Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Besonderheiten von ADHS/ADS-Kindern und wie man am besten mit ihnen umgeht.
Hochsensibilität als Kernmerkmal
Dr.med. Ursula Davatz beschreibt ADHS/ADS als „Neurotyp“, also eine Normvariante der Persönlichkeit, die genetisch bedingt ist. Das zentrale Merkmal dieser Kinder ist ihre erhöhte Sensibilität:
- Wahrnehmung von Emotionen: ADHS/ADS-Kinder sind besonders empfänglich für emotionale Signale und Stimmungen in ihrer Umgebung.
- Reaktion auf Kritik und Verletzungen: Sie reagieren oft sehr empfindlich auf Kritik, Zurückweisungen oder Verletzungen und können dann aggressives Verhalten zeigen.
- Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation: Es fällt ihnen schwerer, ihre Emotionen zu kontrollieren und angemessen auszudrücken.
Die zwei Typen: ADS und ADHS
Dr.med. Ursula Davatz unterscheidet zwischen zwei Typen:
- ADS-Kinder: Eher introvertiert, nach innen gerichtet, verträumt und mit einer großen Fantasie ausgestattet.
- ADHS-Kinder: Extrovertierter, impulsiver und oft mit Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren.
Mädchen mit ADHS sind möglicherweise weniger auffällig, da sie ihr Temperament besser unterdrücken können. Dies kann jedoch zu einem schlechten Selbstwertgefühl und Depressionen führen.
Bedeutung des Umfelds für die Entwicklung
Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von ADHS/ADS-Kindern.
- Akzeptanz und Unterstützung: Sie brauchen ein Umfeld, das ihre Sensibilität akzeptiert und ihnen hilft, mit ihren Emotionen umzugehen.
- Konsequente und authentische Bezugspersonen: Klare Regeln, die konsequent und mit emotionaler Überzeugung durchgesetzt werden, geben ihnen Orientierung und Sicherheit.
- Verständnis für die Ursachen von Aggressionen: Anstatt aggressives Verhalten sofort zu bestrafen, sollten Bezugspersonen versuchen, die dahinterliegende Verletzung zu erkennen und dem Kind alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Umgang mit ADHS/ADS-Kindern im Alltag
Dr.med. Ursula Davatz gibt konkrete Empfehlungen für den Umgang mit ADHS/ADS-Kindern:
- Geduld und Zeit: Es braucht Zeit und Geduld, bis diese Kinder lernen, ihre Emotionen zu regulieren und angemessene Verhaltensweisen zu entwickeln.
- Über Gefühle sprechen: Ermutigen Sie das Kind, seine Gefühle zu benennen und darüber zu sprechen. Dies hilft, den emotionalen Druck zu reduzieren und die Situation zu reflektieren.
- Alternative Konfliktlösungsstrategien aufzeigen: Zeigen Sie dem Kind alternative Möglichkeiten, mit Konflikten und Frustrationen umzugehen.
- Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen: Vermitteln Sie dem Kind Ruhe und Gelassenheit, besonders in Situationen, in denen es seine Bedürfnisse nicht sofort befriedigen kann.
- Führungsrolle übernehmen: In chaotischen Situationen sollten Sie die Führung übernehmen und klare Anweisungen geben.
- Authentisch sein: Kinder spüren, ob Erwachsene hinter ihren Regeln stehen. Setzen Sie nur Regeln durch, die Sie selbst vertreten und mit denen Sie sich identifizieren können.
Zusammenfassung
ADHS/ADS-Kinder sind hochsensibel und brauchen ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld, um ihre Stärken zu entfalten und ihre Herausforderungen zu meistern. Geduld, Empathie, klare Regeln und authentische Bezugspersonen sind wichtige Schlüssel für einen erfolgreichen Umgang mit diesen Kindern.
https://ganglion.ch/pdf/Umgang_Kindern_schwierigem_privatem_Umfeld.pdf