älteste Kind trägt immer die Traditionen weiter. Man muss es recht machen. Sie
sind das Sprachrohr der Eltern.

[01:26:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz

Die jüngeren probieren eher aus und machen auch Dinge falsch.

[01:26:16.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jüngere konnte flexibler und lockerer sein. Sie war zu locker und hat Drogen
ausprobiert.

[01:26:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sie mal fragen: wie stark meint die Schwester, dass sie die Haltung der
Eltern vertreten muss? Deckt sie sich mit den Eltern oder hat sie eine eigene Haltung?

[01:26:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in einer Familie eine Krankheit auftritt, werden meistens die gesunden
Geschwister verwendet um das jüngere Geschwister wieder auf den richtigen Weg zu
bringen. Das geht nicht.

[01:26:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: auch Fachleute haben immer wieder den Fehler gemacht, dass sie
gemeint haben, sie müssten das Suchtleiden selber kontrollieren können Verantwortung
darüber nehmen.

[01:27:36.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste den Fachleuten beibringen: wir dürfen nicht Co-Süchtige werden. Wenn wir
uns ständig um die Sucht kümmern, sowie es die Mutter macht, dann sind wir co-
süchtig.

[01:27:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist das Wichtigste, dass man lernt die Verantwortung beim Süchtigen zu lassen.

[01:27:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suchtkrankheit kann nicht geheilt werden über Kontrollen und Erziehung und
Aussagen wie: du solltest das nicht tun, Moralpredigten usw. Das geht nicht. Sonst ist
man co-süchtig.

[01:27:58.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf sagen: es ist nett von dir, dass du dich um mich sorgst in Bezug auf meine
Drogensucht, mein Methadon; aber nur ich alleine kann das lösen.

[01:28:25.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem du mich immer wieder fragst, Druck auf mich aufsetzt, wird nur meine Sucht
verstärkt. Du hilfst mir in keiner Weise.

[01:28:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht sagen: hör mal auf, frag mich nicht immer, du machst mich sauer. Man
muss es kontrolliert, ruhig und überlegen sagen. Das können sie mir ihr ein wenig
anschauen.

[01:28:38.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann es zuerst der älteren Schwester sagen. Dann kann sie es der Mutter sagen.

[01:28:56.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, die ältere Schwester ist immer noch eingespannt im Rahmen der Eltern,
dass sie da das Kind, ihre jüngere Schwester auf der rechten Weg bringen muss.

[01:29:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nett von dir, dass du dich um mich kümmerst, das muss man anerkennen, aber
es geht nicht. Ich muss es selber tun.

[01:29:06.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fachperson würde ich zu ihr sagen: Methadon ist eine legalisierte Sucht. Man hat
sie in die Bahnen gebracht. Über das Methadon wird man auch an ein Programm, an
einen Hausarzt, an eine Apotheke gebunden. Das sind Bezugspersonen. Wenn diese
Personen professionell sind, dann dürfen sie nicht moralisieren, im Gegensatz zur
Mutter die immer noch moralisiert.

[01:29:25.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen alle Suchtthrapeuten lernen. Ich darf nicht moralisieren.

[01:29:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf eine Borderline Patientin nicht erziehen.

[01:30:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Symptom und es liegt beim Patienten bei der Patientin.

[01:30:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich sicher genug fühlt, mit dem Methadon aufzuhören.

[01:30:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen: es kommt nicht darauf an, wie schnell sie es aufhören. Wichtig ist, dass
wenn sie es aufhören wollen, dass sie innerlich sich bereit fühlt, sicher genug fühlen.

[01:30:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sucht ist ein Abhängigkeitsproblem. Man tauscht die Beziehung, die Abhängigkeit von
der wichtigen Bezugsperson aus gegen einen Stoff.

[01:30:34.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf den Stoff erst absetzen, wenn man sich stark genug fühlt. Man darf den Stoff
nie absetzen weil die anderen drängen. Das geht nicht, das funktioniert nicht.

[01:30:39.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Rauschmittel absetzt um es der Mutter Recht zu machen, funktioniert es
sicher nicht.

[01:30:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man der Mutter sagen.

[01:31:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind völlig neutral, sie sind nicht ehrgeizig, dass sie ihre Drogen schnell absetzt. Sie
dürfen ihr das Wissen geben: es wird erst abgesetzt, wenn sie sich sicher fühlt.

[01:31:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche mache ich bei den Antidepressiva. Wenn sie wollen, dann begleite ich sie.
Wenn sie noch nicht sicher sind, dann setzen wir es noch nicht ab.

[01:31:06.660] – Bemerkung 58
Sie hat 10 Milligramm Methadon.

[01:31:39.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist sie nahe am absetzen. Das ist ihre Krücke. Das ist eigentlich nichts.

[01:31:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fragt sich auch immer: wie geht es mir, wenn ich kein Methadon mehr nehme?

[01:31:47.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ihr sagen: sie können das Methadon so lange nehmen, wie sie finden, dass
sie es nötig haben.

[01:31:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte auch therapeutisch mit ihr arbeiten, damit sie ein besseres Selbstwertgefühl
bekommt, selbstsicherer wird, damit sie es nicht mehr braucht.

[01:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit Süchtigen arbeite, arbeit ich nie daraufhin, dass sie das Mittel loswerden.

[01:32:15.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere sie zu unterstützen, dass sie stärker werden, dass sie es nicht mehr als
Krücken brauchen.

[01:32:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine positive Motivation.

[01:32:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas nicht mehr zu tun ist keine gute Zielsetzung. Etwas mehr machen, damit man
das andere nicht mehr braucht, ist eine gute Zielsetzung.

[01:32:26.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie fragen: wie stärkt sie sich, ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstbewusstsein,
damit sie das Methadon irgendwann nicht mehr braucht.

[01:32:36.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf ihr das niemand aus der Hand reissen.

[01:32:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Eltern gesehen ist das nichts, 10 Milligramm. Das ist eine Minimaldosis, aber es
hat einen symbolischen Wert.

[01:32:48.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange sie das noch nimmt, geht sie noch in die Apotheke, sie geht zum Hausarzt, sie
ist eingebunden in Beziehungen.

[01:32:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie fragen: welche Beziehung hast du zur Apotheke, zum Hausarzt? Wie
steht er zu ihr?

[01:33:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann die Apotheke immer noch besuchen, den Hausarzt sowieso. Es ist eine innere
Haltung, ob sie es erträgt oder nicht.

[01:33:15.940] – Bemerkung 59
Kommt es häufig vor, dass die letzten Milligramm, die Krücken noch lange bleiben? Ich
hatte jetzt eine Abklärung mit einer Mutter, wegen einem Morphium Derivat. Sie hat das
Methadon nicht ertragen und ist dann in ein Co-Programm gekommen. Sie hat schon
lange eine kleine Dosis. Die macht viel aus.

[01:33:48.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist häufig so, dass sie lange, lange dabei bleiben, weil sie einfach Angst haben.
Das ist eine psychische Abhängigkeit. Sie haben Angst, sie können es nicht prästieren,
wenn das weggeht.

[01:34:03.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde niemals jemanden dazu drängen es wegzugeben.

[01:34:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn er sich wirklich sicher genug dazu fühlt.

[01:34:08.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist rein suchtmässig bereits an einem guten Ort. Sie braucht halt noch diese Krücke.

[01:34:23.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das Ritual.

[01:34:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie braucht das Ritual vom holen gehen um sich sicher zu fühlen.

[01:34:24.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die chemische Wirkung ist gar nicht mehr so stark.

[01:34:25.360] – Bemerkung 58
Das hat mir sehr geholfen, Danke.

[01:34:35.200] – Bemerkung 60
Gibt es einen Zusammenhang wie die Beziehung zu den Eltern aufgearbeitet wurde?
Jemand, der die Beziehung zu seinen Eltern aufgearbeitet hat, hat eher die Chance um
sein Rauschmittel komplett abzusetzen.

[01:34:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Theorie und meine Erfahrung.

[01:34:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich erwachsene Menschen habe, die nicht aufgearbeitete Dinge mit ihren Eltern
haben, arbeite ich an erster Stelle an dieser Aufarbeitung. Das gibt unheimlich mehr
Selbstsicherheit.

[01:35:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Süchtige sind oft sehr sensibel. Sie haben Angst vor der Aufarbeitung. Sie haben Angst
vor der Re-Traumatisierung.

[01:35:28.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Süchtigen wieder etwas angehen, dann kommt die Mutter oder der Vater
wieder. Dann ist es unsere Aufgabe als Therapeuten sie zu stützen, damit sie das
aushalten. Sie sollen nicht gleich wieder flüchten.

[01:35:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtverhalten ist eine chemische Flucht aus Angst vor Verletzungen.

[01:35:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir aufarbeiten können, müssen wir durch gewissen Verletzungen durch. Es ist
die Aufgabe des Therapeuten, diese Leute zu stützen, damit sie die Verletzungen
aushalten. Wenn man die Verletzung ausgehalten hat, dann ist man stärker.

[01:35:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Was mich nicht umbringt macht mich stärker.

[01:36:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern schon gestorben sind, mache ich die Aufarbeitung in dem ich den
Leuten sage, dass sie einen Brief schreiben sollen. Einen Brief an die Mutter schreiben
und einen Brief an den Vater schreiben.

[01:36:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie auch fragen: was stört sie am meisten an der Mutter? Was ärgert sie am
meisten an der Mutter? Was verletzt sie am meisten? Wenn die Mutter was sagt? Wenn
sie wie schaut? Es kann auch non-verbal sein.

[01:36:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was stört sie am Vater? Der Vater scheint sie zu negieren. Der sagt schon gar nichts
mehr.

[01:36:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Um wieder mit dem Vater in Kontakt zu kommen, kann sie über irgendetwas mit dem
Vater sprechen. Was ist deine Meinung zu dem?

[01:37:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie den Vater um seine Meinung fragt, fühlt er sich wertgeschätzt. Dann kann er
ihr auch wieder Wertschätzung geben.

[01:37:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Suchtpatienten dreht sich immer alles um den Stoff, die Sucht.

[01:37:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Eltern: nicht mehr über den Stoff sprechen sondern über etwas anderes
sprechen.

[01:37:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Halten sie die Patientin dazu an, dass sie den Vater einmal um seine Meinung bittet.

[01:37:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch fragen, was hat es da noch für Süchte gegeben hat. Dann fragt man
Symptom spezifisch.

[01:37:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie aktiv auf den Vater zugeht. Sie soll nicht warten, bis er einen
blöden Blick auf sie wirft.

[01:37:49.840] – Bemerkung 61
Ich nehme die Herausforderung an.

[01:38:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können zusammen aushecken, was sie den Vater fragen können. Dann diskutieren
sie das wieder zusammen. Wie tratschen zusammen. Sie sind dann eine ältere
Schwester zu ihr.

[01:38:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sucht es immer wieder.

[01:38:28.050] – Bemerkung 61
Ja, ich staune auch immer wieder. Sie erzählt es auch immer wieder in der Beratung,
das sie es versucht hätte mit der Schwester und die Schwester hätte wieder gesagt und
moralisiert und dass sie nicht schön angezogen ist.

[01:38:50.500] – Dr.med. Ursula Davatz
All das Zeugs.

[01:38:50.660] – Bemerkung 62
Was mich beschäftigt ist die Rolle der Eltern zu ihren Kindern. Die Kinder haben
stationär einen Entzug durchgemacht. Wurden die Kinder von Anfang an begleitet?

Meine Mutter hat viele Schuldgefühle, dass sie dem Kind den Entzug zugemutet hat.
Ich als Beraterin muss sehr weit zurück stehen. Ich finde das sehr anspruchsvoll. Privat
ist das für mich sehr schwierig.

[01:39:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist so.

[01:39:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Problem bei der Sucht. Die Sucht ist eine Krankheit, die sozial nicht sehr
akzeptiert ist. Man hat die Haltung: die muss einfach die Substanz nicht nehmen, dann
wäre alles in Ordnung. So einfach ist es nicht.

[01:39:53.610] – Bemerkung 63
Ich habe eine Frau begleitet, die während ihrer Herionabhängigkeit ihr erstes Kind
bekommen hat. Während der Behandlung ist sie wieder schwanger geworden. Sie hat
sich dann zu einem Abbruch entschieden. Ich habe sie als Schülerin begleitet. Der
Gynäkologe hat sie wie der letzte Dreck behandelt, als Junkie. Ich bin gegen
Abtreibung. Sie hat sich dafür entschieden. Das war schwierig.

[01:42:59.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder einmal da sind, dann sind sie da. Dann sind sie eine Realität und mit
der muss man umgehen. Alle Theorie muss dann in den Hintergrund.

[01:43:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind so resistent, sonst hätten wir gar nicht überlebt als Spezies. Die mögen viel
ertragen. Der Entzug von dem Heroin ist etwas Chemisches und ist weniger schlimm
als wenn ein Kind von Anfang an der grosse Retter der ganzen Welt sein muss, weil
man soviel auf das Kind auflädt. Es ist nur etwas chemisches, der Entzug.

[01:43:00.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist: Was hat eigentlich die Substanz für einen Stellenwert?

[01:43:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suchtmittel haben immer die Funktion uns ein gutes Gefühl zu gegeben, anstatt,
dass wir über eine Beziehung über etwas das wir machen, wir uns ein gutes Gefühl
holen.

[01:43:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie lernt sich selber ein gutes Gefühl, eine Befriedigung zu geben, dann wird das
sekundär.

[01:43:23.370] – Bemerkung 64
Man muss ihnen auch etwas zutrauen.

[01:43:23.970] – Bemerkung 64
Ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, wo der Mann im Methadonprogramm
gewesen ist. Er hatte eine schwierige Kindheit. Die Frau kommt aus einem Alkohol
Haushalt mit Messi-Charakter. Sie sagt, sie kommt nicht mehr zur Waschmaschine. Ich
habe ihr ganz viel Vertrauen geschenkt. Ich habe sie gefragt, was sie bis zum nächsten
Mal bewältigen kann? Innerhalb von sechs Monaten haben sie mit der Renovation vom
Haus begonnen. Das Haus kennt man nicht mehr. Sie haben niemanden mehr zur
Haustüre rein gelassen. Sie hatten Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen
werden. Er hatte eine sehr schwierige Kindheit mit sehr schlimmen Behörden. Heute
macht er mit grosser Freude die Türe auf, wenn ich komme. Alles nur weil ich sie
bestätigt habe in der Art und Weise wie sie mit ihren Kindern umgehen können.

[00:00:00.500] – Bemerkung 65
Sie sprechen jetzt sogar vom Haus renovieren.

[00:00:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben sie absolut recht.

[00:00:14.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist erstaunlich, wenn man positiv denkt, ihnen etwas zutraut, Freude an kleinen
Dingen haben kann. Das kann motivieren. Das überträgt.

[00:00:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Angst hat, kann sich das auch übertragen.

[00:00:25.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen eine professionelle Beziehung zu ihren Klienten haben.

[00:00:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Beziehung wirkt Wunder.

[00:00:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann kann es nicht vorspielen. Man muss es in sich tragen. Dann kann das sehr sehr
viel bewirken.

[00:00:42.430] – Bemerkung 66
Er ist praktisch am ganzen Körper tätowiert. Ich habe auch gesehen, dass er einen
schönen Umgang mit den Kindern hat. Ich habe die Tätowierungen ausgeblendet und
er hat langärmlige T-Shirts angezogen, damit man es nicht so sieht. Jetzt kommt er im
kurzarm T-shirt und kann so sein wie er möchte. Es ist nicht meine Welt, aber ich muss
es tolerieren.

[00:01:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen es auch nicht verurteilen.

[00:01:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zum System haben können, auf eine gute, positive Art, ohne
dass sie Druck aufsetzen müssen, ohne dass sie Angst haben, dass alles schief läuft,
dann hat das eine grosse Wirkung. Das ist so.

Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät, Teil 2

Vortrag 2:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

6.9.2014
Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS/ADS in der Pubertät
Audio

[00:00:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte mich als Erstes entschuldigen.

[00:00:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Toilette gesucht und mich auf dem Rückweg verirrt.

[00:00:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Patientin, die ist von der Bezirksschule im Kanton Aargau in die
Kantonsschule gegangen und hat am ersten Tag die Toilette nicht gefunden. Dann hat
sie so eine Panik gemacht, dass sie psychotisch geworden ist und nie mehr die
Kantonsschule besuchen konnte.

[00:00:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine andere Geschichte.

[00:00:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Delinquenter, der gerade aus dem Gefängnis gekommen ist, in New York, der ging
in eine Bar und wollte dort die Toilette benutzen.

[00:00:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Barbesitzer hat gesagt, nein, das darfst du nicht.

[00:00:59.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ging er in den nächsten Waffenladen, hat eine Pistole gekauft, ist
zurückgegangen, hat den erschossen.

[00:01:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe weder die Kantonsschule nicht gemacht, noch habe ich jemanden erschossen,
aber ich bin zu spät gekommen.

[00:01:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Schweiz natürlich etwas ganz Schlimmes.

[00:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder machen nicht immer alles so ganz richtig.

[00:01:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gehört, man darf Ausnahmen haben und alles ist okay.

[00:01:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch etwas zu meiner Person.

[00:01:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:01:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Erwachsenenpsychiatrie gelernt.

[00:01:38.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich berate sehr viele Eltern von ADHS/ADS Kindern, Eltern von Pubertierenden.

[00:01:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite schon lange mit der ELPOS zusammen

[00:01:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
[ Die ADHS-Organisation elpos Schweiz. unterstützt. berät. vernetzt. informiert ]

[00:01:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin eine Spezialistin im Gebiet ADHS/ADS, auch bei den Kindern.

[00:01:56.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich führe im Kanton Aargau eine Gruppe für Eltern von ADHS Kindern. Die findet jeweils
einmal pro Monat am Donnerstag statt. Man findet die Kurse auch auf https://ganglion.ch

[00:02:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde diesen Vortrag aufnehmen und dann auf meine Webseite laden.

[00:02:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin verheiratet, habe drei erwachsene Kinder und bin viermal Großmutter.

[00:02:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt aber zum Thema.

[00:02:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Zeiten von Sigmund Freud haben er und seine Nachfolger gesagt: die wichtigste
Zeit der Entwicklung sind die ersten drei Jahre.

[00:02:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Während diesen drei Jahren werden alle möglichen Traumatas gesetzt und das macht
dann die psychiatrische Krankheit.

[00:03:03.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Teil von dem wird noch verwendet, aber nicht mehr so viel.

[00:03:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, eine ganz wichtige Zeit, in der sich psychiatrische Krankheiten entwickeln, ist
die Pubertät.

[00:03:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät, das ist die Zeit, wo die Eltern schwierig werden.

[00:03:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, die Eltern werden vom Sockel gestoßen, das Kind, der Jugendliche, die
Jugendlichen müssen ihre eigenen Wertvorstellungen finden, ihre eigene
Verantwortung übernehmen.

[00:03:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht natürlich nicht so ohne weiteres. Das ist eine Umwandlungsphase, eine ganz
wichtige Entwicklungsphase.

[00:03:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der psychiatrischen Krankheiten nehmen dort ihren Anfang.

[00:03:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum ist es so wichtig, dass man in der Pubertät mit den Kindern gut umgeht.

[00:03:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss etwas Kompetenz habe, wie Jugendliche zu handhaben sind während der
Pubertät.

[00:03:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas ganz Wichtiges, während dieser Phase ist die Kontrolle, die Handhabung der
eigenen Gefühlswelt.

[00:04:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sie auch der Titel von diesem Referat.

[00:04:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lerne ich mit meinen Emotionen umzugehen?

[00:04:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus der Neurobiologie weiß man heutzutage, dass in dieser Phase sich auch das
Gehirn umgestaltet.

[00:04:21.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein komplexes Organ.

[00:04:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige es das Gehirn mittels meiner Hand.

[00:04:26.206] – Dr.med. Ursula Davatz
[ https://www.youtube.com/watch?v=gm9CIJ74Oxw ]

[00:04:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ganz einfaches Hirnmodell, das habe ich vom Amerikaner, Dr. Daniel Siegel gelernt.

[00:04:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Großhirn, die Hirnrinde wären meine Finger, der Daumen ist das limbische System,
das ist für das Emotionale, ist für die Emotionen zuständig. Mein Handgelenk und
dahinter wäre das Motorische Gehirn, das sind die Gehirnzentren, die automatisch
funktionieren und die zuständig sind für alle unsere Körperfunktionen. Das limbische
System, der Daumen, ist da mitten im Hirn.

[00:05:01.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist sehr vernetzt mit allen anderen Hirnteilen und über dieses
läuft die Regulation der Gefühle und natürlich dann auch die Regulation der
Wahrnehmung.

[00:05:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in schlechter Laune bin, dann sehe ich alles negativ.

[00:05:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich negative Gefühle habe, dann färbt sich meine Wahrnehmung negativ.

[00:05:23.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich positive Gefühle habe, dann färbt sich meine Wahrnehmung eher positiv.

[00:05:30.930] – Dr.med. Ursula Davatz
So ganz einfach ausgedrückt.

[00:05:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen, ihre Gefühle zu regulieren, das sind so integrative
Zentren, die sind alle miteinander verbunden.

[00:05:45.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System, das Emotionshirn, ist verbunden mit dem Denken.

[00:05:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Denken und Fühlen geht ineinander.

[00:05:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In Lenzburg im Stapferhaus war vor kurzem eine Ausstellung über Entscheiden.

[00:06:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie irgendjemand gesehen?

[00:06:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man auch sehen können oder lesen können: die Entscheidung läuft
schlussendlich immer über das Gefühl.

[00:06:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich gern, nein, das stoße ich ab.

[00:06:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System etwas abstoßt, dann wird nichts mehr gelernt.

[00:06:22.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht nur kognitiv im Großhirn lernen.

[00:06:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man braucht dieses limbische System für die Motivation, man braucht es für die
Energie.

[00:06:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man depressiv ist, ist das runtergefahren.

[00:06:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, dass sie lernen,
ihre Gefühle zu handhaben und auch immer wieder zu regulieren, sind sie angewiesen
auf ein gutes, tragfähiges Umfeld.

[00:06:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht sehr tragfähig ist, wenn im Umfeld schon viele Probleme
vorhanden sind, die Mutter instabil, der Vater instabil, arbeitslos und so weiter, dann
getraut sich dieses junge Individuum nicht, seine Emotionen zu leben.

[00:07:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zu leben, nicht auszuleben.

[00:07:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen sind ja dadurch gekennzeichnet: Himmel hoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[00:07:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Gefühlsregionen ausloten, um zu wissen, wo man steht.

[00:07:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo steht man eigentlich? Was fühlt man?

[00:07:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass diese jungen Menschen ihre Gefühle in der Interaktion mit
ihrem Umfeld: Eltern, Geschwister, Lehrer und Lehrmeister ausleben dürfen.

[00:07:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehören alle zum Umfeld.

[00:07:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen kann man nicht einfach in einem Vakuum regulieren lernen.

[00:07:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen spielen eine ganz wichtige Rolle.

[00:07:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System spielt eine wichtige Rolle in der Beziehungshandhabung, in der
Bindung, also von Mutter/Kind und natürlich auch Kind zum übrigen Umfeld.

[00:08:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen modernen Medizin und auch Psychiatrie hat man die Tendenz zu
Schnelllösungen.

[00:08:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wenn die Emotionen nicht gut reguliert sind, Medikamente.

[00:08:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann dann dämpfende Medikamente geben, man kann stimulierende Medikamente
geben.

[00:08:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht die Emotionen chemisch zu regulieren.

[00:08:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende auch Medikamente.

[00:08:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jungen Menschen habe ich die Haltung, man sollte denen keine Medikamente
geben.

[00:08:43.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Ritalin reden wir dann noch extra.

[00:08:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Psychopharmaka geben, die einfach die Emotionen runter dämpfen.

[00:08:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann lernen diese Jugendlichen nicht selbst ihre Emotionen zu regulieren.

[00:08:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder der Psychopharmaka nimmt oder schon genommen hat, seien dies
Antidepressiva oder auch Neuroleptika, weiß, wenn er sich gut beobachtet, dass er
nicht ganz sich selbst ist.

[00:09:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen die Jungen auch, ich fühle mich nicht mehr richtig. Ich bin nicht ich. Ich
erkenne mich gar nicht mehr. Es ändert die Persönlichkeit.

[00:09:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Persönlichkeitsentwicklungsphase schon Medikamente gibt, dann
werden quasi die Regulative der Medikamente, werden in die Persönlichkeit eingebaut.

[00:09:33.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann es aus meiner Sicht nicht sein.

[00:09:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich nicht so gut.

[00:09:39.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Credo.

[00:09:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychopharmaka können die Entwicklung auch nicht beschleunigen.

[00:09:48.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Entwicklungsphase braucht immer ihre Zeit.

[00:09:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Guter Ding will Weile haben.

[00:09:56.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sich die Jugendlichen gut entwickeln, braucht es Zeit.

[00:10:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Zeit sollte man sich nehmen als Eltern.

[00:10:07.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich mit den Jugendlichen auseinandersetzen, ist es wichtig, dass sie sich
auch diese Zeit nehmen.

[00:10:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nicht so schnell nebenbei machen.

[00:10:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine vergeudete Zeit. Es ist wirklich gut investierte Zeit.

[00:10:28.101] – Dr.med. Ursula Davatz
[ TEACCH steht für Treatment and Education of Autistic and related Communication
handicapped Children. ]

[00:10:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in der Auseinandersetzung sind mit dem Kind, nicht mehr dem Kind
persönlich sagen, du sollst, du darfst nicht, mach doch endlich, also keine Befehle
mehr, sondern nur, für mich ist das wichtig.

[00:10:50.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln geben.

[00:10:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wertvorstellungen, Prinzipien, welche das Kind dann selbst anschauen kann und selber
merken kann, was es für sich nimmt.

[00:11:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mehr direkt sagen: Mach das, mach das, mach das.

[00:11:06.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul, der sagt eigentlich schon beim Kleinkind, man muss das Kind auf
Augenhöhe, gleichwürdig behandeln, aber nicht gleichwertig.

[00:11:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Man ist natürlich älter, weiß mehr, deshalb gleichwürdig.

[00:11:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul bringt das schon bei den Kleinkindern.

[00:11:25.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern lohnt sich das sehr, also zahlt sich das aus.

[00:11:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man nicht direkt den Hals runterbläst und sagt: mach jetzt endlich, sondern die
Situation benennt und dann mit der Regel arbeitet.

[00:11:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Jugendlichen ist das noch viel, viel wichtiger.

[00:11:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit sie ihrem Jugendlichen gegenüber einen klaren Standpunkt beziehen können,
müssen sie zuerst wissen, was eigentlich wichtig ist für sie.

[00:11:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig lebt man einfach seine Ethik, seine Moral, seine Wertvorstellungen und denkt
gar nicht groß darüber nach.

[00:12:06.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es oft hilfreich, wenn man überlegt.

[00:12:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in der ersten Stunde immer die Eltern der Kinder: was wollte ihr Vater ihnen
weitergeben, was wollte ihre Mutter ihnen weitergeben?

[00:12:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie haben sie es weitergegeben, auf welche Art und Weise?

[00:12:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie auch weitergeführt bei ihren Kindern?

[00:12:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo haben sie die Erziehungsmethoden ihrer Eltern korrigiert?

[00:12:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo war es ihnen gar nicht wohl und wo haben sie darum korrigiert?

[00:12:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich in dem Moment sich nochmals mit den eigenen Eltern
auseinanderzusetzen und zu schauen, was findet man gut und was will man etwas
ändern?

[00:12:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich bewusst zu werden, was sind eigentlich meine
Wertvorstellungen?

[00:12:47.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist mir wichtig?

[00:12:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann das dem Kind präsentieren.

[00:12:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll seine Wertvorstellungen darstellen und gut bei sich bleiben.

[00:13:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Überzeugungsarbeit, keine Überredungsarbeit, keine Missionierungsarbeit.

[00:13:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
All das setzt Druck auf das Gegenüber auf.

[00:13:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sie sehr gut wissen, sind ADHS/ADS Kinder sehr sensibel auf Druck und
Emotionalität.

[00:13:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwischen ihren Inhalt, indem sie zu viel emotionalen Druck aufsetzen.

[00:13:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige bildlich: wenn das meine Wertvorstellungen sind und die will ich jetzt dem
Jugendlichen beibringen, dann sag ich genau, was ich finde und dann leg ich's auf den
Tisch, aber ich sag nicht: Sieh doch endlich ein, sei doch endlich vernünftig!

[00:13:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das setzt Druck auf und da sind ADHS/ADS Kinder sehr sensibel und sie wehren sich
dagegen.

[00:13:53.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden nicht einfach sagen: ja, du hast recht.

[00:13:58.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen werden sagen: du bist hinter dem Mond zu Hause, du kommst
überhaupt nicht raus, du bist von gestern, heute geht das ganz anders.

[00:14:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort darauf: ja, dann bin ich halt von gestern, aber es ist mir trotzdem wichtig.

[00:14:12.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann ist wieder der Moment, dass man nicht Druck aufsetzt.

[00:14:16.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selbst überzeugt sein von dem, was man sagt und nicht die Jugendlichen
überzeugen wollen.

[00:14:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles nur Druck und Öl ins Feuer.

[00:14:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von Gefühlen.

[00:14:38.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen sie mit dem Kind zusammen, über Gefühle zu reden.

[00:14:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn irgendetwas schief gelaufen ist und alles ist aus dem Ruder gelaufen, man ist
wütend geworden, Tränen sind geflossen, vielleicht sind noch Dinge zerstört worden.

[00:14:54.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in dem Augenblick, wo es so heiß ist, mit seiner Moral kommen.

[00:15:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sturm muss sich zuerst legen.

[00:15:01.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man selbst nicht ruhig ist, sollte man überhaupt nichts durchsetzen wollen.

[00:15:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sollte man eher einfach warten, bis alles abgeflaut ist, und dann wieder
zurückkommen auf die Situation.

[00:15:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal geht es erst nach einem Tag, manchmal geht es schon nach einem halben
Tag, manchmal erst nach einer Woche.

[00:15:28.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte nicht vergessen, was da war.

[00:15:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Situation beschreiben.

[00:15:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast das gemacht, ich habe das gesagt, du bist dann wütend geworden, du hast
etwas kaputt gemacht.

[00:15:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ablauf, den Prozess etwas miteinander analysieren.

[00:15:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Höflichkeit halber, und weil wir Erwachsene die bessere Kontrolle über uns haben:
zuerst den Jugendlichen oder die Jugendliche fragen.

[00:15:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist in dir vorgegangen?

[00:16:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat dich wütend gemacht?

[00:16:01.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat dich verletzt?

[00:16:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hast du gedacht?

[00:16:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss über seine Gefühle reden.

[00:16:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene muss Verständnis zeigen.

[00:16:12.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ich sehe, aus welcher Ecke du gekommen bist.

[00:16:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich "aber" man müsste es eigentlich so machen.

[00:16:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht wieder der Kampf los.

[00:16:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst validieren, wertschätzen, was das Kind sagt auch wenn man nicht damit
einverstanden ist oder es komisch findet.

[00:16:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann zur eigenen Situation übergehen.

[00:16:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen, was einem nicht gepasst hat, was einem als Eltern verletzt hat, was einem
unsicher gemacht hat, erschreckt hat oder was auch immer.

[00:16:49.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst die Jugendlichen und dann kommen die Erwachsenen.

[00:16:54.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle in Worte zu fassen ist etwas ganz Wichtiges.

[00:17:00.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen das alle in der Therapie.

[00:17:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden ja nur mit den Leuten. Es gibt auch noch ein paar andere Therapien, aber ich
bin hauptsächlich am Reden.

[00:17:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass die Leute lernen, ihre Gefühle in Worte zu fassen.

[00:17:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand zum Beispiel sagt, es geht mir schlecht, dann antworte ich: das sagt mir
nichts.

[00:17:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie?

[00:17:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss nach den Gefühlen fragen.

[00:17:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem die Jugendlichen ihre Gefühle benennen, beschreiben müssen, möglichst genau,
und auch die Eltern ihre Gefühle, ihre Empfindungen, ihre Wahrnehmungen
beschreiben, passiert eine Differenzierung im Gehirn.

[00:17:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man Gefühle, die da im limbischen System aufwallen, in Worte fassen kann,
dann kann man die Gefühle besser ablegen in der Hirnrinde und dann wird die Energie
wieder frei.

[00:17:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Gefühle immer im Kreis drehen, dann ist sehr viel seelische Energie absorbiert
und der Arbeitsspeicher funktioniert nicht so gut.

[00:18:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, seine Gefühle in Wort zu fassen, damit das Gehirn wieder frei wird und
man besser ins Lot kommt.

[00:18:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt natürlich nicht, dass sie tagelang, nächtelang nur immer über Gefühle reden
müssen.

[00:18:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann mal hat das auch wieder seine Grenze und der Alltag oder die Nacht muss
weitergehen.

[00:18:42.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat festgestellt, wenn Menschen lernen, ihre Gefühle auszudrücken, sind sie
weniger davon belastet.

[00:18:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz
So sagt man, geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:18:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man darüber reden.

[00:18:56.820] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Ausstellung über Entscheidungen im Stapferhaus in Lenzburg wurde das auch
gezeigt.

[00:18:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch gestresst ist, dann werden Hormone ausgeschüttet bei den Frauen
und bei den Männern. Bei den Frauen etwas mehr. Das ist das Oxytocin.

[00:19:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin ist ein Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn man Kinder stillt.

[00:19:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja stillen, das heisst, man wird dann still. Man wird ruhig. Auch die
Großmutter, die ein Kind auf dem Arm hält und das Fläschchen gibt, wird still.

[00:19:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem Oxytocin auch Kuschelhormon.

[00:19:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können das Kuschelhormon auch ausschütten, wenn sie nichts dagegen
haben, wenn sie solche pflegenden Aufgaben übernehmen.

[00:19:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch unter Stress ist, schüttet er einerseits Adrenalin und Dopamin aus,
das sind so mehr die aggressiven Hormone, die man braucht in der Wirtschaft, um
kämpfen und die beste Firma zu sein.

[00:19:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schüttet aber auch Oxytocin aus, das heißt, man rückt näher, man will reden, man
will austauschen.

[00:20:05.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kennen sie wahrscheinlich alle, dass wenn man unter etwas leidet, möchte man mit
jemandem darüber reden.

[00:20:11.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell die Frauen.

[00:20:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer haben etwas mehr Mühe.

[00:20:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft ehrenrührig für Männer, über ihre Gefühle zu reden.

[00:20:25.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es oft als etwas Schwaches an.

[00:20:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein, es ist eine Stärke.

[00:20:33.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht den Frauen großen Eindruck, wenn Männer über Gefühle reden können.

[00:20:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her dürfen sie auch ihren Jungen beibringen, über Gefühle zu reden.

[00:20:43.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts ehrenrühriges.

[00:20:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht nur die Mädchen, die das lernen müssen.

[00:20:50.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie kommen in das Argumentieren hinein.

[00:20:55.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendliche sind sehr gut im Argumentieren.

[00:20:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas von ihnen verlangt, das sie nicht wollen, dann wechseln sie das
Thema. Ja, aber du hast auch und der hat auch nicht usw.

[00:21:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendlichen finden immer eine Ausrede, warum sie nicht mitmachen müssen.

[00:21:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich nicht ablenken von diesem wilden Gang.

[00:21:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Lassen sie sich nicht in jede Verästelung hineinziehen und in Argumente hineinziehen,
sondern kommen sie immer wieder zurück zu ihrem roten Faden.

[00:21:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ich sehe, was du da alles sagst, aber ich will wieder zu dem zurückkommen.

[00:21:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommen sie zurück zu ihrem roten Faden und versuchen dort wieder ihr Prinzip
darzulegen, ihre Regeln.

[00:21:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prinzipien nicht durchsetzen in der Hitze des Gefechts, sondern warten, bis alles
etwas ruhiger geworden ist.

[00:22:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine weitere Regel für die Frauen:

[00:22:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Setzen sie ihre Prinzipien nicht durch mit ihrem eigenen Leiden.

[00:22:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du dich so benimmst, bekomme ich eine Herzattacke oder ich bekomme einen
Asthmaanfall oder ich bekomme eine Migräne.

[00:22:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon sehr stark, da macht man es dann mit psychosomatischen Symptomen.

[00:22:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann aber nur sagen, das enttäuscht mich sehr, dass du das so gemacht hast. Das
verletzt mich wahnsinnig, dass du da nicht das gemacht hast.

[00:22:40.090] – Dr.med. Ursula Davatz
All das sind emotionale Methoden, um die Kinder auf die richtige Schiene zu bringen. Ist
aus meiner Sicht nicht so gut.

[00:22:51.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, das enttäuscht mich, dass du das gemacht hast, da hört man ja raus,
man hat eine Erwartungshaltung gehabt an das Kind.

[00:22:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat diese Erwartung nicht erfüllt und jetzt ist man enttäuscht.

[00:23:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich, eigentlich haben wir gar kein Recht darauf, das Kind muss nicht unsere
Wünsche erfüllen. Das Kind muss erwachsen werden und Eigenverantwortung
übernehmen.

[00:23:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die sich nur nach dem Wohlbefinden der Eltern benehmen, damit es denen
möglichst gut geht, die sind später sehr aufgeschmissen.

[00:23:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann einen launischen Chef haben, dann überleben sie nicht.

[00:23:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was sie machen, befriedigt den nicht und ihnen geht es auch nicht gut.

[00:23:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Setzen sie keine emotionalen Druckmittel auf, um das Kind auf den richtigen Weg zu
bringen.

[00:23:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Bringen sie ihr Anliegen eher neutral.

[00:23:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind ohnehin schon sehr, sehr sensibel.

[00:23:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter frage, wer von ihren Kindern merkt am ehesten, wenn es ihnen
schlecht geht? Das ADHS/ADS Kind.

[00:23:56.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Kinder merken diese Zustände sehr gut.

[00:23:58.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da noch Druck drauf setzt, dann wirft es die ADHS/ADS Kinder eher aus der
Bahn.

[00:24:04.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ruhige Dinge sagen.

[00:24:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind ausrastet, dann kann es böse Dinge sagen.

[00:24:17.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Was nicht heisst, dass wenn man gleich böse Dinge zurück sagt, dass es dann das gut
erträgt.

[00:24:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Er teilt aus, aber er kann überhaupt nicht einstecken.

[00:24:26.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz normal für ADHS/ADS Kinder.

[00:24:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Wut teilen die ADHS/ADS Kinder aus, aber sie sind hochsensibel wie Mimosen.

[00:24:35.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück.

[00:24:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man noch nicht anwenden bei den Teenagern, sondern man muss das
abdämpfen.

[00:24:48.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer den Begriff Welpenschutz.

[00:24:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den ADHS/ADS Kindern Welpenschutz zugestehen.

[00:24:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Hundemutter mit kleinen sehen, die kommen und beißen und machen,
die haben so spitzige Milchzähne, die können recht weh tun. Mutter hat natürlich ein
Fell, wir haben nur Haut, dann tut es etwas mehr weh.

[00:25:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lernen zu beißen, die üben. Das ist alles Übungsverhalten.

[00:25:18.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hundemutter macht nur so oder läuft vielleicht weg.

[00:25:21.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hundemutter beißt nie zurück.

[00:25:25.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Welpenschutz.

[00:25:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten überhaupt nicht zurückbeißen.

[00:25:30.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen vielleicht Grenzen setzen, das dürfen wir, aber wir sollten nicht in gleichem
Masse zurückbeißen.

[00:25:41.410] – Bemerkung 1
Was ist, wenn der Jugendliche aggressiv auf einem loskommt? Das ist noch schwierig.

[00:26:00.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Konrad Lorenz, Arzt und Verhaltensforscher bei den Tieren spricht vom sogenannten
Bösen.

[00:26:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Also aus meiner Sicht ist Aggression nie etwas Primäres.

[00:26:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Aggression ist immer eine Verteidigung.

[00:26:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja: Aggression ist die beste Verteidigung.

[00:26:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind aggressiv auf einem loskommt, dann hat man es vermutlich vorher in
eine enge oder Ecke gedrückt.

[00:26:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man wieder auf Flucht-Abstand gehen, mental und körperlich.

[00:26:32.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fluchtdistanz sind zwei Armlängen.

[00:26:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht waren noch andere Dinge, die das Kind in eine Ecke gedrückt hat.

[00:26:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendetwas in der Schule oder am Arbeitsplatz und dann kommt die Mutter noch und
will etwas: Du hast deinen Schulsack noch nicht aufgeräumt.

[00:26:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann knallt es und dann wird er aggressiv.

[00:26:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Da muss man beobachten und schauen, was war vorne dran und was hat die Explosion
ausgelöst.

[00:27:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Akutzustand nicht erziehen wollen, höchstens auf Distanz gehen, beruhigen lassen.

[00:27:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nicht erziehen.

[00:27:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nicht kognitiv erziehen.

[00:27:18.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgewühlte Emotionen kann man nur beruhigen.

[00:27:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit einem ADHS/ADS Kind eine Auseinandersetzung haben oder nur einen
Kontakt haben, ist es wichtig, dass sie ruhiger sind als ihr Kind.

[00:27:32.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor sie nur den Mund aufmachen und irgendetwas sagen, müssen sie sich zuerst,
zentrieren, beruhigen, dass sie von ihrem Mittelpunkt her dann etwas ruhig sagen
können und vorher lieber nichts sagen.

[00:27:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche die Emotionen mit Turbulenzen in fluiden Medien, wie in der Luft oder im
Wasser

[00:28:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede von emotionalen Monsterwellen.

[00:28:05.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen emotionale Monsterwellen eine Wand aufbaut, dann gibt es eine
Springflut. Tsunami.

[00:28:12.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle rein und raus gehen kann, dann ebbt sie irgendwann mal aus.

[00:28:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen dann nicht Wand spielen, sonst geht die Springflut gegen sie.

[00:28:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Springflut hat grosse zerstörerische Kraft.

[00:28:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie eher auf Distanz, beruhigen lassen.

[00:28:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihren Regeln können sie erst wieder kommen, wenn sich alles gesetzt hat.

[00:28:39.700] – Bemerkung 2
Viele Eltern berichten mir, dass sie lange drei, vier Mal versuchen ruhig zu bleiben,
irgendwann explodieren sie selber.

[00:28:49.880] – Bemerkung 2
Ich finde es wichtig, dass man seine Bedürfnisse auch sagt, was man möchte. Wenn
man immer ruhig bleibt und dann explodiert…

[00:29:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht auch nicht.

[00:29:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss etwas sagen, wenn man das Wasser bei der Brust hat, nicht erst wenn man
das Wasser bei der Nase hat.

[00:29:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern merken, dass sie es nicht vertragen, was der/die macht, dann muss man
schon das Gespräch suchen und dann seine Bedürfnisse nennen.

[00:29:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle müssen formuliert werden und nicht aus agiert werden.

[00:29:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind verpflichtet unsere Gefühle zu formulieren, aber diese nicht einfach
auszuagieren.

[00:29:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir explodieren, agieren wir natürlich aus.

[00:29:42.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man verletzt wurde durch das Kind, darf man schon sagen: das was du da
gesagt hast, hat mich verletzt, oder was du gemacht hast, hat mich verletzt.

[00:29:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zusammenbrechen und einen Herzinfarkt machen oder irgendetwas somatisches,
wirklich nur benennen.

[00:30:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage dann immer: Kannst Du das nachvollziehen?

[00:30:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich mal an einem Workshop zwischen den Ehepartnern gebracht, dass man
immer das Gegenüber fragt: kannst du das nachvollziehen, dass mich das verletzt hat?

[00:30:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer ruhiger Phase kann das Kind das sehr wohl nachvollziehen.

[00:30:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder kommen sich auch entschuldigen.

[00:30:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alles aufstauen lassen und einfach immer tolerant sein und gar nichts machen.

[00:30:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Früh genug etwas sagen aber auf ruhige Weise.

[00:30:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wütend wird man auch manchmal.

[00:30:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht auf das Kind schiessen und sagen: Du unmöglicher Typ, du bringst es nie
zum etwas. Keine persönlichen Argumente, keine Tiefschläge.

[00:30:36.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das Kind in seiner Persönlichkeit vernichten.

[00:30:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher in die Luft schiessen und sagen: ich bin so wütend, ich bin so rasend, es macht
mich wahnsinnig verrückt.

[00:31:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wieder seine Gefühle benennen, man kann sich auch etwas zeigen, aber nicht mit
auf das Kind losgehen.

[00:31:13.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald man auf das Kind los geht, dann erwartet man Unterwerfungsverhalten und
Machtkonflikt.

[00:31:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will ja siegen.

[00:31:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig macht man dann Zweiten. Dann ist man verrückt, dass man verloren hat und
dann geht man wieder los.

[00:31:27.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gut.

[00:31:30.220] – Bemerkung 3
Was macht man, wenn ein Kind dauernd Wutausbrüche hat und sich nicht regulieren
kann und man es selbst vielleicht ein, zwei Mal schafft, das Kind zu beruhigen, aber das
dritte Mal man es einfach nicht mehr schafft und man selbst einfach auch Mitgerissen
wird mit den Emotionen und der Wut?

[00:31:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder die viele Wutausbrüche haben, die haben sich noch nicht so gut reguliert.

[00:32:01.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Kind versuchen wir zu regulieren.

[00:32:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind fragen: was gibt es in seinem Leben, das ihn beruhigt?

[00:32:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche machen Sport, manche spielen ein Instrument. Manche schreiben Gedichte.

[00:32:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss irgendetwas finden, das zum Kind gehört.

[00:32:20.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, was das Kind gerne macht.

[00:32:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Wut da ist, kann man Klavier spielen gehen.

[00:32:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ludwig van Beethoven hat wahrscheinlich auch viele Wutausbrüche gehabt. Die sind
sehr schön musikalisch umgesetzt worden.

[00:32:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jedes ADHS/ADS Kind ist so begabt wie Ludwig van Beethoven.

[00:32:38.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es andere Dinge. Man muss auch gar nicht so begabt sein.

[00:32:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es einfach machen.

[00:32:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man etwas anderes macht und etwas Motorisches macht, wird auch wieder
Energie von da abgeleitet in die Motorik.

[00:32:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Naturvölker machen das auch, wenn die Angst haben vor dem Regen, dann haben die
irgendein Ritual gemacht.

[00:33:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Etwas regelmäßig machen ist wie ein Ritual.

[00:33:06.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Erwachsene gehen Joggen, wenn sie eine wahnsinnige Wut haben auf das
Geschäft.

[00:33:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss jetzt abarbeiten und dann springen sie da durch die Gegend.

[00:33:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einem Kind muss man schauen, was könnte es machen, um seine Energie
etwas abfliessen zu lassen.

[00:33:23.520] – Bemerkung 4
Was macht man, wenn es nur ganz kleine Kleinigkeiten sind, welche das Kind zum
Ausrasten bringen?

[00:33:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

[00:33:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wissen nicht, was im Kind noch alles vorgeht. Das reguliert sich dann mit der Zeit.

[00:33:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur ein Wort oder nur ein Blick zum Kind und es rastet sofort aus.

[00:33:39.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht dieser Blick oder das Wort.

[00:33:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ein Rolle spielt, ist was vorher war.

[00:33:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder müssen lernen, sich selber zu regulieren.

[00:34:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Neuropsychologie und Psychotherapie das Wort der Achtsamkeit.

[00:34:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt, achtsam in sich hineinzuhören.

[00:34:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die japanische Teezeremonie ist so etwas, das man ganz langsam macht.

[00:34:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Tai-Chi ist so etwas. Die Kampfbewegungen sind ganz langsam.

[00:34:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man sich so langsam bewegt, beruhigt es sich da innen.

[00:34:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man beobachtet, beruhigt es sich.

[00:34:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, wenn Kinder so Achtsamkeitstraining machen, wenn die da mitmachen.

[00:34:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinesiologie geht auch ein wenig in diese Richtung.

[00:34:51.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind das lernt, dann strukturiert sich das Hirn um, anders, und dann lernt es
besser, seine Emotionen zu regulieren.

[00:34:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert alles während der Pubertät.

[00:35:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen etwas Geduld haben.

[00:35:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen uns nicht darüber aufregen, dass das Kind über eine kleine
Nebensächlichkeit ausgeflippt ist.

[00:35:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach immer wieder diese Selbstregulationsmechanismen dem Kind nahe legen und
schauen, was es machen könnte.

[00:35:21.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die ganz einfache Übung: EMDR (Eye Movement Desensitization
Reprocessing).

[00:35:30.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft bei der Angst verwendet.

[00:35:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch Angst hat, wenn er traumatisiert ist, dann kommen alle diese
Angstbilder, dann geht man auf Motorik.

[00:35:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Übung ist: ich schaue mit dem Kopf gerade aus, meine Augen muss ich bewegen,
und ich bewege meine Hand.

[00:35:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich muss immer meinen Augen nachschauen.

[00:35:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann reden, aber ich kann nicht mehr denken.

[00:35:57.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Da holt man die ganze Energie im limbischen System weg in die Motorik.

[00:35:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte auch Seilhüpfen, balancieren. Im Yoga macht man den Einbeinstand.

[00:36:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Lauter solcher Dinge.

[00:36:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht man in die Motorik, da muss man sich beruhigen.

[00:36:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch in die Sauna gehen, da kann man auch nicht mehr verrückt sein, sonst
explodiert man.

[00:36:21.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt verursache ich noch einen Unfall. Lieber nicht. Kein Schenkelhalsbruch.

[00:36:38.030] – Bemerkung 5
Mein Sohn rastet sofort aus, wenn er etwas nicht darf. Dann muss er immer etwas
kaputt machen.

[00:37:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben nicht gerne, wenn man Nein sagt.

[00:37:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Im TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication
handicapped Children) wurde das auch erwähnt.

[00:37:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen, was das Kind nicht tun darf, sondern sagen was das Kind tun soll.

[00:37:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nein sagen und das Kind ist emotional geladen, dann machen sie eine Wand,
dann gibt es einen Tsunami.

[00:37:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind macht etwas, das er nicht soll. Dann müssen sie etwas herausfinden, was ihr
Kind machen darf.

[00:37:23.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Weisst du, mit dem sollte man eher das machen. Das eignet sich besser zum das
machen. Austauschen.

[00:37:43.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sanft hineingehen, nicht so abrupt und stopp, sonst macht das Kind den
Tsunami.

[00:37:56.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind verwendet vielleicht ein falsches Instrument für etwas, was sie nicht wollen.
Vielleicht hat das Kind eine Gabel und kratzt auf dem Tisch und sie wollen das nicht.
Dann sagen sie: Ah, du willst malen, ich gebe Dir ein Blatt Papier und eine ganz schöne
Farbe. Das ist viel interessanter als die Gabel auf dem Tisch. Dann kannst Du viele
Zeichnungen machen und nicht nur ein paar Kratzer.

[00:38:00.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Umleiten in eine andere Beschäftigung.

[00:38:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie einfach nur "Nein" sagen.

[00:38:37.720] – Bemerkung 6
Die eigenen Emotionen von den Eltern zum Kind sind noch steuerbar.

[00:38:39.200] – Bemerkung 6
Ich habe zwei pubertierende ADHS/ADS Kinder zu Hause. Diese beiden zusammen,
das geht gar nicht. Das ist sehr sehr belastend für mich.

[00:38:43.740] – Bemerkung 6
Ich fordere die Kinder dazu auf, dass sie sich gegenseitig beschreiben, wie das
Gegenüber etwas erlebt hat.

[00:39:16.700] – Bemerkung 6
Wir versuchen es mit Trampolin, mit Musik. Ich würde am liebsten eines meiner Kinder
nehmen und ausziehen.

[00:39:17.350] – Bemerkung 6
Es ist ganz ganz schwierig, weil ich einfach noch keine gute Lösung gefunden habe. Es
sind zwei Jungs.

[00:39:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschwisterstreit ist etwas schwieriges, das wird schon in der Bibel beschrieben.
Die haben es auch nicht gut gelöst.

[00:39:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ihnen jetzt zuerst, weil sie erwachsen sind, was sie nicht tun sollen. Beim Kind
dürfte ich das nicht.

[00:39:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle oft fest, dass die Mutter den sogenannt Schwächeren geschützt hat gegen
den Stärkeren.

[00:39:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Was geschieht dann?

[00:40:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stärkere kriegt dann eine grosse Wut auf das sogenannt Schwächere. Das geht bis
ins Erwachsenenalter. Die sind feindselig miteinander und es geht gar nicht.

[00:40:15.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in der Täter/Opfer Rolle denken, sondern vom Prozess her denken.

[00:40:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, ihr habt da ein Problem, was ist das Problem?

[00:40:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Kinder sollen ihnen das Problem schildern. Ihre Kinder sollen sich nicht gegenseitig
das Problem schildern.

[00:40:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schauen: wie könnte ich eine Lösung finden.

[00:40:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können da noch nicht so vernünftig miteinander verhandeln, das sehen sie ja in der
Politik, da sind die erwachsenen Leute auch nicht sehr gut.

[00:41:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen: was ist das Problem?

[00:41:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Dritte überlegen dann: wie könnte man da den Prozess wieder auflösen?
Überhaupt nicht juristisch denken, Täter/Opfer, böse/gut; wirklich nur Prozessdenken.

[00:41:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit lernen sie dann das etwas und verhandeln dann selber.

[00:41:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es keine Lösung gibt, dann machen sie es wie Julius Cäsar: Divide et Impera.
Teilen und dann regieren. Dann muss jeder in sein Zimmer gehen.

[00:41:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind meistens weniger nachtragend als wir Erwachsene.

[00:41:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder streiten miteinander und dann sind sie wieder dicke Freunde. Den Kindern
macht das Streiten gar nichts aus.

[00:41:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Streiten ist soziales Lernen.

[00:42:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hunde, die rennen einander nach. Die Katzen die spielen.

[00:42:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Streiten gehört zum sozialen Lernprozess.

[00:42:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wollen wir das Streiten zu früh abbrechen.

[00:42:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz

An sich dürfen wir den Streit nur abbrechen, wenn es um Leben und Tod geht oder ihre
Möbel zertrümmert werden.

[00:42:16.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. med. Burkhard Voss ein Drogentherapeut sagt immer: mir ist es lieber, dass in
einem Haushalt die Möbel Ecken abhaben, als die Kinder.

[00:42:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagt auch etwas.

[00:42:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es nicht ertragen, dann trennen.

[00:42:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher den Prozess anschauen und was für eine Lösung hätten die Kinder?

[00:42:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch nur sagen: das ist schwierig, da weiss ich jetzt auch nicht wie.
Verlangsamen. Nicht so schnell die Lösung haben wollen.

[00:42:55.660] – Bemerkung 7
Ich habe es schon mit "Stopp" versucht.

[00:42:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das geht nicht.

[00:43:03.140] – Bemerkung 7
Es geht immer so weit, bis der eine weint. Nicht immer derselber, aber immer einer.

[00:43:06.620] – Dr.med. Ursula Davatz
"Stopp" geht auch nicht. Das ist wieder die Wand.

[00:43:10.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher den Prozess anschauen. Jetzt soll der eine mir seine Sicht erklären und dann der
andere. Dann müssen die schon etwas lernen zu beschreiben.

[00:43:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was läuft da eigentlich ab?

[00:43:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beruhigt schon. Da geht Energie vom limbischen System ins große Hirn.

[00:43:28.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es schon etwas ruhiger.

[00:43:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch sagen: Oh, ich weiß auch nicht, wie das lösen.

[00:43:35.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen die Kinder vielleicht: Die Mutter ist dumm, jetzt machen wir es selber.

[00:43:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich immer erlebe, dann sagen die Eltern, das sind dann meistens schon
Erwachsene: Oh, kann ich in die Ferien gehen, wird das Haus nicht abgebrannt? Ist
alles zerschlagen?

[00:43:49.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder kommen besser miteinander aus, wenn sie nicht da sind. Dann sind die
Kinder aufeinander angewiesen.

[00:43:49.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Als die Eltern weg waren, gingen die Kinder zusammen Joggen. Als die Eltern zu Hause
waren, hiess es: der andere muss ausziehen, ich halte es sonst nicht aus.

[00:44:09.560] – Bemerkung 8
Ich habe mich früher immer ein bisschen zu früh eingemischt in den Streit. Jetzt mache
ich einen Elternbildungskurs und halte mich bewusst raus, solange die Kinder nicht
handgreiflich werden. Ich gehe in die Küche, nehme einen Kaffee und lass die Kinder
streiten. Die streiten wirklich weniger. Es ist wirklich ruhiger geworden. Früher habe ich
immer die Kleine mehr in den Schutz genommen.

[00:44:59.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich mehr rausnimmt, muss man es als Kind selber irgendwie an die Hand
nehmen.

[00:44:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist wenn die Kinder handgreiflich werden?

[00:44:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Jungen, jeder Boxkampf ist handgreiflich, beim Tennis spielen ist halt ein Ball
dazwischen, aber da geht es ziemlich hart zu und her.

[00:45:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört natürlich auch zu den Buben, dass die miteinander kämpfen.

[00:45:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen aus den Knaben keine Mädchen machen.

[00:45:25.530] – Bemerkung 9
Es gab auch schon einen Armbruch, weil der eine irgendwo runtergefallen ist.

[00:45:46.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen irgendwo so einen Boxraum einrichten. Geht auf die Wiese und streitet
Euch dort. Dort kann man nicht runterfallen.

[00:46:09.270] – Bemerkung 10
Ich habe meinen Sohn oft gefragt, was ist den passiert, kannst Du das nicht erklären?
Das hat er immer abgeblockt, er wollte nicht darüber sprechen.

[00:46:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät?

[00:46:29.600] – Bemerkung 10
Auch schon vorher.

[00:46:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, ganz generell fällt es jungen Männern schwerer, über ihre Gefühle zu reden.

[00:46:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer darauf an, wie wir fragen.

[00:46:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie "Warum" fragen.

[00:46:44.220] – Dr.med. Ursula Davatz
TEACCH spricht von: Was, wie, wann, wo, wie lange?

[00:46:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie lernt man das auch.

[00:46:53.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind systemische Fragen, den Ablauf.

[00:46:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mütter fragen oft zu direkt, zu konkret.

[00:46:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht fragen, was hast du gefühlt.

[00:47:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht überhaupt nicht.

[00:47:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Kinder zum Beschreiben bringen.

[00:47:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Was war denn da, was hat denn der andere gesagt? Also sehr konkret.

[00:47:10.590] – Bemerkung 10
Die Antwort war immer: ich weiß es nicht.

[00:47:13.150] – Bemerkung 10
Dann habe ich gesagt: was heißt jetzt das? Du willst nicht darüber reden?

[00:47:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat gemerkt, die Mutter will da etwas rausholen, dann hat er blockiert.

[00:47:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der geneigte Leser merkt die Absicht.

[00:47:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner geben Medikamente.

[00:47:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Kinder haben die Tendenz ihre Emotionen mit Drogen zu beruhigen.

[00:47:57.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gehört das Haschisch dazu, es beruhigt auch tatsächlich.

[00:48:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Haschisch birgt in sich die Gefahr, dass es eine zusätzliche Krankheit gibt.

[00:48:07.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele in der Psychiatrie, die über Haschisch psychotisch geworden sind, also
eine schizophrene Phase gemacht haben.

[00:48:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man lange negiert, dementiert, aber ist für mich absolut klar.

[00:48:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir sicher nicht.

[00:48:24.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn der Pubertierenden ist noch etwas empfindlicher auf diese Drogen.

[00:48:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was brauchen denn die ADHS/ADS Kinder in der Jugend, damit sie zu gesunden
Personen heranwachsen können?

[00:48:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen nach Möglichkeit ein stabiles Umfeld, damit sie sich getrauen, sich selbst
zu sein.

[00:48:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir hatten in der vorhergehenden Gruppe eine Betroffene, die hat das sehr schön
beschrieben.

[00:48:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter war sehr emotional und sie hat sich dann nicht getraut, sich selber zu sein.

[00:49:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat sich stark zurückgenommen.

[00:49:06.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die Jugendlichen sich entwickeln können, braucht es ein möglichst stabiles
Umfeld.

[00:49:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts zu ihrem ADHS/ADS Jugendlichen sagen, bevor sie sich nicht selbst
einigermaßen ins Lot gebracht haben.

[00:49:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können immer den Einbeinstand üben. Wenn sie balancieren können, dann sind sie
nicht so schlecht dran.

[00:49:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler nehmen sich sonst zurück, haben ein schlechtes Gewissen, sie
haben Schuldgefühle, sie denken, sie seien schuld, wenn es ihnen schlecht geht.

[00:49:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich gar nicht gut.

[00:49:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Verwenden sie keine emotionalen Erpressungsmethoden wie z.B.: das verletzt mich
sehr, jetzt bin ich aber ganz traurig, jetzt bin ich aber ganz schwer enttäuscht.

[00:49:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen sie, was sie erwarten. Positiv.

[00:50:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das und das ist mir wichtig.

[00:50:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du solltest, du müsstest.

[00:50:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es wichtig, dass meine Kinder das und das lernen. Das hat sich für mich bewährt.
Es liegt mir am Herzen, das ist meine Moral

[00:50:01.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das, was ihnen wichtig ist, in allgemeine Regeln formulieren.

[00:50:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen von ihrem Standpunkt überzeugt sein, nicht allzu ambivalent.

[00:50:36.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Kinder überzeugen wollen.

[00:50:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht missionieren, nicht überzeugen wollen, nicht überreden wollen.

[00:50:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach selbst gut bei sich sein.

[00:50:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Turbulenzen gibt kann man gleich wie die Piloten handeln.

[00:50:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Notfall überlässt man das Flugzeug am besten sich selbst.

[00:51:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen ADHS/ADS Eltern habe ich gesagt: wenn man nicht ruhig ist und nicht weiss was
machen, lieber nichts machen.

[00:51:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Falsch reinhauen, Öl ins Feuer gießen, übersteuern, bringt das Familiengefährt auf
einen Schleuderkurs.

[00:51:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:51:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Auto auf Eis, sollte man mit einem Finger steuern, ganz locker, damit man sich gut
anpassen kann. Wenn man am Steuer reisst, dann schleudert man und das Auto
überschlägt sich.

[00:51:27.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In manchen Situationen lieber nichts machen, als noch die ganze Situation aufheizen.

[00:52:03.230] – Bemerkung 11
Was ist ihre Meinung zu Ritalin?

[00:52:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist eine stimulierende Droge, ein Upper, ein Amphetamin.

[00:52:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin wirkt im Motivationszentrum, zwischen dem limbischen System und der
Grosshirnrinde.

[00:52:27.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin hilft fokussieren.

[00:52:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr leicht abgelenkt.

[00:52:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Ritalin fokussieren die ADHS/ADS Kinder besser und können besser lernen,
besser sich auf die Prüfungen vorbereiten. Vielleicht sind sie auch ruhiger.

[00:52:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Kinder mit Ritalin sagen: ich bin dann nicht mehr mich selbst und haben es nicht
so gerne.

[00:52:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es die Eltern wünschen, verschreibe ich es auch.

[00:52:57.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern "Nein" sagen, ich will es anders versuchen, dann erlaube ich das den
Eltern.

[00:53:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer sagt, ich nehme das Kind nicht in die Schule, wenn es nicht Ritalin
nimmt, dann sage ich, das ist nicht erlaubt.

[00:53:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Dinge werden gesagt.

[00:53:16.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Außer Ritalin gibt es auch Neurofeedback, Achtsamkeitsübungsmethoden womit man
sich auch zentrieren kann, wie man diese Zentren im Hirn zwischen dem limbischem
System und dem Cortex verstärken kann.

[00:53:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie man da Autobahnen machen kann.

[00:53:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich eher für solche Methoden, die nicht sonst im Körper eingreifen.

[00:53:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch Erwachsene, die studieren. Die nehmen das Ritalin immer für die
Prüfung oder zum lernen.

[00:53:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse sie das Ritalin immer wieder absetzen, dann wenn sie es nicht brauchen.

[00:54:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie genügend Stimulation haben von außen her, dann sind sie so aktiviert, dass
sie sich selbst genügend fokussieren können.

[00:54:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Privatschule wollte man sehr soziales Lernen stimulieren.

[00:54:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben alle Kinder sich so im Kreis gesehen.

[00:54:22.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sie natürlich wahnsinnig abgelenkt.

[00:54:24.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe dann gesagt, dass die Kinder sich umdrehen und zur Wand schauen müssen.

[00:54:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur für bestimmte Dinge dürfen sich alle sehen, sonst macht jeder Faxen und keiner
macht seine Aufgaben.

[00:54:38.840] – Bemerkung 12
Wie verhält es sich Ritalin und der Pubertät?

[00:54:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss noch nicht, wie Ritalin auf lange Zeit wirkt.

[00:54:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt zum Teil, dass Ritalin einen verfrühten Parkinson machen kann.

[00:54:55.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimuliert die Dopaminbahnen. Im Kleinhirn hat es auch viele Dopaminbahnen.

[00:54:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das zu sehr ausgeschöpft wird, ja…

[00:55:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Valium hat man auch gesagt, es macht nicht süchtig und jetzt weiss man, dass es
süchtig macht.

[00:55:15.920] – Bemerkung 13
Was geschieht wenn ein Kind Ritalin nimmt, dass kein ADHS/ADS hat?

[00:55:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden im Moment keine direkten Schäden erwähnt, das ist eher langfristig.

[00:55:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird dann unnötig stimuliert und es beutet sich natürlich etwas aus.

[00:55:42.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben immer noch sehr viele Ressourcen, alle Organe funktionieren noch gut.

[00:55:45.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man älter ist, wird es etwas schwieriger.

[00:55:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passiert in dem Sinne kein Schaden.

[00:55:52.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht seine Persönlichkeit haben, das ist nicht gut.

[00:55:58.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Langzeitschäden kennt man noch nicht so genau.

[00:56:03.720] – Bemerkung 14
Ich möchte etwas zu Parkinson und Ritalin sagen. Das war eine Studie in den 1990er
Jahren. Das hat sich nie in andere Studien bestätigt.

[00:56:31.000] – Bemerkung 15
Ritalin wird seit 50-60 Jahren verschrieben.

[00:56:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, aber nicht von alle Personen 50 Jahre lang.

[00:56:46.480] – Bemerkung 15
Wenn es solche Schäden gebe, wäre Ritalin nicht auf dem Markt.

[00:56:46.680] – Bemerkung 15
Die anderen Psychopharmaka, die nur ein paar Jahre dabei sind, die machen ganz
andere Schäden.

[00:57:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Psychopharmaka mache gewisse Schäden.

[00:57:14.720] – Bemerkung 16
Basierend auf welchen Studien machen sie diese Aussagen?

[00:57:17.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht.

[00:57:18.750] – Bemerkung 17
Wenn es nicht lukrativ ist, wenn es keinen Sinn macht, darüber zu forschen, dann gibt
es keinen Zusammenhang zwischen Ritalin und Parkinson.

[00:57:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wäre da nicht so gutgläubig. Ich weiss es nicht. Im Kleinhirn hat es viel Dopamin.

[00:57:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen nicht Angst machen. Wir nehmen noch alle möglichen Stoffe zu uns mit
den Nahrungsmitteln. Wir wissen nicht, was die alles für Schäden machen.

[00:57:57.120] – Bemerkung 18
Es ist besser wenn ein Kind ohne psychischen Schaden durch die Jugend kommt und
Ritalin nimmt. Ob es dann fünf Jahre früher oder später Parkinson bekommt spielt keine
Rolle. Hauptsache es hatte davor ein qualitativ besseres Leben.

[00:58:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das können sie sagen.

[00:58:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man Ritalin mit 16 Jahren aufgehört. Heute gibt man es auch bei den
Erwachsenen.

[00:58:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche machen da ganz große Schritte, die konnten sich vorher überhaupt nie
eingliedern und jetzt mit Ritalin auf einmal geht es.

[00:58:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bin ich sicher nicht dagegen.

[00:58:45.000] – Bemerkung 19
Ich bedauere, dass dieser Satz gefallen ist, dass Ritalin Parkinson auslösen kann.

[00:59:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine Studie und es ist sicher auch nicht bewiesen worden. Es ist aber ein
Gerücht, dass Ritalin Parkinson auslösen kann.

[00:59:21.660] – Bemerkung 20
Ein Junge von mir nimmt Ritalin. Vorher war er immer sehr aggressiv. Seit er Ritalin
nimmt, sagt er, dass es ihm besser geht.

[01:00:03.670] – Bemerkung 20
Ich nehme auch Ritalin und für mich ist es Lebensqualität.

[01:00:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke Ritalin kann zum Teil Wunder wirken, man sieht auch die starke Veränderung.

[01:00:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich will einfach nicht, dass Lehrer verlangen, dass die Eltern ihrem Kind Ritalin geben
müssen, wenn sie es nicht wollen.

[01:00:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Familie muss das selber wissen.

[01:00:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Bitte noch den Fragebogen ausfüllen.

Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät, Teil 1

Vortrag 1:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

6.9.2014
Umgang mit der Gefühlswelt bei ADHS in der Pubertät
Audio

[00:00:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät zeichnet sich dadurch aus, dass der junge Mensch lernen muss, mit den
Emotionen umzugehen.

[00:00:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kindesalter kann die Mutter, der Vater noch dem Kind helfen, seine Emotionen zu
regulieren.

[00:00:19.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kann das Kind trösten, sie kann das Kind aufmuntern.

[00:00:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater kann das Kind korrigieren, zurückbinden. Ich mache jetzt die traditionellen
Rollen.

[00:00:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss die Person, der junge Mensch selbst lernen, sollte lernen, mit
seinen Emotionen umzugehen.

[00:00:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zusätzlich Emotionen aus dem Umfeld kommen oder ein Umfeld besteht, das
keine Emotionen erlaubt, dann hat das Kind kein Lernfeld.

[00:00:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen abgespalten, die dann später wieder in allen möglichen
psychiatrischen Diagnosen zum Vorschein kommen.

[00:01:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden Emotionen aufgeheizt, die dann das System zum Dekompensieren, also
zum Zusammenbrechen führen.

[00:01:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine allgemeine Regel, wenn das Gehirn als integratives System zu sehr
überflutet wird von Emotionen, dann funktioniert es nicht mehr.

[00:01:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn auch keine Struktur entwickeln.

[00:01:28.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zug habe ich ein Buch gelesen, wie sich das Gehirn umbaut.

[00:01:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel Forschung betrieben, auch in der Neuropsychologie, wie sich das Gehirn
umbaut, wie das funktioniert.

[00:01:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden nur die kognitiven Funktionen des Gehirns sehr hoch gewertet.

[00:01:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Gehirn funktioniert nur, wenn es kognitiv und emotional zusammenarbeitet.

[00:01:55.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstregulation der Emotionen, das ist eine dieser Funktionen, die in einem
gewissen Bereich des Gehirns stattfindet und die eine strukturelle Repräsentanz findet
während der Pubertät.

[00:02:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so etwas Theorie.

[00:02:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt versuche ich gleich zum Praktischen zu gehen.

[00:02:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Später können sie dann noch Fragen stellen.

[00:02:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Emotionsregulation wird in der heutigen Psychiatrie an erster Stelle über
Psychopharmaka gemacht.

[00:02:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht ist das nicht akzeptabel.

[00:02:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Jugendliche Gehirn, das Kindergehirn, ist im Wachstum, daran sich zu entwickeln.

[00:02:51.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da sofort Psychopharmaka einsetzt, dann werden die Psychopharmaka in
die Persönlichkeit des Kindes eingebaut.

[00:03:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind bekommt das Gefühl, ich bin nicht ok, so wie ich bin, ich muss immer noch
etwas hinzufügen.

[00:03:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Abgesehen davon wird auch das Lernen etwas geschwächt.

[00:03:14.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka haben es immer an sich zu dämpfen oder nur ein bestimmtes Gebiet
zu aktivieren.

[00:03:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird nicht so flexibel.

[00:03:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Not darf man aus meiner Sicht schon Psychopharmaka verwenden.

[00:03:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regellösung ist es nicht sehr gescheit.

[00:03:43.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder und Jugendliche verwenden ihre eigenen Pharmaka.

[00:03:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind dann die Drogen.

[00:03:51.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist besser? Die Psychopharmaka oder die Drogen?

[00:03:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides ist nicht sehr gut, weil es die Entwicklung des jugendlichen Gehirns stört.

[00:04:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychopharmaka sind schnelle Problemlösungen.

[00:04:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben heutzutage die Tendenz, alles schnell lösen zu wollen.

[00:04:12.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gescheit.

[00:04:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher wurde auch gesagt, die Integration braucht einen langen Atem.

[00:04:21.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierende brauchen von den Eltern einen langen Atem.

[00:04:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen sich den Jugendlichen zur Verfügung stellen als Gegenüber, als
Partner, auf Augenhöhe und selbst stabil sein.

[00:04:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich viel verlangt.

[00:04:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht stabil sind, dann kann das Kind nicht so gut pubertieren, dann
nimmt das Kind seine Emotionen zurück, aus Rücksicht auf die Eltern und schädigt sich
dadurch selbst, weil es nicht die gleichen Erfahrungen machen kann.

[00:05:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Entwicklungsprozesse können nicht mit Psychopharmaka beschleunigt werden.

[00:05:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende dann jeweils den Bauernspruch: das Gras wächst nicht schneller, wenn
man daran zieht.

[00:05:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb braucht es einen langen Atem.

[00:05:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie sich mit ihrem pubertierenden Kind emotional auseinandersetzen, geht es
nicht darum sich gegenseitig zu belehren und zu argumentieren, wer ist der beste
Argumentator.

[00:05:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens sind die Jugendlichen sehr gut im Argumentieren und haben auch andere
Argumente als wir.

[00:05:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass sie einen klaren Standpunkt beziehen.

[00:05:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überzeugen wollen, sondern selbst überzeugt sein, das möglichst ruhig
präsentieren.

[00:05:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer Mutter habe ich gesagt: sagen sie ruhig ihre Dinge, auch wenn ihr Junge nicht
gehorcht. Das heißt nicht, dass er nicht hört, was sie sagen.

[00:06:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In fünf Jahren hat er vielleicht sämtliche ihrer Wertvorstellungen übernommen und sie
sind ganz erstaunt.

[00:06:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kam fünf Jahre später und hat gesagt, es stimmt. Damals hat sie mir nicht
geglaubt.

[00:06:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wichtig, dass sie gehorsam fordern.

[00:06:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie einen klaren Standpunkt relativ selbstsicher beziehen können.

[00:06:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Pubertät auch braucht, ist Zeit.

[00:06:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Zeit zur Auseinandersetzung.

[00:06:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht nur einfach schnell sagen, wie sie finden, dass es gehen muss.

[00:06:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche wird natürlich zurück argumentieren.

[00:06:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer wichtig, dass sie gewisse Ruhe bewahren.

[00:06:51.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich die Zeit nehmen.

[00:06:52.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich auch die Zeit nehmen, zuzuhören, aus welcher Warte denn der
Jugendliche spricht.

[00:07:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie es noch so verkehrt finden, nicht gleich abtun mit einer Wegwerf
Bewegung, sondern das ernsthaft reflektieren.

[00:07:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychotherapie wird heutzutage die Idee der Achtsamkeit sehr hoch gehalten.

[00:07:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Achtsamkeit bedeutet, dass man sich Zeit nimmt, Ruhe nimmt, sich selbst
wahrzunehmen und die anderen wahrzunehmen.

[00:07:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man 1000 Wahrnehmungsübungen gleichzeitig hat, iPhone, Telefon, dort
Fernseh schauen, das ist alles andere als achtsam.

[00:07:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Neuropsychologisch wurde festgestellt, dass wenn man sich selbst gegenüber achtsam
ist, indem man sich beruhigt und schaut, was empfinde ich eigentlich, was geht in mir
vor und dann auch den anderen gegenüber achtsamer sein kann, dann strukturiert sich
das Gehirn im vorderen Bereich, präfrontalen Cortex, strukturiert sich besser.

[00:08:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit investiert in die Jugendlichen ist sehr gut investierte Zeit, Präventivzeit.

[00:08:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Thema, das man in der Therapie auch immer verwendet.

[00:08:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Gefühle einfach aus agieren, dann gibt es Streit, Schlägereien und so weiter oder
emotional beleidigter Rückzug.

[00:08:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Über Gefühle reden.

[00:08:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben einige Männer unter uns.

[00:08:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, die reden oft gerne über Gefühle.

[00:08:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In Paartherapien realisiere ich immer wieder, wie schwierig es für die Männer ist, über
ihre Gefühle zu reden.

[00:08:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann für Männer schon in der Pubertät gelernt werden.

[00:08:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Schande über Gefühle zu sprechen.

[00:09:03.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Qualität, wenn Männer lernen, über Gefühle zu reden.

[00:09:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Deswegen sind Männer keine Weichlinge.

[00:09:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil, es ist eine Stärke, über Gefühle reden zu können.

[00:09:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das muss man auch mit den Teenagern üben, dass man über seine eigenen
Gefühle redet und achtsam auf die Gefühle des Teenagers ist.

[00:09:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teenager ist sehr sensibel.

[00:09:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Sohn hat mal gesagt, im Teenageralter ist man wie ein rohes Ei.

[00:09:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:09:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsam sein dem Teenager gegenüber und achtsam sein sich selber gegenüber.

[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man eigentlich empfindet, was man bei sich wahrnimmt.

[00:09:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach ausagieren oder unterdrücken mit Autorität.

[00:09:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach autoritär, patriarchal, die Gefühle einfach unterdrücken, die kann man
nicht brauchen, die sind nur im Weg.

[00:10:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich die Zeit nehmen, über die Gefühle zu reden.

[00:10:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Gefühle in Worte fassen zu können, das hilft auch wieder das Gehirn
umzustrukturieren, sodass es komplexer wird und anpassungsfähiger wird.

[00:10:15.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum geht es ja.

[00:10:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, Gefühle mitzuteilen, Gefühle genau zu beobachten und genau zu
beschreiben.

[00:10:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche sind oft sehr gut im Argumentieren.

[00:10:40.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben immer nochmal ein anderes Argument.

[00:10:44.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind da sehr weitschweifig.

[00:10:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das nicht geht, geht das vielleicht. Sie gehen hin und her und wechseln den
Fokus und sie als Eltern/Erzieher werden da mitgenommen.

[00:10:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss wissen sie nicht mehr, wo sie sind.

[00:10:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf alle die Detailargumente eingehen, sondern die so etwas vorbeiziehen lassen.

[00:11:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, dass man ignorant ist.

[00:11:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wieder versuchen, zum roten Faden zu kommen und seine Position zu beziehen.

[00:11:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Jugendlichen überreden, überzeugen, sondern nur eine Position beziehen,
anhand von der sich der Jugendliche dann absetzen kann oder mit der sie/er sich
auseinandersetzen kann.

[00:11:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Prinzipien, ihre Wertvorstellungen nicht dann vorbringen, wenn ein Streit herrscht.

[00:11:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Hitze des Gefechts die Position beziehen, da wird nichts gehört. Da funktioniert
das Gehirn nicht. Da ist der Mensch nur auf Abwehr oder Aggression, je nachdem, wie
die Person drauf ist.

[00:11:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein ADS ist, das zieht sich eher zurück.

[00:12:02.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS geht eher drauf los.

[00:12:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment wird gar nichts mehr aufgenommen.

[00:12:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie bei der Prüfungsangst. Wenn man zu sehr emotional ist, dann weiß man
nichts mehr. Man hört auch nicht mehr zu. Die Kanäle gehen alle zu, System Overflow.

[00:12:17.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her warten, bis sich die Situation beruhigt hat, bei einem selbst und natürlich
auch beim Jugendlichen.

[00:12:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann wieder das Thema aufgreifen.

[00:12:30.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich in medias res gehen.

[00:12:34.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich seine Position beziehen.

[00:12:37.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Zuerst die Situation, also den Prozess beschreiben, wie das alles war.

[00:12:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so ruhig sein kann, das Gegenüber fragen, was hat dich da dazu veranlasst,
was hast du dabei gedacht, was ging in dir vor, dass der auch seine Situation
beschreiben muss, also seine Gefühle beschreiben muss.

[00:13:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man das Gegenüber ernst genommen hat, dann die eigenen Prinzipien
anbringen.

[00:13:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich mit den Prinzipien überfahren, sondern erst an zweiter Stelle.

[00:13:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man das Gegenüber ernst genommen, wahrgenommen, wertgeschätzt, war
achtsam dem Gegenüber.

[00:13:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man mehr Chancen, dass man selbst auch ernst genommen wird.

[00:13:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind immer noch die Eltern, also wir sollten etwas mehr Kontrolle über unsere
Gefühle und Aggressionen haben.

[00:13:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind und böse Dinge sagen, in der Not machen
sie das. Dann sage ich immer, da müssen die Eltern ihren Jugendlichen gegenüber
Welpenschutz walten lassen.

[00:13:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heißt, der Jugendliche darf härter beißen, als wir das dürfen und wir sollen nicht
zurückrufen, wie es in den Wald hinein ruft.

[00:14:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn wir das gerne täten.

[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten da etwas mehr persönliche Kontrolle unserer Emotionen haben.

[00:14:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man das selbst vorlebt, können die Jugendlichen auch wieder von einem lernen.

[00:14:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gilt wieder das Gleiche, wenn die Jugendlichen sehr aggressiv sind, zuerst warten
bis sich alles beruhigt hat und dann wieder mit seinen Prinzipien kommen.

[00:14:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ja heutzutage bekannt, dass es genetisch vererbt wird.

[00:14:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter ADHS/ADS läuft eine grosse Agglomeration läuft.

[00:14:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat viele verschiedene Gene, die da mitspielen.

[00:14:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer die gleiche Gewürzmischung.

[00:14:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wir wissen, dass ADHS/ADS genetisch vererbt wird, wissen wir auch, dass in den
Familien andere Menschen ADHS/ADS haben.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens haben die Eltern auch ein ADHS/ADS.

[00:15:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Schande, das ist einfach die Natur.

[00:15:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns vorstellen, dass der jugendliche Mensch da in Aufruhr gerät und die
Eltern haben auch ADHS/ADS, dann müssen wir uns natürlich sehr am Riemen reißen
und aufpassen, dass wir nicht Öl ins Feuer gießen.

[00:15:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertät unserer Kinder verlangt mehr Selbstkontrolle als sonst.

[00:15:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es eskaliert, dann brennen die Leitungen durch das Kind haut ab, die gehen dann
zu früh aus dem Haus und haben dann ihre Ablösungsproblematik bis 60 nicht gelöst,
weil sie einfach weggegangen sind.

[00:16:08.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns nicht genügend im Griff haben, dann geht das Kind entweder weg, es
wird aggressiv oder es gibt eine innere Monsterwelle.

[00:16:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beschreibe ich in meinem Buch: "ADHS und Schizophrenie – Wie emotionale
Monsterwellen entstehen und wie sie behandelt werden"

[00:16:21.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:16:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden die Gefühle dann alle nach innen behalten und irgendwann mal gibt es eine
Überflutung und dann funktioniert das Hirn überhaupt nicht mehr.

[00:16:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So entstehen die Krankheiten.

[00:16:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADS Kinder und Jugendliche nehmen Drogen, auch in der Pubertät.

[00:16:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade für ADHS/ADS Kinder ist die Droge etwas noch Schlimmeres.

[00:16:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reagieren sensibler auf Drogen.

[00:17:02.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist auch eine Droge.

[00:17:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sieht man auch den Zusammenhang zwischen Haschisch, Cannabis und
Schizophrenie.

[00:17:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Jugendliche zur Droge greift, dann dämpft er sich zwar, ist nicht so aggressiv
und an einer Weiterbildung oder einem Vortrag in Zürich bei der ELPOS, da hat sogar
eine Mutter gesagt: mir ist es lieb, wenn er Haschisch raucht, dann ist er viel
erträglicher zu Hause.

[00:17:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es nicht so lieb.

[00:17:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte lieber, dass er nicht Haschisch raucht und dass die Eltern ihn aushalten
oder die Situation aushandeln.

[00:17:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Haschisch ist tatsächlich ein Schizophrenie Risiko.

[00:17:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde lange verneint oder einfach gar nicht angeschaut.

[00:17:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen ist das ziemlich klar herausgekommen.

[00:18:04.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bei Haschischkonsumenten der Fall ist, dass sie sich nicht mehr so stark mit der
Umwelt auseinandersetzen und von dort her auch nicht mehr lernen.

[00:18:15.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer, von Haschisch stirbt man nicht.

[00:18:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man stirbt nicht, aber man bleibt einfach dumm oder man verblödet.

[00:18:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man reift nicht emotional, weil man sich nicht gleich mit dem Umfeld und all den
Schwierigkeiten auseinandersetzt.

[00:18:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Gehirn nicht diese flexiblen Strukturen, diese komplexen Strukturen
entwickeln, die dann das Gehirn wieder anpassungsfähiger machen.

[00:18:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche passiert mit dem Psychopharmaka.

[00:18:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch über längere Zeit chronisch schizophren ist, dann baut quasi das
Gehirn ab, weil er sich nicht mehr richtig auseinandersetzt mit dem Umfeld.

[00:19:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er hohe Dosen Neuroleptika, also Medikamente nimmt, die gegen die
Schizophrenie sind, dann baut das Gehirn auch ab.

[00:19:15.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb sollte man so wenig wie möglich geben.

[00:19:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diejenigen, welche schon Erfahrung haben mit Psychopharmaka, die können einem
sagen, ich bin nicht ganz mich selbst.

[00:19:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind die Antidepressiva, es sind natürlich die Neuroleptika.

[00:19:27.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb stellen die meisten Jugendlichen die Medikamente wieder ab, weil sie sich
nicht mehr spüren.

[00:19:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich müsste der junge Mensch sich spüren dürfen, achtsam sein mit sich.

[00:19:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Er braucht natürlich auch ein achtsames Umfeld, das ihm dies ermöglicht.

[00:19:46.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für ein Umfeld brauchen Jugendliche mit einem ADHS/ADS, damit sie möglichst
optimal lernen können, mit ihrer Gefühlswelt umzugehen?

[00:20:01.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Jugendliche brauchen ein emotional möglichst stabiles Umfeld, damit ihnen
erlaubt ist, dass sie ihre Wellenbewegungen, also das „Himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt“ etwas ausleben dürfen.

[00:20:29.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn sie mit einem ADHS/ADS Jugendlichen, natürlich auch mit den
kleinen Kindern, wir reden jetzt von den Jugendlichen, umgehen und sich mit dem Kind
auseinandersetzen, dass sie sich zuerst ins Lot bringen.

[00:20:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind verhandeln.

[00:20:47.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beispiel aus dem Flugzeug: ziehen sie zuerst ihre Sauerstoffmaske an, nur dann
können sie dem Kind helfen.

[00:20:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ziehen sie ihre Sauerstoffmaske an, beruhigen sie sich, wie immer das bei ihnen dann
geht.

[00:21:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann mit dem Kind interagieren.

[00:21:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nichts machen, als zu früh und zu stark reinschießen, ausagieren.

[00:21:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann oft gesagt, dann meint der Jugendliche, er dürfe alles und ich muss ihm
doch sagen, das geht doch nicht.

[00:21:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist pädagogisch, das ist nicht psychologisch.

[00:21:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er weiß genau, was die Regeln sind.

[00:21:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo er so im Zeugs drinnen ist, da kann er sich gar nicht kontrollieren.

[00:21:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie da noch reinkommen mit irgendwelchen Erziehungsmethoden, geht gar
nichts.

[00:21:41.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sagen einem das auch immer: ich kann doch das nicht alles tolerieren.

[00:21:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sag ich: sie müssen es tolerieren.

[00:21:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dem Hund das Bellen nicht verbieten.

[00:21:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS Kindern sag ich: man muss sie totschlagen, damit sie gehorchen.

[00:21:55.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht natürlich nicht.

[00:21:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie mit ihnen interagieren, wenn sie nicht selbst einigermaßen im Lot sind.

[00:22:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Bringen sie sich selbst ins Lot und erst dann interagieren sie.

[00:22:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zwei Piloten reden hören miteinander. Die haben gesagt, im Zweifelsfalle,
wenn das Flugzeug in Turbulenzen hinein kommt, das Steuer dem Flugzeug selbst
überlassen. Es steuert sich dann besser durch die Turbulenzen hindurch, als wenn man
übersteuert.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erzieher haben die Tendenz zu übersteuern.

[00:22:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stürzt das Flugzeug ganz ab.

[00:22:44.230] – Dr.med. Ursula Davatz
So war es mit dieser französischen Maschine.

[00:22:48.400] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/das_raetsel_von_af_447-ld.883336

[00:22:50.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Auseinandersetzung keine emotionalen Erpressungsmethoden verwenden.

[00:23:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verstehe ich unter emotionalen Erpressungsmethoden?

[00:23:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sein eigenes Leiden höher stellt als das Kind.

[00:23:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht mich ganz fest traurig.

[00:23:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder sehr sensibel sind, wenn man dann ganz traurig ist, dann
bekommt das ADHS/ADS Kind ein Schuldgefühl.

[00:23:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schuldgefühle, das sind wieder Emotionen, die müssen nach innen.

[00:23:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen zum Teil auch Selbstzerstörungstendenzen.

[00:23:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann auch das Ritzen und all diese Dinge.

[00:23:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: das enttäuscht mich.

[00:23:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Da steckt eine Erwartungshaltung dahinter.

[00:23:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von dir erwartet, dass du das schon kannst.

[00:23:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hast du es nicht gekonnt, jetzt bin ich enttäuscht.

[00:23:57.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugendliche, muss nicht mehr für die Eltern so und so und so sein.

[00:24:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der jugendliche Mensch sollte lernen, eben sich selbst zu regulieren und
Eigenverantwortung übernehmen.

[00:24:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Eltern zu lieb diese Haltung einnehmen oder eine andere.

[00:24:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre das immer wieder von Erwachsenen, von den Eltern, wie sie emotionale
Erpressungsmethoden verwenden.

[00:24:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin, wenn ich dann mit solchen Jugendlichen arbeite, muss ich auch
unglaublich aufpassen, dass ich überhaupt nicht in dieses Gebiet reinkomme.

[00:24:42.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind keine Maschinen. Sie sind Menschen. Vielleicht werden sie auch mal
aggressiv. Ich sage immer: wenn sie wütend werden, eher über die Gefühle reden, als
die Gefühle ausagieren.

[00:24:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Gefühle ausagieren müssen, das kann auch manchmal der Fall sein,
dann nicht aufs Kind schießen, sondern in die Luft.

[00:25:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So: ich bin so wütend, ich könnte jetzt, weiß ich nicht was.

[00:25:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht: du bist so unmöglich, aus dir wird nie was.

[00:25:18.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: argumentum ad personam.

[00:25:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die Person des Kindes vorgehen.

[00:25:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Hochzeiten schießt man auch in die Luft, im Gazastreifen, und nicht auf die
anderen.

[00:25:33.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Ausdruck der eigenen Emotionen.

[00:25:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen: ich bin so wütend, ich ertrage es nicht mehr, ich muss jetzt etwas
weggehen.

[00:25:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist unmöglich und schrecklich und weiß ich nicht was.

[00:25:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf auch traurig sein, man darf sagen, es hat mich verletzt und ich muss mich jetzt
zuerst finden.

[00:26:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss mich wieder ins Lot bringen und dann reden wir wieder.

[00:26:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du bist schuld, dass es mir jetzt so schlecht geht.

[00:26:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind von den schrecklichsten Gefühlen.

[00:26:16.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle stecken oft hinter ganz komischen Handlungen.

[00:26:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte keine schuldinduktiven Sätze verwenden.

[00:26:24.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich schwierig.

[00:26:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wieder seine Regeln sagt, seine Ethik, seine Wertvorstellungen, dann kann
man Sätze verwenden wie: Es ist mir wichtig, dass du, mein Sohn, das lernst von mir
oder von mir als Mutter.

[00:26:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Ethik, das sind meine Wertvorstellungen.

[00:26:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Regel, als Wertvorstellung darstellen und nicht: Du solltest, du musst, mach jetzt
endlich, hast du es immer noch nicht gelernt.

[00:27:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht mehr erziehen.

[00:27:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss man mit den Kindern, also den Jugendlichen die Beziehung
pflegen, aber nicht mehr erziehen.

[00:27:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat oft Streit mit den Pädagogen und den Lehrpersonen.

[00:27:19.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in der Schule würde es so gehen.

[00:27:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule hat man ein Kollektiv, da kann man noch andere Dinge anwenden als in
der Familie, wo alles individualisiert ist.

[00:27:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar ihre Wertvorstellungen sagen.

[00:27:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind den Jugendlichen die Wertvorstellungen gar nicht so gut bewusst.

[00:27:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lebt einfach danach und weiß gar nicht recht, was es ist.

[00:27:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn jemand dagegen verstößt, dann kommt es einem in den Sinn: ah, das wäre
mir wichtig.

[00:27:47.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr hilfreich, dass sie in der Pubertät sich klar werden über ihre eigenen
Wertvorstellungen.

[00:27:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapiestunde frage ich oft die Eltern, was war ihren Eltern wichtig, was haben
sie versucht an sie weiterzugeben?

[00:28:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie übernommen und was haben sie 180 Grad anders gemacht,
versucht zu ändern?

[00:28:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will nicht immer gleich sein wie die Eltern.

[00:28:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft korrigiert man. Manchmal tut man über korrigieren und dann muss man wieder
etwas zurück in die Mitte kommen.

[00:28:45.000] – Bemerkung 1
Das mit den Schuldgefühlen habe mir ganz fest rot angestrichen. Für mich ist es
schwierig. Auf der einen Seite soll das Kind oder der Jugendliche lernen, was löse ich
mit dem, was ich mache, bei anderen aus? Um Empathie zu entwickeln und so weiter.
Wenn ich als Mutter sage: Ich bin total wütend, ich bin verletzt, dann löse ich
Schuldgefühle aus. Das ist ein Gratwanderung. Ich habe ja auch das Recht auf meine
Gefühle.

[00:29:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das haben sie, aber das Kind hat mehr Recht und zuerst Recht.

[00:29:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Interaktion läuft, die nicht zufriedenstellend ist für uns als Eltern, muss man
zuerst den Prozess anschauen.

[00:29:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das gemacht, du hast das gemacht. In welcher Stimmung warst du? In
welcher Stimmung war ich?

[00:29:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man den Prozess etwas anschaut. Die ganze Geschichte etwas anschaut.

[00:29:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann darf das Kind sagen, woher es gekommen ist und warum es so überreagiert hat.

[00:29:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann emotional, dann muss das Kind auch seine Emotionen reflektieren. Das ist
schon therapeutisch.

[00:30:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind das gezeigt hat, dann kann man dann sagen: weißt du, ich hab an sich
nicht so gerne, wenn du das und das zu mir sagst oder dich so und so benimmst, denn
ich gehe von der Regel aus, dass man, weiß ich nicht was, sympathisch miteinander
umgeht.

[00:30:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal ist einer meiner Lieblinge unter den Affenforschern.

[00:30:29.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal hat sich mit Primatenforschung beschäftigt.

[00:30:55.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn ich beim Menschen nicht mehr weiter kam, ging ich zu den Tieren um zu
schauen, wie die sich sozial verhalten.

[00:30:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche sozialen Arten, der Mensch gehört dazu, die Affen auch, die haben soziale
Gene, das wird vererbt, sonst hätten wir gar nicht überlebt.

[00:31:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist empathisch, auch ohne dass er belehrt wird.

[00:31:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben Mitleid mit dem, dem es schlecht geht.

[00:31:29.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder noch viel mehr.

[00:31:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Eltern streiten, dann will das Kind den beschützen, den es denkt, das sei
der Ärmere.

[00:31:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als Mutter, als arm erscheinen, dann geht das Kind die Mutter beschützen,
wenn der Vater der Arme ist, dann geht das Kind den Vater beschützen.

[00:31:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hunde machen das übrigens auch so, sind auch in Herden aufgewachsen.

[00:31:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben soziale Gene, man muss nur das Gehirn wieder beruhigen und dann
kommen die von alleine wieder hervor.

[00:32:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Glauben sie das oder nicht?

[00:32:07.280] – Bemerkung 2
Es ist wirklich eine Gratwanderung. Ich finde es wirklich spannend mir das vorzustellen.
Was löse ich bei den Jugendlichen aus? Ich finde es sehr hilfreich, den Prozess
anzuschauen. Wie ist es dir ergangen, was hast du gedacht, als du das gemacht hast,
was hast du gefühlt? Ich würde dir gerne sagen, wie es mir dabei ergangen ist.

[00:32:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Genau, ganz genau und das ist absolut in Ordnung.

[00:32:44.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal, die wilden Diplomaten: https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3423303735

[00:32:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Affe in uns: https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:32:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist lustig zum lesen.

[00:32:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bonobo und der Atheist. https://www.amazon.de/Bonobo-Atheist-Search-Humanism-Primates/dp/0393347796

[00:32:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch kulturhistorisch noch interessant.

[00:34:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass wir unsere Gefühle beschreiben, dass das Kind seine Gefühle
beschreiben darf. Dann kann man sagen, wie man es gerne hätte.

[00:34:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf schon verletzt sein, man soll es aber nicht ausagieren, man soll es
beschreiben. Mann kann es auch ausagieren und hinterher noch beschreiben.

[00:34:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Besser ist, wenn man sich unter Kontrolle hat.

[00:34:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das ADHS/ADS Kind aufgeregt ist, kann es das nicht.

[00:34:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reifen etwas später.

[00:34:44.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Menschen im Erwachsenenalter können auch nicht dezentrieren.

[00:34:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, dass 40% der Menschen lernen nie zu dezentrieren, die gehen immer
nur von sich aus.

[00:34:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Da braucht es immer wieder Geduld und Zeit, dass man fragt: was war bei dir, was hast
du gedacht, was ist in dir vorgefallen, was deine Motivation?

[00:34:55.260] – Bemerkung 3
Was soll man tun, wenn das Kind schweigt?

[00:34:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite ab und zu, mit geistig Behinderten. Da kann ich gar nichts mehr fragen. Da
kann ich nur beobachten.

[00:35:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann ich mich mit meinem Partner unterhalten und fragen, was denkst du, was
das wohl war?

[00:35:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte vor kurzem ein Kind, das war glaube ich zwölf, das hat Schulverweigerungen
gemacht und hat nichts mehr geredet.

[00:35:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Da konnte man gar nichts fragen.

[00:35:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Kindern kann man oft nicht fragen, bei Teenagern oft auch nicht.

[00:35:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man versuchen zu beobachten und schauen, was es wohl war.

[00:35:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man vielleicht ein Ratespiel machen und sagen, hat dich das verletzt? Hat
dich das geärgert?

[00:35:51.320] – Dr.med. Ursula Davatz
War das peinlich für dich? Alles so Gefühlswelten. Vielleicht gibt das Kind dann eine
Antwort. Man muss viel mehr beobachten, man kann dann nicht mehr so viel Reden.

[00:35:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Familientherapeuten, wir stellen die Sprache ab, wenn wir nicht weiterkommen,
damit wir besser beobachten müssen.

[00:36:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder die Achtsamkeit.

[00:36:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man genauer hinschauen muss und nicht reden kann und nicht nach Worten
fragen, hat man auch nicht so viele Vorurteile.

[00:36:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beobachten, schauen und überlegen, mit Partner reden, mit Lehrerin reden, was
denken sie, was es sein könnte? Das?

[00:36:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Kind, das nicht mehr geredet hat, habe ich dann wieder in die Schule gebracht.
Vorher war das Kind im Spital, man hat auf das Kind eingeredet, es hat nur verweigert.

[00:36:42.740] – Bemerkung 4
Ich bin nicht die Mutter eines ADHS/ADS Teenagers, das bin ich selber der Teenager
mit ADHS/ADS. Ich habe eine sehr impulsive Mutter, die selber auch ADHS/ADS hatte.

[00:37:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist gestellt, wir sind damit einverstanden.

[00:37:03.570] – Bemerkung 4
Ich bin heute noch sehr impulsiv, auch emotional sensibel, alles. Wenn dann so eine
Bombe zurückgeworfen wird zu mir, sprich jetzt von meiner Mutter, das mich noch viel
unsicherer macht. Das wirft mich total aus der Bahn. Eigentlich sind meine Eltern dafür
da, dass ich mich sicher fühle. Ein sicheres zu Hause.

[00:37:48.960] – Bemerkung 4
Wenn ich nach Hause komme und Probleme habe, und diese werden dann vielleicht
noch mehr runter gedrückt, auch von den Wertvorstellungen meiner Mutter oder meines
Vaters, die ich nicht unterstütze. Gibt es Probleme, wirft das Ganze nochmals auf.
Wenn ich mich dann wehre und so ein Schwall zurückkommt, weiss ich nicht mehr, an
was ich mich orientieren soll.

[00:38:13.400] – Bemerkung 4
Es ist nicht fair, dass Kinder mehr sagen dürfen, mehr angreifen dürfen, als die Eltern,
das habe ich heute erkannt, nur…

[00:38:22.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, es ist fair. Das ist der Welpenschutz.

[00:38:26.950] – Bemerkung 4
Es war sehr schwierig für mich, mich in meinem eigenen Charakter zu definieren,
Selbstsicherheit zu finden, wenn alles um mich herum auch labil ist. Wenn alles sehr
emotional ist.

[00:38:43.760] – Bemerkung 4
Dass man sich dann den Eltern nicht mehr öffnet, dass man schweigt, ist das Gefühl,
dass man nicht verstanden oder nicht erhört wird.

[00:38:53.540] – Bemerkung 4
Dass man anfängt zu blockieren und dort keine Hilfe, keine Sicherheit findet. Darum
öffne ich mich gegenüber meinen Eltern nicht.

[00:39:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank, das ist ein sehr gutes Votum, das erlebe ich natürlich immer wieder. Ich
bin froh, dass sie das so direkt aus eigener Erfahrung sagen können. Es stimmt.

[00:39:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, alle Kinder haben das Anrecht auf starke Eltern.

[00:39:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich auch wieder eine Asymptote.

[00:39:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so, wie sie sagen, dann fühlt man sich nicht mehr sicher, dann kann man die
eigene Person nicht entwickeln. Man nimmt sich zurück und das sollte eigentlich nicht
so sein.

[00:39:36.180] – Bemerkung 5
Für meine Ordnung: im Umgang mit dem Konflikt, meinen sie das Konzept von der
gewaltfreien Kommunikation? Man nimmt es war, man beschreibt, man benennt das
Gefühl.

[00:39:37.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der gewaltfreien Kommunikation läuft es auch so, dass man wahrnimmt, beschreibt,
möglichst seine Gefühle, sein Absichten, seine Werte sagt, ohne dass man anderen
erdrückt.

[00:39:53.450] – Bemerkung 5
Ich-Botschaften und Du-Botschaften.

[00:39:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[00:40:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem die Gefühle durchbrennen, dann in die Luft schiessen, oder etwas Auszeit
nehmen und sich wieder zentrieren, also wieder in die Mitte kommen.

[00:40:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Leute können so gut beherrscht sein. Die müssen dann vielleicht eine kurze
Volte reiten, also eine kurze Auszeit für sich nehmen.

[00:40:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur das Kind in die Auszeit schicken.

[00:40:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch selbst sagen, ich brauche jetzt eine Auszeit, sonst kann ich mich nicht mehr
kontrollieren.

[00:40:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man klar sagt, es ist kein Beziehungsabbruch, ich bestrafe dich jetzt
nicht mit Liebesentzug, sondern ich brauche für mich eine Auszeit, damit ich mich
beruhige. Sonst bin ich außer mir und dann sage ich dummes Zeug, das ich nachher
nicht mehr zurücknehmen kann.

[00:41:16.720] – Bemerkung 6
Was ist wenn das Kind sich selbst Schuldgefühle auferlegt? Es kommt nach Hause und
sagt, ich habe das und das gemacht.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ADHS/ADS Kinder so sensibel sind, wollen sie auch alles selber gut regeln, sehr
empathisch.

[00:41:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress schüttet man Oxytocin aus, das was die Frauen ausschütten, wenn sie
Kinder stillen.

[00:41:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress ist man von dort her auch empathischer.

[00:41:41.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann nicht helfen kann, dann denkt man man ist schuldig.

[00:41:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich fragen, was hättest du gerne gemacht, um zu helfen?

[00:41:50.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hätte man es handhaben müssen in der Schule, damit es allen gut gegangen
wäre?

[00:41:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass das schon eine sekundäre Reaktion ist darauf, dass das Kind nicht
helfen kann.

[00:42:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt nichts Schlimmeres als der hilflose Helfer.

[00:42:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte merken ja das. Die Pflegenden merken das.

[00:42:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht helfen kann, kann man sadistisch werden.

[00:42:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist beim Kind natürlich noch nicht so.

[00:42:14.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind fühlt sich schuldig, dass es nicht helfen kann.

[00:42:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viele Kinder als Erwachsene erzählen mir dann, ich hab mich schuldig gefühlt
dafür, dass die Eltern gestritten haben.

[00:42:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern sagen dann auch, wir streiten nur wegen dir.

[00:42:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch nicht richtig. Der Streit zwischen den Eltern ist nie nur wegen dem Kind.

[00:42:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen ihre Dinge aushandeln. Das Kind ist nie schuld am Streit zwischen
den Eltern.

[00:42:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achten sie darauf, was sozial gelaufen ist.

[00:42:46.300] – Bemerkung 6
Auch Dinge die er tut, von denen er denkt, dass er sie nicht tun sollte, dann fühlt er sich
schuldig.

[00:42:51.640] – Bemerkung 6
Wenn er es mir erzählt, dann sagt er: jetzt bin ich erleichtert.

[00:42:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist ja gut. Anhören.

[00:43:06.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern, denen passieren oft Fehler.

[00:43:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie korrigieren über zwanghaft korrekt sein. Wenn das nicht gelingt, dann
fühlt er sich schuldig.

[00:43:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es zu Hause erzählen kann, fühlt er sich erleichtert, dann ist es gut.

[00:43:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da reguliert die Mutter jetzt noch die Gefühlswelt. Das ist ok.

[00:43:41.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu stark dagegen reden, sonst fühlt er sich wieder schuldig, dass er das nicht
normal findet.

[00:43:42.360] – Bemerkung 7
Ich bin seit vier Jahren in einem Zwiespalt. Mein Sohn ist in psychologischer Betreuung,
also musste dann Ritalin nehmen, weil er von der Schule flog.

[00:43:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel zum Thema: Schule für alle.

[00:43:57.190] – Bemerkung 7
Der Druck ist wieder da. Es geht mir gegen den Strich. Das Ritalin geht gegen die
eigenen Entwicklungen. Mein Sohn merkt, dass er neben sich steht.

[00:44:13.030] – Bemerkung 7
Wir versuchen immer so viel wie möglich wieder von dem Ritual wegzukommen.

[00:44:16.360] – Bemerkung 7
Ich habe dann das schlechte Gewissen vom Psychologen, weil ich weiss, und das war
jetzt auch der Fall, seit einem Jahr nimmt er jetzt Cannabis. Ich befinde mich in einem
enormen Zwiespalt. Jetzt geht es in die Berufswahl. Er muss schnuppern und er hat
wirklich eine Schnupperlehre jetzt mit Cannabis, einfach versaut.

[00:44:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kenne ich.

[00:44:42.600] – Bemerkung 7
Wir haben nicht immer Möglichkeiten. Es wäre auch für seine Stabilität gut, wenn er
jetzt mal einen Ort finden würde, wo es gut ist.

[00:44:55.770] – Bemerkung 7
Soll ich ihn wieder losschicken mit Ritalin, in der Hoffnung, dass er dann weniger kifft?
Das ist enorm schwierig.

[00:45:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist er?

[00:45:04.130] – Bemerkung 7

15 Jahre alt.

[00:45:08.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er noch Zeit.

[00:45:08.380] – Bemerkung 7
Wir verbringt er seine Zeit? Mit Cannabis, mit Diskussionen in die Richtung?

[00:45:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode, die verwendet werden kann, ist Neurofeedback.

[00:45:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback lernt man auch Achtsamkeit, natürlich elektrisch vernetzt.

[00:45:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann seine Aufregung auf dem Bildschirm oder hört es an einen Ton.

[00:45:39.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neurofeedback Lehrerinnen, die bringen einem bei, achtsamer zu werden.

[00:45:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch in den Ferien Achtsamkeitstrainings.

[00:45:55.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beruhigt. Dann braucht es kein Ritalin, kein Neuroleptikum, kein Haschisch, man
lernt es selbst.

[00:46:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit ihm reden und sagen, ich will, dass du das lernen darfst und man müsste
mal schauen, was für Programme es gibt.

[00:46:19.060] – Bemerkung 7
Vielleicht ist er jetzt schon wieder bereit. Für Kinesiologie war er auch offen. Irgendwann
kann ich wieder mit etwas neuem kommen. Das wäre das neue.

[00:46:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gute Erfahrung gemacht mit dem Neurofeedback oder einem
Achtsamkeitstraining.

[00:46:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennt jemand hier so etwas?

[00:46:37.220] – Bemerkung 8
Ich mache Kommunikationstrainings für junge Erwachsene, neuro-psychotherapeutisch
und verhaltenstherapeutisch aufgebaut. Als erstes lernen alle zuerst einmal die
Neurobiologie ihres Gehirns, ihre unterschiedlichen Aufmerksamkeitsfokussierungen
ihre Entwicklungsstufen. Wenn sie das kapiert haben, dann sind sie bereit etwas zu
ändern, sonst nicht. Wenn man in den Emotionen ist, ist hinten alles abgeschaltet, man
hat keinen Zugriff auf sein Altwissen, auf seinen Intellekt. Man reagiert nur auf seinen
sehr verminderten Arbeitsspeicher und macht irgendetwas. Man weiss hinterher auch
nicht mehr, was man gemacht hat. Man hat keine Erinnerungen.

[00:47:28.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Achtsamkeitstraining, Kommunikationstraining, das geht alles in die gleiche Richtung.

[00:47:45.000] – Bemerkung 7
Die Psychologen haben immer rein geredet.

[00:47:45.260] – Bemerkung 8
Es gibt kein rein Reden. Es gibt nur Ratschläge.

[00:47:59.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:48:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Psychologen können mit ADHS/ADS Kindern umgehen. Man tendiert
heutzutag sehr schnell zu Ritalin.

[00:48:17.840] – Bemerkung 7
Er ist Spezialist für ADHS/ADS. Auf der Gefühlsebene hat es zwischen dem
Psychologen und dem Jugendlichen nicht geklappt. Er wollte nicht auf die Couch liegen.
Dann war gleich fertig.

[00:48:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es nicht, dann kann man es vergessen.

[00:48:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Er könnte auch in ein Trainingslager gehen, so wie Summer Camp. Dann ist er nicht
krank, dann lernt er einfach etwas. Das ist ja gut.

[00:48:44.340] – Bemerkung 7
Die Motivation muss ja kommen. Kann er was verdienen bei Euch?

[00:48:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann etwas lernen. Das verdienen kommt erst später zurück. Das ist eine langfristige
Investition.

[00:49:07.980] – Bemerkung 8
Sie können ihm sagen: das geht über zwei Tage, das ist Kurzurlaub für dich, mit noch
anderen tollen jungen Leuten, die alle gleich drauf sind wie du. Junge Gruppen sind
immer besonders anstrengend, aber spannend.

[00:49:49.580] – Bemerkung 9

Der ELPOS Regionalverein Aargau/Solothurn bietet dazu eine Info an von Frau Elena
Arici, https://www.linkedin.com/in/elena-arici-16822634/ zum Thema Neurofeedback, in
Rothrist.

[00:49:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wie sagen: ja, die Vernunft, dann sind sie schon zu sehr wieder auf dem
Überreden wollen.

[00:49:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen überzeugt sein, das ruhig platzieren, und dann geht's schon rein.

[00:50:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jeweils: das ist jetzt mein Argument.

[00:50:07.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sag nicht: friss es, also, versteh endlich.

[00:50:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mein Argument, ich leg's hier her und jetzt kannst du es nehmen, wenn du bereit
bist.

[00:50:17.400] – Bemerkung 7
Das warten, bis er dann bereit ist, das kostet viele Nerven. Das ist wie auf der
Rutschbahn, ich sehe ihn wie auf der Rutschbahn.

[00:50:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Es lohnt sich zu warten. Drängen braucht schlussendlich länger, als wenn sie in
Ruhe warten. Sie müssen sich wieder ins Lot bringen, aushalten, dran glauben.

[00:50:44.020] – Bemerkung 7
Ja, jetzt ist er am dealen mit Cannabis. Muss ich das noch weiter aushalten?

[00:50:46.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Es geht mindestens zwei Jahre.

[00:50:50.120] – Bemerkung 7
Ich hänge alles auf die Toilette, mein Regeln usw.

[00:51:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zu viel. Zurücknehmen. Weniger ist mehr. Wir wollen keine Numbing Effect.

[00:51:27.320] – Bemerkung 10
Achtsamkeit finde man auch beim Mindfulness-Verband: https://www.mindfulness.swiss/

[00:51:27.620] – Bemerkung 10
MBSR steht für: Mindfulness Based Stress Reduction.

[00:52:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Mindfulness bedeutet Achtsamkeit auf English. Das ist das gleiche.

[00:52:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie wird das auch bei geistig Behinderten und bei alten Leuten
verwendet.

[00:52:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Depression auch. Da muss man lernen wieder auf sich zu achten und nicht sich
zu zerstören.

[00:52:32.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke, super.

[00:52:34.640] – Bemerkung 11

In der Region Basel gibt es auch Kurse zum Thema Neurofeedback. Das findet man in
der ELPOS Broschüre. Christina Anaheim und Jan Massner.

[00:53:18.330] – Bemerkung 11
https://www.neurofeedback-basel.ch/janmassner

[00:53:34.180] – Bemerkung 12
Stimulanzien sind nicht Psychopharmaka?

[00:53:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, doch. Alles. Die verändern das Gehirn. Alles, was das Gehirn verändert, sind
Psychopharmaka.

[00:53:58.920] – Bemerkung 12
Sind sie gegen sämtliche Medikamente?

[00:53:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Ärztin, ich bin Psychiaterin, ich verwende auch Medikamente.

[00:54:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch manchen Leuten Ritalin.

[00:54:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird sehr viel Ritalin auch Erwachsenen verschrieben.

[00:54:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sagen, nein, ich will es nicht, wenn das Kind sagt, nein, ich will es
nicht, dann überrede ich niemandem dazu, dass er/sie Ritalin nehmen muss.

[00:54:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, man muss selbst dahinterstehen.

[00:54:27.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergewaltige niemanden zu dem Psychopharmaka.

[00:54:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich nicht in Ordnung. Das geht gegen meine Ethik.

[00:54:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende es auch. Ich bin nicht ein absoluter Feind von Medikamenten.

[00:54:43.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, dass Psychopharmaka zuviel verwendet werden.

[00:54:46.570] – Bemerkung 13
Medikamente können diesen Kindern auch helfen sich selber zu spüren und sich selber
zu reflektieren.

[00:54:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist schon möglich, weil die Psychopharmaka im Gehirn eingreifen.

[00:54:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann es auch anders lernen. Das andere Lernen hat keine Nebenwirkungen.
Das Ritalin kann Nebenwirkungen haben. Ich mag die nicht chemischen Methoden
besser.

[00:55:20.710] – Bemerkung 14
Je nachdem wie stark ausgeprägt es ist. Es ist ein grosses Spektrum. Gewisse können
ihren Arbeitsalltag ohne Ritalin gar nicht mehr bewältigen.

[00:55:37.400] – Bemerkung 14

In gewissen Jobs ist es nicht so wichtig, dass man am roten Faden bleibt, zum Beispiel
in der Kreativität. Es kommt auf den Kontext an.

[00:55:53.770] – Bemerkung 14
Die Schule hat bei der Ritalin Verschreibung nicht dreinzureden.

[00:56:01.430] – Bemerkung 14
Eltern und Kinder müssen sich entscheiden, wie sie vorgehen wollen im Umgang mit
Ritalin. Darin muss man sie unterstützen.

[00:56:26.870] – Bemerkung 15
Ein Jugendlicher nimmt schon lange Ritalin. Jetzt in der Pubertät möchte er kein Ritalin
mehr nehmen. Er ist auch schon sehr therapiemüde, dass er sagt: ich will keine
Therapie mehr.

[00:56:33.560] – Bemerkung 15
Was soll man machen als Eltern, wenn man sieht, dass Ritalin klar in der Schule hilft,
mit der Berufswahl usw.

[00:56:33.860] – Bemerkung 15
Das Kind weiss es selber auch: mit Ritalin schaffe ich die Schule viel besser.

[00:56:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die folgende Haltung. Sie dürfen entscheiden wie sie wollen.

[00:56:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sagt, ich will nicht mehr, dass ich dann sage, okay, wir probieren es.

[00:57:02.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen, wie es geht.

[00:57:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls ich finde, es ist ganz schrecklich, dann sag ich es dir. Dann diskutieren wir es
wieder.

[00:57:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nie sagen, nein, du darfst nicht.

[00:57:13.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Jugendlichen das versuchen lassen. Denn er will ja erwachsen werden
ohne chemische Unterstützung. Manchmal machen die ADHS/ADS Jugendlichen auch
ganz schnelle Schritte, sie werden auf einmal sehr viel vernünftiger in der Pubertät.

[00:57:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es nicht von vorweg ausschliessen.

[00:57:35.960] – Bemerkung 16
Ich möchte an die Eltern einen Gedanken legen. Erinnert euch zurück an euren ersten
Schultag in der Oberstufe.

[00:57:53.580] – Bemerkung 16
Was einfach klar ist: sicher durch die Pubertät zu gehen, ist so einfach, wie auf zwei
Bergspitzen ein gespanntes Seil zu überqueren, währenddessen ein Hurrikan wütet.

[00:58:07.690] – Bemerkung 16
Ich habe selber, über zwei Jahre Cannabis konsumiert.

[00:58:21.180] – Bemerkung 16
Ich war immer sehr emotional, immer ständig unterwegs und hatte auch eine innere
Unruhe. Vielleicht auch eben, wenn man diese Medikamente nicht nimmt. Darum greift
man oft zu Drogen, um sich zu betäuben. Dann ist man ruhig.

[00:58:33.260] – Bemerkung 16

Mütter sagen, ich möchte eigentlich, dass der eine raucht, dann ist er aushaltbar, weil er
sich selbst aushaltet.

[00:58:43.490] – Bemerkung 16
Die Kinder wissen weder nach links noch nach rechts. Es lastet so viel Druck auf ihnen.
Man muss ihnen Stabilität und Sicherheit geben, sie nicht versuchen einzuschränken
oder ihnen Regeln zu geben. Sie machen es ohnehin ganz anders. So wie sie bei ihren
Eltern auch etwas ganz anderes gemacht haben, als sie gerne möchten.

[00:58:52.120] – Bemerkung 16
Wenn sie den Jugendlichen ständig unterstützen, dann merkt das auch der Jugendliche
und entwickelt selber Selbstbewusstsein und merkt auch was er will, was er kann und
was nicht und greift vielleicht dann weniger zu Drogen, um sich selber zu betäuben.

[00:59:27.400] – Bemerkung 16
Die Entscheidung nicht mehr Ritalin zu nehmen, ist eine gute Entscheidung, finde ich
persönlich, wenn man immer noch gut leisten kann. Es ist eine Frage der
Notwendigkeit. Also für Schule, Arbeit, volle Konzentration, es geht um ein Geschäft,
man ist irgendwo angestellt, da muss man Verantwortung übernehmen können und
somit auch 100% gute Leistungen erbringen, also muss man sich selber überlegen, ob
man dazu fähig ist mit Medikamenten oder nicht.

[00:59:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank für das Schlusswort. Ich hoffe sie konnten etwas mitnehmen.

Diskussion zum Thema „Loslassen“, Frauenmorgen Muri

Diskussion anhören:

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

27.4.2017
Diskussion zum Thema Loslassen, Frauenmorgen Muri
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema loslassen von Sachen ist auch ganz ein wichtiges Thema.

[00:00:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das immer wieder beim sogenannten Messie-Syndrom.

[00:00:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, die ansammeln, ansammeln, behalten und gar nichts
wegschmeissen können. Das ist einfach ein bisschen ein Extrem.

[00:00:17.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dort genauer hinter die Kulissen schaue, sind das meistens Menschen, die
nicht so ein gutes Selbstwertgefühl haben und eigentlich ihr Sein an all die Sachen
gehängt haben.

[00:00:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sachen, Erinnerungen.

[00:00:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären dann Erinnerungen loslassen, Gegenstände loslassen.

[00:00:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, man muss es auch sorgfältig machen.

[00:00:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt oft Leute, die dann zu den Messie-Syndrom-Menschen ins Haus gehen und
aufräumen und weg und das schmeissen wir weg. Das geht überhaupt nicht.

[00:00:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man alles wieder zusammensammeln oder sie sind ganz unglücklich.

[00:00:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Methode, wie man denen hilft, loszulassen, ist zuerst einmal zu sortieren.

[00:01:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleiches zu Gleichem.

[00:01:06.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Mensch dem die Sachen gehören, der muss selber sagen können:
Jawohl, ich lasse das jetzt gehen.

[00:01:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Sache ein Abschiedsritual machen.

[00:01:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Geduld.

[00:01:21.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Helfer brauchen Geduld.

[00:01:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch, der es macht, der loslassen muss, der muss Geduld mit sich selber haben
und entscheiden.

[00:01:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Loslassen ist immer auch eine Entscheidung.

[00:01:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man sich nicht entscheiden kann, kann man auch nicht loslassen.

[00:01:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man hin und her: Soll ich noch? Soll ich nicht? Brauch ich das noch? Brauch
ich das nicht mehr?

[00:01:42.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind schwierige Entscheidungsprozesse.

[00:01:44.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Gute Entscheidungen werden nur getroffen, wenn man sich selber in Ruhe konsultiert
und dann das macht und dann sagen kann ok, ich habe das so entschieden, ich stehe
zu meinem Entscheid.

[00:01:55.600] – Bemerkung 1
Wenn jemand gestorben ist und es wohnt niemand mehr dort, der Haushalt wird
aufgelöst. Dann gibt es Erben, Kinder, die alles behalten wollen.

[00:02:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, die viel behalten wollen, haben wahrscheinlich ihren Abschiedsprozess noch nicht
gemacht mit der Person.

[00:02:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss jede Person einzeln machen.

[00:02:17.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nur individuell losgelassen werden.

[00:02:17.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht einfach kollektiv loslassen.

[00:02:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nicht eine ältere Schwester für die jüngeren Brüder oder Schwester
entscheiden, dass jetzt einfach alles weggegeben wird.

[00:02:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die, die nicht loslassen können, die müssen es dann halt zu sich nehmen.

[00:02:35.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nicht einer für die anderen entscheiden.

[00:02:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen dann selber durch ihren Entscheidungsprozess durch oder auch nicht und
behalten alles und dann müssen es ihre Kinder machen.

[00:02:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um eine Person, mit einer Person oder um eine Sache.

[00:03:04.840] – Bemerkung 2
Jemand hat einmal gesagt: wenn man Besuch kriegt und der Besuch sagt: Das ist aber
ein schöner Blumenstrauss, dann soll man den gleich verschenken. Das finde ich zum
Teil auch schwierig, einen Gegenstand zu verschenken.

[00:03:27.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist korrekt, man kann zum Teil besser loslassen von Sachen, in dem man sie
jemandem weitergibt, der Freude hat daran.

[00:03:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel schöne Kleider, die man nicht mehr anziehen kann.

[00:03:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Einfach in den Mülleimer zu werfen, das möchte man nicht, das geht gegen das Prinzip.
Jemanden zu geben, der das noch brauchen kann, daran hat man Freude.

[00:03:37.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In Spanien ist es so, dass wenn Gäste etwas bewundert haben, dann hat man gesagt:
Okay, ich schenk es ihnen.

[00:03:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann antwortete: Nein, nein, ich will das nicht, dann hat man sie beleidigt.

[00:03:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zum Teil sogar eine Sitte.

[00:04:04.870] – Bemerkung 3
In Japan darf man gar nicht sagen: Das ist schön. Die schenken einem das sofort.

[00:04:14.080] – Bemerkung 3
Jetzt habe ich auch noch etwas, was ich loshaben möchte.

[00:04:18.850] – Bemerkung 3
Ich selber mache auch gern Handarbeit, habe schon viel gemacht und ich schätze das,
was die Leute machen.

[00:04:23.780] – Bemerkung 3
Jetzt habe von ich einer Freundin, welche die Wohnung von ihrer Mutter räumen
musste, weil sie ins Altersheim gehen musste, tonnenweise kurzgestrickte Decken
gescheckt bekommen, sauber gewaschen. Jetzt möchte ich das loswerden, falls hier
jemand diese Decken möchte.

[00:04:54.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:05:00.880] – Bemerkung 3
Wir machen ein Datum ab und ihr kommt zu mir zu einem Kaffee und ihr dürft in dieser
Tasche wühlen.

[00:05:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird das Loslassen direkt praktisch angewendet, praktizieren.

[00:05:52.430] – Bemerkung 4
Ich schätze es sehr, dass ich anwesend sein darf und das spannende Thema hören.

[00:05:52.630] – Bemerkung 4
Wenn man im Leben loslassen muss, weil es eine körperliche Beeinträchtigung gibt, sei
das durch Krankheit, Unfall oder dann auch im hohen Alter. Wie geht man mit dem um?

[00:06:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Frage.

[00:06:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme aus dem medizinischen Bereich.

[00:06:34.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil mit Menschen und mit Krankenschwestern gearbeitet, die solche
Patienten hatten.

[00:06:42.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel ist, wenn jemand bei voller Gesundheit ist und dann passiert ein Unfall und
dann ist er querschnittsgelähmt.

[00:06:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Querschnittsgelähmten haben unheimlich Mühe, loszulassen von der Idee: Ich kann
jetzt nicht mehr laufen, ich kann mich nicht mehr bewegen.

[00:07:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Tetraplegiker sind, ist es noch schlimmer.

[00:07:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt solche, können ein Leben lang nicht loslassen von der Vorstellung: Ich müsste
eigentlich noch einen ganz funktionierenden Körper haben.

[00:07:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da helfe ich dann denen, die mit denen arbeiten, die Trauerbewältigung.

[00:07:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Loslassen von dem gesunden Körper, das Loslassen von der Vorstellung, ich habe
einen gesunden Körper.

[00:07:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal geht die Trauer ein Leben lang, manchmal bringt man es hin und die Leute
können wieder ein interessantes Leben führen.

[00:07:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel ist ja der Stephen Hawking, der berühmte Physiker mit einer Amyotrophe
Lateralsklerose.

[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ihm gesagt, sie sterben dann und dann und der hat nicht losgelassen vom
Leben. Er musste loslassen von seiner Vorstellung: Ich habe einen gesunden Körper.

[00:07:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich phänomenal, was er dann noch alles gemacht hat, aber nicht alle
können es so wie er.

[00:08:01.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Alter, ich gehöre auch schon zu den älteren Semestern, im Alter muss man
selbstverständlich immer loslassen von neuen Gebrechlichkeiten oder Sachen, die halt
nicht mehr ganz gehen.

[00:08:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zu einer einer Schulkollegin aus der BEZ gesagt: Wenn ich dann mal so alt bin
und nicht mehr so gut laufen kann, dann bin ich wahnsinnig stolz, wenn ich eine Strasse
kann überqueren.

[00:08:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon eine grosse Leistung.

[00:08:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss sich reduzieren auf kleine Taten, auf kleine Sachen.

[00:08:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ja auch an den kleinen Sachen Freude haben.

[00:08:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss ja nicht immer eine grosse Leistung sein.

[00:08:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann sein Mass reduzieren auf kleine Sachen.

[00:08:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Den kleinsten Sachen, kann man etwas abgewinnen.

[00:08:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Sache von der eigenen Einstellung.

[00:08:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so einfach und es ist immer wieder eine Traurreaktion.

[00:09:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss loslassen von der Jugend, von dieser vollen Funktionstüchtigkeit.

[00:09:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Beispiel eine Ohrenentzündung gehabt und ich musste loslassen vom
vollen Gehör an dem rechten Ohr.

[00:09:23.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber ich bin froh, dass sie sich am linken Ohr noch gut höre.

[00:09:30.940] – Bemerkung 5
ich habe eine kleine Geschichte, wegen dem Loslassen, bei den Kindern. Ich habe bei
der ältesten Tochter beim aufräumen einen Bär gefunden. Der Bär war kaputt und ich
habe den Bär weggeworfen. Der Bär sass im Kübel, als die Tochter eines Tags nach
Hause kam. Meine Tochter war entsetzt und sagte, dass man den Bär nicht wegwerfen
darf. Die Grossmutter hat dann den Bär geflickt. Ich habe gelernt, nie mehr etwas von
den Kindern wegzuwerfen, bevor ich sie gefragt habe.

[00:10:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Aus der Sicht der Tochter, war das ein Übergriff.

[00:10:35.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Bär hat etwas Emotionales für sie repräsentiert und sie haben ihn
weggeschmissen.

[00:10:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben sie wie ein Stück von der Seele von ihrer Tochter wegschmeissen wollen.

[00:10:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Gegenstände sind nicht einfach so viel wert, wie sie da sind, sondern die Gegenstände
sind immer besetzt von unseren Emotionen und für jeden hat es einen anderen Wert.

[00:11:01.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Für ihre Tochter hat der Bär einen grossen Wert gehabt.

[00:11:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat den Bär dann wieder geflickt.

[00:11:04.970] – Dr.med. Ursula Davatz
An die Gegenstände hat man so viel seelisches angeknüpft, so viel Empathie auf den
Gegenstand projiziert, dass der einen Teil von einem enthält.

[00:11:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nur selber den entsorgen, jemand Fremdes darf das nicht.

[00:11:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch das Problem bei den Messies, wenn jemand fremdes kommt und einfach
aufräumt und wegschmeisst, das geht überhaupt nicht.

[00:11:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn die Menschen haben an alles irgendwie eine Bindung und sie müssen selber
entscheiden: Ich gebe jetzt das weg. Oder halt auch nicht.

[00:11:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schön. Da haben sie eine Erkenntnis gehabt.

[00:11:53.730] – Bemerkung 6
Was hat verzichten mit loslassen zu tun?

[00:12:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Verzicht hat sehr viel mit loslassen zu tun und zwar mit loslassen von der Vorstellung:
Ich kann alles. Ich kann alles machen.

[00:12:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kopf kann man alles gleichzeitig denken oder ziemlich gleichzeitig.

[00:12:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Leben kann man das nicht.

[00:12:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage mir dann immer, wenn ich denke: Oh, das würde ich auch noch gerne und das
auch noch gerne und das noch gerne.

[00:12:30.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht alles.

[00:12:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die Entscheidungsfrage.

[00:12:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Loslassen ist immer eine Entscheidung, sich für etwas entscheiden, wo man etwas
anderes loslässt.

[00:12:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das, was man loslässt, auf das verzichtet man und das, was man wählt, das
entscheidet man.

[00:12:49.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Menschen wollen nicht entscheiden, weil sie immer Angst haben, sie machen
dann die falsche Entscheidung.

[00:12:57.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In Lenzburg, im Stapferhaus, gab es eine Ausstellung: Entscheiden.

[00:13:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Da konnt man entscheiden, welche Kleider man kauft und was man macht und so
weiter.

[00:13:10.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein guter Entscheid, der kommt eigentlich immer vom Herzen.

[00:13:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Entscheiden ist nicht eine intellektuelle Angelegenheit.

[00:13:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann intellektuell alles durchgehen, das hat den und den Vorteil, aber damit man
hinter dem Entscheid stehen kann, muss er schlussendlich vom Herz getragen werden,
gedeckt werden.

[00:13:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Da nehmen sich viele Leute keine Zeit.

[00:13:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele denken, es gibt einen absolut richtigen Entscheid. Den gibt es nicht.

[00:13:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schlimmste Entscheid ist kein Entscheid.

[00:13:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Entscheid ist gleichzeitig ein Verzicht.

[00:13:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss etwas weglassen und das macht man.

[00:13:47.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man persönlich entscheiden kann, von sich aus und dann auch dahinter stehen
kann, muss man sein Herz konsultieren.

[00:13:55.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Was möchte ich denn eigentlich?

[00:13:58.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele wollen die Verantwortung nicht übernehmen, weil sie denken, es gäbe einen
richtigen und einen falschen Entscheid.

[00:14:03.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt es nie.

[00:14:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nur die persönliche Entscheidung.

[00:14:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Menschen vor mir habe, die sich nicht getrauen zu entscheiden, dann sage
ich: Ihr Entscheid ist richtig.

[00:14:15.220] – Bemerkung 7
Das ist jetzt ein positiver Verzicht. Es kommt auch vor, dass die äusseren Umständen
einem zu etwas zwingen auf etwas zu verzichten.

[00:14:30.080] – Bemerkung 7
Ich wollte etwas, aber ich habe es nicht gekonnt/erreicht.

[00:14:35.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann sind wir wieder am Punkt vom Loslassen von der Erwartungshaltung.

[00:14:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in meinem Kopf, die Erwartungshaltung, es müsste hier und dort durchgehen.

[00:14:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird mir von aussen der Weg durchkreuzt und es wird quasi für mich entschieden.

[00:14:46.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wehre ich mich dagegen und sage: aber es müsste doch so sein und ich hätte
doch sollen.

[00:14:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Augenblick, wenn jemand stirbt, wenn ein Unfall passiert, wenn ein Haus
abbrennt, irgendwelche dramatische Sachen geschehen.

[00:15:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit solchen Leuten arbeite, dann geht es immer um Trauerarbeit um das
Loslassen von seiner Vorstellung, es müsste so gehen.

[00:15:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort suche ich auf eine Art mit den Leuten immer nach dem Sinn.

[00:15:20.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Sinn ist ein schwieriger Begriff.

[00:15:26.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in dem Augenblick kommt die Sinnfrage zum tragen.

[00:15:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben die Tendenz, etwas gedanklich abzurunden.

[00:15:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir suchen nach dem Sinn und der ist für alle wieder anders.

[00:15:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suche dann mit den Leuten nach dem Sinn.

[00:15:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe es noch nicht ein, aber vielleicht hat es auch etwas Gutes gehabt.

[00:15:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich rekonstruiert sich der Sinn erst im Nachhinein, wenn man zurückschaut und
sagt: Das habe ich damals so schrecklich gefunden, es ist unmöglich gewesen, ich bin
so verrückt gewesen.

[00:16:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaut man und sieht: Es ist recht gut weitergegangen.

[00:16:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: Ja, irgendwie hat es einen Sinn gemacht.

[00:16:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann das Schicksal ein bisschen loslassen, respektive man muss loslassen
von seiner Kontrolle.

[00:16:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas schwieriges.

[00:16:22.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle sehr kontrolliert. Wir möchten gerne alles kontrollieren können.

[00:16:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können ja sogenannt auch immer besser kontrollieren.

[00:16:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte möchten auch alles schön kontrollieren können, aber wir stossen immer
wieder auf Situationen, wo wir es eben nicht kontrollieren können.

[00:16:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen loslassen von unserem Kontrollzwang.

[00:16:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Sinn sieht man dann oft erst hinten dran.

[00:16:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Sinn konstruiert man sich auch.

[00:16:48.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen einem das Leben erzählen, wenn man es miteinander anschaut, dann
probiere ich mit ihnen zusammen natürlich dann, so eine Art einen Sinn rauszuholen.

[00:16:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es auch wieder ein Wort.

[00:16:59.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben die Tendenz, einfach Symptome zu behandeln und diese zu
bekämpfen.

[00:17:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet und ich probiere immer das ganze System
und die ganze Geschichte anzuschauen.

[00:17:14.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den Leuten ihre eigene Geschichte sorgfältig anschaut, auch in Bezug
auf das spezielle Ereignis, das nennt man narrativer Rekonstruktivismus.

[00:17:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es erzählt, gibt es dann einen Sinn daraus und dann eine Beruhigung.

[00:17:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss loslassen von der Kontrollvorstellung und von der Erwartungshaltung, es
hätte nach dem eigenen Kopf laufen müssen.

[00:17:58.830] – Bemerkung 8
Gemeinsame Geschichte in der Vergangenheit. Die gleiche Situation und jede Person
hat sein eigenes Erinnerungsbild.

[00:18:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:18:20.060] – Bemerkung 8
Von was lässt man dort los?

[00:18:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Konzept von Jean Piaget.

[00:18:30.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, in der Pubertät lernt man dezentrieren.

[00:18:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sehen alles aus ihrer Perspektive.

[00:18:39.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sehe es so und so ist es richtig.

[00:18:39.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät lernt man: ich sehe es so, aber man könnte noch von dorther schauen,
dann sieht es so aus.

[00:18:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das berühmte Beispiel von vier Blinden, die ein Elefant berühren.

[00:18:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Der erste sieht eine Wand, der zweite einen Baumstamm, der dritte eine lange Schnur,
der vierte einen grossen Bauch.

[00:19:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle habe Recht, aber niemand sieht das Ganze.

[00:19:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, das erlebe ich natürlich sehr viel.

[00:19:12.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat vier Geschwister, sieben Geschwister und jeder sieht die Mutter oder das
Ereignis von einer anderen Perspektive.

[00:19:22.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss von seinem Tunnelblick loslassen und sagen, ich habe es dort so erlebt und
du hast es so erlebt. Interessant.

[00:19:34.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erweitert die Perspektive.

[00:19:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Schon zwischen zwei Menschen, Mann und Frau, wenn man ein Ereignis nimmt, wieder
bei der Ehetherapie, die Frau hat es so erlebt und der Mann hat es so erlebt.

[00:19:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will dem anderen beibringen, dass so, wie er es erlebt hat, das richtig ist. Es gibt
nicht nur eine Wahrheit.

[00:19:54.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so viele Wahrheiten wie es Menschen gibt.

[00:19:54.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrheit ist subjektiv.

[00:19:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dezentrieren von seiner subjektiven Wahrheit und sich so das Feld erweitern.

[00:20:09.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz Ungläubige habe, dann gehe ich wieder zur Physik und sage: die
Heisenbergsche Unschärferelation. Dort hat ein Physiker gesagt: man kann das Licht
als Welle sehen und man kann das Licht als Partikel sehen.

[00:20:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wie man schaut, ist es das oder das.

[00:20:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ganz komplizierten Physik gibt es immer mehr solche Zustände.

[00:20:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als nicht Physikerin kann das nur so wage erfassen, aber im menschlichen Leben
sehe ich das täglich.

[00:20:37.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist es eine Horizonterweiterung.

[00:20:42.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss loslassen von seiner rein egoistischen Sicht hin zu: es gibt ja noch die und
die Sichtweise, interessant. Dann wird es wieder spannend.

[00:20:58.880] – Bemerkung 9
Wie geht man am besten vor?

[00:21:09.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme das Beispiel der Traumatherapie.

[00:21:09.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Trauma hat, dann kommt das immer wieder. Die Bilder kommen wieder,
die Gefühle kommen wieder, die Angst kommt wieder. Es läuft über die Gefühle.

[00:21:25.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Nervensystem ist konstruiert. Wir haben, afferente Bahnen.

[00:21:35.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was man aufnimmt von aussen und was man aufnimmt von dem was im Gehirn
gespeichert ist. Ich sage dem sensorisch.

[00:21:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit etwas beschäftigt ist, das einem immer wieder belastet, dann nehmen
wir aus unserer Erinnerung immer wieder: Oh je wie schlimm und all die Erinnerungen.

[00:21:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Gedanken nicht mit Gedanken wegschicken.

[00:22:03.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Gedanken blockieren mit Motorik, also mit Handlung.

[00:22:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand besessen ist von irgendeinem Gedanken, dann geht man in die Motorik
rein.

[00:22:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine berühmte Methode: EMDR.

[00:22:19.170] – Dr.med. Ursula Davatz
EMDR steht für: Eye Movement Desensitization Reprogramming.

[00:22:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige ihnen jetzt eine Methode.

[00:22:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke an ein traumatisches Erlebnis. Ich denke zum Beispiel, wenn ich heute
Morgen gestresst war, dass ich zu spät komme.

[00:22:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist das alles vorbei, aber es hätte ja schlimmer sein können.

[00:22:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mit dem Kopf, mit den Augen schauen, sie müssen die zwei Finger
bewegen so hin und her bewegen.

[00:22:49.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schauen mit den Augen diesen Fingern nach.

[00:22:49.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kann schwatzen. Ich kann aber nicht denken.

[00:22:49.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen voll in die Motorik.

[00:23:01.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, wenn sie depressiv sind oder irgendwas denken, das ihnen Stress macht.

[00:23:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sagt man sogenannte Skills.

[00:23:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sogar Apps herunterladen, wo Skills drauf sind.

[00:23:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man in die Motorik in die Handlung geht, unterbricht man das Repetitive an seine
Wunden denken, in der Wunde grübeln.

[00:23:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss manchmal viel machen und immer wieder machen.

[00:23:31.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Methode.

[00:23:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein schreckliches Ereignis oder ein schrecklicher Gedanken.

[00:23:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher haben wir darüber gesprochen von irgendetwas, was einem von aussen passiert
ist. Man macht das sogenannte Reframing.

[00:23:50.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man tut das, was passiert ist, was man als schrecklich interpretiert hat,
schaut man von einer anderen Seite her an. Dann sieht es plötzlich anders aus.

[00:24:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mache ich auch mit den Leuten.

[00:24:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen mir ihre Geschichte und dann mache ich das Reframing und dann auf
einmal lachen wir miteinander.

[00:24:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt einem nicht immer so gut.

[00:24:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Gedanken nicht mit einem besseren Gedanken verscheuchen.

[00:24:11.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kommt immer wieder zurück.

[00:24:22.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss ein grösseres Reframing sein, also neu benennen.

[00:24:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ähnlich, wie ich es bereits gesagt habe: alle sehen es von einer anderen Seite
her.

[00:24:33.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wirklich weggehen von seiner Betrachtungsweise in eine andere Richtung.

[00:24:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kann man meistens nur zusammen mit dem Therapeuten machen.

[00:24:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Augenübungen können sie selber machen.

[00:24:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch putzen oder malen gehen.

[00:24:48.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch Sport treiben gehen. Wenn man Sport treibt, muss man bis zur
Erschöpfung gehen, sonst kommt die Gedanken immer wieder.

[00:24:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Geduldsspiel.

[00:24:56.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse machen Sudoku um von ihren Gedanken wegzukommen.

[00:24:56.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann muss alles fokussieren auf das Geduldspiel oder auf das Kreuzworträtsel.

[00:25:11.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Wiederkehren zum traumatischen Ereignis, das kann man unterbrechen
mit etwas ganz anderem und eine Konzentration auf etwas ganz anderes.

[00:25:20.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sich konzentrieren.

[00:25:22.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können jonglieren, sie können Seiltanz üben.

[00:25:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur auf einer Mauer laufen, wie es die Kinder machen.

[00:25:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Gleichgewicht behalten muss, kann man nicht über andere Dinge
nachstudieren.

[00:25:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben zwei Hirnhälften.

[00:25:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns motorisch zentrieren müssen, können wir nicht mehr in der ganzen Welt
herum denken, sonst fallen sie vom Seil runter.

[00:25:56.150] – Bemerkung 10
Das geht aber nur, wenn das Trauma schon vorbei ist. Wenn man in der Situation steht,
wo man einen Mensch oder etwas loslassen muss, das man gerne hat und man ist auf
dem Weg dazu, dann funktioniert das wahrscheinlich nicht.

[00:26:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann soll man es nicht so machen.

[00:26:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Menschen, den man mag loslassen will, muss man das
Abschiedsritual machen.

[00:26:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Was willst du mir noch sagen? Was will ich ihm noch sagen? Was ist wichtig? Was ist
schön gewesen?

[00:26:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Abschiedsritual, sorgfältig machen.

[00:26:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe meine jüngere Schwester an Brustkrebs verloren.

[00:26:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie noch viel besucht. Wir haben von früher gesprochen.

[00:26:55.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie gefragt, was sie noch sagen will.

[00:26:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihr noch Sachen gesagt, was ich sagen wollte.

[00:27:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war sehr friedlich.

[00:27:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
So konnte ich dann auch besser loslassen.

[00:27:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es um den Abschied, den sorgfältigen Abschied und der Übergang.

[00:27:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Da darf man nicht verdrängen.

[00:27:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatische Sachen, die einem von aussen passiert sind. Ich kannte jemanden, der ist
von einem Flugzeug hinten angefahren worden, als er auf dem Boot war in San
Francisco. Der hatte immer wieder das Trauma. Dort konnte man die Augenübungen
machen.

[00:27:39.790] – Bemerkung 11
Wenn man gerne schreibt, kann man auch über das Schreiben gut loslassen. Mir hilft
das sehr, wenn ich in einem Prozess bin, der mich sehr bedrückt, dann sehe ich auch
plötzlich wieder positive Aspekte, weil ich mich sehr mit dem Problem
auseinandersetze, ohne Zensur.

[00:28:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut richtig.

[00:28:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager, meistens Mädchen, schreiben Tagebuch, um mit ihren Emotionen ein
bisschen zurecht zu kommen.

[00:28:15.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Leuten, sie sollen aufschreiben.

[00:28:18.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man schreibt, in dem man sich selber formuliert, in dem man das niederschreibt.

[00:28:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage sogar noch handschriftlich, nicht mit der Schreibmaschine, dem Computer.

[00:28:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es durch die Hand geht, hat es eine andere Wirkung im Gehirn.

[00:28:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man aufschreibt, indem man darüber redet, ordnet sich vieles.

[00:28:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der emotionale Stress, der geht sicher um die Hälfte zurück.

[00:28:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich noch mehr, wenn man schreibt. Das ist eine ganz gute Methode.

[00:28:51.280] – Bemerkung 12
Wenn man alte Konflikte zu stark mit sich weiter trägt, das hindert einem am Leben. Mir
hilft das Schreiben sehr.

[00:29:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Leute, die eine Beziehung zur Sprache und zum Schreiben haben, die haben da
ein ganz gutes Instrument, wenn sie das verwenden.

[00:29:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Briefe zu schreiben an seine Eltern, an Personen, mit denen man es noch nicht ganz
gelöst hat, das ist eine sehr, sehr wirksame Strategie.

[00:29:37.770] – Bemerkung 13
Das gleiche gilt auch, wenn man an jemanden nicht heran kommt.

[00:29:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann geht das auch.

[00:29:42.260] – Bemerkung 13
Der Person das schreiben, was man empfindet und was einem gekränkt hat.

[00:29:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Person, den Chef, die Eltern von der man gekränkt wurde, adressiert, ist
es wichtig dass man sich beschreibt, die Situation beschreibt, seine Verletzungen
beschreibt, aber nicht bei der Anklage bleibt, sondern immer zurück zu sich selber
kommt.

[00:30:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst verliert man sich und das ist schade. Machen sie weiter so.

[00:30:18.910] – Bemerkung 14
Das Schreiben sendet man aber nicht fort?

[00:30:22.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann beides machen.

[00:30:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Personen auch schon dazu aufgefordert, dass sie das Schreiben absenden.

[00:30:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich überlasse das immer der Person.

[00:30:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll es schreiben. Ich schaue es mit den Leuten dann meistens an. Ich schaue
sehr genau, wo noch eine Anklage ist. Ich versuche dann, die Seele immer wieder
zurück zu nehmen.

[00:30:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage: Wollen sie es senden oder wollen sie es nur für sich behalten?

[00:30:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse senden es und dann unterstütze ich sie drin und andere sagen: nein ich
möchte das nicht senden, ich will es bei mir behalten.

[00:30:53.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse machen wenn es verstorbene Eltern sind noch ein Ritual, verbrennen es auf
dem Friedhof oder wo auch immer.

[00:30:58.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man sich sorgfältig formuliert, dass man sich ernst nimmt.

[00:30:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zwinge niemanden zum Absenden des Briefs, es kommt aber auch vor.

[00:31:25.250] – Bemerkung 15
Loslassen ist nicht gleich fallen lassen. Fallen lassen kann man negativ auslegen. Man
könnte auch etwas positives daraus machen. Es gibt doch Situationen wo man fallen
lassen muss?

[00:31:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sage, loslassen ist nicht gleich fallen lassen, dann meine ich das innerhalb
von familiären Beziehungen.

[00:31:56.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sein Kind nie fallen lassen, man kann seine Eltern nie fallen lassen.

[00:32:04.180] – Bemerkung 15
Das sagen sie jetzt.

[00:32:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bleibt das Kind der Eltern.

[00:32:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann natürlich auf mehr Distanz gehen zu den Eltern.

[00:32:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Partner kann man fallen.

[00:32:16.530] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich mit den Kindern von geschiedenen Eltern spreche, dann sage ich: Ihre Mutter
oder ihr Vater ist nicht verwandt mit dem anderen. Den darf man einfach gehen lassen.

[00:32:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind sind sie zu beiden verwandt.

[00:32:29.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Tochter, als Sohn, kann man den geschiedenen Vater oder die geschiedene Mutter
nicht einfach fallen lassen. Die gehören zu einem.Dort, wo
Verwandtschaftsbeziehungen sind, kann man nicht einfach fallen lassen.

[00:32:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo keine Verwandtschaftsbeziehungen sind, kann man fallen lassen.

[00:32:50.100] – Bemerkung 15
Das ist biologisch gemeint. Was ist mit dem emotionalen?

[00:32:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Vater darf seinen Sohn nicht fallen lassen, wenn er nicht das erreicht, was er gerne
möchte.

[00:33:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf dem nicht biologischen darf man alles fallen lassen.

[00:33:20.000] – Bemerkung 15
Das geschieht in jeder Familie.

[00:33:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Verwandte, die kann man fallen lassen.

[00:33:32.030] – Bemerkung 15

Wird man fallen gelassen?

[00:33:35.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird man manchmal und dann muss man es auch akzeptieren. Dann muss man
loslassen.

[00:33:38.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hatte zu jemandem eine gute Freundschaft und dann geschieht irgendetwas und
dann lassen einem die fallen. Wenn man dann noch daran festhalten will, muss man
loslassen.

[00:33:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann noch einmal probieren, aber wenn es nicht geht, dann muss man loslassen.

[00:34:02.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der andere lässt einem fallen, selber muss man loslassen.

[00:34:07.130] – Bemerkung 15
Ja, das kann ich bestätigen.

[00:34:08.920] – Bemerkung 16
Kann man das üben, wenn man eine Person verliert?

[00:34:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es mit Wiederkäuen üben, schaut es von verschiedenen Aspekten her an,
man tut sich damit befassen. Man muss sich damit befassen im Sinne von: ich will in
diese Richtung.

[00:34:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wiederkäuen ist eine Art und Weise wie man es mit der Zeit loslassen kann.

[00:34:38.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann kann schlafen nicht willentlich machen.

[00:34:49.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss loslassen, damit man in den Schlaf fallen kann. Im Englischen hört man das.

[00:35:14.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss von der Kontrolle loslassen, damit man loslassen kann.

[00:35:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man kontrollierend das Loslassen erlernen möchte, dann geht das nicht.

[00:35:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Gehirn.

[00:35:33.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Vexierbilder, die aus vielen anderen Bildern gemacht sind.

[00:35:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu genau hinschaut, dann sieht man gar nichts.

[00:35:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sogenannt etwas loslässt, ein bisschen lockerer hinschaut, nicht mehr alles
kontrollieren möchte, plötzlich kommt das Bild hervor.

[00:35:52.290] – Bemerkung 17
Ich formuilere es als Wunsch für mich: das würde ich gerne. Dann ist man positiv darauf
eingestellt.

[00:36:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sie sagen das schön.

[00:36:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So ganzheitlich denkt man, ich will das gerne. Ich weiss zwar nicht, wie es dorthin geht
und es macht auch nichts wenn ich es noch nicht kann.

[00:36:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nicht so zwanghaft darauf fixiert.

[00:36:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Untersuchungen, wo Menschen sich irgendwelche Elektroden an ihr Gehirn
angeschlossen haben.

[00:36:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die gedacht haben, ich will jetzt mein Segelschiff da oder dort durchsteuern.

[00:36:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nur so wage daran gedacht haben, dann ist es so gefahren.

[00:36:42.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verkrampft daran gedacht haben, dann hat es nicht das gemacht.

[00:36:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann diese Dinge.

[00:36:57.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie es genau funktioniert, weiss ich nicht.

[00:37:07.360] – Bemerkung 18
Im Alter vergisst man gewisse Dinge. Wenn man krampfhaft den Namen holen möchte,
dann kommt er nicht.

[00:37:08.040] – Bemerkung 18
Plötzlich nach fünf Minuten kommt der Name dann automatisch aus dem Gehirn
gespickt.

[00:37:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf Eis fährt, sagt man, man solle das Steuerrad mit dem kleinen Finger
steuern. Das Fahrzeug steuert sich besser selber, sonst hat man die Tendenz zu
übersteuern.

[00:37:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Kontrollzwang tut man immer übersteuern.

[00:37:50.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Gespräch von zwei Piloten: im Notfall, in der Turbulenz überlässt man die
Steuerung dem Flugzeug selber. Das ist aerodynamisch, das steuert sich besser, als
wenn man übersteuert.

[00:37:57.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich reinfallen lassen, es wird schon gut herauskommen, dann wird es eher
besser gesteuert.

[00:38:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
So funktioniert unser Gehirn.

[00:38:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir überlassen uns der Natur, dort wo wir allzu krampfhaft etwas erreichen möchten.

[00:38:30.080] – Bemerkung 19
Vielen herzlichen Dank, Frau Dr.med. Ursula Davatz, dass sie zu uns gekommen sind.

[00:38:31.910] – Bemerkung 19

Das war wunderbar, eine riesige Bereicherung.

[00:38:32.340] – Bemerkung 19
Ich gehe hier raus und sage mir, ich muss auf mein Herz hören, das bringt mehr Freude
und dann steuert man sich besser.

[00:38:32.570] – Bemerkung 19
Vielen Dank!

[00:38:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen.

Frauenmorgen Muri zum Thema „Loslassen“

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
27.4.2017
Loslassen um neues an die Hand zu nehmen
Audio

[00:00:00.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie alle ganz herzlich begrüssen zu dem heutigen Morgen und zum Thema:
Loslassen.

[00:00:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe unterwegs auch so ein bisschen Stress gehabt.

[00:00:17.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine andere Route fahren wollen und bin dann in den Verkehr gekommen. Da
musste ich auch loslassen von meiner Vorstellung, wo es eigentlich durchgeht und habe
mich wieder neu orientieren müssen.

[00:00:25.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so froh, ich habe es geschafft zur Zeit, gerade auf den Punkt.

[00:00:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde ihnen so ein paar allgemeine Gedanken sagen und durch das Ganze
durchgehen und dann hoffe ich natürlich, dass sie viele Fragen an mich haben oder
auch Ergänzungen.

[00:00:41.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst eine Einleitung.

[00:00:43.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Als junge Frau habe ich den Faust besucht im Goetheanum. Einmal auch noch in
Zürich im Schauspielhaus. Da ist mir der folgende Satz geblieben: "Zum Augenblicke
möchte ich sagen, verweile doch, du bist so schön".

[00:00:59.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, wie der Mensch eigentlich oft festhalten möchte an schönen Momenten, an
Sachen, die ihn glücklich machen.

[00:01:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glück ist nicht fest.

[00:01:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Lebendige, alles, was lebendig ist, hat immer einen Anfang und auch ein Ende.

[00:01:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Somit unser hat Leben einen Anfang, eine Geburt und hat einen Tod.

[00:01:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das biologisch anschaut, sagt man, das individuelle Leben hat den Tod
erfunden, also das Ende.

[00:01:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir einfach eine Alge wären, dann könnten wir uns fortpflanzen bis in die
Unendlichkeit rein und es gibt immer wieder neue, gleiche Zellen.

[00:01:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle unsere Zellen haben auch eine Uhr in sich und wenn die Uhr abgelaufen ist, dann
lassen sie gehen.

[00:01:48.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne gehört das Loslassen zum menschlichen Leben.

[00:01:56.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Im täglichen Leben erleben wir es. Wir müssen am Abend loslassen, damit man
schlafen können.

[00:02:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir nicht loslassen, dann nehmen wir die Sorgen mit in den Schlaf und können
eben nicht schlafen.

[00:02:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen am Morgen loslassen vom warmen Bett, damit wir in den neuen Tag
hineingehen können.

[00:02:14.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viele Leute, wenn sie den Wecker stellen, sagen: Ich bleibe jetzt nur noch fünf
Minuten oder eine Viertelstunde im Bett, ach es ist doch so schön in dem Bett und dann
verschlafen sie sich, respektive, sie haben keinen guten Anfang.

[00:02:29.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss am Abend loslassen, damit man überhaupt einschlafen kann. Das ist gar
nicht immer so einfach. Man muss am Morgen loslassen von dieser wohligen Wärme im
Bett.

[00:02:40.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste heute morgen von meinen Enkelkindern loslassen.

[00:02:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben noch geschlafen, als ich aufgestanden bin und ich wollte sie doch noch
einmal sehen, bevor ich weg gehe.

[00:02:49.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich sind sie dann rauf gekommen und dann habe ich aber dann am
Frühstückstisch loslassen müssen, um wegzugehen, um rechtzeitig hier zu sein.

[00:02:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alles Frauen und ein Mann. Ich bin aufgewachsen unter vier Schwestern.

[00:03:02.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her ist mir die Frauenkultur bekannt.

[00:03:04.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ich habe auch Themen für die Männer.

[00:03:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fange jetzt bei den Frauen an.

[00:03:26.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter müssen loslassen bei der Geburt und das ist auch nicht immer so einfach. Das
heisst, damit ein Kind geboren werden kann, muss man loslassen können.

[00:03:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Während der Schwangerschaft hat man eine ganz intime, symbiotische Beziehung mit
seinem Kind.

[00:03:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird einfach ernährt, die Natur sorgt für das Kind. Man muss einfach gut
leben. Sonst muss man eigentlich nichts machen.

[00:03:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann das Kind geboren wird, dann muss man es loslassen und auf einmal hat
man es gegenüber.

[00:03:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Loslassen ist gar nicht so einfach.

[00:03:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man dort nicht gut loslassen kann, wenn man es gerne noch bei sich behalten
will, ist manchmal die Geburt ein bisschen schwieriger.

[00:04:08.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Psychiater machen uns natürlich über alles Gedanken und denken: Warum hat die
Frau jetzt nicht loslassen wollen? Warum ist diese Geburt so schwierig gegangen?

[00:04:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man merkt dann auch, auf einmal hat man es gegenüber. Man ist nicht mehr geschützt.

[00:04:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen sagen: während der Schwangerschaft ist es mir am besten gegangen im
ganzen Leben.

[00:04:30.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mal eine Frau, die hatte immer Kopfschmerzen und während der
Schwangerschaft hatte sie keine Kopfschmerzen.

[00:04:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwie hat die Einheit mit dem Kind ihr sehr, sehr viel gebracht.

[00:04:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sind viele Frauen berufstätig und sie müssen das Kind loslassen, damit das
Kind in die Krippe gehen kann. Das ist jeder Tag, jeden Morgen ein loslassen.

[00:04:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Schritt ist, dann wenn das Kind in den Kindergarten geht.

[00:04:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der übernächste Schritt ist, wenn das Kind in die Schule geht.

[00:04:59.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie häufig höre ich dann da von den Lehrerinnen, dass sie zu den Müttern sagen: Sie
müssen halt loslassen.

[00:05:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben die Mütter gar nicht gerne.

[00:05:09.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie mir nicht sagen. Ich lasse schon los.

[00:05:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind lässt mich nicht los und das Kind hat Angst und die Schule ist schwierig.

[00:05:19.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind schwierige Atmosphären in der Schule mit aggressiven Buben.

[00:05:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch intrigante Mädchen, welche es schwierig machen.

[00:05:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist durchaus auch der Fall.

[00:05:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann will eine Mutter das Kind natürlich nicht gerne dieser feindlichen Welt aussetzen.

[00:05:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat die Mutter Mühe, loszulassen.

[00:05:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein nächstes, ganz wichtiges Loslassen kommt mit der Pubertät.

[00:05:50.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet ja oft bei den Frauen vom sogenannten leeren Nest Syndrom.

[00:05:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder ausfliegen und in der Pubertät beginnen sie damit, sich zu wehren
gegen die Eltern auch gegen die Mutter. Speziell die Knaben sagen dann: Du hast mir
nichts mehr zu sagen, sei still.

[00:06:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen gestalten sich selber zur Frau. Sie schminken sich. Sie gehen aus. Sie
haben Freundschaften mit Knaben. Dann ist wieder ein ganz wichtiges Loslassen.

[00:06:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will natürlich seine Kinder schützen.

[00:06:26.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern wollen ihre Kinder geschützt in die Welt lassen, aber genau das geht nicht in
der Pubertät.

[00:06:32.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät müssen sie eigene Erfahrungen machen und man kann das Leben nicht
vorkauen.

[00:06:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Kindern das Leben vorkaut, ist das eine laue Sache. Die Kinder wollen
alles selber erfahren.

[00:06:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick muss man seine Kinder loslassen.

[00:06:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich weiss noch genau, als meine älteste Tochter in Pubertät gekommen ist und ins
sexuellere Reifenalter, habe ich gedacht, ich will sie so gerne schützen können vor
Verletzungen auf dem Gebiet, also vor sexuellen Verletzungen.

[00:07:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das nicht. Sie muss das selber machen. Ich kann sie allenfalls begleiten, ich
kann es nicht für sie machen.

[00:07:06.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Loslassen von dieser Vorstellung: Ich kann alles für meine Kinder machen.

[00:07:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann sie schützen vor jeglichem Unbill, vor jeglicher Verletzung, vor jeglicher
Bedrohung.

[00:07:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo man seine Kinder in der Pubertät loslassen muss, verliert man
so ein bisschen seine Mutterrolle.

[00:07:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auf eine Art wieder eine neue Rolle für sich selber finden.

[00:07:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine persönliche Frauenrollen finden, vielleicht eine neue Aufgabe.

[00:07:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich neu definieren.

[00:07:50.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss von dieser sehr mächtigen Mutterrolle loslassen.

[00:07:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht immer einfach.

[00:07:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Mütter sind totalitäre Machthaberinnen.

[00:08:12.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann uns niemand ersetzen.

[00:08:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Macht über die ganze Familie, über ganz viele Funktionen.

[00:08:20.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die Macht verlieren, ist das ein loslassen.

[00:08:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen etwas neues für uns finden.

[00:08:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter findet sich plötzlich vor einem leeren Nest.

[00:08:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Frauen bekommen dann Depressionen, weil sie nicht den Weg finden in eine
neue Aufgabe.

[00:08:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich ist das eine ganz tolle Phase.

[00:08:46.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment kann man als reife Frau seine Weiblichkeit entdecken und seine
weibliche Funktionen, nicht nur in der Familie, sondern auf der ganzen Welt.

[00:08:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt an sich viel zu tun für Frauen, nachdem die Kinder ausgezogen sind.

[00:09:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch eine grosse Erfahrung, die die Frauen mit sich bringen.

[00:09:06.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben einmal zusammen mit den Mütterberaterinnen in einer Jobbewerbung für
eine Frau im mittleren Alter alles aufzählt, was sie gemacht haben als Hausfrau.

[00:09:18.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Aufgaben dann alle umbenannt auf Managersprache und dann klingt das
sehr, sehr erfolgreich und sehr erfahren.

[00:09:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA hatte ich einen Psychiater Supervisor, der hat gesagt, er sei so froh, dass er
nach den Ferien wieder arbeiten gehen kann. Das sei so viel einfacher als zu Hause
Vater zu sein.

[00:09:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wissen natürlich die Frauen, wie schwierig das ist.

[00:09:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter sind immer Multi-Tasking Personen. Sie müssen alles gleichzeitig machen,
auf jeder Stufe jedem Kind gerecht werden, dem Mann noch, sich selber, im Haushalt,
den Nachbarn und so weiter.

[00:09:59.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich bringen die Frauen grosse Talente mit, wenn Kinder aus dem Haus gehen,
die auch wieder investiert werden könnten.

[00:10:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Industrie hat es nicht immer ganz gesehen, aber da müssen wir vielleicht noch ein
bisschen Arbeit leisten.

[00:10:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum Loslassen der Väter.

[00:10:16.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind ein bisschen anders gestrickt.

[00:10:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt, der Unterschied zwischen Mann und Frau ist am erster Stelle
erzieherisch.

[00:10:24.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erzieherische spielt schon eine grosse Rolle und wir haben natürlich 2000 Jahre
lang ein Patriarchat gehabt.

[00:10:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es immer noch in weiten Bereichen von der Kirche her.

[00:10:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle drei Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam, sind sehr stark vom
Patriarchat geprägt.

[00:10:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird viel neurobiologisches untersucht.

[00:10:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer und die Frauen haben aber auch andere Gehirne, andere Hormone und
andere Gewichtungen.

[00:10:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe jetzt nur ein paar Sachen von den Männern und sie dürfen mich dann gerne
ergänzen.

[00:11:05.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer müssen eher loslassen von ihrem männlichen Ehrbegriff.

[00:11:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erlebt man hauptsächlich anhand vom Islam.

[00:11:15.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mein männlicher Ehrbegriff gekränkt wird, dann habe ich das Recht auf alles.

[00:11:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann ich morden, dann kann ich totschlagen, dann kann ich ganze Länder
vernichten, weil mein männlicher Ehrbegriff über alles geht.

[00:11:34.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann immer das Beispiel vom Hitler.

[00:11:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Adolf Hitler hatte zwei Mal eine Aufnahmeprüfung gemacht an der Kunstakademie in
Wien. Er wollte Maler werden. Er sah sich zeitlebens als verkannter Künstler.

[00:11:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ihn nicht genommen. Er ist gekränkt gewesen.

[00:11:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Adolf Hitler wurde auch als Kind von seinem Stiefvater gekränkt.

[00:11:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat er beschlossen Politiker zu werden.

[00:12:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man werweissen: hätte die Kunstakademie in Wien Adolf Hitler doch nur
aufgenommen, dann hätten wir keinen zweiten Weltkrieg gehabt.

[00:12:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist vereinfacht gesagt.

[00:12:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von diesem Beispiel sieht man den männlichen Ehrbegriff.

[00:12:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir in unserer westlichen Kultur machen uns gerne lustig über die wichtigen
Paradigmen und Autoritäten.

[00:12:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können uns über uns selber lustig machen. Das ist Selbstironie. Wir haben
Karikaturen. In allen Zeitungen, Heftchen kommen immer Karikaturen.

[00:12:50.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Über alle exponierten Leute gibt es Karikaturen.

[00:12:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt es nicht oder ist nicht erlaubt, wenn der männliche Stolz nicht loslassen kann
von seinem Ehrbegriff.

[00:12:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr wichtig, dass die Männer von ihrem Ehrbegriff loslassen können.

[00:12:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht das in der Politik dort kann man es überall beobachten. Es gibt einige
Politiker, die nicht von ihrem Ehrbegriff loslassen können.

[00:12:54.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Männer das nicht können, dann können sie abgleiten in sehr zerstörerische
Kraft. Sie haben mehr Kraft, mehr Aggressionen, Testosteron hilft auch mehr aggressiv
zu sein.

[00:13:19.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Östrogene helfen uns nicht so gut, aggressiv zu sein.

[00:13:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum können sich die Männer auch besser durchsetzen als wir Frauen.

[00:13:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer haben da einfach eine andere Konstellation.

[00:13:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Männer von ihrem Ehrbegriff nicht loslassen können, dann kann es sehr in die
Destruktivität gehen.

[00:13:50.195] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeutin arbeite ich mit Vätern und Müttern. Häufiger mit den Müttern.
Die Väter muss ich auch manchmal reinholen.

[00:13:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer müssen auch loslassen können vom Ehrgeiz sich selber gegenüber und auch
ihren Kindern gegenüber.

[00:14:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Man will immer, dass es den eigenen Kindern besser geht, als dass es einem selber
ergangen ist.

[00:14:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schon ein sehr hohes Niveau hat, ist das fast nicht mehr möglich.

[00:14:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann nicht möglich, dass das Kind noch mal etwas Besseres macht.

[00:14:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will oft, dass wenn man selber keine höhere Bildung hat oder nicht eine höhere
Schule besucht hat oder nicht hat studieren können, dann will man, dass die Kinder das
können.

[00:14:28.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die eigenen Kinder diese Begabung nicht haben oder vielleicht ganz anders
begabt sind, dann kann man seine Kinder zerstören.

[00:14:39.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann erwartet der Vater etwas vom Kind, was es nicht kann. Dann ist es nie recht, dann
ist er nie zufrieden und dann kann das Kind wie keinen Selbstwert entwickeln.

[00:14:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann das Kind keine Persönlichkeit entwickeln.

[00:14:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist das ganz gefährlich, wenn die Väter nicht loslassen können von
ihrem Ehrgeiz den Kindern gegenüber.

[00:14:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Jahren habe ich mal einen Vater von zwei Töchtern gehabt. Er ist umgezogen in
eine bessere Gegend, während die ältere Tochter eigentlich schon ein bisschen

vernetzt war mit ihren Peers. Die Tochter hat den Umzug dann ganz schlecht ertragen,
weil sie ihre Kollegen verloren hat.

[00:15:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter hat sich dann nicht so benommen, wie von ihr erwartet wurde. Sie war nicht
fleissig, hat ihre Lehre nicht gut gemacht und ist dann auch in die Psychiatrie
gekommen. Dann hat er gesagt: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne
Ende.

[00:15:48.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Übersetzt hat das natürlich geheissen: Mir wäre lieber, die Tochter wäre gestorben,
dann ist das Zeug fertig, abgeschlossen, alsdass sie so weiter macht.

[00:16:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lebt heute noch und ich sehe sie auch noch, aber sie hat keine gute berufliche
Karriere gemacht.

[00:16:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Langsam geht es ihr besser

[00:16:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat jahrelang Angst gehabt vor der Verurteilung von ihrem Vater und vor allen
anderen Autoritäten.

[00:16:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn immer irgendwo eine Autorität aufgetreten ist, ist sie gerade paranoid geworden
und hat sich verfolgt gefühlt.

[00:16:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird es langsam ein bisschen besser und sie wagt sich sogar ein bisschen in die
Welt hinaus.

[00:16:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ehrgeiz von den Vätern ihren Kindern gegenüber ist etwas ganz gefährliches.

[00:16:37.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis zu einem gewissen Grad, wenn das Kind das bringen kann, ist das in Ordnung, aber
wenn es das Kind nicht bringen kann, müssen diese Väter loslassen können von ihrem
Ehrgeiz.

[00:16:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe noch viele Beispiele von dieser Art.

[00:16:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es schief läuft in der Pubertät mit den Kindern, dann bleiben die Mütter oft dran
und die Väter distanzieren sich.

[00:17:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter haben dann die Haltung: Mich geht das nichts mehr an, es geht sowieso
nicht. Ich habe ihn losgelassen.

[00:17:06.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Loslassen heisst nicht, fallen lassen.

[00:17:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig lassen sie die Kinder dann auch fallen.

[00:17:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das merkt das Kind, das merkt der Sohn, das merkt die Tochter.

[00:17:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter müssen vom Ehrgeiz und von den Vorstellungen loslassen und sie müssen
wieder Beziehung herstellen zum Kind.

[00:17:29.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann meistens schon ein erwachsener Sohn oder eine erwachsene Tochter.

[00:17:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hole die Väter immer rein und gebe ihnen dann den Auftrag, sich regelmässig zu
sehen mit dem Kind, mit der Tochter oder dem Sohn, aber nicht mit dem Thema: mache
dies, tue jenes.

[00:17:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach nur Beziehung haben, sonst gar nichts.

[00:17:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher zuhören, eher lernen von dem jungen Menschen, als dem jungen Menschen
sagen wollen, wo es durch geht.

[00:17:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Loslassen, aber nicht fallen lassen.

[00:18:00.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine ganz wichtige Sache.

[00:18:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Männer bringe ich rein in die Therapie und die machen das auch.

[00:18:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Väter mitmachen, haben die Jugendlichen oft einen viel bessern Erfolg auf
ihrem steinigen Weg, einen guten Verlauf.

[00:18:04.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Vätern sage ich: Ich brauche sie, um weiter zu kommen.

[00:18:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Väter haben oft die Haltung: das können sie jetzt machen, sie sind schliesslich der
Doktor, mich geht das nichts mehr an.

[00:18:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich schon von vielen Vätern gehört.

[00:18:24.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer, die Väter reinzuholen.

[00:18:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal wenn mir die Väter davon laufen wollen habe ich sie auch schon daran
gehindert. Dann werden die Väter verrückt.

[00:18:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter sind sich nicht gewohnt von einer Ärztin sagen zu lassen: Nein, sie gehen
jetzt nicht weg, ich will, dass sie sich mit ihrer Tochter auseinandersetzen. Ich lasse sie
nicht zur Türe raus.

[00:18:44.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin schon selber vor die Türe gestanden und dann hat es geheissen, dass ich
Freiheitsberaubung machen würde.

[00:18:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt bis zu einem gewissen Grad.

[00:18:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war aber sehr wichtig für diesen jungen Menschen.

[00:18:57.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich konnte es nicht zulassen, dass der Vater einfach davonläuft wenn es ein bisschen
schwierig wird, wenn die Tochter oder der Sohn sich nicht den Vorstellungen
entsprechend benimmt.

[00:18:58.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir aushalten können, das gehört zur Pubertät.

[00:19:06.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich zum loslassen zwischen den Partnern.

[00:19:14.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Liebe ist je etwas ganz spezielles, die Liebe bindet uns.

[00:19:15.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind so geartet, dass sich der Mann an die Frau bindet. Es darf sich auch die Frau
an die Frau binden oder der Mann an den Mann. Heutzutage sind wir da ein bisschen
offenen.

[00:19:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue jetzt das loslassen zwischen zwei Partnern an.

[00:19:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Jorge Bucay gibt Sprüche, die ich bei mir in Baden an der Türe habe. Immer wenn
ich an das Telefon gehe und vom Gespräch loslassen muss, können die Leute die
Sprüche von Jorge Bucay anschauen.

[00:19:49.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch gut und sie machen es auch.

[00:19:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Spruch von Joge Bucay: Der Wunsch gewinnt an Bedeutung, wenn ich ihn in eine
Handlung verwandeln kann.

[00:20:08.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Spurch von Jorge Bucay: Opfere dich nicht für deinen Nächsten, sondern lebe lieber
zusammen

[00:20:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Liebe zwischen zwei Menschen und die Nähe heisst nicht Besitz.

[00:20:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird häufig verwechselt.

[00:20:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Ehetherapie mache, dann sprechen oft beide. Der mann spricht für die
Beziehung und der Mann spricht für die Beziehung.

[00:20:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder von seiner Vorstellung aus.

[00:20:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau redet, wie sie es gerne hätte und wie es doch eigentlich sein müsste. Die Frau
versucht immer, mich auf ihre Seite zu ziehen. Der Mann macht genau das gleiche,
spricht von seiner Seite her: das ist doch nicht normal, so kann man doch nicht sein, zu
einer Beziehung gehört doch das.

[00:20:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich bei jedem zu differenzieren, dass jeder seine Position sagen darf,
wo er/sie steht. Der andere muss zuhören.

[00:20:58.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen oft die Frauen: Dann hat die Beziehung gar keinen Sinn, wenn wir nicht
immer zusammen gehen.

[00:20:58.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort darauf lautet: Zuerst muss jeder wieder seinen Platz haben und erst
dann können wir es zusammensetzen.

[00:21:14.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie das herauskommt, weiss ich nicht.

[00:21:16.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich oft verlangsamen.

[00:21:19.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen die beiden Partner sehr loslassen von ihrer Vorstellung, wie der Partner
sein müsste.

[00:21:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das die Erwartungshaltung oder die Anspruchsberechtigung.

[00:21:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft es bei der Frau oft so, dort kenne ich es ein bisschen besser: Wenn man als
Kind einen Vater gehabt hat, der einem ignoriert hat, dann hat man die
Erwartungshaltung, der Partner müsse das alles wett machen. Man hat eine
Anspruchsberechtigung, dass jetzt das alles wettgemacht wird.

[00:21:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der muss einem dann ganz speziell zudienen oder nett mit einem sein.

[00:21:58.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Vater gehabt hat, der einem als Mädchen verehrt hat und wie eine
Prinzessin behandelt hat, dann meint man auch, es müsse so weitergehen.

[00:22:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Entweder erwartet man, dass es so weitergeht oder man erwartet, dass man noch das
nachholen kann, was man nicht gehabt hat.

[00:22:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Mann desgleichen, da geht es eher auf die Mutter.

[00:22:25.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mann sich von seiner Mutter vernachlässigt gefühlt hat, oder er hat sich zu
fest um sie kümmern müssen, dann erwartet er, dass seine Frau jetzt die Mutterrollen
noch nachholt.

[00:22:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder der Mann erwartet, dass seine Frau genauso mütterlich ist und alles aufgibt und
alles nur für ihn macht.

[00:22:44.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sagt man zum Beispiel bei all den islamischen, verwöhnten Männern, auch schon
bei den italienischen Männern sieht man das zum Teil.

[00:22:52.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind sehr von ihren Müttern verwöhnt worden und erwarten, dass das genau gleich
weitergeht.

[00:22:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht so weitergeht, dann ist die Welt falsch und dann muss man sich
jemanden neues suchen gehen oder man muss das Gegenüber zurechtstutzen, dass
es endlich so wird, wie man es sich vorgestellt hat.

[00:22:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit eine Partnerschaft länger dauren kann, auf lange Zeit funktionieren kann, ist es
ganz, ganz wichtig, dass jeder im anderen wieder Freiraum lässt, damit der sich
entwickeln kann.

[00:23:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es Bücher von Jürg Willi: Die Kunst gemeinsamen Wachsens: Ko-Evolution in
Partnerschaft, Familie und Kultur.

[00:23:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte sich einzeln entwickeln und man sollte sich immer wieder austauschen.

[00:23:49.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss auch wieder für sich selber schauen.

[00:23:49.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Entwicklungsphasen ist man auch in den engsten Beziehungen oft alleine.

[00:23:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn junge Menschen sich beklagen, dass sie so alleine sind oder auch Ältere, sage
ich: Jawohl, Erwachsen werden ist ein Einsamkeitsproblem.

[00:24:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch mit sich alleine sein können.

[00:24:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss, den Partner loslassen können, man muss ihm seinen Raum geben. Man
muss sich auch selber den Raum nehmen.

[00:24:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich von der Frau her schaue, gibt es viele Frauen, die Depressionen entwickelt
haben, weil sie sich den Raum nicht genommen haben, weil er vom Mann nicht
gegeben wurde.

[00:24:22.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Mann gibt der Frau den Raum vielleicht nicht und dann muss man sich den Raum
nehmen, den Raum holen.

[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich Contre Coeur die ganz Zeit angepasst, hält man an der mütterlichen,
angepassten Rolle fest.

[00:24:31.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen können uns besser anpassen als die Männer, das kommt von der Natur her.
Das müssen wir auch mit unseren Kindern können.

[00:24:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Frauen bei der Rolle vom anpassen bleiben, dann vergeuden, verlieren wir
uns und schlussendlich fällt man in einen Depression.

[00:25:01.930] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle sage ich den Frauen; sie müssen das Gefühl entwickeln: Ich und die
Welt.

[00:25:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich kann bestehen und da draussen ist die Welt. Ich kann mich der Welt
stellen.

[00:25:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen gehen nicht gerne alleine in den Ausgang, weil sie finden, das kann ich
doch nicht, ich bin keine rechte Frau, wenn ich nicht einen Mann an meiner Seite habe.

[00:25:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen müssen das Gefühl entwickeln: ich und die Welt.

[00:25:25.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz sein, auch wenn kein Mann an der Seite ist.

[00:25:25.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass man immer alleine sein muss.

[00:25:25.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen auch alleine sein zu können.

[00:25:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die grösste Kränkung für den Mann ist, wenn ihn die Frau verlässt, denn eigentlich
verlässt nur der Mann die Frau. Die Frau verlässt den Mann nicht.

[00:25:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Schema.

[00:25:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mann die Frau verliert und wenn ein Mann noch den Job verliert, einen Status
verliert, dann ist die grösste Gefahr von Selbstmord bei den Männern.

[00:25:59.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein andauernde symbiotische Beziehungen zwischen Mann und Frau verhindert die
gegenseitige Entwicklung. Das wollen wir eigentlich nicht.

[00:26:19.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen, dass sich der Mann entwickelt und wir wollen, dass sich die Frau entwickelt.
Da kann man sich immer wieder neu begegnen und auch zeigen, was man gelernt hat,
was bei einem neu ist.

[00:26:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin immer noch am Üben.

[00:26:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Das übernächste Jahr habe ich meine goldige Hochzeit und wir sind immer noch am
üben. Ich musste viel loslassen und wir mussten auch viel kämpfen.

[00:26:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat sich weiterentwickelt.

[00:26:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Partner loslassen muss man wenn einer von den beiden sagt: Ich halte es
nicht aus, ich gehe jetzt, ich muss scheiden oder wenn ein Partner stirbt.

[00:26:46.870] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle ist es oft wichtig, dass man nochmals schaut, was schief gegangen ist.

[00:27:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hätte man es anders machen können.

[00:27:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir würde ich es anders machen?

[00:27:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie mache ich es jetzt?

[00:27:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ganze Beziehung nochmals ein bisschen durchgehen.

[00:27:20.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand stirbt, dann muss man endgültig loslassen.

[00:27:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es einen Trauerreaktion.

[00:27:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Partner aus einem Konflikt raus wegstirbt und man hat den Konflikt nicht
gelöst gehabt, dann ist oft das Loslassen schwieriger.

[00:27:46.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche gilt wenn Eltern sterben und man hat als Sohn oder als Tochter den
Konflikt nicht fertig ausgefochten, dann fällt das Loslassen sehr viel schwerer.

[00:27:58.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Therapeutin, mit erwachsenen Kindern, wo Eltern sterben, tue ich mit ihnen so ein
bisschen durchsuchen, was dann da eigentlich geschehen ist.

[00:28:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich den Leuten, dass sie noch einen Brief schreiben sollen.

[00:28:14.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Brief schreiben an ihren Vater oder an ihre Mutter.

[00:28:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehen wir den ganzen Konflikt durch.

[00:28:22.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Brief darf nicht mit einer Anklage aufhören, das gibt kein Loslassen.

[00:28:24.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf wütig sein aber es muss umändern in: Du hast das gemacht, was Du konntest
und ich gehe jetzt weiter.

[00:28:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss quasi seine Seele wieder zurücknehmen.

[00:28:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss loslassen von seiner Erwartungshaltung, sowohl an den Vater, an die Mutter
und an den Partner.

[00:28:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man von seiner Erwartungshaltung loslassen konnte, dann kann man ganz
weitergehen.

[00:28:57.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man weiter an dieser Erwartungshaltung festhält, du hättest doch eigentlich
müssen und dann so Richter spielt und den anderen verurteilt, dann gibt es kein
richtiges loslassen.

[00:29:08.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo man nicht loslassen kann, sondern immer noch die kindliche
Erwartungshaltung hat, sei es an den Partner (weggegangen), sei es an die Eltern
(gestorben), in dem Augenblick können die Emotionen dann auch in die Psychosomatik
reingehen, also dass man krank wird, körperliche Krankheiten bekommt.

[00:29:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist so vernetzt, das emotionale Gehirn ist verschaltet mit dem Körper und
wenn man es nicht ausdrücken kann, dann geht es halt in den Körper.

[00:29:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite dann sehr mit diesen Menschen, dass sie es dürfen, dass sie es ausdrücken
müssen.

[00:29:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt heutzutage, wenn man es ausdrücken kann, wenn man es in Worte fassen
kann und wenn man es noch aufschreiben kann, man kann es mit dem Therapeut
bereden, aber aufschreiben ist noch mal ein Stückchen verbindlicher.

[00:30:07.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es aufschreiben kann, dann wird es geordneter und dann ist der Stress nur
noch halb so stark.

[00:30:14.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Arbeit, dass ich den Menschen helfen muss, sie begleite in dem
Abschiedsritual.

[00:30:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen laufen meistens so ab: Zuerst kommt die Wut, dann kommt die Trauer
und dann kommt das Loslassen.

[00:30:30.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Trauer kommt das Loslassen.

[00:30:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tränen an sich zeigen schon, man lässt ein bisschen los.

[00:30:37.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man weint, wird man ja so ein bisschen schlapp und es lässt alles
los.

[00:30:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man kämpft, ist man verkrampft und man lässt es nicht los, dann hält man daran
fest.

[00:30:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gehe ich noch mal ein Stückchen weiter und komme wieder zum Anfang zurück.

[00:30:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Faust sagte: Zum Augenblicke möchte ich sagen, verweile doch, Du bist so schön.

[00:30:59.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, von schönen Momenten loszulassen.

[00:31:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will das Glück festhalten, aber das Glück ist immer nur etwas Flüchtiges.

[00:31:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glück muss man sich immer wieder erarbeiten, nicht indem man nach dem Glück
greift, sondern indem man etwas macht, das einem Zufriedenheit gibt.

[00:31:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es heute auch so eine Forschung, es kommt viel aus Amerika und ich bin immer
noch ein bisschen verbunden, weil ich fünf Jahre dort gelebt habe.

[00:31:26.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Eudaimonic Happiness, eine gut-kräftige Glücklichkeit und es gibt einen
Hedonic Happiness, eine hedonistische Glücklichkeit.

[00:31:31.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eudaimonische Glücklichkeit, wenn man etwas macht, das einem Freude macht
und man hat Freude an dem, was man macht und es ist einem egal, was die anderen
sagen, oder ob sie einem bewundern, oder ob man viele Likes bekommt im Internet,
eine hohe Einschaltquote.

[00:32:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat einfach Freude am machen.

[00:32:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Janet Yellen vom Federal Reserve in den USA, wurde von den Studenten gefragt ob sie
glücklich ist, dass sie so einen hohen Posten inne hat.

[00:32:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Antwort als Frau war: Ich gehe einfach gerne mit Zahlen um, ich finde den Posten
schön, aber ich wäre auch mit einem anderen Job zufrieden, einem weniger wichtigen,
wo ich auch mit den Zahlen arbeiten kann. Die Arbeit mit den Zahlen macht mich
zufrieden. Meine Arbeit macht mich zufrieden.

[00:32:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Eudaimonic Happiness. Etwas machen, das einem zufrieden macht.

[00:32:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Hedonic Happiness ist man in der Öffentlichkeit, man wird bewundert, man hat
eine hohe Einschaltquote, alle jubeln einem zu und innen dran ist man hohl.

[00:32:49.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine so gute Glücklichkeit.

[00:32:53.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer: der Körper kann nicht lügen.

[00:32:53.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eudaimonic Happiness führt dazu, dass das Immunsystem sehr stark ist.

[00:33:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Abwehrkräfte, man kann den Krebs abwehren, man kann Bakterien, Viren
abwehren, man ist gesund.

[00:33:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hedonic Happiness hat überhaupt keine Auswirkung auf das Immunsystem.

[00:33:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant.

[00:33:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer, der Körper kann nicht lügen.

[00:33:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper nimmt besser war.

[00:33:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach aussen können wir lügen. Wir können uns auch selber etwas vorlügen.

[00:33:35.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper akzeptiert das nicht.

[00:33:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, mit sich selber zufrieden zu sein, indem man das macht, was einem
Zufriedenheit gibt.

[00:33:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss ich die Leute fragen: war würden sie denn gerne machen, wenn
sie alle Freiheit der Welt haben?

[00:33:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort von vielen: Das weiss ich nicht.

[00:33:48.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Erwiderung: Ein bisschen länger studieren, sie haben ja gar nicht studiert, sie
haben sich gar nicht die Zeit genommen, um zu schauen, was eigentlich für sie wichtig
ist.

[00:33:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist heutzutage oft ein bisschen schwierig. Man verliert sich selber und ich sage
dann immer: Sie müssen ihr das Herz konsultieren.

[00:34:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere dann den Antoine de Saint-Exupéry: On ne voit bien qu'avec le coeur.
L'essentiel est invisible pour les yeux.

[00:34:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich selber, seine Gefühle, sein Herz fragen: Was ist mir eigentlich wichtig?

[00:34:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Spruch: Das liegt mir am Herzen.

[00:34:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Herz hat keine Augen.

[00:34:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort "Herz" drückt etwas aus, was uns sehr nahe geht.

[00:34:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben sich die Menschen verloren, sie sind sich nicht mehr nahe und ich muss sie
dann wieder beruhigen, runterholen, damit sie sich nahe kommen können.

[00:34:46.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre Glücklichkeit.

[00:34:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gehen wir zum Schmerz.

[00:34:52.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man eine Wunde hat, dann hat man die Tendenz immer wieder darin zu grübeln,
ist es schon besser geworden? Wie geht es jetzt? So kann man seine Wunde auch
immer wieder aufkratzen.

[00:35:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche ist bei den seelischen Wunden.

[00:35:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat einen Schmerz erfahren, ein Trauma, kann man sagen, über einen Mensch,
über eine Situation, die man nicht hat steuern können und dann geht man immer wieder
zu dem Schmerz zurück.

[00:35:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man grübelt immer wieder in seiner alten seelischen Wunde.

[00:35:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das einfach nicht vergessen. Man kann es nicht loslassen.

[00:35:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Schwierigen.

[00:35:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommen die Schmerzen, die Wut, der Ärger, die Frustrationen, die kommen am
Abend und kommen dann in der Nacht.

[00:35:45.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Schlafsstörungen hängen mit dem zusammen, dass man irgendwas nicht ganz
verarbeitet hat.

[00:35:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe als Therapeutin ist dann mit den Menschen zusammen zu grübeln und
zu schauen, dass sie sich Zeit nehmen und schauen was sie denn so verletzt hat.

[00:35:58.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man in alle Details rein.

[00:36:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende jetzt wieder das Bild.

[00:36:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schweiz viele Weiden. Die Kühe sind Wiederkäuer.

[00:36:10.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kühe liegen auf der Wiese rülpsen und tun Wiederkäuen.

[00:36:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht müssen sie ihr Trauma noch so oft Wiederkäuen, bis es verarbeitet ist. Es
stosst einem immer wieder auf und dann muss man es Wiederkäuen.

[00:36:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Therapeutin bin ich das Ferment, das hilft die verschiedenen Aspekte vom dem
Trauma, von den Verletzungen von der Wut wieder zu kauen, durchzugehen, zu
verdauen, bis man es loslassen kann.

[00:36:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es auch eine explizite Traumatherapie.

[00:36:49.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese habe ich nicht gelernt.

[00:36:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Therapeuten, die wirklich Psychotherapie machen, müssen das eigentlich bis zu
einem gewissen Grad können.

[00:36:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch das, dass man die Menschen ihre Geschichten erzählen lässt, durch das, dass
man Fragen stellt, werden dann die verschiedenen traumatischen Aspekte besser
verarbeitet und irgendwann kann man es loslassen.

[00:37:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jemandem mit einem sexuellen Trauma in der Pubertät, vor 20 Jahren, am Anfang
ist der Traum mit Bedrohung immer noch gekommen. Wir haben über alle diese Dinge
geredet, wir haben daran gearbeitet. Mit der Zeit ist der Traum dann verschwunden, es
ist bearbeitet gewesen.

[00:37:35.290] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Träumen kann ich oft auch sehen, ob jemand etwas verarbeitet hat oder nicht.

[00:37:41.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Nacht, im Traum, kommen Sachen hoch, die man am Tag sehr erfolgreich
verdrängt hat.

[00:37:51.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter dem immer wieder in seine Wunde gehen und in der Wunde grübeln, steckt
häufig schon auch die Haltung: Ich könnte es vielleicht doch ungeschehen machen. Ich
könnte das einfach ausradieren.

[00:38:07.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem ein Unfall passiert, denkt man, wenn nur einer das anders gemacht hätte,
wäre das nicht passiert.

[00:38:25.960] – Dr.med. Ursula Davatz
So geht man dann häufig durch.

[00:38:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man das Gefühl hat, jemand anderes sei daran Schuld gewesen, wir Ärzte
machen Fehler und wenn Fehler passieren, zum Beispiel bei der Geburt, dann hat die
Mutter das Trauma durch den medizinischen Fehler, der da geschehen ist.

[00:38:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich das Trauma bearbeite, frage ich immer: Wem geben sie die Schuld?

[00:38:50.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer die Schuldfrage zu klären.

[00:38:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Tendenz, die Geschehnisse an Personen zu hängen.

[00:38:59.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaue ich wer es ist. Wenn es ein Arzt ist, dann versuche ich nochmals eine
Gegenüberstellung zu machen.

[00:39:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch schon bei einer Mutter, die nicht zufrieden war, wie die Geburt gelaufen
ist, dann ein Termin vereinbart beim Gynäkologen. Sie durfte mit ihrem Mann ein
Gespräch haben beim Oberarzt und der Mann ist mitgegangen und dann haben sie das
alles besprochen.

[00:39:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau hat nach einem halben Jahr keine Bindung zu ihrem Kind entwickeln können,
weil sie von dem Trauma nicht loslassen konnte, dass der Gynäkologe etwas falsch
gemacht hat.

[00:39:37.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau hat so eine Wut auf den gehabt, dass sie gar keine Energie mehr gehabt hat,
mit dem Kind eine Beziehung herzustellen.

[00:39:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo sie das Trauma mit dem Arzt bearbeitet hat, war sie sehr
zufrieden und konnte dann eine Beziehung zu ihrem Kind herstellen und ich habe sie
nicht mehr gesehen.

[00:39:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Traumatas bearbeiten und man fragt immer auch: Wer ist Schuld?

[00:39:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele, und das sind häufig auch Frauen, die sagen: Ich bin selber schuld. Hätte ich doch
das nicht gemacht.

[00:40:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man die Schuld sich selber gibt, ist es auf eine Art noch am
schwierigsten, sie dort rauszuholen.

[00:40:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort müssen sie dann auch loslassen von der Vorstellung, perfekt sein zu müssen.

[00:40:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorhin habe ich nach Worten gesucht, was wir Mütter meinen.

[00:40:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sind Mütter auch megaloman.

[00:40:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter meinen zum Teil, sie müssen alles können, sie müssen es immer nur gut
machen, sie dürfen nie irgendetwas machen, was irgendjemandem schadet.

[00:40:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Augenblick, wo man sich selber die Schuld gibt, muss man mit den Menschen
daran arbeiten, dass sie sehen, wir sind auch nur Menschen und wir dürfen Fehler
machen und es gehört dazu.

[00:40:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht so einfach.

[00:40:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Schuldgefühlen loszulassen, ist etwas sehr schwieriges.

[00:41:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind so unangenehm, man will sie wegstossen und man bringt sie
einfach nicht los.

[00:41:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind speziell begabt in die Schuld auf uns zu nehmen.

[00:41:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, es ist wichtig, dass wir da ein bisschen wegkommen von dieser wahnsinnig
grossen Rolle als Mutter.

[00:41:23.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Loslassen.

[00:41:25.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher die Erwartungshaltung der Männern ihren Kindern gegenüber erwähnt.

[00:41:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können Erwartungshaltungen unseren Partnern gegenüber haben.

[00:41:34.070] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir können Erwartungshaltungen unseren Chef/Autoritäten gegenüber haben.

[00:41:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite mit dem Begriff: die enttäuschte Erwartungshaltung.

[00:41:43.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird meistens über die Person geschimpft, sehr aggressiv.

[00:41:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe immer die Erwartungshaltung, welche dahinter steckt suchen.

[00:41:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss den Menschen helfen die Erwartungshaltung an ihr Gegenüber loszulassen.

[00:41:53.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so einfach.

[00:41:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Iván Böszörményi-Nagy, ein Ungare, hat in den USA gelebt, er hat den Begriff die
Anspruchsberechtigung geprägt.

[00:42:14.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man irgendwas nicht gehabt habt in der Jugend, dann hat man das Recht darauf,
dann erwartet man, dass das einem noch gegeben wird.

[00:42:23.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es gehabt hat, hat man das Recht darauf, dass man es wieder bekommt.

[00:42:26.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Anspruchsberechtigung loszulassen, das braucht eine gewisse Selbstreflexion.

[00:42:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man loslassen kann, dann muss man nicht mehr so wütend werden.

[00:42:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man auf einmal zufriedener mit dem wie es ist.

[00:42:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die NZZ vom 8.4.2017, "Wir Schönwetterpiloten: Es kommt nicht so sehr auf den Start
an, sondern auf das Korrigieren nach dem Abheben. Das gute Leben gelingt nur durch
ständiges Nachjustieren."

[00:42:49.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben oft eine schlechte Fehlerkultur.

[00:42:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Lateinisch heisst es: Errare Humanum est. Irren ist menschlich.

[00:42:53.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört zum Menschen, dass er immer wieder Sachen falsch macht.

[00:42:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unser grosser Vorteil dem Computer gegenüber. Der Computer stürzt ab, aber
er macht nicht so viele kleine Fehler wie wir Menschen.

[00:43:05.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen im Leben immer wieder adjustieren. Wir machen immer wieder Fehler und
wir dürfen immer wieder korrigieren.

[00:43:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, es ist ganz wichtig, Fehler zu integrieren, sowohl bei uns, als auch bei
unserem Gegenüber.

[00:43:31.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir loslassen können, gerade wir Schweizer, die sehr perfektionistisch sind, und
über die Uhren immer ganz perfektionistisch auf die Zeit schauen; wir müssen loslassen
von dem ganz Korrekten.

[00:43:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Um das zu demonstrieren: dieser Tisch ist sicher maschinell gemacht.

[00:43:51.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich einen alten Balken habe, mit ganz vielen Narben, der ist viel lebendiger, als
so etwas glattes.

[00:43:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler machen lebendig. An den Gegenständen sieht man das.

[00:44:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Handgemachte Sachen haben alle Fehler drin. Das macht sie lebendiger.

[00:44:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sage ich zu jedem Menschen: sie dürfen Fehler machen, sie dürfen
lebendig sein.

[00:44:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler gleich Lebendigkeit.

[00:44:18.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Perfektion nicht zu weit treiben.

[00:44:18.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn wir nicht loslassen von unseren Erwartungshaltungen, wenn es der Partner nicht
gebracht hat oder der Chef nicht gebracht hat, dann muss es der Nächste bringen und
man wartet eigentlich immer auf einen grossen Erlöser, der dann das alles richtig
zurecht rückt.

[00:44:40.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Literatur wird das erwähnt bei: Das Warten auf Godot.

[00:44:41.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Samuel Beckett macht sich lustig über uns Menschen, die immer noch auf etwas
Besseres warten.

[00:44:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pensionierung ist auch ein wichtiger Teil vom Loslassen.

[00:44:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wenn man seinen Job muss, darf, aufgeben will.

[00:45:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Loslassen von dieser Rolle am Arbeitsplatz.

[00:45:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört viel vom Pensionierungs-Tod.

[00:45:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Männer sterben an einem Herzinfarkt, nachdem sie pensioniert wurden.

[00:45:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen weiss ich es nicht so genau.

[00:45:21.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt noch nicht so viel regelmässig berufstätige Frauen.

[00:45:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben oft so viele Interessen, dass sie gut etwas anderes weitermachen
können.

[00:45:32.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Firmen bereiten die Leute auch auf die Pensionierung vor.

[00:45:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man besser loslassen kann, verwendet der Mensch immer Rituale.

[00:45:52.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines der berühmten Rituale, ist das Beerdigungsritual.

[00:45:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht den Menschen noch einmal anschauen.

[00:46:01.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen auch, wenn sie ihre geliebte Person nicht mehr anschauen durften, auch im
toten Zustand nicht, dann können sie weniger gut loslassen.

[00:46:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man Kinder nicht zu Beerdigungen zugelassen, heute lässt man sie zu,
sonst können sie nicht loslassen.

[00:46:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Tod gehört zum Leben.

[00:46:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte das auch von den Kindern nicht wegnehmen.

[00:46:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder nicht möchten, dann soll man sie nicht zwingen, aber man lässt sie.

[00:46:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann besser Abschied nehmen wenn man ein Ritual macht.

[00:46:33.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon einige Scheidungen begleitet.

[00:46:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Scheidung passiert, dann tue ich auch mit der Person in Therapie das
Abschiedsritual besprechen.

[00:46:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie, was wollen sie Ihrem Partner zum Abschied sagen?

[00:46:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie noch machen?

[00:46:51.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse gehen nach der Scheidung sogar noch miteinander zum Mittagessen, andere
nicht.

[00:46:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jedem Fall versuche ich immer ein Ritual auszuarbeiten.

[00:47:06.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines der wichtigen Rituale in der Entwicklungsgeschichte des Menschen ist die
Kommunion.

[00:47:15.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kommunion und die Konfirmation bei den Protestanten ist eigentlich ein Ritual,
Abschied nehmen von der Jugend, eingeschlossen werden in die Erwachsenen
Gesellschaft.

[00:47:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch ein Übergang.

[00:47:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erntedankfest, ist loslaufen vom Sommer.

[00:47:37.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechseläuten ist das Loslassen vom Winter.

[00:47:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Jahreszeiten haben wir auch so Rituale um die alte Saison zu verabschieden
und sich der neuen zu zuwenden.

[00:47:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich am Schluss noch das, was ich zitiert haben in der Einladung: wer
loslässt, hat die Hände frei.

[00:48:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wenn man etwas loslässt, kann man etwas Neues wieder anpacken.

[00:48:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann selber etwas Neues anpacken.

[00:48:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ewas Neues angehen.

[00:48:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Chance für etwas neues.

[00:48:11.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ums loslassen geht beim Tod.

[00:48:16.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns auch alle vorbereiten auf den Tod, wir müssen loslassen.

[00:48:16.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lassen los, um jemandem anderen Platz zu machen, um der nächsten Generation
Platz zu machen um anderen Menschen Platz zu machen.

[00:48:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir nicht sterben würden, wäre das eine absolute Katastrophe.

[00:48:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre alles überbevölkert und es käme nie etwas Neues.

[00:48:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen das Neue auch jemandem anderen überlassen, wir müssen nicht alles
selber machen. Das sind meine abschliessenden Worte.