Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?

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Dr.med. Ursula Davatz

3.7.2025
Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz herzlich begrüssen zum heutigen Abend.

[00:00:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema: wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?

[00:00:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, ich bin Familientherapeutin, in den USA ausgebildet.

[00:00:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin.

[00:00:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue nicht nur das Individuum an, sondern ich schaue immer die Interaktion an.

[00:00:28.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte meinen Vortrag und dann dürfen sie Fragen stellen und kritische Bemerkungen
machen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

[00:00:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder.

[00:00:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war 40 Jahre lang im Kanton Aargau tätig, als Sozialpsychiaterin.

[00:00:55.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Jetzt habe ich nur noch eine Praxis in Zürich.

[00:00:58.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Schulen gearbeitet, ich habe mit Elternvereinigungen gearbeitet.

[00:01:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch mit Lehrern gearbeitet.

[00:01:07.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind auch Lehrpersonen anwesend?

[00:01:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, wie viele anwesend sind.

[00:01:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich natürlich, wenn Lehrer kommen. Ich finde es sehr wichtig, dass Lehrer
und Eltern zusammenarbeiten, auch wenn sie nicht genau die gleiche Rolle haben den
Kindern gegenüber.

[00:01:27.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Unterschied muss man ausarbeiten. Zusammenarbeiten sollten sie trotzdem.

[00:01:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache als erstes eine kleine Einleitung, allgemein, philosophisch.

[00:01:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde, auf dem Planeten.

[00:01:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lernfähigkeit läuft nicht nur über die Kognition ab.

[00:01:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule sind wir sehr intellektualisiert.

[00:01:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt alles lernen läuft nur kognitiv ab.

[00:02:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft auch über die Gefühle ab

[00:02:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über das emotionale Gehirn.

[00:02:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist bei den Säugetieren speziell ausgebildet worden.

[00:02:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung läuft das Lernen ab.

[00:02:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung.

[00:02:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergessen das immer wieder.

[00:02:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken, Lernen kann vom Computer gelernt werden oder aus dem Textbuch.

[00:02:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.

[00:02:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist etwas ganz Wichtiges.

[00:02:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie natürlich ganz speziell.

[00:02:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben immer mit dem Patienten zu tun, mit den Menschen zu tun, wenn das
Gleichgewicht verloren gegangen ist und dann eine psychische Krankheit entsteht.

[00:02:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissensvermittlung kann man heutzutage in einer kurzen Zeit über Google, über das
Internet, ChatGPT erwerben.

[00:03:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle reden heute mit dem ChatGPT und fragen: Was würdest du da sagen? Weisst du
etwas über das und das?

[00:03:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er spuckt viel Gutes raus.

[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende ChatGPT nicht so viel.

[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lerne aus meiner Erfahrung.

[00:03:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein absolut interessantes und sehr effizientes Instrument.

[00:03:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn kann man Wissen aus dem Internet herausholen.

[00:03:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionale Beziehungen und Lernen in der Beziehung, das kann man nicht aus dem
Internet herausholen.

[00:03:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Intelligenz, die wird nicht über die ChatGPT gefördert.

[00:03:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann nur in der zwischenmenschlichen Beziehung erlernt werden.

[00:03:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaue ich die Antworten von ChatGPT an, dann denke ich: so brav, so normal, so
vornehm, so höflich. Nicht lebendig. Es ist tot.

[00:03:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stört mich.

[00:04:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Film, der heisst Anomalia.

[00:04:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Liebesgeschichte ist Puppen, mit Robotern dargestellt worden.

[00:04:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Film ist anderthalb Stunden gegangen. Ich dachte immer: wann kommt endlich ein
Mensch? Wann kommt endlich etwas Lebendiges?

[00:04:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
All das künstlich sehr gut gemachte Zeugs stimmt alles aber es fehlt die Lebendigkeit.

[00:04:47.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist heutzutage wichtiger denn je, die Eltern auch, um den Kindern
emotionale Intelligenz beizubringen, zum selber lernen und um die Beziehung zu
pflegen.

[00:05:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehungspflege ist noch nie so wichtig gewesen, wie heutzutage.

[00:05:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat nicht mehr alles Wissen. Die Kinder wissen vieles schon und haben es
schon nachgeschaut auf dem Internet.

[00:05:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Persönlichkeit können sie nicht auf dem Internet anschauen.

[00:05:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Was dann auf dem Internet passiert, ist, dass so Schematas, so Typen, typische
Geschichten gebracht werden und die sind alle auf das emotionale Gehirn ausgerichtet
im Sinne vom Verkauf.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will immer mehr, man will den Käufer abhängig machen.

[00:05:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Abhängigkeitsproblem ist ein riesige Problem, gerade auch bei den ADHS/ADS
Kindern.

[00:05:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sprechen auf das Emotionale an.

[00:05:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht schnell, sie sind alle schnell und ungeduldig.

[00:05:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden gefüttert und verführt.

[00:05:57.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Kauf verführt.

[00:06:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mein Mobiltelefon öffne und eine Benachrichtigung bekomme, denke ich mir
immer: die müssen mir nicht sagen was wichtig ist für mich. Ich weiss es selber.

[00:06:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind, wenn man noch nicht so eine Persönlichkeit hat, dann schaut man alles an.

[00:06:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird dann geprägt durch all die Reklamen.

[00:06:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum plädiere heute Abend für das menschliche Lernen, für die Beziehung, für die
Interaktion, auch für den Konflikt, dass man untereinander lernt.

[00:06:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wichtiger denn je.

[00:06:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir in die Politik, was dort abläuft, dann läuft ein Kindergarten ab.

[00:06:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auf eine Art das Verhalten von Drei- bis Fünfjährigen.

[00:06:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du das machst, mache ich das. Rache und Hin und Her.

[00:06:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das möchte ich ihnen nicht beibringen.

[00:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat denn das mit ADHS/ADS zu tun?

[00:07:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein philosophischer Eingang.

[00:07:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne ein paar wichtige Merkmale vom ADHS/ADS.

[00:07:13.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man viel im Internet, in der Zeitung und so weiter.

[00:07:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mir gerne nachher Fragen stellen, wenn sie dazu noch mehr wissen
möchten.

[00:07:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das A steht für Aufmerksamkeitsstörung.

[00:07:31.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H steht für die Hyperaktivität.

[00:07:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst am Schluss dann immer, die Aufmerksamkeitsstörung, hyperkinetisches
Syndrom.

[00:07:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Syndrom ist eine Krankheit, also ein Krankheitssyndrom.

[00:07:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar, ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:07:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein bisschen ein anderer Neurotyp.

[00:07:54.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird genetisch vererbt. Man kann es nicht weg erziehen.

[00:07:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein bisschen anders gestaltet, das reagiert anders, das nimmt das
Umfeld anders auf.

[00:08:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht von Grund auf ändern.

[00:08:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von Aufmerksamkeit-Störung spricht, ist das medizinisch.

[00:08:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte sehen immer die Störung und wollen dann die korrigieren.

[00:08:21.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, es ist nicht eine Störung, es ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder nehmen immer sofort alles wahr.

[00:08:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler sagen: wenn ich in einen Raum reinkomme, nehme ich sofort alles
wahr. Ich weiss, wie es den Leuten geht, wie der ist und so weiter.

[00:08:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit.

[00:08:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit wird zum Problem, wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine
langweilige Stunde gibt.

[00:08:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann: ach, das kann ich vergessen. Ich gucke lieber zum Fenster raus, ich störe
meinen Nachbar, ich mache irgendetwas mit meinem Kollegen.

[00:08:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spiele den Clown. Dann finden mich alle lustig. Dann nimmt man dem Lehrer die
Aufmerksamkeit weg.

[00:08:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS-Kind ist für die Lehrperson eine Herausforderung.

[00:09:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrperson nicht spannend genug ihr Material bringt, dann passiert es
schnell, dass das ADHS/ADS-Kind abgelenkt ist.

[00:09:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Breite Aufmerksamkeit.

[00:09:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, schnüffelt er überall umher. Er schaut wo
überall etwas interessantes ist. Dort wo es interessant ist, geht er hin. Wenn er nichts
wichtiges findet, legt er sich wieder hin.

[00:09:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder tun immer so ein bisschen in das Umfeld screenen.

[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, wo sie alles wahrnehmen müssen, wenn sie dann in einer
grossen Menge sind, in einer Schulklasse oder an einem Anlass und dann läuft viel
interessantes Zeugs, dann macht die breite Aufmerksamkeit, die hat zur Folge, dass
das Kind in ein System Overload reinkommt.

[00:10:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das emotionale System wird überfordert, ist überlastet und bricht
zusammen.

[00:10:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse werden dann verrückt. Das ist das ADHS.

[00:10:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS hat die Hyperaktivität nach innen hat, das zieht sich dann zurück, passt nicht
mehr auf.

[00:10:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS landet schlussendlich im Autismus.

[00:10:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird viel Autismusspektrumsstörung gestellt, ASS.

[00:10:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, Autismusspektrumsstörung ist eigentlich das ADHS/ADS in extremer Form.

[00:10:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, das ist noch mal eine andere Krankheit.

[00:10:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Psychiatrie so viele Diagnosen stellt, sage ich immer: wir haben nur
ein Gehirn und das Gehirn funktioniert ganzheitlich und die verschiedenen Funktionen
im Gehirn, die gehen immer ineinander rein und die können auch ändern.

[00:11:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Diagnostik, die man in der somatischen Medizin verwendet, nicht so gut
in der Psychiatrie verwenden.

[00:11:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie führt einem in einen Tunnel rein und ist nicht beweglich genug.

[00:11:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastische Organ. Das heisst, es kann verändert werden durch den
Einfluss vom Umfeld, durch die Interaktion und natürlich durch das eigene Verhalten.

[00:11:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein soziales Organ. Es ändert sich über die Interaktion.

[00:11:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder werden leicht abgelenkt.

[00:11:46.630] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn interessantere Sachen passieren, gehen sie dort hin und bleiben nicht bei
irgendeiner langweiligen Lektion.

[00:11:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann natürlich Schulprobleme.

[00:11:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat es schwer mit den ADHS/ADS Kindern.

[00:11:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin, der Lehrer muss immer den Faden haben. Das kann ein Problem sein mit
24 Kindern. Wenn es mehrere ADHS/ADS Kinder sind, die alle in eine andere Richtung
tendieren, muss die Lehrperson zum Erhalter werden.

[00:12:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst immer: das Kind hat keinen Respekt, kein Gehorsam. Gehorsam heisst: du
hast nicht zugehört.

[00:12:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nicht einfach folgen.

[00:12:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eigentlich immer intrinsisch motiviert sein. Sie müssen selber entscheiden:
jawohl, das interessiert mich und das mache ich.

[00:12:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es fertig bringen sie zu motivieren, aber nicht über gehorsam, sondern das
Interesse locken.

[00:12:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Interesse locken kann, dann sind sie sehr interessiert und dann haben
sie nicht mehr die breite Aufmerksamkeit, dann haben sie auf einmal einen Hyperfokus.

[00:13:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die im Hyperfokus sind, können an ihrer Arbeit bleiben, interessiert.
Das gibt dann die Wissenschaftler, Bastler, etc.

[00:13:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur die breite Aufmerksamkeit.

[00:13:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich ihren eigenen Fokus geben, dann ist die Aufmerksamkeit da.

[00:13:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Folgen können sie nicht so gut.

[00:13:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nur folgen, indem man ihr Interesse weckt und dann machen sie es von sich
aus.

[00:13:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sind dort ein bisschen anders.

[00:13:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind sehr beziehungsorientiert.

[00:13:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das sein.

[00:13:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gebären Kinder, wir ziehen Kinder auf.

[00:14:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben andere Hormone.

[00:14:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind die Mädchen oft sogenannt aufmerksamer.

[00:14:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie passen sich dem Lehrer, der Lehrerin zuliebe an, bis zum Punkt, dass
sie sich sogar selber unterdrücken.

[00:14:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum stellt man bei den Frauen die ADHS/ADS-Diagnose oft erst zwischen 35 bis 45.

[00:14:21.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon Erwachsene gehabt, 40-Jährige.

[00:14:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat gesagt: ich habe gar nichts gemerkt, es ist alles problemlos gegangen.

[00:14:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter, die hat eine Phase von vielen Erkrankungen durchgemacht und ist ganz
klar ein ADHS/ADS-Kind, Persönlichkeit gewesen.

[00:14:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Weibliche ADHS/ADSler haben die Tendenz, sich mehr anzupassen als die Männlichen.

[00:14:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männlichen fallen mehr auf, die werden aggressiv, wenn man sie falsch anpackt,
wenn man etwas von ihnen verlangt, was sie nicht wollen, oder wenn man sie stört bei
ihrer eigenen Aktivität.

[00:15:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Sinn sind früher auch nur die Buben diagnostiziert worden.

[00:15:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann gesagt, fünf Knaben auf ein Mädchen.

[00:15:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man 1,5 Knaben auf ein Mädchen.

[00:15:18.025] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistik ändert.

[00:15:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft oft so: die Kinder werden diagnostiziert. Die Eltern denken: eigentlich habe ich
das auch. Dann klären sie sich auch ab.

[00:15:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist klar. ADHS/ADS ist vererbt.

[00:15:39.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben beide etwas davon. Vater und Mutter.

[00:15:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
They find each other, they bind with each other and they reproduce with each other.

[00:16:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist sich ähnlich. Das ist immer schön vertraut.

[00:16:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist: sie sind hochsensibel.

[00:16:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn zwei Sensible zusammen sind und einer ist aggressiv, der andere zieht sich
zurück, dann kann es wieder Konflikte geben.

[00:16:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien haben mehr Scheidungen.

[00:16:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie scheiden mehr. Sie sind viel konfliktanfälliger durch ihre hohe Sensitivität.

[00:16:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide sensibel sind, kann jeder sagen: du hast mich verletzt. Du hast mich
verletzt, nein du hast mich verletzt. Dann wird gestritten.

[00:16:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Ehepaare, die man auseinander dividieren und jeden wieder einen Platz
geben muss.

[00:17:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommen sie zu spät. Es ist dann schon auseinander gegangen.

[00:17:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie finden sich, sie streiten aber auch mehr miteinander und sie scheiden mehr.

[00:17:29.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben mehr Kündigungen oder werden entlassen, weil sie sich gegen
der Chef wehren.

[00:17:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen mögen keine Vorgesetzten, die ihnen nicht überlegen sind
punkto Wissen.

[00:17:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die vorgesetzten Personen weniger gut sind, wenn sie
weniger wissen, dann lässt man sich gar nicht sagen.

[00:17:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Ton verfehlt, geht es auch nicht.

[00:17:54.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein bei Kindern und Erwachsenen mit ADHS/ADS muss man in einem
tiefen Erregungszustand seine Botschaft durchgeben. Low arousal.

[00:18:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man hocherregt ist, geht es daneben. Dann wird das Gehirn noch mehr erregt.

[00:18:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand laufen nur noch Reflexe ab, jedoch keine vernünftigen
Verhaltensweisen.

[00:18:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum darf man ADHS/ADSler nicht im erregten Zustand belehren, moralisieren, sagen
was sie tun sollen.

[00:18:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man sich selber beruhigen, dann das Kind sich beruhigen lassen.

[00:18:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn ein ruhiger Zustand herrscht, kann man wieder an die Kognition appellieren.

[00:18:45.697] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand, geht gar nichts rein.

[00:18:45.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es nur die vier Reflexe:

[00:18:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Kampf, Flucht, Totstellreflex, und Necken.

[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight, Freeze and Tease.

[00:19:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist bekannt bei den Jungtieren. Provozieren.

[00:19:13.157] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich. Blöd tun und schauen, wie der andere reagiert.

[00:19:24.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist auch ein Annäherungsversuch.

[00:19:33.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man oft unter Knaben und Mädchen.

[00:19:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben necken grob, die Mädchen necken raffiniert.

[00:19:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der andere verletzt. Man merkt das Raffinierte nicht bei den Mädchen.

[00:19:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe, welcher aggressiv wird, wird bemerkt. Der wird dann bestraft.

[00:19:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Necken ist ein ungeschickter Annäherungsversuch.

[00:20:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben das oft. Sie sind erfinderisch, kreativ, spielerisch.

[00:20:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Neckverhalten tritt ganz viel in er Pubertät auf.

[00:20:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei allen sozialen Wesen so.

[00:20:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Neckverhalten wird in der Tierwelt artübergreifend verwendet.

[00:20:37.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird immer eingesetzt um herauszufinden, wie der andere reagiert.

[00:20:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das etwas Lebendiges oder nicht? Wir mein Gegenüber verrückt oder nicht? Spielt
er mit mir?

[00:20:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Hunde die anderen zum Spielen auffordern, tun sie das auf eine gewisse Art und
Weise und springen aufeinander zu.

[00:20:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft verstehen wir Erwachsenen dann das Necken nicht so gut.

[00:21:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind beleidigt oder werden verrückt.

[00:21:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind wir unter Zeitdruck. Dann können wir das gar nicht gebrauchen.

[00:21:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts Böses.

[00:21:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt mit sich, dass die Knaben wie auch die Mädchen schnell verletzt
werden.

[00:21:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben reagieren auf die Verletzung mit Aggression, Kampf.

[00:21:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen reagieren auf die Verletzung mit Flucht, Rückzug oder sie passen sich an,
damit kein Konflikt mehr auftritt.

[00:21:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es viel Konflikte in der Familie oder der Klasse gibt, dann passen sich die
Mädchen noch mehr an und geben sich grosse Mühe, dass sie nicht noch mehr
Probleme verursachen.

[00:21:59.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man sehr gut. ADHS/ADSler sind sehr sensitiv und die wollen natürlich, dass
es dem Kollektiv gut geht. Die passen sich dann über an, auf ihre Kosten.

[00:22:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt dann im mittleren Alter raus.

[00:22:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort reagieren die Frauen dann mit Depressionen.

[00:22:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sich so lange angepasst, jetzt geht es plötzlich nicht mehr. Sie sind
erschöpft.

[00:22:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt ein Burnout, eine Depression.

[00:22:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen und die Eltern haben oft Mühe mit dem aggressiven Reagieren auf
die Sensitivität und wollen das abklemmen.

[00:22:40.319] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt gleich die Erziehung rein.

[00:22:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo die Aggression läuft, herrst ein erhöter Errgungszustand. High
Arousal. Da kann man gar nichts sagen. Da kann man die Situation nur beruhigen
lassen.

[00:22:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn der Sturm durch ist, kann man zusammen schauen: was hat dich dort
verletzt?

[00:23:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst die Verletzung validieren.

[00:23:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen: im nächsten Fall, wenn du wieder so verletzt wirst, was könntest du anders
machen?

[00:23:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man zusammen erarbeiten: wie kann man anders vorgehen.

[00:23:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man kognitiv vorgehen. Das heisst nicht, dass es dann sofort wieder läuft.

[00:23:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verhalten, die Emotionskontrolle lernt man in der Pubertät.

[00:23:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Impulsivität immer sofort bestraft wird, können sie nichts lernen.

[00:23:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Natur versaut hat, kann man mit Strafen nicht korrigieren. Das sagt Gerhard
Polt.

[00:23:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur, das ist der angeborene Neurotyp, die Gene.

[00:24:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erziehungssystem sehe ich, wie immer noch sehr viele Prinzipien rumschwirren:
man muss bestrafen.

[00:24:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sagen immer: es muss Konsequenzen geben.

[00:24:20.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Reflexverhalten kann man nicht mit Strafen verändern.

[00:24:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man es mit Strafen verändert, tut man höchstens den Menschen zurück
dämmen, dass er sich gar nichts mehr getraut.

[00:24:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird der Mensch phobisch, zieht sich zurück, hat Angst davor, etwas falsch zu
machen. Dann gibt es zwanghaftes Verhalten.

[00:24:38.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts.

[00:24:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss warten, bis sich der emotionale Erregungszustand gelegt hat, sonst giesst
man nur Öl ins Feuer und es wird schlimmer und man schadet.

[00:24:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen, welche so sensibel sind, ziehen sich zurück und ihre Leistung liegt dann
unter ihren Fähigkeiten. Die gehen oft verloren in der Klasse.

[00:25:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: wieso bringst du nicht die Leistung?

[00:25:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind beschäftigt mit dem sozialen Ablauf, dass sie nicht mehr für sich schauen
können.

[00:25:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen hat die Schule verweigert. Sehr konstant. Die hat es nicht ertragen, dass
die Lehrerin nicht gerecht umgegangen ist mit den Schülern.

[00:25:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer hat alles beherrscht. Die Lehrperson hat nicht die Führung übernommen.

[00:25:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich musste man mit ihr Homeschooling machen, bis zum heutigen Tag.

[00:25:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine lange Geschichte.

[00:26:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme zur Medikation.

[00:26:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin arbeit mit Medikamenten.

[00:26:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit kann eingeengt werden über Medikamente.

[00:26:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Elvanse, Medikinet.

[00:26:24.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Stressmedikamente. Die erhöhen den Stress. Das ergibt die
Fokussierung.

[00:26:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn unser Gehirn gestresst wird, wenn wir unter Stress sind, geht die
Leistungsfähigkeit eine zeitlang hoch. Wenn es zuviel Stress ist, fällt sie komplett
zusammen.

[00:26:44.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder gehen in der Nacht vor der Prüfung alles durch. Das geht sogar.

[00:27:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Die verursachen sich selber Stress, Dopaminausschüttung, indem sie sich unter Stress
setzen.

[00:27:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Extremfall gibt es noch das Sensation Seeking.

[00:27:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen verrücktes Zeugs und es geht immer um die Stimulierung, um die
Dopaminausschüttung.

[00:27:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress und im Krieg kann man Wunden haben und man spürt den Schmerz nicht
mehr. Das ist diese Wirkung.

[00:27:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen sind wichtig.

[00:27:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man diesen Kindern Ritalin gibt, Concerta, gewisse merken dass, sie sind
sensibel und sagen: ich bin nicht mehr mich selber.

[00:27:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie spüren sich nicht so gut.

[00:28:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nur Leistung wichtig ist in der Schule, muss man sich nicht spüren. Hauptsache
man erbringt die Leistung.

[00:28:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es wichtig, dass die Persönlichkeit entwickelt wird, in der Schule und zu
Hause. Das Gespür gehört dazu.

[00:28:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe auch Medikamente.

[00:28:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keine Medikamente.

[00:28:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe keine Medikamente, wenn das Kind es nicht will, wenn die Eltern es nicht
wollen.

[00:28:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Lehrperson eine Zusatzperson geben, die hilft das Kind zu handhaben,
wenn es ausser Rand und Band geht, als einfach nur Ritalin zu verschreiben.

[00:28:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will kein Dogma predigen.

[00:28:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall muss individuell angeschaut werden.

[00:29:01.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man die Stressmedikamente gibt, es sind Amphetamine, die kann
man auch auf der Gasse kaufen. Die werden auf der Gasse auch gehandelt.

[00:29:02.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente bringen mehr Fokus. Die Schulleistung kann von einer bis zu zwei
Noten hochgehen.

[00:29:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr verführerisch. Da hat man Freude. Das Kind kann in eine bessere Schule,
kann eine bessere Ausbildung machen. Es ist immer auch ein Preis dabei.

[00:29:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.

[00:29:46.670] – Bemerkung 1
Wie kurzfristig oder wie schnell wirkt das Medikament? Wie lange wirkt das
Medikament?

[00:29:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Medikament wirkt sofort, innerhalb von einer Stunde.

[00:29:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die kurzwirksamen, wie das normale Ritalin. Das wirkt sofort. Die Wirkung fällt
dann mit der Zeit wieder ab. Die kann man morgens und nach dem Essen nochmals
einnehmen.

[00:30:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt langwirksame, Concerta, das wir den ganzen Tag.

[00:30:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin kann auch wie eine Schlafmedikation wirken, ohne sedierend zu wirken. Es wirkt
dann nur fokussierend.

[00:30:38.760] – Bemerkung 2
Muss man die Medikamente über eine längre Zeit nehmen?

[00:30:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.

[00:30:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es geht in den Ferien nicht nehmen, damit sich das Gehirn wieder erholt.

[00:30:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse wollen, dass das Kind die Medikamente genau in den Ferien nimmt, damit das
Kind leichter zum handhaben ist. Das muss ich den Eltern überlassen.

[00:31:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse nehmen Medikamente für eine Zeit und setzen sie dann ab.

[00:31:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere nehmen Medikamente bis ins Studium und darüber hinaus. Es wird ganz
individuell gehandhabt.

[00:31:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde immer vorsichtiger.

[00:31:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente erhöhen die Leistungsfähigkeit und beuten aus.

[00:31:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.

[00:31:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Medikament nicht immer nehmen.

[00:31:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Medikament auch über das Wochenende weglassen.

[00:31:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene nehmen das Medikament, wenn sie ihr Steuererklärung ausfüllen müssen,
wenn sie einen Tag studieren gehen.

[00:31:59.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente können sehr punktuell verschrieben werden.

[00:32:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat Medikamente genommen und wollte mit 15 Jahren ohne Medikamente
leben können. Er wollte sich selber steuern können.

[00:32:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsenen und Kindern versuche ich beizubringen, dass sie lernen mit ihrem
Neurotyp umzugehen.

[00:32:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es gewisse Regeln. Diese Regeln kann man lernen.

[00:32:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Coaches, Ratschläge auf dem Internet.

[00:32:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Ratgeber, was man alles tun kann.

[00:32:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber herausfinden, was für einem passt.

[00:32:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von: persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS Kindern.

[00:33:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld kann lernen mit diesen Kindern umzugehen.

[00:33:11.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Man lernt auch selber etwas, wenn man lernt mit den ADHS/ADS Kindern umzugehen.
Man kommt dann auch selber weiter.

[00:33:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung spricht man von der artgerechten Tierhaltung.

[00:33:20.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft schneller gesagt als getan. Dort wurde man darauf aufmerksam.

[00:33:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Menschen spreche ich von der persönlichkeitsgerechten Erziehung,
bedarfsgerechter Umgang mit neurodivergenten Kindern.

[00:33:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS-Kind ist ein bisschen anders als das ADS-Kind.

[00:33:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS-Kind muss man bereit sind, sich damit auseinander zusetzen.

[00:33:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS-Kind muss man besser beobachten und nicht so schnell reinschiessen.

[00:33:54.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst verstehen lernen, was abläuft beim Kind.

[00:33:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung muss in einem wenig erregten Zustand stattfinden, sonst geht gar nichts.

[00:34:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Flugzeug muss man zuerst selber die Sauerstoffmaske anziehen und dann dem
Kind.

[00:34:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zuerst selber runterkommen und dann sagen, was sie wollen.

[00:34:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es in ihrem erregten Zustand sagen, haben sie gar keinen Erfolg.

[00:34:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll etwas sagen, wenn das Wasser bei der Brust steht, nicht wenn das Wasser bei
der Nase steht.

[00:34:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber früher etwas sagen, wie man es möchte, als so verrückt zu werden, dass nur
noch Blubber rauskommt.

[00:35:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Befehle.

[00:35:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln aufstellen.

[00:35:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Befehl ist für ein ADHS/ADS Kind häufig schon ein Übergriff.

[00:35:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst mir nicht, was ich tun soll.

[00:35:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: in meinem Haus, in dem Zustand, in der Minute oder an dem Tag ist
mir wichtig, dass so und so und so und so.

[00:35:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher Regeln aufstellen.

[00:35:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln kann man auch aufschreiben und irgendwo aufhängen.

[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln kann das Kind selber übernehmen. Die Regeln kann das Kind
internalisieren. So wird das Kind intrinsisch motiviert.

[00:35:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Belohnung, Bestrafung, Drohung, das funktionirt gar nicht.

[00:35:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt es zum Kampf und die Eltern wollen etwas durchsetzen, nicht mit Logik und
Überzeugung argumentieren.

[00:35:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich müssen sie sich durchsetzen.

[00:35:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern argumentieren endlos.

[00:36:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind weiss dann gar nicht mehr worum es geht.

[00:36:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber klar sagen, ich möchte das so.

[00:36:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts zu diskutieren. Das ist nicht verhandelbar.

[00:36:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich mit seiner eigenen mentalen Kraft durchsetzen.

[00:36:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre die Eltern zuviel argumentieren.

[00:36:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat am Ende nur einen System Overload und am Schluss weiss es gar nichts
mehr und es empfindet die Eltern eher als schwach.

[00:36:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte, dass sie immer nachgegeben hat. Sie war konsequent inkonsequent.

[00:37:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: wenn sie etwas durchsetzen wollen, dann müssen sie es auch
durchsetzen.

[00:37:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch einsehen, wenn es nicht geht.

[00:37:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Totschlagen möchte man das Kind nicht.

[00:37:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören auf und schauen ein anderes Mal weiter.

[00:37:32.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich auch umentscheiden.

[00:37:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht jedes Mal dem Kind zuliebe nachgeben oder weil man zu schwach ist, einfach
nachgeben. Dann lieber gar nicht damit beginnen.

[00:37:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in einen Machtkampf kommt, speziell mit ADHS/ADS Knaben oder
Mädchen, ist man als Erziehungsteil der Verlierer.

[00:37:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt man zu bestrafen, verrückt zu werden. Dann hat man verloren.

[00:38:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas durchsetzen, wenn man auch wirklich dahinter steht und die Kraft hat
dahinter, es zu tun.

[00:38:07.234] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst lieber alles laufen lassen.

[00:38:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Piloten überlassen im Zweifelsfall das Flugzeug sich selber. Das haben mir zwei Piloten
erklärt.

[00:38:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zweifelsfall kann man den ADHS/ADS Kindern die Steuerung selber überlassen.

[00:38:36.745] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind soziale Wesen.

[00:38:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind auch sozial. Die haben auch eine sehr soziale Ader.

[00:38:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz

Anstelle von Übersteuern, lieber gar nicht steuern.

[00:38:42.581] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann steuern sich ADHS/ADS Kinder selber.

[00:38:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der AirFrance Absturz, wäre nicht passiert, hätte man nicht übersteuert. Flugzeuge
steuern sich aerodynamisch.

[00:38:53.177] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Air_France_Flight_447

[00:39:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man beim Flugzeug übersteuert, stürzt das Flugzeug ab.

[00:39:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie zum Steuern?

[00:39:13.164] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie nicht, gar nicht damit beginnen. Sonst vertun sie einfach nur ihre
Autorität.

[00:39:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick vom High Arousal kann man nicht an das Grosshirn appellieren.

[00:39:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft alles nur reflexartig ab.

[00:39:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst beruhigen und dann kann man mit seiner Steuerung kommen.

[00:39:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Gene.

[00:39:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Jäger/Sammlerzeit hatte 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene. Heute sind es
noch 5%.

[00:39:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer industrialisierten Produktionsgesellschaft brauchen wir keine Jäger und
Sammler mehr, nur noch in der Wissenschaft, wie Elon Musk.

[00:40:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können wir dann wieder brauchen, um neue Sachen zu entdecken.

[00:40:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle so sind, zerfällt der Kuchen. Dann besteht der Kuchen nur noch aus Rosinen
und der Kuchen hält nicht zusammen.

[00:40:11.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer Symptome therapieren.

[00:40:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man kann die Symptome nicht weg therapieren.

[00:40:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur den Eltern lernen, geschickter mit dem divergenten Neurotyp
umzugehen.

[00:40:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Kindern beibringen, wie sie mit sich umgehen.

[00:40:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Erwachsenen natürlich helfen, dass sie lernen, mit ihrem andersartigen
Neurotyp umzugehen.

[00:40:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin, Familientherapeutin.

[00:41:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn berate ich immer die Eltern, wie sie lernen können, mit dem Kind
umzugehen.

[00:41:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das Kind manchmal einmal um einen Eindruck zu bekommen.

[00:41:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit geschieht mi den Erziehungspersonen.

[00:41:23.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Geduld verliert, das kann jedem passieren, dann soll man in die Luft
schiessen. Nicht auf das Kind schiessen.

[00:41:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
An den islamischen Hochzeiten wird in die Luft geschossen.

[00:41:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind schiessen.

[00:41:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist normal die Geduld zu verlieren. Das kann das Kind auch verstehen.

[00:42:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht die Schuld auf das Kind schieben.

[00:42:08.083] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit macht man dem Kind Schuldgefühle.

[00:42:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen führen zu nichts.

[00:42:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen als Erziehungsmethode, das bringt nichts.

[00:42:16.273] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/youtube_schulverweigerung_adhs.pdf

[00:42:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder führen.

[00:42:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Vortrag hatte ich eine Busse von der Polizei um habe um Straferlass
gebeten. Ich habe ihnen meinen Vortrag gesendet.

[00:42:37.045] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/ADHS%20%E2%80%93%20Schwierigkeiten%20bei%20Kindern%20und%20Jugendlic
hen.pdf

[00:42:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ich hatte meinen Spass daran.

[00:43:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafung demütigt und macht ein schlechtes Selbstwertgefühl.

[00:43:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht bei allen gleich.

[00:43:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewissen macht das nichts aus.

[00:43:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zuviel mit Strafe operiert wird, haben wir am Schluss einen Brian Keller (Carlos).
Das will ich nicht.

[00:43:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen gibt es über 50% ADHS/ADS Knaben, welche nicht so geschickt
erzogen wurden.

[00:43:23.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit Strafen oder Beschämung arbeiten. Mit Führen arbeiten.

[00:43:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zu Jesper Juul schauen.

[00:43:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat nicht speziell für ADHS/ADS Kinder Bücher geschrieben.

[00:43:36.951] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul

[00:43:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Vorschläge sind sehr gut für ADHS/ADS-Kinder.

[00:43:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Jesper Juul sagt: das Kind ist nicht gleichwertig, es ist gleichwürdig.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind, auch wenn es noch nicht so viel weiss und klein ist, hat eine
Menschenwürde.

[00:44:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen die Menschenwürde nicht verletzen.

[00:44:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wird sehr oft verletzt, speziell wenn man keine Geduld mehr hat, wenn man
überfordert ist, wenn man zuviel zu tun hat.

[00:44:08.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS tritt oft auch die Lernstörung auf, LRS, Lese- und Rechtschreibestörung,
Probleme beim Spracherwerb, Legasthenie, Dyskalkulie oder sogar beides.

[00:44:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr gut im Rechnen.

[00:44:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht gut im Rechnen. Er hat als Physiker die Zusammenhänge
gesehen.

[00:45:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr sprachbegabt, mathematisch jedoch gar nicht.

[00:45:04.844] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sind sie in beidem gut.

[00:45:05.038] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie essen nicht alles.

[00:45:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat nur Nudeln mit Buttern gegessen und ein bisschen Salat mit der Sauce von
der Mutter und vielleicht noch ein Wienerli und alles andere ist nicht gegangen.

[00:45:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt keine Mangelernährung.

[00:45:18.460] – Bemerkung 3
Wächst sich das aus?

[00:45:59.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man kann lernen. Es wird von allem probiert, auch wenn es nur eine Erbse ist.

[00:46:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschmack kann sich an die ungewöhnlichen Dinge anpassen.

[00:46:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass ihr Gehör nicht gerne Lärm hat.

[00:46:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben ein absolutes Musikgehör. Die stört alles, was daneben ist.

[00:46:23.148] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Tastsinn können sie gewisse Materialen nicht mögen.

[00:46:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der Haut ertragen sie vielleicht keine Kunstfasern.

[00:46:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss man alles herausfinden.

[00:46:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Wolle oder Schafwolle auf der Haut. Die beisst.

[00:46:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In verschiedenen Bereichen können die Kinder sehr sensibel sein.

[00:47:02.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind ist sehr Licht empfindlich. Er war bei einem Augenarzt. Der Augenarzt hat
herausgefunden, welche Lichtstrahlen er nicht erträgt. Jetzt kriegt er eine spezielle
Brille, damit er besser lesen kann. Er ist sehr empfindlich mit seinen Augen. Das wurde
anfangs gar nicht ernst genommen. Er hat jetzt die Diagnose Autismus bekommen. Es
hat immer geheissen: du spinnst.

[00:47:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von hochsensibel.

[00:47:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind kreativ, sie können Grenzen überschreiten.

[00:47:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können in der Kunst und in der Wissenschaft kreativ sein.

[00:47:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Eroberer, Forscher, Entdecker.

[00:47:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist ein hoher Gerechtigkeitssinn.

[00:48:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Mädchen, welches die Schule verweigert hat, ist nicht mehr in die Schule, weil es
fand, der Lehrer mache es nicht richtig, der ist nicht gerecht mit der Klasse. Die hat so
nicht ertragen, dass sie die Schule verweigert hat.

[00:48:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war nicht wegen ihr, es war wegen der Klasse.

[00:48:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen starken Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.

[00:48:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann von den ADHS/ADS Kindern lernen, wenn man ihnen zuhört, wenn man sie
validiert, was hat sie verletzt hat, wie sehen sie es?

[00:48:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben oft einen anderen Blick auf das Leben.

[00:48:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von ADHS/ADS Kindern kann man sehr viel lernen. Man muss sie gut beobachten. Man
muss überlegen. Man kann nicht von Schematas ausgehen.

[00:49:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas für alle funktioniert, funktioniert es für dieses Kind nicht.

[00:49:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder interessant.

[00:49:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn bleibt wach, wir bleiben flexibel, beweglich, wenn wir bereit sind zum
lernen.

[00:49:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: wie betrachtet das Kind die Situation.

[00:49:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe 13 Regeln notiert, wie man mit den ADHS/ADS Kindern umgehen sollte.

[00:49:45.513] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:49:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einen Machtkampf gerät, dann verliert man meistens.

[00:49:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ok, wenn sie in der Pubertät auch einmal verlieren, oder 50% der Fälle verlieren.

[00:50:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tun etwas für das Selbstwertgefühl vom Kind.

[00:50:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sieht sich das Kind als Sieger über die Eltern, dann gibt das ein besseres
Selbstwertgefühl. Die Eltern müssen auch verlieren können.

[00:50:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Autoritätsfigur immer nur gewinnt, dann wird die Persönlichkeit vom
ADHS/ADS Kind geschwächt und die persönliche Entwicklung vom Kind wird sehr
eingeschränkt. Das ADHS/ADS Kind wird geschwächt.

[00:50:41.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die landen dann bei mir als Erwachsene Patienten.

[00:50:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich publiziere ein Buch zum Thema: ADHS/ADS und die Folgekrankheiten.

[00:51:05.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, sehe ich, wie hinter allen Psychiatrischen
Krankheiten ein ADHS/ADS ist.

[00:51:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater streiten sich untereinander über die Symptome. Was soll ich zuerst
anschauen?

[00:51:17.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist die Grundursache. Das ist genetisch vererbt.

[00:51:17.665] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression wird nicht genetisch vererbt, die ist erworben.

[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Schizophrenie wird nicht genetisch vererbt.

[00:51:42.162] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein ADHS/ADS dahinter.

[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Fachwelt.

[00:51:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie ist auch ein Buch von mir.

[00:51:47.428] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:52:01.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:52:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt sagte über ADHS/ADS: die sind so sensibel.

[00:52:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die Schizophrenen auch.

[00:52:08.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Verbindung habe ich immer weiterverfolgt.

[00:52:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler war ein Schizophrenie-Experte.

[00:52:10.470] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler

[00:52:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat den Begriff Schizophrenie geprägt, 1911.

[00:52:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sagte: Schizophreniepatienten sind viel sensibler, die merken Dinge, welche die
Durchschnittsmenschen gar nicht merken.

[00:52:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite, sensible Aufmerksamkeit.

[00:52:44.731] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat das schon beobachtet.

[00:52:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat nichts daraus gemacht. Damals hat man gar nicht von ADHS/ADS gesprochen.

[00:52:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Zappelphilipp gab es damals schon, vor 200 Jahren. Das war einfach ein
Kinderbuch. Psychiatrisch hat man nichts damit gemacht.

[00:53:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dem Kind helfen, in dem sie lernen mit dem ADHS/ADS Kind umzugehen,
indem sie wachsam sind, indem sie klar sind.

[00:53:14.153] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch umentscheiden.

[00:53:14.457] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie umentscheiden, müssen sie es klar sagen.

[00:53:15.657] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher so gedacht, jetzt denke ich so. Jetzt möchte ich es so.

[00:53:16.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt können sie mir Fragen stellen, widersprechen, etc.

[00:53:56.900] – Bemerkung 4
Knaben werden tendenziell aggressiv, Mädchen unterdrücken ihre Gefühle. Gilt das für
ADHS/ADS?

[00:53:57.770] – Bemerkung 4
Wie zeigt sich das ADS?

[00:54:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz

ADSler ziehen sich eher zurück, Knaben und Mädchen, die denken ganz viel nach. Die
haben das Kino im Kopf. Die können ein Karussell im Kopf haben. Die können das
Denken nicht mehr stoppen. Die können wegen dem vielen Denken in der Nacht oft
auch nicht schlafen. Es denkt einfach weiter.

[00:54:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag etwas geschehen ist, dass sie verletzt hat, sie gestört hat, sie gekränkt
hat, das sie verrückt gemacht hat, dann denkt das Gehirn einfach weiter.

[00:54:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn, wo das limbische System ist, wo das Mittelhirn ist, welches bei
den Säugetieren stark entwickelt wurde, was für die Beziehung wichtig ist, das
prozessiert alle Reize die von aussen kommen als erstes.

[00:54:59.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Reize nicht verdaut werden können, aufgelöst werden können, dann kann
man nicht schlafen weil man zu erregt ist.

[00:55:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es wichtig, dass man über die Geschehnisse sprechen kann, diese
verarbeiten kann. Dann kann man die Erlebnisse im Grosshirn ablegen, es gibt ein
Wissen daraus und dann kann man das nächste Mal besser reagieren.

[00:55:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vielen Denker werden dann zu Wissenschaftler, Schriftstellern.

[00:55:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sehr fokussiert an etwas arbeiten.

[00:55:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war so.

[00:55:52.685] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat bis er fünf Jahre alt war nicht gesprochen.

[00:55:52.807] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man einen Autisten.

[00:56:09.060] – Bemerkung 5
Was ist häufiger? ADHS oder ADS?

[00:56:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht sagen. ADHS wird mehr und leichter diagnostiziert. Die
Hyperaktivität fällt jedem auf. Das Denken fällt im Umfeld nicht auf. Das muss man
erfragen.

[00:56:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne keine Statistik.

[00:56:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau machen wir eine Studie mit der Genetik in Basel.

[00:56:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Gene werden untersucht. Man nimmt das Blut und schaut die Genetik an,
die Symptomatik und die Erziehungsstile, welche diese Personen hatten.

[00:56:54.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir geht es um die Interaktion zwischen dem Genotyp und dem Umfeld.

[00:57:19.160] – Bemerkung 6
Wenn man bis neun Jahren die neuropsychologische Abklärung macht, macht das
Sinn?

[00:57:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt von der IV. Das ist ganz unterschiedlich.

[00:57:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
POS war früher ein Geburtsgebrechen. Das ist genetisch vererbt. Das besteht seit der
Geburt.

[00:58:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV sagt sie zahlt nur, wenn es vor dem 9. Altersjahr abgeklärt ist.

[00:58:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist angeboren. Es spielt keine Rolle, wenn man es diagnostiziert, mit 6, 9 oder 15
Jahren.

[00:58:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind endlose IV Diskussionen. Das sind willkürliche Grenzen, welche die IV gesetzt
hat. Das heisst gar nichts.

[00:58:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig wir abgeklärt.

[00:58:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Mädchen oder gut erzogenen Knaben sind, im Einzelunterricht sind sie
aufmerksam.

[00:58:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden immer nur im Einzelsetting getestet.

[00:59:01.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern und Lehrer werden auch noch gefragt. Das wird mit eingebaut.

[00:59:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sehr intelligent sind, merkt man gar nichts.

[00:59:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte zeigt das ADHS/ADS.

[00:59:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ganzen Klasse, mit der Familie, kommt das alles raus.

[00:59:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Einzelsetting ist die Fokussierung gut, bei gewissen. Es ist unterschiedlich.

[00:59:22.330] – Bemerkung 7
In welchem Alter soll man die Abklärung machen?

[00:59:45.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich mache keine neuropsychologische Aufklärung.

[00:59:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage einfach immer nach der Geschichte.

[00:59:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose über die Anamnese, also indem ich die Geschichte erfrage.

[00:59:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mir die verschiedenen Faktoren an.

[00:59:58.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das ohne neuropsychologische Abklärung. Ich habe jetzt über 40 Jahre
Erfahrung damit.

[01:00:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer in der Schule eine zusätzliche Hilfskraft möchte, will die Schule immer
eine zusätzliche Abklärung.

[01:00:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sage ich einfach: das ist ein ADHS/ADS Kind.

[01:00:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht bei gewissen Schulen, bei gewissen nicht. Dann geht man abklären.

[01:00:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
In welchem Alter?

[01:00:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf die Situation an, ob es die Lehrer brauchen, ob es die Eltern unbedingt
wollen. Dann hat man etwas in der Hand.

[01:00:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Abklärung im Erwachsenenalter macht, sagen viele: es hat mir geholfen,
endlich verstehe ich mich. Es ist mir ein Licht aufgegangen. Darum bin ich so anders.

[01:01:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Klärt man es schon bei den Kindern ab, wehren sich die Eltern oft dagegen und sagen:
mein Kind ist doch nicht krank.

[01:01:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Krankheit. Es ist ein anderer Neurotyp.

[01:01:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will sich zum Teil nicht abklären lassen, weil es nicht gestört sein möchte. Ich
bin kein Verrückter, ich bin kein Psycho.

[01:01:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sind neugierig. Die sehen dann, wie ihr Gehirn besser funktioniert. Es
weiss dann besser, wie es Aufgaben machen kann, wie es sein Gehirn verwenden
kann.

[01:01:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder gerne in die Abklärung gehen, dann schicke ich sie. Sonst nicht.

[01:01:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass das Umfeld mit den Kindern umgehen kann. Das ist die Hauptsache.

[01:02:03.360] – Bemerkung 8
Sowie die Schule funktioniert, ist das gar nicht möglich, dass die mit dem umgehen
können.

[01:02:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage etwas zur Schule und zur Lehrplan Revision.

[01:02:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ich war im Kanton Aargau an der Lehrplan Revision beteiligt, Gesundheitserziehung.
Das Fazit war: leben und leben lassen.

[01:02:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Kind sich entwickeln lassen.

[01:02:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Schule, jede Lehrperson ist anders.

[01:03:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was man aushandeln kann.

[01:03:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Aargau auf der Oberstufe mit den Lehrpersonen zusammen gearbeitet.

[01:03:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Drei Lehrpersonen kamen immer zu mir, wenn sie ein Problemkind hatten.

[01:03:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren in der Regel ADHS/ADS Kinder.

[01:03:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Lehrpersonen habe ich beraten. Ich habe ihnen Tricks und Tipps gegeben, wie
sie damit umgehen können.

[01:03:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle durch die Schule gebracht.

[01:03:41.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen berate ich nach zwei Studiums wieder.

[01:03:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte zu mir, dass ich der Lehrperson gesagt habe: hören sie auf, das Kind zu
bestrafen. Das ist meine Haltung.

[01:03:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt will er noch besser mit sich umgehen lernen.

[01:03:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler will pro Klasse zwei Lehrpersonen.

[01:04:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mehr Geld in die Schule investieren und weniger in die Psychiatrie. Das ist
der Anfang.

[01:04:09.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen mehr unterstützt werden.

[01:04:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine Beratung bekommen.

[01:04:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder darf man nicht einfach nur in die Kinderpsychiatrie schicken.

[01:04:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird das Kind pathologisiert, es bekommt ein Medikament, es kommt sich
schlecht vor.

[01:04:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überall läuft es schlecht.

[01:04:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen mehr Unterstützung.

[01:04:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen berate ich, damit sie lernen, wie sie mit schwierigen Kindern
umgehen können.

[01:04:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen sind sehr alleine gelassen.

[01:05:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sollte auch mehr voneinander lernen können.

[01:05:17.260] – Bemerkung 9
Als Lehrperson fühle ich mich nicht wirklich unterstützt.

[01:05:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson muss nicht einfach nur Wissen vermitteln. Sie brauchen Hilfe im
Umgang mit schwierigen Kindern.

[01:05:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie bietet das nicht an.

[01:05:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie berät nur das Kind, therapiert das Kind mit Medikamenten.

[01:05:45.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Workshop hatte ich einen Teilnehmer, der vom Hilfsschüler zum Pädagogik
Professor wurde.

[01:06:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer mehr Privatschulen. Die versuchen es anders zu machen.

[01:06:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können es mit den ADHS/ADS Kindern. Gewisse Privatschulen verstehen
nichts von ADHS/ADS.

[01:07:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wird oft als Sprungbrett für die politische Karriere verwendet. Das heisst
nicht, dass sie sich für die Schule interessieren.

[01:07:04.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Missbrauch der Schule und der Kinder.

[01:07:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute in der Kreisschulbehörde, wo das Herz für die Kinder schlägt.

[01:07:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele wollen eine politische Karriere machen.

[01:07:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Politiker streiten untereinander über die richtige Schule. Das bringt nichts.

[01:07:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Lehrpersonen unterstützen.

[01:07:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit psychiatrischen Diagnosen, sondern mit Systemberatung.

[01:07:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Familientherapeuten können das.

[01:07:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit ist die Familientherapie nicht En Vogue.

[01:07:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Institut für Ehe und Familie in Zürich machen noch solche Dinge.

[01:07:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte bilden sich nicht mehr so aus. Das ist sehr schade.

[01:08:05.723] – Dr.med. Ursula Davatz
Was brauchen sie als Lehrperson für eine Unterstützung?

[01:08:06.560] – Bemerkung 10
Das ist eine gute Frage.

[01:08:09.660] – Bemerkung 10
Ich denke an meinen Auftrag, was ich im Schulzimmer zu tun habe, neben der
Wissensvermittlung.

[01:08:27.400] – Bemerkung 10
Den Menschen fördern, die Beziehung, die Werkzeuge mitgeben, damit später das Kind
arbeiten kann, damit das Kind selber herausfinden kann, wie es arbeiten kann.

[01:08:27.650] – Bemerkung 10
Wenn ich 20 verschiedene Schülerinnen und Schüler habe, ich bin allein. In 45 Minuten
habe ich nicht viel Zeit pro Schülerin und Schüler. Ca. 2 Minuten pro Schülerin und
Schüler.

[01:08:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss jede Situation einzeln anschauen.

[01:09:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nichts Spezielles nennen.

[01:09:11.740] – Bemerkung 11
Es ist das System.

[01:09:11.940] – Bemerkung 11
Es hat alles seine Vorteile und Nachteile.

[01:09:18.840] – Bemerkung 11
Das Bildungssystem, Lehrsystem bietet sich so an mit den Schulen.

[01:09:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen, dass heutzutage das Schulsystem überholt werden muss, revidiert werden
muss.

[01:09:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele Lehrer steigen aus, sind überfordert, haben ein Burnout.

[01:10:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft etwas schief. Es ist eine systemische Problematik.

[01:10:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird viel mit Schulassistenz gearbeitet.

[01:10:11.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich eine gute Sache.

[01:10:11.690] – Bemerkung 12
Der Umgang mit dem ADHS/ADS der Kinder durch die Erwachsenen finde ich sehr
wichtig. Es ist vererbbar. Somit sind die Eltern auch betroffen.

[01:11:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind erwachsen und das Kind ist ein Kind.

[01:11:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erwarte von der Erwachsenen Person mehr, dass die mehr weiss und eine bessere
Emotionskontrolle hat.

[01:11:50.340] – Bemerkung 12
Wenn die erwachsene Person sich ihres ADHS/ADS nicht bewusst ist, hat das viel
Sprengkraft.

[01:12:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[01:12:18.460] – Bemerkung 12
Wie gehe ich damit um?

[01:12:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche einen konkreten Fall.

[01:12:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind eher bereit zum lernen.

[01:12:29.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter wehren sich mehr.

[01:12:30.276] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen.

[01:13:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Schule einfach autoritär. Die Kinder haben In der Herde mitgemacht.
Heute ist alles individualisiert.

[01:13:10.940] – Bemerkung 13
Früher wurde die Norm durchgedrückt.

[01:13:14.871] – Bemerkung 13
Heute ist alles individuell, die Autorität wurde reduziert. Das System ist immer noch das
gleiche.

[01:13:14.880] – Bemerkung 13
Es braucht Platz für den Einzelfall.

[01:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall, jede Situation braucht eine andere Lösung.

[01:14:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Evidence-based Medicine geht nicht. Man kann nicht immer das gleiche Medikament
geben.

[01:14:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es ganz wenig.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer müssen nach mehr Unterstützung verlangen. Die Eltern brauchen auch mehr
Unterstützung.

[01:14:52.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Streit unter den Politikern über welches Schulmodell das Beste ist, bringt nichts.

[01:15:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen Unterstützung. Ich plädiere dafür.

[01:15:20.850] – Bemerkung 15
Wir Lehrer können auch signalisieren, dass wir das brauchen.

[01:15:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch krank ist, gibt man alles Geld der Welt aus.

[01:15:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr kritisch mit dem Gesundheitssystem.

[01:15:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin für die Prävention.

[01:15:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau werde ich die Regierungsrätin vom BKS, Bildung, Kultur und Sport
treffen, Martina Bircher.

[01:15:40.574] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.ag.ch/de/ueber-uns/verwaltung/bks/departementsvorsteherin

[01:15:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kinderspital in Zürich ist in gutes Beispiel der Geldverschwendung.

[01:16:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen sagen: wir brauchen das.

[01:16:25.490] – Bemerkung 14
Niemand hört zu. Wir arbeiten mit 20-22 Kindern und bekommen fast keine
Unterstützung.

[01:16:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde sich lohnen.

[01:16:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich für die Schule interessieren, nicht nur zum berufliche Karriere zu
machen, sondern um der Schule wegen.

[01:16:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der KI wird die Schule wichtiger im Sinne der Persönlichkeitsförderung.

[01:17:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind eine individualisierte Gesellschaft und wir sollten die Persönlichkeiten auch
fördern können.

[01:17:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist genügend Stoff vorhanden.

[01:17:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben unser Bestes.

[01:17:20.020] – Bemerkung 16
Es ist schön, wenn man das an so einem Abend sagen darf, wo so viele Eltern das
hören. Ich sehe ein positives Nicken. Wir sind froh und wir hören das auch. Es gibt
definitiv eine Bewegung. Es braucht von unserer Seite her einen grossen
Durchhaltewillen.

[01:18:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich merke oft, wie Eltern und Lehrer vor einander Angst haben.

[01:18:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben Angst: wenn ich etwas sage, geht die Lehrperson auf mein Kind los.
Die Lehrpersonen haben Angst, dass sie von den Eltern angeklagt werden, dass sie ihr
Kind nicht korrekt behandeln.

[01:18:24.024] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind unterschiedliche Rollen.

[01:18:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern dem Lehrer sagen: mein Kind ist ein ADHS/ADS-Kind, reagieren gewisse
Lehrer gut und andere sagen das ist eine Modediagnose.

[01:18:43.739] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[01:18:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird gesagt: ich habe 20 Kinder, ich kann nicht auf jeden schauen.

[01:18:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS/ADS gut integriert und mit dem umgehen kann, gibt es mehr
Ruhe in der Klasse.

[01:19:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es müssen nicht alle gleich behandelt werden.

[01:19:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf und muss die Kinder unterschiedlich behandeln.

[01:19:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder reklamieren, kann man sagen: du kannst das, er kann es nicht. Er
muss es noch lernen. Sie muss es noch lernen.

[01:19:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen differenzierter Schulunterricht geben.

[01:19:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute arbeitet man mit Schulinseln, man darf in den anderen Schulraum gehen.

[01:19:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht auch noch systemtherapeutische Unterstützung der Lehrpersonen und der
Eltern.

[01:20:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Psychiatrie investiert, ist alle schief gelaufen.

[01:20:11.790] – Bemerkung 17
Was sagen sie zum Melatonin Spray bei Kindern die viel Denken und nicht einschlafen
können?

[01:20:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein Hormon, das wir in der Nacht ausschütten. Es geht zusammen mit
dem Schlafrhythmus.

[01:20:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird auch Melatonin gegeben.

[01:20:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nicht ewigs geben.

[01:20:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in das hormonelle Gleichgewicht eingreift, gibt es Gegenreaktionen.

[01:20:38.757] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein körpereigenes, schlafanstossendes Hormon, Substanz.

[01:20:39.413] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Erwachsene oder Kinder nicht einschlafen können, braucht es ein regelmässiges
Ritual zum herunter fahren.

[01:20:40.613] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern ist es ein Bettritual.

[01:20:41.813] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen müssen aufhören auf ihr Telefon zu schauen. Nichts mehr
aggressives, keine schwierigen Probleme mehr lösen. Runterfahren.

[01:21:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage alle Leute: was ist ihr Ritual zum runterfahren?

[01:21:32.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Welches Ritual haben sie mit den Kindern?

[01:21:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte immer ähnlich oder gleich sein.

[01:21:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Regelmässigkeit hilft zum beruhigen.

[01:22:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr aktive Kinder wollen noch viel machen vor dem Einschlafen.

[01:22:16.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei sein. Man kann nicht sagen: du musst jetzt. Das funktioniert bei den
kleinen Kindern nicht, wenn man nicht neben an ist.

[01:22:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie beim Hund. Der macht nicht Platz, wenn sie einkaufen gehen.

[01:22:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer reinreden. Dabei sein, helfen, dirigieren.

[01:22:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine grossen Diskussionen. Eine Geschichte vorlesen.

[01:22:54.003] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle dürfen ihr eigenes Ritual haben.

[01:22:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag Dinge passiert sind, die einem sehr aufgeregt haben, muss man die
zuerst ein wenig bearbeiten, damit man sie ablegen kann.

[01:23:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Gehirne studieren gerne viel.

[01:23:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Erwachsenen sagt man Tagebuch schreiben oder noch ein paar Sätze in den
Kalender schreiben.

[01:23:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können vom Tag ein paar Sätze schreiben. Dann wählen sie aus, was für sie
wichtig ist. Das ist auch ein Runterfahrritual und eine Schreibübung. Ein doppelter
Gewinn.

[01:23:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin gibt immer Medikamente. Ich gebe auch Medikamente, aber ich versuche
es immer zuerst anders.

[01:24:22.660] – Bemerkung 18
Wie sieht es mit der Risikobereitschaft aus bei den Kindern mit ADHS/ADS?

[01:24:31.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist so.

[01:24:44.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie suchen Extremsituationen. Das gibt einen Kick. Das schüttet Adrenalin und
Dopamin aus. Das macht das Ritalin auch.

[01:24:44.472] – Dr.med. Ursula Davatz

Alles extrem.

[01:24:44.479] – Bemerkung 19
Wie kann man dem begegnen?

[01:24:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dreinreden. Nicht unterbinden wollen.

[01:24:56.448] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein risikofreudiges Kind bremsen möchte, macht es eher heimlich Dinge und
schwierigere Dinge.

[01:24:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem risikobereiten Kind kann man sagen: das ist ok. Schau einfach, dass du nicht
über Deine Grenzen gehst.

[01:24:56.638] – Dr.med. Ursula Davatz
Spüre Deine Grenzen. Diese Kinder müssen ihre Grenzen spüren lernen.

[01:25:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie nur versucht zurück zu halten, das geht gar nicht.

[01:25:06.622] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher verantwortungsvoll das Risiko übernehmen.

[01:25:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in den Leistungsstress reinkommen.

[01:25:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind viele am Mt. Everest gestorben.

[01:25:27.668] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Ungl%C3%BCck_am_Mount_Everest_(1996)

[01:25:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht über seinen Ehrgeiz gehen.

[01:25:28.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch noch sehen, was die eigenen Grenzen sind.

[01:25:47.551] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts verbieten, sonst läuft es schief.

[01:25:47.650] – Bemerkung 20
Was ist mit dem andere Neurotyp? Ist das so klar? Wer sagt, was normal ist?

[01:26:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Normal gibt es nicht.

[01:26:17.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ein Genom.

[01:26:26.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS.

[01:26:37.821] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.genome.gov/genetics-glossary/Genome-Wide-Association-Studies-GWAS

[01:26:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf psychiatrische Krankheitsbilder hat man genetisch untersucht.

[01:26:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Schizophrenie, Manisch-Depressiv, Bipolarische Störung, schwere Depression,
Autismus und ADHS/ADS.

[01:26:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hatten alle den gleichen Genlocus verändert.

[01:27:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das vererbte ADHS/ADS.

[01:27:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute schaut man noch mehr, was für körperliche Krankheiten entstehen.

[01:27:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben mehr Fibromyalgie.

[01:27:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Kombination von Genen.

[01:27:25.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ganze Bevölkerung anschaut, dann sagt man, 5% haben ADHS/ADS.

[01:27:48.979] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird nur das ADHS/ADS gezählt.

[01:27:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind vielleicht 20 Gene, vielleicht 100 Gene. Es ist immer die
Gen-Kombination, die es ausmacht.

[01:28:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetik wird heute immer mehr erforscht.

[01:28:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht dann von Epigenetik.

[01:28:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik verändert sich in der Interaktion mit dem Umfeld.

[01:28:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene untereinander beinflussen sich gegenseitig.

[01:28:24.435] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist hochkompliziert.

[01:28:24.718] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach das Gen und diese Krankheit.

[01:28:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Genlocus.

[01:28:25.960] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/Ursula_Davatz_Studie_USB_PDAG.pdf

[01:28:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sammeln jetzt Studienteilnehmer.

[01:28:38.310] – Bemerkung 21
ADHS/ADS Kinder haben normalere, gesündere Reaktionen.

[01:29:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man sagen. Man sagt auch, ADHS/ADS Kinder sind Indigo Kinder.

[01:29:03.459] – Dr.med. Ursula Davatz

Die helfen uns neue Dinge herauszufinden. Wir brauchen die. Wenn wir die alle flach
machen und normieren, dann haben wir keinen Fortschritt mehr.

[01:29:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer gibt es mehr ADHS/ADS Gene. Es ist eine Selektion passiert.
In dem Handelsraum war die Fähigkeit vom ADHS/ADS von Vorteil. Die haben besser
überlebt.

[01:29:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Jägern und Sammlern war das Genom zu 50% ADHS/ADS. Dort brauchte es
eine breite Aufmerksamkeit. Die Lehrperson gab es dort nicht.

[01:30:06.450] – Bemerkung 22
Das ist ein Bild vom System.

[01:30:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Selektion ab. Unser System selektioniert für gewisse Typen. Unser System
fördert gewisse Typen.

[01:30:54.960] – Bemerkung 23
Dann kann von normal nicht mehr gesprochen werden.

[01:31:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können von der Mehrheit und dem Zeitgeist sprechen.

[01:31:02.570] – Bemerkung 24
Das heisst nicht, dass der Zeitgeist gesund ist.

[01:31:03.770] – Bemerkung 25
ich finde es wichtig zu sagen, dass es ein Spektrum ist. Nicht jeder ist in dem Spektrum.
Nicht jeder leidet darunter. Dort ist die Grenze für mich.

[01:31:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute rettet sich die Psychiatrie.

[01:31:42.505] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von Asperger und Autismus. Heute spricht man von der Autismus-
Spektrum Krankheit.

[01:31:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man vom ADHS/ADS Spektrum.

[01:31:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So retten sich die Mediziner mit ihrer Diagnose.

[01:31:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: das ist ein Spektrum.

[01:32:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles nur Definitionen.

[01:32:05.867] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen dem ist nicht jeder Mensch ein ADHS/ADSler.

[01:32:06.363] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gaußschen Glockenkurve liegt die Norm. Am Rand sind die Dinge die anders
sind. Die Dinge, welche anders sind, tragen zur Entwicklung bei.

[01:32:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein missratenere Affe. Wir wurden in die Savanne getrieben und haben
den aufrechten Gang entwickelt, hatte die Hände frei.

[01:32:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Andersartigkeiten helfen zu einer Weiterentwicklung.

[01:33:10.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum gelingt es nicht, zum Teil gelingt es.

[01:33:12.780] – Bemerkung 26
Verstehe ich sie richtig, es ist die Beziehung, die wichtig ist? Nicht nur zu Hause,
sondern auch in der Schule. Nicht einfach nur den Lehrplan durchboxen.

[01:33:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Nature versus Nurture. So sagt man in der Schizophrenieforschung.

[01:33:51.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nature sind die Gene. Nurture ist das Umfeld. Es ist immer beides.

[01:33:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein anderes Naturell hat, muss das Umfeld lernen mit den Naturell
umzugehen. Man muss nicht die ganze Welt nach dem Naturell ausrichten.

[01:34:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer dazwischen. Wie stark kann man sich den persönlichen Bedürfnisse
anpassen? Was muss das Individuum lernen um in der Welt zu überleben.

[01:34:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Wechselspiel.

[01:34:19.930] – Bemerkung 27
Von den Beziehungen profitieren alle Kinder.

[01:34:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar.

[01:34:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was ich sage, ist auch für die normalen Kinder sehr hilfreich.

[01:34:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem sogenannten Normotyp entstehen nicht so viele Probleme, wie beim ADHS/
ADSler.

[01:34:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Beziehung profitieren alle.

[01:34:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind robuster, dort passiert nichts. Andere sind sehr sensibel und dann geht
alles schief.

[01:35:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es einen Unterschied.

[01:35:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Knabe ging mit seiner Freundin auf das WC. Zwei Mädchen haben gesagt: was
machst du hier. Der Knabe ist so erschrocken, dass er nicht mehr in die Schule ging.
Jetzt muss ich ihn zurückführen.

[01:36:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wer soll mit diesen Mädchen reden? Du hast nichts falsch
gemacht. Du wolltest nur Wasser trinken gehen auf dem WC.

[01:36:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte, dass der Vater mit den Mädchen spricht. Das hat der Vater gemacht. Dann ist
der Knabe lockerer geworden.

[01:36:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Prävention ist richtiges Handeln im kritischen Augenblick.

[01:36:13.333] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles kritische Augenblicke.

[01:36:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann man gut behandeln oder alles falsch machen.

[01:36:38.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule wird oft noch viel Beschämung verwendet.

[01:36:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe hat sich beschämt gefühlt, weil er gefragt wurde: was machst du hier?

[01:36:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wusste gar nicht, was er falsch gemacht hat.

[01:37:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämen geht nur für Aversionsverhalten.

[01:37:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimos dürfen im Frühjahr nicht auf das Eis, weil das einbricht. Die Kinder müssen
das lernen. Wenn ein Kind dennoch auf das Eis geht im Frühling, wenn es einbrechen
könnte, dann wird das Kind vor der ganzen Gruppe beschämt. Wenn es beschämt wird,
geht es nie mehr auf das Eis.

[01:37:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird ein Schulkind in der Schule beschämt wird, geht es nie mehr in die Schule.

[01:37:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe viele Kinder, die enorm beschämt wurden, wegen ihrer Legasthenie. Ihre 40
Fehler wurden öffentlich ausgebreitet vor der ganzen Klasse.

[01:37:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat nie mehr gelernt und ging nie mehr in die Schule.

[01:37:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Er konnte auch keine Berufslehre machen, weil nicht mehr in die Schule ging.

[01:37:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Morgen wurde es ihm immer schlecht weil er so Angst vor der Schule hatte, vor der
Beschämung.

[01:37:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung löst nur Ausweichverhalten.

[01:37:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es löst kein Lernverhalten aus, ausser es ist ein sehr ehrgeiziges Kind.

[01:37:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schlagzeuger, welcher von seinem Lehrer beschämt wurde, hat dann seinen Lehrer
beschämt. Das ist selten.

[01:37:24.110] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Whiplash_(2014)

[01:37:24.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sportlehrer beschämen zum Teil ihre Schüler, damit die noch verrücktere Leistungen
erbringen.

[01:37:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist nicht der Durchschnitt.

[01:37:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke!

Die Geschichte der Sozialpsychiatrie in der Schweiz

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Dr.med. Werner Saameli

29.5.2025
Die Geschichte der Sozialpsychiatrie in der Schweiz
Audio
Youtube

[00:00:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber Werner, es freut mich außerordentlich, dass du zu diesem Treffen gekommen
bist.

[00:00:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine lange Geschichte miteinander und ich will die etwas durchgehen.

[00:00:18.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Du wurdest von Prof. Dr. med. F. Gnirss im Jahre 1975 gewählt und hast 1976 dann
begonnen im Kanton in Aargau.

[00:00:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie ich es verstanden habe, wollte er die Sozialpsychiatrie etwas voranbringen und
hat deshalb dich gewählt.

[00:00:42.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage dich jetzt, was hat dich damals besonders daran interessiert an dieser
Aufgabe, an der Sozialpsychiatrie?

[00:00:52.310] – Dr.med. Werner Saameli
Danke für die Einladung.

[00:00:54.430] – Dr.med. Werner Saameli
Interessiert hat mich die Chance, etwas auf- und auszubauen.

[00:01:01.190] – Dr.med. Werner Saameli
Vor allem im Gebiet der Kranken, die sonst eher vernachlässigt werden, den chronisch
Psychosekranken, den Suchtkranken und eben denen, die chronisch krank sind.

[00:01:17.990] – Dr.med. Werner Saameli
Das finde ich auch jetzt noch attraktiv, weil es nötig ist.

[00:01:24.280] – Dr.med. Werner Saameli
Also ich wollte eigentlich Bottom-up und nicht Top-down arbeiten.

[00:01:30.070] – Dr.med. Werner Saameli
Dort, wo die ärmsten der Armen und Vernachlässigten sind.

[00:01:36.680] – Dr.med. Werner Saameli
Das gab mir dort die Chance, das zu machen.

[00:01:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Du wurdest also von einem sozialen, psychiatrischen Auftrag etwas inspiriert und
wolltest da etwas erreichen.

[00:01:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch schon während der Praktikumszeit im Studium mit chronisch Kranken in
der Rheinau gearbeitet und dort auch eine wissenschaftliche Arbeit versucht zu
machen.

[00:02:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich vor allem in Winterthur, in meiner vorgängigen Stelle, mit Jugendlichen
gearbeitet, mit Suchtkranken, Alkoholkranken.

[00:02:18.680] – Dr.med. Werner Saameli

Ich fühlte mich gut vorbereitet, aber nach der Universitätsklinik in Zürich versuchte ich,
diese Chance zu nutzen.

[00:02:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön.

[00:02:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben uns ja in Lausanne bei Professor Müller kennengelernt.

[00:02:38.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann Kontakt wieder mit ihr aufgenommen. Du hast die Stelle für mich zwei
Jahre lang aufbewahrt, in dem mein Vorgänger, Dr. Ruhoff noch zwei Jahre länger
geblieben ist.

[00:02:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür möchte ich dir heute nochmals Danke sagen, denn das war wirklich toll.

[00:02:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe damals noch eine Ausbildung in Familientherapie gemacht bei Murray Bowen.

[00:03:02.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast dann gesagt: ok, Dr. Ruhoff bleibt noch, und dann habe ich am 1. April 1980 bei
dir begonnen.

[00:03:16.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hast du damals von mir erwartet? Eine ganz persönliche Frage.

[00:03:21.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dass wir die gute Beziehung weiterführen können, die wir zusammen als
Assistenten in Lausanne erlebten, plus die Ideen, die du schon realisiert hast
dazwischen mit der therapeutischen Gemeinschaft, auch mit Maxwell Jones in
Schottland.

[00:03:43.280] – Dr.med. Werner Saameli
Das war für mich eigentlich ein sehr gutes Beispiel, wie man sich international noch
bildet und vor allem natürlich auch das Wissen, dass du in Familientherapie in USA
gelernt und praktiziert hattest. Das gab mir schon die Idee, dass du am rechten Ort bist,
abgesehen davon, dass du aus dem Aargau stammst.

[00:04:09.020] – Dr.med. Werner Saameli
Das war eigentlich sehr wichtig.

[00:04:11.900] – Dr.med. Werner Saameli
Ich finde es schade, wenn zu viele Leute mit psychisch Kranken arbeiten, die ihre
Sprache nicht ganz und ihre kulturelle Herkunft nicht integriert haben. Das war ein Ein
zusätzliches Plus für mich.

[00:04:33.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin also in meinen Heimatkanton zurückgekommen und durfte dort Sozialpsychiatrie
praktizieren.

[00:04:41.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war etwas ganz Schönes für mich.

[00:04:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast mit deiner Sozialpsychiatrie im Kanton Aargau, mit dem sozialpsychiatrischen
Dienst, hast du Geschichte geschrieben.

[00:04:53.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat dort noch nicht so viele sozialpsychiatrischen Dienste gegeben, oder?

[00:05:00.640] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, ja, das ist effektiv so.

[00:05:05.680] – Dr.med. Werner Saameli
Es stand zwar schon in den Direktiven für die Spital- und Gesundheitsplanung im
Kanton Aargau.

[00:05:14.150] – Dr.med. Werner Saameli
1971 erschien das Wort Sozialpsychiatrie als Planungsbegriff.

[00:05:23.210] – Dr.med. Werner Saameli
Effektiv hatte es meines Wissens damals einen sozialpsychiatrischen Dienst an der
Universitätsklinik Burghölzli in Zürich mit Professor Ambros Uchtenhagen.

[00:05:35.080] – Dr.med. Werner Saameli
Es gab einen Professor Raymond Battegay in Basel, der Bücher über Sozialpsychiatrie
schrieb.

[00:05:42.530] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_Battegay

[00:05:44.780] – Dr.med. Werner Saameli
Effektiv ist es so, dass zum Beispiel diese sozialpsychiatrische Klinik in Bern, die dann
Professor Luc Ciompi geleitet hat, das kam dann eigentlich erst später, nachdem ich in
Königsfelden begonnen hatte.

[00:05:58.310] – Dr.med. Werner Saameli
Korrekterweise muss man aber sagen, dieser Begriff gab es im Aargau schon mit
unserem Vorvorgänger, den Herr Dubach, der hat eigentlich dem schon
Sozialpsychiatrie gesagt.

[00:06:23.320] – Dr.med. Werner Saameli
Ich glaube, wirklich als Fach vertreten oder Subfach, das warn dann die Chance.

[00:06:29.190] – Dr.med. Werner Saameli

Ich habe vor allem schon von Professor Ambros Uchtenhagen sehr viel gelernt und
kopiert und habe eigentlich das Plagiat gemacht von dem was die in Zürich gemacht
haben.

[00:06:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich war es eine Aufbruchsstimmung.

[00:06:54.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat gespürt, es ist viel Elan da, viel Initiative.

[00:06:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat neue Konzepte geprüft, versucht, Wohngemeinschaften und so weiter.

[00:07:06.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich war es eine Art Aufbruchsstimmung.

[00:07:08.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht habe ich aus Amerika dann noch die Theorie dazu gebracht, also die
Familientherapie.

[00:07:15.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat sehr gut gepasst in das Konzept der Sozialpsychiatrie.

[00:07:21.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Aufbruch hast du wahrscheinlich auch gespürt.

[00:07:26.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Welchen Widerstand hast du gespürt?

[00:07:29.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Welchen Gegenwind in der Politik und in der Psychiatrie?

[00:07:38.790] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, am Anfang habe ich vor allem auch genossen, dass Königsfelden auch ein freies
Feld war.

[00:07:46.520] – Dr.med. Werner Saameli
Eigentlich auf dem Papier stand: wollen wir machen und niemand sonst Zeit hatte, das
zu machen oder viel zu unternehmen.

[00:07:59.510] – Dr.med. Werner Saameli
Darum war es eine große Chance überhaupt, das in Aktion zu setzen, was an der
Universitätsklinik in Zürich gemacht wurde.

[00:08:15.040] – Dr.med. Werner Saameli
Auch nur seit wenigen Jahren. Diese Aufbruchsstimmung, die war natürlich ganz groß
im Burghölzli damals.

[00:08:22.950] – Dr.med. Werner Saameli
Das war noch Post 1968er-Stimmung.

[00:08:27.550] – Dr.med. Werner Saameli
Da waren die Oberärzte, die wollten sich nicht vorschreiben lassen, wie sie die
Psychiatrie interpretieren.

[00:08:40.110] – Dr.med. Werner Saameli
Es war eine Zeit, nach dem berühmten Manfred Bleuler, der die Psychiatrie nochmals
neue erfinden wollte. Etwas frech oder nicht berechtigt.

[00:08:54.590] – Dr.med. Werner Saameli
Die Aufbruchsstimmung, die war eindeutig in der Psychiatrie vorhanden damals.

[00:09:02.230] – Dr.med. Werner Saameli
Wir haben ja dann auch den Maxwell Jones eingeladen.

[00:09:07.160] – Dr.med. Werner Saameli
Der kam sogar zu uns.

[00:09:09.080] – Dr.med. Werner Saameli
Er hat eine Sitzung mitgemacht in der Nachtklinik.

[00:09:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat kein Wort Deutsch verstanden, aber er hat sehr gut beobachtet und nachher
dann die soziale Interaktion beschrieben.

[00:09:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war für mich auch sehr interessant.

[00:09:26.380] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das war zweimal.

[00:09:28.440] – Dr.med. Werner Saameli
Schon bevor du kamst, hat hast du diesen Kontakt ermöglicht.

[00:09:33.320] – Dr.med. Werner Saameli
Er kam eigentlich an einen Milieutherapie Kongress im Schlössli.

[00:09:39.300] – Dr.med. Werner Saameli
Das war auch die progressive Klinik im Zürcher Oberland damals von Professor Heim.

[00:09:46.900] – Dr.med. Werner Saameli
Die Milieutherapie war quasi das Credo von Maxwell Jones.

[00:09:56.050] – Dr.med. Werner Saameli
Die therapeutische Gemeinschaft, das vertrat ich schon damals, weil ich eben in dieser
Zeit in der Rheinau, als ich mit chronisch Kranken arbeitete, da hatte ich eben schon
gelesen von diesem Prinzip der therapeutischen Gemeinschaft.

[00:10:15.480] – Dr.med. Werner Saameli
Schon 1965, 1966, da war es in Englisch und die Literatur konnte ich damals eigentlich
verwerten.

[00:10:25.950] – Dr.med. Werner Saameli
Da war ich gespannt, wie denn das wirklich effektiv aussieht.

[00:10:31.860] – Dr.med. Werner Saameli
Ich glaube schon, beim ersten Input, der so verlief, wie du vorher geschildert hast, hat
es ungeheuer viel Rückhalt gegeben, dass wir in der Nachtklinik damals wirklich diese
Prinzipien der therapeutischen Gemeinschaft des sozialen Lernens und auch mit den
Mitarbeitenden, gut umsetzen konnten.

[00:11:03.790] – Dr.med. Werner Saameli
Das war dann eben ein internationaler Kongress 1978, mit Herrn Professor Maxwell
Jones. Er war auch eingeladen und hat ihn gut gekannt. Er hatte später noch Kontakt
mit ihm. Dann kam er ein zweites Mal, als du dann da warst.

[00:11:26.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Was war der Gegenwind, den du gespürt hast, dass du dann weggegangen bist?

[00:11:32.010] – Dr.med. Werner Saameli
Ich habe jetzt Positiver berichtet.

[00:11:36.110] – Dr.med. Werner Saameli
Der Gegenwind am Anfang war politisch.

[00:11:44.000] – Dr.med. Werner Saameli
Der Vizedirektor der Klinik Königsfelden, der spottete immer und sagte: SPD,
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, und er hat uns sofort quasi an die rote Ecke
gesteckt.

[00:12:00.100] – Dr.med. Werner Saameli
Es war eine Versuchung sich von den Revoluzzern, den revoltierenden Studenten, es
gab ja damals viele progressive Aargauer, die in Berlin studiert hatten, die
vereinnahmten dann eigentlich die sozialpsychiatrische Abteilung für sich, in Richtung
Antipsychiatrie.

[00:12:33.230] – Dr.med. Werner Saameli
Die Antipsychiatrie Etikette, die erweckte dann Widerstand.

[00:12:44.420] – Dr.med. Werner Saameli
Das gab es dann schon auch.

[00:12:46.410] – Dr.med. Werner Saameli
Der Widerstand wuchs nachher in der Klinik, weil wir erfolgreich waren.

[00:12:54.290] – Dr.med. Werner Saameli
Es war attraktiv, dort zu arbeiten.

[00:12:57.210] – Dr.med. Werner Saameli
Es war ein neuer Wind plus die Kolleginnen und Kollegen in der Klinik, die beneideten
uns eher.

[00:13:11.330] – Dr.med. Werner Saameli
Das langjährige Pflegepersonal, die dachten, wir würden gegen die Klinik arbeiten, was
eigentlich aus meiner Sicht gar nicht der Fall war.

[00:13:22.450] – Dr.med. Werner Saameli

Es kam dann eigentlich ein Widerstand innerhalb der Klinik.

[00:13:30.970] – Dr.med. Werner Saameli
Das habe ich auch so gesagt, die waren ein bisschen eifersüchtig und neidisch, dass
wir so arbeiten konnten.

[00:13:40.830] – Dr.med. Werner Saameli
Politisch war dann der Widerstand der, dass, vor allem der damalige
Gesundheitsdirektor sagte: man kann alles in Königsfelden behalten.

[00:14:03.650] – Dr.med. Werner Saameli
Das Königsfelden ist so wichtig, traditionell.

[00:14:07.440] – Dr.med. Werner Saameli
Es wurden schon immer Kranke dort gepflegt und das ist das kulturelle Zentrum des
Kantons.

[00:14:13.370] – Dr.med. Werner Saameli
Der wollte nicht, dass quasi dezentral noch ambulant gearbeitet wurde.

[00:14:22.720] – Dr.med. Werner Saameli
Wir machten unsere Konzilien verteilt über den Kanton, aber ein Ambulatorium in Aarau,
Wohlen, gab es nicht.

[00:14:28.580] – Dr.med. Werner Saameli
Es gab die privaten Psychiater damals, das waren sehr wenige.

[00:14:39.690] – Dr.med. Werner Saameli
Dann war der Widerstand teilweise schon auch generell bei der freien Ärzteschaft.

[00:14:48.540] – Dr.med. Werner Saameli

Die dachten, wenn wir da so im ambulanten Feld arbeiten und auch zu den Leuten
hingehen wollen, das sei eine Konkurrenzierung vom Staat her gesehen.

[00:15:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, also bei der Aargauischen Hausärztevereinigung?

[00:15:07.160] – Dr.med. Werner Saameli
Aber es war noch nicht so schlimm.

[00:15:11.520] – Dr.med. Werner Saameli
Das war dann in Thun viel ausgeprägter. Das war klassisch.

[00:15:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessant.

[00:15:17.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gesundheitsdirektor, wer war das?

[00:15:23.320] – Dr.med. Werner Saameli
Das war schon der Regierungsrat Rainer Huber.

[00:15:25.686] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Huber

[00:15:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ich auch noch kennengelernt habe.

[00:15:31.320] – Dr.med. Werner Saameli
Der hat gelobt, der hat sehr unterstützt das Konzept der Behandlungskette für
Drogenabhängige und so weiter, was ich jetzt eigentlich schon wieder relativieren
würde.

[00:15:47.880] – Dr.med. Werner Saameli
Ich habe später immer vom Behandlungsnetz gesprochen und nicht von der Kette.

[00:15:53.510] – Dr.med. Werner Saameli
Man hat die psychisch Kranken von den Ketten befreit, in Frankreich mit Jean Étienne
Esquirol.

[00:16:50.841] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_%C3%89tienne_Esquirol

[00:15:53.510] – Dr.med. Werner Saameli
Es sollte nicht wieder einen neuen Begriff und Behandlungskette geben.

[00:16:03.690] – Dr.med. Werner Saameli
Das hatte damals Herr Huber sehr imponiert und darum fühlte ich mich eigentlich durch
ihn sehr, durch ihn persönlich schon unterstützt.

[00:16:12.840] – Dr.med. Werner Saameli
Es war die Angst, die ist vielleicht gar nicht so unberechtigt, dass quasi durch die
Dezentralisierung und die Vermehrung der psychiatrischen Angebote auch mehr
Patienten entstünden.

[00:16:30.200] – Dr.med. Werner Saameli
Früher waren viele nicht erfasst. Jetzt sind viele die vorher unterversorgt waren,
überversorgt, weil es jetzt viele frei praktizierende Psychotherapeuten gibt.

[00:16:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten damals sechs Psychiater und jetzt sind es über 50, glaube ich.

[00:16:56.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Als du dann in Thun angekommen bist, wie wurdest du da politisch empfangen,
unterstützt? Wie professionell? Du hast vorher schon eine Andeutung gemacht. Wie war
da das Gleichgewicht?

[00:17:16.090] – Dr.med. Werner Saameli
Professionell war ich sehr gut unterstützt von den zwei Professoren in Bern, Professor
Luc Ciompi und Professor Edgar Heim.

[00:17:24.710] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Heim

[00:17:24.780] – Dr.med. Werner Saameli
Die fanden das sehr gut, dass wir auch an den damaligen Regionalspitälern auch noch
dezentrale psychiatrische Institutionen hätten.

[00:17:34.730] – Dr.med. Werner Saameli
Auch wenn sie integriert waren im Allgemeinsspital, nicht nur oder nicht primär in
Betten, die Psychiatrie betrieben wurde, sondern eben in halbstationären und
konsiliarischen Settings verteilt über das ganze Oberland West.

[00:17:54.370] – Dr.med. Werner Saameli
Dort war die Opposition vom Berner Ärzteverband eklatant.

[00:17:59.980] – Dr.med. Werner Saameli
Der Präsident der Ärztegesellschaft hat dekretiert und das erschien sogar in der
Tageszeitung im Bund, dass die Ärzteschaft der Verband der Ärzte, diese Stützpunkte
nicht wollte.

[00:18:17.020] – Dr.med. Werner Saameli
Das war aber ein politischer Entscheid gewesen des Großen Rates, mit einem breit
abgestützt, politisch abgestützt, und einem Regierungsrat, Gesundheitsdirektor, der das
dann da auch durchzog.

[00:18:33.230] – Dr.med. Werner Saameli
Da waren also am Anfang, sowohl in der Ärzteschaft, beim privat praktizierenden
Psychiater in der Stadt Thun, Alfred Stucki hieß der damals, der war ein vehementer
Gegner dieses Stützpunktes.

[00:18:49.238] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Stucki

[00:18:50.030] – Dr.med. Werner Saameli
Er hat da von Staatsmedizin geredet, dabei war er Waffenplatzpsychiater und lebte
eigentlich vor allem von den staatlichen Aufträgen.

[00:19:01.210] – Dr.med. Werner Saameli
Nachher war er dann ein guter Kollege und hat immer gesagt, er sei immer noch gegen
diese Psychiatriestützpunkte, aber den, wie es der Werner Saameli mache, das sei gut
so und das war dann eigentlich bereinigt.

[00:19:13.870] – Dr.med. Werner Saameli
Es war dann keine persönliche Fede mehr.

[00:19:17.470] – Dr.med. Werner Saameli
Im Spital selber war es natürlich auch schwierig, die hatten quasi vom Großen Rat an
einem Somatikspital die Aufgabe bekommen, Psychiatrie zu integrieren und hatten im
Grunde genommen gar keinen Platz schon damals.

[00:19:32.550] – Dr.med. Werner Saameli
Man musste zuerst einen Neubau machen und dann wollte man eigentlich im Spital
Thun zuerst diesen psychiatrischen Dienst gar nicht haben.

[00:19:42.960] – Dr.med. Werner Saameli

Dann hat aber der damalige Sekretär der Gesundheitsdirektionen früher schon
einflussreicher, Herr Heinz Locher, der später als Gesundheitsökonom sehr berühmt
wurde, der hat dort insistiert und hat der Direktion und der Trägerschaft des
Regionalspital Thun gesagt: wenn ihr diesen Stützpunktleiter nicht wählt und nicht den
psychiatrischen Dienst macht, wie es der große Rat vorgeschrieben hat, dann kürzen
wir vom Kanton her alle finanziellen Aufwendungen für den Spitalneubau.

[00:20:20.658] – Dr.med. Werner Saameli
https://www.locher-bern.ch/

[00:20:21.360] – Dr.med. Werner Saameli
Das war dann wirklich ein Druck, zuerst gegen den Widerstand der Spitalbehörde.

[00:20:29.370] – Dr.med. Werner Saameli
Bei den Ärzten waren es eigentlich vor allem der Internist, der Mühe hatte, weil er die
Psychosomatik für sich beanspruchen wollte.

[00:20:39.960] – Dr.med. Werner Saameli
Es ging dann sehr gut, weil wir wirklich auch da noch den regelmäßigen Notfalldienst
machten, die schwierigen, unangenehmen Patienten, die Psychopathen und Alkoholiker
und die gestrandeten Ausländer und so übernahmen und dann waren sie eigentlich
zufrieden und vor allem das Pflegepersonal hat uns dann später sehr gut unterstützt.

[00:21:09.110] – Dr.med. Werner Saameli
Am Schluss war der Widerstand dort überwunden, weil die sagten, wir haben etwas
Notwendiges gemacht und zum Abschluss, das was im Spital am Schluss die
Erfolgsstory war, dass ausgerechnet das, was die Behörde zuerst nicht wollte, dass sich
eine rehabilitative Einrichtung, nämlich den sogenannten Berufsförderungskurs, den ich
eben von Ambros Uchtenhagen kopiert hatte, dass im Spital Langzeitpatienten auf
Büroarbeit und eben nicht immer Werkstattarbeit trainiert wurden und befähigt wurden,
mit Computern zu arbeiten.

[00:21:57.110] – Dr.med. Werner Saameli
Das war die Voraussetzung überhaupt, in den Arbeitsmarkt zu kommen.

[00:22:04.190] – Dr.med. Werner Saameli
Vor allem war es dann aber auch eine absolute Notwendigkeit, das Spitalpersonal
aufzudatieren und zu trainieren.

[00:22:13.330] – Dr.med. Werner Saameli
Unsere Leute vom Berufsförderungskurs waren dann plötzlich die, die am besten
drauskamen. Nicht primär die Patienten, die Sozialarbeiter und Pflegepersonen, die dort
arbeiten und die speziell gut waren in der Instruktion.

[00:22:32.900] – Dr.med. Werner Saameli
Das war nachher sogar so, dass wir Leute, die die Patienten, die diesen
Berufsförderungskurs bestanden hatten, in der Spitaladministration eingestellt wurden
und dann sagten sie: aha, hoppla, die Psychiatrie macht nicht nur Streicheleinheiten,
sondern die bringt zustande, dass die Leute, die Langzeit krank sind, auch ihren Platz
im Arbeitsfeld haben.

[00:22:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war dann wirklich aktive berufliche Eingliederung?

[00:23:04.090] – Dr.med. Werner Saameli
Ja.

[00:23:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patienten, die eingegliedert wurden, die haben zuerst im Spital gearbeitet?

[00:23:09.750] – Dr.med. Werner Saameli
Teilweise, ja.

[00:23:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Teilweise oder auch woanders?

[00:23:12.000] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, in der freien Wirtschaft.

[00:23:17.540] – Dr.med. Werner Saameli
Die freie Wirtschaft, die Unternehmen, die hatten mir eben dann ganz klar gesagt, wenn
ich wolle, dass die freie Wirtschaft psychisch Behinderte, Beeinträchtigte anstelle, sollen
wir das im Spital vormachen.

[00:23:31.650] – Dr.med. Werner Saameli
Wie das geht.

[00:23:32.700] – Dr.med. Werner Saameli
Dann machten wir Trainingsstellen im Spital.

[00:23:34.770] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist eine schöne Geschichte.

[00:23:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön.

[00:23:39.950] – Dr.med. Werner Saameli
Ich glaube auch in Königsfelden war natürlich die Tatsache, dass unsere Tagesklinik
Patienten ja dann auch in die Werkstätten gingen.

[00:23:50.520] – Dr.med. Werner Saameli
Man musste dann ausweiten.

[00:23:52.750] – Dr.med. Werner Saameli
Wir hatten ja dann die Frau Kübler, die später eine Schreibstube betrieb.

[00:23:57.290] – Dr.med. Werner Saameli
Man muss wegkommen vom Gedanken, dass man Behinderte einfach nur in
Werkstätten beschäftigt.

[00:24:07.510] – Dr.med. Werner Saameli
Man muss die in die Dienstleistung bringen.

[00:24:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:24:13.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das war berufliche Eingliederung.

[00:24:15.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werkstätten haben damals sämtliche meiner Vorträge geschrieben.

[00:24:20.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die alle in die KV-Werkstatt gegeben.

[00:24:23.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben, das war der Vorgänger.

[00:24:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast auch das Möbelpfisterprojekt ins Leben gerufen. Das war ja auch eine
berufliche Eingliederungsinstitution, Programm.

[00:24:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft immer noch.

[00:24:38.750] – Dr.med. Werner Saameli

Effektiv?

[00:24:39.060] – Dr.med. Werner Saameli
Das war wirklich der Sprung in die freie Wirtschaft.

[00:24:55.690] – Dr.med. Werner Saameli
Nicht nur IV und BSV unterstützte, spezielle Werkstätten.

[00:24:56.380] – Dr.med. Werner Saameli
Es war in einem Unternehmen, das im Markt bestehen musste, dass dort noch
Nischenarbeitsplätze geschaffen wurden.

[00:25:07.120] – Dr.med. Werner Saameli
Das war wirklich ein Pionierprodukt.

[00:25:09.880] – Dr.med. Werner Saameli
Das verdanke ich auch einem Sozialarbeiter von Suhr, Edi Simost, der früher bei
Professor Uchtenhagen im SPD in Zürich gearbeitet hatte.

[00:25:22.630] – Dr.med. Werner Saameli
Der war dann nachher für mich in Thun der Projektberater für diese
Berufseingliederungsinstitution.

[00:25:37.340] – Dr.med. Werner Saameli
Du bist anlässlich des Jubiläums 30 Jahre ambulante Psychiatrie im Kanton Aargau,
bist du eingeladen worden.

[00:25:47.221] – Dr.med. Werner Saameli
https://ganglion.ch/pdf/30%20Jahre%20Sozialpsychiatrie%20Koenigsfelden.m4a.pdf

[00:25:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz

An sich wäre es ja viel länger, sozialpsychiatrische Arbeit.

[00:25:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dich nur darauf bezogen, als dann die ambulanten Dienste von der Klinik
losgelöst wurden und einen eigenen Chefarzt hatten.

[00:26:05.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Als du dort all die Vorträge oder die Darstellung, die Slides, die Statistiken gesehen
hast, was ist dir da durch den Kopf gegangen?

[00:26:18.090] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, ich habe vor allem gestaunt, wie viel komplizierter und dichter alles wurde.

[00:26:30.090] – Dr.med. Werner Saameli
Es hat viel mehr Personal als früher und viel mehr parallele Teile der Klinik Königsfelden
als zu unserer Zeit.

[00:26:42.030] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist mir aber natürlich auch aufgefallen, dass jetzt Ambulatorien und zwei
Tageskliniken in Aarau und Baden und dann auch Wohlen und Rheinfelden existieren.

[00:26:59.920] – Dr.med. Werner Saameli
Das hatte ich gewünscht und das war ein Grund, dass ich dann wegging, weil man das
damals noch nicht machen wollte.

[00:27:07.460] – Dr.med. Werner Saameli
Was ich dann schon auch gemerkt habe, auch wenn sogenannt 120 Leute statt zwölf,
wie ich begonnen habe, jetzt dort arbeiten, sind sie eben doch integriert einfach in eine
Klinik für Erwachsenenpsychiatrie und der Sitz oder der Platz der Leiterin, der ist doch
wieder in Königsfelden selber.

[00:27:41.660] – Dr.med. Werner Saameli

Die Chefin für das Ambulatorium hat ihren Sitz wieder in der Klinik und ist dem
Professor Marc Walter unterstellt.

[00:27:52.930] – Dr.med. Werner Saameli
Das wird dort so dargestellt, dass eben nicht ein gegeneinander von extern zu intern
geben soll, wie es zwischenzeitlich gewesen war, mit externen Diensten, internen
Diensten, sondern dass quasi halt wieder alles unter einer Führung ist, aber die
Führung ist eben, und das ist der entscheidende Punkt, die Führung sitzt eben in
Königsfelden.

[00:28:25.010] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist programmatisch, dass zeigt, wo die Macht hockt.

[00:28:33.010] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn man deklariert, dass man eben nicht Sozialpsychiatrie primär in der Institution,
und von dieser aus macht, sondern bezogen auf den Ort, wo die Leute wohnen und wo
die Menschen arbeiten, dass von daher das soziale Umfeld einbezogen wird, dann gibt
es eine andere Gewichtung.

[00:29:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wäre das aus deiner Sicht wieder ein Rückschritt?

[00:29:12.680] – Dr.med. Werner Saameli
Ja.

[00:29:13.990] – Dr.med. Werner Saameli
Bei allem gibt es Vor-und Nachteile, das ist klar.

[00:29:20.950] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist mir einfach aufgefallen, es ist eine Entwicklung, die dann Mitte der 1990er Jahr
wirklich so lief.

[00:29:40.530] – Dr.med. Werner Saameli
Wie man jetzt das feiert? Das war damals ein Ambulatorium in Aarau.

[00:29:47.260] – Dr.med. Werner Saameli
Das war der grosse Unterschied.

[00:29:54.120] – Dr.med. Werner Saameli
Der Übergang, dass die Klinik dezentralisiert werden muss, wird bekämpft durch den
Sog, dass ein Unternehmen ja auch rentieren muss.

[00:30:09.650] – Dr.med. Werner Saameli
Man muss auf diese Gefahr achten, dass man eigentlich die Klinik gern gut besetzt hält.

[00:30:21.160] – Dr.med. Werner Saameli
Im Moment wahrscheinlich hat es schon genügend.

[00:30:29.460] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn wir ein Unternehmen haben, das eigentlich rentieren muss, dann ist es leider
schon so, dass die stationäre Behandlung mehr Geld einbringt als die Ambulante für die
Institution.

[00:30:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das haben die da etwas so dargestellt.

[00:30:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt natürlich mit der Krankenkasse zusammen, mit den Tarifen und so weiter.

[00:31:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sich mehr dafür einsetzen, dass die ambulanten Tarife besser sind.

[00:31:06.020] – Dr.med. Werner Saameli

Das ist ja jetzt politisch ein Durchbruch gewesen mit der einheitlichen Finanzierung.

[00:31:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt jetzt ja.

[00:31:12.680] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist ein Parlament durchgekommen, aber bis dann das realisiert wird.

[00:31:18.250] – Dr.med. Werner Saameli
Aus meiner Sicht, darf eigentlich nicht sein, dass der stationäre Bereich nur darum
ausgeweitet wird, weil er mehr Geld einbringt.

[00:31:29.650] – Dr.med. Werner Saameli
Dann muss man entweder die Tarife ändern oder aber das Konzept, dass eigentlich die
Rolle des Umfeldes, nicht nur bei der Entstehung, aber auch bei der Behandlung der
psychischen Krankheit genügend Gewicht hat.

[00:31:44.900] – Dr.med. Werner Saameli
Dazu muss man so wenig Klinikbauten haben wie möglich.

[00:31:56.730] – Dr.med. Werner Saameli
Heute ist es so: eine AG muss aus den roten Zahlen.

[00:31:56.860] – Dr.med. Werner Saameli
Wie bekommt man die roten Zahlen weg?

[00:32:11.950] – Dr.med. Werner Saameli
In dem man die Patienten eher wieder stationär behandelt.

[00:32:20.740] – Dr.med. Werner Saameli

Wir haben für den ganzen Kanton eine Krisenintervention, rund um die Uhr. Das ist
wunderbar.

[00:32:31.740] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist immer noch nur in Königsfeldern und im ganzen anderen Kanton?

[00:32:42.070] – Dr.med. Werner Saameli
Wie weit das so läuft in Aarau oder Baden, weiß ich nicht.

[00:32:49.010] – Dr.med. Werner Saameli
Ich wusste aber, der große Vorteil, den wir im Thun hatten, das war sehr anstrengend,
dass wir dort mit notfallmäßigen konziliarischen Beizug auch rund die Uhr ein
Psychiater unseres Dienstes für das Spital erreichbar war, am Allgemeinspital und nicht
in Münsingen oder in den Universitären Psychiatrischen Anstalten.

[00:33:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Denkst du dann, also der psychiatrische Notfalldienst müsste immer auch mit den
somatischen Spitälern verbunden sein?

[00:33:27.770] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das finde ich eine gute Idee. Ich sehe da nicht genug durch.

[00:33:28.160] – Dr.med. Werner Saameli
Bei uns war das sehr anstrengend, weil wir sehr häufig Pikettdienst hatten.

[00:33:40.230] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn man jemanden auf der Notfallstation im Allgemeinspital hat und dann innerhalb
einer Stunde eine psychiatrische Fachkraft kommt, dann kann man auch psychiatrische
Hospitalisationen verhindern, indem man dort beginnt zu klären, wo klemmt es und wo
sind noch Ressourcen, die man nutzen kann.

[00:34:05.360] – Dr.med. Werner Saameli

Wenn man die Notfallstation nur schon in der Klinik hat, dann ist ja das Einfachste,
dann nimmt man sie rein.

[00:34:15.010] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn man im Ambulatorium den Notfalldienst macht, dann ist man stolz über jeden
Patienten, den man so ambulant aufgefangen hat, den man nicht in die Klinik geschickt
hat.

[00:34:28.690] – Dr.med. Werner Saameli
Das war in Schottland auch so am Dingleton Hospital.

[00:34:32.930] – Dr.med. Werner Saameli
Wir sind immer ausgerückt.

[00:34:34.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind in das somatische Spital gegangen.

[00:34:35.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee war, möglichst nicht psychiatrisch zu hospitalisieren.

[00:34:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist da nicht durch.

[00:34:47.530] – Dr.med. Werner Saameli
Man kann auch sagen, es könnte auch zur Überforderung kommen.

[00:34:55.400] – Dr.med. Werner Saameli
Heute ist man froh um jedermann, der auch als Ärztin oder Arzt arbeitet.

[00:35:07.940] – Dr.med. Werner Saameli
Viele wollen gar nicht mehr so viel Notfalldienst machen.

[00:35:11.230] – Dr.med. Werner Saameli
Die sagen, ich komme nicht an eine Stelle, wenn ich am Samstag, Sonntag auch noch
arbeiten muss.

[00:35:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie hat innerhalb der Medizin nicht so einen hohen Stellenwert.

[00:35:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Ambros Uchtenhagen auch untersucht.

[00:35:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kamen wir als Psychiater nach den Magnetopathen.

[00:35:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wurden sehr tief eingestuft in der Wertstellung.

[00:35:42.960] – Dr.med. Werner Saameli
Das wirkt sich ja auch finanziell aus. Die technischen Disziplinen, die verdienen mehr.

[00:35:55.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verdient auch nicht so viel wie alle, die die im technischen Bereich sind.

[00:36:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt fast keine Schweizer Psychiater mehr. Es kommen Ausländer rein.

[00:36:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ökonomisierung der Psychiatrie ist etwas vom schwierigsten.

[00:36:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich behaupte, an sich könnte man sehr viel Geld sparen, wenn man früher in Akutfällen
oder Notsituationen mit der Psychiatrie vor Ort reinkommen würde.

[00:36:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch ein riesiges Potenzial.

[00:36:34.230] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, absolut.

[00:36:34.840] – Dr.med. Werner Saameli
Das war auch die Idee dieser Stützpunkte und dieser Dienste am Allgemeinspital, dass
man verhindert, dass es zu einer psychiatrischen Hospitalisierung kommt.

[00:36:45.510] – Dr.med. Werner Saameli
Das konnten wir auch nachweisen.

[00:36:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Konntet ihr das statistisch nachweisen?

[00:36:51.470] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, mit der Krisenintervention auf der Basis des Allgemeinspitals hatten wir 60, 70 Fälle,
mehr als jede Woche einen.

[00:37:06.070] – Dr.med. Werner Saameli
Ich habe da auch einmal publiziert und das bei der Schweizer Gesellschaft für
Psychiatrie gesagt.

[00:37:16.880] – Dr.med. Werner Saameli
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7792567/

[00:37:17.960] – Dr.med. Werner Saameli

Heute ist es gar nicht mehr aktuell.

[00:37:21.860] – Dr.med. Werner Saameli
Es herrscht ein anderes Denken.

[00:37:24.540] – Dr.med. Werner Saameli
Die Ökonomisierung hat dazu geführt, krass gesagt: das Unternehmen braucht die
Patienten, damit es rentiert.

[00:37:42.120] – Dr.med. Werner Saameli
Vorher brauchten die Patienten das Unternehmen oder eben die Institution, um Schutz
zu haben und Hilfe.

[00:37:53.000] – Dr.med. Werner Saameli
Das hat jetzt gekehrt. Das ist eine Umkehr. Das ist eine absolute Umkehr.

[00:37:59.980] – Dr.med. Werner Saameli
Ich als Sozialpsychiater sage natürlich schon: die exorbitante Verteuerung der Medizin
kommt vom Moment an noch schlimmer, wenn aus dem Service Public ein
marktwirtschaftliches Denken sich entwickelt.

[00:38:24.780] – Dr.med. Werner Saameli
Mit der Einführung der Marktwirtschaft im Gesundheitswesen wurde es nicht billiger, wie
alle sagten, die Konkurrenz drückt die Preise.

[00:38:35.240] – Dr.med. Werner Saameli
Ich sage immer, die Konkurrenz schafft noch mehr Markt.

[00:38:41.240] – Dr.med. Werner Saameli
Der Markt will ja wachsen und die Konkurrenz belebt das Geschäft.

[00:38:46.450] – Dr.med. Werner Saameli
Da wurde eine Mengenausweitung gemacht, weil alle noch vom Kuchen verdienen
konnten.

[00:38:56.090] – Dr.med. Werner Saameli
Das wurde falsch eingeschätzt oder unehrlich kommuniziert.

[00:39:03.050] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn man sagt, es braucht mehr Markt im Gesundheitswesen, damit man diese Kosten
in den Griff kriegt.

[00:39:09.520] – Dr.med. Werner Saameli
ich sage: je mehr Markt man hat, desto teurer wird es.

[00:39:14.740] – Dr.med. Werner Saameli
Jeder, der ein Geschäft hat, will ja, dass dieses bestehen bleibt.

[00:39:21.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man kann sagen, je mehr Markt man hat, umso mehr Marktschreier gibt es und um
so mehr Kunden müssen angezogen werden.

[00:39:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In Bezug auf dein Konzept, in Bezug auf Borderline Patientenbehandlung, da will Marc
Walter jetzt zusammenarbeiten mit den Notfallstationen.

[00:39:40.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich gut.

[00:39:41.540] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist ganz wichtig.

[00:39:43.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt wieder dein Konzept.

[00:39:45.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Da will er mit den Akutspitälern zusammenarbeiten.

[00:39:49.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline-Patienten landen häufig mit Schnitten im Akutspital, auf der Chirurgie.

[00:39:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da will er ein Konzept einführen, dass man gleich dorthin geht und gleich weiter
behandelt.

[00:40:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich jetzt wieder gut. Das geht in Deine Richtung.

[00:40:08.190] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das war dann so.

[00:40:09.770] – Dr.med. Werner Saameli
Diese Borderline Patienten, die wurden dann von der Notfallstation auch im
psychiatrischen Dienst angemeldet und da kam dann in der Nacht der Konsiliararzt.

[00:40:20.360] – Dr.med. Werner Saameli
Dieser Borderline Patient war dadurch angehängt am psychiatrischen Dienst.

[00:40:30.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um die Beziehung.

[00:40:34.080] – Dr.med. Werner Saameli
Da gab es keine langen Wartefristen.

[00:40:40.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, es ging gleich kontinuierlich weiter.

[00:40:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Problematik bleibt auch so.

[00:40:45.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab dann welche, die trotzdem wieder in die Notfallstation kamen.

[00:40:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderlinepatienten sind schwierig.

[00:40:53.330] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das ist so.

[00:40:55.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann ja Marc Walter sagen, er soll dich mal konsultieren.

[00:40:58.570] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, klar.

[00:41:00.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Deine Erfahrung reinholen.

[00:41:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt noch eine andere Frage.

[00:41:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor du Medizin studiert hast, hast du ein Germanistikstudium begonnen und Literatur
studiert.

[00:41:14.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat dich dazu bewogen, dann Psychiater zu werden oder zuerst Mediziner und
dann Psychiater?

[00:41:21.410] – Dr.med. Werner Saameli
Ganz klar, die Germanistik und Anglistik, das war für mich so die Chance,
Allgemeinwissen zu generieren, auch viel Lektüre.

[00:41:40.950] – Dr.med. Werner Saameli
Ich stellte mir vor, gute Schriftsteller, die wissen etwas über das Menschsein und so
weiter.

[00:41:50.910] – Dr.med. Werner Saameli
Dann habe ich gemerkt, was mich am meisten interessierte in der Literatur, waren die
Biographien.

[00:41:56.920] – Dr.med. Werner Saameli
Nicht nur die biographischen Romane oder so, die Autobiographien, auch die
Biographien der Schriftsteller.

[00:42:05.630] – Dr.med. Werner Saameli
Ich merkte eigentlich, ich möchte mich gern so mit Biographien beschäftigen, dass ich
auch etwas bewirken kann.

[00:42:20.680] – Dr.med. Werner Saameli
Ich hatte dann die Chance, ja, weil ich eben auch in Amerika gewesen war und dann
das Cambridge Proficiency gemacht hatte.

[00:42:32.410] – Dr.med. Werner Saameli
Damals konnte man mit dem schon unterrichten.

[00:42:35.080] – Dr.med. Werner Saameli
Ich begann dann an der Berufsschule/Wirtschaftsschule, Englisch zu unterrichten.

[00:42:41.960] – Dr.med. Werner Saameli
Dann konnte ich das Risiko auf mich nehmen, Medizin zu studieren.

[00:42:46.230] – Dr.med. Werner Saameli
Ich hatte zuviel Respekt vor der Medizin.

[00:42:52.730] – Dr.med. Werner Saameli
Ich war nicht primär naturwissenschaftlich interessiert, geschweige denn begabt.

[00:42:58.550] – Dr.med. Werner Saameli
Das hat vielleicht zum Glück geklappt. Es hat sogar gut geklappt. Ich hatte dann
eigentlich gar keine Probleme.

[00:43:11.940] – Dr.med. Werner Saameli
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ich dann nach der Praxisaufgabe
gedacht habe, jetzt möchte ich schon noch wissen, wie das ist mit dem Anglistik oder
Phil I Studium.

[00:43:24.420] – Dr.med. Werner Saameli
Ich habe mich dann nochmals an der Uni Zürich immatrikuliert und dann Soziologie und
Anglistik belegt und Politologie auch.

[00:43:34.940] – Dr.med. Werner Saameli
Ich habe dann nochmals ein Studium Generale auf der mehr Philosophischen
Fakultätsseite gemacht.

[00:43:43.560] – Dr.med. Werner Saameli

Es war interessant, aber nach ein paar Semestern habe ich gedacht: zum Glück habe
ich damals gewechselt.

[00:43:52.590] – Dr.med. Werner Saameli
Rückblickend musste ich nochmals diese Runde machen.

[00:43:57.760] – Dr.med. Werner Saameli
Habe ich damals recht entschieden, dass ich gewechselt habe?

[00:44:01.280] – Dr.med. Werner Saameli
Es war die Bestätigung.

[00:44:03.560] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist interessant, für mich die Bestätigung mit dem Wissen aus der Literatur, das
braucht man, um einen weiten Horizont zu haben.

[00:44:20.660] – Dr.med. Werner Saameli
Ich bin überzeugt, die guten Psychiater, die haben noch ganz andere Interessen als die
Medizin.

[00:44:28.790] – Dr.med. Werner Saameli
Das macht es aus, dass wir das aushalten und bewirken können.

[00:44:35.880] – Dr.med. Werner Saameli
Ich glaube, die Entscheidung war damals richtig.

[00:44:42.750] – Dr.med. Werner Saameli
Ich lese immer noch gern.

[00:44:46.820] – Dr.med. Werner Saameli
Ich finde, wir haben schon das Glück, dass wir einen sehr interessanten Beruf haben.

[00:44:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann ich nur beipflichten.

[00:44:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast vorher schon gesagt, etwas kritisiert, was in der Psychiatrie gelaufen ist.

[00:45:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es noch mal zusammenfasst, was würdest du sagen, was läuft falsch in der
Psychiatrie?

[00:45:13.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre deine vorgestellte Zielrichtung, wo die Psychiatrie hingehen sollte?

[00:45:23.160] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das ist ein großes Wort.

[00:45:26.340] – Dr.med. Werner Saameli
Ich glaube immer noch daran, dass es wichtig ist, die Beziehung zur Medizin zu
behalten.

[00:45:36.130] – Dr.med. Werner Saameli
Bei aller Anerkennung von guten Psychotherapieschulen für Nichtmediziner, die auch
sehr elaboriert und supervidiert sind.

[00:45:45.480] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist schon wichtig, dass man den Bezug zur Krankheit, zu kranken Leuten, zur Lehre,
wie man mit Krankheiten umgeht, dass das irgendwie in der Haltung noch etwas
ausmacht.

[00:46:03.470] – Dr.med. Werner Saameli

Darum bin ich immer noch der Meinung, dass man den Bezug halten muss.

[00:46:12.870] – Dr.med. Werner Saameli
Darum bin ich nach wie vor der Ansicht, dass so Projekte wie in Thun, dass die Sinn
machen, möglichst nahe mit der Gesundheitsversorgung.

[00:46:23.770] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist klar, dass man viel mehr in die Prävention und in die Früherfassung, im Sinne der
Ausgliederungsverhütung investieren muss; eben nicht möglichst viele Leute
hospitalisieren.

[00:46:45.250] – Dr.med. Werner Saameli
Diese ganze Bewegung mit Burnout-Patienten, das ist ein riesiges Geschäft geworden,
dass man Burnout-Kliniken macht.

[00:46:55.820] – Dr.med. Werner Saameli
Das sind Patienten, die sogar stolz sind darauf, dass sie ein Burnout haben, weil sie
sich ja so aufgeopfert haben im Beruf.

[00:47:05.000] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist die einzige psychische Krankheit, die man gern hat.

[00:47:09.840] – Dr.med. Werner Saameli
Es gibt Leute, die wirklich leiden, das ist nicht zu bestreiten.

[00:47:17.650] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist eigentlich besser, man würde in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern bei
Konflikten am Arbeitsplatz anstatt jemanden krank zu schreiben und nachher für drei
Monate in eine Burnout-Station zu schicken, wäre es viel besser, man würde mit dem
Personalchef und dem direkten Vorgesetzten, mit den Leuten, mit dem System auch am
Arbeitsplatz arbeiten.

[00:47:51.750] – Dr.med. Werner Saameli
Frühe Interventionen am Arbeitsplatz wären gescheiter, als krank schreiben.

[00:47:59.990] – Dr.med. Werner Saameli
Was schief läuft sind Krankschreibungen ohne Terminierung, auch bei den
Jugendlichen.

[00:48:09.890] – Dr.med. Werner Saameli
Leute werden zu häufig krank geschrieben, ohne dass man einen Termin festlegt.

[00:48:17.680] – Dr.med. Werner Saameli
Indem man sich das nochmals neu zu Weg legt, Früherfassung in der Schule, in der
Familie sowieso, auch am Arbeitsplatz, das wären Interventionsmöglichkeiten.

[00:48:39.210] – Dr.med. Werner Saameli
Ein ganz großer Bereich der Konsumenten, der psychiatrischen Leistung geht heute in
Richtung dieser Burnout-Patienten.

[00:48:51.200] – Dr.med. Werner Saameli
Das ist eigentlich eine soziale Krankheit. Das mag schon so sein, dass die
Anforderungen so sind: in immer weniger Zeit immer mehr erreichen.

[00:49:04.640] – Dr.med. Werner Saameli
Mit der Arbeitszeitverkürzung hat sich der Stress eigentlich nur erhöht.

[00:49:09.590] – Dr.med. Werner Saameli
Die Leute arbeiten weniger, aber viel zu dicht und viel zu schnell, anstatt einmal am
Mittwoch Nachmittag frei zu haben, wie in der Schule.

[00:49:20.550] – Dr.med. Werner Saameli

Man ist stolz darauf, dass man weniger arbeitet, aber wird dann überfordert durch das
Tempo mit der heutigen Informatik.

[00:49:32.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wieder das systemische Denken, dass man nicht den psychiatrischen
Patienten isoliert behandelt und medikamentös und mit Techniken und so weiter,
sondern die Interaktion zwischen dem Patienten und seinem Arbeitsplatz genauer
betrachtet und dort interveniert.

[00:49:52.780] – Dr.med. Werner Saameli
Unbedingt!

[00:49:54.590] – Dr.med. Werner Saameli
Da weiß ich nicht, wie es läuft.

[00:49:59.460] – Dr.med. Werner Saameli
Ich masse mir nicht, dass ich genau weiss, wo noch gute Initiativen sind, wo was läuft.

[00:50:00.460] – Dr.med. Werner Saameli
Aus der Supervisionstätigkeit, die ich jetzt immer noch mache, gibt es zwei Probleme:
das Risiko der zu langen Krankschreibung und der zu frühen Invalidisierung anstelle
von nochmals Eingliederungsversuche und Unterstützung, Teilzeitstellen. Da gibt es
arbeitspsychologisch sehr viel zu erledigen, glaube ich.

[00:50:42.590] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist sicher ein Vorteil, dass man heute nicht mehr das Stigma hat, als psychisch
kranker zu gelten.

[00:50:55.270] – Dr.med. Werner Saameli
Es ist auch die Gefahr, dass es eine Rückzugsmöglichkeit in Ehren ist.

[00:51:01.000] – Dr.med. Werner Saameli

Früher war es ein Makel, wenn man quasi aus psychischen Gründen aussteigen
musste.

[00:51:08.280] – Dr.med. Werner Saameli
Heute ist es fast salonfähig, weil es nicht mehr ein Stigma ist, psychisch krank zu sein.

[00:51:17.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Burnout ist eine salonfähige Depression.

[00:51:22.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht man in eine Luxusklinik. Das ist kein Makel, sondern das gönnt man sich.

[00:51:29.850] – Dr.med. Werner Saameli
Salonfähige Depression, völlig einverstanden.

[00:51:33.610] – Dr.med. Werner Saameli
Trotzdem eine Depression.

[00:51:35.240] – Dr.med. Werner Saameli
Ja klar, klar.

[00:51:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er leidet.

[00:51:38.040] – Dr.med. Werner Saameli
Ich nehme diese Leute schon ernst.

[00:51:41.720] – Dr.med. Werner Saameli
Es sind eben Patienten, die sind Leidende und nicht nur Konsumenten.

[00:51:48.680] – Dr.med. Werner Saameli

Das war eine Entwicklung genau in der Medizin, nicht spezifisch in der Psychiatrie.

[00:51:55.990] – Dr.med. Werner Saameli
Es gab eine Zeit, als man nur noch von Leistungerbringern und Leistungsempfängern
sprach.

[00:52:01.330] – Dr.med. Werner Saameli
Als man von den Patienten als Kunden zu sprechen begann.

[00:52:06.180] – Dr.med. Werner Saameli
Das Spital muss gut zu den Kunden schauen.

[00:52:07.320] – Dr.med. Werner Saameli
Man sollte nicht freiwillig Leute zum krank sein ermuntern.

[00:52:19.940] – Dr.med. Werner Saameli
Wer seine Patienten als Kunden bezeichnet, entlarvt sich als Verkäufer.

[00:52:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das kann man sagen.

[00:52:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Abschluss noch: ich bin ja immer noch voll tätig in der Psychiatrie.

[00:52:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin daran, ein Buch zu publizieren über Psychiatrie.

[00:52:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will dich jetzt fragen, du als Sozialpsychiater, was würdest du mir mit auf den Weg
geben, der da noch übrig ist, ja, auf was ich achten soll, als erfahrener
Sozialpsychiater?

[00:53:02.120] – Dr.med. Werner Saameli
Beibehalten das, was du immer gemacht hast, dass es auch die schwierigen Fälle, die
notwendig zu behandelnden Patienten gibt, die vorrangig eigentlich Empfänger sein
sollten dieser Leistung.

[00:53:25.000] – Dr.med. Werner Saameli
Dass es nicht aus eben ökonomischen oder materiellen, vielleicht sogar
philosophischen Gründen schön wäre, nur die Selbstverwirklichung und die Ausweitung
der Erkenntnis mit der Psychotherapie zu fördern, sondern das ist schön, das ist gut,
aber es gibt leidende Menschen und die Psychiatrie darf sich nicht so entwickeln, dass
nicht mehr für die geschaut wird, weil es zu wenig Ressourcen gibt.

[00:54:06.010] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn schon Ressourcen, genau dorthin gehen, wo man am meisten Geld verdient.

[00:54:12.170] – Dr.med. Werner Saameli
Es braucht das Gewissen, dass es in der Psychiatrie sehr schwer Kranke, sehr schwer
gestörte Familiensysteme und Arbeitsbeziehungen gibt.

[00:54:29.170] – Dr.med. Werner Saameli
Es gibt Probleme, die notwendig behandelt werden müssen, nötig.

[00:54:37.590] – Dr.med. Werner Saameli
Damit meine ich also, das Nötige machen und nicht das kommerziell einträgliche.

[00:54:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant.

[00:54:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache einen kleinen Ausweicher.

[00:54:53.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Vater war Ingenieur und er hat gesagt, er liebt es, Probleme zu lösen.

[00:54:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, Ich bin Psychiaterin, Familientherapeutin, Systemtherapeutin.

[00:55:03.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich liebe es, Probleme zu lösen.

[00:55:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort her nehme ich gerne und es werden mir auch sehr viele schwierige Patienten
geschickt.

[00:55:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lerne an all diesen schwierigen Familiensystemen und habe natürlich dann umso
mehr Freude, wenn etwas vorwärts geht.

[00:55:22.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme deine Botschaft gerne entgegen und solange ich noch als Psychiaterin
arbeite, werde ich das tun.

[00:55:30.540] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, das glaube ich dir.

[00:55:32.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Werner Saameli, ganz herzlichen Dank für deine Offenheit und die Geschichte, die du
da über die Psychiatrie erzählen kannst.

[00:55:44.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr interessant und ich war auch Teil dieser Geschichte und von dort her ist es
umso befriedigender.

[00:55:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank.

Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
28.5.2025
Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir das Thema so gegeben: Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS.

[00:00:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS.

[00:00:14.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es frühkindliches POS.

[00:00:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine allgemeine Bemerkung: psychiatrische Krankheiten sind immer
Funktionsdiagnosen.

[00:00:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie etwas Festes wie eine Leberzirrhose oder ein Herzinfarkt oder so etwas.

[00:00:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Gehirn immer funktionell anschauen und das kann sich alles wieder
ändern.

[00:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine klare Abgrenzung von einer Krankheit zur anderen.

[00:01:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt signifikante Symptomen.

[00:01:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

In meinem Medizinstudium wurde gesagt: der Patient kann Läuse und Flöhe haben.
Das sind unterschiedliche Tiere.

[00:01:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer das gleiche Gehirn.

[00:01:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen eine Vorbemerkung.

[00:01:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn funktioniert immer ganzheitlich und ist auch immer verbunden mit dem Körper.

[00:01:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Gehirn werden auch die Körperorgane dirigiert.

[00:01:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ASS (Autismusspektrumsstörung) ordne ich dem ADHS unter. Ich mache
keine neu Krankheit draus.

[00:02:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch die Hypersensibilität.

[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist lieber hypersensibel, als dass man ein ADHS/ADS hat. Das ist gar nicht
pathologisch.

[00:02:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ein bisschen aufzuzeigen, was für Symptome hervorstechen.

[00:02:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:02:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.

[00:02:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es nur ein vulnerabler, sensibler Neurotyp, der eher auf Stress anfällig ist
und dann Krankheiten entwickelt.

[00:02:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue zuerst psychiatrische Folgekrankheiten an.

[00:02:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich heraus, dass es auch viele körperliche Krankheiten gibt.

[00:02:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Lebensende schaut: es gibt eine Studie aus England und Amerika, wo
sie sagen: Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher.

[00:03:05.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/01/23/health/adhd-life-expectancy.html

[00:03:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS sterben nur sieben Jahre früher.

[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen leiden mehr unter dieser Symptomatik.

[00:03:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einen Grund: Frauen können ihre Symptomatik besser verstecken.

[00:03:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, Frauen können sich besser anpassen.

[00:03:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu reiten als Hengste.

[00:03:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich an. Mädchen strengen sich wahnsinnig an um sich anzupassen.
Dann merkt man gar nichts.

[00:03:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird bei den Mädchen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren
gestellt, oder mit 70 oder 80 Jahren.

[00:03:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über die Abklärungen, die Tageszeitungen, TikTok. Viele merken dann: ich
habe diese Symptome auch.

[00:04:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben dann ein Aha-Erlebnis. Darum bin ich so, darum reagiere ich so. Etc.

[00:04:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen, welche im erwachsenen Altern die ADHS/ADS Diagnose
bekommen, die haben eine oder mehrere zusätzlichen psychiatrischen Diagnosen.

[00:04:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Folgeerkrankungen.

[00:04:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich an erster Stelle mit der Folgekrankheit Schizophrenie. Das ist nur eine
Krankheit.

[00:05:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle ADHS/ADSler werden schizophren.

[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Faktoren dazwischen, damit das geschieht.

[00:05:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist kein Normotyp. Jedes Gehirn funktioniert anders.

[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Triune_Brain

[00:05:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das mit der Hand.

[00:05:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das emotionale Gehirn, die Finger sind das Grosshirn, das Handgelenk
ist das Reptiliengehirn, das primitive Gehirn.

[00:05:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das primitive Gehirn ist schon bei den Reptilien sehr gut ausgebildet.

[00:05:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Reptilienhirn sind vegetative Nervenzentren verankert.

[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Herzrhythmus, unsere Atmung, der Schlaf-Wach-Rhythmus wird gesteuert und
die Motorik.

[00:06:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik, das Kleinhirn, das motorische Kleinhirn, gehört auch zum Reptilienhirn.

[00:06:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler, die haben ein stärkere, reaktives, sensibleres emotionales Gehirn.

[00:06:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System (emotionale Gehirn) überlastet ist, dann sendet es Signale
hoch und runter.

[00:06:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei System Overload gibt es ein Signal in das Grosshirn.

[00:06:44.265] – Dr.med. Ursula Davatz
Das negative Resultat davon ist dann die Schizophrenie. Das Gehirn bricht dann
zusammen.

[00:07:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so gedacht: wenn vom emotionalen Gehirn Signale in das Grosshirn gehen. Dort
werden die Signale auf kognitiver Ebene verarbeitet und als Erinnerung abgelegt, ohne
Emotionen.

[00:07:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nicht möglich, wenn man seine Emotionen im Grosshirn nicht ablegen kann, weil
man nicht darüber sprechen kann, dann gehen die Signale auch an das Stammhirn.
Dann können alle möglichen psychosomatischen Krankheiten auftreten.

[00:07:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell bei den Kindern, die können noch nicht so gut reden, was sie eigentlich
beschäftigt.

[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen, Lehrpersonen, Eltern, sind dazu verpflichtet, das Kind zu
beobachten und herauszufinden, was es beschäftigt.

[00:07:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Probleme haben, haben sie Bauchschmerzen. Sie können nicht sagen,
was es eigentlich ist.

[00:08:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was davor abgelaufen ist, womit sie sich auseinandergesetzt
haben.

[00:08:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule spielt das Lernen und das Aufpassen eine grosse Rolle.

[00:08:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS hat eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulbetrieb wird die breite Aufmerksamkeit zu einer Störung, weil man dort
fokussiert aufpassen muss.

[00:08:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man die Gene der Neandertaler, der Jäger und Sammler Kulturen
untersuchen.

[00:08:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort zeigt sich, dass noch 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:08:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns sagt man, dass noch 5% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:09:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer mehrere Gene.

[00:09:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Genkombination, ein Genom, ein Set von Genen.

[00:09:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt auf anderthalb Knaben ein Mädchen.

[00:09:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anteil der Frauen nimmt zu. ADHS/ADS wird bei Frauen heute auch diagnostiziert.

[00:09:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Neurodiversität. Das ist ein Zustandsbild, wo noch viel neue Informationen
dazu kommen.

[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist: ADHS/ADSler nehmen sofort alles wahr.

[00:09:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in den Raum reinkommen, gucken sie sofort alles an, nehmen alles wahr,
nehmen Emotionen wahr, etc.

[00:10:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann der Schulunterricht sie nicht interessiert, wo der Lehrer oder die
Lehrerin sie auch nicht packen kann, dann schaut sie aus dem Fenster raus, stören den
Nachbar, schmeissen die Kugeln rum.

[00:10:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Klassenclown.

[00:10:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Konkurrenz zum Lehrer. Das mag der Lehrer nicht.

[00:10:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss die Lehrperson irgendwie eingreifen.

[00:10:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind besser im Multitasking.

[00:10:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hausfrau muss man das können.

[00:10:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Schule vor sich hat, hat man immer ein Multitasking.

[00:10:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur muss immer die ganze Klasse im Blickfeld haben und dann schauen, wie
man auf was reagiert und möglichst nicht überreagiert.

[00:11:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensitivität.

[00:11:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist leichter erregbar und macht eine grössere Welle.

[00:11:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist so konstruiert, dass es funktioniert, ein bisschen wie fluide
Medien.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Luft und Wasser, da geht immer eine Bewegung durch.

[00:11:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zur Erde, da wird ganz viel aufgefangen.

[00:11:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Hirn ist so konstruiert.

[00:11:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind gestört wird, Stress ausgesetzt wird, macht es eine grössere
Welle in seinem emotionalen Hirn.

[00:11:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle sehr gross ist, dann gibt es ein System Overload und dann System
Overflow.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo der System Overflow passiert, können Denkstörungen auftreten oder
es geht ins Reptilienhirn und das stört, das rennt herum, das schreit.

[00:12:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen alle Primitiv-Reflexe zum Zug.

[00:12:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden alle vom Kleinhirn gesteuert.

[00:12:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex, Teasing ist Spotten, Necken,
Clown spielen, etc.

[00:12:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing-Verhalten tritt immer dann auf, wenn ein Individuum nicht sich sicher ist, wie die
Situation ist.

[00:13:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten.

[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich der Situation an auf eine witzige Art und findet dann heraus, ob der
andere jetzt das nehmen kann oder nicht.

[00:13:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der andere verrückt wird, zieht man sich wieder zurück oder auch nicht, je
nachdem, wie frei man ist.

[00:13:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist soziales Explorationsverhalten.

[00:13:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sieben Jahre im Basel studiert. Ich bin mit einem Basler verheiratet.

[00:13:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Basler haben im Frühling die Fasnacht.

[00:13:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Fasnacht darf jeder jeden intrigieren.

[00:13:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Volk kann auf den Stadtrat zu gehen und den veräppeln.

[00:13:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Necken. Man darf seine Meinung sagen, den anderen ein wenig herausfordern.

[00:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Verhalten wird von ADHS/ADS Menschen mehr verwendet und bleibt
länger erhalten.

[00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing Verhalten wird in der Pubertät auch von den Tieren sehr viel angewendet.

[00:14:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Jungtier in das Erwachsenenalter kommt, dann wird geneckt.

[00:14:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Verschiedene Tierarten necken sich auch gegenseitig.

[00:14:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ganz wichtiges Verhalten.

[00:14:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben wir Erwachsenen kein Verständnis mehr dafür und werden verrückt.

[00:14:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem aus welcher Familie man kommt, wird es untereinander gemacht.

[00:15:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich.

[00:15:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mit ihrem Fahrrad in das Fahrrad des Mädchens gefahren. Ist das nun
bösartig oder ist das ein Annäherungsversuch.

[00:15:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

[00:15:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann gut sein, dass das Teasing ist.

[00:15:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wollte nicht von dem Annäherungsversuch/Angriff beschützt werden.

[00:15:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir neu interpretieren, wenn solche Dinge geschehen.

[00:15:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale System ist sensitiver, reagiert mehr, nimmt mehr auf, hat dadurch mehr
zu verarbeiten und darum sind die Menschen empfindlicher auf Stress.

[00:16:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist bei ihnen mehr erregbar, es schlägt höhere Wellen. Es schlägt länger
höhere Wellen.

[00:16:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät spricht man von: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät formatiert sich das Gehirn. Es legt grössere Autobahnen an und kappt
viele Nervenendungen.

[00:16:23.981] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst könnte der Mensch nicht durchs Leben gehen. Sonst wäre alles viel zu
kompliziert.

[00:16:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: oh, wenn ich nur nicht so kompliziert wäre, ich wünsche, ich
wäre nicht so sensitiv, dann hätte ich viele Probleme nicht.

[00:16:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt natürlich auch einen Vorteil in Sachen merken, wahrnehmen und
Neues lernen.

[00:16:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine höhere Erregbarkeit.

[00:17:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die höhere Erregbarkeit, die stärkere Reaktion, die bleibt auch länger vorhanden.

[00:17:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis 25 Jahren ist das Gehirn ausgereift.

[00:17:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler braucht es ein wenig länger. Sie bleiben Kindsköpfe und sie bleiben
kreativ.

[00:17:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positive Seite der ADHS/ADSler ist die Kreativität.

[00:17:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Grenzen überschreiten, das ist nicht immer angenehm.

[00:17:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Nein, man muss sich damit auseinandersetzen und seinen Standpunkt sagen.

[00:17:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Gitter machen.

[00:17:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen mit ADHS/ADS-Eigenschaften zu restriktiv, zu eng, an einer zu kurzen
Leine erzogen werden, dann werden sie krank.

[00:17:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es psychiatrische Krankheiten geben und es kann auch somatische
Krankheiten geben.

[00:18:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit bewirkt, dass nur noch der Automatismus funktioniert, das
Reptilienhirn, wo einfach der Reflex, Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[00:18:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn hat dann keine Kontrolle mehr. Das Grosshirn wird dann überrannt.

[00:18:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern wollen ihre Kinder mit Vernunft erziehen.

[00:18:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht man doch nicht, das gehört sich nicht, so kannst du nicht durch dein Leben
gehen.

[00:18:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: er ist noch nicht dort und in dem Zustand hat sowieso keinen Sinn,
etwas zu sagen.

[00:18:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll die ADHS/ADS Kinder nie im High Arousal, im übererregten Zustand erziehen.

[00:18:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

[00:18:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Suppe zuerst abkühlen lassen.

[00:19:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann dürfen wir sagen, dort ist das und das gewesen.

[00:19:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer danach fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich aufgeregt? Was
hast du falsch gefunden?

[00:19:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort vom Geschehen her zum Normverhalten gehen.

[00:19:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss immer ihre Sensitivität abfragt werden und dann: okay, ich verstehe.

[00:19:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nennt man Validieren.

[00:19:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man validiert sie in ihren überschiessenden Gefühlen, dem System Overload.

[00:19:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Person abgeholt hat, validiert hat, kann man sagen: in einem nächsten
Moment, was könntest du anders machen? Wie könnten wir es anders miteinander
lösen?

[00:19:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater und die Psychologen bringen den Erwachsenen alle möglichen Tricks
bei.

[00:19:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Pfefferschoten in den Mund nehmen. Dann brennt es einem so fest, dass
man nicht mehr fluchen kann. Man kann ein Gummizug am Handgelenk zupfen, dann
lenkt man sich ab.

[00:20:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Tricks.

[00:20:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Skills genügen nicht, wenn man nicht auch den Ursprung der Verletzung
anschaut.

[00:20:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss integriert werden, dass Kind oder die Person muss es verarbeiten können.

[00:20:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur unterdrückt, dann gibt es später wieder Folgekrankheiten.

[00:20:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern bleibt das emotionale System stärker vernetzt mit dem
Grosshirn.

[00:20:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten und das macht sie müde.

[00:20:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS-ler, die alles aufnehmen und nicht mit Aggression reagieren,
sondern nach innen aktiv werden.

[00:21:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst wird mit dem ADHS/ADS, kann man nach aussen aggressiv
werden. Das sind meistens die Jungen.

[00:21:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nach innen beginnen zu überlegen, hirnen, es dreht und macht.

[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nach innen reagieren, verarbeiten alle Situationen sehr sorgfältig.

[00:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen einem auch ihre Geschichten sehr sorgfältig, ohne Punkt und Komma,
sodass man verloren geht.

[00:21:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man abklemmen und sagen: davon kann ich jetzt nicht mehr ertragen, ich
möchte nochmals das fragen.

[00:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich wohl fühlen, können sie sehr viel erzählen.

[00:22:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen Frau und Mann tritt heutzutage auch immer mehr auf.

[00:22:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gendermedizin.

[00:22:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat beim Herzinfarkt andere Symptome als die Frau.

[00:22:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch beim ADHS/ADS.

[00:22:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Untertypen.

[00:22:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können sich besser anpassen. Darum zeigen sie eher Empathie ihrem
Umfeld gegenüber und verlieren dann oder vergessen ihre Selbstfürsorge.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS passen sich zuerst dem Mann an, es läuft alles gut, sie passen
sich den Kindern an.

[00:22:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann wissen sie gar nicht, wer sie sind
und haben überhaupt keinen eigenen Fokus.

[00:22:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, was ganz wichtig ist bei den ADHS/ADS Menschen: sie müssen ihren
eigenen Fokus finden.

[00:23:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die zehn Jahre früher sterben, die haben wahrscheinlich nie ihren Fokus
gefunden. Denen hat man auch nie geholfen oder man hat sie nie ihren Fokus finden
lassen.

[00:23:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben doppelt so viele Depressionen im Alter wie die Männer.

[00:23:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Männer, die depressiv werden mit ADHS/ADS.

[00:23:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Diagnose erst mit 30 oder viel später gestellt.

[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer reagieren eher aggressiv. Im Extremfall werden sie delinquent, in der
Schule stören sie, folgen dem Lehrer nicht, rennen umher, bringen die Klasse
durcheinander.

[00:23:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Männer werden leicht zu Konkurrenten der Lehrperson. Sie
übernehmen die Klasse.

[00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man als Lehrperson gar nicht gerne.

[00:24:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher psychosomatische Krankheiten. Das sind häufig
Muskelskelettsystem Sachen.

[00:24:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Rückenschmerzen, überall verspannt, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen,
Erschöpfung, Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach COVID hatte ich viele Frauen mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich so gut an, dass sie sich ausbeuten und am Schluss nichts mehr
haben.

[00:24:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer entwickeln eher das oppositionelle Verhalten, sie folgen nicht, sie sagen: nein.

[00:24:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es bereits wieder eine Diagnose. Das ist aber nichts weiteres als ein nicht
richtig behandeltes ADHS/ADS.

[00:25:00.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommt die Delinquenz.

[00:25:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Männern. Sie sind nicht diagnostiziert.

[00:25:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer und Frauen können eine bipolare Störung entwickeln.

[00:25:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolar heisst manisch-depressiv. Die grosse Welle. Man ist absolut begeistert von
allem, braucht keinen Schlaf. Das ist die manische Phase.

[00:25:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht falsche Handlungen, gibt Geld aus. Am Schluss hat man kein Geld mehr.

[00:25:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht alle Leute verrückt, weil man alle Grenzen überrennt.

[00:26:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich bricht man in einer Depression zusammen.

[00:26:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das bei Männern und Frauen.

[00:26:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung ist ein extremes ADHS/ADS Verhalten.

[00:26:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hyperaktive, Agressive dann die Depression. Ich kann nicht mehr.

[00:26:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln eher Borderline Störungen. Das sind alles ADHS/ADSlerinnen,
welche zu eng erzogen wurden. Sie passen sich immer an. Mit der Pubertät, mit den
Hormonschüben sprengen sie alle Grenzen.

[00:26:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wild.

[00:26:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht mit ihnen umgehen kann, sind sie allein gelassen, dann fühlen
sie sich im Stich gelassen. Sie machen dann viele Handlungen um Aufmerksamkeit zu
erhalten. Eigentlich wollen sie nur begleitet werden.

[00:27:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die von ihren Müttern im Stich gelassen werden, wenn die sie ablehnen, dann
machen sie weiter mit ihrem pubertären Verhalten.

[00:27:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionell Pubertierende.

[00:27:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treiben die Fachwelt zum Wahnsinn.

[00:27:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht erziehen.

[00:27:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Fachpersonen sage ich: Borderline Patientinnen darf man nicht erziehen.

[00:27:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur sein Position beziehen. Man darf sich mit ihnen auseinandersetzen.

[00:27:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht von ihnen manipulieren lassen.

[00:27:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt: wenn ich der Person entgegenkomme, dann kommt sie nachher auch mir
entgegen. Nein, geht nicht.

[00:28:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nimmt alles und kommt überhaupt nicht entgegen.

[00:28:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernt nur in der Auseinandersetzung.

[00:28:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind lange therapeutische Begleitungen.

[00:28:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige in Therapie. Sie sind immer interessant.

[00:28:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen lernt man die Selbstkontrolle.

[00:28:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt nichts, so auszurasten wie die Borderline Patienten.

[00:28:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schizophrenie können beide entwickeln, Knaben mehr als Mädchen.

[00:28:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden die ADHS/ADS Kinder nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht
erzogen, machen sie Fehlentwicklungen.

[00:29:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Fehl-Erziehungen.

[00:29:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als stabile Bezugsperson erziehe ich sie nicht. Ich sage was ich finde.

[00:29:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun, was ich sage, sie dürfen nur das tun, was für sie stimmt.

[00:29:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen ihre intrinsische Motivation herausfinden und ihren Fokus.

[00:29:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe oft den Fokus zu finden.

[00:29:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist wichtig, dass die Erziehungspersonen lernen, mit diesen neurodivergenten
Kindern umzugehen.

[00:30:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von artgerechter Tierhaltung.

[00:30:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu muss auf dem Produkt angegeben werden, falls das Tier bei der Tötung leiden
musste.

[00:30:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mitleid mit den Tieren, welche wir Essen.

[00:30:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nie angeben, wie das Kind gelitten hat unter der Erziehung von seinen
Eltern, von den Nachbarn, den Lehrern.

[00:31:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, die neurodivergenten Kindern besser zu beobachten, spüren was
sein könnten und es heraus finden.

[00:31:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin lerne ich von meinen Patienten.

[00:31:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Meiste lernt man in der Interaktion wo man sieht was geht und was nicht geht.

[00:31:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen kann nicht nur über das Grosshirn laufen, über die Kognition, über den
Intellekt.

[00:31:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang im Schulalltag.

[00:31:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass der Lehrer selber eine klare Haltung hat, dass sie weiss, was sie will.

[00:31:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ambivalent ist, dort gehen sie rein.

[00:31:59.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Teufel, beim Mephisto der Stern, der ein bisschen offenbleibt, dort gehen sie rein.

[00:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas sagen, wenn man selber davon überzeugt ist.

[00:32:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es will.

[00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst, sondern in meinem Klassenzimmer, in meiner Stunde, will ich es
so.

[00:32:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem ADSH/ADS Kind den Befehl geben: du musst, das ist schon ein Übergriff. Die
ertragen das nicht, weil sie so sensibel sind.

[00:32:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat immer gesagt: ich will.

[00:32:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine eigene Position beziehen, die klar vertreten, klar sagen.

[00:32:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen, dass man stärker als das Kind ist.

[00:32:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen warten können.

[00:32:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort und jetzt, sondern ich will.

[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern muss man ein bisschen warten können.

[00:32:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann oft mit Verzögerung.

[00:33:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nur Ja sagen, wenn sie es selber durch ihr Hirn
durchgelassen haben und finden, ja okay, sie hat ja recht.

[00:33:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, machen wir es halt.

[00:33:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort! Das geht nicht.

[00:33:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Geduld haben und ein bisschen warten können.

[00:33:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Müttern sage ich: sagen sie nur Ihre Prinzipen, ihre Erziehungsprinzipen, und sie
werden sehen, in ein paar Jahren hat ihr Kind mehr von dem sich angeeignet, als sie
denken.

[00:33:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich einer jüdischen Mutter gesagt.

[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat das fast nicht geglaubt.

[00:33:34.537] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechs Jahre später sagte die Mutter zu mir: sie hatten Recht.

[00:33:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, an sich zu und seine Prinzipien zu glauben.

[00:33:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn etwas schief gelaufen ist, dann hat es eigentlich keinen Sinn, dann
irgendwas zu sagen.

[00:33:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in high arousal, das Kind ist in high arousal.

[00:33:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, wir lassen es jetzt durchgehen, danach sprechen wir wieder darüber.

[00:34:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine Nachbesprechung machen.

[00:34:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gerade an Ort und Stelle die Korrektur anbringen.

[00:34:08.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind die Regel nicht eingehalten hat, welche man möchte, welche man
deklariert hat, muss man zuerst herausfinden, was ist der Grund, dass das Kind die
Regel nicht eingehalten hat?

[00:34:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden oft irgendwelche Lügen erfunden.

[00:34:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind sagte: ich will im Bergsee nicht baden gehen, ich sage, dass ich mein
Badekleid vergessen habe. Das ist keine gute Idee. Das Badekleid mitnehmen und
sagen: ich will jetzt nicht Schwimmen gehen.

[00:34:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen: was hat dich abgehalten? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Wegen
was hast du es nicht können?

[00:34:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich immer emotional, dass das Kind es ein bisschen erklären muss.

[00:35:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man mit seiner Regel und sagt: aus dem Grund möchte ich es so.

[00:35:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht einhalten können muss validiert werden.

[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd kann man nicht fragen: wieso hast du mir nicht gefolgt? Bei den kleinen
Kindern muss man sich auch selber fragen.

[00:35:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie grösser werden, kann man sie schon fragen.

[00:35:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch nichts sagen kann, kann man fragen: ist das oder das? Hattest du
Streit mit einer Freundin? Habe ich zu laut geredet?

[00:35:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein albanischer Junge ist immer aus dem Kindergarten geflüchtet. Wenn man gefragt
hat, war die Antwort: die Lehrerin hat zu laut gesprochen. Die Lehrerin war Deutsch und
hat zackig geredet. Am Schluss wurde er von der Polizei in die Schule gebracht. Das ist
keine gute Sache. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.

[00:36:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln werden bösartig übertreten um auszuprobieren. Wo sind die Grenzen?

[00:36:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel werden die Regeln übertreten, weil man es nicht besser kann.

[00:36:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine Emotionen nicht im Griff, die übersprudeln einfach und dann kommen
eben die vier Stressreflexe.

[00:36:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man emotional überlastet ist, also System Overflow im emotionalen
Hirn, da kann die Vernunft nicht mehr steuern und darum müssen beide runterfahren,
erst dann kann man wieder vernünftig miteinander reden.

[00:36:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Regeln durchsetzen wollen, müssen sie selber immer in einem ruhigeren
Zustand sein.

[00:36:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mindestens ruhiger sein als das Kind.

[00:36:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auch nur Menschen, sie sind keine Roboter, sie dürfen von mir aus auch ein
bisschen Emotionen haben, aber sie sollten ruhiger sein als Kind.

[00:37:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ganz starke Emotionen haben und die nicht beherrschen können, dann sage
ich immer, dass sie an die Decke schiessen dürfen, nicht auf das Kind.

[00:37:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so verrückt. Ich könnte aus der Haut fahren und ich könnte jetzt von mir aus
alles zusammen treten.

[00:37:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind losgehen.

[00:37:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Emotionen zeigen, aber so in die Luft schiessen.

[00:37:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Hochzeit wird auch in die Luft geschossen. Manchmal passiert ein Unglück.

[00:37:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie das Kind zerstören.

[00:37:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung über Bestrafung funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:39:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Flugzeug muss man auch zuerst die Maske selber anziehen und dann dem Kind die
Mask anziehen.

[00:39:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geiselnahme muss man zuerst sich selber beruhigen, bevor man irgendeinen
Eingriff macht.

[00:39:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden auch viele Fehler gemacht. Dann wird es gefährlich.

[00:39:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
War es früher einfacher?

[00:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde eher ein autoritärer Erziehungsstil praktiziert. Alle mussten sich dem
unterordnen.

[00:40:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Klassen sind schwieriger zur führen als grosse Klassen. Es gibt lauter
individuelle Unterschiede. Die Gruppe hilft nicht, das Kollektiv zusammen zu halten.

[00:40:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wollen wir eher individualisierten Unterricht, dann haben wir kleinere Gruppen
und wir probieren, jedem Kind gerecht zu werden. Das kann sehr schwierig sein.

[00:40:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben einen Burnout und mögen nicht mehr.

[00:40:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird politisch riesig diskutiert: ist der Inklusivunterricht gut? Ist der gescheitert?

[00:40:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Parteien diskutieren zusammen.

[00:40:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Politiker diskutieren miteinander, was gut ist für die Kinder, ohne dass sie eigentlich
etwas von der Sache verstehen.

[00:41:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz ehrlich bin, sage ich: wer geht in die Schulpflege, wer wird Schulpflege
Präsident? Das sind häufig Leute, die eine politische Karriere hoch gehen wollen. Den
meisten geht es nicht um die Kinder.

[00:41:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so schade. Das ist unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir
müssen sorgfältig mit unseren Kindern umgehen.

[00:41:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind eigenwillig.

[00:41:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ADHS/ADS Kinder in der Schulklasse mit seinem Verhalten nicht zum
Einlenken bringt, dann muss man sie eher rausnehmen.

[00:42:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Schulinseln. Eine Abwechslung kann gut tun.

[00:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, das Kind vor der ganzen Klasse in die Knie zu zwingen.

[00:42:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe einige Opfer, wo das gemacht wurde. Die werden in der Zukunft immer die
Schule verweigern. Das ist gar nicht gut. Einer konnte nicht gut lesen.

[00:42:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt mit ADHS/ADS eine Dyslexie, Dyskalkulie. Das wird häufig zusammen
vererbt.

[00:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind vor der Klasse zwingen will, weil man nicht blöd dastehen will von
der Klasse, gewinnt meistens das Kind.

[00:43:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann die anderen Schüler besser hinter sich bringen und dann verliert der
Lehrer oder die Lehrerin ihr das Gesicht.

[00:43:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht geht, lieber aufhören und irgendwas ganz anderes machen.

[00:43:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man zu Beschämungsmethoden über, darf man die nur anwenden wenn es um
Leben und Tod geht. Wenn ein Eskimo Kind im Frühling auf das langsam brüchige Eis
geht, wird es vor der ganzen Gruppe beschämt.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Da wollen wir Aversionsverhalten. Man möchte, dass das Kind dies nie
mehr tut.

[00:44:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind für seine Lesestörung beschämt von der Klasse oder für seine
Clown Unterhaltung, dann tut man sein Selbstwertgefühl mindern. Die ganze
Persönlichkeitsentwicklung wird beeinträchtigt.

[00:44:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Probleme unter den Kindern, kann man keines bestrafen und das andere
bekommt keine Strafe. Nicht mit Täter und Opfer Kette vorgehen. Es gibt keinen
Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es immer eine lange Kausalkette.

[00:44:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen: was ist das Problem zwischen den zwei Kindern und wie
können wir das Problem lösen?

[00:45:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn wir das ADHS/ADS Kind mit in die Problemlösung einbeziehen. Dann
kommt wieder die intrinsische Motivation, die Eigenbeteiligung.

[00:45:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern sind von ihrem Wesen her sehr empathisch und hilfsbereit. Sie
wollen helfen. Man kann sie immer in die Problemlösung mit einbeziehen.

[00:45:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können weniger gut Regeln einhalten. Rechtschreiben lernen ist
Regeln lernen. Sie sind schlechter im Regeln lernen. In den Neuropsychologischen
Tests kann man das sehen.

[00:45:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Arbeitsgedächtnis, das Speichergedächtnis spielt eine Rolle.

[00:46:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn es ADHS/ADS Kinder in der Schule hat, dass man vor der ganzen
Klasse seine Regeln am Anfang sagt und nicht erst dann wenn die Regeln übertreten
werden.

[00:46:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald die Regeln übertreten werden, ist man schon zu spät. Dann ist man hinter der
Bewegung.

[00:46:28.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lohnt es sich, ein wenig autoritär aufzutreten: ich möchte es in meinem Unterricht
so und so.

[00:46:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur fünf Regeln als zwanzig Regeln.

[00:46:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles aufschreibt und an die Wand hängt und erwartet das Kind wird das
alles machen, das geht nicht.

[00:46:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen alle persönlich gesagt werden, persönlich durchgesetzt werden.

[00:46:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen so wie beim Geld, die müssen mit Golddeckung hinterlegt sein,
also mit ihrer emotionalen Haltung hinterlegt sein.

[00:47:05.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Regel selber durchsetzt. Hier kommt wieder das "ich will"
von Jesper Juul.

[00:47:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das in meiner Stunde so.

[00:47:18.773] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regel ganz persönlich vertreten.

[00:47:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem Kind, welches eine Dyskalkulie hat.

[00:47:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt grosse Diskussionen. Wer bezahlt nun? Die IV? Die Schule?

[00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind intelligent, hat aber auf einem Gebiet einen Schwäche, dann wird sein
Selbstwertgefühl laufend beeinträchtigt. Das müsste nicht sein.

[00:48:25.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird und es kommt dann in
Pubertät und dann wird nochmal alles schlimmer.

[00:48:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir viele psychiatrische Fälle.

[00:48:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderpsychiatrie, die Jugendpsychiatrie ist übervoll.

[00:48:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle müssen Abklärungen machen. Man muss zum Teil bis zu zwei Jahren warten.

[00:48:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber schon in der Schule schauen, dass das Kind in dieser Hinsicht Unterstützung
bekommt, damit es kein schlechtes Selbstwertgefühl haben muss.

[00:49:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: das Frühfranzösisch muss man wieder abschaffen. Das ist eine falsche
Idee gewesen.

[00:49:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man es abschaffen muss.

[00:49:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Lehrerin.

[00:49:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele meiner Kinder mit ADHS/ADS haben das Französisch abgewählt.

[00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat viele Regeln. Man kann viele Fehler machen.

[00:49:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben da ganz speziell Probleme damit, auch wenn sie nicht
unbedingt eine Dyslexie haben.

[00:49:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Schulkollegin, die unterrichtet Französisch.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch ist eine melodiöse Sprache. Diese Kinder müssen das Französisch über
das Reden lernen, über die Melodie.

[00:50:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in den Fluss reinkommen von der französischen Melodie. Dann haben sie
mehr Freude daran. Zuerst französische Lieder singen.

[00:50:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man: Zweisprachigkeit ist natürlich ein Vorteil für Kinder,
dreisprachig noch besser.

[00:50:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht speziell begabt ist in der Sprache, dann ist es eher ein Nachteil.

[00:50:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es besser, wenn man weniger Fremdsprachen gleichzeitig lernt.

[00:50:40.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, dass für ADHS/ADS Kinder das Lernen von zwei oder mehr
Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch eine
Überforderung sein kann.

[00:51:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen dürfen mehr Freiheit walten lassen.

[00:51:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle fest, dass die Lehrpersonen ihre Freiräume nicht ausnützen.

[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so stark der Bürokratie folgen, mehr der Situation folgen. Das Resultat zählt. Es
zählt nicht, ob wir jetzt alles brav gemacht haben, wie uns vorgeschrieben worden ist.

[00:51:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dem Papiertiger folgen, sondern der Realität und ein gutes Resultat mit den
Kindern erreichen.

[00:51:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lehrerin wurde kritisiert, dass sie zu viel Wohlfühl Stimmung macht. Sie hatte
auch ein paar Krisen. Alle Eltern waren sehr zufrieden mit ihr. Die schwierigen Schüler
hat sie mir mit besprochen.

[00:52:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind zählt mehr als der Paragraf.

[00:52:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich den Freiraum zu nutzen. Schlussendlich kommt es auf das Kind an
und nicht auf unsere Vorschriften.

[00:52:39.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss für das Kind da sein und nicht das Kind für die Schule.

[00:52:57.640] – Bemerkung 1
Als Lehrperson sind wir im Spagat wie man das machen soll im Schulsetting und wie ist
das später in der Welt?

[00:53:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: das ist anders. Das ist bei uns anders.

[00:53:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Ausländerkinder.

[00:53:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Klassen mit 90% Ausländerkinder und 10% Schweizer Kinder. Die Schweizer
haben ihre Kinder rausgenommen. Die Eltern haben angefangen Albanisch-
Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie haben den Tonfall der Albaner angenommen.

[00:54:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen klar sagen: bei mir im Klassenzimmer wird so umgegangen, wird so geredet.
Auf der Gasse sprichst du vielleicht anders. Hier möchte ich es so.

[00:54:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir es alle richtig machen. Es geht darum, dass wir die
Unterschiede anerkennen.

[00:54:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir läuft es so, bei dir zu Hause läuft es vielleicht ein bisschen anders.

[00:54:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann auch das Umgekehrte, dass Mütter von Akademiker Kindern sagen: da ist
eine brutale Sprache.

[00:54:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ist zum Teil da. Die Sprache ist mehr brutalisiert worden, was nicht heisst, dass
sie als Lehrerin so reden müssen.

[00:54:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht redet man ein bisschen burschikoser.

[00:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Unterschied aufzeigen.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl lernen: in der Schule läuft es so und zu Hause läuft es so.

[00:54:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die gleichen Regeln überall hat.

[00:54:52.870] – Bemerkung 2
Bei uns herrscht ein sehr geschützter Rahmen. Wie soll man mit den Kindern reden?
Aber die Welt funktioniert nicht so.

[00:55:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind lernt nicht besser laufen, wenn man es schon mit zwei Monaten auf die
Beine stellt.

[00:55:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf den geschützten Rahmen haben.

[00:55:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind kann man auch sagen: bei uns gibt es einen geschützten Rahmen. Ich kann
dich im geschützten Rahmen nicht vorbereiten auf die böse Welt.

[00:55:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind bei ihnen einen guten, geschützten Rahmen hat, dann nimmt das Kind
mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstsicherheit mit, in der Welt zu bestehen.

[00:55:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht die Mutter.

[00:55:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das Kind überall beschützt, dann ist es nicht tauglich für die Welt.

[00:56:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: ich will einen gepflegten Rahmen, damit du stark wirst.

[00:56:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Darauf kann man Bezug nehmen.

[00:56:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen läuft es nicht immer so einfach.

[00:56:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehre läuft es ein bisschen anders.

[00:56:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum bleiben viele Kinder in der Schule. Dort haben sie immer noch den geschützten
Rahmen.

[00:56:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 20 Jahren gehen sie dann in die böse Welt hinaus.

[00:56:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrperson dürfen ihren gepflegten Rahmen behalten. Sie sollen das auch.

[00:56:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind nicht besser auf die Welt vor, wenn sie schon die Rauheit
verkörpern.

[00:56:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen groben Lateinlehrer, der sehr mit dem Herz dabei war. Die Schüler haben
den Lehrer bewertet. Der Lehrer hat ein Kind mit dem Fuss getreten. Das haben alle
gesehen. Der war sonst so engagiert, die haben den Lehrer sehr gut bewertet.

[00:57:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht auf die einzelne Handlung darauf an.

[00:57:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Grundhaltung, welche man zum Kind hat.

[00:57:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind nicht auf die schreckliche Welt vorbereiten.

[00:57:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind besser vor, wenn sie sozial, menschlich gepflegt, wohlwollend,
zusammenarbeitend vorgehen.

[00:57:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegen sie die sozialen Regeln.

[00:58:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht der intelligenteste hat immer Recht.

[00:58:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr auf das soziale Benehmen an. Das ist wichtiger. Damit kommt man
weiter.

[00:58:11.320] – Bemerkung 3
Erziehung mit Bestrafung funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht. Wie funktioniert
Belohnung bei einem ADHS/ADS Kind?

[00:58:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell sage ich, weder Belohnung noch Bestrafung.

[00:58:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist eigentlich, wenn sie eine gute Beziehung haben zum Kind und wenn
sie Freude haben.

[00:58:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Franken für eine gute Note finde ich keine gute Idee.

[00:58:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen eigentlich von sich aus gern.

[00:59:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll etwas Natürliches sein. Das muss nicht mit Geld oder mit Süssigkeit berappt
werden.

[00:59:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht für die Smilies Strategie.

[00:59:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn die Lehrerin Freude hat, dass es gut gemacht wurde und sagt: da
hast du dich super verbessert und wir können noch an dem arbeiten.

[00:59:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist die Beziehung.

[00:59:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, sie dürfen es nicht verwenden. Sie sind frei.

[00:59:56.500] – Bemerkung 4
Wie soll man mit der Mathematik umgehen?

[01:00:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Lerntherapeutinnen, Legasthenietherapeutinnen.

[01:00:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Lerntherapeuten für die Mathematik.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule in Zürich, ist das offensichtlich noch nicht so bekannt.

[01:00:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wehrt sich gegen die Lerntheraphie.

[01:00:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind zu einem Lerntherapeuten schicken, zu einer Aufgabenhilfe.

[01:00:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau haben wir Aufgabenhilfe, wo man nach der Schule noch lernen kann.

[01:00:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Student nehmen.

[01:00:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich besser, wenn es ein Lerntherapeut ist, weil der besser weiss, wo es
knackt.

[01:00:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen extra Coaches.

[01:00:58.070] – Bemerkung 5
Kann man die auch einfach im 1:1 begleiten? Wir können das auch selber anbieten.

[01:01:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[01:01:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn das Kind nicht allzu viele Bezugspersonen hat.

[01:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse das Kind vorführen, das geht nicht.

[01:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei Freddy Knie etwas mit den Pferden nicht geht, dann lässt er es sein und
versucht es ein anderes Mal wieder.

[01:02:06.380] – Bemerkung 6
Ganz individuell.

[01:02:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind mit seinem Nichtkönnen nicht der Klasse vorführen. Das ist eine riesige
Beschämung und dann rechnet man nie mehr.

[01:02:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.

[01:02:28.890] – Bemerkung 7
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie die Beschämung meistens schon erlebt.

[01:02:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man nicht wiederholen.

[01:02:38.130] – Bemerkung 8
Wie kann man den Frust knacken? Wir haben viele, die Mathematik nicht mögen.

[01:02:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind nicht so gut in der Mathe, wird gesagt. Ein Mathelehrer sagte mir, dass
alle gleich sind. Es liegt am Lehrer.

[01:02:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mathe muss man jeden Schritt mitmachen. Wenn man einen Schritt verpasst,
fällt man raus.

[01:03:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache kann man immer wieder reinkommen. Bei der Mathematik nicht.

[01:03:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nicht aufpasst, verpasst es einen Schritt, dann verpasst es
den Anschluss.

[01:03:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einzelbegleitung lohnt sich. Die Schritte einzeln durch gehen lohnt sich.

[01:03:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind etwas nicht gut kann, weicht man aus und lässt das weg.

[01:03:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Demostenes hatte einen Sprachfehler. Er hat Kieselsteine in den Mund genommen.
Damit hat er gegen das Meer geredet.

[01:03:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du etwas lernst, das du nicht so gut kannst, bist du danach doppelt stolz, wenn
du es kannst. Den Ehrgeiz kann man motivieren.

[01:04:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es doch kann, hat man Freude.

[01:04:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden war ein Stotterer. In den Sommerferien hat er geübt fliessend zu reden.

[01:04:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das Kind dazu motiviert, weisst du, es ist an sich eine grössere Leistung,
wenn du das jetzt mit mir zusammen übst, wo du ein bisschen mehr Mühe damit hast.

[01:04:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es kannst, dann hast du doppelte Freude.

[01:04:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Freude am Lernprozess.

[01:05:01.050] – Bemerkung 9
Von welchem Fokus sprechen sie?

[01:05:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe viel mit Erwachsenen um. Der Berufsfokus, was interessiert mich.

[01:05:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern: was interessiert das Kind?

[01:05:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern sagen oft: wenn das Kind nicht gut in der Schule ist, darf es nicht in den Fussball
gehen, wo es gerne geht.

[01:05:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterhin in den Fussball gehen.

[01:05:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind das wegnimmt, was es gerne tut, macht es das andere noch
weniger.

[01:05:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was das Kind gerne macht, sondern das behalten.

[01:05:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivierend: hier können wir noch zusammen üben. Du hast Freude, wenn du es dann
kannst.

[01:06:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ein Hobby haben: Klavier spielen, Geige spielen, Sport, Fussball, die
halten sich dann immer an dem, was sie gerne machen und das ihnen ein gutes
Selbstwertgefühl.

[01:06:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können Profifussballer werden. Nicht alle werden grosse Geigenspieler.

[01:06:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas finden, was das Kind gerne macht.

[01:06:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig machen die Eltern zuviel mit den Kindern.

[01:06:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger tun, dafür das intensiver.

[01:06:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, dass Kinder keine Freizeit mehr haben zum spielen.

[01:06:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder selber nicht mehr beschäftigen können, sind sie nur noch am
Handy.

[01:06:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer die intrinsische Motivation beim Kind finden.

[01:07:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es noch keinen fixen Fokus, sondern die intrinsische Motivation.

[01:07:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander, nicht einfach: wir machen jetzt das.

[01:07:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gruppenunterricht wird das und das gemacht.

[01:07:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Individualunterricht, in der Lerntherapie, du willst oder du solltest besser das lernen.
Wie machen wir das, dass das spassig ist?

[01:07:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Spass hat am Lernen, dann lernt man auch besser.

[01:07:46.440] – Bemerkung 10
Wir haben einige Borderline Mütter. Dort stehen wir an in der Zusammenarbeit mit
ihnen. Man kommt in der Auseinandersetzung nicht weiter. Sie sind wie resistent.

[01:07:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet. Wenn ich eine Borderline-Patientin habe,
dann frage ich immer: wie war ihre Jugend?

[01:08:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mich getrauen, als Fachperson zu fragen: wie haben sie die Schule erlebt
und wie sind sie erzogen worden?

[01:08:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dort alle ein Defizit.

[01:08:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sagen: es geht mich nichts an. Doch es geht einem etwas an. Man will
etwas für das Kind.

[01:08:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter fragen: wie hat ihre Mutter ihnen geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten
in der Schule?

[01:08:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer nach der Beziehung zwischen Mutter und Grossmutter fragen.

[01:08:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung anschauen und sagen: aha, dann verstehe ich.

[01:09:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten sind Menschen, denen alles ein bisschen misslungen ist. Sie
bekommen nicht viel Akzeptanz. Sie machen immer alles falsch.

[01:09:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher wollen sie, dass ihre Kinder es ganz speziell gut machen.

[01:09:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann oft überengagierte Mütter oder vernachlässigende.

[01:09:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wechselt es hin und her. Überengagiert, vernachlässigend, überengagiert.

[01:09:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ein bisschen entlasten von dem Überengagierten und ein bisschen
Verständnis haben, wie sie zu kurz gekommen sind.

[01:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: haben sie jetzt eine Freundin oder eine Tante oder
irgendjemand, der ihnen ein bisschen den Rücken deckt? Man muss ihnen dann ein
bisschen helfen.

[01:09:51.440] – Bemerkung 11
Haben sie erlebt, dass die Veränderungen machen konnten?

[01:09:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!

[01:10:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Frau hat ihre Kinder weg gegeben. Die waren in einer Pflegefamilie. Wir
haben die Kinder zurück geholt. Beide Kinder Kinder haben eine Lehre gemacht.

[01:10:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das merken, wenn sie merken: nicht auf die Mutter los gehen, der Mutter ein
bisschen Unterstützung geben, dann haben sie schon sehr viel gemacht.

[01:10:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.

[01:10:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention der ersten Stunde.

[01:10:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Borderline Mütter sind, versuche ich immer auf die Grossmutter Bezug zu
nehmen und dort ein wenig zu helfen, das ein wenig zu flicken.

[01:10:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die vorgehen, sondern ein Schritt zurück gehen und fragen: wie haben sie
es gehabt.

[01:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde frage ich immer: was sind die Erziehungsmethoden von ihrer
Mutter, von ihrem Vater gewesen?

[01:11:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Was für Wertvorstellungen haben sie gehabt? Was ist ihnen wichtig gewesen? Auf was
haben sie geschaut?

[01:11:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich schon ein besseres Verständnis.

[01:11:18.490] – Bemerkung 12
Verhalten aufzuzeigen, das bringt nicht sehr viel?

[01:11:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Indirekt, in dem sie über die Grosseltern fragen vom Kind, kommen sie besser an die
Person ran. Dann haben sie eine beruhigende Wirkung dort.

[01:11:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten aufzeigt, was sie schlecht machen, das erinnert mich fast so
ein bisschen an, früher, wenn Hunde reingemacht haben, hat man ihnen die Nase in
ihren Urin gedrückt.

[01:11:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war gang und gäbe. Heute sagt man: ganz falsch.

[01:11:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst etwas falsch! Auf das sind sie sehr allergisch.

[01:12:09.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich habe herausgefunden, dass wenn ich so und so mit dem Kind
umgehe, geht es besser. Haben sie das auch schon beobachtet?

[01:12:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich immer: Ich schaue schon, das ist mein Zimmer.

[01:12:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen die Eltern, wie ich mit dem Kind umgehe.

[01:12:25.270] – Bemerkung 13
Man kann sie so ein bisschen ranholen.

[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal mit dem Kind in einer Stunde drinnen sein? Dann sehen sie, wie es läuft.

[01:13:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern. Nicht sagen: du machst es falsch, du musst es
besser machen. Dann wird man sofort zur Konkurrentin der Mutter. Das ist nicht gut.

[01:13:10.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf alles, wenn es einem hilft.

[01:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt eine grosse Rolle, wie man selber erzogen wurde, wie man dann mit seinen
Kindern umgeht. Das wird weiter gegeben. Das können sie durchbrechen.

[01:13:45.340] – Bemerkung 14
Ab welchem Alter macht das Coaching Sinn und macht es auch Sinn, als Eltern von
einem Kind mit ADHS/ADS das Coaching zu machen?

[01:14:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man die Eltern Coachen. Nur die Eltern Coachen. Die Eltern sind am
meisten um das Kind herum.

[01:14:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer können sich Coaching holen: wie gehe ich mit dem ADHS/ADS Kind um?

[01:14:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird von den Eltern und vom Lehrer erzogen. Die müssen das Coaching
machen. Das Kind braucht keinen extra Coach.

[01:14:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch gar nicht für die Therapie vom Kind.

[01:14:45.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze nur das Umfeld.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal bringen die Eltern das Kind mit. Ich sehe die Interaktion.

[01:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Kindertherapeutin.

[01:14:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Kind nie alleine therapieren.

[01:15:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal lasse ich die Eltern das Kind mitbringen, dann frage ich das Kind aus, habe
noch einen besseren Überblick.

[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht das Kind beraten.

[01:15:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen Bezugspersonen soll man beraten, coachen, damit sie lernen, mit
dem neurodivergenten Kind geschickter umzugehen.

[01:15:20.080] – Bemerkung 15

Wie sieht das bei den Teenagern in der Pubertät aus?

[01:15:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch.

[01:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet.

[01:15:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Eltern reingeholt.

[01:15:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in der Teenager-Phase ist es ganz wichtig, dass die Eltern lernen, mit den
Teenagern umzugehen.

[01:15:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten beginnen im Teenageralter.

[01:15:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort läuft es schief.

[01:15:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht das Kind korrigieren. Ich muss das Umfeld korrigieren, damit das
Umfeld mit den neurodivergenten Teenagern umgehen kann.

[01:16:00.730] – Bemerkung 16
Wie ist es mit der Medikation, Methylphenidat? Das ist auch eine Therapieform.

[01:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Methylphenidat und alle die ähnlichen Medikamente sind Stimulanzien. Die bewirken im
Gehirn, dass man mehr gestresst ist. Wenn man mehr gestresst ist, fokussiert man sich
mehr. Das hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren.

[01:16:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson sagt: du musst das Medikament nehmen.

[01:16:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: nein, das will ich nicht.

[01:16:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen bestimmen, ob das Kind Medikamente nehmen muss oder nicht.

[01:16:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch.

[01:16:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe nicht nur als Erstes.

[01:16:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem erwachsenen Pärchen nehmen es beide. Das ist für die wie Tag und Nacht,
die haben Freude. Dem Kind wollen sie es noch nicht geben.

[01:16:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind schon sehr früh Ritalin gibt, dann werden all diese kreativen
Fähigkeiten verdrückt.

[01:17:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind all diese Reaktionen ein Feedback: es läuft etwas nicht ganz richtig.

[01:17:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter von dem Kind, die macht jetzt Homeschooling und geht raus in den Wald.

[01:17:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kontrolle kam nach Hause. Das Kind hat einen Vortrag vorbereitet, er hat das
perfekt gemacht und die waren total beeindruckt. Das Kind war nachher kaputt.

[01:17:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder konzentrieren müssen, kostet sie das mehr Energie als
bei einem Normotyp.

[01:17:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen immer alle ihre Schafe sammeln, damit die an das richtige Ort gehen.

[01:18:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Medikamenten kann es gut sein, dass die Note um einen Punkt hoch geht.

[01:18:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man in der Schule lernt, ist nicht alles.

[01:18:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen ist auch wichtig, das Kreative ist auch wichtig.

[01:18:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Abwägen.

[01:18:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keinen Eltern oder keinem Kind Methylphenidat.

[01:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht als erstes: das ist die Lösung.

[01:18:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer das Umfeld dazu zu bringen, dass es lernt, mit dem Kind
umzugehen.

[01:18:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Noten noch nicht so wichtig sind und wenn es dem Kind egal ist, wenn es nur
einen Vierer hat, ist es okay.

[01:18:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ja durch.

[01:18:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ehrgeizigen Eltern nachrennen.

[01:19:03.090] – Bemerkung 17
Bei uns geht es um den sozialen Stress. Dort hat es einen Erleichterung gegeben.

[01:19:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das soziale Setting?

[01:19:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen, waren die Kinder früher auf der Weide.

[01:19:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Reiche Familien haben sie auch auf Weide getan.

[01:19:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles durchgetaktet. Die Kinder haben weniger Zeit um einfach zu spielen,
nichts zu machen.

[01:19:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Die heutigen Kindern sind zu stark eingeengt.

[01:19:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder Waldschule, Erlebnispädagogik, etc. Dort kommt es wieder
rein.

[01:19:57.090] – Bemerkung 18
Unsere Kinder sind eher im Vakuum. Die Eltern haben kein Freizeitverhalten.

[01:20:18.220] – Bemerkung 18
Die Geschichte unserer Kinder hat sich über die Jahr verstärkt.

[01:20:24.390] – Bemerkung 18
Wir haben das Know-How nicht, um die ganzen familientherapeutischen Sachen zu
machen.

[01:20:44.700] – Bemerkung 18
Das ist ein Dilemma.

[01:20:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von wohlhabenden Eltern haben in den Sommerferien unterschiedliche
Aktivitäten.

[01:20:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisieren die Schulen nichts?

[01:21:18.980] – Bemerkung 19
Es geht um die Finanzierung.

[01:21:19.100] – Bemerkung 19
Für gewisse Mädchen ist es schwierig irgendwohin zu gehen.

[01:21:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann eine Auszeit organisieren im Val Müstair. Das ist eine andere Gegend. Eine
Auszeit bei Bauern, eine andere Aufgabe. Das ist ein Sozialprogramm.

[01:22:08.890] – Bemerkung 20
Das ist eine gute Idee.

[01:22:09.080] – Bemerkung 21
Es beginnt im Alltag. Sie kommen Abends nach Hause und versumpfen an ihrem
Smartphone. Das Freizeitsverhalten ist gleich null. Die sozialen Beziehungen fehlen
auch.

[01:22:09.290] – Bemerkung 21
Das mit der intrinsischen Motivation ist ein grosses Thema.

[01:22:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand muss mit den Kindern private Projekte begleiten.

[01:22:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie nicht noch zusätzlich tun. Dazu braucht es noch andere Leute.

[01:22:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab der Pubertät kommt es manchmal ein bisschen.

[01:22:51.320] – Bemerkung 22
Wir sind in einem Schulinternat. Unsere Mädchen haben gar keine Peers. Sie haben die
Herkunftsfamilie im System und sonst kennen die niemanden.

[01:23:10.010] – Bemerkung 22
Es gibt noch Vereinstätigkeiten.

[01:23:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie die Organisation Shelter Schweiz?

[01:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.shelterschweiz.ch/

[01:23:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Familienorganisation, welche Kinder platziert, die nicht zu Hause bleiben
können. Das ist weil es nicht funktioniert. Vielleicht bieten die auch Ferienplätze an.

[01:23:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Jugendliche wollte ich in den Landdienst und ging auf Grindelwald zu einer
Bergbauernfamilie. Ich war dort für vier Wochen.

[01:24:15.020] – Bemerkung 23
Es gibt einzelne Anbieter. Es immer finanziell eine Geschichte. Die sind immer gut
ausgebucht. Man muss weit im voraus planen. Für das Kind kann man nicht so weit
planen.

[01:24:33.380] – Bemerkung 24
Wir arbeiten auch mit Entlastungsfamilien, wenn es zu Hause viel zu Krisen kommt. Es
ist schwierig diese Plätze und die Finanzierung dafür zu bekommen.

[01:24:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie zu den Entlastungsfamilien?

[01:24:55.820] – Bemerkung 25
Wir haben welche, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Es gibt auch externe
Anbieter. Wer hat Platz und wer nicht?

[01:25:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel haben sie da?

[01:25:10.020] – Bemerkung 26
Zur Zeit ca. drei. Die sind an die Mädchen gebunden und gehen über das KESB, die
Beistandschaften. Wir haben nur den Schulauftrag.

[01:25:31.420] – Bemerkung 26
Weil sie in der Schule aufgefallen sind, kommen sie zu uns.

[01:25:34.300] – Bemerkung 26
Nach der letzten Massnahme kommen die zu uns.

[01:25:53.420] – Bemerkung 27
Die sozialen Interaktionen fallen den Mädchen schwerer.

[01:26:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Mädchen sind da vorsichtiger.

[01:26:11.590] – Bemerkung 28
Was heisst Freundschaften zu pflegen? Die werden einem nicht vorgelebt.

[01:26:13.600] – Bemerkung 28
Die Eltern sind selber nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen.

[01:26:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn sie Zugriff auf Ferienprogramme hätten, die nicht wahnsinnig teuer
sind.

[01:27:07.120] – Bemerkung 29
Ich habe noch eine Frage zur intrinsischen Motivation. Wie kann man diese wecken?

[01:27:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind zuerst gut erfassen, was es für ein Typ ist. Wofür interessiert sich
das Kind? Was macht das Kind nicht gerne? Dann darf man das Kind ein wenig necken.
Das ist bei jedem Kind anders.

[01:27:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken muss auch zu ihnen passen.

[01:27:55.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Thema gerne haben, lustig finden, interessant finden. Es muss auch zu
ihrem Typ passen.

[01:28:01.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder merken sofort, wenn etwas gespielt ist. Sie sind speziell sensibel auf
Unehrlichkeit. Man muss diesen Kindern gar nichts vormachen.

[01:28:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Borderline Personen.

[01:28:52.358] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es lustig haben mit ihnen.

[01:28:53.420] – Bemerkung 30
Geht ADHS/ADS/ASS alles unter einen Hut der Neurodivergenz?

[01:29:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:29:24.550] – Bemerkung 30
Man klärt dann noch ganz viel ab.

[01:29:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das absolut unnötig.

[01:29:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet viel Geld, ist viel Aufwand und es kommt immer wieder das gleiche raus.

[01:29:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn kann verschiedene Varianten von Dysfunktionen
machen. Es geht immer um das Gehirn.

[01:29:54.070] – Bemerkung 31
Das wollte ich noch einmal hören.

[01:29:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen immer eine Diagnose haben.

[01:29:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Ehrgeiz, wenn man eine seltene Diagnose findet, kann man seinen
Namen dran hängen.

[01:30:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.

[01:30:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[01:30:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im zweiten Weltkrieg versucht die Kinder zu beschützen, damit sie nicht
umgebracht werden.

[01:30:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte, dass die alle ganz wahnsinnig gescheit sind. Er nannte das Asperger.
Asperger ist ASS, Autismus Spektrum-Störung.

[01:30:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute möchte man auch von der ADHS/ADS Spektrum-Störung sprechen.

[01:31:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von ADHS ohne Hyperaktivität.

[01:31:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von ADHS/ADS.

[01:31:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei allen beobachten, interagieren und schauen was geht.

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Wie schätzen sie das PDA (Pathological Demand Avoidance) ein?

[01:31:34.668] – Bemerkung 32
https://en.wikipedia.org/wiki/Pathological_demand_avoidance

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Die darf man ja nicht unter Druck setzen. Ich darf nicht direkt etwas fragen.

[01:31:35.030] – Bemerkung 32
Bei uns sind die ganzen Systeme lahm. Alles hat eine lange Geschichte.

[01:31:36.230] – Bemerkung 32
Soll man nach dem PDA Prinzip arbeiten.

[01:32:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, dann fördert man die Pathologie.

[01:32:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre gesunde Sensibilität verwenden.

[01:32:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weichen aus. Jedes Kind weicht aus, wenn es etwas nicht so gut kann.

[01:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zu einem Kind haben, können sie sich alles leisten, wenn sie
selber ihre Sensitivität verwenden.

[01:32:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach einem Programm vorgehen.

[01:32:34.610] – Bemerkung 33
Gewisse Schülerinnen kommen sehr unregelmässig. Das geht in den
Schulabsentismus rein. Da stehen wir an.

[01:33:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind viel fehlt, muss man nach Hause gehen und versuchen herauszufinden
wieso das Kind fehlt.

[01:33:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Ausweichverhalten, weil das Kind etwas nicht kann. Das andere ist
Ausweichverhalten, weil das Kind mit einem Klassenkollegen Probleme hat. Vielleicht
will es die Lehrerin nicht enttäuschen.

[01:33:58.970] – Bemerkung 34
Wie gehe ich mit dem Ausweichverhalten um?

[01:34:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragen: was ist der Grund, wieso du ausweichst? Wem gehst Du aus dem
Weg?

[01:34:19.660] – Bemerkung 34
Ihr fällt die soziale Interaktion in der Gruppe sehr schwer.

[01:34:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Lehrer begleitet in der BEZ.

[01:34:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge ist immer ausgewichen.

[01:34:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten ein Sitzung mit der Klassenlehrperson, den Eltern und der Schulleitung, ohne
Kind.

[01:34:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorgeschlagen, dass immer ein Kind der Klasse den Jungen begleitet. Ein
Tutor, der neben ihm sitzt, ihn beschützt, ihn begleitet und auch ein bisschen kritisieren
darf. Die Mädchen haben begonnen. Die ganze Klasse hat mitgemacht. Er war immer
im Zweierpack mit jedem zusammen.

[01:35:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines Tages ist er wieder geflüchtet. Das war eine Turnstunde. Ein Mädchen hätte ihn
begleiten müssen, durfte aber nicht mitgehen.

[01:36:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir dort in den Sinn gekommen.

[01:36:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gross sind ihre Klassen?

[01:36:17.360] – Bemerkung 35
6 Kinder wobei oft nur 3 kommen.

[01:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kleine Gruppe.

[01:36:37.310] – Bemerkung 36
Die haben zum Teil ein sehr lange Diagnoseliste mit Ängsten, Zwängen und
Depressionen, Suizidalität, Selbstverletzungen. Wir kriegen die viel zu spät. Das
familiäre System ist auch am Anschlag.

[01:37:24.860] – Bemerkung 37
Das Kind hat das System im Griff, 15 Jahre alt.

[01:37:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange muss die noch in die Schule gehen?

[01:37:44.560] – Bemerkung 38
Ein Jahr ist sie noch verfügt bei uns.

[01:37:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Kind für eine Begabung?

[01:37:58.570] – Bemerkung 39
Sprachen.

[01:38:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will das Kind werden?

[01:38:14.160] – Bemerkung 40
Das ist schwierig herauszufinden, den Fokus zu finden. Was will sie, was will der Vater?
Ursprünglich wollte sie Lehrperson werden.

[01:38:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, hier geht es um einen Fokus.

[01:38:33.760] – Bemerkung 41
Wenn man immer nur ausweicht, lernt man nichts.

[01:38:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht Ausweichverhalten.

[01:38:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einer so kleinen Klasse ist, muss man ihr immer Aufgaben für zu Hause
geben. Was der Vater möchte, was die Mutter möchte.

[01:38:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie behalten die Beziehung zu ihr und geben ihr Heimaufgaben. Du machst mit dir
selber Homeschooling.

[01:39:14.900] – Bemerkung 42
Wir sind auf die andere Schiene gegangen, dass sie kommen muss und hier gefördert
wird. Wir stellen auch Veränderungen fest, dass sie ab und zu auch gerne kommt. Das
entlastet auch die Eltern.

[01:39:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand soviel Widerstand macht, macht man die paradoxe Verschreibung in der
Systemtherapie.

[01:39:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die paradoxe Verschreibung in diesem Fall ist: du musst jetzt zu Hause bleiben, ich
geben dir jeden Tag Aufgaben. Du darfst erst in die Schule kommen, wenn du dazu
bereit bist.

[01:39:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Eltern zu entlasten. Es wäre auch gut.

[01:40:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nur machen, wenn es für sie stimmt.

[01:40:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Faden nicht loslassen.

[01:40:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir haben jetzt abgemacht, dass du kommen musst. Du bist auch
gerne gekommen. Es hat dir auch etwas gebracht. Ich sehe, du schaffst es noch nicht
ganz selber. Ok, jetzt ändern wir die Strategie, jetzt bleibst du immer zu Hause, ich
gebe dir immer die Aufgaben und du musst sie mir dann bringen. Dann wird es
diskutiert.

[01:40:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich das vorstellen?

[01:41:00.350] – Bemerkung 43
Ich habe versucht ihr Vorstellungen ernst zu nehmen.d

[01:41:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es keine Auseinandersetzung.

[01:41:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Alter brauchen wir die Auseinandersetzung.

[01:41:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bösartige Auseinandersetzung. Nicht: du bist falsch. Sondern: ich sehe es so.

[01:41:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich eine paradoxe Verschreibung zu machen?

[01:41:23.880] – Bemerkung 44
Das wäre eine Variante. Das nehme ich mit für das Gespräch.

[01:41:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab jetzt bleibst du zu Hause. Es macht dir so viele Schwierigkeiten in die Schule zu
kommen. Ich will dir nicht weh tun. Du sagst, wann du bereit bist.

[01:41:48.900] – Bemerkung 45
Man muss nicht das Kind therapieren, sondern die Eltern.

[01:41:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist bereits 16 Jahre alt.

[01:41:53.980] – Bemerkung 46
Wieviel Sinn macht es, auch mit den Eltern, dem System zu arbeiten?

[01:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht immer Sinn.

[01:42:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Eltern informieren: ich wechsle jetzt, ich mache es jetzt so. Wenn das
Kind bereit ist, darf es kommen. Das wäre dann intrinsisch motiviert.

[01:42:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen es den Eltern. Sie machen das nur mit dem Kind ab.

[01:42:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mal schauen ob die intrinsische Motivation kommt.

[01:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann interessanter in der Schule zu sein, als zu Hause.

[01:42:48.730] – Bemerkung 47
Wie lange gibt man dem Kind Zeit? Wann verliert man den Faden, wenn das Kind zu
Hause bleibt.

[01:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Faden über die Hausaufgaben muss bleiben. Das geht heute, mit all den
technischen Mitteln.

[01:43:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass es für sie interessant ist.

[01:43:46.940] – Bemerkung 48
Die Systeme mögen nicht mehr tragen zu Hause. Das finde ich ein Dilemma.

[01:44:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sagen: gibt es ein Starbucks, wo sie die Aufgaben machen kann?

[01:44:05.280] – Bemerkung 49
Oder in die Bibliothek senden.

[01:44:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja klar, in die Bibliothek. Die Studenten machen das auch so. Du erträgst die Schule
nicht, du gehst in die Bibliothek und machst dort die Aufgaben.

[01:44:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie in Bezug bleiben und etwas verlangen von ihr. Sie dürfen nicht
aufgeben. Sie geben ihr eine neue Idee und sagen: ich bin gespannt, was du aus dem
machst.

[01:44:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran glauben.

[01:44:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gespannt sind, was sie daraus macht, ist eine Neugier vorhanden. Das ist gut
für sie.

[01:44:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal Aufgaben geben, die mehr dem Vater passen und einmal Aufgaben geben die
mehr der Mutter passen. Dann schauen was geschieht.

[01:45:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist die Interaktion. Sonst bleibt man stehen. Sie dürfen alles erfinden. Die
Kreativität ist wichtig.

[01:45:30.470] – Bemerkung 50
ADHS/ADSler darf man nicht zu eng führen. Wir führen die Mädchen sehr streng. Sie
müssen die Regeln einhalten. Das kann psychische Krankheiten auslösen.

[01:46:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch schwierig. Da sind sie an einem blöden Punkt.

[01:46:15.130] – Bemerkung 50
Die Beziehung ist wichtig.

[01:46:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder in die Auseinandersetzung gehen und nicht in Gehorsam.

[01:46:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben strenge Regeln. Keine Regel ohne Ausnahme. Ab und zu macht man eine
Ausnahme, meistens nicht. Da müssen sie schauen.

[01:46:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dich jetzt ganz alleine hätte, dann könnte ich das alles zulassen. Aber wir sind
da diese Institution und da funktionieren wir nicht, wenn wir nicht gewisse Regeln
haben.

[01:46:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sich alle ein bisschen daran halten.

[01:46:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du das lernst.

[01:47:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Kindern, welche nicht ausziehen wollen oder die nichts machen, sage ich: was
denkst du, wie lange du hast, bis du das gelernt hast?

[01:47:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, es ist für dich schwierig, Regeln zu lernen, aber wir müssen alle Regeln
lernen.

[01:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkst du? 20 Jahre? Bis ans Lebensende. Dann langsam runter kommen.

[01:47:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Es wird ein Wetten.

[01:47:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: ich will dass!

[01:47:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu fest diesen Druck, sondern miteinander ein bisschen wetteifern.

[01:47:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf das Mädchen und sie darauf an.

[01:47:39.920] – Bemerkung 51
Ich finde wir sind hoch präsent und es gibt einen Rahmen. Ich finde, das ist ein
Unterschied.

[01:47:50.060] – Bemerkung 51
Bei einem Haufen ADHS/ADSler braucht man diesen Rahmen. Viele kriegen
Unterstützung im sozialen. Sonst läuft es aus dem Ruder.

[01:47:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[01:48:17.420] – Bemerkung 52
Das ist mein Schulzimmer, ich will, dass es in meinem Schulzimmer so läuft und
"Regeln".

[01:48:31.900] – Bemerkung 52
Respektvoller Umgang ist eine Regel und auch eine innere Haltung. Das ist fluid.

[01:48:46.400] – Bemerkung 52

Sobald du es erklären kannst, dass es aus einer inneren Haltung kommt, ist es für das
Kind auch objektiv.

[01:48:48.130] – Bemerkung 52
Wenn es einfach heisst: ich will das jetzt so, weil ich das so will, dann ist das etwas
anderes. Weil es so ist.

[01:49:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln muss persönlich vertreten sein. Absolut. Sonst geht es nicht. Sie muss total
persönlich vertreten sein.

[01:49:09.180] – Bemerkung 53
Es ist wichtig für dich, dass du das lernst, weil du das später brauchst.

[01:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, ob der Augenkontakt vorhanden ist oder nicht.

[01:49:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen und dann warten. Merkst du was ich meine? Überleg es dir mal und morgen
sprechen wir wieder darüber.

[01:49:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ewig lange warten, bis sie es haben.

[01:49:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional Geduld haben, dass es rein geht.

[01:50:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte zu mir: ich war konsequent inkonsequent.

[01:50:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das funktioniert nicht. Nicht drücken.

[01:50:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit lassen, dass es das Kind bei sich selber intrinsisch einbauen kann.

[01:51:26.420] – Bemerkung 54
Unsere Schule sagt, das ist eine Behinderung.

[01:52:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Behinderung ist alles eine Definitionssache.

[01:52:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System oder im regulären Schulsystem sagt man dem: Behinderung.

[01:52:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen es als Neurodiversität, als Unterschied an.

[01:52:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Veranlagung ist einerseits eine Handicap oder ein Plus.

[01:52:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: inwiefern ist es ein Plus?

[01:52:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler wünschen, dass sie es nicht haben, dann würden sie nicht alles
merken, dann würden sie nicht so stark leiden.

[01:52:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil.

[01:52:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Das medizinische System bezeichnet es als Behinderung.

[01:52:51.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bezeichnen es als anders, als Neurodiversität.

[01:52:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Evolution wäre nicht vorwärtsgekommen, wenn man nicht so viele
unterschiedlichen Menschen gehabt hätte.

[01:53:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles hat seine Vor-und Nachteile.

[01:53:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur auf die Nachteile fokussieren oder man kann auf die Vorteile fokussieren.

[01:53:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier arbeite ich jetzt mit meinem Nachteil aber ich nütze auch meinen Vorteil.

[01:53:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glas ist halb voll oder halb leer.

[01:53:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch ausgedrückt ist das Glas immer halb leer, pädagogisch ausgedrückt ist es
halb voll.

[01:53:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben weiter.

[01:53:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Weg ist das Ziel. Wir haben es beide interessant.

[01:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass eine interessante Interaktion läuft.

[01:54:14.560] – Bemerkung 55
Die Eltern sagen immer: das ist eine Schule für Behinderte.

[01:54:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein alter Ausdruck. Der moderne Ausdruck ist, das ist eine Schule für
neurodivergente Kinder.

[01:54:30.260] – Bemerkung 56
Das ist ein Hinterfragen von uns.

[01:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin macht immer Symptombekämpfung.

[01:55:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alle negativen Symptomen bekämpfen, hier funktioniert das medizinische
Modell nicht richtig.

[01:55:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von der Neurodiversität. Wir sind eine Schule für neurodivergente Kinder. Wir
wollen denen eine Möglichkeit geben, dass sie sich in diesem Umfeld entwickeln
können.

[01:55:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht die Behinderung wegmachen.

[01:55:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Neurodivergenz umzugehen.

[01:55:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Silicon Valley hat es lauter ADHS/ADSler.

[01:55:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist ein Autist. Er hat sehr viel Geld verdient.

[01:55:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Er hatte wohlhabende Eltern, die
standen immer hinter ihm.

[01:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mozart war ein ADHS/ADSler.

[01:55:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht behindert. Er war begabt. Sein Sohn wurde schizophren.

[01:56:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Schule können wir mit neurodivergenten Kindern besser umgehen. Wir sind
spezialisiert.

[01:56:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg von dem Wort "behindert". Wir sind alle irgendwie behindert. Das ist immer eine
Sache der Betrachtung. Das ist Sprache.

[01:57:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchen Situationen haben sie am meisten Mühe?

[01:57:35.630] – Bemerkung 57
Wenn die Person zu introvertiert ist, vermeidend, verdrängend. Extrovertiert ist
einfacher.

[01:57:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Introvertierten muss man unglaublich geduldig werden.

[01:58:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Patient hat nicht gesprochen. Er hat sich auf die Couch gelegt. Das war eine
friedliche Stimmung. Die Mutter wollte, dass er unbedingt kommt.

[01:58:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat mir das beigebracht. Wenn man mit den Patienten nicht
weiterkommt, nichts mehr bewirken wollen, sondern einfach etwas lernen wollen.

[01:58:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere gut zu beobachten, aber ich will gar nichts bewirken.

[01:59:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu darf man etwas sagen.

[01:59:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Mütter mit schwierigen Teenager sage ich: sie dürfen ihre Position beziehen, aber
sie dürfen nichts bewirken wollen.

[01:59:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind enorm sensibel, wenn man Druck auf sie aufsetzt.

[01:59:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht bei allem mitmachen. Kein Druck aufsetzen, aber dennoch: ich sehe es
so.

[01:59:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen doch etwas zur Verfügung stellen.

[01:59:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man ihnen auch nur Ruhe zur Verfügung stellen.

[01:59:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand fragte mich: muss ich noch weiter zu ihnen in Therapie kommen? Nein, das
müssen sie nicht. Bis jetzt wollte es immer die Mutter. Sie dürfen aus eigener Initiative
kommen.

[02:00:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat immer geredet. Mit der Zeit hat der Sohn auch angefangen zu sprechen.

[02:00:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schule muss man etwas erreichen. Versuchen sie zu meditieren in der Anwesenheit
oder etwas zu machen.

[02:00:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht aufgeben, wenn die nicht mitmachen.

[02:00:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Penelope hat an ihrem Schleier gestrickt, während ihr Mann abwesend war. Wohlwollen
anwesend sein. Weniger ist mehr. Ihre wohlwollende Anwesenheit ist schon sehr
wertvoll.

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Penelope_(Mythologie)

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ehrgeiz zurückfahren. Nicht rumlaufen; sein.

[02:01:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz

In Königsfelden gab es Möglichkeiten zur Beschäftigung. Die konnten einfach ins Kaffee
kommen und zuschauen.

[02:02:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zuviel etwas wollen, setzen wir Druck auf und bewirken genau das Gegenteil.

[02:03:09.230] – Bemerkung 58
Herzlichen Dank!

Erziehungsstil, Emotionskontrolle

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

19.5.2025
Erziehungsstil, Emotionskontrolle
Audio

[00:00:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse euch alle ganz herzlich zu dieser Weiterbildung.

[00:00:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche über Erziehungsstile und Emotionsregulation.

[00:00:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich meine beruflichen Erfahrungen anschaue, wie ich mit den Patienten umgehe,
muss ich häufig Erziehungsfehler, Erziehungs-Missgeschicke usw. ausgleichen, über
Jahre hinweg.

[00:00:37.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Eltern bei den Kindern kaputt gemacht haben, muss ich dann als
Bezugsperson langsam wieder korrigieren.

[00:00:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich nicht so schnell möglich, wie bei einem Kind.

[00:00:56.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem Kind kann man mit der Erziehung viel schneller etwas verändern, bei den
Erwachsenen braucht es länger. Es lässt sich korrigieren.

[00:01:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehungsstile in der Kindheit beeinflussen die Emotionsregulation im
Erwachsenenalter.

[00:01:24.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe einen Fragebogen entwickelt über Erziehungsstile.

[00:01:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehungsstile kann man unterschiedlich einteilen.

[00:02:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meist verwendete Erziehung ist Erziehung durch Strafen und Belohnen.

[00:02:08.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Konditionierung.

[00:02:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verhaltenstherapie hat diesen Modus aufgenommen.

[00:02:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin erstaunt, wie viel Erziehung in der Schule noch heute über Belohnung und
Bestrafung läuft.

[00:02:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht bei Durchschnittsmenschen nicht so schlecht und hat sich bewährt.

[00:02:40.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern funktioniert das überhaupt nicht.

[00:02:45.650] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben mehr Probleme mit Impulskontrolle, Emotionskontrolle.

[00:02:50.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Impuls wird von den Emotionen gesteuert.

[00:02:56.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Die werden dauernd bestraft. Sie werden in ihrem Selbstwert, in ihrer Selbstwirksamkeit
geschädigt.

[00:03:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was sie tun, ist dann immer falsch.

[00:03:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann zu einem schlechten Selbstwertgefühl führen und schlussendlich, entweder
zu einem totalen Rückzugsverhalten oder zu einem Überspringen der Regeln. Das ist
die Delinquenz.

[00:03:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen führt es eher zu einem Rückzugsverhalten, bei den Männern führt es zu
einem Überspringen der Regeln und zur Delinquenz.

[00:03:32.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der kommune Erziehungsstil.

[00:03:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Land, kann der unterschiedlich sein.

[00:03:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiterer Erziehungsstil ist Erziehung durch Angst machen.

[00:03:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Erziehungsstil vom Samichlaus. Wenn du nicht gehorchst, nimmt dich der
Samichlaus mit im Sack.

[00:04:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Angst machen.

[00:04:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Märchen herrscht oft ein Erziehungsstil durch Angst machen.

[00:04:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele alte Geschichten, wo Erziehung durch Angst machen gebracht wird.

[00:04:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über das moralische Empfinden vom Kind und über die Angst.

[00:04:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Erzieht durch Angst ist an sich aus meiner Sicht auch nicht sehr eine gute Erziehung.

[00:04:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie funktioniert, aber sie schädigt auch wieder die Persönlichkeitsentwicklung.

[00:05:01.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt auch die Erziehung durch Beschämung hinzu.

[00:05:10.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Beschämung wird auch in der Schule noch sehr viel gemacht. Das
wurde früher unglaublich viel gemacht und wird auch heute noch gemacht.

[00:05:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Brutalsten, Gemeinsten. Dort tut man das Kind vor der Gruppe
blossstellen.

[00:05:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Beschämung bewirkt eigentlich nur Aversionsverhalten,
Ausweichverhalten.

[00:05:37.990] – Dr.med. Ursula Davatz

In bestimmten Situationen ist das sinnvoll. Das sind ganz wenige Situationen.

[00:05:58.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn im Frühling bei den Eskimos ein Kind auf das Eis geht, wenn es das nicht mehr
tun darf, weil es dann gefährlich wird, dieses Kind wird vor der ganzen Gruppe
beschämt.

[00:06:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das hilfreich, denn man will nicht, dass das Kind dies wieder tut, denn es könnte
seinen Tod bedeuten.

[00:06:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind wegen seiner Legasthenie der Klasse beschämt, ist das nicht sehr
sinnvoll.

[00:06:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt nur mit sich, dass das Kind nicht mehr gerne zur Schule geht, dass es gar
nicht mehr lernen will, dass es nie lesen und schreiben lernt, weil es sich so schämt für
sein sogenanntes Fehlverhalten, respektive sein nicht Können.

[00:06:50.490] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Klasse gab es einen ADHS/ADS Jungen. Der konnte nicht gut schreiben. Er
wurde häufig beschämt.

[00:07:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung bringt in der Tat nur Aversionsverhalten, also Ausweichverhalten mit
sich.

[00:07:19.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Jungen mit Legasthenie (LRS) in der Behandlung. Er hatte 40 Fehler im
Aufsatz.

[00:07:30.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde vor der ganzen Klasse beschämt.

[00:07:34.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war bei mir in der Pubertät. Ich habe ihn nicht in die Schule gebracht. Er hat jeden
Morgen erbrochen, ist ausgewichen, etc.

[00:07:34.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung in der Schule hat dazu geführt, dass er alles was Schule anbetrifft,
verweigert hat.

[00:07:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will der Lehrer nicht.

[00:08:05.350] – Bemerkung 1
Bei den Eskimos ist das sinnvoll, weil das Ziel das Ausweichverhalten ist?

[00:08:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das Aversionsverhalten richtig.

[00:08:20.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, wo man lernen sollte, ist das Aversionsverhalten überhaupt nicht richtig.

[00:08:29.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Dennoch wird es häufig gemacht in der Schule und natürlich auch zu Hause.

[00:08:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dritte Erziehungsstil ist auch ein emotionaler Erziehungsstil, welcher über die
Mutter läuft. Das Auslösen von Schuldgefühlen, über die eigenen Leiden.

[00:08:51.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn du dich so benimmst, macht der Vater einen Herzinfarkt.

[00:08:55.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Du dich so benimmst, kriegt die Mutter einen Asthmaanfall.

[00:08:59.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Drohen mit der Krankheit.

[00:09:08.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann die Erziehungsstelle auch nicht so genau voneinander abgrenzen, aber dort
gehört wahrscheinlich auch das Drohen rein.

[00:09:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du das tust, geschieht das.

[00:09:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das eigene Leiden appelliert dann sofort an die Schuldgefühle und an die Empathie.

[00:09:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mädchen löst das eine Empathie aus, die passen sich dann in der Regel an
und stellen sich selber zurück.

[00:10:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Knaben kann es das Übersprungverhalten auslösen: das geht mich nichts an,
ich weiche aus, ich gehe weg.

[00:10:21.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben können sich oft besser gegen das zur Wehr setzen.

[00:10:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Mädchen sind dann immer rücksichtsvoll, legen ein gewisses Anpassungs-/
Sozialverhalten an den Tag.

[00:10:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit behindern sie ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung.

[00:10:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehungsstile durch Prinzipien mit Regeln.

[00:10:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Regel ohne Ausnahme.

[00:10:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sinnvoll Regeln zu haben. Manchmal werden auch Ausnahmen gemacht.

[00:10:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Ausnahmen müssen diskutiert werden.

[00:11:03.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meine Regel, heute ist Fasnacht, darum können wir diese Regel überspringen.

[00:11:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Regel nie überspringt, lernt das Kind keine Flexibilität.

[00:11:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die übersprungenen Regeln werden diskutiert.

[00:11:18.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter hat gesagt: sie war konsequent in konsequent. Sie hatte ihre Regeln, aber
das Kind hat es fertig gebracht, diese Regeln ständig zu durchbrechen.

[00:11:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich zu viel vorgenommen haben, ist es wichtig, dass sie klar umentscheiden.

[00:11:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte das, ich muss sagen, es geht nicht.

[00:11:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Stau ist, kann man den nicht ändern, dann muss man neu disponieren.

[00:11:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das neue Disponieren muss mit dem Kind zusammen gemacht werden. Dann wird klar
gesagt: hier durchbrechen wir die Regel und machen es anders.

[00:12:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Laissez-Faire Erziehung lässt einfach alles laufen. Ein Kind der Natur.

[00:12:18.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher waren die Kinder im Wald, auf dem Bauernhof, haben zusammen gespielt,
haben eingesteckt, etc. Das ist die anti-autoritäre Erziehung, wo man einfach alles
laufen lässt.

[00:12:50.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Notfall wird eingegriffen, wenn sich zwei den Kopf einschlagen. Dann sagt man
wieder die Regel.

[00:13:16.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene frage ich: was haben ihre Eltern für einen Erziehungsstil gehabt? Wie
haben ihre Eltern den Erziehungsstil durchgesetzt?

[00:13:25.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat diese Prinzipien, wenn die nicht eingehalten werden, dann wird bestraft oder
belohnt.

[00:13:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit dem Kind sprechen.

[00:13:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können ihre Emotionen schlechter regulieren, weil sie sehr sensibel
sind, andererseits auch eine starke Emotionalität haben, ausrasten und sich dann
emotional so genannt schlecht benehmen.

[00:14:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden diese Kinder bestraft für ihr Ausrasten, für ihren Mangel an Impulskontrolle,
dann behindert, dämpft man ihre Persönlichkeitsentwicklung.

[00:14:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel gibt es immer zwei Eltern, manchmal kommt noch eine Grossmutter oder
ein Grossvater dazu. Dort kommen andere Erziehungsstile rein.

[00:14:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter ist zum Beispiel sehr streng erzogen worden mit Belohnung und Bestrafung.
Sie will ihre Kinder menschlicher erziehen, dann ist man zu Besuch bei der Grossmutter
und dann kommen all die anderen Stile wieder rein.

[00:14:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Diskussion: wer hat jetzt das Sagen?

[00:15:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: bei der Grossmutter läuft es einfach so ab, da muss man sich
anpassen.

[00:15:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Oder die Tochter sagt: das ist mein Kind, ich sage was geht, du hast hier nichts zu
sagen.

[00:15:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es Streit zwischen Mutter und Grossmutter.

[00:15:16.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht nicht mehr zu Besuch oder man zieht aus. Hier können alle möglichen
Dramen passieren.

[00:15:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater hat einen Erziehungsstil, die Mutter hat einen Erziehungsstil, die sind
unterschiedlich.

[00:15:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können dann miteinander kämpfen.

[00:15:53.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Läuft es schief und das Kind wurde delinquent, drogensüchtig, ist oft die Haltung, die
Mutter ist schuld daran, dass das Kind nicht gut raus gekommen ist.

[00:15:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Für alle positiven Sachen ist der Vater Schuld. Dort darf der Vater stolz sein.

[00:15:58.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht aber das sind die gängigen Verhaltensweisen.

[00:16:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann oft die Haltung, Vater und Mutter müssen am gleichen Strick ziehen.

[00:16:13.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich „Strick" höre, dann denke ich sofort: das Kind wird erwürgt.

[00:16:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sagen auch häufig: ich habe immer zwei gegen mich gehabt. Vater und Mutter
haben am gleichen Strick gezogen und ich war in der Ohnmacht.

[00:16:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner therapeutischen Erfahrung sage ich: sie müssen nicht am gleichen Strick
ziehen, aber sie müssen ihre unterschiedlichen Erziehungsstil klar deklarieren.

[00:16:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Vater läuft das so, bei der Mutter läuft das so.

[00:16:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehungsstile zu unterschiedlich sind, dann müssen sie sogar Tage
vereinbaren, wann der Vater zuständig ist und wenn die Mutter zuständig ist.

[00:16:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst tun die einander immer rein reden.

[00:17:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht das Kind schlussendlich, was es will und hat überhaupt keine Regeln. Es
lebt dann einfach nach seinen Regeln.

[00:17:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat dann keinen Referenzpunkt, kann sich nicht ausrichten nach einer
Struktur.

[00:17:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass die unterschiedlichen Verhaltensweisen, die unterschiedlichen
Erziehungsstile klar abgegrenzt werden.

[00:17:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat die Mutter in der Regel die Erziehung gemacht. Ist die Mutter nicht mehr
durch gekommen, hat sie den Vater geholt. Warte nur, wenn der Vater am Abend nach
Hause kommt, gibt es Schläge.

[00:17:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat so den Vater als Autorität verwendet.

[00:17:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so gut.

[00:18:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat zum Teil funktioniert. Der Vater ist eine männliche Figur, hat eine andere
Ausstrahlung und dann hatte man Angst vor dem Vater.

[00:18:10.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist heute nicht mehr die Methode. Heute sind mehr Väter teilweise zu Hause und
übernehmen die Erziehung.

[00:18:12.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute muss der väterliche und der mütterliche Stil klar deklariert werden und klar
abgesprochen werden, wer in einer Situation zuständig ist.

[00:18:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Mutter nicht mehr weiter kommt und der Vater ist zu Hause, kann die Mutter
auch sagen: jetzt gebe ich dich ab an den Vater und er kann weiter schauen.

[00:18:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Übergabe muss klar deklariert werden. Nicht einfach davon rennen und sagen: du
bist ein schreckliches Kind.

[00:18:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Übergaben, die Veränderungen, die Veränderungsschritte, sollten möglichst
benennt und klar deklariert werden.

[00:19:05.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig erlebt man, dass Vater und Mutter zusammen kämpfen: wer hat den besseren
Erziehungsstil.

[00:19:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schweizerin, ADHSlerin, hat zwei kleine Kinder. Ihr Mann ist Albaner. Dort kommt
der autoritäre oder der absolut verwöhnende Erziehungsstil rein.

[00:19:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Vater darf das Kind alles machen, weil der Vater das lustig findet, sie spielen
zusammen.

[00:19:34.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mutter gibt es Regeln. Sie wird dann verrückt, dass der Vater beim Kind alles
durchgehen lässt, wenn sie dem Kind Regeln beigebracht hat.

[00:19:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss die Mutter stark genug sein und sagen: für mich läuft es so. Bei mir möchte
ich, dass es so läuft.

[00:20:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um das Folgen. Es geht darum, dass man sich durchsetzt.

[00:20:02.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter oder der Vater muss sich durchsetzen.

[00:20:08.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass das Kind einfach folgt.

[00:20:11.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr lebendige Kinder, ADHS/ADS Kinder, die folgen häufig nicht.

[00:20:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich nur durchsetzen.

[00:20:19.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man vom Kind gehorsam verlangt, erwartet man eigentlich immer schon eine
Unterordnung.

[00:20:29.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr emotionale, impulsive, temperamentvolle Kinder, die wollen sich nicht
unterordnen.

[00:20:37.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist immer älter, man hat mehr Erfahrung und man sollte eigentlich in der Lage sein,
sich durchzusetzen.

[00:20:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Um sich durchzusetzen, braucht es Geduld.

[00:20:48.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind wir alle gewöhnt, man drückt auf den Knopf und dann passiert das, was man
will.

[00:20:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung geht das nicht.

[00:20:57.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht einfach auf den Knopf drücken und dann macht das Kind genau man
das, was man will, sondern es gibt eine Verzögerung.

[00:21:03.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich durchsetzen.

[00:21:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben Menschen, die Eltern, die Erzieher nicht diese Geduld.

[00:21:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt in der Schule. Ein Durchsetzten braucht Geduld.

[00:21:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sich vor einer Gruppe nicht gegen ein schwieriges Kind durchsetzen, dann
blamiert man sich von der ganzen Klasse.

[00:21:26.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Angst vom sich blamieren, geht man dann zum Teil ungeschickt mit dem Kind um.

[00:21:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sehr kreativ sein und eine neue Lösung finden.

[00:21:40.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht durchsetzen kann, dann funktioniert es nicht, dann muss man
umdisponieren.

[00:21:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es auch wieder wichtig, dass man klar umdisponiert.

[00:21:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erziehungsstil hat einen Einfluss auf die Emotionen und auf die Emotionsregulation.

[00:22:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Was hat das für eine Auswirkung, wie dann das Kind als Erwachsener seine Emotionen
reguliert?

[00:22:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Strafe, Angst machen, über das eigene Leiden, bewirkt eine starke
Emotionskontrolle beim Kind.

[00:22:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen springen eher auf das an, dass sie ihre Gefühle zurück nehmen. Das geht bis
zur Gefühlsunterdrückung. Sie richten sich dann nur noch auf das Gegenüber aus, sei
das die Mutter oder der Vater.

[00:23:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie passen sich an, sie schauen immer, was der andere will.

[00:23:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken schon, wenn die Mutter oder der Vater zur Tür reinkommt, wie die gelaunt
ist. Dann bringt man sich in Deckung, ist brav, ist nett, ist angepasst, ist empathisch.

[00:23:14.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das führt dazu, dass bei ADHS/ADS Mädchen die Diagnose nicht gestellt wird.

[00:23:39.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es: fünf Knaben auf ein Mädchen haben ADHS/ADS.

[00:23:39.602] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute heisst es: 1.5 Knaben auf ein Mädchen.

[00:23:39.699] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gleicht sich langsam an. Das wäre normal.

[00:24:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen wird das ADHS/ADS erst zwischen 35 und 45 Jahren gestellt, weil die sich
so gut anpassen können.

[00:24:06.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt mit sich, dass die Persönlichkeit der ADHS/ADS Mädchen unterdrückt
worden ist.

[00:24:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen machen dann einen Depression. Sie bereifen sich vom engen
Erziehungsstil mit einer Manie, einer bipolaren Störung. Sie überschreiten in der
Pubertät alle Grenzen.

[00:24:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder sie werden drogensüchtig. So kann man die Eltern auch draussen behalten.

[00:24:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwenden auch ihre Sexualität und holen einen Mann rein und sind dann
zusammen stark mit dem Mann. Das hält meistens nicht lange.

[00:24:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben passen sich weniger an. Da passiert wieder das Gleiche: sie sind nur
empathisch und können eigentlich ihr eigenes Temperament, ihre eigene Persönlichkeit,
nicht entwickeln.

[00:25:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bleiben dann meistens zu Hause. Sie heiraten nicht, sie bleiben im Haus.

[00:25:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kampf kommt schlussendlich dann bei der Vererbung. Die Schwestern sind schon
weggegangen. Der Knabe ist immer noch bei der Mutter und wenn es um die Vererbung
des Hauses geht, dann kommt er auf einmal in die Gänge und will alles für sich.

[00:25:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Laisser-Faire, Laisser-Aller, das sind Kinder von der Natur und die
werden über das Leben erzogen, über wie die Sachen, also wie die lebendige Welt auf
sie reagiert.

[00:25:59.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so schlecht.

[00:25:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer kontrollierten, organisierten Welt geht das nicht mehr.

[00:26:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Springt man in der Schule herum, wenn man zuhören sollten, kommt man unter das
Messer, wird bestraft und dann läuft das nicht.

[00:26:18.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen haben früher die Kinder noch im Sommer drei Monate schulfrei
gehabt.

[00:26:33.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mussten auf dem Bauernhof helfen.

[00:26:39.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Umgang mit den Tieren, haben sie einiges gelernt, mit einem Tier kann man nicht
alles machen, man muss sich auch an das Tier anpassen.

[00:26:47.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch ist ein natürliches Lernen in den Ferien passiert.

[00:26:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz

In unseren Flachland Regionen hat man nur vier Wochen Ferien oder fünf.

[00:26:56.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden Lager organisiert und dann muss man sich wieder in diesen Situationen
anpassen.

[00:27:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinn haben wahrscheinlich die Laisser-Faire Kinder keine gute
Impulskontrolle. Sie lernen diese über die Reaktionen vom Umfeld.

[00:27:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit einem Pferd nicht alles tun, mit einem Huhn nicht, mit einem Hund nicht.
Man lernt über verschiedene Lebewesen.

[00:27:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher nimmt sich das das Kind nicht so stark zurück, wie bei der Erziehung durch
Angst machen, krank werden von der Mutter etc.

[00:27:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung durch Prinzipien und Regeln.

[00:27:50.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sieht man einen intellektuellen Erziehungsstil. Das beobachte ich auf der Strasse.

[00:27:59.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter reden auf der Strasse in einem Erwachsenen Stil auf das Kind ein. Dieser Stil
versteht das Kind nicht.

[00:27:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist nicht einfach ein kleiner Erwachsener, es ist auf einem anderen Niveau.

[00:28:16.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet und redet und redet und das Kind versteht gar nichts.

[00:28:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt schnell einen System Overload, wo das Kind nicht mehr weiss, worum es geht.

[00:28:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zu viel erklärt wird, kann das Kind in dem Sinn nur verwirrt werden.

[00:28:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es versteht dann gar nicht, was eigentlich das Prinzip ist in dem Moment.

[00:28:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um Erziehung über Prinzipien und Regeln geht, muss man immer auch auf
das Niveau vom Kind gehen, also auf das Altersniveau vom Kind, und immer wieder
daran denken: wie nimmt das Kind etwas wahr und was kann das Kind verstehen?

[00:29:08.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee hinter der Erziehung über Prinzipien und Regeln ist, dass das Kind die Regeln
dann über nimmt und selber sich organisiert.

[00:29:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter haben oft die Tendenz im Haushalt zu sagen: mach noch das, mach noch das.
Könntest du mir bitte noch das tun?

[00:29:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sagt dann zu Recht: ich bin doch nicht dein Sklave.

[00:29:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist noch nicht alt genug dafür.

[00:29:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich immer: machen sie Regeln. Bestimmen sie Ämter. Schreiben sie
die Ämter auf, visuell. Heute bist Du dran, schau die Regel an.

[00:30:10.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee davon ist, dass das Kind die Regeln internalisiert und dadurch
Sozialkompetenz erwirbt, und dann besser umgehen kann mit seinen Geschwistern
oder auch mit den Klassenkollegen.

[00:30:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter immer noch den Befehl behaltet, dann übernimmt das Kind keine
Verantwortung.

[00:30:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Erwachsene frage ich: wie ist das gelaufen? Hat die Mutter sie immer daran
erinnert etwas zu machen?

[00:30:29.804] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwortet lautet: ja.

[00:30:59.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben sie es nie gelernt. Jetzt müssen sie sich das selber sagen.

[00:31:08.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Mutter ist es einfacher, zu sagen: tu dies, tu jenes. Man ist immer der
Befehlsgeber.

[00:31:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das anpassungsfähige Kind tut dies alles brav, aber es internalisiert nichts.

[00:31:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist nicht so geschickt.

[00:31:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da erzieht man gehorsam aber keine Selbstständigkeit.

[00:31:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen selbstständige Kinder.

[00:31:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Mütter sage ich: nicht einfach befehlen, sondern Regeln klar definieren, die
Regeln an den Kühlschrank hängen. Dann kann man an die Regeln erinnern.

[00:31:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst ist es immer ein Kampf zwischen Mutter und Kind, zwischen Befehl und
Gehorsam.

[00:31:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder folgen nicht gerne. Die müssen intrinsisch motiviert sein.

[00:31:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie intrinsisch motivieren, wenn man ihnen ohne viel reden gewisse
Situationen aufzeigt.

[00:32:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zeigen, was die Regeln sind, warum man diese hat, nicht zu viele
Erklärungen, so will man es.

[00:32:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich will. Ich will, dass dies in meinem Haushalt so gemacht wird.

[00:32:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Du sollst, du musst, das sagt er nicht.

[00:32:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bringt immer sich als Person in die Diskussion.

[00:32:42.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln können internalisiert werden. Dann läuft das von selber.

[00:32:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein schlechtes Beispiel von Befehl und Gehorsam ist Deutschland und der letzte
Weltkrieg.

[00:32:59.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr streng erzogen worden und sind am Ende einem Hitler gefolgt.

[00:33:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn möchte ich, dass das Kind selber mitdenkt.

[00:33:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll selber die Regeln internalisieren, es soll soziale Regeln lernen und selber
entscheiden lernen.

[00:33:16.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:33:24.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch hat soziale Gene, der Mensch hat Sozialverhalten, ohne dass er in die
Sonntagsschule geht.

[00:33:36.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Auf diese sozialen Genen kann man aufbauen, muss man aufbauen, damit er das in
sich noch ein bisschen differenziert, ein bisschen qualifiziert.

[00:33:50.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Delphine sind auch soziale Wesen und die retten ja sogar einen Mensch, der in Not ist.

[00:33:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können auf den sozialen Genen von jedem Kind aufbauen, aber wenn das Kind zu
sehr verletzt wird in seinem eigenen Wesen, dann funktionieren die sozialen Genen
nicht mehr. Dann geht es nur noch um den Überlebenskampf.

[00:34:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder reagieren besonders schlecht auf bestrafende Erziehung.

[00:34:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden in dem Moment meistens bestraft für ihr Wesen, für ihr Temperament, das
sie gar nicht im Griff haben.

[00:34:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sogenannt nicht folgen, wenn sie in ihren Emotionen verletzt werden.

[00:34:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie in ihren Emotionen, in ihrer Persönlichkeit verletzt werden, igeln
sie sich ein, wehren alles ab und dann geht gar nichts mehr innen.

[00:35:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum sagt man ja, im Umgang mit ADHS/ADS Kindern, muss man immer in einer low
arousal Position sein.

[00:35:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber weniger erregt sein als das Kind.

[00:35:18.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist oft schwierig.

[00:35:21.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es riesiges Durcheinander ist, alle regen sich auf, dann hat es keinen Sinn mehr
zu erziehen.

[00:35:30.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man zuerst alles beruhigen, insbesondere sich beruhigen.

[00:35:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach kann man wieder sagen was man möchte.

[00:35:36.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kann man es in dem Moment auch nicht.

[00:35:39.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man es einfach durchgehen lassen und dann wieder auf das
zurückkommen. Daran muss man denken.

[00:35:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungsproblematik kann oft nicht gerade in der Sekunde gelöst werden.

[00:35:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst die Emotionen sich beruhigen lassen, bei sich vor allen Dingen und
natürlich auch beim Kind.

[00:36:00.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich alles beruhigt hat, kann man wieder mit seinen Regeln kommen.

[00:36:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Kinder haben eine schlechte Impulskontrolle, nicht einfach, weil sie per se
böse Kinder sind, sondern weil sie so leicht erregbar sind.

[00:36:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaut man das neurologisch an, das emotionale Hirn vom ADHS/ADS Kind nimmt
mehr Impulse rein, bleibt länger vernetzt mit seinen Sinnesorganen, lässt sich durch
mehr stören und kommt dann schneller in einen System Overload.

[00:36:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Zustand vom System Overload hört man nichts mehr, versteht man nichts mehr
und kann sicher keine Regeln mehr befolgen.

[00:36:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen müssen bei einem ADHS/ADS Kind mehr Geduld haben und
dürfen nicht erziehen wollen in einem Zustand von High Arousal.

[00:37:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen warten, bis der Arousal runtergegangen ist bei sich und beim Kind und
dann können sie wieder mit ihren Regeln kommen.

[00:37:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher mit Regeln erziehen, nicht mit Belohnung und Bestrafung, damit das ADHS/ADS
Kind intrinsisch motiviert werden kann und sich diese Regeln zu Herzen nehmen kann.

[00:37:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer bürgerlichen Erziehung ist es wichtig, dass man seine Emotionen unter
Kontrolle hat.

[00:37:41.650] – Dr.med. Ursula Davatz
So haben sich früher die Edelleute vom Bauernvolk unterschieden.

[00:38:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man sich nicht gut benommen hat, hat man nicht zur Mittelschicht, zur
Oberschicht gehört.

[00:38:26.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch wollte aufsteigen und hat sich deshalb gut benommen.

[00:38:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Diamantenhandel wird nie ein Vertrag gemacht. Es ist alles Beziehung.

[00:38:48.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einer einmal gegen die Regeln verstösst, ist er draussen und er kommt nie mehr
rein.

[00:38:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert mit In-Group, Out-Group.

[00:39:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gehört zur Gruppe. Man muss sich nach den Regeln verhalten, dann gehört man
zur Gruppe. Wenn man gegen die Regeln verstosst, dann ist man Outkast, dann ist
man ein schwarzes Schaf, dann wird man in die Wüste geschickt, dann wird man
verstossen.

[00:39:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Tagung der kriminalistischen Gesellschaft ging es um das Geld und die
Banken.

[00:39:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Recht läuft nur territorial.

[00:39:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Schweizerische Gesetze, Deutsche Gesetze, überschneiden sich zum Teil aber sie
können nur territorial durchgesetzt werden.

[00:39:42.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Geld fliesst überall herum. Das hält sich nicht an Territorien.

[00:39:43.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Basel I und II, sagt man: wenn sich Menschen nicht an diese Regeln halten, dann
werden sie ausgeschlossen, dann fallen sie aus dem Kollektiv heraus.

[00:40:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Studenten haben in einem Pool gefischt. Mit jedem Fisch haben sie einen Franken
bekommen. Die Frage lautete: geht es dem Menschen immer um Kampf, Aug um Auge,
Zahn um Zahn, oder kann er auch moderat sein und an die anderen denken? Das
Klima und die Naturkatastrophen lassen grüssen.

[00:41:00.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Anfangs haben alle möglichst viel gefischt, um möglichst viel Geld zu bekommen. Dann
hat man einen moderaten Fischer darunter getan, ein Student, der nur moderat fischen
durfte. Das hat auf einmal angesteckt.

[00:41:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur das schlechte Verhalten steckt an, auch das gute Verhalten steckt an. Dann
haben alle moderat gefischt. Der Fischteich war weniger schnell ausgefischt.

[00:41:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Raubfischer wurden dazu gebracht, dass sie sich zurück nehmen und weniger
gefischt haben.

[00:41:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Wirtschaft ist auf Raubfischen ausgelegt, bis zu einem gewissen Grad.
Langsam beginnt es zu drehen.

[00:42:07.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind einen Regelverstoss macht und es handelt sich um ein ADHS/ADS Kind
mit einer starken Impulsivität, es wird alles rumgeworfen, dann darf man nicht den
emotionalen Ausbruch bestrafen.

[00:42:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist einfach eine natürliche Reaktion.

[00:42:31.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es schützt sich vor etwas oder es wehrt sich gegen etwas, das ihm gegen den Strich
geht.

[00:42:36.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben einen sehr starken Gerechtigkeitssinn.

[00:42:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst wenn nicht nur gegen sie ungerecht vorgegangen wird, sondern auch gegen ein
Klassenmitglied ungerecht vorgegangen wird, dann wehren sie sich dagegen.

[00:42:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind hat die Schule verweigert, weil die Lehrerin die Klasse nicht richtig im Griff
gehabt hat, weil sie ungerecht war mit gewissen Kindern.

[00:43:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat zwei Jahre die Schule verweigert und ist nicht mehr in die Schule
gegangen. Das Kind macht jetzt Homeschooling.

[00:43:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Geschieht ein Regelverstoss, ein emotionaler Ausbruch, muss man zuerst
herausfinden, was hat das Kind so verletzt, was hat das Kind so geärgert, was war so
schwierig für das Kind.

[00:43:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind darf sagen, was zu diesen Emotionen geführt hat.

[00:44:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man das Kind in seinem emotionalen Ausbruch validiert hat anstatt zu
bestrafen, kann man sagen: ok, wie könntest du das nächste Mal reagieren,
sozialkompatibler? So kann man das langsam einüben.

[00:44:01.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Nord-Ost Schweizerischen Strafvollzugskommission gearbeitet.

[00:44:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Strafsystem schaut nie: was hat zu dem Ausbruch geführt?

[00:44:25.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht gleich zur Erziehung und sagt: das darfst du nicht machen, darum wirst du
jetzt eingesperrt und so lernst du quasi dich nicht mehr so verhalten.

[00:44:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine wirkliche Emotionskontrolle, die läuft nur darüber, indem das Individuum, wenn es
so ausbricht, man es zuerst versteht, indem es zuerst validiert wird in seinem
sogenannten schlechten Verhalten, sodass es sich akzeptiert fühlt. Danach kann man
sagen: die Regel ist so und so.

[00:45:09.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könntest du das nächste Mal das lernen? Wie kannst du Alternativen finden?

[00:45:31.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Hippocampus vom emotionalen Hirn kann ständig neue Zellen produzieren.

[00:45:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neuen Zellen nehmen dann wieder Ereignisse auf.

[00:45:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Speicherkapazität ist nicht so gross.

[00:45:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zu viele dramatische stressmässige Erlebnisse passieren, gibt es wieder den
System Overload.

[00:45:58.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bricht alles zusammen.

[00:46:01.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit es im emotionalen Gehirn keinen System Overload gibt, muss das Erlebnis
prozessiert werden.

[00:46:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erlebnis muss in einer ruhigen Situation angeschaut werden: was ist es gewesen?
Es muss verarbeitet werden.

[00:46:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man es im Grosshirn ablegen ohne Emotionen.

[00:46:22.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Traumatherapie.

[00:46:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das emotionale Erlebnis verarbeiten, damit man es ablegen kann, damit man
nicht einfach den automatischen Impuls, die impulsive Reaktion hat.

[00:46:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man direkt zur Bestrafung geht, passiert keine Verarbeitung.

[00:46:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sogenannt gut erzogene Leute, die ihren Impuls gut unter Kontrolle haben, wenn
die dann zu fest belastet werden, sie können sich nach aussen mit ihrem Benehmen gut
verhalten.

[00:47:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Was passiert dann? Die Emotionalität, der emotionale Stau, der System Overload, der
geht dann in den Körper.

[00:47:13.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die gut erzogenen Mädchen mit ADHS/ADS.

[00:47:18.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einer Frau ist der Vater früh gestorben. Sie musste sehr vernünftig sein. Sie hat
lauter psychosomatische Dinge entwickelt.

[00:47:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir keine psychosomatische Krankheiten entwickeln, müssen wir lernen dürfen,
unsere Emotionen zu bearbeiten, um sie dann abzulegen im Grosshirn.

[00:47:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir wieder frei und können uns gesund durch die Welt bewegen.

[00:48:03.350] – Bemerkung 1
Kennst Du die bedürfnisorientierte Erziehung? Das boot jetzt. Das ist ein Mittelding von
Laissez-faire, sehr nahe an den Gefühlen der Kinder. Das Spannende ist, die
Generation von Eltern jetzt, ich glaube, für euch ist das noch viel schwieriger.

[00:48:52.120] – Bemerkung 1
Wir haben eben auch wirklich viele Elternteile, die selber ADHS/ADS haben. Das ist
wirklich eine Herausforderung.

[00:49:14.060] – Bemerkung 1
Das ist wunderbar, wenn du das sagst, dann muss man erst mal das regulieren können
bei sich selber, low arousal und so weiter.

[00:49:22.510] – Bemerkung 1
Die Eltern sind bei sich und die merken wie es ihnen als Kind gegangen ist. Sie
versuchen es bei ihrem Kind selber zu regulieren, haben aber selber diese Schritte nie
gemacht, weil die anders aufgewachsen sind: einfügen als Mädchen, Beschämung als
Junge. Die haben eine Verwirrung.

[00:49:49.570] – Bemerkung 1
Ganz viel passiert heute aus meiner Sicht über eine wahnsinnige Verunsicherung und
eigentlich auch eine Verwirrung. Was gilt jetzt? Dieses durchsetzen. Ich gehe über die
Gefühle des Kindes hinweg und damit auch über meine eigenen.

[00:50:34.280] – Bemerkung 1
Wie kann man da gegensteuern als Eltern aus mit der Hilfe von Donald Trump?

[00:50:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Eltern von ADHS/ADS Kinder in Behandlung. Denen muss ich zuerst
helfen, zu sich selber zu kommen.

[00:50:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Haim Omer spricht von der gewaltfreien Kommunikation.

[00:50:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um eine gewaltfreie Kommunikation, sondern es geht eine
bedürfnisorientierte Kommunikation.

[00:50:59.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst die Bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen, soweit das geht.

[00:51:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann kann man gewaltlos kommunizieren.

[00:51:19.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Eltern muss ich oft helfen sich zu differenzieren von ihrer Herkunftsfamilie, dass
sie schauen, wollen sie, das ihr Stil durchgesetzt wird.

[00:51:30.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen sie natürlich ihren eigenen Eltern gegenüber sagen: nein, ich will es so.

[00:51:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut und recht, wie du es gemacht hast, ich will es hier so.

[00:51:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die grösste Schwierigkeit ist dann von der Mutter und dem Vater, sich gegen die
eigenen Eltern durchzusetzen, beziehungsweise zu differenzieren.

[00:51:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geht es auch wieder um den Unterschied.

[00:51:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast es so gemacht und ich mache es jetzt so.

[00:51:59.180] – Bemerkung 2
Wenn sie dann wissen, wie sie es wollen.

[00:52:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man dann wieder fragen.

[00:52:06.040] – Bemerkung 3

Man muss sich getrauen zu wollen. Das Kind reagiert bereits darauf. Die Handlung
muss sich entfalten können.

[00:52:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über eine Selbstwahrnehmung.

[00:53:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Eltern beibringen, dass sie sich besser selbst wahrnehmen, dass sie
ihren Stress wahrnehmen.

[00:53:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Psychosomatikunterricht frage ich immer: wie reagieren sie, wenn sie unter Stress
kommen?

[00:53:16.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstwahrnehmung unter Stress. Die einen bekommen Kopfschmerzen, die
anderen schreien, die anderen sagen gar nichts mehr, die anderen bekommen
Rückenschmerzen.

[00:53:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man diese Selbstwahrnehmung bei den Eltern stärkt, sie unterstützt, damit sie das
wahrnehmen, danach kommt dann ihre Handlung.

[00:53:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Arbeit, das ist nicht einfach.

[00:53:40.930] – Bemerkung 4
Ich stelle auch eine Überbehütung der Kinder fest im Hinblick auf die Selbständigkeit.
Fünftklässler, Sechstklässler, werden überall hin mit dem Auto gefahren. Der Gehweg
wäre kürzer.

[00:54:57.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja, das ist ein riesiges Problem.

[00:54:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern meinen, sie machen etwas Gutes für das Kind, sie beschützen es.

[00:55:03.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Eltern muss man wieder validieren: ich weiss, sie machen das, um das Kind zu
schützen, es ist eine gute Absicht. Punkt, Pause.

[00:55:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen ihr Kind unselbstständig. Das ist nicht gut.

[00:55:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Welt tun sie ihrem Kind keinen Dienst.

[00:55:27.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind ist es ein vernünftiges Wesen. Kinder sind vernünftiger, als wir denken.

[00:55:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sie vor allen Gefahren schützen, genau die Kinder, die vor allem beschützt
werden, die werden dann über ihre Grenzen ehrgeizig oder abenteuerlustig.

[00:55:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher muss man den Eltern sagen: sie müssen dem Kind diesen Spielraum lassen.
Das Kind lernt selber mit diesen Dingen umzugehen.

[00:56:00.590] – Bemerkung 5
Gewisse Eltern, die auf das eingeschossen sind, können das fast nicht verstehen.

[00:56:00.840] – Bemerkung 6
In den USA und in Frankreich ist es normal, dass man seine Kinder in die Schule fährt.

[00:56:06.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch in Spanien erlebt, da gehen alle Eltern mit den Kindern in die Schule,
obwohl das Kind genau weiss wie es in die Schule laufen muss. Es machen es alle so.

[00:56:45.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dennoch: damit mein Kind in dieser schwierigen Welt überlebt, ist es wichtig,
dass es Eigenverantwortung übernehmen darf.

[00:57:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dem Kind die Eigenverantwortung ständig wegnehme und ständig als Topf-
Pflanze behandle, dann ist es nicht so widerständig.

[00:57:21.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die amerikanischen Kinder, wenn die in die Schweiz gekommen sind, sind sie alle krank
worden, weil sie nicht mit verschiedenen Bakterien und Viren gewohnt sind,
umzugehen.

[00:57:30.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weiss man, das Kind darf im Dreck spielen. Es muss sogar Dreck essen oder es
darf, damit es sein Immunsystem aufbaut.

[00:57:39.780] – Dr.med. Ursula Davatz
So analog könnte man sagen, es ist zwar gut gemeint von ihnen, es ist sehr behütend,
aber sie tun dem Kind keinen Dienst.

[00:57:48.770] – Bemerkung 7
Was ich auch oft höre: es könnte etwas passieren.

[00:58:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder etwas mit dieser negativen Vorahnung, da verbaut man sich das ganze
Leben.

[00:58:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit macht man das Kind nicht lebensfähig.

[00:58:20.520] – Bemerkung 8
Wie kann man die Eltern unterstützen, wenn die starke, negative Vorahnungen haben?

[00:58:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich natürlich fragen, wie ängstlich sind sie erzogen worden? Wovor hatte ihre
Mutter Angst? Was ist gemacht worden?

[00:58:36.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche immer den Erziehungsstil der Eltern.

[00:58:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft es wie beim Desensibilisieren. Man tut ein Antigen drauf, so leicht und
langsam.

[00:58:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man wieder fragen: wie haben sie es schon gelernt?

[00:58:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein, sind die Kinder vernünftiger, kennen ihre Grenzen besser, als wir
meinen.

[00:59:01.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, seine Grenzen wahrzunehmen.

[00:59:02.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der erwachsene Mensch ist oft der Unvernünftigste.

[00:59:14.621] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Expedition auf den Mt. Everest, wo sie mit der Filmgruppe alles vorgeplant haben.
Dann sind sie zu spät aufgestiegen. Am Schluss sind fast alle umgekommen, einfach
weil sie den Ehrgeiz hatten, das dennoch zu können.

[00:59:14.627] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/In_eisige_H%C3%B6hen

[00:59:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter welche immer begleitet, hat den Ehrgeiz eine perfekte Erziehung zu machen.
Ehrgeiz ist an dieser Stelle nicht gut.

[00:59:43.680] – Bemerkung 9
Ja, oder vielleicht auch die Angst, die Sorge.

[00:59:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es steckt immer Angst dahinter.

[01:00:05.000] – Bemerkung 9
In den USA können die Kinder nicht mal alleine draussen spielen.

[01:00:29.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft über Angst. Angst macht dann wieder Ausweichverhalten und nicht Kompetenz
erwerben.

[01:00:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beschützen unsere Kinder, wir begleiten sie überall hin. Auf dem Internet laufen die
schlimmsten, brutalsten, angsterregenden Killerspiele.

[01:00:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Realität dürfen sie nichts erleben. Dann gehen sie in der digitalen Welt erleben.

[01:01:02.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Besser einen Schulweg haben. Der Schulweg ist etwas vom interessantesten gewesen
in meiner Kindheit.

[01:01:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder holen das Abenteuer in der digitalen Welt nach.

[01:01:25.080] – Bemerkung 10
Die Kinder, welche das in ihrer Kindheit nicht erleben konnten, die haben später die
Tendenz das nachzuholen. Das kann auch beeindruckend sein für die Eltern zum
sagen.

[01:01:34.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben alles kontrolliert und das Kind musste dann extreme Dinge tun um sich
zu lösen von der Kontrolle.

[01:01:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontrollieren die Eltern weniger, muss das Kind nicht so extrem sein.

[01:02:22.640] – Bemerkung 11
Wie ist eure Erfahrung mit den eigenen Erziehungsstilen?

[01:02:30.890] – Bemerkung 12
Bei uns dürfen die Eltern die Kinder nicht in die Schule fahren. Das wird am
Elternabend auch erklärt, dass dies wichtig ist für die Selbständigkeit der Kinder. Man
schaut zusammen im Quartier.

[01:03:34.140] – Bemerkung 12
Die psychische Gesundheit der Eltern hat einen grossen Einfluss auf die Kinder.
Gewisse Eltern können nicht loslassen, weil sie mit sich selber nicht im Reinen sind und
das Gefühl haben: mir geht es selber nicht gut.

[01:03:59.660] – Bemerkung 12
Andere sind so stark mit sich selber beschäftigt, dass sie keine Energie mehr haben für
das Kind.

[01:04:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gehst du dann mit diesen Eltern um?

[01:04:22.200] – Bemerkung 13
Ich schaue dann: wie sind die Eltern aufgewachsen?

[01:04:30.960] – Bemerkung 13
Eine Mutter sagt immer: ich muss immer meine Bedürfnisse zurückstecken, weil meine
Kinder immer etwas von mir wollen.

[01:04:33.190] – Bemerkung 13
Die Mutter ist depressiv und musste in der Kindheit schon immer ihre Bedürfnisse
zurückstecken. Jetzt ist die Mutter wieder am gleichen Ort.

[01:04:57.480] – Bemerkung 13
Was braucht die Mutter, damit es ihr besser geht?

[01:05:09.420] – Bemerkung 13
Beim Vater kann das Kind alleine spielen. Bei der Mutter geht das nicht.

[01:05:11.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lernt die Mutter, dass das Kind alleine spielt?

[01:05:17.620] – Bemerkung 14
Wir verwenden die Marte Meo Methode.

[01:05:21.490] – Bemerkung 14
Sie kann sich den Raum nicht geben. Sie will alles richtig machen. Sie leitet das Kind
immer wieder an. Es fällt der Mutter sehr schwer, nichts zu sagen.

[01:06:02.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Kindern Spielzeuge gegeben und alles erklärt. Die Kinder haben zehn Minuten
gespielt. Hat man gar nichts erklärt, finde es selber heraus, dann hat das Kind eine
Stunde damit gespielt.

[01:06:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört zum Kind, dass es ausprobieren darf.

[01:06:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört zum Lernverhalten des Kindes, dass es Dinge falsch macht, um neues
herauszufinden.

[01:06:38.730] – Bemerkung 15
Bei mir knetet das Kind endlos. Das Kind erlebst sich selbst wirksam bei mir.

[01:07:02.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der Impuls, dass die Mutter das Kind nicht machen lassen kann? Im Augenblick,
wo das Kind spielt, könnte die Mutter etwas für sich machen.

[01:07:18.870] – Bemerkung 16
Das sind wir jetzt am Üben. Er ist drei Jahre alt. Das ist der erste Schritt.

[01:07:32.410] – Bemerkung 16
Er muss merken, dass er es selber kann. Das braucht Geduld.

[01:07:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Kinder brauchen oft noch die Anwesenheit der erwachsenen Person.

[01:07:51.470] – Bemerkung 16
Ja, die Mutter ist noch in Reichweite, neben dem Esstisch.

[01:07:56.910] – Bemerkung 17
Zutrauen, machen lassen. Diesen Ausdruck verwende ich häufig.

[01:08:34.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. Zutrauen gibt Empowerment.

[01:08:49.380] – Bemerkung 18
Den Eltern kann man gut einfache Beobachtungsaufgaben geben. Darauf kann man gut
aufbauen. Etwas das zu 99% gut kommt. Das hat eine grosse Wirkung, bis hin zum
Schulweg.

[01:09:27.720] – Bemerkung 19
Für eine Mutter war es keine Variante, dass man dem Kind zuschauen kann beim
spielen. Sie kannte diese Variante nicht.

[01:09:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind etwas für sich tut und die Mutter greift nicht ein, kann die Mutter in
eigene Gedanken versinken, meditieren.

[01:10:06.930] – Bemerkung 20
Die Marte Meo Methode trainiert das mit Video. Das ist eine sehr gute Methode.

[01:10:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was kann die Mutter gedanklich für sich machen? Die Mutter meint immer, sie müsse
etwas machen.

[01:11:02.450] – Bemerkung 21

Das ist wichtig, bei Marte Meo, dass die Mutter präsent ist. Stricken könnte die Mutter
auch.

[01:11:23.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man früher gemacht.

[01:11:46.640] – Bemerkung 22
Das Kind wird gesehen, ohne dass die Mutter eben gleich in die Initiative kommen muss
oder dass das Kind um extra Aufmerksamkeit buhlen muss. Du musst benennen, was
das Kind macht.

[01:12:41.210] – Bemerkung 22
Wenn du psychisch krank bist, wirst du noch weniger gesehen. So wie du dich siehst,
stimmt auch nicht.

[01:12:41.210] – Bemerkung 22
Wir schaffen eigentlich ganz fest mit diesen positiven Emotionen intrinsischer Motivation
bei den Eltern. Ich finde es trotzdem so schwierig mit diesen dysregulierten Eltern. Viele
von unseren Eltern haben ADHS/ADS und Folgeerscheinungen, wie Depressionen,
Sucht, gescheiterte Berufskarrieren usw.

[01:13:59.150] – Bemerkung 22
Dann kommt das Kind nach Hause und Mutter/Vater werden auf den Prüfstand gestellt
ob sie gut sind oder nicht.

[01:14:11.180] – Bemerkung 22
Spricht man heute noch über Erziehungsstile? Ist das noch gebräuchlich?

[01:15:23.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einer Mutter ansteht, frage ich immer: wovor haben sie am meisten
Angst? Was wollen sie verhindern? Wovor haben sie Angst, dass es passiert? Dann
sieht man wie die Mutter denkt. Wie ist ihre Mutter gewesen.

[01:15:54.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen dann: ich hatte eine ängstliche Mutter, ich bin streng erzogen worden.

[01:15:55.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage auch: wovor haben sie Angst und was wollen sie weitergeben? Was ist ihnen
wichtig, dass ihr Kind das lernt.

[01:16:11.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie ihrem Kind mitgeben? Was ist ihnen wichtig? Wovor haben sie Angst?

[01:16:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auf Verhaltensebene sein oder auf mentaler Ebene, Anstand.

[01:16:23.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Müttern, die nicht loslassen können, die wollen alles wahnsinnig richtig machen
und haben Angst, etwas falsch zu machen. Durch diese Angst machen sie genau alles
falsch.

[01:16:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind ist viel vernünftiger, als man denkt.

[01:16:59.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind immer unterbricht, lernt es nichts.

[01:16:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zweifelsfall überlässt man das Flugzeug sich selber. Das sagen die Piloten. Es ist
aerodynamisch konstruiert.

[01:17:17.780] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Air_France_Flight_447

[01:17:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/vorfall-lufthansa-ohmacht-100.html

[01:17:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist jetzt sogar ein Fall gewesen. Heute haben sie natürlich alle Autopilote drinnen
und der Pilot ist aus dem WC gegangen und der Co-Pilot ist auch mächtig geworden
und dann haben sie den wieder aus dem WC ges holen, aber das Flugzeug ist wieder
geflogen. Habe ich natürlich auch. Und sie ist nie mehr gestorben.

[01:17:46.320] – Bemerkung 23
Beide Eltern sind Pädagogen. Sie haben das studiert und es funktioniert beim eigenen
Kind nicht.

[01:17:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Um Gottes Willen, ja, die müssen mal alle Pädagogik vergessen.

[01:18:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget hat seine Experimente an seinen eigenen Kindern gemacht. Die waren
dann alle gestört.

[01:18:43.590] – Bemerkung 24
Hinsitzen, zuschauen und nichts tun.

[01:18:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Schwierigsten in unserer hyperaktiven Zeit. Nur beobachten.

[01:19:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Bus, im Tram sind alle immer am Handy. Nichts tun ist sehr schwierig.

[01:19:53.500] – Bemerkung 25

Gibt es Erziehungs Apps? Wie verhalte ich mich erzieherisch richtig? Der Bedarf ist
gross. Die Eltern haben keine Geduld mehr. Die Eltern trauen sich selber nichts mehr
zu. Sie können dem Kind nicht mal mehr beibringen, wie das Kind auf die Toilette gehen
muss.

[01:20:58.940] – Bemerkung 26
Die Eltern sind nicht bereit, dem Kind zu zeigen, wie man die Jacke aufhängt. Immer
wieder. Die Eltern wünschen sich einen Tipp, wie man mit einmal sagen eine 100%
Veränderung erwirkt.

[01:21:50.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist gewohnt: auf Knopfdruck funktioniert es.

[01:21:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Kind geht es nicht so. Es braucht Zeit.

[01:21:59.860] – Bemerkung 27
Werte und Haltungen. Sie sollen sich entscheiden, was für sie wichtig ist. So kommen
sie zum Erfolgserlebnis.

[01:22:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr. Sich nur auf wenige Dinge konzentrieren. Den Resten laufen lassen.
Oft wollen sie alles. Das geht gar nicht.

[01:23:19.120] – Bemerkung 28
Die Kinder machen es nicht von sich aus. Die Eltern müssen auch selber dran bleiben.

[01:23:21.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft geht man intellektuell vor. Wenn man es einmal gesagt hat, dann wird es so
gemacht, denkt man. Es muss eingeübt werden. Es geht nicht auf Knopfdruck. Es ist zu
stark im Intellektuellen. Kinder sind schnell. Die machen schnell irgendetwas.

[01:23:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dort sein, bevor sie die Jacke in die Ecke geschmissen haben.

[01:24:01.170] – Bemerkung 29
ADHS/ADS Kinder folgen nicht, man kann sich höchstens durchsetzen.

[01:24:06.800] – Bemerkung 29
Das ist ein guter Satz von dir.

[01:24:27.450] – Bemerkung 29
Dann braucht es noch Klarheit und Geduld.

[01:24:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut, es braucht beides. Es braucht Klarheit und Geduld.

[01:24:38.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wort "Folgen" enthält: du musst mir hinterher laufen.

[01:24:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind immer schneller und laufen vorne dran.

[01:24:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schnell genug sein, präsent genug sein und Geduld haben.

[01:24:57.140] – Bemerkung 30
Bei der bedürfnisorientierten Erziehung geht das nicht, weil das Bedürfnis vom Kind
wichtiger ist.

[01:25:10.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Ziehen sie zuerst die eigene Sauerstoffmaske an. Erst danach die
Sauerstoffmaske dem Kind anziehen.

[01:25:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss den überforderten Müttern immer zuerst Sauerstoff geben. Die Mütter, Helfer
müssen schauen, dass sie in einer guten Verfassung sind. Nicht zuerst auf das Kind los
gehen, sonst ist die ganze Erziehung nichts wert.

[01:25:51.250] – Bemerkung 31
Was brauchen unsere Kinder für einen Erziehungsstil?

[01:25:52.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich den eigenen Wertvorstellungen bewusst sein. Was ist einem wichtig,
was ist unwichtig. Was möchte ich durchsetzen.

[01:26:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, dass man selber schaut: wo stehe ich, was ist mir wichtig? Was
möchte ich meinen Kindern weitergeben?

[01:26:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist meinen Eltern wichtig gewesen? Was möchte ich davon übernehmen? Was
möchte ich anders machen?

[01:26:38.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein eigenes Bewusstsein schärfen.

[01:26:39.050] – Bemerkung 32
Was kann ich schon? Was weiss ich schon? Was habe ich von meinen Eltern
bekommen und was möchte ich für mich verändern? Gewisse Dinge waren vielleicht
gut?

[01:26:42.570] – Bemerkung 32
Es gibt viele Eltern, die von ihren Kinder geschlagen werden. Das beginnt früh.

[01:27:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern von den Kindern geschlagen werden, muss man immer fragen: was ist
davor geschehen? Häufig stören die Eltern das Kind? Wenn die Eltern das Kind soviel
stören, dann schlägt das Kind zu.

[01:28:20.270] – Bemerkung 33
Marte Meo sagt, dass man sich nicht schlägt.

[01:28:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nie ohne Grund geschlagen. Es gibt immer einen Grund dafür.

[01:28:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind hat immer irgendein anderes Kind geschlagen beim vorbeilaufen. Das ist eine
ungeschickte Kontaktaufnahme.

[01:28:56.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind immer isoliert und dann ist es plötzlich unter Kindern, dann weiss es gar
nicht wie es damit umgehen soll.

[01:29:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss immer geschaut werden: wie ist das Kind gestört worden?

[01:29:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Übereifrige Eltern stören das Kind wahnsinnig viel.

[01:29:19.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht böse gemeint, sie wollen helfen, aber sie stören.

[01:29:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Übererziehung stört das Kind in seiner natürlichen Motorik, in seiner natürlichen
Explorationsfreude. Es heisst immer sofort: so nicht.

[01:29:40.480] – Bemerkung 34
Die Kinder sind selten zu Hause und können einfach so spielen. Die Kinder sind immer
sehr verplant.

[01:29:51.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es ist alles schon durchgeplant.

[01:29:55.950] – Bemerkung 35
Oder sie sitzen vor dem Bildschirm.

[01:30:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss sich Selbststimulation holen, in dem es Dinge ausprobiert.

[01:30:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird das Kind ständig kontrolliert, muss sich das Kind seine Freiheit holen, indem es
zuschlägt.

[01:30:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat für seine Selbstexploration nicht genügend Möglichkeiten. Häufig sind sie
überorganisiert.

[01:30:47.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann holen sie sich am Handy ihre Aufregungen, ohne Konsequenzen.

[01:30:54.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es für alles Apps. Ich bin eine Gegnerin davon. Eltern dürfen ihre Kinder
individuell erziehen, sie müssen sie individuell erziehen. Damit sie das können, müssen
sich die Eltern zuerst bewusst sein: wer bin ich, was will ich, was ist mir wichtig, was ist
mir egal?

[01:30:55.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist immer alles wichtig, das geht nicht.

[01:31:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zur Lücke.

[01:31:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand psychisch krank ist, muss die Person trotzdem lernen. Es gibt keinen
Freipass.

[01:31:34.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo stossen sie mit den Eltern an?

[01:32:10.540] – Bemerkung 36
Es herrscht eine grosse Verunsicherung? Das Holding hielft vielen Eltern. Die Eltern
bestätigen darin was sie tun. Das hilft vielen Eltern. Was machen sie schon gut? Das
schafft Beziehung und Bindung zu uns.

[01:33:16.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern die stark verunsichert sind, denen muss beibringen wie man beobachtet.
Wahrnehmen, Wahrnehmen, Wahrnehmen. Nicht gleich in die Handlung und eine
Korrektur gehen. Sorgfältig beobachten.

[01:33:48.050] – Bemerkung 37
Ich erlebe oft, dass die Eltern ihre Kinder gut wahrgenommen haben und dann von
aussen verunsichert wurden. Wenn die sich wieder sicherer fühlen in ihrer Beobachtung
und in ihrer Wahrnehmung, dann kommen sie auch langsam Schritt für Schritt wieder in
die Handlung.

[01:34:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Unterstützung im anders sein. Sie brauchen Rückendeckung, dass sie es
richtig machen mit dem Kind.

[01:34:00.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind im Tram oder im Migros ein grosses Theater macht, dann wird der
Umgang schlechter mit dem Kind, weil man denkt, dass man es seiner Umgebung
Recht machen muss.

[01:34:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kennen ihr Kind besser. Die anderen wissen es gar nicht. Man steht unter einem
sozialen Druck.

[01:34:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Egalisierung, kein Ausgleich.

[01:35:51.690] – Bemerkung 38
Teenager mit selbstverletzendem Verhalten und die dazugehörigen Eltern.

[01:35:55.220] – Bemerkung 38
Ein Vater sagte, dass er mit seiner 12 jährigen Tochter zu Laisser-Faire war. Er meinte,
dass er den Moment verpasst hat. Er meinte, dass es darum ausgeartet ist. In der
Gemeinde ist der Trend zum selber verletzen unter den Mädchen.

[01:36:46.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nie einen verpassten Moment. Das ist eine falsche Vorstellung. Der Mensch ist
entwicklungsfähig. Er kann alles immer noch lernen. Dahinter steckt eine steife
Erziehungsvorstellung. Was wurde verpasst, dem Kind beizubringen?

[01:37:32.720] – Bemerkung 39
Zusammen Essen. Aufräumen.

[01:37:32.930] – Bemerkung 40
Vielleicht hat er in der Beziehung den Anschluss zur Tochter verloren.

[01:37:41.780] – Bemerkung 40
Eltern handeln immer nach dem besten Wissen und Gewissen. Sie müssen viele
Entscheidungen treffen. Es gibt kein richtig oder falsch.

[01:37:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt jegliche Verantwortung ab. Das ist falsch. Es ist nie zu spät.

[01:39:08.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen 12 und 16 Jahren kann man Regeln einbringen. Es ist nie zu spät. Man kann
auch später Regeln einbringen. Dann muss man sich durchsetzen. Dann kann man
nicht alles wollen sondern nur etwas. Was ist ihnen am wichtigsten.

[01:39:31.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder jünger sind, ist es einfacher aber es ist nie zu spät.

[01:39:55.700] – Bemerkung 41
Es ist auch eine grosse Chance. Ich habe den Anschluss an meine Tochter verpasst.
Das ist jetzt meine Chance eine junge Frau kennenzulernen. Was ist sie für eine Frau?

[01:41:05.740] – Bemerkung 40
Der Vater war auch Sozialpädagoge.

[01:41:40.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sollte man nicht mehr erziehen, dort sollte man nur noch die Beziehung
pflegen.

[01:41:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst: sich Auseinandersetzen mit den Pubertierenden. Dort geht es immer um
die Auseinandersetzung. Es geht nicht um Gehorsam.

[01:41:56.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich will das, du willst das. Wir verhandeln wir zusammen?

[01:41:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Familien mit pubertären Kindern frage ich immer zuerst den Pubertären: wie siehst
du die Situation, was möchtest du? Die Antwort lautet meistens: mehr Freiheit. Dann
frage ich die Eltern: was möchten sie? Danach wird verhandelt.

[01:41:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Pubertierende muss in den Verhandlungsprozess mit einbezogen werden.

[01:42:34.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nie um Gehorsam gehen.

[01:42:46.210] – Bemerkung 42
Man muss sich gegenseitig sehen können. Man muss sich gegenseitig etwas zutrauen
und zumuten. Nicht zwei Wochen in die Ferien fahren. Kaum schluckt die Tochter keine
Rasierklingen mehr, fahren die Eltern auf Honeymoon.

[01:43:14.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pubertierender Junge hat etwas gesagt und der Vater sass in der Ecke und hat die
Augen verdreht, wenn der Junge etwas gesagt hat.

[01:43:21.721] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater etwas mit den Augen gemacht hat, hat der Junge sofort reagiert. Die
haben unglaublich stark aufeinander reagiert und sich gegenseitig abgelehnt.

[01:43:21.929] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät geht es immer um die Auseinandersetzung und dass man beide Seiten
berücksichtigt. Es geht immer um ein Verhandeln.

[01:43:59.980] – Bemerkung 43

Bei mir war eine Familie so verunsichert, dass ich das Verhandeln nicht ins Zentrum
stellen konnte. Ich habe empfohlen, dass sie als Eltern für einen Monat ihre Strategie
durchziehen. Danach kann man schauen, ob es adäquat war oder nicht. Wenn man
verunsichert in eine Verhandlung geht mit einem Teenager, ist es auch wieder recht
schwierig, die eigenen Werte einzubringen.

[01:44:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Familie habe, wo zuviel Verunsicherung herrscht, komme ich rein und
sage: jetzt wird es so gemacht. Dann übernehme ich.

[01:44:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht fähig sind zu verhandeln, gehen die Eltern einfach nur
aufeinander los und machen den anderen runter. Der Vater macht den Sohn runter, der
Sohn macht den Vater runter.

[01:44:37.490] – Bemerkung 44
Ich schau mit den Eltern wo der Verhandlungsspielraum ist. Der war schon vordefiniert.
Ich habe den Teenager gespielt. Das war cool. Jemand hatte die strenge Rolle und
durfte entgegenkommen.

[01:44:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich sehr gut.

[01:46:00.020] – Bemerkung 45
Es geht um die Position der Eltern. Ich kann erst verhandeln, wenn ich eine Position
habe.

[01:46:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[01:46:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst müssen die Positionen klar werden. Erst danach kann man verhandeln.

[01:46:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne klare Position kann man gar nicht verhandeln. Dann ist man immer nur dagegen,
dann läuft man der Bewegung hinterher.

[01:46:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man den Eltern hilft, ihre Position zu bekennen, zu benennen.
Danach beginnt der Kuhhandel.

[01:46:45.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Regel ohne Ausnahme.

[01:46:58.120] – Bemerkung 46
Zwei Eltern hatten Angststörungen, der Vater fast mehr als die Mutter. Die Tochter ist ins
Vermeiden gegangen. Am Schluss hat die Tochter den Rank gefunden.

[01:47:30.160] – Bemerkung 47
Beim Positiven ansetzen und fragen: was willst du für Turnschuhe für den ersten
Schultag anziehen? Dann wurde über die Turnschuhe verhandelt.

[01:47:30.360] – Bemerkung 47
Im hier und jetzt die Position erarbeiten.

[01:48:41.240] – Bemerkung 48
Wir haben ADHS/ADSler, Depressive, die haben dysfunktionale Strategien wie sie ihre
eigenen Emotionen regulieren können. Wir haben auch viele Angst gesteuerten Eltern
mit vielen Zukunftsängsten.

[01:48:52.120] – Bemerkung 48
Jemand hat die Schwester durch einen Unfall verloren. Sie hat eine Tochter, welche
sehr eng von der Oma betreut wird. Die Kindsmutter hat vor lauter Angst keine Pubertät

erlebt. Die Tochter befindet sich auch noch im Kleinkind Stadium. Dramatische
Schicksalsschläge.

[01:49:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Vorträge im Fricktal gegeben, katholisch. Viele Eltern haben Angst, dass
ihr Kind drogensüchtig wird. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Angst engt ein.

[01:49:53.283] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Self fulfilling prophecy.

[01:49:53.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem Lehrer wurde gesagt: das ist eine sehr schlechte Klasse. Dann hat sich die
Klasse sehr schlecht benommen.

[01:50:01.418] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man gesagt: das ist eine gute Klasse. Dann waren alle gut.

[01:50:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die selbsterfüllende Prophezeiung.

[01:50:49.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Prediction Error.

[01:50:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine Vorstellung, von seinen Eltern her hat man Angst vor etwas.

[01:50:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will wieder das sehen, was man schon erlebt hat.

[01:50:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus diesem Prediction Error herauszukommen und neu das Zeugs wieder anzuschauen
ist sehr schwierig.

[01:51:19.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann diesen Leuten den Rücken stärken, das ist möglich. Dann überträgt sich eure
Sicherheit auf diese Eltern.

[01:51:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem ihr den Glauben und diese Stärke habt, dann überträgt sich das auf die Eltern
und dann auf die Kinder.

[01:51:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür müsst ihr sehr viel emotionale Unterstützungsarbeit anbieten.

[01:51:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ja nicht angesteckt werden von dieser Angst.

[01:51:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein abschätzen. Es gibt Situationen, wo man sagt: nein, das möchte ich
nicht.

[01:52:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Situationen, wo die Kinder ihre Sozialkompetenz üben können.

[01:52:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wichtigste Rolle ist, die Eltern zu stärken.

[01:52:15.642] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur die Bedürfnisse des Kindes erfüllen.

[01:52:15.739] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind beobachten, das ist wichtig.

[01:52:15.749] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen nicht mehr zu beobachten.

[01:52:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig die jungen Wesen zu beobachten, wie die funktionieren.

[01:52:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Tierdompteur kann sein Tier erziehen, ohne nicht das Wesen von dem Tier zu
kennen.

[01:52:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Persönlichkeit von unseren Kind kennenlernen, beobachten, Schlüsse
daraus ziehen.

[01:52:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht überhaupt nicht nur um Bedürfnisbefriedigung, sondern es geht darum, mit dem
Wesen entsprechend persönlichkeitsgerecht umzugehen.

[01:53:03.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Um die Bedürfnisbefriedigung geht es dann, wenn das Kind erwachsen ist.

[01:53:11.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene muss lernen, seine Bedürfnis wahrzunehmen.

[01:53:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich immer versuche die Bedürfnisse vom Kind wahrzunehmen, dann muss das
Kind seine Bedürfnisse gar nicht selber wahrnehmen.

[01:53:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Auch das Kind kann schon lernen zu sagen: ich habe das nicht gern. Warum nicht? Etc.

[01:53:27.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Theater von Christoph Marthaler. Das Theater heisst: Le Sommet.

[01:54:00.695] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.vidy.ch/fr/production/creation-2024-2025/

[01:54:00.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Berggipfel und die Gipfelkonferenz.

[01:54:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Er bringt dort zum Ausdruck, wie alle nicht mehr miteinander kommunizieren können.

[01:54:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle immer in ihr Telefon schauen, wo bleibt dann die menschliche
Kommunikation?

[01:54:23.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man dagegen steuern.

Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

15.4.2026
Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke vielmals für die Einladung.

[00:00:02.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, Familientherapeutin, in Amerika ausgebildet und ich habe mich seit
über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst.

[00:00:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, als ich angefangen habe damit, hat man noch POS gesagt, frühkindliches
POS.

[00:00:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat sich allgemein durchgesetzt, ADHS/ADS.

[00:00:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende die beiden Begriffe.

[00:00:34.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, vor 40 Jahren, haben Kinderpsychiater noch gesagt: nein, das gibt es nicht.

[00:00:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war die ELPOS, die sich am meisten dafür eingesetzt hat.

[00:00:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte haben sie auch schon gesehen.

[00:00:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit ADHS/ADS, als Assistenzärztin
Samedan.

[00:00:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt aus St. Gallen, hat etwas darüber erzählt.

[00:01:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte mir, das klingt ja ein bisschen ähnlich wie Schizophrenie.

[00:01:10.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:01:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann immer Schizophrenie und ADHS/ADS verfolgt.

[00:01:24.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch geschrieben über ADHS und Schizophrenie.

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schreibe ich ein Buch über ADHS/ADS Folgekrankheiten und nehme dann alle
psychiatrische Diagnosen durch.

[00:01:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der offiziellen Medizin und Psychiatrie reden wir von ADHS/ADS und Komorbidität.

[00:01:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: für mich ist das keine Komorbidität.

[00:01:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ADHS/ADS der genetische Ursprung, also die genetische
Voraussetzung für alle möglichen Folgekrankheiten.

[00:02:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur psychische, ich bin Psychiaterin, sondern auch körperliche.

[00:02:05.852] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/2025/04/10/studien-zu-somatischen-folgekrankheiten-bei-adhs-ads/

[00:02:06.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer mehr Daten raus von England, USA wo man langsam aufzeigt, dass
die beiden Krankheitsbilder miteinander auftreten.

[00:02:19.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen damit nicht Angst machen. Im Gegenteil. Es muss gar nicht so sein.

[00:02:27.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hängt vom Umfeld ab, wie sich das ADHS/ADS entwickelt.

[00:02:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gerade gestern aus der New York Times eine Studie gelesen oder mehrere
Studien, wo sie zum Teil Krankheitsgeschichten zitiert haben und gesagt haben, wo die
Betroffene gesagt haben: in der Schule habe ich mich komisch gefühlt. Ich habe je
nachdem Medikamente bekommen, aber wo ich dann meinen Fokus gefunden habe, so
sage ich, wo ich an die Uni gegangen bin und das studiert habe, was mir gefallen hat
und mich interessiert hat, dann war das wie weg.

[00:03:06.828] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/04/13/magazine/adhd-medication-treatment-research.html

[00:03:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:03:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. ADHS/ADS heisst: Aufmerksamkeitsdefizit Hyperkinetisches Syndrom.

[00:03:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aufmerksamkeitsdefizit ist bezogen auf die Schule oder den Frontalunterricht, wie
ich ihn jetzt auch biete.

[00:03:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann zum Defizit, wenn man sich für das Thema nicht interessiert.

[00:03:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich für das Thema interessiert, dann könnte ADHS/ADSler einen
Hyperfokus haben, dann können sie Hyperperformance an den Tag legen, dann ist
nichts mehr von Defizit.

[00:03:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das reguläre Schulsystem ist nicht immer gleich interessant für alle.

[00:03:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt das Defizit nach vorne.

[00:03:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen und Mädchen sind in der Regel angepaster, die können sich eher fügen, so wie
es in der Schule läuft. Die wollen einem gefallen, die wollen es gut machen. Die haben
eine starke soziale Kompetenz.

[00:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Daher wird bei den Mädchen das ADHS/ADS überhaupt nicht diagnostiziert oder ist
lange nicht diagnostiziert worden oder nicht früh diagnostiziert worden.

[00:04:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen die Knaben, die sind hyperaktiv, die gammeln, die lölen umher, die stören den
Nachbar, schauen aus das Fenster raus, werfen Dinge durch die Klasse und so weiter.

[00:04:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen tun das weniger. Darum fallen sie nicht auf.

[00:04:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat man früher gesagt: das Verhältnis zwischen Knaben und Mädchen ist fünf zu
eins.

[00:04:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind es ein Mädchen auf 1.5 Knaben.

[00:04:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem in welchem Land misst man mehr ADHS/ADS.

[00:05:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA sind es jetzt 11%, in Europa sind sie bei 5%.

[00:05:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zahlen, die variieren dauernd.

[00:05:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt natürlich immer darauf an, wie man schaut und wie man es abklärt.

[00:05:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein amerikanischer Psychiater hat gesagt, ADHS/ADS sei wie ein Hirndiabetes. Für
mich stimmt das überhaupt nicht.

[00:05:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Pankreas ist ein ganz anderes Organ als das Gehirn. Kein Organ ist so kompliziert
und so komplex vernetzt.

[00:05:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nie mit einem Pankreas vergleichen und einem Insulindefizit.

[00:05:59.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Elvanse sind alles ADHS/ADS Medikamente.

[00:06:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ein ADHS/ADS diagnostiziert wurde, hiess es: das muss Medikamente haben.

[00:06:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagen die Lehrpersonen: wenn das Kind nicht Ritalin oder irgendwas Ähnliches
nimmt, dann kann ich das nicht mehr beschulen.

[00:06:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage natürlich, das geht nicht.

[00:06:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer noch die Sache von den Eltern, dass sie entscheiden, ob jetzt das Kind
Ritalin bekommt oder nicht.

[00:06:34.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr stark dafür, ich habe viel Ausbildungen gemacht an Schulen, dass das
Umfeld lernt, mit denen umzugehen.

[00:06:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung, sagt man, die artgerechte Tierhaltung, also jedes Tier, muss nach
seiner Art behandelt werden.

[00:06:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
So sage ich, die persönlichkeitsgerechte Menschenführung oder Schulgebung.

[00:07:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind so ein paar allgemeine Gedanken darüber.

[00:07:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist ADHS/ADS wahnsinnig viel in allen Medien.

[00:07:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Modekrankheit, es ist 80% genetisch vererbt.

[00:07:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind viele Gene, vielleicht 20 oder mehr.

[00:07:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Genen interagieren miteinander und bestimmen dann das Gehirn.

[00:07:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastischste, flexibelste Organ.

[00:08:01.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute reden wir auch von Epigenetik.

[00:08:05.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Epigenetik, das heisst über den Einfluss, über die Interaktion mit dem Umfeld,
passiert mit dem Hirn irgendwas, verändert sich das.

[00:08:13.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird in der klassischen Medizin, nicht so gut berücksichtigt.

[00:08:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater haben sich stark der somatischen Medizin angehängt und wollen immer
herausfinden, was ist jetzt das genau?

[00:08:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man klärt es dann ab mit Fragebögen. Man muss den Patienten fragen, man fragt die
Eltern, man fragt die Lehrer, aber auch das gibt kein exaktes Abbild vom Mensch.

[00:08:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Mensch ist einzigartig und man muss bei jedem Mensch herausfinden, wie der
jetzt funktioniert.

[00:08:53.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Individualität geht natürlich gegen die Statistik.

[00:08:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man lauter individuelle Menschen hat, dann kann man sie nicht vergleichen, dann
kann man keine Statistik anlegen und das ist das Problem.

[00:09:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapheutin suche natürlich dann immer die ganze Geschichte.

[00:09:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche bei jedem selber ein bisschen herauszufinden, wo der Weg durchgehen
könnte.

[00:09:19.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Geschichten sind ein bisschen anders und jeder erzählt auch seine Geschichte ein
bisschen anders.

[00:09:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann aus diesen vielen Daten die Muster ein bisschen herausholen.

[00:09:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet schon ähnliche Muster, aber nie die gleichen.

[00:09:41.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es schwierig mit der sogenannten Diagnose.

[00:09:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar Charakteristika, die herausstehen beim ADHS/ADS.

[00:09:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann viel andere aufzählen.

[00:09:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung benenne ich mit breite Aufmerksamkeit.

[00:10:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche zu den Tieren.

[00:10:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, geht er überall rumschmecken und gucken.
Er orientiert sich.

[00:10:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine breite Aufmerksamkeit. Es interessiert sie alles.

[00:10:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen auch: ich merke sofort alles, wenn ich ins Zimmer reinkomme.

[00:10:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken die Stimmungen.

[00:10:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragt man die Mütter: welches Kind merkt am ehesten, wenn es ihnen nicht so gut geht,
ist es immer das ADHS/ADS Kind.

[00:10:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht nur visuell, kognitiv, breit interessiert, sondern auch emotional.

[00:10:51.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, die führt natürlich dann dazu, dass wenn der Lehrer nicht so
interessant ist oder die Lehrerin, dass man dann seine Aufmerksamkeit irgendwo
anders hintut.

[00:11:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sind eigentlich immer auch ein bisschen Unterhalter. Wenn sie das nicht
schaffen, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:11:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist das Sensorische.

[00:11:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe Sensitivität.

[00:11:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel auf Verletzungen, Kränkungen.

[00:11:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dieser hohen Sensibilität geht auch ein starkes Gerechtigkeitsempfinden einher.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Ungerechtigkeiten passieren, nicht nur ihnen gegenüber, auch in der Klasse oder
in der Gesellschaft, dann können sie das fast nicht aushalten.

[00:11:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie den Mund nicht halten, dann müssen sie etwas sagen.

[00:11:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt schon die nächste Eigenschaft: die hohe Impulsivität.

[00:11:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann schlechte Impulskontrollen.

[00:11:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind, das zappelt umher, das kann seine Bewegungen noch gar nicht
kontrollieren.

[00:12:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder ein bisschen grösser werden, dann lernen sie damit, sich zu
kontrollieren.

[00:12:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Süden ist das ein bisschen anders, also Italien, Griechenland, Spanien, ist auch ein
bisschen dazwischen, dort tut man das Kind nicht so stark auf gehorsam oder auf sich
kontrollieren müssen, trimmen.

[00:12:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler haben einen starken Bewegungsdrang.

[00:12:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler haben eher eine starke interne Aktivität, die denken viel.

[00:12:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADSler wohlfühlen, dann können sie einem auch drein reden, warten nicht,
bis der anderen seinen Satz fertig gemacht hat.

[00:12:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt schnell eine Interaktion, die stört.

[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
So werden sie zu Störefrieden in der Klasse. Gewisse spielen den Clown. Das sind
meistens die Jungs, können aber auch Mädchen sein.

[00:13:08.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stehlen sie dem Lehrer die Show. Das mag die Lehrperson nicht und dann gibt es
Konflikte.

[00:13:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlechte Impulskontrolle.

[00:13:23.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Positiv gesagt, ist es eine grosse Spontanität.

[00:13:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss sofort, was abläuft.

[00:13:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ gesagt ist es eine schlechte Impulskontrolle.

[00:13:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulskontrolle läuft über die Pyramidenbahnen, die im Rückenmark runtergehen.
Die werden in der Kindheit, Pubertät ausgebildet.

[00:13:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn der ADHS/ADSler reift später.

[00:13:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man neurologisch schaut, ist das Gehirn der ADHS/ADSler stärker vernetzt mit
dem gesamten Gehirn.

[00:13:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht die breite Aufmerksamkeit, macht aber auch die leichte Ablenkbarkeit und
die leichte Störbarkeit.

[00:14:15.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn reift in der Pubertät.

[00:14:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler reifen eher ein wenig später.

[00:14:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät findet eine Hirnumstrukturierung statt.

[00:14:29.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Synapptic Pruning.

[00:14:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Baby hat ganz viele Synapsen, die ganz viele Möglichkeiten anbieten.

[00:14:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Zum Beispiel auch die Muttersprache.

[00:14:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang hört das Kind alle Laute

[00:14:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Muttersprache gelernt wird, dann schränkt sich das Gehör ein und auch der
Kehlkopf und die Steuerung vom Sprachorgan schränkt sich ein auf die Muttersprache.

[00:15:00.520] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man nur noch eine weitere Sprache akzentfrei lernen, bevor man durch die
Pubertät durch ist.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr begabte Leute, ADHS/ADS Menschen, die auch nach der Pubertät eine
Sprache noch akzentfrei lernen können.

[00:15:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauspieler müssen das können.

[00:15:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertätsphase läuft das Synapptic Pruning ab, das heisst, verschiedene
Schaltstellen im Hirn werden abgestellt, gekappt, es werden grosse Nervennetze
angelegt, so wie Autobahnen. Das Gehirn wird ein bisschen vereinfacht.

[00:15:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss so sein. So kann man schneller lernen, schneller reagieren.

[00:15:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen das verspätet.

[00:16:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bewirkt auch, dass sie weiterhin eine breite Aufmerksamkeit haben.

[00:16:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommen wir noch mal zu einer Eigenschaft, das ist die Kreativität.

[00:16:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer, sie können besser Grenzen überschritten,
nicht nur gesetzliche Grenzen, auch Denkgrenzen.

[00:16:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Methoden, wo man sieht, ob sie/er gut kann, Grenzen
überschreiten kann.

[00:16:31.846] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Worth-Test

[00:16:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Kreativität.

[00:16:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kreativität, die braucht ein bisschen Platz.

[00:16:48.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Kind in einer relativ rigiden Familie aufwächst, das heisst, es wird
schnell an Regeln gewöhnt, dann wird die Kreativität eher abgeklemmt. Dann kann sich
das Kind nicht richtig entwickeln.

[00:17:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn relativ viel Offenheit da ist und das Kind darf experimentieren, dann kann es sich
gesund entwickeln und dann gibt es Forscher daraus.

[00:17:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADS Kind, der denkende Typ, nach innen aktiv.

[00:17:32.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es genügend Raum, können sich die Fähigkeiten von den Kindern entwickeln.

[00:17:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben natürlich ganz unterschiedliche Fähigkeiten.

[00:17:37.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Roger Federer, Michael Phelps sind ADHSler.

[00:17:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ein Autist, ADSler.

[00:18:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autist ist manchmal noch eine Spracherwerbsstörung dabei.

[00:18:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht bei allen ADHS/ADSlern dabei.

[00:18:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt häuft mit einer Legasthenie (LRS), Dyskalkulie vor.

[00:18:27.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Magie_der_ADHS_ADS_Gene.pdf

[00:18:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombinationen kann man nicht voraussagen und das ist unterschiedlich bei den
Mädchen und den Knaben.

[00:18:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist vermehrt bei Knaben.

[00:18:38.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen können sich besser beherrschen.

[00:18:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kommen die Knaben mehr in Konflikt.

[00:18:44.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe acht Jahre auf der Aarburg als Konsiliarärztin gearbeitet und habe mich immer
auch mit der Delinquenz befasst.

[00:18:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es viele ADHS Männer, welche eine unklare Struktur hatten
und auch eher eine bestrafende Erziehungsmethode.

[00:19:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Genügend Platz lassen heisst das nicht, einfach nur alles freilassen und Chaos
entstehen zu lassen.

[00:19:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder nicht gut.

[00:19:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Rahmen von der Summerhill Erziehungsmethode, wo man gesagt hat, anti-autoritäre
Erziehung, einfach alles immer machen lassen, wenn man das mit den ADHS/ADSler
macht, gibt es wieder Stress. Sie können sich nicht so gut strukturieren.

[00:19:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie brauchen einen gewissen Halt.

[00:19:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Regeln, es braucht Strukturen, aber nicht zu enge Strukturen.

[00:19:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man von der autoritären Erziehung geredet, dann von der anti-autoritären
und heute spricht man von autoritativen Erziehung.

[00:20:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man hat Regeln, man sagt die auch, aber man sagt zum ADHS/ADS-Kind
nicht: du musst, du sollst.

[00:20:16.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man sagt, du musst, du sollst, ist das eine Grenzüberschreitung.

[00:20:21.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Beleidigung.

[00:20:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: warum hast du nicht so lange? Ist es eine Beschämung.

[00:20:28.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler ist es ganz wichtig, dass man seine Prinzipien klar sagt.

[00:20:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat nicht von ADHS/ADS gesprochen.

[00:20:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Methoden sind super für Menschen mit ADHS/ADS.

[00:20:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt, man darf nicht dem Kind sagen: du musst, du sollst, sondern: ich will.

[00:20:51.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seinen eigenen Willen kund tun und die Energie bei sich lassen.

[00:20:55.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich: sie müssen sagen was sie wollen, nicht was sie nicht wollen.

[00:20:59.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine mentale Präsenz haben und ihre Präsenz ist da im Kopf, aber nicht
auf das Kind gedrückt.

[00:21:11.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Energie gegen das Kind wirken lässt, dann gibt es eine Abwehr.

[00:21:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder gibt es einen Rückzug, man kommt gar nicht mehr an sie ran oder es gibt
eine Aggression.

[00:21:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehorchen sie nicht, dann werden sie frech und dann am Schluss ist es der
Lehrer oder die Lehrerin, welche darunter leidet.

[00:21:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich einige Beispiele aus der Schule.

[00:21:38.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Schulverweigerer, die dann mit den Elteren zusammen vorbei kommen.

[00:21:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann höre ich die schrecklichsten Geschichten, wie das Kind beschämt wird, wie die
Erziehenden in einen Machtkampf mit dem Kind gehen und das ist nicht gut.

[00:21:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen, man muss sagen, was man will, man muss sagen, was wichtig ist, man
muss Prinzipien durchgeben, aber nicht Befehle.

[00:22:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien durchgegeben, das verlangt eine eigene Autorität, eine eigene
Selbstsicherheit, aber nicht dem anderen das Genick runter blasen oder den anderen
fertig machen.

[00:22:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Beschämung wird überhaupt nicht gelernt.

[00:22:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sind in den Schulen viel Beschämungen verwendet worden.

[00:22:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre es auch jetzt noch, wie beschämt wird.

[00:22:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung darf man eigentlich nur verwenden, wenn man Aversionsverhalten
auslösen will.

[00:22:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel von den Eskimos.

[00:22:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimo-Kinder dürfen im Frühling nicht mehr auf das Eis gehen, wenn das brüchig
wird.

[00:22:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind dann trotzdem auf das Eis geht, dann nimmt man das vor die ganze
Gruppe und beschämt es.

[00:22:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lacht das Kind aus, dass es auf das Eis gegangen ist zu einem Zeitpunkt, wo es
nicht auf das Eis gehen durfte.

[00:22:57.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das hilfreich.

[00:22:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung verhindert, dass das Kind wieder auf das Eis geht zu dieser
Jahreszeit. Das will man.

[00:23:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will, dass das Kind überlebt.

[00:23:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, wenn man will, dass das Kind etwas lernt, darf man nicht beschämen,
dann lernt das Kind eher weniger.

[00:23:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann igelt sich das Kind ab, macht zu, oder das Kind wird aggressiv.

[00:23:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben werden eher aggressiv, die Mädchen ziehen sich eher ti zurück.

[00:23:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mädchen trifft man eher die Hyperaktivität nach innen an. Das ist das ADS.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erwachsene Frauen in Behandlung, die garantiert ein ADS haben, die nie
getestet worden sind.

[00:23:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme nur immer die Anamnese auf und meistens drei Generationen Anamnese.

[00:23:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehe ich die verschiedenen Erscheinungen, die da auftreten im Familiensystem.

[00:23:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Darunter gibt es Frauen, welche sich ständig Geschichten erfinden.

[00:23:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer aktiv und erfindet immer eine Geschichte.

[00:24:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, wird eine Geschichte erfunden. Im Tram, im Bus, immer eine
Geschichte.

[00:24:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie arbeiten, geht das weg und wenn sie wieder alleine sind, geht das wieder
weiter.

[00:24:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ redet man von „Kino im Kopf" oder „das Kopfkino".

[00:24:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen viele Frauen.

[00:24:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man ein Wissenschaftler ist und immer sucht, dann ist man ständig am Suchen.

[00:24:34.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Familie haben wir dann vom zerstreuten Professoren geredet, welcher den
WC-Deckel mitgenommen hat, anstatt seine eigene Mappe, weil er so stark beschäftigt
ist mit seiner Geschichte.

[00:24:46.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind halt dann Forschungsgeschichten.

[00:24:49.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS ist hilfreich in der Forschung, weil es nicht loslässt.

[00:24:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort setzt dann auch der Hyperfokus ein. Wenn man sich für etwas interessiert, dann
kann man hyper fokussieren, dann kann man sie nicht mehr wegbringen von dem, was
sie interessiert.

[00:25:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man auch von Albert Einstein gesagt.

[00:25:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat nicht gegessen, nicht getrunken, nicht geschlafen. Seine Frau musste ihm immer
sagen: jetzt musst du wieder etwas trinken, jetzt musst du wieder etwas essen, jetzt
musst du ins Bett gehen.

[00:25:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man diese Frauen nicht mehr, dann gehen diese Männer eher verloren,
dann müssen sie es selber lernen.

[00:25:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz

ASS, Autismus-Spektrum-Störung, sobald man es nicht mehr so klar eingrenzen kann,
redet man dann von Spektrums-Störung.

[00:25:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben wir nur von Autismus oder Asperger geredet und heute redet man von
Autismus-Spektrums-Störung.

[00:25:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Langsam sprechen sie auch von ADHS Spektrums-Störung.

[00:25:53.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist konsequenter. Dann ist es nicht so genau abgrenzt.

[00:26:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten haben oft noch ein Spracherwerbsproblem.

[00:26:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist zu 80% vererbt und Autismus ist noch ein bisschen mehr vererbt.

[00:26:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprachstörungen die sind vererbt, die sind im Gehirn, da ist das Gehirn ein
bisschen anders, Verbindungen zwischen dem Gehirn sind ein bisschen anders.

[00:26:35.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man immer: die haben keine Empathie, die können keine Mimik
lesen.

[00:26:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Autisten, welche noch eine Agnosie haben, welche die Mimik nicht richtig
erkennen können.

[00:26:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben nicht alle.

[00:26:58.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie die Mimik nicht richtig lesen.

[00:27:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind Autisten eher hyper sensibel, hyper empathisch.

[00:27:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in ein System Overload reinkommen, wenn sie zu viel Reiz haben und den
Reiz nicht mehr prozessieren können, dann macht es zu und dann ist das so wie bei
der Schnecke, wenn man seine Fühler berührt, gehen die einfach rein und dann merkt
es natürlich nichts mehr.

[00:27:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können dann auch die eigenen Gefühle nicht mehr wahrnehmen, die sind dann
völlig blockiert, überreizt.

[00:27:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Zustand Autismus, also das Wort, hat man eigentlich ursprünglich bei den
Schizophrenen verwendet.

[00:27:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war auch in einem Zustand vom System Overload, wo gar nichts mehr geht.

[00:27:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bewusstsein ist noch da, aber die Reaktionsfähigkeit ist völlig weg, keine
Handlungsfähigkeit mehr.

[00:27:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich spreche von Folgekrankheiten und nicht von Komorbidität.

[00:28:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:28:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst würde es keine wahnsinnig erfolgreichen ADHS/ADSler geben.

[00:28:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mannen sind es häufig Business-Leute, Forscher, Sportler etc.

[00:28:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Krankheit, dass sie den Sport so gut machen.

[00:28:29.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben einfach ein bisschen ein anderes Gehirn.

[00:28:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihren Fokus finden, ihren ganz persönlichen Fokus, dann gehen sie ab wie
eine Rakete.

[00:28:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nicht von einer Krankheit sprechen.

[00:28:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der leichten Ablenkbarkeit spricht man noch von der schlechten Filterfunktion.

[00:28:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist so gemacht, dass es sich einstellen kann auf fokussieren und wenn dann
ein anderer Reiz kommt, dass es dann ausblendet.

[00:29:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können das weniger gut. Darum die leichte Ablenkbarkeit.

[00:29:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erwachsenenalter kommt Prokrastination, auf Schweizerdeutsch sagt man auf
Aufschibitis.

[00:29:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen etwas machen, sie wissen es ist der Plan, die Pflicht, aber sie tun es einfach
nicht. Sie ärgern sich dann über sich selber, sie tun es dann auf ihre To-Do-Liste.

[00:29:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin von den To-Do-Listen nicht begeistert.

[00:29:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen es dann nie. Sie schieben auf.

[00:29:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat andere Methoden. Es gibt heute auch viele ADHS/ADS Coaches.

[00:30:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sagt nur drei Dinge auf die To-Do-Liste tun.

[00:30:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erste ist wahnsinnig wichtig, muss unbedingt gemacht werden, das Zweite ist
wichtig, das Dritte wird nur gemacht, wenn noch Zeit und Energie übrig ist.

[00:30:25.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lange Liste kommt danach.

[00:30:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die drei abgearbeitet sind, holt man neue Aufgaben hervor.

[00:30:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Studenten durch ihre Abschlussarbeit begleitet. Zu den Studenten sage
ich: ihr müsst auch vornehmen: wann, an welchem Tag, wollt ihr das Lernen, Studieren.
Zu welcher Zeit? Morgens um 8 Uhr? Nachmittags um 14.00 Uhr? An welchem Ort wollt
ihr lernen?

[00:30:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss genau fokussiert werden.

[00:30:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche es mit dem Adler, der runter sticht aus der Luft und seine Beute findet.

[00:31:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich vorbereiten.

[00:31:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler sagte zu mir: als er Konzerte angenommen hat, hat sich sein
Kopfkino in den Hintergrund verschoben.

[00:31:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich im Hinterkopf vornehmen, dann zu dieser Zeit, an dem Ort, mache ich
das. Man muss sich vorher einschränken, fokussieren.

[00:31:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf keinen Fall sagen: ich sollte dann noch, ich sollte das schon lange machen.

[00:31:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Fokussierung.

[00:31:50.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert es auch nicht.

[00:31:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen sich viel stärker persönlich fokussieren.

[00:31:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich am Riemen reissen und sagen: dann mache ich es. Dann wird nicht
ausgewichen.

[00:32:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort braucht es dann eine gewisse Disziplin.

[00:32:06.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche das lernen, werden erfolgreich.

[00:32:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wie war es als Kind? Hast Du immer selber alles gemacht, oder
hat dich die Mutter immer daran erinnert? Das ist ein Problem.

[00:32:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter immer den Kalender des Kindes im Kopf haben und bei jeder
Gelegenheit sagen: jetzt musst du, hast Du das gemacht? Hast du das nicht
vergessen? Dann lernen sie es nicht.

[00:32:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen 50-Jährigen Professor. Er konnte nicht alleine seine Dinge tun.

[00:32:52.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Kinder fragen, man kann die Kinder daran erinnern, aber wenn man die
Erinnerungsfunktion voll übernimmt, lernt es das Kind nie.

[00:33:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte in der Pubertät damit beginnen, dass die Kinder selber übernehmen können.
Dann wird es in die Persönlichkeit eingebaut. Wenn es die Mutter immer für sie macht,
dann muss man die Mutter überall hin mitnehmen.

[00:33:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht. So findet man auch keine Frau.

[00:33:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ordnung ist auch eine Konsequenz.

[00:33:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Messi-Syndrom. Sehr viele ADHS/ADSler haben zu Hause ein Messi Syndrom.

[00:33:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind sie an der Arbeit sehr strukturiert.

[00:33:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind auch überstrukturiert, überpedantisch und sind dann wahnsinnig gut
strukturiert an der Arbeit und zu Hause bricht alles zusammen.

[00:34:04.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es so schlimm, dass sie es fast nicht mehr aushalten.

[00:34:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Spitex-Schwestern und Ergotherapeuten helfen zu Hause aufzuräumen. Auch ADHS/
ADS Coaches helfen zu Hause aufzuräumen, für teures Geld.

[00:34:11.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Es lohnt sich, dass man im Pubertätsalter lernt, sich zu strukturieren, seine Ordnung zu
halten.

[00:34:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter kann man es dem Kind beibringen.

[00:34:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: tu das und das und das.

[00:34:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine grössere Struktur setzen.

[00:35:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Vortrag gehalten zum Thema: Empathie vs Selbstfürsorge.

[00:35:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=-uT4JDHmkLQ

[00:35:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben die Tendenz, weil sie emotional engagiert sind, weil sie Helfertypen sind,
Krankenschwester sind auch alles Helfertypen, haben die Tendenz über die Empathie,
über die Wahrnehmung von den Problemen, zu helfen und gehen dann selber verloren.

[00:35:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen sie mit 30, 40 Jahren, ich habe immer nur für anderen etwas gemacht
und ich bin selber verloren gegangen.

[00:35:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen Frauen, die über das klagen, sage ich: sie müssen irgendwas
machen, was gar niemandem etwas hilft, was nur für sie ist.

[00:35:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere sie, auf sich zu fokussieren.

[00:35:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, Mütter, die können sich auf die Kinder fokussieren. Dann sind sie auch
wieder beschäftig.

[00:36:07.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder alle ausziehen, kommt das Empty Nest Syndrom.

[00:36:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, welche nie gelernt haben, etwas eigenes zu verfolgen, die sind dann verloren.
Das ist Menopause Depression.

[00:36:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sollen zu den Kindern nicht "Nein" sagen. Nein, das will ich nicht.

[00:36:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Erziehung muss man immer sagen: ich möchte es so.

[00:36:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, du hast das so gedacht.

[00:36:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende das Wort: Validierung.

[00:37:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, aus welchem Grund hat das Kind, die Person das so
gemacht?

[00:37:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist Fehlerkultur.

[00:37:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder denken unterschiedlich, Erwachsene denken unterschiedlich. Was hast du dir
überlegt, als du das so gemacht hast?

[00:37:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht degradierend, sondern: was sind Deine Gedanken gewesen? Ah, ok. Validieren.

[00:37:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt es so, wie man es will.

[00:37:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Gegenüber immer akzeptieren, so wie es ist, wie es geartet ist und dann
sagen wie man es möchte.

[00:37:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Methode für alle Leute.

[00:37:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist es noch wichtiger, dass man diese Methode verwendet.

[00:37:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss man auch beibringen, dass sie keine impulsiven Entscheide
treffen.

[00:38:04.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind spontan, so schnell. Sie sehen irgendetwas. Sie sagen sofort: ich mache mit.
Am Schluss haben sie eine grosse Aufgabenliste, dass sie nicht mehr weiter wissen.

[00:38:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Den ADHS/ADSler muss man sagen: schlafe noch einmal darüber, bevor du
enthusiastisch ja sagst.

[00:38:29.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Antoine de Saint-Exupéry leite ich das ab: on ne vois bein que avec le coeur. Das
Herz hat keine Augen, aber es spürt. Il faut consulter votre coeur. Sie müssen ihr Herz
fragen, was sie eigentlich möchten.

[00:38:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Stapferhaus in Lenzburg gab es eine Ausstellung zum Thema Entscheiden. Dort
konnte man sehen, was für ein Entscheidungstyp man ist.

[00:38:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind eher der spontane, schnelle Entscheidungstyp, reissen alles an und dann
geht es nicht. Sie müssen sagen: ich muss zuerst überlegen.

[00:39:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind die Typen, welche gar nicht entscheiden, weil sie im Kopf so viele
Möglichkeiten durchgehen und immer für und wieder.

[00:39:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man rein auf kognitiver Ebene entscheiden will, funktioniert das nicht.

[00:39:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein guter Entscheid muss immer verbunden sein mit dem Herz.

[00:39:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man sein Herz spürt und was man eigentlich will, also seine Emotionen, muss
man ein bisschen inne halten und ein bisschen hören.

[00:39:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

So muss ich ADHS/ADSler dazu anhalten, dass sie anhalten, warten, ein wenig
überlegen und dann entscheiden.

[00:39:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mal einen Entscheid getroffen haben, dann gehen viele wieder zurück und
sagen: hätte ich nicht so entscheiden sollen? Dann geraten sie in eine Ambivalenz. Das
ist eine Katastrophe. Aus dieser Ambivalenz kommt man nicht mehr heraus.

[00:39:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: sie haben dort so entschieden. Das ist okay. Jeder Entscheid hat seine Vor-
und Nachteile. Es führen viele Wege nach Rom. Bleiben sie bei ihrem Entscheid.

[00:40:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch um entscheiden.

[00:40:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man um entscheiden muss, muss man klar um entscheiden.

[00:40:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt weiss ich mehr, habe mehr darüber nach gedacht. Jetzt entscheide ich um.

[00:40:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Erziehung.

[00:40:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so, wie es Donald Trump jetzt macht. Heute das, morgen das.

[00:40:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz klar, nach diesen Kriterien habe ich damals so entschieden, jetzt bin ich alles
durch gegangen, aus diesem Grund entscheide ich jetzt um.

[00:40:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man als Eltern machen, das darf man als Lehrer machen.

[00:41:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Klare Umentscheide sind absolut in Ordnung.

[00:41:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so hin und her, ambivalent, heute das, morgen das.

[00:41:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die rein autoritäre Erziehung ist nicht gut, die Laissez-faire Erziehung ist nicht gut.

[00:41:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich gewisse Prinzipien zulegen.

[00:41:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es in der Kindheit nicht mitbekommen hat, dann muss man sich das selber
aneignen.

[00:41:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien werden integriert im Gehirn, wenn man es mehrmals gleich macht.

[00:41:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es gleich macht, wird es zur Gewohnheit. Dann muss man nicht mehr frisch
entscheiden.

[00:41:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man sich gewisse Gewohnheiten zulegt.

[00:42:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz

In jedem Beruf, speziell auch im Pflegeberuf, da hat man Regeln, was man machen
muss, also wie man desinfiziert, etc.

[00:42:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Gewohnheiten, solche Regeln, solche Prinzipien soll man sich auch selber in
seinem Privatleben zulegen.

[00:42:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine Routine und dann funktioniert es mit weniger Energie.

[00:42:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert schon in der Pubertät im Gehirn, beim Synaptic Pruning.

[00:42:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
What fires together wires together.

[00:42:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
https://neurosciencenews.com/wire-fire-neurons-19835/

[00:42:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zusammen gemacht wird, wird im Gehirn vernetzt.

[00:42:54.915] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es viel leichter, wenn man sich gewisse Prinzipen zulegt.

[00:43:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Morgen. Wie stehe ich auf?

[00:43:14.370] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler stellen sich den Wecker. Ach nein ich bin noch so müde, ich schlafe noch
10 Minuten länger. Am Schluss sind es zwei Stunden, bis man endlich aufsteht. Nicht
gut.

[00:43:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ich ein klares Morgenritual zulegen.

[00:43:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wecker klingelt, ich stehe auf.

[00:43:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: nicht mehr als drei Mal das Kind erinnern. Dann wird es
ausgeleiert.

[00:43:57.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sollte beim ersten Mal funktionieren.

[00:44:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Aller guten Dinge sind drei.

[00:44:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei sich selber solle man es auch so machen.

[00:44:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich aufraffen und ein gutes Morgenritual haben, ob das Duschen ist, Kaffeetrinken,
Musik hören, Stretching machen, was auch immer. Jeder hat ein anderes Morgenritual.

[00:44:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt am Abend.

[00:44:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler haben Schlafstörungen, weil sie all ihre unerledigten Sachen mit in
das Bett nehmen.

[00:44:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:44:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht ein Ritual zum herunterfahren.

[00:44:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor dem Schlafen gehen, keine grossen Probleme diskutieren, sei das mit dem Partner
oder mit den Kindern. Wie man einen Computer runterfährt. Alle Fenster und Prozesse
schliessen und runterfahren, bis alles ausgeschaltet ist.

[00:44:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer haben keine gute Fehlerkultur. Wir wollen alles richtig machen, alles
exakt machen. Wenn man Fehler macht, gibt man die nach Möglichkeit nicht zu.

[00:44:38.869] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernt man.

[00:44:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Fehlüberlegungen nachgeht, sieht man was man denkt und dann sieht
man auch wie anders gedacht worden ist.

[00:44:55.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste schon in der Schule gemacht werden.

[00:45:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel in der Mathematik. Was für Fehler, Weichenstellungen hast du falsch
gemacht, damit du bewusster weisst, nein, es geht so.

[00:45:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zu Fehlern.

[00:45:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passieren einem ohnehin immer Fehler.

[00:45:21.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Spitäler haben bessere Fehlerkulturen, andere schlechtere Fehlerkulturen.

[00:45:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man keine gute Fehlerkultur hat, wird gelogen, überdeckt, versteckt. Das ist keine
gute Atmosphäre zum Lernen.

[00:45:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorgesetzte dürfen Fehler nicht bestrafen, sonst weicht man aus.

[00:45:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind beginnt zu lügen, es wird alles verdeckt und unter den Teppich gewischt.

[00:45:51.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch wird Ausweichverhalten gefördert.

[00:46:07.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler genau anschauen, was hast du dir dabei überlegt?

[00:46:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du dir dabei nichts gedacht? Nicht beschämen. Nicht brüskieren.

[00:46:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau den Weg des Fehlers anschauen.

[00:46:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden. Er hat die Agarplatte draussen stehen
lassen. Schlampig, das tut man gar nicht. Dann ist das Penicillin darauf gewachsen.
Hätte er den Fehler nicht gemacht, dann wäre das Penicillin nicht gewachsen.

[00:46:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Genetik laufen auch viele Fehler. Fehler sind Neuigkeiten.

[00:47:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das ADHS/ADS Gehirn, welches Fehler macht und über die Grenze hinaus
denken kann und sich nicht immer ganz genau an die Regeln hält.

[00:47:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler machen enthält auch viel Kreativität. Die muss man nutzen.

[00:47:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern passieren viele Fehler.

[00:47:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler können sich weniger gut konzentrieren, wenn es um eine
automatische, langweilige Arbeit geht. Serien zählen etc. Das sieht man auch bei den
psychologischen Tests.

[00:47:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Medikamenten.

[00:47:33.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Focalin, Medikinet, etc.

[00:47:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Medikamente wirken alle im Dopamin System.

[00:48:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort tritt wieder die Schizophrenie auf.

[00:48:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler gibt man Medikamente, welche Dopaminerg sind. Das sind
Amphetamine, Uppers, die stimulieren einem.

[00:48:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schizophrene hat zu viel Dopamin. Dem gibt man Neuroleptika. Den muss man
wieder runter dämpfen.

[00:48:37.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler als Erwachsene Ritalin bekommen, dann werden sie stimuliert,
dann denken sie noch mehr.

[00:48:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wirkt noch nicht, dann will ich noch mehr.

[00:48:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es wie eine Droge verwendet und was passiert dann? Sie werden
psychotisch, schizophren.

[00:48:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht immer mehr, wenn ADHS/ADSler zu viel mit Amphetamin behandelt
werden.

[00:48:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Dopaminsystem kann auch über den Sport aktiviert werden.

[00:49:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler sind sportlich, gehen Joggen.

[00:49:06.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss seinen Sport rausfinden.

[00:49:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch andere Hobbys sein, ein Musikinstrument spielen, also jeden Tag
Klavier spielen, für sich selber nicht um ein Pianist zu werden, einfach zum Freude
haben am Spiel.

[00:49:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Aktivität wird das Dopamin auch ausgeschüttet. Dann kann man sich auch
besser konzentrieren.

[00:49:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Turnstunde passen die Schüler besser auf, weil sie ihr Dopaminsystem
aktiviert haben.

[00:49:42.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuviel Dopamin macht eine Psychose.

[00:49:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie soll man mit ADHS/ADS Patienten oder Mütter von ADHS/ADS Patienten
umgehen?

[00:50:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen haben eine hohe Sensibilität, sie spüren sofort, wie man auf sie
eingestellt ist.

[00:50:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es einem langweilt mit der Patientin und denkt, das ist eine unangenehme
Person, das emotional Interaktive zwischen dem Behandler (Arzt, Krankenschwester,

Physiotherapeut, etc.) und dem Patienten, die merken sofort ob man auf sie bezogen ist
oder nicht.

[00:50:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ADHS/ADSler unter den Ärzten gibt, haben die ein gutes Gespür für den
Patienten.

[00:50:53.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Müssen die etwas tun, wo sie das Gefühl haben, dass es für den Patienten nicht gut ist,
das tut dem weh, das ist nicht richtig, dann haben sie eher Mühe die Behandlung
durchzuführen.

[00:51:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allem das Schmerz erzeugt, hat man dann auch eher Mühe und muss sich auch
mehr überwinden.

[00:51:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Pflegenden gibt es viele ADHSler.

[00:51:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Ärzten gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Lehrern gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles aus dem Grund, weil sie eigentlich das Gespür für den Mensch haben, eine gute
Empathie.

[00:51:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist primär eine Gabe.

[00:51:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt viel Technik dazu, kann es schwierig werden.

[00:51:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihre SchülerInnen betreuen, ist es wichtig, dass sie ihre Gabe wahrnehmen,
diese pflegen und das Andere hinzu tun.

[00:51:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man weniger mit Computern gearbeitet.

[00:51:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute geht man zum Arzt, der sitzt am Bildschirm. Dann fühlen sich die Patienten gar
nicht mehr wahrgenommen.

[00:52:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Technik hat stark Überhand genommen, ist so wichtig, ist wichtiger als die
Beziehung zum Patienten, aber es zahlt sich nicht aus.

[00:52:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man seine Beziehung zum Patienten, Schüler pflegt.

[00:52:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Empathie, welche ADHS/ADSler haben, die geht weg, wenn sie zu viel kritisiert
werden.

[00:52:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen Fehler und werden oft dafür kritisiert.

[00:52:54.630] – Dr.med. Ursula Davatz
ich immer wieder, validieren und erst dann sagen, wie man es will.

[00:53:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADSler zurückholen in die Beziehung, dann können sie sich
weiterentwickeln.

[00:53:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:53:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zu ihrem Lehrling eine Beziehung haben. Es muss wohlmeinend sein. Es
darf nie nur Sachwissen sein.

[00:53:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst funktioniert es nicht beim ADHS/ADS.

[00:53:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind sehr sensibel, sie spüren allen hinten dran.

[00:53:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la musique.

[00:54:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört den emotionalen Ton, der wird wahrgenommen. Der emotionale Ton wird mehr
wahrgenommen als der Inhalt.

[00:54:11.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie, dass der Inhalt ankommt, müssen sie ruhig sein, ohne einen verurteilenden
Ton, ihrem Lehrling etwas sagen.

[00:54:32.430] – Bemerkung 1
Sie sagen ADHS/ADS ist genetisch. Kann man das auch erwerben über die
Digitalisierung?

[00:54:49.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um das Gehirn. Das Gehirn hat viele Möglichkeiten. Wenn man mit dem Gehirn
ungeschickt umgeht, nicht passend zum dem Gehirn, kann es alle möglichen,
schlechten Eigenschaften entwickeln.

[00:54:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht ursprünglich das ADHS/ADS, welches die schlechten Eigenschaften hat,
sondern das ist die Interaktion, also die genetische Umweltinteraktion, die dann das
macht.

[00:55:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Unser Gehirn kann nur die Reaktionen bringen, welche es
hat.

[00:55:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können über verschiedene Methoden in einem Gehirn Dinge ausgelöst werden.

[00:55:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, die schnelle Reaktivität, die Impulsivität, das ist nicht erworben.

[00:55:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Hirnstruktur drinnen.

[00:55:49.350] – Bemerkung 2
Welchen Einfluss sehen sie von der Digitalisierung?

[00:55:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.

[00:56:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat Untersuchungen vom kindlichen Gehirn gemacht, wenn das Kind immer das
Handy angeschaut hat. Dann sind ein paar wenige Vernetzungen im Gehirn geschehen.
Wenn das Kind mit der Mutter oder einer Person interagiert hat, war alles viel mehr
vernetzt.

[00:56:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugend nur mit dem Handy vernetzt ist, verlernen sie die Sozialkompetenz.
Sie verlernen das Gesicht zu lesen.

[00:56:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Emoji lernt man keine Mimik erkennen. Das ist immer gleich.

[00:56:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Gefahr.

[00:56:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles auf dem Internet ist gemacht für den Verkauf.

[00:56:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Verkauf läuft über die Sensation.

[00:56:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensation läuft häufig über die Angst.

[00:56:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Mittelhirn anschaut, das limbische System im Gehirn, die haben die
Amygdala, zwei Zentren, das Zentrum für die Angst und die Sensation ist grösser als
das Zentrum für das Wohlfühlen.

[00:57:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbung versucht immer das Angstzentrum zu aktivieren, damit mehr verkauft wird.

[00:57:31.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbeindustrie ist psychologisch zum Teil weiter als wir in der medizinischen
Psychologie. Das wird voll ausgenutzt.

[00:57:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass Eltern für die menschliche Interaktion einstehen, damit nicht
nur alles am Bildschirm abläuft.

[00:58:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine keinen Kinder mehr. Ich habe nur noch Enkelkinder.

[00:58:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein grosses Problem.

[00:58:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit diese Medien werden auch ein bisschen Autisten erzogen.

[00:58:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht ein bisschen in Richtung abgekapselt sein, nur noch das und eine kurze
Aufmerksamkeitsspannung.

[00:58:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will sich nicht mehr lange einsetzen.

[00:58:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Findet ein Mensch seinen Fokus, dann kann er es schon.

[00:58:22.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei helfen.

[00:58:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Medien spielen eine grosse Rolle.

[00:58:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kriegt deswegen keine ADHS/ADS Gene.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sind nach Amerika ausgewandert.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Europa verlassen, weil ihnen das zu eng war.

[00:58:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA haben sich ADHS/ADS Gene angesammelt.

[00:58:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man auch an der schlechten Handschrift. Die haben eine schlechtere
Handschrift als wir. Sie haben diese auch nicht geübt.

[00:59:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer hat es mehr ADHS/ADS Gene. Das war von Vorteil im Handel.
Gehen sie in Griecheland auf den Markt. Die sind wahnsinnig gut im Multi-Tasking.

[00:59:24.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird etwas verkauft, dort wird etwas geredet. Das sind alles ADHS/ADSler.

[00:59:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen dann vom südländischen Temperament, z.B. im Tessin.

[00:59:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Ländern wird es weniger diagnostiziert. Dort wird es nicht als pathologisch
angeschaut. Das ist einfach das Temperament, das gehört dazu.

[01:00:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es nicht viele Studien.

[01:00:14.990] – Bemerkung 3
Nimmt ADHS/ADS zu?

[01:00:18.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nicht mehr zunehmen als was vorhanden ist. Es ist genetisch vererbt. Es wird
mehr entdeckt. Es wird mehr darauf geschaut.

[01:00:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Entdeckung nimmt auch zu, weil das Umfeld wahrscheinlich zu grossem Teil nicht
so günstig ist.

[01:00:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: es nimmt zu.

[01:00:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da es genetisch vererbt ist, kann es nicht einfach multipliziert werden.

[01:00:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die negativen Erscheinungen vom ADHS/ADS nehmen zu, weil das Umfeld nicht so
geschickt mit ihm umgeht.

[01:01:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang ist nicht persönlichkeitsgerecht, nicht artgerecht.

[01:01:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht artgerecht damit umgeht, gibt es Probleme und dann entstehen ganz
viele unterschiedlichen Folgekrankheiten.

[01:01:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt psychische Folgekrankheiten und es gibt körperliche Folgekrankheiten.

[01:01:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben dann viel Fibromyalgie, Gelenkschmerzen, Allergien, etc.

[01:01:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer gehen eher in die Delinquenz oder machen einen Herzinfarkt, wenn sie an der
Decke anstossen.

[01:01:40.160] – Bemerkung 4
Wie sieht es mit der Ernährung aus? Ich sage immer: nimm vor der Prüfung
Traubenzucker mit. Jemand mit ADHS/ADS sagt: kein Traubenzucker vor der Prüfung,
sonst ist man im Fluchtmodus. Dann kann man sich nicht konzentrieren.

[01:02:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin keine Ernährungsspezialistin.

[01:02:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man es stark mit den Omega Fettsäuren. Kein Zucker. Keine
Konservierungsmittel, etc.

[01:02:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher ist eine gesunde Ernährung gut.

[01:02:45.972] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde eine solide Ernährung wichtig. Protein und braunes Brot, das länger hinhält.

[01:02:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Traubenzucker macht, dass der Zucker hoch geht. Das hilft vielleicht denken, aber
es stösst keinen gesunden Mechanismus an.

[01:03:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen noch einen Ernährungsspezialisten fragen.

[01:03:13.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze prozessierte Essen ist nicht so gut. Es enthält viele Konservierungsmittel. Es
fällt weg, dass man sich selber etwas präpariert, dass der Mensch selber für sich sorgt.

[01:03:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Instant Zeugs aus den USA ist gar nicht gesund.

[01:03:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man braucht dann auch keine Zeit, um sein Essen vorzubereiten. Das ist eine
Erholungsphase, etwas anderes.

[01:04:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, wenn sie ein Hypo haben, aggressiv werden und sich gar nicht gut
konzentrieren können.

[01:04:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Hatte man eine solide Ernährung, dann hat man genügend Speicher, wo man es dann
rausholen kann.

[01:04:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schnellwirksame Zucker, der tut eigentlich den Körper immer ein bisschen falsch
stimulieren.

[01:04:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Fruchtzucker kann eine Leberverfettung machen.

[01:04:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was wir in unsere Metabolismus tun, dass schnell etwas bewirkt, ist nicht so
gesund.

[01:04:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://natuerlich.thieme.de/aktuelles/nachrichten/detail/fruchtsaefte-und-smoothies-warum-ein-zuviel-der-leber-schadet-1705

[01:04:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper balanciert am besten selber aus.

[01:04:57.720] – Bemerkung 5
Wir arbeiten in der Gruppe, dann gibt es einen Gruppenkonflikt. Wie kann man damit
umgehen?

[01:06:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat eine Untersuchung gemacht: was ist das beste Team? Das Resultat war:
equal speaking time. Jeder darf gleich viel reden.

[01:06:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand zuviel Platz einnimmt mit reden, reden, reden, dann muss man
unterbrechen. Man draf unterbrechen.

[01:06:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man unterbricht, ist es hilfreich, wenn man sagt: ich weiss du hast da noch viele
Gedanken dazu, aber jetzt müssen noch andere zu Wort kommen.

[01:06:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche zu viel redet, zuerst validieren und dann umlenken.

[01:06:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz

In meiner Ausbildung wurde mir auch gesagt: ich kann nicht aufhören. Ich wollte meine
Patienten nicht frustrieren, in dem ich sie unterbreche. Ich musste lernen meine
Patienten zu unterbrechen.

[01:07:35.850] – Bemerkung 6
Unsere Arbeit ist stressig. Jemand sagt dann einfach: du gehst mir auf die Nerven. Das
ist die falsche Reaktion.

[01:07:47.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Gruppe leitet, ist es wichtig, das man beide Seiten berücksichtigt und
sagt; wir sind nicht alle gleich.

[01:07:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern.

[01:08:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:08:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt etwas Verallgemeinerndes und sagt dann: okay, jetzt seid ihr wieder dran.

[01:08:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich zum Konflikt gehen, sondern: die ist so und ihr seid so und was willst du
sagen?

[01:08:34.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche frustriert sind aufrufen und sie fragen was sie wollen. Es geht nicht
darum einfach die Gegenpartei zu kritisieren.

[01:08:50.630] – Bemerkung 7
In der Gruppe ist das nicht immer möglich.

[01:09:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir arbeiten im zwischenmenschlichen Bereich.

[01:09:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jahrelang habe ich Weiterbildung gegeben für Spitex-Schwestern.

[01:09:38.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Einstieg war immer: was ist Ihr Stresssyndrom? Mit was reagieren sie, wenn sie
unter Stress kommen?

[01:09:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die einen bekamen Rückenweh, die anderen Kopfweh, die anderen haben viel geredet,
die anderen haben gar nicht mehr geredet, die anderen haben nicht mehr gewusst, was
zu sagen.

[01:09:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sehr viel selbst Selbstbewusstsein erlernen in unserem Beruf.

[01:10:04.780] – Bemerkung 8
Wie kann eine Person mit ADHS/ADS es selber wissen?

[01:10:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann vielleicht, jetzt habe ich reingequatscht, ich habe ADHS/ADS.

[01:10:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht hauptsächlich um die Selbstreflexion, dass man merkt, wie man ist, dass man
seinen Typ kennenlernt.

[01:10:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele Frauen, die ADHS/ADS haben und es früher nicht wussten, haben dann
überkompensiert. Die haben sich zwanghaft kontrolliert. Das ist auch nicht gut. Es ist
besser, man redet einander rein und dann reagiert der andere.

[01:10:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss ein Lernklima entstehen.

[01:10:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle unsere Macken.

[01:11:05.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll eine Atmosphäre entstehen, wo man sich selber sein kann und auch zurück
gebunden werden kann, damit wir lernen.

[01:11:06.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler bringen einem zum lernen.

[01:11:12.470] – Bemerkung 9
Sie bringen einem zur Verzweiflung.

[01:11:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben, üben, üben. Ein blöder Spruch machen geht auch.

[01:11:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Kampf, Flucht, Todstellreflex und Necken/Spotten.

[01:11:38.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken, das machen die Jungtiere in der Pubertät.

[01:11:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen zu denen zurückgehen und humorvoll etwas sagen.

[01:11:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt einem nicht immer.

[01:11:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben.

[01:12:05.010] – Bemerkung 10
Wäre es ein Vorteil, wenn eine Begleitperson etwas von ADHS/ADS versteht?

[01:12:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson mit dem ADHS/ADS umgehen kann und auch ein wenig
Selbstironie hat, dann ist es von Vorteil.

[01:12:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person kann dann sagen: weisst du, das passiert mir auch, aber wir müssen es
eben lernen.

[01:12:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson gar keine Reflexionsfähigkeit hat, geht es gar nicht gut.

[01:12:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Begleitperson muss ein wenig etwas davon verstehen und die Fähigkeit haben,
selber zu reflektieren. Dann kann die Begleitperson als Coach funktionieren.

[01:13:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen das alles bei sich behalten, aber sie haben zwei Jahre Wartefrist
für eine ADHS/ADS Diagnose. Dann ist schon alles vorbei.

[01:13:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich einfach über die sozialen Medien diagnostizieren.

[01:13:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle, wie man es nennt. Man sieht gewisse Charakteristika und sagt
dann: ah, ich bin auch so.

[01:13:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Winkler postet viel.

[01:13:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhsspektrum.com/

[01:13:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist jemand nicht diagnostiziert und er hat das Gefühl, der könnte in die Kategorie gehen,
dann darf man auch sagen: hast du dir jemals die Frage gestellt, ob du ein wenig so
bist?

[01:13:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du ADHS/ADS?

[01:13:53.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele antworten dann: nein nicht, aber es geht ihnen durch den Kopf.

[01:13:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es nicht unbedingt abklären gehen. Ich bin da locker.

[01:14:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Kinder muss man es abklären, damit sie in der Schule einen Nachteilsausgleich
bekommen, auch in er Prüfung.

[01:14:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man mit sich umgehen lernt.

[01:14:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann an die Prüfung gehen und sagen: ich brauch das und das.

[01:14:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Arbeitsplatz kann man sagen: ich reagiere gar nicht gut auf Kritik oder wenn ich
zusammen geschissen werde. Das stellt mein Gehirn ab.

[01:14:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich erklären, ohne dass man es ADHS/ADS nennt.

[01:14:51.540] – Bemerkung 11
Ist es wichtig, dass man es im Team anspricht und offen darüber kommuniziert.

[01:14:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Offenheit ist das Wichtigste. Ungeniert kommunizieren. Dann ist das grösste Lernen
möglich. Wir sind alle am lernen.

[01:14:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Witz.

[01:15:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mediziner weiss alles und kann nichts. Der Chirurg weiss nichts und kann alles, er
ist der Chef. Der Pathologe weiss alles, leider zu spät. Der Psychiater weiss nichts und
kann nichts, aber lernt jeden Tag etwas.

[01:15:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernen wir.

[01:16:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Weiterentwicklung läuft über kleine Fehler, innerhalb von der Genetik.

[01:16:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen ruhig Fehler machen.

[01:16:21.770] – Bemerkung 12
Was empfehlen sie als Begleitung neben der Einnahme von Ritalin?

[01:16:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Antidepressivum, kein Ritalin ohne nicht auch eine Begleitung.

[01:16:37.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur mit Medikamenten zu korrigieren ist nicht gut.

[01:16:47.910] – Bemerkung 13
Das empfinde ich auch, sehe aber oft das Gegenteil. Was auch immer der Grund ist.

[01:16:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verleugnungstaktik. Man hat das Problem und denkt: mit dem Medikament
kann man es korrigieren. Es ist auch ein Grössenwahn der Mediziner, dass sie meinen,
dass sie den Menschen korrigieren können, mit einem Medikament.

[01:17:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich doch Coaching.

[01:17:10.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht eine Therapie sein, es kann auch Coaching sein.

[01:17:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einen Coach finden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Den muss man
suchen gehen.

[01:17:17.127] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/

[01:17:46.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die in X Therapien waren. Deren Therapeuten haben von ADHS/
ADS nichts verstanden.

[01:17:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht versteht, will man es immer korrigieren. Das darf man nicht.

[01:18:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht mit einer Verhaltenstherapie korrigieren.

[01:18:29.110] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapielandschaft wird für die Verhaltenstherapie plädiert, weil man diese
Therapie am besten statistisch kontrollieren kann.

[01:18:34.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht weg erziehen. Am Schluss muss sich der ADHS/ADSler
immer selber erziehen. Dazu kann er einen Coach nehmen.

[01:18:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch ins Internet gehen, das ist anonym. Man findet viel auf dem Internet, wo
man sich gespiegelt fühlt.

[01:19:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer einen Coach hinzunehmen, nie nur Medikamente nehmen.

[01:19:10.860] – Bemerkung 14

Gibt es einen Beruf, der sich besonders für ADHS/ADS eignet? Es können nicht alle
Spitzensportler oder grosse Erfinder oder Politiker werden. Häufig sind das normale
junge Menschen mit durchschnittlichem IQ.

[01:19:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht allgemein sagen. Ich mache viel Coaching und Berufsberatung.

[01:20:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Berufe mit Beziehungen. Darunter sind: Arzt, Lehrer, Krankenschwester.

[01:20:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen Empathie und eine gute Wahrnehmung.

[01:20:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Verkäufer haben auch mit Menschen zu tun.

[01:20:09.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eintönige Arbeit ist nicht gut für ADHS/ADSler. Fliessbandarbeit ist nicht gut für ADHS/
ADSler. Dort geht die Aufmerksamkeit sofort weg.

[01:20:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Industrien wird immer rotiert. Das ist gut für die ADHS/ADSler. Es muss
immer wieder abgewechselt werden.

[01:20:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: ich möchte selbständig werden.

[01:20:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mögen alle keine Vorgesetzten. Sie wollen der eigene Chef sein.

[01:21:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Lernt der Chef zusammen mit dem Schüler, dann geht es.

[01:21:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz herrschen da noch komische Chef Vorstellungen.

[01:21:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz noch ein paar komische Chefvorstellungen.

[01:21:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch Vorgesetzte, welche verrückt wurden und Dinge herumgeworfen haben.

[01:21:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist man in der oberen Etage, z.B. in der Chirurgie, gehört sich das.

[01:21:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bekannter Chirurg in Basal hat keine falsche Bewegung gemacht. Er hat mal seine
OP Schwester angeschrien. Die hat alles schön hingelegt und ist rausgelaufen. Er
fragte: wohin gehen sie? Sie antwortete: auf die Weide Gras fressen.

[01:21:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat sich ihren Platz erobert.

[01:22:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Geistesgegenwart zu haben, ist etwas für sich.

[01:22:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beruf mit Menschen ist für ADHS/ADSler immer gut.

[01:22:26.240] – Bemerkung 15
Im Spital kommt es schnell zum System Overload. Das lässt sich nicht so einfach
reduzieren.

[01:22:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind gut im Multitasking, wenn ihnen die Arbeit Spass macht. Das fährt
das Dopamin hoch.

[01:22:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu viel ist, bricht es zusammen.

[01:23:10.240] – Bemerkung 16
Sie leiden selber drunter. Die Feedbacks kommen schnell. Dann kommt die
Rechtfertigung.

[01:23:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Schüler in die Rechtfertigung kommt, dann muss man sagen: das wird hier
nicht diskutiert, wir diskutieren das separat.

[01:23:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Schüler sagen, wie er vorgegangen ist. Dann kommt die Validierung.

[01:23:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rechtfertigung muss separat diskutiert werden.

[01:23:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Fühlt sich der Schüler danach wertgeschätzt, haben sie danach eine bessere Situation.
Es ist ein üben, ein lernen. Es lernen beide.

[01:24:35.460] – Bemerkung 17
Es kommt zu erhöhten Lehrabschluss Abbrüchen. Wie geht man da vor? Wie soll man
mit dem Frust umgehen?

[01:24:55.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Immer, indem man schaut, wie ist das Mishap zustande gekommen.

[01:25:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut reculer pour mieux sauter.

[01:25:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zurückgehen und schauen, wie es schief gelaufen ist.

[01:25:13.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Beruf unbedingt wollen, muss man schauen, wie man es nochmals
machen kann. Nochmals eine Chance geben.

[01:25:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Tennisspieler hat zwei Anschläge.

[01:25:49.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann vielleicht drei oder vier.

[01:25:49.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: ist es wirklich der richtig Beruf?

[01:25:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche bleiben zwanghaft in einem Beruf: ich muss das hinkriegen. Es ist aber gar
nicht ihr Beruf. Solche habe ich dann auch.

[01:25:56.290] – Bemerkung 18
Wenn merkt auch, wenn sich einer durch gekämpft hat.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist gut wenn man sagt: versuch es durchzuziehen, auch wenn du den Beruf später
nicht ausübst. Du lernst so oder so. Es ist sehr viel menschliches Lernen dabei. Das
kannst du immer gebrauchen.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgeben, ausscheiden hinterlässt Spuren.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch sagen: nein aufhören, umorientieren. Das ist immer ein
schwieriger Entscheid.

[01:26:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muntere dazu auf, nicht aufzugeben. Wenn man das Papier hat, kann man etwas
neues machen.

[01:27:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Ausbildung bringt etwas mit sich, auch wenn der Abschluss nicht so gut ist. Man
hat trotzdem etwas gelernt.

[01:27:26.560] – Bemerkung 19
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Ich kann es noch nicht bei mir platzieren.

[01:27:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein Genotyp. Es wird genetisch vererbt. Es ist ein Neurotyp. Das Gehirn
eines ADHS/ADSler ist bisschen anders, es funktioniert anders.

[01:27:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Anders ist nicht krank. Anders aber nicht krank.

[01:27:41.461] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.kommode-verlag.ch/shop/anders-nicht-falsch/

[01:27:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Andersartigkeit wahrnehmen.

[01:27:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer unterscheiden: hier krank, dort gesund.

[01:27:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus spricht man vom Autismus-Spektrum. Es ist ein Spektrum.

[01:28:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das anpassungsfähigste, veränderbarste Organ. Das kann man nicht in
eine Schublade stecken.

[01:28:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suche nach dieser Genauigkeit, die geht nicht, die funktioniert nicht beim ADHS/
ADS.

[01:28:12.055] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis hier bist du gesund und dort wird es krank.

[01:28:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles eine Definitionssache.

[01:28:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verschiedene Kulturen anschauen: in China wird gerülpst während dem
Essen. Das heisst, das Essen schmeckt gut.

[01:28:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns ist das völlig unanständig.

[01:28:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist die gleiche Reaktion.

[01:28:56.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget spricht vom Dezentrieren.

[01:28:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Dezentrierung

[01:28:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät lernt man seine Moral, seine Ethik, seine Vorlieben erkennen und dann
auch durchsetzen.

[01:29:12.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Religionen aufeinander kommen oder zwei Nationen, also Leute von
verschiedenen Kulturen, dann muss man sagen können: In der Schweiz machen wir es
so, aber in Amerika macht man es so und in Japan so.

[01:29:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss man sich verneigen, bei uns gibt man sich die Hand.

[01:29:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unhöflich, wenn man sich die Hand nicht gibt in der Schweiz.

[01:29:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Coronazeit hat man sich die Hand nicht mehr gegeben. Jetzt weiss man nicht:
soll ich die Hand noch geben oder nicht?

[01:29:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss der Untergebene sich tiefer verneigen, als der höher Gestellte.

[01:29:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss den Unterschied wahrnehmen können.

[01:29:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, du funktionierst so, ich funktioniere so.

[01:30:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch zwei ADHS/ADSler unterschiedlich funktionieren.

[01:30:07.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine andere Funktionswiese vom Gehirn.

[01:30:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem wie man aufgewachsen ist, hat man etwas anderes gelernt.

[01:30:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spielt das ADHS/ADS eine Rolle und auch die Erziehung.

[01:30:41.810] – Bemerkung 20
Prokrastination ist ein Sympton, welches viele ADHS/ADSler haben. In der
Selbständigkeit hat man viel Fleissarbeit, die man nicht so gerne macht. Rechnungen
schreiben, Buchhaltung führen, etc. Begibt man sich hier nicht selber in Gefahr?

[01:30:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Buchhalter anstellen. Wenn man sich das nicht leisten kann, dann
kann man in dem Moment das Medikament nehmen. Das machen viele Erwachsene.
Haben sie eine langweilige Arbeit, die sie nicht gerne tun, dann nehmen sie eine Pille.
Gewisse machen das. Dann geht es. Man kann dann besser fokussieren.

[01:31:53.730] – Bemerkung 21
Bei der Prokrastination setzt man sich gar nicht erst hin.

[01:32:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es im Hinterkopf haben.

[01:32:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem Tag, an dem Ort, zu dieser Zeit mache ich diese Arbeit und ich nehme noch ein
Ritalin. Dann kann ich es.

[01:32:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Gehirn disziplinieren.

[01:32:18.128] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer ein wenig Selbstdisziplin. Man muss seine Pferde zähmen und
sagen: dann gehst du über das Hindernis.

[01:32:48.090] – Bemerkung 22
Man muss das Ritalin nicht immer einnehmen?

[01:32:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, gar nicht. Man denkt immer: das Medikament muss man immer nehmen.

[01:32:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt SSRI, die haben eine langsame Wirkung. Die greifen in den Serotonin Haushalt
ein. Die muss man immer nehmen.

[01:33:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin muss man nicht immer nehmen. Das kann man gezielt einsetzen.

[01:33:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sagen: wenn ich an die Universität gehe, ist es so interessant, dann brauche
ich kein Ritalin.

[01:33:47.010] – Bemerkung 23
Das Zwischenmenschliche ist mir sehr wichtig. Wenn ich das Medikament nehme, dann
spüre ich mich selber nicht mehr. Das Medikament verändert mich extrem. Ich will es
deshalb nicht nehmen. Ich bin dann sehr fokussiert auf die Schule, aber was mir am
Herzen liegt, kann ich nicht machen.

[01:33:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt jetzt immer mehr ans Licht. Das beobachte ich schon lange.

[01:33:56.981] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin gibt einen Fokus und die breite Wahrnehmung geht verloren. Die emotionale
Wahrnehmung geht verloren. Man ist nicht mehr so kreativ.

[01:34:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Architekturstudenten sagen dann: ich bin nicht mehr so kreativ.

[01:34:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: nicht nehmen.

[01:34:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Personen achten mehr auf die inneren Symptome, auf die inneren Gefühle,
andere schneiden das einfach ab.

[01:34:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern sage ich: in den Ferien nicht nehmen. Dort gibt es genügend
Stimulation. Auch am Wochenende nicht nehmen.

[01:35:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause zum Lernen müssen es die Studenten nehmen.

[01:35:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss jeder selber herausfinden.

[01:35:24.660] – Bemerkung 24
Wie gehe ich mit ADHS/ADS Patienten um? Dort hat man nur eine Chance vom
Auftreten her.

[01:35:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sagen mir Patienten: diese Krankenschwester hatte sicher ein ADHS/ADS.

[01:36:10.820] – Bemerkung 25
Gewissen Patienten geht die Aufklärung zu weit.

[01:36:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient reklamiert, würde ich nicht sagen: ja die hat ein ADHS/ADS. Das kann
man nicht zum Patienten sagen.

[01:36:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ja ich weiss, wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:36:30.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Patienten kann man sagen: sie dürfen sagen, dass es ihnen zu viel ist.

[01:36:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es auch um eine offene Kommunikation.

[01:36:54.710] – Bemerkung 26
Wie kann ich dem vorbeugen? Braucht der Mitarbeiter selber ein Coaching?

[01:37:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Vorbeugen ist schwierig. Viele ADHS/ADSler die merken wie sie sind,
wollen immer vorbeugen. Dann nehmen sie sich so stark zurück, dass sie verkrampft

werden. Das ist auch wieder nicht normal. Das sind oft Frauen, welche erst mit 40
Jahren die Diagnose erhalten.

[01:37:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann: ich bin halt so und sie können mir sagen, wenn es nicht gut ist.

[01:37:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu verkrampft gegen sein Naturell vorgeht, ist das nicht so gut.

[01:37:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird zu viel vorgebeugt. Dann wird alles verhindert. Die Spontanität geht dann
weg. Dann kommt bald ins Lügen. Man lügt etwas vor.

[01:37:49.444] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Fernsehsendungen versuche ich immer zu sehen: lügt der jetzt. Lügenverhalten
ist steifes Verhalt, nicht spontan, nicht natürlich. Man spürt den anderen nicht richtig.

[01:38:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber einmal ausrutschen und wieder daraus lernen.

[01:38:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat mit der Fehlerkultur zu tun.

[01:38:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss selber wissen, wie fest er vorbeugen möchte, wie fest er sich zurück halten
möchte. Das hängt mit der eigenen Erziehung zusammen.

[01:38:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so erzogen wurde, dass man gar nichts falsch machen darf, dann wollen die
wahnsinnig vorbeugen, bis zum Punkt, wo sie nicht mehr natürlich sind.

[01:39:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei jedem Individuum anders.

[01:39:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen den eigenen Weg finden, was sie gut finden. Das geben sie weiter. Das ist
nicht bei allen gleich.

[01:39:33.040] – Bemerkung 27
Wie sieht es damit aus, wenn man im HR arbeitet?

[01:39:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das HR muss aufpassen, dass nicht zu Anpassungszwecken missbraucht wird. Man
muss die Person zuerst einmal anhören, validieren und dann sagt: in dieser Situation
geht das nicht.

[01:40:20.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat zu einem Alkoholiker gesagt: mein Job ist mir wichtiger, ich möchte
nicht entlassen werden. Ich muss mich an die Regeln halten. Sie müssen lernen damit
umzugehen.

[01:40:36.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst validieren. Dann sagen sie was die Regeln sind.

[01:40:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr wichtig.

[01:40:36.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fühlt sich die Person verstanden.

[01:40:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hat das HR eine sehr wichtige Rolle.

[01:40:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst zuhören, wie sich die Person fühlt und Verständnis zeigen.

[01:41:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach das System erklären, welches man nicht ändern kann, weil es so laufen muss.
Wenn man im System bleiben möchte, muss man sich an dieser Stelle anpassen.

[01:41:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie bereiten sie sich auf das nächste Gespräch vor?

[01:42:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterverweisen zu einem Coach, nicht zu einem Therapeuten.

[01:42:10.490] – Bemerkung 28
Bei den männlichen Jugendlichen ist aber 15 Jahren die Hyperaktivität sichtbar.
Jemand möchte allen helfen, dabei gehen seine Aufgaben unter. Wie gehe ich damit
um?

[01:42:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst generalisieren und sagen: ich sehe, du bist ein Helfertyp, das ist sehr gut. Du
willst allen helfen. Du musst ein bisschen warten. Nicht gleich, wenn du ein Problem
siehst, gleich helfen wollen. Keinen spontanen Entscheid treffen. Zuerst loben für das
Helfen und dann zeigen, dass es an dieser Stelle nicht geht. Du kannst nicht
gleichzeitig allen helfen und Deine Arbeit machen.

[01:43:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen werden das nie los. Sie werden diese breite Aufmerksamkeit immer
sehen, das ist angeboren.

[01:43:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wirklich aufzeigen.

[01:43:54.290] – Bemerkung 29
Im Studium habe ich gelernt, dass ein ADHS/ADS Teilnehmer kein Hindernis ist für eine
Gruppe, sondern eine unentdeckte Stärke. Ich musste den Umgang mit der Person
lernen. Er hatte in einem Bereich einen Hyperfocus. Es lief super, wir konnten mit ihm
sehr gut umgehen.

[01:44:50.000] – Bemerkung 29
Man muss rausfinden, was die Stärke vom ADHS/ADS Mitarbeiter ist und ihn dort
einsetzen. Wenn der ADHS/ADSler genug reflektiert hat und seine Schwäche erkennt,
kann er sich dort zurück nehmen.

[01:44:50.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut, dass man ihn dort einsetzt, wo er seine Stärke hat. Das ist die Kunst
der Teamleiterin.

[01:44:59.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit einem Zirkusdirektor oder einem Löwenbändiger.

[01:45:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schaut, wer wo ist und wirft im richtigen Moment etwas zu. Das ist die Kunst.

[01:45:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur die Schwäche kritisieren.

[01:46:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass jemand sagt: ich möchte lernen mit meiner Schwäche
umzugehen. Das ist etwas anderes, das ist hohe Schule.

[01:46:16.850] – Bemerkung 30

Ich habe Mitarbeiter mit ADHS/ADS. Es kommt immer wieder zu einer Reizüberflutung.
Es fehlt ihnen immer die Struktur. Wie kann ich das fördern, beibringen? Es
überschwemmt sie immer wieder.

[01:46:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Führung der Menschen ist gut, wenn die alle Eigenverantwortung haben.

[01:47:01.754] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler überboarden, muss man wieder reinkommen. Jetzt machen wir
das so und so. Sie müssen in eine autoritäre Situation gehen und ordnen. Dort muss
man schneller eingreifen. Das heisstn nicht, dass man immer autoritär bleibt.

[01:47:01.986] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kunst ist, einmal sehr autoritär zu sein, alles dirigieren und sich dann wieder zurück
zu ziehen und die ADHS/ADSler sich selber zu überlassen.

[01:47:37.560] – Bemerkung 31
Selber auch dem Durcheinander raus zu kommen ist schwierig für sie.

[01:47:43.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann braucht es eine Krisensitzung. Dafür braucht man Zeit.

[01:47:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Kantonsspital Baden viele Krisensitzungen geleitet. Dort gab es grosse
Krisen.

[01:48:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher früher eingreifen, bevor das Durcheinander auftritt.

[01:48:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn eine Mutter ADHS/ADS Kinder erzieht, muss sie gewieft sein, sie darf nicht hinter
die Bewegung kommen. Wachsam sein und frühzeitig übernehmen. Das heisst nicht,
dass man immer übernimmt.

[01:48:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Kunst zwischen total die Führung übernehmen und alles laufen zu lassen.

[01:48:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind nicht so autoritär veranlagt. Es kommt auf die Geschwisterposition an.
Die Älteste ist eher autoritär, die Jüngste eher nicht.

[01:49:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen wie es läuft. Sie sagen nicht: du bist falsch und du bist richtig. Jetzt wird es
so gemacht. Darüber sind die Leute dann froh. Das entlastet sie.

[01:49:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Kinder.

[01:49:48.182] – Dr.med. Ursula Davatz
Die antiautoritäre Erziehung, wenn das Kind entscheidet, wann es isst, wann es ins Bett
geht, wann es aufsteht, etc., so werden Kinder zu Tyrannen erzogen. Das wollen wir
nicht.

[01:49:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Spass.

[01:49:57.170] – Bemerkung 32
Was machen sie mit den Kindern, wenn Mutter und Vater auch ADHS/ADS sind?

[01:50:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen einen gemeinsamen Nenner finden. Der gemeinsame Nenner ist: ich
möchte, dass mein Schüler, ihre Tochter, ihr Sohn eine möglichst gute Erfahrung macht
und eine gute Ausbildung bekommt. Ich würde vom Kind ausgehen.

[01:51:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern frage ich: was ist ihre grösste Angst? Ich versuche die Leute in ihrem Extrem
abzuholen. Was wollen sie verhindern? Was ist ihre grösste Angst, das bei ihrem Kind
schief laufen könnte? Ich gehe zu den Extremen.

[01:51:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt etwas raus, z.B., dass sie ihre Abschlussprüfung nicht schafft.

[01:51:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht gleich gegen die Eltern vorgehen.

[01:51:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeut ist man immer in Konkurrenz zu den Eltern. Man muss lernen
damit umzugehen.

[01:51:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Schutz vom Kind übernehmen, werden sie zur Konkurrenz.

[01:51:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter meint, dass man es anders machen muss. Die Mütter können einem
belehren wollen. Dann muss man die Mutter validieren. Ich frage nach der Angst.

[01:52:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre grösste Sorge? Was wollen sie verhindern?

[01:52:17.237] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen, wo man sich trifft.

[01:52:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: ja, das verstehe ich.

[01:52:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Mutter können es so anschauen, ich als Lehrperson muss es so anschauen. Sie
müssen auch ihr System verteidigen, welches einfach vorhanden ist.

[01:52:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieder die Unterschiede aufzeigen.

[01:53:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter sieht man es so und als Lehrperson sieht man es in der Berufsausbildung so.

[01:53:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor sie ihren Standpunkt beziehen, immer die Mutter validieren.

[01:53:28.370] – Bemerkung 33
Gibt es einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht?

[01:53:40.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sehr. Das kommt jetzt statistisch heraus. Viele ADHS/ADSler werden süchtig.

[01:53:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler zu eng erzogen werden, stossen sie mit ihren Emotionen überall
an.

[01:53:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Suchtmittel nehmen, sind sie ach so ruhig und ach so glücklich und alles ist
gut.

[01:54:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Definition der WHO für Gesundheit ist: körperliches Wohlbefinden, psychisches
Wohlbefinden und soziales Wohlbefinden.

[01:54:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Heroinsüchtige erfüllt alles. Er hat körperlich keine Schmerzen, er fühlt sich wohl,
es ist euphorisierend, es gibt ein Pseudo-Selbstwertsgefühl und sie brauchen sozial
nichts, ausser das Suchtmittel. Daher sind sie sehr gefährdet.

[01:54:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beruhigungsmittel sind auch Suchtmittel.

[01:54:59.897] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Suchtmittel nimmt, ist das immer ein Selbstbetrug.

[01:55:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle unangenehmen Gefühle, sind Rückmeldungen an das Gehirn, dass etwas nicht
stimmt. Ich bin nicht wohl, ich bin nicht im Gleichgewicht.

[01:55:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich künstlich mit Suchmitteln in das Gleichgewicht bringt, ist das ein
Pseudogleichgewicht und ein Pseudo-Selbstwertgefühl.

[01:55:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen muss man begleiten. Ich habe viele Suchtpatienten begleitet, viele Jahre
lang. Die Abstinenz vom Suchmittel war nie meine Absicht.

[01:55:19.417] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Zuerst muss man lernen die
Gefühle wahrzunehmen. Dann schauen, was das mit einem macht. Dann lernen, wie
die Gefühle entstehen und dann lernen wie man anders reagieren könnte.

[01:55:19.555] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist viel anstrengender als einen reinziehen.

[01:55:19.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS will schnell eine Lösung, da kommt das Suchtmittel genau richtig. Das
ist eine gefährliche Lösung.

[01:55:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die alle runter bremsen. Das ist das gleiche, dass man nicht spontan
entscheidet. Jetzt wird gelernt.

[01:55:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Alkoholsüchtige begleitet, die schlussendlich Freude am Leben bekommen
haben und gesagt haben, jetzt bin ich bei mir, ich bin richtig stolz auf mich.

[01:56:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Suchtprogrammen wird oft auch mit Belohnung und Bestrafung gearbeitet.

[01:56:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist ein lebenlanges Lernen. Ich komme immer wieder zum sokratischen
Lernen. Der Lehrer lernt auch vom Schüler.

[01:56:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide lernen, ist es spannend.

[01:56:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich ihnen zum Abschluss.

30-jähriges Jubiläum des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie ambulant (ZPPA)

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Dr.med. Werner Saameli

11.4.2025
30-jähriges Jubiläum des Zentrums für Psychiatrie und
Psychotherapie ambulant (ZPPA)
Audio

[00:00:00.420] – Dr.med. Werner Saameli
Meine herzliche Gratulation zum Erreichten und Glückwünsche für die Zukunft, die sie
ins Auge fassen.

[00:00:14.130] – Dr.med. Werner Saameli
Aarau und Thun kämpfen um den Ausstieg, da mische ich mich nicht ein.

[00:00:14.410] – Dr.med. Werner Saameli
Ich bin der Überzeugung, dass es keine Zukunft ohne Herkunft gibt.

[00:00:27.190] – Dr.med. Werner Saameli
Ich bedanke ich mich ausdrücklich für die Gelegenheit, diesen Beitrag leisten zu dürfen,
der durchaus persönlich gefärbt ist.

[00:00:37.030] – Dr.med. Werner Saameli
Als mich Prof. Dr. med. F. Gnirss, der damalige Chefarzt der Klinik Königsfelden, der
damals selbstverständlich auch Direktor der ganzen Institution war, 1975, während
meiner Oberarztzeit an der Psychiatrische Universitätsklinik Zürich zur Übernahme des
Sozialpsychiatrischen Dienstes SPD berief, war der geplante Aufbau desselben bereits
1971 in der Spitalkonzeption für den Kanton Aargau enthalten, die der freisinnige
Gesundheitsdirektor Bruno Hunziker verantwortete.

[00:01:12.340] – Dr.med. Werner Saameli
Dass ich den politischen Standort erwähne, hat damit zu tun, dass die Psychiatrie im
Nachgang der 68er-Bewegung und der demokratischen Psychiatriereform von Franco

Basaglia mit der Aufhebung der psychiatrischen Kliniken in Italien und der
Instrumentalisierung der Patienten insgesamt echt, richtig, politisiert war.

[00:01:38.460] – Dr.med. Werner Saameli
Deshalb wurde der Begriff „sozial" auch im Sinne von "sozialistisch" missverstanden.

[00:01:46.660] – Dr.med. Werner Saameli
Nach der ebenfalls neuen Ambulanz-KF, 1973, war der SPD 74 zuerst mit einem
Wohnheim, später Nachtklinik genannt und geschützten Werkstätten mit dem Ziel
eröffnet worden, die damals 800 Betten zählende Klinik von Langzeitpatienten mit
chronischer Psychose zu entlassen.

[00:02:12.360] – Dr.med. Werner Saameli
Es ging darum, in dieser Übergangsinstitution eine verantwortbare Entlassung und dank
konsequenter ambulanter Nachbetreuung, unter anderem mit DEPO-Neuroleptika, eine
funktionierende Rückfallprofilaxe zu erreichen.

[00:02:30.780] – Dr.med. Werner Saameli
Als ich am 1. Juni 1976 die Stelle antrat, bestand der Dienst aus je einer Pflegefachfrau
und einem Pflegefachmann Psychiatrie, drei Werkstattleitern, einer Sekretärin, einer
Sozialarbeiterin, zwei Assistenzen der ärztlichen Leitung und deren Stellvertretung.

[00:02:50.760] – Dr.med. Werner Saameli
Was bis zur Eröffnung einer Drogenberatungsstelle "Kontakt" in Brugg und einer
Tagesklinik auch so blieb.

[00:03:01.310] – Dr.med. Werner Saameli
Nicht von ungefähr war ich damals von Zürich aus mit der Drogenwelle, die Limmat
abwärts in den Aargau, geschwemmt worden.

[00:03:14.040] – Dr.med. Werner Saameli
Das war die hohe Zeit der Drogenproblematik.

[00:03:16.570] – Dr.med. Werner Saameli
Der SPD hatte nämlich auch explizit die Aufgabe, ein Suchtambulatorium zu führen.

[00:03:23.830] – Dr.med. Werner Saameli
In diesem hatten wir bereits 1976 den Mut, in Zusammenarbeit mit dem Kantonshaus
und in Anlehnung an Prof. Dr. Dr. Ambros Uchtenhagen vom SPD Zürich bei
Heroinabhängigen, die bereits mehrere gescheiterte Entziehungskuren hinter sich
hatten, Substitutionsbehandlungen mit Methadon durchzuführen.

[00:03:46.460] – Dr.med. Werner Saameli
Diese waren damals bei Basler Suchtfachleuten, die sehr berühmt waren, absolut noch
verpönt und in Bern noch gar nicht etabliert.

[00:03:57.850] – Dr.med. Werner Saameli
Die Zusammenarbeit mit Institutionen des Jugendstrafvorzuges, wie Aaburg und Birr,
sowie der Arbeitskolonie Murimoos, wurden von diesen als sehr hilfreich erlebt, da man
das Motto „Arbeit kann krank machen, keine aber noch Kränker gut ankommen ist."

[00:04:21.870] – Dr.med. Werner Saameli
Mit einer anspruchsvollen halbtägigen kaderärztlichen Präsenz in der
psychosomatischen Abteilung, wirkten wir auch in der Klinik Barmerwaid.

[00:04:33.780] – Dr.med. Werner Saameli
Besonders erwähnenswert ist die 1980 eröffnete Tagesklinik im alten Spital in
Königsfelden, die meines Wissens damals in der Schweiz die erste an einer
nichtuniversitären psychiatrischen Institution war.

[00:04:51.960] – Dr.med. Werner Saameli
Unsere Arbeitsmethoden in den Übergangseinrichtungen orientierten sich am durch
Professor Edgar Heim der Klinik Schlössli in Zürcher-Oberland erfolgreich angewandten

milieu-therapeutischen, Modellwerk-therapeutischen Gemeinschaft, deren Gründer,
Maxwell Jones, beheerte uns sogar zweimal mit seiner Präsenz und Live-Supervision.

[00:05:16.570] – Dr.med. Werner Saameli
Ambulant führten wir mit dem Schweizer Pionier Professor Kaufmann aus Lausanne
unter Verbindung mit dem Institut für Ehe und Familie in Zürich die systemisch
orientierte Therapie ein.

[00:05:30.310] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn ich das so aufzähle, wird mir selber beinahe schwindlig vor so viel Dynamik.

[00:05:37.910] – Dr.med. Werner Saameli
Kein Wunder, dass in den anderen Departementen der Klinik Missgunst vor so viel
Gestaltungsfreiheit aufkam.

[00:05:46.590] – Dr.med. Werner Saameli
Im Wesentlichen war der SPD jedoch eine Übergangseinrichtung.

[00:05:53.340] – Dr.med. Werner Saameli
Aus der Schnittstelle stationär / ambulant wurde eine Nahtstelle.

[00:05:59.740] – Dr.med. Werner Saameli
Die netzwerkartige Unterstützung von professionellen Helfern in primär nicht-
psychiatrischen Institutionen, trug zur Früherfassung von psychopathologischen
Entwicklungen und zur Verhinderung von vollstationären psychiatrischen
Hospitalisationen bei.

[00:06:19.990] – Dr.med. Werner Saameli
Eine katamnestische Studie meines damaligen Oberarztes Alfred Ruhoff, wies Ende der
70er Jahre folgenden Effekt der damals insgesamt sechs Jahre bestehende Nachtklinik,
nach, der im Jahresbericht 1979 publiziert wurde.

[00:06:37.900] – Dr.med. Werner Saameli
Ich zitiere: die in dieser Periode ausgetretenen 85 im Mittel 50 Jahre alten Patienten,
waren im Durchschnitt vor ihrem Austritt 14 Jahre, 14 Jahre in der Klinik hospitalisiert
gewesen.

[00:06:56.800] – Dr.med. Werner Saameli
Von diesen waren zum Zeitpunkt der Nachuntersorgung, 72 außerhalb der Klinik,
mehrheitlich selbstständig wohnhaft und in der Mehrzahl ambulant vom SPD im Sinne
einer Rückfallprophylaxe betreut.

[00:07:14.030] – Dr.med. Werner Saameli
Drei Fünftel dieser früher sogenannt unveränderbaren Langzeitpatienten bedurften seit
ihrem Austritt aus der Nachtklinik bis zum Zeitpunkt der katamnestischen Untersuchung
nie mehr einer Rehospitalisation.

[00:07:33.090] – Dr.med. Werner Saameli
Fünfzig gingen einer entschädigten Arbeit nach, 46 empfanden die Lebensqualität
außerhalb der Klinik besser und nur fünf als schlechter.

[00:07:47.660] – Dr.med. Werner Saameli
Es war damals nicht selbstverständlich, dass der Austritt seitens der Klinik gewünscht
war.

[00:07:54.230] – Dr.med. Werner Saameli
So erinnere ich mich an einen stabilisierten Mann im besten Alter, den man von der
Klinik aus nicht in die Übergangseinrichtung gehen ließ, weil er in der Klinikwäscherei
weit und breit der beste Hemdenbügler war.

[00:08:12.910] – Dr.med. Werner Saameli
Selbstkritisch gehört in diesem Zusammenhang aber doch die Frage, ob wir im Furor-
Rehabilitativus nicht manchmal zu forsch vorgegangen sind.

[00:08:26.450] – Dr.med. Werner Saameli
Wenn wir die Entlassung aus dem stationären Bereich auch Menschen forcierten, die in
Königsfeldern ihre neue Heimat und ihr zu Hause gefunden hatten.

[00:08:38.680] – Dr.med. Werner Saameli
Gerade in solchen Fällen wäre es aber wichtig gewesen, dass sie wenigstens in ihre
frühere Herkunftswohngegend hätten austreten und dort noch betreut werden können
und nicht nur im Umfeld Windisch/Brugg.

[00:08:55.210] – Dr.med. Werner Saameli
Dies führt zum Thema Dezentralisation von ambulanten Einrichtungen.

[00:09:01.120] – Dr.med. Werner Saameli
Mit dieser Forderung tat man sich 1981 noch schwer, ob schon damals die Kinder-und
Jugendpsychiatrische Dienst, KJPD, schon von Aarau aus wirkt.

[00:09:12.900] – Dr.med. Werner Saameli
Im Badener Tagblatt vom 25. Juli 1981 wird durch den Kolumnisten Rübliländer, die als
erschreckend bezeichnete Ankündigung erwähnt, dass vom 1. August 1981 an, der
KJPD mit einem Ambulatorium in Wohlen auch bei Freiämterkindern schwerwiegende
psychopathologische Störung, feststellen und zu Behandeln versuchen wolle, ob denn
ein Kantons umfassendes Kinder-und Jugendpsychiatrie-Netz mit deren finanziellen
Folgen überhaupt Sinn mache oder sein müsse?

[00:10:04.960] – Dr.med. Werner Saameli
Ich zitiere: hier sei jedoch mit – das schreibt der Ruebliländer – aller Deutlichkeit gegen
die Tendenz protestiert, dass Psychiater, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen,
eine immer größer werdende Schar von Kindern und Jugendlichen zu Menschen mit
schwerwiegenden psychiatrischen Störungen stempeln. Es kann nicht Aufgabe eines
psychiatrischen Dienstes sein, aus Mücken Elefanten zu machen. Auch wenn es die
Psychiater nicht gerne hören. Unsere Kinder sind weit normaler, als dies Psychiater
haben wollen. Der Verdacht, dass der KJPD zum Selbstzweck besteht, hat sich seit
dem siebenjährigen Bestehen bestätigt.

[00:11:04.370] – Dr.med. Werner Saameli
Trotz diesem öffentlich bekundeten Vorbehalten gegen die Dezentralisierung von
ambulanten psychiatrischen Institutionen, lag der Wunsch nach einer solchen auch aus
der Sicht des SPD auf der Hand.

[00:11:19.110] – Dr.med. Werner Saameli
Die von uns erbrachten konziliarischen Dienstleistungen waren von Murimoos bis
Aarburg über den ganzen Kanton verstreut. Eine Teilnahme am Tagesklinik Programm
KF für eine Patientin, zum Beispiel aus Zofingen, war illusorisch.

[00:11:37.380] – Dr.med. Werner Saameli
Dank der Initiative von Herrn Siemers, eines Sozialarbeiters der Gemeinde Suhr, der
früher am Aufbau des SPD in Zürich beteiligt gewesen war, konnten wir mit
Unterstützung der Sozialarbeiterinnen des Ambulatoriums KF in einem Unternehmen
des ersten Arbeitsmarktes, nämlich der Firma Möbel Pfister, ein damals revolutionäres
berufliches Integrationsprogramm in der freien Wirtschaft lancieren.

[00:12:09.790] – Dr.med. Werner Saameli
Wir konnten nämlich Langzeitpatienten aus KF in damals beschützend genannte
Nischenarbeitsplätze der freien Wirtschaft eingliedern.

[00:12:21.070] – Dr.med. Werner Saameli
Die gute Beziehung zur Unternehmensführung belegte, dass berufliche Rehabilitation
nicht nur in von KF betriebenen Werkstätten erfolgen kann.

[00:12:32.940] – Dr.med. Werner Saameli
Was Jahrzehnte später von der angelsächsischen Welt her in der Schweiz unter dem
Namen Supported Employment als Neuigkeit und von der IV gelobt, Mode wurde,
bestand also im Kanton Aargau schon zu Beginn der 1980er-Jahren.

[00:12:52.270] – Dr.med. Werner Saameli

Eine wissenschaftliche Publikation darüber wäre mir aber von der Direktion untersagt
worden, da man die biologisch orientierte Schlafforschungsabteilung von KF nicht
konkurrenzieren dürfen.

[00:13:08.110] – Dr.med. Werner Saameli
Bei aller persönlichen Wertschätzung mir als Person gegenüber hatte der
Forschungsleiter keinen Zugang zum Einbezug des Umfeldes für das Verständnis und
die Behandlung psychischen Krankseins, wie man die Sozialpsychiatrie auf einen
Nenner bringen kann.

[00:13:27.980] – Dr.med. Werner Saameli
Der Einbezug des familiären und beruflichen Umfeldes macht deutlich, dass es sinnvoll
ist, die Behandlung psychisch Kranker möglichst nahe zu ihrer Gemeinde
durchzuführen, wo sie wohnen und arbeiten, insbesondere wenn interprofessionell
Zusammenarbeit im therapeutischen System von Pflege, Sozialarbeit, Psychologie und
Medizin ambulant oder halbstationär vor Ort wirken und eine Hospitalisation in der
zentralen Klinik verhindern oder zumindest verkürzen soll.

[00:14:01.140] – Dr.med. Werner Saameli
Anfangs der 1980er-Jahre war, und das ist jetzt spannend, eine Aufnahme …

[00:14:08.060] – Dr.med. Frank Marohn
Die Hüte der Zeit, das ist sehr spannend.

[00:14:16.310] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, ich habe meinen Text vorausgeschickt und ich halte durch!

[00:14:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Rede weiter.

[00:14:21.980] – Dr.med. Roman Vogt
Wir sind jetzt in der zweiten Verlängerung.

[00:14:30.300] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, es gibt noch Wiederholungen.

[00:14:35.170] – Dr.med. Werner Saameli
Ja, es war nämlich eine Aufnahmeklinik für rund 70 Millionen Franken geplant in den
80er Jahren auf dem Areal von Königsfelden, ob schon doch die Bettenzahl und
Aufnahmedauer rückläufig waren und die Zahl der stationären Patienten mit knapp über
2000 pro Jahr nicht höher lag als die Zahl der ambulanten Patienten.

[00:15:06.110] – Dr.med. Werner Saameli
In diesem Zusammenhang war für den Sprechenden nicht nachvollziehbar, dass in
einem neuen Organisationsdekret für die Klinikleitung neben dem Verwaltungs- und
Pflegeleiter, wohl der Ärztliche Direktor als Vorsitzender und sein stationär orientierter
Stellvertreter der Gesamtleitung angehörten, aber weder der Leiter der Ambulanz noch
des SPD in das neue Führungsprämium aufgenommen wurden.

[00:15:36.270] – Dr.med. Werner Saameli
Aus meiner Sicht als Leiter des SPD lag es näher, die institutionellen Dienstleistungen
im Sinne von Ambulanz und Übergangseinrichtungen zu dezentralisieren, anstatt viel
Geld zu Gunsten, eines zentralen Neubaus für stationäre Behandlungen auszugeben.

[00:15:55.490] – Dr.med. Werner Saameli
Die Thematik wurde auch in den Medien offen als Politikum diskutiert.

[00:16:01.890] – Dr.med. Werner Saameli
Die damalige Kantonsärztin wusste nicht, wovon wir sprachen, da sie allen Ernstes
glaubte, dass doch die Klinik mit dem Pavillon System schon genügend dezentralisiert
sei.

[00:16:14.860] – Dr.med. Werner Saameli

Der damalige Regierungsrat, der für das Gesundheitswesen zuständig war, vertrat aus
politischen Überlegungen, dass der mit seinen vier Regionen auseinanderdriftende
Kanton unbedingt auf das allerseits anerkannte historische Zentrum von Königsfelden
mit Klosterkirche und Vindonissa angewiesen sei.

[00:16:43.460] – Dr.med. Werner Saameli
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigsfelden

[00:16:44.180] – Dr.med. Werner Saameli
Der Ort, wo traditionell schon immer Kranke gepflegt worden seien, halte den Kanton
zusammen.

[00:16:52.400] – Dr.med. Werner Saameli
Der lange Weg zur ambulanten Behandlung in Königsfelden sei den psychisch Kranken
als ihren Beitrag zur Kohäsion des Kantons zuzumuten.

[00:17:07.190] – Dr.med. Werner Saameli
Nota bene, bei damals nur fünf praktizierenden Psychiatern im ganzen Kanton.

[00:17:15.760] – Dr.med. Werner Saameli
Ich komme langsam zum Schluss.

[00:17:17.470] – Dr.med. Werner Saameli
Die divergierenden Vorstellungen über die Zukunft der Psychiatrie im Aargau führten
dazu, dass ich aareaufwärts eine Chefarztstelle annahm, mit deren Perspektiven ich
mich identifiziere identifizieren konnte.

[00:17:32.830] – Dr.med. Werner Saameli
Lassen sie mich zum Abschluss an mein häufig zitiertes Diktum erinnern, dass mir der
damalige Assistenzarzt und spätere Direktor der Klinik und Chef des internen
Psychiatrischen Dienstes, IPD, dem Mario Etzensberger, zum Abschied auf ein Torso
mit den Unterschriften aller Teammitglieder geschenkt hat.

[00:18:05.640] – Dr.med. Werner Saameli
Bei allem reden, handeln und planen, führen über psychisch Kranke, das geht nicht auf
den Buckel des Patienten.

[00:18:19.640] – Dr.med. Frank Marohn
Das war jetzt ein sehr schöner Einblick Blick und Überblick in eine definitiv andere Zeit,
die aber dann doch den Boden geboten hat und bestellt hat für das, was danach kam.

[00:18:40.670] – Prof. Dr.med. Marc Walter
Auffallend, finde ich, und spannend, dass von Psychologen noch gar nicht die Rede war
und auch spannend, dass gewisse Märkte wahrscheinlich erst erschlossen werden
mussten und dass die Politik natürlich eine ganz wichtige Rolle spielt für das, was sie
ermöglicht oder auch nicht.

[00:18:56.210] – Dr.med. Frank Marohn
Vielleicht noch eine Bemerkung: sie haben jetzt gesagt, Klinikneubau 70 Millionen.

[00:19:01.130] – Dr.med. Frank Marohn
Ich glaube, als er dann einige Jahrzehnte später kam, wurde er ein bisschen teurer.

[00:19:07.680] – Dr.med. Frank Marohn
Jetzt vielleicht doch gerne. Wir sind gespannt, wie es weitergeht in der lebendigen
Geschichte der Entwicklung der letzten Jahre, gebe ich weiter an Dr.med. Ursula
Davatz.

[00:19:16.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Sympathie für Werner Saameli, rede ich auch Hochdeutsch.

[00:19:22.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kam 1980 aus Amerika.

[00:19:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Am 1. April habe ich begonnen in Königsfelden im SPD zu arbeiten.

[00:19:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte die Stelle mir schon zwei Jahre vorher reserviert, aber ich habe noch eine
Ausbildung in Familientherapie gemacht und Werner Saameli hat den alten Oberarzt Dr.
Ruhoff, dann immer noch behalten, bis ich reinkommen konnte.

[00:19:51.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer gesagt, ich bin ein April-Scherz.

[00:19:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In Amerika habe ich Familientherapie gelernt, Systemtherapie Therapie bei einem der
berühmten Begründer der Therapie, Murray Bowen, und er war Schizophreniespezialist.

[00:20:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In Amerika habe ich nur vier Familien gehabt mit Schizophrenie.

[00:20:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich dann nach Königsfelgen kam, in den SPD, hatte ich viele
Schizophreniepatienten und Familien.

[00:20:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich konnte also weiter meine Kunst üben.

[00:20:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Systemtherapie war damals en vogue.

[00:20:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Professor Willy in Zürich war ein Exponent davon.

[00:20:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Und ich glaube, Werner Saameli hat auch noch eine Ausbildung damals gemacht.

[00:20:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, leider ist sie jetzt nicht mehr en vogue.

[00:20:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In Deutschland ist die Psychiatrie-Enquête hochgelaufen.

[00:20:48.550] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Psychiatrie-Enqu%C3%AAte

[00:20:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die war mehr politisch orientiert.

[00:20:51.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Slogan war, und das wurde schon mehrmals heute gesagt: ambulant vor stationär.

[00:20:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben dann eine ganz einfache die Kostenberechnung gemacht.

[00:21:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe nur zehn Patienten genommen.

[00:21:05.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ambulant waren, kosteten sie CHF 50'000, stationär CHF 200'000.

[00:21:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde immer gesagt, es ist gar nicht so sicher, dass die ambulante Psychiatrie
billiger ist als die stationäre, denn man muss dann nach Hause gehen und viel Aufwand
und so weiter.

[00:21:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gleiche wurde gesagt von den Familientherapien.

[00:21:35.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Familientherapie ist zwar interessant, aber sie ist zu aufwendig.

[00:21:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein, es ist genau das Umgekehrte. Ich bin natürlich passionierte
Familientherapeutin.

[00:21:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Oberarztstelle bekommen und als Werner Saameli wegging, war die
SPD-leitende Arztstelle ein Jahr vakant, verwaist und dann habe ich die Stelle
bekommen als leitende Ärztin.

[00:22:08.320] – Dr.med. Frank Marohn
Welche Berufsgruppen waren denn damals dort involviert?

[00:22:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir waren nur Psychiater und Psychiatriepfleger und Schwestern.

[00:22:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater sind eine aussterbende Spezies in der Schweiz.

[00:22:25.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mühe, Psychiater zu finden.

[00:22:28.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich darüber, dass Psychologinnen und Psychologen nachkommen und viel
von der Arbeit übernehmen.

[00:22:39.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals wollten die ein grosses Gebäude bauen.

[00:22:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe den Architekten sogar gekannt oder kennengelernt, der das Projekt gemacht
hat für 80 Millionen oder so was.

[00:22:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dort – das darf ich jetzt sagen – so politisch intrigiert.

[00:23:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit dem damaligen Juristenfreund vom Gesundheitshaltsdirektor des Kantons,
geredet und wir haben gesagt, das ist rückläufig, es braucht keine Klinik für 800
Menschen, ein Männertrakt und ein Frauentrakt.

[00:23:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dieses Projekt hintertrieben, kann ich jetzt sagen.

[00:23:31.060] – Dr.med. Frank Marohn
Wenn ich mich richtig erinnere, war ja zu ihrer Zeit auf der einen Seite das
Klinikambulatorium, auf der anderen Seite der Sozialpsychiatrische Dienst.

[00:23:38.510] – Dr.med. Frank Marohn
Was waren denn die Unterschiede? Beziehungsweise, können Sie was dazu sagen?

[00:23:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann ich gerne sagen.

[00:23:44.210] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben schon 20 Jahre Jubiläum gefeiert und da haben wir das AMBI dargestellt als:
die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen.

[00:23:59.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war das Aschenputtel, das die Schlechten ins Kröpfchen getan hat.

[00:24:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das AMBI hatte die vornehmeren Patienten, die leichter zu behandeln waren.

[00:24:12.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten die Schizophrenen, die Langzeitpatienten, die Drogensüchtigen. Das einzige
Methadon-Programm war bei Franz Blum. Er ist auch hier. Wir mussten Methadon
abgeben. Das einzige Methadon-Programm.

[00:24:29.900] – Dr.med. Frank Marohn
Es wird dann klar, wie weit eigentlich die Spezialisierung, die Regionalisierung und die
Professionalisierung fortgeschritten sind und wo das eigentlich so die Anfänge, wie sie
das jetzt schildern, wo alles noch viel mehr vermischt und näher zusammen war.
Mittlerweile hat das ja eine immense Differenzierung gegeben. Was man ja sagen
muss, eine Strukturqualität, die eindürklich ist.

[00:24:53.050] – Dr.med. Frank Marohn
Es wurde vorhin geredet von den ambulanten, also den umherreisenden Psychopathen.
Roman, du weißt noch einer meiner Sprüche ganz am Anfang war.

[00:25:01.410] – Dr.med. Roman Vogt
Ja, bringst du ihn. Du bringst den Spruch. Ja, bitte.

[00:25:06.700] – Dr.med. Frank Marohn
Fahren sie mich irgendwo hin, wir werden überall gebraucht.

[00:25:10.040] – Dr.med. Frank Marohn

Ich denke, das ist so der Teil, wo wir uns, wo wir ausgeschwärmt sind und wirklich uns
angefangen haben zu vernetzen, zu öffnen und auch für unser Fachgebiet Reklame zu
machen.

[00:25:22.220] – Dr.med. Roman Vogt
Ursula, ich war zu dieser Zeit, als du leitende Ärztin des SPD warst und Dr.med.
Schamsi H. Sobhani, Chef des Ambulatoriums, war ich als Hausarzt drei Kilometer von
euch entfernt und ich wusste nicht, wen ich wohin schicken soll, ob zum SPD oder zum
AMBI.

[00:25:44.270] – Dr.med. Roman Vogt
Ich wusste es nicht.

[00:25:46.350] – Dr.med. Roman Vogt
Ich bekam erst Einblick, als ich dann selbst auf dem Areal Königsfelden tätig war.

[00:25:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe noch einen Brief von dir bekommen auf, wie Recyclingpapier.

[00:26:02.450] – Dr.med. Roman Vogt
Natürlich! Schön grau.

[00:26:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber farbig war die Zukunft.

[00:26:14.590] – Bemerkung 1
Frau Dr.med. Ursula Davatz, können sie noch ein bisschen etwas sagen über die
Entwicklung vom EPD, wie dann die verschiedenen Standorte gekommen sind und wie
sich das so ein bisschen zusammengebaut hat?

[00:26:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann seine Stelle übernommen, ein Jahr später. Ich musste mich reindrängen.

[00:26:36.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Regierungsrat wollte zuerst jemand anderes nehmen, aber der hat dann abgesagt
und als Ersatz für den wurde ich dann gewählt.

[00:26:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir natürlich die Sozialpsychiatrie vorangetrieben.

[00:26:49.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte zwei Oberärzte, Dr. Sacks und Dr. Kurt Bachmann.

[00:26:55.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit denen haben wir zusammen Vorträge gehalten im ganzen in Kanton.

[00:27:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema war: Psychiatrie im Alltag.

[00:27:05.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas ganz Banales.

[00:27:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle möglichen Vereine angefragt, ob wir unseren Vortrag halten dürfen.

[00:27:11.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es gratis gemacht.

[00:27:13.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Reklame gemacht für die ambulante Psychiatrie.

[00:27:20.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann wurde der SPD abgetrennt von der Klinik, aber als ich dann wegging, wurde er
wieder zusammengeschlossen.

[00:27:33.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat immer so Bewegungen gegeben.

[00:27:36.350] – Dr.med. Frank Marohn
Das war ja genau der Mann, der heute nicht dabei ist, der Urs Fromm, zu dessen Zeiten
wir dann begonnen haben, Roman Vogt und ich.

[00:27:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Darf ich noch schnell meinen Abschluss machen?

[00:27:52.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt ja, Blick in die Zukunft.

[00:27:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt etwas Kritisches.

[00:27:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie ist aus meiner Sicht zu sehr verortet im medizinischen Modell.

[00:28:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war am Dingleton Hospital in Schottland, das von Maxwell Jones gegründet wurde.

[00:28:12.717] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nhsborders.scot.nhs.uk/patients-and-visitors/latest-news/2022/july/27/celebration-to-mark-150-years-of-dingleton-hospital/

[00:28:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn auch zweimal organisiert, dass er zu uns zu Besuch kam.

[00:28:17.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wir sollten viel systemischer werden und das System mit einbeziehen, also
das Umfeld.

[00:28:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war damals in den 1980er Jahren in der Lehrplanrevision Kanton vom Aargau,
Abteilung Gesundheitserziehung.

[00:28:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir lang diskutiert: was sagen wir da? Schlussendlich kamen wir auf den
Spruch: Leben und leben lassen.

[00:28:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage jetzt nicht nur: Leben und leben lassen..

[00:28:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Leben und leben lassen und Leben unterstützen.

[00:29:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich jetzt in die Zukunft schaue, ich habe viele Kinder, die aus der Schule
kommen, das Schulsystem ist aus meiner Sicht im Argen.

[00:29:09.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer sind nicht genügend unterstützt.

[00:29:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in die Zukunft schauen will, dann denke ich, die Psychiatrie beginnt in der
Schule und nicht erst in der Jugendpsychiatrie.

[00:29:18.120] – Dr.med. Frank Marohn

Indem man Bedingungen vielleicht hilft, mit zu gestalten und bessere Entwickungen zu
ermöglichen.

[00:29:22.740] – Dr.med. Frank Marohn
Ich denke, die Psychiatrie ist immerhin Teil der Medizin und vielleicht zwischen
zwischen der Psychologie und der Medizin angezeigt.

[00:29:32.720] – Dr.med. Frank Marohn
Ich denke, der systemische Zugang ist wichtig und ist natürlich einer, aber der
tiefenpsychologische oder die integrierte Versorgung, so wie wir das heute machen, hat
das eigentlich ein bisschen abgelöst oder ergänzt.

[00:29:56.440] – Dr. med. Katrin Hanno
Wie haben sich die Standorte entwickelt? Die Standorte sind doch sehr wichtig.

[00:30:10.580] – Dr.med. Roman Vogt
1995 bis 2005.

[00:30:10.970] – Dr.med. Roman Vogt
1995 war Dr.med. Urs Fromm aus Thun Chefarzt vom EPD.

[00:30:44.140] – Dr.med. Roman Vogt
Dr.med. Schamsi H. Sobhani hat Aarau übernommen, du Baden.

[00:30:46.720] – Dr.med. Roman Vogt
Zuerst ist man nach Aarau auspilgert in das Haus, das dann später Tagesklinik war.

[00:30:52.890] – Dr.med. Roman Vogt
Patrick Jeger hallo.

[00:30:53.770] – Dr.med. Roman Vogt

Du bist nach Baden an die Hasselstraße 1996 im Frühling.

[00:31:03.690] – Dr.med. Roman Vogt
Dr.med. Urs Fromm hatte sein Büro in Königsfelden.

[00:31:12.850] – Dr.med. Roman Vogt
Auf der Achse Baden, Aarau, Königsfelden hat sich fast alles abgespielt.

[00:31:14.190] – Dr.med. Roman Vogt
Manfred Ries in Wohlen ab 1. April 1996 und ich neu im EPD im Frick ab 1. April 1996.

[00:31:23.910] – Dr.med. Roman Vogt
Wir haben es relativ frei und gut gehabt.

[00:31:27.060] – Dr.med. Roman Vogt
Wir konnten dort Aufbauarbeit leisten.

[00:31:30.220] – Dr.med. Roman Vogt
Unsere Teams haben bestanden aus einer Sekretärin, zwei Frauen mit einem Job
Sharing, eine Assistenzärztin, ein Sozialarbeiter/Sozialpädagoge und ein
Psychiatriepfleger.

[00:31:46.570] – Dr.med. Roman Vogt
Wenn wir die Fälle verteilt haben, hat es nie Streit gegeben. Es war immer klar, was zu
wem kommt.

[00:31:46.790] – Dr.med. Roman Vogt
Wenn so ein Team gut läuft, läuft es super.

[00:31:50.180] – Dr.med. Roman Vogt

Die Kräfte haben sich auf der Achse Baden, Aarau, Königsfelden ein bisschen
abgerieben.

[00:32:06.050] – Dr.med. Roman Vogt
Manfred und ich konnten relativ frei im Friktal und im Freiamt arbeiten.

[00:32:12.660] – Dr.med. Roman Vogt
Dr.med. Schamsi H. Sobhani hat sich als erstes zurückgezogen. Du hast dich nachher
zurückgezogen.

[00:32:18.240] – Dr.med. Roman Vogt
Dann bin ich Stellvertreter geworden vom Urs Fromm und habe Baden geleitet. Das
ging so bis 2004. Dann kommt die nächste Periode.

[00:32:32.180] – Dr.med. Frank Marohn
Wichtig vielleicht auch, wir sehen ja nicht alle Fäden, die zusammenlaufen.

[00:32:38.640] – Dr.med. Frank Marohn
Ich denke, wir haben noch angefangen, den Konziliadienst zu machen, was dann erst
viel später an den anderen Bereich übergeben wurde.

[00:32:51.070] – Dr.med. Frank Marohn
Zu dem Zeitpunkt waren kaum noch Psychologen im Dienst.

[00:32:55.790] – Dr.med. Roman Vogt
Wir sind im Friktal wirklich warm begrüßt worden, willkommen geheißen worden.

Immer mehr psychisch kranke Jugendliche. Was läuft schief?

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

29.3.2025
Immer mehr psychisch kranke Jugendliche. Was läuft schief?
Audio

[00:00:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie ganz herzlich zu dem heutigen Workshop.

[00:00:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein regnerischer Tag, aber wir machen uns seelische Wärme, dass uns das gar
nicht stört.

[00:00:13.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema lautet: immer mehr psychisch kranke Jugendliche. Was läuft schief?

[00:00:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist in der Sonntagspresse allgegenwärtig.

[00:00:22.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendpsychiatrie ist völlig überfordert.

[00:00:37.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Abklärungen, mit Aufnahmen etc.

[00:00:41.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt wahr, dass es der Jugend nicht so gut geht.

[00:00:45.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute anwesend sind alles Frauen und ein Token Mann.

[00:00:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen sich gut repräsentieren und sich auch wehren, wenn wir etwas falsch sagen

[00:00:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist offensichtlich ein Anliegen der Frauen.

[00:01:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen gehört die Zukunft.

[00:01:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Kandidatur von Kamala Harris dachte ich: jetzt kommt es.

[00:01:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
It has to get worse before it gets better.

[00:01:20.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss zuerst noch mal zurück gehen.

[00:01:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch von Frans de Waal. Das Buch heisst: der Unterschied.

[00:01:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.klett-cotta.de/produkt/frans-de-waal-der-unterschied-9783608986396-t-5410

[00:01:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Er zeigt auf, wie die Frauen ein anderes Gehirn haben als die Männer.

[00:01:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Untersuchungen aus der Literatur.

[00:01:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Elena Brivio hat bei den Ratten Männer und Frauenhirne untersucht.

[00:01:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:01:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gezeigt, dass Ratten mehr Nervenendungen machen, mehr Oligodendrozyten,
die Frauen vernetzen im Gehirn.

[00:02:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer vereinfachen eher.

[00:02:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer fahren gegen die Wand.

[00:02:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die heutige Politik anschaut, kann man das sehr gut beobachten.

[00:02:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben nicht auf.

[00:02:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zukunft gehört den Frauen.

[00:02:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Buch von Frans de Waal zeigt, wie das weibliche Verhalten anders ist.

[00:02:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Affen neue Materialien zum Essen gibt, Getreide im Sand, dann lernen
die Kinder das ins Wasser zu werfen, der Sand sinkt ab, das Getreide schwimmt oben
auf. Dann kann man es essen.

[00:03:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lernen alle Kinder und alle Mütter.

[00:03:19.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dominante Affe lernt es nie.

[00:03:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Er lernt es nicht, weil er so beschäftigt ist mit verteidigen.

[00:03:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss seine Brut verteidigen.

[00:03:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar weitere Bemerkungen oder Überlegungen zum Thema Erziehung.

[00:03:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte nie eine Lehrerin werden.

[00:03:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme aber immer mehr ins Lehren.

[00:03:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung in der Familie dient dazu, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten.

[00:03:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wertvorstellungen und wie man dann die Wertvorstellungen weitergibt, das ist auch
wieder unterschiedlich.

[00:04:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder mit Belohnung oder Bestrafung oder mit Vorbild.

[00:04:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorbild ist etwas ganz Wichtiges.

[00:04:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann demokratisch erziehen oder man kann autoritär erziehen. Das sind einfach
zwei Extreme. Natürlich gibt es Mischformen.

[00:04:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig wollen wir, dass unser Nachwuchs, unsere Zukunft, dass der erfolgreich
erzogen wird, die einzelnen Individuen, die wenigen Kinder. Heute hat man weniger
Kinder.

[00:04:50.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen sich durchsetzen und sie müssen auch lernen, sich anzupassen und
vor allen Dingen zu kooperieren.

[00:05:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich in die Gesellschaft integrieren können.

[00:05:09.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine multikulturelle Gesellschaft.

[00:05:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben 30% Ausländer in der Schweiz

[00:05:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele multikulturelle Heiraten.

[00:05:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen verschiedene Erziehungsmodi zusammen.

[00:05:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sich gegenseitig bekämpfen oder ergänzen.

[00:05:27.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir landen natürlich alle, die miteinander kämpfen.

[00:05:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, dann ist das kein gutes
Klima für Kinder.

[00:05:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder Vermittler sein müssen, dann nimmt ihnen das sehr viel Energie weg
für ihre eigene persönliche Entwicklung.

[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich schade.

[00:06:01.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenie Familien hat man auch Untersuchungen gemacht.

[00:06:14.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort waren Eltern in einem stummen, unterdrückten Machtkampf.

[00:06:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir als Frauen mit den Männern umgehen können, dass wir uns
durchsetzen können.

[00:06:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen weder ein Matriarchat noch ein Patriarchat.

[00:06:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen etwas Kombiniertes, wo zusammen geareitet wird.

[00:06:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Sprache her gibt es auch Unterschiede.

[00:06:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Schulen setzt sich das albanische Schweizerdeutsch mehr durch, als das
Schweizer Schwyzerdütsch.

[00:06:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht das auch bei der Sprache.

[00:06:57.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der sich dominant verhält, setzt sich auch in der Sprache durch.

[00:07:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant.

[00:07:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht alles schlecht, aber es ist wichtig, dass wir Schweizer wach sind und dass
wir für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben.

[00:07:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule beinhaltet einerseits das Lernen von Kompetenzen.

[00:07:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule muss rechnen, schreiben und sich ausdrücken lernen.

[00:07:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Früher war der Lehrer die Person, welche alles gewusst hat, und die anderen waren
zweitrangig.

[00:07:55.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man sich das gesamte Wissen im Internet holen.

[00:08:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissen ist heute nicht mehr so wichtig, denn man kann ja alles googlen.

[00:08:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man mit dem Wissen macht und wie einem das Wissen gegeben wird, das ist nach
wie vor wichtig.

[00:08:14.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht das gleiche, ob man von einer Person etwas lernt oder vom Internet etwas
lernt.

[00:08:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von einer Person etwas lernt, dann ist es immer auch ein Austausch, ein
emotionaler Austausch.

[00:08:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur vom Internet oder von irgendwelcher künstlicher Intelligenz etwas lernt,
ist das immer so etwas steif.

[00:08:40.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstlich gespielten Figuren sind steif.

[00:08:45.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Film gesehen mit nur künstlichen Figuren. Der Film hiess Anomalia.

[00:08:49.946] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.com/Anomalisa-Spain-see-details-languages/dp/B01C8D5QZA

[00:08:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte immer: wann kommt endlich ein Mensch?

[00:08:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat mich richtig angestrengt, dass ich da immer diese künstlichen Figuren
anschauen musste.

[00:09:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welt ist sehr begeistert von der künstlichen Intelligenz.

[00:09:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Beispiel das Gehirn von einem Menschen funktionell anschaut, wenn
das Gehirn mit einem Mobile beschäftigt ist, verglichen mit wenn zwei Menschen
miteinander reden, sich austauschen, dann sind nur wenige Netzwerke im Gehirn
aktiviert.

[00:09:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch mit einem anderen Menschen kommuniziert, dann gibt es eine
riesige Vernetzung im Gehirn.

[00:10:06.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Vernetzung geht verloren, wenn wir nur noch mit dem Mobiltelefon durch die Welt
laufen.

[00:10:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung müssen wir sehr stark für die Vernetzung plädieren.

[00:10:19.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Nichts kann die persönliche Beziehung ersetzen.

[00:10:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter sagen oft: für die Beziehung ist die Mutter zuständig. Ich verdiene das Geld.

[00:10:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gehen viele Mütter auch arbeiten und verdienen auch Geld.

[00:10:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Mütter für beides zuständig, für die Beziehung zu Hause und für die
Beziehung am Arbeitsplatz.

[00:10:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen merken, wenn etwas nicht gut läuft. Sie können nicht einfach so
vorbeilaufen.

[00:11:05.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können in die Wand fahren oder einfach alles vereinfachen.

[00:11:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können ausschalten, wenn sie irgendwelche Probleme am Arbeitsplatz
haben.

[00:11:15.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles emotionale Sachen, wo die Frauen gut sind.

[00:11:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen dürfen diese Fähigkeit nicht verlieren und müssen sie auch weiter geben.

[00:11:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist sehr wichtig, dass in der Schule nicht nur Wissen und Leistung weiter gegeben
wird.

[00:11:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer starken Leistungsgesellschaft, eine individuelle Leistungsgesellschaft.

[00:11:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Kompetition ist in der heutigen Gesellschaft wichtig.

[00:11:50.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schnellste wird am meisten bewundert.

[00:11:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vernetzung ist viel wichtiger.

[00:11:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Tierverhalten interessiert mich. Bei den Tieren kann ich objektiver sein.

[00:11:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich eine Zeit lang mit Kannibalismus beschäftigt.

[00:12:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere töten nur zum Fressen.

[00:12:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen, wir töten zum Recht haben.

[00:12:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wahnsinnig.

[00:12:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Unser Grosshirn ist das Tollste von unserer Evolution.

[00:12:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann am meisten lernen.

[00:12:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es weiss am meisten.

[00:12:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sich am meisten entwickeln.

[00:12:43.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine riesige Gefahr, dass man Recht haben möchte.

[00:12:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Kämpfe darüber wer Recht hat, sind sehr schwierig.

[00:12:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind zerstörerisch.

[00:12:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Debattieren ist, dass man sich mit anderen Sachen auseinandersetzt,
dann ist das alles in Ordnung.

[00:13:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man voneinander lernen, dann ist es ein Argument gegen ein Argument,
These, Antithese und Synthese.

[00:13:17.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute läuft vieles auf These, Antithese hinaus.

[00:13:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz
These und Antithese werden schlussendlich mit Kämpfen, Panzern und Atomwaffen
ausgetragen.

[00:13:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gewinnen bei der These Antithese.

[00:13:33.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man nicht mehr gewinnen.

[00:13:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat uns hoch gebracht.

[00:13:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat die Chinesen hoch gebracht.

[00:14:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat viel Geld eingebracht, Reichtum, Verbesserung, etc.

[00:14:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Welt von einer Globalwirtschaft kann man eigentlich nicht mehr gewinnen.

[00:14:13.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zusammen arbeiten.

[00:14:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zusammenarbeiten auch im Umgang mit CO2.

[00:14:23.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man sieht ist, dass oft schlecht zusammengearbeitet wird.

[00:14:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:14:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät entwickelt sich unser Gehirn.

[00:14:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät wird das Gehirn neu vernetzt.

[00:14:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man Synaptic Pruning.

[00:14:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele angelegte Netzwerke, die dann auch gekappt werden.

[00:14:58.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden abgebrochen und es werden so wie Autobahnen angelegt, funktionale
Netzwerke.

[00:15:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum spielt in der Pubertät die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle.

[00:15:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit vom menschlichen Gehirn.

[00:15:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget hat das Konzept vom Dezentrieren.

[00:15:30.072] – Dr.med. Ursula Davatz
https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

[00:15:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, in der Pubertät kann man lernen: du siehst das so, ja, ich kann das
nachvollziehen. Ich sehe es so. Es muss niemand Recht haben.

[00:15:41.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Blickwinkel sind absolut in Ordnung.

[00:15:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kennt man auch in der Physik, dass man das Licht als Welle und als Korpuskel
sehen kann.

[00:15:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst in den harten Wissenschaften kann man die Sachen verschieden anschauen.

[00:15:58.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand Recht haben möchte, kann man etwas nicht unterschiedlich anschauen.

[00:16:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, dass 60% in der Pubertät dezentrieren lernen. Die anderen 40%
lernen es nie.

[00:16:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der nie richtig Dezentrieren gelernt hat, der kann auch nicht richtig
zusammenarbeiten.

[00:16:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich von seinem intellektuellen Konstrukt auch lösen können.

[00:16:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht in allen Ehestreits.

[00:16:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will Recht haben und sagen wie es ist.

[00:16:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich dem Ehepaar auch immer helfen. Du siehst es so oder sie sehen es so
und ihre Frau sieht es so.

[00:16:54.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ist der Schnittpunkt und wie kann man da etwas Neues daraus machen?

[00:16:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst wird das Kind innerhalb der intellektuellen erzieherischen Machtkämpfen zerstört.

[00:17:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben verschiedene Kulturen.

[00:17:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen Kulturen bringen auch wieder verschiedene Wertesysteme mit sich.

[00:17:22.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind sehr stark geprägt von der christlichen Kultur.

[00:17:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt eine andere Kultur, dann kommt man auch schnell in einen Streit hinein.

[00:17:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein Streit so schlimm wie der Religionskrieg.

[00:17:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sehen wir jetzt auch immer. Da müssen wir lernen, wie damit umgegangen werden
soll.

[00:17:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man mit Andersdenkenden kollektiv umgehen?

[00:17:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man sich einander nähern?

[00:17:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Als allgemeine Regel ist es wichtig, dass man sich annähert, versucht zu dezentrieren
und heraus zu finden: aha, wie sieht er das? Ah so kann man es auch sehen.

[00:18:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass man ein Wendehals sein muss und sich nach dem richten muss.

[00:18:18.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, die Unterschiede zu sehen.

[00:18:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gregory Bateson hat gesagt: a difference is a difference, which makes a difference.

[00:18:30.697] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson

[00:18:30.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Unterschied ist dann ein Unterschied, wenn es einen Unterschied macht.

[00:18:36.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Ehepaar streitet, dann sage ich immer: sie müssen nicht kämpfen und Recht
haben wollen.

[00:18:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen den Unterschied sehen.

[00:18:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern antworten dann häufig: ich muss doch am gleichen Strick ziehen, sonst hat
das Kind keine klare Referenz.

[00:18:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich höre: am gleichen Strick ziehen, dann sage ich: das erwürgt das Kind.

[00:19:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele erwachsene Kinder sagen: es ist so unangenehm gewesen, wenn beide Eltern auf
mich losgegangen sind.

[00:19:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung wird das oft als toll angeschaut, dass man absolut gleicher Meinung
ist.

[00:19:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein, man muss nicht unbedingt gleicher Meinung sein.

[00:19:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unterschiede müssen klar zum Ausdruck kommen.

[00:19:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen, dann kann das Kind gut lernen: ah
die Mutter sieht es so und der Vater sieht es so.

[00:19:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem ist eine gewisse Haltung besser oder erfolgreicher oder weniger
erfolgreich.

[00:19:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird gesagt: das Kind geht nach dem geringsten Widerstand.

[00:19:52.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann moralisch verurteilen.

[00:19:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein: das ist ein Optimieren.

[00:20:00.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind optimiert seinen Lebensentwurf.

[00:20:03.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wäre ja blöd, wenn das Kind für das Thema, wo es weiss, dass der Vater da
ganz dagegen ist, zum Vater gehen würde.

[00:20:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann immer noch mit dem Vater diskutieren.

[00:20:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind nicht moralisch erziehen, sondern nach seinen eigenen
Wertvorstellungen und die sind individuell.

[00:20:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nie gleich.

[00:20:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon Mann und Frau sind nicht gleich.

[00:20:32.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen unterschiedlich sein.

[00:20:32.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der ganzen Geschlechterdiskussion von Binär und Nonbinär versucht man den
Unterschied zu differenzieren.

[00:20:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein wenig extrem, wie man versucht ein Thema daraus zu machen.

[00:20:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es individueller angehen.

[00:20:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man lernt, je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt, umso mehr
lernt man voneinander.

[00:21:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau können von einander lernen. Wir können von unseren Kindern lernen.

[00:21:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr wir die Unterschiede anschauen, umso grösser wird die Differenzierung in
unserem Gehirn.

[00:21:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Je differenzierter unser Gehirn wird, umso anpassungsfähiger wird es.

[00:21:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist der anpassungsfähigste.

[00:21:36.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Über unser Gehirn sind wir sehr anpassungsfähig.

[00:21:40.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns auf Machtkämpfe einlassen, dann sind wir nicht mehr anpassungsfähig.

[00:21:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann machen wir einfach kaputt.

[00:21:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendliche müssen lernen sich zu dezentrieren.

[00:21:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Während die Frauen arbeiten, gehen die Kinder an den Mittagstisch oder in der Hort.

[00:22:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden die Kinder einfach sich selber überlassen.

[00:22:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stärkere gewinnt. Der setzt sich durch. Es gibt Streit, es gibt Schlägereien.

[00:22:46.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird immer nur das zuletzt Geschehene angeschaut.

[00:22:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut nur denjenigen an, der dreingeschlagen hat.

[00:22:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft auch ein Geschlechterkampf unter Mädchen und Buben.

[00:22:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Buben sagen: die Mädchen sind so blöd.

[00:23:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mädchen können gut die Jungs ärgern.

[00:23:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe schlägt zu und wird bestraft.

[00:23:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Lösung wird in der Schule dann oft das Entschuldigungsverfahren angewendet.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zusammen kommen, sich entschuldigen und wieder Frieden machen.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird so Frieden gemacht.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen hat mal gesagt: ich bin noch nicht bereit. Ich habe es noch nicht
verarbeitet und das ist absolut stark.

[00:23:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird nicht gewartet, bis der seelische Prozess abgelaufen ist.

[00:23:51.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern es wird sofort Frieden gemacht.

[00:23:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Methoden, welche nicht funktionieren.

[00:23:53.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss viel sorgfältigere Konfliktbewältigung machen.

[00:24:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Konfliktbewältigung geht es nicht um Wissen.

[00:24:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht auch nicht um gewaltfreie Kommunikation nach Haim Omer.

[00:24:11.560] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Haim_Omer

[00:24:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass man denjenigen, welcher verletzt worden ist und sich dann
aggressiv verteidigt hat, dass man die Verletzung zuerst sieht.

[00:24:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung sieht man nicht mit dem Computer. Die kann man nur erfragen,
erspüren.

[00:24:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die emotionale Intelligenz.

[00:24:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben viel emotionale Intelligenz und wir müssen sie auch einsetzen.

[00:24:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Aggression passiert, muss man immer zurückgehen und schauen: wo ist die
Verletzung geschehen?

[00:25:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung geht der Aggression immer voraus.

[00:25:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, alle Konflikte immer sorgfältig anzuschauen.

[00:25:21.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktion muss dann auf bilateraler Ebene angeschaut und bearbeitet werden.

[00:25:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur: Entschuldigung.

[00:25:30.620] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle sind die Lehrer leider oft überfordert.

[00:25:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen befassen sich gar nicht mit der Gruppendynamik auf dem
Pausenplatz und schieben es auf die Eltern.

[00:25:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: das ist doch Schule.

[00:25:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Elternabenden haben dann die Eltern und Lehrer Angst voreinander.

[00:25:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem neuen Kurs möchte ich den Lehrpersonen mehr Know-How vermitteln.

[00:26:15.230] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/html/popup_kurse.php?kurs_id=45

[00:26:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz

In allen meinen Ausbildungen habe ich immer gemerkt: die Eltern und Lehrer habe
Angst voreinander.

[00:26:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen aufeinander los. Dort muss man mehr Vermittlung machen, so wie auch
zwischen Mann und Frau.

[00:27:01.290] – Bemerkung 1
Bei uns sprechen die Schulsozialarbeiter vom Peacemaker. Sie lernen wie man die
Friedensbrücke macht im Kindergarten. Am Schluss geht es darum, dass beide sagen
können, warum das geschehen ist.

[00:27:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, wenn jedes Kind das selber machen darf.

[00:27:58.790] – Bemerkung 1
Jede Klasse hat zwei Peacemaker. Die Peacemaker wechseln jedes Jahr.

[00:28:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können dann Erfahrung sammeln.

[00:28:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviele Knaben und wieviele Mädchen machen Peacemaking?

[00:28:15.180] – Bemerkung 1
Immer ein Knabe und ein Mädchen.

[00:28:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat das eingeführt?

[00:28:33.570] – Bemerkung 1

Die Schulsozialarbeiterin.

[00:28:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, dass es ein Kind macht.

[00:28:46.230] – Bemerkung 1
Im freien lernen, können die dann zur Schulsozialarbeiterin gehen und lernen dort dann
Konfliktbewältigung.

[00:28:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Super! Die Peacemaker können dann eine Ausbildung machen. Welche Schule ist das?

[00:28:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Rüfenacht.

[00:29:18.910] – Bemerkung 2
Bei uns wählt die Klasse den Klassensprecher und den Peacemaker.

[00:29:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der bleibt auch ein Jahr?

[00:29:58.570] – Bemerkung 2
Die Peacemaker werden meistens von der Pausenaufsicht betreut.

[00:30:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird gesagt, dass die Pausenaufsicht gar nicht hinschaut.

[00:30:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder schauen besser hin.

[00:30:15.360] – Bemerkung 3

Von welcher Altersstufe sprechen wir hier?

[00:30:27.090] – Bemerkung 4
Ab der dritten Primarschule.

[00:30:32.130] – Bemerkung 5
Das System vom Peacemaker und der Friedensbrücke, das lernen sie schon im
Kindergarten.

[00:30:32.480] – Bemerkung 5
https://www.schule-wauwil.ch/%C3%BCber-uns/friedensbr%C3%BCcke/

[00:30:54.270] – Bemerkung 6
Wir hatten ein auffälliges Kind in der Schule, welches die Klasse gestört hat. Drei bis
vier Kinder waren dann die Vermittlungsstelle zwischen der Klasse und dem Kind. Das
hat der Schulsozialarbeiter ausgehandelt.

[00:31:40.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADS Kind ist immer ausgeschert. Es gab eine Zusammenkunft. Der Junge
musste eine Woche lang von einem Klassenkameraden begleitet werden. Der durfte ihn
beschützen und ihm auch sagen: das warst du ein bisschen extrem.

[00:31:40.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben die ganz Klasse durchgemacht. Das Kind ist dann in der Schule geblieben
und hat abgeschlossen. Es ging bestens.

[00:32:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal lief er davon, als ein Mädchen ihn hätte begleiten sollen und im Turnen nicht
teilnehmen durfte.

[00:32:52.860] – Bemerkung 7

Mein Sohn geht an eine Sonderschule. Dort ist immer ein Sozialpädagoge dabei, in der
Pause, beim Essen, die werden immer begleitet. Es geht ihm sehr gut.

[00:33:29.230] – Bemerkung 7
Es sind acht Jungs, ganz wenig Mädchen. Er hätte an eine Regelschule gehen können
aber das war die beste Entscheidung. Ich war lange hin und her gerissen.

[00:33:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen entscheiden und es ist jedes Mal wieder ein individueller Entscheid.
Alle haben Sonderbehandlung, das ist ein gewisser Luxus. Das ist auch schön. Er muss
nicht mit den Normotypen konkurrenzieren.

[00:34:26.600] – Bemerkung 8
Das Vernetzen vom Hirn, wie sich das verändert in der Pubertät. Wie ist das bei Kinder
mit Autismus Störungen?

[00:34:38.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist etwas ganz Spezielles.

[00:34:50.770] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS kann in Richtung Autismus gehen. Die sind nicht nach aussen hyperaktiv, sondern
die sind nach innen hyperaktiv.

[00:35:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die denken sehr viel. Sie denken sehr vernetzt.

[00:35:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die zu fest gestört werden von aussen her, dann ziehen sie sich noch mehr
zurück.

[00:35:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die denken immer sehr vernetzt.

[00:35:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss bei ADHS/ADS Kindern geduldig genug sein. Es muss warten
können.

[00:35:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht warten kann, dann stört man die ADHS/ADS Kinder ständig in
ihrem Denkprozess.

[00:35:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es an den Augen, ob sie da sind oder nicht.

[00:35:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen einem oft nicht an, weil sie nicht in ihrem Denken gestört werden wollen.

[00:35:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht einen sorgfältigeren Umgang mit den ADHS/ADS Kindern, damit sich diese
gesund entwickeln können.

[00:36:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Normotyp leuchtet das Gehirn vorne auf. Die Normalen hören auf die Sprache.
Die Autisten schauen mehr das Bild, das Ganze an. Das Gehirn der Autisten prozessiert
sehr viel ganzheitlicher.

[00:36:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ADHS/ADS kann auch eine bipolare Störung entstehen, eine manisch
depressive Krankheit.

[00:37:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben geschaut, wie das emotionale Gehirn verläuft.

[00:37:24.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSler bleibt das emotionale Gehirn stärker vernetzt mit dem ganzen
Gehirn.

[00:37:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche hier von der breiten Aufmerksamkeit.

[00:37:45.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit zeigt: es wird viel komplizierter prozessiert.

[00:37:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es so langsam.

[00:37:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Normotyp, der schwenkt ein, zieht seine Scheuklappen an und schaut nur noch das
an.

[00:38:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind viel breiter vernetzt.

[00:38:08.580] – Bemerkung 9
Darum sind sie auch viel mehr irritiert, wenn viele Leute anwesend sind?

[00:38:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der breiten Aufmerksamkeit gibt es schnell einen System Overload. Dann bricht
alles zusammen.

[00:38:26.810] – Bemerkung 10
Ein übermässiges Mitleid mit dem Tier, welches sie essen, gehört das auch dazu?

[00:38:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja, sie haben sehr viel Empathie.

[00:38:34.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Inder laufen so, dass sie auf keine Ameise stehen, weil das ein Vorfahre sein
könnte. So kommt man nicht gut voran.

[00:38:55.120] – Bemerkung 11
Was geschieht, wenn man mit dem Kind zu wenig Geduld hat? Eltern haben oft zu
wenig Geduld. Was für einen Schaden kann das anrichten?

[00:39:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das oft. Das Kind ist autistisch veranlagt und die Mutter ist hyperaktiv.

[00:39:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mütter muss ich zurück holen, beruhigen oder andere Personen reinbringen.

[00:39:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Marte Meo Methode.

[00:39:52.845] – Dr.med. Ursula Davatz
https://martemeo.ch/was-ist-marte-meo/

[00:39:53.048] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird alles verlangsamt.

[00:39:52.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hast du das erlebt? Hast du es so erlebt? Es wird alles nach kontrolliert. Es ist ein
verlangsamen.

[00:39:53.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde gemorst. Dann konnte nur jemand sprechen. Der andere musste zuhören.

[00:40:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute können alle gleichzeitig aufeinander einreden und man versteht nichts.

[00:40:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mütter muss man verlangsamen. Man kann es lernen.

[00:40:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss andere Personen reinholen.

[00:40:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch helfen kann, wenn die Mütter der anderen Person zuschauen können, wie
man es anders machen kann.

[00:40:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem hyperaktiven Kind. Die Mutter greift immer sofort ein. Ich
gehe ganz langsam vor und sie kann zuschauen.

[00:40:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man merkt, dass es besser geht, dann lernt man es eher.

[00:40:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst machen die Mütter mehr vom gleichen und es geht immer noch nicht.

[00:41:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Totschlagmethode funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:41:09.960] – Bemerkung 12
Mein Kind reagiert nicht, wenn ich auf ihn los gehe. Er wird dann noch langsamer. Er
hat mich erzogen. Wir haben es zusammen aus gesessen.

[00:41:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben von ihrem Kind gelernt. Sie haben gemerkt, es funktioniert nicht und mussten
sich anpassen.

[00:41:50.410] – Bemerkung 12
Heute funktioniert es sehr gut zusammen. Er hat gesagt: ich habe es zwei Mal versucht
und ich fand es zu anstrengend.

[00:42:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein super Beispiel.

[00:42:20.920] – Bemerkung 12
Ich bin auch sehr hyperaktiv.

[00:42:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe oft, wenn Autismus auftritt, ist irgendjemand in der Familie hyperaktiv.

[00:42:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Mutter sein, der Vater ist oft nicht zu Hause.

[00:42:50.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann ein Geschwister sein. Die schaukeln sich auf. Der eine wird aktiver, der Autist
zieht sich immer mehr zurück.

[00:43:02.400] – Bemerkung 13
Ich habe ein Grosskind, welches mit Autisten in die Sonderschule geht. Es hat eine
Sprachstörung. Er muss sich immer mitteilen. Es kommt immer wieder dasselbe. Er
kann es nicht weglegen. Wenn er etwas drei Mal gesagt hat in der Schule, muss er
aufschreiben, was ihn beschäftigt. Das finde ich schwierig für ihn.

[00:43:03.120] – Bemerkung 13

Er hat eine Freundin an der Schule, die nur mit ihm spricht und ihren Eltern, ihren
Grosseltern. Sonst spricht sie mit niemandem.

[00:43:44.050] – Bemerkung 13
Sie muss jetzt an eine andere Schule gehen.

[00:44:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahnsinnig.

[00:44:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die haben den Trotz.

[00:45:36.190] – Bemerkung 13
Alles was ihn beschäftigt schaut er immer wieder nach.

[00:45:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten fragen immer wieder das gleiche.

[00:45:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sagt man ja zu dem? Einfach nur Ja, Ja sagen, das geht nicht.

[00:46:30.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem sage ich validieren.

[00:46:40.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Alterspflege validiert man. Erst danach kann man zum nächsten Schritt weiter
gehen.

[00:46:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Tendenz nicht sorgfältig zu validieren.

[00:46:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Autistischen Kindern muss man sehr sorgfältig validieren.

[00:47:01.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die merken, ob man dabei ist oder nicht.

[00:47:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand ist in einen psychotischen Schub verfallen. Zu der Person musste man X Mal
"ja" sagen, sonst hat die Person nicht mehr kommuniziert.

[00:47:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste üben wie man zu ihr "ja" sagt.

[00:47:26.314] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich mich reingebracht und gesagt: ich höre gar nichts.

[00:47:26.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt muss ich nicht mehr "ja" sagen.

[00:47:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ja sagen oder das Wiederholen ist eine menschliche Begegnung. Das ist eine
emotionale Angelegenheit.

[00:48:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man ganz fein den anderen wahrnehmen, damit er sich validiert fühlt.

[00:48:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dabei verzweifeln. Wie sage ich es jetzt?

[00:48:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist schwierig. Es geht darum: wie spüre ich den anderen? Fühlt er sich gespürt bei
dieser Wiederholung?

[00:48:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nicht immer gleich locker.

[00:48:48.590] – Bemerkung 13
Seine Cousine kann es sehr direkt zu ihm sagen: hör auf, jetzt hast du es fünf mal
gesagt, jetzt weiss ich es.

[00:49:04.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gute Beziehung hat, kann man sich alles leisten. Wenn man keine gute
Beziehung hat, geht das nicht.

[00:49:15.500] – Bemerkung 14
Das geht Richtung Echolalie.

[00:49:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur ein Name dafür.

[00:49:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die Beziehung.

[00:49:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unsere Wahrnehmung sehr differenzieren.

[00:49:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will validiert werden und er validiert sich selbst, in dem er es wiederholt.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Lerneffekt und es ist eine emotionale Angelegenheit.

[00:50:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig zum darüber sprechen.

[00:50:11.670] – Bemerkung 15
Erklären sie bitte den Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Bipolar.

[00:50:16.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob ADHS und ADS genetisch unterschiedlich ist.

[00:50:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind nach innen hyperaktiv und ADHSler nach aussen aggressiv.

[00:50:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Erziehung hinzu.

[00:50:45.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHSler zu restriktiv erzogen wird, sehr eng, du musst folgen, wenn es dann
in die Pubertät kommt, dann sprengt es seine Fesseln.

[00:51:06.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann es dann wechseln von manisch, man folgt überhaupt nicht mehr, man macht
alles verkehrt. Dann zerstört man viel.

[00:51:13.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist dann nicht so sozial angepasst.

[00:51:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss fällt man zusammen in eine Depression und bereut alles.

[00:51:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Manische ist ein übertriebenes ADHS.

[00:51:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer drei Generationen einer Familie an.

[00:51:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst war jemand bipolar, das Enkelkind hat jetzt eine ADHS/ADS Diagnose.

[00:51:47.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ADHS/ADS Gene.

[00:51:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt genetische, statistische Untersuchungen, GWAS.

[00:51:53.589] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.genome.gov/genetics-glossary/Genome-Wide-Association-Studies-GWAS

[00:51:53.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung, Schizophrenie, ADHS, schwere Depression und Autismus haben
alle den gleichen veränderten Genlocus.

[00:52:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS wird vererbt und geht je nach Erziehung da oder dorthin.

[00:52:12.810] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder darf man nicht so einengen, die brauchen mehr Freiraum.

[00:52:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatten die Kinder mehr Freiraum.

[00:52:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Heute machen die Kinder sehr viel, aber es gibt nicht so viel Freiheit.

[00:52:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ging man einfach in den Wald und hat dort gespielt. Es hat niemand
beaufsichtigt.

[00:52:39.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles reguliert.

[00:52:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für die ADHS/ADS Kinder nicht so gut.

[00:52:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brechen dann aus in der Pubertät.

[00:52:47.300] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten entstehen in der Pubertät.

[00:52:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
75% entstehen bis zum 25. Lebensjahr.

[00:52:54.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt alles sehr früh.

[00:53:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die extremen ADHS/ADS Verhaltensweisen.

[00:53:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss früh bei der Erziehung beginnen.

[00:53:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie wollen, dass es in der Pubertät nicht schief läuft, muss man früh beginnen.

[00:53:18.510] – Bemerkung 16
Gilt das auch für ADSler.

[00:53:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:53:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADSlern läuft es schon früher schief, wenn sie ein sehr hyperaktives Umfeld
haben.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADSlern muss man sorgfältiger zuhören.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich verlangsamen.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen viel mehr Kurven in ihrem Gehirn. Das müssen sie tun, das ist wichtig für
die.

[00:53:57.780] – Bemerkung 17
Ich habe meine Tochter alleine aufgezogen. Meine Tochter hat sehr früh mit dem
Messer in der Küche gearbeitet. Das ging immer sehr gut. Ich habe ihr diese Freiheit
gegeben. Sie konnte damit gut umgehen. Als die Nachbarin zu Besuch kam, ist sie sehr
erschrocken.

[00:55:28.230] – Bemerkung 17
Wie kann eine ausländische, alleinerziehende Frau in einem kleinen Dorf für ihre
eigenwillige Erziehungsart Anerkennung gewinnen?

[00:55:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
A Difference is a difference which makes a difference.

[00:55:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss klar sagen: aus diesem Grund mache ich es gerne so, denn ich will gerne
das und das ermöglichen.

[00:55:41.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen können ihre Erziehungsmethode sagen.

[00:55:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem und dem Grund mache ich es nicht so.

[00:55:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Haltung: es ist wichtig, dass wir Erwachsenen dem Kind und später
dann den Jugendlichen zeigen, dass man sie begleitet beim Erlernen.

[00:56:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder klettern gerne.

[00:56:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: nein, es ist gefährlich.

[00:56:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin hingestanden, habe geholfen aufzufangen.

[00:56:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sorgfältig das Kind begleiten beim Lernen das Instrument zu handhaben.

[00:56:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach "nein" sagen.

[00:56:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man so berühren und das so.

[00:56:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man nein sagt, dann fördert man den Widerstand und dann wird sicher genau
dann auf die Herdplatte gegriffen oder Pflanzen ausgerissen, wenn man es nicht will.

[00:56:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind begleiten, man kann es nicht einfach nur alles machen lassen,
dann bei schwierigen Sachen muss man zeigen: ich möchte es gerne so.

[00:56:48.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit geht man so um.

[00:56:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ein Kind, das ist drei Jahre alt. Jetzt kommt ein Baby auf die Welt. Dann heisst
es sofort: nein, das darfst du nicht anfassen. Dann greift es dem Baby sicher ins
Gesicht.

[00:56:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dem Kind zeigen, wie das Baby angefasst werden muss. Kinder gehen auch
direkt zu den Hunden und streicheln die. Kinder sind sehr interessiert.

[00:57:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Neugier, das ist nicht Eifersucht. Die Neugier muss man füttern.

[00:57:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es einführen. Ja nicht "nein" sagen.

[00:57:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss für seine Methoden hinstehen.

[00:57:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht mit seinem Kind in das Tram. Dort schauen ganz viele Leute sehr streng. Das
Kind macht etwas. Dann geniert man sich vor den fremden Leuten, dass das Kind nicht
gut erzogen ist.

[00:57:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen stark sein. Es geht um ihr Kind und nicht um die Person im Tram.

[00:58:07.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die andere Person das blöd findet, dann findet die das blöd.

[00:58:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine gewisse Stärke.

[00:58:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man unsicher wird, merkt es das Kind, dann wird es absichtlich gemacht. Das ist
ja spannend.

[00:58:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Kind das sagt: ich sage es jetzt so, damit die Mutter zufrieden ist. Die
Mutter ist sehr streng. Das ist nicht gesund. Das ist nett, aber nicht gesund.

[00:58:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen keine Bonsais aus unseren Kindern machen.

[00:59:02.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen, dass die Kinder möglichst ihr Naturell leben dürfen.

[00:59:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Kein Wildwuchs, die Interaktion leben.

[00:59:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht viel Mut, damit man sein Kind anders erziehen kann. Ich muss mich dafür
nicht schämen.

[00:59:31.770] – Bemerkung 18
Was geschieht mit den Kindern, welche sich stark zurück nehmen in der Familie, damit
sie die Eltern nicht verärgern? Verlagert sich dann das Ganze auf den Sportplatz, auf
den Pausenplatz?

[00:59:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen nehmen sich zurück, passen sich an, schauen für die anderen. Sie
nehmen sich so stark zurück, dass sie keine Persönlichkeit entwickeln. Mit 40 sagen sie
dann: ich weiss gar nicht wer ich bin.

[00:59:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann gleich zur Mutter werden, müssen sie sich wieder an die Kinder
anpassen.

[01:00:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Denen müssen wir dann helfen, dass sie ihr Ego oder ihre Persönlichkeit ausgraben.

[01:00:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann meine therapeutische Arbeit, dass ich ihnen helfe, zu finden, wer sie
eigentlich sind.

[01:00:38.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich diese Personen dann frage: was wollen sie, wenn sie alles haben könnten?
Dann kommt immer die Antwort: ich weiss es nicht.

[01:00:38.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich antworte dann immer: halt nicht so schnell.

[01:00:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut consulter votre coeur.

[01:00:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie die Augen zu. Warten sie ein wenig. Probieren sie zu spüren was sie
wollen.

[01:01:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen sage ich immer: tun sie etwas, das nur für sie etwas bringt und sonst für
gar niemanden. Tun sie etwas egoistisches nur für sich. Diesen Frauen muss man
helfen egoistisch zu werden.

[01:01:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst beklagen sich die Frauen nur: ich mache immer alles für alle anderen und
niemand gibt mir etwas zurück.

[01:01:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist selber schuld. Niemand schaut für einem. Man muss für sich selber schauen.

[01:01:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen haben immer noch die Erwartungshaltung, es gäbe irgendjemanden da
draussen, der für sie schaut, so wie eben die Eltern nicht geschaut haben für sie.

[01:01:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Männern ist es anders.

[01:01:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer passen sich nur ein wenig an und die explodieren dann irgendwann.

[01:01:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder schliessen sie sich irgendeiner extremen Gruppen an, haben extreme
Haltungen oder gehen demonstrieren.

[01:02:08.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Attentäter vom israelischen Premierminister Jitzchak Rabin war sehr brav.

[01:02:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jitzchak_Rabin

[01:02:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die allzu brave Erziehung, ist ein Bumerang, die kann explodieren.

[01:02:35.950] – Bemerkung 19
Die schlagen dann in der Pause zu.

[01:02:44.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: lieber zu Hause mehr Freiraum zum ausagieren und interagieren zulassen,
als zu Hause ganz brav sein und auf dem Pausenplatz dann aggressiv sein.

[01:03:03.440] – Bemerkung 20
Was ist wenn die Erziehungsmethoden kulturell bedingt sind? Was ist wenn die Eltern
keine Einsicht zeigen?

[01:03:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erfrage immer die beiden Extreme. Wovor haben sie am meisten Angst, was schief
gehen könnte in der Erziehung?

[01:03:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommt die Antwort: ich will, dass mein Kind erfolgreich ist. Ich will nicht, dass mein
Kind ein Aussenseiter ist.

[01:03:32.882] – Dr.med. Ursula Davatz
Wovor haben sie Angst?

[01:03:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie mit dem Kind erreichen?

[01:03:58.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich aufzuzeigen, dass es bei diesem Temperament, bei diesem Kind so
nicht funktioniert.

[01:04:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte viele Eltern, Mütter von schizophrenen Kindern, Erwachsene.

[01:04:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer: wovor haben sie am meisten Angst?

[01:04:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem die Angst ausgesprochen wird, kann ich diese Angst auch validieren.

[01:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf den Eltern nicht zu schnell sagen: nein, so nicht.

[01:04:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Eltern sehr validieren, damit man sie im Boot hat, damit sie auch
mitmachen.

[01:04:28.650] – Bemerkung 21
Sonst kommen sofort die Schuldgefühle. Sie sind "Schuld". Das wäre kontraproduktiv.

[01:04:35.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eltern haben ohnehin Schuldgefühle. Besser man spricht darüber.

[01:04:36.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war für mich erleichternd und ist für die Eltern erleichternd.

[01:05:11.660] – Bemerkung 22
Kann das in die Suchtthematik übergehen?

[01:05:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler werden mehr süchtig.

[01:05:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sollte man eigentlich lernen, mit seinen Emotionen umzugehen.

[01:05:38.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionskontrolle, Emotionsmodulation.

[01:05:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so ein heftiges Temperament hat, dann sind Suchtmittel eine gute Methode,
um sich zu dämpfen.

[01:05:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann in die Aggression gehen, es kann in die Sucht gehen.

[01:06:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Psychiater arbeiten auch nur mit Medikamenten.

[01:06:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Medikamente in der Pubertät gibt, dann stört man chemisch die ganze
Emotionsregulation.

[01:06:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfacher, das Kind einfach runterzudämpfen, das Handy in die Hand zu geben,
dann ist das Kind ruhig, dann ist das Kind beschäftigt.

[01:06:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns mehr mit den Kindern oder Jugendlichen auseinandersetzen.

[01:06:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele erwachsene Süchtige behandelt, Drogensüchtige, Alkoholsüchtige.

[01:06:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um das Gleiche.

[01:06:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, sie müssen sich gegenüber
sensibler sein und die Emotionen nicht einfach runterdrücken mit einem Medikament.

[01:06:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen sich mit ihren Emotionen auseinanderzusetzen,
brauchen sie ein Gegenüber mit dem sie sich auseinandersetzen können.

[01:07:04.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das Gegenüber nicht vorhanden, ist das nicht gut.

[01:07:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderstube ist dazu da, um sich auseinanderzusetzen, nicht zum brav sein.

[01:07:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man ihnen anbietet, sich auseinanderzusetzen, umso weniger brauchen sie
Suchtmittel.

[01:07:21.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine junge Frau hatte keine gute Auseinandersetzung zu Hause. Sie hatte eine
alleinerziehende Mutter, der Vater war schon weg. Sie ging in die Klinik und kam mit
fünf Medikamenten raus.

[01:07:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf diese fünf Medikamente wieder langsam absetzen.

[01:07:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat panische Angst, ihre Medikamente abzusetzen, weil sie denkt, dass sie es dann
nicht mehr im Griff hat.

[01:07:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, mit den Emotionen umzugehen.

[01:07:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu muss man sich Zeit nehmen.

[01:08:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch ein bisschen etwas aushalten können.

[01:08:09.210] – Bemerkung 23
Was sagen sie zum Ritalin?

[01:08:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin spricht von der Aufmerksamkeitsstörung.

[01:08:14.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der breiten Aufmerksamkeit.

[01:08:16.500] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler nehmen mehr war. Darum werden sie auch mehr gestört.

[01:08:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler haben eine schnelle Auffassungsgabe, somit wird ihnen schnell
langweilig und es wird weiter geschaut, was es sonst noch so gibt.

[01:08:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist eine Droge, ein Amphetamin.

[01:08:40.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wirkt auf das Gehirn, wie wenn man ein wenig gestresst ist.

[01:08:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst ist, fokussiert man besser. Wenn das Gehirn unter Stress kommt,
fokussiert es besser.

[01:08:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind dann besser in der Schule, haben bessere Noten, weil sie so fokussiert sind.

[01:08:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen nicht sehr gut mit ihren Emotionen umzugehen.

[01:09:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind emotionaler, impulsiver, leichter erregbar.

[01:09:17.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr emotionales Gehirn ist viel leichter erregbar und ist auch mehr mit dem Grosshirn
vernetzt.

[01:09:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben es schwieriger mit ihren Emotionen. Es geht wilder zu und her.

[01:09:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich das auszuhalten und sie langsam runter zu zähmen.

[01:09:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur chemisch runterzähmen.

[01:09:47.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in der westlichen Gesellschaft. Intellektuelle Leistung ist wichtig.

[01:09:52.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen selber entscheiden.

[01:10:11.030] – Bemerkung 24
Eine Knabe hat wahnsinnig reagiert auf eine sehr kleine Dosis von Ritalin. Dann hat
man ihm ein Placebo gegeben. Das hat am Schluss gereicht. Er hat dann immer ein
Placebo genommen vor der Schule. Er konnte auswählen.

[01:11:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich noch nie gehört.

[01:11:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
50% von allen Medikamenten Wirkungen ist die Placebo Wirkung.

[01:11:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Hausarzt hat immer gesagt: es ist ganz wichtig wie man die Tablette übergibt und
was man dazu sagt. Da wird eine Botschaft übergeben.

[01:11:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat Studenten etwas gespritzt, das geschmerzt hat. Wenn sie in einer guten
Beziehung waren, haben sie den Schmerz unterdrückt, bis man dem Gewebe
geschadet hätte.

[01:11:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Placebo ist sehr stark. Das ist das emotionale Gehirn.

[01:12:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist mit allem verschaltet.

[01:12:24.677] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Limbisches_System

[01:12:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das emotionale Gehirn kann man die körperlichen Wahrnehmungen und die
Hyperaktivität steuern.

[01:12:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist unser Zentrum. Mit dem müssen wir gut arbeiten.

[01:12:40.540] – Bemerkung 25
Er hat auch gelernt, andere Methoden anzuwenden.

[01:12:49.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich Methoden erarbeiten.

[01:12:56.650] – Bemerkung 26
Kann Ritalin später auch zu einem Suchtverhalten führen?

[01:13:13.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich muss eine Tablette nehmen, damit ich ruhig bin. Das ist ein Bahnungseffekt. Das hat
etwas.

[01:13:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Eltern sagen dann: ich gebe meinem Kind nur ein homöopathisches Mittel, das
ist gesund, das ist nicht chemisch.

[01:13:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch das homöopathische Mittel hat die Rolle: ich muss eine Tablette nehmen und
dann bin ich ruhig.

[01:13:36.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Überlegung.

[01:13:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine Entwicklung machen und sagen: ich kann es jetzt, ich brauche keine
Tablette mehr.

[01:13:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler hat mit 14 Jahren gesagt: jetzt höre ich auf. Ich kann es jetzt, ich
weiss wie der Zustand ist.

[01:13:59.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man aktivieren. Ich weiss wie ich mein Gehirn trainieren kann. Dann brauche
ich die Tablette nicht mehr.

[01:14:16.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich bei mir selber gemacht. Ich hatte einen Ausschlag am Bein. Ich habe
selber beschlossen, dass ich das wegbringen würde und dann ging es weg.

[01:14:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kenne den Zustand, ich brauche die Tablette nicht mehr. Ich kann das jetzt selber
erreichen.

[01:15:01.440] – Bemerkung 27
Meine Enkeltochter leidet unter einer Migräne. Wie kann man dort helfen mit
Begleitung?

[01:15:01.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mehrere Migräne Patienten.

[01:15:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Migräne, wenn man zu viele Gedanken gleichzeitig im Kopf bewältigen will.

[01:15:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so viele wichtige, emotional geladene Gedanken bewältigen möchte, dann
muss unser vegetatives Gehirn alle seine Arterien aufschalten, damit genügend
Sauerstoff reingeht.

[01:15:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert bei den Arterien eine Entzündung, eine aseptische Schwellung.

[01:15:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Überforderung.

[01:15:47.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man das ganze System wieder runterfahren.

[01:15:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, sauberer zu denken. Jetzt bearbeite ich nur diese Baustelle, nicht
fünf Baustellen zur gleichen Zeit.

[01:15:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zurückfahren.

[01:16:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Art Disziplin.

[01:16:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Arzttochter. Ihr habe ich das beigebracht. Sie ist die Migräne dann wieder
los geworden.

[01:16:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich disziplinieren, nicht alle Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten.

[01:16:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir ADHS/ADSler Geschichten erzählen, sage ich immer: ich will eine Baustelle
nach der anderen behandeln.

[01:16:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss helfen zu strukturieren.

[01:16:40.870] – Bemerkung 28
Was ist wenn die Gesellschaft keine Zeit gibt um das zu lernen.

[01:16:50.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen "Nein" zu sagen.

[01:16:50.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so einfach.

[01:16:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man "nein" sagt, dann hat man Angst, von der Gruppe ausgeschlossen zu
werden.

[01:16:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will dazu gehören. Wir Menschen sind soziale Wesen.

[01:16:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die Balance zwischen Individuum und Gruppenmitglied.

[01:17:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gesellschaft kann ich nicht ändern.

[01:17:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es jemand an seinem Arbeitsplatz nicht mehr aushält, sage ich ganz klar:
kündigen. Dazu schreibe ich auch das Zeugnis, dass sie aus gesundheitlichen Gründen
kündigen mussten, damit sie beim RAV keine Kürzung kriegen.

[01:17:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich muss der Mensch immer selber entscheiden.

[01:17:44.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bleibe ich und passe ich mich an oder suche ich mir eine andere Herde.

[01:17:48.460] – Bemerkung 29
Was ist wenn sie das eigene Kind anpassen wollen und die Mutter findet, das geht zu
weit?

[01:17:55.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch schwierig.

[01:17:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Man darf dem Kind nicht das Eigenen aufdrücken.

[01:18:03.070] – Bemerkung 29
Was ist wenn das Kind nicht entscheiden kann?

[01:18:05.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können immer entscheiden, wenn man ihnen genügend Platz lässt.

[01:18:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine leicht geistig behinderte Frau hatte eine Beiständin. Es ging um eine Kur. Die
Beiständin hat gesagt: die ist behindert, die kann doch nicht entscheiden.

[01:18:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Huhn kann entscheiden ob es links oder rechts gehen möchte.

[01:18:15.841] – Dr.med. Ursula Davatz
Entscheide sind immer emotional.

[01:18:16.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ein Entscheid hält, muss er emotional verknüpft sein.

[01:18:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind kann entscheiden.

[01:18:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken nur unser Grosshirn weiss, wie der Weg verläuft.

[01:18:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn macht die grössten, schrecklichsten Kriege.

[01:18:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Alles tolle Entscheidungen, und zerstörerisch.

[01:19:10.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Situationen wo man findet, dass das Kind nicht entscheiden darf, weil es
gefährlich ist.

[01:19:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Kinder begleiten.

[01:19:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder werden unvernünftig, wenn wir sie zu fest steuern.

[01:19:46.780] – Bemerkung 30
Eine Frau mit einem ADHS/ADS Kind hat schweren Herzens entschieden dem Sohn
doch Ritalin zu geben. Der Jugendliche hat jetzt gemerkt, dass wenn er Ritalin nimmt,
er beim Skifahren Angst bekommt.

[01:19:46.900] – Bemerkung 30
Jetzt nimmt er es nur wenn er sich in der Schule konzentrieren muss. Die Mutter lässt
ihm dabei freie Hand.

[01:20:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch Ritalin.

[01:20:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer am Wochenende und in den Ferien nicht nehmen, damit sie sich auch
normal spüren.

[01:20:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Amphetamine können schlussendlich so Stress erzeugen, dass man Angst bekommt.

[01:20:56.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[01:21:06.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich auch normal spüren können.

[01:21:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Erwachsene mit der ADHS/ADS Diagnose nehmen Ritalin und haben ihr Aha
Erlebnis, weil sie sich plötzlich konzentrieren können. Gleichzeitig finden sie: ich bin
nicht mehr ganz so mich selber.

[01:21:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nehmen sie es noch für die Steuererklärung, eine Weiterbildung.

[01:21:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein individueller Entscheid.

[01:21:53.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es blockiert das emotionale Lernen für jede/n ein bisschen anders.

[01:22:01.240] – Bemerkung 31
Was bedeutet das langsame Zähmen bei starken Emotionen. Was heisst das konkret?

[01:22:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen sagen einem immer, dass man irgendwo im Ungleichgewicht ist oder am
anstehen ist. Sie sagen, es läuft etwas nicht gut.

[01:22:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zurückgehen: was hat einem so verletzt? Was hat einem so sauer
gemacht? Man muss immer zum Ursprung zurück gehen.

[01:22:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Je besser man weiss, was einem verletzten kann, wenn es dann wieder kommt, dann
erkennt man das schneller und kann es schneller einordnen.

[01:22:37.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie einfach nur Emotionen unterdrücken, sondern herausfinden, woher kommen sie?

[01:22:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein wildes Tier zähmt, muss man zuerst das Wesen des Tieres erkennen.

[01:22:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein eigenes Wesen zuerst erkennen, was verletzt einem, was macht einem
traurig? Was kränkt mich? Was macht mich verrückt?

[01:23:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man herausfindet, was einem in Unruhe bringt, dann kann man langsam zum
Zähmen gehen.

[01:23:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit seinem Symptom immer zuerst Freundschaft schliessen und erst dann
kann man es ändern.

[01:23:40.240] – Bemerkung 32
In der Erziehung kann nicht alles tolerieren. Wenn mein Sohn ausrastet, einen Wutanfall
hat. Es sind andere im Raum, die tangiert sind. Muss ich dann endlos weinen?

[01:24:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihr Sohn in der Stube einen Wutanfall hat, müssen sie zurück gehen und
schauen: was hat ihn so sauer gemacht? Vor einem Wutanfall fand immer eine
Verletzung statt.

[01:24:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein Wutanfall ist nicht primär böse. Es ist immer eine Verletzung.

[01:24:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Knaben (Männer) verletzt werden, werden sie aggressiv. Das ist männlich, das ist
Testosteron.

[01:24:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nur das schlechte Verhalten anzugehen macht keinen Sinn.

[01:24:52.940] – Bemerkung 33
Er ist 22 Jahre alt.

[01:24:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer noch Pubertät. Bis 25 Jahren wächst das Gehirn noch.

[01:25:12.580] – Bemerkung 33
Er hatte einen Ausraster und wurde extrem laut.

[01:25:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie das gestört?

[01:25:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich kann man da nur validieren.

[01:25:43.510] – Bemerkung 33
Ich bin ruhig geblieben und habe ihn gefragt, was ihn gestört hat. Es gibt im Leben
immer Dinge, welche nicht gehen.

[01:26:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt das Validieren. Man sagt: das ist so ekelhaft wenn es nicht geht. Man hat
die Vorstellung es müsse gehen und es geht einfach nicht.

[01:26:41.660] – Bemerkung 34
Mein Nachbar ist 70 Jahre alt. Der ist immer noch so.

[01:26:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: ich wäre froh, wenn irgendetwas nicht geht, dass ich nicht so viel
von dem mitbekommen muss.

[01:27:01.010] – Bemerkung 33
Mein Mann ist ähnlich wie mein Sohn. Beiden fanden: es ist doch gar nichts passiert.

[01:27:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie mit ihrer Wahrnehmung arbeiten und sagen: ja für euch ist nichts
gewesen, ihr seit ähnlich.

[01:27:23.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es recht anstrengend. Ich ertrage das nicht so gut.

[01:27:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen, wie sie darauf reagieren.

[01:27:33.930] – Bemerkung 33
Sie erwarten, dass man das einfach akzeptiert. Sie sind sich dann einig.

[01:27:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar.

[01:27:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt wieder: a difference is a difference, which makes a difference.

[01:27:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Für sie als Frau ist es nicht normal. Ich habe es nicht so gern. Ich wäre froh, ich könnte
dann weggehen.

[01:28:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre andere Wahrnehmung durchaus in den Raum stellen.

[01:28:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht verlangen, dass die sich ihnen anpassen und ihr Mann/Sohn kann
nicht verlangen, dass sie sich anpassen müssen.

[01:28:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen sie, wie es für sie ist. Dann schauen wir was passiert.

[01:28:25.400] – Bemerkung 33
Bei meinem Mann ist es mir egal. Bei meinem Sohn nicht.

[01:28:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wollen sie ihn noch erziehen.

[01:28:36.020] – Bemerkung 33
Wenn er das macht bei seiner zukünftigen Frau. Die tut mir leid.

[01:28:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu können sie etwas sagen aber erziehen sie nicht mehr.

[01:28:59.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesem Verhalten musst du eine robuste Frau wählen, sonst läuft sie dir davon. Das
ist eine Haltung, keine Erziehung. Sagen sie ihre Meinung spielerisch. Merkt man den
Unterschied?

[01:29:45.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Beim Spielen wird mehr gelernt.

[01:29:45.720] – Bemerkung 35
Ich berate Eltern von Kindern mit ADHS/ADS. Das ist die Hauptfrage. Was mache ich
wann?

[01:30:06.700] – Bemerkung 35
Sie sprechen immer vom Low Arousal State. Ich sage immer: aushalten als Eltern.
Ruhig bleiben. Ein Schreikissen machen. Wenn sie die Techniken früh lernen, dann ist
es auch besser wenn sie 22 Jahre alt sind.

[01:30:39.520] – Bemerkung 35
Bei Kindern mit Autismus habe ich ein Piktogramm: wie möchtest du dich jetzt
beruhigen? Dich hinlegen? Musik hören? Etwas malen? Sie müssen früh lernen was
ihnen gut tut. Das Zimmer wechseln. Ins Gespräch kommen.

[01:30:56.810] – Bemerkung 35
Wenn mein autistischer Sohn ein Meltdown hat, muss ich mich nicht hinsetzen und
sagen: was ist jetzt gewesen? Dann lasse ich ihn einfach in Ruhe.

[01:31:18.510] – Bemerkung 35
Es gibt viele Kinder, die werden dann gerne in den Arm genommen. Aushalten.

[01:31:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor man korrigiert, muss man aushalten, sich beruhigen und dann vielleicht etwas
rausfinden.

[01:31:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Alter darf die Mutter gar nichts wählen, sie darf nur eine eigene Meinung haben.

[01:31:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwierig für Mütter nicht korrigieren zu wollen.

[01:31:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Teenageralter wird ganz viel erlernt, auf eine lustige Art und Weise.

[01:32:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reaktionsmuster sind: Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[01:32:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager necken gerne.

[01:32:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie auch necken können, wird es lockerer.

[01:32:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr Ziel muss es sein, nichts erreichen zu wollen.

[01:32:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur ihre Haltung. Ich als Frau erlebe das so.

[01:32:51.550] – Bemerkung 36
Was haben sie über Jean Piaget gesagt? Die Dezentrierten suchen sich einen Partner
welcher zentriert ist?

[01:33:08.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre ideal.

[01:33:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man emotional ist, kann man sowieso nicht mehr dezentrieren. Dann läuft man
nur noch auf einer Schiene.

[01:33:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss sich zuerst beruhigen, damit man wieder das Grosshirn einschalten kann.
Das Grosshirn kann man einschalten, wenn man die Emotionen beruhigt hat.

[01:33:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dezentrieren wäre: sich von der intellektuellen, emotionalen Bindung lösen und die
Sache mental anschauen.

[01:33:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, du siehst das so. Ah du hast blonde Haare, ah, du hast gekraustes Haar.

[01:34:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Den anderen anschauen können.

[01:34:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo man unter Emotionen ist, dezentriert man nicht mehr. Dann geht das
nicht mehr.

[01:34:19.960] – Bemerkung 37
Können Zentrierte sich dezentrieren?

[01:34:25.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle lernen es. Diejenigen, welche es nicht lernen, können sich nicht loslösen von
ihrer emotionalen Bindung. Sei das eine Theorie, ein Verhalten oder eine Religion.

[01:34:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Personen sind sehr verhängt mit ihrer Tradition.

[01:34:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch dezentrieren muss von der familiären Tradition, dann wird er seiner
Familie disloyal. Das löst Angst aus.

[01:35:12.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine gewisse Ablösung von seinem Familiensystem haben, damit man von
deren Traditionen dezentrieren kann.

[01:35:26.690] – Bemerkung 38
Oder von einer Religion.

[01:35:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion ist natürlich das Stärkste.

[01:35:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Religio heisst Bindung.

[01:35:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Bindungsverhalten läuft über unser emotionales System.

[01:35:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das emotionale System, sind wir an eine Religion, eine Kultur, an eine
Verhaltensweise, an eine Politik sind wir gebunden.

[01:35:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Andersartigen umgehen wollen, müssen wir uns auch mental davon lösen
und so betrachten können.

[01:36:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst machen wir einen Religionskrieg. Das ist sehr zerstörerisch.

[01:36:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Zustand geht es nicht mehr.

[01:36:24.090] – Bemerkung 39

Das geht Richtung Narzissmus.

[01:36:27.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Narzisst kann nicht dezentrieren.

[01:36:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Narzisst ist so stark zu kurz gekommen emotional oder zu stark verwöhnt worden.
Wenn er verwöhnt worden ist, dann meint er die ganze Welt verwöhnt ihn in der
Zukunft. Wenn er zu kurz gekommen ist, hat er eher die Anspruchshaltung, das zu
bekommen, was er als Kind nicht bekommen hat.

[01:36:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann dann nicht dezentrieren. Es ist alles persönlich ausgerichtet.

[01:37:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Zustand kann man nicht dezentrieren.

[01:37:43.860] – Bemerkung 40
Nach der Einnahme von Ritalin hatte mein Sohn eine Tickstörung. Er hat mit dem
Gesicht gezuckt. Er konnte es nicht beeinflussen. Spielt sich das im Körper ab?

[01:38:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Zwangsverhalten.

[01:38:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverhalten ist ein automatisches Verhalten vom Kleinhirn, vom motorischen
Hirn, das man nicht kontrollieren kann.

[01:38:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverhalten dient der Emotionsregulation, um die Emotionen runterzufahren.

[01:38:48.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In allen Kulturen hat man Zwangsverhalten als Ritual.

[01:38:59.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Hüpfspiele sind Zwangsverhalten.

[01:39:00.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwangsverhalten ist Angstbindungsverhalten.

[01:39:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverahlten sieht man bei der Präpsychose, bevor jemand schizophren wird,
hat er oft sehr viel Zwangsverhalten.

[01:39:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird ein Kind mit Ritalin fokussiert, ausbremst, dann schränkt man seine Emotionen
ein.

[01:39:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Angst wieder hervor, wie das Beispiel vom Skifahren mit Ritalin. Das
Emotionale kommt wieder hervor. Man kann es nicht unterdrücken.

[01:39:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Emotionale mit dem Grosshirn, mit dem Fokussieren nicht immer
unterdrücken.

[01:40:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt: man geht schlecht mit der Emotionalität um.

[01:40:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionalität macht sich wieder breit über das Zwangsverhalten.

[01:40:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird gedämpft über die Fokussierung vom Grosshirn.

[01:40:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Rest des Gehirns sagt: das geht nicht, das möchte ich nicht.

[01:40:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gehen schlecht mit unseren Emotionen um.

[01:40:54.830] – Bemerkung 41
Was heisst das?

[01:40:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin absetzen und andere Methoden finden um sich zu konzentrieren.

[01:41:01.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sind die ganze Zeit am friemeln mit den Fingern.

[01:41:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Aktivitäten bewirken, dass das Gehirn besser fokussiert. Gewisse brauchen das.

[01:41:20.660] – Bemerkung 42
Ich lese mit einem ADHS/ADSler. Er kann sich nicht konzentrieren und dann spielt er
mit einem Würfel. Wenn er läuft, kann er besser lesen.

[01:41:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat festgestellt, dass Kinder und Erwachsene nach dem Turnunterricht eine
bessere Aufmerksamkeit haben.

[01:42:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Über den Sport wird auch Dopamin ausgeschüttet. Danach ist die Aufmerksamkeit
besser.

[01:42:18.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADSler immer abbremst, muss man chemisch also von aussen her
eingreifen.

[01:42:29.020] – Bemerkung 43
Ich habe drei Knaben. Alle mit ADHS/ADS. Für die Schule gebe ich ihnen Medikamente,
damit sie sich dem System anpassen können. In der Freizeit haben sie keine
Medikamente. Ein Sohn hat auch ein Tick entwickelt. Wir mussten das Medikament
umstellen. Er hat in den Ferien jetzt einen Tick, wegen dem Stress in der Schule. Er
macht während dem Fussball spielen im Garten die Hausaufgaben. Sonst geht es nicht.
Die Schule kann ihm dieses spielerische Umfeld nicht bieten.

[01:44:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lerntheorie sagt klar: wenn man das Einmaleins lernt, soll man sich auch bewegen.
So wird das Gehirn von mehreren Kanälen her aktiviert. Dann wird es besser
einprogrammiert.

[01:44:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Reimspielen ist auch oft eine Bewegung drinnen.

[01:44:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hatte einen Tick. Der hat Ritalin bekommen und dann war der Tick weg.

[01:44:39.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist komplex und stark vernetzt. Man kann es von verschiedenen, Seiten her
angehen. Das Gehirn kann durch unterschiedliche Dinge das gleiche Symptom
machen.

[01:45:03.940] – Bemerkung 44

In der Therapie, ist heraus gekommen, warum er den Tick entwickelt hat. Es hat sich
heraus gestellt, dass die Schule für ihn ein grosser Druck ist und er dem nicht
standhalten kann. Dadurch hat er die Ticks entwickelt. Zur Zeit nimmt er das Focalin.
Damit hat er jetzt keinen Tick.

[01:45:36.660] – Bemerkung 45
Ich habe zwei Söhne mit ADHS/ADS. Diese Kinder haben meistens auch irgendwelche
Ticks. Als er zwei Monate alt war, hat er geschielt, geschüttelt, ich wusste nicht was los
war. Dann hat er nur die Decke angeschaut. Das auszuhalten ist ganz schwierig als
Mutter. Man braucht viel Kraft, damit man dies aushalten kann. Ich habe die
Lernschwäche lang nicht erkannt, bis ich gemerkt habe, dass er über das Gehör lernt.
Er lernt nur über das Gehör. Das habe ich in der 6. Oberstufen Klasse begonnen zu
merken. Ich musste ihm viele Geschichten vorlesen. Dann hat er alles gespeichert.
Wenn er schreiben muss in der Schule, hört er sich das Buch an. Jetzt hat er nur gut
Noten. Er hat seine eigene Lernmethode herausgefunden.

[01:46:44.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jeder Mensch lernt gleich.

[01:47:48.200] – Bemerkung 45
Wenn er lernt, dann legt er das Handy weg. Er hat das selber im Griff.

[01:48:08.750] – Bemerkung 46
Ich mache Lerncoachings bei ADHS/ADS Kindern. Wie lerne ich. Wo lerne ich am
besten? Durch welchen Sinneskanal geht es am besten. Ich lerne auf dem Balance
Board oder auf dem Trampolin. Sobald das Dopamin da ist, können sie viel einfacher
lernen. Ein Kind darf vor dem Lernen ein bisschen Gamen. Das fährt sein Dopamin
hoch. Dann kann er viel besser lernen. Danach darf er für eine Stunde nicht mehr an
die Medien. Lerncoaching ist wichtig. Jeder lernt anders.

[01:49:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Gamen zur Fokussierung ist besser als Gamen als Belohnung. Wenn Gamen eine
Belohnung ist, dann werden die Aufgaben unsorgfältig gemacht.

[01:49:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Pause.

[01:49:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle lesen und schreiben gelernt. Wir sind es gewohnt, linear zu denken,
monokausal. Zigeunerkinder, die nicht lesen und schreiben lernen, die behalten eine
breite Aufmerksamkeit und erfassen die Situation auch schneller.

[01:50:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch das normale Schulsystem durchlaufen und habe dann in den USA eine
systemische Ausbildung gemacht.

[01:50:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin und Psychiatrie sind sehr stark nur Symptom bezogen.

[01:50:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht ein Symptom, macht die Diagnose, macht eine Therapie.

[01:50:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist monokausal und linear.

[01:50:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die systemische Therapie lehrt, die Zusammenhänge zu sehen.

[01:51:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Anfangs sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Man hat soviele Daten und
weiss nicht, was man damit tun soll. Das ging mir auch so.

[01:51:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Murray Bowen hat immer gesagt: du verlierst das wieder, wenn du weggehst von dieser
Schule.

[01:51:19.211] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

[01:51:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat mit Schizophrenie Familien gearbeitet.

[01:51:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
1980 bin ich aus den USA zurückgekommen und wende seit dann diese Methode
immer an.

[01:51:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht Interakionen, Beziehungen anzuschauen.

[01:52:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum frage ich nach dem Wertesystem und Eigenschaften. Ich versuche das zu
verknüpfen.

[01:52:02.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Was läuft falsch?

[01:52:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule beurteilt in der Regel nur die individuelle Leistung des Kindes.

[01:52:23.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder rivalisieren miteinander.

[01:52:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Die individuelle Leistung wird natürlich besser oder höher, wenn man miteinander
rivalisiert.

[01:52:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen auch lernen zu kooperieren, zusammenarbeiten.

[01:52:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein System funktioniert nur so gut wie das schwächste Mitglied im System.

[01:52:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird jemand in der Familie krank, dann alarmiert das kranke Familienmitglied, dass im
System etwas falsch läuft.

[01:52:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur das einzelne Individuum. Wir sind soziale Wesen, wir interagieren.

[01:52:55.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwächste Glied im System zeigt Symptome.

[01:53:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stärkste Kind, welches die meisten Funktionen hat im System, welches die
wichtigsten Aufgaben hat, das wird so überladen, dass es dann nicht mehr selber
funktionieren kann.

[01:53:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann durchaus starke Kinder haben, aber wenn die alles für das System leisten
müssen und das System funktioniert nicht gut, dann brechen sie irgendwann
zusammen.

[01:53:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das krank werden innerhalb von einem Familiensystem, ist immer das Alarmzeichen für
die ganze Familie.

[01:53:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeut schaut man woher das kommt. Man muss genau hinschauen und
dann versucht man das System zu verändern.

[01:54:09.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin kommt das nicht durch.

[01:54:13.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat ein Hausarzt noch alles gemacht. Ich habe auch als Hausärztin jahrelang
gearbeitet. Dann ist man für alles zuständig.

[01:54:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind das alles Fachgebiete.

[01:54:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zum Kardiologen, man geht zum Neurologen, man geht zum Leberspezialist
usw.

[01:54:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen Disziplinen sind oft nicht so gut koordiniert.

[01:54:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Körper, unser Gehirn arbeitet immer ganzheitlich.

[01:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann von einem zum anderen gereicht wird, am Schluss, hat man X
Spezialisten und weiss immer noch nicht, was mit einem ist.

[01:54:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Als Familientherapeutin versuche ich natürlich dann immer wieder alle die
Zusammenhänge anzuschauen und mir so zu erklären.

[01:55:03.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo ein Mensch innerhalb einer Familie beginnt die Muster zu erkennen,
kann er sich je nachdem auch besser selber helfen.

[01:55:16.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Symptombetrachtung ist natürlich ganz stark in unserer Gesellschaft verwurzelt.

[01:55:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz
So laufen die Fachleute und es ist schwierig, immer wieder den breiten Fokus zu
haben.

[01:55:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind gute Systemiker, denn die haben ein breite Aufmerksamkeit.

[01:55:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Breite wird eben oft nicht zugelassen.

[01:55:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alles Spezialisten. Wir denken immer, der Spezialist ist noch besser.

[01:55:50.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mir ein paar Fragen stellen zum Thema: was ist überhaupt ein System und
wie geht man damit um?

[01:56:00.850] – Bemerkung 47
Es gibt starke Tendenzen, dass man versucht die jungen Menschen sich selber zu
überlassen, indem sie selber Problem-Themen-Felder bearbeiten. Ich funktioniere nicht
mehr als Lehrer sondern als Coach und auch das nur noch über irgendwelche
Internetportale. Der persönliche Kontakt geht verloren. Das Führen, das aktive begleiten

geht verloren. Es liegt mehr in der Interaktion. Diese Interaktion fällt immer mehr weg.
Ich sehe die jungen Menschen häufig in einer Hilflosigkeit. Es ist alles da, also mach.

[01:57:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe es genau gleich.

[01:57:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon in der Primarschule gibt es einen Lernplan und sie müssen selber einteilen,
wann und wie und was. Es gibt Schüler, die das gut können.

[01:57:50.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele, die das nicht können. Man lässt sie dann einfach liegen. Man begleitet sie
nicht.

[01:57:56.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist es aus meiner Sicht eine Verantwortungslosigkeit, wenn man sagt, du
kannst alles im Internet holen, du kannst alles machen und ich gebe dir nur noch
Befehle über den Computer.

[01:58:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fällt die persönliche Beziehung weg.

[01:58:11.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fällt so viel weg und da fehlt die menschliche Beziehung, die persönliche Beziehung,
die Interaktion und das gemeinsame Lernen.

[01:58:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eigentlich ein Vernachlässigen von unserer Jugend, wenn wir die einfach an
Computer setzen.

[01:58:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusätzlich sitzen sie dann noch am Natel und den Spielen, dann ist noch mal nichts da.

[01:58:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wir müssten als Lehrpersonen diese Funktion vom Schule geben, vom
Interagieren mit dem jungen Mensch, viel, viel ernster nehmen und wirklich wieder in
das investieren.

[01:58:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstliche Intelligenz, die kann alles machen, aber die Beziehung kann sie einem
nicht anbieten.

[01:58:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung läuft das emotionale Lernen.

[01:59:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird grob vernachlässigt.

[01:59:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nur der IQ angeschaut. Den EQ sollte man auch anschauen.

[01:59:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von dem, aber in der Tat hat man keine Zeit dafür und findet es nicht nötig.

[01:59:17.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrer sind ausgebrannt, mögen nicht mehr.

[01:59:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste das ganze Schulsystem revidieren und unterstützen.

[01:59:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler sagt, dass man immer zwei Leute haben sollte, so wie man Eltern hat.
Das finde ich gut.

[01:59:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heisst es: das kostet viel Geld, man kann es nicht zahlen.

[01:59:40.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die danach in die Psychiatrie kommen, wenn sie ins Gefängnis kommen, kostet
es 1000 Mal mehr Geld.

[01:59:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Könnte man das Geld früher nehmen, könnte man viel sparen.

[01:59:54.250] – Bemerkung 48
Ich sehe immer mehr Lehrer und Eltern, die resignieren. Einjährige Kinder haben schon
das Handy in der Hand. Sie wollen nicht in die Konfrontation mit ihren Kindern gehen.

[02:00:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich ein hoffnungsloser Optimist und ich probiere immer wieder etwas
Neues zu bringen. Man darf nicht resignieren, wir müssen die kleinsten Möglichkeiten
wieder einen Anstoss zu geben, packen.

[02:00:45.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Pflänzchen pflanzen, damit da wieder etwas wächst.

[02:00:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde demnächst mal einen Lehrer interviewen, welcher eine lange Psychiatrie
Karriere hinter sich hat und jetzt die Ausbildung zum Lehrer macht.

[02:01:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe grosse Freude. Er ist sehr begabt für das.

[02:01:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Lehrpersonen müssen mehr Unterstützung bekommen.

[02:01:10.640] – Bemerkung 49
Wir haben hier einen Saal voller Leute, die das wollen. Viele Leute wollen das gar nicht
lernen.

[02:01:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es immer wieder. Ich werden mit unserem Gesundheitsdirektor und der
Schule zusammen sitzen und meine Ansätze zu vermitteln versuchen.

[02:01:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wieder Samen streuen.

[02:01:41.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lehrerseminar im Aargau war nie an meinem Wissen interessiert.

[02:02:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt werde ich in Zürich eine Weiterbildung für Lehrpersonen geben.

[02:02:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe, es kommen ein paar Leute, die ich impfen kann.

[02:02:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen viel mehr Unterstützung haben, viel mehr Begleitung haben,
damit sie diesen schwierigen Job aushalten.

[02:02:28.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist anstrengend. Man hat viel Konkurrenz von den sozialen Medien.

[02:02:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist überhaupt nicht unmöglich.

[02:02:38.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die persönliche Beziehung ist immer noch interessanter als das mobile Gerät.

[02:02:49.520] – Bemerkung 50
Ich habe auch ein ADHS/ADS Kind, welches Medikamente nehmen muss, damit es
schulkompatibel bleibt. Ich muss oft mit meinen Kindern Dinge anschauen, wo ich nicht
weiss, ob das jemals erklärt wurde. Ich habe das Gefühl, dass ich zu Hause noch sehr
viel mit meinen Kindern lernen muss, obwohl das nicht ein Job ist.

[02:04:11.180] – Bemerkung 50
Der jüngere Sohn ist sehr lebendig. Es wird nicht mehr darauf geachtet ob er schön
schreiben lernt. Die Struktur fehlt.

[02:04:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zu stark von der Wissensaquise aus. Man versucht nicht, sich das Wissen
zusammen zu erarbeiten. Man kann alles Wissen auf dem Internet holen.

[02:04:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen miteinander erarbeiten, austauschen, vergleichen etc. das ist der Mensch.

[02:05:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Darin müssen wir die Menschen viel mehr unterstützen.

[02:05:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Salär der Lehrperson geht nicht hoch. Ein Manager ist monetär orientiert.

[02:05:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind sehr auf die quantitative Verbesserung und nicht die qualitative Verbesserung
ausgerichtet.

[02:05:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen viel mehr wieder zurück zum Qualitativen.

[02:05:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht das Menschsein aus und die Qualität vom Leben.

[02:05:54.590] – Bemerkung 51
Mich interessiert der Begriff Beziehung, die Interaktion.

[02:06:12.110] – Bemerkung 51
Wenn ich ihm eins zu eins mit meiner Tochter bin, dann kann ich ganz ganz aktiv
wahrnehmen und die Beziehung pflegen.

[02:06:25.250] – Bemerkung 51
Mit einer Klasse von 24 Schüler und Schülerinnen ist das anders. Früher hatten wir 40
Kinder in einem Klassenzimmer. Heute Abend habe ich ein Konzert mit 110 Personen
im Chor.

[02:06:46.890] – Bemerkung 51
Was ist das Zentrale in der Beziehung?

[02:06:55.110] – Bemerkung 51
Was braucht es an Beziehung?

[02:06:58.890] – Bemerkung 51
Was kann ich tun, wenn ich eine Klasse ein Semester lang nicht habe, weil sie im
selbständigen Lernen drinnen sind.

[02:06:59.130] – Bemerkung 51
Gibt es Formen von Beziehung, von Kontakt, ausserhalb des Elektronischen?

[02:07:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Beziehung entsteht über Kontakt schaffen. Über Musik schafft man Kontakte. Die
Musik arbeitet nicht mit der Sprache sondern mit dem Ton, dem Rhythmus etc.

[02:07:41.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Lehrer eine Klasse von 40 Schülern hat, muss er Kontakt mit der Klasse
schaffen und er schafft Kontakt, indem er etwas Interessantes bringt, etwas
Faszinierendes bringt, in dem er wahrscheinlich auch etwas von sich selber gibt.

[02:08:12.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte im Gymnasium einen Lehrer, der war sehr aktiv. Der hat auch mal einen einen
Schüler getreten. Der Lehrer wurde ausgewertet und er wurde positiv ausgewertet. Der
Lehrer muss zur Gruppe den Kontakt schaffen.

[02:08:12.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Musiker, die gross auftreten vor einer riesigen Masse, die schaffen Kontakt und es
geht immer über emotionale Sachen.

[02:08:43.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie nur intellektuell.

[02:08:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Beziehungshirn, das limbische System, das ist das was die Beziehung schafft
und es läuft immer über das Gefühl.

[02:08:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss beim anderen etwas auslösen können.

[02:08:58.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man selber begeistert ist und von etwas fasziniert ist und das bringen kann,
dann klingt das nach bei den anderen.

[02:09:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man alles nur über Computer macht, schafft das keinen Kontakt. Das ist einfach
nur Wissen reinschaufeln.

[02:09:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nerds arbeiten gerne so, weil sie dann nicht gestört werden, emotional.

[02:09:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere, die verdursten und verhungern, wenn keine Beziehung da ist.

[02:09:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer: man lernt nicht für den Lehrer. Das stimmt nicht.

[02:09:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer.

[02:09:38.320] – Bemerkung 52
Das Verrückte ist ja, wenn man das Kind oder den Menschen packt, gehen Welten auf.
Dann hat man den Menschen und das ist sehr befriedigend. Das ist für beide schön. Ich
sehe das als Musiklehrerin. Man muss ihnen die Plattform geben. Die Kinder sind nicht
zu. Man muss viel geben. Das ist eine wichtige Nebenwirkung.

[02:10:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht kostenlos.

[02:10:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die grossen Orchester, bei all den Bands, die machen das auf ihre Weise. Für mich
passt das nicht ganz.

[02:10:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen Kontakt schaffen und das ist die Beziehung.

[02:10:33.340] – Bemerkung 53
Wie kann man mehr faszinierend sein?

[02:10:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher Menschen, die talentiert sind, die das Spezielle haben.

[02:10:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es auch üben.

[02:10:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler intonieren besser, sie machen stärkerer Schwankungen, sie sprechen
nicht so monoton. Das kann man üben. So kann man die Diagnose nur an Hand der
Stimmführung machen.

[02:11:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Theatermenschen, die müssen das lernen. Dort gibt es auch viele ADHS/ADSler.

[02:11:20.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch Liebe zu diesem Thema haben.

[02:11:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Tagung von Kinderpsychiater, wurden der Familie irgendwelche Instrumente
zur Verfügung gestellt. Der Vater hat alles dominiert am Anfang. Mit der Zeit kam ein
Kind rein. Dann konnte man spielen. Dann gab es ausgeglicheneren Kontakt.

[02:11:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Musik ist das so und beim Improvisieren, dass jeder mal drankommt, sich zu
zeigen.

[02:12:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Kontakt schaffen.

[02:12:24.010] – Bemerkung 54
Mit Leidenschaft Kontakt schaffen.

[02:12:37.590] – Bemerkung 55
Man spricht auch von der Bühnenpresänz, Seminarpräsenz. Man muss sich den Raum
schaffen und man muss den halten können.

[02:12:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontakt schaffen von einem Individuum zu einer Gruppe.

[02:12:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist Kontakt schaffen unter der Gruppe und natürlich im Einzelsetting.

[02:12:58.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Google Untersuchungen gemacht, wo sie herausfinden, wer das bessere Team macht.

[02:13:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte meinen nur die intelligenten von Harvard und MIT ergeben ein gutes Team.

[02:13:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss war es: Equal Speaking time.

[02:13:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jeder genügend Platz hat zum Reden, sich wohlfühlt, akzeptiert fühlt, dann gibt
es das beste Team.

[02:13:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier braucht es an der Schule auch eine Steuerung, damit nicht nur der Frechste alles
unter den Nagel reisst und die Stummen irgendwo verloren gehen.

[02:13:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Beziehung in der Gruppe wäre es eine gewisse Ausgeglichenheit, eine gewisse
Balance.

[02:13:56.590] – Bemerkung 56
Eine Lernatmosphäre schaffen, wo sich alle wohl fühlen können. Dynamiken steuern,
damit alle ihren Platz haben. Wenn sich das Kind nicht wohlfühlt in der Gruppe, dann
wird es auch nicht erblühen.

[02:14:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Garten auf dem Rücken, wie die Pflanzen wachsen, dass jeder seinen Teil dazu
beitragen kann.

[02:14:29.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit unserer Leistungsgesellschaft entgeht uns das oft.

[02:14:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den drei Generationen.

[02:14:57.680] – Bemerkung 57
Ich schaue mich an, meine Mutter, meine Töchter, meine Kinder. Wo soll man
hinschauen?

[02:15:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das anschauen, wo der Schuh am meisten drückt. Das ist das Symptom. Man darf
nicht beim Symptom stehen bleiben. Über das Symptom schaut man über welche Wege
führt es, wie ist es entstanden? So entsteht ein Baum.

[02:16:06.750] – Bemerkung 58
Man schaut die Beziehungen zwischen Mutter und Grossmutter an.

[02:16:07.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die Beziehungsmuster, die Wertvorstellungen an.

[02:16:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
War es eine enge Beziehung oder nicht?

[02:16:18.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut, was weitergehen wird: weibliche Rollen, männliche Rollen. Wo wechselt
es?

[02:17:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind, welches am fragilsten ist oder welches am meisten für die Familie tut, wird
zum Mobbingopfer. Auf das wird alles projiziert.

[02:17:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder in einer spezielle Situation geboren werden oder ganz spezielle
Eigenschaften haben, dann werden die auch leicht zum Focus-Kind.

[02:17:31.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Mobbing ist eine Dysfunktion auf eine Person zu fokussieren.

[02:17:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie Sprache sagt man dann das ist Externalisieren.

[02:17:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut es nicht bei sich an. Die Problematik, welche man hat, wird auf die anderen
projiziert.

[02:17:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der psychotische Wahn, die Wahnideen, Halluzinationen sind immer eine
Externalisierung der eigenen inneren Konflikte.

[02:18:13.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man haltet die inneren Konflikte nicht aus.

[02:18:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eigentlich ein Schuldgefühl. Man sagt dann nicht: ich fühle mich schuldig. Das
ist sehr unangenehm. Schuldgefühle sind sehr unangenehm.

[02:18:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen wir, der andere will mir Böses tun, darum geht es mir schlecht.

[02:18:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Projektion nach aussen.

[02:18:32.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auch positiv verwenden.

[02:18:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Gruppen, welche sagen: Voice Dialogue.

[02:19:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir einen Menschen gegenüber haben, welcher sich nicht nach unseren
Erwartungen verhält, dann wollen wir den immer korrigieren. Genau das dürfen wir
nicht. Sondern wir müssen uns mit dem Unterhalten, auseinandersetzen und einfach
die eigene Position einnehmen.

[02:19:20.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bereits in der Pubertät wichtig ist.

[02:19:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beginnt zwischen 14 und 16 Jahren.

[02:19:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jugendlichen darf man eigentlich nichts mehr befehlen, da darf man nur sagen,
was man findet, wie man es sieht, und seine eigene Meinung klar sagen.

[02:19:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mobbing passiert in einer Gruppe.

[02:19:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Chef, der Lehrer, der Rektor, der Schulleiter auftreten.

[02:19:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht irgendeinem Individuum sagen: das macht man nicht und schrecklich, etc.

[02:20:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss den Gruppenprozess anschauen und mit dem Gruppenprozess etwas machen.

[02:20:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die Mobbing Geschichte in einen Gruppenprozess nehmen, muss man mit
allen umgehen.

[02:20:17.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt kein Täter und kein Opfer.

[02:20:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind alles Gruppenmitglieder.

[02:20:24.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie geht man mit Ungleichheiten um, die einem stören, die einem ärgern, etc? Das ist
wieder ein soziales Lernen.

[02:20:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen wird heute nicht genügend gefördert.

[02:20:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet Energie.

[02:20:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Führung des Gruppenprozesses hat ganz klare Ethik und sagt, wenn jemand sich
schlecht benimmt: das tolerieren wird in der Gruppe nicht, das sind die Regeln. Wenn
du sagen möchtest, was dich gestört hat, kannst du das gerne tun.

[02:21:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geschieht Mobbing unter Mädchen und Knaben.

[02:21:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben sagen immer: die Lehrerin bevorzugt nur die Mädchen und wir werden
bestraft, rausgesperrt.

[02:21:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft es schon schief.

[02:21:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chef darf niemals Partei ergreifen, sondern er muss die Regeln sagen.

[02:21:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt ganz allgemein auch in der Erziehung und bei den Teenager, dass man die
Regeln erklärt.

[02:21:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht sagen: du musst, du sollst, du darfst nicht.

[02:21:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Regeln, so wie wir Menschenrechts Regeln haben, juristische Regeln etc.

[02:21:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln muss man mit Herz vertreten, damit die Kinder das auch hören und
spüren.

[02:22:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht einfach die Regeln an die Wandtafel schreiben: so wird das gemacht.

[02:22:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regeln selber vertreten.

[02:22:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu Hause als Mutter an Regeln erinnern wollen, müssen sie ihre Emotionen
zurück nehmen und sagen: das ist die Regel Nummer eins.

[02:22:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familie muss die Emotionen eher zurück nehmen.

[02:22:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule muss man eher Emotionen eingeben.

[02:22:31.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule braucht es Herz.

[02:22:35.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause ist es zu viel Herz.

[02:22:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Zu Hause kennen die Kinder alle Regeln und sie regen sich darüber auf, wenn die
Mutter schon wieder etwas sagt.

[02:22:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter nur sagt: Regel Nummer eins, kann das Kind die Regeln
internalisieren.

[02:22:54.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, müssen die Regeln mit Herz präsentiert werden.

[02:22:57.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Täter und Opfer, sondern immer Austausch und Lösung. Win-Win Situation, damit
beide etwas daraus lernen.

[02:23:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir drei Generationen an.

[02:23:17.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Erfahrung aus der Nordostschweizerischen Strafvollzugskommission ist: zuerst ist
der Täter ein Opfer, dann wird er zum Täter, dann gibt es wieder ein Opfer und das wird
wieder zum Täter.

[02:23:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wechselt häufig von Täter zu Opfer, zu Täter, zu Opfer.

[02:23:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Täter einfach mit Tat bestraft, dann werden die nur noch mehr zu Tätern.

[02:23:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man nicht mit seinem emotionalen Gerechtigkeitssinn rein
kommt und die Täter bestraft.

[02:23:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe an die Weiterbildungen von der Schweizerischen Kriminologischen
Gesellschaft.

[02:23:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird zuviel Geld ausgegeben um Regeln im Gefängnis durchzusetzen. Diese Regeln
haben nichts mit einer Sozialisierung zu tun. Es wird viel über Dinge geredet.

[02:24:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser man beginnt im Kindergarten, in der Schule, in der Familie und bringt so
den Kindern Sozialkompetenz bei.

[02:24:31.870] – Bemerkung 59
Mich interessiert das Phänomen vom Gruppendruck, die sozialen Medien, der
Leistungsdruck unter den Peer Groups. Der Leistungsdruck, Leistungswahn, der
Schönheitswahn, nicht auffallen.

[02:24:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mobbing Opfer wird immer jemand gewählt, der heraussticht. Die Schweizer sind
egalitär, die wollen nie auffallen. Die Zugewanderten haben kein grosses Problem
herauszustechen.

[02:24:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder wird man zum Alphatier oder man wird gemobbt.

[02:25:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS, ASS Kinder, welche sich nicht wehren können werde häufig gemobbt.

[02:25:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die überlegen lange, bevor sie etwas tun. Die anderen sind aktiv und fahren direkt rein.
Dort braucht es einen Schutz, dass die Impulsiven zurück gehalten werden und man

sagt: wart, ich höre gerne was du sagen möchtest, aber jetzt will ich hören war er sagen
möchte.

[02:25:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADS Kinder muss man Raum geben, damit sie sagen können was sie wollen, sie
beschützt.

[02:25:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS, ASS Teenager werden oft als arrogant angeschaut, weil sie nichts sagen, denkt
die Gruppe: die ist zu vornehm, wir sind es nicht wert.

[02:26:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr sie ins Schweigen komme, desto weniger sagen sie.

[02:26:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gruppentherapie ist immer die Frage: wer spricht jetzt.

[02:26:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Gruppe analytisch geführt wird, sagt der Führer möglichst nichts. Der
Unsicherste spricht dann oft zuerst. So kann man sich mit Schweigen einen
Machtkampf bieten.

[02:26:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schüler war intelligent, hatte nur gute Noten, er wollte nicht auffallen. Er wollte kein
Streber sein. Dann hat er angefangen nichts zu leisten, damit er kein Streber ist. Der ist
nicht mehr aus dem raus gekommen. Am Schluss hatter er eine IV Rente. Er war
hochintelligent. Dahinter war noch ein Ehekonflikt.

[02:27:36.110] – Bemerkung 60
1989 war ich sehr gut in der Schule, habe zwei Instrumente gespielt im Berner
Oberland. Ich nahm die Querflöte mit ins Skilager. Ich war eine Exotin. Ich habe mich
innerlich gewehrt konnte aber nichts sagen. Ich musste mich zurück ziehen. Ich wusste

nicht was mit mir los war. Die Noten war immer noch besser als die von den anderen.
Das war ein Fluch. Man passt sich an und das hat Folgen bis heute.

[02:28:54.240] – Dr.med. Ursula Davatz
So etwas muss die Lehrperson merken und hinstehen.

[02:29:01.100] – Bemerkung 60
Das ist nicht passiert. Niemand ist hingestanden.

[02:29:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz
A difference is a difference, which makes a difference.

[02:29:11.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Unterschied. Wir sind alle unterschiedlich.

[02:29:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die spielt gut Flöte, das ist ihre Leidenschaft, das macht sie gerne, das lassen wir ihr.

[02:29:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Bist du eifersüchtig, dass sie so gescheit ist?

[02:29:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man fragen: was kannst du gut?

[02:29:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle unterschiedlich.

[02:29:39.170] – Bemerkung 60
Es war dem nicht so. Man will aber man kann nicht.

[02:29:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz

An dieser Stelle sind die Lehrpersonen unaufmerksam.

[02:29:51.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man reinfahren und sagen: ja, da ist ein Unterschied, ja, das ist anders, ja wir
sind unterschiedlich.

[02:29:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Heterogene Gemeinschaften überleben besser als homogene.

[02:30:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Homogen heisst alle haben die gleichen Gene, dann kommt ein Virus, dann sterben alle
aus.

[02:30:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heterogen, eine grosse Diversität, dann überleben wir besser. Jeder hat einen Platz.

[02:30:32.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute will jeder einen akademischen Titel. Wir brauchen auch noch Handwerker, die
etwas tun.

[02:30:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur das Streben nach dem einen, was das Grosshirn möchte, das ist nicht immer gut.

[02:30:59.440] – Bemerkung 61
Die Lehrpersonen sind auch heute noch überfordert, diese Dynamiken zu erkennen. Die
sind noch nicht so weit.

[02:31:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Polizei in die Schule zu holen, das bringt gar nichts. Das muss der Lehrer selber
handhaben. Wenn er es nicht kann, sollte man einen Systemtherapeuten oder
Sozialarbeiter holen, damit sie es zu zweit tun. Dann kann man zusammen sprechen
und den Prozess auflösen.

[02:32:12.480] – Bemerkung 62
Kann man Mobbingopfer stärken, dass sie nicht zum Mobbingopfer werden?

[02:32:21.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge wurde immer verprügelt. Dann hat er einmal zurück geprügelt. Dann wurde
er in Ruhe gelassen. Ein Mädchen kann das nicht.

[02:32:21.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie den Film von Eminem? Beim Rappen wird der andere beleidigt. Wer nicht
zusammenbricht gewinnt.

[02:32:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Naturell kann man sie in ihrer Selbstbehauptung stärken. Es tut ihnen auch gut.
Man kann auch sagen geh weg, lass dich nicht anzetteln.

[02:33:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Chefsache.

[02:33:43.510] – Bemerkung 63
Vor 40 Jahren haben die Lehrer Wissen vermittelt. Heute muss man das auch noch im
Griff haben. Irgendwann ist genug.

[02:33:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leiben in der heutigen Zeit.

[02:34:30.870] – Bemerkung 64
Früher ist der Lehrer mit dem Stock gekommen und hat zugeschlagen.

[02:34:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht um eine Konfliktlösung. Bei der Konfliktlösung muss man immer schauen, was
ist der Ursprung? Es ist immer irgendwo eine Verletzung und dann eine extreme
Verteidigung gegen die.

[02:34:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde gefischt an einem Fischerteich. Für jeden Fisch hat man einen Franken
gekriegt. Beim Raubfischen war der Teich in 10 Minuten ausgefischt. Selber hatte man
dann viel und die anderen nichts. So ist schneller Schluss.

[02:35:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage lautet: Aug um Aug oder kann der Mensch auch sozial sein?

[02:35:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde ein Student eingeschleust, welcher moderat gefischt hat.

[02:35:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war ein gutes Vorbild. Mit der Zeit haben die anderen auch moderat gefischt.

[02:35:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen, ohne in die Sonntagsschule zu gehen.

[02:35:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Delfine sind auch soziale Wesen. Die retten sogar einen Menschen.

[02:35:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Sozialverhalten müssen wir wieder mehr fördern.

[02:36:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es nur soziale Kompetition, wer ist der Grösste, der Stärkste?

[02:36:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir müssen zurückbuchstabieren und gutes Sozialverhalten vorleben.

[02:36:31.160] – Bemerkung 65
Es genügt nicht, wenn man erst in der Oberstufe beginnt. Man muss heute hinschauen.
Wenn jemand mit Anzeichen kommt, muss man sofort handeln. Man muss sie für einen
Moment aus dem Geschehen rausnehmen. Die Ängste sind danach viel zu gross. Es
braucht spezielle Schulungen in der Schule dafür.

[02:36:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind rausnehmen und den Gruppenprozess anschauen. Es ist immer einzeln.
Gewisse Sozialarbeiter können es gut, andere nicht.

[02:37:20.890] – Bemerkung 66
Meine Tochter hat auch eine Mobbing Geschichte erlebt. Hätte sie mir nicht davon
erzählt, hätte ich es gar nicht gemerkt. Es ging um einen Chat, wo es hiess: bringt dich
doch einfach um. Ich habe dann dem Schulsozialarbeiter angerufen. Sie hat auch
einzelne Unterstützung bekommen. Die Geschichte ist nie weg.

[02:38:07.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist traumatisiert.

[02:38:09.560] – Bemerkung 66
Wir als Menschen haben auch eine Verantwortung, dies in der Gesellschaft
anzuschauen. Ich leite ein Team und sage dort auch: das ist nicht fair, was ihr dort
macht. Man muss die Grenzen setzen.

[02:38:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat eine Verantwortung, auch in der Nachbarschaft. Jedes soziale Wesen hat das
Recht etwas zu sagen.

[02:39:09.690] – Bemerkung 67

Die Thematik Mobbing ist bei uns auf dem Schulweg aktuell. Die Grossen versperren
den Kleinen den Weg. Sind die Kleinen mal gross, machen sie es auch wieder zu den
Kleinen. Das ist schon fast systematisch. Der Schulweg ist Sache der Eltern.

[02:39:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auf dem Schulweg auch den Knaben einen Stamm in den Weg gelegt.

[02:40:17.780] – Bemerkung 67
Ein Knabe hatte so Angst, dass er einen grossen Umweg gemacht hat.

[02:40:37.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das melden in der Schule und dann ein Rollenspiel machen.

[02:40:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen über Spiele.

[02:41:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Ausbildung als Systemtherapeuten eine Familie gespielt. Jemand war
der Patient und jemand war der Therapeut.

[02:41:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Patient hat man versucht, dass der Therapeut nichts erreicht. Das hat man geübt.

[02:41:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr Rollenspiele, nicht Shooter Games wo jemand gewinnt, sondern Interaktion wo
man schlussendlich zu einer Lösung kommt.

[02:41:52.670] – Bemerkung 68
Häufig sind Mobbing Täterinnen Opfer. Das hätte mir nichts gebracht, wenn man mir
das gesagt hätte mit 12 Jahren.

[02:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Opfer hilft das nicht. Derjenige welcher mit den Tätern umgeht muss das wissen.

[02:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Aggressive Täter kommen häufig aus unterdrückten Familien. Es wird der nächsten
Generation weiter gegeben.

[02:42:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder müssen früh lernen wie man mit Unterschieden umgeht. Beides ist gut. Nicht
immer nur diese Siegerspiele spielen.

[02:42:51.480] – Bemerkung 69
Warum sind alle Kliniken voll? Was machen wir alle falsch?

[02:43:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hielten die Familiensysteme zusammen, es war nicht alles gut, aber es hat sich
nicht alles so ausgebreitet. Heute hat man nicht mehr so viele gut funktionierende
Systeme. Der Schulweg geht uns nichts an. Diese Aussage geht nicht. Es geht uns
immer etwas an. Wenn das Kind zu mir kommt und auf dem Schulweg gemobbt wird,
das ist mein Kind, mein Schüler, das geht auch mich etwas an. Wenn es ihm zu Hause
nicht gut geht, geht es mich auch etwas an.

[02:43:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wachsamer sein und dann nicht Richter spielen, sondern dann unser
Problem lösen.

[02:44:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sensibler sein auf soziale Probleme und frühzeitig Problemlöser holen.

[02:44:36.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon die Mediziner arbeiten nicht so gut untereinander zusammen.

[02:44:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sensibler miteinander zusammen arbeiten und dann wieder unsere
unterschiedlichen Rollen sehen.

[02:44:43.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu brauchen wir Zeit. Es braucht ein Anhalten. Man kann nicht einfach darauf los
sein Ziel verfolgen.

[02:44:58.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen Individuum und dem Kollektiv muss immer weider ausgeglichen werden.

[02:45:13.470] – Bemerkung 70
Es ist ein Zeit Problem.

[02:45:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben keine Zeit, werden krank, gehen ins Spital. Dann wird man von der
Krankenschwester liebevoll für viel Geld gepflegt.

[02:45:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Hätten wir die Zeit davor schon verlangsamt, müssten wir nicht im Spital landen.

[02:45:46.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Sorgfalt der Beziehung gegenüber und Zeit für die Beziehung.

[02:45:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Tagesgeschäft haben wir keine Zeit für die Beziehung und wir lassen unsere
Beziehung pflegen im Spital.

[02:46:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden Patienten gefragt, was ausschlaggebend war im Spital, kommt an erster Stelle
die Krankenschwester und nicht der tolle Chirurg.

[02:46:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankenschwester arbeitet mit der Beziehung.

[02:46:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehung macht gesund. Die Beziehung beruhigt.

[02:46:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mehr Sorgfalt verwenden für die Beziehungspflege.

[02:46:44.210] – Bemerkung 71
Das heisst, dass die Frauen mehr zu Hause bleiben müssen, wenn die Kinder
aufwachsen.

[02:46:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann kann auch zu Hause bleiben.

[02:46:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mehr von unserer Arbeitszeit auch in die Kinder investieren.

[02:46:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob Mann oder Frau, zusammen.

[02:46:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Investition Erziehung.

[02:47:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst spricht man von der Investition was mehr Geld bringt.

[02:47:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Human Capital.

[02:47:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir in unsere Beziehung investieren, in unseren Nachwuchs, investieren wir in
das kostbarste Gut.

[02:47:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft nicht gesehen.

[02:47:41.770] – Bemerkung 72
Damit machen sie sich unbeliebt.

[02:47:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Als BEZ Schülerin habe ich mich eingesetzt zusammen mit einer Freundin für einen
Kollegen uns.

[02:47:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gesagt: der Lehrer geht schlecht mit dem Kollegen um.

[02:47:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort darauf war: ihr habt nicht einen Fingerhut voll Verstand und nicht einen
Fingernagel voll Anstand. Wir mussten nachsitzen und waren stolz auf unseren Einsatz.
Man muss den Mut haben.

[02:48:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Dr.jur. Marcel Bertschi ein Video gemacht.

[02:48:16.795] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=8BEgYimnR2c

[02:48:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Er hat sich in der SP für die soziale Gerechtigkeit eingesetzt und das war dann gar nicht
so toll. Er hat seinen guten Mut nicht verloren.

[02:49:00.800] – Bemerkung 73
Viele Eltern denken, dass sie heute viel in ihr Kind investieren. Klavierunterricht, Karate,
Mandala malen, Frühchinesisch. Das ist grosse Investition.

[02:49:01.180] – Bemerkung 73
Wenn es Probleme gibt, stehen die Eltern der Kinder sofort auf der Matte. Dann hat der
Lehrer keine Chance.

[02:49:21.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich träume immer noch von einer Gruppe von Eltern und Lehrern und ich versuche
zwischen ihnen zu vermitteln. Ich sehe die sonst immer nur einzeln.

[02:49:21.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat beim Schüler eine andere Funktion als die Eltern bei ihrem Kind.

[02:49:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide sind notwendig.

[02:49:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen.

[02:49:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Unterschied sehen und den Unterschied akzeptieren. Nicht: ich weiss es
am besten.

[02:49:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Kinder investiert, was sie da alles machen, das ist immer individuell
und vorwärts und Leistung.

[02:50:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht zusammen spielen, zusammen Lösungen finden. Es gibt gemeinsame
Arbeiten in der Schule und dort muss man den Austausch im ganzen Kollektiv fördern.

[02:50:20.960] – Bemerkung 74
Lernt man Autofahren muss man einen Verkehrskunde Film schauen.

[02:50:21.230] – Bemerkung 74
Ich kann einfach Vater werden.

[02:50:29.480] – Bemerkung 74
Wenn die Eltern schon nicht hinschauen, wenn die Eltern das Kind in den Kindergarten
begleiten und dabei telefonieren. Das macht mich sehr traurig. Ich würde gerne etwa
sagen dann.

[02:51:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Mich auch.

[02:51:51.220] – Bemerkung 75
Ich finde die Mütter mit Handys werden so zum Feindbild. Das stört mich. Es gibt auch
Väter. Vielleicht hat die Mutter den ganzen Morgen mit dem Kind gespielt. Wir sehen
Interpretationen. Wir müssen in Ausbildungen investieren. Diese Frauen tun mir leid.

[02:52:35.220] – Bemerkung 76
Ich war 8 Jahre lang alleinerziehend. Der Vater war im Ausland. Nebenbei habe ich
noch 80% gearbeitet. Das Kind habe ich ab und zu vor den iPad gesetzt, um eine
ruhige Minute zu haben.

[02:53:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir tut es trotzdem weh.

[02:53:27.150] – Bemerkung 77

Ich sehe das auch, wie junge Frauen Rauchen und das Kind abgeben und sagen: so!

[02:53:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man geraucht und getanzt.

[02:54:14.000] – Bemerkung 78
Im neuen Scheidungsgesetzt steht, dass die Frau 60% arbeiten kann.

[02:54:14.380] – Bemerkung 78
https://anwalt-malerberg.ch/checklisten/bundesgericht-urteil-arbeit-scheidung

[02:54:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Doppelrolle der Frau, welche arbeitet und für das Kind schaut, das ist viel verlangt.

[02:54:40.160] – Bemerkung 78
Wenn die Frau Glück hat, arbeitet sie noch in Zürich.

[02:55:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer gehen in den Militärdienst, der Arbeitsplatz zahlt dafür und sie kriegen noch
einen Lohn.

[02:55:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau kriegt Stillgeld für sechs Wochen.

[02:55:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Produktionsgesellschaft investiert viel zu wenig in die Kinder.

[02:55:34.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Firmen müssen Geld auf die Seite tun, welches man für die Aufzucht der Kinder
verwendet.

[02:55:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird lieber in die nächste Expansion investiert.

[02:55:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es zahlt sich negativ aus, dass die höher entwickelten Länder keine Kinder mehr
haben. Die verweigern sich dann. Das merkt man zu spät.

[02:55:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Konzerne müssen verpflichtet werden, Geld in Kinder zu investieren.

[02:56:17.510] – Bemerkung 79
Die Richterin am Bundesgericht konnte das nicht durchsetzen.

[02:56:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite schwierige Scheidungen. Die sind nur so weit beim Gericht gekommen,
dass der Mann gleichberechtigt ist mit der Frau.

[02:56:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sogar Angst, gezwungen wird, zum Vater zu gehen, obwohl es gar nicht
funktioniert.

[02:56:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder so eine Papierentscheid.

[02:56:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es gut, wenn die Männer dabei sind.

[02:56:47.810] – Bemerkung 80
Ich bin Vater und kämpfe für meine Kinder. Auf der anderen Seite ist eine Frau, die nicht
arbeiten und die Kinder nicht hergeben möchte. Sie will mir die Kinder wegnehmen. Ich

bin als Vater immer nur in der Verteidigungsrolle. Wieso wollen sie die Kinder? Wir
haben das Modell schon früher so gelebt, dass ich ein aktiver Vater bin.

[02:58:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Ungare hatte mit einer Frau fünf Kinder. Er musste alles bezahlen und durfte die
Kinder nicht sehen. Er wurde verrückt und hat einen Postraub gemacht. Er kam ins
Gefängnis. Der Gefängnispfarrer hat ihm geraten in die Therapie zu gehen. Der
Therapeutin hat er gesagt, dass er sie tot schlagen könnte, er sie so stark.
Schlussendlich ging er trotzdem in die Therapie und hat an sich gearbeitet. Am Schluss
stand er der Frau gegenüber, welche er beim Postraub auf den Boden gedrückt hat.
Schlussendlich hat er noch eine Ausbildung gemacht. Heute gliedert er Jugendliche ein.

[02:59:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt vor, dass Frauen wie Hyänen, den Vater draussen behalten.

[02:59:54.380] – Bemerkung 81
Wie kann man die Person stellen, welche das ausübt?

[03:00:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist alleine kann es nicht.

[03:00:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss von der Person, welche die unfaire Macht ausübt, ein Gutachten verlangen
und gewisse Fragen stellen.

[03:00:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Psychiater muss das merken.

[03:00:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand, der so seine Kinder für sich und seine Macht verwendet, der instrumentalisiert
seine Kinder, das ist ein narzisstischer Missbrauch der Kinder.

[03:00:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau gleich wie Elon Musk seinen Sohn für öffentliche Auftritte missbraucht.

[03:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man wahrnehmen und das kann man klar sagen: das schadet dem Kind, das
schadet dem Kind.

[03:01:05.150] – Bemerkung 81
Da sind wir dran seit Jahren.

[03:01:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Gutachter verlangen, ein psychiatrisches Gutachten verlangen. Der Anwalt kann
es verlangen.

[03:01:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man die Psychiatrie mit rein nehmen. Die Juristerei kann das nicht.

[03:01:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Gutachter holt, dann muss man direkt fragen: wie funktioniert die als
Mutter?

[03:01:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss auch die entsprechenden Fragen stellen.

[03:01:49.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertät und ADHS ist noch gefragt worden.

[03:02:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter haben gesagt: vor der Pubertät ist er unmöglich gewesen. Als er in die Pubertät
kam, ist alles besser geworden.

[03:02:26.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man erleben, dass sie vernünftig werden und sagen: interessiert mich nicht
mehr, ich muss nicht bei allem kämpfen, das ist nur verschwendete Zeit etc.

[03:02:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so, dass es in der Pubertät nur schlechter wird.

[03:02:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei anderen ist es so, dass in der Pubertät alles durcheinander geht. Himmelhoch
jauchzend, zu Tode betrübt und alles noch heftiger wird.

[03:02:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben ein starkes Temperament und eine hohe Sensibilität.

[03:03:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität wird den Knaben oft nicht zugestanden, aber sie haben sie.

[03:03:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden, wenn sie verletzt werden, aggressiv, unflätig, schlagen zu usw.

[03:03:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit ihnen umgeht, muss man sie auffangen. Ich sage dem Welpenschutz.

[03:03:21.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Säugetiere geben ihren Jungen Welpenschutz, wenn sie in Herden leben, wenn sie
soziale Wesen sind.

[03:03:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Welpenschutz heisst: das Jungtier darf die erwachsenen Gruppenmitglieder ärgern,
beissen, zwicken, das erwachsene Tier reagiert nicht gleich zurück.

[03:03:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre oft, dass Eltern von unanständigen, aggressiven Pubertierenden sagen: der
geht so schlecht mit mir um, dann muss ich halt auch zurückschlagen.

[03:04:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu sage ich Nein.

[03:04:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind erwachsen. Der Jugendliche ist immer noch im Entwicklungsstadium.

[03:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen: das ertrage ich nicht, das verletzt mich.

[03:04:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf das nicht sagen im Moment, wo drein geschlagen wird. Man muss schauen,
dass man nicht noch mehr aufheizt, dass man nicht noch mehr verlangt. Low arousal.
Man muss sich zuerst selber runterfahren und dann sagen, was man möchte.

[03:04:40.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene Mensch muss zuerst fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich
verrückt gemacht?

[03:04:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene muss zuerst den Jugendlichen validieren. Erst wenn er genügend
validiert hat, darf er sagen: jetzt sage ich dir noch meine Seite. Er darf sagen, was er
nicht gerne hat.

[03:05:07.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist theoretisch wichtig, dass man hinten dran zusammen schaut: wie kannst du mir
etwas sagen, ohne dass es so destruktiv ist. Wie kann ich dir etwas sagen, damit du
nicht gleich ausrastest. Oft müssen beide Seiten etwas lernen.

[03:05:17.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache das auch zwischen den Paaren, welche streiten.

[03:05:18.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage beide: wie muss es ihr/e Frau/Mann zu ihnen sagen, damit sie es entgegen
nehmen können.

[03:05:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Konflikt aushandeln. Ein Konflikt muss immer bei den eigenen
Emotionen ausgehandelt werden.

[03:05:18.202] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verletzt mich? Was geht mir tief? Warum? Dann kann man immer die eigene
Familiengeschichte anschauen. Dann sieht man weshalb einem etwas Bestimmtes so
stark verletzt.

[03:05:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, sorgfältig mit den eigene Emotionen umzugehen.

[03:06:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den eigenen Emotionen sorgfältig umgeht, kann man seine Bedürfnisse
besser sagen, was man braucht. Dann kann man auch die Bedürfnisse des Anderen
besser verstehen.

[03:06:28.980] – Bemerkung 82
Viele Menschen mit ADHS/ADS haben das Rejection Sensitivity Disorder. Sie haben
Mühe mit Kritik umzugehen. Wenn mein Sohn kritisiert wird, beginnt er gleich zu
weinen. Er kann damit nicht umgehen.

[03:06:32.295] – Bemerkung 82
https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/24099-rejection-sensitive-dysphoria-rsd

[03:06:32.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Das ist bei ADHS/ADSler stärker. Das ist weil die so sensitiv sind. Die merken
schon an ihrem Gesichtsausdruck, ihren Runzeln: jetzt ist sie nicht gut drauf.

[03:06:53.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe bei meiner Mutter immer gemerkt wie sie durch den Gang lief, ob sie sauer ist
oder nicht, an ihrem Schritt.

[03:07:41.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nicht böse mit einem. Das ist wie jemand mit einem absoluten Musikgehör. Das
tut dem in den Ohren weh und wir hören es gar nicht, wenn jemand falsch singt.

[03:07:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ADHS/ADS, was ist normal?

[03:07:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn und das Gehirn reagiert immer als Ganzes.

[03:07:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle, wie wir die Diagnose nennen.

[03:07:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch kein Unterschied.

[03:07:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist die Reaktion einfach heftiger.

[03:07:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sensitivität ist Sensitivität. Aggression ist Aggression. Es ist das gleiche Gehirn,
welches es macht.

[03:08:14.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist verbunden mit dem motorischen Gehirn.

[03:08:20.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir im ruhigen Zustand sind, kann man es vom Grosshirn her kontrollieren.

[03:08:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen wir aufgeregt sind, ist das Dezentrieren unmöglich. Dann gehen die Emotionen
direkt in die Aktion über. Das ist keine Bösartigkeit. Das ist einfach ein Reflex.

[03:08:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit der Reflex nicht passiert, muss man auch aufpassen, dass man sie nicht zu stark
in die Ecke drängt.

[03:08:56.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Arzt war zu bemüht und kam dem Patienten zu nahe. Der Patient hat den Arzt
zusammengeschlagen. Daneben war ein Pfleger, welcher sich zu schnell gebückt hat.
Der wurde nochmals zusammengeschlagen.

[03:08:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesen Menschen muss die Fluchtdistanz gewahrt werden.

[03:09:25.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer sorgfältig an sie heran treten.

[03:09:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu nahe kommt, knallt es.

[03:09:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ihnen auch zu nahe kommen mit logisch argumentieren. Man kann sie nicht
logisch in eine Ecke argumentieren.

[03:09:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unser Verstand, der meint, er könne alles handhaben und er macht es falsch.
Man muss auf das Sensorium zurück gehen, was ist hier möglich und was nicht.

[03:09:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry sagt: il faut apprivoiser.

[03:09:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es sanft angehen.

[03:09:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch Erwachsenen so. Das kann durch das ganze Leben gehen. Bei den
Teenagern ist es am stärksten.

[03:10:13.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, welche dort nie sorgfältig behandelt wurden, reagieren schnell emotional,
sie werden schnell getriggert.

[03:10:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufgabe in der Therapie ist, dass sie etwas aufarbeiten, dass sie nicht mehr so
schnell getriggert werden.

[03:10:44.320] – Bemerkung 83
Ich habe einen Nachbar, der erkennt nicht, dass er immer wieder ausrastet. Der kann
ab dem Kleinsten ausrasten.

[03:10:55.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine lange therapeutische Arbeit.

[03:10:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Rastet er in der Therapie aus, muss ich das langsam aushalten und dann schaut man
das zusammen an. Wenn man es zusammen aushält und dann zusammen darüber
lachen kann, dann ist man ein grosses Stück weiter.

[03:11:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ersetze ich die früheren Eltern, welche es nicht ausgehalten haben.

[03:11:31.010] – Bemerkung 84
Meine Tochter ist sehr explosiv. Mir hat es geholfen, mich zu distanzieren und sie in
dem Moment nicht so ernst zu nehmen. Sie kam mit starken Worten auf mich zu.
Darüber lachen und sie ihren Weg gehen lassen, war immer gut. Danach konnte sie mit
mir darüber sprechen. Ich musste mich extrem zurück halten. Wenn Blicke töten
könnten …

[03:12:31.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Welpenschutz. Aushalten, nicht die Worte so ernst nehmen. Nur die
Aufregung ernst nehmen.

[03:12:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihre Teenagertochter verrückt ist und ihnen alle Schimpfworte an den Kopf wirft:
das ist kein Quali-Gespräch. Nehmen sie den Ausbruch der Tochter nicht als Quali-
Gespräch.

[03:13:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es relativieren und gut bei sich bleiben.

[03:13:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Teenager einem beschimpfen, wollen sie einem aus der Bahn werfen und sich
durchsetzen.

[03:13:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe mir dann immer gesagt: ist mir egal, ich bleibe auf meinem Weg, weil ich
davon überzeugt bin.

[03:13:39.390] – Bemerkung 85
Das ist schwieriger in der Öffentlichkeit.

[03:13:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in der Öffentlichkeit geschieht, muss man fest die Scheuklappen anziehen,
ich sehe nichts. Ich mache es nach meinem Stil, so wie es für mich stimmt.

[03:14:06.930] – Bemerkung 86
In der Gesellschaft kann man die Menschen auch schützen. Ich sage ab und zu zu
einer jungen Mutter: sie machen das gut. So etwas darf man auch sagen.

[03:14:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie hat man das auch so gemacht, wenn die Eltern mit ihrem Kind
völlig verzweifelt waren. Als erstes wurden dann die Eltern gelobt, wie viel sie auf sich
genommen haben, wie gut sie es gemacht haben. Erst danach mit der Arbeit beginnen.
Das ist wieder das Validieren.

[03:14:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern werden in ihrer Anstrengung validiert, nicht am Endresultat. Alleine die
Anstrengung ist toll.

[03:14:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann man an dieser Anstrengung ein klein wenig etwas ändern.

[03:15:46.370] – Bemerkung 87
Wenn unsere Kinder in der Gesellschaft ein Kompliment kriegen ist das immer
wunderbar. Ein Mann hat zur Mutter eines schreienden Kindes gesagt: das gibt einen
Politiker oder einen Sänger. Das hat in dem Moment sehr gut getan.

[03:16:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[03:16:05.090] – Bemerkung 88
Wie kann man mit dem Rebound Effekt umgehen bei den Kindern, welche
Medikamente nehmen? Soll man die einfach in Ruhe lassen?

[03:16:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Raus an die frische Luft. Fordern. Das Rennpferd muss man fordern, damit es zufrieden
ist.

[03:16:28.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter mit einem ADHS/ADS Kind sage ich: zwei Mal pro Tag rausgehen und das
Kind machen lassen. Auf den Spielplatz, damit er am Abend müde ist. Sonst schläft das
Kind am Abend nicht.

[03:17:06.570] – Bemerkung 89
Ich habe bei meinen Kindern alle Medikamente versucht. Wenn das Medikament gut
funktioniert, gibt es keinen grossen Rebound Effekt.

[03:17:32.940] – Bemerkung 90
In der Pubertät werden die Hormone oft vergessen.

[03:17:41.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft gibt man zu viele Medikamente. Die Ärzte haben oft die Haltung: es wirkt nicht, also
geben wir mehr. Es braucht nur wenig.

[03:18:01.560] – Bemerkung 90
Ich habe eine Tochter, welche Medikamente nehmen sollte. Ich habe keine Ahnung
worauf ich achten muss. Ich weiss gar nicht was geschieht.

[03:18:07.560] – Bemerkung 91

Da muss man ganz stark mit den Lehrpersonen zusammen arbeiten.

[03:18:15.240] – Bemerkung 90
Was heisst Rebound?

[03:18:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn arbeitet mit Reaktion, Gegenreaktion.

[03:18:17.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle ADHS/ADS Medikamente aktivieren, es sind Amphetamine, damit man fokussieren
kann.

[03:18:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen die Medikamente weg, dann hat sich das Kind sehr lange fokussiert. Dann platzt
die Blase. Dann rastet das Kind aus, es ist fürchterlich sensibel.

[03:18:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wie eine Gegenreaktion auf das Runterdämpfen.

[03:18:46.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gegenreaktion kann man auffangen, indem man an die frische Luft geht.

[03:19:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es haben es nicht alle. Die Erwachsenen haben zum Teil auch einen Rebound Effekt.

[03:19:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in der Situation machen, was zu dem Rebound passt.

[03:19:22.960] – Bemerkung 92
Es wäre gut zu wissen, was eigentlich los ist. Ich weiss nicht, was ich tun muss bei
einem Rebound Effekt.

[03:19:28.420] – Bemerkung 92
Es wird nicht immer vom Rebound gesprochen. Es haben auch nicht alle einen
Rebound.

[03:19:35.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Antidepressiva nimmt, die SSRI, wenn man die absetzt ist man
hypersensibel. Dann fühlt man sich wieder depressiv. Man muss die langsam absetzen.

[03:20:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Medikamenten ist dem nicht so. Die haben nicht diese lange
Wirkung.

[03:20:09.520] – Bemerkung 93
Wir haben Strattera genommen. Dort wird auch ein Spiegel aufgebaut.

[03:20:28.500] – Bemerkung 94
Sie erwähnen den sorgfältigen Umgang. Die Schule oder das berufliche Umfeld gehen
nicht sorgfältig um mit den ADHS/ADSlern.

[03:20:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Ort wo man steht genau anschauen. Was könnte ich sagen?

[03:21:14.020] – Bemerkung 95
Den Lehrer sensibilisieren, dass die Gesellschaft versteht, dass es solche Menschen
gibt und wie man mit ihnen umgehen kann.

[03:21:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon lange mein Ziel.

[03:21:31.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich will die Lehrer sensibilisieren, dass sie lernen, mit den ADHS/ADS Kindern
umzugehen, dass man nicht alle Probleme auf die Psychiatrie schieben muss, sondern
dass man es selber lernen kann.

[03:21:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Kinder in der Privatschule. Ich versuche immer mit den Lehrern zu arbeiten.

[03:22:00.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr positiv, andere wollen nichts hören. Es ist ganz unterschiedlich.

[03:22:00.610] – Bemerkung 96
Ich finde es ein gesellschaftliches Problem. Mein Sohn sucht eine Stelle. Man sucht nur
extrovertierte Leute.

[03:22:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können sie auf eine Gegenstrategie gehen.

[03:22:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer auch andere dazwischen.

[03:22:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle nur extrovertiert und vorwärtsgerichtet sind, dann fällt es auseinander.

[03:23:09.100] – Bemerkung 97
Ich verstehe das. Er hat 100 Bewerbungen geschrieben. Im Gespräch war es fertig. Die
Bewerbungen sind alle sehr gut angekommen.

[03:23:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Er soll die Firma suchen, wo er denkt, dass er gut hinein passt. Dort soll er eine
Spontanbewerbung schreiben.

[03:23:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Madonna hat Evita gesungen. Die hat gesagt: please understand I would be good for
you.

[03:24:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen ich weiss, in der Businesswelt wollen alle das, aber ich bin genau das
Gegenteil. Ich bin in dem gut. Geben sie mir doch eine Chance oder geben sie sich eine
Chance, es mit mir zu versuchen. Man muss irgendwie herausstechen aus den
Bewerbungen. Flucht nach vorne.

[03:24:07.730] – Bemerkung 98
Das braucht viel Selbstvertrauen. Das haben diese Menschen zum Teil nicht.

[03:24:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuchen wir es ihm zu geben. Das können wir ihm das sagen. Die
Bezugsperson kann ihm Unterstützung geben. Er fällt wieder auf, wenn er seine
Introvertiertheit verkauft.

[03:25:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist auch ein Autist. Er hat viel Geld verdient.

[03:25:24.910] – Bemerkung 99
Roland Brack ist auch ein Asperger. Er ist ein Tüftler.

[03:25:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss eine Gegenstrategie machen und sich anders verkaufen. Sie können ihm als
Mutter Rückenstärkung geben.

[03:26:00.850] – Bemerkung 100
Ich versuche es.

[03:26:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss es anders machen. Wenn er mit den Extrovertierten konkurrenzieren
möchte, hat er keine Chance. Wenn er es anders macht, hat er eher eine Chance. Er
muss seine Introvertiertheit verkaufen.

[03:26:50.870] – Bemerkung 101
Was läuft falsch? Beziehungen pflegen.

[03:26:52.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Kindergarten, in der Schule, zum Teil im Ausbildungssystem, das ist gar nicht so
schlecht, wenn Symptome auftreten, geht man immer nur auf das Individuum los.

[03:27:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer das Individuum in seinem Kontext anschauen. Das ist noch schwierig
so was zu tun. Als Therapeutin mache ich das immer.

[03:27:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin ist es immer noch schwierig.

[03:27:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialarbeiter haben immer schon alles angeschaut.

[03:27:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Privatleute und Therapeutinnen können immer wieder den systemischen Ansatz
verwenden und entsprechende Fragen stellen.

[03:27:50.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Zugang hat zu einer politischen Person, kann man es dort einbringen.

[03:27:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die systemische Betrachtungsweise ist wichtig.

[03:28:05.630] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule nicht gleich das Kind ins Spital tun, und der psychiatrischen Klinik
überlassen, sondern das Umfeld unterstützen.

[03:28:20.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gegen Kinderkliniken für psychiatrische, kranke Teenager.

[03:28:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss alles nur in die Unterstützung vom System investieren.

[03:28:37.790] – Bemerkung 102
Ich habe drei junge Erwachsene. Die haben alle die Diagnose ADHS/ADS vom
Hausarzt bekommen. Einen Platz in der Psychiatrie, beim Psychologen hat keiner. Eine
ADHS/ADS Abklärung dauert 2 Jahre bis sie einen Platz bekommen. Dort kriegen alle
Psychopharmaka.

[03:29:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sollen besser zu einem ADHS/ADS Coach gehen, ob sie die Diagnose ADHS/ADS
haben oder nicht. Sie spüren sich am besten selber, sie haben sich selber
diagnostiziert. Nicht alle haben den Umgang mit ADHS/ADS gelernt.

[03:29:25.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet auch viel auf dem Internet.

[03:29:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Winkler, ein Arzt aus Deutschland.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhsspektrum.com/author/web4health/

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe eine Gruppe für Angehörigen von ADHS/ADSlern.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/html/popup_kurse.php?kurs_id=44

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auf die Suche gehen. Man findet viel auf dem Internet.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sind alle Therapeuten aufgelistet. Nicht alle ADHS/ADS Therapeuten haben auch
eine Familientherapie Ausbildung. Es braucht beides.

[03:30:34.580] – Bemerkung 103
Ab 14 Jahren darf man sagen, dass die Eltern nicht mehr informiert werden wenn sie in
eine Jugendpsychiatrische Klinik eintreten. Die Eltern sind dann abgeschnitten. Dann
den systemischen Ansatz zu verwenden ist eine grosse Herausforderung.

[03:30:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Personenschutzgesetz geht gegen den systemischen Ansatz. Juristisch ist man
wahnsinnig konsequent. Menschlich hilft das gar nicht.

[03:31:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Drogenarbeit hiess es auch immer: man darf die Eltern nicht informieren.

[03:31:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Drogensüchtige, wo die Lehrerin es gewusst hat, die Eltern durften es nicht
wissen.

[03:31:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das übergehe ich. Als Familientherapeutin übergehe ich das.

[03:31:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin weiss ich mehr und ich will zusammen arbeiten.

[03:31:39.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit dem Sozialdienst spreche, dann heisst es: ich darf ihnen nichts sagen. Ich
antworte immer: ich will von ihnen nichts hören, ich will ihnen etwas sagen. Ich will mein
Wissen weitergeben an die.

[03:32:07.340] – Bemerkung 104
Als Spitex machen wir das auch wenn wir keine Schweigepflichtsentbindung für den
Hausarzt oder den Psychiater haben. Es ist unsere Pflicht, es doch zu tun.

[03:32:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut. Das sagen sogar die Juristen: wenn es dem Patienten dient, dann darf man
das. Fertig mit der Schweigepflicht. Das strikte: ich darf nichts sagen hiflt niemanden.
Es geht absolut gegen das Systemische. Machen. Ich hätte nicht Angst vor einem
Prozess. Man macht es für den Patienten.

[03:32:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind keine Juristen, wir sind keine Strafverfolger, wir wollen nur zusammen arbeiten.

[03:33:42.840] – Bemerkung 105
Was ist mit der Mutter, welche verantwortlich ist für den 14 Jährigen, wenn sie nicht
mehr informiert werden darf?

[03:33:55.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemikerin sage ich dem Teenager: ich werde ihre Mutter kontaktieren. Ich sage
es ihnen, ich mache nichts hinter ihrem Rücken. Ich mache, was ich gut finde, nicht was
der Teenager gut findet. Ich bin nicht sein Sklave.

[03:34:24.940] – Bemerkung 106
Meiner Tochter habe ich gesagt: du kannst das machen. Ich bin rechtlich immer noch
verantwortlich. Willst Du mir das antun?

[03:34:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Auseinandersetzung mit dem Teenager. Wir müssen nicht zum Sklaven
vom Teenager werden.

[03:35:27.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es gar nicht gut wenn eine Sitzung gemacht wird mit sämtlichen Lehrern und
den beiden Eltern und das Kind muss dabei sein. Dann wird verhandelt über das Kind.
Das ist nicht zum Ertragen.

[03:35:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soll sogenannt gerecht sein? Ich würde das nie machen.

[03:35:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In Königsfelden war das ganze Personal anwesend und irgendwo der kleine Patient.
Der war wie vor einem Gerichtshof. Das habe ich sofort abgeschafft, das wird nicht
mehr gemacht, das ist nicht gesund.

[03:35:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat alles gemacht aus juristischer Sicht, damit es korrekt ist vor dem Patienten.

[03:36:08.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau so unsinnig wie das Kind sagen darf, dass die Mutter nicht informiert
werden darf.

[03:36:30.370] – Bemerkung 107
Ich frage meine Tochter: was meinst du?

[03:36:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer neben den Patienten gesetzt um ihn zu schützen. In der Schule
bin ich neben das schwierige Kind gesessen. Wenn ich gesehen habe, dass es schlecht
läuft, habe ich gebremst um das Kind zu schützen.

[03:36:56.990] – Bemerkung 108
Bezahlen muss dann die Mutter.

[03:36:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Juristen gearbeitet und auch mit ihnen gestritten. Es gibt die juristische
Sicht und es gibt die psychiatrische Sicht. Die ist nicht immer gleich.

[03:37:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um das Wohl des Kindes geht, verwende ich die psychiatrische Sicht, nicht die
juristische. Wir sehen uns dann beim Gericht.

[03:37:43.480] – Bemerkung 109
Im Gymnasium können die Kinder auch sagen: ich möchte nicht, dass meine Eltern
informiert werden. Das führt immer zu sehr schwierigen Situationen. Wenn sich die
Schulleitung auf die Seite des Gesetzes stellt, dann diskutieren die Lehrer auch
untereinander.

[03:38:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es dem Kind sagen, dass man mit den Eltern Kontakt hat. Als Lehrer fühlt
man sich verpflichtet, mit den Eltern Kontakt zu haben. Sonst macht an einen
schlechten Job.

[03:38:03.025] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss machen, was für mich stimmt, Gesetz hin oder her.

[03:38:28.930] – Bemerkung 109
Das finde ich gut.

[03:38:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Gesetz wird das Kind nicht gesund. Das ist alles nur: to cover your ass. Man
deckt sich ab, damit man nicht belangt werden kann.

[03:38:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verantwortungslosigkeit wird nicht belangt. Die ist im Gesetz nicht notiert.

[03:38:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Kantonsschule in Baden wurden suizidale Absichten bemerkt. Man durfte nichts
machen. Dann ist er von der Brücke gesprungen. Das bringt nichts. Dem Gesetz wurde
man gerecht.

[03:39:19.760] – Bemerkung 110
Im Kindergarten musste ich einen Zettel unterschreiben, dass die Fachpersonen über
mein Kind sprechen dürfen, ohne meine Erlaubnis. Ich habe meine Unterschrift nie
gegeben. Wenn die ein Problem mit meinem Kind haben, sollen sie mit mir sprechen.
Heute gibt es wie einen Freipass, dass man im Büro über die schwierigen Kinder
sprechen darf.

[03:40:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss einbezogen werden.

[03:40:37.670] – Bemerkung 110
Es wird auch die Unterschrift verlangt, dass man Fotos von der Schule politisch
verwenden darf. Eine Mutter hat die Unterschrift nicht gegeben. Das Kind ist jetzt
ausgeschlossen. Es darf nicht auf das Foto.

[03:41:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unglaublich.

[03:41:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein legalistischer Umgang mit natürlichen Situationen.

[03:41:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht der Irrglaube, dass man mit mehr Gesetzten die Menschheit besser führen
kann. In diesen Gesetzen ist nichts emotionales drinnen.

[03:41:57.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann so den Menschen gar nicht führen.

[03:42:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sich zur Wehr setzen.

[03:42:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen Unterschiede wahrnehmen können. Die Unterschiede müssen ohne Kampf
wahrgenommen werden. Wichtig ist, dass die Unterschiede möglichst klar
ausgearbeitet werden und dass die Unterschiede nicht gegeneinander ausgespielt
werden.

[03:42:54.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Unterschiede sind wir divers und haben ein gesünderes Kollektiv.

[03:42:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodiversen Kinder sind immer Störfaktoren. So können sie zum Mobbingopfer
werden.

[03:43:01.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Störfaktoren können sie auch so wie ein Ferment oder ein Katalysator sein.

[03:43:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entsteht neues Lernen.

[03:43:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Chinesisches Zeichen: Gefahr oder Chance für Entwicklung.

[03:43:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes störende Kind ist eine Chance für eine Entwicklung, für das ganze Kollektiv.

[03:43:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen flexibel genug sein um aus der Störung etwas zu machen.

[03:43:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer westlichen Kampfkultur kämpft man, der andere geht dagegen und man
schlägt einander tot.

[03:43:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der asiatischen Kampfkunst nimmt man die Energie und macht etwas damit.

[03:44:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man mit allen Störfaktoren etwas kreatives machen.

[03:44:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben ADHS/ADSler positives an sich? Sie sind kreativ. Sie gehen über die
Grenzen hinaus, sie bringen neue Lösungen.

[03:44:13.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Wissenschaftlern gibt es viele ADHS/ADSler, wie z.B. Albert Einstein.

[03:44:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Störfaktor verwenden, um etwas neues zu machen.

[03:44:21.837] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicilin erfunden.

[03:44:21.894] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[03:44:31.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war schlampig, er hat seine Agarplatte draussen stehen gelassen. Dann ist Penicillin
darauf gewachsen. Wäre er nicht so schlampig gewesen, wäre kein Penicillin darauf
gewachsen.

[03:44:32.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind missratene Affen. Wir wurden von den Gorillas in die Savanne
gedrängt. Dort sind wir geblieben und haben viel gelernt, wie z.B. den aufrechten
Gang. Aus Fehlern kann man immer lernen.

[03:44:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz ist nicht sehr gut im Umgang mit der Fehlerkultur. Wir müssen eine
bessere Fehlerkultur haben. ADHS/ADSler helfen uns aus den Fehlern etwas zu
machen.

[03:45:14.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Erziehung herrscht ein grosser Konkurrenzkampf.

[03:45:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Konkurrenz kann einem weiter bringen. Ist die Konkurrenz zu gross, zerstört man sich
nur. Das endet in einem Krieg.

[03:45:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Was heute alles zerstört wird, wenn wir eigentlich so reich wären. Da fasst man sich an
den Kopf.

[03:45:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Erzieher, die Lehrer haben viel mehr Konkurrenz als früher. Sie müssen mehr
aufwenden, um die Aufmerksamkeit des Kindes zu holen. Sie haben aber immer noch
Vorteile gegenüber den sozialen Medien, weil sie lebendig sind.

[03:46:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Lehrer muss immer ein wenig ein Schauspieler sein. Man muss die Kinder abholen
können. Das kann nicht jeder. Dazu muss man ein Mensch, eine Persönlichkeit sein.

[03:46:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die direkte Auseinandersetzung ist wichtig. Es geht nicht um das Folgen. In der
Pubertät ist das speziell wichtig.

[03:46:30.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter nicht mehr sagen, wie man es machen muss, sondern nur noch seine
Prinzipien, seine Glaubensbekenntnisse, seine Regeln sagen.

[03:46:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind folgt dann zeitverzögert.

[03:46:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine jüdische Mutter, der Sohn hat alles verkehrt gemacht. Er ging ins
Ausland. Er hat nicht studiert.

[03:47:15.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter sagte ich: sagen sie ihre Prinzipien, auch wenn er nicht folgt, sie sagen es
trotzdem. Sie werden sehen, nach fünf Jahren macht er mehr von dem, als sie sagen,
als sie denken.

[03:47:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sie nicht geglaubt.

[03:47:44.471] – Dr.med. Ursula Davatz

Fünf Jahre später kam die Mutter zurück und hat gesagt: sie hatten recht. Er war
folgsamer und hat die Regeln besser eingehalten als die Mädchen, welche davor
einfach brav mitgemacht haben.

[03:47:50.060] – Bemerkung 111
Was halten sie von Belohnungssystemen?

[03:48:02.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will kooperativ sein, es will von selber lernen. Ich muss es dafür nicht
belohnen. Ich darf Freude haben, wenn das Kind kooperiert. Wenn das Kind etwas
kann, hat es Freude daran.

[03:48:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde Belohnung und Bestrafung nicht gut.

[03:48:15.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Belohnung ist, dass ich Freude habe, das Kind hat Freude.

[03:48:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Kindern Spielzeug gegeben. Dann hat man alles erklärt. Beim zweiten
Versuch hat man gar nichts erklärt. Ohne Vorschriften, hat das Kind am längsten
gespielt.

[03:48:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Anwesend sein, wenn das Kind etwas braucht. Das ist die sorgfältige Begleitung.

[03:49:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist, dass das Kind Freude hat an dem was es tut.

[03:49:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Eudaimonic happiness und Hedonic happiness.

[03:49:06.733] – Dr.med. Ursula Davatz
Eudaimonic happiness heisst, dass man glücklich ist mit dem was man macht. Kinder
lernen gerne. Das ist die Neugier, welche sie haben. Das geht auch in die
Berufsfindung.

[03:49:25.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Geld oder ein Token ist keine gute Belohnung.

[03:49:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Eltern arbeite ich ohne Belohnung und Bestrafung.

[03:49:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eudaimonic happiness hat eine positive Wirkung auf das Immunsystem.

[03:50:03.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über das mittlere Hirn, über das emotionale Hirn. Das ist verbunden mit
unserem Drüsensystem, mit der Hypophyse, dem Hypothalamus, mit der
Nebennierenrinde Stressachse.

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.resilienz-akademie.com/abc-der-resilienz/die-stressachse

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie ihren Kindern die Möglichkeit geben, das zu machen, was sie gerne tun
und Freude daran haben.

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch, dass man gewisse bittere Sachen aushalten muss.

[03:50:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lernt das Kind schon.

[03:51:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei schwierigen Kindern kann man sagen: ich will, dass du das lernst. Als Mutter
möchte ich das.

[03:51:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich will.

[03:51:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Für ADHS/ADS Kinder ist die Aussage: "du sollst" bereits ein Befehl.

[03:51:36.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Energie bei sich behalten und sagen was einem wichtig ist.

[03:51:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht für das Kind vorausdenken.

[03:52:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind intrinsisch motiviert. Das läuft automatisch.

[03:52:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder anpassen müssen, funktioniert es nicht so gut.

[03:52:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen haben eher die Tendenz, sich den Bedürfnisse der Eltern anzupassen und
wissen dann nicht was sie wollen.

[03:52:30.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die intrinsische Motivation braucht es Geduld aber nicht das Kind einfach alleine
lassen.

[03:52:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wachsam begleiten ohne etwas zu tun.

[03:52:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwierig für eine Mutter.

[03:52:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erlebe ich auch in der Therapie.

[03:52:53.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Menschen zu begleiten, der nicht so schnell vorwärts macht, dann sind wir
frustrierte Helfer.

[03:52:54.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat gesagt: wenn man mit dem Menschen nicht mehr vorwärts kommt,
nicht mehr helfen wollen, sondern nur noch lernen wollen.

[03:53:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann von meinem Kind lernen.

[03:53:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann von jeder schwierigen Situation lernen.

[03:53:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann Fragen stellen.

[03:53:17.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf nicht mehr so ehrgeizig sein.

[03:53:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer eine Möglichkeit, etwas zu lernen.

[03:53:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das Kind einfach in eine Richtung vorwärts bringen wollen, haben wir die
Tendenz, den Menschen zu stark zu stören.

[03:53:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich öffnen etwas zu lernen. Dann merkt der Patient auch, er ist in einer Beziehung,
aber er muss es nicht mir recht machen.

[03:53:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Spitexschwester beraten.

[03:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man abends um 18.00 Uhr noch einen depressiven Patienten hat, den man
vorwärts bringen möchte. Er zieht einem höchstens runter.

[03:54:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Spitexschwestern habe ich gesagt: was hat die Person an sich, das sie toll finden?
Was können sie von der Person lernen?

[03:54:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht mehr als Helfer verkauft sondern als Lernender, gibt man dem
Patienten, dem Kind eine Wertschätzung.

[03:54:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die andere Person die Wertschätzung bekommt, dann wacht sie eher auf und
macht wieder etwas.

[03:54:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Patientin war sehr hübsch. Der Krankenschwester habe ich gesagt, dass sie der
Frau sagen soll, sie sei noch sehr hübsch mit 70 Jahren. Wie hat sie das gemacht, wie
kann sie das selber auch erreichen?

[03:55:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patientin kam aus der Depression raus und ging auf Reisen.

[03:55:15.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wurde die Hauspflegerin depressiv und hat später eine neue Stelle im Altersheim
gefunden, wo sie ihre Position nie verloren hat.

[03:55:50.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine Rollenumkehr. Es geht immer um ein Reraming. Man muss die Situation
anders darstellen.

[03:56:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles schief läuft geht man zur Psychiatrie. Man denkt, dass die am meisten
wissen, dass die am besten helfen können.

[03:56:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemikerin sage ich: zu den Gesunden gehen, ihnen helfen, dass sie besser mit
der kranken Person umgehen können, damit alles wächst.

[03:56:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der medizinische Ansatz macht immer am Symptom herum, verschreibt viele
Medikamente und es wird nicht besser. Das ist tragisch.

[03:56:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch schreibe ich darüber: Psychiatrie im Offside.

[03:56:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie ist am entgleisen.

[03:56:57.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Psychiatrie ist zu sehr innerhalb vom medizinischen Modell.

[03:57:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das medizinische Modell ist nicht systemisch. Es bezieht die Ressourcen nicht mit ein.
Das ist ein Fehler, das ist schade.

[03:57:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
1980 waren alle begeistert von der Familientherapie.

[03:57:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage hält sich die Begeisterung in Grenzen.

[03:57:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals haben das die Ärzte noch gelernt. Heute sind es nur noch die Psychologinnen
und allenfalls die Sozialarbeiter.

[03:57:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie wird nicht mehr von den Psychiatern beherrscht, gefüttert, sondern eher
von den Psychologen/Innen.

[03:57:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich gut.

[03:57:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können das medizinische Modell gar nicht so gut anwenden. Die müssen mehr
wieder mit dem Menschen arbeiten.

[03:58:08.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie wird von den Psychopharmaka bezahlt. Eine gewisse Zeit lang hat die
Pharmaindustrie auch die systemische Therapie unterstützt. Zur Zeit ist das nicht mehr
Mode. Es wird immer nach einem neuen Medikament gesucht.

[03:58:09.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe etwas Positives bei den Psychologen/innen weil die eine andere Haltung
haben.

[03:58:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka greifen alle im limbischen System ein. Dämpfen es runter oder fahren
es hoch.

[03:58:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Kredo lautet: umgehen mit dem emotionalen Gehirn in der Pubertät.

[03:58:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen das selber zu regulieren, auch wenn man Ausrutscher hat und es eine zeitlang
schief läuft. Schlussendlich ist das immer das Beste.

[03:59:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man lernt damit umzugehen, dann regelt das Gehirn alles selber. Dann muss
man keine Antidepressiva geben und wieder etwas dagegen. Es braucht dann nicht X
Medikamente.

[03:59:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich glaube an den Menschen selber und an seine Fähigkeiten selber zu lernen.

[03:59:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Pubertät gehören die pubertären Verwerfungen, himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[03:59:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen viel aushalten aber es lohnt sich! Man soll es nicht einfach
unterdrücken. Dann hat man etwas für das Leben gelernt. Das kann man immer wieder
brauchen.

[03:59:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka wirken nur so lange, wie man das Medikament gibt.

[03:59:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Systemtherapie, wenn das System sich ändert und etwas gelernt wird, dann
bleibt das fürs Leben.

[04:00:08.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie wird viel Verhaltenstherapie oder Dialektisch-Behaviorale Therapie
(DBT) verwendet. Das sind alles Erziehungsmethoden. Es kann gut sein für gewisse
Ticks. Es ist zu allgemein und zu oberflächlich auf die Symptome und die Symptom
Unterdrückung bezogen.

[04:00:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte den ganzen Menschen weiterbringen.

[04:00:35.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat zu tun mit der Geschichte, wie sie aufgewachsen ist, wie sie keine Geborgenheit
hatte.

[04:00:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite mit den Leuten ihre Geschichte auf. Ich schicke die Leute zurück in ihre
Geschichte, dass sie ihre Narrative aufarbeiten. Das gibt eine innere Zufriedenheit und
eine Entwicklung.

[04:00:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhaltenstherapie ist wieder nur Symptombezogen.

[04:01:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite Entwicklungsbezogen.

[04:01:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich helfe dem Menschen seine Entwicklungsblockaden zu überwinden und sich weiter
zu entwickeln. Es ist immer lebendig.

[04:01:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Bevölkerung hat die Haltung: ich muss alles selber können. Es muss
niemand etwas davon wissen, ich darf keine Hilfe holen. Bei den Männern ist das noch
mehr der Fall. Ich kann doch alles. Was du gehst in die Therapie, das braucht es doch
nicht. Das ist immer ein Zeichen, dass man inadäquat ist.

[04:01:48.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fordere alle Menschen dazu auf, sich früh genug Hilfe zu holen, nicht unbedingt nur
beim Psychiater sondern auch bei den Sozialarbeitern.

[04:02:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang mit dem System lernen. Man muss sich dafür nicht schämen, wenn man sich
Hilfe holt.

[04:02:27.950] – Bemerkung 112
Ich habe 10 Jahre in den USA gelebt. Dort hat jedermann einen Psychiater. In der
Schweiz ist es: oh, ich gehe zum Psychologen, niemand darf das sehen.

[04:02:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Schwelle darf runter gesetzt werden. Wenn es nicht funktioniert, kann man
wieder aufhören. Nicht so lange zu warten. Oder jemand anders suchen.

[04:02:50.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht immer ein Arzt sein. Es kann irgendeine Bezugsperson sein, in die man
Vertrauen hat und die vom Leben Kenntnis hat.

[04:02:51.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In Afrika geht man zum Medizinmann oder zum Dorfältesten. Man muss seine
Medizinmänner und Frauen in der Gesellschaft finden.

[04:03:20.380] – Bemerkung 113
Man kann sagen: ich gehe zum Coach.

[04:03:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fussballverein hat auch einen Coach.

[04:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat immer gesagt: der Therapeut ist ein Coach.

[04:03:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Familie nur einmal pro Monat gesehen. Man unterstützt die natürlichen
Fähigkeiten. Man sagt nicht: wie, was und wo.

[04:03:42.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen sollen sich auch nicht scheuen möglichst früh eine Hilfe zu holen und
das mit jemanden zu diskutieren. Man kann auch das Vier Augen Prinzip anwenden,
dann sieht man noch mehr von der Situation.

[04:04:22.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch Eltern in die Schulstunde sitzen und sagen, was sie beobachtet haben.
Man muss die Situation zusammen anschauen.

[04:04:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe neun Monate in Schottland in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet,
am Dingleton Hospital in Melrose. Wir sind immer zu zweit ausgerückt. Man ist nie
alleine zu einer Familie gegangen.

[04:04:45.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule die Lehrperson immer noch eine Zusatzperson hat, wäre das
hilfreich, weil man sich austauschen kann. Dafür soll man sich nicht schämen, sondern
sich dafür einsetzen.

[04:05:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Frühzeitig fachkompetente Hilfe holen. Das kann schon im Kindergarten sein.

[04:05:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät gibt es viele Verwerfungen. Nicht meinen, dass man stark genug sein
muss und dass man keine Hilfe braucht.

[04:05:33.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Spricht man über den Stress, geht er runter.

[04:05:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten treten in der Pubertät auf. Diese Periode ist am
anfälligsten, dass man eine Fehlbahn einschlägt. Gönnen sie sich die Hilfe. Die Hilfe
steht ihnen zu.

[04:06:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man leistet sich ein tolles Auto. Wieso soll man sich nicht eine Beratung leisten?

[04:06:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man früher die Hilfe holt, könnten viele Krankheiten bei den ADHS/ADSler
verhindert werden.

[04:06:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der ADHS/ADSler haben zusätzlich eine oder mehrere zusätzliche psychiatrische
Diagnosen.

[04:07:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von der Komorbidität.

[04:07:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage nein: das ist nicht Komorbidität, das ist eine Folgekrankheit.

[04:07:12.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Folgekrankheiten können nicht verhindert werden.

[04:07:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer Studien raus, dass ADHS/ADSler mehr somatische Krankheiten
haben.

[04:07:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben eher ein Schmerzsyndrom, Gelenkbeschwerden, Polyarthritis.

[04:07:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer werden eher aggressiv und landen im Gefängnis oder haben einen Herzinfarkt
und Hirnschlag.

[04:07:39.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ads-muenster.de/2024/09/20/chronische-schmerzen-und-adhs-eine-oft-uebersehene-verbindung/

[04:07:45.130] – Bemerkung 114
Wenn man in der Kinder- und Jugendphase gut behandelt, erfährt das Kind weniger
eine negative Prägung. Es ist besser, dass man das Kind frühzeitig begleitet.

[04:08:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man sie frühzeitig begleitet und unterstützt, läuft es besser.

[04:08:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine neue Studie aus England die sagt: Frauen sterben zehn Jahre früher als
der Durchschnitt und Männer sieben Jahre früher. Hier sind die Frauen im Nachteil.

[04:08:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aus dem Grund, dass sich die Frauen zu stark anpassen und sich nicht genügend
verwirklichen.

[04:08:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler kriegen mehr Alzheimer im Alter.

[04:09:04.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erkläre mir das damit, dass sie ihren Fokus, ihre Berufung nicht gefunden haben.
Dann sind sie ständig am suchen. Mit dem ständigen suchen, kann das Gehirn nicht
ruhig werden.

[04:09:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, früh Hilfe zu holen und früh Unterstützung zu geben.

[04:09:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man viel Geld sparen.

[04:09:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird zu viel in der Psychiatrie, Medizin und im juristischen System ausgegeben und
zu wenig in der systemischen Beratung auf Kindergarteneben und in der Unterstützung
der Eltern.

[04:10:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies werde ich dem Erziehungsdirektor vom Kanton Aargau sagen.

[04:11:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke fürs Zuhören und Mitmachen.

[04:11:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Seien sie mutig in der Anwendung!

Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene

Transkription

Transkript

Dr.med Ursula Davatz
25.3.2025
Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene
Audio

[00:00:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Titel meines Vortrags heißt: Autismusdiagnostik auf neurologischer Ebene.

[00:00:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:00:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn hat eine ganzheitliche Funktion.

[00:00:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Gehirn funktioniert immer als ganzheitliches Organ.

[00:00:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin teilt man auf in verschiedene Körperorgane und dann gibt es
verschiedene Diagnosen.

[00:00:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Hirn funktioniert das nicht so gut.

[00:00:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, als Familientherapeutin und Psychiaterin,
komme ich immer weiter weg von diesen starren Diagnose stellen.

[00:00:48.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Anpassungsorgan, ein soziales Anpassungsorgan.

[00:00:54.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gehirn ist immer in Aktion mit dem Umfeld.

[00:00:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird über seine genetisch determinierte Veranlagung, ASS, also Autismus,
gehört zu einer genetischen Veranlagung, wird es immer auch noch über das Umfeld
beeinflusst, bestimmt und verändert sich.

[00:01:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dank der Epigenese – das ist jetzt ein modernes Wort –, früher haben die Ärzte an die
Genetik geglaubt, die ist immer noch wichtig.

[00:01:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Gehirn spielt die Epigenese eine viel größere Rolle.

[00:01:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, das Hirn kann sich verändern und unser Genom, also unsere Gene, können
sich auch verändern.

[00:01:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bringen viele Anlagen mit sich, die dann eingeschränkt und bestimmt werden
über die Interaktion mit dem Umfeld.

[00:01:51.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ja jetzt gehört, wie wichtig es ist, dass das Umfeld mit diesen Menschen
umgehen kann.

[00:01:58.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Da spielt eben die Genetik eine ganz wichtige Rolle.

[00:02:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Weiteres vom Gehirn.

[00:02:05.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn, und das ist das emotionale Gehirn und ein Teil im emotionalen Gehirn, der
Hippocampus, der produziert neue Nervenzellen bis zum Tod.

[00:02:17.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, wir können lernen bis zum Tod.

[00:02:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat noch gesagt, mit 40 ist ausgelernt und dann kommt nichts mehr
Neues. Das stimmt nicht.

[00:02:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind tatsächlich in der Lage, noch weiterzulernen.

[00:02:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, die wurde schon angesprochen, da lernt man ganz speziell viel,
respektive, was man lernt, wird eingeprägt in die Persönlichkeit dieses Menschen.

[00:02:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man dann ein gesundes Verhalten lernen oder auch krankes Verhalten lernen.

[00:02:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert eine Umstrukturierung des Gehirns.

[00:02:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dem Synaptic Pruning.

[00:02:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich ähnlich wie bei den Genen.

[00:03:02.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt viele Vernetzungen im Gehirn.

[00:03:05.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das gesehen in diesem Bild, da haben die Autisten eine viel breitere,
flächenhaftere Beleuchtung gehabt.

[00:03:21.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche über die ADHS/ADSler.

[00:03:27.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn bleibt stärker vernetzt mit dem ganzen Hirn.

[00:03:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät passiert ein Synaptic Pruning.

[00:03:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Anlagen werden gekappt, also zugemacht, und das Hirn entwickelt eine Autobahn,
entwickelt funktionale Netzwerke.

[00:03:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese funktionalen Netzwerke sind natürlich wichtig für unsere täglichen Aufgaben.

[00:04:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind dann schneller.

[00:04:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles immer weiterhin vernetzt bleibt, dann ist es schwierig.

[00:04:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler (also auch Autismus-Spektrum-Störungen) sind verlangsamt in der
Pubertät um das alles zu lernen.

[00:04:23.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen viel mehr Eindrücke mit in das Gehirn zur Verarbeitung.

[00:04:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrischen Diagnosen sind aus meiner Sicht konzeptuelle Konzepte.

[00:04:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktionelle Zustände des Gehirns werden eingefroren und in einer Diagnose
zusammengefasst.

[00:04:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kritisiere ich.

[00:04:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Funktion geht ja immer weiter und es bleibt flexibel.

[00:04:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diagnosen sind zwar wichtig für uns Ärzte, wir verstehen dann besser, worum es geht.

[00:05:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um den einzelnen Patienten geht oder die Patientin, dann bringt die Diagnose
oft nicht so viel.

[00:05:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie Frau Hedi Wallmüller gesagt hat: jeder Autist ist anders.

[00:05:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Patient ist anders.

[00:05:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Da mache ich immer Witze mit den Ärzten.

[00:05:22.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulmedizin sagt man, die Chirurgen können alles, die Mediziner, die wissen
alles, aber können gar nichts machen. Die Chirurgen wissen nichts, aber sind sehr
potent. Sie sind am höchsten in der Leiter der Beurteilung der Mediziner.

[00:05:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pathologen, die wissen alles, aber zu spät. Der Patient ist schon tot.

[00:05:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Physiater, die wissen nichts und können nichts.

[00:05:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: aber wir lernen täglich.

[00:05:59.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir täglich, bleiben wir offen.

[00:06:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir interagieren mit den Patienten, mit den Eltern.

[00:06:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht kein Tag vorbei, ohne dass wir nicht etwas lernen.

[00:06:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychische Störung, die psychiatrischen Krankheiten, Diagnosen, sind an sich
immer funktionelle Störungen des Gehirns, in Interaktion mit dem sozialen Umfeld.

[00:06:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Störungen in der Beziehungsinteraktion.

[00:06:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie arbeiten mit Patienten täglich oder mit ihren Bewohner täglich, also sie sind ständig
in Interaktion.

[00:06:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es ganz, ganz wichtig, dass sie lernen, mit diesen speziellen Menschen
umzugehen.

[00:06:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche mit der Tierwelt.

[00:06:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Tiere erziehen wollen, dann können ihr dem Elefanten nicht erklären, wie er
den Baum hochsteigen könnte.

[00:07:04.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:07:06.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Tierarten umgehen, dann müssen wir auf die Tierart eingehen.

[00:07:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Autisten umgehen, müssen wir lernen, auf diesen Menschen einzugehen,
mit ihm lernen umzugehen, sonst kommen wir nirgendwo hin.

[00:07:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir ja auch von Frau Hedi Wallmüller gehört.

[00:07:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um persönlichkeitsgerechten Umgang mit unserem Gegenüber.

[00:07:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie man „artgerechte Tierhaltung" sagt. Die Tierhaltungen sind auch nicht immer so
toll artgerecht.

[00:07:44.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen persönlichkeitsgerecht mit diesen Individuen umgehen.

[00:07:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS ist Aufmerksamkeitsdefizitstörung.

[00:07:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:08:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt die Aktivität nach außen dazu.

[00:08:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS ist Autismusspektrumsstörung.

[00:08:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man nur von Autismus geredet, jetzt sagt man Autismus-Spektrum.

[00:08:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man da mehr reinpacken.

[00:08:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte haben gemerkt, dass man eben nicht nur ein Modell hat.

[00:08:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Asperger gibt es auch noch.

[00:08:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war ein Kinderarzt, der hat vor dem letzten Weltkrieg versucht, Kinder die
andersartig waren, zu schützen.

[00:08:39.360] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:08:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man dann gesagt, das sind ganz speziell intelligente Kinder.

[00:08:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktionieren nicht wie normale Kinder und die müssen geschützt werden.

[00:08:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war im dritten Reich in Deutschland.

[00:08:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetisch sind alle drei vererbt: ADS, ADHS und ASS, ist genetisch vererbt.

[00:09:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es handelt sich um einen neurodivergenten Typ, Menschentyp, im Vergleich zu den
Durchschnittsmenschen.

[00:09:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde auch schon mehrfach gezeigt.

[00:09:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autismus, die Autismusspektrumsstörung, ist am stärksten genetisch vererbt, ich
sage jetzt mal, 90%.

[00:09:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS und ADHS ist ungefähr 80% vererbt.

[00:09:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus, Autismusspektrumsstörung und ADS sowie auch ADHS haben einige
gemeinsame Reaktionstypen, einige gemeinsame Verhaltensweisen.

[00:09:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind allesamt hochsensibel.

[00:10:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind durch ihre hohe Sensibilität leicht störbar.

[00:10:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Aufmerksamkeitsstörung.

[00:10:08.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung kommt aus dem Schulbereich.

[00:10:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann nicht gut aufpassen, wenn der Lehrer langweilig ist.

[00:10:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht Störung, ich sage, die haben eine breite Aufmerksamkeit.

[00:10:26.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS-ler haben eine breite Aufmerksamkeit nach außen.

[00:10:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler auch nach außen, aber auch nach innen.

[00:10:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, dann driften die ab in Träumereien. Die Autisten auch.

[00:10:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen dann in Geschichten.

[00:10:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Leute, die erzählen sich dauernd Geschichten, wenn es ihnen langweilig ist.
Die haben da ganze Roman Fortsetzungen.

[00:10:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Über diese breite Aufmerksamkeit sind sie leicht störbar, leicht ablenkbar, haben eine
breite Wahrnehmung.

[00:11:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite, emotional, sind sie hochreaktiv.

[00:11:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Reize können sie schon durcheinanderbringen.

[00:11:16.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Und der ADHSler, der kämpft dann nach außen, der wehrt sich, der schimpft, der wird
aggressiv.

[00:11:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADSler geht eher nach innen. Der zieht sich eher zurück. Das sind dann auch die
Autisten, die ziehen sich eher zurück.

[00:11:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu sehr in die Enge treibt, dann können auch die explodieren.

[00:11:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es einen Raptus geben.

[00:11:43.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich auch noch sagen muss: alle drei sind ungeduldig.

[00:11:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der ASSler, der Autist etwas will, kann man ihn nicht auf eine Verzögerungsbahn
schicken.

[00:12:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist so gedrängt, es muss etwas gemacht werden.

[00:12:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sowohl beim ADHSler als auch beim ADSler so.

[00:12:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben keine Geduld. Ihre Emotionen gehen so hoch, dass man nichts verzögern
kann.

[00:12:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil können sie es schon lernen, aber nicht gleich am ersten Tag.

[00:12:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Selbstregulierung.

[00:12:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler, die regulieren ihre Emotionen mit Sport, mit Abenteuer.

[00:12:39.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet dann von Novelty Seeking und Sensation Seeking.

[00:12:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSler, gehen eher auf Rückzug, Träumereien und auch Hyperfokus.

[00:12:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Idee, ein Interesse gefunden haben, das sie sehr interessiert, das sie
fasziniert, dann können sie daran bleiben, die ganze Nacht durch und sehr gut
fokussieren.

[00:13:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt von Albert Einstein er ist in die Kantonsschule in Aarau gegangen, jetzt heißt
es Einstein Haus, dass er hat die ganze Zeit gerechnet und seine Frau musste ihm
sagen: du musst wieder mal essen oder trinken oder auch schlafen gehen.

[00:13:23.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen sich dann selbst auch nicht mehr recht wahr.

[00:13:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Albert Einstein hat man gesagt, er sei ein ADSler, man könnte auch sagen, ein
Autist, denn er hat bis fünf nicht gesprochen.

[00:13:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld geht natürlich immer vom Normotyp aus.

[00:13:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas sage, muss das Kind das verstehen.

[00:13:51.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich etwas verlange, muss es gehorchen.

[00:13:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Früher war das noch stärker.

[00:13:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein autistisches Kind, das haben wir auch gehört, da kommt die Antwort oft verzögert.

[00:14:06.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt einen Befehl, da kommt nicht gerade was.

[00:14:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann das Umfeld ungeduldig ist und wieder auf das Kind einredet, dann wird der
Autist, ich sage jetzt auch der ADSler, immer mehr zurückgedrängt und am Schluss
redet er gar nicht mehr.

[00:14:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Bezugspersonen müssen lernen, mit ADSlern, mit Autisten umzugehen, indem wir
Geduld haben, etwas warten können und nicht sofort wieder Druck machen.

[00:14:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Druck ist absolutes Gift für diese Menschen.

[00:14:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind braucht Zeit, um zu seiner Antwort anzusetzen, also es überlegt.

[00:14:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört zu diesem Hirn, das wir da gesehen haben, das so stark vernetzt ist.

[00:14:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss zuerst ganz viele Stationen durchmachen, bevor es selbst entscheiden kann.

[00:15:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Diese Kinder, denen muss man immer die Zeit lassen, dass sie intrinsisch entscheiden
können.

[00:15:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit gehorsam, sondern sie müssen zuerst alles überlegen und: aha, ja, dann geht
es.

[00:15:21.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld, und in diesem Fall, wenn sie solche Autisten haben oder
ADHSler, müssen sie ihrem Gegenüber Raum und Zeit lassen, damit sich diese Person
überlegen kann und dann formulieren kann.

[00:15:39.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch gilt: die sind selber schon sehr stark erregt.

[00:15:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte immer in einem Zustand von "low arousal" mit denen kommunizieren.

[00:15:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich zuerst selber runterholen und erst dann irgendetwas sagen.

[00:15:59.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hypererregt ist, lieber gar nichts sagen.

[00:16:02.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat sowieso nichts einen Sinn.

[00:16:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Müttern sage ich: sagen sie gar nichts. Sie müssen zuerst sich selbst beruhigen
und dann können sie mit dem Kind aus handeln.

[00:16:15.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht zu viel auf diesen Menschen einreden, denn dann wird er wieder verwehrt und
dann blockiert das Hirn.

[00:16:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ASS, ADHS/ADS muss man sorgfältig und geduldig begleiten, man muss
gut beobachten, damit man merkt, wenn ich das mache, passiert das bei meinem
Gegenüber.

[00:16:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, das geht nicht so gut.

[00:16:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiger Lernprozess und das ist interessant, aber es kostet von ihnen
Geduld und Ausdauer.

[00:17:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person darf nicht gedrängt werden, der Erwachsene darf nicht gedrängt werden,
sonst kann auch beim Autisten ein Raptus passieren, also dass er völlig aggressiv
ausrastet.

[00:17:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS Menschen werden häufig vom erzieherischen Umfeld gebremst. Du machst
das falsch, kannst du dich nicht zurücknehmen und so weiter.

[00:17:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie stehen ständig Kritik gegenüber. Das macht sie aggressiv.

[00:17:39.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wenn sie ganz ausscheren, werden sie delinquent.

[00:17:45.650] – Dr.med. Ursula Davatz

In den Gefängnissen hat es viele von denen.

[00:17:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nachvollziehen.

[00:17:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADSser scheren eher ganz aus, reden überhaupt nicht mehr.

[00:18:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen ADSler begleitet. Der hat in der frühen Pubertät schwierige Konflikte in
seiner Schulklasse erlebt.

[00:18:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war vorher eine Plaudertasche, die nicht aufgehört hat zu reden.

[00:18:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den einen Schulkameraden und dessen Eltern wurde er moralisch verurteilt.

[00:18:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat aufgehört zu reden und hat jetzt jahrelang Kommunikation verweigert.

[00:18:36.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt beginnt er langsam wieder.

[00:18:37.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab auch eine sexuelle Situation, wo er sich über ein Mädchen hergemacht hat, weil
er absolut ungeschickt war und unerfahren in diesem Bereich.

[00:18:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ist wirklich verschwunden im Autismus, er hat überhaupt nicht mehr kommuniziert.

[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich schon über 40 Jahre mit ADHS/ADS, ich habe auch ein Buch über
Schizophrenie geschrieben.

[00:19:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie.

[00:19:19.989] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1034584660

[00:19:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können in einen schizophrenen Zustand übergehen.

[00:19:27.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen in diesen Zustand über, wenn ihr emotionales Hirn völlig überlastet ist, über
längere Zeit.

[00:19:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, da die so überlastet sind in ihrem emotionalen Hirn, passiert der System
Overload und dann ein System Overflow.

[00:19:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Systemüberlastung des emotionalen Gehirns stattfindet, dann geht als
erstes eine emotionale Monsterwelle in das Stammhirn.

[00:20:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geschieht die Hyperaktivität.

[00:20:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychiatrie wird dann das Großhirn mit Impulsen überschwemmt, sodass die
Funktion des Großhirns zusammenbricht.

[00:20:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann die Schizophrenie.

[00:20:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kognition funktioniert dann nicht mehr.

[00:20:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden schlussendlich paranoiden Ideen etc.

[00:20:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erfinden Fake News. Sie rücken sich ihre Welt nach ihren Vorstellungen zurecht.

[00:20:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat immer die Funktion, dass sie nicht mehr so unter Gefühlsdruck stehen, also
unter unangenehmen Emotionen.

[00:20:55.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rede nicht von Komorbidität.

[00:21:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ASS, ADS, ADHS, ist alles genetisch vererbt.

[00:21:14.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankheiten, die dann entstehen, sind aus meiner Sicht alles Folgekrankheiten.

[00:21:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht, neurotypgerecht mit diesen Menschen
umgegangen wird, dann können sich alle möglichen Krankheiten daraus entwickeln.

[00:21:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Man macht jetzt Statistiken.

[00:21:34.410] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen im Erwachsenenalter, welche die Konstellation von ADHS/ADS
haben, haben eine zusätzliche oder mehrere psychiatrische Diagnosen.

[00:21:48.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In letzter Zeit kommt auch immer mehr raus: sie haben auch körperliche Diagnosen.

[00:21:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da beginnt man erst, Statistiken zu machen.

[00:22:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher eine Fibromyalgie, Schmerzen und so weiter.

[00:22:08.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer machen eher Herzinfarkte, also solche Krankheiten.

[00:22:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist Erst daran, das statistisch zu erfassen.

[00:22:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht sind das alles Folgekrankheiten.

[00:22:23.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Weitere Folgekrankheiten sind: Persönlichkeitsstörung bei Frauen.

[00:22:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meistens ADHSlerinnen, hyperaktive Frauen, die zurück gebremst werden.

[00:22:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Die entwickeln eine Borderline Persönlichkeitsstörung.

[00:22:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS Frauen ritzen sich. Viele entwickeln Essstörungen.

[00:22:50.660] – Bemerkung 1
Werden Frauen häufiger mit Borderline diagnostiziert?

[00:22:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Diagnose ist eine absolute Frauendiagnose.

[00:23:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Depression wird auch viel mehr bei Frauen gestellt.

[00:23:08.030] – Bemerkung 2
Wieso wird ADHS mehr bei Männern diagnostiziert?

[00:23:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können sich viel besser kontrollieren, die können sich besser anpassen. Die
können ihre Impulsivität besser zurücknehmen. Die haben Gene und Hormone, die
leichter sich anpassen.

[00:23:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen werden dann auch erst mit 35, 45 diagnostiziert, weil sie sich vorher immer
angepasst haben.

[00:23:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann diagnostiziert werden, haben die meisten schon eine Depression.

[00:23:42.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Die haben alle ihre Energie in die Anpassung gesteckt. Dann sind sie so erschöpft, dass
sie nicht mehr können und eine Depression haben.

[00:23:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer, die sind eher ADHS und aggressiv nach außen. Das merkt man, das sieht
man, die stören im Unterricht.

[00:24:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung ersetzt die Hysterie.

[00:24:23.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man den Frauen gesagt, dass sie hysterisch sind.

[00:24:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Diagnose verwendet man nicht mehr. Du bist hysterisch wird nur noch im
Sprachgebrauch verwendet.

[00:24:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern ist eher die antisoziale Persönlichkeitsstörung.

[00:24:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kommen dann ins Gefängnis, die Buben ins Jugendheim.

[00:24:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Geschlechter zeigen Suchtstörungen.

[00:24:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS, die verwenden Suchtmittel, um ihr starkes Temperament
runter zu zähmen.

[00:25:09.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das können alle Suchtmittel sein.

[00:25:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwenden auch Medikamente um sich runter zu zähmen.

[00:25:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Leider werden da bei den Jugendlichen häufig Beruhigungsmittel, starke
Beruhigungsmittel verschrieben, die dann süchtig machen.

[00:25:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie tritt auch bei beiden Geschlechtern auf.

[00:25:29.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es noch etwas komplizierter, was da alles noch dahinter steckt.

[00:25:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bipolare Störung ist auch eine Störung, die bei ADHS/ADSlern auftritt.

[00:25:43.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu engstirnig erzogen worden sind, dann befreien sie sich mit der Manie, also
mit dem manischen Schub, von ihren Fesseln, von ihren erzieherischen Fesseln.

[00:26:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie bei sich ADHS/ADS Frauen haben und dann noch Diagnose Bipolare
Störung, ist es wichtig, dass sie nicht versuchen, diese zu erziehen.

[00:26:13.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur Beziehung pflegen und auseinandersetzen.

[00:26:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzungen laufen bei diesen viel heftiger als vielleicht beim Normotyp.

[00:26:22.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich.

[00:26:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Frauen mit der Borderline Persönlichkeitsstörung bekommen, vom
Vorgänger des Töpferhauses.

[00:26:40.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit diesen auseinandergesetzt.

[00:26:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen gibt es unzählige Muskel-Skelettsystem-Probleme, Schmerzen am
ganzen Körper.

[00:26:55.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was Frauen auch noch tun: sie schneiden sich, ritzen.

[00:26:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder schwierig, damt umzugehen.

[00:27:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau, ca. 20 Jahre alt, hatte Probleme in ihrem sozialen Umfeld. Sie ist in eine
Klinik gegangen. Dort ist sie mit fünf Medikamenten rausgekommen.

[00:27:17.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist sicher ein ADHS.

[00:27:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald Medikamente verwendet werden, um die Emotionen zu kontrollieren, dann greift
man immer nach dem.

[00:27:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät, in dieser Umwandlungsphase des Gehirns, ist etwas vom Wichtigsten,
dass der junge Mensch lernt, mit seinen Emotionen umzugehen.

[00:27:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie hier Patienten bekommen, müssen sie natürlich auch lernen, mit ihren und
den Emotionen ihrer Schützlinge umzugehen.

[00:27:52.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann heiß zugehen, aber es lohnt sich, das zu lernen.

[00:27:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht vielleicht etwas länger.

[00:27:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die pubertieren etwas länger oder das Hirn reift etwas später, aber es ist durchaus
möglich.

[00:28:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schlussfolgerung von all diesen Ausführungen sage ich: eigentlich müssten Eltern,
Lehrerinnen und Lehrer, Erziehungspersonen, Kindergärten – es beginnt schon dort –
möglichst früh Unterstützung bekommen zu lernen, kompetent, neurodivers-adäquat mit
diesen Kindern umzugehen.

[00:28:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür brauchten sie wahrscheinlich etwas Unterstützung.

[00:28:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man wartet, bis diese Menschen psychiatrische Diagnosen erhalten, ist es schon
sehr spät.

[00:28:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Never too late.

[00:28:56.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schwöre auf Prävention, müsste man viel früher dem Umfeld lehren, wie
umzugehen mit ADHS/ADS.

[00:29:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Kinder, die verweigern die Schule, die Eltern sind verzweifelt und ich
muss dann nach irgendwelchen Lösungen suchen, dass diese Kinder, Jugendlichen,
normal durch die Pubertät kommen.

[00:29:21.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind, ein Mädchen, das war dann zwei Jahre zu Hause, bis die
schlussendlich selbst entschlossen hat: ich mache jetzt Homeschooling übers Internet.

[00:29:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht es und der Bruder macht es auch.

[00:29:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt da viel Möglichkeiten, fantasievoll, erfinderisch, kreativ, mit diesen nicht
neurotypischen Menschen umzugehen.

[00:29:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das lernt, ist es interessant.

[00:29:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt immer auch von seinem Gegenüber.

[00:29:57.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir beim Sokratischen Lernen angelangt.

[00:30:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sokrates hat gesagt: nicht nur die Schüler lernen von mir. Ich lerne mehr von ihnen oder
ich lerne viel von ihnen.

[00:30:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie eine solche Haltung diesen neurodiversen Menschen gegenüber einnehmen,
ist ihr Beruf spannend, interessant und sie sind dauernd am Lernen, so wie die
Psychiater.

[00:30:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt dürfen sie noch Fragen stellen.

[00:30:34.540] – Bemerkung 3
Das Spektrum ADHS/ADS ist also alles genetisch?

[00:30:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:30:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Veranlagung ist genetisch.

[00:30:57.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist ein plastisches Organ, ist epigenetischen Prozessen unterworfen.

[00:31:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese genetische Veranlagung kann in der Interaktion mit dem Umfeld stark beeinflusst
werden, zum Guten und zum Schlechten. Die Gene können wir nicht verändern.

[00:31:18.300] – Bemerkung 4
Ist man den Genen somit ausgeliefert?

[00:31:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene interagieren viel mehr miteinander, als wir denken.

[00:31:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum redet man von Epigenetik.

[00:31:37.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben zum Teil Gene, die bei primitiven Tierarten vorhanden sind.

[00:31:43.770] – Dr.med. Ursula Davatz
99% unserer Gene sind gleich wie die vom Schimpansen.

[00:31:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen sind trotzdem ganz anders als die Schimpansen.

[00:31:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Möglichkeiten.

[00:32:02.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind überhaupt nicht den Genen ausgeliefert.

[00:32:03.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Flexibilität des Gehirn.

[00:32:25.450] – Bemerkung 5
Meint die Epigenetik nicht die Veränderbarkeit der Gene sondern die Interaktionsweise
der Gene?

[00:32:25.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:32:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Epigenetik ist die Interaktion unter den Genen.

[00:32:32.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es noch viele Prozesse. Ich kenne die auch nicht alle.

[00:32:34.700] – Bemerkung 6
Wäre es nicht schön, wenn man nicht einfach immer individuell auf den Menschen
eingehen würde?

[00:32:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja. Ich bin total einverstanden.

[00:32:56.900] – Bemerkung 6
Schön

[00:32:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was gut ist für ADHS/ADS/ASSler ist gut für alle.

[00:32:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Normotypen hinterlässt es weniger schlimme Spuren.

[00:33:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen bei diesen genetisch vulnerablen Menschen, da hinterlässt es mehr Spuren.

[00:33:20.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre für alle gut. Absolut. Ich kann nur beistimmen.

[00:33:29.180] – Bemerkung 7

Ab welchem Alter empfehlen sie die Abklärung bei den Kindern bei einem Hinweis, dass
es Richtung ASS geht?

[00:33:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Abklären kann man immer.

[00:34:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache keinen Neurotest.

[00:34:07.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Anamnese auf über drei Generation.

[00:34:12.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue, was da alles im Familiensystem vorhanden ist und von meinem Gespür her
sage ich: ja, das ist das.

[00:34:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, es wird abgeklärt.

[00:34:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ASS Sprechstunden sind heute überall überlastet.

[00:34:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Und danach, wer macht etwas mit den Kindern? Wer redet mit den Eltern? Niemand.

[00:34:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA im Aargau macht schon bei den kleinen Kindern viele Abklärungen.

[00:34:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man noch Leute finden, welche die Mütter Väter beraten.

[00:34:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es wollen, dürfen sie gerne eine Abklärung machen und jetzt müssen wir
sofort mit dem Coaching beginnen.

[00:35:12.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit diesen Menschen umzugehen.

[00:35:12.860] – Hedi Wallmüller
Mit einer ADHS/ADS Abklärung kann man in der Schule auch zusätzliche Zeit bei den
Prüfungen verlangen. Im Kanton Aargau gibt es drei Jahre Wartezeit, bis sie einen
Termin kriegen. Im Kanton Aargau ist man mit einem autistischen Kind arm dran.

[00:35:54.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: ja, das Kind hat ADHS/ADS. Ich stelle die Diagnose einfach.

[00:36:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den Psychiatern sagt man: sie stellen ihre Diagnosen in drei Minuten.

[00:36:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schreibe ein Zeugnis und sage: der braucht einen Nachteilsausgleich.

[00:36:39.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann dürfen die mehr Zeit verwenden und allenfalls an einem ruhigen Ort.

[00:36:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche Eltern wollen dennoch klar abklären.

[00:36:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man drei Jahre warten muss, also Hallo.

[00:36:56.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Da läuft das Kind schon davon. Auf Wiedersehen.

[00:37:01.410] – Bemerkung 9
Es geht um die Frühanmeldung bei der IV.

[00:37:26.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man vom frühkindlichen POS. Dann musste man es bis zum 6.
Lebensjahr anmelden.

[00:37:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche melden an, manche nicht.

[00:37:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es nicht mehr so klar.

[00:37:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer sagen: das Kind hat diese Diagnose. Das ist ein Geburtsgebrechen,
das bleibt ein Geburtsgebrechen. Es ist ja genetisch, kommt mit der Geburt.

[00:38:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wo dann die Leute sind und wer die regionalen Ärztedienste sind, geht es
oder es geht nicht.

[00:38:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da streiten wir dann zwischen IV und Krankenkasse.

[00:38:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat Anrecht auf eine Sonderbehandlung.

[00:38:26.140] – Bemerkung 10

Bei den IV Gutachten wird fast nie das nahe Umfeld angeschaut. Man hat in der
zweistündigen Sitzung Zeit, das nahe Umfeld wird nicht angeschaut.

[00:39:11.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, IV ist da schwierig.

[00:39:13.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich streite immer mit der IV.

[00:39:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann die PatientIn zehn Jahre begleitet haben.

[00:39:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist behauptet dann ich würde mich nur für den Patienten interessieren.

[00:39:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gutachterarzt, der sieht den Patienten eine Stunde und der hat dann Aussagekraft

[00:39:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind wir immer wieder am Diskutieren.

[00:39:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen autistischen Jungen.

[00:39:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat immer wieder gesagt: das geht nicht, er muss das und das erreichen.

[00:39:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben den Patienten immer wieder geschützt vor diesem Druck.

[00:40:02.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Jetzt macht er den Abschluss in der IT.

[00:40:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind da wie Löwenmütter, welche diese Menschen schützen müssen.

[00:40:13.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat nicht viel Erfahrung mit ADHS/ADS. Die sagen dann immer: der ist nur faul
und der muss jetzt usw.

[00:40:26.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine junge Patientin, die wurde mit 15 Jahren zur IV geschickt.

[00:40:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir mussten mit der IV alles abbrechen, die hat jetzt Rente, aber die entwickelt sich
weiter.

[00:40:49.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wen man hat bei der IV sagt man lieber Rente und macht selber weiter
oder man versucht eine berufliche Eingliederung.

[00:40:49.330] – Bemerkung 11
Dort wartet die nächste Schwierigkeit, einen Platz zu finden in der Gesellschaft.

[00:41:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Schritt wäre dann Supported Employment.

[00:41:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist das Training und ein weiteres ist: Supported Employment.

[00:41:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hatte einen Schizophrenie Patienten. Er war im Töpferhaus, dann jahrelang im KV
Atelier. Er hat noch eine Ausbildung gemacht, eine normale, aber immer bezahlt von der
IV-Rente. Schlussendlich hat er eine Stelle bekommen im IT Bereich und hat 90'000
verdient pro Jahr. Wir haben sehr lange gewartet.

[00:41:56.360] – Bemerkung 12
Eine schöne Geschichte.

[00:42:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Niemals aufgeben. Ich sehe ihn jetzt immer in den sozialen Medien, was er publiziert.

[00:42:10.440] – Bemerkung 13
Wo ist die Abgrenzung zwischen ADHS und ADS?

[00:42:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn ist ein kompliziertes, funktionelles Organ, das
wechseln kann.

[00:42:44.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir auch eine Geschichte durchschauen, dann haben die oft viele Diagnosen.

[00:42:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer auf die Situation und was mache ich mit diesem Menschen?

[00:42:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was rate ich?

[00:42:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Funktion ist nicht, die Diagnose zu behandeln, sondern meine Funktion ist, den
Menschen zu begleiten, dass er sich weiterentwickelt.

[00:43:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache wie eine Berufsberatung.

[00:43:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mit ihnen: würde das passen oder das?

[00:43:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir erfolgreich sind, irgendwann mal findet man es.

[00:43:23.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte mich dann nicht so fest an die Diagnosen, sondern an die Situation und die
Begabungen.

[00:43:28.830] – Bemerkung 14
Wo werden sie hellhörig bei den Unterschieden zwischen ADHS und ADS?

[00:43:32.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unterschiede sind nicht so gross.

[00:43:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS kann zu ADS wechseln und umgekehrt.

[00:43:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob es genetisch wirklich so unterschiedlich ist.

[00:43:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beginnen jetzt eine Studie, in der wir die ADHS/ADSler genetisch untersuchen.

[00:44:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In den GWAS war ADHS, Autismus, Schizophrenie, manisch-depressiv und schwere
Depression, die hatten alle den gleichen geänderten Gen-Lokus.

[00:44:25.702] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Genomweite_Assoziationsstudie

[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es klar, das hängt alles zusammen.

[00:44:42.920] – Bemerkung 15
Bei ADHS/ADS ist die Affektreaktion beeinträchtigt, welche durch Stress dominiert wird.
Dort greifen die Medikamente ein.

[00:45:44.210] – Dr.med. Ursula Davatz
ich weiß nicht, ob ich alles richtig verstanden habe.

[00:45:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie, wenn ein Mensch psychiatrische Symptome hat, die greift an erster
Stelle ein mit Medikamenten.

[00:45:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Akutsituation mache ich das auch, aber langfristig versuche ich eher, dem Umfeld
beizubringen, wie kann man mit diesen Menschen besser umgehen.

[00:46:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ihm natürlich beizubringen: wie kann er mit seinen Emotionsregulationen
besser umgehen?

[00:46:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Studenten mit Schibitis oder Prokrastination, denen gebe ich dann
Tipps.

[00:46:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Dort spricht man von ADHS/ADS Coaching.

[00:46:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Emotionalität umzugehen.

[00:46:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur vor allem flüchten.

[00:46:49.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen jungen Hund, mit dem geht man Zug fahren, damit der lernt, mit der Situation
umzugehen.

[00:46:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Autisten muss begleiten.

[00:47:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie sorgfältig begleiten. Man kann sie nicht einfach nur rausschicken. Auch
nicht einfach nur sich verkriechen lassen im Zimmer.

[00:47:15.560] – Bemerkung 16
Wenn das genetisch vererbbar ist, über wie viele Generationen kann das laufen?

[00:47:23.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Über alle.

[00:47:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme immer drei Generationen auf, manchmal auch mehr.

[00:47:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern gehen mit ihrem Kind zur Abklärung. Dann kommt ADHS/ADS raus.

[00:47:32.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denken die Eltern: ich bin ja auch so. Dann beginnen die Eltern zu sehen: ich
habe ja auch diese Eigenschaften. Dann gehen die Eltern sich auch abklären. Dann
kommt es auch raus.

[00:47:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaue ich zurück.

[00:47:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Symptomatik bei ADHSlern, da kann der Grossvater jähzornig gewesen sein. Er
kann ein Alkoholiker gewesen sein.

[00:47:59.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe dann die Symptome in den Generationen.

[00:48:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehen verschiedene Formen weiter.

[00:48:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder lernt etwas ein wenig anders damit umzugehen.

[00:48:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ganz klar ein Autist. Er hat jetzt seinen Größenwahn.

[00:48:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist auch groß, er hat ja viel Geld.

[00:48:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben wir jetzt zwei am Werk, die beide nicht Normotypen sind.

[00:48:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Gene werden weitergegeben, aber man sagt, es sind 20 bis 100 Gene, welche
gemischt werden.

[00:48:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Fortpflanzung kommt von zwei Seiten. Irgendeine Form wird weitergegeben.

[00:48:55.620] – Bemerkung 17
Es kann ja auch sein, dass ein Generation davor ganz anders gelernt hat damit
umzugehen und dann kommt es erst drei Generationen später zum Vorschein.

[00:49:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, absolut.

[00:49:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Erziehung noch viel autoritärer und da haben sich die ADHS/ADSler
auch mehr untergeordnet.

[00:49:19.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute mit unserer modernen demokratischen Erziehung, im neuen Lehrplan haben die
ADHS/ADS Kinder oft zu wenig Struktur.

[00:49:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt nicht, man soll zurückgehen zur autoritären Befehlsstruktur.

[00:49:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die funktioniert gar nicht gut.

[00:49:40.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer eine sehr gute Beziehung hat zu Kind, dann kann er einiges
verlangen.

[00:49:47.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er keine hat, dann kann er gar nicht.

[00:49:52.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst Beziehung und dann Erziehung.

[00:49:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Schule riesige Probleme, zu wenig Lehrer, alle haben Burnout, steigen
aus, man holt Hilfspersonen rein.

[00:50:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel sorgfältiger in die Schulen investieren.

[00:50:12.230] – Bemerkung 18
Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Gesellschaft. Sie sind jetzt eine
Psychiaterin, die sich dem widmet. Man kann auf die Suche gehen, man findet
niemanden.

[00:50:23.670] – Bemerkung 18
Bei uns laufen dann die Leute rein, bei denen alles falsch gelaufen ist.

[00:50:23.770] – Bemerkung 18
Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit. Es sind fantastische Leute, es sind geniale
Leute, aber die wenigsten erhalten die Möglichkeit zum lernen. Sie sind in einem
Umfeld wo sie nie genügen. Unser Schulsystem ist noch nicht bereit dazu. Sie setzen
bei einem kleinen Teil an. Man müsste viel mehr Lehrpersonen ausbilden.

[00:51:09.330] – Dr.med. Ursula Davatz
ich versuche es.

[00:51:10.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe eine Zeit lang im Kanton Aargau an den Schulen Lehrer unterstützt, etwas
unterstützt. Dann wollte man nichts mehr.

[00:51:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
In Zürich läuft etwas, weil ich dort wohne.

[00:51:30.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

[00:51:33.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste viel mehr dort rein investieren. Ich bin dran, solange ich noch kann.

[00:51:43.960] – Bemerkung 19
Wenn die Diagnosen alle zusammen verwoben sind, dann sollte man selber dafür ein
Gespür entwickeln? Soll man dazu selber eine kritische Grundhaltung entwickeln, und
nicht zu stark Diagnose gläubig sein?

[00:52:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Einverstanden!

[00:52:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele diagnostizieren sich heutzutage selbst über das Internet. Mit dem Internet kann
man das.

[00:52:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Psychiaterin sage nicht: das darf man nicht. Das ist keine Charlatanerie. Man
darf sich selber anschauen.

[00:52:44.020] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS sind Persönlichkeitstypen. Ich darf meinen Persönlichkeitstyp analysieren
und sagen: ich passe eher in diese Kategorie oder in diese.

[00:52:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich geht es immer darum, dass man lernt, mit seinen Persönlichkeitszügen
umzugehen.

[00:52:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodivergenten Menschen, die werden immer kritisiert: du bist falsch, nein, so
nicht.

[00:53:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss denen dann immer wieder beibringen: du bist richtig, so wie du bist.

[00:53:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Du musst mit der Freundschaft schließen und erst dann kannst du dich handhaben.

[00:53:19.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss ich allen meinen Patienten sagen.

[00:53:23.350] – Bemerkung 20
Wir sind hier mit Diagnosen konfrontiert. Auch dort ist ein kritischer Blick wichtig.

[00:53:43.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihren gesunden Menschenverstand, auf ihr gesundes, natürliches Gefühl.
Es ist nicht nur Verstand.

[00:53:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss emotionale Fähigkeiten haben, um mit diesen Leuten umgehen zu lernen.

[00:54:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt auch wieder an ihnen.

[00:54:05.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Hören sie auch auf sich und nicht nur auf die Fachleute. Das ist ganz wichtig.

[00:54:12.180] – Bemerkung 21
Wir als Fachpersonen können auch hinterfragen. Wir haben eine Klientin gehabt, wo wir
hinterfragt haben: stimmt die Diagnose? Jetzt hat sie eine ganz andere Diagnose,
welche ihr mehr entspricht. Sie fühlt sich mit dieser Diagnose viel wohler.

[00:54:32.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hedi Wallmüller hast das auch gesagt: getrauen sie sich zu hinterfragen!

[00:54:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Hören sie auf ihre Intuition!

[00:54:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Menschen.

[00:54:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die menschliche Beziehung.

[00:54:53.340] – Hedi Wallmüller
Wenn sie das Gefühl haben, dass es nicht passt, dann passt es wohl auch nicht.

[00:54:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[00:55:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auf sich vertrauen.

[00:55:07.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch eine kurze Reklame für mich.

[00:55:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin daran, ein neues Buch zu publizieren.

[00:55:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vorhergehende war ADHS und Schizophrenie.

[00:55:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie-ebook/

[00:55:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das neue Buch heisst:

[00:55:19.890] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS und seine Folgekrankheiten, Psychiatrie im Offside.

[00:55:29.140] – Bemerkung 22
Wann wird das Buch publiziert?

[00:55:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann dieses Jahr. Ich hoffe möglichst bald.

[00:55:32.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Zuhören. Ich hoffe sie können etwas davon anwenden. Sonst fragen sie
einfach wieder. Fragen sie sich gegenseitig. Setzen sie sich mit den anderen
auseinander. Sie haben sicher viel Spass.

[00:55:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den ADHS/ADS Kinder hat man eine zeitlagn gesagt: das sind Indigo-Kinder und
die drei treiben eigentlich unsere Entwicklung voran.

[00:56:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:56:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wir müssen noch genauer hinschauen.

Ein Gespräch mit Dr. Marcel Bertschi

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Dr. iur. Marcel Bertschi
20.3.2025
Ein Gespräch
Audio

[00:00:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dr. Marcel Bertschi, ich freue mich sehr, dass sie zu diesem Interview, zu diesem
Gespräch gekommen sind.

[00:00:19.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine gemeinsame Geschichte zusammen.

[00:00:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben mich in die Strafvollzugskommission reingeholt, auf meine Bitte.

[00:00:29.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war immer eine interessante, spannende Auseinandersetzung.

[00:00:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Familientherapeutin und bin immer interessiert an Familiengeschichten.

[00:00:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne frage ich sie jetzt auch: du kommst aus einer sehr bewegten
professionellen Familie.

[00:00:54.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Denn du hast an deinem 90. Geburtstag von deiner Familie etwas erzählt.

[00:00:59.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war natürlich Balsam für mich.

[00:01:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Dein Vater hatte einen recht bewegten Hintergrund.

[00:01:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dein Vater hat dein Talent bemerkt, dass du gut reden kannst.

[00:01:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat dich dazu aufgefordert, ins Gymnasium zu gehen, weil du eine gute Schnauze
hast.

[00:01:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist ins Gymnasium gegangen. Du hast am Anfang aber dann als Journalist
gearbeitet.

[00:01:27.940] – Dr. Marcel Bertschi
Das stimmt, ja. Ich habe auch als Taxichauffeur gearbeitet.

[00:01:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht dich sympathisch.

[00:01:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast dann aber beschlossen, zu wechseln, in die Juristerei.

[00:01:45.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will dich fragen: was hat dich dazu bewogen, dich der Justiz zuzukehren?

[00:01:54.520] – Dr. Marcel Bertschi
Nach der Matur wollte ich auch Politiker werden.

[00:02:00.890] – Dr. Marcel Bertschi
Ich wollte auch Journalist sein, habe Juristerei studiert. Neben dem Taxifahren konnte
ich mir das leisten.

[00:02:11.480] – Dr. Marcel Bertschi
Das waren die drei Zweige, die ich machte.

[00:02:13.370] – Dr. Marcel Bertschi
Meistens Taxichauffeur, dann Journalist, zuerst beim Blick und in der Politik bin ich
stufenweise vom Parteimitglied auch aufgestiegen.

[00:02:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Was war der Grund, dass du Justiz gewählt hast?

[00:02:31.460] – Dr. Marcel Bertschi
Im Prinzip wäre ich gerne Chirurg geworden.

[00:02:34.370] – Dr. Marcel Bertschi
Die finanziellen Verhältnisse hätten es nicht erlaubt, als Taxifahrer, nebenan das
Medizinstudium. Das wäre nicht gegangen. Zeitlich und auch finanziell nicht.

[00:02:46.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das war eine weise Entscheidung, sonst wärst du ein Arzt geworden.

[00:02:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage ich dich gerne: was hast du aus deiner Familie mitgenommen für deinen
Beruf?

[00:03:02.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist ja in einem interessanten Familiensystem aufgewachsen.

[00:03:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Was aus deinen Erfahrungen, aus deinem Familiensystem, hast du in deinen Beruf
hinübergenommen oder war hilfreich für deinen Beruf?

[00:03:17.280] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe nur gesehen, dass meine Eltern Zeit ihres Lebens immer hart gearbeitet
haben.

[00:03:23.460] – Dr. Marcel Bertschi
Sie haben also nie Ferien bezogen.

[00:03:25.080] – Dr. Marcel Bertschi
Die ganze Familie hat höchstens ein, zwei Tage mal Ferien im Tessin gemacht.

[00:03:32.220] – Dr. Marcel Bertschi
Mein Vater hat immer gearbeitet, meine Mutter hat das Telefon des Taxibetriebes Tag
und Nacht gehütet.

[00:03:39.780] – Dr. Marcel Bertschi
Meine Eltern haben immer gearbeitet.

[00:03:43.170] – Dr. Marcel Bertschi
Mein Vater war hoffnungslos gutmütig mit seinen Chauffeuren.

[00:03:47.370] – Dr. Marcel Bertschi
Meine Mutter hat das nicht so gefallen.

[00:03:49.800] – Dr. Marcel Bertschi
Mein Vater hat gekrampft und war sehr gutmütig.

[00:03:50.280] – Dr. Marcel Bertschi
Mein Vater hat auch alle Widerwärtigkeiten weggesteckt.

[00:04:01.330] – Dr. Marcel Bertschi

Ich habe meinen Vater nie frustriert gesehen.

[00:04:06.370] – Dr. Marcel Bertschi
Niederschläge, finanzielle, schwierige Perioden hat er immer weggesteckt.

[00:04:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat sein Leben sehr, wie soll ich sagen: großzügig, edel und realistisch gelebt.

[00:04:28.060] – Dr. Marcel Bertschi
Es war ein hartes Leben.

[00:04:29.320] – Dr. Marcel Bertschi
Er war der Älteste von drei Söhnen. Meine Großmutter, die war dann nach der
Scheidung finanziell sehr angeschlagen.

[00:04:39.100] – Dr. Marcel Bertschi
Dann konnte sie die drei Söhne nicht mehr bei sich halten.

[00:04:42.880] – Dr. Marcel Bertschi
Es kam die Fürsorgebehörde und hat die ältesten beiden Söhne weggeholt, nach
Dürrenäsch an den Heimatort meines Vaters.

[00:04:52.620] – Dr. Marcel Bertschi
Sie waren dort Verdingbuben. Sie mussten im Stall der Bauernfamilie helfen, konnte
nicht am Tisch mit dem Bauern essen, sondern mussten mit den Knechten essen.

[00:05:03.300] – Dr. Marcel Bertschi
Das war eine sehr harte Zeit.

[00:05:06.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dein Vater war dann Verdingbub?

[00:05:08.940] – Dr. Marcel Bertschi
Ja.

[00:05:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In Dürrenäsch.

[00:05:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familie meines Mannes. Seine Mutter kommt auch aus Dürrenäsch und heisst auch
Bärtschi. Vielleicht sind da sogar Verwandtschaften.

[00:05:20.520] – Dr. Marcel Bertschi
Vermutlich.

[00:05:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessant.

[00:05:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast als erster Staatsanwalt gearbeitet.

[00:05:31.620] – Dr. Marcel Bertschi
Am Schluss der Karriere. Die letzten 10 Jahre noch.

[00:05:42.570] – Dr. Marcel Bertschi
Die letzten zehn Jahre war ich Erster Staatsanwalt und vorher Bezirksanwalt, dann
Staatsanwalt und dann erster Staatsanwalt.

[00:05:51.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Was waren deine juristischen oder menschlichen Prinzipien, die du als Staatsanwalt
gelebt hast, verwirklicht hast?

[00:06:01.900] – Dr. Marcel Bertschi
Versuchen zu verstehen, was geschehen ist, wer was gemacht hat. Völlig gleichgültig,
ob Täter oder Opfer oder Zeugen.

[00:06:13.510] – Dr. Marcel Bertschi
Man muss objektiv die Leute befragen. Was hat er gesehen? Was glaubt er gesehen zu
haben? Was hat er gemacht? Weshalb hat er das gemacht? Und dann noch versuchen
herauszufinden, was einigermaßen der Tatsachenablauf eines Geschehens war.

[00:06:31.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr interessant. Also, da treffen wir uns wieder. Objektiv zu sehen, weshalb etwas
geschehen ist oder jemand etwas gemacht hat.

[00:06:40.900] – Dr. Marcel Bertschi
In der Sprache der Leute, die sie verstehen. Nicht den Akademiker Heraushängen und
mit einem Hilfsarbeiter auf der gehobenen Stufe reden und ihm zu zeigen, wie
intelligent ich bin und wie dumm, dass er ist. Sondern versuchen, offen mit ihm zu
reden.

[00:07:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da treffen wir uns wieder.

[00:07:04.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war an der Tagung der Kriminologischen Gesellschaft in Interlaken.

[00:07:13.283] – Dr.med. Ursula Davatz
https://kriminologie.ch/tagungen_details/naechste-tagung-6-7-maerz-2025-vom-scheiterhaufen-zur-verwahrung-umgang-mit-minderheiten-im-strafsystem

[00:07:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat jemand gesagt: hinter jeder Tat steckt eine Geschichte.

[00:07:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die muss man verstehen.

[00:07:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hast du offensichtlich versucht zu machen.

[00:07:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du die Geschichte dann verstanden hast, nach welchen Prinzipien hast du
geurteilt?

[00:07:33.500] – Dr. Marcel Bertschi
Dann muss man versuchen herauszufinden, welche Strafartikel auf das Geschehene zu
passen und dann, wie hoch dass der Strafantrag etwa ist, den man stellen kann oder ob
man sagen muss, dass die Indizien reichen nicht, der Beweis ist ungenügend. Dann
stellt man das Verfahren ein.

[00:07:54.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast zuerst versucht, die Geschichte zu verstehen und dann zu schauen, welcher
Artikel ist besser anwendbar?

[00:08:03.870] – Dr. Marcel Bertschi
Die Polizei sagt schon: versuchter Mord, Betrug, Diebstahl, das ist klar. Aber man muss
sehen, was konkret vorliegt.

[00:08:13.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Gutachten schreiben musste, habe ich es ähnlich gemacht.

[00:08:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer versucht, zuerst den Patienten zu verstehen, zu sehen, um was es geht
und dann habe ich auch geschaut: wo passt der rein?

[00:08:28.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe natürlich immer einen therapeutischen Anspruch und habe dann geschaut, wie
könnte man etwas aussprechen, so dass er dann vielleicht noch etwas weiterkommt.

[00:08:42.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer zuerst verstehen.

[00:08:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sehr interessant.

[00:08:48.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast gesagt, du wolltest eigentlich Politiker werden.

[00:08:52.190] – Dr. Marcel Bertschi
Ja, wollte ich zuerst. Ja.

[00:08:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast dich der SP angeschlossen?

[00:08:55.640] – Dr. Marcel Bertschi
Genau.

[00:08:56.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Darf ich dich da nochmals fragen? Was hat dich fasziniert, gereizt, interessiert an der
SP?

[00:09:05.420] – Dr. Marcel Bertschi
Ich war wie die meisten Jungen entsetzt, wie ungerecht die Welt ist, wie sozial die
Unterschiede zu groß sind und habe versucht, natürlich den Ärmeren oder den zu
unrecht Unterdrückten zu helfen.

[00:09:22.550] – Dr. Marcel Bertschi

Ich dachte, bei den Sozialdemokraten sei das am besten.

[00:09:26.030] – Dr. Marcel Bertschi
Der Sozialismus, glaubte ich, das sei etwas ganz Großartiges und habe dann gemerkt,
dass die Idee des Sozialismus zwar sehr gut ist, aber die Menschen, die ihn glauben,
zu vertreten, das ist nicht unbedingt das Ideal.

[00:09:42.570] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe dann schrittweise gemerkt, die sind nicht besser als die anderen.

[00:09:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast Dich vom Prinzip her für soziale Gerechtigkeit eingesetzt?

[00:09:52.260] – Dr. Marcel Bertschi
Ja genau.

[00:09:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür hattest Du auch das Verständnis von Deiner Familie her.

[00:09:52.770] – Dr. Marcel Bertschi
Ja.

[00:09:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast dann gemerkt, dass die Menschen nicht alle so edel und toll sind.

[00:10:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kannst du etwas ausholen? Was hat dich dazu gebracht, dich wieder vermehrt zu
distanzieren von der SP?

[00:10:20.700] – Dr. Marcel Bertschi

Ich habe einfach gesehen, dass das, was die Leute im Parlament erzählt haben oder
was sie als Forderungen aufgestellt haben, dass ihr persönliches Leben völlig anders
verlaufen ist.

[00:10:36.630] – Dr. Marcel Bertschi
Einige Beispiele.

[00:10:38.980] – Dr. Marcel Bertschi
Der Lokalmatador in Zürich, der Nationalrat Otto Schütz, schon lange tot.

[00:10:45.280] – Dr. Marcel Bertschi
Er war der große Chef in Zürich.

[00:10:47.800] – Dr. Marcel Bertschi
Er hat dem Gemeinderat, wo ich die Ratsprotokolle für die Zeitung geschrieben habe,
am Morgen gesagt: Genossen, habt ihr Bussenzettel?

[00:11:00.580] – Dr. Marcel Bertschi
Dann haben alle Genossen, die Parkbussen usw im abgegeben.

[00:11:06.280] – Dr. Marcel Bertschi
Er ist zum Polizeivorstand gegangen und gesagt: Otto, das erledigst du.

[00:11:10.750] – Dr. Marcel Bertschi
Da habe ich gesehen, dass Sozialdemokraten offensichtlich gewisse Vorteile haben,
wenn sie falsch parkiert haben, zu schnell gefahren sind. Das habe ich dann mal
gemerkt.

[00:11:23.080] – Dr. Marcel Bertschi
Der edle Sozialist.

[00:11:25.270] – Dr. Marcel Bertschi
Als ich die Ratsberichte geschrieben habe, hiess es am anderen Tag: der Genosse hat
was gesagt. Warum hast du beim Freisinnigen drei Zeilen geschrieben, bei mir hast du
nur geschrieben, dass ich das Wort ergriffen habe.

[00:11:43.200] – Dr. Marcel Bertschi
Der Freisinnige hat leider etwas gesagt, und was du sagen wolltest, habe ich nicht
verstanden.

[00:11:52.590] – Dr. Marcel Bertschi
Also habe ich nur geschrieben: er hat das Wort ergriffen.

[00:11:53.580] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe dann gemerkt, wie kleinlich die Leute sind und wie es ihnen um das Prestige
geht.

[00:12:00.450] – Dr. Marcel Bertschi
Um die Sache geht es den meisten eher nicht.

[00:12:04.200] – Dr. Marcel Bertschi
Das hat man eine Entfremdung zwischen mir und der Partei gegeben.

[00:12:09.390] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe weiterhin meine kritischen Kommentare in Glossen geschrieben.

[00:12:13.860] – Dr. Marcel Bertschi
Es gab immer mehr Ärger mit der Partei, mit dem Genossen.

[00:12:17.160] – Dr. Marcel Bertschi
Am Schluss war ich Parteipräsident der Stadt Zürich einige Jahre und habe dann
gemerkt: jetzt muss ich freiwillig zurücktreten, bevor ich abgewählt werde.

[00:12:28.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hast du im rechten Moment wahrgenommen?

[00:12:32.190] – Dr. Marcel Bertschi
Ja, ich habe gemerkt, es geht nicht mehr lange, bis ich rausfliege.

[00:12:35.830] – Dr. Marcel Bertschi
Die Zeitung stand auch finanziell nicht mehr gut da.

[00:12:35.830] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe gesehen: ich habe keine Zukunft.

[00:12:43.630] – Dr. Marcel Bertschi
Die Pressefreiheit habe ich sehr nahe kennengelernt.

[00:12:53.290] – Dr. Marcel Bertschi
Einmal habe ich einen kritischen Kommentar über eine Firma geschrieben. Dann kam
der Verlagschef. Bist du wahnsinnig bei dieser Firma, die gibt regelmäßig Druckaufträge
darüber schreibst du ganz sicher nicht mehr.

[00:13:05.680] – Dr. Marcel Bertschi
Meine Frau hat eine Film Kolumne geschrieben.

[00:13:08.650] – Dr. Marcel Bertschi
Einmal hat sie einen Film zerrissen.

[00:13:10.780] – Dr. Marcel Bertschi
Sofort kam der Inseratenchef und sagte: bist du wahnsinnig? Dieser Film gibt ständig
Inserate auf. Darüber wird nicht mehr geschrieben.

[00:13:20.080] – Dr. Marcel Bertschi
Da habe ich gesehen, dass die Pressefreiheit ein sehr ein beschränktes Gut ist.

[00:13:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Interessant, also so viel zu Theorie und Praxis.

[00:13:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Praxis war ganz anders als die Theorie.

[00:13:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Und dann noch die Pressefreiheit, das war schon damals so.

[00:13:38.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Unglaublich.

[00:13:39.830] – Dr. Marcel Bertschi
In Zürich gab es einmal in Zürich vor X Jahren einen grossen Skandal.

[00:13:44.420] – Dr. Marcel Bertschi
Es wurde bei der Polizei aus dem Tresor der Stadtpolizei das gesamte Zahltagsgeld
gestohlen, der Zahltag im Polizeidepartement.

[00:14:02.330] – Dr. Marcel Bertschi
Darüber habe ich geschrieben, ein guter Mitarbeiter hat mir die Geschichte gesteckt.

[00:14:02.840] – Dr. Marcel Bertschi
Es gab ein Foto auf der ersten Seite: Diebstahl im Polizeipräsidium.

[00:14:13.580] – Dr. Marcel Bertschi
Ich war stolz. Das war ein Auftrieb des Volksrechte, um neue Abonnenten zu gewinnen.

[00:14:19.100] – Dr. Marcel Bertschi
Das Gegenteil geschah.

[00:14:19.730] – Dr. Marcel Bertschi
Es kam der berühmte Nationalrat und sagte: bist du wahnsinnig, was du schreibst? Mit
dem Otto arbeiten wir so gut zusammen, in der Gewerkschaft, solchen Unsinn zu
schreiben!

[00:14:31.240] – Dr. Marcel Bertschi
Fakten sind nur dann gut, wenn sie der persönlichen Stellung oder den persönlichen
Idealen nützen und sonst ist mit den Fakten gar nichts.

[00:14:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Unglaublich.

[00:14:42.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wurdest du dann direkt zum Nestbeschmutzer.

[00:14:46.450] – Dr. Marcel Bertschi
Selbstverständlich.

[00:14:48.250] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe mehrere Ausschlussverfahren, weil ich angeblich sozialdemokratisches
Gedankengut verletzt habe.

[00:14:55.000] – Dr. Marcel Bertschi
Es gab zwei Ausschlussverfahren, die ich dann überstanden habe und bin dann selber
gegangen.

[00:15:01.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist aber nicht wahr? Unglaublich.

[00:15:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben das gedankliche, das sozialdemokratische Gedankengut haben sie in Tat
verletzt, nicht in Worten.

[00:15:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast in Worten die Wahrheit gesagt.

[00:15:16.150] – Dr. Marcel Bertschi
Das was ich als Wahrheit empfunden.

[00:15:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Natürlich, das ist immer relativ.

[00:15:20.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, sehr interessant. Unglaublich.

[00:15:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt noch etwas zur Methode.

[00:15:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du gekämpft hast. Du bist ein Kämpfer, wenn du gekämpft hast, Kämpfe
ausgefochten hast, gegen was hast du jeweils gekämpft? Wofür hast du gekämpft?

[00:15:45.150] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn du Journalist bist und du siehst irgendeine Geschichte, die ist spannend. Dann
weißt du genau, wenn du das schreibst, dann kriegst du riesigen Ärger mit dem
Regierungsrat, mit dem Stadtrat, mit den eigenen Parteigenossen.

[00:16:03.690] – Dr. Marcel Bertschi

Das ist dieser innere Kampf: soll ich jetzt einfach nichts schreiben und dann habe ich
keinen Ärger, oder…

[00:16:12.810] – Dr. Marcel Bertschi
Es hat mich gereizt, das trotzdem zu schreiben.

[00:16:15.480] – Dr. Marcel Bertschi
Die psychische Spannung ist relativ groß, wenn man den Journalismus ernst nimmt und
das schreibt, was man glaubt schreiben zu müssen.

[00:16:25.380] – Dr. Marcel Bertschi
Wobei es ist immer fraglich. Weshalb soll man über alle Dinge schreiben?

[00:16:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dich hat das gereizt.

[00:16:33.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese unklaren, prickelnden Dinge haben dich gereizt, etwas darüber zu schreiben;
intellektuell auch und natürlich sozial.

[00:16:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, wiederum spannend.

[00:16:50.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da war der Konflikt oder die Auseinandersetzung, die dich gereizt hat. Und wieder: für
was hast du gekämpft in deinen Berichten?

[00:17:01.060] – Dr. Marcel Bertschi
Für eine gerechtere Gesellschaft.

[00:17:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist wieder das gleiche Thema, das dich zur SP gebracht hat.

[00:17:07.930] – Dr. Marcel Bertschi
Genau.

[00:17:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine gerechtere Gesellschaft.

[00:17:14.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage weiter.

[00:17:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist ein politisch interessierter Mensch.

[00:17:22.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Du warst früher sehr politisch engagiert.

[00:17:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie engagierst du dich jetzt politisch?

[00:17:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch gedanklich? Was sagst du zur Politik von heute?

[00:17:37.300] – Dr. Marcel Bertschi
Ich bin jetzt 25 Jahre pensioniert.

[00:17:41.710] – Dr. Marcel Bertschi
Ich habe beruflich keinen Ehrgeiz mehr.

[00:17:45.130] – Dr. Marcel Bertschi

Manchmal juckte es mich irgendwie, was zu schreiben. Aber was soll ich machen? Kein
Mensch hat je gefragt: was interessiert dich?

[00:17:57.430] – Dr. Marcel Bertschi
Als ich noch erster Staatsanwalt war, gab es laufend Gesetzesänderungen im
Strafgesetz. Die sind in Bern ausstudiert worden.

[00:18:06.070] – Dr. Marcel Bertschi
Glaubst du, es hat je ein einziger Nationalrat die Zürcher Staatsanwalt angefragt: was
meint ihr zu dem Gesetz? Ist das Gesetz vernünftig? Könnt damit etwas anfangen. Nie.

[00:18:18.700] – Dr. Marcel Bertschi
Die Leute mit dem politischen Amt glauben ja schon genügend Verstand zu haben.

[00:18:23.190] – Dr. Marcel Bertschi
Es sind dann in Bern die entsprechenden Anwälte, Strafverteidiger. Die haben dafür
gesorgt, dass die Gesetze entsprechend so sind, dass die Anwälte eher sich
durchsetzen können als wir als Strafverfolger.

[00:18:37.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha.

[00:18:38.880] – Dr. Marcel Bertschi
Die meisten Leute, die haben die Weisheit, die wissen das einfach. Wenn man dann
nachfragt, sie wissen gar nichts. Aber sie glauben zu wissen.

[00:18:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr interessant. Ja, das habe ich auch etwas bemerkt, wenn ich mit diesen Juristen zu
tun hatte. Sehr viel Theorie, schön aufgebaute Theorie, aber in der Praxis…

[00:19:04.530] – Dr. Marcel Bertschi
Ist das schwieriger.

[00:19:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird es schwierig, dort wird es trübe.

[00:19:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt frage ich dich ganz konkret zur heutigen Politik.

[00:19:14.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was findest du, das in der heutigen Politik falsch läuft aus deiner Sicht, aus deiner
kritischen Sicht?

[00:19:23.410] – Dr. Marcel Bertschi
Wir sind schneller fertig, wenn ich sage was richtig läuft.

[00:19:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, dann sagst du zuerst was richtig läuft.

[00:19:31.330] – Dr. Marcel Bertschi
Ich persönlich bin der Meinung, die Schweiz ist ein spezielles Gebilde, also Neutralität
und zwar richtige Neutralität gehört zu uns.

[00:19:42.880] – Dr. Marcel Bertschi
Die direkte Demokratie gehört auch zu uns.

[00:19:45.730] – Dr. Marcel Bertschi
Freie Meinungsäußerung, dass jeder seine Meinung äußern kann, sofern er innerhalb
des strafrechtlichen Bereichs ist.

[00:19:55.120] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn es strafrechtliche Artikel verletzt, dann ist natürlich fertig.

[00:19:59.680] – Dr. Marcel Bertschi
Innerhalb dieser ganzen Bandbreite darf und soll man sich äußern können.

[00:20:06.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktioniert das in der Schweiz? Du hast ja etwas das Gegenteil erlebt.

[00:20:11.290] – Dr. Marcel Bertschi
Selbstverständlich immer weniger.

[00:20:15.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weniger als früher.

[00:20:17.080] – Dr. Marcel Bertschi
Ja.

[00:20:20.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum?

[00:20:20.570] – Dr. Marcel Bertschi
Als ich früher noch Redaktor am Volksrecht (heute DAZ) war, war es für mich
selbstverständlich, wenn ich irgendeine Person kritisiert habe, habe ich ihr
selbstverständlich gesagt, du kannst selbstverständlich eine Gegendarstellung bringen.

[00:20:34.820] – Dr. Marcel Bertschi
Das war für mich absolut klar.

[00:20:36.980] – Dr. Marcel Bertschi
Man beschreibt die Fakten, wie man sie kennt und neben dran steht ein Kommentar
und würdigt dann subjektiv die Fakten.

[00:20:48.380] – Dr. Marcel Bertschi

Die heutigen Journalisten, die bringen nur die Fakten eingepackt in die persönliche
Meinung.

[00:20:56.660] – Dr. Marcel Bertschi
Sie können das nicht mehr trennen zwischen Fakten und subjektiver Auffassung.

[00:21:02.870] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn man versucht zu erklären, dass die Ukrainer nicht die Helden des
Freiheitskampfes und die Vorkämpfer für Gerechtigkeit und so weiter sind, sondern
dass es dort auch sehr viel nicht sehr Gutes gibt, dann ist man selbstverständlich ein
Putinversteher oder ein Verschwurbler, ein Verschwörungstheoretiker.

[00:21:28.610] – Dr. Marcel Bertschi
Die Leute sind gar nicht bereit Fakten sich mühsam zu erarbeiten und herauszufinden,
was hat wer wirklich gesagt?

[00:21:40.520] – Dr. Marcel Bertschi
Man spricht über die Leute und nicht mit den Leuten.

[00:21:46.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch ein wichtiger Punkt.

[00:21:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute geht man von vorfabrizierten Meinungen, von Klischees aus und geht dann von
einem Klischee in ein anderes Klischee hinein.

[00:22:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut gar nicht mehr in die Tiefe.

[00:22:05.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Würdest du sagen, warum der Mensch das nicht mehr macht?

[00:22:10.040] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn du im Mainstream mit schwimmst, dann hast du keinen Ärger.

[00:22:16.970] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn du an eine Sitzung gehst und du weißt genau, wenn ich das jetzt erzähle, das
wird garantiert Ärger geben, weil die Mehrheit ist anderer Meinung.

[00:22:21.620] – Dr. Marcel Bertschi
Warum soll ich mir denn Ärger einhandeln und sagen das und das finde ich falsch. Das
und das finde ich richtig, auch wenn ihr alle anderer Meinung seit.

[00:22:36.010] – Dr. Marcel Bertschi
Das kann einem zermürben.

[00:22:50.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Du warst immer ein Mensch, der sich wirklich auseinandergesetzt hat mit diesen
kontroversen Dingen und Themen.

[00:23:03.110] – Dr. Marcel Bertschi
Martin Luther hat einen Spruch gemacht: trink was klar ist, iss was gar ist, red was wahr
ist.

[00:23:20.790] – Dr. Marcel Bertschi
Das gar nicht so schlecht.

[00:23:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr basal und sehr allgemeingültig und zeitlos.

[00:23:30.420] – Dr. Marcel Bertschi
Man hat sich viele Feinde auf der anderen Seite gemacht.

[00:23:34.380] – Dr. Marcel Bertschi
Dann wissen die Leute, was man denkt und welche Haltung man hat.

[00:23:38.670] – Dr. Marcel Bertschi
Nicht: wenn ich in diese Sitzung gehe, dann spreche ich A, und wenn ich dort rede,
spreche ich minus A. Wenn ich dort bin, sage ich gar nichts.

[00:23:48.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sogenannte Fähnchen im Wind, sogenannte Wendehälse.

[00:23:53.310] – Dr. Marcel Bertschi
Ja, klar. Ja.

[00:23:54.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Von denen gibt es viele.

[00:23:56.910] – Dr. Marcel Bertschi
Ich komme damit am besten mit mir selber aus. Ich bin 24 Stunden mit mir selber
zusammen.

[00:24:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann musst du schon etwas mit dir auskommen können.

[00:24:07.890] – Dr. Marcel Bertschi
Am besten muss ich mit mir selber gut auskommen.

[00:24:09.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann bist du im Gleichgewicht. Dann hast du ein gutes Gewissen, dann bist du
zufrieden.

[00:24:14.840] – Dr. Marcel Bertschi

Und ich habe auch weniger Ärger.

[00:24:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

[00:24:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein riesiger Hype.

[00:24:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Studenten, die Ärzte schreiben Berichte mit künstlicher Intelligenz.

[00:24:34.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche behaupten, die überholt unser Gehirn.

[00:24:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran glaube ich nicht.

[00:24:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage dich jetzt als Mensch mit 90-jähriger interessanter Erfahrung.

[00:24:49.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du der nächsten jungen Generation raten, wie sie ihre menschliche
Intelligenz fördern könnten? Die, die du hast.

[00:25:03.170] – Dr. Marcel Bertschi
Alles kritisch hinterfragen. Grundsätzlich.

[00:25:07.670] – Dr. Marcel Bertschi
Es ist nicht verboten, selber zu denken.

[00:25:10.150] – Dr. Marcel Bertschi

Wenn ich einen Apparat habe, der zum Beispiel in der Juristerei mir sämtliche Urteile zu
diesem Problem in Blitzeseile herausfindet und ich nicht mühsam selbst in der
Bibliothek nachschlagen muss, das finde ich in Ordnung.

[00:25:27.910] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn ich dann ein Urteil finde, das mir vernünftig zu sein scheint, dann kann ich alles
abschreiben.

[00:25:35.320] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn ich einer Maschine sage: lese die Akten durch, schaue, was da drin ist, schreibe
einen Antrag an ein Urteil.

[00:25:43.720] – Dr. Marcel Bertschi
So geht das nicht.

[00:25:46.420] – Dr. Marcel Bertschi
Ich begreife die künstliche Intelligenz effektiv nicht, da bin viel zu dumm dazu.

[00:25:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, glaube ich nicht.

[00:25:56.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Was du sagst ist, die künstliche Intelligenz kann hilfreich sein, um einen Bericht so zu
schreiben.

[00:26:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer noch das eigene Hirn verwenden und das anschauen, stimmt das für
mich oder nicht?

[00:26:14.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kommt nicht darum herum, selbst nachzuprüfen, was stimmt.

[00:26:19.900] – Dr. Marcel Bertschi
Kritisch zu hinterfragen: kann das überhaupt stimmen? Passt das mit meiner
Lebenserfahrung überein? Oder habe ich nicht noch andere Ideen, die da gar nicht
berücksichtigt worden sind?

[00:26:31.060] – Dr. Marcel Bertschi
Ich bin nicht sicher, ob die sämtliche Quellen auch aufnehmen oder ob sie nur die
Quellen im Mainstream benutzen, also der Politik, dass sind nur die eine Seite
einarbeiten und gegenteilige Meinungen gar nicht drin sind.

[00:26:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, sie wird so verwendet. Politisch wird sie so verwendet, kann so verwendet
werden. Wissenschaftlich wäre es eigentlich nicht erlaubt.

[00:27:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstliche Intelligenz kann natürlich nur rausbringen, was ihr gefüttert wurde.

[00:27:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein einsamer Weiser nichts füttert, dann kann die KI das auch nicht rausbringen.

[00:27:14.790] – Dr. Marcel Bertschi
Ich werde sauer, wenn die Leute das Klima retten wollen.

[00:27:22.950] – Dr. Marcel Bertschi
Was willst du denn am Klima retten? Das Klima ist.

[00:27:26.130] – Dr. Marcel Bertschi
In Zürich hatte wir vor X Jahren eine sechs Meter hohe Eisschicht.

[00:27:32.910] – Dr. Marcel Bertschi

Das ist alles weg geschmolzen? Weil wir zu viele Autos hatten damals? Damals hat es
noch gar keine Autos gegeben, hat keine Heizung gegeben und das Eis ist weg.

[00:27:43.560] – Dr. Marcel Bertschi
Würde mich interessieren, was hat das bewirkt?

[00:27:47.040] – Dr. Marcel Bertschi
Wenn die Omas gegen Rechts oder Omas fürs Klima mit Plakaten herumlaufen? Dann
schüttelt es mich.

[00:27:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kannst du nur lachen.

[00:27:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du der künstlichen Intelligenz füttern. Welche deiner Weisheiten?

[00:28:09.110] – Dr. Marcel Bertschi
Mein Sohn ist Verwaltungsrechtler. Ich frage ihn jeweils: kannst du das in deinem Beruf
anwenden?

[00:28:22.160] – Dr. Marcel Bertschi
Er antwortet mir dann: in Quellen nachforschen, durchschauen, wo sind zu den
Stichworten die entsprechenden Urteile vorhanden, entsprechende Literaturverweise.
Das ist vernünftig.

[00:28:38.870] – Dr. Marcel Bertschi
Am Schluss muss man immer noch selber denken.

[00:28:40.040] – Dr. Marcel Bertschi
Ist jetzt der Beweis erfüllt?

[00:28:43.880] – Dr. Marcel Bertschi
Ist das überzeugend dargestellt?

[00:28:47.960] – Dr. Marcel Bertschi
Ist die Indizienkette schlüssig oder ist sie nicht schlüssig?

[00:28:49.160] – Dr. Marcel Bertschi
Das kann die künstliche Intelligenz glaube ich im Strafrecht nicht.

[00:28:56.930] – Dr. Marcel Bertschi
Da sind immer subjektive Wertungen dahinter.

[00:29:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer Ja.

[00:29:01.820] – Dr. Marcel Bertschi
Nehmen wir den Fall Keller. Der Bijoutier Keller, der in Winterthur seine Frau
umgebracht hat. Der war ein begabter Schauspieler, ein begabter Lügner. Ich war
absolut sicher, dass er der Täter war.

[00:29:25.580] – Dr. Marcel Bertschi
Nach heutigen DNA Analysen könnte man das heute nachweisen, damals aber nicht.

[00:29:31.520] – Dr. Marcel Bertschi
Es gab einen viewöchigen Geschworenenprozess. Am Schluss hat er ein hinreißendes
Schlussplädoyer gehalten.

[00:29:42.860] – Dr. Marcel Bertschi
Zwei geschworenen Frauen sind die Tränen herunter gelaufen.

[00:29:46.970] – Dr. Marcel Bertschi

Er sagte: sie haben meine schlechten Seiten kennengelernt, ich bin ein schlechter
Mensch, aber ich kann sie nicht mehr anlügen.

[00:29:54.320] – Dr. Marcel Bertschi
Ich kann sie nicht mehr anlügen. Ich kann nur sagen, ich habe meine Frau nicht
umgebracht.

[00:30:00.450] – Dr. Marcel Bertschi
Dann wusste ich, der Prozess ist verloren, ganz knapp wurde frei gesprochen.

[00:30:06.720] – Dr. Marcel Bertschi
Der Präsident kam zu mir. Er war es. Selbstverständlich ist er es gewesen, aber wir
konnten ihn nicht verurteilen.

[00:30:15.810] – Dr. Marcel Bertschi
Der Gerichtsschreiber hat 500 Seiten geschrieben, weshalb alle Indizien für ihn als
Täter sprechen.

[00:30:24.390] – Dr. Marcel Bertschi
Am Schluss kam das Geschworenengericht zur Überzeugung, die Indizienkette reicht
nicht.

[00:30:29.400] – Dr. Marcel Bertschi
Es waren drei Sätze, und er war freigesprochen.

[00:30:32.850] – Dr. Marcel Bertschi
Die subjektive Wertung, die man rein bringt, beim Gericht sowieso, Richter sind auch
nur Menschen. Man kann die beeinflussen, wenn sie wissen, dass das Ärger gibt, wenn
man so entscheidet oder anders, dann ist es fraglich, ob ein Richter dann bei seiner
Meinung bleibt oder nicht.

[00:30:55.680] – Dr. Marcel Bertschi

Das ist das Spannende auch am Strafrecht.

[00:31:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich ist immer auch die ganz persönliche Erfahrung, das kritische Anschauen
und die eigene Moral oder Empfindung massgebend.

[00:31:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erfahrungsweisheit spielt eine Rolle und nicht nur der Paragraph.

[00:31:18.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr interessant.

[00:31:22.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, wir treffen uns da mehr als ich gedacht hätte, drum hab ich dich auch gefragt
für dieses Interview.

[00:31:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wir haben einige Parallelen. Du hast mich oft auch kritisch hinterfragt,
herausgefordert.

[00:31:36.420] – Dr. Marcel Bertschi
Deine Pünktlichkeit ließ zu wünschen übrig.

[00:31:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt. Das stimmt. Das stimmt. Das nehme ich gerne entgegen.

[00:31:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Du warst heute pünktlich und ich habe dich auch pünktlich empfangen.

[00:31:49.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich danke dir sehr für das Gespräch und ich darf dir die Hand reichen.

[00:31:54.870] – Dr. Marcel Bertschi
Du darfst.

Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

13.3.2025
Elternabend zum Thema Umgang mit ADHS/ADS
Audio

[00:00:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüssen zu dem heutigen Abend.

[00:00:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde 20 Minuten Vortrag halten und dann gibt es eine Fragestellung.

[00:00:11.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin der Überzeugung, dass wenn man Fragen stellen darf und so interagiert, lernt
man eigentlich mehr, als wenn ich einfach einen Magistralvortrag halte.

[00:00:24.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, als erstes, und das ist für die Eltern und das gilt auch für die Lehrer.

[00:00:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist es sehr schwierig, Jugendliche zu erziehen.

[00:00:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine grosse Herausforderung.

[00:00:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Achtung für die Lehrer und auch für die Eltern.

[00:00:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher schwieriger als früher.

[00:00:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie haben eine riesige Konkurrenz von den elektronischen Medien und von der ganzen
Unterhaltungsindustrie.

[00:00:50.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich irgendwie mit denen Konkurrenzieren respektive interessanter
gestalten, als was da Büchsenmässig vorfabriziert, verbreitet wird.

[00:01:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeit von den Kindern – man sagt, die Aufmerksamkeit geht eher ein
bisschen zurück.

[00:01:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind nur noch auf kurze Aufmerksamkeit ausgerichtet und ein bisschen
längere Aufmerksamkeit braucht schon ein bisschen mehr Interaktion und immer wieder
Akzent, den man setzen muss.

[00:01:23.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen kann man heutzutage vom Internet abholen.

[00:01:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann irgendeine Frage stellen, schauen und dann kommt eine Antwort.

[00:01:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch wieder, man kann das nicht genau kontrollieren, ob das alles richtig ist,
aber es ist sehr viel Wissen auf dem Internet vorhanden und in dem Sinn wurde das
Wissen demokratisiert.

[00:01:47.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wusste der Lehrer, der Pfarrer und der Arzt im Dorf alles.

[00:01:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren die Leitfiguren.

[00:01:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommen die alle übers Internet rein.

[00:02:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man nicht vom Internet holen kann, das ist die Persönlichkeitsentwicklung.

[00:02:06.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage ist es enorm wichtig und am wichtigsten, dass sowohl die Schule als auch
die Eltern helfen dem speziellen Individuum, ihr Kind, ihr Schüler, die eigene
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Persönlichkeit kann kaputt gemacht werden durch all das Konservendenken,
Konservenbilder, Konserveninformation.

[00:02:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte ihnen eigentlich heute Abend Mut machen, ihren Kindern zu helfen, ihre
Persönlichkeit zu entwickeln.

[00:02:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft nicht über gehorsam.

[00:02:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das nicht mehr so.

[00:02:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über intrinsische Motivation.

[00:02:54.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind neugierig ist, wenn man die Neugier des Kindes wecken kann, dann
lernt es auch gerne.

[00:02:57.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Mensch, dem Kind, dem Jugendlichen ist eine natürliche, eingeborene Neugier
gegeben.

[00:03:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch will lernen.

[00:03:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein lernfreudiges Wesen.

[00:03:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Interesse am Lernen kann auch kaputt gemacht werden, wenn man ständig
korrigiert wird.

[00:03:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Schulbesuch meiner ältesten Tochter hat ein Junge eine Frage gestellt.

[00:03:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson hat geantwortet: das passt jetzt nicht zu dem Thema, vielleicht später.

[00:03:38.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neugier des Kindes wurde abgeklemmt.

[00:03:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir die Neugier beim Kind beibehalten können.

[00:03:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind von Natur aus neugierig.

[00:03:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen wir zum ADHS/ADS.

[00:03:58.370] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperkinetisches-Syndrom.

[00:04:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich teile in ADHS und ADS auf.

[00:04:10.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater und Ärzte beurteilen immer nach der Störung.

[00:04:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich benenne das um und sage: die ADHS/ADS-Kinder haben eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:04:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind neugierig.

[00:04:30.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie interessiert alles.

[00:04:32.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer nicht genügend interessant ist oder der Stoff sie nicht genügend
interessiert, oder sie denken, ich kenne das schon, ich habe es schon auf dem Internet
angeschaut, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:04:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht die Aufmerksamkeit zum Fenster raus, sie geht zum Nachbar, sie schaut
irgendwelche Details an.

[00:04:52.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne lassen sich ADHS/ADS Kinder leicht ablenken.

[00:04:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur eine Störung in Bezug auf den Unterricht. Es ist nicht eine Störung
allgemein.

[00:05:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Hundehalter sind oder schon Hunde gesehen haben, wenn die in den Raum
reinkommen, dann schmecken die alles ab, schauen was da alles ist.

[00:05:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann wissen sie, was ihr Territorium ist, dann kann sich der Hund hinlegen.

[00:05:17.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sogenannte Aufmerksamkeitsstörung ist aus meiner Sicht eine breite
Aufmerksamkeit.

[00:05:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben sie auch zusammen mit dieser breiten Aufmerksamkeit eine schnelle
Auffassungsgabe.

[00:05:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht oft einher mit Intelligenz.

[00:05:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine schnelle Auffassungsgabe haben, dann wird es ihnen schnell langweilig.

[00:05:42.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich hatte ein intelligentes, mathematisch begabtes Kind in Basel. Der hat schon von
Selbstmord gesprochen, weil es ihm in der Schule zu langweilig war.

[00:05:53.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wurde zu sehr in ein Käfig gesperrt und hat das fast nicht mehr ausgehalten.

[00:05:59.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter musste ich sagen: geben sie dem Kind mehr Nahrung. Das hat sie in der
Ferien gemacht. Dann ging es dem Kind gut.

[00:05:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat es auch dem Lehrer gesagt. Der Lehrer antwortete: das könne er nicht oder nur
bis zu einem gewissen Grad.

[00:06:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht unbedingt, dass man in die Begabtenförderung gehen muss.

[00:06:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann auch vom normalen Klassenlehrer gemacht werden.

[00:06:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:06:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS-Kinder muss man herausfinden, sind sie unterfordert, weil es ihnen
schnell langweilig wird?

[00:06:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas können, haben sie das Gefühl: ich weiss jetzt das, ich muss nicht mehr
zuhören.

[00:06:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder weil sie überfordert werden.

[00:06:49.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was oft mit ADHS/ADS einhergeht ist eine Lernstörung in einem Gebiet.

[00:06:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von der Legasthenie, heute spricht man von der Lese- und
Rechtschreibestörung (LRS).

[00:06:56.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Dyskalkulie, das ist ein Problem in der Mathematik.

[00:07:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben beides: Dyskalkulie und Legasthenie.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr speziell begabt in einem dieser Gebiete.

[00:07:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können im Sportlichen sehr begabt sein.

[00:07:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort können sie ihre Emotionen und ihre Aktivität gut ausleben.

[00:07:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das nicht können und immer still sitzen müssen, dann verzappeln sie fast und
halten das gar nicht aus.

[00:07:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Lehrpersonen welche damit umgehen können sagen: jetzt rennst Du dreimal um das
Schulhaus und dann kommst Du wieder. Dann geht es.

[00:07:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADS Kinder nach dem Turnunterricht wieder in die Stunde gehen, dann ist
ihre Aufmerksamkeit besser. Dann machen sie besser mit und machen auch bessere
Noten.

[00:07:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aktivität ist hilfreich.

[00:07:59.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn muss der Lehrer oder die Lehrperson oder die Eltern immer ein bisschen
der Neugier voraus sein, denn sonst müssen sie das Kind immer bremsen und das ist
nicht gut.

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finden sie auch in meinen 13 Thesen.

[00:08:16.736] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:08:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nie Nein sagen.

[00:08:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer sagen wie man es möchte.

[00:08:26.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man Nein sagt, ist man in Konkurrenz.

[00:08:29.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben den grossen Drang: Ich habe jetzt etwas im Kopf. Sie sind dickköpfig.

[00:08:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie dann bremst, dann läuft gar nichts mehr.

[00:08:37.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen voraus sein und sehen, was könnte jetzt kommen und dann
muss man sie auf das hin führen.

[00:08:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Nein sagen, sondern sagen, was man will.

[00:08:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto Struktur ist es auch wichtig, dass man am Anfang sagt, wie man es gerne will.

[00:08:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viele Regeln, eher wenig Regeln, aber diese klar und konsequent.

[00:08:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst aber nicht, wenn das Kind die Regeln nicht einhält, dass man das Kind
bestrafen soll.

[00:09:03.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafe funktioniert nicht gut beim ADHS/ADS Kind. Im Gegenteil, dann muss das Kind
nur aufmüpfig werden.

[00:09:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein. Sie haben einen Dickkopf.
Wenn sie etwas im Kopf haben, gehen sie mit dem Kopf durch die Wand.

[00:09:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss früh genug in den Prozess reinkommen, damit man sie leiten kann.

[00:09:28.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie eher führen und nicht zum Gehorsam bringen.

[00:09:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer noch, wie in der Schule, im Schulsystem mit Bestrafung gearbeitet
wird. Es muss Konsequenzen geben.

[00:09:46.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss das Kind führen.

[00:09:49.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine Regeln, die man hat, immer wieder anmahnen.

[00:09:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, das ist die Hyperkinese.

[00:10:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H ist die Hyperkinese.

[00:10:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, der Zappelphilipp, welcher schon Dr. Hoffmann beobachtet
hat, ohne dass er von ADHS/ADS geredet hat.

[00:10:12.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die motorische Unruhe, die bringt mit sich, dass sie ihr Hirn aktivieren können.

[00:10:18.900] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Sinn wird heute bei der Lernmethode auch gesagt, man lernt besser, wenn man
noch irgendeine Bewegung machen kann, ein Sprüchlein sagen kann, irgendeine
Zeichensprache.

[00:10:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Sinne beansprucht werden um etwas zu Lernen, umso besser wird das im Hirn
integriert.

[00:10:39.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen oft noch zusätzliche Bewegung, um sich zu aktivieren.

[00:10:45.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse zeichnen, andere grübeln an etwas herum.

[00:10:45.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen das um sich zu aktivieren.

[00:10:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz unterschiedlich.

[00:10:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder lernen gern im grössten Lärm, andere müssen in ihrem Zimmer sein
und es muss ruhig sein.

[00:11:06.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft wird oft übergangen.

[00:11:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe, sensible Wahrnehmung.

[00:11:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich eine Mutter frage: welches von ihren Kindern merkt zuerst wenn es ihnen
nicht gut geht, dann sagt sie immer: das ADHS/ADS-Kind.

[00:11:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern nehmen Stimmungen wahr, sie nehmen kleine Veränderungen
wahr.

[00:11:29.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine sehr sensible Wahrnehmung.

[00:11:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sensible Wahrnehmung, die kann natürlich mit sich bringen, dass sie schnell
verletzt werden.

[00:11:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder und speziell Buben, wenn die dann verletzt werden, dann reagieren
sie aggressiv darauf.

[00:11:47.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es einen riesigen Streit, dann wird gestritten miteinander, dreingeschlagen
etc.

[00:11:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht dann immer nur den der dreinschlägt.

[00:11:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung vorne dran, die sieht man nicht und die wird oft auch nicht angeschaut.

[00:12:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in Gefängnissen gearbeitet, ich bin in der Strafvollzugskommission gewesen.

[00:12:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war letzte Woche an einer Tagung über Kriminologie.

[00:12:10.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Menschen.

[00:12:16.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wollen wir dann immer oben herunterholen mit Bestrafung.

[00:12:20.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau das funktioniert nicht.

[00:12:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in der Pause Streit gibt oder unter den Geschwistern Streit gibt, geht es
darum, dass man nie den Täter und das Opfer darstellt, sondern dass man immer auf
den Prozess eingeht: Was ist das Problem?

[00:12:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dein Problem, was ist sein Problem? Was finden wir für eine Lösung?

[00:12:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern mit dem Kind zu mir kommen, wird das Problem geschildert und ich
frage immer auch das Kind: was siehst du als Lösung?

[00:12:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage nicht die Mutter oder den Vater: was ist die Lösung? Ich frage das Kind.

[00:13:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, ich will das Kind beteiligen am Prozess und an der Lösungsfindung.

[00:13:14.050] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich denke, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.

[00:13:16.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft, das steht aber nicht in der ADHS/ADS-Nomenklatur.

[00:13:24.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr empathisch und sie wollen gerne mitarbeiten.

[00:13:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen und die ADHSler sind sehr soziale Wesen.

[00:13:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie verletzt, dann werden sie bösartig, verrückt, aggressiv und sind zu
einigen Sachen fähig.

[00:13:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir natürlich nicht.

[00:13:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sie weiter noch haben, ist ein sehr hoher Gerechtigkeitssinn.

[00:13:49.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen auch alle.

[00:13:52.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ertragen es überhaupt nicht, wenn irgendwo Ungerechtigkeit abläuft.

[00:13:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern auch in Bezug auf ihre
Klassenkameraden.

[00:14:02.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kind im Aargau, ein Mädchen, und die hat gefunden, die Lehrerin macht
das nicht gut mit den Schülern und sie tut immer jemandem bevorzugen.

[00:14:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lässt immer einen Jungen zu, dass der die ganze Klasse beherrscht.

[00:14:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat wirklich die Schule verweigert und für immer.

[00:14:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich mussten wir Homeschooling machen.

[00:14:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht wegen ihr gewesen, dass sie nicht zuschauen konnte. Es war wegen der
gesamten Atmosphäre in der Klasse.

[00:14:34.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gerechtigkeitssinn ist etwas ganz, ganz Wichtiges auch bei den ADHS/ADS
Kindern.

[00:14:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ich nicht gesagt habe, die mangelnde Impulskontrolle, das ist wieder negativ.

[00:14:51.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verletzt werden, dann reagieren sie schnell aggressiv.

[00:14:56.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aggressive, sie sind nicht von sich aus böse, überhaupt nicht.

[00:15:01.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Aggressivität ist immer eine Selbstverteidigung.

[00:15:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man wissen.

[00:15:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man immer einmal zurückgehen und fragen: was hat dich verletzt, dass du so
ausgerastet bist?

[00:15:15.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen wir zum ADS.

[00:15:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ist keine Krankheit, sondern es ist ein Genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind vererbte Eigenschaften.

[00:15:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es statistisch anschaut: 80 bis 85% ist alles vererbt und darum kann man
das nicht einfach umerziehen oder weg behandeln.

[00:15:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein genetisch vererbter Genotyp.

[00:15:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS geht die Aggressivität, die Hyperaktivität nach aussen.

[00:15:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS geht es nach innen.

[00:16:03.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADS, die sind nach aussen vielleicht ganz ruhig, aber sie beginnen zu hirnen.

[00:16:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen viele Gedankengänge durch und haben dann Mühe mit Entscheidungen.

[00:16:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken alles Mögliche durch, was alles passieren könnte, was sie tun könnten. Sie
gehen X Lösungsvorschläge durch.

[00:16:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule werden sie Träumer genannt. Sie haben einen Anhaltspunkt und dann
wird darüber nachstudiert.

[00:16:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist eine gedankliche Hyperaktivität.

[00:16:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht interessant ist, schweifen ADSler ab, beginnen zu träumen.

[00:16:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler stört eher.

[00:17:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADSler, welche riesige Geschichten erfinden. Sie unterhalten sich mit
Geschichten erfinden.

[00:17:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablenkbarkeit ist auch gross, wenn wieder das Thema nicht interessant genug ist.

[00:17:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei emotionalen Verletzungen, wenn man sie kränkt, ziehen sie sich eher zurück.

[00:17:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz extrem wird, kommt es zur Kommunikationsverweigerung.

[00:17:29.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von Autismus.

[00:17:40.890] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie werden immer wieder neue Kategorien daraus gemacht.

[00:17:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden nicht so leicht aggressiv.

[00:17:43.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu stark verletzt oder in die Enge treibt, dann können sie je nachdem
auch aggressiv werden.

[00:17:54.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADS-Menschen sich wohlfühlen in der Umgebung, in ihrem Umfeld, dann können
sie auch reden ohne Punkt und ohne Koma.

[00:18:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft die gedankliche Aktivität über die Kommunikation nach aussen.

[00:18:11.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für mich ganz, ganz wichtig ist und das wäre für die Lehrer wichtig und das ist auch
für die Eltern wichtig. ADHS/ADS Kinder müssen immer intrinsisch motiviert sein.

[00:18:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihre Neugier packen können.

[00:18:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht über Gehorsam motivieren, man muss sie fordern können.

[00:18:32.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ihre Interessen wecken können.

[00:18:38.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat die Psychiatrie gesagt, das gibt es gar nicht, ADHS/ADS.

[00:18:50.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Kinderärzte haben gesagt, das gibt es nicht.

[00:18:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte waren die Ersten, die angefangen haben es anzuschauen.

[00:18:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist es in aller Munde.

[00:18:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nach wie vor als Krankheit angeschaut.

[00:19:00.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Krankheit hat, dann nimmt man Medikamente.

[00:19:07.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente sind alles Stimulanzien. Das sind alles Medikamente, die das Gehirn
stressen.

[00:19:14.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Über motorische Aktivität, über Turnen, über sich bewegen, macht der Mensch das
selber. Mit Sport wird selber Adrenalin und Dopamin gefördert.

[00:19:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit künstlich zugeführten Medikamenten, da wird es dann von aussen her gefördert.

[00:19:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente helfen nur um sich fokussieren zu können auf das, was die Schule einem
bietet oder vielleicht die Lehrer, das Schulmaterial.

[00:19:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin hilft überhaupt nicht, die Persönlichkeit zu fördern.

[00:19:54.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass in einer individualisierten Gesellschaft die verschiedenen
Persönlichkeiten gefördert werden und dass die ihre Talente ausleben können.

[00:20:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Wenn man sie nur an die Ärzte ab delegiert, wird an
erster Stelle nur mit Medikamenten gearbeitet.

[00:20:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur mit Medikamenten arbeitet, wird der emotionale Hirnteil nicht gefördert,
der wird eher ausgeblendet.

[00:20:12.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist dazu da, zum sozialen Lernen.

[00:20:37.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir werden emotional unzufrieden oder glücklich. Unser emotionales Gehirn reagiert
auf alle Inputs, die von aussen kommen als erstes.

[00:20:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das prozessiert alles.

[00:20:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man Medikamente nimmt, wird das emotionale Hirn eher unterdrückt.

[00:20:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schade. Da fällt etwas weg. Es fällt eine gewisse Menschlichkeit weg.

[00:20:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse ADHS/ADSler sagen das auch.

[00:21:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme die Medikamente nicht gerne. Dann spüre ich mich nicht mehr so gut, ich
spüre die anderen nicht mehr so gut.

[00:21:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Wissenschaft rutscht immer mehr in Richtung kognitiv. Ich sehe, wie
das emotionale Gehirn vernachlässigt wird.

[00:21:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe wie Ärzte die Patienten behandeln. Ich höre viele Patienten, die klagen: der
Arzt schaut mich gar nicht mehr an, er schreibt nur noch am Computer. Es sind nur
noch Tests.

[00:21:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr dafür, dass man die Menschlichkeit fördert und dass wir in unseren
Kindern auch die Menschlichkeit und das emotionale Hirn, die Sozialkompetenz, die
Social Skills, dass das mehr gefördert wird, dass man auf das achtet.

[00:22:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wo sind ihre grössten Stolpersteine? Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren
neurodivergenten Kindern?

[00:22:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo sind ihre grössten Probleme mit ihren eigenen Kindern oder die Freunde ihrer
Kinder, welche dann ihre Kinder stören?

[00:22:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von den Problemen, können wir immer gucken, wie können wir besser lernen
damit umzugehen.

[00:22:37.300] – Bemerkung 1
Ich befasse mich 10 Jahre weniger lang mit ADHS/ADS als sie, also erst 30 Jahre aber
intensiv, zum Teil auch wissenschaftlich. Ich habe Symposien besucht zu diesem
Thema, Literatur gelesen zu diesem Thema.

[00:22:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können sie auch als Quelle verwenden.

[00:22:54.230] – Bemerkung 1
Ihre Ausführungen haben vieles in mir vibrieren lassen.

[00:23:00.000] – Bemerkung 1
Ich bin doppelt betroffen. Ich habe einen 37-jährigen Sohn, der an ADHS/ADS gelitten
hat, der heute noch leidet unter den Folgen.

[00:23:13.790] – Bemerkung 1
Vor allem unter den Erfolgen von dem, was er erlebt hat an Schulen und Institutionen
und mit Beratungspersonen und Sozialdienst und schulpsychologischer Dienst und,
und, und.

[00:23:24.990] – Bemerkung 1

Mein Sohn wurde kaputt therapiert.

[00:23:25.200] – Bemerkung 1
Zur Zeit habe ich einen 13-jährigen Sohn, der an der Schule ist. Beim Eintritt hat er
auch Probleme verursacht.

[00:23:33.790] – Bemerkung 1
Er hatte heftige Reaktionen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Dann ist er
angeeckt.

[00:23:41.500] – Bemerkung 1
Er fühlt sich zum ersten Mal seit dem Kindergarten an der Schule zu Hause.

[00:23:58.900] – Bemerkung 1
Das ist vielen Massnahmen zu verdanken, nicht zuletzt der Schule selber.

[00:24:09.040] – Bemerkung 1
Die Schule hat versucht Möglichkeiten zu schaffen, dass er mit seinen speziellen
Bedürfnissen irgendwie in die Gänge kommt.

[00:24:18.180] – Bemerkung 1
Das hat eine deutliche Besserung gebracht.

[00:24:40.000] – Bemerkung 1
Ich bin Naturwissenschaftler von der Ausbildung her. Ich habe 32 Jahre mit einer
Psychotherapeutin zusammen gelebt. Ich kenne auch diese Seite vom Leben.

[00:24:48.020] – Bemerkung 1
In der zweiten Klasse hat es geheissen: wir sind nun am Ende von unserem Latein. Das
geht einfach nicht. Wann nimmt das Kind endlich Ritalin?

[00:24:48.180] – Bemerkung 1
Das war an einem Elterngespräch, 10 Tage vor den Sommerferien. Meine Frau war im
Ausland. Mir gegenüber sind sechs Personen gesessen. Das war ein bisschen viel.

[00:24:58.260] – Bemerkung 1
Wann schmeissen sie endlich Ritalin rein?

[00:25:21.220] – Bemerkung 1
Der Lehrerin habe ich gesagt, dass sie eine Grenze überschritten hat. Es steht ihr nicht
zu irgendwelche medizinischen Diagnosen zu stellen oder irgendwelche Therapien zu
empfehlen.

[00:25:37.920] – Bemerkung 1
Als empathischer Mensch sehe ich auch die Situation der Lehrerinnen und Lehrer. Die
müssen Ordnung in der Klasse haben mit 24 Schülern.

[00:25:42.880] – Bemerkung 1
Es muss ein geordneter Unterricht möglich sein und man möchte jedem Kind entgegen
kommen. Kein Kind kann den ADHS/ADSler beanspruchen die ganze Zeit.

[00:26:01.720] – Bemerkung 1
Das geht auch nicht.

[00:26:24.140] – Bemerkung 1
Die Schlüsselfrage für mich ist: wie erreicht man es, dass man auf diese besonderen
Bedürfnisse von den Kindern eingeht, das Verstehen von diesen besonderen
Bedürfnissen möglich ist und andererseits doch eben der sozial nötige geordnete
Klassenbetrieb möglich ist?

[00:26:54.310] – Bemerkung 1
Das finde ich schwer lösbar.

[00:26:54.400] – Bemerkung 1
Dort verstehe ich, wenn die Lehrerinnen und Lehrer sagen: ich bin am Ende von
meinem Latein. Ich weiss nicht, was ich noch machen kann.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Überforderung ist nie gut, für keinen Menschen gut und angenehm.

[00:27:02.460] – Bemerkung 1
Ich habe jetzt zwei Mal erlebt, dass über lange, lange Strecken sehr viel Unverständnis
kommt, eigentlich auf den Punkt gebracht heisst es immer: das geht nicht, das müssen
sie abschaffen.

[00:27:28.480] – Bemerkung 1
Ich bin es müde geworden, das zu hören.

[00:27:43.760] – Bemerkung 1
Um das zu demonstrieren habe ich meinen Sohn knapp an der Schmerzgrenze an den
Haaren gezogen.

[00:27:52.810] – Bemerkung 1
Er hat mir eines in die Fresse gehauen, mein Brille demoliert und gesagt: du
verdammtes Hurenarschloch.

[00:27:52.940] – Bemerkung 1
Das war eine bewusste übergriffige Provokation meinerseits. Ich wollte der Lehrerin
zeigen, wie es ausarten kann.

[00:28:33.640] – Bemerkung 1
Das Dilemma ist für die Lehrkräfte eine Schlüsselfrage. Ich vermisse über die dreissig
Jahre einen Fortschritt. Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule und
Gymnasium.

[00:28:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin mit Ihnen einverstanden. Es ist eine schwierige Sache, darum habe ich am
Anfang auch gesagt: es gibt verschiedene Möglichkeiten.

[00:29:02.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein, sage ich: die Lehrer werden zu wenig unterstützt.

[00:29:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Modell, welches man verwendet, man verwendet für jedes Kind dann noch einen
Sozialpädagogen/Heilpädagogen, Lernbegleitung etc.

[00:29:14.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein ADHS/ADS Kind, das ging genau an dem Tag nicht in die Schule, wo es
einen Heilpädagogen hatte, weil es dadurch aus der Klasse ausgeschlossen wird.

[00:29:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall eine medizinische Person anhängen ist keine Lösung.

[00:29:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen mehr unterstützt werden.

[00:29:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler, die Präsidentin der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer sagt, es müssen
immer zwei Lehrpersonen pro Klasse sein.

[00:29:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Geld rausnehmen würden aus der Justiz, aus der Medizin und in die Schule
stecken würden, hätten wir Geld gespart.

[00:30:04.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Überlegung ist noch nicht da.

[00:30:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Was schlagen die Eltern als Konsumenten der Schule vor?

[00:30:22.260] – Bemerkung 2
Ich habe zwei Jungs, 1. Sekundarklasse und 6. Pirmarklasse. Beide haben eine ADHS/
ADS Diagnose.

[00:30:22.310] – Bemerkung 2
Wie haben uns für den Medikamentenweg entschieden. Ich bin sehr froh darüber, mit
seinen Nachteilen.

[00:30:50.100] – Bemerkung 2
Ich fände auch schöner, wenn die Schule anders wäre.

[00:30:52.740] – Bemerkung 2
Unsere Kinder sind hier in diesem Schulhaus. Wir können nicht zaubern.

[00:30:52.830] – Bemerkung 2
Ich habe viel gekämpft auf verschiedenen Ebenen. Es ging nicht. Entweder nehme ich
die Kinder aus der Schule oder die Kinder nehmen eine niedrige Dosierung der
Medikamente. Ich habe keinen anderen Weg gesehen.

[00:32:11.640] – Bemerkung 2
Ich wünsche mir, dass meine Kinder einen Beruf finden, das Umfeld haben, wo sie
darauf verzichten können, weil sie ihre Fähigkeiten und ihre Vorzüge, die sie haben, so
brauchen können, dass es nicht notwendig ist.

[00:32:28.440] – Bemerkung 2
Ich bin selber ADHS/ADS. Ich habe auch die Abklärung gemacht.

[00:32:45.290] – Bemerkung 2
Ich nehme auch punktuell Medikamente und kann darum mit gewissen Situation besser
umgehen. Wenn ich mit den Kindern lernen muss, kann ich das nicht ohne
Medikamente tun. Sonst haben wir zu Hause sofort Chaos. Es ist ein Dämpfen.

[00:33:22.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verstehe sie sehr gut. Ich verweigere niemandem die Medikamente.

[00:33:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lasse immer die Eltern entscheiden, ob sie wollen, dass ihr Kind Medikamente
nimmt oder nicht. Ich verweigere es nie.

[00:33:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann Wunder wirken, die Noten gehen hoch. Wir leben in diesem Schulsystem. Das
kann man schon sagen. Wir können das nicht ändern.

[00:33:46.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut ein Entscheid.

[00:33:56.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern von ADHS/ADS Kinder lassen sich auch abklären und sehen dann, dass sie
die gleichen Gene haben.

[00:34:08.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Leuten, welche eine zweite Ausbildung machen, denen verschreibe ich es auch für den
Schultag. Man kann besser aufpassen. Es ist so.

[00:34:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben die Medizinstudenten Ritalin genommen und die Prüfungen zu bestehen.
Damals war es noch verboten.

[00:34:34.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich brauche immer mehr Betäubungsmittelblöcke, weil einfach so viele Leute das
brauchen und wollen.

[00:34:41.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente zu geben ist nicht alles.

[00:34:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch das Umfeld begleiten, den Lehrer begleiten.

[00:34:57.100] – Bemerkung 3
Beim jüngsten Sohn sind wir immer nur am kämpfen, dass die Lehrpersonen seinen
Charakter einfach nur akzeptieren. Ich höre immer nur: es geht nicht, zuviel Aufwand.
Es sind kleine Dinge. Hausaufgaben im Thek etc.

[00:35:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind noch weitere Lehrpersonen anwesend?

[00:35:29.680] – Bemerkung 4
Ich bin schulische Heilpädagogin und begleite auch in der Schule seit Jahren diese
Thematik, mit Medikamenten, ohne Medikamente. Unser Tochter ist auch diagnostiziert.

[00:36:09.810] – Bemerkung 4
Ich finde es sehr wichtig, dass die Schule und die Eltern im Austausch sind und
versuchen zusammen das Kind zu begleiten. Das braucht viel und es braucht von
beiden Seiten Verständnis um das Kind zu fördern.

[00:36:10.130] – Bemerkung 4
Die Belastungen sind hoch, bei den Eltern und bei den Lehrpersonen.

[00:37:21.250] – Bemerkung 4
Die Bandbreite bei der Schule ich hoch. Es ist wichtig, dass die Lehrpersonen wissen,
was ein ADHS/ADS ist, wie wirkt sich das aus?

[00:37:21.530] – Bemerkung 4
Medikamente erlebe ich sehr unterschiedlich. Ein Kind hat gesagt: jetzt habe ich endlich
kein Radio mehr im Kopf. Jetzt verstehe ich, was erzählt wird.

[00:37:53.730] – Bemerkung 4
Als Mutter und als SHP muss man schauen, was im Moment das Beste ist für das Kind.

[00:39:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind ist anders, jede Situation ist anders. Jede Lehrperson verwendet andere
Methoden. Die Lehrperson und das Kind müssen zusammen rausfinden wie es geht.

[00:39:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagen andere Lehrervertreter dazu?

[00:39:38.960] – Bemerkung 5
Was ich von ihnen gehört habe, das ist unser Alltag. Das kennen wir gut.

[00:39:39.310] – Bemerkung 5
ADHS/ADS ist heute in aller Munde, man kennt es.

[00:39:39.490] – Bemerkung 5
Was klar zugenommen hat, sind die Medikamente.

[00:39:59.480] – Bemerkung 5
Wenn wir Jugendliche haben, welche von der Tagesschule abgemeldet werden, weil sie
über den Mittag keinen Hunger haben, denke ich: Um Himmels Willen. Essen wollen sie
doch. Das ist immer das Erste.

[00:40:34.720] – Bemerkung 5

Es gibt Medikamente, welche es ermöglichen, dass der Jugendliche am Unterricht
teilnehmen kann, alle sind froh darum. Er hat aber keinen Appetit mehr beim
Mittagessen, dann denke ich: etwas stimmt nicht.

[00:41:04.870] – Bemerkung 5
Sie haben mir aus dem Herzen geredet: wir sind soziale Wesen. Gemeinschaft ist
etwas Wichtiges. Zusammen eine Klasse sein, dass 24 Schüler zusammen etwas
lernen können, finde ich extrem wichtig.

[00:41:26.430] – Bemerkung 5
Unterschiedliche Schüler haben unterschiedliche Bedürfnisse. Das ist ein Clinch.
Gewisse wollen ins Gymnasium, andere nicht. Es ist schwieriger geworden. Wir
müssen Lösungen finden, wie wir das bewerkstelligen können.

[00:42:22.680] – Bemerkung 5
Es braucht einfache Rezepte.

[00:42:24.210] – Bemerkung 5
Wir haben eine Spezialistin für Bewegungspausen. Wir brauchen etwas, das allen gut
tut.

[00:42:30.600] – Bemerkung 5
Die Eskalation geschieht. Dann muss man eine Pause machen.

[00:43:05.240] – Bemerkung 5
Schmiede das Eisen wenn es kalt ist.

[00:43:05.260] – Bemerkung 5
Wir wissen wie wir die Eskalation mit einem ADHS/ADS Kind anheizen können. Jetzt
sollte ich der Profi sein im Umgang mit ADHS/ADS. Mit den eigenen Kindern kann es
schwieriger sein, einen Schritt zurück zu treten.

[00:44:10.870] – Bemerkung 5
In der Konfliktsuche geht es dann immer um: was sind die Optionen gewesen, wie
könntest du es anders machen?

[00:44:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:44:31.170] – Bemerkung 5
Die dritte Ebene sind die Kündigungen. Gewissen Lehrpersonen ist es zu streng.

[00:44:34.260] – Bemerkung 6
Gewissen Leuten ist es heute auch zu streng Bundesrat zu sein.

[00:44:37.140] – Bemerkung 7
Die intrinsische Motivation ist auch wichtig, inkl. der individuellen Lernzeit. Dort haben
wir den Stundenplan angepasst. Zu Beginn der Lernzeit muss man sich sammeln. 30
Minuten sind lange. Die Qualität ist liegt weit auseinander.

[00:46:53.100] – Bemerkung 8
Die integrative Schule hilft uns sehr. Wir haben eine kombinierte Sekundarschule. Die
unterschiede in den Klassen gehen stark auseinander. Wir haben ein sehr breites
Spektrum. Es können nicht alle das gleiche tun. Das ist die grosse Herausforderung für
die Lehrpersonen. Die müssen auch entsprechend ausgebildet werden.

[00:47:32.120] – Bemerkung 8
Die jungen Lehrpersonen investieren sehr viel. Zum Teil braucht es auch eine
Bewegungspause. Die Kinder sollen auch ein Uno spielen dürfen, falls sie das wollen.
Junge Lehrpersonen setzen sich auch sehr viel Druck selber auf.

[00:48:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr. Wir sind immer darauf ausgerichtet: schneller, besser, effizienter.

[00:48:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe akademische Leute, die akademisch weit gekommen sind. Emotional sind sie
stehen geblieben. Das bringt es nicht.

[00:48:45.610] – Bemerkung 9
In den Lehrmitteln geht man nur von einem Lernverhalten aus. Gewisse Dinge können
gewisse Kinder nicht.

[00:48:56.160] – Bemerkung 9
Oft meint man, dass alle das Gleiche tun müssen. Das finde ich schwierig. Wenn man
das loslassen kann, wird es für das Kind auch einfacher. Dann kann man vieles
loslassen.

[00:48:56.380] – Bemerkung 10
Wenn man meint, dass man eine Abkürzung nehmen kann, dann landet man auf dem
viel längeren Weg. Abkürzungen sind selten konstruktiv.

[00:49:07.280] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist nicht ohne Nachteile.

[00:49:51.090] – Bemerkung 10
Mein jetziger Junge ist stark untergewichtig. Am Wochenende ist er ganz anders, in den
Ferien ist er ganz anders. Es gibt Nebenwirkungen. Methylphenidat macht den
Menschen zum Zombie.

[00:50:12.160] – Bemerkung 10
Es kann ein Hilfsmittel sein. Unser Arzt hat bei grösseren Schwierigkeiten einfach die
Dosis erhöht.

[00:50:51.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja ich weiss.

[00:50:51.250] – Bemerkung 10
Das ist für mich völlig der falsche Weg. 10mg, 20mg, 80mg.

[00:50:53.150] – Bemerkung 10
Den grössten Fortschritt haben wir immer mit einer menschlichen Interaktion erzielt. Mit
der Klassenlehrperson, mit dem Turnlehrer, mit einem psychomotorischen Training, mit
einer hervorragenden Trainerin, die geduldig, empathisch und einfühlsam war.

[00:51:28.300] – Bemerkung 10
Man muss seine Zuschauer gerne haben, man muss seine Schüler gerne haben. Der
didaktische Eros hat nichts mit Pädophilie zu tun.

[00:51:32.480] – Bemerkung 10
Mein Sohn hat jetzt einen sehr guten Therapeuten.

[00:52:20.050] – Bemerkung 10
Methylphenidat ist kein Wundermittel. Es stimuliert und dämpft.

[00:52:22.830] – Bemerkung 10
Das Ziel ist nicht, dass der Mensch einfach funktioniert wie eine Maschine. Wir sind
keine Maschinen.

[00:52:30.120] – Bemerkung 10
Das Ziel ist, dass der Mensch seine Persönlichkeit entwickeln, entfalten kann; zu einem
reifen, verantwortungsbewussten Menschen wird, der auch in der Gesellschaft seine
Position und seine Rolle kann spielen kann und seine Aufgaben wahrnehmen kann.
Das braucht Geduld, Geduld und Liebe und nochmals Geduld und Liebe.

[00:52:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt mit dem Lehrer. Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:52:54.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss immer einen Kontakt herstellen zum Kind. Dann lernt das Kind auch mit.

[00:53:16.040] – Bemerkung 11
Ich habe eine Frage zum Vorgehen in der Schule. Unser Sohn fand es gar nicht lustig,
dass er einen Nachteilsausgleich bekommt. Er fand das sehr stigmatisierend. Wie wird
das in der Klasse gehandhabt mit den Heilpädagogen?

[00:54:20.640] – Bemerkung 12
Wir versuchen möglichst viele Ressourcen in der Klasse einzusetzen. Wir fragen, wer
Lust hat hinten am Tisch die Aufgaben zu lösen. Dann kommen die Kinder immer.

[00:55:13.340] – Bemerkung 12
Kinder die viel Unordnung haben zu denen gehen wir regelmässig und packen mit
ihnen die Tasche aus. Warum ist die Agenda leer? Das schauen wir auch nach der
Schule an.

[00:55:35.920] – Bemerkung 13
Ich war mir darüber nicht sicher.

[00:55:49.620] – Bemerkung 14
Gewisse Förderressourcen kann man direkt dem Kind zuordnen. z.B. Deutsch als
Zweitsprache.

[00:55:49.640] – Bemerkung 14
Es gibt andere, die haben einen Status als integrierte Sonderschüler in der
Regelklasse, die auch ein Päckchen an Ressourcen mitbringen.

[00:56:16.140] – Bemerkung 14
Diese Ressourcen möchten wir möglichst in der Klasse einsetzen.

[00:56:16.580] – Bemerkung 14

Wir haben noch ein Kontingent an Förderstunden, welche wir dort einsetzen, wo wir es
brauchen. Das wird im pädagogischen Team entschieden.

[00:56:59.250] – Bemerkung 14
Zum Teil kann auch ein Hortmitarbeiter übernehmen, weil dort die Beziehung am besten
läuft, den Kosmos pflügen und Tee trinken. Dieser Schüler hat in dem Moment kein
Französisch.

[00:57:38.870] – Bemerkung 15
Wir wirken sich die Nachteile der Medikamente im Alltag aus?

[00:57:47.640] – Bemerkung 16
Zum Beispiel Appetitlosigkeit. Wenn man nicht niedrig dosiert merkt man es sofort. Mein
Sohn hat eine Depression entwickelt, als die Medikamente zu hoch dosiert waren vom
Psychiater. Das war schlimm, bis wir das verstanden haben, dass es wegen dem
Medikament war. Danach hat er das Medikament verweigert.

[00:58:00.400] – Bemerkung 16
Sie sind gedämpft und es gibt am Abend einen Rebound Effekt.

[00:58:43.160] – Bemerkung 16
Gut ist, wenn die Kinder am Abend noch Sport haben. Wir können am Abend nicht mehr
lernen mit den Kindern. Das ist unmöglich. Am Mittwoch Nachmittag ok. Ab 16 Uhr geht
es nicht mehr mit lernen.

[00:59:21.120] – Bemerkung 16
Ich weiss nicht ob man nach einem langen Schultag noch lernen kann, wenn man
ADHS/ADS hat und Medikamente nimmt. Bei uns geht das nicht.

[00:59:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Kinder sagen: ich will keinen Nachteilsausgleich, ich will nicht ausgrenzt werden
aus der Gruppe. Damit das Kind einen Nachteilsausgleich bekommt muss es offiziell die

Diagnose haben und die Diagnose muss noch neu sein, sie darf nicht älter als ein Jahr
sein. Dabei ist genetisch. Das bleibt ein Leben lang. Es wird trotzdem noch so
angeschaut, als ob sich das ständig verändern würde.

[00:59:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Nachteilsausgleich macht, kann man es eleganter machen. Bei der
Lehrabschlussprüfung, da bekommen sie dann einfach weniger Aufgaben und für das
wird Noten gegeben.

[01:00:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hätte schon noch Möglichkeiten um das anders zu handhaben.

[01:00:31.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule könnte zum Beispiel nur die guten Aufgaben bewerten und die anderen
nicht. Man möchte immer nur korrekt und genau sein und man getraut sich nicht.

[01:00:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle oft fest, dass die Lehrer ihren Freiraum gar nicht ausnützen. Sie dürfen noch
mehr ihren Freiraum ausnutzen. Die Lehrpersonen dürfen die Kinder individueller
behandeln. Das wäre gerechter.

[01:01:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur einer Mutter sage ich: sie müssen nicht alle Kinder gleich behandeln. Das geht gar
nicht. Jedes Kind ist individuell.

[01:01:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind wird nach seinen Bedürfnissen behandelt.

[01:01:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde allen Lehrern versuchen den Mut zu geben, dass sie individueller behandeln
und die Notengebung individuell gestalten.

[01:01:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gerechtigkeit, dass alles gleich ist funktioniert ohnehin nicht.

[01:01:38.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Biologie, im Lebendigen ist es nie sogenannt gerecht.

[01:01:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind stark von der Juristerei geleitet, dass alles gerecht sein muss.

[01:01:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zu jeder Mutter: sie dürfen ihre Kinder so behandeln, wie es für jedes Kind
passt, und das ist unterschiedlich.

[01:02:05.910] – Bemerkung 17
Haben sie nicht gesagt, dass ADHS/ADSler Ungerechtigkeiten als ganz schlimm
empfinden?

[01:02:17.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, aber man kann es ihm erklären.

[01:02:18.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler ist keine Maschine und kein Gesetz.

[01:02:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle dich so, wie es für Dich geht. Von der anderen Person kann ich mehr
verlangen. Wenn das Kind, welches es gut kann reklamiert, sage ich: der andere kann
es noch nicht, du kannst es.

[01:02:52.750] – Bemerkung 18
Das ist beim Abwaschen aber schwierig.

[01:02:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behandle viele Familien mit Konflikten. Derjenige, der es noch nicht kann, muss
noch mehr üben. Hier kann man als Autorität hinstehen und sagen: ich habe das Recht
unterschiedlich zu behandeln.

[01:02:59.150] – Bemerkung 19
Ich habe eine Frage zum Umgang mit Misserfolgen. Es wird sehr schwierig, wenn eine
schlechte Note reinkommt. Ich finde es schwierig danach die intrinsische Motivation
wieder anzuregen.

[01:03:07.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Fehlerkultur und Umgang mit Misserfolg.

[01:03:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die stossen ohnehin immer an. Wenn sie dann noch einen
Misserfolg in den Noten haben, dann ist das ein Weltuntergang.

[01:03:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden, weil er einen Fehler gemacht
hat. Er hat die Agarplatte draussen stehen lassen und dann ist Penicillin drauf
gewachsen.

[01:04:14.717] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[01:04:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entstehen neue Sachen.

[01:04:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Genetik anschauen, dann entsteht durch Fehlerkombinationen etwas
neues.

[01:04:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist aus einem missratenen Affen entstanden. Er wurde aus dem Urwald
vertrieben, war schwächer, er konnte es nicht so gut. So ist etwas neues Entstanden.
Aus Fehlern entstehen neue Dinge.

[01:04:31.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist im Leben absolut wichtig, dass man lernt, mit Misserfolgen umzugehen.

[01:04:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch die super intelligenten Sechser-Schüler, dann kommen sie an die Uni, dort
ist alles frei und dann bricht alles zusammen.

[01:04:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas vom Wichtigsten im Leben ist, dass man auch mit Fehlern und Misserfolgen
umgehen kann.

[01:05:07.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man so auch den Kindern verkaufen.

[01:05:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Irren ist menschlich. Fehler machen ist menschlich.

[01:05:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Tisch ist wahrscheinlich von einer Maschine gemacht.

[01:05:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein von Hand gemachter Tisch ist wohl weniger gerade, der ist viel lebendiger.

[01:05:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler gehören zum Lernen und zum Leben.

[01:05:30.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar die Kinder sind einem Wettkampf.

[01:05:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss validiert werden in seinen Gefühlen.

[01:05:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man sagen: ich verstehe, dass das schrecklich ist für dich. Es gibt andere
Kinder, die nie Fehler machen und immer Sechser haben.

[01:06:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht einem verrückt.

[01:06:04.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können dann diejenigen sein, welche scheitern, wenn dann alles frei ist.

[01:06:08.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst den Frust validieren und dann mit seiner Lebensweisheit kommen.

[01:06:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn für Sie?

[01:06:19.550] – Bemerkung 20
Ja.

[01:06:19.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Kind gehen. Das Kind darf enttäuscht sein, es darf ein Theater machen. Wenn
sich das Kind beruhigt hat, darf man das andere sagen. Wenn man es sofort sagt, wird
es nicht gehört.

[01:06:19.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinder müssen immer validiert werden in ihren Gefühlen.

[01:06:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man die Kinder validiert hat, dann kann man sagen: was könnte man das
nächste Mal an dem Punkt anders machen?

[01:06:47.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man abzweigen?

[01:06:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Erwachsenen sage ich: tun sie etwas, wenn das Wasser beim Hals steht und
nicht wenn das Wasser bei den Augen steht. Dann versteht man nichts mehr.

[01:06:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen früher merken, dass etwas nicht gut läuft für die Kinder.

[01:07:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewaltfreie Kommunikation ist bedürfnisgerechte Kommunikation.

[01:07:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man von seinen Bedürfnissen redet, dass man die zuerst einmal wahrnimmt und
dann sagt und erst dann kommt die Änderung oder das Lernen.

[01:07:20.890] – Bemerkung 20
Ich bin aus Interesse gekommen. Ich höre gerne ihre Podcasts. Ich höre ihnen gerne
zu.

[01:07:55.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen. Wir müssen unsere Sozialkompetenz lernen und immer
verbessern.

[01:08:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Je dichter wir zusammenwohnen, je komplexer, je multikultureller die Gesellschaft ist,
umso mehr müssen wir soziales Lernen haben.

[01:08:29.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder, dass wenn Kinder miteinander streiten und die Mädchen sind
dort noch gut, die können so ein bisschen necken und kein Mensch merkt es und der
Junge rastet dann aus und schlägt zu.

[01:08:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppendynamik wird aus meiner Sicht ein bisschen zu wenig angeschaut und zu
wenig damit umgegangen.

[01:08:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Tagesschule und mit dem Mittagstisch, dort läuft alles wild durcheinander. Dort
hat es das Personal, das nichts gelernt hat über Gruppendynamik.

[01:09:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geschieht, dass so Alpha-Tiere ein bisschen übernehmen und beherrschen.

[01:09:11.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau gab es Klassen mit 80% Ausländer Kindern, 20% Schweizer oder sogar nur
10%.

[01:09:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Sprache hat man gemerkt, die Schweizer Kinder haben begonnen Deutsch zu
sprechen wie Albaner Kinder.

[01:09:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache der Albaner hat dominiert.

[01:09:41.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kann passieren.

[01:09:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser ganzen Durchmischung von Kulturen braucht es wieder ein bisschen mehr
Führung von den Lehrpersonen und vom Hort, die sagt, was bei uns die Regeln sind
und wie wir miteinander umgehen wollen.

[01:10:02.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können wir Schweizer uns noch viel verbessern.

[01:10:07.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist komplizierter heutzutage. Ich erlebe das bei Mischehen und den verschiedenen
Erziehungen. Ich denke, da müssen wir uns noch ein bisschen sorgfältiger mit
unterschiedlichen sozialen Werten und Sozialverhalten auseinandersetzen.

[01:10:28.540] – Bemerkung 21
Bei uns hat der Psychiater gesagt, dass es erschreckend häufig ist, dass bei Mädchen
viel zu spät erkannt wird, dass sie ADHS/ADS haben. Sie nimmt jetzt Medikamente und
ist sehr zufrieden damit. Wie kann man Mädchen mit ADHS/ADS früher helfen?

[01:11:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt immer noch, dass ADHS/ADS eine Krankheit ist. Niemand will krank sein.
Wenn man sagt: das ist ein Persönlichkeitstyp, dann ist es eine Variante unter anderem
und dann könnte man auch besser damit umgehen.

[01:12:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es als Krankheit anschaut, dann macht man zu.

[01:12:23.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer will schon psychisch krank sein?

[01:12:26.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Leute haben Angst vor so einer Diagnose.

[01:12:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, es ist einfach ein Persönlichkeitstyp, dann denke ich können sich die
Leute besser damit anfreunden.

[01:12:46.860] – Bemerkung 22
Man musst zuerst darauf kommen. Es ist bequem, wenn das Kind ruhig ist und sich
selber beschäftigt.

[01:13:03.060] – Bemerkung 23
Wir haben es nicht erkannt, die ganzen Lehrerinnen und Lehrer davor haben es nicht
erkannt?

[01:13:13.160] – Bemerkung 24
Man kann nicht jedes Kind auf ADHS/ADS untersuchen nur weil es ruhig ist.

[01:13:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage lassen sich die Eltern auch abklären, wenn die Kinder eine ADHS/ADS
Diagnose bekommen habe. Früher hat man das gar nicht angeschaut.

[01:13:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute tritt immer mehr die Gender Unterschiedlichkeit bei allen Diagnosen auf.

[01:14:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS ist es ganz stark.

[01:14:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben haben zusätzlich noch Testosteron, die Mädchen haben weniger.

[01:14:34.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei den Knaben merkt man es schneller, weil sie aggressiv werden, wenn sie verletzt
werden.

[01:14:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen haben mehr Kuschelhormone, Oxytocin. Als Mutter von einem Kind noch
mehr. Das hilft den Mädchen sich mehr anzupassen.

[01:14:46.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich viel mehr an und unterdrücken ihr ADHS/ADS.

[01:15:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werden oft erst mit 35 bis 45 mit ADHS/ADS diagnostiziert. Davor merkt
niemand etwas.

[01:15:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie passen sich an, sie können sich besser anpassen.

[01:15:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Als freche Bemerkung sage ich: Mädchen sind einfacher in der Schule.

[01:15:20.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu Reiten als Hengste.

[01:15:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, es ist ein anderes Sozialverhalten.

[01:15:30.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialkompetenz der Mädchen überdeckt das ADHS/ADS.

[01:15:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe Frauen die haben erst mit 45 Jahren ihre ADHS/ADS Diagnose bekommen.
Viele haben noch X andere psychiatrische Diagnosen.

[01:15:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt auch immer mehr hervor, dass sie auch somatische Diagnosen haben. Ein
Mensch mit ADHS/ADS ist sensibler, ist leichter erregbar, regt sich mehr auf. Das kann
alles auch in die somatischen Krankheiten reingehen.

[01:16:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mehr in die Schule investieren, weniger in die Juristerei, weniger in das
Medizinische, um Folgekrankheiten von ADHS/ADS verhindern zu können.

[01:16:52.660] – Bemerkung 25
Was sind somatische Krankheiten?

[01:16:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Körperliche Krankheiten.

[01:17:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS, die haben oft Fibromyalgie, also überall Schmerzen,
Gelenkschmerzen, sind hyper, sind hochsensibel, haben Allergien, unruhige Beine und
so weiter.

[01:17:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass 85% der Erwachsenen, die eine ADHS/ADS Diagnose haben, haben
zusätzlich eine oder mehrere psychiatrische Diagnosen.

[01:17:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss man jetzt zuerst behandeln?

[01:17:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer: das ADHS/ADS ist die Grundproblematik.

[01:18:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die lernen mit ihrem ADHS/ADS umzugehen, wenn ihre Partner lernen damit
umzugehen, dann muss man nicht krank werden.

[01:18:11.060] – Bemerkung 26
Braucht es dazu immer eine Therapie? Oder kann man selber auch einfach ein wenig
entschleunigen?

[01:18:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man muss nicht immer in eine Therapie gehen. Man muss lernen mit sich selber
umzugehen.

[01:18:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn all das Wissen vorhanden ist und man weiss auf was man achtgeben muss, kann
man das auch selber lernen.

[01:18:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu fest ansteht und speziell im Beruf, kann man auch anstehen.

[01:18:43.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben ADHS/ADSler dann das Problem, dass sie sich zu stark ausgeben.

[01:18:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind unglaublich einsatzbereit und am Schluss hat man das Burnout.

[01:18:54.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss ich sagen: sie müssen immer wieder eine Pause machen.
Sie müssen gut lernen auf sich zu hören und auch lernen "Nein" zu sagen.

[01:19:07.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Empathie versus Selbstfürsorge.

[01:19:07.910] – Bemerkung 27
Das erinnert mich an einen sehr guten Doc-Film über ADHS/ADS. Dort sagt die
Expertin über ADHS/ADS: es gibt Sachen, die ich einfach nicht gut kann, das musste
ich begreifen. Diese Dinge muss ich delegieren. Zum Beispiel die Steuererklärung zu
machen. Das liegt mir einfach nicht.

[01:19:07.980] – Bemerkung 27
Ich muss herausfinden wie und wo kann ich mich unterstützen lassen und diese
Unterstützung holen. Ich muss deswegen auch keine Schamgefühle haben. Jeder
Mensch hat Stärken und Schwächen. Die Schwächen muss man dann auf eine gute Art
und Weise kompensieren.

[01:20:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zur Lücke und Mut zur Pause.

[01:20:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste Menschen auch schon sagen: sie dürfen eine Pause machen, sie dürfen
sagen: nein, das ist mir zu viel.

[01:20:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Chef kann man auch sagen: nicht über meine Leiche.

[01:21:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Gesellschaft fordert immer mehr Leistung, immer schneller.

[01:21:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man den Menschen schützen. Der Mensch darf sagen: nein,
nicht mehr weiter.

[01:21:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich zitiere Martin Luther: hier stehe ich und kann nicht anders.

[01:21:41.110] – Bemerkung 28
Sie haben gesagt 85% ist genetisch.

[01:21:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Statistiken sind Statistiken. Die zeigen immer nur den Durschnitt.

[01:22:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt.

[01:22:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist am meisten genetisch vererbt und ADHS kommt an zweiter Stelle.

[01:22:44.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus kommt häufig noch eine zusätzliche Störung im Spracherwerb. Das gibt
dann eine höhere Zahl.

[01:22:55.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich behaupte, das ADHS/ADS ist immer genetisch vererbt, aber es kann natürlich
unterschiedlich kombiniert sein.

[01:23:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen merkt man es weniger als bei den Männern.

[01:23:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt, fünf oder vier Buben auf eine Frau. Heute sagt man 1.5 Knaben
auf ein Mädchen.

[01:23:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistiken ändern, weil man immer nur einen Durchschnitt hat.

[01:23:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer vererbt.

[01:23:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig finden sich auch ADHS/ADSler als Paar.

[01:24:03.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Cordula Neuhaus sagt: they find each other, they bind with each other and they
reproduce with each other.

[01:24:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.menschen-mit-adhs.de/

[01:24:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen scheiden auch mehr, weil es mehr Konflikte gibt. Sie finden sich
und sie können sich auch aufschaukeln. Es gibt auch Ehen, die gut funktionieren.

[01:24:13.290] – Bemerkung 29
Ich finde es wichtig, dass die Eltern das ADHS/ADS angehen. Je mehr ich mich damit
auseinandergesetzt habe, desto besser konnte ich auch mit den Kinder umgehen. Mir
geht es auch so. Ich kann auch nicht so lernen, wie es andere können.

[01:25:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Symptom zuerst akzeptieren, Freundschaft schliessen mit seinem
Symptom.

[01:25:44.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gegen das Symptom kämpft, kämpft man ständig gegen Windmühlen.

[01:25:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mit sich und seinem Symptom Freundschaft schliessen. Dann kann man
besser damit umgehen. Dann kann man auch andere besser handhaben, die ähnlich
sind.

[01:26:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS verlangt viel Selbstreflexion und Lernen.

[01:26:10.180] – Bemerkung 30
Mit dieser Geschichte, dass ADHS/ADS eigentlich immer genetisch bedingt ist, wäre für
mich die Lösung, dass es eine Frühaufklärung, also mehr Frühaufklärung bei den Eltern
bräuchte. Gerade weil bei ADHS/ADS die schwierigen Jahre, in der Regel die
Schuljahre sind.

[01:26:34.600] – Bemerkung 30
Es ist mein Wunsch an die Schulleitung im Austausch mit den Primarschulen, noch mal
mit einer Weiterbildung bei den jungen Eltern anzusetzen, dass die mehr sich selber
reflektieren, um früher erkennen zu können, dass die Kinder vielleicht auch ein Problem
haben werden. Nicht dass man es erst in der Sekundarschule merkt.

[01:27:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beim Kindergarten anfangen. Absolut.

[01:27:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die schon am ersten Schultag total frustriert worden sind, weil
man ungeschickt mit ihnen umgegangen ist.

[01:27:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte ein Kindergarten Kind, das hatte Probleme mit der lauten Stimme der
Kindergärtnerin. Das Kind ist dann immer abgehauen. Es hat ein grosses Theater
gegeben. Das Kind wurde schlussendlich in einem Heim platziert, nur weil es im
Kindergarten nicht gut gelaufen ist.

[01:27:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ersten Lehrerin hat es geklappt. Mit der nächsten Lehrperson hat es nicht
funktioniert, die hat auch zu laut geredet. Dann ist das Kind davon gelaufen. Dann
wurde er per Polizei abgeholt und in das Heim gesteckt.

[01:27:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht die Lösung. Man müsste viel früher beginnen.

[01:28:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte viel Geld und Leid sparen, wenn man früher damit beginnt sein ADHS/ADS
zu verstehen.

[01:28:18.840] – Bemerkung 31
Kannst du bitte noch ein paar Worte sagen zu der Drei-Generationen-Analyse?

[01:28:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin. Ich nehme immer drei Generationen auf.
Dann sehe ich natürlich verschiedene Symptome.

[01:28:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe ein Beispiel.

[01:28:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater war ein Adoptivkind. ADHS/ADS Kinder werden häufiger fremdplatziert. In
ADHS/ADS Familien gibt es mehr Streit. Er war jähzornig, hatte ein Tochter, die sich
angepasst hat an den jähzornigen Vater. Als Kind war er ein braves Pflegekind. Sein
Enkel hat auch von diesen Genen geerbt und ist in einem Schullager davon gelaufen,
als er enttäuscht war über seine Liebe. Die Lehrer haben Angst bekommen,
Suizidprophylaxe und haben ihn in die Psychiatrie gesteckt. Dort hat gar nichts gut
funktioniert. Am Schluss hat die Grossmutter mich wieder reingeholt. Ich habe die Eltern
gestützt, sie haben das Kind wieder rausgeholt, er war ein Wilder. Am Schluss hat sich
alles beruhigt und er hat eine Lehre begonnen.

[01:30:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat überreagiert und es hätte daraus eine psychiatrische Karriere geben
können.

[01:30:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufmerksam sein und schauen, dass es nicht eskaliert.

[01:30:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es steht immer wieder in der Zeitung, dass die Jugendpsychiatrie völlig überfordert ist.

[01:30:55.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.luzernerzeitung.ch/ostschweiz/ressort-ostschweiz/psychische-gesundheit-das-ist-ein-riesiges-problem-immer-mehr-junge-menschen-sind-psychisch-krank-im-kanton-stgallen-fehlt-es-an-fachkraeften-zur-behandlung-ld.2716871

[01:30:56.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS braucht es viel mehr Beratung des Umfelds, Unterstützung der
Lehrpersonen, Unterstützung der Eltern, damit das nicht schief läuft. Nicht einfach nur
eine medikamentöse Behandlung des Kindes.

[01:31:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das medizinische Modell, welches so funktioniert.

[01:31:28.810] – Bemerkung 32
Herzlichen Dank!