ADHS und Erziehung

Vortrag zum Thema ADHS und Erziehung.

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

5.9.2009

ADHS und Erziehung

Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie herzlich begrüssen.

[00:00:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich auf diesen Tag gefreut, ihnen etwas aus meiner 40jährigen Erfahrung im
Umgang mit ADHS/ADS zu erzählen.

[00:00:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heisst: ADHS/ADS und Erziehung.

[00:00:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe zuerst ein paar Prinzipien.

[00:00:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen sehr gerne Fragen stellen. Sie dürfen auch Zwischendurch Fragen stellen,
wenn sie etwas nicht verstehen.

[00:00:24.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Schön wäre es, wenn wir noch eine Fallsupervision machen könnten.

[00:00:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie einen Fall bringen, anhand dessen wir dann schauen, wie man das anwenden
kann.

[00:00:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS haben Gemeinsamkeiten, aber sie haben auch Unterschiede.

[00:00:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS sind keine Krankheiten.

[00:00:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Von mir aus, müsste man es raus nehmen aus der Diagnose.

[00:00:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind lediglich Neurotypen, genetisch vererbte Persönlichkeitstypen.

[00:01:01.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Persönlichkeitstypen merkt man schon ab einem halben Jahr.

[00:01:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt es Untersuchungen des National Institute of Mental Health (NIMH) in den USA.

[00:01:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nimh.nih.gov/

[00:01:13.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie Untersuchungen über mehrere Jahre hinweg gemacht haben.

[00:01:16.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder sind schon ab einem halben Jahr unterschiedlich.

[00:01:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle diese beiden Neurotypen zusammen mit extrovertiert und introvertiert.

[00:01:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Neurotypen hat man schon lange in der Psychologie kategorisiert.

[00:01:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sie aber nie mit ADHS und ADS zusammengebracht.

[00:01:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, ADHS ist der extrovertierte Neurotyp und ADS ist der introvertierte Neurotyp.

[00:01:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen noch viele Dinge dazu.

[00:01:52.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik macht ganz viel Fortschritt.

[00:01:56.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit wir unser Genom auflösen können, schaut man alles immer mehr an.

[00:02:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es genetische Kohortenstudien, die mir auf eine Art Recht geben.

[00:02:09.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, in den genetischen Kohortenstudien sind Schizophrenie, manisch depressiv,
schwere Depression, Autismus und ADHS/ADS, die haben alle den gleichen
veränderten Genlokus.

[00:02:25.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt noch die Essstörung dazu.

[00:02:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dyssoziale oder antisoziale Persönlichkeit könnte man auch dazu tun.

[00:02:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die, welche im Gefängnis landen. Das sind alles ADHSler oder viele davon.

[00:02:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte noch Borderline Persönlichkeitsstörungen dazu tun.

[00:02:42.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte auch somatische Dinge dazu tun.

[00:02:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte das natürlich immer in der Familie.

[00:02:50.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wenn ich die Drei-Generationen-Familie aufnehme, sehe ich es dann.

[00:02:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater ist impulsiv und Alkoholiker.

[00:02:57.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Monika Ridinger hat ja das Buch "ADHS und Sucht» geschrieben.

[00:03:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
https://shop.kohlhammer.de/adhs-und-sucht-im-erwachsenenalter-23938.html#147=14

[00:03:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Buch «ADHS/ADS und Schizophrenie» geschrieben.

[00:03:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich es nur in Bezug auf die Schizophrenie angeschaut.

[00:03:08.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im klinischen Alltag schaue ich natürlich, was alles zusammenhängt.

[00:03:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sage ich, man kann nicht sagen, es ist eine Komorbidität, also zwei Krankheiten,
ADHS/ADS und Depression.

[00:03:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Folgekrankheit.

[00:03:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle die psychiatrischen Diagnosen sind eigentlich Folgekrankheiten.

[00:03:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, es gibt niemanden, der psychisch krank ist, der kein ADHS/ADS hat. So
absolut bin sicher nicht so absolut.

[00:03:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistik sagt, 80 Prozent der Erwachsenen, wo man ADHS/ADS feststellt, haben
eine zusätzliche Krankheit.

[00:03:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zusätzlich, das ist eigentlich falsch. Sie haben eine Folgekrankheit.

[00:03:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
20% bis oder 25% kommen durch das Leben ohne jegliche psychiatrische Hilfe.

[00:04:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt ja auch, dass es nicht einfach eine Krankheit ist, die behandelt werden muss.

[00:04:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin, in der Psychiatrie wird es aber immer als Krankheit angeschaut. Dann
ist die Vorstellung, man müsse es mit Medikamenten behandeln, und dann sei alles
gelöst.

[00:04:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente, welche wir verwenden, das Ritalin und alle anderen Stimulanzien,
zum Teil auch Antidepressiva, die behandeln nur ein Symptom.

[00:04:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die behandeln nur die Aufmerksamkeitsstörung. Also das A vom ADHS.

[00:04:38.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H, die Hyperaktivität, ist schon reaktiv und ist natürlich auch persönlichkeitsgerecht.

[00:04:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSler brauchen viel Bewegung. Wenn man sie daran hindert, dann geht es
ihnen schlecht. Wenn man ein Rennpferd in den Stall stellt und es darf nicht rennen,
geht es ihm auch schlecht, es wird krank.

[00:05:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sage ich ganz klar, es ist die Interaktion mit dem Umfeld, welche
schlussendlich zu einer Krankheit führt.

[00:05:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie, in der Schizophrenieforschung, für welche ich mich immer
interessiert habe, da hat man immer Nature versus Nurture diskutiert.

[00:05:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie haben sie bei der Schizophrenie immer nach dem genetischen Faktor
gesucht.

[00:05:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss doch genetisch bestimmt sein, sonst wäre das nicht so eine schwierige
Krankheit.

[00:05:35.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Zeit lang hat man dann gesagt, es ist alles genetisch, dann hat man die
genetischen Studien gemacht, Zwillingsstudien, Adoptivstudien.

[00:05:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach kam die Familientherapie und da hat man gesagt, es sei Nurture, das wäre das
Umfeld.

[00:05:50.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld entsprechend ist, dann gibt es eine Schizophrenie.

[00:05:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, dass es beides ist. Es ist immer Nature and Nurture.

[00:06:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld, das Beziehungsumfeld, Familie, Schule und das übrige Umfeld,
wenn das sich ungeschickt verhält gegenüber den ADHS/ADS Kindern, dann läuft es
schief. Dann haben wir schlussendlich eine Krankheit.

[00:06:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinn ist es für mich ganz, ganz wichtig, dass wir eigentlich Umfeldberatung
machen.

[00:06:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Schizophreniestudien hat man Kinder von schizophrenen Müttern genommen.
Die haben ungefähr 25% Chance, dass sie schizophren werden.

[00:06:34.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man auch gesehen, wenn man die Kinder von schizophrenen Müttern in
Familien getan hat, die völlig normal funktioniert haben, dann sind sie mehr gesund
geblieben als solche, die von nicht schizophrenen Müttern oder Vätern waren.

[00:06:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat das Umfeld mehr durchgedrückt.

[00:06:56.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Studien von Pekka Tienari, welche ich auch in meinem Buch «AD(H)S und
Schizophrenie» zitiert habe.

[00:07:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14990519/

[00:07:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist «Nature and Nurture».

[00:07:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetiker wollen die Gene verändern, aber da sind wir weit weg davon. Das ist
auch viel zu kompliziert. Es sind viele verschiedene Gene, die hier beeinflussen. Es ist
ein Genlocus, es ist nicht einfach ein Gen.

[00:07:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können als Helfer nur das Umfeld verändern.

[00:07:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Natur müssen wir uns abfinden.

[00:07:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wir müssen möglichst persönlichkeitsgerecht mit diesen Kindern umgehen.

[00:07:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich wäre es natürlich wichtig, dass man das schon im Kindesalter macht.

[00:07:43.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Kinderpsychiatrie müsste immer das Umfeld beraten und das Umfeld so gestalten,
dass das Kind sich gesund entwickeln kann.

[00:07:57.810] – Bemerkung 1
Ich erlebe immer wieder, dass Erwachsene wie auch Kinder ein Coaching bekommen.
Was mache ich, wenn ich diese Impulse habe? Das ist ein grosses Defizit. Es gibt zu
wenig Angebote. Es gibt die Gruppe im Spital Aarau. Ich habe ein paar Erwachsene,
welche schwere Folgekrankheiten haben. Dann musste man soweit suchen um
überhaupt herauszufinden, was los ist. Man weiss noch nicht lange, dass es ein ADHS/
ADS ist. Wo kriegt man ein Coaching dazu. Der Mann besteht darauf. Die Termine
werden immer abgesagt. Ich fühle mich nicht so kompetent. Ich habe nur ein paar
Tipps.

[00:09:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben Tipps in unserer Praxis. Eigentlich müsste es jeder Psychiater können. Nicht
alle Psychiater sind sich den Umgang mit ADHS/ADS gewohnt.

[00:09:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
,Man muss immer fragen: kennen sie sich mit ADHS/ADS aus?

[00:09:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können bei der ELPOS fragen und sie können bei ADHS20+ nachfragen.

[00:09:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen auch Leihenberatung.

[00:09:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind die Laien, welche selber ADHS/ADS sind die besseren Berater als
irgendwelche Ärzte, die keine Ahnung von ADHS/ADS haben oder ADHS/ADS nur als
Krankheit anschauen und einfach nur Medikamente geben.

[00:10:08.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Er herrscht ein riesiger Glaube an die Medikamente.

[00:10:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt bei den Erwachsenen auch noch Ritalin. Das kann helfen um eine Prüfung zu
bestehen. Punkto Umgang im Leben hilft das nicht. Man gibt ihnen auch Antidepressiva,
also SSRI.

[00:10:19.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen, dass man eine dickere Haut hat und weniger empfindlich ist.

[00:10:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat immer noch kein Handwerkzeug, um mit sich umzugehen.

[00:10:30.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es stimmt. Es ist herrscht überall Mangel. Man schaut es eigentlich, wie soll ich
sagen, immer von der falschen Seite an.

[00:10:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, es sei eine Krankheit.

[00:10:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man sagt, es sei eine Krankheit, haben die Leute das Gefühl, sie haben einen
Mangel, ich bin schlecht.

[00:10:45.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es ein Persönlichkeitstyp.

[00:10:49.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Erstes müssen sie lernen, mit ihrer Persönlichkeit umzugehen.

[00:10:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann nur lernen, mit sich umzugehen, wenn man es akzeptiert.

[00:10:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Neurotyp zum Persönlichkeitstyp.

[00:10:58.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Idee ist, dass man die Eltern berät, dass sie mit den Kindern besser umgehen
können, sodass sie ein besseres Umfeld haben, in dem sie wachsen können, in dem
sie lernen, mit sich umzugehen.

[00:11:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie dort immer schon falsch behandelt, dann müssen sie im
Erwachsenenalter lernen, mit ihren Emotionsausbrüchen umzugehen.

[00:11:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann immer beschämend. Für das Kind wäre es eigentlich noch nicht
beschämend.

[00:11:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Erwachsenen ist es dann beschämend.

[00:11:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kommt erst rein, wenn sie so erwachsen sind. Dann gehen sie ins DBT und all die
verschiedenen Verhaltenstherapien.

[00:11:41.735] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektisch-Behaviorale_Therapie

[00:11:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verhaltenstherapie arbeitet immer darauf hin, dass man lernt, mit seinen Emotionen
umzugehen.

[00:11:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppe in Aarau macht das.

[00:11:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Patientin, die länger zu mir kam. Sie geht auch in diese Gruppe. Das ist
schon gut. Aber es hat nicht genug. Das stimmt.

[00:12:17.780] – Bemerkung 1
Von Bremgarten auf Baden. Das ist schon mager. Ihre Kurse sind auch schnell voll.

[00:12:20.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es ist mager aber man kann es immer probieren.

[00:12:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht müsste man an den Kanton gelangen und sagen, sie müssten mal eine
Umfrage machen, wer umgehen kann mit Patienten mit ADHS/ADS.

[00:12:28.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss eine zentrale Informationsstelle geben. Zur Zeit ist es sehr zufällig.

[00:12:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war es noch viel schlimmer.

[00:12:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ELPOS, die Eltern von damals POS Kindern, die Eltern von ADHS/ADS Kindern,
das waren die einzigen, die gewusst haben, wer, wo, wie das kann.

[00:12:59.630] – Bemerkung 2
Gibt es auch Selbsthilfegruppen?

[00:13:02.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Gibt es auch, via der ELPOS.

[00:13:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
https://elpos.ch/

[00:13:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auch anfragen kann ist: SFG ADHS.

[00:13:07.390] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/de/

[00:13:06.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schweizerische Fachgesellschaft ADHS.

[00:13:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sind alles Leute drinnen, welche es eigentlich können. Die müssten die Liste zur
Verfügung stellen.

[00:13:33.960] – Bemerkung 3
Was ist mit den Schulen?

[00:13:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schulen habe ich so viel angeboten. Ich habe bei den Ausbildungsinstitutionen
angeboten. Die haben mich alle abgelehnt.

[00:13:54.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Einzelne Lehrer habe ich sehr beraten.

[00:13:58.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Bezirksschule Turgi habe ich einzelne Lehrer beraten.

[00:13:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Prävention der AGS, Aargauische Gesellschaft Sucht

[00:13:59.060] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.suchtberatung-ags.ch/

[00:14:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
habe ich Schulen beraten.

[00:14:10.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich an die Ausbildungsinstitutionen und Weiterbildungsinstitutionen ging, haben
sie alle abgeblockt.

[00:14:19.720] – Bemerkung 4
Wie lange ist das her? Das nimmt mich wunder.

[00:14:22.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwei Jahre.

[00:14:27.340] – Bemerkung 4
Wie bitte? An den Schulen herrscht ein sehr grosser Nachholbedarf.

[00:14:42.920] – Bemerkung 5
Danke für die Hinweise zu ELPOS. Ich bin im Vorstand der ELPOS. Es gibt die
Selbsthilfegruppen. ELPOS ist regional aufgeteilt, wir haben verschiedene Gruppen.
Zentralschweiz, Westschweiz, Nordwestschweiz, etc. Es laufen bei ELPOS Schweiz
Bestrebungen, dass man in die Schulen reinkommt. Das ist erkannt und sollte
weitergehen. Wir haben in den Schulen entweder ein sehr grosses Bedürfnis oder eine
sehr grosse Ablehnung. Wie schwarz und weiss. Etwas anderes gibt es nicht. Das ist
die Schwierigkeit.

[00:15:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei SFG ADHS sind es mehr Fachleute, also Ärzte.

[00:15:39.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange es die Ärzte noch als Krankheit anschauen, macht es das Ganze immer noch
ein wenig schwierig. Immerhin, sie können trotzdem besser damit umgehen.

[00:15:39.380] – Bemerkung 5
Man sucht bis zu über einem Jahr nach einer Fachperson, welche einem Beratung
geben kann.

[00:15:48.500] – Bemerkung 6
In einem Kinderleben ist ein Jahr sehr lange.

[00:16:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann auch noch sagen, früher hat man gesagt, das wächst sich aus, mit 20 ist das
alles weg, und heute weiss man, es ist ein Neurotyp, der bleibt, das Gehirn das bleibt
so, man lernt aber besser damit umgehen.

[00:16:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit, es ist auch keine Entwicklungsstörung, sondern es
bleibt.

[00:16:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne muss man lernen besser damit umzugehen.

[00:16:30.000] – Bemerkung 7
Es wäre eine Traumvorstellung gewesen, von mir: warum nicht über HOTA so etwas
anbieten?

[00:16:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch meine Idee. Die HOTA sollte es unbedingt anbieten.

[00:16:37.620] – Dr.med. Ursula Davatz
90% der Familien, welche Kinder senden, sind ADHS/ADS Kinder. Die HOTA ist eine
ADHS/ADS Institution.

[00:16:37.730] – Bemerkung 8
Es hat viele Familien, wo die Eltern auch die Diagnose holen.

[00:16:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern lesen irgendetwas, hören dann etwas, am Radio oder am Fernsehen. Dann
sagen sie: das bin ja ich. Dann gehen sie abklären.

[00:17:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird sehr teuer abgeklärt, mit Neurotests, etc. Das ist schön und gut. Dann ist
fertig. Das nützt gar nichts.

[00:17:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache gar kein Test. Ich mache es aus der Anamnese heraus.

[00:17:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache die Drei-Generationen Anamnese.

[00:17:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre: der Vater ist Alkoholiker, impulsiv und jähzornig. Dann leuchten bei mir gleich
die Alarmlichter und dann schaue ich da rein.

[00:17:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine genetische Studie herausgekommen, dass manisch-depressiv,
Schizophrenie und künstlerische Tätigkeiten in der gleichen Familie vorkommen.

[00:17:50.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles ADHS/ADS.

[00:17:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können Grenzen überschreiten. Genetisch kommt das alles.

[00:17:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben es auch nicht mit dem ADHS/ADS zusammengetan.

[00:18:01.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man teure Abklärungen und dann hat niemand mehr Zeit.

[00:18:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich könnte man aus meiner Sicht all diese Abklärungen sparen.

[00:18:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sich viel Geld sparen, das ist rein akademisch. Das ist interessant, aber
das braucht man eigentlich nicht. Man könnte gleich zur Beratung übergehen.

[00:18:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist halt wieder unsere Exaktheit in der Medizin. Es muss zuerst ganz klar
diagnostiziert werden.

[00:18:27.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so frech, ich sage, das ist ein ADHS/ADS, auch vor der Krankenkasse.

[00:18:34.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil, wenn man Geld möchte, braucht man den Test. Dann lasse ich den Test auch
machen.

[00:18:34.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns klären die Psychologinnen ADHS/ADS auch ab.

[00:18:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann längere und kürzere Tests machen. Mit den Tests wird viel Geld verdient.
Hinterher wird wenig Beratung gegeben.

[00:18:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe auf eine paar Eigenheiten dieser ADHS/ADSler ein.

[00:19:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das noch ergänzen.

[00:19:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach zeige ich auf, wie es schief läuft, wenn man falsch mit den ADHS/ADSler
umgeht.

[00:19:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir einen Mutter sagt, dass ihr Kind sehr eigenwillig war, einen Dickkopf hatte,
sie lassen sich nicht gerne von aussen her bestimmen.

[00:19:32.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Therapeuten, bei den Ärzten hat es auch viele. Sie sammeln sich in
gewissen Berufen.

[00:19:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lassen sich nicht gerne von aussen her bestimmen.

[00:19:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen befiehlt, dann sagen sie eher Nein.

[00:19:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben oft Wechsel nicht gerne.

[00:19:57.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind zum Zahnarzt gehen müsste, wenn man sagt, dass man zum Zahnarzt
gehen muss, ist das schon zu spät.

[00:20:04.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf es nicht zu früh vorbereiten und nicht zu spät.

[00:20:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss vorbereiten, man muss den Übergang vorbereiten.

[00:20:09.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss beim Übergang gut dabei sein.

[00:20:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das immer mit Tieren.

[00:20:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Pferde sind Fluchttiere. Wenn man die Pferde in einen Transportwagen tun möchte,
stellen sie sich blöde an. Die Pferde brauchen dann jemanden, der sie gut begleitet, der
sie beruhigt, sodass sie dann in den Wagen rein gehen.

[00:20:23.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon zugeschaut. Es kann ein Theater sein. Halb rein und wieder raus.

[00:20:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne muss man Übergänge gut begleiten.

[00:20:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr eigengesteuert, das habe ich schon gesagt.

[00:20:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie haben ein grosses Sensorium, darum spreche ich in diesem Vortrag von Empathie.

[00:20:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken alles im Umfeld.

[00:20:55.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter frage, welches Kind am ehesten merkt, wenn es ihr schlecht geht,
dann sagt die Mutter immer: das ADHS/ADS Kind.

[00:21:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ihre Fühler draussen.

[00:21:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher reagieren sie stark auf Unstimmigkeiten im Umfeld.

[00:21:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Von daher ist es ihnen nicht egal. Sie haben keine Scheuklappen.

[00:21:11.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ihnen egal, ob sie selber betroffen sind. Es kann jemand im Umfeld sie schlecht
behandeln, der Kollege kann schlecht behandelt werden. Darauf reagieren ADHS/ADS
Kinder. Da fahren sie rein. Dort holen sie sich negatives Feedback von ihren Chefs. Sie
sind sehr sozial, sehr gerechtigkeitsliebend.

[00:21:41.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Ungerechtigkeit passiert, nicht nur zu sich, zu sich natürlich auch, aber auch im
Umfeld, dann wird ausgerastet oder Rückzug gemacht.

[00:21:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHSler der rastet dann aus oder flucht.

[00:21:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADSler macht Rückzug und geht in sein Schneckenhaus.

[00:21:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine hohe Reaktivität.

[00:22:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn hat sensorische Fasern, also Nervenleitungen, wo alles reinkommt.

[00:22:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auch motorische Nervenleitungen, wo die Dinge rausgehen.

[00:22:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sensorisch sind sie sehr sensibel.

[00:22:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihnen etwas nicht passt, reagieren sie schnell und impulsiv.

[00:22:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das emotionale Gehirn, das schnell und impulsiv reagiert. Es gibt eine
Überreaktion.

[00:22:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche wieder mit den Pferden.

[00:22:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd und eine Kuh. Schlägt man die Kuh mit einem Stock, macht sie nicht so viel.
Vielleicht läuft sie etwas schneller oder geht aus dem Weg.

[00:22:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Schlägt man ein Araberpferd, macht es einen Sprung auf die Seite. Araberpferde sind
sehr sensibel, die machen einen emotionalen Sprung.

[00:22:45.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS Kind macht einen Sprung nach aussen. Das ADS Kind macht einen Sprung
nach innen, es zieht sich zurück

[00:23:05.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit macht sie einerseits sympathisch, sie sind sehr emotional. Sie
können gut Beziehungen herstellen.

[00:23:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie überreagieren, dann ist es unangenehm. Dann machen sie grosse Wellen.
Sie machen in ihrem limbischen System, im emotionalen Hirn machen sie schnell
grosse Wellen.

[00:23:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist die Verbindung zu den manisch-depressiven: Himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[00:23:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben den gleichen veränderten Genlocus.

[00:23:40.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Manisch depressiv ist auch eine der Folgekrankheiten.

[00:23:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine starke emotionale Erregbarkeit.

[00:23:53.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Aufmerksamkeit geht nur dorthin, wo es sie interessiert.

[00:23:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer langweilige Dinge erzählt, schaut man zum Fenster, malt oder macht
sonst etwas. Man träumt oder stört seinen Nachbarn.

[00:24:09.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHSlser stören dann eher. Die ADSler die träumen.

[00:24:16.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Aufmerksamkeitsstörung, das heisst, sie sind leicht abgelenkt. Sie reagieren
auf alle Reize und suchen auch nach Reizen. Wo wäre etwas interessantes, das ich
verfolgen könnte.

[00:24:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie etwas haben, das sie interessiert, dann können sie ewig dran bleiben und
sind hyperfokussiert.

[00:24:41.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADSler führen möchte, muss man sie immer interessiert machen an
etwas.

[00:24:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ADHS/ADSler an etwas interessiert sind, dann können sie sich konzentrieren.

[00:24:52.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr explorativ, sie sind neugierig, neugierig für Neues.

[00:25:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Kinder berühren ohnehin alles die ganze Zeit überall. ADHS/ADSler noch mehr.

[00:25:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Die ADHS/ADSler sind neugierig im Denken. Sie fragen einem so Fragen wie: weshalb
ist die Sonne rund? Sind sind in diesem Sinne auch grenzüberschreitend.

[00:25:26.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsene laufen in festen Grenzen. Das ist für uns normal. Wir sind so
konditioniert, wir machen das einfach. ADHS/ADS Kinder fragen dann: warum ist das
so?

[00:25:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder haben so eine Phase, wo sie bei allem warum fragen und ihre Eltern in den
Wahnsinn treiben. Überall wird nach "warum" gefragt.

[00:25:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenige, welche nicht fragen, nehmen es gleich an die Hand. Die machen es sofort.
Dann schimpft man mit ihnen. Dann werden sie für ihre Neugier bestraft. Da werden sie
für ihr eigenes Wesen bestraft. Das ist nicht so gut.

[00:26:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie sonst noch Dinge festgestellt, bei den ADHS/ADSlern?

[00:26:18.300] – Bemerkung 9
Was man nicht unterschätzen darf, ist die Beziehung. Gerade in der Schule. Eine
Lehrperson, die es schafft eine gute Beziehung zu einem ADHS/ADS Kind herzustellen,
dieses Kind wird es dann viel einfacher haben.

[00:26:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:26:35.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die allgemeine Regel in der Dressur.

[00:26:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann kein Hund, kein Pferd, kein Tier dressieren, wenn man keine Beziehung zu
ihm hat.

[00:26:44.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann kein Kind erziehen, ADHS/ADSler schon gar nicht, wenn man keine
Beziehung hat.

[00:26:44.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht einfach nur um: das sind die Regeln und jetzt wird gefolgt.

[00:26:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer müssen zu den ADHS/ADS Kindern eine Beziehung herstellen.

[00:26:51.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald diese Beziehung zusammenbricht, geht nichts mehr.

[00:26:51.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sperren sie, dann bocken sie, dann leben sie zu leid, dann geht gar nichts mehr.

[00:27:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage ich als Erstes immer die Lehrer, den Vater und die Mutter, wie ihre emotionale
Beziehung zu dem Kind ist.

[00:27:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Ablehnung da ist, geht nichts mehr.

[00:27:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald eine Ablehnung da ist, geht nichts mehr.

[00:27:27.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spüren sie.

[00:27:29.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist abgebrochen.

[00:27:29.440] – Bemerkung 10
ADHS/ADS Kinder sagen sofort: diese Lehrerin mag mich nicht.

[00:27:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ADHS/ADS Kinder sagen es einem. Die hat mich nicht gerne. Dann geht nichts
mehr.

[00:27:39.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie nicht mehr führen. Dann kann die erwachsene Person das Kind nicht
mehr führen.

[00:27:44.620] – Bemerkung 11
Dann ist das Kind nicht mehr tragbar in der Schule.

[00:27:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht das Rösschenspiel los.

[00:27:47.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hattet einen ADHS/ADSler. Ein Kosovo-Albaner. Der hatte eine deutsche Lehrerin.
Die hat immer so laut gesprochen und auch geschimpft.

[00:28:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat das Kind nicht ertragen.

[00:28:08.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann ist er abgehauen, nicht in die Schule gegangen. Dann kam die Schulbehörde. Die
Mutter konnte es auch nicht erklären. Zu Hause hat sie keine Probleme mit dem Kind.
Sie hat mir gesagt: er mag nicht, wenn man laut spricht, wenn man schimpft.

[00:28:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ganze endete damit, dass er von der Polizei abgeholt wurde und in ein Heim
gebracht wurde.

[00:28:31.230] – Bemerkung 12
So einen hatte ich auch. Der ist auch von der Aarburg abgehauen. Er hat sich abgeseilt.

[00:28:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe acht Jahre auf der Aarburg gearbeitet.

[00:29:32.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas schief gelaufen.

[00:29:50.620] – Bemerkung 13
Ich habe eine Familie begleitet. Ein Mädchen, 12 Jahre alt. Die wollte abhauen. Die
Eltern hatten die Führung nicht mehr. Äusserlich musste alles stimmen. Fassade, Geld,
alles schön, alles dekoriert. Die Mutter war Russin. Das Mädchen hatte fünf Nachhilfe
Stunden. Französisch, Klavier, etc. Ich wollte das abschaffen, das ist nicht das was sie
möchte. Zwei Jahre, mit Aufs und Abs. Es braucht nicht, dass man materiell alles hat,
genug essen, nicht nur das. Was braucht es da? Eine Beziehung. Es gab sehr viele
Tränen am Anfang. Über Monate. Nach zwei Jahre schwitzen, haben wir es
einigermassen auf die Reihe gekriegt.

[00:30:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange mit REHA Patienten gearbeitet. Damals noch in Königsfelden im
Sozialpsychiatrischen Dienst.

[00:30:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich wurde gefragt, wie lange es braucht, dass sich etwas verändert?

[00:30:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich immer gesagt, sicher zwei Jahre.

[00:30:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis ein Erwachsener sich ändert, ob es Eltern von einem ADHS/ADS Kind sind oder ein
Psychiatrie Patient, es braucht zwei Jahre, bis der Prozess endlich sich ändert.

[00:30:42.240] – Bemerkung 13
Wenn es so fest gefahren ist.

[00:30:45.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Und das ist es eben.

[00:31:15.000] – Bemerkung 13
Wir sind immer dem nachgegangen ob sie gelogen hat.

[00:31:15.440] – Bemerkung 14
Oft wird gesagt: wenn er möchte, dann könnte er.

[00:31:15.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dieser Aussagen tut man ihnen Unrecht. Es braucht Aufklärungsarbeit.

[00:31:15.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir ein paar Do's und Don'ts aufgeschrieben.

[00:31:17.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst das, was man nicht machen darf.

[00:31:21.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Man darf den ADHS/ADSler nicht Nein sagen. Dann gibt es sofort eine Konfrontation.

[00:31:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit der Chaostheorie. Es kann auf dem Meer eine Welle mit einer
sehr langen Wellenlänge geben, mit einer kleinen Amplitude, eine niedere Welle. Die
kann über das Meer laufen. Das Schiffchen geht ein bisschen hoch und runter. Wenn
sie dann an das Land kommt, wenn dort ein Widerstand ist, ein Nein, eine Wand, dann
gibt es eine Springflut.

[00:31:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen, wenn die Welle reingeht, rausgeht, reingeht, rausgeht, dann ist die Energie
irgendwann weg.

[00:32:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Nein sagt, dann macht man eine Wand.

[00:32:14.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ja gesagt, sie sind emotional sehr erregbar.

[00:32:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen Nein sagt, bremst man ihre Emotionen ab und dann macht es eine
Springflut.

[00:32:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es Krach, dann hängen sie einem Fluchwörter an, weil sie durchkommen
wollen mit ihrem Zeugs.

[00:32:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: so gehst du nicht mit mir um. Dann spricht man darüber, wie man sich
der Mutter gegenüber verhalten sollte. Man ist völlig weg von dem was man eigentlich
möchte.

[00:32:45.480] – Bemerkung 15
Das kann schnell einmal passieren.

[00:32:45.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht Nein sagen, sondern sagen, wie man es gerne hätte.

[00:32:53.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor man sagt, wie man es gerne hätte, muss man das Kind validieren und sagen: ah,
du machst das so.

[00:33:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte noch fragen: weshalb machst du es so?

[00:33:08.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen zum Teil noch interessante Überlegungen raus. Erst danach: ich möchte es
so!

[00:33:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nein sagen. Nie emotional bestrafen.

[00:33:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas nicht möchte, oder falsch findet, das nicht mit allzu heftiger
Emotionalität ausdrücken. Sie sind leicht erregbar.

[00:33:25.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man selber dann Öl ins Feuer giesst, gibt es die Eskalationen.

[00:33:31.480] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien haben mehr Scheidungen, mehr Stellenabbrüche.

[00:33:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie machen viel mehr Beziehungsabbrüche, weil sie es einfach nicht aushalten.

[00:33:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das was man möchte unemotional sagen.

[00:33:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Strafe wirkt im allgemeinen schlecht.

[00:33:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS Kinder zu Tode schlagen und sie folgen immer noch nicht.

[00:33:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absurd aber es stimmt.

[00:34:05.660] – Bemerkung 16
Wenn sie das in einem Vortrag sagen, lachen immer alle, das kommt immer gut an.

[00:34:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Machtkampf verliert man, weil sie so einen dicken Kopf haben, so stark selber
gesteuert sind, dass man von Anfang an schon verliert.

[00:34:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll ihnen nicht Angst machen.

[00:34:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Erziehungsstile bei den Schizophrenie Familie analysiert. Ich hatte nur 75
Probanden.

[00:34:37.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann bei gesunden Vergleichsfamilien die Stile analysiert.

[00:34:41.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte nur vier Erziehungsstile.

[00:34:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophreniefamilien kam der angstmachende Stil verstärkt hervor.

[00:34:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Angstmachender Erziehungsstil: wenn du so bist, dann bringst du es nie zu etwas.
Wenn du das machst, dann lande ich früher im Grab oder ich bekomme einen
Asthmaanfall oder ich bekomme einen Herzinfarkt.

[00:35:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles emotional angstmachend.

[00:35:11.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Angstmachende Erziehungsstile.

[00:35:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin enttäuscht. Das höre ich auch nicht gerne, wenn Mütter das sagen.

[00:35:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles emotional unter Druck setzen.

[00:35:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles Öl ins Feuer giessen. Das ist nicht sehr gesund.

[00:35:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Allzu lange Erklärungen abgeben geht auch nicht.

[00:35:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben sie ein schlechtes Seriengedächtnis.

[00:35:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind ganzheitlich, erfassen bildhaft und schnell. Alles was über drei Sätze rausgeht,
wird nicht mehr registriert, resp. da haben sie dann schon ein Gegenargument. Dann
beginnt das Ping Pong. Das bringt gar nichts.

[00:36:10.890] – Bemerkung 17
Das gilt aber auch für alle anderen?

[00:36:11.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diese Regeln sind für alle Kinder gut. Bei ADHS/ADS Kindern ist es speziell wichtig.

[00:36:14.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht den Fokus wechseln. Sie selbst wechseln ständig den Fokus.

[00:36:26.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen immer, wo ein interessanter Fokus ist oder wo hätte ich ein Schlupfloch?

[00:36:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie argumentieren gerne. Wenn sie Teenager sind, können sie prima von hier nach dort
argumentieren, einem in den Irrgarten führen.

[00:36:39.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man schauen, dass man bei seinem Fokus bleibt. Nicht 100'000 Dinge
gleichzeitig behandeln, sondern mir ist jetzt das ein Anliegen.

[00:36:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss auch in der Stunde sagen: ich möchte zuerst das abhandeln. Wir kommen
dann nachher zu dem.

[00:36:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Manchmal kommt man nicht mehr dazu.

[00:36:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den Fokus wechseln.

[00:36:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas ganz Wichtiges. Man darf nicht unecht sein.

[00:37:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie spüren sehr gut, ob man authentisch ist oder nicht.

[00:37:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mal Lehrerbefragungen an der Schule meiner Kinder gemacht.

[00:37:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben einen Lehrer nach verschiedenen Dingen beurteilen dürfen.

[00:37:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer war recht authentisch. Er war auch brutal. Er hat mal einen Schüler
getreten.

[00:37:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst war der Lehrer sehr authentisch. Das haben sie ihm verziehen. Er ist gut
rausgekommen in der Umfrage.

[00:37:27.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Lehrer, der sich nach einem Schema verhält, auch ein Arzt, der sich nach einem
Schema verhält, ist sofort abgeschifft.

[00:37:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Da kommen die Erwachsenen ADHS/ADSler: ich war bei dem und dem Psychologen,
der hat mir gar nicht gepasst.

[00:37:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nach irgendeinem Schema vorgegangen. Das geht überhaupt nicht.

[00:37:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch etwas ganz Wichtiges. Authentisch sein. Sie können alle Fehler der Welt
machen, wenn sie dazu stehen und authentisch sagen, dass sie einen Fehler gemacht
haben.

[00:38:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so tut, als ob man recht hätte und es doch gut gemacht hätte, dann ist es
nicht gut. Dann ist man abgefahren.

[00:38:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen in dem Sinn auch natürlich sein, nach Möglichkeit weniger emotional, als ihr
Gegenüber.

[00:38:18.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die Eigenschaften.

[00:38:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt versuche ich noch zu sagen, was man machen könnte. Das ist auch nicht
vollständig.

[00:38:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Was soll man eher tun?

[00:38:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer schnellen Zeit. Wir gehen ganz schnell zur Problemlösung, auch
speziell wir Ärzte.

[00:38:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind Problemlöser, wir sind Handlungstypen.

[00:38:49.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist das Problem und das machen wir jetzt.

[00:38:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern, bevor man ein Problem lösen will, muss man immer schauen,
wie ist das Problem entstanden ist, woher kommt das? Was hat er gedacht? Was ist
abgelaufen.

[00:39:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen wollten ein Tier runter holen und wollte es selber runter holen. Der Junge
wollte dem Mädchen helfen, hat geschüttelt und das Tier ist runtergefallen. Dann hat
das Mädchen zu weinen begonnen und hat gesagt: das wollte ich nicht. Es gab ein
grosses Theater.

[00:39:32.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie danach gefragt, was es gewesen ist. Sie antwortete: weisst du, ich hatte
Angst, dass das Tier ins Wasser fallen würde. Ja, das verstehe ich.

[00:39:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jungen habe ich auch gefragt und er antwortete: sie wollte doch, dass ich es
runterhole und jetzt ist sie nicht zufrieden, das ist ungerecht. Zwei Mal falsch.

[00:39:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Jungen haben ich zu erklären versucht, dass sie es herunter holen wollte, aber sie
hatte Angst, dass es ins Wasser fällt und sie wollte es selber runter holen. Das
Mädchen ist nochmals zur Laterne hin, ich habe ihr geholfen, dann kam sie bis hoch
und hat gesagt: jetzt bin ich zufrieden, jetzt weiss ich, dass ich es runter holen kann.
Jetzt kann ich es selber runter holen.

[00:39:58.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste beide von ihrer Weltsicht her anschauen, was sie gedacht haben. Beide
waren richtig, zusammen hat es natürlich nicht gepasst.

[00:40:31.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte immer zuerst validieren, warum jetzt diese Reaktion? Wie versteht man die?
Dann dem Verständnis geben. Dann eine Pause.

[00:40:35.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst danach: in dieser Situation möchte ich es so und so, wegen dem und dem.

[00:40:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu kann man schon eine kurze Erklärung geben, nicht allzu lange. Keine Moral dran
hängen, sondern relativ einfach.

[00:40:59.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Therapeuten gibt es ein Problem und man bietet gleich eine Lösung an. Das
Problem wird nicht exploriert.

[00:41:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer zuerst explorieren, validieren. Er danach zur Lösung wechseln.

[00:41:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst fühlen sich die ADHS/ADSler nicht ernst genommen.

[00:41:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fühlen sich in ihrer Wahrnehmung, ihrer Reaktion nicht ernst genommen, sie fühlen
sich übergangen.

[00:41:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Das sagen sie einem dann auch. Die verstehen mich nicht, die nehmen mich gar nicht
ernst, die sehen nicht um was es mir geht. Auch wenn die Lösung noch so gut ist. Man
ist erst für eine Lösung bereit, wenn man sich selber besser versteht.

[00:41:33.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es möchte, nicht wie man es nicht möchte.

[00:41:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das "nicht wollen" gleich überspringen. Gleich zu dem gehen: ich möchte es gerne so.
Das ist Führung.

[00:41:55.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte, dass du es so machst.

[00:41:55.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst jetzt Essen kommen. Das ist ein Befehl.

[00:42:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind sehr empfindlich auf Druck von aussen.

[00:42:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: das Essen ist bereit, ich bin bereit, das ist die gleiche Kommunikation,
aber man gibt keinen Befehl.

[00:42:33.700] – Bemerkung 18
Es ist eine Einladung.

[00:42:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul spricht von Leitwölfen.

[00:42:38.995] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1048301406

[00:42:38.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss führen, man muss voran gehen. Kein Herdentreiber sein, sonder führen.

[00:42:39.480] – Bemerkung 19
Die Eltern kriegen aus lauter Dickköpfigkeit Angst vor dem Kind und führen dann nicht
mehr.

[00:42:46.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut. Aus Angst vor dem Kind führen sie nicht mehr.

[00:42:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist alles verloren. Dann ist ein Schiff im Ozean ohne Steuerung. Das ist gar nicht
gut.

[00:42:58.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern meinen häufig: wenn das Kind nicht gleicht gehorcht, dann geht alles nicht.
Ich sage: es braucht Übung, Übung, Übung.

[00:42:58.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe dann auch immer das Tennisspiel.

[00:43:06.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die besten Tennisspieler schlagen den Ball in das Netz und die haben zwei Anschläge,
sie haben zehn Anschläge. Dran bleiben.

[00:43:11.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann klappt es schon.

[00:43:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt keine Wunderlösung. Eine Bestrafung hilft nichts.

[00:43:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es möchte und nicht sagen: du musst. Du musst jetzt ins Bett gehen.
Es ist Zeit um in das Bett zu gehen. Ich will, dass du jetzt das Licht löscht. Sein eigenes,
emotionales Gewicht in die Waagschale geben, bei sich bleiben.

[00:43:54.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern können zum Teil sehr manipulative Dinge sagen, welche immer wieder übergriffig
sind. Man darf nicht übergriffig werden. Man muss wirklich bei sich bleiben.

[00:43:55.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Allgemein sage ich, man muss Kinder zur Kooperation bringen. Kinder sind empathisch.
Kinder merken, wenn es einem nicht gut geht.

[00:44:11.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder wollen helfen. Wenn man die Kinder nicht überfährt, kann man sie sehr gut zur
Kooperation bringen.

[00:44:15.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihnen manchmal auch ein wenig Zeit lassen.

[00:44:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: ich will es so. Sie wollen etwas anderes, damit sie von ihren Dickkopf
wechseln können, zu dem was man möchte.

[00:44:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich wollen Kinder immer kooperieren.

[00:44:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Problem gibt, ein Streit, dann nicht gleich sagen: jetzt ist das und ich
möchte das, sondern: hier haben wir ein Problem zusammen.

[00:44:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Verlangsamen.

[00:44:35.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ein Problem, ihr zwei habt ein Problem. Ihr drei habt ein Problem.

[00:44:49.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen wir jetzt?

[00:44:49.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder nicht in die Schule gegangen sind, oder alles Mögliche, habe ich immer
gesagt: ich habe ein Problem.

[00:44:54.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter möchte, dass du in die Schule gehst, dass du deine Hausaufgaben machst.
Aber du machst das und das. Was machen wir jetzt?

[00:44:57.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler für die Problemlösung involvieren.

[00:45:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie zum Kooperieren bringen und dann sie auch immer fragen: sie würdest du das
angehen?

[00:45:18.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dein Vorschlag, um dieses Problem zu lösen?

[00:45:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man natürlich nicht bei einem Zweijährigen, aber bei den Teenagern auf jeden
Fall.

[00:45:27.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sagen sie dann zuerst, ich weiss nicht, das ist nicht mein Problem.

[00:45:30.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, wir haben ein Problem. Ich habe ein Problem.

[00:45:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben zusammen im gleichen Haus und dann haben wir halt ein Problem.

[00:45:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort auch wieder Geduld haben, bis man sie ein wenig einlädt.

[00:45:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bringen die ADHS/ADSler oft Vorschläge, wenn man eine ganze Familie hat, dann
kann man auch die verschiedenen Geschwister fragen.

[00:45:50.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Siehst du das Problem hier? Der Vater und der Bruder haben hier ein Problem. Was ist
deine Idee? Wenn man die Idee nicht hat, dann fragt man den Betroffenen.

[00:46:00.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden dann gute Vorschläge gemacht.

[00:46:06.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Beispiel Ausgang: ok, du willst in den Ausgang, wann kommst du nach Hause?

[00:46:06.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht.

[00:46:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Doch: sag eine Zeit.

[00:46:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Morgens um vier Uhr.

[00:46:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist mir zu spät.

[00:46:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann immer sagen: das genügt mir nicht ganz.

[00:46:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der Führende derjenige, welcher sagt: das ist noch nicht gut genug. Der
andere kann Vorschläge machen.

[00:46:38.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne einladen zur Problemlösung und kooperativ das Problem lösen an
Stelle von Befehlen und Gehorsamkeit.

[00:46:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft es schlecht.

[00:46:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Machtkämpfen, wenn Eltern sehr pedantisch sind, sehr genau mit ihren Regeln,
dann muss ich sagen, lieber weniger Regeln, aber diese dann durchziehen.

[00:47:00.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist besser als viele Regeln und diese nicht durchziehen.

[00:47:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Mutter, sie war ein ADS und der Sohn ist ein ADHS.

[00:47:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagte: ich bin konsequent inkonsequent gewesen.

[00:47:14.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hatte den Sohn gar nicht im Griff. Der Sohn hat dann Drogen genommen, alles
mögliche falsch gemacht. Sie war immer entsetzt und schrecklich, ist aber doch dran
geblieben.

[00:47:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit ihr gearbeitet, damit sie mehr Selbstbewusstsein bekommt, ihrem Partner
gegenüber.

[00:47:31.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat jetzt eine Angststörung gemacht. Das kann es auch geben. Sie hat sich ganz
negativ dargestellt. Ich habe sie dann in der Partnerschaft und an der Arbeit gestützt,
damit sie sich in der Partnerschaft ein wenig durchgesetzt hat. Dann ging es auch an
der Arbeit. Plötzlich war die Frau wie ein umgekehrter Handschuh und konnte dann dem
Sohn gegenüber besser auftreten.

[00:47:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um einen Machtkampf geht überlegen: welche Regel ist mir wichtig, welche
nicht. Besser die Fünf gerade stehen lassen, ein paar wenige Regeln, nicht mehr als
fünf. Dort sich durchsetzen. Nicht mit einem Schlag sich durchsetzen. Meistens beginne
ich mit einem, wenn alles so daneben gelaufen ist.

[00:48:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das durchgesetzt ist, etwas nächstes und etwas nächstes.

[00:48:25.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fünf gerade stehen lassen und sich auf wenig beschränken.

[00:48:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zweifelsfall steuern sich die Kinder selber besser, als wenn wir übersteuern.

[00:48:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit dem Fahren auf Glatteis. Dort muss man das Steuerrad mit
einem Finger halten, sonst übersteuert man und dann schleudert es.

[00:48:42.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere zwei Piloten, welche angestanden sind und gesagt haben: im Zweifelsfall,
wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät, das Flugzeug sich selber überlassen, dann
steuert sich das Flugzeug besser, als wenn wir übersteuern.

[00:49:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch über das ADHS/ADS Kind.

[00:49:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir meinen, weil wir älter sind, wir müssen die ADHS/ADS Kinder steuern, damit
sie ihre Prüfung bestehen und das und jenes, dann sage ich immer: im Zweifelsfall
steuern sich die selber besser.

[00:49:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte solche ADHS/ADS Kinder, welche ich durch die Matur begleitet habe, durch
das Staatsexamen begleitet habe, alles chaotisch und drunter und drüber. Wenn es
dann darauf ankommt, kriegen sie häufig gerade noch die Kurve.

[00:49:47.300] – Bemerkung 20
Sie brauchen die Not für eine gute Note.

[00:49:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man rein funktioniert hätte, wäre gar nichts gegangen. Hätte man übersteuert, es
wäre alles den Bach runter gegangen.

[00:50:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sage ich den Eltern: es ist ihr Kind, sie müssen es dem Kind übergeben und sie
müssen auf eine Art blindes Vertrauen in ihr Kind haben. Blindes Vertrauen.

[00:50:05.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache ein Bild: wenn ihr Sohn Seiltänzer wäre, er läuft da oben und sie sagen ihm,
dass er mehr nach links oder mehr nach rechts gehen soll, dann fällt er sicher runter.

[00:50:06.010] – Dr.med. Ursula Davatz
So darf man ADHS/ADS Kinder nicht steuern und nicht stören.

[00:50:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Steuern heisst stören, übersteuern und stören.

[00:50:27.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ganz schwierig.

[00:50:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber er muss es doch dann können.

[00:50:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das braucht manchmal bis zwei Jahre, bis Eltern das begreifen können.

[00:50:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern von ihrem Kind, haben noch X andere Leute rein gebracht, welche hätten
Steuern sollen, sodass sich das Kind gar nicht selber steuern konnte.

[00:50:47.090] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind stark selber gesteuert.

[00:50:47.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Je früher sie lernen, sich selbst zu steuern, umso besser funktioniert es.

[00:50:54.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigenkompetenz, eigene Beherrschung.

[00:50:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Machtkampf auch mal nachgeben und sagen: ich lasse es fahren.

[00:51:02.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich dann: lassen sie es fahren. Das hat keinen Sinn. Wir haben wieder eine
Chance, unsere Ideen vorbringen zu können. Nicht unbedingt siegen wollen.

[00:51:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich Vorträge bei Eltern von Teenagern halte, sage ich manchmal: wenn das Kind
im Machtkampf gewinnt, tut man auch wieder etwas für sein Selbstwertgefühl. Das ist ja
gut.

[00:51:31.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen als Eltern auch verlieren können.

[00:51:33.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss als Eltern auch einstecken können. Man muss nicht immer Recht haben und
sich immer durchsetzen.

[00:51:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer wieder eine Möglichkeit, um wieder sein Credo anzubringen.

[00:51:48.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss manchmal auch nachgeben können.

[00:51:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei den ADHS/ADS Kindern muss man diesen genug Raum geben, um sich bewegen
zu können.

[00:52:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter nach dem Mittagessen mit den zwei Kleinen kuscheln möchte, das ist
nichts für den älteren Jungen. Der will nicht Kuscheln, der will sich bewegen. Dann
kommt der Ältere zu kurz. Die Mutter holt sich das Kuscheln bei den Kindern, gute
Gefühle.

[00:52:26.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADS Kindern muss man genügend Raum geben, auch Möglichkeiten geben.
Auch allenfalls zum Kampf auffordern, damit sie ihre Kräfte wetzen können.

[00:52:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die ADHS/ADS Kinder zu stark eingeengt sind, dann ist es wieder wieder wie das
Rennpferd im Stall, das eine Sehnenscheidenentzündung bekommt, oder der Hund,
welcher eingesperrt wird, der bissig wird. Das ist nicht so gut.

[00:52:49.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern muss man genügend Raum geben, damit sie überlegen können.
Die denken viel. Bevor ADS Kinder Entscheide treffen, müssen sie alle möglichen
Ramifikationen, Verästelungen durchdenken, bevor sie sagen können, dass sie das
machen.

[00:53:00.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das verlangsamt sie. Wenn man da rein schwatzt, dann stört man sie in ihrer
Entscheidungsfindung.

[00:53:09.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das treffe ich oft an.

[00:53:12.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann habe ich einen ADHS/ADS Junge oder Tochter und eine Mutter die ständig darauf
los redet. Dann kommt das Kind gar nie dazu, sich auszudrücken.

[00:53:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann bis in den Autismus hinein gehen. Autismus ist ein extremes ADS.

[00:53:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus gehört zu den fünf Krankheiten.

[00:53:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von Asperger. Alles schöne Namen.

[00:53:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich alles das ADS.

[00:53:50.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das zuviel stört, zieht es sich nur noch zurück, bleibt nur noch ruhig und
geht in die Phantasie.

[00:53:50.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz stark geht, gibt es eine Schizophrenie daraus. Dann treten alle
möglichen Wahnvorstellungen auf und es sieht die Welt nur noch über seine
Wahnvorstellungen.

[00:54:11.560] – Bemerkung 21
Das ist dann wieder eine gute Möglichkeit für das Individuum, welches eine
Schizophrenie entwickelt, für sich selber Raum zu gewinnen.

[00:54:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau, so holt sich das Individuum Raum.

[00:54:23.660] – Bemerkung 21
Es ist eine Selbstheilung. Es ist eine Selbsthilfe.

[00:54:29.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Stimmt. Sie helfen sich so und gehen dann in alle ihre Fantasien.

[00:54:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sie in der Stunde habe und ich sage etwas, sehe ich an den Augen, jetzt sind
sie weg. Wo sind sie jetzt? Ja, ich habe gerade über das nach studiert.

[00:54:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es sofort.

[00:54:45.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem sage ich dann, sie machen die Rechnung ohne den Wirt.

[00:54:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wirt wäre das Leben. Also die Realität. Die machen dann nur noch Konstruktionen
im Gehirn.

[00:54:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Fantasiegeschichten von Harry Potter sind gleich.

[00:55:08.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen sich dann Fantasiegeschichten im Kopf. Sie haben eine reiche Fantasie.
Wenn sie ihre Geschichten zu Papier bringen und verkaufen könnten, wäre das etwas
anderes.

[00:55:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Schutzmechanismus. Hier muss man die Mutter zum Schweigen bringen, zum
verlangsamen bringen, damit das Kind zum sprechen kommt.

[00:55:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Familien wo der eine Sohn hypeaktiv ist und der andere der Langsame
ist. Der Hyperaktive erdrückt den anderen komplett. Die Mutter beschützt dann den
ADSler ständig. Dann gibt es ein völliges Ungleichgewicht. Der ADSler wird dann nicht
lebenstauglich. Der andere hat ein schlechtes Gewissen.

[00:55:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ungefähr drei Familien, in denen einer ADHS und der andere ADS ist und es
sich so auseinander dividiert hat.

[00:56:15.480] – Bemerkung 22
Was ist dort wichtig?

[00:56:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort musste ich der Mutter sagen, sie dürfe nicht mehr nur eingreifen auf der Seite des
bösen Aktiven und den anderen schützen, sie muss zum aktiven eine Beziehung
herstellen und den anderen ein bisschen mehr in Ruhe lassen. Nicht immer so protektiv
sein.

[00:56:28.220] – Bemerkung 23
Eine Beziehung herstellen zum ADHSler.

[00:56:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, den hat sie immer negativ beurteilt, bestraft, kritisiert und er ist immer mehr auf
seinen jüngeren Bruder los gegangen.

[00:56:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Pecking Order.

[00:56:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn oben einer auf einen anderen pickt, dann geht es immer weiter runter.

[00:56:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Dynamik musste ich ändern.

[00:57:02.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ältere Sohn hat die Mutter völlig abgelehnt, gequält, weiss ich nicht was alles.

[00:57:08.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie reagierte immer wieder mit Bestrafen oder Ablehnung.

[00:57:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat sie eine Beziehung zu ihm und jetzt haben die beiden Brüder auch wieder eine
Beziehung. Keine wahnsinnig engen, aber das ist nicht notwendig.

[00:57:22.510] – Bemerkung 24
Jesper Juul hat immer gesagt: streiten lassen. Den Grossen die Grenze überschreiten
lassen, damit sich der Jüngere wehren lernt. Das geschieht nicht, wenn die Eltern
eingreifen. Stellen sie Pflaster hin und laufen sie davon. Dann hört der Streit sofort auf,
der Streit ist intensiver aber weniger lange. Die Showbühne ist nicht mehr da.

[00:57:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie finden selber eine Lösung.

[00:58:07.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter immer da ist zum Eingreifen, findet sie keine.

[00:58:11.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Kind ist, das ADHS/ADS ist, ich habe jetzt ein Mädchen und die Mutter
spricht zu viel, dann muss man die Mutter natürlich zurückbinden, damit sie dem Kind
Raum zum Reden lässt.

[00:58:25.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch eine Schizophrenie Patientin, die Mutter ist die Hyperaktive.

[00:58:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten wollten dann auch immer noch, dass sie noch das macht und jenes tut
und man muss eine Tagesstruktur haben, etc.

[00:58:35.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle mitgemacht bei diesem Zeugs.

[00:58:38.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann hat sie ihre Stelle gekündigt, die man extra organisiert hat und jetzt geht es
ihr viel besser.

[00:58:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit wir nicht mehr alle auf sie einreden, und etwas von ihr wollen, geht es besser. Jetzt
braucht sie weniger Medikamente.

[00:58:49.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie musste sich immer gegen all die Fremdeinflüsse wehren.

[00:58:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann besteht das ganze Leben nur aus sich zur Wehr setzen.

[00:58:59.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt es nicht und man muss es einsehen.

[00:59:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ihnen mehr Raum lassen.

[00:59:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS und ADS sind oft kombiniert mit Lernstörungen.

[00:59:12.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie das genetisch zusammenhängt, weiss ich nicht so genau.

[00:59:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss es auch noch nicht genau. Es tritt viel häufiger kombiniert auf.

[00:59:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen dann: der hat nur eine Legasthenie, aber keine ADHS/ADS.

[00:59:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine einzige Legasthenie gesehen ohne ADHS/ADS.

[00:59:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADHS/ADS ohne Legasthenie und ohne Dyskalkulie.

[00:59:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal haben sie nur das eine, manchmal nur das andere.

[00:59:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal haben sie beides.

[00:59:40.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche haben auch eine Überbegabung, also Hochbegabung.

[00:59:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele ADHS/ADS Kinder, die auch hochbegabt sind.

[00:59:48.800] – Bemerkung 25
Was geht unter Überbegabung?

[00:59:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein IQ über 120.

[01:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil haben sie eine Hochbegabung, zum Beispiel musikalisch.

[01:00:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Geigenspieler, auch ein ADHS/ADS, der übt natürlich nicht. Die Mutter
verzweifelt. Aufhören, weg. Er muss es selber lernen.

[01:00:09.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können extreme Begabungen haben. Albert Einstein war sicher einer, der eine
Legasthenie hatte und er war hochbegabt in der Physik.

[01:00:25.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Kopfrechnen konnte er auch nicht so gut.

[01:00:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Er musste immer jemanden haben, der für ihn rechnet. Das hat mir mal jemand gesagt,
der einen Onkel hatte, welcher Albert Einstein noch kannte.

[01:00:36.160] – Bemerkung 25
Musikalisch war er auch sehr begabt.

[01:00:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, ja, sehr. Er hat ja Geige gespielt.

[01:00:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, Mathematik und Musik gehen oft zusammen. Irgendwie ist das der gleiche
Hirnteil, die gleiche Hirnregion.

[01:00:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können hochbegabt sein in einem Musikinstrument, sie können hochbegabt sein im
Zeichnen, in der räumlichen Erfassung, dreidimensional etc.

[01:01:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können hochbegabt sein im Schreiben, dann haben sie natürlich keine Legasthenie.

[01:01:06.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Erfinder hat es viel darunter. Sie wollen ja Grenzen überschreiten, von dort her wollen
sie forschen. Künstler hat es viele, Sportler.

[01:01:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sportlich können sie hochbegabt sein. Roger Federer ist vielleicht einer von ihnen. Ich
habe jemanden kennengelernt, der noch Balljunge war. Roger Federer hat offenbar
jeglichen Unsinn gemacht.

[01:01:27.660] – Bemerkung 26
Ich habe ein Video gesehen, wo Raphael Nadal und Roger Federer zusammen in die
Kamera grölen. Das war unglaublich zum anschauen.

[01:01:40.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch Hochbegabungen haben.

[01:01:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich tragisch, wenn man sie an ihren Fehlern misst und nicht ihre Begabung
fördert.

[01:01:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das etwas neu.

[01:01:55.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man einen Nachteilsausgleich erwirken. Das gibt immer eine Diskussion
unter den Eltern und den Lehrpersonen, soll man das jetzt tun oder nicht.

[01:01:58.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer haben oft noch die Haltung: wenn das Kind eine Vier hat, dann hat das Kind
keinen Nachteil, das genügt ja. Damit das Kind die Note Vier hat, muss sich das Kind
sehr anstrengen und die Mutter muss eine sehr grosse Zusatzleistung machen. Das ist
nicht gesund. Man darf nicht nur die Noten anschauen, sondern man muss auch
anschauen, was aufgewendet wird um die Noten zu erreichen.

[01:02:12.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind klar eine Legasthenie hat, der Vater hat auch eine, dann muss man das
berücksichtigen, dann sollte man das Kind dort weniger streng benoten oder den
Kindern entsprechende Hilfe geben.

[01:02:51.240] – Bemerkung 27
In Bezug auf das Lernen zu Hause, dort gibt es soviel Streit. Dort muss die Beziehung
über der Leistung stehen, im Sinne des Kindes. Ich kenne so viele ernüchternde
Schüler und Schülerinnen mit diesen Merkmalen.

[01:02:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sage ich, dass die Mutter nicht mit dem Kind lernen sollte. Das sollte man
outsourcen.

[01:03:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lernstörungen müssen miteinbezogen werden, das Kind darf nicht am Negativen
gemessen werden, sondern daran, was es gut kann.

[01:03:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind gut Fussball spielt und dann schlecht im Französisch ist, dann heisst
es: solange du kein 4.5 im Französisch hast, darfst du nicht Fussball spielen gehen.
Das ist genau verkehrt. Das Kind muss Fussball spielen gehen.

[01:03:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Sport sind die ADHS/ADS Kinder besser in der Schule. Das ist auch
bewiesen.

[01:03:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Schulen wo viel Sport betrieben wird, sind die Kinder besser. Kinder, welche
regelmässig Musik machen, sind in der Schule besser, funktionieren besser.

[01:03:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was gut läuft.

[01:03:42.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Negativmotivation bei den Kindern. Dann geht alles in die Hose.

[01:03:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur ein Befehl aufs Mal geben. Nicht sagen: du musst das und das und das tun,
sondern: du musst nur das machen.

[01:04:12.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können das sonst nicht mehr im Kopf behalten.

[01:04:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr wahrnehmend und verästeln auch alles. Das kann leicht
ein System Overload geben. Alle Informationen, welche reinkommen, überladen das
ganze System und am Schluss hören sie gar nichts mehr.

[01:04:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viel aufs Mal, nur ein Ding aufs Mal.

[01:04:35.320] – Bemerkung 28
Wenn man zuviel geredet hat, hat ein Knabe im Kinderheim immer zu mir gesagt: ich
verstehe jetzt nur Bahnhof.

[01:04:45.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut!

[01:04:46.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine goldige Regel, bevor man irgendetwas zu einem ADHS/ADS Kind sagt: gut bei
sich bleiben, sich zuerst mitteln, sich selber zuerst beruhigen. Im Affekt darauf los
gehen, dann geht es schief.

[01:05:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Familientherapeuten, die sagen: ich verschreibe der Familie ein Medikament.
Derjenige, welcher sich am meisten aufregt müsste das Medikament nehmen.

[01:05:24.170] – Bemerkung 29
Das ist die grösste Herausforderung für die Mütter. Einen Moment inne halten und
warten, bis es nicht mehr so heiss ist.

[01:05:39.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[01:05:52.410] – Bemerkung 30
Den Eltern muss man auch eine Form von Impulskontrolle beibringen, die
Achtsamkeitsregeln beibringen.

[01:05:54.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern kann man das beibringen. ADHS/ADS wird genetisch vererbt, daher haben
viele auch diese Konstitution.

[01:06:10.680] – Bemerkung 31
Ich habe das Problem auch bei meinen Kindern. Jetzt bin ich wieder reingelaufen.

[01:06:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, wir sind alles nur Menschen, keine Roboter.

[01:06:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind alle gerne am Computer. Früher hat man auch gesagt, dass man den
Computer verwenden soll, um Lernprogramme zu machen.

[01:06:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer wird nicht verrückt. Der sagt einfach, es geht nicht. Das ist der Vorteil des
Computers.

[01:06:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dennoch nicht gut, wenn sie nur über den Computer lernen.

[01:06:34.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, mit Unvorhergesehenem umzugehen, mit dem Leben.

[01:06:38.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst machen sie die Rechnung ohne den Wirt.

[01:06:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas wichtiges sage ich den Müttern auch noch.

[01:06:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf mehreren Stockwerken verteilt ist, kann man dem ADHS/ADS Kind nicht
den Befehl vom untersten Stock in den obersten Stock rufen, nicht einmal durch das
Zimmer schreien.

[01:06:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat man die Aufmerksamkeit nicht.

[01:06:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Appell des Kindes haben.

[01:06:59.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Appell des Kindes hat man, in dem man in die Nähe geht, auch wenn man ein
bisschen laufen muss. Wenn das Kind noch in den Computer starrt, muss man es kurz
berühren. Die Berührung ist auf den Schultern. Ruhig berühren, warten, Augenkontakt
und dann etwas sagen.

[01:07:17.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kannst es mir sagen, ich kann beides, in den Computer schauen und zuhören. Nein,
das geht nicht! Ich will, dass du zuhörst.

[01:07:34.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Appell des Kinden holen, bevor man sagt, was man möchte.

[01:07:34.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sonst etwas sagt, ist es einfach verpufft, verpuffte Energie.

[01:07:38.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen viele auch nicht.

[01:07:40.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Eile des Gefechts brüllt man nur rum und am Schluss kommt gar nichts raus.

[01:07:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich diese kleine Zeit nehmen, um den Appell des Kindes zu erhalten.

[01:07:51.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt natürlich auch für die Schuhe.

[01:07:54.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spart Zeit.

[01:08:16.140] – Bemerkung 31
Ich musste meinem Sohn drei Mal etwas sagen, bis ich gemerkt habe, dass ich seinen
Appell nicht habe, er hat mich nicht gehört, die ersten beiden Male. Dann hat er immer
zu mir gesagt: schrei mich nicht so an.

[01:08:15.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war irgendwo anders.

[01:08:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Erwachsenen müsste man sagen: warte, ich möchte das noch schnell fertig
machen, dann kann ich dir zuhören.

[01:08:32.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Chef zu Sekretärin geht, muss er anklopfen, auch wenn es keine Türe gibt.
Man muss warten, bis die Sekretärin ihren Ablauf fertig gemacht hat, dann kann man
seine Sache sagen. Sonst platzt man überall rein und macht ein grosses
Durcheinander.

[01:08:32.840] – Bemerkung 32
Ein Wort, dass man aus dem Wortschatz streichen muss, ist: vielleicht.

[01:08:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja das stimmt. Keine Unklarheiten, keine Ambiguität. Ich weiss nicht, vielleicht.

[01:09:19.780] – Bemerkung 32

Vielleicht gehen wir morgen auf den Spielplatz. Das ADHS/ADS Kind hört nur: morgen
gehen wir auf den Spielplatz.

[01:09:26.670] – Bemerkung 33
Wenn eine Mutter unklar oder unsicher ist, arbeite ich viel mit dem Satz: ich muss es
mir noch überlegen, ich gebe dir noch Bescheid.

[01:09:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man. Ich kann noch keine Antwort geben, ich muss es mir überlegen. Das ist
in Ordnung. "Vielleicht" geht nicht.

[01:09:34.740] – Bemerkung 34
Es braucht enorm viel Zeit. Es liegt an mir die Zeit zu geben und das Tempo raus zu
nehmen und einfach an etwas dran zu bleiben. Das ist nicht immer so einfach.

[01:09:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist nicht so einfach. Ich sagen zu den Ärzten: für uns ist es schwieriger, nichts
zu machen. Warten können, zuwarten können, Geduld haben. Wir Helfer müssen auch
Geduld haben und warten können. Zeit lassen, bis sich der Prozess ein wenig
verändert.

[01:10:22.370] – Bemerkung 35
Wenn man all die Infos auf einmal geben würde, dann gibt es eine Überladung.

[01:10:22.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht. Ein Schritt nach dem anderen und dann wenn es gerade passt. Dann
sagen mir Familien: das haben sie mir vor einem Jahr oder vor fünf Jahren nicht gesagt.
Dann antworte ich: dort waren wir noch nicht so weit. Jetzt, wo wir soweit sind, kann
man es sagen. Wenn man es damals gesagt hätte, wäre es verpufft.

[01:10:29.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist auch eine Kunst, dass man spürt, wann man was sagen kann und was man
nicht sagen kann, wenn die Zeit noch nicht reif dafür ist.

[01:11:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befürworte eher individualisierte Programme als Gruppenlernprogramme.

[01:11:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Gruppen sind nicht alle gleich weit.

[01:11:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse wissen mehr, andere sind Anfänger.

[01:11:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Vorstellung, dass es weniger kostet, wenn man mehrere zusammen nimmt.

[01:11:37.740] – Bemerkung 36
80% der ADHSl/ADSler haben eine Folgekrankheit? Ist das wirklich so?

[01:11:43.580] – Dr.med. Ursula Davatz
75% bis 80% haben eine zusätzliche Krankheit. Die Ärzte sprechen von einer
Komorbidität. Ich spreche von einer Folgekrankheit.

[01:11:58.150] – Bemerkung 36
Ich kann das fast nicht glauben. Bei 80% der ADHS/ADSler muss man damit rechnen,
dass irgendwann so eine Krankheit machen.

[01:12:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den ADHS/ADSler als Kinder und in der Pubertät nicht beisteht. Wenn man
sie nicht behandelt.

[01:12:27.310] – Bemerkung 37

Wenn man kein Werkzeug hat, wie man mit diesen Dingen umgehen muss.

[01:12:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld mit diesen Kindern und Jugendlichen nicht umgehen kann. Wenn das
Umfeld damit umgehen kann, dann lernen die Kinder es. Dann lernen die Kinder mit
ihrem Wesen und ihrer Persönlichkeit umzugehen. Dann werden es sehr interessante
Persönlichkeiten.

[01:12:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Unternehmer, Künstler, Erfinder, also eben der Albert Einstein. Es gibt
gescheite Leute darunter, die gute Sachen machen. Sehr viele Unternehmer und Ärzte.

[01:13:11.780] – Bemerkung 38
Es gab eine Doku über ADHS/ADS und Daniel Rohr.

[01:13:11.780] – Bemerkung 38
https://www.srf.ch/audio/focus/daniel-rohr-mein-adhs-ist-eine-kreative-kraft?
id=11969879

[01:13:11.780] – Bemerkung 38
Es war genial zum sehen, wie er arbeitet. Er war die ganze Zeit mit seinem Laptop
unter dem Arm unterwegs. Er hatte seine Leute um sich rum, die ihn organisiert haben,
weil er es nicht selber auf die Reihe gebracht hat. Seine Ideen und seine Kreativität sind
sehr eindrücklich. Das war wunderbar.

[01:13:25.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat nur so gesprudelt.

[01:13:37.600] – Bemerkung 39
Es liegt also nur am Umfeld? Nur dann kann eine Folgekrankheit entstehen.

[01:13:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum bin ich so darauf aus, dass die HOTA die Umfeld Beratung anbietet. Die HOTA
ist am besten prädestiniert das Umfeld zu beraten, damit keine Folgekrankheiten
auftreten.

[01:13:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen ADHS/ADS Patienten von der Kantonsärztin bekommen. Sie hat dem
Patienten erst mit 15 Jahren die Diagnose gestellt und mir überwiesen. Ich habe dann
die Eltern beraten. Es liefen extreme Dinge mit Abhauen, Verzweiflung. Ich habe immer
nur die Eltern beraten. Am Schluss habe ich ihn in eine Lehre gebracht, in einen
Abschluss gebracht. Er hat dann die Lehrabschlussarbeit über ADHS/ADS gemacht.
Immer wenn es eine Krise gab, haben sie mich wieder kurz reingeholt und ich bin durch
die Klippen gesegelt. Er hat sich ganz gut entwickelt.

[01:14:01.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Als er älter war, hat er gesagt: ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, wenn ich mich
so aufrege.

[01:14:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das konnte er nur lernen, weil die Mutter toleranter wurde, weniger gesprochen hat und
der Vater das Ganze besser verstanden hat. Der Vater kam nur zweimal. Der Vater
sagte: er habe sehr viel daraus gelernt und konnte darum viel besser mit seinem Sohn
umgehen.

[01:15:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine Krisenintervention, wo der Sohn an der Tankstelle abgehauen ist. Telefone
hin und her. Er wollte an ein Konzert gehen und nicht mit den Eltern nach Italien fahren.
Das hat er aber nicht gesagt.

ADHS ist keine Krankheit – Motion im Schweizer Parlament

ADHS ist keine Krankheit! Die wirklichen Ursachen müssen nun angepackt werden.

Die Entscheidung im      15.4229

Entscheidungs-Video im Ständerat.

Stellungnahme von Alain Berset.

Die Abstimmung lief über den Medikamenten-Konsum weil man den begrenzen wollte, darum wurde sie abgelehnt. Eigentlich hätte man darüber abstimmen sollen ob ADHS eine Krankheit ist oder nicht.

Von der Sucht zurück zum Genuss

Geniessen zu können ist eine Kunst und es braucht Zeit dafür. In unserer leistungs- und finanzorientierten Gesellschaft, in der jede Minute zählt um Geld einzubringen, um im Wettlauf mithalten zu können, fehlt uns oft die Zeit für den Genuss. Wir führen uns dann mit selbstschädigenden, krankmachenden Ersatzmitteln Genuss zu, weil wir glauben, die Zeit nicht mehr zu haben, um auf natürliche Weise Genuss erleben zu können, ohne Suchtmittel.

Transkription

ADHS fordert heraus

«ADHS fordert heraus» Bildungstag für das erzieherische Umfeld Dr. med. Ursula Davatz, Vizepräsidentin adhs 20+ Psychiaterin und Familientherapeutin Früher wurde das AD(H)S von vielen Fachleuten gar nicht anerkannt. Heute ist es in aller Munde. Viele Eltern möchten wissen, ob ihr Kind eines hat und auch viele Erwachsene wollen abklären lassen, ob sie davon betroffen sind. Doch eine Abklärung bringt uns noch nicht weiter. Es ist der passende Umgang mit diesen speziellen Kindern, den wir erlernen müssen. Dieser ist ausschlaggebend, ob sich bei diesem Persönlichkeitstyp eine sekundäre Störung entwickelt – was bei 80 Prozent der Fall ist, oder ob daraus interessante, kreative, durchsetzungsfähige Unternehmer, Künstler oder auch Wissenschaftler hervorgehen. Da die heutigen Kinder sehr viel Zeit in Tagesstätten, Kindergärten und natürlich Schulen verbringen, ist es von enormer Wichtigkeit und grosser gesundheitspolitischer Bedeutung, dass diese professionellen Erzieher lernen, mit diesen speziellen Kindern möglichst geschickt umzugehen. Leider ist dies zum heutigen Zeitpunkt noch längst nicht der Fall. Aus diesem Grunde bieten wir eine Weiterbildung für das erzieherische Umfeld an, um gewisse „do’s and dont’s“ zu vermitteln. Vielleicht gelingt es uns dadurch, einige dieser 80% psychisch beeinträchtigten Menschen auf einen erfreulicheren, gesünderen Weg zu bringen. Denn AD(H)S ist keine Krankheitsdiagnose, es ist eine Persönlichkeitvariante die grössere Anforderungen an die Erzieher stellt, denn Medikamente alleine lösen die damit verbundenen Herausforderungen nicht.

Flyer_WB_ADHS_fordert_heraus_Ursula_Davatz

Datum: Samstag, 3. November 2018 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Ort: ZAG (Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen Kanton Zürich) Turbinenstrasse 5, 8400 Winterthur

PDF: ADHS fordert heraus

Transkription

ADHS als Chance

ADHS_als_Chance_Ursula_Davatz

Ort: Eisenwerk Frauenfeld – Industriestrasse 23, 8500 Frauenfeld

Homepage: www.eisenwerk.ch/

Donnerstag, 15. November 2018, 19.30 Uhr

Podiumsgäste

  • Dr. med. Ursula Davatz – Vizepräsidentin adhs20+
  • Prof. Dr. phil. Roland Käser –Berater v.VS adhs20+
  • Dr. med. Heiner Lachenmeier – Botschafter adhs20+
  • Alain Mieg – Kunstmaler, Mentor und Botschafter adhs20+
  • Miguel Camero – Human Beatbox Entertainer und Musiker, Botschafter adhs20+
  • Irene Beerli – Handarbeitslehrerin/Atelier 11, VS adhs20+

Forensiklexikon – Das Nachschlagewerk für soziale, medizinische und juristische Berufe

Forensiklexikon hier bestellen!

Forensiklexikon – Das Nachschlagewerk für soziale, medizinische und juristische Berufe
Josef Sachs, Miro Barp
März 2018, CHF 36.–
221 Seiten, broschiert, 978-3-7272-1578-0

Der Umgang mit psychisch kranken Straftätern, die Einschätzung des Rückfallrisikos bei Gewalt- und Sexualdelikten, der Kindes- und Erwachsenenschutz und das Berufs-
geheimnis – das sind Themen aus der forensischen Psychiatrie. Damit beschäftigen sich aber auch Menschen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Jurisprudenz, Psychologie,
Pflege, Sozialarbeit, Polizei und Politik. Allerdings ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit schwierig, weil eine gemeinsame Sprache fehlt. Das Buch ist eine Orientierungshilfe für Fachleute und alle Menschen, die sich für dieses spannende Gebiet interessieren.

ADHS und Familie Fachtagung mit Referat und Fallvignette

Die Videos zum Anlass. Die Folien zu den Referaten sind unter dem Video verlinkt.

Programm
Donnerstag, 24. Mai 2018
13.30 Uhr Eintreffen der Gäste, Kaffeebar ist geöffnet
14.00 – 14.15 Uhr Begrüssung
Herr Daniel Mosimann, Stadtammann Lenzburg
14.15 – 14.35 Uhr Einführung
Frau Dr. med. Ursula Davatz, ärztliche Leitung HotA
14.35 – 15.15 Uhr Referat «ADHS und Familie»
Frau PD Dr. med. Monika Ridinger, ärztliche Leitung HotA
15.15 – 15.45 Uhr Pause
15.45 – 16.10 Uhr Fallvignetten
Frau Isabel Grober, Oberärztin
Frau Brigitte Günthardt, Sozialpädagogin HFS
16.10 – 16.35 Uhr ADHS aus der Sicht eines Schulleiters
Herr Urs Bögli, Schulleiter Kreisschule Seengen
16.35 – 17.00 Uhr Interview mit «einer Mutter von zwei ADHS Jugendlichen»
Frau PD Dr. med. Monika Ridinger, ärztliche Leitung HotA
Ab 17.00 Uhr Schlusswort und Apéro
Regula Berchtold, Projektleiterin HotA
Moderation: Anna Bisig

PDF Flyer ADHS und Familie Fachtagung mit Referat und Fallvignette

Empathie versus Selbstfürsorge

„Empathie versus Selbstfürsorge“ Was wollen die Anderen von mir? – Was will ich?!

Wer Not/Schwierigkeiten von Anderen nicht wahrnimmt, kann sich viel besser abgrenzen
als ein Mensch, der die „Hilflosigkeit“ eines Mitmenschen aufgrund seiner Sensitivität und Empathie stark wahrnimmt. In diesen Momenten achtet ein ADHS Betroffener nicht auf seine Ressourcen – er handelt einfach. Ganz spontan im Hier und Jetzt – und verpasst
im Endeffekt oftmals sein eigenes Leben ….. in die Hand zu nehmen.

Transkription