Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?

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Dr.med. Ursula Davatz

3.7.2025
Wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz herzlich begrüssen zum heutigen Abend.

[00:00:04.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema: wie geht man als Erziehungsperson mit ADHS/ADS Kindern um?

[00:00:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, ich bin Familientherapeutin, in den USA ausgebildet.

[00:00:19.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin.

[00:00:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue nicht nur das Individuum an, sondern ich schaue immer die Interaktion an.

[00:00:28.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich halte meinen Vortrag und dann dürfen sie Fragen stellen und kritische Bemerkungen
machen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

[00:00:29.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin verheiratet und habe drei erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder.

[00:00:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war 40 Jahre lang im Kanton Aargau tätig, als Sozialpsychiaterin.

[00:00:55.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Jetzt habe ich nur noch eine Praxis in Zürich.

[00:00:58.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Schulen gearbeitet, ich habe mit Elternvereinigungen gearbeitet.

[00:01:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch mit Lehrern gearbeitet.

[00:01:07.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind auch Lehrpersonen anwesend?

[00:01:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, wie viele anwesend sind.

[00:01:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich natürlich, wenn Lehrer kommen. Ich finde es sehr wichtig, dass Lehrer
und Eltern zusammenarbeiten, auch wenn sie nicht genau die gleiche Rolle haben den
Kindern gegenüber.

[00:01:27.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diesen Unterschied muss man ausarbeiten. Zusammenarbeiten sollten sie trotzdem.

[00:01:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache als erstes eine kleine Einleitung, allgemein, philosophisch.

[00:01:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf der Erde, auf dem Planeten.

[00:01:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lernfähigkeit läuft nicht nur über die Kognition ab.

[00:01:54.750] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule sind wir sehr intellektualisiert.

[00:01:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt alles lernen läuft nur kognitiv ab.

[00:02:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft auch über die Gefühle ab

[00:02:07.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen läuft an erster Stelle über das emotionale Gehirn.

[00:02:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist bei den Säugetieren speziell ausgebildet worden.

[00:02:18.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung läuft das Lernen ab.

[00:02:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung.

[00:02:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergessen das immer wieder.

[00:02:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken, Lernen kann vom Computer gelernt werden oder aus dem Textbuch.

[00:02:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind lernt am besten über eine Beziehung.

[00:02:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist etwas ganz Wichtiges.

[00:02:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie natürlich ganz speziell.

[00:02:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben immer mit dem Patienten zu tun, mit den Menschen zu tun, wenn das
Gleichgewicht verloren gegangen ist und dann eine psychische Krankheit entsteht.

[00:02:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissensvermittlung kann man heutzutage in einer kurzen Zeit über Google, über das
Internet, ChatGPT erwerben.

[00:03:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle reden heute mit dem ChatGPT und fragen: Was würdest du da sagen? Weisst du
etwas über das und das?

[00:03:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Er spuckt viel Gutes raus.

[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende ChatGPT nicht so viel.

[00:03:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lerne aus meiner Erfahrung.

[00:03:16.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein absolut interessantes und sehr effizientes Instrument.

[00:03:30.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn kann man Wissen aus dem Internet herausholen.

[00:03:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionale Beziehungen und Lernen in der Beziehung, das kann man nicht aus dem
Internet herausholen.

[00:03:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die emotionale Intelligenz, die wird nicht über die ChatGPT gefördert.

[00:03:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann nur in der zwischenmenschlichen Beziehung erlernt werden.

[00:03:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaue ich die Antworten von ChatGPT an, dann denke ich: so brav, so normal, so
vornehm, so höflich. Nicht lebendig. Es ist tot.

[00:03:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stört mich.

[00:04:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Film, der heisst Anomalia.

[00:04:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Liebesgeschichte ist Puppen, mit Robotern dargestellt worden.

[00:04:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Film ist anderthalb Stunden gegangen. Ich dachte immer: wann kommt endlich ein
Mensch? Wann kommt endlich etwas Lebendiges?

[00:04:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
All das künstlich sehr gut gemachte Zeugs stimmt alles aber es fehlt die Lebendigkeit.

[00:04:47.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist heutzutage wichtiger denn je, die Eltern auch, um den Kindern
emotionale Intelligenz beizubringen, zum selber lernen und um die Beziehung zu
pflegen.

[00:05:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehungspflege ist noch nie so wichtig gewesen, wie heutzutage.

[00:05:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat nicht mehr alles Wissen. Die Kinder wissen vieles schon und haben es
schon nachgeschaut auf dem Internet.

[00:05:17.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Persönlichkeit können sie nicht auf dem Internet anschauen.

[00:05:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Was dann auf dem Internet passiert, ist, dass so Schematas, so Typen, typische
Geschichten gebracht werden und die sind alle auf das emotionale Gehirn ausgerichtet
im Sinne vom Verkauf.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will immer mehr, man will den Käufer abhängig machen.

[00:05:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Abhängigkeitsproblem ist ein riesige Problem, gerade auch bei den ADHS/ADS
Kindern.

[00:05:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sprechen auf das Emotionale an.

[00:05:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht schnell, sie sind alle schnell und ungeduldig.

[00:05:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden gefüttert und verführt.

[00:05:57.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Kauf verführt.

[00:06:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mein Mobiltelefon öffne und eine Benachrichtigung bekomme, denke ich mir
immer: die müssen mir nicht sagen was wichtig ist für mich. Ich weiss es selber.

[00:06:07.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind, wenn man noch nicht so eine Persönlichkeit hat, dann schaut man alles an.

[00:06:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird dann geprägt durch all die Reklamen.

[00:06:29.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum plädiere heute Abend für das menschliche Lernen, für die Beziehung, für die
Interaktion, auch für den Konflikt, dass man untereinander lernt.

[00:06:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wichtiger denn je.

[00:06:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir in die Politik, was dort abläuft, dann läuft ein Kindergarten ab.

[00:06:46.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auf eine Art das Verhalten von Drei- bis Fünfjährigen.

[00:06:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du das machst, mache ich das. Rache und Hin und Her.

[00:06:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das möchte ich ihnen nicht beibringen.

[00:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat denn das mit ADHS/ADS zu tun?

[00:07:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein philosophischer Eingang.

[00:07:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne ein paar wichtige Merkmale vom ADHS/ADS.

[00:07:13.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man viel im Internet, in der Zeitung und so weiter.

[00:07:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mir gerne nachher Fragen stellen, wenn sie dazu noch mehr wissen
möchten.

[00:07:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das A steht für Aufmerksamkeitsstörung.

[00:07:31.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das H steht für die Hyperaktivität.

[00:07:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst am Schluss dann immer, die Aufmerksamkeitsstörung, hyperkinetisches
Syndrom.

[00:07:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Syndrom ist eine Krankheit, also ein Krankheitssyndrom.

[00:07:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar, ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:07:51.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein bisschen ein anderer Neurotyp.

[00:07:54.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird genetisch vererbt. Man kann es nicht weg erziehen.

[00:07:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein bisschen anders gestaltet, das reagiert anders, das nimmt das
Umfeld anders auf.

[00:08:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht von Grund auf ändern.

[00:08:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von Aufmerksamkeit-Störung spricht, ist das medizinisch.

[00:08:17.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Ärzte sehen immer die Störung und wollen dann die korrigieren.

[00:08:21.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, es ist nicht eine Störung, es ist eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder nehmen immer sofort alles wahr.

[00:08:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler sagen: wenn ich in einen Raum reinkomme, nehme ich sofort alles
wahr. Ich weiss, wie es den Leuten geht, wie der ist und so weiter.

[00:08:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit.

[00:08:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit wird zum Problem, wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine
langweilige Stunde gibt.

[00:08:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann: ach, das kann ich vergessen. Ich gucke lieber zum Fenster raus, ich störe
meinen Nachbar, ich mache irgendetwas mit meinem Kollegen.

[00:08:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spiele den Clown. Dann finden mich alle lustig. Dann nimmt man dem Lehrer die
Aufmerksamkeit weg.

[00:08:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS-Kind ist für die Lehrperson eine Herausforderung.

[00:09:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Lehrperson nicht spannend genug ihr Material bringt, dann passiert es
schnell, dass das ADHS/ADS-Kind abgelenkt ist.

[00:09:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Breite Aufmerksamkeit.

[00:09:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, schnüffelt er überall umher. Er schaut wo
überall etwas interessantes ist. Dort wo es interessant ist, geht er hin. Wenn er nichts
wichtiges findet, legt er sich wieder hin.

[00:09:29.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS-Kinder tun immer so ein bisschen in das Umfeld screenen.

[00:09:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, wo sie alles wahrnehmen müssen, wenn sie dann in einer
grossen Menge sind, in einer Schulklasse oder an einem Anlass und dann läuft viel
interessantes Zeugs, dann macht die breite Aufmerksamkeit, die hat zur Folge, dass
das Kind in ein System Overload reinkommt.

[00:10:06.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das emotionale System wird überfordert, ist überlastet und bricht
zusammen.

[00:10:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse werden dann verrückt. Das ist das ADHS.

[00:10:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS hat die Hyperaktivität nach innen hat, das zieht sich dann zurück, passt nicht
mehr auf.

[00:10:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS landet schlussendlich im Autismus.

[00:10:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird viel Autismusspektrumsstörung gestellt, ASS.

[00:10:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, Autismusspektrumsstörung ist eigentlich das ADHS/ADS in extremer Form.

[00:10:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, das ist noch mal eine andere Krankheit.

[00:10:45.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in der Psychiatrie so viele Diagnosen stellt, sage ich immer: wir haben nur
ein Gehirn und das Gehirn funktioniert ganzheitlich und die verschiedenen Funktionen
im Gehirn, die gehen immer ineinander rein und die können auch ändern.

[00:11:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Diagnostik, die man in der somatischen Medizin verwendet, nicht so gut
in der Psychiatrie verwenden.

[00:11:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie führt einem in einen Tunnel rein und ist nicht beweglich genug.

[00:11:17.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastische Organ. Das heisst, es kann verändert werden durch den
Einfluss vom Umfeld, durch die Interaktion und natürlich durch das eigene Verhalten.

[00:11:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein soziales Organ. Es ändert sich über die Interaktion.

[00:11:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder werden leicht abgelenkt.

[00:11:46.630] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn interessantere Sachen passieren, gehen sie dort hin und bleiben nicht bei
irgendeiner langweiligen Lektion.

[00:11:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann natürlich Schulprobleme.

[00:11:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat es schwer mit den ADHS/ADS Kindern.

[00:11:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrerin, der Lehrer muss immer den Faden haben. Das kann ein Problem sein mit
24 Kindern. Wenn es mehrere ADHS/ADS Kinder sind, die alle in eine andere Richtung
tendieren, muss die Lehrperson zum Erhalter werden.

[00:12:09.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst immer: das Kind hat keinen Respekt, kein Gehorsam. Gehorsam heisst: du
hast nicht zugehört.

[00:12:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nicht einfach folgen.

[00:12:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eigentlich immer intrinsisch motiviert sein. Sie müssen selber entscheiden:
jawohl, das interessiert mich und das mache ich.

[00:12:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es fertig bringen sie zu motivieren, aber nicht über gehorsam, sondern das
Interesse locken.

[00:12:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Interesse locken kann, dann sind sie sehr interessiert und dann haben
sie nicht mehr die breite Aufmerksamkeit, dann haben sie auf einmal einen Hyperfokus.

[00:13:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder, die im Hyperfokus sind, können an ihrer Arbeit bleiben, interessiert.
Das gibt dann die Wissenschaftler, Bastler, etc.

[00:13:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur die breite Aufmerksamkeit.

[00:13:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich ihren eigenen Fokus geben, dann ist die Aufmerksamkeit da.

[00:13:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Folgen können sie nicht so gut.

[00:13:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nur folgen, indem man ihr Interesse weckt und dann machen sie es von sich
aus.

[00:13:47.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen sind dort ein bisschen anders.

[00:13:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind sehr beziehungsorientiert.

[00:13:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das sein.

[00:13:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gebären Kinder, wir ziehen Kinder auf.

[00:14:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir haben andere Hormone.

[00:14:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind die Mädchen oft sogenannt aufmerksamer.

[00:14:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie passen sich dem Lehrer, der Lehrerin zuliebe an, bis zum Punkt, dass
sie sich sogar selber unterdrücken.

[00:14:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum stellt man bei den Frauen die ADHS/ADS-Diagnose oft erst zwischen 35 bis 45.

[00:14:21.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon Erwachsene gehabt, 40-Jährige.

[00:14:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat gesagt: ich habe gar nichts gemerkt, es ist alles problemlos gegangen.

[00:14:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter, die hat eine Phase von vielen Erkrankungen durchgemacht und ist ganz
klar ein ADHS/ADS-Kind, Persönlichkeit gewesen.

[00:14:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Weibliche ADHS/ADSler haben die Tendenz, sich mehr anzupassen als die Männlichen.

[00:14:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männlichen fallen mehr auf, die werden aggressiv, wenn man sie falsch anpackt,
wenn man etwas von ihnen verlangt, was sie nicht wollen, oder wenn man sie stört bei
ihrer eigenen Aktivität.

[00:15:03.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Sinn sind früher auch nur die Buben diagnostiziert worden.

[00:15:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat dann gesagt, fünf Knaben auf ein Mädchen.

[00:15:13.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagt man 1,5 Knaben auf ein Mädchen.

[00:15:18.025] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistik ändert.

[00:15:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft oft so: die Kinder werden diagnostiziert. Die Eltern denken: eigentlich habe ich
das auch. Dann klären sie sich auch ab.

[00:15:34.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist klar. ADHS/ADS ist vererbt.

[00:15:39.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig haben beide etwas davon. Vater und Mutter.

[00:15:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
They find each other, they bind with each other and they reproduce with each other.

[00:16:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist sich ähnlich. Das ist immer schön vertraut.

[00:16:24.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist: sie sind hochsensibel.

[00:16:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn zwei Sensible zusammen sind und einer ist aggressiv, der andere zieht sich
zurück, dann kann es wieder Konflikte geben.

[00:16:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien haben mehr Scheidungen.

[00:16:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie scheiden mehr. Sie sind viel konfliktanfälliger durch ihre hohe Sensitivität.

[00:16:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide sensibel sind, kann jeder sagen: du hast mich verletzt. Du hast mich
verletzt, nein du hast mich verletzt. Dann wird gestritten.

[00:16:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Ehepaare, die man auseinander dividieren und jeden wieder einen Platz
geben muss.

[00:17:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommen sie zu spät. Es ist dann schon auseinander gegangen.

[00:17:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie finden sich, sie streiten aber auch mehr miteinander und sie scheiden mehr.

[00:17:29.700] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben mehr Kündigungen oder werden entlassen, weil sie sich gegen
der Chef wehren.

[00:17:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen mögen keine Vorgesetzten, die ihnen nicht überlegen sind
punkto Wissen.

[00:17:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die vorgesetzten Personen weniger gut sind, wenn sie
weniger wissen, dann lässt man sich gar nicht sagen.

[00:17:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Ton verfehlt, geht es auch nicht.

[00:17:54.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein bei Kindern und Erwachsenen mit ADHS/ADS muss man in einem
tiefen Erregungszustand seine Botschaft durchgeben. Low arousal.

[00:18:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man hocherregt ist, geht es daneben. Dann wird das Gehirn noch mehr erregt.

[00:18:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand laufen nur noch Reflexe ab, jedoch keine vernünftigen
Verhaltensweisen.

[00:18:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum darf man ADHS/ADSler nicht im erregten Zustand belehren, moralisieren, sagen
was sie tun sollen.

[00:18:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man sich selber beruhigen, dann das Kind sich beruhigen lassen.

[00:18:45.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn ein ruhiger Zustand herrscht, kann man wieder an die Kognition appellieren.

[00:18:45.697] – Dr.med. Ursula Davatz
Im hocherregten Zustand, geht gar nichts rein.

[00:18:45.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es nur die vier Reflexe:

[00:18:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Kampf, Flucht, Totstellreflex, und Necken.

[00:18:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Fight, Flight, Freeze and Tease.

[00:19:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist bekannt bei den Jungtieren. Provozieren.

[00:19:13.157] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich. Blöd tun und schauen, wie der andere reagiert.

[00:19:24.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist auch ein Annäherungsversuch.

[00:19:33.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man oft unter Knaben und Mädchen.

[00:19:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben necken grob, die Mädchen necken raffiniert.

[00:19:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der andere verletzt. Man merkt das Raffinierte nicht bei den Mädchen.

[00:19:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe, welcher aggressiv wird, wird bemerkt. Der wird dann bestraft.

[00:19:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Necken ist ein ungeschickter Annäherungsversuch.

[00:20:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben das oft. Sie sind erfinderisch, kreativ, spielerisch.

[00:20:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Neckverhalten tritt ganz viel in er Pubertät auf.

[00:20:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei allen sozialen Wesen so.

[00:20:29.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Neckverhalten wird in der Tierwelt artübergreifend verwendet.

[00:20:37.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird immer eingesetzt um herauszufinden, wie der andere reagiert.

[00:20:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das etwas Lebendiges oder nicht? Wir mein Gegenüber verrückt oder nicht? Spielt
er mit mir?

[00:20:51.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Hunde die anderen zum Spielen auffordern, tun sie das auf eine gewisse Art und
Weise und springen aufeinander zu.

[00:20:58.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft verstehen wir Erwachsenen dann das Necken nicht so gut.

[00:21:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind beleidigt oder werden verrückt.

[00:21:04.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind wir unter Zeitdruck. Dann können wir das gar nicht gebrauchen.

[00:21:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nichts Böses.

[00:21:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt mit sich, dass die Knaben wie auch die Mädchen schnell verletzt
werden.

[00:21:26.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben reagieren auf die Verletzung mit Aggression, Kampf.

[00:21:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen reagieren auf die Verletzung mit Flucht, Rückzug oder sie passen sich an,
damit kein Konflikt mehr auftritt.

[00:21:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es viel Konflikte in der Familie oder der Klasse gibt, dann passen sich die
Mädchen noch mehr an und geben sich grosse Mühe, dass sie nicht noch mehr
Probleme verursachen.

[00:21:59.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man sehr gut. ADHS/ADSler sind sehr sensitiv und die wollen natürlich, dass
es dem Kollektiv gut geht. Die passen sich dann über an, auf ihre Kosten.

[00:22:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt dann im mittleren Alter raus.

[00:22:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort reagieren die Frauen dann mit Depressionen.

[00:22:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben sich so lange angepasst, jetzt geht es plötzlich nicht mehr. Sie sind
erschöpft.

[00:22:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt ein Burnout, eine Depression.

[00:22:28.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen und die Eltern haben oft Mühe mit dem aggressiven Reagieren auf
die Sensitivität und wollen das abklemmen.

[00:22:40.319] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt gleich die Erziehung rein.

[00:22:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo die Aggression läuft, herrst ein erhöter Errgungszustand. High
Arousal. Da kann man gar nichts sagen. Da kann man die Situation nur beruhigen
lassen.

[00:22:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn der Sturm durch ist, kann man zusammen schauen: was hat dich dort
verletzt?

[00:23:12.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zuerst die Verletzung validieren.

[00:23:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen: im nächsten Fall, wenn du wieder so verletzt wirst, was könntest du anders
machen?

[00:23:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man zusammen erarbeiten: wie kann man anders vorgehen.

[00:23:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man kognitiv vorgehen. Das heisst nicht, dass es dann sofort wieder läuft.

[00:23:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verhalten, die Emotionskontrolle lernt man in der Pubertät.

[00:23:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Impulsivität immer sofort bestraft wird, können sie nichts lernen.

[00:23:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was die Natur versaut hat, kann man mit Strafen nicht korrigieren. Das sagt Gerhard
Polt.

[00:23:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur, das ist der angeborene Neurotyp, die Gene.

[00:24:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erziehungssystem sehe ich, wie immer noch sehr viele Prinzipien rumschwirren:
man muss bestrafen.

[00:24:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sagen immer: es muss Konsequenzen geben.

[00:24:20.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Reflexverhalten kann man nicht mit Strafen verändern.

[00:24:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man es mit Strafen verändert, tut man höchstens den Menschen zurück
dämmen, dass er sich gar nichts mehr getraut.

[00:24:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird der Mensch phobisch, zieht sich zurück, hat Angst davor, etwas falsch zu
machen. Dann gibt es zwanghaftes Verhalten.

[00:24:38.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt alles nichts.

[00:24:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss warten, bis sich der emotionale Erregungszustand gelegt hat, sonst giesst
man nur Öl ins Feuer und es wird schlimmer und man schadet.

[00:24:51.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen, welche so sensibel sind, ziehen sich zurück und ihre Leistung liegt dann
unter ihren Fähigkeiten. Die gehen oft verloren in der Klasse.

[00:25:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: wieso bringst du nicht die Leistung?

[00:25:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind beschäftigt mit dem sozialen Ablauf, dass sie nicht mehr für sich schauen
können.

[00:25:24.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen hat die Schule verweigert. Sehr konstant. Die hat es nicht ertragen, dass
die Lehrerin nicht gerecht umgegangen ist mit den Schülern.

[00:25:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer hat alles beherrscht. Die Lehrperson hat nicht die Führung übernommen.

[00:25:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich musste man mit ihr Homeschooling machen, bis zum heutigen Tag.

[00:25:48.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine lange Geschichte.

[00:26:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme zur Medikation.

[00:26:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin arbeit mit Medikamenten.

[00:26:23.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit kann eingeengt werden über Medikamente.

[00:26:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Elvanse, Medikinet.

[00:26:24.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Stressmedikamente. Die erhöhen den Stress. Das ergibt die
Fokussierung.

[00:26:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn unser Gehirn gestresst wird, wenn wir unter Stress sind, geht die
Leistungsfähigkeit eine zeitlang hoch. Wenn es zuviel Stress ist, fällt sie komplett
zusammen.

[00:26:44.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder gehen in der Nacht vor der Prüfung alles durch. Das geht sogar.

[00:27:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Die verursachen sich selber Stress, Dopaminausschüttung, indem sie sich unter Stress
setzen.

[00:27:19.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Extremfall gibt es noch das Sensation Seeking.

[00:27:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen verrücktes Zeugs und es geht immer um die Stimulierung, um die
Dopaminausschüttung.

[00:27:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress und im Krieg kann man Wunden haben und man spürt den Schmerz nicht
mehr. Das ist diese Wirkung.

[00:27:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen sind wichtig.

[00:27:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man diesen Kindern Ritalin gibt, Concerta, gewisse merken dass, sie sind
sensibel und sagen: ich bin nicht mehr mich selber.

[00:27:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie spüren sich nicht so gut.

[00:28:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nur Leistung wichtig ist in der Schule, muss man sich nicht spüren. Hauptsache
man erbringt die Leistung.

[00:28:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es wichtig, dass die Persönlichkeit entwickelt wird, in der Schule und zu
Hause. Das Gespür gehört dazu.

[00:28:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe auch Medikamente.

[00:28:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keine Medikamente.

[00:28:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe keine Medikamente, wenn das Kind es nicht will, wenn die Eltern es nicht
wollen.

[00:28:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Lehrperson eine Zusatzperson geben, die hilft das Kind zu handhaben,
wenn es ausser Rand und Band geht, als einfach nur Ritalin zu verschreiben.

[00:28:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will kein Dogma predigen.

[00:28:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall muss individuell angeschaut werden.

[00:29:01.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man die Stressmedikamente gibt, es sind Amphetamine, die kann
man auch auf der Gasse kaufen. Die werden auf der Gasse auch gehandelt.

[00:29:02.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente bringen mehr Fokus. Die Schulleistung kann von einer bis zu zwei
Noten hochgehen.

[00:29:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr verführerisch. Da hat man Freude. Das Kind kann in eine bessere Schule,
kann eine bessere Ausbildung machen. Es ist immer auch ein Preis dabei.

[00:29:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.

[00:29:46.670] – Bemerkung 1
Wie kurzfristig oder wie schnell wirkt das Medikament? Wie lange wirkt das
Medikament?

[00:29:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Medikament wirkt sofort, innerhalb von einer Stunde.

[00:29:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die kurzwirksamen, wie das normale Ritalin. Das wirkt sofort. Die Wirkung fällt
dann mit der Zeit wieder ab. Die kann man morgens und nach dem Essen nochmals
einnehmen.

[00:30:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt langwirksame, Concerta, das wir den ganzen Tag.

[00:30:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin kann auch wie eine Schlafmedikation wirken, ohne sedierend zu wirken. Es wirkt
dann nur fokussierend.

[00:30:38.760] – Bemerkung 2
Muss man die Medikamente über eine längre Zeit nehmen?

[00:30:44.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.

[00:30:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es geht in den Ferien nicht nehmen, damit sich das Gehirn wieder erholt.

[00:30:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse wollen, dass das Kind die Medikamente genau in den Ferien nimmt, damit das
Kind leichter zum handhaben ist. Das muss ich den Eltern überlassen.

[00:31:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse nehmen Medikamente für eine Zeit und setzen sie dann ab.

[00:31:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere nehmen Medikamente bis ins Studium und darüber hinaus. Es wird ganz
individuell gehandhabt.

[00:31:25.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde immer vorsichtiger.

[00:31:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente erhöhen die Leistungsfähigkeit und beuten aus.

[00:31:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer abwägen.

[00:31:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Medikament nicht immer nehmen.

[00:31:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Medikament auch über das Wochenende weglassen.

[00:31:44.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene nehmen das Medikament, wenn sie ihr Steuererklärung ausfüllen müssen,
wenn sie einen Tag studieren gehen.

[00:31:59.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Medikamente können sehr punktuell verschrieben werden.

[00:32:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat Medikamente genommen und wollte mit 15 Jahren ohne Medikamente
leben können. Er wollte sich selber steuern können.

[00:32:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsenen und Kindern versuche ich beizubringen, dass sie lernen mit ihrem
Neurotyp umzugehen.

[00:32:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es gewisse Regeln. Diese Regeln kann man lernen.

[00:32:32.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Coaches, Ratschläge auf dem Internet.

[00:32:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Ratgeber, was man alles tun kann.

[00:32:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber herausfinden, was für einem passt.

[00:32:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von: persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS Kindern.

[00:33:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld kann lernen mit diesen Kindern umzugehen.

[00:33:11.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Man lernt auch selber etwas, wenn man lernt mit den ADHS/ADS Kindern umzugehen.
Man kommt dann auch selber weiter.

[00:33:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung spricht man von der artgerechten Tierhaltung.

[00:33:20.199] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist oft schneller gesagt als getan. Dort wurde man darauf aufmerksam.

[00:33:25.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Menschen spreche ich von der persönlichkeitsgerechten Erziehung,
bedarfsgerechter Umgang mit neurodivergenten Kindern.

[00:33:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS-Kind ist ein bisschen anders als das ADS-Kind.

[00:33:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS-Kind muss man bereit sind, sich damit auseinander zusetzen.

[00:33:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADS-Kind muss man besser beobachten und nicht so schnell reinschiessen.

[00:33:54.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst verstehen lernen, was abläuft beim Kind.

[00:33:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung muss in einem wenig erregten Zustand stattfinden, sonst geht gar nichts.

[00:34:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Flugzeug muss man zuerst selber die Sauerstoffmaske anziehen und dann dem
Kind.

[00:34:18.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zuerst selber runterkommen und dann sagen, was sie wollen.

[00:34:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es in ihrem erregten Zustand sagen, haben sie gar keinen Erfolg.

[00:34:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll etwas sagen, wenn das Wasser bei der Brust steht, nicht wenn das Wasser bei
der Nase steht.

[00:34:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber früher etwas sagen, wie man es möchte, als so verrückt zu werden, dass nur
noch Blubber rauskommt.

[00:35:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Befehle.

[00:35:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln aufstellen.

[00:35:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Befehl ist für ein ADHS/ADS Kind häufig schon ein Übergriff.

[00:35:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst mir nicht, was ich tun soll.

[00:35:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: in meinem Haus, in dem Zustand, in der Minute oder an dem Tag ist
mir wichtig, dass so und so und so und so.

[00:35:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher Regeln aufstellen.

[00:35:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln kann man auch aufschreiben und irgendwo aufhängen.

[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln kann das Kind selber übernehmen. Die Regeln kann das Kind
internalisieren. So wird das Kind intrinsisch motiviert.

[00:35:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Belohnung, Bestrafung, Drohung, das funktionirt gar nicht.

[00:35:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt es zum Kampf und die Eltern wollen etwas durchsetzen, nicht mit Logik und
Überzeugung argumentieren.

[00:35:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich müssen sie sich durchsetzen.

[00:35:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern argumentieren endlos.

[00:36:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind weiss dann gar nicht mehr worum es geht.

[00:36:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber klar sagen, ich möchte das so.

[00:36:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts zu diskutieren. Das ist nicht verhandelbar.

[00:36:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich mit seiner eigenen mentalen Kraft durchsetzen.

[00:36:23.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre die Eltern zuviel argumentieren.

[00:36:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat am Ende nur einen System Overload und am Schluss weiss es gar nichts
mehr und es empfindet die Eltern eher als schwach.

[00:36:41.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte, dass sie immer nachgegeben hat. Sie war konsequent inkonsequent.

[00:37:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: wenn sie etwas durchsetzen wollen, dann müssen sie es auch
durchsetzen.

[00:37:18.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auch einsehen, wenn es nicht geht.

[00:37:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Totschlagen möchte man das Kind nicht.

[00:37:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören auf und schauen ein anderes Mal weiter.

[00:37:32.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich auch umentscheiden.

[00:37:35.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht jedes Mal dem Kind zuliebe nachgeben oder weil man zu schwach ist, einfach
nachgeben. Dann lieber gar nicht damit beginnen.

[00:37:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in einen Machtkampf kommt, speziell mit ADHS/ADS Knaben oder
Mädchen, ist man als Erziehungsteil der Verlierer.

[00:37:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt man zu bestrafen, verrückt zu werden. Dann hat man verloren.

[00:38:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas durchsetzen, wenn man auch wirklich dahinter steht und die Kraft hat
dahinter, es zu tun.

[00:38:07.234] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst lieber alles laufen lassen.

[00:38:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Piloten überlassen im Zweifelsfall das Flugzeug sich selber. Das haben mir zwei Piloten
erklärt.

[00:38:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zweifelsfall kann man den ADHS/ADS Kindern die Steuerung selber überlassen.

[00:38:36.745] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind soziale Wesen.

[00:38:36.460] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind auch sozial. Die haben auch eine sehr soziale Ader.

[00:38:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz

Anstelle von Übersteuern, lieber gar nicht steuern.

[00:38:42.581] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann steuern sich ADHS/ADS Kinder selber.

[00:38:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der AirFrance Absturz, wäre nicht passiert, hätte man nicht übersteuert. Flugzeuge
steuern sich aerodynamisch.

[00:38:53.177] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Air_France_Flight_447

[00:39:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man beim Flugzeug übersteuert, stürzt das Flugzeug ab.

[00:39:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie zum Steuern?

[00:39:13.164] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat man die Energie nicht, gar nicht damit beginnen. Sonst vertun sie einfach nur ihre
Autorität.

[00:39:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick vom High Arousal kann man nicht an das Grosshirn appellieren.

[00:39:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann läuft alles nur reflexartig ab.

[00:39:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst beruhigen und dann kann man mit seiner Steuerung kommen.

[00:39:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Mittelmeerraum gibt es mehr ADHS/ADS Gene.

[00:39:44.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Jäger/Sammlerzeit hatte 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene. Heute sind es
noch 5%.

[00:39:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer industrialisierten Produktionsgesellschaft brauchen wir keine Jäger und
Sammler mehr, nur noch in der Wissenschaft, wie Elon Musk.

[00:40:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können wir dann wieder brauchen, um neue Sachen zu entdecken.

[00:40:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle so sind, zerfällt der Kuchen. Dann besteht der Kuchen nur noch aus Rosinen
und der Kuchen hält nicht zusammen.

[00:40:11.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer Symptome therapieren.

[00:40:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, man kann die Symptome nicht weg therapieren.

[00:40:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur den Eltern lernen, geschickter mit dem divergenten Neurotyp
umzugehen.

[00:40:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Kindern beibringen, wie sie mit sich umgehen.

[00:40:46.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Erwachsenen natürlich helfen, dass sie lernen, mit ihrem andersartigen
Neurotyp umzugehen.

[00:40:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemtherapeutin, Familientherapeutin.

[00:41:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Sinn berate ich immer die Eltern, wie sie lernen können, mit dem Kind
umzugehen.

[00:41:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das Kind manchmal einmal um einen Eindruck zu bekommen.

[00:41:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit geschieht mi den Erziehungspersonen.

[00:41:23.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Geduld verliert, das kann jedem passieren, dann soll man in die Luft
schiessen. Nicht auf das Kind schiessen.

[00:41:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
An den islamischen Hochzeiten wird in die Luft geschossen.

[00:41:43.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind schiessen.

[00:41:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist normal die Geduld zu verlieren. Das kann das Kind auch verstehen.

[00:42:07.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht die Schuld auf das Kind schieben.

[00:42:08.083] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit macht man dem Kind Schuldgefühle.

[00:42:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen führen zu nichts.

[00:42:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafen als Erziehungsmethode, das bringt nichts.

[00:42:16.273] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/youtube_schulverweigerung_adhs.pdf

[00:42:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Kinder führen.

[00:42:31.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem Vortrag hatte ich eine Busse von der Polizei um habe um Straferlass
gebeten. Ich habe ihnen meinen Vortrag gesendet.

[00:42:37.045] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/ADHS%20%E2%80%93%20Schwierigkeiten%20bei%20Kindern%20und%20Jugendlic
hen.pdf

[00:42:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ich hatte meinen Spass daran.

[00:43:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafung demütigt und macht ein schlechtes Selbstwertgefühl.

[00:43:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht bei allen gleich.

[00:43:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewissen macht das nichts aus.

[00:43:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zuviel mit Strafe operiert wird, haben wir am Schluss einen Brian Keller (Carlos).
Das will ich nicht.

[00:43:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen gibt es über 50% ADHS/ADS Knaben, welche nicht so geschickt
erzogen wurden.

[00:43:23.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit Strafen oder Beschämung arbeiten. Mit Führen arbeiten.

[00:43:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zu Jesper Juul schauen.

[00:43:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat nicht speziell für ADHS/ADS Kinder Bücher geschrieben.

[00:43:36.951] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul

[00:43:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Vorschläge sind sehr gut für ADHS/ADS-Kinder.

[00:43:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Jesper Juul sagt: das Kind ist nicht gleichwertig, es ist gleichwürdig.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind, auch wenn es noch nicht so viel weiss und klein ist, hat eine
Menschenwürde.

[00:44:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen die Menschenwürde nicht verletzen.

[00:44:08.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wird sehr oft verletzt, speziell wenn man keine Geduld mehr hat, wenn man
überfordert ist, wenn man zuviel zu tun hat.

[00:44:08.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADS tritt oft auch die Lernstörung auf, LRS, Lese- und Rechtschreibestörung,
Probleme beim Spracherwerb, Legasthenie, Dyskalkulie oder sogar beides.

[00:44:33.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr gut im Rechnen.

[00:44:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht gut im Rechnen. Er hat als Physiker die Zusammenhänge
gesehen.

[00:45:04.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr sprachbegabt, mathematisch jedoch gar nicht.

[00:45:04.844] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sind sie in beidem gut.

[00:45:05.038] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie essen nicht alles.

[00:45:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat nur Nudeln mit Buttern gegessen und ein bisschen Salat mit der Sauce von
der Mutter und vielleicht noch ein Wienerli und alles andere ist nicht gegangen.

[00:45:18.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt keine Mangelernährung.

[00:45:18.460] – Bemerkung 3
Wächst sich das aus?

[00:45:59.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, man kann lernen. Es wird von allem probiert, auch wenn es nur eine Erbse ist.

[00:46:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschmack kann sich an die ungewöhnlichen Dinge anpassen.

[00:46:18.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass ihr Gehör nicht gerne Lärm hat.

[00:46:22.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben ein absolutes Musikgehör. Die stört alles, was daneben ist.

[00:46:23.148] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Tastsinn können sie gewisse Materialen nicht mögen.

[00:46:28.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der Haut ertragen sie vielleicht keine Kunstfasern.

[00:46:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss man alles herausfinden.

[00:46:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Wolle oder Schafwolle auf der Haut. Die beisst.

[00:46:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In verschiedenen Bereichen können die Kinder sehr sensibel sein.

[00:47:02.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind ist sehr Licht empfindlich. Er war bei einem Augenarzt. Der Augenarzt hat
herausgefunden, welche Lichtstrahlen er nicht erträgt. Jetzt kriegt er eine spezielle
Brille, damit er besser lesen kann. Er ist sehr empfindlich mit seinen Augen. Das wurde
anfangs gar nicht ernst genommen. Er hat jetzt die Diagnose Autismus bekommen. Es
hat immer geheissen: du spinnst.

[00:47:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von hochsensibel.

[00:47:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind kreativ, sie können Grenzen überschreiten.

[00:47:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können in der Kunst und in der Wissenschaft kreativ sein.

[00:47:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Eroberer, Forscher, Entdecker.

[00:47:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist ein hoher Gerechtigkeitssinn.

[00:48:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Mädchen, welches die Schule verweigert hat, ist nicht mehr in die Schule, weil es
fand, der Lehrer mache es nicht richtig, der ist nicht gerecht mit der Klasse. Die hat so
nicht ertragen, dass sie die Schule verweigert hat.

[00:48:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war nicht wegen ihr, es war wegen der Klasse.

[00:48:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen starken Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.

[00:48:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann von den ADHS/ADS Kindern lernen, wenn man ihnen zuhört, wenn man sie
validiert, was hat sie verletzt hat, wie sehen sie es?

[00:48:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben oft einen anderen Blick auf das Leben.

[00:48:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Von ADHS/ADS Kindern kann man sehr viel lernen. Man muss sie gut beobachten. Man
muss überlegen. Man kann nicht von Schematas ausgehen.

[00:49:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas für alle funktioniert, funktioniert es für dieses Kind nicht.

[00:49:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder interessant.

[00:49:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn bleibt wach, wir bleiben flexibel, beweglich, wenn wir bereit sind zum
lernen.

[00:49:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen: wie betrachtet das Kind die Situation.

[00:49:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe 13 Regeln notiert, wie man mit den ADHS/ADS Kindern umgehen sollte.

[00:49:45.513] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:49:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in einen Machtkampf gerät, dann verliert man meistens.

[00:49:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ok, wenn sie in der Pubertät auch einmal verlieren, oder 50% der Fälle verlieren.

[00:50:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tun etwas für das Selbstwertgefühl vom Kind.

[00:50:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sieht sich das Kind als Sieger über die Eltern, dann gibt das ein besseres
Selbstwertgefühl. Die Eltern müssen auch verlieren können.

[00:50:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Autoritätsfigur immer nur gewinnt, dann wird die Persönlichkeit vom
ADHS/ADS Kind geschwächt und die persönliche Entwicklung vom Kind wird sehr
eingeschränkt. Das ADHS/ADS Kind wird geschwächt.

[00:50:41.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die landen dann bei mir als Erwachsene Patienten.

[00:50:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich publiziere ein Buch zum Thema: ADHS/ADS und die Folgekrankheiten.

[00:51:05.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Je länger ich in der Psychiatrie tätig bin, sehe ich, wie hinter allen Psychiatrischen
Krankheiten ein ADHS/ADS ist.

[00:51:17.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater streiten sich untereinander über die Symptome. Was soll ich zuerst
anschauen?

[00:51:17.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist die Grundursache. Das ist genetisch vererbt.

[00:51:17.665] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression wird nicht genetisch vererbt, die ist erworben.

[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die Schizophrenie wird nicht genetisch vererbt.

[00:51:42.162] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein ADHS/ADS dahinter.

[00:51:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Fachwelt.

[00:51:47.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS und Schizophrenie ist auch ein Buch von mir.

[00:51:47.428] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:52:01.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:52:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt sagte über ADHS/ADS: die sind so sensibel.

[00:52:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die Schizophrenen auch.

[00:52:08.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Verbindung habe ich immer weiterverfolgt.

[00:52:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler war ein Schizophrenie-Experte.

[00:52:10.470] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler

[00:52:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat den Begriff Schizophrenie geprägt, 1911.

[00:52:32.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sagte: Schizophreniepatienten sind viel sensibler, die merken Dinge, welche die
Durchschnittsmenschen gar nicht merken.

[00:52:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die breite, sensible Aufmerksamkeit.

[00:52:44.731] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat das schon beobachtet.

[00:52:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat nichts daraus gemacht. Damals hat man gar nicht von ADHS/ADS gesprochen.

[00:52:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Zappelphilipp gab es damals schon, vor 200 Jahren. Das war einfach ein
Kinderbuch. Psychiatrisch hat man nichts damit gemacht.

[00:53:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dem Kind helfen, in dem sie lernen mit dem ADHS/ADS Kind umzugehen,
indem sie wachsam sind, indem sie klar sind.

[00:53:14.153] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch umentscheiden.

[00:53:14.457] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie umentscheiden, müssen sie es klar sagen.

[00:53:15.657] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher so gedacht, jetzt denke ich so. Jetzt möchte ich es so.

[00:53:16.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt können sie mir Fragen stellen, widersprechen, etc.

[00:53:56.900] – Bemerkung 4
Knaben werden tendenziell aggressiv, Mädchen unterdrücken ihre Gefühle. Gilt das für
ADHS/ADS?

[00:53:57.770] – Bemerkung 4
Wie zeigt sich das ADS?

[00:54:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz

ADSler ziehen sich eher zurück, Knaben und Mädchen, die denken ganz viel nach. Die
haben das Kino im Kopf. Die können ein Karussell im Kopf haben. Die können das
Denken nicht mehr stoppen. Die können wegen dem vielen Denken in der Nacht oft
auch nicht schlafen. Es denkt einfach weiter.

[00:54:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag etwas geschehen ist, dass sie verletzt hat, sie gestört hat, sie gekränkt
hat, das sie verrückt gemacht hat, dann denkt das Gehirn einfach weiter.

[00:54:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn, wo das limbische System ist, wo das Mittelhirn ist, welches bei
den Säugetieren stark entwickelt wurde, was für die Beziehung wichtig ist, das
prozessiert alle Reize die von aussen kommen als erstes.

[00:54:59.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Reize nicht verdaut werden können, aufgelöst werden können, dann kann
man nicht schlafen weil man zu erregt ist.

[00:55:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist es wichtig, dass man über die Geschehnisse sprechen kann, diese
verarbeiten kann. Dann kann man die Erlebnisse im Grosshirn ablegen, es gibt ein
Wissen daraus und dann kann man das nächste Mal besser reagieren.

[00:55:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vielen Denker werden dann zu Wissenschaftler, Schriftstellern.

[00:55:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sehr fokussiert an etwas arbeiten.

[00:55:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war so.

[00:55:52.685] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat bis er fünf Jahre alt war nicht gesprochen.

[00:55:52.807] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man einen Autisten.

[00:56:09.060] – Bemerkung 5
Was ist häufiger? ADHS oder ADS?

[00:56:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht sagen. ADHS wird mehr und leichter diagnostiziert. Die
Hyperaktivität fällt jedem auf. Das Denken fällt im Umfeld nicht auf. Das muss man
erfragen.

[00:56:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne keine Statistik.

[00:56:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau machen wir eine Studie mit der Genetik in Basel.

[00:56:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Gene werden untersucht. Man nimmt das Blut und schaut die Genetik an,
die Symptomatik und die Erziehungsstile, welche diese Personen hatten.

[00:56:54.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir geht es um die Interaktion zwischen dem Genotyp und dem Umfeld.

[00:57:19.160] – Bemerkung 6
Wenn man bis neun Jahren die neuropsychologische Abklärung macht, macht das
Sinn?

[00:57:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt von der IV. Das ist ganz unterschiedlich.

[00:57:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
POS war früher ein Geburtsgebrechen. Das ist genetisch vererbt. Das besteht seit der
Geburt.

[00:58:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV sagt sie zahlt nur, wenn es vor dem 9. Altersjahr abgeklärt ist.

[00:58:09.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist angeboren. Es spielt keine Rolle, wenn man es diagnostiziert, mit 6, 9 oder 15
Jahren.

[00:58:23.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind endlose IV Diskussionen. Das sind willkürliche Grenzen, welche die IV gesetzt
hat. Das heisst gar nichts.

[00:58:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig wir abgeklärt.

[00:58:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Mädchen oder gut erzogenen Knaben sind, im Einzelunterricht sind sie
aufmerksam.

[00:58:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden immer nur im Einzelsetting getestet.

[00:59:01.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern und Lehrer werden auch noch gefragt. Das wird mit eingebaut.

[00:59:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sehr intelligent sind, merkt man gar nichts.

[00:59:14.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte zeigt das ADHS/ADS.

[00:59:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der ganzen Klasse, mit der Familie, kommt das alles raus.

[00:59:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Einzelsetting ist die Fokussierung gut, bei gewissen. Es ist unterschiedlich.

[00:59:22.330] – Bemerkung 7
In welchem Alter soll man die Abklärung machen?

[00:59:45.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich persönlich mache keine neuropsychologische Aufklärung.

[00:59:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage einfach immer nach der Geschichte.

[00:59:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle die Diagnose über die Anamnese, also indem ich die Geschichte erfrage.

[00:59:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mir die verschiedenen Faktoren an.

[00:59:58.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das ohne neuropsychologische Abklärung. Ich habe jetzt über 40 Jahre
Erfahrung damit.

[01:00:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Lehrer in der Schule eine zusätzliche Hilfskraft möchte, will die Schule immer
eine zusätzliche Abklärung.

[01:00:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal sage ich einfach: das ist ein ADHS/ADS Kind.

[01:00:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht bei gewissen Schulen, bei gewissen nicht. Dann geht man abklären.

[01:00:19.030] – Dr.med. Ursula Davatz
In welchem Alter?

[01:00:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf die Situation an, ob es die Lehrer brauchen, ob es die Eltern unbedingt
wollen. Dann hat man etwas in der Hand.

[01:00:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Abklärung im Erwachsenenalter macht, sagen viele: es hat mir geholfen,
endlich verstehe ich mich. Es ist mir ein Licht aufgegangen. Darum bin ich so anders.

[01:01:14.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Klärt man es schon bei den Kindern ab, wehren sich die Eltern oft dagegen und sagen:
mein Kind ist doch nicht krank.

[01:01:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Krankheit. Es ist ein anderer Neurotyp.

[01:01:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will sich zum Teil nicht abklären lassen, weil es nicht gestört sein möchte. Ich
bin kein Verrückter, ich bin kein Psycho.

[01:01:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sind neugierig. Die sehen dann, wie ihr Gehirn besser funktioniert. Es
weiss dann besser, wie es Aufgaben machen kann, wie es sein Gehirn verwenden
kann.

[01:01:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder gerne in die Abklärung gehen, dann schicke ich sie. Sonst nicht.

[01:01:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass das Umfeld mit den Kindern umgehen kann. Das ist die Hauptsache.

[01:02:03.360] – Bemerkung 8
Sowie die Schule funktioniert, ist das gar nicht möglich, dass die mit dem umgehen
können.

[01:02:19.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage etwas zur Schule und zur Lehrplan Revision.

[01:02:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ich war im Kanton Aargau an der Lehrplan Revision beteiligt, Gesundheitserziehung.
Das Fazit war: leben und leben lassen.

[01:02:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das Kind sich entwickeln lassen.

[01:02:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Schule, jede Lehrperson ist anders.

[01:03:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was man aushandeln kann.

[01:03:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Aargau auf der Oberstufe mit den Lehrpersonen zusammen gearbeitet.

[01:03:12.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Drei Lehrpersonen kamen immer zu mir, wenn sie ein Problemkind hatten.

[01:03:15.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren in der Regel ADHS/ADS Kinder.

[01:03:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Lehrpersonen habe ich beraten. Ich habe ihnen Tricks und Tipps gegeben, wie
sie damit umgehen können.

[01:03:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle durch die Schule gebracht.

[01:03:41.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen berate ich nach zwei Studiums wieder.

[01:03:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte zu mir, dass ich der Lehrperson gesagt habe: hören sie auf, das Kind zu
bestrafen. Das ist meine Haltung.

[01:03:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt will er noch besser mit sich umgehen lernen.

[01:03:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler will pro Klasse zwei Lehrpersonen.

[01:04:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mehr Geld in die Schule investieren und weniger in die Psychiatrie. Das ist
der Anfang.

[01:04:09.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen mehr unterstützt werden.

[01:04:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine Beratung bekommen.

[01:04:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder darf man nicht einfach nur in die Kinderpsychiatrie schicken.

[01:04:26.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird das Kind pathologisiert, es bekommt ein Medikament, es kommt sich
schlecht vor.

[01:04:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überall läuft es schlecht.

[01:04:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen mehr Unterstützung.

[01:04:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen berate ich, damit sie lernen, wie sie mit schwierigen Kindern
umgehen können.

[01:04:52.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen sind sehr alleine gelassen.

[01:05:01.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen sollte auch mehr voneinander lernen können.

[01:05:17.260] – Bemerkung 9
Als Lehrperson fühle ich mich nicht wirklich unterstützt.

[01:05:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson muss nicht einfach nur Wissen vermitteln. Sie brauchen Hilfe im
Umgang mit schwierigen Kindern.

[01:05:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie bietet das nicht an.

[01:05:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie berät nur das Kind, therapiert das Kind mit Medikamenten.

[01:05:45.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem Workshop hatte ich einen Teilnehmer, der vom Hilfsschüler zum Pädagogik
Professor wurde.

[01:06:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer mehr Privatschulen. Die versuchen es anders zu machen.

[01:06:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können es mit den ADHS/ADS Kindern. Gewisse Privatschulen verstehen
nichts von ADHS/ADS.

[01:07:04.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wird oft als Sprungbrett für die politische Karriere verwendet. Das heisst
nicht, dass sie sich für die Schule interessieren.

[01:07:04.857] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Missbrauch der Schule und der Kinder.

[01:07:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute in der Kreisschulbehörde, wo das Herz für die Kinder schlägt.

[01:07:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele wollen eine politische Karriere machen.

[01:07:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Politiker streiten untereinander über die richtige Schule. Das bringt nichts.

[01:07:30.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Lehrpersonen unterstützen.

[01:07:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit psychiatrischen Diagnosen, sondern mit Systemberatung.

[01:07:38.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Familientherapeuten können das.

[01:07:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit ist die Familientherapie nicht En Vogue.

[01:07:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Institut für Ehe und Familie in Zürich machen noch solche Dinge.

[01:07:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte bilden sich nicht mehr so aus. Das ist sehr schade.

[01:08:05.723] – Dr.med. Ursula Davatz
Was brauchen sie als Lehrperson für eine Unterstützung?

[01:08:06.560] – Bemerkung 10
Das ist eine gute Frage.

[01:08:09.660] – Bemerkung 10
Ich denke an meinen Auftrag, was ich im Schulzimmer zu tun habe, neben der
Wissensvermittlung.

[01:08:27.400] – Bemerkung 10
Den Menschen fördern, die Beziehung, die Werkzeuge mitgeben, damit später das Kind
arbeiten kann, damit das Kind selber herausfinden kann, wie es arbeiten kann.

[01:08:27.650] – Bemerkung 10
Wenn ich 20 verschiedene Schülerinnen und Schüler habe, ich bin allein. In 45 Minuten
habe ich nicht viel Zeit pro Schülerin und Schüler. Ca. 2 Minuten pro Schülerin und
Schüler.

[01:08:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss jede Situation einzeln anschauen.

[01:09:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nichts Spezielles nennen.

[01:09:11.740] – Bemerkung 11
Es ist das System.

[01:09:11.940] – Bemerkung 11
Es hat alles seine Vorteile und Nachteile.

[01:09:18.840] – Bemerkung 11
Das Bildungssystem, Lehrsystem bietet sich so an mit den Schulen.

[01:09:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen, dass heutzutage das Schulsystem überholt werden muss, revidiert werden
muss.

[01:09:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele Lehrer steigen aus, sind überfordert, haben ein Burnout.

[01:10:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft etwas schief. Es ist eine systemische Problematik.

[01:10:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird viel mit Schulassistenz gearbeitet.

[01:10:11.438] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich eine gute Sache.

[01:10:11.690] – Bemerkung 12
Der Umgang mit dem ADHS/ADS der Kinder durch die Erwachsenen finde ich sehr
wichtig. Es ist vererbbar. Somit sind die Eltern auch betroffen.

[01:11:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind erwachsen und das Kind ist ein Kind.

[01:11:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erwarte von der Erwachsenen Person mehr, dass die mehr weiss und eine bessere
Emotionskontrolle hat.

[01:11:50.340] – Bemerkung 12
Wenn die erwachsene Person sich ihres ADHS/ADS nicht bewusst ist, hat das viel
Sprengkraft.

[01:12:15.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[01:12:18.460] – Bemerkung 12
Wie gehe ich damit um?

[01:12:29.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich brauche einen konkreten Fall.

[01:12:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind eher bereit zum lernen.

[01:12:29.964] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter wehren sich mehr.

[01:12:30.276] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen.

[01:13:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war die Schule einfach autoritär. Die Kinder haben In der Herde mitgemacht.
Heute ist alles individualisiert.

[01:13:10.940] – Bemerkung 13
Früher wurde die Norm durchgedrückt.

[01:13:14.871] – Bemerkung 13
Heute ist alles individuell, die Autorität wurde reduziert. Das System ist immer noch das
gleiche.

[01:13:14.880] – Bemerkung 13
Es braucht Platz für den Einzelfall.

[01:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Fall, jede Situation braucht eine andere Lösung.

[01:14:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Evidence-based Medicine geht nicht. Man kann nicht immer das gleiche Medikament
geben.

[01:14:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es ganz wenig.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer müssen nach mehr Unterstützung verlangen. Die Eltern brauchen auch mehr
Unterstützung.

[01:14:52.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Streit unter den Politikern über welches Schulmodell das Beste ist, bringt nichts.

[01:15:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen brauchen Unterstützung. Ich plädiere dafür.

[01:15:20.850] – Bemerkung 15
Wir Lehrer können auch signalisieren, dass wir das brauchen.

[01:15:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch krank ist, gibt man alles Geld der Welt aus.

[01:15:25.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr kritisch mit dem Gesundheitssystem.

[01:15:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin für die Prävention.

[01:15:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau werde ich die Regierungsrätin vom BKS, Bildung, Kultur und Sport
treffen, Martina Bircher.

[01:15:40.574] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.ag.ch/de/ueber-uns/verwaltung/bks/departementsvorsteherin

[01:15:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kinderspital in Zürich ist in gutes Beispiel der Geldverschwendung.

[01:16:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen sagen: wir brauchen das.

[01:16:25.490] – Bemerkung 14
Niemand hört zu. Wir arbeiten mit 20-22 Kindern und bekommen fast keine
Unterstützung.

[01:16:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde sich lohnen.

[01:16:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich für die Schule interessieren, nicht nur zum berufliche Karriere zu
machen, sondern um der Schule wegen.

[01:16:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Zeitalter der KI wird die Schule wichtiger im Sinne der Persönlichkeitsförderung.

[01:17:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind eine individualisierte Gesellschaft und wir sollten die Persönlichkeiten auch
fördern können.

[01:17:10.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist genügend Stoff vorhanden.

[01:17:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben unser Bestes.

[01:17:20.020] – Bemerkung 16
Es ist schön, wenn man das an so einem Abend sagen darf, wo so viele Eltern das
hören. Ich sehe ein positives Nicken. Wir sind froh und wir hören das auch. Es gibt
definitiv eine Bewegung. Es braucht von unserer Seite her einen grossen
Durchhaltewillen.

[01:18:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich merke oft, wie Eltern und Lehrer vor einander Angst haben.

[01:18:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben Angst: wenn ich etwas sage, geht die Lehrperson auf mein Kind los.
Die Lehrpersonen haben Angst, dass sie von den Eltern angeklagt werden, dass sie ihr
Kind nicht korrekt behandeln.

[01:18:24.024] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind unterschiedliche Rollen.

[01:18:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern dem Lehrer sagen: mein Kind ist ein ADHS/ADS-Kind, reagieren gewisse
Lehrer gut und andere sagen das ist eine Modediagnose.

[01:18:43.739] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[01:18:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird gesagt: ich habe 20 Kinder, ich kann nicht auf jeden schauen.

[01:18:57.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS/ADS gut integriert und mit dem umgehen kann, gibt es mehr
Ruhe in der Klasse.

[01:19:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es müssen nicht alle gleich behandelt werden.

[01:19:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf und muss die Kinder unterschiedlich behandeln.

[01:19:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder reklamieren, kann man sagen: du kannst das, er kann es nicht. Er
muss es noch lernen. Sie muss es noch lernen.

[01:19:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen differenzierter Schulunterricht geben.

[01:19:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute arbeitet man mit Schulinseln, man darf in den anderen Schulraum gehen.

[01:19:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht auch noch systemtherapeutische Unterstützung der Lehrpersonen und der
Eltern.

[01:20:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Psychiatrie investiert, ist alle schief gelaufen.

[01:20:11.790] – Bemerkung 17
Was sagen sie zum Melatonin Spray bei Kindern die viel Denken und nicht einschlafen
können?

[01:20:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein Hormon, das wir in der Nacht ausschütten. Es geht zusammen mit
dem Schlafrhythmus.

[01:20:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird auch Melatonin gegeben.

[01:20:32.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nicht ewigs geben.

[01:20:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man in das hormonelle Gleichgewicht eingreift, gibt es Gegenreaktionen.

[01:20:38.757] – Dr.med. Ursula Davatz
Melatonin ist ein körpereigenes, schlafanstossendes Hormon, Substanz.

[01:20:39.413] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Erwachsene oder Kinder nicht einschlafen können, braucht es ein regelmässiges
Ritual zum herunter fahren.

[01:20:40.613] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern ist es ein Bettritual.

[01:20:41.813] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen müssen aufhören auf ihr Telefon zu schauen. Nichts mehr
aggressives, keine schwierigen Probleme mehr lösen. Runterfahren.

[01:21:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage alle Leute: was ist ihr Ritual zum runterfahren?

[01:21:32.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Welches Ritual haben sie mit den Kindern?

[01:21:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte immer ähnlich oder gleich sein.

[01:21:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Regelmässigkeit hilft zum beruhigen.

[01:22:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr aktive Kinder wollen noch viel machen vor dem Einschlafen.

[01:22:16.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei sein. Man kann nicht sagen: du musst jetzt. Das funktioniert bei den
kleinen Kindern nicht, wenn man nicht neben an ist.

[01:22:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie beim Hund. Der macht nicht Platz, wenn sie einkaufen gehen.

[01:22:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer reinreden. Dabei sein, helfen, dirigieren.

[01:22:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine grossen Diskussionen. Eine Geschichte vorlesen.

[01:22:54.003] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle dürfen ihr eigenes Ritual haben.

[01:22:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn am Tag Dinge passiert sind, die einem sehr aufgeregt haben, muss man die
zuerst ein wenig bearbeiten, damit man sie ablegen kann.

[01:23:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Gehirne studieren gerne viel.

[01:23:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Erwachsenen sagt man Tagebuch schreiben oder noch ein paar Sätze in den
Kalender schreiben.

[01:23:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können vom Tag ein paar Sätze schreiben. Dann wählen sie aus, was für sie
wichtig ist. Das ist auch ein Runterfahrritual und eine Schreibübung. Ein doppelter
Gewinn.

[01:23:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin gibt immer Medikamente. Ich gebe auch Medikamente, aber ich versuche
es immer zuerst anders.

[01:24:22.660] – Bemerkung 18
Wie sieht es mit der Risikobereitschaft aus bei den Kindern mit ADHS/ADS?

[01:24:31.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist so.

[01:24:44.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie suchen Extremsituationen. Das gibt einen Kick. Das schüttet Adrenalin und
Dopamin aus. Das macht das Ritalin auch.

[01:24:44.472] – Dr.med. Ursula Davatz

Alles extrem.

[01:24:44.479] – Bemerkung 19
Wie kann man dem begegnen?

[01:24:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dreinreden. Nicht unterbinden wollen.

[01:24:56.448] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein risikofreudiges Kind bremsen möchte, macht es eher heimlich Dinge und
schwierigere Dinge.

[01:24:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem risikobereiten Kind kann man sagen: das ist ok. Schau einfach, dass du nicht
über Deine Grenzen gehst.

[01:24:56.638] – Dr.med. Ursula Davatz
Spüre Deine Grenzen. Diese Kinder müssen ihre Grenzen spüren lernen.

[01:25:06.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie nur versucht zurück zu halten, das geht gar nicht.

[01:25:06.622] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher verantwortungsvoll das Risiko übernehmen.

[01:25:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in den Leistungsstress reinkommen.

[01:25:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind viele am Mt. Everest gestorben.

[01:25:27.668] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Ungl%C3%BCck_am_Mount_Everest_(1996)

[01:25:27.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht über seinen Ehrgeiz gehen.

[01:25:28.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch noch sehen, was die eigenen Grenzen sind.

[01:25:47.551] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts verbieten, sonst läuft es schief.

[01:25:47.650] – Bemerkung 20
Was ist mit dem andere Neurotyp? Ist das so klar? Wer sagt, was normal ist?

[01:26:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Normal gibt es nicht.

[01:26:17.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben ein Genom.

[01:26:26.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS.

[01:26:37.821] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.genome.gov/genetics-glossary/Genome-Wide-Association-Studies-GWAS

[01:26:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf psychiatrische Krankheitsbilder hat man genetisch untersucht.

[01:26:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Schizophrenie, Manisch-Depressiv, Bipolarische Störung, schwere Depression,
Autismus und ADHS/ADS.

[01:26:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hatten alle den gleichen Genlocus verändert.

[01:27:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das vererbte ADHS/ADS.

[01:27:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute schaut man noch mehr, was für körperliche Krankheiten entstehen.

[01:27:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben mehr Fibromyalgie.

[01:27:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Kombination von Genen.

[01:27:25.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ganze Bevölkerung anschaut, dann sagt man, 5% haben ADHS/ADS.

[01:27:48.979] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird nur das ADHS/ADS gezählt.

[01:27:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind vielleicht 20 Gene, vielleicht 100 Gene. Es ist immer die
Gen-Kombination, die es ausmacht.

[01:28:03.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetik wird heute immer mehr erforscht.

[01:28:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht dann von Epigenetik.

[01:28:10.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik verändert sich in der Interaktion mit dem Umfeld.

[01:28:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene untereinander beinflussen sich gegenseitig.

[01:28:24.435] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist hochkompliziert.

[01:28:24.718] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach das Gen und diese Krankheit.

[01:28:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Genlocus.

[01:28:25.960] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/Ursula_Davatz_Studie_USB_PDAG.pdf

[01:28:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sammeln jetzt Studienteilnehmer.

[01:28:38.310] – Bemerkung 21
ADHS/ADS Kinder haben normalere, gesündere Reaktionen.

[01:29:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man sagen. Man sagt auch, ADHS/ADS Kinder sind Indigo Kinder.

[01:29:03.459] – Dr.med. Ursula Davatz

Die helfen uns neue Dinge herauszufinden. Wir brauchen die. Wenn wir die alle flach
machen und normieren, dann haben wir keinen Fortschritt mehr.

[01:29:35.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer gibt es mehr ADHS/ADS Gene. Es ist eine Selektion passiert.
In dem Handelsraum war die Fähigkeit vom ADHS/ADS von Vorteil. Die haben besser
überlebt.

[01:29:36.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Jägern und Sammlern war das Genom zu 50% ADHS/ADS. Dort brauchte es
eine breite Aufmerksamkeit. Die Lehrperson gab es dort nicht.

[01:30:06.450] – Bemerkung 22
Das ist ein Bild vom System.

[01:30:54.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Selektion ab. Unser System selektioniert für gewisse Typen. Unser System
fördert gewisse Typen.

[01:30:54.960] – Bemerkung 23
Dann kann von normal nicht mehr gesprochen werden.

[01:31:02.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können von der Mehrheit und dem Zeitgeist sprechen.

[01:31:02.570] – Bemerkung 24
Das heisst nicht, dass der Zeitgeist gesund ist.

[01:31:03.770] – Bemerkung 25
ich finde es wichtig zu sagen, dass es ein Spektrum ist. Nicht jeder ist in dem Spektrum.
Nicht jeder leidet darunter. Dort ist die Grenze für mich.

[01:31:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute rettet sich die Psychiatrie.

[01:31:42.505] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach man von Asperger und Autismus. Heute spricht man von der Autismus-
Spektrum Krankheit.

[01:31:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man vom ADHS/ADS Spektrum.

[01:31:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
So retten sich die Mediziner mit ihrer Diagnose.

[01:31:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: das ist ein Spektrum.

[01:32:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles nur Definitionen.

[01:32:05.867] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen dem ist nicht jeder Mensch ein ADHS/ADSler.

[01:32:06.363] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gaußschen Glockenkurve liegt die Norm. Am Rand sind die Dinge die anders
sind. Die Dinge, welche anders sind, tragen zur Entwicklung bei.

[01:32:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein missratenere Affe. Wir wurden in die Savanne getrieben und haben
den aufrechten Gang entwickelt, hatte die Hände frei.

[01:32:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Andersartigkeiten helfen zu einer Weiterentwicklung.

[01:33:10.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum gelingt es nicht, zum Teil gelingt es.

[01:33:12.780] – Bemerkung 26
Verstehe ich sie richtig, es ist die Beziehung, die wichtig ist? Nicht nur zu Hause,
sondern auch in der Schule. Nicht einfach nur den Lehrplan durchboxen.

[01:33:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Nature versus Nurture. So sagt man in der Schizophrenieforschung.

[01:33:51.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nature sind die Gene. Nurture ist das Umfeld. Es ist immer beides.

[01:33:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein anderes Naturell hat, muss das Umfeld lernen mit den Naturell
umzugehen. Man muss nicht die ganze Welt nach dem Naturell ausrichten.

[01:34:10.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer dazwischen. Wie stark kann man sich den persönlichen Bedürfnisse
anpassen? Was muss das Individuum lernen um in der Welt zu überleben.

[01:34:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Wechselspiel.

[01:34:19.930] – Bemerkung 27
Von den Beziehungen profitieren alle Kinder.

[01:34:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar.

[01:34:33.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was ich sage, ist auch für die normalen Kinder sehr hilfreich.

[01:34:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem sogenannten Normotyp entstehen nicht so viele Probleme, wie beim ADHS/
ADSler.

[01:34:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Beziehung profitieren alle.

[01:34:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind robuster, dort passiert nichts. Andere sind sehr sensibel und dann geht
alles schief.

[01:35:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es einen Unterschied.

[01:35:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Knabe ging mit seiner Freundin auf das WC. Zwei Mädchen haben gesagt: was
machst du hier. Der Knabe ist so erschrocken, dass er nicht mehr in die Schule ging.
Jetzt muss ich ihn zurückführen.

[01:36:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wer soll mit diesen Mädchen reden? Du hast nichts falsch
gemacht. Du wolltest nur Wasser trinken gehen auf dem WC.

[01:36:08.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte, dass der Vater mit den Mädchen spricht. Das hat der Vater gemacht. Dann ist
der Knabe lockerer geworden.

[01:36:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Prävention ist richtiges Handeln im kritischen Augenblick.

[01:36:13.333] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles kritische Augenblicke.

[01:36:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann man gut behandeln oder alles falsch machen.

[01:36:38.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule wird oft noch viel Beschämung verwendet.

[01:36:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe hat sich beschämt gefühlt, weil er gefragt wurde: was machst du hier?

[01:36:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wusste gar nicht, was er falsch gemacht hat.

[01:37:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämen geht nur für Aversionsverhalten.

[01:37:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimos dürfen im Frühjahr nicht auf das Eis, weil das einbricht. Die Kinder müssen
das lernen. Wenn ein Kind dennoch auf das Eis geht im Frühling, wenn es einbrechen
könnte, dann wird das Kind vor der ganzen Gruppe beschämt. Wenn es beschämt wird,
geht es nie mehr auf das Eis.

[01:37:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird ein Schulkind in der Schule beschämt wird, geht es nie mehr in die Schule.

[01:37:15.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe viele Kinder, die enorm beschämt wurden, wegen ihrer Legasthenie. Ihre 40
Fehler wurden öffentlich ausgebreitet vor der ganzen Klasse.

[01:37:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat nie mehr gelernt und ging nie mehr in die Schule.

[01:37:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Er konnte auch keine Berufslehre machen, weil nicht mehr in die Schule ging.

[01:37:19.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Morgen wurde es ihm immer schlecht weil er so Angst vor der Schule hatte, vor der
Beschämung.

[01:37:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung löst nur Ausweichverhalten.

[01:37:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es löst kein Lernverhalten aus, ausser es ist ein sehr ehrgeiziges Kind.

[01:37:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schlagzeuger, welcher von seinem Lehrer beschämt wurde, hat dann seinen Lehrer
beschämt. Das ist selten.

[01:37:24.110] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Whiplash_(2014)

[01:37:24.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sportlehrer beschämen zum Teil ihre Schüler, damit die noch verrücktere Leistungen
erbringen.

[01:37:25.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist nicht der Durchschnitt.

[01:37:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke!

Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
28.5.2025
Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS
Audio

[00:00:01.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir das Thema so gegeben: Podium über Frauen zum Thema ADHS/ADS.

[00:00:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS.

[00:00:14.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hiess es frühkindliches POS.

[00:00:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine allgemeine Bemerkung: psychiatrische Krankheiten sind immer
Funktionsdiagnosen.

[00:00:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie etwas Festes wie eine Leberzirrhose oder ein Herzinfarkt oder so etwas.

[00:00:48.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Gehirn immer funktionell anschauen und das kann sich alles wieder
ändern.

[00:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keine klare Abgrenzung von einer Krankheit zur anderen.

[00:01:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt signifikante Symptomen.

[00:01:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz

In meinem Medizinstudium wurde gesagt: der Patient kann Läuse und Flöhe haben.
Das sind unterschiedliche Tiere.

[00:01:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer das gleiche Gehirn.

[00:01:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen eine Vorbemerkung.

[00:01:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn funktioniert immer ganzheitlich und ist auch immer verbunden mit dem Körper.

[00:01:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Gehirn werden auch die Körperorgane dirigiert.

[00:01:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS, ASS (Autismusspektrumsstörung) ordne ich dem ADHS unter. Ich mache
keine neu Krankheit draus.

[00:02:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch die Hypersensibilität.

[00:02:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist lieber hypersensibel, als dass man ein ADHS/ADS hat. Das ist gar nicht
pathologisch.

[00:02:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche ein bisschen aufzuzeigen, was für Symptome hervorstechen.

[00:02:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:02:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.

[00:02:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es nur ein vulnerabler, sensibler Neurotyp, der eher auf Stress anfällig ist
und dann Krankheiten entwickelt.

[00:02:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue zuerst psychiatrische Folgekrankheiten an.

[00:02:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich heraus, dass es auch viele körperliche Krankheiten gibt.

[00:02:51.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Lebensende schaut: es gibt eine Studie aus England und Amerika, wo
sie sagen: Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher.

[00:03:05.417] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/01/23/health/adhd-life-expectancy.html

[00:03:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer mit ADHS/ADS sterben nur sieben Jahre früher.

[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen leiden mehr unter dieser Symptomatik.

[00:03:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einen Grund: Frauen können ihre Symptomatik besser verstecken.

[00:03:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das heisst, Frauen können sich besser anpassen.

[00:03:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu reiten als Hengste.

[00:03:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen passen sich an. Mädchen strengen sich wahnsinnig an um sich anzupassen.
Dann merkt man gar nichts.

[00:03:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose wird bei den Mädchen oft erst im Alter von 35 bis 45 Jahren
gestellt, oder mit 70 oder 80 Jahren.

[00:03:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über die Abklärungen, die Tageszeitungen, TikTok. Viele merken dann: ich
habe diese Symptome auch.

[00:04:15.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele haben dann ein Aha-Erlebnis. Darum bin ich so, darum reagiere ich so. Etc.

[00:04:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der Menschen, welche im erwachsenen Altern die ADHS/ADS Diagnose
bekommen, die haben eine oder mehrere zusätzlichen psychiatrischen Diagnosen.

[00:04:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Folgeerkrankungen.

[00:04:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich an erster Stelle mit der Folgekrankheit Schizophrenie. Das ist nur eine
Krankheit.

[00:05:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle ADHS/ADSler werden schizophren.

[00:05:11.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Faktoren dazwischen, damit das geschieht.

[00:05:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist kein Normotyp. Jedes Gehirn funktioniert anders.

[00:05:32.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende immer das "Triune Brain" von Paul D. MacLean.

[00:05:36.320] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Triune_Brain

[00:05:36.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige das mit der Hand.

[00:05:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Daumen ist das emotionale Gehirn, die Finger sind das Grosshirn, das Handgelenk
ist das Reptiliengehirn, das primitive Gehirn.

[00:05:44.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das primitive Gehirn ist schon bei den Reptilien sehr gut ausgebildet.

[00:05:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Reptilienhirn sind vegetative Nervenzentren verankert.

[00:06:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Herzrhythmus, unsere Atmung, der Schlaf-Wach-Rhythmus wird gesteuert und
die Motorik.

[00:06:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motorik, das Kleinhirn, das motorische Kleinhirn, gehört auch zum Reptilienhirn.

[00:06:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler, die haben ein stärkere, reaktives, sensibleres emotionales Gehirn.

[00:06:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das limbische System (emotionale Gehirn) überlastet ist, dann sendet es Signale
hoch und runter.

[00:06:38.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei System Overload gibt es ein Signal in das Grosshirn.

[00:06:44.265] – Dr.med. Ursula Davatz
Das negative Resultat davon ist dann die Schizophrenie. Das Gehirn bricht dann
zusammen.

[00:07:00.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so gedacht: wenn vom emotionalen Gehirn Signale in das Grosshirn gehen. Dort
werden die Signale auf kognitiver Ebene verarbeitet und als Erinnerung abgelegt, ohne
Emotionen.

[00:07:05.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das nicht möglich, wenn man seine Emotionen im Grosshirn nicht ablegen kann, weil
man nicht darüber sprechen kann, dann gehen die Signale auch an das Stammhirn.
Dann können alle möglichen psychosomatischen Krankheiten auftreten.

[00:07:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell bei den Kindern, die können noch nicht so gut reden, was sie eigentlich
beschäftigt.

[00:07:43.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen, Lehrpersonen, Eltern, sind dazu verpflichtet, das Kind zu
beobachten und herauszufinden, was es beschäftigt.

[00:07:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder Probleme haben, haben sie Bauchschmerzen. Sie können nicht sagen,
was es eigentlich ist.

[00:08:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, was davor abgelaufen ist, womit sie sich auseinandergesetzt
haben.

[00:08:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule spielt das Lernen und das Aufpassen eine grosse Rolle.

[00:08:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS hat eine breite Aufmerksamkeit.

[00:08:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulbetrieb wird die breite Aufmerksamkeit zu einer Störung, weil man dort
fokussiert aufpassen muss.

[00:08:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man die Gene der Neandertaler, der Jäger und Sammler Kulturen
untersuchen.

[00:08:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort zeigt sich, dass noch 50% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:08:49.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns sagt man, dass noch 5% der Bevölkerung ADHS/ADS Gene haben.

[00:09:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer mehrere Gene.

[00:09:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer eine Genkombination, ein Genom, ein Set von Genen.

[00:09:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kommt auf anderthalb Knaben ein Mädchen.

[00:09:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Anteil der Frauen nimmt zu. ADHS/ADS wird bei Frauen heute auch diagnostiziert.

[00:09:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Neurodiversität. Das ist ein Zustandsbild, wo noch viel neue Informationen
dazu kommen.

[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit ist: ADHS/ADSler nehmen sofort alles wahr.

[00:09:59.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in den Raum reinkommen, gucken sie sofort alles an, nehmen alles wahr,
nehmen Emotionen wahr, etc.

[00:10:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann der Schulunterricht sie nicht interessiert, wo der Lehrer oder die
Lehrerin sie auch nicht packen kann, dann schaut sie aus dem Fenster raus, stören den
Nachbar, schmeissen die Kugeln rum.

[00:10:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zum Klassenclown.

[00:10:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Konkurrenz zum Lehrer. Das mag der Lehrer nicht.

[00:10:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss die Lehrperson irgendwie eingreifen.

[00:10:45.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind besser im Multitasking.

[00:10:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Hausfrau muss man das können.

[00:10:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Schule vor sich hat, hat man immer ein Multitasking.

[00:10:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dompteur muss immer die ganze Klasse im Blickfeld haben und dann schauen, wie
man auf was reagiert und möglichst nicht überreagiert.

[00:11:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit.

[00:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine hohe Sensitivität.

[00:11:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist leichter erregbar und macht eine grössere Welle.

[00:11:18.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist so konstruiert, dass es funktioniert, ein bisschen wie fluide
Medien.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Luft und Wasser, da geht immer eine Bewegung durch.

[00:11:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegensatz zur Erde, da wird ganz viel aufgefangen.

[00:11:41.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Hirn ist so konstruiert.

[00:11:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind gestört wird, Stress ausgesetzt wird, macht es eine grössere
Welle in seinem emotionalen Hirn.

[00:11:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Welle sehr gross ist, dann gibt es ein System Overload und dann System
Overflow.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo der System Overflow passiert, können Denkstörungen auftreten oder
es geht ins Reptilienhirn und das stört, das rennt herum, das schreit.

[00:12:15.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen alle Primitiv-Reflexe zum Zug.

[00:12:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden alle vom Kleinhirn gesteuert.

[00:12:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Fight ist Kampf, Flight ist Flucht, Freeze ist Totstellreflex, Teasing ist Spotten, Necken,
Clown spielen, etc.

[00:12:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing-Verhalten tritt immer dann auf, wenn ein Individuum nicht sich sicher ist, wie die
Situation ist.

[00:13:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten.

[00:13:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich der Situation an auf eine witzige Art und findet dann heraus, ob der
andere jetzt das nehmen kann oder nicht.

[00:13:14.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der andere verrückt wird, zieht man sich wieder zurück oder auch nicht, je
nachdem, wie frei man ist.

[00:13:20.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist soziales Explorationsverhalten.

[00:13:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sieben Jahre im Basel studiert. Ich bin mit einem Basler verheiratet.

[00:13:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Basler haben im Frühling die Fasnacht.

[00:13:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Fasnacht darf jeder jeden intrigieren.

[00:13:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Volk kann auf den Stadtrat zu gehen und den veräppeln.

[00:13:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Necken. Man darf seine Meinung sagen, den anderen ein wenig herausfordern.

[00:14:10.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing-Verhalten wird von ADHS/ADS Menschen mehr verwendet und bleibt
länger erhalten.

[00:14:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Teasing Verhalten wird in der Pubertät auch von den Tieren sehr viel angewendet.

[00:14:23.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man vom Jungtier in das Erwachsenenalter kommt, dann wird geneckt.

[00:14:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Verschiedene Tierarten necken sich auch gegenseitig.

[00:14:47.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken ist ein ganz wichtiges Verhalten.

[00:14:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben wir Erwachsenen kein Verständnis mehr dafür und werden verrückt.

[00:14:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem aus welcher Familie man kommt, wird es untereinander gemacht.

[00:15:06.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sich liebt, das neckt sich.

[00:15:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mit ihrem Fahrrad in das Fahrrad des Mädchens gefahren. Ist das nun
bösartig oder ist das ein Annäherungsversuch.

[00:15:31.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

[00:15:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann gut sein, dass das Teasing ist.

[00:15:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wollte nicht von dem Annäherungsversuch/Angriff beschützt werden.

[00:15:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen wir neu interpretieren, wenn solche Dinge geschehen.

[00:15:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale System ist sensitiver, reagiert mehr, nimmt mehr auf, hat dadurch mehr
zu verarbeiten und darum sind die Menschen empfindlicher auf Stress.

[00:16:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist bei ihnen mehr erregbar, es schlägt höhere Wellen. Es schlägt länger
höhere Wellen.

[00:16:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät spricht man von: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

[00:16:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät formatiert sich das Gehirn. Es legt grössere Autobahnen an und kappt
viele Nervenendungen.

[00:16:23.981] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst könnte der Mensch nicht durchs Leben gehen. Sonst wäre alles viel zu
kompliziert.

[00:16:41.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: oh, wenn ich nur nicht so kompliziert wäre, ich wünsche, ich
wäre nicht so sensitiv, dann hätte ich viele Probleme nicht.

[00:16:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensitivität bringt natürlich auch einen Vorteil in Sachen merken, wahrnehmen und
Neues lernen.

[00:16:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine höhere Erregbarkeit.

[00:17:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die höhere Erregbarkeit, die stärkere Reaktion, die bleibt auch länger vorhanden.

[00:17:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis 25 Jahren ist das Gehirn ausgereift.

[00:17:09.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler braucht es ein wenig länger. Sie bleiben Kindsköpfe und sie bleiben
kreativ.

[00:17:20.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die positive Seite der ADHS/ADSler ist die Kreativität.

[00:17:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Grenzen überschreiten, das ist nicht immer angenehm.

[00:17:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Nein, man muss sich damit auseinandersetzen und seinen Standpunkt sagen.

[00:17:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Gitter machen.

[00:17:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Menschen mit ADHS/ADS-Eigenschaften zu restriktiv, zu eng, an einer zu kurzen
Leine erzogen werden, dann werden sie krank.

[00:17:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es psychiatrische Krankheiten geben und es kann auch somatische
Krankheiten geben.

[00:18:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starke Erregbarkeit bewirkt, dass nur noch der Automatismus funktioniert, das
Reptilienhirn, wo einfach der Reflex, Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[00:18:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn hat dann keine Kontrolle mehr. Das Grosshirn wird dann überrannt.

[00:18:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern wollen ihre Kinder mit Vernunft erziehen.

[00:18:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht man doch nicht, das gehört sich nicht, so kannst du nicht durch dein Leben
gehen.

[00:18:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage dann: er ist noch nicht dort und in dem Zustand hat sowieso keinen Sinn,
etwas zu sagen.

[00:18:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll die ADHS/ADS Kinder nie im High Arousal, im übererregten Zustand erziehen.

[00:18:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

[00:18:57.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Suppe zuerst abkühlen lassen.

[00:19:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann dürfen wir sagen, dort ist das und das gewesen.

[00:19:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer danach fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich aufgeregt? Was
hast du falsch gefunden?

[00:19:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort vom Geschehen her zum Normverhalten gehen.

[00:19:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss immer ihre Sensitivität abfragt werden und dann: okay, ich verstehe.

[00:19:27.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nennt man Validieren.

[00:19:28.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man validiert sie in ihren überschiessenden Gefühlen, dem System Overload.

[00:19:39.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Person abgeholt hat, validiert hat, kann man sagen: in einem nächsten
Moment, was könntest du anders machen? Wie könnten wir es anders miteinander
lösen?

[00:19:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater und die Psychologen bringen den Erwachsenen alle möglichen Tricks
bei.

[00:19:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Pfefferschoten in den Mund nehmen. Dann brennt es einem so fest, dass
man nicht mehr fluchen kann. Man kann ein Gummizug am Handgelenk zupfen, dann
lenkt man sich ab.

[00:20:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle möglichen Tricks.

[00:20:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Skills genügen nicht, wenn man nicht auch den Ursprung der Verletzung
anschaut.

[00:20:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss integriert werden, dass Kind oder die Person muss es verarbeiten können.

[00:20:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur unterdrückt, dann gibt es später wieder Folgekrankheiten.

[00:20:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern bleibt das emotionale System stärker vernetzt mit dem
Grosshirn.

[00:20:47.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, sie müssen viel mehr Eindrücke verarbeiten und das macht sie müde.

[00:20:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell ADHS/ADS-ler, die alles aufnehmen und nicht mit Aggression reagieren,
sondern nach innen aktiv werden.

[00:21:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst wird mit dem ADHS/ADS, kann man nach aussen aggressiv
werden. Das sind meistens die Jungen.

[00:21:11.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nach innen beginnen zu überlegen, hirnen, es dreht und macht.

[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nach innen reagieren, verarbeiten alle Situationen sehr sorgfältig.

[00:21:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erzählen einem auch ihre Geschichten sehr sorgfältig, ohne Punkt und Komma,
sodass man verloren geht.

[00:21:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man abklemmen und sagen: davon kann ich jetzt nicht mehr ertragen, ich
möchte nochmals das fragen.

[00:21:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich wohl fühlen, können sie sehr viel erzählen.

[00:22:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Unterschied zwischen Frau und Mann tritt heutzutage auch immer mehr auf.

[00:22:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gendermedizin.

[00:22:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat beim Herzinfarkt andere Symptome als die Frau.

[00:22:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch beim ADHS/ADS.

[00:22:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Untertypen.

[00:22:18.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können sich besser anpassen. Darum zeigen sie eher Empathie ihrem
Umfeld gegenüber und verlieren dann oder vergessen ihre Selbstfürsorge.

[00:22:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS passen sich zuerst dem Mann an, es läuft alles gut, sie passen
sich den Kindern an.

[00:22:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Kinder aus dem Haus gehen, dann wissen sie gar nicht, wer sie sind
und haben überhaupt keinen eigenen Fokus.

[00:22:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas, was ganz wichtig ist bei den ADHS/ADS Menschen: sie müssen ihren
eigenen Fokus finden.

[00:23:00.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, die zehn Jahre früher sterben, die haben wahrscheinlich nie ihren Fokus
gefunden. Denen hat man auch nie geholfen oder man hat sie nie ihren Fokus finden
lassen.

[00:23:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen haben doppelt so viele Depressionen im Alter wie die Männer.

[00:23:15.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Männer, die depressiv werden mit ADHS/ADS.

[00:23:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen wird die Diagnose erst mit 30 oder viel später gestellt.

[00:23:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer reagieren eher aggressiv. Im Extremfall werden sie delinquent, in der
Schule stören sie, folgen dem Lehrer nicht, rennen umher, bringen die Klasse
durcheinander.

[00:23:48.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Männer werden leicht zu Konkurrenten der Lehrperson. Sie
übernehmen die Klasse.

[00:23:56.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man als Lehrperson gar nicht gerne.

[00:24:05.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen entwickeln eher psychosomatische Krankheiten. Das sind häufig
Muskelskelettsystem Sachen.

[00:24:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Rückenschmerzen, überall verspannt, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen,
Erschöpfung, Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach COVID hatte ich viele Frauen mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom.

[00:24:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen passen sich so gut an, dass sie sich ausbeuten und am Schluss nichts mehr
haben.

[00:24:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer entwickeln eher das oppositionelle Verhalten, sie folgen nicht, sie sagen: nein.

[00:24:54.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür gibt es bereits wieder eine Diagnose. Das ist aber nichts weiteres als ein nicht
richtig behandeltes ADHS/ADS.

[00:25:00.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich kommt die Delinquenz.

[00:25:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gefängnisse sind voll von ADHS/ADS Männern. Sie sind nicht diagnostiziert.

[00:25:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer und Frauen können eine bipolare Störung entwickeln.

[00:25:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bipolar heisst manisch-depressiv. Die grosse Welle. Man ist absolut begeistert von
allem, braucht keinen Schlaf. Das ist die manische Phase.

[00:25:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht falsche Handlungen, gibt Geld aus. Am Schluss hat man kein Geld mehr.

[00:25:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht alle Leute verrückt, weil man alle Grenzen überrennt.

[00:26:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich bricht man in einer Depression zusammen.

[00:26:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe das bei Männern und Frauen.

[00:26:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung ist ein extremes ADHS/ADS Verhalten.

[00:26:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hyperaktive, Agressive dann die Depression. Ich kann nicht mehr.

[00:26:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entwickeln eher Borderline Störungen. Das sind alles ADHS/ADSlerinnen,
welche zu eng erzogen wurden. Sie passen sich immer an. Mit der Pubertät, mit den
Hormonschüben sprengen sie alle Grenzen.

[00:26:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wild.

[00:26:53.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht mit ihnen umgehen kann, sind sie allein gelassen, dann fühlen
sie sich im Stich gelassen. Sie machen dann viele Handlungen um Aufmerksamkeit zu
erhalten. Eigentlich wollen sie nur begleitet werden.

[00:27:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die von ihren Müttern im Stich gelassen werden, wenn die sie ablehnen, dann
machen sie weiter mit ihrem pubertären Verhalten.

[00:27:31.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionell Pubertierende.

[00:27:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie treiben die Fachwelt zum Wahnsinn.

[00:27:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie nicht erziehen.

[00:27:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Fachpersonen sage ich: Borderline Patientinnen darf man nicht erziehen.

[00:27:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nur sein Position beziehen. Man darf sich mit ihnen auseinandersetzen.

[00:27:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich nicht von ihnen manipulieren lassen.

[00:27:58.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt: wenn ich der Person entgegenkomme, dann kommt sie nachher auch mir
entgegen. Nein, geht nicht.

[00:28:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nimmt alles und kommt überhaupt nicht entgegen.

[00:28:08.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernt nur in der Auseinandersetzung.

[00:28:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind lange therapeutische Begleitungen.

[00:28:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige in Therapie. Sie sind immer interessant.

[00:28:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit ihnen lernt man die Selbstkontrolle.

[00:28:25.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt nichts, so auszurasten wie die Borderline Patienten.

[00:28:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Schizophrenie können beide entwickeln, Knaben mehr als Mädchen.

[00:28:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden die ADHS/ADS Kinder nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentgerecht
erzogen, machen sie Fehlentwicklungen.

[00:29:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Fehl-Erziehungen.

[00:29:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Als stabile Bezugsperson erziehe ich sie nicht. Ich sage was ich finde.

[00:29:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts tun, was ich sage, sie dürfen nur das tun, was für sie stimmt.

[00:29:37.610] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen ihre intrinsische Motivation herausfinden und ihren Fokus.

[00:29:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe oft den Fokus zu finden.

[00:29:52.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist wichtig, dass die Erziehungspersonen lernen, mit diesen neurodivergenten
Kindern umzugehen.

[00:30:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von artgerechter Tierhaltung.

[00:30:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu muss auf dem Produkt angegeben werden, falls das Tier bei der Tötung leiden
musste.

[00:30:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Mitleid mit den Tieren, welche wir Essen.

[00:30:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nie angeben, wie das Kind gelitten hat unter der Erziehung von seinen
Eltern, von den Nachbarn, den Lehrern.

[00:31:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen, die neurodivergenten Kindern besser zu beobachten, spüren was
sein könnten und es heraus finden.

[00:31:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin lerne ich von meinen Patienten.

[00:31:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Meiste lernt man in der Interaktion wo man sieht was geht und was nicht geht.

[00:31:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lernen kann nicht nur über das Grosshirn laufen, über die Kognition, über den
Intellekt.

[00:31:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang im Schulalltag.

[00:31:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass der Lehrer selber eine klare Haltung hat, dass sie weiss, was sie will.

[00:31:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man ambivalent ist, dort gehen sie rein.

[00:31:59.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Teufel, beim Mephisto der Stern, der ein bisschen offenbleibt, dort gehen sie rein.

[00:32:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur etwas sagen, wenn man selber davon überzeugt ist.

[00:32:06.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen wie man es will.

[00:32:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst, sondern in meinem Klassenzimmer, in meiner Stunde, will ich es
so.

[00:32:22.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem ADSH/ADS Kind den Befehl geben: du musst, das ist schon ein Übergriff. Die
ertragen das nicht, weil sie so sensibel sind.

[00:32:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat immer gesagt: ich will.

[00:32:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seine eigene Position beziehen, die klar vertreten, klar sagen.

[00:32:43.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen, dass man stärker als das Kind ist.

[00:32:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ein bisschen warten können.

[00:32:50.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sofort und jetzt, sondern ich will.

[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern muss man ein bisschen warten können.

[00:32:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann oft mit Verzögerung.

[00:33:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können nur Ja sagen, wenn sie es selber durch ihr Hirn
durchgelassen haben und finden, ja okay, sie hat ja recht.

[00:33:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Also gut, machen wir es halt.

[00:33:10.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sofort! Das geht nicht.

[00:33:11.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Geduld haben und ein bisschen warten können.

[00:33:16.850] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Müttern sage ich: sagen sie nur Ihre Prinzipen, ihre Erziehungsprinzipen, und sie
werden sehen, in ein paar Jahren hat ihr Kind mehr von dem sich angeeignet, als sie
denken.

[00:33:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich einer jüdischen Mutter gesagt.

[00:33:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat das fast nicht geglaubt.

[00:33:34.537] – Dr.med. Ursula Davatz
Sechs Jahre später sagte die Mutter zu mir: sie hatten Recht.

[00:33:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, an sich zu und seine Prinzipien zu glauben.

[00:33:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wenn etwas schief gelaufen ist, dann hat es eigentlich keinen Sinn, dann
irgendwas zu sagen.

[00:33:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in high arousal, das Kind ist in high arousal.

[00:33:57.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, wir lassen es jetzt durchgehen, danach sprechen wir wieder darüber.

[00:34:01.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine Nachbesprechung machen.

[00:34:04.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gerade an Ort und Stelle die Korrektur anbringen.

[00:34:08.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind die Regel nicht eingehalten hat, welche man möchte, welche man
deklariert hat, muss man zuerst herausfinden, was ist der Grund, dass das Kind die
Regel nicht eingehalten hat?

[00:34:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Da werden oft irgendwelche Lügen erfunden.

[00:34:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind sagte: ich will im Bergsee nicht baden gehen, ich sage, dass ich mein
Badekleid vergessen habe. Das ist keine gute Idee. Das Badekleid mitnehmen und
sagen: ich will jetzt nicht Schwimmen gehen.

[00:34:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer fragen: was hat dich abgehalten? Was ist dir durch den Kopf gegangen? Wegen
was hast du es nicht können?

[00:34:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich immer emotional, dass das Kind es ein bisschen erklären muss.

[00:35:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man mit seiner Regel und sagt: aus dem Grund möchte ich es so.

[00:35:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nicht einhalten können muss validiert werden.

[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Pferd kann man nicht fragen: wieso hast du mir nicht gefolgt? Bei den kleinen
Kindern muss man sich auch selber fragen.

[00:35:22.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie grösser werden, kann man sie schon fragen.

[00:35:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind noch nichts sagen kann, kann man fragen: ist das oder das? Hattest du
Streit mit einer Freundin? Habe ich zu laut geredet?

[00:35:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein albanischer Junge ist immer aus dem Kindergarten geflüchtet. Wenn man gefragt
hat, war die Antwort: die Lehrerin hat zu laut gesprochen. Die Lehrerin war Deutsch und
hat zackig geredet. Am Schluss wurde er von der Polizei in die Schule gebracht. Das ist
keine gute Sache. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren.

[00:36:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln werden bösartig übertreten um auszuprobieren. Wo sind die Grenzen?

[00:36:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel werden die Regeln übertreten, weil man es nicht besser kann.

[00:36:17.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine Emotionen nicht im Griff, die übersprudeln einfach und dann kommen
eben die vier Stressreflexe.

[00:36:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man emotional überlastet ist, also System Overflow im emotionalen
Hirn, da kann die Vernunft nicht mehr steuern und darum müssen beide runterfahren,
erst dann kann man wieder vernünftig miteinander reden.

[00:36:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Regeln durchsetzen wollen, müssen sie selber immer in einem ruhigeren
Zustand sein.

[00:36:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mindestens ruhiger sein als das Kind.

[00:36:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auch nur Menschen, sie sind keine Roboter, sie dürfen von mir aus auch ein
bisschen Emotionen haben, aber sie sollten ruhiger sein als Kind.

[00:37:05.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ganz starke Emotionen haben und die nicht beherrschen können, dann sage
ich immer, dass sie an die Decke schiessen dürfen, nicht auf das Kind.

[00:37:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so verrückt. Ich könnte aus der Haut fahren und ich könnte jetzt von mir aus
alles zusammen treten.

[00:37:21.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind losgehen.

[00:37:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Emotionen zeigen, aber so in die Luft schiessen.

[00:37:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Hochzeit wird auch in die Luft geschossen. Manchmal passiert ein Unglück.

[00:37:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie das Kind zerstören.

[00:37:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung über Bestrafung funktioniert bei ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:39:05.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Flugzeug muss man auch zuerst die Maske selber anziehen und dann dem Kind die
Mask anziehen.

[00:39:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geiselnahme muss man zuerst sich selber beruhigen, bevor man irgendeinen
Eingriff macht.

[00:39:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden auch viele Fehler gemacht. Dann wird es gefährlich.

[00:39:54.130] – Dr.med. Ursula Davatz
War es früher einfacher?

[00:39:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde eher ein autoritärer Erziehungsstil praktiziert. Alle mussten sich dem
unterordnen.

[00:40:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Klassen sind schwieriger zur führen als grosse Klassen. Es gibt lauter
individuelle Unterschiede. Die Gruppe hilft nicht, das Kollektiv zusammen zu halten.

[00:40:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wollen wir eher individualisierten Unterricht, dann haben wir kleinere Gruppen
und wir probieren, jedem Kind gerecht zu werden. Das kann sehr schwierig sein.

[00:40:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrerinnen und Lehrer haben einen Burnout und mögen nicht mehr.

[00:40:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird politisch riesig diskutiert: ist der Inklusivunterricht gut? Ist der gescheitert?

[00:40:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Parteien diskutieren zusammen.

[00:40:55.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Politiker diskutieren miteinander, was gut ist für die Kinder, ohne dass sie eigentlich
etwas von der Sache verstehen.

[00:41:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ganz ehrlich bin, sage ich: wer geht in die Schulpflege, wer wird Schulpflege
Präsident? Das sind häufig Leute, die eine politische Karriere hoch gehen wollen. Den
meisten geht es nicht um die Kinder.

[00:41:41.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so schade. Das ist unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Wir
müssen sorgfältig mit unseren Kindern umgehen.

[00:41:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind eigenwillig.

[00:41:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die ADHS/ADS Kinder in der Schulklasse mit seinem Verhalten nicht zum
Einlenken bringt, dann muss man sie eher rausnehmen.

[00:42:07.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Schulinseln. Eine Abwechslung kann gut tun.

[00:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht keinen Sinn, das Kind vor der ganzen Klasse in die Knie zu zwingen.

[00:42:13.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe einige Opfer, wo das gemacht wurde. Die werden in der Zukunft immer die
Schule verweigern. Das ist gar nicht gut. Einer konnte nicht gut lesen.

[00:42:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig kommt mit ADHS/ADS eine Dyslexie, Dyskalkulie. Das wird häufig zusammen
vererbt.

[00:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind vor der Klasse zwingen will, weil man nicht blöd dastehen will von
der Klasse, gewinnt meistens das Kind.

[00:43:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann die anderen Schüler besser hinter sich bringen und dann verliert der
Lehrer oder die Lehrerin ihr das Gesicht.

[00:43:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nicht geht, lieber aufhören und irgendwas ganz anderes machen.

[00:43:34.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht man zu Beschämungsmethoden über, darf man die nur anwenden wenn es um
Leben und Tod geht. Wenn ein Eskimo Kind im Frühling auf das langsam brüchige Eis
geht, wird es vor der ganzen Gruppe beschämt.

[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist richtig. Da wollen wir Aversionsverhalten. Man möchte, dass das Kind dies nie
mehr tut.

[00:44:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Kind für seine Lesestörung beschämt von der Klasse oder für seine
Clown Unterhaltung, dann tut man sein Selbstwertgefühl mindern. Die ganze
Persönlichkeitsentwicklung wird beeinträchtigt.

[00:44:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Probleme unter den Kindern, kann man keines bestrafen und das andere
bekommt keine Strafe. Nicht mit Täter und Opfer Kette vorgehen. Es gibt keinen
Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es immer eine lange Kausalkette.

[00:44:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss immer schauen: was ist das Problem zwischen den zwei Kindern und wie
können wir das Problem lösen?

[00:45:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, wenn wir das ADHS/ADS Kind mit in die Problemlösung einbeziehen. Dann
kommt wieder die intrinsische Motivation, die Eigenbeteiligung.

[00:45:25.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kindern sind von ihrem Wesen her sehr empathisch und hilfsbereit. Sie
wollen helfen. Man kann sie immer in die Problemlösung mit einbeziehen.

[00:45:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können weniger gut Regeln einhalten. Rechtschreiben lernen ist
Regeln lernen. Sie sind schlechter im Regeln lernen. In den Neuropsychologischen
Tests kann man das sehen.

[00:45:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Arbeitsgedächtnis, das Speichergedächtnis spielt eine Rolle.

[00:46:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, wenn es ADHS/ADS Kinder in der Schule hat, dass man vor der ganzen
Klasse seine Regeln am Anfang sagt und nicht erst dann wenn die Regeln übertreten
werden.

[00:46:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald die Regeln übertreten werden, ist man schon zu spät. Dann ist man hinter der
Bewegung.

[00:46:28.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lohnt es sich, ein wenig autoritär aufzutreten: ich möchte es in meinem Unterricht
so und so.

[00:46:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber nur fünf Regeln als zwanzig Regeln.

[00:46:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles aufschreibt und an die Wand hängt und erwartet das Kind wird das
alles machen, das geht nicht.

[00:46:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen alle persönlich gesagt werden, persönlich durchgesetzt werden.

[00:46:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln müssen so wie beim Geld, die müssen mit Golddeckung hinterlegt sein,
also mit ihrer emotionalen Haltung hinterlegt sein.

[00:47:05.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die Regel selber durchsetzt. Hier kommt wieder das "ich will"
von Jesper Juul.

[00:47:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das in meiner Stunde so.

[00:47:18.773] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regel ganz persönlich vertreten.

[00:47:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem Kind, welches eine Dyskalkulie hat.

[00:47:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt grosse Diskussionen. Wer bezahlt nun? Die IV? Die Schule?

[00:48:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist ein Kind intelligent, hat aber auf einem Gebiet einen Schwäche, dann wird sein
Selbstwertgefühl laufend beeinträchtigt. Das müsste nicht sein.

[00:48:25.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule sein Selbstwertgefühl beeinträchtigt wird und es kommt dann in
Pubertät und dann wird nochmal alles schlimmer.

[00:48:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben wir viele psychiatrische Fälle.

[00:48:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderpsychiatrie, die Jugendpsychiatrie ist übervoll.

[00:48:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle müssen Abklärungen machen. Man muss zum Teil bis zu zwei Jahren warten.

[00:48:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber schon in der Schule schauen, dass das Kind in dieser Hinsicht Unterstützung
bekommt, damit es kein schlechtes Selbstwertgefühl haben muss.

[00:49:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: das Frühfranzösisch muss man wieder abschaffen. Das ist eine falsche
Idee gewesen.

[00:49:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, dass man es abschaffen muss.

[00:49:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Lehrerin.

[00:49:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele meiner Kinder mit ADHS/ADS haben das Französisch abgewählt.

[00:49:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch hat viele Regeln. Man kann viele Fehler machen.

[00:49:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben da ganz speziell Probleme damit, auch wenn sie nicht
unbedingt eine Dyslexie haben.

[00:49:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Schulkollegin, die unterrichtet Französisch.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Französisch ist eine melodiöse Sprache. Diese Kinder müssen das Französisch über
das Reden lernen, über die Melodie.

[00:50:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in den Fluss reinkommen von der französischen Melodie. Dann haben sie
mehr Freude daran. Zuerst französische Lieder singen.

[00:50:19.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man: Zweisprachigkeit ist natürlich ein Vorteil für Kinder,
dreisprachig noch besser.

[00:50:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht speziell begabt ist in der Sprache, dann ist es eher ein Nachteil.

[00:50:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es besser, wenn man weniger Fremdsprachen gleichzeitig lernt.

[00:50:40.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, dass für ADHS/ADS Kinder das Lernen von zwei oder mehr
Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch eine
Überforderung sein kann.

[00:51:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrpersonen dürfen mehr Freiheit walten lassen.

[00:51:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stelle fest, dass die Lehrpersonen ihre Freiräume nicht ausnützen.

[00:51:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so stark der Bürokratie folgen, mehr der Situation folgen. Das Resultat zählt. Es
zählt nicht, ob wir jetzt alles brav gemacht haben, wie uns vorgeschrieben worden ist.

[00:51:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht dem Papiertiger folgen, sondern der Realität und ein gutes Resultat mit den
Kindern erreichen.

[00:51:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Lehrerin wurde kritisiert, dass sie zu viel Wohlfühl Stimmung macht. Sie hatte
auch ein paar Krisen. Alle Eltern waren sehr zufrieden mit ihr. Die schwierigen Schüler
hat sie mir mit besprochen.

[00:52:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind zählt mehr als der Paragraf.

[00:52:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich den Freiraum zu nutzen. Schlussendlich kommt es auf das Kind an
und nicht auf unsere Vorschriften.

[00:52:39.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule muss für das Kind da sein und nicht das Kind für die Schule.

[00:52:57.640] – Bemerkung 1
Als Lehrperson sind wir im Spagat wie man das machen soll im Schulsetting und wie ist
das später in der Welt?

[00:53:23.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sagen: das ist anders. Das ist bei uns anders.

[00:53:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Ausländerkinder.

[00:53:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Klassen mit 90% Ausländerkinder und 10% Schweizer Kinder. Die Schweizer
haben ihre Kinder rausgenommen. Die Eltern haben angefangen Albanisch-
Schweizerdeutsch zu sprechen. Sie haben den Tonfall der Albaner angenommen.

[00:54:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen klar sagen: bei mir im Klassenzimmer wird so umgegangen, wird so geredet.
Auf der Gasse sprichst du vielleicht anders. Hier möchte ich es so.

[00:54:01.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir es alle richtig machen. Es geht darum, dass wir die
Unterschiede anerkennen.

[00:54:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir läuft es so, bei dir zu Hause läuft es vielleicht ein bisschen anders.

[00:54:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt dann auch das Umgekehrte, dass Mütter von Akademiker Kindern sagen: da ist
eine brutale Sprache.

[00:54:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die ist zum Teil da. Die Sprache ist mehr brutalisiert worden, was nicht heisst, dass
sie als Lehrerin so reden müssen.

[00:54:41.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht redet man ein bisschen burschikoser.

[00:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Unterschied aufzeigen.

[00:54:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl lernen: in der Schule läuft es so und zu Hause läuft es so.

[00:54:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so, dass man die gleichen Regeln überall hat.

[00:54:52.870] – Bemerkung 2
Bei uns herrscht ein sehr geschützter Rahmen. Wie soll man mit den Kindern reden?
Aber die Welt funktioniert nicht so.

[00:55:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind lernt nicht besser laufen, wenn man es schon mit zwei Monaten auf die
Beine stellt.

[00:55:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf den geschützten Rahmen haben.

[00:55:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind kann man auch sagen: bei uns gibt es einen geschützten Rahmen. Ich kann
dich im geschützten Rahmen nicht vorbereiten auf die böse Welt.

[00:55:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind bei ihnen einen guten, geschützten Rahmen hat, dann nimmt das Kind
mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstsicherheit mit, in der Welt zu bestehen.

[00:55:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht die Mutter.

[00:55:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das Kind überall beschützt, dann ist es nicht tauglich für die Welt.

[00:56:06.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagen: ich will einen gepflegten Rahmen, damit du stark wirst.

[00:56:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Darauf kann man Bezug nehmen.

[00:56:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Draussen läuft es nicht immer so einfach.

[00:56:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Lehre läuft es ein bisschen anders.

[00:56:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum bleiben viele Kinder in der Schule. Dort haben sie immer noch den geschützten
Rahmen.

[00:56:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 20 Jahren gehen sie dann in die böse Welt hinaus.

[00:56:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Lehrperson dürfen ihren gepflegten Rahmen behalten. Sie sollen das auch.

[00:56:44.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind nicht besser auf die Welt vor, wenn sie schon die Rauheit
verkörpern.

[00:56:54.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab einen groben Lateinlehrer, der sehr mit dem Herz dabei war. Die Schüler haben
den Lehrer bewertet. Der Lehrer hat ein Kind mit dem Fuss getreten. Das haben alle
gesehen. Der war sonst so engagiert, die haben den Lehrer sehr gut bewertet.

[00:57:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht auf die einzelne Handlung darauf an.

[00:57:40.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist die Grundhaltung, welche man zum Kind hat.

[00:57:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind nicht auf die schreckliche Welt vorbereiten.

[00:57:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bereiten das Kind besser vor, wenn sie sozial, menschlich gepflegt, wohlwollend,
zusammenarbeitend vorgehen.

[00:57:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegen sie die sozialen Regeln.

[00:58:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht der intelligenteste hat immer Recht.

[00:58:05.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr auf das soziale Benehmen an. Das ist wichtiger. Damit kommt man
weiter.

[00:58:11.320] – Bemerkung 3
Erziehung mit Bestrafung funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht. Wie funktioniert
Belohnung bei einem ADHS/ADS Kind?

[00:58:36.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Generell sage ich, weder Belohnung noch Bestrafung.

[00:58:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist eigentlich, wenn sie eine gute Beziehung haben zum Kind und wenn
sie Freude haben.

[00:58:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Franken für eine gute Note finde ich keine gute Idee.

[00:58:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen eigentlich von sich aus gern.

[00:59:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll etwas Natürliches sein. Das muss nicht mit Geld oder mit Süssigkeit berappt
werden.

[00:59:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch nicht für die Smilies Strategie.

[00:59:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn die Lehrerin Freude hat, dass es gut gemacht wurde und sagt: da
hast du dich super verbessert und wir können noch an dem arbeiten.

[00:59:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist die Beziehung.

[00:59:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht, sie dürfen es nicht verwenden. Sie sind frei.

[00:59:56.500] – Bemerkung 4
Wie soll man mit der Mathematik umgehen?

[01:00:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es Lerntherapeutinnen, Legasthenietherapeutinnen.

[01:00:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Lerntherapeuten für die Mathematik.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule in Zürich, ist das offensichtlich noch nicht so bekannt.

[01:00:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule wehrt sich gegen die Lerntheraphie.

[01:00:29.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Kind zu einem Lerntherapeuten schicken, zu einer Aufgabenhilfe.

[01:00:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Aargau haben wir Aufgabenhilfe, wo man nach der Schule noch lernen kann.

[01:00:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Student nehmen.

[01:00:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich besser, wenn es ein Lerntherapeut ist, weil der besser weiss, wo es
knackt.

[01:00:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen extra Coaches.

[01:00:58.070] – Bemerkung 5
Kann man die auch einfach im 1:1 begleiten? Wir können das auch selber anbieten.

[01:01:07.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[01:01:09.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser, wenn das Kind nicht allzu viele Bezugspersonen hat.

[01:01:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Klasse das Kind vorführen, das geht nicht.

[01:01:28.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn bei Freddy Knie etwas mit den Pferden nicht geht, dann lässt er es sein und
versucht es ein anderes Mal wieder.

[01:02:06.380] – Bemerkung 6
Ganz individuell.

[01:02:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind mit seinem Nichtkönnen nicht der Klasse vorführen. Das ist eine riesige
Beschämung und dann rechnet man nie mehr.

[01:02:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht gut.

[01:02:28.890] – Bemerkung 7
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie die Beschämung meistens schon erlebt.

[01:02:31.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man nicht wiederholen.

[01:02:38.130] – Bemerkung 8
Wie kann man den Frust knacken? Wir haben viele, die Mathematik nicht mögen.

[01:02:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen sind nicht so gut in der Mathe, wird gesagt. Ein Mathelehrer sagte mir, dass
alle gleich sind. Es liegt am Lehrer.

[01:02:58.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Mathe muss man jeden Schritt mitmachen. Wenn man einen Schritt verpasst,
fällt man raus.

[01:03:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache kann man immer wieder reinkommen. Bei der Mathematik nicht.

[01:03:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind nicht aufpasst, verpasst es einen Schritt, dann verpasst es
den Anschluss.

[01:03:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einzelbegleitung lohnt sich. Die Schritte einzeln durch gehen lohnt sich.

[01:03:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Kind etwas nicht gut kann, weicht man aus und lässt das weg.

[01:03:52.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Demostenes hatte einen Sprachfehler. Er hat Kieselsteine in den Mund genommen.
Damit hat er gegen das Meer geredet.

[01:03:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du etwas lernst, das du nicht so gut kannst, bist du danach doppelt stolz, wenn
du es kannst. Den Ehrgeiz kann man motivieren.

[01:04:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es doch kann, hat man Freude.

[01:04:16.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Joe Biden war ein Stotterer. In den Sommerferien hat er geübt fliessend zu reden.

[01:04:22.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man das Kind dazu motiviert, weisst du, es ist an sich eine grössere Leistung,
wenn du das jetzt mit mir zusammen übst, wo du ein bisschen mehr Mühe damit hast.

[01:04:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du es kannst, dann hast du doppelte Freude.

[01:04:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Freude am Lernprozess.

[01:05:01.050] – Bemerkung 9
Von welchem Fokus sprechen sie?

[01:05:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe viel mit Erwachsenen um. Der Berufsfokus, was interessiert mich.

[01:05:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern: was interessiert das Kind?

[01:05:27.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern sagen oft: wenn das Kind nicht gut in der Schule ist, darf es nicht in den Fussball
gehen, wo es gerne geht.

[01:05:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterhin in den Fussball gehen.

[01:05:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind das wegnimmt, was es gerne tut, macht es das andere noch
weniger.

[01:05:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das wegnehmen, was das Kind gerne macht, sondern das behalten.

[01:05:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Motivierend: hier können wir noch zusammen üben. Du hast Freude, wenn du es dann
kannst.

[01:06:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ein Hobby haben: Klavier spielen, Geige spielen, Sport, Fussball, die
halten sich dann immer an dem, was sie gerne machen und das ihnen ein gutes
Selbstwertgefühl.

[01:06:19.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle können Profifussballer werden. Nicht alle werden grosse Geigenspieler.

[01:06:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas finden, was das Kind gerne macht.

[01:06:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig machen die Eltern zuviel mit den Kindern.

[01:06:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber weniger tun, dafür das intensiver.

[01:06:48.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe auch, dass Kinder keine Freizeit mehr haben zum spielen.

[01:06:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder selber nicht mehr beschäftigen können, sind sie nur noch am
Handy.

[01:06:56.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer die intrinsische Motivation beim Kind finden.

[01:07:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gibt es noch keinen fixen Fokus, sondern die intrinsische Motivation.

[01:07:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Miteinander, nicht einfach: wir machen jetzt das.

[01:07:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gruppenunterricht wird das und das gemacht.

[01:07:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Individualunterricht, in der Lerntherapie, du willst oder du solltest besser das lernen.
Wie machen wir das, dass das spassig ist?

[01:07:35.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Spass hat am Lernen, dann lernt man auch besser.

[01:07:46.440] – Bemerkung 10
Wir haben einige Borderline Mütter. Dort stehen wir an in der Zusammenarbeit mit
ihnen. Man kommt in der Auseinandersetzung nicht weiter. Sie sind wie resistent.

[01:07:50.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin als Familientherapeutin ausgebildet. Wenn ich eine Borderline-Patientin habe,
dann frage ich immer: wie war ihre Jugend?

[01:08:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mich getrauen, als Fachperson zu fragen: wie haben sie die Schule erlebt
und wie sind sie erzogen worden?

[01:08:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben dort alle ein Defizit.

[01:08:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sagen: es geht mich nichts an. Doch es geht einem etwas an. Man will
etwas für das Kind.

[01:08:40.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter fragen: wie hat ihre Mutter ihnen geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten
in der Schule?

[01:08:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer nach der Beziehung zwischen Mutter und Grossmutter fragen.

[01:08:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Beziehung anschauen und sagen: aha, dann verstehe ich.

[01:09:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten sind Menschen, denen alles ein bisschen misslungen ist. Sie
bekommen nicht viel Akzeptanz. Sie machen immer alles falsch.

[01:09:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher wollen sie, dass ihre Kinder es ganz speziell gut machen.

[01:09:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann oft überengagierte Mütter oder vernachlässigende.

[01:09:24.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wechselt es hin und her. Überengagiert, vernachlässigend, überengagiert.

[01:09:30.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sie ein bisschen entlasten von dem Überengagierten und ein bisschen
Verständnis haben, wie sie zu kurz gekommen sind.

[01:09:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: haben sie jetzt eine Freundin oder eine Tante oder
irgendjemand, der ihnen ein bisschen den Rücken deckt? Man muss ihnen dann ein
bisschen helfen.

[01:09:51.440] – Bemerkung 11
Haben sie erlebt, dass die Veränderungen machen konnten?

[01:09:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja!

[01:10:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Borderline Frau hat ihre Kinder weg gegeben. Die waren in einer Pflegefamilie. Wir
haben die Kinder zurück geholt. Beide Kinder Kinder haben eine Lehre gemacht.

[01:10:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das merken, wenn sie merken: nicht auf die Mutter los gehen, der Mutter ein
bisschen Unterstützung geben, dann haben sie schon sehr viel gemacht.

[01:10:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.

[01:10:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Prävention der ersten Stunde.

[01:10:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Borderline Mütter sind, versuche ich immer auf die Grossmutter Bezug zu
nehmen und dort ein wenig zu helfen, das ein wenig zu flicken.

[01:10:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gegen die vorgehen, sondern ein Schritt zurück gehen und fragen: wie haben sie
es gehabt.

[01:10:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde frage ich immer: was sind die Erziehungsmethoden von ihrer
Mutter, von ihrem Vater gewesen?

[01:11:10.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Was für Wertvorstellungen haben sie gehabt? Was ist ihnen wichtig gewesen? Auf was
haben sie geschaut?

[01:11:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich schon ein besseres Verständnis.

[01:11:18.490] – Bemerkung 12
Verhalten aufzuzeigen, das bringt nicht sehr viel?

[01:11:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Indirekt, in dem sie über die Grosseltern fragen vom Kind, kommen sie besser an die
Person ran. Dann haben sie eine beruhigende Wirkung dort.

[01:11:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Verhalten aufzeigt, was sie schlecht machen, das erinnert mich fast so
ein bisschen an, früher, wenn Hunde reingemacht haben, hat man ihnen die Nase in
ihren Urin gedrückt.

[01:11:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war gang und gäbe. Heute sagt man: ganz falsch.

[01:11:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Du machst etwas falsch! Auf das sind sie sehr allergisch.

[01:12:09.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich habe herausgefunden, dass wenn ich so und so mit dem Kind
umgehe, geht es besser. Haben sie das auch schon beobachtet?

[01:12:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich immer: Ich schaue schon, das ist mein Zimmer.

[01:12:25.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehen die Eltern, wie ich mit dem Kind umgehe.

[01:12:25.270] – Bemerkung 13
Man kann sie so ein bisschen ranholen.

[01:13:01.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal mit dem Kind in einer Stunde drinnen sein? Dann sehen sie, wie es läuft.

[01:13:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern. Nicht sagen: du machst es falsch, du musst es
besser machen. Dann wird man sofort zur Konkurrentin der Mutter. Das ist nicht gut.

[01:13:10.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf alles, wenn es einem hilft.

[01:13:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt eine grosse Rolle, wie man selber erzogen wurde, wie man dann mit seinen
Kindern umgeht. Das wird weiter gegeben. Das können sie durchbrechen.

[01:13:45.340] – Bemerkung 14
Ab welchem Alter macht das Coaching Sinn und macht es auch Sinn, als Eltern von
einem Kind mit ADHS/ADS das Coaching zu machen?

[01:14:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man die Eltern Coachen. Nur die Eltern Coachen. Die Eltern sind am
meisten um das Kind herum.

[01:14:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer können sich Coaching holen: wie gehe ich mit dem ADHS/ADS Kind um?

[01:14:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird von den Eltern und vom Lehrer erzogen. Die müssen das Coaching
machen. Das Kind braucht keinen extra Coach.

[01:14:29.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin auch gar nicht für die Therapie vom Kind.

[01:14:45.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze nur das Umfeld.

[01:14:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal bringen die Eltern das Kind mit. Ich sehe die Interaktion.

[01:14:51.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin nicht Kindertherapeutin.

[01:14:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Kind nie alleine therapieren.

[01:15:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal lasse ich die Eltern das Kind mitbringen, dann frage ich das Kind aus, habe
noch einen besseren Überblick.

[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde nicht das Kind beraten.

[01:15:09.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen Bezugspersonen soll man beraten, coachen, damit sie lernen, mit
dem neurodivergenten Kind geschickter umzugehen.

[01:15:20.080] – Bemerkung 15

Wie sieht das bei den Teenagern in der Pubertät aus?

[01:15:25.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch.

[01:15:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet.

[01:15:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Eltern reingeholt.

[01:15:34.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade in der Teenager-Phase ist es ganz wichtig, dass die Eltern lernen, mit den
Teenagern umzugehen.

[01:15:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten beginnen im Teenageralter.

[01:15:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort läuft es schief.

[01:15:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich nicht das Kind korrigieren. Ich muss das Umfeld korrigieren, damit das
Umfeld mit den neurodivergenten Teenagern umgehen kann.

[01:16:00.730] – Bemerkung 16
Wie ist es mit der Medikation, Methylphenidat? Das ist auch eine Therapieform.

[01:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Methylphenidat und alle die ähnlichen Medikamente sind Stimulanzien. Die bewirken im
Gehirn, dass man mehr gestresst ist. Wenn man mehr gestresst ist, fokussiert man sich
mehr. Das hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren.

[01:16:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson sagt: du musst das Medikament nehmen.

[01:16:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: nein, das will ich nicht.

[01:16:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen bestimmen, ob das Kind Medikamente nehmen muss oder nicht.

[01:16:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch.

[01:16:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe nicht nur als Erstes.

[01:16:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem erwachsenen Pärchen nehmen es beide. Das ist für die wie Tag und Nacht,
die haben Freude. Dem Kind wollen sie es noch nicht geben.

[01:16:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind schon sehr früh Ritalin gibt, dann werden all diese kreativen
Fähigkeiten verdrückt.

[01:17:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind all diese Reaktionen ein Feedback: es läuft etwas nicht ganz richtig.

[01:17:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter von dem Kind, die macht jetzt Homeschooling und geht raus in den Wald.

[01:17:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kontrolle kam nach Hause. Das Kind hat einen Vortrag vorbereitet, er hat das
perfekt gemacht und die waren total beeindruckt. Das Kind war nachher kaputt.

[01:17:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder konzentrieren müssen, kostet sie das mehr Energie als
bei einem Normotyp.

[01:17:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen immer alle ihre Schafe sammeln, damit die an das richtige Ort gehen.

[01:18:04.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Medikamenten kann es gut sein, dass die Note um einen Punkt hoch geht.

[01:18:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man in der Schule lernt, ist nicht alles.

[01:18:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen ist auch wichtig, das Kreative ist auch wichtig.

[01:18:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Abwägen.

[01:18:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verweigere keinen Eltern oder keinem Kind Methylphenidat.

[01:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nicht als erstes: das ist die Lösung.

[01:18:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer das Umfeld dazu zu bringen, dass es lernt, mit dem Kind
umzugehen.

[01:18:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Noten noch nicht so wichtig sind und wenn es dem Kind egal ist, wenn es nur
einen Vierer hat, ist es okay.

[01:18:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ja durch.

[01:18:46.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht den ehrgeizigen Eltern nachrennen.

[01:19:03.090] – Bemerkung 17
Bei uns geht es um den sozialen Stress. Dort hat es einen Erleichterung gegeben.

[01:19:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das soziale Setting?

[01:19:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Bergkantonen, waren die Kinder früher auf der Weide.

[01:19:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Reiche Familien haben sie auch auf Weide getan.

[01:19:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles durchgetaktet. Die Kinder haben weniger Zeit um einfach zu spielen,
nichts zu machen.

[01:19:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz

Die heutigen Kindern sind zu stark eingeengt.

[01:19:56.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht man wieder Waldschule, Erlebnispädagogik, etc. Dort kommt es wieder
rein.

[01:19:57.090] – Bemerkung 18
Unsere Kinder sind eher im Vakuum. Die Eltern haben kein Freizeitverhalten.

[01:20:18.220] – Bemerkung 18
Die Geschichte unserer Kinder hat sich über die Jahr verstärkt.

[01:20:24.390] – Bemerkung 18
Wir haben das Know-How nicht, um die ganzen familientherapeutischen Sachen zu
machen.

[01:20:44.700] – Bemerkung 18
Das ist ein Dilemma.

[01:20:48.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von wohlhabenden Eltern haben in den Sommerferien unterschiedliche
Aktivitäten.

[01:20:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Organisieren die Schulen nichts?

[01:21:18.980] – Bemerkung 19
Es geht um die Finanzierung.

[01:21:19.100] – Bemerkung 19
Für gewisse Mädchen ist es schwierig irgendwohin zu gehen.

[01:21:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann eine Auszeit organisieren im Val Müstair. Das ist eine andere Gegend. Eine
Auszeit bei Bauern, eine andere Aufgabe. Das ist ein Sozialprogramm.

[01:22:08.890] – Bemerkung 20
Das ist eine gute Idee.

[01:22:09.080] – Bemerkung 21
Es beginnt im Alltag. Sie kommen Abends nach Hause und versumpfen an ihrem
Smartphone. Das Freizeitsverhalten ist gleich null. Die sozialen Beziehungen fehlen
auch.

[01:22:09.290] – Bemerkung 21
Das mit der intrinsischen Motivation ist ein grosses Thema.

[01:22:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand muss mit den Kindern private Projekte begleiten.

[01:22:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie nicht noch zusätzlich tun. Dazu braucht es noch andere Leute.

[01:22:41.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab der Pubertät kommt es manchmal ein bisschen.

[01:22:51.320] – Bemerkung 22
Wir sind in einem Schulinternat. Unsere Mädchen haben gar keine Peers. Sie haben die
Herkunftsfamilie im System und sonst kennen die niemanden.

[01:23:10.010] – Bemerkung 22
Es gibt noch Vereinstätigkeiten.

[01:23:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie die Organisation Shelter Schweiz?

[01:23:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.shelterschweiz.ch/

[01:23:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Familienorganisation, welche Kinder platziert, die nicht zu Hause bleiben
können. Das ist weil es nicht funktioniert. Vielleicht bieten die auch Ferienplätze an.

[01:23:41.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Jugendliche wollte ich in den Landdienst und ging auf Grindelwald zu einer
Bergbauernfamilie. Ich war dort für vier Wochen.

[01:24:15.020] – Bemerkung 23
Es gibt einzelne Anbieter. Es immer finanziell eine Geschichte. Die sind immer gut
ausgebucht. Man muss weit im voraus planen. Für das Kind kann man nicht so weit
planen.

[01:24:33.380] – Bemerkung 24
Wir arbeiten auch mit Entlastungsfamilien, wenn es zu Hause viel zu Krisen kommt. Es
ist schwierig diese Plätze und die Finanzierung dafür zu bekommen.

[01:24:52.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommen sie zu den Entlastungsfamilien?

[01:24:55.820] – Bemerkung 25
Wir haben welche, mit denen wir bereits zusammenarbeiten. Es gibt auch externe
Anbieter. Wer hat Platz und wer nicht?

[01:25:04.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel haben sie da?

[01:25:10.020] – Bemerkung 26
Zur Zeit ca. drei. Die sind an die Mädchen gebunden und gehen über das KESB, die
Beistandschaften. Wir haben nur den Schulauftrag.

[01:25:31.420] – Bemerkung 26
Weil sie in der Schule aufgefallen sind, kommen sie zu uns.

[01:25:34.300] – Bemerkung 26
Nach der letzten Massnahme kommen die zu uns.

[01:25:53.420] – Bemerkung 27
Die sozialen Interaktionen fallen den Mädchen schwerer.

[01:26:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, Mädchen sind da vorsichtiger.

[01:26:11.590] – Bemerkung 28
Was heisst Freundschaften zu pflegen? Die werden einem nicht vorgelebt.

[01:26:13.600] – Bemerkung 28
Die Eltern sind selber nicht in der Lage ihre Probleme zu lösen.

[01:26:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn sie Zugriff auf Ferienprogramme hätten, die nicht wahnsinnig teuer
sind.

[01:27:07.120] – Bemerkung 29
Ich habe noch eine Frage zur intrinsischen Motivation. Wie kann man diese wecken?

[01:27:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind zuerst gut erfassen, was es für ein Typ ist. Wofür interessiert sich
das Kind? Was macht das Kind nicht gerne? Dann darf man das Kind ein wenig necken.
Das ist bei jedem Kind anders.

[01:27:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Necken muss auch zu ihnen passen.

[01:27:55.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das Thema gerne haben, lustig finden, interessant finden. Es muss auch zu
ihrem Typ passen.

[01:28:01.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Kinder merken sofort, wenn etwas gespielt ist. Sie sind speziell sensibel auf
Unehrlichkeit. Man muss diesen Kindern gar nichts vormachen.

[01:28:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt für die Borderline Personen.

[01:28:52.358] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen es lustig haben mit ihnen.

[01:28:53.420] – Bemerkung 30
Geht ADHS/ADS/ASS alles unter einen Hut der Neurodivergenz?

[01:29:14.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:29:24.550] – Bemerkung 30
Man klärt dann noch ganz viel ab.

[01:29:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde das absolut unnötig.

[01:29:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet viel Geld, ist viel Aufwand und es kommt immer wieder das gleiche raus.

[01:29:53.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Das Gehirn kann verschiedene Varianten von Dysfunktionen
machen. Es geht immer um das Gehirn.

[01:29:54.070] – Bemerkung 31
Das wollte ich noch einmal hören.

[01:29:54.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen immer eine Diagnose haben.

[01:29:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch den Ehrgeiz, wenn man eine seltene Diagnose findet, kann man seinen
Namen dran hängen.

[01:30:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein Kinderarzt.

[01:30:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[01:30:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat im zweiten Weltkrieg versucht die Kinder zu beschützen, damit sie nicht
umgebracht werden.

[01:30:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Er sagte, dass die alle ganz wahnsinnig gescheit sind. Er nannte das Asperger.
Asperger ist ASS, Autismus Spektrum-Störung.

[01:30:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute möchte man auch von der ADHS/ADS Spektrum-Störung sprechen.

[01:31:17.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht auch von ADHS ohne Hyperaktivität.

[01:31:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von ADHS/ADS.

[01:31:19.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss bei allen beobachten, interagieren und schauen was geht.

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Wie schätzen sie das PDA (Pathological Demand Avoidance) ein?

[01:31:34.668] – Bemerkung 32
https://en.wikipedia.org/wiki/Pathological_demand_avoidance

[01:31:34.470] – Bemerkung 32
Die darf man ja nicht unter Druck setzen. Ich darf nicht direkt etwas fragen.

[01:31:35.030] – Bemerkung 32
Bei uns sind die ganzen Systeme lahm. Alles hat eine lange Geschichte.

[01:31:36.230] – Bemerkung 32
Soll man nach dem PDA Prinzip arbeiten.

[01:32:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, dann fördert man die Pathologie.

[01:32:10.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre gesunde Sensibilität verwenden.

[01:32:14.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die weichen aus. Jedes Kind weicht aus, wenn es etwas nicht so gut kann.

[01:32:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung zu einem Kind haben, können sie sich alles leisten, wenn sie
selber ihre Sensitivität verwenden.

[01:32:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nach einem Programm vorgehen.

[01:32:34.610] – Bemerkung 33
Gewisse Schülerinnen kommen sehr unregelmässig. Das geht in den
Schulabsentismus rein. Da stehen wir an.

[01:33:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind viel fehlt, muss man nach Hause gehen und versuchen herauszufinden
wieso das Kind fehlt.

[01:33:26.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Ausweichverhalten, weil das Kind etwas nicht kann. Das andere ist
Ausweichverhalten, weil das Kind mit einem Klassenkollegen Probleme hat. Vielleicht
will es die Lehrerin nicht enttäuschen.

[01:33:58.970] – Bemerkung 34
Wie gehe ich mit dem Ausweichverhalten um?

[01:34:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes fragen: was ist der Grund, wieso du ausweichst? Wem gehst Du aus dem
Weg?

[01:34:19.660] – Bemerkung 34
Ihr fällt die soziale Interaktion in der Gruppe sehr schwer.

[01:34:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe drei Lehrer begleitet in der BEZ.

[01:34:36.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge ist immer ausgewichen.

[01:34:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten ein Sitzung mit der Klassenlehrperson, den Eltern und der Schulleitung, ohne
Kind.

[01:34:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorgeschlagen, dass immer ein Kind der Klasse den Jungen begleitet. Ein
Tutor, der neben ihm sitzt, ihn beschützt, ihn begleitet und auch ein bisschen kritisieren
darf. Die Mädchen haben begonnen. Die ganze Klasse hat mitgemacht. Er war immer
im Zweierpack mit jedem zusammen.

[01:35:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines Tages ist er wieder geflüchtet. Das war eine Turnstunde. Ein Mädchen hätte ihn
begleiten müssen, durfte aber nicht mitgehen.

[01:36:05.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist mir dort in den Sinn gekommen.

[01:36:05.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gross sind ihre Klassen?

[01:36:17.360] – Bemerkung 35
6 Kinder wobei oft nur 3 kommen.

[01:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kleine Gruppe.

[01:36:37.310] – Bemerkung 36
Die haben zum Teil ein sehr lange Diagnoseliste mit Ängsten, Zwängen und
Depressionen, Suizidalität, Selbstverletzungen. Wir kriegen die viel zu spät. Das
familiäre System ist auch am Anschlag.

[01:37:24.860] – Bemerkung 37
Das Kind hat das System im Griff, 15 Jahre alt.

[01:37:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange muss die noch in die Schule gehen?

[01:37:44.560] – Bemerkung 38
Ein Jahr ist sie noch verfügt bei uns.

[01:37:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat das Kind für eine Begabung?

[01:37:58.570] – Bemerkung 39
Sprachen.

[01:38:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was will das Kind werden?

[01:38:14.160] – Bemerkung 40
Das ist schwierig herauszufinden, den Fokus zu finden. Was will sie, was will der Vater?
Ursprünglich wollte sie Lehrperson werden.

[01:38:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, hier geht es um einen Fokus.

[01:38:33.760] – Bemerkung 41
Wenn man immer nur ausweicht, lernt man nichts.

[01:38:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie macht Ausweichverhalten.

[01:38:42.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in einer so kleinen Klasse ist, muss man ihr immer Aufgaben für zu Hause
geben. Was der Vater möchte, was die Mutter möchte.

[01:38:56.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie behalten die Beziehung zu ihr und geben ihr Heimaufgaben. Du machst mit dir
selber Homeschooling.

[01:39:14.900] – Bemerkung 42
Wir sind auf die andere Schiene gegangen, dass sie kommen muss und hier gefördert
wird. Wir stellen auch Veränderungen fest, dass sie ab und zu auch gerne kommt. Das
entlastet auch die Eltern.

[01:39:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand soviel Widerstand macht, macht man die paradoxe Verschreibung in der
Systemtherapie.

[01:39:33.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die paradoxe Verschreibung in diesem Fall ist: du musst jetzt zu Hause bleiben, ich
geben dir jeden Tag Aufgaben. Du darfst erst in die Schule kommen, wenn du dazu
bereit bist.

[01:39:53.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Eltern zu entlasten. Es wäre auch gut.

[01:40:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es nur machen, wenn es für sie stimmt.

[01:40:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Faden nicht loslassen.

[01:40:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: wir haben jetzt abgemacht, dass du kommen musst. Du bist auch
gerne gekommen. Es hat dir auch etwas gebracht. Ich sehe, du schaffst es noch nicht
ganz selber. Ok, jetzt ändern wir die Strategie, jetzt bleibst du immer zu Hause, ich
gebe dir immer die Aufgaben und du musst sie mir dann bringen. Dann wird es
diskutiert.

[01:40:22.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Können sie sich das vorstellen?

[01:41:00.350] – Bemerkung 43
Ich habe versucht ihr Vorstellungen ernst zu nehmen.d

[01:41:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es keine Auseinandersetzung.

[01:41:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Alter brauchen wir die Auseinandersetzung.

[01:41:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bösartige Auseinandersetzung. Nicht: du bist falsch. Sondern: ich sehe es so.

[01:41:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich eine paradoxe Verschreibung zu machen?

[01:41:23.880] – Bemerkung 44
Das wäre eine Variante. Das nehme ich mit für das Gespräch.

[01:41:26.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab jetzt bleibst du zu Hause. Es macht dir so viele Schwierigkeiten in die Schule zu
kommen. Ich will dir nicht weh tun. Du sagst, wann du bereit bist.

[01:41:48.900] – Bemerkung 45
Man muss nicht das Kind therapieren, sondern die Eltern.

[01:41:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist bereits 16 Jahre alt.

[01:41:53.980] – Bemerkung 46
Wieviel Sinn macht es, auch mit den Eltern, dem System zu arbeiten?

[01:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht immer Sinn.

[01:42:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Eltern informieren: ich wechsle jetzt, ich mache es jetzt so. Wenn das
Kind bereit ist, darf es kommen. Das wäre dann intrinsisch motiviert.

[01:42:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen es den Eltern. Sie machen das nur mit dem Kind ab.

[01:42:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Mal schauen ob die intrinsische Motivation kommt.

[01:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es dann interessanter in der Schule zu sein, als zu Hause.

[01:42:48.730] – Bemerkung 47
Wie lange gibt man dem Kind Zeit? Wann verliert man den Faden, wenn das Kind zu
Hause bleibt.

[01:43:03.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Faden über die Hausaufgaben muss bleiben. Das geht heute, mit all den
technischen Mitteln.

[01:43:30.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass es für sie interessant ist.

[01:43:46.940] – Bemerkung 48
Die Systeme mögen nicht mehr tragen zu Hause. Das finde ich ein Dilemma.

[01:44:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann man sagen: gibt es ein Starbucks, wo sie die Aufgaben machen kann?

[01:44:05.280] – Bemerkung 49
Oder in die Bibliothek senden.

[01:44:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja klar, in die Bibliothek. Die Studenten machen das auch so. Du erträgst die Schule
nicht, du gehst in die Bibliothek und machst dort die Aufgaben.

[01:44:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie in Bezug bleiben und etwas verlangen von ihr. Sie dürfen nicht
aufgeben. Sie geben ihr eine neue Idee und sagen: ich bin gespannt, was du aus dem
machst.

[01:44:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran glauben.

[01:44:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gespannt sind, was sie daraus macht, ist eine Neugier vorhanden. Das ist gut
für sie.

[01:44:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal Aufgaben geben, die mehr dem Vater passen und einmal Aufgaben geben die
mehr der Mutter passen. Dann schauen was geschieht.

[01:45:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist die Interaktion. Sonst bleibt man stehen. Sie dürfen alles erfinden. Die
Kreativität ist wichtig.

[01:45:30.470] – Bemerkung 50
ADHS/ADSler darf man nicht zu eng führen. Wir führen die Mädchen sehr streng. Sie
müssen die Regeln einhalten. Das kann psychische Krankheiten auslösen.

[01:46:00.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist noch schwierig. Da sind sie an einem blöden Punkt.

[01:46:15.130] – Bemerkung 50
Die Beziehung ist wichtig.

[01:46:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen immer wieder in die Auseinandersetzung gehen und nicht in Gehorsam.

[01:46:26.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben strenge Regeln. Keine Regel ohne Ausnahme. Ab und zu macht man eine
Ausnahme, meistens nicht. Da müssen sie schauen.

[01:46:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich dich jetzt ganz alleine hätte, dann könnte ich das alles zulassen. Aber wir sind
da diese Institution und da funktionieren wir nicht, wenn wir nicht gewisse Regeln
haben.

[01:46:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da müssen sich alle ein bisschen daran halten.

[01:46:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du das lernst.

[01:47:00.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Kindern, welche nicht ausziehen wollen oder die nichts machen, sage ich: was
denkst du, wie lange du hast, bis du das gelernt hast?

[01:47:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, es ist für dich schwierig, Regeln zu lernen, aber wir müssen alle Regeln
lernen.

[01:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denkst du? 20 Jahre? Bis ans Lebensende. Dann langsam runter kommen.

[01:47:23.610] – Dr.med. Ursula Davatz

Es wird ein Wetten.

[01:47:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: ich will dass!

[01:47:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu fest diesen Druck, sondern miteinander ein bisschen wetteifern.

[01:47:39.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auf das Mädchen und sie darauf an.

[01:47:39.920] – Bemerkung 51
Ich finde wir sind hoch präsent und es gibt einen Rahmen. Ich finde, das ist ein
Unterschied.

[01:47:50.060] – Bemerkung 51
Bei einem Haufen ADHS/ADSler braucht man diesen Rahmen. Viele kriegen
Unterstützung im sozialen. Sonst läuft es aus dem Ruder.

[01:47:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok.

[01:48:17.420] – Bemerkung 52
Das ist mein Schulzimmer, ich will, dass es in meinem Schulzimmer so läuft und
"Regeln".

[01:48:31.900] – Bemerkung 52
Respektvoller Umgang ist eine Regel und auch eine innere Haltung. Das ist fluid.

[01:48:46.400] – Bemerkung 52

Sobald du es erklären kannst, dass es aus einer inneren Haltung kommt, ist es für das
Kind auch objektiv.

[01:48:48.130] – Bemerkung 52
Wenn es einfach heisst: ich will das jetzt so, weil ich das so will, dann ist das etwas
anderes. Weil es so ist.

[01:49:01.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln muss persönlich vertreten sein. Absolut. Sonst geht es nicht. Sie muss total
persönlich vertreten sein.

[01:49:09.180] – Bemerkung 53
Es ist wichtig für dich, dass du das lernst, weil du das später brauchst.

[01:49:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, ob der Augenkontakt vorhanden ist oder nicht.

[01:49:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen und dann warten. Merkst du was ich meine? Überleg es dir mal und morgen
sprechen wir wieder darüber.

[01:49:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ewig lange warten, bis sie es haben.

[01:49:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional Geduld haben, dass es rein geht.

[01:50:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter sagte zu mir: ich war konsequent inkonsequent.

[01:50:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das funktioniert nicht. Nicht drücken.

[01:50:58.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit lassen, dass es das Kind bei sich selber intrinsisch einbauen kann.

[01:51:26.420] – Bemerkung 54
Unsere Schule sagt, das ist eine Behinderung.

[01:52:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit der Behinderung ist alles eine Definitionssache.

[01:52:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im medizinischen System oder im regulären Schulsystem sagt man dem: Behinderung.

[01:52:14.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir schauen es als Neurodiversität, als Unterschied an.

[01:52:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Veranlagung ist einerseits eine Handicap oder ein Plus.

[01:52:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: inwiefern ist es ein Plus?

[01:52:30.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler wünschen, dass sie es nicht haben, dann würden sie nicht alles
merken, dann würden sie nicht so stark leiden.

[01:52:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil.

[01:52:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Das medizinische System bezeichnet es als Behinderung.

[01:52:51.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bezeichnen es als anders, als Neurodiversität.

[01:52:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Evolution wäre nicht vorwärtsgekommen, wenn man nicht so viele
unterschiedlichen Menschen gehabt hätte.

[01:53:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles hat seine Vor-und Nachteile.

[01:53:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur auf die Nachteile fokussieren oder man kann auf die Vorteile fokussieren.

[01:53:27.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier arbeite ich jetzt mit meinem Nachteil aber ich nütze auch meinen Vorteil.

[01:53:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Glas ist halb voll oder halb leer.

[01:53:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch ausgedrückt ist das Glas immer halb leer, pädagogisch ausgedrückt ist es
halb voll.

[01:53:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben weiter.

[01:53:46.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Weg ist das Ziel. Wir haben es beide interessant.

[01:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass eine interessante Interaktion läuft.

[01:54:14.560] – Bemerkung 55
Die Eltern sagen immer: das ist eine Schule für Behinderte.

[01:54:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein alter Ausdruck. Der moderne Ausdruck ist, das ist eine Schule für
neurodivergente Kinder.

[01:54:30.260] – Bemerkung 56
Das ist ein Hinterfragen von uns.

[01:54:46.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin macht immer Symptombekämpfung.

[01:55:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alle negativen Symptomen bekämpfen, hier funktioniert das medizinische
Modell nicht richtig.

[01:55:07.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir reden von der Neurodiversität. Wir sind eine Schule für neurodivergente Kinder. Wir
wollen denen eine Möglichkeit geben, dass sie sich in diesem Umfeld entwickeln
können.

[01:55:21.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht die Behinderung wegmachen.

[01:55:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen lernen, mit ihrer Neurodivergenz umzugehen.

[01:55:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Silicon Valley hat es lauter ADHS/ADSler.

[01:55:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist ein Autist. Er hat sehr viel Geld verdient.

[01:55:39.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Er hatte wohlhabende Eltern, die
standen immer hinter ihm.

[01:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mozart war ein ADHS/ADSler.

[01:55:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war nicht behindert. Er war begabt. Sein Sohn wurde schizophren.

[01:56:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Schule können wir mit neurodivergenten Kindern besser umgehen. Wir sind
spezialisiert.

[01:56:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Weg von dem Wort "behindert". Wir sind alle irgendwie behindert. Das ist immer eine
Sache der Betrachtung. Das ist Sprache.

[01:57:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchen Situationen haben sie am meisten Mühe?

[01:57:35.630] – Bemerkung 57
Wenn die Person zu introvertiert ist, vermeidend, verdrängend. Extrovertiert ist
einfacher.

[01:57:37.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Introvertierten muss man unglaublich geduldig werden.

[01:58:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Patient hat nicht gesprochen. Er hat sich auf die Couch gelegt. Das war eine
friedliche Stimmung. Die Mutter wollte, dass er unbedingt kommt.

[01:58:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat mir das beigebracht. Wenn man mit den Patienten nicht
weiterkommt, nichts mehr bewirken wollen, sondern einfach etwas lernen wollen.

[01:58:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere gut zu beobachten, aber ich will gar nichts bewirken.

[01:59:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu darf man etwas sagen.

[01:59:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Mütter mit schwierigen Teenager sage ich: sie dürfen ihre Position beziehen, aber
sie dürfen nichts bewirken wollen.

[01:59:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind enorm sensibel, wenn man Druck auf sie aufsetzt.

[01:59:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht bei allem mitmachen. Kein Druck aufsetzen, aber dennoch: ich sehe es
so.

[01:59:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen doch etwas zur Verfügung stellen.

[01:59:44.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man ihnen auch nur Ruhe zur Verfügung stellen.

[01:59:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand fragte mich: muss ich noch weiter zu ihnen in Therapie kommen? Nein, das
müssen sie nicht. Bis jetzt wollte es immer die Mutter. Sie dürfen aus eigener Initiative
kommen.

[02:00:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat immer geredet. Mit der Zeit hat der Sohn auch angefangen zu sprechen.

[02:00:29.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Schule muss man etwas erreichen. Versuchen sie zu meditieren in der Anwesenheit
oder etwas zu machen.

[02:00:42.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht aufgeben, wenn die nicht mitmachen.

[02:00:43.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Penelope hat an ihrem Schleier gestrickt, während ihr Mann abwesend war. Wohlwollen
anwesend sein. Weniger ist mehr. Ihre wohlwollende Anwesenheit ist schon sehr
wertvoll.

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Penelope_(Mythologie)

[02:00:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ehrgeiz zurückfahren. Nicht rumlaufen; sein.

[02:01:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz

In Königsfelden gab es Möglichkeiten zur Beschäftigung. Die konnten einfach ins Kaffee
kommen und zuschauen.

[02:02:27.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir zuviel etwas wollen, setzen wir Druck auf und bewirken genau das Gegenteil.

[02:03:09.230] – Bemerkung 58
Herzlichen Dank!

ADHS, ADS Kinder

Basierend auf den vorliegenden Informationen lässt sich festhalten, dass Erziehungsstile einen erheblichen Einfluss auf die Emotionsregulation von Kindern, insbesondere von ADHS/ADS-Kindern, haben und diese Auswirkungen oft bis ins Erwachsenenalter reichen können. Dr. med. Ursula Davatz betont, dass sie in ihrer beruflichen Praxis häufig Erziehungsfehler ausgleichen muss, die über Jahre hinweg entstanden sind.

Hier sind die wichtigsten Punkte bezüglich ADHS/ADS-Kindern und Emotionsregulation laut Quelle:

  • Spezifische Herausforderungen von ADHS/ADS-Kindern: ADHS/ADS-Kinder haben von Natur aus mehr Probleme mit Impuls- und Emotionskontrolle. Ihre Impulse werden von Emotionen gesteuert. Sie sind sehr sensibel, leicht erregbar und haben eine starke Emotionalität. Neurologisch betrachtet, nehmen ihre emotionalen Hirnareale mehr Impulse auf, bleiben länger vernetzt und geraten schneller in einen System Overload. In diesem Zustand können sie nichts mehr hören, verstehen oder Regeln befolgen. Sie sind oft schneller und laufen eher voraus, als zu folgen. Zudem haben sie einen sehr starken Gerechtigkeitssinn und wehren sich gegen Ungerechtigkeiten, auch gegenüber anderen.
  • Ineffektivität und Schaden durch bestrafende/emotionale Erziehungsstile:
    • Bestrafung und Belohnung (Konditionierung), ein weit verbreiteter Stil auch in der Schule, funktioniert bei ADHS/ADS-Kindern überhaupt nicht. Wenn diese Kinder für ihr Wesen oder Temperament, das sie nicht im Griff haben, bestraft werden, schädigt das ihren Selbstwert und ihre Selbstwirksamkeit. Bestrafung für emotionales Ausrasten oder mangelnde Impulskontrolle behindert und dämpft ihre Persönlichkeitsentwicklung. Es kann zu Rückzugsverhalten (eher bei Mädchen/Frauen) oder Delinquenz (eher bei Knaben/Männern) führen.
    • Angst machen und Beschämung schädigen ebenfalls die Persönlichkeitsentwicklung. Beschämung, besonders vor anderen, bewirkt hauptsächlich Aversions- oder Ausweichverhalten, was in Lernsituationen kontraproduktiv ist. Angst führt ebenfalls zu Ausweichverhalten statt Kompetenzerwerb.
    • Drohen mit eigener Krankheit/Leiden appelliert an Schuldgefühle und Empathie. Bei Mädchen kann dies zu übermässiger Anpassung und Empathie führen, wodurch sie sich selbst zurückstellen und ihre Persönlichkeitsentwicklung behindern. Sie nehmen ihre Gefühle zurück, was bis zur Gefühlsunterdrückung gehen kann. Diese Anpassung kann dazu führen, dass ADHS/ADS-Diagnosen bei Mädchen oft erst sehr spät gestellt werden. Unterdrückte Emotionen und System Overload können sich im Körper manifestieren und psychosomatische Krankheiten verursachen. Knaben können mit Übersprungverhalten oder Ausweichen reagieren.
    • Diese emotionalen und strafenden Erziehungsstile bewirken oft eine starke Emotionskontrolle im Sinne von Unterdrückung und Anpassung, insbesondere bei Mädchen.
    • Bestrafung ohne Verarbeitung verhindert das Erlernen echter Emotionskontrolle.
  • Umgang mit emotionalen Ausbrüchen von ADHS/ADS-Kindern:
    • Bei einem emotionalen Ausbruch, der oft aus einem starken Gerechtigkeitssinn heraus entstehen kann, darf der Ausbruch nicht bestraft werden.
    • Stattdessen muss zuerst herausgefunden werden, was das Kind verletzt oder geärgert hat.
    • Das Kind darf seine Emotionen äussern.
    • Erst wenn der emotionale Ausbruch validiert wurde, d.h. das Kind sich verstanden und akzeptiert fühlt, kann man über sozialkompatible Alternativen sprechen und diese einüben.
    • Wahre Emotionskontrolle wird nur erreicht, indem das Kind in seinem Ausbruch verstanden und validiert wird.
    • Emotionale Erlebnisse müssen prozessiert und verarbeitet werden, idealerweise in einer ruhigen Situation, um im Grosshirn ohne Emotionen abgelegt zu werden und impulsive Reaktionen zu vermeiden.
  • Erziehung durch Prinzipien und Regeln: Dieser Stil wird als intellektuell betrachtet.
    • Es ist sinnvoll, klare, altersgerechte und sichtbare Regeln zu haben.
    • Regeln sollten nicht starr sein; Ausnahmen müssen diskutiert werden, um Flexibilität zu lehren.
    • Das Ziel ist die Internalisierung der Regeln, der Erwerb von Sozialkompetenz und Selbstorganisation.
    • Eltern sollten an die Regeln erinnern, anstatt ständig Befehle zu geben, da dies Gehorsam, aber nicht Selbstständigkeit lehrt.
    • ADHS/ADS-Kinder folgen nicht gerne; sie müssen intrinsisch motiviert sein. Dies kann erreicht werden, indem man Situationen aufzeigt, Regeln erklärt (aber nicht zu viel, um System Overload zu vermeiden) und sich als Person einbringt („Ich will, dass dies in meinem Haushalt so gemacht wird“, nach Jesper Juul). Es geht darum, sich durchzusetzen, nicht Gehorsam zu verlangen.
    • Dieser Stil benötigt Klarheit und Geduld.
  • Laissez-Faire: Lässt die Kinder über das Leben und die Reaktionen des Umfelds lernen. Dies sei nicht schlecht, aber in unserer organisierten Welt weniger praktikabel. Impulskontrolle wird hier wahrscheinlich durch die Reaktionen der Umgebung gelernt, z.B. im Umgang mit Tieren. Kinder nehmen sich weniger zurück als bei angst- oder emotionsbasierter Erziehung.
  • Rolle und Herausforderungen der Eltern:
    • Viele Eltern von ADHS/ADS-Kindern haben selbst ADHS/ADS oder dysfunktionale Emotionsregulationsstrategien und sind verunsichert.
    • Eltern müssen zuerst lernen, sich selbst zu regulieren („low arousal“). Man muss sich selbst zuerst die „Sauerstoffmaske anziehen“.
    • Eltern müssen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
    • Es ist wichtig, dass Eltern ihren eigenen Erziehungsstil finden und sich von ihrer Herkunftsfamilie abgrenzen. Unterschiedliche Stile zwischen den Eltern müssen klar deklariert oder Zuständigkeiten geregelt werden.
    • Überbehütung aus Angst schadet dem Kind, macht es unselbstständig und kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Angst führt zu Ausweichverhalten, nicht zu Kompetenz.
    • Eltern müssen lernen, ihre Kinder sorgfältig zu beobachten, ohne sofort zu handeln oder zu korrigieren. Übererziehung und ständiges Stören behindern die natürliche Entwicklung und Explorationsfreude des Kindes.
    • Weniger ist oft mehr; Eltern sollten sich auf wenige wichtige Dinge konzentrieren.
    • Die Stärkung der elterlichen Selbstwahrnehmung, Sicherheit und des Vertrauens in ihre eigenen Beobachtungen ist zentral. Dies gibt ihnen die nötige Position, um auch mit Teenagern zu verhandeln.
    • Es ist nie zu spät, positive Veränderungen einzuführen. In der Pubertät geht es mehr um Beziehungspflege und Verhandlung als um Erziehung/Gehorsam.

Zusammenfassend erfordern ADHS/ADS-Kinder aufgrund ihrer besonderen emotionalen und impulsiven Natur einen Erziehungsstil, der sich fundamental von traditionellen, strafenden Ansätzen unterscheidet. Statt Bestrafung und emotionalem Druck, der zu Unterdrückung und langfristigen Problemen führen kann, brauchen sie Validierung ihrer Emotionen, das Erlernen von Alternativen nach emotionalen Ausbrüchen, klare Prinzipien statt starrer Regeln, und Eltern, die selbst reguliert, geduldig und aufmerksam beobachten, um ihr Kind in seinem Wesen zu verstehen und persönlichkeitsgerecht mit ihm umzugehen. Die Stärkung der elterlichen Kompetenz und ihres eigenen Wohlbefindens ist dabei unerlässlich.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/05/Erziehungsstil-Emotionskontrolle_19.5.2025.m4a.pdf

Welche Berufe eignen sich für ADHS/ADSler?

Dr.med. Davatz betont, dass es darauf ankommt, den individuellen Fokus und die persönlichen Stärken zu finden, denn wenn ADHS/ADSler ihren Fokus finden, können sie „abgehen wie eine Rakete“.

Allerdings lassen sich aus den Charakteristika von ADHS/ADS bestimmte Tendenzen und geeignete Umfelder ableiten:

  • Berufe mit Beziehungen und Empathie: ADHS/ADSler haben oft eine hohe Sensibilität und eine gute Empathie. Sie spüren sofort, wie ihr Gegenüber eingestellt ist und nehmen den emotionalen Ton stark wahr. Berufe, die menschliche Beziehungen erfordern und bei denen diese Empathie eine Rolle spielt, sind oft gut geeignet. Beispiele, die genannt werden, sind:
    • Arzt
    • Lehrer
    • Krankenschwester / Pflegeberufe
    • Verkäufer (da sie mit Menschen zu tun haben)
  • Berufe, die Abwechslung und Multitasking bieten: Monotone Arbeiten, wie zum Beispiel Fliessbandarbeit, sind für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit dort sofort weggeht. Tätigkeiten, die Abwechslung bieten oder bei denen rotiert wird, sind besser geeignet. Wenn ihnen die Arbeit Spass macht, sind ADHS/ADSler oft gut im Multitasking, was das Dopamin hochfährt. Zu viel Input kann allerdings auch zu einem System-Overload und Zusammenbruch führen.
  • Berufe, die Kreativität ermöglichen: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer und können besser „Denkgrenzen“ überschreiten. Wenn ein Umfeld genügend Raum für Experimente bietet und nicht zu rigide ist, kann sich die Kreativität entfalten.
  • Wunsch nach Selbstständigkeit: Viele ADHS/ADSler möchten selbstständig werden, da sie keine Vorgesetzten mögen und ihr eigener Chef sein wollen. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass auch in der Selbstständigkeit ungeliebte Fleissarbeiten wie Rechnungen schreiben oder Buchhaltung anfallen können. Für solche Aufgaben kann man extern Hilfe suchen (z.B. Buchhalter) oder, wie Dr. Davatz erwähnt, eventuell in diesem Moment Medikamente einnehmen, um sich besser fokussieren zu können.
  • Erfolgreiche ADHS/ADSler: Beispiele für Bereiche, in denen ADHS/ADSler erfolgreich sein können, wenn sie ihren Fokus gefunden haben, sind:
    • Business-Leute
    • Forscher (das ADS kann hilfreich sein, weil es nicht loslässt und zu Hyperfokus führt)
    • Sportler (z.B. Roger Federer, Michael Phelps werden genannt, und Sport kann das Dopaminsystem aktivieren)
    • Grosse Erfinder (wie Albert Einstein, der als ADS-Typ beschrieben wird)
    • Politiker (in Bemerkung 14 genannt als Beispiel für Spitzenleistung)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Berufe, die zwischenmenschliche Interaktion, Abwechslung, die Nutzung von Empathie und die Möglichkeit, den eigenen Fokus und die Kreativität einzusetzen, bieten, für ADHS/ADS-Personen oft besonders geeignet sind. Eintönige oder sehr starre Arbeitsumgebungen sind eher ungünstig. Wichtig ist es, die individuellen Stärken zu erkennen und diese gezielt einzusetzen. Coaching kann dabei unterstützen, den eigenen Typ und geeignete Wege zu finden.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

Wie können ADHS/ADS-Personen Entscheidungen treffen?

Das Treffen von Entscheidungen kann für Menschen mit ADHS/ADS eine besondere Herausforderung darstellen. Die Schwierigkeiten zeigen sich auf unterschiedliche Weise, je nachdem, ob die Person eher ADHS- oder ADS-Ausprägungen hat.

  1. Impulsivität und schnelle Entscheidungen (eher ADHS):
    • Ein Charakteristikum von ADHS/ADSlern ist die hohe Impulsivität. Dies kann sich positiv als grosse Spontanität äussern.
    • Negativ bedeutet es, dass sie zu schnellen, spontanen Entscheidungen neigen. Sie sehen etwas und sagen sofort: „Ich mache mit“. Dies führt oft dazu, dass sie sich zu viele Aufgaben aufladen und dann überfordert sind oder nicht mehr weiterwissen.
    • Der Rat lautet, diese Personen dazu anzuhalten, innezuhalten, zu warten und ein wenig nachzudenken, bevor sie enthusiastisch zusagen. Man sollte ihnen raten, „noch einmal darüber zu schlafen“.
  2. Unentschlossenheit (eher ADS):
    • ADSler, der denkende Typ mit stärkerer innerer Aktivität, tendieren dazu, gar nicht zu entscheiden.
    • Sie gehen im Kopf so viele Möglichkeiten durch und wägen ständig das Für und Wider ab.
    • Dr. Davatz betont, dass ein guter Entscheid immer mit dem Herzen verbunden sein muss. Rein auf kognitiver Ebene entscheiden zu wollen, funktioniert nicht.
    • Um sein Herz und seine eigentlichen Emotionen zu spüren, die für eine gute Entscheidung nötig sind, muss man ein bisschen innehalten und zuhören.
  3. Strukturierung und Umsetzung von Entscheidungen (Prokrastination):
    • Im Erwachsenenalter ist Prokrastination („Aufschieberitis“) bei ADHS/ADSlern häufig. Sie wissen, dass eine Aufgabe erledigt werden muss, tun es aber nicht und ärgern sich darüber. To-Do-Listen sind oft wenig effektiv, da die Aufgaben darauf verschoben werden.
    • Um dem entgegenzuwirken, ist eine sehr genaue Fokussierung der Aufgabe nötig: Man muss sich vornehmen, wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit und an welchem Ort man die Aufgabe erledigt.
    • Dies erfordert eine starke persönliche Fokussierung und eine gewisse Disziplin, um es dann auch umzusetzen und nicht auszuweichen. Vage Formulierungen wie „ich sollte dann noch“ sind ineffektiv. Dr. Davatz vergleicht dies mit dem Adler, der seine Beute genau fokussiert.
  4. Umgang mit Ambivalenz nach einer Entscheidung:
    • Nachdem eine Entscheidung getroffen wurde, fallen viele ADHS/ADSler in Ambivalenz zurück und fragen sich, ob sie nicht anders hätten entscheiden sollen. Dieser Zustand wird als Katastrophe beschrieben, aus der man schwer herauskommt.
    • Der Rat ist, der Person zu sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt so entschieden hat und das in Ordnung ist. Jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile, und es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Sie sollten bei ihrem Entscheid bleiben.
  5. Umentscheidungen:
    • Manchmal ist es notwendig, eine Entscheidung zu ändern. Wenn dies der Fall ist, muss man dies klar und begründet tun. Man sollte erklären, nach welchen Kriterien man ursprünglich entschieden hat und warum man sich jetzt, basierend auf neuen Überlegungen, klar umentscheidet. Dies ist akzeptabel, solange es nicht ein ständiges Hin und Her ist.
  6. Wichtigkeit von Prinzipien und Gewohnheiten:
    • Da ADHS/ADSler sich schwer tun, sich selbst zu strukturieren, ist es wichtig, dass sie lernen, dies zu tun.
    • Das Anlegen von Prinzipien und Gewohnheiten durch mehrmaliges gleiches Handeln integriert diese Abläufe ins Gehirn, macht Entscheidungen in diesen Bereichen einfacher und spart Energie. Klare Rituale, wie ein Morgenritual oder ein Ritual zum Herunterfahren am Abend, sind hilfreich.
  7. Rolle der Führung und Begleitung:
    • Bei der Führung oder Erziehung von ADHS/ADSlern ist eine autoritative Haltung hilfreich: Man sagt klar, was man will („ich will“), anstatt zu befehlen („du musst“, „du sollst“). Die Energie bleibt bei der Person, die etwas will.
    • Es ist wichtig, die Person zu validieren („Was hast du dir dabei überlegt?“) und ihre Gefühle zu verstehen, bevor man erklärt, wie die Situation gehandhabt werden muss.
    • Coaching wird als essenziell angesehen, um ADHS/ADSlern zu helfen, sich selbst und ihre Muster zu verstehen und zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Ein Coach kann dabei unterstützen, Reflexionsfähigkeit zu entwickeln und den eigenen Typ kennenzulernen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit Entscheidungen bei ADHS/ADSlern stark von ihren individuellen Ausprägungen abhängt. Während Impulsivität gebremst werden muss, braucht Unentschlossenheit eine Verbindung zur emotionalen Ebene. Für die Umsetzung ist präzise Planung wichtig, und das Anlegen von Gewohnheiten kann den Alltag erleichtern. Begleitung und Coaching spielen eine wichtige Rolle, um die nötige Selbstreflexion und die Fähigkeit zur Selbststrukturierung zu entwickeln.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

Umgang mit ADHS/ADS

Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung, einen sogenannten Genotyp oder Neurotyp. Das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“, und dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entwickeln oder negative Folgeerscheinungen auftreten, hängt massgeblich vom Umfeld ab. Der Umgang mit ADHS/ADS sollte daher persönlichkeitsgerecht oder artgerecht sein.

Einfluss des Umfelds und der Erziehung/Führung:

  • Ein zu rigides Umfeld, das versucht, die Person stark an Regeln zu gewöhnen, kann die Kreativität eher abklemmen. Wenn relativ viel Offenheit da ist und experimentieren erlaubt wird, kann sich die Person gesünder entwickeln.
  • Eine unklare Struktur oder eine bestrafende Erziehungsmethode können bei Jungen eher zu Delinquenz führen.
  • Sowohl rein autoritäre als auch anti-autoritäre bzw. Laissez-faire-Erziehung sind nicht gut für ADHS/ADSler. Sie brauchen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die aber nicht zu eng sein dürfen.
  • Eine autoritative Erziehung/Führung wird empfohlen: Man hat Regeln und sagt diese klar, aber man sagt nicht „du musst“ oder „du sollst“. Stattdessen drückt man seinen eigenen Willen aus: „ich will“.
  • Beschämung („warum hast du nicht…?“) ist bei ADHS/ADSlern besonders schädlich und sollte vermieden werden, da darunter generell nicht gelernt wird. Es kann zu Rückzug, Abschotten oder Aggression führen.

Kommunikation als zentrales Werkzeug:

  • Die Energie sollte bei der Person bleiben, die etwas will, und nicht gegen das Kind/die Person gerichtet sein, da dies Abwehr oder Aggression auslöst.
  • Validierung ist entscheidend: Man muss zuerst herausfinden, aus welchem Grund die Person etwas so gemacht hat, indem man fragt: „Was hast du dir dabei überlegt?“. Das geschieht nicht degradierend, sondern wertschätzend. Erst danach sagt man, wie man es gerne möchte.
  • Bei ADHS/ADSlern, die sehr sensibel sind und sofort spüren, wie man auf sie eingestellt ist, ist der emotionale Ton wichtiger als der Inhalt. Um sicherzustellen, dass der Inhalt ankommt, muss die Kommunikation ruhig und ohne verurteilenden Ton sein.
  • Wenn ADHS/ADSler kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Man muss sie „zurückholen in die Beziehung“. Es gibt keine Erziehung/Führung ohne Beziehung.
  • Offene Kommunikation im Team, auch über die eigenen Eigenschaften, ist wichtig für den Lernprozess. Man kann seine Reaktionen erklären, ohne unbedingt die Diagnose zu nennen.

Umgang mit spezifischen ADHS/ADS-Eigenschaften:

  • Breite Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit: Erkennen, dass alles interessiert. Die leichte Ablenkbarkeit liegt an einer weniger guten Filterfunktion im Gehirn. Bei uninteressanten Themen entsteht ein Defizit. Wenn sich die Person für etwas interessiert, kann sie Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen.
  • Impulsivität: Bei spontanen Entscheidungen (z.B. sich für zu viele Aufgaben melden) muss die Person angehalten werden, innezuhalten, zu warten und nachzudenken. Bei Unterbrechungen die Person validieren und dann umlenken.
  • Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter häufig. To-Do-Listen sind oft ineffektiv. Wichtig ist eine genaue Fokussierung der Aufgabe: wann, welcher Tag, welche Zeit, welcher Ort. Es braucht Selbstdisziplin, um dies dann auch umzusetzen. Für langweilige Aufgaben kann die gezielte Einnahme von Medikamenten eine Option sein.
  • Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler tun sich schwer, sich selbst zu strukturieren. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass andere die Strukturierung übernehmen. Das Entwickeln von Prinzipien und Gewohnheiten (durch mehrmaliges gleiches Handeln) integriert diese ins Gehirn und spart Energie. Klare Morgenrituale oder Rituale zum Herunterfahren vor dem Schlafengehen sind hilfreich. Im Arbeitsumfeld oder in der Familie ist bei Überforderung oder Chaos ein frühes, klares, „autoritäres“ Eingreifen zur Strukturierung notwendig, gefolgt von einem Rückzug, sobald die Ordnung hergestellt ist. Dies ist ein Einordnen der Situation, nicht eine Bewertung der Person.
  • Sensibilität und Umgang mit Kritik/Fehlern: Hohe Sensibilität auf Verletzungen und Kränkungen. Fehler passieren häufig. Fehler dürfen nicht bestraft werden. Stattdessen sollte man sie gemeinsam anschauen und nach den Überlegungen fragen. Fehler können viel Kreativität enthalten. Man lernt aus Fehlern. Einmal „ausrutschen“ und daraus lernen ist besser als zwanghaftes Vermeiden von Fehlern, was zu Unnatürlichkeit führt.
  • System Overload: In reizüberfluteten Umgebungen (wie einem Spital) kann es schnell zum Zusammenbruch kommen. Multitasking funktioniert gut, wenn es Spass macht, wird aber zur Überforderung, wenn es zu viel wird. Wie bei fehlender Struktur ist hier ein frühes, klares Eingreifen der Führungsperson wichtig.
  • Rechtfertigung: Wenn jemand sich rechtfertigt, sollte diese Diskussion auf später verschoben werden. Zuerst die Handlung validieren, dann die Rechtfertigung separat besprechen.
  • Helfen (Über-Helfen): Wenn jemand zu sehr versucht, allen gleichzeitig zu helfen, sollte dies anerkannt („du bist ein Helfertyp, das ist gut“) und dann begrenzt werden („du kannst nicht allen gleichzeitig helfen und deine eigene Arbeit machen“).

Stärken erkennen und fördern:

  • ADHS/ADSler haben oft eine primäre Gabe der Empathie und ein gutes Gespür für Menschen. Diese Gabe sollte wahrgenommen und gepflegt werden.
  • Sie sind in der Regel kreativer und können besser Denk-Grenzen überschreiten.
  • Sie können sich für Themen, die sie interessieren, intensiv begeistern und einen Hyperfokus entwickeln.
  • Es ist entscheidend, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen, wo er seine Stärken hat. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“. Reine Kritik an Schwächen ist nicht hilfreich.

Medikamente:

  • Medikamente wie Ritalin wirken auf das Dopaminsystem und sind stimulierend („Uppers“). Sie können helfen, den Fokus bei langweiligen oder mühsamen Aufgaben zu finden.
  • Allerdings können sie auch negative Auswirkungen haben: die breite Wahrnehmung geht verloren, die emotionale Wahrnehmung geht verloren, und man ist nicht mehr so kreativ. Architekturstudenten berichten beispielsweise, dass sie mit Ritalin weniger kreativ sind.
  • Zu viel Dopamin kann Psychosen auslösen. Bei Erwachsenen kann die Einnahme von zu viel Amphetamin-ähnlichen Medikamenten zu psychotischen oder schizophrenen Zuständen führen.
  • Medikamente dürfen nie ohne Begleitung eingenommen werden.
  • Sie müssen nicht immer genommen werden, sondern können gezielt eingesetzt werden. Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn passt. Die Entscheidung über die Gabe von Medikamenten bei Kindern liegt bei den Eltern.

Coaching und Begleitung:

  • Coaching oder eine entsprechende Begleitung ist essenziell und sollte Medikamente immer begleiten. Nur mit Medikamenten korrigieren zu wollen, wird als „Verleugnungstaktik“ oder „Grössenwahn der Mediziner“ gesehen.
  • Es muss ein Coach gefunden werden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Therapeuten, die ADHS/ADS nicht verstehen, versuchen oft, es zu „korrigieren“, was nicht getan werden darf.
  • ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden. Am Ende muss sich der ADHS/ADSler immer selber erziehen, und dabei kann ein Coach helfen.
  • Coaching hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und Selbstreflexion zu üben. Es geht darum zu lernen, mit sich selbst umzugehen.
  • Eine gute Begleitperson versteht etwas von ADHS/ADS, hat Selbstironie und Reflexionsfähigkeit. Sie kann dem Betroffenen helfen, indem sie normalisiert („das passiert mir auch“) und zum Lernen ermutigt („wir müssen es eben lernen“).

Weitere Aspekte des Umgangs:

  • Digitalisierung: Die Digitalisierung birgt die Gefahr, dass durch übermässigen Konsum (Handy) Vernetzungen im Gehirn (insbesondere für soziale Kompetenz und Mimiklesen) weniger stark ausgebildet werden. Sie fördert eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und kann zur Abkapselung beitragen. Eltern sollten menschliche Interaktion fördern. Die Medien sind darauf ausgelegt, über Sensation und Angst Aufmerksamkeit zu erregen.
  • HR-Rolle: HR-Abteilungen sollten Anpassungen nicht missbrauchen. Sie sollten der Person zuhören, validieren, wie sie sich fühlt, und dann erklären, dass es im System Regeln gibt, die eine Anpassung erfordern, wenn man im System bleiben möchte.
  • Sucht: Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht. Suchtmittel bieten eine schnelle, gefährliche Lösung für unangenehme Gefühle. Der Umgang mit Sucht erfordert die Begleitung des Betroffenen, um mit seinen Gefühlen umgehen zu lernen, anstatt nur Abstinenz anzustreben.

Zusammenfassend ist der Umgang mit ADHS/ADS stark vom Umfeld geprägt. Eine unterstützende, verstehende Umgebung mit klaren, aber flexiblen Strukturen und einer validierenden Kommunikation ist entscheidend. Medikamente können unterstützend eingesetzt werden, sind aber kein alleiniges Mittel und sollten immer von einer fachkundigen Begleitung (Coaching) begleitet werden. Das Wichtigste ist, dass der Betroffene lernt, sich selbst zu verstehen, zu reflektieren und mit seinen Eigenschaften umzugehen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

ADHS/ADS im Arbeitsleben

Gerne diskutiere ich ADHS/ADS im Arbeitsleben anhand der vorliegenden Quellen und unserer Konversation.

Dr. med. Ursula Davatz, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst, sieht ADHS/ADS nicht primär als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung („Genotyp“, „Neurotyp“). Das Gehirn von ADHS/ADSlern funktioniert ihrer Ansicht nach einfach „ein bisschen anders“. Dieses „Anders“ sei nicht krank. Ob sich aus dieser genetischen Veranlagung positive Fähigkeiten entfalten oder negative Folgeerscheinungen entwickeln, hängt massgeblich vom Umfeld ab.

Im Arbeitsleben zeigt sich dieser Einfluss des Umfelds und der Umgang mit den ADHS/ADS-typischen Eigenschaften besonders deutlich:

  • Fokus und Hyperfokus: ADHS/ADS bedeutet nicht zwingend ein allgemeines Aufmerksamkeitsdefizit. Es ist eher ein Defizit bezogen auf Themen, die einen nicht interessieren, z.B. Frontalunterricht oder monotone Arbeiten. Wenn ADHS/ADSler sich für ein Thema interessieren, können sie hingegen einen Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen. Nichts ist dann mehr von einem Defizit zu spüren. Wenn jemand im Arbeitsleben seinen ganz persönlichen Fokus findet, kann er „abgehen wie eine Rakete“. Berufe mit menschlicher Interaktion, wie Arzt, Lehrer, Krankenschwester oder Verkäufer, eignen sich oft gut, da sie Empathie und gute Wahrnehmung erfordern. Eintönige Fliessbandarbeit ist hingegen nicht geeignet, da die Aufmerksamkeit schnell weg ist. Rotation in Arbeitsaufgaben kann für ADHS/ADSler vorteilhaft sein.
  • Prokrastination (Aufschieberitis): Im Erwachsenenalter kommt bei vielen ADHS/ADSlern die Prokrastination hinzu. Sie wissen, was zu tun ist (Plan, Pflicht), tun es aber einfach nicht und ärgern sich dann über sich selbst. To-Do-Listen sind oft nicht hilfreich, da die Aufgaben darauf nie abgearbeitet werden. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Aufgabe genau zu fokussieren: wann, an welchem Tag, zu welcher Zeit, an welchem Ort die Arbeit erledigt werden soll. Es braucht ein wenig Selbstdisziplin, um sich dann „am Riemen zu reissen“ und die Aufgabe nicht aufzuschieben. Manche Erwachsene nutzen Medikamente wie Ritalin gezielt für langweilige Aufgaben wie Buchhaltung.
  • Struktur und Ordnung: ADHS/ADSler benötigen einen gewissen Halt, Regeln und Strukturen, die jedoch nicht zu eng sein dürfen. Sie tun sich schwer, sich selbst gut zu strukturieren. Dies kann dazu führen, dass sie an der Arbeit sehr strukturiert sind, zu Hause aber ein „Messi Syndrom“ haben. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich selbst zu strukturieren, anstatt dass Vorgesetzte oder Kollegen die Strukturierung komplett übernehmen. Gewisse Prinzipien und Gewohnheiten zu entwickeln, indem man Dinge mehrmals gleich macht, hilft dabei, da dies im Gehirn integriert wird und Energie spart.
  • Umgang mit Fehlern und Kritik: ADHS/ADSlern passieren oft viele Fehler. Vorgesetzte sollten Fehler nicht bestrafen, da dies dazu führt, dass Mitarbeiter ausweichen, lügen und Dinge vertuschen. Unter Beschämung wird generell nicht gelernt. Statt zu beschämen, sollte man die Fehler gemeinsam anschauen und fragen, was sich der Mitarbeiter dabei gedacht hat („Validierung“). Fehler können viel Kreativität enthalten, die genutzt werden sollte. ADHS/ADSler sind sehr sensibel und spüren sofort, wie man auf sie eingestellt ist. Wenn sie kritisiert oder „zusammen geschissen“ werden, schaltet ihr Gehirn ab. Es ist entscheidend, sie „zurückzuholen in die Beziehung“. Der emotionale Ton wird stärker wahrgenommen als der Inhalt. Eine ruhige, nicht verurteilende Kommunikation ist wichtig.
  • Beziehung im Arbeitsumfeld: Eine gute Beziehung zwischen Führungsperson und Mitarbeiter ist essenziell. Es gibt keine Erziehung ohne Beziehung. ADHS/ADSler sind besonders empfänglich für den emotionalen Ton und die Beziehungsqualität. Wenn ADHS/ADSler, die oft eine primäre Gabe der Empathie haben, zu viel kritisiert werden, kann diese Empathie verloren gehen.
  • System Overload und Reizüberflutung: In Arbeitsumfeldern mit vielen Reizen, wie z.B. einem Spital, kann es schnell zum „System Overload“ kommen, bei dem ADHS/ADSler zusammenbrechen. Sie sind zwar gut im Multitasking, wenn es Spass macht, aber wenn es zu viel wird, überfordert es sie. Die Kunst der Führungsperson besteht darin, frühzeitig und klar einzugreifen („autoritär zu sein“), um Struktur zu geben, und sich dann wieder zurückzuziehen. Dies ist einordnen, nicht die Person als falsch bezeichnen. Es geht darum, dem Durcheinander entgegenzuwirken.
  • Umgang mit Rechtfertigung: Wenn ein Mitarbeiter in die Rechtfertigung geht, sollte die Diskussion darüber verschoben und separat geführt werden. Zuerst sollte der Vorgesetzte den Validierungsansatz wählen, indem er fragt, wie der Mitarbeiter vorgegangen ist und was er sich dabei gedacht hat. Wenn sich der Mitarbeiter danach wertgeschätzt fühlt, verbessert sich die Situation.
  • Stärken erkennen und fördern: Es ist wichtig, die Stärken des ADHS/ADS-Mitarbeiters zu erkennen und ihn dort einzusetzen. Die Führungskraft agiert hier wie ein „Zirkusdirektor“, der weiss, wo jeder am besten aufgehoben ist. Es ist nicht hilfreich, nur die Schwächen zu kritisieren. Ein Mitarbeiter kann aber auch den Wunsch haben, an seiner Schwäche zu arbeiten; dies ist dann eine „hohe Schule“.
  • HR-Rolle: Die Personalabteilung hat eine wichtige Rolle. Sie sollte darauf achten, dass Anpassungen nicht zum Zweck der Anpassung missbraucht werden. HR sollte die Person zunächst anhören und validieren, wie sie sich fühlt. Erst danach sollte das System erklärt werden, dessen Regeln nicht geändert werden können, und dass eine Anpassung nötig ist, um im System zu bleiben [128, 133? check source 126, 128].
  • Coaching und Begleitung: Dr. Davatz betont, dass Medikamente wie Ritalin nie ohne Begleitung eingenommen werden sollten. Sie empfiehlt dringend Coaching. Es muss ein Coach sein, der sich mit ADHS/ADS auskennt, da Therapeuten, die es nicht verstehen, versuchen, es zu „korrigieren“, was nicht geschehen sollte. ADHS/ADS kann nicht weg therapiert oder erzogen werden; der ADHS/ADSler muss sich am Ende selbst erziehen, wobei ein Coach helfen kann. Coaching fördert Selbstreflexion und hilft, den eigenen Typ kennenzulernen und mit sich selbst umzugehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Arbeitsleben ein unterstützendes, strukturiertes (aber flexibles) und beziehungsorientiertes Umfeld, das Stärken erkennt, Fehler toleriert (ohne Beschämung) und Kommunikation auf Validierung aufbaut, entscheidend ist, damit ADHS/ADSler ihre Potenziale entfalten können. Medikamente können gezielt unterstützend wirken, sollten aber immer mit einer Begleitung, idealerweise einem ADHS/ADS-erfahrenen Coach, kombiniert werden, um den eigenen Umgang mit den Eigenschaften zu lernen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

ADHS/ADS Merkmale

Dr. med. Ursula Davatz befasst sich seit über 40 Jahren mit ADHS/ADS. Früher wurde dafür der Begriff POS (frühkindliches POS) verwendet, heute hat sich ADHS/ADS allgemein durchgesetzt. Dr. Davatz selbst verwendet beide Begriffe. Sie sieht ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als genetischen Ursprung oder genetische Voraussetzung für mögliche Folgekrankheiten. Sie spricht von einem Genotyp oder Neurotyp, bei dem das Gehirn „ein bisschen anders“ funktioniert. Anders bedeutet für sie nicht krank.

Einige charakteristische Merkmale und Eigenschaften von ADHS/ADS, wie in der Quelle beschrieben:

  • Breite Aufmerksamkeit: ADHS/ADSler haben eine „breite Aufmerksamkeit“, was bedeutet, dass sie an allem interessiert sind. Sie nehmen sofort alles wahr, wenn sie einen Raum betreten, einschliesslich Stimmungen. Sie sind nicht nur visuell und kognitiv breit interessiert, sondern auch emotional. Diese breite Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass sie ihre Aufmerksamkeit woanders hinlenken, besonders wenn ein Thema (z. B. in der Schule oder bei Frontalunterricht) uninteressant ist. Die leichte Ablenkbarkeit hängt auch mit einer schlechten Filterfunktion des Gehirns zusammen, das weniger gut Reize ausblenden kann. Das Gehirn ist stärker vernetzt, was zur breiten Aufmerksamkeit und leichten Störbarkeit führt.
  • Hyperfokus: Wenn sie sich für ein Thema interessieren, können ADHS/ADSler einen Hyperfokus entwickeln und Hyperperformance zeigen. In solchen Momenten sei nichts mehr von einem Defizit zu merken. Dies wird auch im Zusammenhang mit ADS in der Forschung erwähnt, wo die Person dann nicht loslässt. Albert Einstein, der als ADS-Kind beschrieben wird, wird als Beispiel für Hyperfokus genannt.
  • Sensorische Sensibilität: Sie besitzen eine hohe Sensibilität. Sie sind sehr sensibel auf Verletzungen und Kränkungen.
  • Starkes Gerechtigkeitsempfinden: Mit der hohen Sensibilität geht oft ein starkes Gerechtigkeitsempfinden einher. Sie können Ungerechtigkeiten kaum ertragen und müssen sich dazu äussern, selbst wenn es andere betrifft.
  • Hohe Impulsivität: Ein weiteres Merkmal ist die hohe Impulsivität, oft als „schlechte Impulskontrollen“ bezeichnet. Bei kleinen Kindern zeigt sich dies in unkontrollierten Bewegungen. Bei älteren Kindern oder Erwachsenen kann es bedeuten, dass sie anderen ins Wort fallen oder nicht warten, bis ein Satz beendet ist. Dies kann zu Störungen führen und sie als „Störenfriede“ erscheinen lassen. Positiv formuliert ist es eine grosse Spontanität. Die Impulskontrolle entwickelt sich bei ADHS/ADSlern später.
  • Bewegungsdrang (ADHS) vs. Interne Aktivität (ADS): ADHSler haben einen starken Bewegungsdrang. ADSler hingegen zeigen eher eine starke interne Aktivität, sie denken viel. Diese interne Aktivität kann dazu führen, dass sie sich ständig Geschichten ausdenken oder ein „Kino im Kopf“ haben, besonders wenn es langweilig ist.
  • Spätere Hirnreifung: Neurologisch betrachtet reift das Gehirn von ADHS/ADSlern später. Der Prozess des „Synaptic Pruning“ (Abbau von Synapsen) in der Pubertät, der das Gehirn vereinfacht und das schnelle Lernen und Reagieren ermöglicht, findet bei ihnen verspätet statt. Dies könnte zur anhaltenden breiten Aufmerksamkeit beitragen.
  • Kreativität: ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer. Sie können besser Grenzen überschreiten, sowohl gesetzliche als auch Denkgrenzen. Kreativität braucht Platz und kann in sehr rigiden Umfeldern eingeschränkt werden. In einem Umfeld mit Offenheit und Experimentiermöglichkeiten können sich Kinder mit ADHS/ADS gesund entwickeln und zu Forschern werden.
  • Geschlechtsunterschiede: Bei Mädchen wird ADHS/ADS oft später oder gar nicht diagnostiziert. Mädchen sind tendenziell angepasster, fügen sich eher in der Schule ein, wollen gefallen und haben eine starke soziale Kompetenz, wodurch sie weniger auffallen als hyperaktive Knaben. Knaben fallen eher durch Hyperaktivität, Stören oder Herumwerfen von Dingen auf. Früher wurde ein Verhältnis von 5 Knaben zu 1 Mädchen angenommen, heute ist es eher 1.5 Knaben zu 1 Mädchen. Hyperaktivität ist vermehrt bei Knaben zu finden. Mädchen zeigen Hyperaktivität eher nach innen, was dem ADS entspricht. Wenn sie beschämt werden, ziehen sich Mädchen eher zurück, während Knaben eher aggressiv werden.
  • Komorbiditäten/Folgeerscheinungen: ADHS/ADS tritt häufig zusammen mit Legasthenie (LRS) und Dyskalkulie auf. Diese Kombinationen sind unterschiedlich und nicht vorhersehbar. Dr. Davatz spricht lieber von „Folgekrankheiten“ als von „Komorbidität“, da sie ADHS/ADS als genetischen Ursprung dafür sieht. Dazu gehören nicht nur psychische, sondern auch körperliche Erkrankungen. Bei Frauen sind dies häufig Fibromyalgie, Gelenkschmerzen, Allergien. Männer neigen eher zur Delinquenz oder können einen Herzinfarkt erleiden. Prokrastination („Aufschibitis“) ist im Erwachsenenalter verbreitet. Sie wissen, was zu tun ist, aber sie tun es nicht und ärgern sich darüber. Sie schieben auf. Viele ADHS/ADSler haben zu Hause ein Messi-Syndrom, auch wenn sie bei der Arbeit überstrukturiert sein können. Schlafstörungen sind häufig, da unerledigte Dinge mit ins Bett genommen werden. Es gibt einen sehr starken Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht. Suchtmittel können als schnelle (aber gefährliche) Lösung für unangenehme Gefühle dienen und ein Pseudo-Wohlbefinden oder Pseudo-Selbstwertgefühl erzeugen.
  • Umgang mit Feedback und Kritik: ADHS/ADSler reagieren gar nicht gut auf Kritik oder wenn sie „zusammen geschissen werden“; ihr Gehirn schaltet dann ab. Sie spüren sofort, wie jemand auf sie eingestellt ist, und nehmen den emotionalen Ton stärker wahr als den Inhalt. Ihre Empathie kann verloren gehen, wenn sie zu viel kritisiert werden. Beschämung führt dazu, dass sich das Kind abschottet oder aggressiv wird. Bestrafung von Fehlern fördert Ausweichverhalten und Lügen. Validierung (Verständnis zeigen für die Perspektive oder Gedanken der Person) ist ein wichtiger Ansatz im Umgang.
  • Berufswahl: Eintönige Fliessbandarbeit ist für ADHS/ADSler nicht gut, da die Aufmerksamkeit schnell abwandert. Berufe mit viel menschlicher Interaktion, die Empathie und gute Wahrnehmung erfordern, sind oft gut geeignet, z.B. Arzt, Lehrer, Krankenschwester, Verkäufer. Viele streben die Selbstständigkeit an, da sie ungern Vorgesetzte haben. Multitasking kann gut gelingen, wenn die Arbeit Spass macht und das Dopamin hochfährt, aber zu viel kann zum Zusammenbruch führen (System Overload).

Dr. Davatz betont, dass der Umgang mit ADHS/ADS-Merkmalen erlernt werden kann, oft durch Selbstdisziplin, klare Strukturen und Regeln (nicht zu eng), das Setzen von Gewohnheiten, und die Suche nach einem persönlichen Fokus. Sie plädiert stark dafür, dass das Umfeld lernt, mit ADHS/ADS umzugehen („persönlichkeitsgerechte Menschenführung“). Coaching wird als wichtige Begleitung, auch neben Medikamenten, empfohlen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Hirslanden-15.4.2025.m4a.pdf

Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

15.4.2026
Umgang mit ADHS/ADS im Klinikalltag
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke vielmals für die Einladung.

[00:00:02.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin, Familientherapeutin, in Amerika ausgebildet und ich habe mich seit
über 40 Jahren mit ADHS/ADS befasst.

[00:00:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, als ich angefangen habe damit, hat man noch POS gesagt, frühkindliches
POS.

[00:00:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute hat sich allgemein durchgesetzt, ADHS/ADS.

[00:00:31.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende die beiden Begriffe.

[00:00:34.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals, vor 40 Jahren, haben Kinderpsychiater noch gesagt: nein, das gibt es nicht.

[00:00:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war die ELPOS, die sich am meisten dafür eingesetzt hat.

[00:00:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinderärzte haben sie auch schon gesehen.

[00:00:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit ADHS/ADS, als Assistenzärztin
Samedan.

[00:00:57.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt aus St. Gallen, hat etwas darüber erzählt.

[00:01:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte mir, das klingt ja ein bisschen ähnlich wie Schizophrenie.

[00:01:10.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Psychiaterin und habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[00:01:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann immer Schizophrenie und ADHS/ADS verfolgt.

[00:01:24.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch geschrieben über ADHS und Schizophrenie.

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:01:26.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt schreibe ich ein Buch über ADHS/ADS Folgekrankheiten und nehme dann alle
psychiatrische Diagnosen durch.

[00:01:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der offiziellen Medizin und Psychiatrie reden wir von ADHS/ADS und Komorbidität.

[00:01:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: für mich ist das keine Komorbidität.

[00:01:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ADHS/ADS der genetische Ursprung, also die genetische
Voraussetzung für alle möglichen Folgekrankheiten.

[00:02:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur psychische, ich bin Psychiaterin, sondern auch körperliche.

[00:02:05.852] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/2025/04/10/studien-zu-somatischen-folgekrankheiten-bei-adhs-ads/

[00:02:06.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer mehr Daten raus von England, USA wo man langsam aufzeigt, dass
die beiden Krankheitsbilder miteinander auftreten.

[00:02:19.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen damit nicht Angst machen. Im Gegenteil. Es muss gar nicht so sein.

[00:02:27.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hängt vom Umfeld ab, wie sich das ADHS/ADS entwickelt.

[00:02:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gerade gestern aus der New York Times eine Studie gelesen oder mehrere
Studien, wo sie zum Teil Krankheitsgeschichten zitiert haben und gesagt haben, wo die
Betroffene gesagt haben: in der Schule habe ich mich komisch gefühlt. Ich habe je
nachdem Medikamente bekommen, aber wo ich dann meinen Fokus gefunden habe, so
sage ich, wo ich an die Uni gegangen bin und das studiert habe, was mir gefallen hat
und mich interessiert hat, dann war das wie weg.

[00:03:06.828] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nytimes.com/2025/04/13/magazine/adhd-medication-treatment-research.html

[00:03:06.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:03:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt. ADHS/ADS heisst: Aufmerksamkeitsdefizit Hyperkinetisches Syndrom.

[00:03:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Aufmerksamkeitsdefizit ist bezogen auf die Schule oder den Frontalunterricht, wie
ich ihn jetzt auch biete.

[00:03:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird dann zum Defizit, wenn man sich für das Thema nicht interessiert.

[00:03:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich für das Thema interessiert, dann könnte ADHS/ADSler einen
Hyperfokus haben, dann können sie Hyperperformance an den Tag legen, dann ist
nichts mehr von Defizit.

[00:03:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das reguläre Schulsystem ist nicht immer gleich interessant für alle.

[00:03:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt das Defizit nach vorne.

[00:03:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen und Mädchen sind in der Regel angepaster, die können sich eher fügen, so wie
es in der Schule läuft. Die wollen einem gefallen, die wollen es gut machen. Die haben
eine starke soziale Kompetenz.

[00:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Daher wird bei den Mädchen das ADHS/ADS überhaupt nicht diagnostiziert oder ist
lange nicht diagnostiziert worden oder nicht früh diagnostiziert worden.

[00:04:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen die Knaben, die sind hyperaktiv, die gammeln, die lölen umher, die stören den
Nachbar, schauen aus das Fenster raus, werfen Dinge durch die Klasse und so weiter.

[00:04:36.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen tun das weniger. Darum fallen sie nicht auf.

[00:04:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
So hat man früher gesagt: das Verhältnis zwischen Knaben und Mädchen ist fünf zu
eins.

[00:04:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind es ein Mädchen auf 1.5 Knaben.

[00:04:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem in welchem Land misst man mehr ADHS/ADS.

[00:05:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA sind es jetzt 11%, in Europa sind sie bei 5%.

[00:05:07.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zahlen, die variieren dauernd.

[00:05:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt natürlich immer darauf an, wie man schaut und wie man es abklärt.

[00:05:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein amerikanischer Psychiater hat gesagt, ADHS/ADS sei wie ein Hirndiabetes. Für
mich stimmt das überhaupt nicht.

[00:05:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Pankreas ist ein ganz anderes Organ als das Gehirn. Kein Organ ist so kompliziert
und so komplex vernetzt.

[00:05:46.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nie mit einem Pankreas vergleichen und einem Insulindefizit.

[00:05:59.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Elvanse sind alles ADHS/ADS Medikamente.

[00:06:01.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ein ADHS/ADS diagnostiziert wurde, hiess es: das muss Medikamente haben.

[00:06:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sagen die Lehrpersonen: wenn das Kind nicht Ritalin oder irgendwas Ähnliches
nimmt, dann kann ich das nicht mehr beschulen.

[00:06:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage natürlich, das geht nicht.

[00:06:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer noch die Sache von den Eltern, dass sie entscheiden, ob jetzt das Kind
Ritalin bekommt oder nicht.

[00:06:34.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich plädiere sehr stark dafür, ich habe viel Ausbildungen gemacht an Schulen, dass das
Umfeld lernt, mit denen umzugehen.

[00:06:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierhaltung, sagt man, die artgerechte Tierhaltung, also jedes Tier, muss nach
seiner Art behandelt werden.

[00:06:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
So sage ich, die persönlichkeitsgerechte Menschenführung oder Schulgebung.

[00:07:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind so ein paar allgemeine Gedanken darüber.

[00:07:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist ADHS/ADS wahnsinnig viel in allen Medien.

[00:07:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine Modekrankheit, es ist 80% genetisch vererbt.

[00:07:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ein Gen, es sind viele Gene, vielleicht 20 oder mehr.

[00:07:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Genen interagieren miteinander und bestimmen dann das Gehirn.

[00:07:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das plastischste, flexibelste Organ.

[00:08:01.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute reden wir auch von Epigenetik.

[00:08:05.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Epigenetik, das heisst über den Einfluss, über die Interaktion mit dem Umfeld,
passiert mit dem Hirn irgendwas, verändert sich das.

[00:08:13.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird in der klassischen Medizin, nicht so gut berücksichtigt.

[00:08:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater haben sich stark der somatischen Medizin angehängt und wollen immer
herausfinden, was ist jetzt das genau?

[00:08:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man klärt es dann ab mit Fragebögen. Man muss den Patienten fragen, man fragt die
Eltern, man fragt die Lehrer, aber auch das gibt kein exaktes Abbild vom Mensch.

[00:08:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Mensch ist einzigartig und man muss bei jedem Mensch herausfinden, wie der
jetzt funktioniert.

[00:08:53.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Individualität geht natürlich gegen die Statistik.

[00:08:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man lauter individuelle Menschen hat, dann kann man sie nicht vergleichen, dann
kann man keine Statistik anlegen und das ist das Problem.

[00:09:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapheutin suche natürlich dann immer die ganze Geschichte.

[00:09:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche bei jedem selber ein bisschen herauszufinden, wo der Weg durchgehen
könnte.

[00:09:19.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle Geschichten sind ein bisschen anders und jeder erzählt auch seine Geschichte ein
bisschen anders.

[00:09:28.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dann aus diesen vielen Daten die Muster ein bisschen herausholen.

[00:09:37.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet schon ähnliche Muster, aber nie die gleichen.

[00:09:41.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es schwierig mit der sogenannten Diagnose.

[00:09:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar Charakteristika, die herausstehen beim ADHS/ADS.

[00:09:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können dann viel andere aufzählen.

[00:09:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufmerksamkeitsstörung benenne ich mit breite Aufmerksamkeit.

[00:10:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache immer Vergleiche zu den Tieren.

[00:10:16.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Hund in einen Raum reinkommt, geht er überall rumschmecken und gucken.
Er orientiert sich.

[00:10:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben eine breite Aufmerksamkeit. Es interessiert sie alles.

[00:10:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen auch: ich merke sofort alles, wenn ich ins Zimmer reinkomme.

[00:10:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie merken die Stimmungen.

[00:10:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragt man die Mütter: welches Kind merkt am ehesten, wenn es ihnen nicht so gut geht,
ist es immer das ADHS/ADS Kind.

[00:10:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht nur visuell, kognitiv, breit interessiert, sondern auch emotional.

[00:10:51.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit, die führt natürlich dann dazu, dass wenn der Lehrer nicht so
interessant ist oder die Lehrerin, dass man dann seine Aufmerksamkeit irgendwo
anders hintut.

[00:11:02.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer sind eigentlich immer auch ein bisschen Unterhalter. Wenn sie das nicht
schaffen, dann geht die Aufmerksamkeit weg.

[00:11:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Eigenschaft ist das Sensorische.

[00:11:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben eine hohe Sensitivität.

[00:11:19.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr sensibel auf Verletzungen, Kränkungen.

[00:11:25.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dieser hohen Sensibilität geht auch ein starkes Gerechtigkeitsempfinden einher.

[00:11:33.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Ungerechtigkeiten passieren, nicht nur ihnen gegenüber, auch in der Klasse oder
in der Gesellschaft, dann können sie das fast nicht aushalten.

[00:11:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie den Mund nicht halten, dann müssen sie etwas sagen.

[00:11:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt schon die nächste Eigenschaft: die hohe Impulsivität.

[00:11:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt dann schlechte Impulskontrollen.

[00:11:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Kind, das zappelt umher, das kann seine Bewegungen noch gar nicht
kontrollieren.

[00:12:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder ein bisschen grösser werden, dann lernen sie damit, sich zu
kontrollieren.

[00:12:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Süden ist das ein bisschen anders, also Italien, Griechenland, Spanien, ist auch ein
bisschen dazwischen, dort tut man das Kind nicht so stark auf gehorsam oder auf sich
kontrollieren müssen, trimmen.

[00:12:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler haben einen starken Bewegungsdrang.

[00:12:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler haben eher eine starke interne Aktivität, die denken viel.

[00:12:47.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADSler wohlfühlen, dann können sie einem auch drein reden, warten nicht,
bis der anderen seinen Satz fertig gemacht hat.

[00:12:59.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt schnell eine Interaktion, die stört.

[00:12:59.550] – Dr.med. Ursula Davatz
So werden sie zu Störefrieden in der Klasse. Gewisse spielen den Clown. Das sind
meistens die Jungs, können aber auch Mädchen sein.

[00:13:08.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stehlen sie dem Lehrer die Show. Das mag die Lehrperson nicht und dann gibt es
Konflikte.

[00:13:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlechte Impulskontrolle.

[00:13:23.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Positiv gesagt, ist es eine grosse Spontanität.

[00:13:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss sofort, was abläuft.

[00:13:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ gesagt ist es eine schlechte Impulskontrolle.

[00:13:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Impulskontrolle läuft über die Pyramidenbahnen, die im Rückenmark runtergehen.
Die werden in der Kindheit, Pubertät ausgebildet.

[00:13:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn der ADHS/ADSler reift später.

[00:13:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man neurologisch schaut, ist das Gehirn der ADHS/ADSler stärker vernetzt mit
dem gesamten Gehirn.

[00:13:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht die breite Aufmerksamkeit, macht aber auch die leichte Ablenkbarkeit und
die leichte Störbarkeit.

[00:14:15.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn reift in der Pubertät.

[00:14:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler reifen eher ein wenig später.

[00:14:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät findet eine Hirnumstrukturierung statt.

[00:14:29.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Synapptic Pruning.

[00:14:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Baby hat ganz viele Synapsen, die ganz viele Möglichkeiten anbieten.

[00:14:42.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Zum Beispiel auch die Muttersprache.

[00:14:45.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang hört das Kind alle Laute

[00:14:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Muttersprache gelernt wird, dann schränkt sich das Gehör ein und auch der
Kehlkopf und die Steuerung vom Sprachorgan schränkt sich ein auf die Muttersprache.

[00:15:00.520] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man nur noch eine weitere Sprache akzentfrei lernen, bevor man durch die
Pubertät durch ist.

[00:15:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr begabte Leute, ADHS/ADS Menschen, die auch nach der Pubertät eine
Sprache noch akzentfrei lernen können.

[00:15:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauspieler müssen das können.

[00:15:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertätsphase läuft das Synapptic Pruning ab, das heisst, verschiedene
Schaltstellen im Hirn werden abgestellt, gekappt, es werden grosse Nervennetze
angelegt, so wie Autobahnen. Das Gehirn wird ein bisschen vereinfacht.

[00:15:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss so sein. So kann man schneller lernen, schneller reagieren.

[00:15:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen das verspätet.

[00:16:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bewirkt auch, dass sie weiterhin eine breite Aufmerksamkeit haben.

[00:16:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommen wir noch mal zu einer Eigenschaft, das ist die Kreativität.

[00:16:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind in der Regel kreativer, sie können besser Grenzen überschritten,
nicht nur gesetzliche Grenzen, auch Denkgrenzen.

[00:16:25.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Methoden, wo man sieht, ob sie/er gut kann, Grenzen
überschreiten kann.

[00:16:31.846] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Worth-Test

[00:16:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Kreativität.

[00:16:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kreativität, die braucht ein bisschen Platz.

[00:16:48.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Kind in einer relativ rigiden Familie aufwächst, das heisst, es wird
schnell an Regeln gewöhnt, dann wird die Kreativität eher abgeklemmt. Dann kann sich
das Kind nicht richtig entwickeln.

[00:17:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn relativ viel Offenheit da ist und das Kind darf experimentieren, dann kann es sich
gesund entwickeln und dann gibt es Forscher daraus.

[00:17:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein war ein ADS Kind, der denkende Typ, nach innen aktiv.

[00:17:32.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es genügend Raum, können sich die Fähigkeiten von den Kindern entwickeln.

[00:17:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben natürlich ganz unterschiedliche Fähigkeiten.

[00:17:37.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Roger Federer, Michael Phelps sind ADHSler.

[00:17:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk war ein Autist, ADSler.

[00:18:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autist ist manchmal noch eine Spracherwerbsstörung dabei.

[00:18:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht bei allen ADHS/ADSlern dabei.

[00:18:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt häuft mit einer Legasthenie (LRS), Dyskalkulie vor.

[00:18:27.256] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/Magie_der_ADHS_ADS_Gene.pdf

[00:18:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombinationen kann man nicht voraussagen und das ist unterschiedlich bei den
Mädchen und den Knaben.

[00:18:35.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hyperaktivität ist vermehrt bei Knaben.

[00:18:38.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen können sich besser beherrschen.

[00:18:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum kommen die Knaben mehr in Konflikt.

[00:18:44.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe acht Jahre auf der Aarburg als Konsiliarärztin gearbeitet und habe mich immer
auch mit der Delinquenz befasst.

[00:18:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Gefängnissen hat es viele ADHS Männer, welche eine unklare Struktur hatten
und auch eher eine bestrafende Erziehungsmethode.

[00:19:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Genügend Platz lassen heisst das nicht, einfach nur alles freilassen und Chaos
entstehen zu lassen.

[00:19:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder nicht gut.

[00:19:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Rahmen von der Summerhill Erziehungsmethode, wo man gesagt hat, anti-autoritäre
Erziehung, einfach alles immer machen lassen, wenn man das mit den ADHS/ADSler
macht, gibt es wieder Stress. Sie können sich nicht so gut strukturieren.

[00:19:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie brauchen einen gewissen Halt.

[00:19:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Regeln, es braucht Strukturen, aber nicht zu enge Strukturen.

[00:19:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man von der autoritären Erziehung geredet, dann von der anti-autoritären
und heute spricht man von autoritativen Erziehung.

[00:20:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, man hat Regeln, man sagt die auch, aber man sagt zum ADHS/ADS-Kind
nicht: du musst, du sollst.

[00:20:16.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man sagt, du musst, du sollst, ist das eine Grenzüberschreitung.

[00:20:21.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Beleidigung.

[00:20:23.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: warum hast du nicht so lange? Ist es eine Beschämung.

[00:20:28.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ADHS/ADSler ist es ganz wichtig, dass man seine Prinzipien klar sagt.

[00:20:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul hat nicht von ADHS/ADS gesprochen.

[00:20:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle seine Methoden sind super für Menschen mit ADHS/ADS.

[00:20:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt, man darf nicht dem Kind sagen: du musst, du sollst, sondern: ich will.

[00:20:51.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss seinen eigenen Willen kund tun und die Energie bei sich lassen.

[00:20:55.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern sage ich: sie müssen sagen was sie wollen, nicht was sie nicht wollen.

[00:20:59.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen eine mentale Präsenz haben und ihre Präsenz ist da im Kopf, aber nicht
auf das Kind gedrückt.

[00:21:11.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Energie gegen das Kind wirken lässt, dann gibt es eine Abwehr.

[00:21:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder gibt es einen Rückzug, man kommt gar nicht mehr an sie ran oder es gibt
eine Aggression.

[00:21:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gehorchen sie nicht, dann werden sie frech und dann am Schluss ist es der
Lehrer oder die Lehrerin, welche darunter leidet.

[00:21:35.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe natürlich einige Beispiele aus der Schule.

[00:21:38.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Schulverweigerer, die dann mit den Elteren zusammen vorbei kommen.

[00:21:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann höre ich die schrecklichsten Geschichten, wie das Kind beschämt wird, wie die
Erziehenden in einen Machtkampf mit dem Kind gehen und das ist nicht gut.

[00:21:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen, man muss sagen, was man will, man muss sagen, was wichtig ist, man
muss Prinzipien durchgeben, aber nicht Befehle.

[00:22:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien durchgegeben, das verlangt eine eigene Autorität, eine eigene
Selbstsicherheit, aber nicht dem anderen das Genick runter blasen oder den anderen
fertig machen.

[00:22:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Beschämung wird überhaupt nicht gelernt.

[00:22:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sind in den Schulen viel Beschämungen verwendet worden.

[00:22:27.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre es auch jetzt noch, wie beschämt wird.

[00:22:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Beschämung darf man eigentlich nur verwenden, wenn man Aversionsverhalten
auslösen will.

[00:22:36.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel von den Eskimos.

[00:22:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eskimo-Kinder dürfen im Frühling nicht mehr auf das Eis gehen, wenn das brüchig
wird.

[00:22:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind dann trotzdem auf das Eis geht, dann nimmt man das vor die ganze
Gruppe und beschämt es.

[00:22:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lacht das Kind aus, dass es auf das Eis gegangen ist zu einem Zeitpunkt, wo es
nicht auf das Eis gehen durfte.

[00:22:57.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist das hilfreich.

[00:22:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beschämung verhindert, dass das Kind wieder auf das Eis geht zu dieser
Jahreszeit. Das will man.

[00:23:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will, dass das Kind überlebt.

[00:23:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, wenn man will, dass das Kind etwas lernt, darf man nicht beschämen,
dann lernt das Kind eher weniger.

[00:23:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann igelt sich das Kind ab, macht zu, oder das Kind wird aggressiv.

[00:23:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben werden eher aggressiv, die Mädchen ziehen sich eher ti zurück.

[00:23:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mädchen trifft man eher die Hyperaktivität nach innen an. Das ist das ADS.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erwachsene Frauen in Behandlung, die garantiert ein ADS haben, die nie
getestet worden sind.

[00:23:42.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme nur immer die Anamnese auf und meistens drei Generationen Anamnese.

[00:23:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sehe ich die verschiedenen Erscheinungen, die da auftreten im Familiensystem.

[00:23:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Darunter gibt es Frauen, welche sich ständig Geschichten erfinden.

[00:23:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist immer aktiv und erfindet immer eine Geschichte.

[00:24:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es langweilig ist, wird eine Geschichte erfunden. Im Tram, im Bus, immer eine
Geschichte.

[00:24:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie arbeiten, geht das weg und wenn sie wieder alleine sind, geht das wieder
weiter.

[00:24:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Negativ redet man von „Kino im Kopf" oder „das Kopfkino".

[00:24:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sagen viele Frauen.

[00:24:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man ein Wissenschaftler ist und immer sucht, dann ist man ständig am Suchen.

[00:24:34.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Familie haben wir dann vom zerstreuten Professoren geredet, welcher den
WC-Deckel mitgenommen hat, anstatt seine eigene Mappe, weil er so stark beschäftigt
ist mit seiner Geschichte.

[00:24:46.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind halt dann Forschungsgeschichten.

[00:24:49.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADS ist hilfreich in der Forschung, weil es nicht loslässt.

[00:24:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort setzt dann auch der Hyperfokus ein. Wenn man sich für etwas interessiert, dann
kann man hyper fokussieren, dann kann man sie nicht mehr wegbringen von dem, was
sie interessiert.

[00:25:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man auch von Albert Einstein gesagt.

[00:25:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat nicht gegessen, nicht getrunken, nicht geschlafen. Seine Frau musste ihm immer
sagen: jetzt musst du wieder etwas trinken, jetzt musst du wieder etwas essen, jetzt
musst du ins Bett gehen.

[00:25:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute findet man diese Frauen nicht mehr, dann gehen diese Männer eher verloren,
dann müssen sie es selber lernen.

[00:25:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz

ASS, Autismus-Spektrum-Störung, sobald man es nicht mehr so klar eingrenzen kann,
redet man dann von Spektrums-Störung.

[00:25:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher haben wir nur von Autismus oder Asperger geredet und heute redet man von
Autismus-Spektrums-Störung.

[00:25:48.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Langsam sprechen sie auch von ADHS Spektrums-Störung.

[00:25:53.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist konsequenter. Dann ist es nicht so genau abgrenzt.

[00:26:01.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten haben oft noch ein Spracherwerbsproblem.

[00:26:06.730] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS ist zu 80% vererbt und Autismus ist noch ein bisschen mehr vererbt.

[00:26:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprachstörungen die sind vererbt, die sind im Gehirn, da ist das Gehirn ein
bisschen anders, Verbindungen zwischen dem Gehirn sind ein bisschen anders.

[00:26:35.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man immer: die haben keine Empathie, die können keine Mimik
lesen.

[00:26:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Autisten, welche noch eine Agnosie haben, welche die Mimik nicht richtig
erkennen können.

[00:26:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben nicht alle.

[00:26:58.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie die Mimik nicht richtig lesen.

[00:27:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind Autisten eher hyper sensibel, hyper empathisch.

[00:27:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie in ein System Overload reinkommen, wenn sie zu viel Reiz haben und den
Reiz nicht mehr prozessieren können, dann macht es zu und dann ist das so wie bei
der Schnecke, wenn man seine Fühler berührt, gehen die einfach rein und dann merkt
es natürlich nichts mehr.

[00:27:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können dann auch die eigenen Gefühle nicht mehr wahrnehmen, die sind dann
völlig blockiert, überreizt.

[00:27:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Zustand Autismus, also das Wort, hat man eigentlich ursprünglich bei den
Schizophrenen verwendet.

[00:27:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war auch in einem Zustand vom System Overload, wo gar nichts mehr geht.

[00:27:44.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bewusstsein ist noch da, aber die Reaktionsfähigkeit ist völlig weg, keine
Handlungsfähigkeit mehr.

[00:27:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich spreche von Folgekrankheiten und nicht von Komorbidität.

[00:28:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:28:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst würde es keine wahnsinnig erfolgreichen ADHS/ADSler geben.

[00:28:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mannen sind es häufig Business-Leute, Forscher, Sportler etc.

[00:28:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Krankheit, dass sie den Sport so gut machen.

[00:28:29.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben einfach ein bisschen ein anderes Gehirn.

[00:28:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihren Fokus finden, ihren ganz persönlichen Fokus, dann gehen sie ab wie
eine Rakete.

[00:28:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nicht von einer Krankheit sprechen.

[00:28:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der leichten Ablenkbarkeit spricht man noch von der schlechten Filterfunktion.

[00:28:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Hirn ist so gemacht, dass es sich einstellen kann auf fokussieren und wenn dann
ein anderer Reiz kommt, dass es dann ausblendet.

[00:29:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können das weniger gut. Darum die leichte Ablenkbarkeit.

[00:29:00.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Erwachsenenalter kommt Prokrastination, auf Schweizerdeutsch sagt man auf
Aufschibitis.

[00:29:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen etwas machen, sie wissen es ist der Plan, die Pflicht, aber sie tun es einfach
nicht. Sie ärgern sich dann über sich selber, sie tun es dann auf ihre To-Do-Liste.

[00:29:35.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin von den To-Do-Listen nicht begeistert.

[00:29:42.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen es dann nie. Sie schieben auf.

[00:29:55.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat andere Methoden. Es gibt heute auch viele ADHS/ADS Coaches.

[00:30:10.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sagt nur drei Dinge auf die To-Do-Liste tun.

[00:30:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erste ist wahnsinnig wichtig, muss unbedingt gemacht werden, das Zweite ist
wichtig, das Dritte wird nur gemacht, wenn noch Zeit und Energie übrig ist.

[00:30:25.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die lange Liste kommt danach.

[00:30:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die drei abgearbeitet sind, holt man neue Aufgaben hervor.

[00:30:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Studenten durch ihre Abschlussarbeit begleitet. Zu den Studenten sage
ich: ihr müsst auch vornehmen: wann, an welchem Tag, wollt ihr das Lernen, Studieren.
Zu welcher Zeit? Morgens um 8 Uhr? Nachmittags um 14.00 Uhr? An welchem Ort wollt
ihr lernen?

[00:30:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss genau fokussiert werden.

[00:30:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche es mit dem Adler, der runter sticht aus der Luft und seine Beute findet.

[00:31:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich vorbereiten.

[00:31:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler sagte zu mir: als er Konzerte angenommen hat, hat sich sein
Kopfkino in den Hintergrund verschoben.

[00:31:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich im Hinterkopf vornehmen, dann zu dieser Zeit, an dem Ort, mache ich
das. Man muss sich vorher einschränken, fokussieren.

[00:31:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf keinen Fall sagen: ich sollte dann noch, ich sollte das schon lange machen.

[00:31:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine Fokussierung.

[00:31:50.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert es auch nicht.

[00:31:50.540] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen sich viel stärker persönlich fokussieren.

[00:31:50.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich am Riemen reissen und sagen: dann mache ich es. Dann wird nicht
ausgewichen.

[00:32:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort braucht es dann eine gewisse Disziplin.

[00:32:06.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche das lernen, werden erfolgreich.

[00:32:16.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn gefragt: wie war es als Kind? Hast Du immer selber alles gemacht, oder
hat dich die Mutter immer daran erinnert? Das ist ein Problem.

[00:32:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter immer den Kalender des Kindes im Kopf haben und bei jeder
Gelegenheit sagen: jetzt musst du, hast Du das gemacht? Hast du das nicht
vergessen? Dann lernen sie es nicht.

[00:32:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen 50-Jährigen Professor. Er konnte nicht alleine seine Dinge tun.

[00:32:52.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Kinder fragen, man kann die Kinder daran erinnern, aber wenn man die
Erinnerungsfunktion voll übernimmt, lernt es das Kind nie.

[00:33:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte in der Pubertät damit beginnen, dass die Kinder selber übernehmen können.
Dann wird es in die Persönlichkeit eingebaut. Wenn es die Mutter immer für sie macht,
dann muss man die Mutter überall hin mitnehmen.

[00:33:10.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht. So findet man auch keine Frau.

[00:33:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ordnung ist auch eine Konsequenz.

[00:33:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Messi-Syndrom. Sehr viele ADHS/ADSler haben zu Hause ein Messi Syndrom.

[00:33:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht sind sie an der Arbeit sehr strukturiert.

[00:33:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind auch überstrukturiert, überpedantisch und sind dann wahnsinnig gut
strukturiert an der Arbeit und zu Hause bricht alles zusammen.

[00:34:04.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es so schlimm, dass sie es fast nicht mehr aushalten.

[00:34:10.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Spitex-Schwestern und Ergotherapeuten helfen zu Hause aufzuräumen. Auch ADHS/
ADS Coaches helfen zu Hause aufzuräumen, für teures Geld.

[00:34:11.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Es lohnt sich, dass man im Pubertätsalter lernt, sich zu strukturieren, seine Ordnung zu
halten.

[00:34:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter kann man es dem Kind beibringen.

[00:34:35.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: tu das und das und das.

[00:34:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine grössere Struktur setzen.

[00:35:04.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Vortrag gehalten zum Thema: Empathie vs Selbstfürsorge.

[00:35:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=-uT4JDHmkLQ

[00:35:04.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben die Tendenz, weil sie emotional engagiert sind, weil sie Helfertypen sind,
Krankenschwester sind auch alles Helfertypen, haben die Tendenz über die Empathie,
über die Wahrnehmung von den Problemen, zu helfen und gehen dann selber verloren.

[00:35:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen sie mit 30, 40 Jahren, ich habe immer nur für anderen etwas gemacht
und ich bin selber verloren gegangen.

[00:35:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen Frauen, die über das klagen, sage ich: sie müssen irgendwas
machen, was gar niemandem etwas hilft, was nur für sie ist.

[00:35:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich probiere sie, auf sich zu fokussieren.

[00:35:58.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen, Mütter, die können sich auf die Kinder fokussieren. Dann sind sie auch
wieder beschäftig.

[00:36:07.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder alle ausziehen, kommt das Empty Nest Syndrom.

[00:36:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen, welche nie gelernt haben, etwas eigenes zu verfolgen, die sind dann verloren.
Das ist Menopause Depression.

[00:36:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sollen zu den Kindern nicht "Nein" sagen. Nein, das will ich nicht.

[00:36:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Erziehung muss man immer sagen: ich möchte es so.

[00:36:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, du hast das so gedacht.

[00:36:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende das Wort: Validierung.

[00:37:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, aus welchem Grund hat das Kind, die Person das so
gemacht?

[00:37:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist Fehlerkultur.

[00:37:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder denken unterschiedlich, Erwachsene denken unterschiedlich. Was hast du dir
überlegt, als du das so gemacht hast?

[00:37:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht degradierend, sondern: was sind Deine Gedanken gewesen? Ah, ok. Validieren.

[00:37:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt es so, wie man es will.

[00:37:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Gegenüber immer akzeptieren, so wie es ist, wie es geartet ist und dann
sagen wie man es möchte.

[00:37:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Methode für alle Leute.

[00:37:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist es noch wichtiger, dass man diese Methode verwendet.

[00:37:47.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern muss man auch beibringen, dass sie keine impulsiven Entscheide
treffen.

[00:38:04.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind spontan, so schnell. Sie sehen irgendetwas. Sie sagen sofort: ich mache mit.
Am Schluss haben sie eine grosse Aufgabenliste, dass sie nicht mehr weiter wissen.

[00:38:19.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Den ADHS/ADSler muss man sagen: schlafe noch einmal darüber, bevor du
enthusiastisch ja sagst.

[00:38:29.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Antoine de Saint-Exupéry leite ich das ab: on ne vois bein que avec le coeur. Das
Herz hat keine Augen, aber es spürt. Il faut consulter votre coeur. Sie müssen ihr Herz
fragen, was sie eigentlich möchten.

[00:38:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Stapferhaus in Lenzburg gab es eine Ausstellung zum Thema Entscheiden. Dort
konnte man sehen, was für ein Entscheidungstyp man ist.

[00:38:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind eher der spontane, schnelle Entscheidungstyp, reissen alles an und dann
geht es nicht. Sie müssen sagen: ich muss zuerst überlegen.

[00:39:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind die Typen, welche gar nicht entscheiden, weil sie im Kopf so viele
Möglichkeiten durchgehen und immer für und wieder.

[00:39:23.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man rein auf kognitiver Ebene entscheiden will, funktioniert das nicht.

[00:39:27.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein guter Entscheid muss immer verbunden sein mit dem Herz.

[00:39:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man sein Herz spürt und was man eigentlich will, also seine Emotionen, muss
man ein bisschen inne halten und ein bisschen hören.

[00:39:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz

So muss ich ADHS/ADSler dazu anhalten, dass sie anhalten, warten, ein wenig
überlegen und dann entscheiden.

[00:39:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mal einen Entscheid getroffen haben, dann gehen viele wieder zurück und
sagen: hätte ich nicht so entscheiden sollen? Dann geraten sie in eine Ambivalenz. Das
ist eine Katastrophe. Aus dieser Ambivalenz kommt man nicht mehr heraus.

[00:39:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: sie haben dort so entschieden. Das ist okay. Jeder Entscheid hat seine Vor-
und Nachteile. Es führen viele Wege nach Rom. Bleiben sie bei ihrem Entscheid.

[00:40:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch um entscheiden.

[00:40:27.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man um entscheiden muss, muss man klar um entscheiden.

[00:40:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt weiss ich mehr, habe mehr darüber nach gedacht. Jetzt entscheide ich um.

[00:40:46.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Erziehung.

[00:40:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so, wie es Donald Trump jetzt macht. Heute das, morgen das.

[00:40:57.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz klar, nach diesen Kriterien habe ich damals so entschieden, jetzt bin ich alles
durch gegangen, aus diesem Grund entscheide ich jetzt um.

[00:40:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man als Eltern machen, das darf man als Lehrer machen.

[00:41:05.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Klare Umentscheide sind absolut in Ordnung.

[00:41:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so hin und her, ambivalent, heute das, morgen das.

[00:41:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die rein autoritäre Erziehung ist nicht gut, die Laissez-faire Erziehung ist nicht gut.

[00:41:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich gewisse Prinzipien zulegen.

[00:41:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es in der Kindheit nicht mitbekommen hat, dann muss man sich das selber
aneignen.

[00:41:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Prinzipien werden integriert im Gehirn, wenn man es mehrmals gleich macht.

[00:41:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es gleich macht, wird es zur Gewohnheit. Dann muss man nicht mehr frisch
entscheiden.

[00:41:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man sich gewisse Gewohnheiten zulegt.

[00:42:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz

In jedem Beruf, speziell auch im Pflegeberuf, da hat man Regeln, was man machen
muss, also wie man desinfiziert, etc.

[00:42:10.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Gewohnheiten, solche Regeln, solche Prinzipien soll man sich auch selber in
seinem Privatleben zulegen.

[00:42:21.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine Routine und dann funktioniert es mit weniger Energie.

[00:42:27.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert schon in der Pubertät im Gehirn, beim Synaptic Pruning.

[00:42:43.720] – Dr.med. Ursula Davatz
What fires together wires together.

[00:42:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
https://neurosciencenews.com/wire-fire-neurons-19835/

[00:42:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zusammen gemacht wird, wird im Gehirn vernetzt.

[00:42:54.915] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es viel leichter, wenn man sich gewisse Prinzipen zulegt.

[00:43:08.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Morgen. Wie stehe ich auf?

[00:43:14.370] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler stellen sich den Wecker. Ach nein ich bin noch so müde, ich schlafe noch
10 Minuten länger. Am Schluss sind es zwei Stunden, bis man endlich aufsteht. Nicht
gut.

[00:43:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss ich ein klares Morgenritual zulegen.

[00:43:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wecker klingelt, ich stehe auf.

[00:43:44.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Eltern sage ich: nicht mehr als drei Mal das Kind erinnern. Dann wird es
ausgeleiert.

[00:43:57.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sollte beim ersten Mal funktionieren.

[00:44:02.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Aller guten Dinge sind drei.

[00:44:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei sich selber solle man es auch so machen.

[00:44:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich aufraffen und ein gutes Morgenritual haben, ob das Duschen ist, Kaffeetrinken,
Musik hören, Stretching machen, was auch immer. Jeder hat ein anderes Morgenritual.

[00:44:19.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt am Abend.

[00:44:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler haben Schlafstörungen, weil sie all ihre unerledigten Sachen mit in
das Bett nehmen.

[00:44:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:44:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht ein Ritual zum herunterfahren.

[00:44:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor dem Schlafen gehen, keine grossen Probleme diskutieren, sei das mit dem Partner
oder mit den Kindern. Wie man einen Computer runterfährt. Alle Fenster und Prozesse
schliessen und runterfahren, bis alles ausgeschaltet ist.

[00:44:38.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer haben keine gute Fehlerkultur. Wir wollen alles richtig machen, alles
exakt machen. Wenn man Fehler macht, gibt man die nach Möglichkeit nicht zu.

[00:44:38.869] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernt man.

[00:44:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Fehlüberlegungen nachgeht, sieht man was man denkt und dann sieht
man auch wie anders gedacht worden ist.

[00:44:55.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste schon in der Schule gemacht werden.

[00:45:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel in der Mathematik. Was für Fehler, Weichenstellungen hast du falsch
gemacht, damit du bewusster weisst, nein, es geht so.

[00:45:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Mut zu Fehlern.

[00:45:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passieren einem ohnehin immer Fehler.

[00:45:21.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Spitäler haben bessere Fehlerkulturen, andere schlechtere Fehlerkulturen.

[00:45:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man keine gute Fehlerkultur hat, wird gelogen, überdeckt, versteckt. Das ist keine
gute Atmosphäre zum Lernen.

[00:45:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorgesetzte dürfen Fehler nicht bestrafen, sonst weicht man aus.

[00:45:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind beginnt zu lügen, es wird alles verdeckt und unter den Teppich gewischt.

[00:45:51.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch wird Ausweichverhalten gefördert.

[00:46:07.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler genau anschauen, was hast du dir dabei überlegt?

[00:46:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du dir dabei nichts gedacht? Nicht beschämen. Nicht brüskieren.

[00:46:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau den Weg des Fehlers anschauen.

[00:46:33.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicillin erfunden. Er hat die Agarplatte draussen stehen
lassen. Schlampig, das tut man gar nicht. Dann ist das Penicillin darauf gewachsen.
Hätte er den Fehler nicht gemacht, dann wäre das Penicillin nicht gewachsen.

[00:46:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Genetik laufen auch viele Fehler. Fehler sind Neuigkeiten.

[00:47:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das ADHS/ADS Gehirn, welches Fehler macht und über die Grenze hinaus
denken kann und sich nicht immer ganz genau an die Regeln hält.

[00:47:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Fehler machen enthält auch viel Kreativität. Die muss man nutzen.

[00:47:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADHS/ADSlern passieren viele Fehler.

[00:47:29.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler können sich weniger gut konzentrieren, wenn es um eine
automatische, langweilige Arbeit geht. Serien zählen etc. Das sieht man auch bei den
psychologischen Tests.

[00:47:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Medikamenten.

[00:47:33.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin, Concerta, Focalin, Medikinet, etc.

[00:47:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Medikamente wirken alle im Dopamin System.

[00:48:03.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort tritt wieder die Schizophrenie auf.

[00:48:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler gibt man Medikamente, welche Dopaminerg sind. Das sind
Amphetamine, Uppers, die stimulieren einem.

[00:48:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schizophrene hat zu viel Dopamin. Dem gibt man Neuroleptika. Den muss man
wieder runter dämpfen.

[00:48:37.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler als Erwachsene Ritalin bekommen, dann werden sie stimuliert,
dann denken sie noch mehr.

[00:48:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wirkt noch nicht, dann will ich noch mehr.

[00:48:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es wie eine Droge verwendet und was passiert dann? Sie werden
psychotisch, schizophren.

[00:48:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht immer mehr, wenn ADHS/ADSler zu viel mit Amphetamin behandelt
werden.

[00:48:57.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Dopaminsystem kann auch über den Sport aktiviert werden.

[00:49:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele ADHS/ADSler sind sportlich, gehen Joggen.

[00:49:06.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss seinen Sport rausfinden.

[00:49:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch andere Hobbys sein, ein Musikinstrument spielen, also jeden Tag
Klavier spielen, für sich selber nicht um ein Pianist zu werden, einfach zum Freude
haben am Spiel.

[00:49:33.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Aktivität wird das Dopamin auch ausgeschüttet. Dann kann man sich auch
besser konzentrieren.

[00:49:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach der Turnstunde passen die Schüler besser auf, weil sie ihr Dopaminsystem
aktiviert haben.

[00:49:42.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuviel Dopamin macht eine Psychose.

[00:49:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie soll man mit ADHS/ADS Patienten oder Mütter von ADHS/ADS Patienten
umgehen?

[00:50:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen haben eine hohe Sensibilität, sie spüren sofort, wie man auf sie
eingestellt ist.

[00:50:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es einem langweilt mit der Patientin und denkt, das ist eine unangenehme
Person, das emotional Interaktive zwischen dem Behandler (Arzt, Krankenschwester,

Physiotherapeut, etc.) und dem Patienten, die merken sofort ob man auf sie bezogen ist
oder nicht.

[00:50:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ADHS/ADSler unter den Ärzten gibt, haben die ein gutes Gespür für den
Patienten.

[00:50:53.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Müssen die etwas tun, wo sie das Gefühl haben, dass es für den Patienten nicht gut ist,
das tut dem weh, das ist nicht richtig, dann haben sie eher Mühe die Behandlung
durchzuführen.

[00:51:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allem das Schmerz erzeugt, hat man dann auch eher Mühe und muss sich auch
mehr überwinden.

[00:51:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Pflegenden gibt es viele ADHSler.

[00:51:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Ärzten gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Lehrern gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:51:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles aus dem Grund, weil sie eigentlich das Gespür für den Mensch haben, eine gute
Empathie.

[00:51:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist primär eine Gabe.

[00:51:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt viel Technik dazu, kann es schwierig werden.

[00:51:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihre SchülerInnen betreuen, ist es wichtig, dass sie ihre Gabe wahrnehmen,
diese pflegen und das Andere hinzu tun.

[00:51:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man weniger mit Computern gearbeitet.

[00:51:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute geht man zum Arzt, der sitzt am Bildschirm. Dann fühlen sich die Patienten gar
nicht mehr wahrgenommen.

[00:52:05.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Technik hat stark Überhand genommen, ist so wichtig, ist wichtiger als die
Beziehung zum Patienten, aber es zahlt sich nicht aus.

[00:52:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man seine Beziehung zum Patienten, Schüler pflegt.

[00:52:48.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Empathie, welche ADHS/ADSler haben, die geht weg, wenn sie zu viel kritisiert
werden.

[00:52:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler machen Fehler und werden oft dafür kritisiert.

[00:52:54.630] – Dr.med. Ursula Davatz
ich immer wieder, validieren und erst dann sagen, wie man es will.

[00:53:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die ADHS/ADSler zurückholen in die Beziehung, dann können sie sich
weiterentwickeln.

[00:53:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.

[00:53:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zu ihrem Lehrling eine Beziehung haben. Es muss wohlmeinend sein. Es
darf nie nur Sachwissen sein.

[00:53:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst funktioniert es nicht beim ADHS/ADS.

[00:53:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind sehr sensibel, sie spüren allen hinten dran.

[00:53:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la musique.

[00:54:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hört den emotionalen Ton, der wird wahrgenommen. Der emotionale Ton wird mehr
wahrgenommen als der Inhalt.

[00:54:11.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie, dass der Inhalt ankommt, müssen sie ruhig sein, ohne einen verurteilenden
Ton, ihrem Lehrling etwas sagen.

[00:54:32.430] – Bemerkung 1
Sie sagen ADHS/ADS ist genetisch. Kann man das auch erwerben über die
Digitalisierung?

[00:54:49.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um das Gehirn. Das Gehirn hat viele Möglichkeiten. Wenn man mit dem Gehirn
ungeschickt umgeht, nicht passend zum dem Gehirn, kann es alle möglichen,
schlechten Eigenschaften entwickeln.

[00:54:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht ursprünglich das ADHS/ADS, welches die schlechten Eigenschaften hat,
sondern das ist die Interaktion, also die genetische Umweltinteraktion, die dann das
macht.

[00:55:24.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn. Unser Gehirn kann nur die Reaktionen bringen, welche es
hat.

[00:55:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können über verschiedene Methoden in einem Gehirn Dinge ausgelöst werden.

[00:55:32.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität, die schnelle Reaktivität, die Impulsivität, das ist nicht erworben.

[00:55:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Hirnstruktur drinnen.

[00:55:49.350] – Bemerkung 2
Welchen Einfluss sehen sie von der Digitalisierung?

[00:55:58.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein grosses Problem.

[00:56:01.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat Untersuchungen vom kindlichen Gehirn gemacht, wenn das Kind immer das
Handy angeschaut hat. Dann sind ein paar wenige Vernetzungen im Gehirn geschehen.
Wenn das Kind mit der Mutter oder einer Person interagiert hat, war alles viel mehr
vernetzt.

[00:56:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Jugend nur mit dem Handy vernetzt ist, verlernen sie die Sozialkompetenz.
Sie verlernen das Gesicht zu lesen.

[00:56:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Emoji lernt man keine Mimik erkennen. Das ist immer gleich.

[00:56:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Gefahr.

[00:56:41.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles auf dem Internet ist gemacht für den Verkauf.

[00:56:46.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Verkauf läuft über die Sensation.

[00:56:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sensation läuft häufig über die Angst.

[00:56:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Mittelhirn anschaut, das limbische System im Gehirn, die haben die
Amygdala, zwei Zentren, das Zentrum für die Angst und die Sensation ist grösser als
das Zentrum für das Wohlfühlen.

[00:57:21.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbung versucht immer das Angstzentrum zu aktivieren, damit mehr verkauft wird.

[00:57:31.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Werbeindustrie ist psychologisch zum Teil weiter als wir in der medizinischen
Psychologie. Das wird voll ausgenutzt.

[00:57:43.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass Eltern für die menschliche Interaktion einstehen, damit nicht
nur alles am Bildschirm abläuft.

[00:58:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe keine keinen Kinder mehr. Ich habe nur noch Enkelkinder.

[00:58:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein grosses Problem.

[00:58:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit diese Medien werden auch ein bisschen Autisten erzogen.

[00:58:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht ein bisschen in Richtung abgekapselt sein, nur noch das und eine kurze
Aufmerksamkeitsspannung.

[00:58:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will sich nicht mehr lange einsetzen.

[00:58:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Findet ein Mensch seinen Fokus, dann kann er es schon.

[00:58:22.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dabei helfen.

[00:58:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Medien spielen eine grosse Rolle.

[00:58:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kriegt deswegen keine ADHS/ADS Gene.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sind nach Amerika ausgewandert.

[00:58:38.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Europa verlassen, weil ihnen das zu eng war.

[00:58:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA haben sich ADHS/ADS Gene angesammelt.

[00:58:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man auch an der schlechten Handschrift. Die haben eine schlechtere
Handschrift als wir. Sie haben diese auch nicht geübt.

[00:59:13.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer hat es mehr ADHS/ADS Gene. Das war von Vorteil im Handel.
Gehen sie in Griecheland auf den Markt. Die sind wahnsinnig gut im Multi-Tasking.

[00:59:24.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird etwas verkauft, dort wird etwas geredet. Das sind alles ADHS/ADSler.

[00:59:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen dann vom südländischen Temperament, z.B. im Tessin.

[00:59:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Ländern wird es weniger diagnostiziert. Dort wird es nicht als pathologisch
angeschaut. Das ist einfach das Temperament, das gehört dazu.

[01:00:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es nicht viele Studien.

[01:00:14.990] – Bemerkung 3
Nimmt ADHS/ADS zu?

[01:00:18.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann nicht mehr zunehmen als was vorhanden ist. Es ist genetisch vererbt. Es wird
mehr entdeckt. Es wird mehr darauf geschaut.

[01:00:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Entdeckung nimmt auch zu, weil das Umfeld wahrscheinlich zu grossem Teil nicht
so günstig ist.

[01:00:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: es nimmt zu.

[01:00:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da es genetisch vererbt ist, kann es nicht einfach multipliziert werden.

[01:00:51.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die negativen Erscheinungen vom ADHS/ADS nehmen zu, weil das Umfeld nicht so
geschickt mit ihm umgeht.

[01:01:00.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang ist nicht persönlichkeitsgerecht, nicht artgerecht.

[01:01:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht artgerecht damit umgeht, gibt es Probleme und dann entstehen ganz
viele unterschiedlichen Folgekrankheiten.

[01:01:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt psychische Folgekrankheiten und es gibt körperliche Folgekrankheiten.

[01:01:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben dann viel Fibromyalgie, Gelenkschmerzen, Allergien, etc.

[01:01:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer gehen eher in die Delinquenz oder machen einen Herzinfarkt, wenn sie an der
Decke anstossen.

[01:01:40.160] – Bemerkung 4
Wie sieht es mit der Ernährung aus? Ich sage immer: nimm vor der Prüfung
Traubenzucker mit. Jemand mit ADHS/ADS sagt: kein Traubenzucker vor der Prüfung,
sonst ist man im Fluchtmodus. Dann kann man sich nicht konzentrieren.

[01:02:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin keine Ernährungsspezialistin.

[01:02:14.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man es stark mit den Omega Fettsäuren. Kein Zucker. Keine
Konservierungsmittel, etc.

[01:02:30.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher ist eine gesunde Ernährung gut.

[01:02:45.972] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde eine solide Ernährung wichtig. Protein und braunes Brot, das länger hinhält.

[01:02:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Traubenzucker macht, dass der Zucker hoch geht. Das hilft vielleicht denken, aber
es stösst keinen gesunden Mechanismus an.

[01:03:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen noch einen Ernährungsspezialisten fragen.

[01:03:13.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze prozessierte Essen ist nicht so gut. Es enthält viele Konservierungsmittel. Es
fällt weg, dass man sich selber etwas präpariert, dass der Mensch selber für sich sorgt.

[01:03:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Instant Zeugs aus den USA ist gar nicht gesund.

[01:03:30.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man braucht dann auch keine Zeit, um sein Essen vorzubereiten. Das ist eine
Erholungsphase, etwas anderes.

[01:04:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, wenn sie ein Hypo haben, aggressiv werden und sich gar nicht gut
konzentrieren können.

[01:04:05.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Hatte man eine solide Ernährung, dann hat man genügend Speicher, wo man es dann
rausholen kann.

[01:04:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schnellwirksame Zucker, der tut eigentlich den Körper immer ein bisschen falsch
stimulieren.

[01:04:28.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Fruchtzucker kann eine Leberverfettung machen.

[01:04:42.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was wir in unsere Metabolismus tun, dass schnell etwas bewirkt, ist nicht so
gesund.

[01:04:43.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://natuerlich.thieme.de/aktuelles/nachrichten/detail/fruchtsaefte-und-smoothies-warum-ein-zuviel-der-leber-schadet-1705

[01:04:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper balanciert am besten selber aus.

[01:04:57.720] – Bemerkung 5
Wir arbeiten in der Gruppe, dann gibt es einen Gruppenkonflikt. Wie kann man damit
umgehen?

[01:06:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Google hat eine Untersuchung gemacht: was ist das beste Team? Das Resultat war:
equal speaking time. Jeder darf gleich viel reden.

[01:06:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand zuviel Platz einnimmt mit reden, reden, reden, dann muss man
unterbrechen. Man draf unterbrechen.

[01:06:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man unterbricht, ist es hilfreich, wenn man sagt: ich weiss du hast da noch viele
Gedanken dazu, aber jetzt müssen noch andere zu Wort kommen.

[01:06:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche zu viel redet, zuerst validieren und dann umlenken.

[01:06:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz

In meiner Ausbildung wurde mir auch gesagt: ich kann nicht aufhören. Ich wollte meine
Patienten nicht frustrieren, in dem ich sie unterbreche. Ich musste lernen meine
Patienten zu unterbrechen.

[01:07:35.850] – Bemerkung 6
Unsere Arbeit ist stressig. Jemand sagt dann einfach: du gehst mir auf die Nerven. Das
ist die falsche Reaktion.

[01:07:47.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Gruppe leitet, ist es wichtig, das man beide Seiten berücksichtigt und
sagt; wir sind nicht alle gleich.

[01:07:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer verallgemeinern.

[01:08:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:08:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt etwas Verallgemeinerndes und sagt dann: okay, jetzt seid ihr wieder dran.

[01:08:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich zum Konflikt gehen, sondern: die ist so und ihr seid so und was willst du
sagen?

[01:08:34.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche frustriert sind aufrufen und sie fragen was sie wollen. Es geht nicht
darum einfach die Gegenpartei zu kritisieren.

[01:08:50.630] – Bemerkung 7
In der Gruppe ist das nicht immer möglich.

[01:09:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir arbeiten im zwischenmenschlichen Bereich.

[01:09:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jahrelang habe ich Weiterbildung gegeben für Spitex-Schwestern.

[01:09:38.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Einstieg war immer: was ist Ihr Stresssyndrom? Mit was reagieren sie, wenn sie
unter Stress kommen?

[01:09:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die einen bekamen Rückenweh, die anderen Kopfweh, die anderen haben viel geredet,
die anderen haben gar nicht mehr geredet, die anderen haben nicht mehr gewusst, was
zu sagen.

[01:09:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sehr viel selbst Selbstbewusstsein erlernen in unserem Beruf.

[01:10:04.780] – Bemerkung 8
Wie kann eine Person mit ADHS/ADS es selber wissen?

[01:10:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann vielleicht, jetzt habe ich reingequatscht, ich habe ADHS/ADS.

[01:10:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht hauptsächlich um die Selbstreflexion, dass man merkt, wie man ist, dass man
seinen Typ kennenlernt.

[01:10:34.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Viele Frauen, die ADHS/ADS haben und es früher nicht wussten, haben dann
überkompensiert. Die haben sich zwanghaft kontrolliert. Das ist auch nicht gut. Es ist
besser, man redet einander rein und dann reagiert der andere.

[01:10:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss ein Lernklima entstehen.

[01:10:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle unsere Macken.

[01:11:05.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es soll eine Atmosphäre entstehen, wo man sich selber sein kann und auch zurück
gebunden werden kann, damit wir lernen.

[01:11:06.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler bringen einem zum lernen.

[01:11:12.470] – Bemerkung 9
Sie bringen einem zur Verzweiflung.

[01:11:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben, üben, üben. Ein blöder Spruch machen geht auch.

[01:11:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Kampf, Flucht, Todstellreflex und Necken/Spotten.

[01:11:38.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken, das machen die Jungtiere in der Pubertät.

[01:11:46.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen zu denen zurückgehen und humorvoll etwas sagen.

[01:11:53.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt einem nicht immer.

[01:11:53.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Üben.

[01:12:05.010] – Bemerkung 10
Wäre es ein Vorteil, wenn eine Begleitperson etwas von ADHS/ADS versteht?

[01:12:22.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson mit dem ADHS/ADS umgehen kann und auch ein wenig
Selbstironie hat, dann ist es von Vorteil.

[01:12:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person kann dann sagen: weisst du, das passiert mir auch, aber wir müssen es
eben lernen.

[01:12:45.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Begleitperson gar keine Reflexionsfähigkeit hat, geht es gar nicht gut.

[01:12:47.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Begleitperson muss ein wenig etwas davon verstehen und die Fähigkeit haben,
selber zu reflektieren. Dann kann die Begleitperson als Coach funktionieren.

[01:13:06.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner wollen das alles bei sich behalten, aber sie haben zwei Jahre Wartefrist
für eine ADHS/ADS Diagnose. Dann ist schon alles vorbei.

[01:13:10.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich einfach über die sozialen Medien diagnostizieren.

[01:13:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle, wie man es nennt. Man sieht gewisse Charakteristika und sagt
dann: ah, ich bin auch so.

[01:13:22.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Winkler postet viel.

[01:13:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhsspektrum.com/

[01:13:36.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist jemand nicht diagnostiziert und er hat das Gefühl, der könnte in die Kategorie gehen,
dann darf man auch sagen: hast du dir jemals die Frage gestellt, ob du ein wenig so
bist?

[01:13:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: hast du ADHS/ADS?

[01:13:53.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele antworten dann: nein nicht, aber es geht ihnen durch den Kopf.

[01:13:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es nicht unbedingt abklären gehen. Ich bin da locker.

[01:14:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Kinder muss man es abklären, damit sie in der Schule einen Nachteilsausgleich
bekommen, auch in er Prüfung.

[01:14:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man mit sich umgehen lernt.

[01:14:20.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann an die Prüfung gehen und sagen: ich brauch das und das.

[01:14:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Arbeitsplatz kann man sagen: ich reagiere gar nicht gut auf Kritik oder wenn ich
zusammen geschissen werde. Das stellt mein Gehirn ab.

[01:14:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich erklären, ohne dass man es ADHS/ADS nennt.

[01:14:51.540] – Bemerkung 11
Ist es wichtig, dass man es im Team anspricht und offen darüber kommuniziert.

[01:14:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Offenheit ist das Wichtigste. Ungeniert kommunizieren. Dann ist das grösste Lernen
möglich. Wir sind alle am lernen.

[01:14:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Witz.

[01:15:10.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mediziner weiss alles und kann nichts. Der Chirurg weiss nichts und kann alles, er
ist der Chef. Der Pathologe weiss alles, leider zu spät. Der Psychiater weiss nichts und
kann nichts, aber lernt jeden Tag etwas.

[01:15:59.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern lernen wir.

[01:16:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Weiterentwicklung läuft über kleine Fehler, innerhalb von der Genetik.

[01:16:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen ruhig Fehler machen.

[01:16:21.770] – Bemerkung 12
Was empfehlen sie als Begleitung neben der Einnahme von Ritalin?

[01:16:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Antidepressivum, kein Ritalin ohne nicht auch eine Begleitung.

[01:16:37.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur mit Medikamenten zu korrigieren ist nicht gut.

[01:16:47.910] – Bemerkung 13
Das empfinde ich auch, sehe aber oft das Gegenteil. Was auch immer der Grund ist.

[01:16:59.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verleugnungstaktik. Man hat das Problem und denkt: mit dem Medikament
kann man es korrigieren. Es ist auch ein Grössenwahn der Mediziner, dass sie meinen,
dass sie den Menschen korrigieren können, mit einem Medikament.

[01:17:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich doch Coaching.

[01:17:10.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht eine Therapie sein, es kann auch Coaching sein.

[01:17:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss einen Coach finden, der sich im ADHS/ADS auskennt. Den muss man
suchen gehen.

[01:17:17.127] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/

[01:17:46.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Leute, die in X Therapien waren. Deren Therapeuten haben von ADHS/
ADS nichts verstanden.

[01:17:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das nicht versteht, will man es immer korrigieren. Das darf man nicht.

[01:18:20.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht mit einer Verhaltenstherapie korrigieren.

[01:18:29.110] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapielandschaft wird für die Verhaltenstherapie plädiert, weil man diese
Therapie am besten statistisch kontrollieren kann.

[01:18:34.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ADHS/ADS nicht weg erziehen. Am Schluss muss sich der ADHS/ADSler
immer selber erziehen. Dazu kann er einen Coach nehmen.

[01:18:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch ins Internet gehen, das ist anonym. Man findet viel auf dem Internet, wo
man sich gespiegelt fühlt.

[01:19:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer einen Coach hinzunehmen, nie nur Medikamente nehmen.

[01:19:10.860] – Bemerkung 14

Gibt es einen Beruf, der sich besonders für ADHS/ADS eignet? Es können nicht alle
Spitzensportler oder grosse Erfinder oder Politiker werden. Häufig sind das normale
junge Menschen mit durchschnittlichem IQ.

[01:19:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann ich nicht allgemein sagen. Ich mache viel Coaching und Berufsberatung.

[01:20:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles Berufe mit Beziehungen. Darunter sind: Arzt, Lehrer, Krankenschwester.

[01:20:04.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen Empathie und eine gute Wahrnehmung.

[01:20:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Verkäufer haben auch mit Menschen zu tun.

[01:20:09.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eintönige Arbeit ist nicht gut für ADHS/ADSler. Fliessbandarbeit ist nicht gut für ADHS/
ADSler. Dort geht die Aufmerksamkeit sofort weg.

[01:20:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Industrien wird immer rotiert. Das ist gut für die ADHS/ADSler. Es muss
immer wieder abgewechselt werden.

[01:20:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sagen: ich möchte selbständig werden.

[01:20:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mögen alle keine Vorgesetzten. Sie wollen der eigene Chef sein.

[01:21:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Lernt der Chef zusammen mit dem Schüler, dann geht es.

[01:21:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz herrschen da noch komische Chef Vorstellungen.

[01:21:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz noch ein paar komische Chefvorstellungen.

[01:21:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch Vorgesetzte, welche verrückt wurden und Dinge herumgeworfen haben.

[01:21:21.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist man in der oberen Etage, z.B. in der Chirurgie, gehört sich das.

[01:21:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bekannter Chirurg in Basal hat keine falsche Bewegung gemacht. Er hat mal seine
OP Schwester angeschrien. Die hat alles schön hingelegt und ist rausgelaufen. Er
fragte: wohin gehen sie? Sie antwortete: auf die Weide Gras fressen.

[01:21:59.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat sich ihren Platz erobert.

[01:22:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Geistesgegenwart zu haben, ist etwas für sich.

[01:22:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beruf mit Menschen ist für ADHS/ADSler immer gut.

[01:22:26.240] – Bemerkung 15
Im Spital kommt es schnell zum System Overload. Das lässt sich nicht so einfach
reduzieren.

[01:22:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind gut im Multitasking, wenn ihnen die Arbeit Spass macht. Das fährt
das Dopamin hoch.

[01:22:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu viel ist, bricht es zusammen.

[01:23:10.240] – Bemerkung 16
Sie leiden selber drunter. Die Feedbacks kommen schnell. Dann kommt die
Rechtfertigung.

[01:23:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Schüler in die Rechtfertigung kommt, dann muss man sagen: das wird hier
nicht diskutiert, wir diskutieren das separat.

[01:23:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Schüler sagen, wie er vorgegangen ist. Dann kommt die Validierung.

[01:23:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rechtfertigung muss separat diskutiert werden.

[01:23:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Fühlt sich der Schüler danach wertgeschätzt, haben sie danach eine bessere Situation.
Es ist ein üben, ein lernen. Es lernen beide.

[01:24:35.460] – Bemerkung 17
Es kommt zu erhöhten Lehrabschluss Abbrüchen. Wie geht man da vor? Wie soll man
mit dem Frust umgehen?

[01:24:55.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Immer, indem man schaut, wie ist das Mishap zustande gekommen.

[01:25:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut reculer pour mieux sauter.

[01:25:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zurückgehen und schauen, wie es schief gelaufen ist.

[01:25:13.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Beruf unbedingt wollen, muss man schauen, wie man es nochmals
machen kann. Nochmals eine Chance geben.

[01:25:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Tennisspieler hat zwei Anschläge.

[01:25:49.399] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind dann vielleicht drei oder vier.

[01:25:49.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch fragen: ist es wirklich der richtig Beruf?

[01:25:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Manche bleiben zwanghaft in einem Beruf: ich muss das hinkriegen. Es ist aber gar
nicht ihr Beruf. Solche habe ich dann auch.

[01:25:56.290] – Bemerkung 18
Wenn merkt auch, wenn sich einer durch gekämpft hat.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist gut wenn man sagt: versuch es durchzuziehen, auch wenn du den Beruf später
nicht ausübst. Du lernst so oder so. Es ist sehr viel menschliches Lernen dabei. Das
kannst du immer gebrauchen.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Aufgeben, ausscheiden hinterlässt Spuren.

[01:26:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal muss man auch sagen: nein aufhören, umorientieren. Das ist immer ein
schwieriger Entscheid.

[01:26:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muntere dazu auf, nicht aufzugeben. Wenn man das Papier hat, kann man etwas
neues machen.

[01:27:12.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Ausbildung bringt etwas mit sich, auch wenn der Abschluss nicht so gut ist. Man
hat trotzdem etwas gelernt.

[01:27:26.560] – Bemerkung 19
ADHS/ADS ist keine Krankheit. Ich kann es noch nicht bei mir platzieren.

[01:27:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist ein Genotyp. Es wird genetisch vererbt. Es ist ein Neurotyp. Das Gehirn
eines ADHS/ADSler ist bisschen anders, es funktioniert anders.

[01:27:41.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Anders ist nicht krank. Anders aber nicht krank.

[01:27:41.461] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.kommode-verlag.ch/shop/anders-nicht-falsch/

[01:27:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Andersartigkeit wahrnehmen.

[01:27:56.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Mediziner wollen immer unterscheiden: hier krank, dort gesund.

[01:27:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autismus spricht man vom Autismus-Spektrum. Es ist ein Spektrum.

[01:28:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das anpassungsfähigste, veränderbarste Organ. Das kann man nicht in
eine Schublade stecken.

[01:28:11.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Suche nach dieser Genauigkeit, die geht nicht, die funktioniert nicht beim ADHS/
ADS.

[01:28:12.055] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis hier bist du gesund und dort wird es krank.

[01:28:12.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles eine Definitionssache.

[01:28:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie verschiedene Kulturen anschauen: in China wird gerülpst während dem
Essen. Das heisst, das Essen schmeckt gut.

[01:28:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns ist das völlig unanständig.

[01:28:47.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist die gleiche Reaktion.

[01:28:56.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget spricht vom Dezentrieren.

[01:28:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Dezentrierung

[01:28:57.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät lernt man seine Moral, seine Ethik, seine Vorlieben erkennen und dann
auch durchsetzen.

[01:29:12.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn zwei Religionen aufeinander kommen oder zwei Nationen, also Leute von
verschiedenen Kulturen, dann muss man sagen können: In der Schweiz machen wir es
so, aber in Amerika macht man es so und in Japan so.

[01:29:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss man sich verneigen, bei uns gibt man sich die Hand.

[01:29:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unhöflich, wenn man sich die Hand nicht gibt in der Schweiz.

[01:29:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Coronazeit hat man sich die Hand nicht mehr gegeben. Jetzt weiss man nicht:
soll ich die Hand noch geben oder nicht?

[01:29:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In Japan muss der Untergebene sich tiefer verneigen, als der höher Gestellte.

[01:29:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss den Unterschied wahrnehmen können.

[01:29:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, du funktionierst so, ich funktioniere so.

[01:30:02.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch zwei ADHS/ADSler unterschiedlich funktionieren.

[01:30:07.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine andere Funktionswiese vom Gehirn.

[01:30:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem wie man aufgewachsen ist, hat man etwas anderes gelernt.

[01:30:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spielt das ADHS/ADS eine Rolle und auch die Erziehung.

[01:30:41.810] – Bemerkung 20
Prokrastination ist ein Sympton, welches viele ADHS/ADSler haben. In der
Selbständigkeit hat man viel Fleissarbeit, die man nicht so gerne macht. Rechnungen
schreiben, Buchhaltung führen, etc. Begibt man sich hier nicht selber in Gefahr?

[01:30:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen Buchhalter anstellen. Wenn man sich das nicht leisten kann, dann
kann man in dem Moment das Medikament nehmen. Das machen viele Erwachsene.
Haben sie eine langweilige Arbeit, die sie nicht gerne tun, dann nehmen sie eine Pille.
Gewisse machen das. Dann geht es. Man kann dann besser fokussieren.

[01:31:53.730] – Bemerkung 21
Bei der Prokrastination setzt man sich gar nicht erst hin.

[01:32:03.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es im Hinterkopf haben.

[01:32:09.190] – Dr.med. Ursula Davatz
An dem Tag, an dem Ort, zu dieser Zeit mache ich diese Arbeit und ich nehme noch ein
Ritalin. Dann kann ich es.

[01:32:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein Gehirn disziplinieren.

[01:32:18.128] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer ein wenig Selbstdisziplin. Man muss seine Pferde zähmen und
sagen: dann gehst du über das Hindernis.

[01:32:48.090] – Bemerkung 22
Man muss das Ritalin nicht immer einnehmen?

[01:32:48.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, gar nicht. Man denkt immer: das Medikament muss man immer nehmen.

[01:32:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt SSRI, die haben eine langsame Wirkung. Die greifen in den Serotonin Haushalt
ein. Die muss man immer nehmen.

[01:33:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin muss man nicht immer nehmen. Das kann man gezielt einsetzen.

[01:33:34.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sagen: wenn ich an die Universität gehe, ist es so interessant, dann brauche
ich kein Ritalin.

[01:33:47.010] – Bemerkung 23
Das Zwischenmenschliche ist mir sehr wichtig. Wenn ich das Medikament nehme, dann
spüre ich mich selber nicht mehr. Das Medikament verändert mich extrem. Ich will es
deshalb nicht nehmen. Ich bin dann sehr fokussiert auf die Schule, aber was mir am
Herzen liegt, kann ich nicht machen.

[01:33:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt jetzt immer mehr ans Licht. Das beobachte ich schon lange.

[01:33:56.981] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin gibt einen Fokus und die breite Wahrnehmung geht verloren. Die emotionale
Wahrnehmung geht verloren. Man ist nicht mehr so kreativ.

[01:34:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Architekturstudenten sagen dann: ich bin nicht mehr so kreativ.

[01:34:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: nicht nehmen.

[01:34:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Personen achten mehr auf die inneren Symptome, auf die inneren Gefühle,
andere schneiden das einfach ab.

[01:34:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern sage ich: in den Ferien nicht nehmen. Dort gibt es genügend
Stimulation. Auch am Wochenende nicht nehmen.

[01:35:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause zum Lernen müssen es die Studenten nehmen.

[01:35:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz

Das muss jeder selber herausfinden.

[01:35:24.660] – Bemerkung 24
Wie gehe ich mit ADHS/ADS Patienten um? Dort hat man nur eine Chance vom
Auftreten her.

[01:35:55.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sagen mir Patienten: diese Krankenschwester hatte sicher ein ADHS/ADS.

[01:36:10.820] – Bemerkung 25
Gewissen Patienten geht die Aufklärung zu weit.

[01:36:19.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Patient reklamiert, würde ich nicht sagen: ja die hat ein ADHS/ADS. Das kann
man nicht zum Patienten sagen.

[01:36:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ja ich weiss, wessen Herz voll ist, läuft der Mund über.

[01:36:30.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Patienten kann man sagen: sie dürfen sagen, dass es ihnen zu viel ist.

[01:36:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es auch um eine offene Kommunikation.

[01:36:54.710] – Bemerkung 26
Wie kann ich dem vorbeugen? Braucht der Mitarbeiter selber ein Coaching?

[01:37:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Vorbeugen ist schwierig. Viele ADHS/ADSler die merken wie sie sind,
wollen immer vorbeugen. Dann nehmen sie sich so stark zurück, dass sie verkrampft

werden. Das ist auch wieder nicht normal. Das sind oft Frauen, welche erst mit 40
Jahren die Diagnose erhalten.

[01:37:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann: ich bin halt so und sie können mir sagen, wenn es nicht gut ist.

[01:37:45.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu verkrampft gegen sein Naturell vorgeht, ist das nicht so gut.

[01:37:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird zu viel vorgebeugt. Dann wird alles verhindert. Die Spontanität geht dann
weg. Dann kommt bald ins Lügen. Man lügt etwas vor.

[01:37:49.444] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Fernsehsendungen versuche ich immer zu sehen: lügt der jetzt. Lügenverhalten
ist steifes Verhalt, nicht spontan, nicht natürlich. Man spürt den anderen nicht richtig.

[01:38:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber einmal ausrutschen und wieder daraus lernen.

[01:38:06.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat mit der Fehlerkultur zu tun.

[01:38:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss selber wissen, wie fest er vorbeugen möchte, wie fest er sich zurück halten
möchte. Das hängt mit der eigenen Erziehung zusammen.

[01:38:58.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so erzogen wurde, dass man gar nichts falsch machen darf, dann wollen die
wahnsinnig vorbeugen, bis zum Punkt, wo sie nicht mehr natürlich sind.

[01:39:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei jedem Individuum anders.

[01:39:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen den eigenen Weg finden, was sie gut finden. Das geben sie weiter. Das ist
nicht bei allen gleich.

[01:39:33.040] – Bemerkung 27
Wie sieht es damit aus, wenn man im HR arbeitet?

[01:39:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das HR muss aufpassen, dass nicht zu Anpassungszwecken missbraucht wird. Man
muss die Person zuerst einmal anhören, validieren und dann sagt: in dieser Situation
geht das nicht.

[01:40:20.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat zu einem Alkoholiker gesagt: mein Job ist mir wichtiger, ich möchte
nicht entlassen werden. Ich muss mich an die Regeln halten. Sie müssen lernen damit
umzugehen.

[01:40:36.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst validieren. Dann sagen sie was die Regeln sind.

[01:40:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr wichtig.

[01:40:36.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fühlt sich die Person verstanden.

[01:40:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier hat das HR eine sehr wichtige Rolle.

[01:40:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst zuhören, wie sich die Person fühlt und Verständnis zeigen.

[01:41:03.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach das System erklären, welches man nicht ändern kann, weil es so laufen muss.
Wenn man im System bleiben möchte, muss man sich an dieser Stelle anpassen.

[01:41:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie bereiten sie sich auf das nächste Gespräch vor?

[01:42:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiterverweisen zu einem Coach, nicht zu einem Therapeuten.

[01:42:10.490] – Bemerkung 28
Bei den männlichen Jugendlichen ist aber 15 Jahren die Hyperaktivität sichtbar.
Jemand möchte allen helfen, dabei gehen seine Aufgaben unter. Wie gehe ich damit
um?

[01:42:32.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst generalisieren und sagen: ich sehe, du bist ein Helfertyp, das ist sehr gut. Du
willst allen helfen. Du musst ein bisschen warten. Nicht gleich, wenn du ein Problem
siehst, gleich helfen wollen. Keinen spontanen Entscheid treffen. Zuerst loben für das
Helfen und dann zeigen, dass es an dieser Stelle nicht geht. Du kannst nicht
gleichzeitig allen helfen und Deine Arbeit machen.

[01:43:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen werden das nie los. Sie werden diese breite Aufmerksamkeit immer
sehen, das ist angeboren.

[01:43:49.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wirklich aufzeigen.

[01:43:54.290] – Bemerkung 29
Im Studium habe ich gelernt, dass ein ADHS/ADS Teilnehmer kein Hindernis ist für eine
Gruppe, sondern eine unentdeckte Stärke. Ich musste den Umgang mit der Person
lernen. Er hatte in einem Bereich einen Hyperfocus. Es lief super, wir konnten mit ihm
sehr gut umgehen.

[01:44:50.000] – Bemerkung 29
Man muss rausfinden, was die Stärke vom ADHS/ADS Mitarbeiter ist und ihn dort
einsetzen. Wenn der ADHS/ADSler genug reflektiert hat und seine Schwäche erkennt,
kann er sich dort zurück nehmen.

[01:44:50.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut, dass man ihn dort einsetzt, wo er seine Stärke hat. Das ist die Kunst
der Teamleiterin.

[01:44:59.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit einem Zirkusdirektor oder einem Löwenbändiger.

[01:45:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schaut, wer wo ist und wirft im richtigen Moment etwas zu. Das ist die Kunst.

[01:45:02.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur die Schwäche kritisieren.

[01:46:16.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch sein, dass jemand sagt: ich möchte lernen mit meiner Schwäche
umzugehen. Das ist etwas anderes, das ist hohe Schule.

[01:46:16.850] – Bemerkung 30

Ich habe Mitarbeiter mit ADHS/ADS. Es kommt immer wieder zu einer Reizüberflutung.
Es fehlt ihnen immer die Struktur. Wie kann ich das fördern, beibringen? Es
überschwemmt sie immer wieder.

[01:46:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Führung der Menschen ist gut, wenn die alle Eigenverantwortung haben.

[01:47:01.754] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler überboarden, muss man wieder reinkommen. Jetzt machen wir
das so und so. Sie müssen in eine autoritäre Situation gehen und ordnen. Dort muss
man schneller eingreifen. Das heisstn nicht, dass man immer autoritär bleibt.

[01:47:01.986] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kunst ist, einmal sehr autoritär zu sein, alles dirigieren und sich dann wieder zurück
zu ziehen und die ADHS/ADSler sich selber zu überlassen.

[01:47:37.560] – Bemerkung 31
Selber auch dem Durcheinander raus zu kommen ist schwierig für sie.

[01:47:43.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann braucht es eine Krisensitzung. Dafür braucht man Zeit.

[01:47:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe im Kantonsspital Baden viele Krisensitzungen geleitet. Dort gab es grosse
Krisen.

[01:48:22.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Eher früher eingreifen, bevor das Durcheinander auftritt.

[01:48:36.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn eine Mutter ADHS/ADS Kinder erzieht, muss sie gewieft sein, sie darf nicht hinter
die Bewegung kommen. Wachsam sein und frühzeitig übernehmen. Das heisst nicht,
dass man immer übernimmt.

[01:48:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Kunst zwischen total die Führung übernehmen und alles laufen zu lassen.

[01:48:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind nicht so autoritär veranlagt. Es kommt auf die Geschwisterposition an.
Die Älteste ist eher autoritär, die Jüngste eher nicht.

[01:49:27.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen wie es läuft. Sie sagen nicht: du bist falsch und du bist richtig. Jetzt wird es
so gemacht. Darüber sind die Leute dann froh. Das entlastet sie.

[01:49:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Kinder.

[01:49:48.182] – Dr.med. Ursula Davatz
Die antiautoritäre Erziehung, wenn das Kind entscheidet, wann es isst, wann es ins Bett
geht, wann es aufsteht, etc., so werden Kinder zu Tyrannen erzogen. Das wollen wir
nicht.

[01:49:52.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Spass.

[01:49:57.170] – Bemerkung 32
Was machen sie mit den Kindern, wenn Mutter und Vater auch ADHS/ADS sind?

[01:50:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen einen gemeinsamen Nenner finden. Der gemeinsame Nenner ist: ich
möchte, dass mein Schüler, ihre Tochter, ihr Sohn eine möglichst gute Erfahrung macht
und eine gute Ausbildung bekommt. Ich würde vom Kind ausgehen.

[01:51:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern frage ich: was ist ihre grösste Angst? Ich versuche die Leute in ihrem Extrem
abzuholen. Was wollen sie verhindern? Was ist ihre grösste Angst, das bei ihrem Kind
schief laufen könnte? Ich gehe zu den Extremen.

[01:51:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt etwas raus, z.B., dass sie ihre Abschlussprüfung nicht schafft.

[01:51:29.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht gleich gegen die Eltern vorgehen.

[01:51:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeut ist man immer in Konkurrenz zu den Eltern. Man muss lernen
damit umzugehen.

[01:51:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Schutz vom Kind übernehmen, werden sie zur Konkurrenz.

[01:51:59.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter meint, dass man es anders machen muss. Die Mütter können einem
belehren wollen. Dann muss man die Mutter validieren. Ich frage nach der Angst.

[01:52:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre grösste Sorge? Was wollen sie verhindern?

[01:52:17.237] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen, wo man sich trifft.

[01:52:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: ja, das verstehe ich.

[01:52:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Mutter können es so anschauen, ich als Lehrperson muss es so anschauen. Sie
müssen auch ihr System verteidigen, welches einfach vorhanden ist.

[01:52:34.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieder die Unterschiede aufzeigen.

[01:53:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter sieht man es so und als Lehrperson sieht man es in der Berufsausbildung so.

[01:53:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor sie ihren Standpunkt beziehen, immer die Mutter validieren.

[01:53:28.370] – Bemerkung 33
Gibt es einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Sucht?

[01:53:40.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, sehr. Das kommt jetzt statistisch heraus. Viele ADHS/ADSler werden süchtig.

[01:53:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler zu eng erzogen werden, stossen sie mit ihren Emotionen überall
an.

[01:53:57.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Suchtmittel nehmen, sind sie ach so ruhig und ach so glücklich und alles ist
gut.

[01:54:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Definition der WHO für Gesundheit ist: körperliches Wohlbefinden, psychisches
Wohlbefinden und soziales Wohlbefinden.

[01:54:30.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Heroinsüchtige erfüllt alles. Er hat körperlich keine Schmerzen, er fühlt sich wohl,
es ist euphorisierend, es gibt ein Pseudo-Selbstwertsgefühl und sie brauchen sozial
nichts, ausser das Suchtmittel. Daher sind sie sehr gefährdet.

[01:54:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Beruhigungsmittel sind auch Suchtmittel.

[01:54:59.897] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Suchtmittel nimmt, ist das immer ein Selbstbetrug.

[01:55:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle unangenehmen Gefühle, sind Rückmeldungen an das Gehirn, dass etwas nicht
stimmt. Ich bin nicht wohl, ich bin nicht im Gleichgewicht.

[01:55:14.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich künstlich mit Suchmitteln in das Gleichgewicht bringt, ist das ein
Pseudogleichgewicht und ein Pseudo-Selbstwertgefühl.

[01:55:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Menschen muss man begleiten. Ich habe viele Suchtpatienten begleitet, viele Jahre
lang. Die Abstinenz vom Suchmittel war nie meine Absicht.

[01:55:19.417] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Zuerst muss man lernen die
Gefühle wahrzunehmen. Dann schauen, was das mit einem macht. Dann lernen, wie
die Gefühle entstehen und dann lernen wie man anders reagieren könnte.

[01:55:19.555] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist viel anstrengender als einen reinziehen.

[01:55:19.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS will schnell eine Lösung, da kommt das Suchtmittel genau richtig. Das
ist eine gefährliche Lösung.

[01:55:53.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die alle runter bremsen. Das ist das gleiche, dass man nicht spontan
entscheidet. Jetzt wird gelernt.

[01:55:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Alkoholsüchtige begleitet, die schlussendlich Freude am Leben bekommen
haben und gesagt haben, jetzt bin ich bei mir, ich bin richtig stolz auf mich.

[01:56:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Suchtprogrammen wird oft auch mit Belohnung und Bestrafung gearbeitet.

[01:56:05.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Leben ist ein lebenlanges Lernen. Ich komme immer wieder zum sokratischen
Lernen. Der Lehrer lernt auch vom Schüler.

[01:56:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn beide lernen, ist es spannend.

[01:56:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich ihnen zum Abschluss.

Folgekrankheiten von ADHS und ADS

Dr. med. Ursula Davatz betont in ihren Ausführungen, dass viele der psychiatrischen und körperlichen Diagnosen, die bei Menschen mit ADHS/ADS festgestellt werden, aus ihrer Sicht Folgekrankheiten sind. Diese entwickeln sich, wenn nicht artgerecht, persönlichkeitsgerecht und neurotypgerecht mit diesen Menschen umgegangen wird. Druck und ein nicht-verständnisvolles Umfeld können dabei eine zentrale Rolle spielen.

Folgende Folgekrankheiten und Probleme im Zusammenhang mit ADHS werden von Dr. Davatz im Audiomaterial diskutiert:

  • Psychiatrische Folgekrankheiten:
    • Persönlichkeitsstörungen bei Frauen: Insbesondere bei hyperaktiven Frauen mit ADHS, die zurückgebremst werden, kann sich eine Persönlichkeitsstörung entwickeln.
    • Borderline Persönlichkeitsstörung: Diese Diagnose ist laut Dr. Davatz häufig bei Frauen mit ADHS anzutreffen, die in ihrer Entwicklung eingeschränkt wurden.
    • Depression: Depressionen treten häufiger bei Frauen mit ADHS auf, insbesondere wenn die Diagnose erst spät gestellt wird und sie zuvor viel Energie in die Anpassung gesteckt haben.
    • Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Bei Männern mit ADHS beobachtet Dr. Davatz eher diese Entwicklung, die bis hin zu Delinquenz führen kann.
    • Suchtstörungen: Menschen mit ADHS/ADS neigen dazu, Suchtmittel zu verwenden, um ihr starkes Temperament zu regulieren. Dies kann alle Arten von Suchtmitteln umfassen, aber auch den Gebrauch von Beruhigungsmitteln bis hin zur Abhängigkeit.
    • Schizophrenie: ADHS/ADS-Betroffene können in einen schizophrenen Zustand übergehen, wenn ihr emotionales Gehirn über längere Zeit völlig überlastet ist. Dies ist ein Resultat eines „System Overload“ im emotionalen Hirn.
    • Bipolare Störung: Tritt bei ADHS/ADSlern auf, möglicherweise als Befreiung von zu engstirniger Erziehung durch manische Schübe.
  • Körperliche Folgekrankheiten:
    • Fibromyalgie und Schmerzen: Frauen mit ADHS entwickeln tendenziell häufiger Fibromyalgie und chronische Schmerzen.
    • Herzinfarkte: Männer mit ADHS scheinen anfälliger für Herzinfarkte und ähnliche Erkrankungen zu sein.
    • Muskel-Skelett-System-Probleme und Schmerzen am ganzen Körper: Dr. Davatz beobachtet diese Probleme häufig bei Frauen mit ADHS.
  • Soziale und verhaltensbezogene Probleme:
    • Selbstverletzendes Verhalten (Ritzen) und Essstörungen: Kommt bei Frauen mit ADHS vor.
    • Rückzug und Kommunikationsverweigerung: Insbesondere bei ADS-Betroffenen kann es bei negativen Erfahrungen zu einem kompletten Rückzug und Verweigerung der Kommunikation kommen. Dies kann fälschlicherweise als Autismus wahrgenommen werden.
    • Schulverweigerung: Kinder mit ADHS/ADS können die Schule verweigern, wenn ihre Bedürfnisse im schulischen Umfeld nicht erfüllt werden.
    • Delinquenz: In extremen Fällen können insbesondere ADHS-Betroffene delinquent werden, wenn sie im erzieherischen Umfeld ständig Kritik erfahren und ausscheren.

Dr. Davatz betont, dass diese Folgekrankheiten nicht zwangsläufig auftreten müssen und durch einen verständnisvollen, geduldigen und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Umgang oft vermieden oder gemildert werden könnten. Ihrer Meinung nach liegt das eigentliche Problem oft nicht in der genetischen Veranlagung selbst, sondern in der mangelnden Anpassung des Umfelds an die Besonderheiten neurodivergenter Menschen. Sie plädiert daher für Prävention durch frühe Aufklärung und Unterstützung des Umfelds

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/03/autismus-diagnostik-25.3.2025.m4a.pdf